Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 14/1988
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KRIEG - FRIEDEN - REVOLUTION IM NUKLEARZEITALTER
Jürgen Reusch
1. Etwas noch nie Dagewesenes... - 2. Es gibt keinen gerechten
Atomkrieg - 3. Übergang zum Sozialismus - ein langwieriger Prozeß
- 4. Eine Weltfriedensordnung mit den Antagonisten - 5. Histori-
sche Mission der Arbeiterklasse im Nuklearzeitalter - 6. Nuklear-
zeitalter und der Charakter unserer Epoche - 7. Koexistenz und
Offenheit der Geschichte - 8. Koexistenz und Klassenkampf
1. Etwas noch nie Dagewesenes...
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"Frei und gleich an Rechten werden die Menschen geboren und blei-
ben es" 1) - so hieß es in der Erklärung der Rechte des Menschen
und des Bürgers von 1789. Die Utopie eines neuen Weltzustands von
Gleichheit, Freiheit, Glück und ewigem Frieden ist so alt wie die
Geschichte selbst; die Französische Revolution brachte sie der
Realität ein entscheidendes Stück näher und schuf - bei aller
bürgerlichen Beschränktheit dieses Tuns 2) - die "Grundlagen für
eine neue soziale Ordnung, die für die gesamte Menschheit und
nicht nur für Frankreich allein geeignet schien." 3) 1790 fügte
sie noch ein "Friedensdekret" hinzu, dessen Kernsatz lautete:
"Die Französische Revolution verzichtet darauf, einen Krieg zu
Eroberungszwecken zu unternehmen; sie erklärt, daß sie ihre
Streitkräfte niemals gegen die Freiheit irgendeines Volkes ein-
setzen wird" 4) - ein unerhörter Gedanke in einem Kontinent, für
dessen Herrscher seit Menschengedenken Eroberungskriege die all-
ergrößte Selbstverständlichkeit darstellten.
Zum ewigen Frieden kam es aber bekanntlich nicht, im Gegenteil:
In den darauffolgenden 130 Jahren zeigten die Bourgeoisien der
kapitalistischen Länder, zu welchen Scheußlichkeiten sie beim
Kampf um die Aufteilung der Welt und der Völker in Macht- und
Einflußsphären fähig waren. Die Oktoberrevolution stellte 1917
die Friedensfrage erneut und auf neue Weise. Im "Dekret über den
Frieden" hieß es: "Ein gerechter oder demokratischer Frieden, wie
ihn die überwältigende Mehrheit der durch den Krieg erschöpften,
gepeinigten und gemarterten Klassen der Arbeiter und Werktätigen
aller kriegführenden Länder ersehnt, ein Frieden, wie ihn die
russischen Arbeiter und Bauern nach dem Sturz der Zarenmonar-
chie... gefordert haben, ein solcher Frieden ist nach Auffassung
der Regierung ein sofortiger Frieden ohne Annexionen... und ohne
Kontributionen. Die Regierung Rußlands schlägt allen kriegführen-
den Völkern vor, unverzüglich einen solchen Frieden zu schlie-
ßen..." 5)
So erhob die Oktoberrevolution den alten Menschheitstraum vom
Frieden erstmals uneingeschränkt in den Rang einer Staatspolitik
und begründete auch in dieser Frage eine neue Epoche der Ge-
schichte. 6) Dies war ein Stück neues Denken und Handeln im vor-
nuklearen Zeitalter 7) - zugleich war es ein entscheidender
Schritt über das Fortschrittsdenken der revolutionären Bour-
geoisie hinaus, deren Friedenskonzept zwar antifeudal, aber na-
türlich auch an der Verteidigung des kapitalistischen Privatei-
gentums orientiert war und an eben diesem Interesse auch seine
Grenze fand.
In der Gegenwart befindet sich die Menschheit abermals in einer
Umbruchperiode. Sie hat ihre Unsterblichkeit verloren und kann in
einem Atomkrieg vollständig ausgelöscht werden. Dies ist etwas
noch nie Dagewesenes. Überschreitet sie diese Grenze, gibt es
kein Zurück. 8) Diese Gefährdungssituation wird zusätzlich ver-
schärft durch die Verflechtung mit anderen globalen Problemen 9),
die sich wechselseitig negativ beeinflussen und ein explosives
Problemgemisch erzeugen, das die Biosphäre irreversibel zu schä-
digen droht. Demgegenüber stellt sich eine - historisch gesehen -
neue Aufgabe: das Überleben der Gattung - im biologischen und so-
zial-kulturellen Sinne - zu gewährleisten. Das erlegt der heuti-
gen Generation in Voraussicht und Planung ihres Tuns eine völlig
neue Verantwortung auf.
Diese Einschätzung hat viele Marxisten veranlaßt, den - aus der
nichtmarxistischen Diskussion stammenden - Begriff " Nuklear
Zeitalter" zu akzeptieren 10), der die heutige Welt nicht primär
nach klassenmäßigen Kriterien definiert. Er meint: Der Wert Frie-
den drückt ein Gattungsinteresse aus und ist heute und für alle
Zukunft dem Antagonismus von Kapitalismus und Sozialismus
u n b e d i n g t übergeordnet. 11) Viele Erkenntnisse über
diese neue Lage sind noch relativ ungesichert und erlauben erst
begrenzte theoretische Konsequenzen 12). Aber es darf doch im
Hinblick auf schon vorliegendes empirisches Material 13) ge-
schlußfolgert werden, daß es nicht lediglich um die Neu-Interpre-
tation einer altbekannten, sondern tatsächlich um eine ganz neue
Situation geht. 14)
Neu ist nicht nur das Ausmaß der Bedrohung, sondern auch die of-
fenkundige Tatsache, daß allein politische und sozialökonomische
Veränderungen der Gesellschaft(en) nicht ausreichen, sie zu über-
winden, daß also der tiefgreifende Umbau des gesamten Produktiv-
kraftsystems auf die historische Tagesordnung gesetzt ist. 15)
Nach dem Umbruch zum Imperialismus und nach der Oktoberrevolution
und den durch sie gesetzten Tatsachen handelt es sich hier offen-
kundig um die dritte große Herausforderung an marxistisches Den-
ken seit dem Tode von Marx und Engels. 16) Aber nicht nur der
Marxismus und nicht nur einzelne philosophische Thesen sind her-
ausgefordert, sondern es stehen a l l e philosophischen Systeme
und Gesellschaftstheorien "als Ganzes, mit ihren theoretischen
und methodischen Grundprinzipien auf dem Prüfstand der Ge-
schichte." 17) Die marxistische Theorie ist dabei gut gerüstet,
nicht im Sinne fertiger Antworten, sondern durch ihre prinzi-
pielle Offenheit für neue Fragen der geschichtlichen Praxis und
der Gesellschaftswissenschaften. 18) Von ihr können daher wich-
tige Beiträge zu einem neuen Denken und Handeln erwartet werden;
sie verfügt über erprobte methodologische Zugänge zu einem ad-
äquaten Umgang mit den Gattungsproblemen, der sowohl dem fortbe-
stehenden Antagonismus der Systeme als auch ihrer gemeinsamen
Verantwortung für das Überleben der Menschheit Rechnung trägt.
19) Offensichtlich wird dabei - ohne jede Konvergenz von Weltan-
schauungen, Ideologien und Gesellschaftskonzeptionen - die Über-
einstimmung marxistischer und nichtmarxistischer Gesellschafts-
theorien beim Auffinden von Lösungsstrategien größer sein können
als früher. 20)
Bis vor relativ kurzer Zeit waren Marxisten - zu Recht - der Auf-
fassung, eine gesicherte Weltfriedensordnung sei erst im Zusam-
menhang mit dem weltweiten Sieg des Sozialismus über den Kapita-
lismus möglich. Heute allerdings erscheint eine solche Strategie
des "Frontalangriffs" immer weniger realistisch und angesichts
der globalen Probleme auch nicht (mehr) gerechtfertigt. Frieden
muß auch bei Fortexistenz des Monopolkapitals d a u e r h a f t
gewährleistet werden, 21) ist zum "Apriori des Gattungslebens"
geworden 22). Eine d a u e r h a f t e Friedensordnung muß
m i t den bestehenden antagonistischen Systemen geschaffen wer-
den; dies liegt in der "Logik des Nuklearzeitalters". Die Welt
bildet trotz ihrer Spaltung in unterschiedliche und antagonisti-
sche Klassen und soziale Systeme hinsichtlich ihrer Gefährdung
und des Gattungsinteresses am Überleben eine nicht mehr auflös-
bare Einheit.
Da gerade der Status quo die globalen Gefährdungen hervorgebracht
hat, besteht das Überleben der Gattung auch nicht in seiner Er-
haltung, sondern seiner Überwindung. Partikuläre oder auf Natio-
nen oder Staatenbündnisse beschränkte Lösungsstrategien reichen
dazu nicht (mehr) aus. Die Menschheit ist herausgefordert, den
Weltzustand des ewigen Friedens neu zu denken und die bewußt vor-
ausschauende und planmäßige Organisation ihrer Existenz auf einem
bisher unbekannten Niveau zu sichern. Allein das A u s b l e i-
b e n einer substantiellen politischen Wende kann zur Kata-
strophe führen. Welche theoretischen und politischen Konsequenzen
ergeben sich daraus?
2. Es gibt keinen gerechten Atomkrieg
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Während die revolutionäre Arbeiterbewegung im ersten und zweiten
Weltkrieg noch in der Lage war, den imperialistischen Krieg, den
sie bekämpft, aber nicht verhindert hatte, schließlich in einen
Bürgerkrieg umzuwandeln und durch die Revolution zu beenden, kann
eine solche Entwicklung aus einem Atomkrieg oder einer massiven
militärischen Konfrontation zwischen Ost und West heute nicht
mehr entstehen. Die diesbezüglichen Losungen Lenins und Lieb-
knechts gelten heute nicht mehr. 23)
Jahrhundertelang stellten sich diese Probleme anders. Der Krieg,
in den das revolutionäre Frankreich 1792 hineingezwungen wurde,
war gerecht und fortschrittlich. "Den Krieg hielten alle für
einen gerechten Verteidigungskrieg, und das war er in der Tat.
