Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 15/1989
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ZUR POLITISCHEN GESCHICHTE DER FRIEDENSFORSCHUNG IN DER BRD:
BEDINGUNGEN, ENTWICKLUNG UND PERSPEKTIVEN
Ingo Arend
1. Entstehungsbedingungen der Friedensforschung - 2. Friedensfor-
schung im Spannungsfeld von Anspruch und Realität - 3. Die Ent-
wicklung der DGFK - 4. DGFK-Programmatik - 5. Praxisverständnis
der Friedensforschung - 6. Das Scheitern der DGFK - 7. Die Ent-
wicklung nach 1983
In der Bundesrepublik kann die Friedensforschung auf eine gut
zwanzigjährige Geschichte zurückblicken und mithin für sich bean-
spruchen, mehr als eine Modeerscheinung zu sein. 1) Sie erlebte
einen ihrer Höhepunkte mit dem Modell einer herausgehobenen,
staatlich forcierten Förderung in den 70er Jahren, die politi-
schem Druck von rechts zum Opfer fiel.
Angesichts dieser Erfahrungen und der Notwendigkeit einer Neuori-
entierung der Friedensforschung, die sich zum einen aus den mög-
lichen Optionen eines Umbruchs in der Weltpolitik und zum anderen
aus der jetzigen, krisenhaften Zuspitzung seit langem sich ab-
zeichnender globaler Probleme ergibt, erscheint es angebracht,
nach den Schlußfolgerungen zu fragen, die daraus für die Zukunft
zu ziehen sind, kurz: nach ihrer politischen Geschichte.
1. Entstehungsbedingungen der Friedensforschung
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In der Analyse der Geschichte der organisierten Friedensforschung
in der Bundesrepublik lassen sich zwei Entwicklungsstränge her-
auskristallisieren:
Da ist zum einen die inhaltliche und organisatorische Entwicklung
der zunächst friedensrelevanten, später auch explizit als Frie-
densforschung verstandenen Wissenschaft zu nennen, die sich als
"progressives gesellschaftliches Bewußtseinselement" 2) heraus-
bildete. Der Einstein-Russell-Appell von 1955, die Pugwash-Konfe-
renz von 1957, die Gründung der Vereinigung Deutscher Wissen-
schaftler (VDW), die Einrichtung der Forschungsstätte der Evange-
lischen Studiengemeinschaft (FEST) 1958, die Erklärung der
"Göttinger Achtzehn" und die Gründung erster Friedenserziehungs-
und Zukunftsforschungsgesellschaften in München und Hannover
kennzeichnen Stationen dieser Entwicklung.
Die Entwicklung in der Bundesrepublik erfolgte verspätet: In den
USA nannte sich die neue Wissenschaftsrichtung schon seit Mitte
der 50er Jahre "peace research". In Westeuropa, vor allem in den
Niederlanden und in Skandinavien, kam es zu analogen Instituts-
gründungen: In Norwegen wurde, hauptsächlich auf Initiative Johan
Galtungs, 1959 das International "Peace Research Institute Oslo"
(PRIO) gegründet, in Groningen/Niederlande 1961 das "Polemolo-
gisch Instituut" unter der Leitung von Bert Röling, in Schweden
auf Initiative von Alva und Gunnar Myrdal 1966 das "Stockholm
International Peace Research Institute" (SIPRI). 1964 entstand
mit der "International Peace Research Association" (IPRA)
erstmals eine internationale Organisation der Friedensforscher.
Zum anderen, und in der Regel weniger genau beachtet, geht die
Herausbildung der Friedensforschung wesentlich auf politische
Entwicklungen und Denkprozesse im Bereich der Internationalen Be-
ziehungen zurück. Spätestens seit der vom US-Präsidenten Kennedy
1963 eingeläuteten Phase der begrenzten Entspannung, die das In-
teresse der beiden Großmächte nach einem modus vivendi auf der
Grundlage des Status quo in Europa und nach einer kooperativen
Rüstungssteuerung ausdrückte, kam die Bundesrepublik unter den
Druck, "Kurskorrekturen" ihrer bisherigen Deutschland- und Si-
cherheitspolitik vorzunehmen.
