Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 14/1988


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DIE HEROISCHE ILLUSION UND DAS 19. JAHRHUNDERT. GRÖSSE UND BEGRENZTHEIT DER BÜRGERLICHEN REVOLUTION IN FRANKREICH

Kurt Holzapfel/Michael Zeuske 1986 wurden mehrere Artikel zum Thema "heroische Illusion" veröf- fentlicht 1) und damit auf die spezifische revolutionshistorische Dimension eines Problemkomplexes verwiesen, der seit längerem die Aufmerksamkeit von Vertretern verschiedenster Wissenschaftsge- biete fand. Der historische Gedankenansatz erregte lebhaftes In- teresse 2), rief aber auch kontroverse Diskussionen hervor. Aus diesem Grunde seien im Zusammenhang mit dem Thema dieses Bandes einige Grundgedanken der Beschäftigung von Marx mit der "Heroischen Illusion" (in der Chronologie der Marxschen Arbeiten selbst) und einige Probleme der Verbindung von heroischer Illu- sion, Größe, Grenzen und des "Scheiterns" 3) der bürgerlichen Re- volution in der französischen Revolutionsgeschichte seit 1789 dargelegt. In der DDR-Revolutionsforschung und Weltgeschichtsschreibung ha- ben sich vor allem Walter Markov und Manfred Kossok mit dem Pro- blem "heroische Illusion" befaßt. Von letzterem stammt die Defi- nition, von der auch wir ausgehen: "Auf den Kern gebracht, be- stand das Wesen der heroischen Illusion in der Fähigkeit der zur Übernahme der politischen Herrschaft berufenen Klasse, d.h. der Bourgeoisie, ihre (Klassen-)'Interessen' als Gesamtinteresse der Nation zu artikulieren. Von der Dauer und Intensität dieses (stets zeitweiligen und relativen) Zusammenfalls von 'Idee' und 'Interesse' hing letztlich der Grad der Radikalität (die histori- sche Dimension) einer bürgerlichen Revolution ab ... die 'heroische Illusion" (ist) die Fähigkeit der Bourgeoisie, ihre eigene Emanzipation ("Interesse") als allgemein-menschliche ("Idee") zu begreifen und darin von der "Nation" (vulgo oder Masse) akzeptiert zu werden." 4) So verstanden, ist das ideologi- sche Phänomen der "heroischen Illusion" engstens mit der "Größe" der Französischen Revolution verbunden. Wo aber liegen die "Grenzen"? Wir glauben, daß diese "Grenzen" auf zwei Ebenen ge- sucht werden müssen: 1. In der Revolution von 1789 selbst; und zwar einerseits überall dort, wo der allgemeine "Zusammenfall" von Idee und Interesse in den aufsteigenden Phasen der Revolution (bis 1794) gefährdet schien oder war, sowie andererseits in dem bereits in der Jakobinerdiktatur anhebenden Auseinanderklaffen von Idee und Interesse (was zunächst versucht wurde durch ideolo- gische Surrogate zu ersetzen). Dieses Auseinanderklaffen manife- stierte sich mit dem 9. Thermidor. 2. Im Laufe des 19. Jhs., besonders ab 1815, kehren sich die Fronten um. Aus der Sicht der beteiligten Revolutionäre, der Ent- täuschten, sind die "Grenzen" nur im Reichtum, in der Gier u.a., d.h. in den äußeren Erscheinungen des bürgerlichen Charakters der Revolution, in den Enthüllungen ihres "bürgerlichen Festkerns" (Markov) nach 1794 zu suchen. Gleichzeitig aber war dieser bür- gerliche Charakter, dieses immer offener und klarer hervortre- tende Klasseninteresse auf lange Zeit der historisch notwendige Träger des gesellschaftlichen Fortschritts. Die Enttäuschung wurde also nicht nur eine Quelle vielfältiger ideologischer Phä- nomene (hier seien nur die Empire-Ideologie und die Napoleon-Le- gende oder die "Entdeckung" des Klassenkampfes durch die libera- len französischen Historiker erwähnt sowie die Utopien, die al- lerdings bereits eine andere Wurzel haben), sondern sie brachte auch Teilerkenntnisse über die Größe und die Historizität der "Großen" hervor. Im Verlaufe des 19. Jhs. kehren sich die Sichten und Verständnisse der "Grenzen" in einem komplizierten Prozeß um. Der historische Fortschritt beginnt den Träger zu wechseln (aus heutiger Sicht muß dieser Prozeß als viel viel länger und kompli- zierter gedacht werden, als noch vor wenigen Jahren angenommen). Jetzt muß sich das Proletariat aus den Nachwirkungen der "heroischen Illusion" von 1789 lösen, d.h. aus einer Vielzahl von Illusionen, oftmals manipulatorisch durch Staat und Bourgeoisie ausgenutzt. Das geschah über ein Zwischenstadium von Utopien, die, obwohl auf neuer sozialer Basis wachsend, nichtsdestoweniger gezwungen waren, Elemente und Bausteine objektiv überlebter hero- ischer Illusion zu nutzen, um die Größe der eigenen historischen Aufgabe überhaupt zu erahnen. * In nur einem Jahrfünft - von Mitte 1843 bis 1848 - schufen Marx und Engels theoretische Grundlagen der kommunistischen Strategie und Taktik in der Revolution von 1848/49. Dabei erarbeitete vor allem der "junge Marx" 5) in der Etappe seines Schaffens, deren Ergebnisse in den Arbeiten "Zur Judenfrage" bis einschließlich der "Heiligen Familie" niedergelegt sind, eine Reihe von philoso- phisch-gesellschaftstheoretischen Ansätzen zur Interpretation der Französischen Revolution 6). Die dazugehörige unvermittelte Entgegensetzung der Kategorien "Idee" und "Interesse" ist eine fruchtbare Problemstellung für die heutige Revolutionsforschung. In der Form der Hegelschen Widerspruchsdialektik verbergen sich unter diesen Kategorien zwei Grundprobleme, vor denen Marx in der Zeit seines Übergangs auf materialistische Positionen 7) stand: Die Erforschung der Anato- mie der "bürgerlichen Gesellschaft" 8) und der sog. "Ideologie- Komplex" 9). Die öffentliche Anerkennung der Revolution als dem wichtigsten Mittel zur Gesellschaftsveränderung 10) flankierte diese theoretischen Erkenntnisse. So nimmt es nicht wunder, daß auf Marx die bis dahin einmalige Radikalität der Jakobinerdikta- tur einen besonderen Reiz ausübte. Stellte der Ideologie-Komplex ein übergreifendes theoretisches Problem dar, so boten die "Momente besonderen Selbstgefühls" 11) der geschichtlichen Ak- teure und die "kolossale Täuschung" 12) ihrer Ideale in den "großen organischen allgemeinen Revolutionen" 13) ein ungewöhn- lich wertvolles Material für das Studium des konkreten Verhält- nisses von Interesse und Idee. Die Große Revolution der Franzosen 14) stellte für Marx und Engels eine einzigartige historische Er- fahrung für die Ausarbeitung der eigenen Theorie sowie Strategie und Taktik dar. Über die intensive zeitgenössische Diskussion um die französische Julirevolution von 1830 hatte Marx 15) die Un- terschiede zwischen den Postulaten der Aufklärung und den Ergeb- nissen der bürgerlichen Revolution bereits als revolutionärer De- mokrat rezipiert und sich somit immer mehr dem Studium der Poli- tik zugewandt. Auch die Bedeutung materieller Bedürfnisse begann er bereits vor 1843 zu erkennen. Das Verhältnis von "Idee" und "Interesse" der Bourgeoisie in der Revolution aber bekam erst in der "Heiligen Familie" jene Fassung, für die sich der Begriff "heroische Illusion" eingebürgert hat. Marx hat ihn expressis verbis in seinen Frühschriften nicht benutzt. Auch Engels nicht. Das Problem der "heroischen Illusion" war, analog des stürmischen wissenschaftlichen und politischen Voranschreitens von Marx in den frühen 40er Jahren, eine sich entwickelnde Komponente, auf die er in den historischen Passagen seiner Arbeiten immer wieder zurückkam. Während Marx in der "Heiligen Familie" unter dem Ein- fluß der Engelsschen Fourier-Rezeption 16) die Blamage der "Idee" gegen B. Bauer hervorhob, hat er in der klassischen Formulierung in den Einleitungspassagen zum "18. Brumaire" die Geschichts- mächtigkeit von ideologischen Formen und Traditionen vor allem in Verbindung mit den "Grenzen" der bürgerlichen Revolution aus- drücklich anerkannt. * In dem unter starkem Feuerbach-Einfluß 17) geschriebenen Aufsatz "Zur Judenfrage" fixierte Marx eine Reihe theoretischer Ansätze zur Erklärung der bürgerlichen Revolution. Für die Thesen gilt - wie für die nachfolgenden Arbeiten - mutatis mutandis die Bemer- kung Jaecks zur Interpretation der Menschen- und Bürgerrechte durch Marx: sie bedurften keiner regelrechten späteren Revision, sondern einer gegenstandsadäquaten ökonomisch-gesellschaftstheo- retischen Begründung 18). Marx, auf der Suche nach der totalen, der "menschlichen Emanzipation", typisierte die bürgerliche Revo- lution als "politische Emanzipation" 19), d.h. er sieht zunächst ihre Grenzen. Er untersucht das Verhältnis des "politischen Staa- tes" zur "bürgerlichen Gesellschaft" 20) während der Jakobiner- herrschaft anhand der Kategorien "citoyen und bourgeois". Im Er- gebnis konstatierte Marx eine "optische Täuschung", "ein psycho- logisches, ein theoretisches Rätsel" im "Bewußtsein der politi- schen Emanzipatoren" 21). Marx faßte die Jakobiner als politische Emanzipatoren. Es geht um die Frage, wieso die Jakobiner 1793, kurz nach ihrem von der Pa- riser Volksbewegung erkämpften Machtantritt, als 2/3 des franzö- sischen Territoriums von der Konterrevolution oder föderalisti- schen Revolte erfaßt sind, die "Droits de l'homme", - von Marx als die "Rechte des Mitglieds der bürgerlichen Gesellschaft, d.h. des egoistischen Menschen" 22) bezeichnet - in ihrer "Theorie" anerkennen und gleichzeitig in ihrer revolutionären "Praxis" ernstgemeinte Absichten unterließen, "die chimärische Gleichheit und Brüderlichkeit des politischen Lebens" 23) durchzusetzen. Marx "mißt" die politische an der menschlichen Emanzipation. Dar- aus resultierte für Marx eine "verkehrte" Stellung des Verhält- nisses von Theorie und Praxis in den Köpfen der Jakobiner, und für unseren Gegenstand wird eine eigentümliche Fassung des