Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 13/1987

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KOMPLEXE SYSTEME IN NATUR UND TECHNIK - PROBLEME UND LÖSUNGSMÖGLICHKEITEN

Hans Mikosch *) 1. Wechselwirkung zwischen Produktivkräften und Produktionsver- hältnissen - 2. Sondersituationen und Standardfälle in Natur und Technik - 3. Theoretische Behandlung von Nicht-Gleichgewichts-Zu- ständen - 4. Eine Analogie zwischen natürlichen und künstlichen Systemen - 5. Störfälle von technischen Anlagen - 6. Notwendig- keit und Zufall, auch in technischen Anlagen - 7. Möglichkeiten zur Steuerung komplexer Anlagen ... - 8. ... und weitere ungelö- ste Probleme - 9. Neue Rechnerarchitekturen ... - 10. ... und Künstliche Intelligenz - 11. Schlußbemerkung Es zählt schon zu Standardaussagen, daß der quantitative Umfang der Nutzung und der Veränderung der Natur durch den Menschen ein neues qualitatives Niveau erreicht hat und bei unveränderter Fortführung irreversible globale Schädigungen der Natur erwarten läßt. Aber selbst "alle gleichzeitigen Gesellschaften zusammen sind nicht Eigentümer der Erde. Sie sind nur ihre Besitzer, ihre Nutznießer, und haben sie als boni patres familias den nachfol- genden Generationen verbessert zu hinterlassen." 1) Nachdenklich und zweifelnd muß man, diese wahren Worte von Marx im Kopf, das heute erreichte Niveau der Produktivkraftentwicklung betrachten, und ernste Kritik ist genauso erforderlich wie eine wissenschaft- liche Analyse, um insbesonders dem hohen Anspruch der V e r- b e s s e r u n g der natürlichen Umwelt gerecht zu werden. 1. Wechselwirkung zwischen Produktivkräften ------------------------------------------- und Produktionsverhältnissen ---------------------------- Bei der Analyse der ökonomischen Verhältnisse als Grundlage der Produktionsverhältnisse und von deren mittelbarem Einfluß auf die Entwicklung der Produktivkräfte, den materiellen Teil der Gesell- schaft, wird im Kapitalismus zu Recht das Profitmotiv als das be- stimmende Element für die gesellschaftliche Entwicklung und deren Deformationen gesehen. Mit der richtigen Bezeichnung als H a u p t motiv für die gesellschaftliche Entwicklung stellt sich aber sowohl die Frage, welche - alte oder neue - Motive nach seiner Beseitigung in einer sozialistischen Gesellschaft wirken, welche Motive die relativ unabhängige Entwicklung der Produktiv- kräfte und im speziellen der Produktionsinstrumente als "Knochen- und Muskelsystem der Produktion" 2) bestimmen. Es gibt im gesellschaftlichen Rahmen - auch auf konkret histori- sche Bedingungen rückführbare - Ursachen dafür, daß auch bei ge- sellschaftlichem Eigentum an den Produktionsmitteln Maßnahmen er- griffen werden, die mit Langzeitwirkung und Komplexität die Um- welt schädigen; ebenso besteht objektiv ein "in der notwendigen Bedürfnisbefriedigung der Menschen begründeter ökologischer Grundwiderspruch" 3) zwischen Mensch und Natur, zwischen "der Ar- beit als dem Vater des Reichtums und der Natur als ihrer Mutter". Es greift daher wahrscheinlich zu kurz, alle Probleme der Ent- wicklung der Produktivkräfte und im speziellen der Produktionsin- strumente als deren mechanisch-technischer Teil dem Privateigen- tum an den Produktionsmitteln und den sich daraus ergebenden Ge- setzmäßigkeiten zuzuschreiben. Mit der Entwicklung der Wissenschaft zur direkten Produktivkraft bestimmt sie immer mehr Technologien als ihre materialisierten Produkte. "In früheren Zeiten folgte die Wissenschaft der Indu- strie, heute besteht für sie die Tendenz zum Überholen und zum Führen", stellte der britische Kristallograph John D. Bernal schon vor mehr als 30 Jahren fest. 4) Die Tendenz hat sich durch- gesetzt und ist entscheidend geworden. Um so wichtiger wird es zu untersuchen, welche objektiven, im Entwicklungsstand der Produk- tionsinstrumente selbst liegenden Ursachen bestimmend sind für die Gefährdung der Natur bei deren Verwendung und ob und welche Möglichkeiten sich abzeichnen, negative Auswirkungen zu beseiti- gen. Diese Art der Fragestellung ist sicherlich nicht neu, neu ist aber wahrscheinlich die Qualität ihrer Bedeutung, die dieser auf Grund der globalen Bedrohung der Natur zukommt. Es ist unerläßlich klarzustellen, daß unmittelbar verfügbare, be- trächtliche Reserven vorhanden sind, die durch gesellschaftliche, politische und organisatorische Maßnahmen verfügbar gemacht wer- den müssen, um verschiedene unmittelbare Gefährdungen durch tech- nische Einrichtungen zu verringern oder zu beseitigen. Die größte verfügbare Reserve stellen dabei Abrüstungsmaßnahmen besonders auf nuklearem, aber auch auf konventionellem Gebiet dar, wobei zuerst die unvergleichlich größten Gefahren, die von Raketenkern- waffen ausgehen, beseitigt werden müssen; dadurch