Das revolutionäre Frankreich verteidigte sich gegen das reaktio-
när-monarchistische Europa." 24)
Die klügsten Köpfe der Revolution waren nicht p r i n z i-
p i e l l gegen einen revolutionären Verteidigungskrieg, aber im
Unterschied zur rechten wie zur linken "Kriegspartei" mit ihren
durchsichtigen Motiven auch keine Kriegsenthusiasten. 25)
Der "Wunsch nach gestiefelten Missionaren (kam) schon deshalb
nicht auf, weil man der stillen Werbekraft der Menschheitslehre
unter Berufung auf die Allmacht der Vernunft vertraute. ...(Die)
Gedankensünde eines gewaltsamen Revolutionsexports (brauchte)
nicht geübt zu werden. ...Revolution in einem Lande und weltrevo-
lutionärer Ausblick vertrugen sich ausgezeichnet." 26)
Das war aber noch nicht alles. Während bei einem Teil der Mini-
ster und des Triumvirats taktische Erwägungen im Vordergrund
standen, war Robespierres Widerstand grundsätzlicher Art. 27) In
seiner berühmten "zweiten Rede gegen den Krieg" vom 2. Januar
1792 führte er u.a. aus: "...in der Natur der Dinge liegt es, daß
die Vernunft auf ihrem Vormarsch nur langsam Boden gewinnt.
...Niemand liebt Sendboten in Waffen. ...Schaffen Sie erst Ord-
nung bei sich zu Hause, bevor Sie die Freiheit anderswohin tra-
gen. ... Haben wir denn überhaupt keine Feinde innerhalb Frank-
reichs?" 28)
Man mag einwenden, Robespierres leicht pessimistische Argumenta-
tion - er wurde übrigens von Marat und Jacques Roux im Kampf ge-
gen die allgemeine Kriegsbegeisterung unterstützt 29) - habe
übersehen, daß auch ein revolutionärer Volkskrieg - ganz gegen
die Intentionen der monarchistischen und großbourgeoisen Kriegs-
partei - zur Vertiefung der Revolution habe beitragen können 30)
- aber hier lag auch das Problem: Die Revolutionäre wollten 1792,
wenn schon einen Krieg, dann keinen o h n e das Volk und
g e g e n die Demokratie, sondern m i t dem Volk und f ü r
Demokratie - und dafür schien ihnen die Zeit noch nicht reif.
Es kam aber dann doch anders. Der Krieg, einmal ausgebrochen und
der Revolution aufgezwungen, wurde "zum Integrationsfaktor einer
demokratischen Vertiefung der Revolution." 31) Er wurde zum
Volkskrieg, stützte die progressivsten Elemente der Revolution
und verzahnte sich mit der Herausbildung der Jakobinerdiktatur.
32)
Der Krieg als, wie Lenin formulierte" unvermeidliche Fortsetzung
dieser Politik der revolutionären Klasse, die in Frankreich ge-
siegt hatte", setzte im Volk ein "in Jahrhunderten ungekanntes
Höchstmaß an revolutionärer Energie" und eine "gigantische revo-
lutionäre Schöpferkraft" frei 33).
Gleichwohl: Linke wie Jacques Roux entdeckten schon zu einem frü-
hen Zeitpunkt im revolutionären Verteidigungskrieg auch die Keime
der Eroberung und der Annexion. 34) Nach und nach - deutlich er-
kennbar spätestens im Jahr 1794, geriet der Krieg in Widerspruch
zur Demokratie, wurde für das arbeitende Volk ruinös und zehrte
an seinem Lebensnerv. Nach dem Thermidor schrieb die französische
Außenpolitik immer unverhüllter die "nationale Expansion" auf
ihre Fahnen, und im "Zuge der seit 1796 einsetzenden unverhüllten
Raub- und Eroberungspolitik wurde aus der demokratischen Revolu-
tionsarmee wieder eine Söldnertruppe fest in der Hand der herr-
schenden Bourgeoisklasse." 35) Diese Entwicklung erreichte in der
Militär-Diktatur Napoleons ihren Höhepunkt. 36)
Lenin, der die Erfahrungen der Französischen Revolution und des
revolutionären Krieges und seines Umschlagens in den Eroberungs-
krieg sorgfältig studiert und Clausewitz' Erkenntnisse über den
Krieg dahingehend präzisiert hatte, der Krieg sei die Fortsetzung
der Politik e i n e r b e s t i m m t e n K l a s s e mit an-
deren Mitteln 37) - Lenin konnte mit vollem Recht die Auffassung
vertreten, ein Krieg der Werktätigen gegen die Ausbeuter sei eine
gerechte Sache. 38) In der konkreten Situation des (Ersten) Welt-
krieges gelangte er sogar zu dem Schluß, dieser vom Imperialismus
verursachte Krieg k ö n n e nicht nur, sondern m ü s s e so-
gar durch die Revolution der Arbeiter beendet werden - und zwar
müsse der revolutionäre Funke auf mehrere Länder überspringen.
39)
Er konnte sich dabei auf das Baseler Manifest der II. Internatio-
nale von 1912 berufen, in dem es hieß, daß die Rivalität der Ka-
pitalisten zum Krieg und der Krieg zur proletarischen Revolution
führen werde. 40) Gleichwohl vertrat Lenin, wie auch schon Marx
und Engels, und in der Tradition der Jakobiner, nicht die Auffas-
sung, der Krieg sei die eigentliche Ursache der Revolution; dies
waren vielmehr die objektiven Klassenwidersprüche, die allerdings
durch den Krieg wie durch einen Katalysator bis zur revolutio-
nären Krise verschärft wurden. Konsequenterweise war Lenin auch
der Meinung, der Krieg k ö n n e, m ü s s e aber nicht Mittel
der Durchführung der Revolution sein. 41)
Der der Sowjetunion aufgezwungene Große Vaterländische Krieg ge-
gen den Faschismus wurde ebenfalls zu einem Mittel der Festigung
und Vertiefung der Revolution. Die militärische Zerschlagung des
Faschismus setzte in weiteren europäischen Ländern revolutionäre
Potenzen frei. In den darauffolgenden Jahrzehnten konnte die
UdSSR, gestützt auf die Schaffung einer atomaren Vergeltungskapa-
zität, aggressive Strategien des Imperialismus abschwächen und
ausreichende Bedingungen für die innere Entwicklung der soziali-
stischen Länder garantieren. Zugleich bedeutete das einen gewis-
sen Schutz für die Entfaltung weiterer progressiver und revolu-
tionärer Bewegungen in der Welt. Aus den historischen Erfahrungen
schien es zu dieser Zeit begründet, wenn die Sowjetunion dem Im-
perialismus für den Fall eines von ihm angezettelten Krieges
einen Gegenschlag androhte, der dieser letzten aller Ausbeuter-
ordnungen ein für allemal ein Ende bereiten und dem Sozialismus
auf der ganzen Welt zum Siege verhelfen werde. 42)
Heute ist es jedoch so, daß eine zum Extrem getriebene aggressive
imperialistische Klassenpolitik zwar zu einem Atomkrieg führen
kann, dieser aber keiner Klasse mehr die Fortsetzung irgendeiner
Politik mit anderen Mitteln erlaubte, sondern das unwiderrufliche
Ende jeder Politik nach sich zöge. Das gilt für den Imperialis-
mus, aber auch für den Sozialismus. Aus diesem Grund vertritt die
UdSSR heute nicht mehr die Position der Umwandlung eines imperia-
listischen Weltkriegs in einen Befreiungskrieg. 43) Es gibt kei-
nen gerechten Atomkrieg.
3. Übergang zum Sozialismus - ein langwieriger Prozeß
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Auch die theoretische Vorstellung des weltweiten Übergangs vom
Kapitalismus zum Sozialismus erhält unter den Bedingungen des Nu-
klearzeitalters neue Aspekte. Heute ist es klar, "daß diese
Formationsumwälzung kein kurzzeitiger, nach wenigen Jahren oder
Jahrzehnten zu bemessender Akt ist, sondern sich nur als relativ
langwieriger, überaus komplizierter und widerspruchsvoller welt-
geschichtlicher Prozeß verwirklichen kann..." 44).
Ein kurzer Rückblick zeigt: Auch die Französische Revolution
hatte ihre - allerdings über bürgerliche Klassenschranken nicht
hinausgehenden - Vorstellungen vom weltweiten Sieg der Vernunft,
von Freiheit, Gleichheit und Frieden für alle Völker - zumindest
Europas - und knüpfte damit praktisch an die Ideen der Aufklärung
an. 45) Für Robespierre war es völlig selbstverständlich, daß die
"Vernunft auf ihrem Vormarsch" - wenn auch langsam - "Boden ge-
winnt" und die Wirkungen der Revolution "bei den fremden Nationen
zu spüren sein" würden. Sie werde auf das "Geschick des Erdballs"
Einfluß nehmen. 46) Hebert, für den es ebenfalls klar war, daß
der Rest der Welt den revolutionären Gang irgendwann nachvollzie-
hen werde, präzisierte sinnig: "...Die Türken und schließlich so-
gar die Deutschen!" 47) Robespierre schränkte allerdings ein:
Eine revolutionäre Situation müsse in diesen anderen Ländern
selbst heranreifen - erst dann könnte eine revolutionäre Armee
eine Befreiungsmission erfüllen. 48)
Robespierre teilte daher auch nicht die Ansichten von Anacharsis
Cloots, der den Sieg der Vernunft und die Freiheit des Menschen-
geschlechts in kürzester Frist auf den Spitzen der Bajonette in
andere Länder zu tragen forderte. 49)
Um was für ein Reich der Vernunft aber handelte es sich, dessen
weltweiter Siegeszug da angebrochen sein sollte? Das Vorwärts und
wieder Rückwärts der Verfassungen von 1789, 1793, 1795 und 1799,
der kurze Weg von der Verkündung der Menschenrechte zur Diktatur
der Großbourgeoisie 50) zeigt, "daß dies Reich der Vernunft wei-
ter nichts war als das idealisierte Reich der Bourgeoisie; daß
die ewige Gleichheit ihre Verwirklichung fand in der Bourgeoisju-
stiz; die Gleichheit hinauslief auf die Gleichheit vor dem Ge-
setz; daß als eines der wesentlichsten Menschenrechte proklamiert
wurde - das bürgerliche Eigentum; und daß der Vernunftstaat, der
Rousseausche Gesellschaftsvertrag ins Leben trat und nur ins Le-
ben treten konnte als bürgerliche, demokratische Republik." 51)
So schuf die Bourgeoisie mit der revolutionären Zerschlagung des
Feudalismus zwar nicht das Reich der Vernunft, aber die "moderne,
große Industrie", "den Weltmarkt" und schließlich "die materiel-
len Bedingungen einer neuen Welt" 52), nämlich die Voraussetzun-
gen für die Ablösung des Kapitalismus durch den Sozialismus.