1961 wurde das heutige Bundesinstitut für ostwissenschaftliche
und internationale Studien (BIOSt) gegründet. Ebenfalls 1961
setzte die Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP)
eine Studiengruppe für Rüstungskontrolle und internationale Si-
cherheit ein. Mit ihr sollte Anschluß an die internationale Dis-
kussion über die Fragen der Abrüstung, der Strukturprobleme des
westlichen Bündnisses und die Folgen für die Bundesrepublik ge-
wonnen werden. 3)
Im Mittelpunkt der Diskussion ab Mitte der 60er Jahre über neue
Methoden der gesellschaftlichen Planung und der Nutzung der Sozi-
alwissenschaften für die Rationalisierung und Legitimierung
staatlicher Politik stand dabei immer mehr das Interesse, die
notwendig gewordene Umorientierung der bundesdeutschen Außenpoli-
tik unter dem Primat der Friedenswahrung wissenschaftlich abzusi-
chern. Einem Bundestagsbeschluß entsprechend kam es im Januar
1965 zur Errichtung eines Forschungsinstituts für Fragen der
Strategie und Abrüstung in Ebenhausen bei München. Durch Kabi-
nettsbeschluß vom Mai 1966 wurde das von der neuen "Stiftung Wis-
senschaft und Politik" gebildete Forschungsinstitut für Fragen
der internationalen Politik und Sicherheit mit der Wahrnehmung
der Aufgaben der vom Bundestag im Januar 1965 beschlossenen unab-
hängigen Forschungsstelle beauftragt. Der neu installierte Abrü-
stungsbeauftragte der Bundesregierung bedient sich seither im
Rahmen seiner Zuständigkeit der Mithilfe dieses Institutes. 4)
Verstärkt wurde diese staatliche Planungstätigkeit insbesondere
mit dem Amtsantritt der sozialliberalen Koalition 1969, die nach
neuen Methoden und Instrumenten zur Modernisierung der zentralen
staatlichen Leitungsstrukturen und zur Verwissenschaftlichung und
Rationalisierung neuer politischer Zieldefinitionen suchte. Zu
diesen Instrumenten wurde neben der aufkommenden "Zukunfts-
forschung" auch die Friedensforschung gezählt. 5) Eines der
wichtigsten staatlichen Ziele, das es abzusichern galt, war der
von der veränderten internationalen Lage her notwendig gewordene
Wandel hin zur neuen Ost- und Entspannungspolitik, zum
"friedlichen Wandel" und zur "gesamteuropäischen Sicherheit".
Die Ursachen dieses gesteigerten staatlichen Interesses, das eine
neue gesamtgesellschaftlich angelegte Forschungs-, Wissenschafts-
und Bildungspolitik hervorbrachte, werden aber auch vor wirt-
schaftlichem Hintergrund interpretiert. Seit 1966 sieht Rilling
eine "Neue Forschungspolitik", die im Rahmen einer "for-
schungspolitischen Gesamtprogrammierung" eine Schwerpunktver-
lagerung zur zivilen, unmittelbar ökonomisch verwertbaren For-
schung und Entwicklung vorgenommen habe, um die technologische
Lücke gegenüber der US-Wirtschaft zu schließen, die besonders von
staatlich finanzierten Kriegs- und Rüstungsforschungsprogrammen
profitiert habe. 6)
Aus dieser Entwicklung, so wird argumentiert, sei die Friedens-
forschung als ein "ziviles Abfallprodukt" 7) hervorgegangen, die
eine "Nische" im System der staatlich geförderten Forschung und
Entwicklung (FuE) gewesen sei und eine spezifische Seite sozial-
demokratischer Konsensbeschaffung dargestellt habe. 8)
Der Wandel der internationalen Rahmenbedingungen hat also die
herausgehobene Implementierung der Friedensforschung in der Bun-
desrepublik wesentlich mit befördert und stellte den Hintergrund
für die Konstellation dar, in der schließlich Bundespräsident
Heinemann das gesellschaftliche Bedürfnis nach einer Friedensfor-
schung artikuliert hat. Hierin besteht der inhaltliche Kern des
sozialdemokratischen Entstehungszusammenhanges, mit dem die Frie-
densforschung in der Regel identifiziert wird. 9)
In der Schnittlinie dieser Interessen und vor dem Hintergrund
dieser Rahmenbedingungen gelang dann 1968 mit der Gründung der
Arbeitsgemeinschaft Friedens- und Konfliktforschung (AFK) ein er-
ster institutioneller Durchbruch hin zu einer organisierten Frie-
densforschung. Die AFK, der die FEST und eine Reihe von Universi-
tätsinstituten und sonstigen Forschungseinrichtungen angehörten,
sollte allgemein das Problembewußtsein für die neue Disziplin un-
ter den Forschern und in der Öffentlichkeit wecken. Sie verstand
sich als koordinierende Stelle für alle Vorhaben der Friedensfor-
schung in der Bundesrepublik und als institutioneller Rahmen für
die erforderliche wissenschaftstheoretische und methodische Re-
flexion. Ferner sah sie ihre Aufgabe darin, Forschung zu initiie-
ren, ein Informations- und Dokumentationszentrum für die Wissen-
schaft zu errichten und wirksame Formen des Kontaktes zwischen
Wissenschaft und Praxis zu entwickeln.