kann auch das relativ größte verfügbare Potential an Wissenschaftlern und Tech- nikern dafür eingesetzt werden, an der Lösung der tatsächlichen globalen Probleme der Menschheit wie Hunger, Trinkwasserversor- gung, den verschiedenen kulturellen und klimatischen Gegebenhei- ten angepaßte Formen der Energieversorgung, Krankheiten von Mala- ria über Bilharziose bis zu Aids usw. zu arbeiten. Aber trotz der verschiedenen technisch-apparativen Mängel und der rein ökonomischen Entscheidungen für ein altes Produktionsverfah- ren bleibt doch die eigentliche Ursache für den schweren Chemie- unfall in Seveso 1976 eine nach der damaligen wissenschaftlichen Kenntnis unbekannte wärmeabgebende Reaktion, die beginnend in dünnen Schichten der Reaktionslösung nach Abschalten des Reaktors in mehr als 7 Stunden den gesamten Tankinhalt von mehr als 6 t schließlich um mehr als 60 °C weiter erhitzte, 5) so das schwere Gift Dioxin (TCDD) produzierte und den Tank zur Explosion brachte. Es ist also wohl auch berechtigt, gezielt die technische Seite zu untersuchen, um die Bedingungen zu beherrschen oder zu beseiti- gen, die für ganze Städte und Länder beträchtliche Gefahrensitua- tionen herbeiführen können. 2. Sondersituationen und Standardfälle in Natur und Technik ----------------------------------------------------------- Es scheint sinnvoll, sowohl zu unterscheiden zwischen Unfällen, Sondersituationen und Standard- oder Normalfällen als auch zwi- schen natürlichen und, vom Menschen herbeigeführten, künstlichen Situationen. Als gemeinsames Kennzeichen soll nur gegeben sein ein vielfältiges, wechselseitiges Beziehungssystem zwischen einer meist großen Zahl von Einzelelementen und dem Gesamtsystem und, im allgemeinen, Energie- und Stoffaustausch mit der Umgebung (offene Systeme). Das Verhalten einzelner Elemente kann dabei sehr wohl weitgehend genau bekannt sein, es wird aber unter Ein- fluß anderer Elemente zu einem bestimmten Spielraum, zu einer Veränderung der Ergebnisse ihres Wirkens kommen. Es sei als erstes Beispiel für eine natürliche Normalsituation der globale Wetterablauf angeführt, wobei unter der dauernden En- ergiezufuhr der Sonne in der Atmosphäre aus ungeordneten Teilchen wieder neue Strukturen, Wolken, entstehen. Sowohl die große Zahl verschiedener, nebeneinander ablaufender Vorgänge als auch ihre spezielle Art (z. B. Diffusionsvorgänge) machen es sogar bei (praktisch nie zu erreichender) Kenntnis aller Fakten auch theo- retisch unmöglich, exakte Aussagen über den Zustand in allen Tei- len des Systems und, darauf aufbauend, zutreffende Vorhersagen zu machen. 6) Verschärft wird diese Problemstellung durch die unun- terbrochenen Veränderungen des Gesamtsystems durch die Natur selbst (CO2-Produktion im jahreszeitlichen Wechsel) und durch den Menschen, indem verschiedene Stoffe produziert werden, die vorher nicht oder nicht in diesen Mengen in der Atmosphäre vorhanden wa- ren. So wurde die Untersuchung der Auswirkungen von Stickoxiden auf die Atmosphäre zuerst begonnen zur Abschätzung der Folgen von Kernwaffenversuchen in der Atmosphäre und des massenhaften Ein- satzes von Überschallverkehrsflugzeugen in hohen Schichten der Atmosphäre. 7) Schon diese ursprüngliche Beschreibung des Gesamt- systems mit mehr als 56 gleichzeitig ablaufenden Gasreaktionen ist auch theoretisch nur unter stark vereinfachenden Annahmen zu beherrschen; in jedem Fall ist das Ergebnis stark beeinflußt durch die Veränderung einzelner Parameter auf Grund von exakteren Messungen der Kenngrößen von Einzelreaktionen. Dazu kommt, daß die wesentlich mitzuberücksichtigenden Diffusionsvorgänge zum Transport der Reaktionspartner typisch irreversible Prozesse sind, deren Behandlung zwar die "Nichtgleichgewichtsthermodyna- mik" beschreibt, die aber im Rechenmodell nur durch verschiedene halbempirische Parameter berücksichtigt werden können. Die Folge dieser Schwierigkeiten ist zuerst ein beträchtliches Auseinanderklaffen zwischen Rechenergebnissen und tatsächlichen Meßwerten und weiters, darauf zurückgehend, ein Anzweifeln von Methode und Ergebnis. So lassen sich eindeutig und präzise weder die Auswirkungen von chlorierten und fluorierten Kohlenwasser- stoffen auf die Ozonschicht der Erde zeigen, noch lassen sich be- sonders die klimatischen Auswirkungen der Umleitung sibirischer Ströme in den Süden der Sowjetunion abschätzen. Die Schwierigkei- ten sind auch enorm: Zum ersten zeigen neue Untersuchungen der Ozonschicht der Erde eine räumlich (vertikal und horizontal) und zeitlich stark unterschiedliche Verteilung, wobei noch keine Ab- schätzung über vermutete menschliche Einflüsse möglich erscheint, zum zweiten fehlen einfach Untersuchungen über klimatische Aus- wirkungen des Rückgangs der Vereisung der Nordpolkappe, wenn durch geringere Süßwasserzufuhr der Salzgehalt des Meerwassers steigt und damit der Gefrierpunkt sinkt - um nur ein Problem zu nennen. Es ist aber jedenfalls zu befürworten, daß Sicherheitsmaßnahmen getroffen werden, da in jedem Fall irreversible Veränderungen zu erwarten sind. Dies um so mehr, da durch verbesserte Modelle und genauere Reaktionsparameter die Tendenz der ersten Ergebnisse (im Fall des Abbaus der Ozonschicht) bestätigt wurde. 