Pro- blems der "heroischen Illusion" deutlich 24). Marx zeigt, daß es einer die Massen mitreißenden Praxis mit Zügen der menschlichen Emanzipation bedurfte, um die Durchsetzung des Klasseninteresses der Bourgeoisie in der "politischen Emanzipation" von der Feuda- lität zu sichern 25). In dialektischer Weise, allerdings mit ei- nem idealistischen Gattungsbegriff, versuchte Marx hier sowohl die Größe, besser die Höhepunkte (soziale Praxis), wie auch die Grenzen (Politik, bürgerliche "Theorie") der bürgerlichen Emanzi- pation zu erfassen. Marx verteidigte wohl die politische Konsequenz und die histori- sche Leistung der Jakobiner, kritisierte aber das Wesen der poli- tischen Emanzipation 26). Er demonstrierte an den Verfassungszie- len, an den Menschen- und Bürgerrechten, daß die Jakobiner die Grenze der "politischen Emanzipation" nicht überschreiten konnten 27). Zwar war der Jakobinerstaat in "Momenten des besonderen Selbstgefühls" gezwungen, "... seine Voraussetzungen, die bürger- liche Gesellschaft und ihre Elemente", zu unterdrücken 28) und eine ideale Gemeinschaft "guter" Citoyens anzustreben, gleichzei- tig mußten die Jakobiner in der freigesetzten bürgerlichen Ge- sellschaft diesen citoyen notwendig "zum Diener des egoistischen homme" 29) erklären. Das Idealbild des citoyen stand für die heroische Selbsttäuschung der Akteure von 1793/94; für Marx stand auf ihrer Seite ein , weltgeschichtlicher Irrtum, aber kein persönlicher" 30). Diese Selbsttäuschung war notwendig, um ihre Ziele zu erreichen und um ihre Zielvorstellung in nationaler Form darzulegen. In diesem Sinne gehen übergreifende Ebene der heroischen Illusion (die langfristige ideologische Legitimierung der Hegemonie in Gestalt der Antikerezeption, Traditionen, überhaupt ideologische Orien- tierungen) und ihre konkrete sozial-politische Funktion (Bündelung der Triebkräfte, Ausrichtung auf ein Ziel) ineinander über. In der heroischen Illusion von 1793/94 flössen die Erkennt- nis der Größe der heroischen Aufgabe mit der Stimulierung des re- volutionären Kampfelans zusammen. Selbstanfeuerung der Jakobiner und Enthusiasmierung der Sansculotten ergänzten sich bis zu stoi- schem Republikanismus. Marx deutete damit die Funktion der von den Jakobinern vertretenen Ideen für die Verbindung des Klassen- interesses der Bourgeoisie mit den antifeudalen Interessen aller Nichtprivilegierten (gefaßt als "Nation") an. Damit erkannte Marx auch "Ideale und Utopismen als echte, historisch notwendige Selbsttäuschungen über wahre Klasseninteressen" 31). Allen jenen von der Aufklärung , vorgegebenen" und von den Jako- binern "umgearbeiteten" Parolen der Revolution war nicht nur das Klasseninteresse der Bourgeoisie in allgemeiner Form inhärent (abgesehen von den utopischegalitären Komponenten der Aufklä- rung), im Laufe der Revolution konnten an ihren Idealen auch "alle Spannungsgrade revolutionären Umsturzwillens" 32) ansetzen. Aber so unterschiedliche soziale Interessen auch die verschie- denen Klassenkräfte den Ideen unterlegten, so sehr auch die Jako- biner um Robespierre bemüht waren, "sich auf das Volk zu stützen" und das politische Interesse der Revolution beschworen, im Ergeb- nis stand die "menschliche Selbstbefreiung unter der Form der po- litischen Selbstbefreiung" 33), womit Marx die bürgerliche Revo- lution durchaus als historischen Fortschritt erfaßte, ihre Grenze allerdings noch in der Form sah. In Paris 1844 rezipierte Marx den Begriff Klasse und verband ihn mit der Präzisierung seiner Revolutionskonzeption 34). Hatte Marx in der "Judenfrage" das allgemeine Ziel, die "menschliche Emanzi- pation", formuliert 35) und in allgemein-abstrakter Form wichtige Phänomene des Verhältnisses von Interesse und Idee fixiert, so analysierte er in "Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie. Einleitung" die sozialen Voraussetzungen der kommenden Revolution 36). Diese Problemstellung, der Klassenbegriff und die Gegenüber- stellung von "deutschen" und "französischen" Zuständen ermöglich- ten es Marx, den Erfolg, die Größe und die Grenzen der Französi- schen Revolution auf für die damalige Zeit einmalige Weise zu er- klären 37). In der "Judenfrage" hatte Marx auch den "Momenten (des)... noch jugendfrischen und durch den Drang der Umstände auf die Spitze getriebenen Enthusiasmus" 38) besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Er wies damit zum ersten Mal auf die emotionale Seite in der Ver- bindung zwischen Hegemonie und Triebkräften hin. Damit ist ein wesentlicher Aspekt der Annahme der" Akzeptanz" der Hegemonie er- faßt: Das Verhältnis der Führungskräfte zum Volk war wesentlich rational, das der Volkskräfte zum Hegemon wesentlich emotional. Enthusiasmus war ein Schlüsselbegriff der literarisch-philosophi- schen Debatte jener Zeit und bezeichnete geschichtliche Leiden- schaft, die sich über private Interessen erhebt und auf die selbstlose Verwirklichung von Ideen gerichtet ist 39). Marx hat den Begriff "Enthusiasmus" als Element der "heroischen Illusion" immer benutzt. Bei Dezamy hatte Marx aber dessen Sentenz: "... selbstlose Hingabe ist zweifellos schön, aber sie ist unserer Na- tur wenig gemäß; sie ist ein fiebriger, gewaltsamer und künstli- cher Zustand, der solange anhält wie die Krise" 40), wiederholt unterstrichen. In der "Einleitung" baute er diesen Gedanken zur These von der materiellen Verankerung der Ideen und des Enthusi- asmus sowie der Revolution selbst aus. "Die Revolutionen bedürfen nämlich eines passiven Elements, einer materiellen Grundlage. Die Theorie wird im Volk immer nur soweit verwirklicht, als sie die Verwirklichung seiner Bedürfnisse ist" 41). Wenn hier auch noch nicht von ökonomischen Interessen die Rede ist, so umreißt doch Marx eine Erkenntnis, die von den Führungskräften bürgerlicher Revolutionen bei Strafe ihres Unterganges erst in der Praxis er- worben wird. Die Freiheit der Rede, neue Rechte oder Institutio- nen machten noch keinen Menschen satt. Eine Revolution, sollte sie politisch radikal sein, mußte stets auch eine "Revolution ra- dikaler Bedürfnisse" 42) sein. Andererseits hatte Marx auch er- kannt, daß im Prozeß der bürgerlichen Revolution die Bourgeoisie nicht nur mit nationalen Parolen im Interesse des Volkes auftrat, sondern mit den eigenen antifeudalen Interessen bedingt auch die Interessen von Teilen der Bevölkerung (Bauern) gegen den Adel durchsetzte, bzw. daß die jakobinischen Führungskräfte oftmals im Interesse der Sansculotten Maßnahmen gegen die Bourgeoisie er- greifen mußten. Die Grenze bürgerlichen Interesses mußte oftmals überschritten werden, wurde aber nicht beseitigt. Jugendfrisch war der Enthusiasmus der französischen Bourgeoisie 1789, weil sie das Ausmaß der kommenden Kämpfe kaum ahnen konnte und weil sie ihr Klasseninteresse und das Interesse aller Nicht- privilegierten 1789 an die Spitze der Bewegung brachte. "Nation" gegen Ancien Regime. Die Bourgeoisie als Korrelat des gesell- schaftlichen Fortschritts konnte so über Ideologen und politische Vertreter als Hegemon der revolutionären Bewegung auftreten, wurde als solcher anerkannt und band die Interessen aller anderen Klassen und Schichten an das antifeudale Grundinteresse. Der Grundwiderspruch und die Frage Revolution und Konterrevolution verdeckten als Antiaristokratismus, Republikanismus oder Einheit der "Nation", d.h. als ein Grundkonsens bis 1794 die Widersprüche im III. Stand, bzw. der Grundkonsens wurde durch die Radikalisie- rung der Hegemonie immer wieder hergestellt. Damit erst erwies sich die Wirklichkeit des Hegemonieanspruches und die Bündnisbe- reitschaft der Bourgeoisie, damit erst konnte die "Nation" von den Advokaten, Journalisten und Politikern wirklich vertreten und geführt werden. Allerdings bestand der "Enthusiasmus" der Bour- geoisie - immer in der Verallgemeinerung als Gesamtklasse - wohl mehr darin, die Verhältnisse in ihrem Interesse "vernünftig" (worunter einzelne Fraktionen durchaus Unterschiedliches verstan- den) zu gestalten. Der "Enthusiasmus" der fortgeschrittenen Teile der Volksmassen ging unter der Führung der Jakobiner dann soweit, die revolutionären Mittel bis zum Terror und zum revolutionären Krieg zu treiben. Die einmal begonnene Umwälzung führte bis zu jenem Punkt, wo die Revolution nicht mehr rückgängig zu machen war, wo allerdings auch eine Grenze des Enthusiasmus erreicht war. Unter dem Eindruck der modernen Mentalitätsforschung 43) müssen aus dem Marxschen Ansatz des "Enthusiasmus" differenzierte Folgerungen gezogen werden. Faßt man unter diesem Enthusiasmus auch Interessenbewußtsein (was durchaus manipulierbar ist) und die Quelle für neue und langwirkende Mentalitäten, Alltagsgefühl und -bewußtsein der Beteiligten oder ist es nur die emotionale Seite der Ideologie, die zusammenbricht, wenn die Revolution beendet ist? Daß im Laufe der Revolution die Einheit des EU. Standes durch einzelne Fraktionen der Bourgeoisie zerrissen wurde, lastete Marx dem "Egoismus" der bürgerlichen Gesellschaft 44), ihrem Wider- spruch zum "Allgemeininteresse" an. Dieses Allgemeininteresse an der Revolution wurde für Marx von einer radikalen Führungsgruppe "politischer Emanzipatoren" 45) vertreten, die mit politischem Enthusiasmus die Revolution vorantrieben. Damit deutete er die für die Revolutionsgeschichte wichtige Erkenntnis an, daß die He- gemonie durch eine Gruppe von Hegemonieexponenten ausgeübt wurde, deren politische Interessen eine bestimmte Eigenständigkeit ha- ben, und daß diese Führungspersönlichkeiten der "heroischen Illu- sion" bis zu einem bestimmten Grade einen persönlichen Stempel aufdrückten. 