Die Oktoberrevolution leitete diesen Formationswechsel ein. Le-
nin, der weit davon entfernt war, die Grenzen zwischen bürgerli-
cher und proletarischer Revolution zu verwischen, war sich über
die vorwärtstreibende Rolle der Französischen Revolution für die
gesamte kapitalistische Gesellschaft des 19. Jahrhunderts völlig
klar und stellte auch die Bolschewiki bewußt in die Traditionsli-
nie des Jakobinismus. 53) Die Bolschewik! und die Kommunisten Eu-
ropas nahmen unmittelbar nach 1917 allerdings zunächst an, auch
in den wichtigsten anderen kapitalistischen Ländern werde der
Sieg der Arbeiterklasse relativ rasch zu erreichen sein. Doch
diese Hoffnung erfüllte sich nicht; die revolutionäre Welle ebbte
in den zwanziger Jahren ab. So entstand einerseits das Konzept
des Aufbaus des Sozialismus in einem Lande und andererseits, in
einem mühsamen, von vielen Fehleinschätzungen und folgenschweren
Irrtümern belasteten Lernprozeß eine langfristig angelegte Stra-
tegie der Kommunistischen Weltbewegung, die durch verschiedene
miteinander verbundene Etappen die führende Rolle der Arbeiter-
klasse im Kampf um Demokratie, gegen Faschismus und für Frieden
verknüpfte mit dem Kampf um den Sozialismus. Die wichtigste Zwi-
schenstation dieses Lernprozesses war der VII. Weltkongreß der
Kommunistischen Internationale 1935.
Aber der mit der Oktoberrevolution eingeleitete Formationswechsel
war global und reichte über den eurozentrischen Blickwinkel weit
hinaus. Lenin und die Kommunistische Internationale, besonders
deren II. Weltkongreß 1920, gaben den unterdrückten Völkern vor
allem Asiens und Afrikas die begründete Perspektive eines, wenn
auch höchst schwierigen, nichtkapitalistischen Entwicklungswegs.
Es entstand die Konzeption eines neuen, demokratischen und anti-
imperialistischen Typs von Volksrevolution unter Führung der Ar-
beiterklasse im imperialistischen Stadium des Kapitalismus. Nach
der Herausbildung des sozialistischen Weltsystems und dem Auf-
schwung der nationalen Befreiungsbewegungen in den Entwicklungs-
ländern erhielt der Prozeß des Formationswechsels zum Sozialismus
eine neue Qualität. "Hauptinhalt unserer Epoche ist der Übergang
vom Kapitalismus zum Sozialismus", hieß es im Schlußdokument der
Beratung der Kommunistischen und Arbeiterparteien 1957. 54)
Die beiden darauffolgenden Beratungen 1960 und 1969 bestätigten
und präzisierten diese Einschätzungen und definierten drei revo-
lutionäre Hauptströme als die Subjekte dieses Prozesses. 55) Es
bildete sich die Vorstellung eines im wesentlichen einheitlichen,
in seinen Formen aber vielfältigen und ungleichzeitigen weltwei-
ten Prozesses des Übergangs zur sozialistischen Formation. Aller-
dings dominierte in dieser Zeit nicht nur die Erwartung, dieser
Prozeß werde bei allen Problemen doch relativ rasch vor sich ge-
hen, und zwar sowohl in den kapitalistischen Metropolen und den
Ländern der Dritten Welt als auch bezüglich der Entwicklung des
Sozialismus, sondern er wurde auch ü b e r w i e g e n d im
Sinne eines in eine Richtung vor sich gehenden ständigen Vordrin-
gens der revolutionären Hauptströme gegen den Imperialismus auf-
gefaßt. So wurde es in den achtziger Jahren im Licht der nun
deutlicher erkannten Probleme aus kommunistischer Sicht notwen-
dig, die eigenen Aufgaben neu zu durchdenken und die , gestehen-
den ideologischen Schemata und Stereotypen" zu überwinden. 56) Es
wurde notwendig, die Vorstellungen von Inhalt, Formen, Wegen und
Bedingungen der sozialistischen Revolution im Weltmaßstab zu
überdenken.
Auch heute ist "im Grunde genommen eine überaus tiefe soziale Re-
volution im Gange, die im Oktober ihren Ursprung hat. Doch ihre
Dauer, das Neue an ihr, ihre Ungleichmäßigkeit, die Korrespondenz
und Koexistenz progressiver Veränderungen und Rückschläge, die
Ablösung und wechselseitige Verbindung der revolutionären und
evolutionären Prozesse machen alle logischen, nach alten Lehrbü-
chern zusammengestellten Schemata zu einem leblosen Gerippe." 57)
Der Kern des vor sich gehenden Formationswechsels ist heute wie
1917 der Übergang zum Sozialismus/Kommunismus. Er bildet die
"Haupttendenz" und das "Hauptresultat", aber er vollzieht sich
weniger denn je in "reiner" Form. Einzelne Teile und Abschnitte
dieses Gesamtprozesses besitzen relativ eigenständige Bedeutung;
ihre spezifischen Gesetzmäßigkeiten gehen nicht vollständig in
die Gesetzmäßigkeit des revolutionären Weltprozesses ein. 58) Be-
merkenswert ist dabei, daß der - eigentlich nicht neue - Zusam-
menhang "von sozialer Befreiung, demokratischen Veränderungen,
Unabhängigkeit und nationaler Neugeburt... immer wichtiger und
wesentlicher" wird und eine sozialistische Revolution nur noch
als Ergebnis eines längerfristig vorzustellenden, etappenreichen
und vielschichtigen "Ringens für Frieden, Sicherheit, Demokratie,
nationale Unabhängigkeit und sozialen Fortschritt" 59) denkbar
ist. Diesen Zusammenhang nennt Eichhorn mit Recht "strategisch".
60)
In diesem Prozeß wirken beide Formationen in hohem Maße aktiv
aufeinander ein 61) - es handelt sich also nicht einfach nur um
das lineare, mehr oder weniger rasche Vordringen der sozialisti-
schen gegen die kapitalistischen Kräfte, um einen linear aufstei-
genden Prozeß sozialistischer bzw. einen analog absteigenden Pro-
zeß kapitalistischer Entwicklung. Dies wäre ein evolutionäres,
undialektisches Fortschrittsverständnis. 62) Die Entfaltung von
Widersprüchen und Vertiefung von Krisen in den Übergangs- und Um-
bruchprozessen der Gegenwart führt einerseits immer wieder zur
Möglichkeit revolutionärer Brüche 63), auf der anderen Seite fin-
den an solchen Wendepunkten wie dem derzeitigen tiefen Umbruch
der Produktivkraftentwicklung die Kräfte des Alten und der Behar-
rung Ansatzpunkte zur Systemstabilisierung, zumal wenn die Haupt-
kräfte revolutionärer Veränderung und vor allem der Sozialismus
ihr Potential noch nicht voll entfaltet haben.
Es handelt sich im wesentlichen um einen langandauernden Prozeß
der praktischen Beantwortung der Grundfrage des Nuklearzeital-
ters, nämlich, welche Formation "den entscheidenden Beitrag zur
Überwindung der kritischen Momente leisten (wird), die in der
Entwicklung der Zivilisation entstanden sind." Nach marxistischer
Überzeugung wird das der Sozialismus sein. Er besitzt potentiell
die Fähigkeit, "der Menschheit den Durchbruch zu einem prinzipi-
ell anderen, sie rettenden Ufer" zu ermöglichen. 64)
4. Eine Weltfriedensordnung mit den Antagonisten
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Bis vor gar nicht allzulanger Zeit gehörte es zu den durchaus
wohlbegründeten theoretischen Grundpositionen des Marxismus, daß
ein gesicherter und dauerhafter Weltfrieden erst durch den Sieg
des Sozialismus über den Imperialismus möglich werde, der die so-
zialen Grundlagen von Rüstung und Krieg beseitige. Auch unter den
Bedingungen des Nuklearzeitalters bleibt es richtig, daß der So-
zialismus die geeignetste Basis für eine dauerhafte Friedensord-
nung wäre. Allerdings widerspiegelt diese Auffassung heute nur
noch eine von verschiedenen Seiten eines widersprüchlichen Pro-
zesses. Die nukleare Existenzgefährdung der Menschheit hat auch
im Verhältnis von Frieden bzw. Krieg und Fortschritt eine tiefe
Zäsur entstehen lassen.