8) Aber inwieweit ist es überhaupt möglich, sichere Aussagen über das Verhalten komplexer natürlicher Systeme zu geben? 3. Theoretische Behandlung von Nicht-Gleichgewichts-Zuständen ------------------------------------------------------------- Beginnend in der Mitte der 60er Jahre wurden, ausgehend von der klassischen Thermodynamik (oder besser, richtiger: Thermostatik), neue Konzepte entwickelt, die beschreiben, wie unter gleichge- wichtsfernen Bedingungen verschiedene Arten von Prozessen der Selbstorganisation zu "dissipativen Strukturen" führen können. 9) Es können oszillierende chemische Reaktionen oder neue, räumliche Strukturen auftreten, die das Verhalten des Gesamtsystems wesent- lich beeinflussen. Neben deren durchaus anspruchsvoller mathema- tischer Beschreibung soll aber vor allem auf die schwierige expe- rimentelle Zugänglichkeit - vor allem die unsichere Reproduzier- barkeit schon von Laborversuchen - hingewiesen werden, wodurch wesentliche Probleme bei der Überprüfung theoretischer Ergebnisse entstehen. Bei der Simulation dissipativer Strukturen müssen räumliche, dreidimensionale Probleme beschrieben werden, wodurch beträchtli- che Anforderungen an die Rechnerleistung gestellt werden. So sind z.B. dreidimensionale Modelle zur Klimabeschreibung auch gegen- wärtig schon rein rechentechnisch nur auf "Supercomputern" (Cray u. ä.) zu realisieren. 4. Eine Analogie zwischen natürlichen und künstlichen Systemen -------------------------------------------------------------- Unter den oben angeführten Voraussetzungen (wechselseitiges Be- ziehungssystem zwischen Element und Gesamtsystem) kann eine Ana- logie hergestellt werden zu hochkomplexen technischen Einrichtun- gen, zu denen vor allem kerntechnische Anlagen, Produktions- und Verarbeitungsbereiche der Industrie (besonders der chemischen) und die Großraketen-(Weltraum-)Technik zu zählen sind. Als in al- len Bereichen zur Konstruktion, Betriebssimulation, Betriebskon- trolle und -steuerung angewendete Technologie muß die Elektronik in Form von Rechenanlagen verschiedenster Größe und Aufgabenstel- lung besonders beachtet werden. Ohne auf die Vielfalt der Pro- zesse eingehen zu müssen, die durch Prozeßrechnernetze gesteuert werden sollen und in Großrechenanlagen simuliert werden, ist schon beim Betrieb von "Nur"-Rechenanlagen festzustellen, - daß nichtüberblickbare Eigenschaften vorliegen, die sich vor allem durch Auswirkungen des Zusammenspiels verschiedener Teil- komponenten ergeben; - daß für die gesamte Anlage eine hohe Situationsabhängigkeit be- steht, die vor allem auf die hohe, stets wechselnde Belastung durch (mehrere) verschiedene Benutzer zurückzuführen ist. Daraus ergibt sich weiters, - daß die Reproduzierbarkeit auftretender Störungen sehr schlecht ist und daher die Fehlereingrenzung und -beseitigung wesentlich erschwert wird. Es wäre trivial, ja leichtfertig und überheblich, derartige Pro- bleme einfach auf schlechte Ausbildung oder unzureichenden Ar- beitseinsatz zurückführen zu wollen. Auch kann nicht erwartet werden, daß auftretende unerwünschte Eigenschaften auf konkrete, echte "Fehler", z.B. in der Hardware, der Software oder in der Bedienung zurückzuführen sind und daher bei vollständig exaktem Betrieb zu vermeiden wären; es ist umgekehrt: Derartige Überle- gungen sind fehlerhaft. - Die Fertigung der Hardware erfolgt unter Berücksichtigung einer bestimmten Fehlerquote derart, daß die Mindestzahl der fehler- freien Schaltelemente den Abnahmebedingungen entspricht; d. h., schon kein Bauteil ist vollständig fehlerfrei, sondern es erfüllt nur die Anforderungen spezieller Testprogramme. 