46) Bei dem Stand seiner ökonomischen Studien aller- dings und der Verwendung des Feuerbachschen Menschen-Begriffs 47) konnte Marx zwar die Widersprüche an der Oberfläche des revolu- tionären Prozesses, ihre dialektische Verknüpfung markieren, aber noch nicht die treibenden ökonomischen Kräfte des Enthusiasmus und die Verknüpfung sozial-ökonomischer und politischer Klassen- interessen fixieren. In der "Einleitung" fragte Marx danach, worauf eine "teilweise, eine politische Revolution" im sozialen Sinne beruhe? Er antwor- tete: "Darauf, daß ein Teil der bürgerlichen Gesellschaft sich emanzipiert und zur allgemeinen Herrschaft gelangt, darauf, daß eine bestimmte Klasse von ihrer besonderen Situation aus die all- gemeine Emanzipation der Gesellschaft unternimmt" 48). Die Allge- meinheit des Ausdrucks "besondere Situation" zeigt, wie wenig dieser hier verwandte Klassenbegriff schon "marxistisch" 49) ist und daß Marx noch nicht von der Bindung der Entwicklungsstufen der Gesellschaft an sozialökonomische Grundprozesse ausgeht. Bis zur "Heiligen Familie" maß Marx der Kategorie "materielle Inter- essen" keine positive Bedeutung bei 50). Marx unterterstreicht allerdings klar die Bedeutung der Eroberung der politischen Macht im Interesse der fortgeschrittensten Klasse der bürgerlichen Ge- sellschaft. Er schreibt, daß "Revolution eines Volkes und Emanzi- pation einer besonderen Klasse" 51) zusammenfallen müssen. Damit zielt er auf die Gesetzmäßigkeit des Vorganges und die Bedeutung eines Bündnisses zwischen Bourgeoisie und Volksmassen. Bedeutsam erscheint in diesem Zusammenhang die Bindung des Begriffs "Revolution" an "Volk" in bezug auf die für die Emanzipation der Bourgeoisie notwendigen Mittel. Offensichtlich rechnete Marx die Bourgeoisie nicht zur Kategorie Volk. Marx nimmt in der "Einleitung" zum ersten Mal Bezug auf das Pro- blem der vertikalen sozialen Mobilität in der bürgerlichen Revo- lution: "Diese Klasse befreit die ganze Gesellschaft, aber nur unter der Voraussetzung, daß die ganze Gesellschaft sich in der Situation dieser Klasse befindet, also z.B. Geld und Bildung be- sitzt oder beliebig erwerben kann" 52). Marx meint damit den "Aufstieg" von Teilen der unteren Volksklassen ("Tüchtige") über ihre Klassengrenzen hinweg in die neue herrschende Klasse unter den von der Bourgeoisie diktierten neuen Verhältnissen, Verhal- tensmustern und Werten. Marx' spätere Hinweise zu diesem Problem ("Deutsche Ideologie" 53)) berechtigen zur These, daß dieses In- teresse am "Aufstieg" ein starkes Motiv für die Bindung an die Interessen der Bourgeoisie und eine objektive Basis für die "heroische Illusion" in den Umbruchzeiten der Revolution war. Die Hinweise von Marx auf das Klassenbündnis, die revolutionären Mittel und die soziale "Blutauffrischung" zeigen, daß für ihn die bürgerliche , politische" Revolution weit mehr als nur die Revo- lution der Bourgeoisie ist 54). Als unumgänglich für die Machtübernahme durch den jeweiligen He- gemon oder "Emanzipator" 55) stellt Marx heraus: "Keine Klasse der bürgerlichen Gesellschaft kann diese Rolle spielen, ohne ein Moment des Enthusiasmus in sich und in der Masse hervorzurufen, ein Moment, worin sie mit der Gesellschaft im allgemeinen frater- nisiert und zusammenfließt, mit ihr verwechselt und als deren a l l g e m e i n e r R e p r ä s e n t a n t empfunden und an- erkannt wird, ein Moment, worin ihre Ansprüche und Rechte in Wahrheit die Rechte und Ansprüche der Gesellschaft selbst sind, worin sie wirklich der soziale Kopf und das soziale Herz ist. Nur im Namen der allgemeinen Rechte der Gesellschaft kann eine beson- dere Klasse sich die allgemeine Herrschaft vindizieren" 56). Aber, fährt Marx fort: "Zur politischen Ausbeutung aller Sphären der Gesellschaft im Interesse der eigenen Sphäre reichen revolu- tionäre Energie und geistiges Selbstgefühl allein nicht aus" 57). Der Gegensatz, der Grundwiderspruch, hier noch wesentlich als po- litischer und sozialer gefaßt, zum französischen Adel war die äu- ßere Klammer für das Bündnis von Hegemon und Triebkräften. Marx gibt hier eine Vorform dessen, was er unter heroischer Illusion versteht. Er bezeichnet sie an dieser Stelle noch undifferenziert mit "Moment des Enthusiasmus" und beschreibt sie im wesentlichen mit psychologischen bzw. anthropologischen Termini. In der Erklä- rung der "Idee" überwiegt für ihn noch die "Leidenschaft". In Paris studierte Marx die Geschichte der Revolution von 1789 und intensivierte seine ökonomischen Studien (was seinen konzen- trierten Ausdruck in den Ökonomisch-Philosophischen Manuskripten fand). Hatte er in der "Einleitung" Klassen und Revolution noch wesentlich politisch bestimmt 58), so wird die abstrakte Gegen- überstellung von politischer und sozialer Revolution auch be- grifflich mehr und mehr am historischen Material abgebaut. "Jede Revolution löst die alte Gesellschaft auf; insofern ist sie s o z i a l. Jede Revolution stürzt die alte Gewalt; insofern ist sie politisch... Die Revolution überhaupt - der Umsturz der bestehenden Gewalt und die A u f l ö s u n g der alten Verhält- nisse - ist ein politischer Akt" 59). In der "Heiligen Familie" von 1845 setzte sich Marx mit dem eli- tären Konzept der Gegenüberstellung von "Geist" und "Masse" aus- einander. Es ist, schreibt Marx, "ferner genau zu unterscheiden, inwieweit die M a s s e sich für Zwecke 'interessierte' und in- wieweit sie sich für dieselben 'e n t h u s i a s m i e r t e'. Die I d e e blamierte sich immer, soweit sie von dem 'I n t e- r e s s e' unterschieden war. Andererseits ist es leicht zu begreifen, daß jedes massenhafte, geschichtlich sich durch- setzende 'I n t e r e s s e', wenn es zuerst die Weltbühne betritt, in der 'I d e e' oder 'E r s t e l l u n g' weit über seine wirklichen Schranken hinausgeht und sich mit dem m e n s c h l i c h e n Interesse schlechthin verwechselt. Diese I l l u s i o n bildet das, was Fourier den T o n einer jeden Geschichtsepoche nennt" 60). Marx verwendete hier das Prinzip des materiellen Interesses, er stützte sich dabei auf seine Studien zur Französischen Revolution und verwies direkt auf Fourier, der den "Überbaucharakter ent- sprechender Illusionen ahnte" 61). Marx begriff die "Idee" oder die ideologischen Formen bzw. Aus- drucksformen jetzt als durchaus gesetzmäßiges Korrelat einer be- stimmten Entwicklungsstufe der Gesellschaft 62), als deren Fah- nenworte "Freiheit und Gleichheit" das Zentrum in einem ganzen ideologischen System bildeten. Er hat diesen ideologischen Formen aber auch als "heroischer Illusion" in der Revolution einen be- sonderen Stellenwert eingeräumt. Marx gab in der Analyse der Revolution der Kategorie "Interesse" eine ökonomische Fundierung, indem er sie mit der materiellen Existenzweise einer sozialen Klasse 63) - Träger der neuen Ge- sellschaftsordnung - verband. Er zeigt auch, daß er die "wirklichen Schranken" weitausgreifender historischer Ideen im Klasseninteresse sieht. Das heißt aber nicht, daß er in dem "massenhaften, geschichtlich sich durchsetzenden 'Interesse'", das in der "'Idee' ... weit über seine wirklichen Schranken hin- ausgeht und sich mit dem m e n s c h l i c h e n Interesse schlechthin verwechselt", im speziellen Fall der Französischen Revolution ausschließlich profanes Klasseninteresse im Sinne des "ökonomischen Berufs" der Bourgeoisie sah. Der Kern d i e s e s Interesses i n der Revolution war geprägt vom zeitweiligen wirklichen Zusammenfall von politischem Klasseninteresse der Bourgeoisie und Nationalinteresse 64) in der Form einer notwendi- gen Selbsttäuschung. Größe und Grenzen erwachsen unter diesem Ge- sichtspunkt dem gleichen Boden. Marx hat diesen Gedanken in der "Deutschen Ideologie" im Zusammenhang mit dem Klassenbegriff ver- tieft: "Die revolutionierende Klasse tritt von vornherein, schon weil sie einer K l a s s e gegenübersteht, nicht als Klasse, sondern als Vertreterin der ganzen Gesellschaft auf, sie er- scheint als die ganze Masse der Gesellschaft gegenüber der einzi- gen herrschenden Klasse" 65). In einer Randbemerkung dazu heißt es: "Die Allgemeinheit entspricht... der Illusion der gemein- schaftlichen Interessen [im Anfang diese Illusion wahr]" 66). Die Bindung des Begriffs "Enthusiasmus" an die Volksbewegung stellt einen entscheidenden Unterschied zu den Passagen in der "Einleitung" dar, bildet aber zugleich mit der dort erfolgten Hervorhebung der Volksrevolution eine Einheit. Nur unter der He- gemonie der Bourgeoisie (in der progressiven Abfolge ihrer Frak- tionen) war die Bündelung der Triebkräfte zu einem "antifeudalen Block" (A. Soboul) solange möglich, bis die Revolution unumkehr- bar war. Ideologische Grundlagen, Traditionen, Kunstformen, Pro- paganda, Feierlichkeiten, Orientierungen, Mentalitäten, Einheits- begriff und Ziel"vorgaben", revolutionäre Energie und Alltagsge- fühl, in denen sich das "Interesse" der Bourgeoisie und der "Enthusiasmus" des Volkes konkret und durchaus bewußt gewählt ar- tikulierten, bildeten ein ganzes ideologisches System um die - von den verschiedenen Formen der , politischen Aufklärung" 67) entwickelte und als Wert verbreitete - allgemein-menschliche "Idee" von Vernunft, Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Dieses ideologische System ließ die Jakobiner "ihre" Revolution als einen "totalen" Umbruch erkennen. Im römisch-antik gedachten Staatswesen überbot sich, nach Marx, die politische Aufklärung selbst und wurde überschwenglich. 