Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 13/1987
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POLITISCHE KULTUR - EIN FORSCHUNGSWEG DES MARXISMUS?
Friedhelm Kröll/Kaspar Maase
1. Zur Herkunft des Konzepts politische Kultur - 2. Neues Inter-
esse seit dem Ende der 70er Jahre - 3. Politische Kultur in der
neueren sowjetischen Politikforschung - 4. Zu Problemen und Per-
spektiven eines marxistischen Konzepts politische Kultur aus bun-
desdeutscher Sicht - 5. Einige Diskussions- und Arbeitsschwer-
punkte
1. Zur Herkunft des Konzepts politische Kultur
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Mit der Veröffentlichung des "Handwörterbuchs zur politischen
Kultur der Bundesrepublik Deutschland" 1) hat der Begriff politi-
sche Kultur den Status eines zitierfähigen Konzepts angenommen,
wenngleich bis heute die Stimmen des Zweifels nicht verstummt
sind. Jedenfalls, die Lektüre des dortigen Stichwortartikels
"Politische Kultur" 2) verstärkt einmal mehr den Eindruck, daß
Herkunft und Ambiente nicht dazu angetan sind, das Konzept poli-
tische Kultur so ohne weiteres in die marxistische Politikfor-
schung einzufügen. Galkin, dessen Vorschläge die entsprechende
Diskussion wiederbelebt haben, hat zu Recht daran erinnert, daß
"der Begriff der politischen Kultur ... außerhalb der marxisti-
schen Tradition entstanden" 3) und also erhöhte Aufmerksamkeit im
Zuge einer kritischen Aneignung geboten ist.
Nimmt man das Auftauchen des Begriffs "political culture" als In-
dikator, dann ist die Grundlegung dieses Konzepts in der Mitte
der fünfziger Jahre zu verorten. Damals begannen einige US-ameri-
kanische Politik- und Sozialforscher nach neuen Zugängen Ausschau
zu halten, um die Politik mit realitätsnäheren Modellen zur Ana-
lyse der "Kalkulierbarkeit und Steuerung von Stabilität und Wan-
del politischer Systeme - vor allem aus der Perspektive und von
den Interessen einer Super- oder Weltordnungs- bzw. Interventi-
onsmacht wie die USA -" 4) zu versorgen. Wohin entwickeln sich
die jungen Staaten, die sich aus der kolonialen Hegemonie lösen?
Wohin bewegen sich die vom Faschismus befreiten, politisch-kul-
turellen "Modernisierungsnachzügler" Bundesrepublik, Italien und
Japan? Diese vom Standpunkt des Erhalts der hegemonialen Stellung
der USA aus aufgeworfenen Fragen bildeten den ursprünglichen Pro-
blemhorizont.
In methodologischer Hinsicht stellte die Einführung des Konzepts
politische Kultur den Versuch dar, die Kluft zwischen politikwis-
senschaftlicher Mikro- und Makroanalyse zu verringern. Im Wege
der Herausarbeitung von Vermittlungsmomenten zwischen der Ebene
der politischen Sozialisation und der der Funktionsweise politi-
scher Systeme sollte die Grundschwäche der Politologie, Zerfäl-
lung der Analyse in behavioristischen Psychologismus und stati-
sche Institutionenlehre, überwunden werden. Politische Kultur be-
zog sich dementsprechend auf die vermittelnden Ebenen und Mecha-
nismen, worüber das Verhalten im politischen Sinn geleitet wird.
Sie wurde als Gesamtheit von Orientierungen, Grundüberzeugungen
und stereotypisierten Meinungen aufgefaßt, die dem politischen
Prozeß Folgerichtigkeit und Sinn vermitteln und die zugleich die-
jenigen Leitvorstellungen und Normen enthalten, die das politi-
sche Verhalten der Individuen steuern. Anders, das Konzept poli-
tische Kultur sollte den "verallgemeinerten Ausdruck der psycho-
logischen und subjektiven Dimension der Politik" 5) zur Geltung
bringen, ohne in den Fehler eines psychologischen Reduktionismus
zurückzufallen.
Mit der komparatistisch arbeitenden Studie von Almond und Verba
"The Civic Culture" (1963), 6) inzwischen eine Art "Klassiker",
wurde der erste umfassende Entwurf empirisch-typologischer Er-
forschung politischer Kultur(en) vorgelegt. Gerade der ideolo-
gisch-affirmative, der politikfunktionalistische Grundzug des
Konzepts und die hierüber intonierte Apologie der imperialen Am-
bitionen der US-democracy 7) haben wesentlich dazu beigetragen,
daß dieses Konzept zu Anfang der siebziger Jahre innerhalb der
konservativen Politikforschung der BRD auf freundlichen Rezepti-
onswiderhall gestoßen ist. (Erst um einiges später, in gleichsam
partizipationskultureller Uminterpretation ist die Forschungsidee
politische Kultur von sozialdemokratisch orientierten Politik-
und Sozialwissenschaftlern aufgegriffen worden.)
Die Einfahrt der politischen Kulturforschung sowie deren spezifi-
sche Akzentuierung erfolgte in der BRD vornehmlich über die
Wegstrecke der Wahlsoziologie. In einer 1972 erschienenen Disser-
tation, an der der spätere bayerische Kultusminister Maier als
Berater und Korreferent mitgewirkt hat, wurden erstmals der Ent-
wicklungs- und Rezeptionsstand umfassend resümiert sowie die For-
schungsziele für die bundesdeutsche Politikwissenschaft formu-
liert. Diese Zwischenbilanz wird mit einem ebenso bemerkenswerten
wie bezeichnenden Vorwort, das Licht auf die politisch-inhaltli-
chen Motive wirft, eröffnet: "Die Anfänge dieser Arbeit gehen zu-
rück auf die häufig gestellte Frage, warum es nicht gelang,
'Westminster nach Afrika zu verpflanzen', bzw. in Afrika und in
'Entwicklungsländern' im allgemeinen stabile politische Systeme
zu errichten, die der doppelten Herausforderung nach ökonomischer
Leistungsfähigkeit unter Wahrung demokratischer und rechtsstaat-
licher Prinzipien gerecht werden könnten." 8) Aber nicht nur die-
ser Problematik sollte die Forschungsperspektive politische Kul-
tur gewidmet sein. In Anspielung auf das Problem der
"Unregierbarkeit der westlichen Demokratien" galt das Interesse
zugleich der Leistungskraft des Konzepts für die Erforschung der
Determinanten und Mechanismen des Erhalts des politischen Status
quo namentlich in der BRD. 9)
Zum Zeitpunkt der Justierung des Blicks auf die Problematik der
politischen Kultur als verallgemeinertem Ausdruck der subjektiven
Dimension des politischen Prozesses erschienen hierzulande die
ersten Studien zur Untersuchung des Wählerpotentials der DKP.