10) - Auch bei vollkommen ausgetesteten Programmen rechnet man mit einem Fehler je 1000 Programmzeilen, d.h., es gibt praktisch keine fehlerfreien Programme. - Eine p e r f e k t e Bedienungsmannschaft anzustreben, muß statt als vernünftiges Ziel eher als menschenunwürdig bezeichnet werden und wäre auch praktisch nicht zu realisieren. In Fachkreisen sind die Beispiele Legion für simple Programmfeh- ler, die zum Verlust von Großraketen führten, für den Totalaus- fall von - natürlich vielfach ausgetesteten, durch Mehrfachsy- steme gesicherten - digitalen Telefonanlagen oder Funkleitein- richtungen von Flughäfen. Es liegt offenbar auch bei technischen Anlagen ein neues, prinzipielles Problem vor, das sich aus der Komplexität des Systems ergibt. All das gilt schon für den Nor- malzustand, für den Standardfall. Ungleich verschärft wird die Problemstellung für Sonder- und Störfälle. Als derartige Beispiele für die Natur seien - der Vollständigkeit wegen - Vulkanausbrüche oder Anomalien von Meeresströmungen (z.B. "El Nino" vor der pazifischen Küste von Mittel- und Südamerika) angeführt. Hier ist keinerlei experimentelle Reproduzierbarkeit des Gesamtereignisses mehr gegeben. Dasselbe gilt auch für Stör- fälle von technischen Anlagen, die etwas ausführlicher zu behan- deln sind. 5. Störfälle von technischen Anlagen ------------------------------------ Hier sollen vier große Industrieunfälle der letzten Jahre vergli- chen werden 11) - und zwar (in chronologischer Reihenfolge): Kühlmittelverlustunfall bei einem Druckwasserreaktor in Three Mile Island, 12) Explosion eines Methyl-Isocyanat-Tanks in Bho- pal, 13) Wasserstoffexplosion mit teilweiser Freilegung des Re- aktorcores in Tschernobyl 14) und Brand eines (Alt-)Chemika- lienlagers bei Sandoz in Basel. 15) Die Unfallbeherrschung war in Bhopal sowohl technisch als auch wissenschaftlich relativ am wenigsten problematisch (auch bei dem früher angeführten Unfall in Seveso reichte schon ein Wiedereinschalten der Kühlung zur Beseitigung der Unfallursache). Aber gerade für Bhopal konnte die Vermutung der aktiven Sabotage (durch Einleiten von 450-900 l Wasser in den Lagertank) nicht zweifelsfrei ausgeräumt werden. Hingegen stellte der Vollbrand von mehr als 1200 t und fast 30 verschiedenen Chemikalien (darunter 1,9 t Quecksilber) in Basel schon für einen Chemiker einen Alptraum dar und überforderte auch gutausgebildete Löschmannschaften weitgehend; dies betraf insbe- sonders die Abschätzung möglicher Folgen bei der Wahl unter- schiedlicher Löschmittel. Bezüglich der Unfall u r s a c h e mögen Basel (Selbstentzün- dung [?]) und Three Mile Island (Vergessen eines geschlossenen Haupthahns im Kühlsystem nach einer Wartung) ähnlich "gering- fügig" gewesen sein, bei der Unfallbeherrschung stellte doch letzterer ungleich größere wissenschaftliche Anforderungen. Der Störfall in Harrisburg wurde aber vor allem kritisch auf Grund von schwerem Fehlverhalten der (früheren Atom-U-Boot-)Bedienungs- mannschaft eineinhalb Stunden nach Störfalleintritt. 16) Sowohl von der Analyse der Unfallursache als auch von den Proble- men bei der Unfallbeherrschung her stellte der Unfall im KKW Tschernobyl den kompliziertesten Fall dar. Erst die bewußte Aus- schaltung von mehreren Sicherheitssystemen über einen Zeitraum von einigen Stunden führte kurz nach Beginn des beabsichtigten Turbinenversuchs zu einer lokalen Überhitzung im Reaktor und zu einer Wasserstoff-(Knallgas-)Explosion. 17) Es sei an dieser Stelle betont, daß alle angeführten Unfälle durch verschiedene gesellschaftliche, politische und organisato- rische Maßnahmen hätten vermieden werden können. Dieser Aspekt der vielschichtigen Problemstellung soll hier nicht diskutiert werden; nicht weil er unerheblich wäre, sondern weil entspre- chende gesellschaftliche Verhältnisse wohl die Voraussetzungen für mögliche Problemlösungen schaffen können, dies aber noch nicht die Problemlösung selbst darstellt. 6. Notwendigkeit und Zufall, auch in technischen Anlagen -------------------------------------------------------- Besonders in den beiden zuletzt angeführten Fällen stellte die Unfallbeherrschung selbst maximale wissenschaftliche und - bei Tschernobyl - auch technische Anforderungen. Allgemein lautet die Problemstellung, wie die Wiederherstellung von Normalzuständen durch technische Maßnahmen unterstützt werden kann, wenn man chaotische Zustände weitab von Planungs- oder Auslegungsgrößen vorfindet. Auch hier treten systembedingte Instabilitäten auf, wobei die große Zahl von Einflußparametern und die große Entfer- nung vom Normalzustand maßgeblich mitbestimmend sind. Für solche Situationen gilt auch in technischen Anlagen zumin- dest, daß rein deterministische Beschreibungen aller Größen für alle Zeitpunkte nicht mehr möglich sind. Die Schlußfolgerung dar- aus ist aber nicht notwendigerweise, daß eine Beschreibung prin- zipiell unmöglich wäre: Die Quantenmechanik beschreibt schon seit bald 60 Jahren diskrete Zustände von Atomen und Molekülen mit statistischen Erwartungswerten, die mit den experimentellen Meß- werten ausgezeichnet übereinstimmen. Damit zeichnet sich aber auch eine Beschreibung von komplexen technischen Anlagen sowohl im Normalbetrieb als auch in Störfallsituationen ab. In der Wirklichkeit laufen stets neben notwendigen, deterministi- schen Vorgängen auch zufällige, statistische ab. Zufällige Ereig- nisse sind dabei sowohl Ergänzung als auch Erscheinungsform