68) Dieser antik geformte mo- derne Staat über der entspringenden kapitalistischen Basis war nur temporär, mit Tugend und Terror, aufrechtzuerhalten. Das Klasseninteresse, verstanden als dürres bürgerliches Durch- schnittsinteresse, konnte sich erst nach der Jakobinerdiktatur und der "Erfahrung Volksrevolution" durchsetzen und zeigen. "Die Bourgeoisie beginnt also ihr Regiment" 69), schreibt Marx. Die Desillusionierung der Bourgeoisie, nicht nur des Durchschnitts- bourgeois, sondern auch von Wortführern und Vollblutpolitikern wie Barere, Brissot oder Danton hatte schon lange vorher einge- setzt. Der Alltag bestimmte nach der Jakobinerdiktatur das Denken des Bourgeois, die Idee als nunmehrigen adäquaten Ausdruck ihrer wirklichen Interessen, es richtete sich nach dem Wirken der , we- sentlichsten materiellen Interessen, Handel und Industrie" 70). Neue ideologische Formen entstanden. Und die Blamage der "Idee", die die Revolution beseelte? Sie hat tragische Züge für die Revo- lutionäre. Werner Krauss schreibt in einem Utopie-Essay über Saint-Just, einen der wesentlichen Träger der "heroischen Illu- sion": "In Saint-Justs nachgelassenen Fragmenten vermischen sich Gedanken von kühnem politischen Realismus mit solchen, die ganz und gar ins Utopische zurückfallen..." 71). Utopie ist nicht he- roische Illusion. Marx schreibt weiter: "Das I n t e r e s s e der Bourgeoisie in der Revolution von 1789, weit entfernt 'v e r f e h l t' zu sein, hat alles 'g e w o n n e n' und hat den 'eingreifendsten' Erfolg gehabt, so sehr der 'P a t h o s' verraucht und so sehr die 'e n t h u s i a s t i s c h e n' Blumen, womit dieses In- teresse seine Wiege bekränzte, verwelkt sind. Dieses I n t e- r e s s e war so mächtig, daß es die Feder eines Marat, die Guillotine und das Vollblut der Bourbonen siegreich überwand. 'Verfehlt' ist die Revolution nur für d i e Masse, die in d e r p o l i t i s c h e n 'Idee' nicht die Idee ihres wirkli- chen I n t e r e s s e s besaß, deren wahres Lebensprinzip also mit dem Lebensprinzip der Revolution nicht zusammenfiel, deren reale Bedingungen der Emanzipation wesentlich verschieden sind von den Bedingungen, innerhalb deren die Bourgeoisie sich und die Gesellschaft emanzipieren konnte. Ist also die Revolution, die alle großen geschichtlichen Aktionen repräsentieren kann, ver- fehlt, so ist sie verfehlt, weil die Masse, innerhalb deren Le- bensbedingungen sie wesentlich stehenblieb, eine exklusive, nicht die Gesamtheit umfassende, eine b e s c h r ä n k t e Masse war. Nicht weil die Masse sich für die Revolution 'e n t h u- s i a s m i e r t e' und 'i n t e r e s s i e r t e', sondern weil der zahlreichste, der von der Bourgeoisie unterschiedne Teil der Masse in dem Prinzip der Revolution nicht sein w i r k l i- c h e s Interesse, nicht s e i n eigentümliches revolutionäres Prinzip, sondern nur eine 'I d e e' also nur einen Gegenstand des momentanen E n t h u s i a s m u s und einer scheinbaren Erhebung besaß" 72). * Die 1789 erreichte einmalige Konkordanz von allgemeiner "Idee" und bürgerlichem "Interesse" ist einer der Gründe für die Klassi- zität u n d damit für die Größe der Französischen Revolution. Gegenüber der morbiden Welt des Ancien régime ist das von den "lumières" entwickelte und auch noch verklärte Reich der Vernunft Sammelpunkt aller objektiv antifeudalen Kräfte und zugleich Quelle mobilisierender Hoffnungen, Illusionen und (Selbst)-Täu- schungen über Weg und Ziel der kommenden, vorerst indes besten- falls erahnten Klassenkämpfe. Nur so aber können als unabdingbare Voraussetzung für den späteren Erfolg "Revolution eines Volkes und die Emanzipation einer besonderen Klasse" 73) zusammenfallen. Hinter dieser prägnanten Kurzfassung der Wirkungsweise der Dia- lektik von Hegemon und Volksbewegung verbirgt sich gleichwohl ein ganzes Bündel komplizierter gesellschaftlicher Bedingungen für dann eintretende Bewegungsabläufe. Die spätere Einschätzung von Friedrich Engels: "Die Bourgeoisie ist, im besten Falle, eine un- heroische Klasse. Selbst ihre glänzendsten Errungenschaften, die englischen des 17. Jahrhunderts und die französischen des 18. Jahrhunderts, hat nicht sie sich erkämpft, sondern die plebeji- sche Volksmasse für sie, die Arbeiter und Bauern" 74), würde ohne simultane Beachtung des Phänomens, daß gerade in der Aufstiegs- phase dieser Klasse ihre herausragendsten Vertreter noch über Jahrhunderte aus dem "Durchschnitt" eben ihrer Klasse heraustre- ten konnten, die Realität einseitig widerspiegeln. Ähnliches gilt für die Volksmassen, die keineswegs für den Kampf um dieses En- dergebnis angetreten waren. Es wäre zu simpel, anzunehmen, daß z.B. das Tugend- und Terrorsystem der Jakobiner und deren intel- lektueller Selbstbetrug mittels des Rückgriffs auf die römische Antike in den Massen "außer" der Zustimmung zur konsequenten Be- strafung der Konterrevolution und der Freude am kurzzeitig ver- süßten Alltag während der republikanischen Feste andere nennens- werte revolutionäre Potenzen freigesetzt hätten. Sie hatten viel- mehr sehr handgreifliche Interessen, und die Revolution dünkte ihnen das Vehikel, solche Ambitionen durchzusetzen: "Die Revolu- tion geschah für das Volk, das Glück des Volkes ist ihr Ziel; die Liebe zum Volk ist der Prüfstein für die revolutionäre Gesin- nung." 75) Nachgeborene wußten, daß dieser Anspruch illusionär war. Der Zeitgenosse mußte es anders sehen, und es scheint aus diesem Grund problematisch und weiterer Überlegungen wert, Theo- rien oder Ideen als falsch, verdreht oder utopisch zu bezeichnen, die im g e g e b e n e n Augenblick r i c h t i g e Verhal- tensweisen und einen engen Verbund der Volksbewegung mit jenen bürgerlichen Führern bewirkten, von denen sie sich eine Erfüllung ihrer z.T. utopisch verschlüsselten Sehnsüchte versprachen. Die von Karl Marx im Frühwerk erkannte Bündelung von bourgeoisem Klasseninteresse und plebejischer Massenbasis der Revolution ver- leiht der "heroischen Illusion" die Funktion einer transitori- schen Größe. Ihr weltgeschichtliches Optimum realisiert sich be- reits im Jahre II, wo die notwendige Selbsttäuschung der Klassen und Schichten am ausgeprägtesten ist. Deshalb ist Saint-Justs re- signierende Bemerkung von der "revolution glacée" nichts anderes als Ausdruck der Tatsache, daß "heroische Illusion" und Enthusi- asmus der Volksmassen ihren Gipfelpunkt überschritten haben und sich voneinander zu lösen beginnen. Bis dahin aber gelingt es vor allem den Robespierristen dank dieser "heroischen Illusion", das bürgerliche Klasseninteresse mit dem Nationalinteresse zum Ge- samtinteresse der Revolution zu verschmelzen. Dadurch erhält auch die Einschätzung von Friedrich Engels aus dem Jahre 1895 (!), der die Revolutionen des 18. und 19. Jahrhunderts auch dann als Revo- lutionen von Minoritäten begriff, wenn die Majorität mittat, 76) ihren tieferen Sinn. Spätere Forschungsergebnisse haben diese für die komparative Me- thode essentielle Aussage weiter erhärtet und die Grundlage für eine Sicht mitgeschaffen, der Beckmesserei so fremd ist wie unan- gebrachte Heroisierung. Insofern kann der Vorwurf, die Historiker der Linken hätten Wachstum und politisches Gewicht des französi- schen Industrieproletariats immer überhöht dargestellt 77), und die (ernüchternde?) Feststellung, selbst in der Großen Französi- schen Revolution habe die Mehrheit des Volkes eher unter bzw. ne- ben der Revolution, statt "mit ihr" gelebt 78), weiterer Arbeit nur förderlich sein. Uns scheint, daß in dieser Engelsschen Sen- tenz und in der heute allseits geteilten Anerkennung des Charak- ters der 1789 eröffneten Epoche als Epoche des Aufstiegs und des vollen Sieges der Bourgeoisie 79) ein wichtiger erkenntnistheore- tischer und noch längst nicht ausgeschriebener Aspekt für ein noch tieferes Verständnis der Geschichte des 19. Jahrhunderts ge- geben ist. Denn von dem Historiker verlangt die Verwendung des Epochebegriffs u.a., zu berücksichtigen, daß der Widerspruch zwi- schen Kapital und Arbeit folglich in diesem Zeitraum noch nicht zur Lösung drängte, wie eine partielle Bündnisfähigkeit bürgerli- cher Klassenkräfte sogar bis über die Grenzscheide "Pariser Com- mune" ja auch belegt, die politischen und ökonomischen Krisen des 19. Jahrhunderts das kapitalistische System in der Substanz noch nicht gefährdeten und alle Bestrebungen und Klassenkämpfe der Zeit daher vielmehr fast zwangsläufig in qualitative Veränderun- gen zu Gunsten des Kapitalismus einmündeten oder - unter dem Aspekt der proletarischen Emanzipation - (unverzichtbare) antizi- patorische Funktion besaßen. Historischer Ort und reale Möglich- keiten der Erfolgsaussichten einer häufig versuchten" zweiten Re- volution" und damit der Volksbewegung werden für die Untersuchung gleichfalls durch den Charakter der Epoche bestimmt, auch dann, wenn instinktives Weiterdrängen oder programmatische Plattformen 80) schon historisch neue Ufer und bessere Zeiten anvisierten. Aber es hieße schon aus diesem Grund einer falschen Problemsicht aufsitzen, würde man deshalb einfach von "Scheitern der Volksbe- wegung" sprechen. 