Die Oktoberrevolution hatte mit der Französischen Revolution noch
gemeinsam, daß in ihrem Verlauf Frieden und Fortschritt nur lose
miteinander verbunden oder sogar Gegensätze waren 65): Revolution
und Krieg konnten unter konkreten Umständen zusammengehören. We-
der die Jakobiner noch die Bolschewiki waren Gegner eines jeden
Krieges. Anders als die Jakobiner allerdings, die zwar in konkre-
ten Situationen den Krieg abgelehnt hatten, denen sich aber die
völlige Abschaffung des Krieges als Problem noch gar nicht
stellte, konnten Lenin und die Bolschewiki, an Marx und Engels
anknüpfend, schon praktisch die Aufgabe formulieren, durch den
Sozialismus die Klassen aufzuheben und damit den Krieg. 66) Den
Jakobinern vergleichbar, aber sehr viel konsequenter, waren die
Bolschewiki auch Gegner eines militärischen Exports der Revolu-
tion. 67)
Mit der Notwendigkeit, den Sozialismus in einem Land aufbauen und
damit eine Konzeption der friedlichen Koexistenz erarbeiten zu
müssen, modifizierte und ergänzte Lenin seine Position zum Ver-
hältnis von Krieg und Revolution. Der Gedanke, friedliche Bezie-
hungen zwischen Sozialismus und dem weiterexistierenden mächtigen
imperialistischen Staatensystem organisieren zu müssen, trat
stärker in den Vordergrund. So lange die Bolschewiki allerdings
noch mit einem raschen Fortschreiten des revolutionären Weltpro-
zesses rechneten, lag auch der Gedanke nahe, die friedliche Ko-
existenz sei eine Art" Atempause" und eine besondere Bewegungs-
form des Klassenkampfes, in dem im übrigen Kriege unvermeidlich
blieben. Erst um 1924 setzten Überlegungen ein, die friedliche
Koexistenz zu einem dauerhaften Konzept auszuarbeiten. Sie wurden
mit dem Ziel der Abrüstung und - nach 1933 - mit dem Konzept der
kollektiven Sicherheit verbunden. 68)
Die nächste wichtige Etappe in der Weiterentwicklung des Konzepts
der friedlichen Koexistenz und der Erörterung der Beziehungen von
Frieden und Revolution waren, nach der Herausbildung des soziali-
stischen Weltsystems und im Zusammenhang damit, der 20. Parteitag
der KPdSU 1956 und die erwähnte internationale Beratung der Kom-
munistischen und Arbeiterparteien 1957. Sie formulierten die Er-
kenntnis, der Imperialismus bilde zwar nach wie vor die Grundlage
eines Aggressionskrieges, doch seien die Kräfte des Friedens un-
ter Umständen stark genug, einen solchen Krieg zu verhindern. Die
Frage der friedlichen Koexistenz sei zum Grundproblem der Weltpo-
litik geworden. 69) Dies berührte konsequenterweise nicht die
Auffassung, ein gesicherter Weltfrieden sei erst nach der Besei-
tigung des Imperialismus möglich.
Heute allerdings gebieten die akute Ernsthaftigkeit der globalen
Gefahrdungssituation und die begründete Aussicht, daß Kapitalis-
mus und Sozialismus noch auf sehr lange Sicht miteinander koexi-
stieren werden, einen Atomkrieg und eine militärische Konfronta-
tion zwischen den Blöcken hier und jetzt zu verhindern und eine
dauerhafte Weltfriedensordnung mit den bestehenden antagonisti-
schen Systemen zu schaffen. Die Aufgabe der Sicherung des Frie-
dens darf also nicht (mehr) an die Bedingung der revolutionären
Überwindung des Kapitalismus geknüpft werden - auch wenn die
Atomkriegsgefahr letztlich im Kapitalismus ihre Grundlage hat.
70) In diesem Punkt gehört auch das Clausewitzsche Denken endgül-
tig der Vergangenheit an.
5. Historische Mission der Arbeiterklasse im Nuklearzeitalter
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Diese Auffassung kann auf das theoretische Verständnis der histo-
rischen Mission der Arbeiterklasse nicht ohne Wirkung bleiben.
Frühere Epochen besaßen in den Äußerungen ihrer fortgeschritten-
sten Köpfe durchaus Ideen von einem Menschheitsinteresse an einem
neuen Weltzustand. Die Sansculotten forderten von der revolutio-
nären Bourgeoisie die Einlösung ihrer Versprechungen von Glück
und Frieden; Leclerc und Roux entwarfen weit über die Tagespoli-
tik hinausreichende revolutionäre Perspektiven, die in Babeufs
Lehre von der Gleichheit erstmals die Kommunistische Idee hervor-
trieben. 71) Für die Verwirklichung dieser Ideen mangelte es aber
noch an der materiellen Grundlage und vor allem an einem ge-
schichtlichen Subjekt.
Dieses entstand mit dem Kapitalismus und der modernen Arbeiter-
klasse. Von ihr konnte Marx mit Recht sagen, daß sie "eine neue
Gesellschaft" errichten werde, "deren internationales Prinzip der
Friede sein wird, weil bei jeder Nation dasselbe Prinzip herrscht
- die Arbeit!" 72) Damit entsprachen die Klasseninteressen des
Proletariats auch dem allgemeinen Menschheitsinteresse, und die
Oktoberrevolution gab diesem Zusammenhang materielle Gestalt.
Heute besteht abermals eine neue Situation. "Zum ersten Mal über-
haupt hat sich ein reales, nicht spekulatives und abwegiges all-
gemeinmenschliches Interesse gebildet - die Rettung der Mensch-
heit vor der Katastrophe." 73) Es liegt auf der Hand, daß diesem
Interesse Priorität zukommt vor Partikularinteressen, und diese
Erkenntnis ist für den Marxismus zunächst nicht neu. Lenin
schrieb bereits 1899, daß "vom Standpunkt der Grundideen des Mar-
xismus ... die Interessen der gesellschaftlichen Entwicklung hö-
her (stehen) als die Interessen des Proletariats." 74)
In der marxistischen Theorie überwog allerdings bisher die Auf-
fassung, das Menschheitsinteresse an der Abschaffung von Krieg
und Ausbeutung werde über die Durchsetzung der Klasseninteressen
der Arbeiterklasse gegen den Kapitalismus verwirklicht. Die Ar-
beiterklasse werde, indem sie sich selbst als herrschende Klasse
etabliere, den Sozialismus/Kommunismus errichten, also die klas-
senlose Gesellschaft, und damit sich selbst und alle Klassen auf-
heben. Menschheitsinteressen würden demnach über die proletari-
schen Klasseninteressen und in Abhängigkeit von ihnen realisiert;
in diesem Sinne vertrete die Arbeiterklasse über die eigenen
Klasseninteressen hinaus klassenlose und klassenübergreifende
Ziele. Heute wird gelegentlich, wenn vom Primat der Gattungsin-
teressen gesprochen wird, formuliert, die historische Mission der
Arbeiterklasse erweitere sich. Das stimmt in gewisser Weise, kann
aber dahingehend mißverstanden werden, die Arbeiterklasse mache
sich nun auch Forderungen und Ziele zu eigen, die sie früher
nicht vertreten habe. Denn selbstverständlich hat die Arbeiter-
klasse auch früher für Frieden und Abrüstung gekämpft, und zwar
auch unabhängig von sozialistischen Zielvorstellungen. Nun aber
hat das Gattungsinteresse am Überleben einen eigenständigen stra-
tegischen Stellenwert erhalten. Es ist nicht (mehr) möglich,
seine Verwirklichung von der Durchsetzung der proletarischen
Klasseninteressen abhängig zu machen, es ihnen sozusagen nach-
zuordnen.
Der Kampf der Arbeiterklasse um den Sozialismus und ihr Beitrag
zur Schaffung einer dauerhaften Weltfriedensordnung unabhängig
von der Errichtung des Sozialismus bilden zwei miteinander ver-
bundene, aber unterschiedliche Aufgabenstellungen. 75) Es wäre
unzulässig und unsinnig, sie in der Art einer zeitlichen Abfolge
auffassen zu wollen: erst Frieden sichern, dann den Sozialismus
errichten. Ihr Zusammenhang ist vielmehr logisch-dialektischer
Natur. Sie fallen nicht zusammen, stehen aber auch nicht zusam-
menhanglos hinter- oder nebeneinander. Sie bedingen sich: Frieden
ist die Voraussetzung für alle Prozesse des sozialen Fort-
schritts. Dieser Primat der Gattungsinteressen gilt nicht nur für
bestimmte Phasen oder Formen der Klassenkämpfe, sondern von nun
an immer und prinzipiell. Es existiert sozusagen ein universales
Prinzip der Koexistenz.
Alle sozialen Kräfte, wo auch immer auf der Welt, die sich für
Frieden und Abrüstung engagieren, werden dies sowohl aus einem
spezifischen Klasseninteresse als auch in gewissem Grade aus Ein-
sicht in die Überlebensinteressen der Gattung tun. In diesem
Klasseninteresse widerspiegeln sich die übergreifenden Mensch-
heitsinteressen mehr oder weniger adäquat, mehr oder weniger
vollständig. Keiner der an einer Koalition der Vernunft und des
Überlebens beteiligten Partner kann und wird also von seinen be-
sonderen Motivationen, Interessen und Zielvorstellungen abstra-
hieren, aber jeder wird sie den allgemeinen Überlebensinteressen
unterordnen (müssen), damit sein Beitrag wirklich konstruktiv
sei.
Die Klasseninteressen der Arbeiterklasse - und somit auch die In-
teressen der als Staatsmacht konstituierten Arbeiterklasse, des
Sozialismus - nehmen das Gattungsinteresse am Überleben adäquat
und vollständig, nicht nur teilweise, in sich auf.
Ein Menschheitsinteresse am Überleben muß heute aber bei
a l l e n Klassen - auch bei der Monopolbourgeoisie - als objek-
tiv existent angenommen werden. Es äußert sich jedoch auf sehr
unterschiedliche Weise und steht zu den jeweiligen Klasseninter-
essen in einem mehr oder weniger spannungsvollen Verhältnis. Die
Arbeiterklasse macht ihr Engagement für das Überleben der Mensch-
heit nicht davon abhängig, ob dabei auch für revolutionäre Ziel-
setzungen Fortschritte erreicht werden.