der notwendigen; sie erfordern eine ihnen entsprechende Beschreibung durch statistische Gesetze. Diese treten überall dort auf, wo die Beziehungen zwischen System und Elementen wesentlich werden und/oder Rückschlüsse vom System auf das Verhalten der Einzelele- mente gezogen werden sollen. In keinem Fall bedeutet dies aber eine Abkehr von der prinzipiellen Möglichkeit der Beschreibung und Darstellung der Realität. "Die Diskussion um das Verhältnis von dynamischen und statisti- schen Gesetzen führte zur Präzisierung der Gesetzesauffassung im dialektischen Determinismus. Die Anerkennung der objektiven Exi- stenz von Möglichkeitsfeldern, die Bestimmung von Wahrscheinlich- keiten für zukünftige Ereignisse und die Auffassung von der Exi- stenz einer Systemmöglichkeit, die notwendig Wirklichkeit wird, ändert nichts an der von den Klassikern entwickelten Auffassung, nach der objektive Gesetze allgemein-notwendige, das heißt repro- duzierbare und wesentliche, das heißt den Charakter der Erschei- nung bestimmende Zusammenhänge sind, sie führen vielmehr zu einem besseren Verständnis des gesetzmäßigen Verlaufs von natürlichen und gesellschaftlichen Prozessen." 18) Diese Aussage kann ohne Vernachlässigung der Allgemeinheit der Überlegungen ausgeweitet werden auf künstliche (technische) Prozesse. Praktisch angewendet würde dies bedeuten, daß Betriebsabnahmeprü- fungen und Zulassungsentscheidungen von staatlichen, öffentlichen Stellen auf Grundlage von stochastischen Analysen des Verhaltens von technischen Anlagen durchgeführt werden müssen. Voraussetzung dafür wären aber zuerst die theoretische Entwicklung dazu ge- eigneter Methoden, diesen entsprechende Steuer- und Kontrollein- richtungen und deren praktische Überprüfung. 19) Die bisherige Vorgangsweise besteht zum einen darin, für be- stimmte, als "unsicher" erkannte Teile Zusatzeinrichtungen (oder Neuplanungen) vorzuschreiben. Ob derartige Veränderungen jeder Art neben der (notwendigerweise) erhöhten Komplexität auch die Zuverlässigkeit insgesamt erhöhen, ist zu bezweifeln, jedenfalls nicht zu demonstrieren. 20) (Um Mißverständnisse zu vermeiden: Selbstverständlich ist das aktuelle Niveau von [im konkreten Fall] Sicherheitseinrichtungen heute praktisch in jedem Fall niedriger als das potentiell mögliche; und eine Schranke zur "Unüberblickbarkeit" der Gesamtanlage ist nicht fix, sondern ab- hängig von Meß- und Steuereinrichtungen. Trotz allfälliger objek- tiver Grenzen sind daher unmittelbare Maßnahmen möglich, um Be- triebssicherheiten zu erhöhen.) Zum anderen wird versucht, Interpretationen oder Entscheidungen von großen automatischen Anlagen an (mehreren) entscheidenden Stellen durch Menschen zu überprüfen, um derart über Eingriffs- und Kontrollmöglichkeiten zu verfügen. Gleichzeitig damit schafft man aber Möglichkeiten, ganze Sicherheitssysteme bei guter Kennt- nis des Gesamtsystems auszuschalten oder zu umgehen. Daß dies zu Betriebszuständen führen kann, die keine Planung für den Normal- betrieb oder für Störfälle berücksichtigen könnte, 21) ist eine entscheidende Einschränkung und die schwerwiegendste sicherheits- technische Konsequenz aus dem Unfall in Tschernobyl. Gibt es dann überhaupt realisierbare Methoden, um die Betriebssi- cherheit und die Zuverlässigkeit von großtechnischen Anlagen zu erhöhen, ohne sich durch Ausschaltung des Menschen vollkommen auf automatische Systeme verlassen zu müssen, oder ist die Grenze der Beherrschbarkeit von komplexer Technik schon erreicht oder über- schritten? 7. Möglichkeiten zur Steuerung komplexer Anlagen ... ---------------------------------------------------- Ein Blick in die Natur zeigt, daß ungleich kompliziertere Aufga- ben ungleich schneller und zuverlässig gelöst werden. Das gilt selbstverständlich für das menschliche Gehirn als die höchstent- wickelte materielle Struktur; aber auch die "dezentrale, real- time" Bildverarbeitung z.B. der beiden unabhängig voneinander beutesuchenden Chamäleonaugen zeigt durch ihre unvergleichliche Überlegenheit gegenüber dem derzeitigen Stand der elektronischen Bildverarbeitung Entwicklungsmöglichkeiten auf, die schon bei teilweiser Nutzung beträchtliche Verbesserungen der Leistungsfä- higkeit künstlicher Systeme bringen müssen. Diese großen Aufgaben stellen Anwendungsgebiete für Künstliche Intelligenz (auf die später noch eingegangen wird) dar, die ge- genwärtig intensiv erforscht werden, aber für die entsprechende Einrichtungen heute nicht zur Verfügung stehen; daneben gibt es aber eine ganze Reihe von anderen technischen Möglichkeiten zur Verbesserung der aktuellen Situation. Eine davon wäre vor allem die stärkere Ausnutzung der graphischen und farblichen Erken- nungsfähigkeit des menschlichen Auges zur Darstellung von Zustän- den und/oder