81) Sie gilt es vielmehr stärker danach zu be- fragen, wie sie sich organisierte und manifestierte, warum sie wann was erreichte und worin ihr spezifischer Beitrag zur Beför- derung des historischen Fortschritts tatsächlich bestand. Ein solches Herangehen erlaubt auch eine differenziertere Sicht auf Geschichte und Funktion der französischen Arbeiterbewegung im 19. Jahrhundert. Gewiß waren die Revolutionen des französischen Revolutionszyklus' eben mehr als nur Revolutionen der Bour- geoisie: Die Große unter ihnen hatte unter dem großen Mantel der heroischen Illusion auch die Idee des neuen Weltzustandes hervor- gebracht, und die nachfolgenden hatten diese Idee in Gestalt des utopischen Sozialismus und Kommunismus sowie der Klassenschlach- ten der Zeit um wesentliche Gedanken und Erfahrungen bereichert. Gleichwohl bleiben wenigstens zwei Marxsche Erkenntnisse für die Analyse der ganzen Epoche unverändert gültig: sein am Beispiel der Jakobinerdiktatur herausfiltrierter Hinweis, daß jede gegen die Bourgeoisie gerichtete Aktion "nur ein Moment im Dienste der bürgerlichen Revolution" 82) darstellte, solange die materiellen Bedingungen für die Beseitigung der bürgerlichen Gesellschaft nicht existierten, und die mit Blick auf den Zustand von Ökonomie und Bewußtsein 1870 (!) formulierte Feststellung, nach der die Arbeiterklasse für die proletarische Revolution noch immer nicht reif sei. 83) Mancher geht heute - gestützt auf breitgefächerte Quellenbasis - noch ein ganzes Stück weiter mit der These, bis 1914 seien nicht einmal die objektiven Voraussetzungen für die Herbeiführung einer um die Arbeiterklasse geschälten breiten re- volutionären Allianz existent gewesen. 84) Deutlich wird an all- dem neben anderem für das 19. Jahrhundert die Aufgabe, die kom- plizierten Beziehungen zwischen Hegemon und Triebkräften, zwi- schen Führung und Masse sowie innere Bewegungsgesetze von gesell- schaftlichen Abläufen noch weiter zu erhellen, in denen die klas- sische Funktion des Kleinbürgertums nicht reproduzierbar war und ihre proletarische Kompensation noch nicht möglich gewesen ist. In seiner Beschäftigung mit der Geschichte löste sich Marx selbst 1846 von der Ansicht, daß, wieder am deutschen Beispiel, die "menschliche Emanzipation" sofort möglich sei. 85) Bis dahin aber ging Marx davon aus, daß d i e bürgerliche Revolution das un- mittelbare Vorspiel der proletarischen sei. Die Meinung, bei "reiferen Bedingungen" sei d i e kommunistische Revolution quasi sofort vollziehbar, teilt er nicht nur mit vielen Zeitge- nossen, sie erklärt auch die zeitweise "proletarische Verklärung" der Jakobiner 86). Jakobinerdiktatur und Wohlfahrtsausschuß als Instrumentarium für die Bewerkstelligung der eigenen (lies: pro- letarischen) Revolution boten sich damals nachgerade an und be- stimmten bekanntlich auch noch Diskussionen der Bol'seviki um Le- nin. Dabei bleibt aber Marx' Erkenntnis bedeutsam, daß sich die ungeheure innere Dynamik der Revolution von 1789 u.a. aus der Fä- higkeit der Bourgeoisie erklärt, mittels der Abfolge ihrer ein- zelnen Fraktionen die Hegemonie zu wahren und mit kleinbürgerli- cher Hilfe die sozialen Revolutionskomponenten zeitweilig zu bün- deln. Im Unterschied zur Großen Revolution trifft die Julirevolution, ohnehin mitunter als Karikatur zu 1789 begriffen 87), bei Marx trotz des persönlichen Zugangs auf eine relativ geringere Wert- schätzung. Dieses scheinbare Musterbeispiel für den Ausgang einer Revolution, in der die Massen negativ manipuliert worden seien 88), vergleicht er mit 1688 89) - auch manche andere Wertungen scheinen uns wenig treffend. 90) Für ihn war der Bruch zwischen postulierter Idee des Hegemons und seines Appells an die "Unterschichten" einerseits und der brutalen Wirklichkeit bour- geoiser Klassenherrschaft nach dem Sturz Karls X. andererseits besonders frappierend, und der Zorn im Tageskampf stehender Revo- lutionäre bleibt daher hier und anderswo verständlich, wenn auch nicht geeignet, von den Nachgeborenen als Alibi eigener Thesen benutzt zu werden. Gleichwohl bleiben wenigstens zwei Erkennt- nisse zu 1830 von zeitloser Relevanz: Mit der Feststellung, daß die "Lebensgeschichte der französischen Revolution ..., wo eins ihrer Momente, nun bereichert mit dem Bewußtsein seiner s o z i a l e n Bedeutung, den Sieg davontrug, noch nicht been- digt" 91) sei, ist die wissenschaftliche Theorie des (französi- schen bürgerlichen) Revolutionszyklus geboren; der Hinweis auf das "böse Gewissen und die schlechte Absicht der Apologetik", die seit 1830 an die "Stelle unbefangener wissenschaftlicher Untersuchung" 92) tritt, kündet vom definitiven Ende einstiger politischer Jungfräulichkeit der neuen aufstrebenden Bourgeois- Klasse. Nur ist diese Grenze keine totale im Sinne jeglichen Verlustes von Bündnisfähigkeit nach links. Industriebourgeois zögerten nicht, 1848 erneut proletarischen Beistand zu erbitten, und Teile der republikanischen Bourgeoisie sollten Gleiches bis in die Jahre der Dritten Republik auf nämliche Weise in Szene setzen. Eindeutig wird hier die Kategorie "Illusion" durch solche wie "Selbstbewußtsein" und "Pragmatismus" ersetzt. Das revolutionstheoretische Grundproblem der "heroischen" Illu- sion besteht darin, daß ohne ihre Berücksichtigung viele Ausfüh- rungen über Notwendigkeit, Verlauf und Ergebnis nicht in der not- wendigen Einheit von Objektivem und Subjektivem gesehen werden. Um die Totalität einer Revolution unter Einschluß der Ideologie zu erklären, muß von deren e i g e n e n Maßstäben und Denkwei- sen a u s g e g a n g e n werden. Erst die Beurteilung ex post vermag genau zwischen Illusion und profaner Täuschung zu unter- scheiden. Für den Revolutionshistoriker ist die Kategorie "heroische Illusion" mitnichten ein Generalschlüssel, aber in Verbindung mit den objektiven Prozessen die zentrale Frage, die ihm sowohl die Ideologie, das unterschiedliche Revolutionsverhal- ten als auch die Einheit im Widerspruch aller zeitweilig im revo- lutionären Block vereinten Kräfte zu erklären vermag. So stellt die Einsicht von Vertretern des Hegemons, daß die gemäßigten Pro- gramme (der Aufklärung) nicht mehr ausreichen, gewiß einen unge- heuren (durch die "Umstände" allerdings erzwungenen) Erkenntnis- sprung dar. Aber ohne die subjektive Fähigkeit und Bereitschaft bürgerlicher Revolutionäre, adäquat dieser Erkenntnisse und Drücke auch zu handeln, wäre die Erkenntnis selbst wenig wert und bestenfalls ein unverbindliches Lippenbekenntnis geblieben. Strukturanalysen, empirische Forschungen zur politischen, ökono- mischen und sozialen Geographie (jeder Revolution) gewinnen daher durch die Berücksichtigung des subjektiven Faktors an Aussage- kraft. In diesem Sinne ist das Problem der "heroischen Illusion" ein wichtiges Forschungsdesiderat vor allem der v e r g l e i- c h e n d e n Revolutionsforschung, der es um eine weitere Er- hellung der Subjekt-Objekt-Relationen in einer gegebenen gesell- schaftlichen Totalität geht. Hierbei verdient die Rolle des subjektiven Faktors eine erste An- merkung, zumal sie uns generell in den Analysen zur Geschichte des 19. Jahrhunderts unterbelichtet scheint. Daß nicht die Ökono- mie allein das Handeln der Menschen bestimmt, gehört übrigens von altersher zu den Grundelementen der klassischen Interpretation der Französischen Revolution. 93) Stand ab 1827 der Terminus "arbeitende Klasse" für "gefährliche Klasse" 94), so ist für die Forschung mit der bloßen Übernahme dieser Metapher noch gar nichts gewonnen. Sie birgt vielmehr in sich die Gefahr unzulässi- ger Vereinfachung, sobald man darauf verzichtet, Wesen und Er- scheinung für die "Betroffenen", wie für jene, von denen eine solche "Bedrohung" ausging, säuberlich und sehr differenziert auszuloten. Eine Reihe von Einzelfragen kann hier weiterhelfen. Die wichtigste von ihnen scheint uns die nach der ideologiebil- denden Funktion von politisch-sozialer und industrieller Revolu- tion zu sein, beides aufgefaßt als d i e Schlüsselereignisse der Geschichte des 19. Jahrhunderts. So besaß die Große Französi- sche Revolution für den Prozeß der Klassenkonstituierung des Pro- letariats politisch, ökonomisch und sozial herausragende Bedeu- tung. Gleichwohl verlief die proletarische Rezeption dieser Revo- lution und der auf sie folgenden widersprüchlich und war - auf lange Sicht - nicht immer Quelle ausschließlich positiver Umset- zung im Sinn sowohl der Attraktivität der Anwendung revolutio- närer Mittel und Methoden für die Lösung gesellschaftlicher Kon- flikte als auch des Erfassens der Dialektik von bürgerlicher Re- volution und proletarischer Emanzipation. Mit dem Entstehen des wissenschaftlichen Kommunismus war fürderhin diese Frage theore- tisch eindeutig geklärt, aber es brauchte Jahrzehnte, diese Er- kenntnis in der Arbeiterbewegung Frankreichs heimisch zu machen. Pillot blieb bei seiner Auffassung bereits aus dem Jahre 1840, die bürgerliche Revolution als notwendige Zwischenetappe auf dem Weg der Befreiung des Proletariats zu begreifen 95), lange al- lein. Derlei Erscheinungen wirkten nicht kurzzeitig. Ihre lang- fristigen Folgen für das subjektive Selbstverständnis werktätiger Massen erlauben nicht, das Problem lediglich zu registrieren und es dann als Nebenerscheinung abzutun. Für den Problemkreis "industrielle Revolution" gilt es, bekannte Haupttendenzen näher nach ihren langfristigen Konsequenzen zu be- fragen. So ist mit der unverändert existierenden zerstreuten Ma- nufaktur, die großer Investitionen nicht bedurfte, für Frankreich der Fortbestand des so zählebigen, widerstandsfähigen und typi- schen Handelskapitalismus besonders signifikant. Er stellte die Trennlinie zwischen Kleinbürgertum und Proletariat extrem ver- schwommen dar und machte u.a. die französische Textilindustrie bei Verzicht auf nennenswerte Mechanisierung und Modernisierung zeitweilig zur größten in Europa. 