2. Friedensforschung im Spannungsfeld von Anspruch und Realität
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So unterschiedlich wie die wissenschaftlichen und politischen
Hintergründe, vor denen sich die Friedensforschung in den 50er
und 60er Jahren zu entwickeln begann, so unterschiedlich und kon-
trär entwickelte sich auch das inhaltliche Spannungsfeld der An-
sprüche, die sich an die neue "Disziplin" artikulierten. Sie
prägten die kognitiven und organisatorischen Durchsetzungsbedin-
gungen der Friedensforschung nachhaltig.
Das Interesse an der wissenschaftlichen Abstützung der im Harmel-
Bericht der NATO von 1967 festgelegten Grundsätze europäischer
Entspannungspolitik der NATO-Staaten 10) und der Entwicklung der
"Praxeologie der kleinen Schritte" (Willy Brandt) 11) stellte
sich als staatliche Anforderung an die beginnende Friedensfor-
schung. Sie sollte finanziell unterstützt werden, insofern
"Vorhaben für die politische Tätigkeit der Bundesregierung in
diesem Bereich konkreten Nutzen versprechen". 12) Diese Zielrich-
tung machten auch nachdrücklich der damalige Verteidigungsmini-
ster Helmut Schmidt und der neuernannte Beauftragte der SPD-Bun-
destagsfraktion für Friedensforschung, Karl Wienand, klar. Für
Helmut Schmidt war Friedensforschung nichts weiter als
"außenpolitische Evolution strategischer Analyse". 13)
Wissenschaftlich gesehen mußte eine solche Erwartungshaltung eine
indirekte Aufwertung der "traditionellen Schule" der Friedensfor-
schung bedeuten (z.B. Karl Kaiser), die sich vordringlich mit
Gleichgewichtsanalysen und Rüstungskontrolle beschäftigte.
Als Abgrenzung zu dieser "traditionellen Schule" kann die gegen
Ende der 60er Jahre vor allem in den Sozial- und Naturwissen-
schaften entwickelte und systematisierte "Kritik der Abschrec-
kung" gelten, die aus der Kritik des sich herausbildenden Mili-
tär-Industrie-Komplexes in den USA und der Untersuchung der Be-
dingungen und Folgen etwaiger atomarer Kriegsführung in Mitteleu-
ropa ein weites Feld sozial- und militärkritischer Fragestellun-
gen eröffnete. 14) Die politisch-wissenschaftlichen Zielvorstel-
lungen dieser kritischen Friedensforschung entwickelten sich kon-
trär zu den in der etablierten Politik formulierten Positionen.
Beim Einsatz lediglich eines Teils der in Europa stationierten
Kernwaffen, so wies Carl Friedrich von Weizsäcker in seiner An-
fang der 70er Jahre fertiggestellten Studie "Kriegsfolgen -
Kriegsverhütung" nach, werde die Bundesrepublik zu einem men-
schenleeren Gebiet. Sie habe keine hinreichende Aussicht, einen
Krieg auszuhalten, ja nur zu überleben. Sie sei darauf angewie-
sen, ihn zu verhindern. Der Frieden jenseits der Abschreckung
müsse geplant werden. Die Abschreckung als Kern- und Angelpunkt
westlicher Sicherheitspolitik und als Hauptmerkmal der interna-
tionalen Herrschaftsverhältnisse unter der Hegemonie der USA
stelle nur eine "Atempause" auf dem schwierigen Weg zum Frieden
dar. Diese "Atempause" müsse die Friedensforschung nutzen. 15)
Die Kritische Friedensforschung entwickelte auch weitergehende
gesellschaftliche Vorstellungen. Ekkehart Krippendorff defi-
nierte, die Friedensforschung müsse es sich zur notwendigen Auf-
gabe machen, "legitime, d.h. nicht total zerstörerische Formen
von gesellschaftlich-politischer Gewaltanwendung zur Durchsetzung
sozialen Wandels und sozialer Revolution zu erkunden, zu analy-
sieren und implizit auch zu legitimieren", also die gesellschaft-
lichen Voraussetzungen zu ändern, die bisher immer zu Krieg ge-
führt hätten. 16)
Die Wissenschaftler, so formulierte es die "Wannsee-Erklärung"
der kritischen Friedensforscher 1971, müßten sich zum