Studien, die um die Frage des sog. Radikalismuspotentials, als
Reflex wachsender ökonomischer, politischer und geistig-kulturel-
ler Krisenhaftigkeit der BRD-Gesellschaft, kreisten. 10) Studien,
die einige Zeit später, gleichsam in Farbenverschiebung, ihre
Fortsetzung in der Erforschung des wachsenden "Protestpotentials"
als möglicher Quelle der Etablierung der Grünen ins Parteienge-
füge der BRD fanden. 11) Anders: Insbesondere die bundesdeutsche
Wahlforschung erhoffte sich von der Einbeziehung der Forschungs-
konzeption politische Kultur eine Bereicherung sowie theoretische
Fundierung ihrer symptomatologischen Analysen zur Krisendiagnose
möglicher Umbrüche in der wahlpolitischen Landschaft bzw. des
Wählerverhaltens. Es ging letztlich um die Frage der Steuerbar-
keit, der stabilitätsorientierten Verarbeitung und systemkonfor-
men Lösung der sich abzeichnenden "Krise des Parlamentarismus"
infolge sich ausbreitender neuer sozialer Bewegungen und politi-
scher Alternativen. 12) Das Konzept politische Kultur ist auch in
der bundesdeutschen Rezeption von Anfang an dem Geist der ideolo-
gischen Affirmation und des Erhalts der Funktionsfähigkeit des
politischen Systems der staatsmonopolistischen Ordnung zugeformt
gewesen.
2. Neues Interesse seit dem Ende der 70er Jahre
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1979 erschien (nach Teilabdruck als SPIEGEL-Serie) unter dem Ti-
tel "Ein schwieriges Vaterland" eine Studie von Martin und Sylvia
Greiffenhagen. 13) Diese Schrift markiert den Beginn einer erneu-
ten Zuwendung zum Konzept politische Kultur in der akademischen
Politikwissenschaft der BRD. 14) Welche Gründe dafür lassen sich
nennen?
Einen aktuellen Anlaß bildete die Sorge sozialdemokratisch und
radikaldemokratisch orientierter Wissenschaftler, mit der repres-
siven Reaktion des Staates auf terroristische Aktionen und mit
der massenmedial angepeitschten Hatz auf widerständige Minderhei-
ten werde eine Wende zum drastischen Abbau bürgerlich-demokrati-
scher Positionen eingeleitet. 15) Sie sorgten sich um die be-
drohte "Fähigkeit zum Dialog" und fragten nach den autoritären
Traditionen, die im "kollektiven Gedächtnis" wirkten und in den
Berufsverboten aktualisiert schienen. Vor diesem Hintergrund sind
die Versuche zu sehen, ein Leitbild politische Kultur zu entwer-
fen, das jene Wertorientierungen, Einstellungen und Normen poli-
tischer Konfliktaustragung zusammenfaßt, die eine offene Entwick-
lung pluralistischer Demokratie sichern sollen. 16) In diesem
normativen, wertenden Sinn hielt der Begriff Einzug bei Politi-
kern und Publizisten, wurde zum Kampfbegriff der verschiedenen
Lager und etablierte sich in der politischen Sprache der Bundes-
republik.
Ein zweiter, tieferliegender Grund für die Wiederbelebung des
Konzepts: Im Laufe der 70er Jahre wurde unübersehbar, daß die po-
litische Integration über die Institutionen des parlamentarischen
Repräsentativsystems Bruchstellen aufwies. Bürgerinitiativen und
außerparlamentarische Bewegungen machten ebenso wie die trotz
Krise aufrechterhaltene Streikfähigkeit der Gewerkschaften auf
ein wachsendes Potential "unkonventioneller" Formen der Interes-
senvertretung aufmerksam, dessen alle "Partizipations"theorien
nicht Herr wurden. Der in der Politikwissenschaft dominierende
Bezug auf die Institutionen, die Konzentration auf Umfrageergeb-
nisse, die die Bewertung des traditionellen politischen Systems
widerspiegeln sollten, und die Reduktion der Politik auf "how to
vote" waren für die neuen Herausforderungen nicht gerüstet.
Ein dritter Impuls: In der bürgerlichen Reaktion auf diese Verän-
derungen fand die Dimension der Werte als Faktor wie als Gegen-
stand der Politik neue Aufmerksamkeit. Das Spektrum reicht von
analytisch akzentuierten Studien in der Folge von Ingleharts
"Wertwandel"-These 17) über Versuche, aus Befragungsergebnissen
Rezepte für ein systemerhaltendes "Werte-Management" abzuleiten,
18) bis zum offenen Weltanschauungskampf um "Grundwerte", "Mut
zur Erziehung" und "Tendenzwende".
Empirische Studien zu politischen Orientierungen und Verhaltens-
dispositionen stellen fest, daß die bisher verwendeten Raster und
Abgrenzungslinien, mit deren Hilfe Einstellungen und politisches
Verhalten vorherzusagen und auch zu beeinflussen war (Zugehörig-
keit zur Arbeiterschaft, zur Gewerkschaft oder zu einer der
beiden christlichen Konfessionen z.B.), tendenziell durch neu-
artige Determinanten ("ökologische", "subjektthematische", "glo-
balethische" etc. Konfliktlinien) erweitert bzw. "durchschossen"
werden. Zwischen die grundlegenden sozialen Bestimmungen und das
politische Verhalten schieben sich Einflüsse, die von den
Sozialwissenschaften in Form von Wertebündeln 19) oder von in
Lebensstilen bzw. sozialen Milieus verfestigten Wertprioritäten
20) erfaßt werden.
Derartige politische und theoretische Herausforderungen führten
zur Bereitschaft, den politischen Kultur-Ansatz erneut zu prüfen.
Trotz aller Bedenken dominierte letztlich das Votum für den Ver-
such, "den Pudding an die Wand zu nageln" (Kaase). Das Konzept
politische Kultur komme nämlich offensichtlich dem "Bedürfnis
nach besserem Verständnis insbesondere der Faktoren und Prozesse
entgegen, die Kontinuität und Wandel (revolutionär oder anders)
der politischen Ordnung bedingen. Hinzu tritt... seine vermutete
Fähigkeit, politische Prozesse besser als nur unter Berücksichti-
gung struktureller und institutioneller Faktoren zu erklären."