6. Nuklearzeitalter und der Charakter unserer Epoche
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Die heutige Welt bildet eine Einheit; sie ist "widersprüchlich,
voll sozialer und politischer Unterschiede, aber trotzdem zusam-
menhängend und in hohem Maße ganzheitlich." 76)
Die derzeit vor sich gehende Revolutionierung der Produktiv-
kräfte, das hohe Maß an Vergesellschaftung und die rasch zuneh-
mende Internationalisierung des politischen, ökonomischen, kul-
turellen usw. Lebens haben die räumlichen und zeitlichen Distan-
zen verringert und das Einzeldasein von Völkern und Ländern unwi-
derruflich beendet. 77) Daraus und aus der Existenz eines Gat-
tungsinteresses am Überleben folgt auch, daß die Menschheit ins-
gesamt beginnt, sich als ganzheitliches Subjekt gesellschaftli-
cher Veränderung zu begreifen und zu konstituieren - einer Verän-
derung, die in Richtung auf eine stabile Weltfriedens- und Si-
cherheitsordnung abzielt. 78)
Die Auffassung von der "Einheit" oder "Ganzheit" der Welt teilen
Marxisten mit so unterschiedlichen bürgerlichen Denkern wie Georg
Picht, Carl-Friedrich von Weizsäcker, Ernst Tugendhat 79) oder
Hans Jonas. 80) Allerdings macht sie das nicht blind für die ent-
scheidende Verantwortung des Imperialismus am Zustandekommen der
gegenwärtigen Probleme; diese sind in ihren Wirkungen zwar klas-
sen- und länderübergreifend, in ihren Ursachen aber keineswegs
"klassenunspezifisch". 81) Vielmehr ist die der kapitalistischen
Produktivkraftentwicklung innewohnende - und sich ebenfalls immer
weiter entfaltende - destruktive Seite ein charakteristisches
Merkmal des Kapitalismus, das bereits von Marx - wenn auch noch
unter viel weniger entwickelten Bedingungen - beschrieben wurde.
82)
Da sich in der gegenwärtigen Epoche zwei nicht deckungsgleiche
Tendenzen - klassenspezifische, zum Sozialismus treibende, und
gattungsspezifische, eine internationale Weltfriedensordnung an-
strebende - überlagern, ist sie nicht "allein durch die revolu-
tionären Hauptströmungen unserer Zeit" geprägt, sondern auch
"durch die ja überwiegend keineswegs auf den Sozialismus zielen-
den demokratischen Massenbewegungen." 83) Demnach könnte man von
unserer Epoche heute auch sprechen als einer "Epoche des Kampfes
der Haupttriebkräfte der gesellschaftlichen Entwicklung - des
Weltsozialismus, der Arbeiterbewegung, der Völker der national
befreiten Staaten und der demokratischen Massenbewegungen - gegen
den Imperialismus, gegen seine Politik der Aggression und Unter-
drückung, für Frieden, Demokratie und sozialen Fortschritt." 84)
Aus dieser Ergänzung ergibt sich auch die Notwendigkeit, die
"gewohnte ... Formel über die ständige Vertiefung der allgemeinen
Krise des Kapitalismus" 85) kritisch zu überprüfen. Dieser Be-
griff meint zunächst und sehr zutreffend, daß der Imperialismus
als weltbeherrschendes System mit der Entstehung des realen So-
zialismus als gesellschaftliche Alternative in die historische
Defensive geraten ist. In den fünfziger und sechziger Jahren war
diese Auffassung allerdings noch sehr stark mit der Erwartung
verbunden, mit dem Imperialismus werde es unter den Angriffen der
vereinten revolutionären Hauptströme auch aktuell-politisch recht
schnell immer weiter bergab gehen, während die Kräfte der Revolu-
tion und des Sozialismus in einem zwar nicht immer gleich ra-
schen, aber doch permanenten und kontinuierlichen Prozeß des Auf-
schwungs begriffen seien. Die politischen Erfahrungen jener Jahre
konnten für solche Schlußfolgerungen auch zunächst durchaus Anlaß
geben. Heute allerdings besteht die Kompliziertheit und Wider-
sprüchlichkeit unserer Epoche auch darin, daß in b e i d e n
antagonistischen sozialen Systemen Potenzen und Kräfte zur Ret-
tung der Menschheit freigesetzt werden können und müssen, daß in
b e i d e n Systemen dafür (allerdings ungleiche) objektive Vor-
aussetzungen gegeben sind und daß die Menschheit auf solche Lö-
sungsbeiträge beider Seiten angewiesen ist. In diesem Systemwett-
bewerb, der Konflikt und Kooperation einschließt, wird sich unter
sozusagen gleichberechtigten Bedingungen herausstellen, welches
System die überzeugenderen Antworten auf die globalen Herausfor-
derungen geben kann. 86)
7. Koexistenz und Offenheit der Geschichte
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Erhard Eppler hat der marxistischen Konzeption der friedlichen
Koexistenz angekreidet, sie sei zwar "im Prinzip friedensfähig,
... aber nicht friedensadäquat und noch weniger friedensstiftend"
87), insofern sie Koexistenz nur als eine Art vorübergehendes
Zwischenspiel - wenn auch heute von längerer Dauer - interpre-
tiere, dem der gesetzmäßige Sieg des Sozialismus auf der ganzen
Welt folgen werde. Eppler fordert vom Marxismus die Aufgabe die-
ser Position und die "Anerkennung der Offenheit der Geschichte."
88)
Das marxistische Geschichts- und Fortschrittsverständnis begreift
den Formationswechsel vom Kapitalismus zum Sozialismus allerdings
weder im Sinne einer Beliebigkeit noch einer solchen naturgesetz-
lichen Notwendigkeit, die unabhängig von menschlichem Handeln
eintritt wie eine Sonnenfinsternis, sondern als Ergebnis organi-
sierten Handelns von Klassen auf der Grundlage von Widersprüchen,
die in den jeweiligen Gesellschaften objektiv wirksam sind und
die die Akteure vorfinden. Ob, wann und wie kapitalistische Ge-
sellschaften also in sozialistische übergehen, hängt hauptsäch-
lich von der Entfaltung ihrer inneren Widersprüche ab. Dieser
Prozeß entfaltet sich in der Tat in zahlreichen komplizierten und
vielfältigen Etappen, die natürlich auch Zufalle einschließen; es
wird in ihm aber nichtsdestoweniger eine wesentliche, dominie-
rende Entwicklungsrichtung erkennbar. 89)
In den vergangenen Jahren wurde in der Tat von marxistischer
Seite oft formuliert, die friedliche Koexistenz stelle die gün-
stigste äußere Bedingung für das Erstarken des Sozialismus und
den Fortschritt revolutionärer Bewegungen in der Welt dar. 90) Es
ist durchaus nachvollziehbar, daß eine solche Formulierung von
nichtmarxistischer oder auch dezidiert bürgerlicher Seite als Be-
drohung wahrgenommen werden kann. Trotzdem stimmt es, daß sowohl
der Sozialismus als auch systemüberwindende und systemkritische
Kräfte in kapitalistischen Ländern unter Bedingungen des Friedens
die relativ günstigsten Entwicklungsbedingungen finden. Aller-
dings darf das nicht dahingehend mißverstanden werden, friedliche
Koexistenz solle eine Art "Einbahnstraße" zugunsten des Sozialis-
mus und "Vehikel" zur besseren Beförderung der Revolution sein.
Die Kehrseite der Medaille ist nämlich - so ist eben die Logik
des Nuklearzeitalters ", daß es auch für den Kapitalismus keine
günstigere Entwicklungsbedingung gibt als Frieden und friedliche
Koexistenz.
Dieses Neben- und perspektivisch auch Miteinander der antagoni-
stischen Systeme läßt in der Tat eine gewisse Variabilität der
Geschichte zu. Allerdings muß e i n e "Alternative", nämlich
der Untergang der Menschheit durch eine atomare oder ökologische
Katastrophe, kategorisch ausgeschlossen werden. In d i e s e
Richtung darf Geschichte nicht offen sein. Nur wenn das gelingt,
bleibt Offenheit für humanen und sozialen Fortschritt. Gewißheit
darüber im Sinne eines Automatismus gibt es nicht - aber wenn
menschliches Handeln sozialen Fortschritt durchsetzt, dann ist es
auch ein Stück auf dem Weg zu einer höheren Gesellschaftsforma-
tion.
Niemand, der diese Auffassung nicht teilt, muß es als Bedrohung
empfinden, wenn Marxisten der Überzeugung sind, die Realisierung
einer humanistischen und sozial fortschrittlichen Zukunftsper-
spektive für die ganze Menschheit könne am besten unter Bedingun-
gen gesellschaftlicher Beherrschung der Produktivkraftentwick-
lung, d.h. unter Bedingungen des Sozialismus gesichert werden. Um
das Wo, Wie und Wann der Verwirklichung dieser Vorstellung wird
auch weiterhin gestritten und gekämpft werden - und wird und kann
nur unter Bedingungen des Friedens gekämpft werden. In diesem
Sinne ist die Geschichte offen.
8. Koexistenz und Klassenkampf
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Koexistenz in der Gegenwart bedeutet: Alle sitzen "in einem
Boot", und man muß "sich so bewegen ... , daß dieses Boot nicht
kentert." 91) Die Bewegung hört also nicht auf; der Kampf um eine
Weltfriedensordnung, die nicht mehr rücknehmbar ist, die keine
gesellschaftlichen Grundlagen von Rüstung und Krieg mehr auf-
weist, die Bedingungen für Produktivkraftentwicklung ohne De-
struktion sichert, geht weiter, kann aber nur unter Verhältnissen
des Friedens, des Nicht-Krieges, der Ab-Rüstung und Ent-Spannung
erfolgreich sein. Insofern ist friedliche Koexistenz die ent-
scheidende objektive Existenz- und Entwicklungsbedingung für alle
sozialen Kräfte und Systeme, die die Welt von heute gestalten und
verändern.