"Parteigänger" der sozial und ökonomisch Unterdrückten generell
machen, um gegen den Widerstand der Herrschenden praktische Pro-
gramme durchsetzen zu können. Damit wurde die Erweiterung der
Friedensforschung zur praxisrelevanten Demokratieforschung thema-
tisiert. 17)
In klassisch sozialdemokratischer, integrationistischer Weise
suchte Karl Kaiser diese divergierenden Zielbestimmungen der tra-
ditionellen und der kritischen Friedensforschung zu einer Stand-
ortbestimmung zu bündeln. In seiner grundlegenden Studie
"Friedensforschung in der Bundesrepublik" (1970) befand der kome-
tenhaft zunächst zum 1. AFK-Vorsitzenden, später zum 1. DGFK-Ku-
ratoriumsvorsitzenden und schließlich zum DGAP-Forschungsinsti-
tuts-Chef aufgestiegene Saarbrücker Politologe: Friedensforschung
müsse sich der "Entwicklung einer Übergangsstrategie zu einer
friedlicheren Welt, bei der gleichzeitig das prekäre militärische
Gleichgewicht der nuklearen Gegenwart (= Abschreckung, I.A.) er-
halten bleibt" 18) verschreiben. Die Spaltung in die "feindlichen
Richtungen" innerhalb der Friedensforschung müsse im Interesse
der Behebung der dringlichen Politikdilemmata institutionell
überwunden werden. Der Weg zur Gründung der späteren Deutschen
Gesellschaft für Friedens- und Konfliktforschung (DGFK) war mit
diesem für die "Stiftung Volkswagenwerk" angefertigten Gutachten
vorgezeichnet - trotz erheblicher politischer Differenzen über
den Inhalt der zu entwickelnden Friedenspolitik, trotz völlig un-
gesicherter methodischer Grundlagen der "Disziplin". Hinzu kam,
daß die sozialdemokratisch geführte Bundesregierung mit Bundes-
kanzler Willy Brandt an der Spitze den Gründungsprozeß von staat-
licher Seite enorm forcierte und in Verhandlungen mit den Wissen-
schaftlern der VDW und der AFK eintrat. Die am 8. Juni 1970 von
Brandt eröffnete Gründungsdebatte trug deutliche Züge eines har-
ten Ringens zwischen dem Anliegen der Wissenschaftler nach mög-
lichst großer wissenschaftlicher Autonomie einerseits und staat-
lichem Einflußstreben andererseits. 19)
3. Die Entwicklung der DGFK
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Die DGFK-Gründung als Beginn der organisierten Friedensforschung
symbolisierte hauptsächlich eine von staatlicher Aktivität indu-
zierte Wissenschaftsentwicklung neuen Typs, die bei einer starken
Dominanz außerwissenschaftlicher, staatlich-politischer, wie aber
auch gesellschaftlicher Interessen in Gang gebracht wurde. Der
von dieser Seite wirkende Druck konkretisierte sich in der festen
Anbindung der DGFK an die "Deutsche Forschungsgemeinschaft" (DFG)
und damit in ein staatlich dominiertes System der Wissenschafts-
politik. Insofern scheint bei einem genauen Blick auf die allge-
meinen Durchsetzungsbedingungen der organisierten Friedensfor-
schung, deren wichtigster Ausdruck neben der DGFK-Gründung die
Etablierung gleichgerichteter Institute in Frankfurt 1970
(Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung, HSFK) und
Hamburg 1971 (Institut für Friedensforschung und Sicherheitspoli-
tik, IFSH) sowie die 1970 erfolgte Gründung des ad personam Carl
Friedrich von Weizsäcker eingerichteten Max-Planck-Instituts zur
Erforschung der Lebensbedingungen der wissenschaftlich-techni-
schen Welt und 1972 die Gründung der Arbeitsgemeinschaft Frie-
densforschung Tübingen (AGFF) war, die Wertung angemessen, daß
"die Herausbildung ihrer weltanschaulichen und theoretischen
Grundlagen unter klarer sozialdemokratischer Hegemonie" 20) er-
folgte. Sie wurde sozusagen förderungspolitisch "überwältigt" und
stand von Anfang an unter erhöhtem gesellschaftlichem Rechtferti-
gungs- und Erwartungsdruck.