21) Die von Kaase in seinem "Pudding"-Bild angedeutete Fragwür-
digkeit beruht auf dem bewußten Eklektizismus 22) des gewählten
Ansatzes. Die Analyse politischer Prozesse im Rahmen eines mate-
rialistischen Geschichts- und Gesellschaftskonzepts und beruhend
auf den grundlegenden Instrumenten der Klassen- und Interessen-
analyse wird als überholt, weil vorgeblich nicht in der Lage, die
subjektive Seite der Politik zu erfassen, abgelehnt. Aus dem em-
pirischen Nachprüfen einzelner Beziehungen zwischen politischem
Verhalten und erfragbaren subjektiven Orientierungen der Bürger
soll Stück für Stück eine Theorie der politischen Kultur im Rah-
men eines System- bzw. regulationstheoretischen Modells erwach-
sen. 23)
Genau umgekehrt, nämlich nicht regulations-, sondern bruch- und
veränderungsthematisch motiviert sind vereinzelte Versuche von
Marxisten, die in der zweiten Hälfte der 70er Jahre die Kategorie
politische Kultur aufgriffen. Ihnen ging es darum, die histo-
risch-materialistische Gesellschafts- und Klassenanalyse zu dif-
ferenzieren. Bemüht, die Kategorie "Kultur" zur Analyse der sub-
jektiven Vermittlungen des historischen Prozesses zu nutzen,
richtete sich der Blick auf geschichtlich-soziologisch und sozi-
alpsychologisch erfaßbare Seiten der Subjektivität der Arbeiter-
klasse: "politische Kultur" und "Organisations- und Kampfkultur"
wurden ebenso thematisiert wie ihre Prägung und Stabilisierung
durch spezifische lokal-kulturelle Umfelder. 24) R. Opitz ver-
suchte, für die historische Politikforschung das Konzept politi-
sche Kultur zur Fassung der "Komplexität der Bestimmungsfaktoren
ideologischer Entwicklungsprozesse und Klimaveränderungen" 25) zu
nutzen.
Wenn auch diese tastenden Versuche in der Bundesrepublik nicht
sichtbar weiterentwickelt wurden, so scheinen sie doch in der Lo-
gik des Fortschreitens der marxistischen Theorie und Forschung
gelegen zu haben. Denn inzwischen liegt auch aus der sowjetischen
Politikwissenschaft ein Vorschlag vor, das Konzept politische
Kultur aufzunehmen.
3. Politische Kultur in der neueren sowjetischen Politikforschung
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In der neueren sowjetischen Politikforschung wird politische Kul-
tur als sozialpsychologisches Konzept in dezidiert historischer
Dimensionierung präsentiert. Die Problemachse bildet dabei das
Bemühen, Untersuchungen zum gesellschaftlichen und zum Klassenbe-
wußtsein dynamischer und facettenreicher zu konzeptualisieren,
unter Bezugnahme auf die historisch gewordenen Prägemechanismen
des politischen Verhaltens in Gestalt von "psychischen Stereoty-
pen, ideologischen Traditionen und Verhaltensnormen, die ihre
Wurzeln in der Vergangenheit haben". 26) Im Unterschied zur US-
Politikforschung wird der klassen- und sozialstrukturelle Bezugs-
rahmen herausgestellt: "Jede Gesellschaft und jede Klasse besitzt
ihren Mechanismus des 'kollektiven Gedächtnisses', durch dessen
eigentümliche Prismen alle neue Erfahrung geformt wird." 27)
Galkin richtet seine Anstrengungen darauf, mit Hilfe des
"Begriffs der politischen Kultur... die Erscheinungen des gesell-
schaftlichen Bewußtseins..., die auf die Formierung, Entwicklung
und Tätigkeit der politischen Institutionen sowie auf das politi-
sche Massenverhalten der Bürger einwirken", 28) auf ihre nicht
lotrecht aus der sozialökonomischen Grundlage ableitbaren Ver-
mittlungsdeterminanten hin tiefenschärfer zu fixieren. Dabei rüc-
ken der "Stellenwert und die Rolle der Tradition" 29) in den Vor-
dergrund des analytischen Interesses. Der Begriff politische Kul-
tur habe es ermöglicht, "daß sich die Aufmerksamkeit der Wissen-
schaftler nicht nur auf das Problem der historischen Traditionen
insgesamt konzentrierte, sondern auf jenen spezifischen Aspekt,
der den Schlüssel liefert zu dem sehr aktuellen Problem der Be-
ziehung zwischen dem Allgemeinen und Besonderen im Prozeß der
Entwicklung der politischen Institutionen, der politischen Orga-
nisationen, der Formen des politischen Bewußtseins und Verhaltens
in Ländern, die sich auf einer ähnlichen Etappe der sozialökono-
mischen Entwicklung befinden." 30)
Die realtypologisch-komparatistische Absicht ist unverkennbar,
wie auch ersichtlich wird, daß Galkin dem "Zwischenreich" der
Wirkungsweise der politischen Kultur als verallgemeinertem Aus-
druck der zu Kristallisationsformen des "kollektiven Gedächtnis-
ses" geronnenen subjektiven Dimension des Politischen eine rela-
tiv eigenständige Geltung und Wirkungsmacht zuerkennt. "Die poli-
tische Kultur bildet die Grundlage des politischen Verhaltens"
31) insofern, als sozialökonomische Determinanten erst über die
Brechung durch Sedimente, Strukturen und Prozesse der Akkumula-
tion historischer und vor allem sozialer Erfahrungen bestimmenden
und formierenden Einfluß ausüben. Der definitorische Vorschlag
Galkins ist wohl geeignet, politische Kultur als genuinen Pro-
blembereich der politikwissenschaftlichen Analyse zu etablieren:
"Unter politischer Kultur wird die institutionalisierte und
nichtinstitutionalisierte historische und soziale Erfahrung einer
nationalen oder transnationalen Gemeinschaft verstanden, die
einen mehr oder minder starken Einfluß auf die Formierung der po-
litischen Orientierungen und schließlich des politischen Verhal-
tens der Individuen, kleinen und großen gesellschaftlichen Grup-
pen ausübt. Mit anderen Worten ist politische Kultur das in Ge-
setzen, in Gewohnheiten und im politischen Bewußtsein fixierte
Gedächtnis über die Vergangenheit sowohl der Gesellschaft insge-
samt als auch ihrer einzelnen Elemente, vor allem der Klassen und
sozialen Schichten." 32)
Galkins Versuch, politische Kultur als theoretisches und empiri-
sches Element der marxistischen Politikforschung auszuarbeiten,
kann getrost als Beherzigung der Klarstellung des alten Engels
aufgefaßt werden, daß nach materialistischer Geschichtsauffassung
das i n l e t z t e r I n s t a n z bestimmende Moment in der
Geschichte die Produktion und Reproduktion des wirklichen Lebens
ist, aber es dem marxistischen Forscher nicht erspart werden
kann, "die übrigen an der Wechselwirkung" zwischen ökonomischer
Lage und gesellschaftlichem Bewußtsein "beteiligten Momente zu
ihrem Recht kommen zu lassen." 33)
Allerdings, Galkins Definition sollte eher als Zwischenbilanz,
als Ermunterung zu weiterer Ausformulierung des Konzepts politi-
sche Kultur verstanden werden denn als fertiges Resultat einer
bereits erfolgten organischen Einfügung in das wissenschaftliche
Arsenal des Marxismus. Wenngleich Galkin differenzierende Analy-
sen zur theoretischen Bestimmung a) der Grenzen des Phänomens po-
litische Kultur und seiner Wechselbeziehung zu benachbarten Er-
scheinungen, so insbesondere mit Blick auf die Spezifik der ideo-
logischen Verhältnisse, b) der Mechanismen der Formierung, Ent-
wicklung und Ablösung der politischen Kultur sowie c) zu deren
innerer Strukturiertheit vorgelegt hat, so gibt es doch noch eine
Reihe von offenen Fragen, die sich vor allem auf die Problematik
einer angemessenen Abbildung der Prozesse der Weitergabe der po-
litischen Kultur "von Generation zu Generation" beziehen. Es
spricht einiges dafür, daß der Generationsbegriff sich als
Schlüsselkategorie erweist, insofern, als hierüber der Bezug zur
Realisierung der politischen Kultur "vor allem auf der Ebene der
Persönlichkeit" 34) hergestellt werden kann, ohne den Kollektiv-
charakter dieses gesellschaftlichen Phänomens psychologisch auf-
zulösen.