Das setzt auch für den Kapitalismus die Existenz eigener Interes-
sen an Koexistenz, Frieden und Abrüstung voraus - ein Problem,
das hier aus Platzgründen nicht näher erörtert werden kann. 92)
Knapp gesagt, geht es aber nicht nur darum, ihn "gegen seinen
Willen" zu vernünftigem Verhalten zu zwingen - so die traditio-
nelle Auffassung ", sondern ihn in der auch für ihn neuen Gefähr-
dungssituation (die auch dem Monopolkapital aus Eigeninteresse
diktierte globale Sichtweisen aufnötigt) zu veranlassen, den Ten-
denzen ökonomischer Dysfunktionalität und politischen Legitimati-
onsverlustes von Militarismus und militärischer Stärke Rechnung
zu tragen und die auf dem heutigen Niveau der Produktivkraftent-
wicklung rasch wachsenden politischen Eingriffs- und Gestaltungs-
möglichkeiten zu nutzen. Wichtig ist hier die Bedeutungszunahme
politischer Herrschaftsvarianten und Differenzierungen im Kapita-
lismus selbst. Weniger denn je handelt es sich hier um einen mo-
nolithischen Block.
Die bloße Abwesenheit von militärischer Konfrontation ist heute
eine zwar notwendige, aber nicht hinreichende Bedingung von Ko-
existenz. Dazu gehören umfassende internationale, systemübergrei-
fende Instrumentarien und Organisationen ökonomischer, politi-
scher, wissenschaftlich-technischer Kooperation usw., des kul-
turellen Austausches und selbstverständlich auch der Zusammenar-
beit in Fragen der Abrüstung, Rüstungskontrolle und der defensi-
ven Angleichung der militärischen Doktrinen. 93) Es heißt hier
vor allem, Abschied zu nehmen von allen Strategien einseitigen
Sicherheitszugewinns auf Kosten anderer durch Aufrüstung und mi-
litärische Stärke. 94) Michail Gorbatschow hat vorgeschlagen, die
Organisationen der UNO mehr zu Instrumenten solcher Kooperation
auszubauen. 95)
Dabei kann und will ein System kooperativer Koexistenz keine
Festschreibung des Status quo sein. Die Wirkung der Koexistenz
auf den Fortgang oder Nichtfortgang von Klassenkämpfen ist ambi-
valent: Sie kann (und muß) gegensätzlichen sozialen Kräften opti-
male Entwicklungsbedingungen bieten. Sowohl Sozialismus als auch
Kapitalismus können von ihr profitieren, können aus Abrüstung und
internationaler Kooperation politische, ökonomische, technologi-
sche usw. Spielräume und Vorteile erwerben.
Es liegt in der Natur der Sache, wenn Teile der herrschenden Eli-
ten des Kapitalismus auf solchen Überlegungen sogar flexiblere
und primär nichtmilitärische Überlegenheitsstrategien aufbauen
wollen. Koexistenz kann also u.U. durchaus Elemente der Stabili-
sierung des Kapitalismus freisetzen. Das ist allerdings nur eine
Seite; die Kehrseite wäre offensichtlich, daß auch der Sozialis-
mus günstigere Entwicklungsbedingungen erhielte und Potenzen zur
inneren Stabilisierung und Effektivierung als auch zu größerem
außenpolitischem Einfluß entfalten könnte. Das würde ihn in sehr
viel höherem Maße als gegenwärtig in die Lage versetzen, der
Struktur der internationalen Beziehungen den Stempel des Friedens
und der Kooperation aufzudrücken. Eine solche internationale Ent-
wicklung entspräche vollständig und ohne Abstriche den Wesenszü-
gen sozialistischer Produktionsverhältnisse.
Prozesse der Bildung einer weltweiten Koalition der Vernunft und
des Überlebens einerseits und der Entfaltung des sozialen Fort-
schritts mit systemüberwindender Perspektive andererseits laufen
mithin nicht parallel und auch nicht in jedem Fall synchron. Sie
können sogar zeitweilig auseinanderklaffen. Sie stehen in einem
spannungsvollen Verhältnis, das auch die Beziehungen zwischen den
verschiedenen revolutionären Strömungen und staatlichen Mächten
in der Welt beeinflußt: Sie beruhen auf objektiven Gemeinsamkei-
ten, können aber auch durch Widersprüche geprägt sein. So bringt
der komplizierte wechselseitige Prozeß von Koexistenz und Klas-
senkampf sowohl Momente des Einhaltens, der Bedachtsamkeit, aber
auch des Bruchs und der revolutionären Beschleunigung mit sich.
96)
Die Durchsetzung einer Kurskorrektur im Kapitalismus zu einer re-
alistischeren, den Realitäten des Nuklearzeitalters Rechnung tra-
genden Politik, die offensichtlich auch mit der Ablösung der kon-
servativ-aggressiven durch eine zivilere, reformorientierte Vari-
ante staatsmonopolistischer Politik verbunden wäre, könnte in den
betreffenden Ländern also einerseits neue Integrationsund Flexi-
bilisierungspotentiale freisetzen, andererseits wäre sie aller
Voraussicht nach auch begleitet von Einflußgewinnen fortschritt-
licher und linker Veränderungspotenzen und dem Druck demokrati-
scher Bewegungen und der Arbeiterbewegung - und in ihrer Entfal-
tung sogar davon abhängig. 97) Es gibt keine spontane Selbstent-
wicklung des Kapitalismus in eine reformorientierte Richtung aus
höherer Einsicht in die Logik des Nuklearzeitalters (obwohl bei
einzelnen seiner Repräsentanten solche Einsichten entstehen kön-
nen), sondern es bedarf dazu des Einflusses und der Stärkung der
Arbeiter- und Friedensbewegung und anderer demokratischer Bewe-
gungen in diesen Ländern selbst, sowie der Stärkung der revolu-
tionären Kräfte im Weltmaßstab und der weiteren Veränderung des
internationalen Kräfteverhältnisses.
Eine reformorientierte SMK-Variante, die fähig wäre, die in einem
internationalen Sicherheitssystem liegenden Vorteile wahrzuneh-
men, wäre auch gekennzeichnet durch tiefe Eingriffe in überkom-
mene ökonomische Strukturen und eine Hinwendung zu politisch ver-
mittelten langfristigen Verwertungsinteressen. 98) Darin wären
zwangsläufig auch Elemente der Überwindung des Kapitalismus
selbst enthalten, die das Heranreifen weiterer demokratischer und
antiimperialistischer Veränderungen ermöglichen könnten. Für die
revolutionäre Strömung der Arbeiterbewegung, die es in einem Land
wie der BRD voraussichtlich für lange Zeit mit einer nichtrevolu-
tionären Situation zu tun haben wird, schließt das eine umfas-
sende, wissenschaftlich begründete und radikale Reformstrategie
mit systemüberwindender Perspektive ein.
Die ganze Menschheit steht am Anfang eines geschichtlich neuen
Lernprozesses in einer Übergangsepoche, die das "Ende der Vorge-
schichte der Menschheit" 99) und das Auffinden eines Weges zum
neuen Weltzustand beinhaltet, der allen Menschen ermöglicht, in
einem demokratischen Planungsund Entscheidungsprozeß die selbst
geschaffenen gewaltigen Produktivkräfte durch gesellschaftliche,
menschheitliche Vernunft zu beherrschen. So setzt die rasende
Entwicklung der Produktivkräfte als Destruktivkräfte unter den
Bedingungen der Einheit der Welt sehr rasch die Eigentumsfrage
auf die Tagesordnung. 100) Mit Sicherheit kann der Weg in eine
neue Weltordnung nur über die Überwindung der Strukturen des Mi-
litarismus und Neokolonialismus gehen, erfordert er, die Aneig-
nung der produzierten gesellschaftlichen Werte durch kleine mono-
polistische Machtgruppen dauerhaft zu verhindern.
Die Arbeiterbewegung, die Friedensbewegung und andere demokrati-
sche Bewegungen sind einerseits Bestandteil einer partei- und
klassenübergreifenden Koalition der Vernunft und des Realismus,
andererseits sind sie - auf unterschiedliche Weise - auch Ele-
mente eines sich formierenden gesellschaftlichen Veränderungspo-
tentials.
Auch der Kampf um Frieden und Abrüstung selbst hat aus der Inter-
essenlage der Arbeiterklasse heraus zwei Seiten. Die gattungsspe-
zifische, klassenübergreifende Seite besteht darin, daß sich in
ihr das allgemeine Menschheitsinteresse an umfassender Koexistenz
widerspiegelt. Die klassenspezifische Seite schließt unter den
konkreten bundesdeutschen Bedingungen den Kampf gegen den Mili-
tär-Industrie-Komplex, gegen die Betreiber und Nutznießer von Rü-
stung und Politik militärischer Stärke und gegen die gesell-
schaftlichen Strukturen ein, die derartige Interessen materiell
begründen. Zwischen beiden wirkende Widersprüche sind real und
daher theoretisch nicht aufhebbar. "Vom Standpunkt der Soziali-
sten formuliert müßte, die Mißachtung der einen Seite zur Ver-
nichtung der Menschheit führen und die der anderen Seite zur Ka-
pitulation vor dem Imperialismus." Das darin liegende Dilemma zu
bewältigen, ist eine "kontinuierliche Gestaltungsaufgabe." 101)
_____
1) Erklärung der Rechte des Menschen und des Bürgers, 26. August
1789, in: Walter Markov, Revolution im Zeugenstand. Frankreich
1789-1799, Band 2, Gesprochenes und Geschriebenes, Leipzig 1986,
S. 105.
2) S. Karl Marx, Zur Judenfrage, in: Marx-Engels-Werke (MEW), Bd.
1, S. 364 f.
3) Albert Soboul, Die Große Französische Revolution, Frankfurt/M.
1973, S. 125; s. a. ebd., 148 ff.
4) Zit. in: Walter Markov, Revolution im Zeugenstand, a.a.O., Bd.