Gleichwohl bedeutete diese Institutionalisierung in Form der DGFK
als in Europa einmaliges Experiment der Verknüpfung von For-
schungsförderung und Verbreitung von Forschungsergebnissen für
die bis dahin der internationalen Entwicklung hinterherhinkende
bundesdeutsche Friedensforschung einen qualitativen Sprung nach
vorn. Sie war wissenschafts- und gesellschaftspolitisch ein
Wagnis und barg in ihrer proklamierten Ausrichtung auf die ge-
sellschaftliche Praxis ein hohes wissenschaftliches und politi-
sches Innovationspotential.
Die DGFK wurde am 28.10.1970 unter der Schirmherrschaft des Bun-
despräsidenten Heinemann in der Villa Hammerschmidt feierlich aus
der Taufe gehoben. An ihrer Struktur fällt zunächst auf, daß
Friedensforscher und Wissenschaftler überhaupt nicht Mitglieder
der DGFK sein konnten, sondern nur der Bund, die Länder und die
gesellschaftlichen Gruppen. Die Forscher selbst konnten nur von
außen, vermittelt durch ihr nicht formelles und gleichberechtigt
neben den anderen Organen existierendes Bezugsorgan der DGFK, das
"Konzil der Friedensforscher", auf die Arbeit der Gesellschaft
Einfluß nehmen. Das eigentliche Entscheidungszentrum, die
"Kommission für Friedens-und Konfliktforschung" war durch einen
separaten Vertrag an die DFG gebunden.
Von den 15 Mitgliedern der Förderkommission wurden eines vom
Bund, zwei von den Ländern, sechs vom Senat der DFG und sechs vom
Kuratorium der DGFK benannt, also nicht gewählt. Ihre Aufgabe war
die Entscheidung über die Forschungsanträge.
Auf diese Weise war die mögliche Unterordnung friedensorientier-
ter Wissenschaftsförderung unter die herrschenden politisch-admi-
nistrativen Interessen schon institutionell angelegt und zumin-
dest eine Gefährdung der Autonomie der Wissenschaft von vornher-
ein impliziert. Hans-Jürgen Krysmanski warnte schon früh, "daß
jede ihrer Förderungsentscheidungen das Ergebnis eines politi-
schen Kompromisses, d.h. eine Abbildung der jeweiligen Machtver-
hältnisse" sein werde. 21)
1973 intervenierte die Bürokratie des Bundesministeriums für For-
schung und Technologie (BMFT). Durch die seit Beginn von selten
der CDU/CSU betriebene Kampagne gegen die DGFK bedrängt, forderte
das BMFT eine "Standortbestimmung" der organisierten Friedensfor-
schung und eine Revision der bewußt breit und alle Ansätze der
Friedensforschung berücksichtigenden Förderprogrammatik der An-
fangszeit. Die Ausarbeitung eines Schwerpunktprogramms durch die
DGFK, so wurde vom BMFT angekündigt, werde in Zusammenhang mit
der Mittelvergabe für die DGFK im Haushaltsausschuß des Deutschen
Bundestages gesetzt. Gleichzeitig legten die BMFT-Beamten ein im
Ministerium selbst ausgearbeitetes Programm vor, das im wesentli-
chen identisch war mit der später erfolgten Schwerpunktsetzung
auf die an aktuellen politischen Bedürfnissen ausgerichtete Ost-
West- und Nord-Süd-Programmatik. 22)
Diese klare Interessenlage der Bundesregierung an einer politi-
schen Vorgaben folgenden Prioritätenfestlegung und einer Rollen-
zuweisung an die Friedensforschung, die auf "Zuarbeit" 23) für
die Entspannungspolitik hinauslief, wurde auch durch die Reden
von Kanzler Brandt und SPD-MdB Horst Kern vor der UN-Generalver-
sammlung im Herbst 1973 bekräftigt, die dort die Stichworte von
der "vorbeugenden Friedensforschung" als Voraussetzung der
"präventiven Diplomatie" prägten und ihr die Aufgabe zuwiesen,
Modelle gewaltfreier Kooperation in den internationalen Beziehun-
gen zu entwerfen. 24)
1978 wurde unter dem Druck der CDU durch die Ministerpräsidenten-
konferenz die bisherige Trennung von Geldgeber und Bewilligungs-
instanz weiter aufgehoben: die staatlichen Vertreter in der bis-
lang auf zwölf rein wissenschaftliche Vertreter beschränkten För-
derkommission erhielten volles Stimmrecht, nun konnten die Wis-
senschaftsvertreter überstimmt werden. 25) Die Warnung der For-
scher vor der Verfestigung der politischen Kontrolle und der wei-
teren Festlegung hin zu einer "Legitimationsforschung" verhallten
ungehört. 26) Schrittweise war die Autonomie der wissenschaftli-
chen Gremien auch formal stärker in einen politischen Rahmen mit
festgelegten Inhalten gepreßt worden.