Die neuere sowjetische Forschung zur politischen Soziologie des
Kapitalismus, die mit dem Begriff der politischen Kultur arbei-
tet, zeigt eine auffällige Neigung, dieses Konzept insbesondere
bei der Erforschung des "elektoralen Verhaltens" anzuwenden. 35)
Gewiß, es gibt keinen Grund, die Thematisierung und Erforschung
der politischen Kultur auf das Feld der Wahlforschung einzuengen
(wenngleich in der BRD die marxistische Wahlforschung nicht eben
üppig gedeiht und also belebender Impulse bedarf); aber Galkins
Programm einer sozialstrukturellen und politisch-kulturellen
Feinanalyse der "Wählerschaften", der "Parteiwählerschaften" so-
wie einer gewichteten Faktorenanalyse des konkreten Wahlverhal-
tens ist ein eindrucksvolles Exempel dafür, daß es sich lohnt,
für die marxistische Analyse der allemal verzwickten Formie-
rungs- und Deformierungsprozesse des gesellschaftlich-politischen
Bewußtseins und Verhaltens auf das Konzept politische Kultur, auf
die Analyse von Kontinuität und Brüchen des "kollektiven Gedächt-
nisses" zurückzugreifen.
4. Zu Problemen und Perspektiven eines marxistischen Konzepts
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politische Kultur aus bundesdeutscher Sicht
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Beim gegenwärtigen Forschungsstand wäre ein Streit darum, ob der
B e g r i f f verwendbar und was denn nun genau politische Kul-
tur "ist", wenig fruchtbar. Der Vorstoß der sowjetischen Forscher
scheint vielmehr darauf zu verweisen, daß es in der Weiterführung
bisheriger Analysen ein objektives Forschungsinteresse und einen
realen Theoriebedarf gibt; sie richten sich auf die historisch-
kulturellen und sozialpsychischen Dimensionen und Determinanten
individuellen wie kollektiven politischen Handelns. Woran könnte
sich der Nutzen einer derartigen Forschungsperspektive erweisen?
Die gegenwärtigen Umbruchprozesse in Lage, Bildung, Generations-
zusammensetzung und sozial-kulturellen Orientierungen der Arbei-
terklasse mit der unübersehbaren Tendenz zu ihrer Differenzierung
und der wachsenden Gefahr der Segmentierung der verschiedenen
Schichten und Gruppen gegeneinander machen es unabdingbar, über
die Analyse der ökonomischen und sozialen Interessen und Erfah-
rungen hinaus zu untersuchen, welche neuen Klassenzusammenhänge
sich bilden und wie politische Orientierungen durch unterschied-
liche Milieus beeinflußt werden. Solche Milieus lassen sich nicht
mit den Instrumenten der bisherigen marxistischen Sozialstruktur-
analyse allein bestimmen. Angesichts des Nebeneinanders und der
komplexen Wechselwirkung von traditionellen Sozialmilieus, um so-
ziale Bewegungen sich bildenden Kommunikationszusammenhängen so-
wie in Lebensstilen sich verdichtenden Wertorientierungen und Ge-
nerationsprägungen ist die Fortentwicklung der Fragestellung und
auch der begrifflichen Werkzeuge dringend eingefordert. Im Gegen-
satz zu bürgerlichen Konzepten von politischer Kultur und Lebens-
stil steht für die marxistische Forschung aber nicht die Preis-
gabe des Klassenkonzepts an, weil sich "klassenkulturell be-
stimmte Lebenswelten" angeblich auflösen, 36) sondern seine dif-
ferenzierte Weiterführung: Politikanalyse ohne sozialökonomisch
fundierte Interessenanalyse greift daneben.
Bei realistischer Betrachtung von Aufgabenstellung und For-
schungsstand scheint es gegenwärtig vorrangig, einige Knoten-
punkte und Einflußlinien zu untersuchen, von denen aus ein Koor-
dinatenfeld für die Bestimmung und komplexe Untersuchung der po-
litischen Kultur gezeichnet werden kann. Als Anregungen zur Er-
forschung, Konkretisierung und Verdichtung dieser Eckpunkte und
ihrer Beziehungen sind die folgenden Definitionsansätze und Über-
legungen zu verstehen. In Modifikation der Galkinschen Defini-
tion, 37) unter Einschluß des Zentralaspekts des "Prozesses der
Transmission der politischen Kultur", 38) ließe sich der Gegen-
standsbereich etwa so umreißen: Unter politischer Kultur wird die
in Gestalt von konservierenden M i l i e u s institutionali-
sierte und nichtinstitutionalisierte historische und soziale
E r f a h r u n g einer nationalen, transnationalen sowie Klas-
seneinheit verstanden (unter Berücksichtigung regionaler Teil-
ausprägungen), die einen mehr oder minder starken, mithin kon-
trollierenden Einfluß auf die Formierung der politischen Orien-
tierungen und schließlich des politischen Verhaltens der nach so-
zialstruktureller Lage und Interessen unterschiedenen bzw. ver-
einheitlichten, d. h. gesellschaftlichen Individuen ausübt. Die
institutionell/strukturell in Milieus sich festsetzenden politi-
schen Kulturen verdichten sich sozialpsychologisch in kollektiven
Gedächtnissen, die in Traditionen und Gewohnheiten, Erinnerungen
und Wertstandpunkten, im "Klassenethos" (Bourdieu) 39) oder in
Gesetzen ihre Fixpunkte haben. Politische Kulturen erzeugen mili-
euspezifische, historisch-kulturell bestimmte Klimata, die die
Art und Weise der kontinuierlichen bzw. diskontinuierlichen Tra-
dierung des Gedächtnisses von G e n e r a t i o n zu Genera-
tion, die sich im Medium von Sozialisationsprozessen vollzieht,
prägen.
5. Einige Diskussions- und Arbeitsschwerpunkte
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5.1 Politische Kultur von Klassen(fraktionen)
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Wesentliches Ziel muß es sein, Bestimmungsfaktoren politischen
Verhaltens in verschiedenen K l a s s e n (f r a k t i o n e n)
einer nationalen Gesellschaft herauszuarbeiten. Dies ist wesent-
lich aktuell s y n t h e t i s i e r e n d e und methodisch
komparatistisch-typologische Arbeit, da sich die politische Kul-
tur einer Klasse nicht im luftleeren Raum oder einem nur klassen-
mäßig bestimmten "Äther" bildet. Hier sind die Erkenntnisse von
Heiseler 40) und Werner 41) zur n o t w e n d i g w i d e r-
s p r ü c h l i c h e n S t r u k t u r d e s B e w u ß t-
s e i n s d e r L o h n a r b e i t e r aufzunehmen. Auch die
politische Kultur von Klassen(gruppen) zu einem bestimmten Moment
ist ein höchst widersprüchliches Konglomerat. Eine Vereinheitli-
chung oder zumindest Hierarchisierung im Klassensinn ist in
erster Linie Auswirkung der Erfahrung eigenen Handelns, dem dann
psychische Umorientierungen folgen.