Vorgängen. Die Verwendung von Graphik-Farbbildschir- men 22) in Schaltwarten von Großanlagen stellt eine beträchtliche Arbeitsverbesserung für den Normalbetrieb und eine Entscheidungs- unterstützung für geplante Änderungen des Betriebszustandes (An- und Abschaltphasen) und für Störfälle dar. 8. ... und weitere ungelöste Probleme ------------------------------------- Durch die so erzielte Zusammenfassung verschiedener Daten und die Verbesserung ihrer Erfaßbarkeit wird trotzdem bestenfalls ein Schritt getan zur Lösung eines Hauptproblems, das besonders bei Störfällen gravierend wird, und zwar das Problem der Informati- onsreduktion. So lief bei dem Störfall in Harrisburg der Drucker des Prozeßrechners zweieinhalb Stunden hinter den aktuellen Er- eignissen nach, seine Daten waren praktisch nicht zu verwenden. 23) Es sind also Methoden erforderlich, die in Abhängigkeit von der anfallenden Datenmenge Entscheidungen treffen über die Wich- tigkeit von Informationen. Dies ist zwar ein gegenwärtig ungelö- stes, jedoch keineswegs unlösbares Problem der modernen elektro- nischen Informationsverarbeitung; es ist offenbar gerade die Fä- higkeit zum Vergleich mit ganzen Mustern (anstelle des Vergleichs von Einzelbildpunkten) der entscheidende Grund für die Überlegen- heit aller natürlichen Systeme. Dies ist eine vom Prinzip her ähnliche Aufgabenstellung wie für das bildhafte Erkennen und für Erinnerungsvorgänge im menschlichen Gehirn. Es wurde in jüngster Zeit auch experimentell bestätigt, daß die natürliche Bildverarbeitung auf einem stufenweisen Wahrnehmungs- prozeß beruht, der von Umrissen und Merkmalen weitergeht zu Ein- zelheiten und Details. 24) Dem entsprechen schon länger entwic- kelte Methoden, Kennzeichen und Eigenschaften (z.B. von Stoffen) zu Klassifikatoren zusammenzufassen, um so die Suche in großen Datenbanken sowohl zu beschleunigen als auch zuverlässiger, treffsicherer zu machen. 25) Entscheidend wird dabei natürlich die Wahl, der Aufbau des Klassifikators und die Methode des Su- chens in einer Daten-(Wissens-)Bank. Damit folgt das nächste Problem auf dem Fuß: Ein Mensch mit mehr Wissen und Erfahrung (ein "Experte") fällt (normalerweise) in neuen Situationen raschere Entscheidungen als eine Vergleichsper- son mit weniger Wissen; wird hingegen bei einem automatischen Sy- stem die Wissensbasis erhöht, d.h. vergrößert, so verlängert sich unmittelbar auch die zur Entscheidungsfindung erforderliche Zeit. Das ist einer der Hauptgründe dafür, daß Fachleute grundsätzlich bestreiten, wissensbasierte Systeme (Künstliche Intelligenz) seien geeignet zur Steuerung und Kontrolle hochkomplexer Systeme. 26) Diese Einschätzung trifft sicherlich zu auf die heute aktuel- len Methoden, aber mit diesen sind nicht alle Möglichkeiten er- schöpft. 9. Neue Rechnerarchitekturen " ------------------------------ Der beschriebene Effekt der Entscheidungsverzögerung bei Erhöhung der Wissensbasis kann nur überwunden werden durch neue technische Konzepte und, eng damit verbunden, durch neue Programmethoden. Daß eine einfache Erhöhung der Rechengeschwindigkeit nicht zum Ziel führen kann, mag die Tatsache zeigen, daß schon die heutigen Bauteile um ein Vielfaches "schneller" sind als menschliche Neu- ronen, die Schaltteile im Gehirn. Die auf von Neumann zurückgehende Zusammenfassung von Programm und Rechenwerk in einer Rechnerarchitektur mit je einem Speicher, Rechenwerk und Steuereinheit für eine sequentielle Abarbeitung des Programms kann diese Aufgaben jedenfalls nicht lösen. Andere, schon vielfach im Einsatz befindliche Rechnerkonzepte erlauben zuerst eine parallele, gleichzeitige Verarbeitung mehrerer gleichartiger Schritte durch eine Vergrößerung der Zahl der Re- chenwerke (Vektorrechner) oder, als nächste Stufe der Vernetzung, Parallelprozessoren mit mehr als 65 k Prozessoren, die unterein- ander entsprechend ihrer Aufgabenstellung vernetzt werden können. 27) Derartige Rechner ermöglichen - vor allem auf Grund der neuen Architektur - durch eine entscheidend höhere Verarbeitungsge- schwindigkeit das Lösen einer Vielzahl von Aufgabenstellungen in der Bild- und Signalverarbeitung und der Mustererkennung. Ihre Arbeitsweise ähnelt wahrscheinlich mehr der natürlichen Informa- tionsverarbeitung als die Von-Neumann-Architektur. Die hardwaremäßige Simulation der natürlichen Mustererkennung wird mit "holistischen Maschinen" versucht. Dabei sollen spe- zielle Eigenschaften von holographischen Bildern genutzt werden: Diese speichern auf Grund ihrer speziellen Aufnahmetechnik (Interferogramme) in jedem Bildpunkt die gesamte Information des Bildes. Wird also ein Hologramm zerbrochen, so liefert jedes Bruchstück trotzdem ein vollständiges Bild, nur mit einer etwas geringeren Auflösung. Entscheidend ist aber, daß ein Vergleich der Ähnlichkeit zweier Muster möglich wird - nicht durch Überprü- fung ihrer Einzelmerkmale, sondern durch den direkten Vergleich des gesamten Bildes. 