4. DGFK-Programmatik
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Zu Beginn der Fördertätigkeit der DGFK stand noch ein offener,
die bestehende gesellschaftliche Ordnung durchaus transzendieren-
der Friedensbegriff mit weit gefaßtem Themenspektrum und mit ei-
nem deutlich emanzipatorischen, der kritischen Friedensforschung
entlehnten Grundgedanken, der imperialismustheoretische und po-
litökonomische Ansätze bzw. Systemkritik einschloß. Mit der BMFT-
Intervention 1973 wurde diese Programmatik auf die dann folgenden
Schwerpunktprogramme "Friedenswahrung und Übergangsstrategien in
Europa" und "Konflikte zwischen westeuropäischen Industriestaaten
und Entwicklungsländern und deren friedliche Überwindung" ein-
geengt. 75 Prozent der Fördermittel wurden ab jetzt für diese
Programme bereitgestellt. 27)
Die Konzentration auf die Schwerpunktprogramme hatte vor allem
Auswirkung auf all die Forschungsvorhaben, die sich aufgrund ih-
rer Kritik der Abschreckung innergesellschaftlichen Ursachen von
Rüstungsdynamik, Konflikten und Kriegsursachen widmeten. Sie wur-
den immer stärker marginalisiert. 28)
Diese Beurteilung soll die insgesamt als fortschrittlich einzu-
schätzende Bedeutung der DGFK und ihre positive Würdigung nicht
schmälern. Sie wurde mit einer intensiven Presse- und Öffentlich-
keitsarbeit, zahlreichen Publikationen und einer umfangreichen
wissenschaftlichen Tätigkeit (ca. 300 Projekte wurden bis zur
Auflösung 1983 gefördert) zu dem organisatorischen Anlaufzentrum
und wissenschaftlichen Kristallisationspunkt für die Friedensfor-
schung in der Bundesrepublik. Sie unterhielt darüber hinaus wich-
tige Kontakte auf internationaler Ebene, etwa mit der UN und der
UNESCO in Fragen der Abrüstung, Rüstungskontrolle und Friedenser-
ziehung.
Die langsame, aber stetige Anpassung der in der DGFK geförderten
Friedensforschung an die eher pragmatisch-systemstabilisierenden
Interessen von Politik, Administration, Eliten und Verbänden
wurde auch in inhaltlicher Sicht deutlich. Hatte am Beginn der
DGFK-Arbeit noch der explizite Wille gestanden, das System der
Abschreckung langfristig zu überwinden und die "tieferliegenden
Gründe für gewaltsame Konflikte durch Entwicklung neuer Formen
menschlichen Zusammenlebens und Ordnungen" aufzuheben 29) und
hierfür gesamtgesellschaftliche Strategien zu entwickeln, so
zeichnete sich im Verlauf des Wirkens der Gesellschaft ab, daß
dieses Ziel in weite Ferne gerückt war. Die Tätigkeit der DGFK
erschöpfte sich mehr und mehr in pragmatischer Zuarbeit für die
Politikberatung. Das war aber nicht ihre Schuld allein.
Die Sozialdemokraten blieben in ihrer Mehrheit inhaltlich auf Di-
stanz gegenüber den kritischen Potenzen der Friedensforschung,
die auch in der DGFK durchaus noch zum Zuge kamen. Am Grundkon-
zept des Prinzips der Abschreckung und einer Entspannung auf
starker militärischer Grundlage im Sinne der NATO sollte nicht
gerüttelt werden. Ansätze der Friedensforschung für eine Über-
gangsstrategie zur Überwindung der Abschreckung wurden von ihr
nicht angenommen. Auch aufgrund der der SPD eigenen ambivalenten
und unentschiedenen Haltung gegenüber einer die bestehenden
Strukturen in Frage stellenden Kritik ("Radikalenerlaß"), sowie
durch die öffentliche Kampagne gegen die angeblich staatszerset-
zende und mit Bedacht in die Nähe des Terrorismus gerückte For-
schung bedrängt, engte die sozialliberale Koalition ihren Bewe-
gungsspielraum nach links immer stärker in Richtung auf eine
prinzipielle Staatsloyalität ein und war so natürlich nicht in
der Lage, den zunehmenden Druck auf eine inhaltlich "ausgewogene"
Friedensforschung zu verringern. Im Gegenteil: Sie verstärkte ihn
zunächst noch.