1, Aussagen und Analysen, S. 158.
5) Dekret über den Frieden, in: Lenin-Werke, Berlin/DDR 1961 ff.,
Bd. 26, S. 239.
6) Georg Grasnick. Roter Oktober - Beginn einer neuen Epoche im
Kampf um den Frieden, in: IPW-Berichte, 10/87, S. 1.
7) Ebd., S. 4.
8) S. Michail Gorbatschow, Perestroika. Die zweite russische Re-
volution, München 1987, S. 175 f.; ders., Für eine Welt ohne
Kernwaffen, für das Überleben der Menschheit. Rede vor den Teil-
nehmern des internationalen Friedensforums in Moskau, in: Unsere
Zeit, 19. 2. 1987, S. 5.
9) S. dazu ausführlicher Jürgen Reusch, Alternative Sicherheits-
politik im Nuklearzeitalter, Köln 1988, bes. Kapitel 5.
10) Georgij Schachnasarow, Zur politischen Logik des Nuklearzeit-
alters, in: Blätter für deutsche und internationale Politik,
11/84, bes. S. 1381.
11) Die Betonung liegt auf unbedingt. S. dazu Ernst Tugendhat,
Nachdenken über die Atomkriegsgefahr und warum man sie nicht
sieht, (West-)Berlin 1986, S. 23.
12) So kritisch Hans-Jörg Sandkühler auf der IMSF-Tagung "Die
Linke und der Fortschritt", Mai 1987. S. dazu den Tagungsbericht
gleichen Titels von Alma Steinberg in: Marxistische Studien.
Jahrbuch des IMSF, 13, Frankfurt/M. 1987, S. 387.
13) S. vor allem Wadim Sagladin/Iwan Frolow, Globale Probleme der
Gegenwart, Berlin/DDR 1982; Hermann Bömer, Die drohende Katastro-
phe. Globale Probleme der Menschheit, Frankfurt/M. 1984. Edgar
Gärtner, Die Stabilisierung der Biosphäre, in: Marxistische Stu-
dien. Jahrbuch des IMSF, 13, a.a.O., S. 52 ff.
14) Vgl. dazu die z.T. unterschiedlichen Meinungen, die auf einer
Tagung der Zeitschrift "Probleme des Friedens und des Sozialis-
mus" 1986 in Prag geäußert wurden: Heft 10/86, S. 1351 ff.
15) S. Kaspar Maase, Zwischenbilanz: Sieben Thesen zum Fort-
schritt, in: IMSF (Hrsg.), "Vernunft wird Unsinn, Wohltat Plage
...". Die Linke und der Fortschritt, Frankfurt/M. 1987, S. 157.
16) S. Heinz Jung, Imperialismustheorie und Umbruchprozesse, in:
Marxistische Blätter, 10/87, S. 69.
17) Wolfgang Eichhorn I, Theorie der Gesellschaftsformation. No-
tizen zu aktuellen Aufgaben, in: Deutsche Zeitschrift für Philo-
sophie, 11/87, S. 987.
18) Ebd.
19) S. dazu Erich Hahn, Friedenskampf und Ideologie, Berlin/DDR
1987, Manuskript, bes. S. 9.
20) Dies begründen ausführlicher Dieter Bergner/Reinhard Mocek,
Gesellschaftstheorien, Berlin/DDR 1986, bes. S. 118 ff.
21) S. Willi Gerns, Thesen zum Verhältnis von Friedenskampfund
revolutionärem Kampf, in: Marxistische Blätter, 10/87, S. 55;
ders., Friedenskampf und revolutionärer Kampf heute, in:
"Vernunft wird Unsinn, Wohltat Plage ..." Die Linke und der Fort-
schritt, a.a.O., S. 124; s.a. Wolfgang Eichhorn, a.a.O., S. 993.
22) Hans Heinz Holz, Menschheit, Natur und gesellschaftlicher
Fortschritt. Überlegungen zu Gegenwart und Zukunft, in: Marxisti-
sche Studien. Jahrbuch des IMSF, 9, Frankfurt/M. 1985, S. 85.
23) S. dazu die in Anm. 17 erwähnte Tagung der Zeitschrift
"Probleme des Friedens und des Sozialismus", a.a.O., S. 1354. Die
DKP hat diese Auffassung schon 1982 in einem programmatischen Do-
kument formuliert. S. DKP-Parteivorstand (Hrsg.), Zum Verhältnis
von Kommunisten und Pazifisten, Düsseldorf 1982.
24) W.I. Lenin, Die drohende Katastrophe und wie man sie bekämp-
fen soll, in: LW, 25, S. 373.
25) Markov, Weltgeschichte im Revolutionsquadrat, Berlin/DDR
1982, S. 105 ff.; s. weiter: ders., Revolution im Zeugenstand,
Bd. 1, a.a.O., S. 197 ff. und 272; Albert Soboul, Kurze Ge-
schichte der Französischen Revolution, (West-)Berlin 1977, S. 65
ff. S. a. die Rede des Girondisten Brissot "Das Volk muß Krieg
fuhren", in Markov, Revolution im Zeugenstand, Bd. 2, a.a.O., S.
198 ff.
26) Markov, Weltgeschichte im Revolutionsquadrat, a.a.O., S. 102
f.
27) Markov, Revolution im Zeugenstand, a.a.O., S. 200.
28) Zweite Rede Robespierres gegen den Krieg, Jakobinerklub, 2.
Januar 1792, in: Markov, Revolution im Zeugenstand, Bd. 2, S. 210
und 215 f.
29) Markov, Revolution im Zeugenstand, Bd. l, a.a.O., S. 202.
30) Markov, Weltgeschichte im Revolutionsquadrat, a.a.O., S. 111.
31) Ebd.
32) S. Friedrich Engels, Brief an Victor Adler, 4. 12. 1889, in:
MEW, 37, S. 317 f.; s.a. Markov, Revolution im Zeugenstand, Bd.
1, a.a.O., S. 342 ff.
33) W.I. Lenin, Krieg und Revolution (1917), in: LW, 24, S. 397
f.; s. a. ebd., S. 399.
34) Markov, Weltgeschichte im Revolutionsquadrat, a.a.O., S. 112.
35) Soboul, Kurze Geschichte der Französischen Revolution,
a.a.O., S. 149 und 147; s. a. ebd., S. 94ff., und ders., Die
Große Französische Revolution, a.a.O., S. 252 und 365 ff. Zu den
durch den Krieg verursachten Entbehrungen des arbeitenden Volkes,
vor allem der Frauen, s. Susanne Petersen, Marktweiber und Amazo-
nen, Köln 1987, bes. S. 106 ff.
36) Lenin, Die drohende Katastrophe und wie man sie bekämpfen
soll, LW, 25, S. 373.
37) Lenin, Krieg und Revolution, LW, 24, S. 396 f.
38) Ebd., S. 405.
39) Ebd., S. 419 und 420.
40) Ebd., S. 418.
41) S. dazu Harald Neubert, Friedliche Koexistenz und Kampf um
sozialen Fortschritt in der Gegenwart, in: Deutsche Zeitschrift
für Philosophie, 10/87, S. 866.
42) S. dazu und zum folgenden ausf.: Reusch, Alternative Sicher-
heitspolitik im Nuklearzeitalter, a.a.O., Kap. 1.2.
43) Daher wurden folgerichtig entsprechende Passagen des alten
Parteiprogramms der KPdSU auf dem 27. Parteitag 1985 gestrichen.
S. dazu auch Gorbatschow, Perestroika, a.a.O., S. 188.
44) Eichhorn, Theorie der Gesellschaftsformation, a.a.O., S. 993.
45) S. Französische Aufklärung. Bürgerliche Emanzipation, Litera-
tur und Bewußtseinsbildung, Leipzig 1979, bes. S. 622 ff.
46) Zweite Rede Robespierres gegen den Krieg, a.a.O., S. 210 f.
47) Markov, Weltgeschichte im Revolutionsquadrat, a.a.O., S. 102
f.
48) Robespierre, a.a.O., S. 212 f.
49) Ebd., S. 213.
50) Französische Aufklärung, a.a.O., S. 643 ff.; Markov, Revolu-
tion im Zeugenstand, Bd. 1, a.a.O., S. 441 ff. und 495 ff.
51) Friedrich Engels, Herrn Eugen Dührings Umwälzung der Wissen-
schaft, MEW, Bd. 20, S. 17.
52) Karl Marx/Friedrich Engels; Manifest der Kommunistischen Par-
tei, MEW, Bd. 4, S. 463 f.; Karl Marx, Die künftigen Ergebnisse
der britischen Herrschaft in Indien (1853), in: MEW, 9, S. 226.
53) Manfred Kossok, Bürgerliche Revolution - Fortschritt - Trans-
formation, in: Karl-Heinz Röder (Hrsg.), Politische Theorie und
sozialer Fortschritt, Berlin/DDR 1986, S. 40.
54) Erklärung der Beratung von Vertretern der Kommunistischen und
Arbeiterparteien der sozialistischen Länder, 14.-16. November
1957 in Moskau, in: Neues Deutschland, 22.11.1957.
55) Vgl.: Erklärung der Beratung von Vertretern der Kommunisti-
schen und Arbeiterparteien, November 1960; in: Neues Deutschland,
6.12.1960; Die Aufgaben des Kampfes gegen den Imperialismus in
der gegenwärtigen Etappe und die Aktionseinheit der Kommunisti-
schen und Arbeiterparteien, aller antiimperialistischen Kräfte.
Angenommen von der Internationalen Beratung der Kommunistischen
und Arbeiterparteien in Moskau, 17. Juni 1969, in: Internationale
Beratung der Kommunistischen und Arbeiterparteien, Moskau 1969,
Prag 1969, S. 12 ff.
56) Ansprache Michail Gorbatschows auf dem Treffen von Parteien
und Bewegungen zum 70. Jahrestag der Oktoberrevolution,
4.11.1987, Anhang zu ders., Die Revolution geht weiter. Rede zum
70. Jahrestag der Oktoberrevolution, Frankfurt/M. 1987, S. 107.
57) Ebd., S. 108.