96) In der Tat lag in Frankreich der Konzentrationsprozeß von Kapital und Produktion bedeutend unter dem Niveau vergleichbarer Entwicklungen in Eng- land, den Vereinigten Staaten und Deutschland. 97) Dieser Sach- verhalt erklärt zum einen die Unterschiede in den Wegen der bür- gerlichen Umgestaltung im 19. Jahrhundert 98) und die Spezifika der französischen Arbeiterbewegung zum anderen. Unter dem Einfluß der um 1830 verstärkt einsetzenden industriellen Revolution setz- ten selbst in den proletarischen Quartiers der großen Städte vielfältige soziale (und in Perspektive: politische) Differenzie- rungsprozesse mit dem Ergebnis ein, daß proletarische Mentalität trotz gleichen sozialen Umfelds alles andere denn als eine uni- forme Größe erscheint. 99) Die hieraus ableitbaren, aber erst allmählich wirkenden und damit "begreifbaren" ideologischen und politischen Folgerungen für proletarisches Bewußtsein und politi- sche Aktion sind heute trotz immenser Einzelstudien in ihrer Kom- plexität eher erahnt und heuristisch vorbelastet als schon empi- risch umfassend abgesichert. Die Aufarbeitung des subjektiven Selbstverständnisses der Massen, über das bisher schon aufgrund wenig überlieferter Quellen kaum etwas bekannt ist, muß aber füg- lich davon ausgehen, daß in Frankreich die Hauptaufgaben der in- dustriellen Revolution - die Bildung moderner Fabriken und die Herausbildung eines Stammes qualifizierter (Industrie-)Arbeiter - sehr zögerlich in Angriff genommen wurden und der "geborene Pro- letarier" im Unterschied zum "künstlich gezeugten Proletarier" 100) relativ spät die Arena des modernen Klassenkampfes betrat. Das verwandelt die denkbare Prämisse, der Lohnarbeiter (der mo- dernen Großproduktion) sei besonders kampfbereit, schlicht in eine Legende. Die ungleichmäßige Entwicklung des französischen Kapitalismus nach Qualität, Tempo und Region verschärfte noch zu- sätzlich seit längerem bestehende Unterschiede in der sozialen Lage, dem Können, dem Lohn und den Lebenshaltungskosten mit dem Ergebnis einer unterschiedlichen proletarischen Revolutionsbe- reitschaft, der Regionalisierung der frühproletarischen und pro- letarischen Bewegung und ihrem Unvermögen zu gemeinsamer Aktion. Neuere Studien belegen denn auch, daß die Massen in den Revolu- tionen des 18. und 19. Jahrhunderts eher durch soziale Zwänge und durch den Kampf um die Republik bewegt waren denn durch spezi- fisch "eigene" Interessen 101), und noch am Ausgang der Epoche scheint das Bild der Klasse der Zukunft geprägt durch einen hohen Organisationsgrad, allerdings auf der Basis ihrer fast grenzenlo- sen nationalen und lokalen Zersplitterung. 102) Aus der - grob skizzierten - Dialektik von materieller Basis und subjektiver Reflexion ergibt sich eine Reihe fruchtbarer For- schungsdesiderata. Es scheint sinnvoll, bei künftigen Analysen der französischen Klassenkämpfe im 19. Jahrhundert hinsichtlich der partizipierenden "Unterschichten" säuberlich zwischen ihrer s o z i a l e n S t r u k t u r (Volks- oder Arbeiterbewegung) und der konkreten Z i e l s t e l l u n g (antibourgeois im Sinn des Kampfes um demokratischen Freiraum / antikapitalistisch im Sinne der Überwindung dieser Gesellschaftsordnung) zu unter- scheiden. Marxens Hinweis, die Theorie werde "im Volke immer nur soweit verwirklicht, als sie die Verwirklichung seiner Bedürf- nisse ist" 103), gestattet andererseits, den wirklichen Einfluß der Vorhut(en) auf die Massen, den Zeitgenossen und Nachgeborene in beiden Richtungen zu häufig mit Wunschdenken zu erfassen su- chen, präziser zu ermitteln. Uns scheint bemerkenswert, daß die proletarische Avantgarde sich zunächst nicht in der (industriell) höher entwickelten Region artikulierte, sondern dort, wo sie an revolutionäre Traditionen anknüpfen konnte (Paris) oder wo die industrielle Revolution neue soziale Veränderungen einleitete oder vorankündigte (Lyon, Paris). Schließlich interessiert die Frage, wer wann warum das Vertrauen der Massen besaß: Der hervor- ragende Kommunist Blanqui, der neben unmenschlichem Terror sei- tens der herrschenden Klasse auch die Bitternis persönlicher Nie- derlagen erfuhr, oder jene, die meinten, man müsse nicht den Men- schen (: dem System, die Vf.), sondern den "idées decevantes" 104) einen unversöhnlichen Kampfansagen? Bei alledem darf endlich nicht übersehen werden, daß sich die Ideologie der Massen letzt- lich nur aus ihrer Sozialgeschichte heraus erklärt. Naturgemäß aber bleibt diese Sozialgeschichte, besonders die der Arbeiter- klasse, immer ein Segment der Sozialgeschichte der Ganzheit der bürgerlichen Gesellschaft, allerdings meist ohne eigene Quellen- basis. * Über die (heroische) Illusion der "Emanzipatoren" hat Walter Mar- kov geforscht 105) - manches bleibt auch heute noch für die For- schung eine offene Frage. 106) In den Jakobinern des Jahres II, auf deren Politik der Druck der Konterrevolution wie die Sehn- süchte und Forderungen der Massen einen hervorragenden Einfluß ausübten, stellt sich ein kleinbürgerlich-demokratisches Füh- rungspotential dar, das über längere Zeit den bürgerlichen Hege- mon und die Volksbewegung vereint 107), womit der Sieg über das Ancien régime endgültig und mit maximalen Ergebnissen sicherge- stellt wird. Die Jakobinerdiktatur verdankt ihre Entstehung w i e ihre Daseinsberechtigung a u s s c h l i e ß l i c h den gegebenen Umständen der Zeit, was ihre Vertreter nicht einmal ah- nen, und der subjektiven Fähigkeit der Jakobiner, auf der Höhe dieser Zeit zu stehen. 108) In diesem Sinn kann man an Jakobiner u n d Sansculotten den Begriff der Elite binden, der bislang zu Unrecht monopolisiert wird für Adel, Klerus und herausragende Einzelvertreter des Bürgertums. 109) Unter diesem Aspekt sind die Jakobiner selbst die konsequentesten Träger der "heroischen Illu- sion". Das beginnt u.a. mit Robespierres Annahme, die zu große Diskrepanz zwischen Armut und Reichtum stehe der Errichtung der "reinen Demokratie" im Wege, und setzt sich fort vor allem in der Sozialpolitik des Jahres II, die letztlich niemanden zufrieden- stellen wird. Mit der eben nur für kurze Zeit möglichen revolu- tionärdemokratischen Diktatur und dem aufrichtigen Versuch, die ideale Gemeinschaft aller citoyens zu schaffen, setzten die Jako- biner unbeschadet ihrer subjektiven Wünsche und Vorstellungen nichts anderes als die von ihrem feudalen Ballast nun ledige reale bürgerliche Gesellschaft frei. Als grundlegende Erkenntnis fixiert Marx, daß für den Ausgleich der Widersprüche während der politischen Emanzipation die Diktatur einer zur "totalen" Revolu- tion entschlossenen Führungsgruppe notwendig ist. Das robespier- ristische Idealbild des citoyen steht so für die heroische Selbsttäuschung der Akteure von 1793/94 - eine Selbsttäuschung, die Fleurus und den 9. Thermidor zu Zwillingsbrüdern hat. "Bürgerliche Begrenztheit der Jakobiner" heißt daher nicht beck- messerische Kritik, sondern meint, daß sie , "unvermeidlich nur über eine Teilperspektive, nicht über eine Fehlperspektive verfü- gen konnten." 110) Natürlich ist nicht alles in der Politik des Jahres II dieser "heroischen Illusion" geschuldet - es würde aber im Rahmen dieses Beitrages zu weit führen, die absolut notwendige Unterscheidung zwischen ihr und der Kategorie "politischer Prag- matismus" auszuformulieren. Immerhin: Spätestens in den Wochen unmittelbar nach dem Sturz der Gironde machten gerade die Führer der Bergpartei die Erfahrung, daß ihr von der Aufklärung über- nommener Glaube an die Allmacht der Tugend und an das Gute, das letztlich im Menschen immer obsiege, den Gegebenheiten nicht mehr standhielt. Ihre hernach eingeleitete Politik auf dem Gebiet der Landesverteidigung, der Wirtschaft und des Kampfes gegen die in- nere Konterrevolution war, wiewohl unter dem Druck von unten und durch die allgemeine Lage erzwungen und daher mitnichten das Er- gebnis vorgedachter Dogmen, Realpolitik im besten Wortsinn. Sie selbst schufen damit neue Theorien und Beispiele verwirklichter Staatsmacht, die indes im 19. Jahrhundert bei Übertragung auf völlig veränderte gesellschaftliche Prämissen selbst wieder illu- sionäre Züge annehmen mußten. Die Frage nach dem Ende der "heroischen Illusion" ist weniger simpel, als man - vor allem mit Blick auf damit verbundenen Kon- sequenzen - meinen möchte. Wir gehen von folgender, heute von der marxistisch-leninistischen Historiographie allseits geteilter Überlegung aus: Fraktionen der Bourgeoisie suchen die Revolution immer dann zu "beenden", wenn ein ihrem partiellen Durchschnitt- sinteresse adäquates Herrschafts- oder Machtsystem erreicht s c h e i n t: Feuillants und Girondisten eint quasi das Bestre- ben, das Volk aus der Revolution zu entlassen und die politische Macht an geeignete Personen zu delegieren bzw. selbst wahrzuneh- men. Der unlösbare Widerspruch mit tragischen Konsequenzen für Vertreter des Hegemons besteht darin, daß die Revolution trotz (und wegen) der subjektiven Selbsteinschätzung an der "angenommenen" Stelle eben noch längst nicht wirklich gesiegt hat. Der selbstbewußte Klassenegoismus der Bourgeoisie war erst ab erfolgreichem Ausgang der Revolution auch wirklich "gerecht- fertigt". Die Revolution von 1789/95 gleicht in dieser Hinsicht einem Nadelöhr, durch das die Bourgeoisie als Gesamtklasse