Die Widersprüchlichkeit der politischen Kultur in der Arbeiter-
klasse folgt auch daraus, daß in sie die Traditionen verschiede-
ner, sich geschichtlich und sozial überschneidender Gemeinschaf-
ten eingehen: in Deutschland religiöse Traditionen mit wiederum
unterschiedlicher regionaler Färbung, Traditionen aus der politi-
schen und Sozialgeschichte verschiedener Räume, landsmannschaft-
liche Besonderheiten. Auch die Traditionen und das kollektive Ge-
dächtnis der Arbeiterbewegung sind stark lokal/regional differen-
ziert und haben sogar bedeutende Akzente, die sich aus der Ge-
schichte einzelner Großbetriebe und ihrer Belegschaften ergeben.
Im Fortgang der Analyse kommt es v.a. darauf an, den Komplex je-
ner F a k t o r e n zu bestimmen, d i e d i e B e r e i t-
s c h a f t z u i n t e r e s s e n v e r t r e t e n d e m
H a n d e l n b e e i n f l u s s e n u n d a u s m a c h e n.
Wesentliche Schnittpunkte und Erkenntnisinstrumente marxistischer
Analyse politischer Kultur liegen im B e z i e h u n g s f e l d
K l a s s e n- u n d S o z i a l s t r u k t u r - I n s t i-
t u t i o n e n - G e n e r a t i o n e n. Wandlungen in der
Sozialstruktur sind einerseits grundlegende Faktoren der Verände-
rung politischer Kultur. Andererseits ist die subjektive Wahr-
nehmung und Beantwortung der mit dem Wandel verbundenen neuen
Erfahrungen gebrochen und geprägt durch die Traditionen des
sozial-kulturellen Umfelds. In diesem Umfeld - für das im heuti-
gen SMK der Begriff "Milieu" neu zu fassen ist - spielen Institu-
tionen mit sozialisierender Wirkung eine wesentliche Rolle, v.a.
Medien und Bildungssystem. Sie sind in ihrer Wirkung wiederum ge-
brochen und vermittelt über soziale Organisationen bzw. stabilere
persönliche Kommunikationszusammenhänge: Familie, Gleichaltrigen-
gruppen, Vereine. Intensiv zu untersuchen sind die Organisatio-
nen/Institutionen von Arbeiterklasse und Arbeiterbewegung: Beleg-
schaft, Gewerkschaft, Partei, ihre Medien und Öffentlichkeiten.
Sie haben wesentlichen Einfluß auf die Entwicklung und Wirkung
des kollektiven Gedächtnisses der Klasse.
All diese Stränge gilt es zusammenzuführen, wenn Kontinuität und
Bruch im G e n e r a t i o n s ü b e r g a n g untersucht wer-
den. Hier ist der wesentliche Ort des Wandels, hier realisieren
sich die quantitativen Veränderungen in Sozialstruktur, Bildungs-
schichtung etc. unter dem Einfluß bestimmter prägender Generati-
onserfahrungen in qualitativen Veränderungen der politischen Kul-
tur der Klasse(nfraktion). 42)
5.2 Milieutheorie - Milieuanalyse
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Es schält sich heraus, daß eine vorrangige Forschungsaufgabe die
Entwicklung einer marxistischen, empirisch gestützten Theorie der
Milieus bildet. Im allgemeinsten Sinn wird damit ein spezifi-
sches, in die alltägliche Kommunikation einbezogenes und das in-
dividuelle wie kollektive Bewußtsein und Verhalten bis zur sozia-
len Kontrolle beeinflussendes soziales Umfeld bezeichnet. Diese
"Mikroumwelt" ist im Prozeß auch ihres Wandels zu fassen, in dem
spontane, traditionelle und organisierte Faktoren des Milieus zu-
sammenwirken.
Unter den Bedingungen des staatsmonopolistischen Kapitalismus der
BRD stellen sich neue Fragen. Eine zentrale lautet: Wie ist die
soziale und "ökologische" Basis wesentlicher für die politische
Kultur in der Arbeiterklasse relevanter Milieus zu bestimmen? Mit
der Abtrennung betrieblicher von außerbetrieblichen Lebenszusam-
menhängen (Nachbarschaft, Vereine etc.), mit der Schrumpfung so-
zial homogener Arbeiterwohngebiete ist die Basis traditioneller
Arbeitermilieus geschwächt, verstärken sich Tendenzen der Umbil-
dung und Neuformierung. Gleichzeitig bilden sich "quer" oder zu-
mindest "schräg" zu den sozialstrukturellen Milieulinien Zusam-
menhänge wie die jugendliche "Gesellschaft der Altersgleichen",
43) die stark über das Milieusegment Schule geprägt sind. Mit den
Jugendkulturen öffnen sich Einflußschienen für die Ideologien
konsum- und markenorientierter Lebensstile; aber zugleich können
bestimmte Sektoren der musikalischen Massenkultur wie die enga-
gierte Rock- und Popszene zu Kristallisationspunkten werden, die
mit dem Einfluß und Umfeld progressiver sozialer Bewegungen ver-
knüpft sind (Künstler für den Frieden, Rock gegen Apartheid und
Ausländerfeindlichkeit etc.).
Kaum Untersuchungsergebnisse liegen bisher vor über Milieus im
weitgespannten Angestellten- und Beamtenbereich, über die Ver-
schränkung mit den Einflüssen verschiedener Mittelschichtgruppen
und der Intelligenz usw. Schließlich dürfte wichtig sein, die Be-
ziehungen zwischen Milieus, sozialen Bewegungen und Massenmedien
zu untersuchen. Die Allgegenwart der Massenmedien und ihre poli-
tisch nivellierende und prägende Wirkung gehören zu den Wesenszü-
gen der politischen Kultur im SMK und werden mit den gegenwärti-
gen Umbrüchen in Technologie und Lebensweise eher noch verstärkt.
Milieus sind also auch als ein sozialer Ort der kollektiven Ver-
arbeitung von Medienbotschaften auf dem Hintergrund und mit den
Mitteln einer spezifischen sozialen Erfahrung und eines spezifi-
schen, lokal und regional akzentuierten kollektiven Gedächtnisses
zu untersuchen. Dabei ist der Bezug zu und Einfluß von sozialen
Bewegungen und ihren Organisationen ein wesentlicher Faktor.