58) S. Wolfgang Eichhorn I, Die soziale Revolution - Gesetzmäßig-
keit des Geschichtsprozesses, in: Röder, Politische Theorie und
sozialer Fortschritt, a.a.O., S. 22 f.
59) Eichhorn, Theorie der Gesellschaftsformation, a.a.O., S. 993;
s.a. ders., Die soziale Revolution ... , a.a.O., S. 31.
60) Ders., Theorie der Gesellschaftsformation, ebd.
61) Ebd. und Heinz Jung/Josef Schleifstein, Die materialistische
Geschichtsauffassung und der Charakter unserer Epoche, in: "...
einen großen Hebel der Geschichte". Marxistische Studien. Jahr-
buch des IMSF, Sonderband l, Frankfurt/M., o.J. (1982), bes. S.
44 f.
62) S. Jung/Schleifstein, a.a.O., S. 28 und 38 f.
63) S. Heinz Jung, Umbruchperiode? Die BRD bis zum Jahr 2000, in:
Marxistische Studien. Jahrbuch des IMSF, 9, a.a.O., bes. S. 13 f.
64) Gorbatschow, a.a.O., S. 108; s.a. Eichhorn, a.a.O.
65) Zum Verhältnis von Krieg/Frieden und Fortschritt, s. Chri-
stoph Butterwegge, Überlegungen zum Verhältnis von Frieden und
Fortschritt, in: IMSF, "Vernunft wird Unsinn, Wohltat Plage...".
Die Linke und der Fortschritt, a.a.O., S. 128 ff.
66) Lenin, Krieg und Revolution, a.a.O., S. 396.
67) S. dazu ausführlicher: Karl Drechsler/Fritz Klein/Ernst La-
boor, Die Entwicklung der Konzeption der friedlichen Koexistenz
von Staaten unterschiedlicher Gesellschaftsordnung von 1917 bis
zur Gegenwart, in: Friedliche Koexistenz. Erfahrungen - Chancen -
Gefahren, hrsg. vom Forschungsbereich Gesellschaftswissenschaften
der Akademie der Wissenschaften der DDR, Berlin/DDR 1987, S. 11;
vgl. auch Georg Grasnick, Roter Oktober ... , a.a.O., S. 3.
68) S. zu dieser Problematik ausführlich und mit vielen Litera-
turhinweisen: Drechsler/Klein/Laboor, Die Entwicklung der Kon-
zeption der friedlichen Koexistenz ..., a.a.O., S. 11 ff.
69) Vgl. Rechenschaftsbericht des Zentralkomitees der KPdSU an
den 20. Parteitag, Referat des 1. Sekretärs des ZK der KPdSU, Ni-
kita S. Chruschtschow, in: 20. Parteitag der KPdSU, Düsseldorf
1956, bes. S. 33 f. Erklärung der Beratung... 1957, a.a.O.; s.
dazu ausführlich Reusch, Alternative Sicherheitspolitik im Nukle-
arzeitalter, a.a.O.
70) S. Jürgen Reusch, Überleben oder Revolution?, in: IMSF, Die
Linke und der Fortschritt, a.a.O., S. 120.
71) S. Karl Marx/Friedrich Engels, Die heilige Familie (1844),
MEW, 2, S. 126; vgl. Werner Hofmann, Ideengeschichte der sozialen
Bewegung des 19. und 20. Jahrhunderts, (West-)Berlin 1968, S. 41
ff.
72) Karl Marx, Erste Adresse des Generalrats über den Deutsch-
Französischen Krieg (1870), MEW, 17, S. 7.
73) Michail Gorbatschow, Perestroika, a.a.O., S. 187.
74) Lenin, Entwurf eines Programms unserer Partei, in: LW, 4, S.
230. Lenin meint hier konkret, der Sturz des Zarismus entspreche
nicht nur den Interessen der Arbeiterklasse, sondern den Interes-
sen der gesamten gesellschaftlichen Entwicklung.
75) S. dazu auch Frank Berg/Rolf Reissig, Zur Dialektik von Frie-
den, Sicherheit und sozialem Fortschritt in der Gegenwart, in:
Deutsche Zeitschrift für Philosophie, 10/85, bes. S. 865 f.
76) Gorbatschow, Perestroika, a.a.O., S. 173.
77) S. dazu Jung/Schleifstein, Die materialistische Geschichts-
auffassung..., a.a.O., bes. S. 26 f.
78) Eichhorn, Theorie der Gesellschaftsformation, a.a.O., S. 995.
79) Vgl. Georg Picht, Zum Begriff des Friedens, in: Manfred Funke
(Hrsg.), Friedensforschung - Entscheidungshilfe gegen Gewalt,
München 1975, S. 24 ff.; Carl-Friedrich von Weizsäcker, Wege in
der Gefahr, 3. Auflage, München 1983, bes. S. 236 ff.; Ernst Tu-
gendhat, Nachdenken über die Atomkriegsgefahr und warum man sie
nicht sieht, a.a.O.; s. dazu auch Jürgen Reusch, Keine Zukunft
ohne Frieden, in: Marxistische Studien. Jahrbuch des IMSF, 9,
a.a.O., bes. S. 88.
80) Hans Jonas, Das Prinzip Verantwortung. Versuch einer Ethik
für die technologische Zivilisation, Frankfurt/M. 1982; s. dazu
Alexander von Pechmann, Technischer Fortschritt - Umbruch im
Weltbild?, in: Marxistische Studien. Jahrbuch des IMSF, 13,
Frankfurt/M. 1987, S. 41 ff.
81) So z.B. Ulrich Beck, Auf dem Weg in die industrielle
"Risikogesellschaft", in: Blätter für deutsche und internationale
Politik, 2/87, S. 139 f.
82) Karl Marx, Das Kapital, I, in: MEW, 23, S. 529 f.
83) Dieter Klein, Gerechtigkeit und Zusammenleben der Völker, in:
Weißenseer Blätter, 2 / 87, S. 48.
84) Programm der KPdSU, 1986, in: Sowjetunion zu neuen Ufern?,
Dokumente und Materialien des 27. Parteitags der KPdSU, Düssel-
dorf o.J. (1986), S. 192 f.
85) Ansprache Michail Gorbatschows auf dem Treffen der Parteien
und Bewegungen zum 70. Jahrestag der Oktoberrevolution, a.a.O.,
S. 109.
86) S. Eichhorn, Theorie der Gesellschaftsformation, a.a.O., S.
992.
87) Erhard Eppler, Friedenspolitik und Ideologie, in: Mediatus,
4/86, S. 1 ff., hier bes. S. 10. Noch deutlicher äußerte sich
diesbezüglich Johano Strasser auf dem 6. Forum der Krefelder In-
itiative 1987 im Disput mit Erich Hahn, in: DVZ/die tat, 42, 16.
10. 87, Beilage, S. III f.
88) Eppler, a.a.O., S. 11.
89) Eichhorn, Die soziale Revolution - Gesetzmäßigkeit des Ge-
schichtsprozesses. a.a.O., S. 22.
90) Darauf verweist Dieter Klein, Friedenssicherung und politi-
sche Ökonomie des Kapitalismus, in: Humboldt-Journal zur Frie-
densforschung, 3, Berlin/DDR 1987, S. 32f.; vgl. dazu Waleri N.
Jegorow, Friedliche Koexistenz und revolutionärer Prozeß, Berlin
1972, bes. S. 104 und 164 ff.
91) Ansprache Michail Gorbatschows auf dem Treffen von Parteien
und Bewegungen, a.a.O., S. 111.
92) S. dazu ausführlich Jürgen Reusch, Ist der Kapitalismus frie-
densfähig?, in: Marxistische Blätter, 4/88; sowie: Lutz Maier,
Das Monopolkapital und die Friedensfrage, in: IPW-Berichte,
11/87, S. 1 ff.; Dieter Klein, Friedenssicherung und politische
Ökonomie des Kapitalismus, a.a.O.; ders., Politökonomische Grund-
lagen für einen friedensfähigen Kapitalismus, in: IPW-Berichte,
2/88, S. l ff.
93) S. dazu: Max Schmidt/Wolfgang Schwarz, Umfassende Interna-
tionale Sicherheit - Gebot unserer Zeit, Teil I und n, in: IPW-
Berichte, 9 und 10/87.
94) S. zur Kritik solcher Konzeptionen ausführlich: Jürgen
Reusch, Friedensforschung in der Bundesrepublik. Entwicklung, Po-
sitionen, Perspektiven, IMSF-Informationsbericht 40, Frankfurt/M.
1986, bes. S. 159 ff.
95) Michail Gorbatschow, Wie weiter nach der Abschaffung der Mit-
telstreckenraketen?, Zur Gestaltung eines umfassenden Systems der
internationalen Sicherheit, in: Blätter für deutsche und interna-
tionale Politik, Sonderdruck 349, Köln 1987.
96) Eichhorn, Die soziale Revolution, a.a.O., S. 32. Eichhorn
verweist dabei auf entsprechende Hinweise Lenins in: Die Ergeb-
nisse der Diskussion über Selbstbestimmung, in: LW, Bd. 22, S.
360f. Lenin bezieht sich wiederum auf einen Brief von Engels an
Kautsky von 1882: S. MEW, Bd. 35, S. 357f.; s.a. Maase, Thesen
zum Fortschritt, a.a.O., S. 158.
97) S. Heinz Jung, Zum Konzept der Entwicklungsvarianten des SMK
heute, in: Marxistische Studien. Jahrbuch des IMSF, 11, Frank-
furt/M. 1986.
98) S. Klein, Friedenssicherung und politische Ökonomie des Kapi-
talismus, a.a.O., S. 34.
99) Maase, a.a.O., S. 158.
100) Ebd., S. 151 und 153.
101) Heinz Jung, Imperialismustheorie und Umbruchprozesse,
a.a.O., S. 69.
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