Insofern entwickelte sich die Friedensforschung weniger als Legi-
timationsoder Steuerungsdisziplin. Sie nahm nach anfänglicher
starker Interessenidentität mit der sozialliberalen Politik (ohne
sich dieser inhaltlich voll anzupassen) vielmehr immer stärker
Alibicharakter an. 30)
5. Praxisverständnis der Friedensforschung
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In der Frage des Praxisverständnisses orientierte sich die DGFK
mehr und mehr an der traditionellen Eliten- und Politikberatung.
Sie wurde bedrängt durch den starken konservativen Druck in der
Öffentlichkeit und die Forderung der Parlamentarier nach
"greifbaren" und "aufbereiteten" Ergebnissen.
Unter solchem Druck reagierte die von den politischen Rahmenbe-
dingungen extrem abhängige DGFK mit einem verstärkten Zugehen auf
die konservative Politik und das staatlich-administrative System.
Sie nahm damit eine schleichende Einengung ihres Praxisverständ-
nisses in Richtung Elitenorientierung in Kauf- und isolierte sich
gleichzeitig von der Gesellschaft. Mit der damit einhergehenden
begrenzten "Halböffentlichkeit" (Habermas), die sich z.B. in Dis-
kussionen mit der Führung des Militärs und der Ministerien über
Projektergebnisse ausdrückte, konnte sie - trotz reichlich vor-
handener kritischer Potenzen - nur sehr bedingt als
"Gegenexpertise" (Rittberger) gegenüber staatlichem Herrschafts-
wissen in das soziale Feld hinein fungieren, das ihr eher mit
Mißtrauen gegenüberstand. Sie geriet zwischen die "Mühlsteine des
Pragmatismus" 31), blieb innenpolitisch unverbindlich, vertraute
auf die Korrekturen durch das politische System und verzichtete
auf die parallele, massen- und aktionsorientierte "Übergangs-
strategie".
Die "wissenschaftlichen Parteigänger" der Ausgebeuteten und Dis-
kriminierten, wie es die Erklärung der Kritischen Friedensfor-
schung von 1971 formuliert hatte, mußten immer mehr als Zuarbei-
ter für die herrschende Politik erscheinen. Ihr gesellschaftskri-
tischer Impuls verebbte oder verlagerte sich außerhalb der eta-
blierten Friedensforschung in die aufkommende Friedensbewegung
und die dort entwickelte Expertise.
Eine beträchtliche Breitenwirkung erzielte die DGFK mit ihrer al-
lerdings erst zu Beginn der achtziger Jahre angelaufenen
"Verbreitungsarbeit". Bereits 1972 wurde die "Carl-von-Ossietzky-
Professur" der DGFK einmal jährlich an herausragende Friedensfor-
scher vergeben und ab 1980 ein Gustav-Heinemann-Jugendbuchpreis
für friedensfordernde und antimilitaristische Jugendliteratur ge-
stiftet. Vorbildlich waren in diesem Rahmen z.B. gemeinsame Pro-
jekte mit der Aktion Sühnezeichen /Friedensdienste, die die Frie-
denswochen in einer Kleinstadt wissenschaftlich auswerteten und
dokumentierten, oder auch die Behandlung des Themas Krieg und
Frieden in den Medien auf einer Tagung der Deutschen Journalisten
Union. Diese positiven Ansätze wären jedoch kaum auf Dauer zuge-
lassen worden und konnten den Anpassungsprozeß der organisierten
Friedensforschung an die herrschenden politischen Bedingungen
nicht umkehren.