Die Weitergabe von Orientierungen und Bindungen an die Arbeiter-
bewegung über familiär und nachbarschaftlich verankerte Traditio-
nen verliert an Bedeutung; die Kommunikations- und Ausstrahlungs-
punkte eines dezidierten Arbeiterbewegungsmilieus in Organisatio-
nen, Freizeitgesellung, politischen, sozialen und kulturellen In-
itiativen bedürfen dringend der Untersuchung. Gleichzeitig können
wir beobachten, wie ein auf die "neuen sozialen Bewegungen" ori-
entiertes Milieu mit einem relativ stabilen Fundus gemeinsamer
Wertorientierungen sich auch "ökologisch" in bestimmten Quartie-
ren und Regionen verankert und auch jenseits der "Szene" in so-
zial gemischten Wohn- und Lebenszusammenhängen über eine spezifi-
sche Mittelschichtbasis hinaus Einfluß gewinnt.
Um Entwicklungen und Wandlungen in der politischen Kultur zu er-
fassen, scheint es daher angebracht, die Untersuchungseinheiten
oder Trägergruppen flexibel zu bestimmen. Zu den prägenden und
verändernden Faktoren zählen offensichtlich jene recht homogenen,
wesentlich durch gemeinsame Anschauungen und Wertstandpunkte so-
wie ein bewußt homogenisiertes kollektives Gedächtnis ausgezeich-
neten Milieus, die sich um die aktiven Kerne und ideologischen
Strahlpunkte sozialer Bewegungen bilden. 44) Das gilt für die Ak-
tivisten der klassenautonomen Arbeiterbewegung wie für die dezi-
diert alternative Szene. Die Beziehungen zwischen den beiden Di-
mensionen - einer primär sozialstrukturell definierten und einer
wertmäßig-ideologisch-kulturell definierten - als Indikatoren und
Formen der Entwicklung der politischen Kultur scheinen größerer
Aufmerksamkeit wert.
5.3 "Weite" oder "enge" Auffassung politischer Kultur?
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Zu diskutieren ist ebenfalls, ob politische Kultur vorrangig in
einem weiteren oder engeren Sinn zu untersuchen ist. Eine Analyse
von Milieus liegt als "Einstieg" nahe und verspricht Erkennt-
nisse, die auf wichtige Entwicklungstendenzen und Formierungsbe-
dingungen in der Arbeiterklasse und den Mittelschichten hinwei-
sen. Dabei wird zu prüfen sein, wie weit es notwendig ist, die
n a t i o n a l - h i s t o r i s c h e D i m e n s i o n der
politischen Kultur intensiver zu erforschen. So ist zu fragen, ob
die Spezifika der Krisenreaktion in Arbeiterbewegung und Bour-
geoisie der BRD, die im internationalen Vergleich mit anderen an-
tietatistisch-aggressiven SMK-Varianten 45) die Positionen der
demokratischen und sozialen Bewegungen sowie den materiellen und
ideologischen Status quo relativ wenig verschoben haben, nur aus
dem aktuellen Kräfteverhältnis oder auch aus Momenten der natio-
nalen politischen Kultur zu erklären sind. Da wäre an die Veran-
kerung antifaschistisch-demokratischer Einstellungen v.a. in den
jüngeren und mittleren Generationsgruppen 46) ebenso zu denken
wie an die Fixierung der positiven Erfahrungen, die die Großbour-
geoisie mit dem "Produktionsfaktor sozialer Frieden" gemacht hat.
Eng oder weit ist aber auch der Kreis der Faktoren zu fassen, die
als Determinanten politischen Handelns herangezogen werden. Empi-
risch praktikabler ist sicher die Beschränkung auf Einstellungen
und Werte, die sich direkt auf das politische System und den
Klassenkampf um die Macht im Staat beziehen. Im Forschungsprozeß
wird sich erweisen, wie notwendig eine Ausdehnung in jene Dimen-
sionen ist, die Galkin etwa mit dem Bezug auf den "National-
charakter" anspricht 47) und die, sozial zugespitzt, mit dem
Begriff der Klassenpsychologie der Arbeiterklasse diskutiert
werden. 48) Hier ginge es dann um das g e s a m t e S y s t e m
ü b e r k o m m e n e r W e r t e, Verhaltensorientierungen und
-muster - das allerdings s p e z i f i s c h n a c h s e i-
n e r "p o l i t i s c h e n R e l e v a n z" (im weiten Sinn)
b e f r a g t wird. Einstellungen zur Arbeit, Auffassungen von
den Geschlechterrollen oder Vorstellungen von der zu re-
spektierenden persönlichen Würde des einzelnen beeinflussen, ob
und wie Individuen und Gruppen politisch eingreifen. Mit der zu-
nehmenden Vergesellschaftung und damit Politisierung aller Le-
bensbereiche scheint ein derart komplexes Herangehen bedeutsamer.
Das verlangt allerdings auch eine innere Strukturierung des
Werte- und Traditionsfundus unter dem Gesichtspunkt, welche
S c h l ü s s e l e i n s t e l l u n g e n ausschlaggebend sind
dafür, ob sich bestimmte Erfahrungen und Ansprüche auch in Han-
deln umsetzen.
5.4 Schwerpunkt: Wahlforschung oder
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interessenvertretendes Handeln?
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Eine weitere wichtige Entscheidung ist die, in bezug auf welche
Bereiche des politischen Verhaltens die marxistische Erforschung
der politischen Kultur vorrangig zu entwickeln ist. Einiges
spricht dafür, der Empfehlung Gal-kins zu folgen und das Konzept
im Bereich der Wahlforschung voranzutreiben. Hierzulande ist "die
Teilnahme (oder Nichtteilnahme) an der Wahlprozedur die am weite-
sten verbreitete und massenhafte Form politischen Verhaltens;
insofern hat das Studium des elektoralen Handelns der Massen eine
außerordentlich große Bedeutung für ein Verständnis der dort ab-
laufenden Prozesse." 49) Wählen bzw. Nichtwählen ist, wie alles
politische Verhalten, ein eminent kollektiver, milieugeprägter
Vorgang, der ergiebige Aufschlüsse über das aktualpolitische Be-
wußtsein gibt. Wir können derzeit bemerkenswerte Umbrüche in den
Milieu-Landschaften beobachten, Prozesse des Zerfalls und der
Neubildung, die sich an wahlsoziologischen Indikatoren messen
lassen; Ansätze der neueren nichtmarxistischen Wahlforschung in
Richtung auf Differenzierung der sozialstrukturellen und ideolo-
gischen Scheidelinien 50) und Milieus bzw. Lebensstile 51) sind
dabei zu nutzen. 52)
So werden politische Kulturanalyse und Theoriebildung von vorn-
herein dem heilsamen Zwang zur Empirie unterworfen. Schließlich
können empirienahe Längsschnittanalysen mit Hilfe der ökologi-
schen Wahlstatistik dazu beitragen, einen politik-soziologischen
Begriff der Generation zu entwickeln.