28) Schließlich seien noch "dedicated Systems" erwähnt, die nicht mehr universell die verschiedensten Aufgaben erfüllen können, sondern ausschließlich ganz bestimmte, hardwaremäßig festgelegte, diese aber dafür schnell und fehlerfrei. Derartige Systeme sollen helfen, programminhärente Fehler zu vermeiden oder ihre Folgen unwirksam zu machen. Ähnliche Veränderungen wie bei den Rechnern sind auch bei den Programmen in dem Ausmaß erforderlich, wie an Stelle der Lösung rein numerischer Aufgabenstellungen die Behandlung vielfacher lo- gischer Entscheidungen auf Grundlage von Wahrscheinlichkeitskal- külen 29) angestrebt wird. Die bisherigen ablauforientierten Pro- gramme (Algorithmen) müssen dafür ersetzt werden durch symbolori- entierte Programme in entsprechenden Sprachen (LISP, PROLOG u. ä.), die, verbunden mit einer neuen, fünften Rechnergeneration, Aufgaben der Künstlichen Intelligenz (Bild- und Sprachverarbei- tung, Expertensysteme mit Lernfähigkeit) lösen sollen. 10. ...und Künstliche Intelligenz --------------------------------- Die Verwendung wissensbasierter Systeme setzt allerdings den Auf- bau ihrer Wissensbasis voraus, und damit entstehen aktuelle, große Schwierigkeiten: Es sind grundlegende Fragen zu lösen, die die Wissensdarstellung und die Wissensorganisation betreffen. 30) Darüber hinaus ist aber gegenwärtig weder klar, wie die subjek- tive Entscheidungsfindung und die Motivation für eine bestimmte Entscheidungsstrategie eines Experten formalisierbar ist, noch wie "Alltagswissen" als Datenbank dem Rechner zur Verfügung ge- stellt werden kann oder auf welchen Wegen er dieses "erlernen" soll. Es ist bisher zwar gelungen, Faktenwissen zu speichern; die Me- thode aber, wie Experten ihr Wissen nutzen, läßt sich bisher nicht (vielleicht prinzipiell nicht?) simulieren. Alle Versuche scheiterten bisher eigentlich schon daran, daß Experten selbst ihre meist richtigen Entscheidungen weder vorher noch nachträg- lich rational nachvollziehbar beschreiben können. 31) Auch so einfache Tätigkeiten wie "Gehen" und "Radfahren" entzie- hen sich nicht nur einer elektronischen Darstellung und Simula- tion - nicht zuletzt wegen der ungeheuren Datenflut, die für jede Einzelentscheidung verarbeitet werden muß -, sondern stellen auch ingenieurtechnisch unlösbare Probleme bei der Konstruktion ent- sprechender Apparate. Zusammenfassend kann festgestellt werden, daß auch technische, informationstheoretische Zugänge zur Frage der Repräsentation von Allgemeinwissen zur Erkenntnis führen, daß dazu soziale Beziehun- gen formalisiert 32) und dem Computer verfügbar gemacht werden müssen - eine nicht nur praktisch unlösbare Aufgabe. Die philoso- phisch-weltanschauliche Frage des Menschenbildes in seiner sozia- len Umwelt und der Möglichkeiten seiner Darstellung in logischen Systemen soll hier nicht diskutiert werden, weil beim Betrieb technischer Anlagen der Mensch nicht ersetzt, sondern in seinen Entscheidungen unterstützt werden soll. Wohl wird auch die Frage, wie und ob Expertensysteme für Teilbe- reiche (z.B. Medizin - MYCIN, 33) Analytische Chemie - DENDRAL 34) u.a.m.) tatsächlich leistungsfähiger sind als Fachleute oder ob sie ihnen Routinetätigkeiten abnehmen können, durchaus kon- troversiell diskutiert. Aber die schon vor einigen Jahren begon- nene und sich ausweitende Speicherung der verschiedensten umfang- reichen Datenmengen und ihre prompte Verfügbarkeit für schnelle Rechner wird erst in einiger Zeit Aussagen über die Leistungsfä- higkeit und Wertungen von Anwendungen der Künstlichen Intelligenz erlauben. Die zweite industrielle Revolution, mit der durch informations- verarbeitende Maschinen in Produktions- und Arbeitsprozessen Schranken des geistigen Arbeitsvermögens der Menschen überwunden werden, 35) hat jedenfalls noch einen weiten Weg vor sich. 11. Schlußbemerkung ------------------- Es wurde versucht, einige Probleme zu beschreiben und Lösungsmög- lichkeiten zu diskutieren, die sich aus dem heutigen Stand der Entwicklung der Produktionsinstrumente ergeben. Die Produktiv- kräfte als Ganzes mit ihrem Hauptbestandteil, dem Menschen, sind bestimmender Teil bei der Weiterentwicklung der Gesellschaft und erfordern immer wieder die Anpassung der gesellschaftlichen Ver- hältnisse. 36) Diese müssen auch Entscheidungen ermöglichen, aus der Vielzahl der Anwendungsmöglichkeiten von Technologien die un- angemessenen, gefährlichen nicht zu verwirklichen. Letzteres ist auch dann erforderlich, wenn ihr Betrieb nicht sicher kontrol- lierbar oder ihre Auswirkungen nicht abschätzbar und damit nicht verantwortbar sind. _____ *) Ich möchte meinen Kollegen und Freunden, im besonderen Rein- hart Gausterer, Thomas Grechenig und Reinhold Sturm, für die kon- struktive Diskussion und damit für die Unterstützung danken, ohne die es nicht möglich gewesen wäre, den folgenden Beitrag fertig- zustellen. 