nolens/volens hindurch muß. Auffallend ist indes, daß sie diese Passage zunehmend widerwillig und am Ende mehrheitlich nur noch feindselig zu ertragen gewillt ist. Im Verlauf der Revolution und durch ihre bisherigen Teilergebnisse ändert sich naturgemäß die Dialektik zwischen Erkenntnis der wirklichen Klasseninteressen und Illusion, vornehmlich auf Seiten der bourgeoisen Elemente. Die Girondisten nach dem 2. Juni 1793 sind alles andere denn Opfer einer "heroischen Illusion": Dir Untergang ist das logische Resultat eines zum falschen Zeitpunkt sich äußernden Realismus, dessen Sonderinteresse mit dem allgemeinen Interesse der Revolution notwendig (noch) kollidiert. Ähnliches wiederholt sich mit Danton, und die "Täuschung der Terroristen" 111) endet mit dem 9. Thermidor in der persönlichen Tragik der wirklichen Jako- biner. Daher begrenzen wir das Wirkungsfeld der "heroischen Illu- sion" auf die eigentliche Revolution (im engeren Sinn 112), wobei schon innerhalb dieser selbst der Prozeß des Verlustes der "heroischen Illusion" einsetzt (Sieyes) und schließlich auch durch die b e w u ß t e Selbsttäuschung ("Fest des Höchsten We- sens") überlagert wird. In ihrer klassischen Erscheinung ist das Ende der "heroischen Illusion" folglich unter Einschluß der Er- fahrungen des Jahres U mit dem Ende der aufsteigenden Phase der Großen Französischen Revolution selbst identisch. Daraus "eine Kluft zwischen der Bilanz der Revolution und den Absichten der Revolutionäre" 113) zu entdecken, ist lediglich Methode revisio- nistischer Geschichtsschreibung, historischen Ort, internationale Ausstrahlung der Revolution und die von ihr bewirkte Zäsur "1789" aus der Geschichte herauszureden. 114) Keiner verhehlte damals (wie heute) den offenkundigen Widerspruch zwischen dem erklärten Wollen des gebildeten Bürgertums vor der Revolution und den d a n n erreichten tatsächlichen Ergebnissen. Gleichwohl sollte man aber Historizität, Realität und Folgerungen dieser Revolution nicht miteinander verwechseln. Für die Volksmassen und ihre Sprecher ist ähnliches feststellbar. Wenn Jacques Roux bei Gelegenheit des Prozesses gegen Ludwig XVI. meint, es kommt darauf an, "eine Herrschaft von Menschen über Menschen ein für allemal auszurotten" 115), dann kann diese spe- zifische Art der Revolution nicht besser formuliert werden. Aber es vergeht kein halbes Jahr, und aus der Illusion wird eine Vi- sion, die in die Zukunft schon einer anderen Gesellschaftsforma- tion weist, auch wenn sie dem (verkannten bürgerlichen) Augen- blick antwortet: "Die Freiheit ist ein leerer Wahn, solange eine Menschenklasse die andere ungestraft aushungern kann. Die Gleich- heit ist ein leerer Wahn, solange der Reiche mit dem Monopol das Recht über Leben und Tod seiner Mitmenschen ausübt. Die Republik ist ein leerer Wahn, solange die Konterrevolution Tag für Tag am Werk ist ..." 116). Spätestens von da an ist für den, der lesen kann, der profunde Unterschied zwischen vorweggenommener proleta- rischer und bürgerlicher Gleichheit kein Geheimnis mehr. Aber es ist diese Illusion, mit partiell realistischen Zügen, die die Volksbewegung befähigt, die Revolutionsführer vor allem im Be- reich der sozialen Gleichheit beim Wort zu nehmen und, indem sie letztlich (noch) Unmögliches anstrebt, die Revolution über den Durchschnitt ihrer bürgerlichen Ziele weit hinaustreibt, um auf diese Weise den essentiellen Beitrag für die Sicherung des (gerade) Möglichen zu leisten. Vor analogen Problemen stand zunächst auch die vormarxsche Arbeiterbewegung in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts. Wir wissen heute, daß hier die jakobinische Tradition und Rezeption breiter angelegt war und länger wirkte, als gemeinhin angenommen wurde 117); auch, daß seit der Julirevolution von 1830 der danach einsetzende Prozeß der Verschmelzung von kleinbürgerlicher Demokratie und elemen- tarer Arbeiterbewegung von herausragender Bedeutung für beider Verständnis von der Dialektik zwischen politischem Kampf und sozialer Sehnsucht gewesen ist. Gleichwohl bleiben Fragen offen. Die Forderung von Karl Marx, die "soziale Revolution des 19. Jahrhunderts [könne] ihre Poesie nicht aus der Vergangenheit schöpfen, sondern nur aus der Zukunft" 118), blieb offensichtlich weit über das Ereignis hinaus gültig, aus dem sie abgeleitet worden war. Die Tatsache, daß die spätere Überwindung des kleinbürgerlichen Sozialismus in Theorie (wissenschaftlicher Kommunismus) und Praxis (Juni 1848) nicht mit dem Verlust seiner Anziehungskraft identisch war, wirft auf die bittere Sentenz Blanquis aus dem Jahre 1832, das Volk sei damals falschen Führern gefolgt, neues Licht. Aktuell bleibt unter diesem Aspekt die Frage, wie lange das Proletariat mit welchen Konsequenzen später ebenfalls solchen "falschen", weil "klassenfremden Führern" im Sinn der historischen Mission der Arbeiterklasse vertraute. Denn viele Dokumente der Zeit und nachfolgende Verallgemeinerungen erlauben - als Arbeitsthese -, das Grundanliegen der Vorhut als antikapitalistisch bei Differenzierung der in Anwendung zu bringenden Mittel und Methoden, das der Massen aber als antibourgeois bei hoher Kampfbereitschaft im Sinne der Durchsetzung des "reformerischen Weges" für die soziale Emanzipation aufzufassen. Wenig wissen wir auch darüber, was im Bewußtsein der Zeitgenossen, die Arbeiter eingeschlossen, solche Standardtermini wie "rote Republik" oder "soziale Republik" tatsächlich meinten: War es schon jene, die am Ausgang der Julimonarchie eine allgemeine (offizielle) Kommunistenfurcht auslöste oder noch die Republik des Jahres II, die es lediglich vor bourgeoisem Mißbrauch zuverlässig abzuschotten galt? * Was die gegenwärtigen Auseinandersetzungen um die bürgerliche Re- volution und um die Wege des Übergangs vom Feudalismus zum Kapi- talismus angeht, so scheint eine Marx-Sentenz aus dem Jahre 1847 von zeitloser Relevanz, in der er jene Zeitgenossen kritisierte, die den "entwicklungslosen Zustand der Idylle" den "geräusch- vollen Umwälzungsepochen, d.h. der geschichtlichen Verderbnis" entgegenstellen. 119) Diskussionen über Mittel und Methoden zielten und zielen gerade bei so brisanten Debatten über Größe und Grenzen gesellschaftlichen Aufbruchs - so oder so - immer auf Inhalt und Gesetzmäßigkeit des Ereignisses. Angesichts der Existenz eines (inneren, zumeist aber äußeren) gemeinsamen Feindes wird unter bestimmten Voraussetzungen die Illusion zur Illusion, die Täuschung selbst zur Täuschung: Die temporäre Ein- heit zur Begegnung drohender Gefahren ist selbst zwischen sozial extrem divergierenden Kräften oftmals möglich gewesen. _____ 1) Kossok, Manfred, Realität und Utopie des Jakobinismus. Zur "heroischen Illusion" in der bürgerlichen Revolution, in: Zeit- schrift für Geschichtswissenschaft (ZfG), 34. Jg, 1986, H. 5, S. 415 ff; Holzapfel, Kurt u. Zeuske, Michael, L'"illusion héroï- que", Karl Marx et les révolutions de 1789 et 1830, in: La Pen- sée, Nr. 249, Jan.-Febr. 1986, S. 18 ff. 2) Siehe die Berichte in: Cahiers d'histoire de l'institut de re- cherches marxistes, Nr. 21 (1985), S. 37; Middell, Matthias, Die Französische Revolution und der bürgerliche Revolutionszyklus, in: ZfG, 34. Jg, Berlin 1986, H. 12, S. 1104 f. 3) Vgl. Holzapfel, Kurt, Zum Problem des Scheiterns der Französi- schen Revolution, in: 1789 und der Revolutionszyklus des 19. Jahrhunderts - Dem Wirken Walter Markovs gewidmet. Sitzungsbe- richte der Akad. d. Wiss. d. DDR, 3 G, Berlin 1986, S. 105 ff. 4) Kossok, Realität und Utopie, S. 418 f. 5) Lapin, Nikolai, Der junge Marx, Berlin/DDR 1974. 6) Jaeck, Hans-Peter, Die französische bürgerliche Revolution im Frühwerk von Karl Marx, Berlin/DDR 1979. 7) In der Zeit von Mitte März 1843 bis Ende August 1844 "... war der Übergang auf materialistische Positionen endgültig vollzogen, und es begann der Prozeß der Ausarbeitung des wissenschaftlichen Kommunismus" (MEGA , Abteilung I, Band 2, S. 11). 8) Hegel hatte die materiellen Lebensverhältnisse nach dem Vor- gang der Engländer (Ferguson, A. Smith) in ihrer Gesamtheit unter dem Begriff "bürgerliche Gesellschaft" zusammengefaßt. Marx über- nahm 1843 diesen Begriff und unterschied zwischen der alten (Antike, Feudalität) und der modernen bürgerlichen Gesellschaft (vgl. ebenda, S. 12f). 9) Zur Bedeutung, Entwicklung und den Quellen des Begriffs "Ideologie" bei Marx siehe: Sandkühler, Hans Jörg, Kritik und po- sitive Wissenschaft, in: Karl Marx. Kritik und positive Wissen- schaft (Studien zur Wissenschaftsgeschichte des Sozialismus, Band 6), hrsg. von Hahn, Manfred/Sandkühler, Köln 1986, S. 24 ff. 10) Marx, Karl, Kritische Randglossen zu dem Artikel "Der König von Preussen und die Sozialreform. Von einem Preussen", in: MEW, Bd. 1, S. 392 ff. 11) Karl Marx, Zur Judenfrage, in: Ebenda, S. 357 (Herbst 1843). 12) Karl Marx/Friedrich Engels, Die Heilige Familie, in: Ebenda, Bd. 2, S. 129 (Herbst 1844). 13) Marx, Kritik des Hegelschen Staatsrechts, in: Ebenda, Bd. 1, S. 260 (Sommer 1843); siehe auch: Schmidt, Walter, 1789 und 1848 im historischen Revolutionsvergleich bei Marx und Engels in der Zeit des Vormärz, in: 1789 und der Revolutionszyklus des 19. Jahrhunderts. Dem Wirken Walter Markovs gewidmet, Sitzungsbe- richte der Akademie der Wissenschaften der DDR, 3 G 1985, Ber- lin/DDR 1986, S. 115 ff. 14) Jaeck, Hans-Peter, Einleitung. 15) Kossok, Manfred, Vergleichende Geschichte der neuzeitlichen Revolutionen, in: Sitzungsberichte der Akademie der Wissenschaf- ten der DDR, 2 G 1981, Berlin/DDR 1981, S. 12. 