Mit dieser, einschlägige Defizite abbauenden Fokussierung auf
Trendanalytik des Wahl- und Wählerverhaltens ist keine konzeptio-
nelle Einengung der politischen Kulturforschung auf den Bereich
elektoraler Soziologie präjudiziert. Gleichwohl geht die Diskus-
sion darüber, ob eine derartige Gewichtung der Wahlsoziologie
nicht dazu führt, die Stimmabgabe, die Wählerbewegung bzw. die
parlamentarische Ebene politischer Ausdrucksformen unzulässig zu
überschätzen. Denn gerade das marxistische Herangehen an die Po-
litik relativiert das Wahlverhalten bzw. die Stimmabgabe im Ge-
samtspektrum der Formen interessenvertretenden Handelns. Darüber
hinaus ist offen, ob die Verschiebungen im Wählerverhalten ein
brauchbarer Indikator sind für jene tiefgreifenden Wandlungen,
denen Einstellungen und Praxen großer Bevölkerungsteile seit dem
Ende der 60er Jahre unterworfen sind. Reflektiert sich im Wähler-
verhalten zureichend die spannungsreiche Wechselbeziehung zwi-
schen neuen Formen interessenvertretenden Handelns, dem Auf-
schwung außerparlamentarischer Bewegungen und der Trägheit tra-
dierter, hier: elektoraler Ausdrucksformen? Verdeckt die Wahl-
und Wählerlandschaft nicht eher die Dynamik der Veränderungen der
politischen Einstellungen und Handlungsformen (bis hin zum Wandel
der Einschätzung und des Verhaltens gegenüber dem parlamentari-
schen Repräsentativsystem) als daß sie sie zum Vorschein bringt?
Die Leistungskraft von Wahlforschung als symptomatologisches Or-
gan politischer Prozesse steht zur weiteren Diskussion an.
Wir haben oben schon darauf hingewiesen, daß nach den Ergebnissen
der marxistischen Bewußtseinsforschung gerade das eigene Handeln
und seine Erfahrungen ein dynamisches Moment in Richtung auf das
klassenmäßige Verarbeiten der Widersprüche des Arbeiterbewußts-
eins bilden. Das dürfte auch für seinen Einfluß auf die politi-
sche Kultur gelten. Auch für diese Wandlungen liegt vielfältiges
empirisches Material vor, da ja die wachsende Neigung zu
"'unkonventionellen' (Protest-)Verhaltensbereitschaften" 53) und
die Sicherung der Systemakzeptanz 54) anhaltende Aufmerksamkeit
der bürgerlichen Politikwissenschaft finden. Der Generationsa-
spekt und seine Beziehung zum Sozialstrukturwandel sind auf die-
sem Feld ebenfalls fruchtbar zu studieren.
5.5 Wandlungen im "politischen Stil"
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Schließlich scheint es sinnvoll, bestimmte Dimensionen des poli-
tischen Verhaltens, die man als den spezifischen "politischen
Stil" von Bewegungen und Organisationen bezeichnen könnte, in die
politische Kulturforschung einzubeziehen. Wie Bewegungen und Or-
ganisationen ihr "Leben" und ihre Entscheidungsbildung gestalten,
welche Ansprüche an Engagement und Loyalität sie durchsetzen,
welche Form sie ihren Aktionen geben und was sie damit insgesamt
an kollektiver Identität oder "Image" ausstrahlen, verändert sich
gegenwärtig in der BRD deutlich. Darin artikuliert sich u.a. ein
kultureller Wandel in Lebensauffassung und Persönlichkeitsansprü-
chen, in individuellen Kompetenzen und sozialen Bedürfnissen, der
für die Zukunft der Arbeiterbewegung bedeutsam ist. Ansprüche und
Präferenzen in bezug auf den "politischen Stil" der verschiedenen
kollektiven politischen Subjekte (Initiativen, Bewegungen, Ge-
werkschaften, Parteien etc.) beeinflussen Entscheidungen über
Stimmabgabe, Organisierung und aktives Engagement. Sie überlagern
sich mit sozialstrukturellen und Interessenlinien und bilden ein
wesentliches Moment der "kulturellen Barrieren" zwischen Arbei-
terbewegung und "neuen sozialen Bewegungen". 55) Zugleich gründen
gewandelte Erwartungen an den "politischen Stil" der Arbeiterbe-
wegung in den Veränderungen der Klasse selber und erfordern von
den Organisationen, solche Ansprüche zu berücksichtigen und in
ihre gesamte politische Kultur zu integrieren.
_____
1) M. Greiffenhagen, S. Greiffenhagen, R. Prätorius (Hrsg.),
Handwörterbuch zur politischen Kultur der Bundesrepublik Deutsch-
land, Opladen 1981.
2) P. Reichel, Artikel Politische Kultur, in: Greiffenhagen u.a.,
a.a.O.
3) A.A. Galkin, Herrschaftselite. Politisches Verhalten. Politi-
sche Kultur. Zur politischen Soziologie des heutigen Kapitalis-
mus, Frankfurt/M. 1986, S. 138.
4) Reichel, a.a.O., S. 320.
5) L. Pye, Political Culture, in: International Encyclopedia of
Social Sciences, New York 1961, vol. 12, S. 218.
6) G.A. Almond, S. Verba, The Civic Culture - Political Attitu-
des and Democracy in Five Nations, Neudruck Princeton 1972. Zu
erwähnen sind noch die Nachfolgestudien L.W. Pye, S. Verba (ed.),
Political Culture and Political Development, Princeton 1965; W.A.
Rosenbaum, Political Culture, London 1975.
7) Vgl. zur Kritik F. Kroll, Bemerkungen zum Konzept "Politische
Kultur" in der bürgerlichen Wahlforschung, in: IMSF (Hrsg.), Kul-
turelle Bedürfnisse der Arbeiterklasse, München 1978; ders., Die
Mythologisierung der Wahlkabine. Zur Kritik der herrschenden
Wahlforschung, in: Blätter für deutsche und internationale Poli-
tik 4/1980.
8) D. Berg-Schlosser, Politische Kultur - Eine neue Dimension po-
litikwissenschaftlicher Analyse, München 1972, S. 9.
9) Vgl. ebd.
10) H.-D. Klingemann, F.U. Pappi, Politischer Radikalismus, Mün-
chen/Wien 1972.
11) R.-O. Schultze, Nur Parteiverdrossenheit und diffuser Pro-
test?, in: Zeitschrift für Parlamentsfragen 2/1980.
12) Vgl. Kroll, Die Mythologisierung ..., a. a. O.
13) M. und S. Greiffenhagen, Ein schwieriges Vaterland. Zur Poli-
tischen Kultur Deutschlands, München 1979.
14) Einen guten Überblick gibt der Forschungsbericht von W.M.
Iwand, Paradigma Politische Kultur, Opladen 1985, hier v. a. S.
220 ff.
15) Vgl. H. Gerstenberger, Politische Kultur und Klasseninteresse
in der Bundesrepublik Deutschland, in: H. Brüggemann, H. Gersten-
berger, W. Gottschalch u.a., Über den Mangel an politischer Kul-
tur in Deutschland, Berlin/W. 1978, S. 67 ff.