1) K. Marx "Das Kapital", Bd. 3, MEW 25, S. 784. 2) Ebd., Bd. 1, MEW 23, S. 195. 3) H. Hörz "Philosophie und Ökologie", Sitzungsberichte d. ADW d. DDR, 5N/1986, S. Uff. 4) J.D. Bernal "Science in History", London 1954, p. 23. 5) T.G. Theofanus, Nature 291, 640-2 (1981); J. Sambeth, Nachr. Chem. Tech. Lab. 30, 367-71 (1982). 6) Siehe dazu auch den Beitrag von Booß-Bavnbek/Bohle-Carbonell in diesem Band. 7) P. Crutzen, Ambio 1, 41 (1971); 3, 201-10 (1974); P. Crutzen, D. Ehhalt, Ambio 6, 112-7 (1977). 8) I.S.A. Isaksen, F. Stordal, Ambio 10, 9-17 (1981); siehe auch: U. Feister, spectrum 18 (6), 6 (1987). 9) I. Prigogine, G. Nicolis, J. Chem. Phys. 46, 3542-50 (1967); I. Prigogine, R. Lefever, J. Chem. Phys. 48, 1695-700 (1968); P. Glansdorff, I. Prigogine "Thermodynamic Theory of Structure, Sta- bility and Fluctuations", London 1971; I. Prigogine "Vom Sein zum Werden", München 1979; H. Haken "Synergetics", Berlin (W.) 1978. 10) H. Queisser "Kristallne Krisen", München 1985, S. 307. 11) Es wäre sicherlich korrekter, eine systematische Untersuchung über Industrieunfälle während eines bestimmten Zeitraums nach verschiedenen Kriterien auszuwerten. Eine derartige Untersuchung ist dem Autor nicht bekannt; es ist daher sowohl die Auswahl si- cherlich etwas willkürlich als auch der Vergleich nicht streng systematisch. 12) The President's Commission (LG. Kemeny, chairman), Report on "The Accident at Three Mile Island", Düsseldorf 1979 (deutsch: "Der Störfall von Harrisburg"); im folgenden: TMI-2. 13) Union Carbide Corporation "Bhopal Methyl Isocyanat Incident Investigation Team Report", Danbury, Conn. 1985; Special Issue: Bhopal, Chem. Eng. News. 63 (6), 14 (1985); R. Klinger, Nachr. Chem. Tech. Lab. 33 (7), 590 (1985). Zur Toxizität von MIC (Mutagenität, Gentoxizität, Chromosomen- schädigung): E.E. McConnell et al., Environ. Sci. Technol. 21 (2), 188-93 (1987). 14) USSR State Committee on the Utilization of Atomic Energy "The Accident at the Chernobyl' Nuclear Power Plant and its Consequen- ces", IAEO, Wien 1986; im folgenden: RBMK-1000. 15) Nachr. Chem. Tech. Lab. 34 (12), 1184 (1986). 16) E. Finckh, U. Waas, Phys. i.u.Z. 10 (4), 114-8 (1979). 17) RBMK-1000, Part I, p. 15 ff. 18) H. Hörz "Zufall - eine philosophische Untersuchung", Berlin (DDR) 1980, S. 209; siehe auch: Acad. F.V. Konstantinov (ed.) "The Fundamentals of Marxist-Leninist Philosophy", Moskau 1982 (engl.), p. 134 ff. 19) Siehe z.B. U. Fiedler, F. Baldeweg, wissensch. u. fortschr. 37 (2), 39-42 (1987). 20) R.K. Lester, Spektr. Wiss. 1986 (5), 42-52. 21) RBMK-1000, Part I, p. 23. 22) Chem. Anl. + Verf. Elektronik, 1987 Juli, 18; H.-F. Brinck- mann, wissensch. u. fortschr. 37 (6), 136-9 (1987). 23) TMI-2, S. 51, weiters: "Über 100 Alarmmeldungen wurden in den frühen Stadien des Störfalls ausgelöst, ohne daß eine Möglichkeit bestand, die unwichtigen zu unterdrücken und die wichtigen zu identifizieren." S. 120: Faust (Operator): "Ich hätte die Schalttafel an die Wand werfen mögen. Sie gab uns zwar viele, aber keine wirklich wichti- gen Informationen." 24) R. Finke, Spektr. Wiss. 1986 (5), 78-86. 25) K. Fukunaga "Introduction to Statistical Pattern Recogni- tion", New York 1972; siehe z.B. auch: K. Varmuza "Pattern Reco- gnition in Chemistry", Berlin (W.) 1980. 26) H.L. Dreyfus, S.E. Dreyfus "Künstliche Intelligenz", Reinbek 1987, S. 32 u. S. 167. 27) W.D. Hillis, Spektr. Wiss. 1987 (8), 52-60. 28) Dreyfus, Dreyfus, a.a.O., S. 91. 29) E. Charniak, D. McDermott "Introduction to Artificial Intel- ligence", Reading Mass. 1985, p. 460: Bayes' Theorem. 30) Ebenda, p. 393. 31) Dreyfus, Dreyfus, a.a.O., S. 37 ff. 32) Ebenda, S. 113 f. 33) Siehe z.B. R. Davis, R. Buchanan, E. Shortliffe, Artifical Intelligence 8, 15-45 (1977). 34) DENDRAL geht zurück auf eine Anregung von E. A. Feigenbaum u. J. Lederberg; für eine weiterentwickelte Version siehe: D.H. Smith et al. "Heuristic DENDRAL: Analysis of Molecular Struc- ture", pp 287-315 in: W.T. Wipke et al. (eds.) "Computer Repre- sentation and Manipulation of Chemical Information", New York 1974. 35) H. Nick, K. Seinitz, Wirtschaftswissenschaft 1982 (11), 1622. 36) J. Ligatschow, Probleme des Friedens und des Sozialismus 30 (7), 867-77 (1987), im speziellen (S. 868): "Erstens: Der ökono- mische Inhalt der Umgestaltung (in der UdSSR, H.M.) besteht darin, daß die Produktionsverhältnisse mit dem neuen Stand der Produktivkräfte in Übereinstimmung gebracht werden. Das ist ein revolutionäres Merkmal." zurück