16) Sandkühler, Kritik, S. 28. 17) MEW, Bd. 21, S. 272 und Bd. 31, S. 290. 18) Jaeck, S. 68. 19) Finger, Otto, Philosophie der Revolution, Berlin/DDR 1975, S. 21. 20) Marx, Zur Judenfrage ... in: MEW, Bd. 1, S. 357 ff. 21) Wie das Vorangehende, ebenda, S. 367. 22) Ebenda. 23) Jaeck, S. 62. 24) Siehe: Kienner, Hermann, Marxismus und Menschenrechte, Ber- lin/DDR 1982. 25) Zu den vieldiskutierten Problemen dieser Zeit, ob die Jako- binerdiktatur der Beginn oder die Vorstufe einer sozialen Bewe- gung im Interesse des Proletariats gewesen sei, wie Engels noch 1845 annahm, vgl. Engels, Das Fest der Nationen in London, in: MEW, Bd. 2, S. 612f. 26) Marx, Zur Judenfrage, in: MEW, Bd. l, S. 364. 27) Ebenda, S. 356. 28) Ebenda, S. 357. 29) Ebenda. 30) Marx, Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie. Einlei- tung, in: Ebenda, S. 381 (Ende 1843/Anfang 1844). 31) Jaeck, S. 68. 32) Markov, Walter, Die Brücke der Aufklärung, in: Weltgeschichte im Revolutionsquadrat, hrsg. von Kossok, Manfred, Berlin/DDR 1979, S. 71. 33) Marx, Zur Judenfrage, in: MEW, Bd. 1, S. 357. 34) Jaeck, S. 68 f. 35) Finger, Philosophie, S. 32. 36) Höppner, Joachim, Einleitung zu: Deutsch-Französische Jahrbü- cher, hrsg. von Ruge, Arnold und Marx, Leipzig 1973, S. 47. 37) MEGA ², Bd. 1/2, S. 31 f. 38) Marx, Zur Judenfrage, in: MEW, Bd. 1, S. 367. 39) Jaeck, S. 62. 40) Dézamy, Theodore, Code de la Communauté, Paris 1842, S. 28, zit. in: Jaeck, S. 62. 41) MEGA , Bd. 1/2, S. 178. 42) Marx, Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie ... in: MEW, Bd. 1, S. 387. 43) Vovelle, Michel, La mentalite revolutionnaire, Paris 1985. 44) Marx, Zur Judenfrage, in: MEW, Bd. 1, S. 366. 45) Ebenda. 46) Massin, Jean, Robespierre, Berlin 1976, S. 385. 47) Marx/Engels, Die Deutsche Ideologie, in: MEW, Bd. 3, S. 217 f. 48) Marx, Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie ... in: Ebenda, Bd. 1, S. 388. 49) Jaeck, S. 69. 50) Höppner, Marx und das Materialismusproblem bei Fourier, in: Bürgerliche Gesellschaft und theoretische Revolution, hrsg. von Hahn/Sandkühler, S. 182 f. 51) Marx, Zur Kritik ... MEW, Bd. l, S. 388. 52) Ebenda. 53) K. Marx /F. Engels, Die deutsche Ideologie, in: MEW, Bd. 3, S. 48. 54) Kossok, Manfred, Vergleichende Geschichte, S. 16. 55) Marx, Zur Kritik ... in: MEW, Bd. l, S. 390. 56) Ebenda, S. 388. 57) Ebenda. 58) Jaeck, S. 81. 59) Marx, Kritische Randglossen ..., in: MEW, Bd. l, S. 409. 60) Marx/Engels, Die Heilige Familie, in: MEW, Bd. 2, S. 85. 61) Höppner, Marx und das Materialismusproblem, S. 182. 62) Diesen Ansatz hat Marx konkret an den Begriffen Freiheit und Gleichheit, z.B. in den "Grundrissen" durch die Ergebnisse seiner ökonomischen Studien vertieft und auf der Grundlage des Tauschwertes behandelt, siehe: Marx, Grundrisse der Kritik der politischen Ökonomie, Berlin/DDR 1974, S. 156 u. 916. 63) Jaeck, S. 109. 64) Kossok, Vergleichende Geschichte, S. 16. 65) Marx/Engels, Die deutsche Ideologie, in: MEW, Bd. 3, S. 47 f. 66) Ebenda. 67) Ebenda, Bd. 2, S. 129 f. 68) Marx/Engels, Die Heilige Familie, in: MEW, Bd. 2, S. 129. 69) Ebenda, S. 130. 70) Ebenda, S. 131. 71) Krauss, Werner, Überblick über die französischen Utopien von Cyrano de Bergerac bis zu Etienne Cabet, in: Krauss, Werner, Die Innenseite der Weltgeschichte. Essays, hrsg. von Bergmann, Helga, Leipzig 1983, S. 228. 72) Marx/Engels, Die Heilige Familie ..., in: MEW, Bd. 2, S. 85 f. 73) Marx, Zur Kritik ..., in: Ebenda, Bd. l, S. 388. 74) Ebenda, Bd. 18, S. 291. 75) Instruktion für die republikanischen Behörden des Departe- ments Rhone et Loire. Zit. in: Markov, Revolution im Zeugenstand. Frankreich 1789-1799, Bd. 2, Leipzig 1982, S. 538. 76) Engels, Friedrich, Einleitung zu: Die Klassenkämpfe in Frankreich 1848-1850, in: MEW, Bd. 8, S. 515. 77) Vgl.: Lequien, Yves C., De crises en avance: La croissance et la classe ouvriere, in: Huard, Raymond / Lequien, Yves / Mazau- ric, Claude / Mesliand, Claude / Scott, Jean-Paul / Vovelle, Mi- chel, La France contemporaine. Identite et mutations de 1789 a nos jours, Paris 1982, S. 268. 78) Vovelle, La mentalité ... 79) Lenin, Werke, Bd. 21, S. 135. 80) Höppner / Seidel-Höppner, Waltraud, Von Babeuf bis Blanqui. Französischer Sozialismus und Kommunismus vor Marx, 2 Bde., Leip- zig 1975. 81) Vgl. u.a.: Cobb, Richard, La protestation populaire en France (1789 -1820), Paris 1975; Holzapfel, Die Arbeiterfrage in Frankreich zur Zeit der Julirevolution: Probleme und Wirkungen, in: ZfG, 31. Jg, Berlin/DDR 1983, H. 7, S. 596 ff. 82) Marx, Die moralisierende Kritik und die kritisierende Moral, in: MEW, Bd. 4, S. 338 f. (Oktober 1847). 83) Vgl. zum Gesamtproblem Meschkat, Klaus, Die Pariser Kommune von 1871 im Spiegel der sowjetischen Geschichtsschreibung, Ber- lin/DDR 1965. 84) Lequien, Yves L., De crises en avance, S. 277. 85) Vgl. Förder, Hedwig, Marx und Engels am Vorabend der Revolu- tion. Die Ausarbeitung der politischen Richtlinien für die deut- schen Kommunisten (1846-1848), Berlin/DDR 1960, S. 33 ff. 86) Marx, Die moralisierende Kritik ..., in: MEW, Bd. 4, S. 338 f., S. 341 f.; Engels, Der Schweizer Bürgerkrieg, in: Ebenda, S. 396 f. (Nov. 1847). 87) MEW, Bd. 7, S. 271. 88) Moissonier, Maurice, Souverainete du peuple et souverainete des peuples, in: Die Julirevolution und Europa. Studien zur Revo- lutionsgeschichte, hrsg. von Kossok u. Loch, Werner (f), Ber- lin/DDR 1985, S. 75. 89) MEW, Bd. 9, S. 148. 90) Vgl. dazu: Holzapfel, Zur Dialektik von inneren und äußeren Faktoren in der bürgerlichen Revolution - Eine Studie zu ausge- wählten Aspekten der Julirevolution von 1830 in Frankreich, Phil. Diss. B, Leipzig 1980 (Ms.), S. IV ff. 91) Marx/Engels, Die Heilige Familie ..., in: MEW, Bd. 2, S. 131. 92) MEW, Bd. 23, S. 21. 93) Vgl. Soboul, Albert Marius, Die klassische Geschichtsschrei- bung zur Französischen Revolution: Aktuelle Kontroversen, in: Rolle und Formen der Volksbewegung im bürgerlichen Revolutionszy- klus. Studien zur Revolutionsgeschichte, hrsg. von Kossok, Ber- lin/DDR 1976, S. 48ff. 94) Chevalier, Louis, Classes laborieuses et classes dangerieuses pendant la premiere moitie du XIXe siècle, Paris 1958. 95) Vgl. J.J. Pillot: Weder Schlösser noch Hünen oder der Stand der sozialen Frage im Jahre 1840, in: Höppner/Seidel-Höppner, Bd. 2, S. 436 ff. 96) Vgl. Scott, Jean-Paul, La voie française du capitalisme, in: La France contemporaine, S. 48f. 97) Ebenda, S. 17 f. 98) Holzapfel / Kossok, 1789 und der Revolutionszyklus des 19. Jahrhunderts: Ereignis und Wirkung, in: ZfG, 34. Jg, Berlin/DDR 1986, H. 12, S. 1059 ff. 99) Vgl. Problèmes éthnographiques aux quartiere proletariens. Colloque tenu le 8-10-1983 au Centre d'Histoire économique et so- ciale de la region lyonnaise, Lyon. 100) Vgl. zu Problemstellung und Forschungsstand Zwahr, Hartmut, Proletariat und Bourgeoisie in Deutschland. Studien zur Klassen- dialektik, Köln 1980, S. 15 ff. 101) Vgl. Margairaz, Dominique, Le Pouvoir en France; L'Etat, la democratie (1789-1980), in: La France contemporaine, S. 310 ff. 102 Vgl. Haupt, Heinz-Gerhard, Frankreich: Langsame Industriali- sierung und republikanische Tradition, in: Europäische Arbeiter- bewegungen im 19. Jahrhundert, hrsg. von Kocka, Jürgen, Göttingen 1983, S. 39 ff. 103) MEW, Bd. 1, S. 386. 104) Vgl. Perdiguer, Agricole, Correspondance inédite avec George Sand et ses amis. Lettres choisies et commentées avec une Intro- duction par Jean Briquet, Paris 1966. 105) Vgl. Markov, Grenzen des Jakobinerstaates, in: Grundpositio- nen der französischen Aufklärung. Neue Beiträge zur Literaturwis- senschaft, hrsg. von Krauss und Mayer, Hermann, Berlin/DDR 1955, S. 209 ff. 106) Vgl. u.a.: Wolikow, Claudine, Jacobins et Jacobinisme, in: Cahiers d'histoire de l'Institut Maurice Thorez, Nr. 32/33, Paris 1979; Mazauric, Jacobinisme et Révolution, Paris 1984. 107) Kossok, Das Salz der Revolution: Jakobinismus in Lateiname- rika. Versuch einer Positionsbestimmung, in: Universalhistorische Aspekte und Dimensionen des Jakobinismus, hrsg. von Akad. d. Wiss. d. DDR, Berlin/DDR 1976, S. 129. 108) Vgl. Holzapfel, Einige resümierende Gedanken zur histori- schen Positionsbestimmung des französischen Jakobinismus, in: Wissenschaft!. Zeitschr. d. Karl-Marx-Universität, H. 32, Leipzig 1983. 109) Vgl. Bianchi, Serge, La revolution culturelle de l'an U. Elites et peuples 1789-1799, Paris 1982. 110) Markov, Grenzen, S. 210, Anm. 5. 111) Marx/Engels, Die Heilige Familie ..., in: MEW, Bd. 2, S. 129. 112) Lenin, Unter fremder Flagge ..., in: LW, Bd. 16, S. 201. 113) Furet, François, 1789 - Vom Ereignis zum Gegenstand der Ge- schichtswissenschaft, Frankfurt a.M./Berlin(West)/Wien 1980, S. 25. 114) Zum Gesamtproblem vgl. Holzapfel, Die französische Revolu- tion und ihr Einfluß auf die Wege der bürgerlichen Umwälzung im 19. Jahrhundert - Zu Stand und Aufgaben der Forschung, in: 1789: Weltwirkung einer großen Revolution, hrsg. von Kossok/Kroß, Edi- tha (in Vorbereitung). 115 Vgl. Markov, Die Freiheiten des Priesters Roux, Berlin/DDR 1967, S. 159. 116) (J. Roux) zit. nach: Ders., Revolution im Zeugenstand, Bd. 2, S. 450. 117) Vgl. Seidel-Höppner, Zur Jakobinismusrezeption der französi- schen Kommunisten der dreißiger und vierziger Jahre des 19. Jahr- hunderts, in: Universalhistorische Aspekte, S. 53 ff. 118) Marx, Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte ..., in: MEW, Bd. 8, S. 117. 119) Marx, Die moralisierende Kritik ..., in: MEW, Bd. 4, S. 337. zurück