16) Vgl. neben den Greiffenhagens den Versuch einer partizipati-
onstheoretischen Neubegründung des Konzepts durch P. Reichel, Po-
litische Kultur - mehr als ein Schlagwort?, in: Politische Vier-
teljahresschrift 4/1980, S. 382ff.; ders., Politische Kultur in
der Bundesrepublik, Opladen 1981.
17) Vgl. dazu J.H. v. Heiseler, Wandel des Wertsystems?, in: Mar-
xistische Studien. Jahrbuch des IMSF 5, Frankfurt/M. 1982, S. 72
ff.
18) Vgl. E. Noelle-Neumann, Werden wir alle Proletarier?, Zürich
1978; Zukunftsperspektiven gesellschaftlicher Entwicklungen, Be-
richt im Auftrag der Landesregierung von Baden-Württemberg,
Stuttgart 1983, v.a. S. 38 ff.; H. Klages, W. Herbert, Wertorien-
tierung und Staatsbezug, Frankfurt/New York 1983.
19) Vgl. Klages/Herbert, a.a.O.
20) Zum Milieu-Ansatz vgl. Sinus, Planungsdaten für eine mehr-
heitsfähige SPD, Heidelberg, März 1984; zum Lebensstil-Ansatz P.
Gluchowski, Lebensstile und Wandel der Wählerschaft in der Bun-
desrepublik Deutschland, in: Aus Politik und Zeitgeschichte
12/1987, S. 18 ff.
21) M. Kaase, Sinn oder Unsinn des Konzepts "Politische Kultur"
oder auch: Der Versuch, einen Pudding an die Wand zu nageln, in:
M. Kaase, H. - D. Klingemann (Hrsg.), Wahlen und politisches Sy-
stem, Opladen 1983, S. 166.
22) Vgl. ebd.
23) Vgl. ebd., S. 162 ff.
24) Vgl. D. Ulle, Kulturtheoretische Imperialismusforschung, in:
Kultur der Arbeiterklasse (Marxismus Digest 31, hg. v. IMSF),
Frankfurt/M. 1977, S. 32; K. Maase, Arbeiterklasse, Reproduktion
und Kultur im heutigen Kapitalismus, in: IMSF (Hrsg.), Kulturelle
Bedürfnisse..., a.a.O., S.41-45; F. Kroll, Bemerkungen..., in:
ebd., v.a. S. 115-121.
25) R. Opitz, Politische Ideologiekonzeptionen im Vorfeld der
Gründung der Bundesrepublik, in: U. Albrecht u.a., Geschichte der
Bundesrepublik. Beiträge, Köln 1979, S. 36 (Fn.).
26) W.P. Jerusalimskij, Proletarische Psyche. Zum sozialökonomi-
schen und politischen Bewußtsein der Arbeiterklasse in der Bun-
desrepublik, Frankfurt/M. 1984, S. 22.
27) Ebd.
28) Galkin, a.a.O., S. 134.
29) Ebd., S. 135.
30) Ebd., S. 138.
31) Ebd., S. 161.
32) Ebd., S. 156.
33) F. Engels, Brief an Joseph Bloch vom 21.9.1890, MEW 37, S.
463 ff.
34) Galkin, a.a.O., S. 167.
35) Vgl. ebd., S. 120 ff.
36) U. Beck, Risikogesellschaft, Frankfurt/M. 1986, bringt eine
Vielzahl bedenkenswerter Beobachtungen und treffender soziologi-
scher Hinweise (v. a. S. 115-160) auf diesen fragwürdigen Nenner
(Zitat S. 157).
37) Galkin, a.a.O., S. 156.
38) Ebd., S. 164.
39) Vgl. P. Bourdieu, Entwurf einer Theorie der Praxis auf der
ethnologischen Grundlage der kabylischen Gesellschaft, Frank-
furt/M. 1976, S. 166 f. Dazu K. Maase, Arbeiterklasse und
"Habitus" - Zu einigen Aspekten von Pierre Bourdieus Kultursozio-
logie, in: Marxistische Blätter 6/1986, S. 95 ff.
40) J.H. v. Heiseler, Die elementare Basis bürgerlichen und so-
zialistischen Bewußtseins in der Arbeiterklasse, in: Marxistische
Studien. Jahrbuch des IMSF 2, Frankfurt/M. 1979, S. 70 ff.
41) H. Werner, Zwischen Sozialpartnerschaftsideologie und Klas-
senbewußtsein - zur Bedeutung der Widersprüche im Arbeiterbewußt-
sein, in: ebd., S. 341 ff.
42) Vgl. H. Jung, Zur Arbeiterklasse der 80er Jahre, in: Marxi-
stische Studien. Jahrbuch des IMSF 6, Frankfurt/M. 1983, S. 62
ff., sowie den Beitrag von K. Dörre in diesem Band.
43) Vgl. K. Allerbeck, W. Hoag, Jugend ohne Zukunft, München
1985, v.a. Kap. 2.
44) Vgl. dazu die Überlegungen von W.P. Jerusalimskij, Neue linke
politische Kultur als Kampffeld für die Hegemonie der Arbeiter-
klasse, in: IMSF (Hrsg.), Intelligenz, Intellektuelle und Arbei-
terbewegung in Westeuropa, Frankfurt/M. 1985, S. 254 ff.
45) Vgl. H. Jung, Zum Konzept der Entwicklungsvarianten des SMK
heute, in: Marxistische Studien. Jahrbuch des IMSF 11, Frank-
furt/M. 1986, S. 65 ff.
46) Vgl. den Beitrag von E. Gottschaldt in diesem Band.
47) Galkin, a.a.O., S. 160.
48) Vgl. G. G. Diligenski, Sozialpsychologie und Klassenbewußt-
sein der Arbeiterklasse im heutigen Kapitalismus, Frankfurt/M.
1978, S. 6-44; H. Werner, Die Sozialpsychologie der Arbeiter-
klasse und die "neuen sozialen Bewegungen", in: Marxistische Stu-
dien. Jahrbuch des IMSF 5, 1982, S. 80 ff.; Die soziale Psyche
der Klassen und Schichten im heutigen Kapitalismus, Berlin/DDR
1987.
49) Galkin, a.a.O., S. 120.
50) Vgl. U. Fest, H. Krieger, Alte und neue Scheidelinien des po-
litischen Verhaltens, in: Aus Politik und Zeitgeschichte 12/1987,
S. 33 ff.
51) Vgl. Fn. 20.
52) Vgl. den Beitrag von J. Dietrich in diesem Band.
53) Klages/Herbert, a.a.O., S. 13.
54) Vgl. O. W. Gabriel, Politische Kultur, Postmaterialismus und
Materialismus in der Bundesrepublik Deutschland, Opladen 1986.
55) Vgl. K. Maase, Neue Bewegungen: Gesellschaftliche Alternative
oder kultureller Bruch?, in: Marxistische Studien. Jahrbuch des
IMSF 5, Frankfurt/M. 1982, S. 37 ff.
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