6. Das Scheitern der DGFK
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Das Scheitern der DGFK war, wenn man so will, schon im sozialli-
beralen Entstehungs- und Verwertungszusammenhang der Gesellschaft
mit angelegt und wurde spätestens seit der Auflösung des innenpo-
litischen Reformkonsenses im Zeichen der "Tendenzwende" 1973,
also wenige Jahre nach der Gründung, virulent. Für die konserva-
tive Politik mußte eine bestandskritische Friedens- und Konflikt-
forschung eine stetige Provokation darstellen. Ihre bloße Exi-
stenz stellte deren a-priori-Annahme eines offensichtlich nur an-
tikommunistisch, mit militärischer Stärke zu sichernden Friedens-
zustandes, der mit einer unverrückbar positiv-normativen Bezug-
nahme auf das politische System der Bundesrepublik einherging, in
Frage. 32) Der Bogen der Attacken reichte von der Beantragung der
Streichung von Haushaltsmitteln im Bundestag und in einigen Land-
tagen bis zu einer sich überschlagenden politischen Kampagne, die
die DGFK und indirekt auch den Altbundespräsidenten Heinemann (ab
1974 Ehrenvorsitzender des DGFK-Kuratoriums) in die Nähe des po-
litischen Feldes der Baader-Meinhof-Gruppe rückte und die Strei-
chung der Fördermittel verlangte. 33)
Die "Kriegserklärung" der Unionsparteien gegen die DGFK wurde
überdeutlich, als das Bundesland Bayern 1976 in der Ministerprä-
sidentenkonferenz eine Untersuchung der DGFK-Arbeit durchsetzte,
die dann 1978 in der Formel von der Notwendigkeit der Gewährlei-
stung des "politischen Pluralismus" ihren adäquaten Ausdruck
fand. Trotz des akribischen Eingehens der DGFK auch auf die unbe-
rechtigtesten Forderungen und Vorwürfe verstummte die Kritik
nicht. Vielmehr traten trotz der Bemühungen der DGFK zur Umset-
zung der Beschlüsse der Ministerpräsidentenkonferenz nacheinander
Bayern, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg
aus der DGFK aus, obwohl deren Vertreter in den DGFK-Gremien zu-
vor den eingeleiteten "Verbesserungsmaßnahmen" zugestimmt hatten.
Ministerpräsident Strauß (CSU) versuchte, den Austritt Bayerns
nachträglich mit einem unwissenschaftlichen Gutachten des
deutschnationalen Heidelberger Politologen Hans-Joachim Arndt zu
rechtfertigen. 34)
Das Ende der Gesellschaft kündigte sich an. Auch der Versuch ei-
ner neuen gesellschaftlichen Legitimierung der DGFK ab 1980 unter
dem neuen, eher liberal-pragmatisch orientierten Kuratoriumsvor-
sitzenden und Bonner Politologen Prof. Hans-Adolf Jacobsen schei-
terte.
Mit dem Regierungswechsel 1982 war das letzte Zeichen für die
Hatz auf die unbequem gewordene DGFK gegeben. Die Ablehnung einer
kritischeren Friedensforschung wurde zur regierungsoffiziellen
Position erhoben. Zwar erklärte der neue Forschungsminister Rie-
senhuber (CDU), die Förderung der Friedens- und Konfliktforschung
sei unverzichtbar; die inhaltliche Wende machte er jedoch deut-
lich, als er erklärte, die Bundesregierung halte es für wissen-
schaftspolitisch bedenklich, daß in der Fördertätigkeit der DGFK
solche Vorhaben mitunter eine zu starke Berücksichtigung fänden,
deren wissenschaftliches Vorverständnis eher umstritten und deren
Theoreme und Denkfiguren "zum Teil suggestiv" wirkten. Damit wa-
ren insbesondere die Theoreme von der "strukturellen Gewalt" und
vom "positiven Frieden" (Galtung) gemeint. 35)
Den endgültigen Ausschlag gab ein erneutes Gutachten des Wissen-
schaftsrates. In seiner am 6. Mai 1983 verabschiedeten Stellung-
nahme bescheinigte er der DGFK, eine wissenschaftlich unanfecht-
bare Arbeit geleistet zu haben und wies damit indirekt die kon-
servativen Angriffe zurück. Er empfahl jedoch im Interesse eines
breiten politischen Konsenses die Überführung der bislang pro
Jahr rund drei Millionen DM umfassenden Förderung an eine neuzu-
bildende Senatskommission der DFG und eine inhaltliche Konzentra-
tion auf die Kriegsursachenforschung.
Die "Verbreitung des Friedensgedankens" wurde an die Bundeszen-
trale und die staatlichen Landeszentralen für politische Bildung
delegiert. Die Geschäftsstelle der DGFK wurde als "Arbeitsstelle
Friedensforschung Bonn" (AFB) an die Hessische Stiftung Friedens-
und Konfliktforschung" (HSFK) angegliedert.
Am 31. 12. 1983 beendete die DGFK ihre Arbeit - nahezu unbeachtet
von der Öffentlichkeit, die noch 13 Jahre zuvor so hohe Erwartun-
gen in sie gesetzt hatte, und auch nahezu unbeachtet von der da-
mals im Aufwind befindlichen Friedensbewegung.
Unter dem Eindruck des Aufbrechens und des Scheiterns der Politik
der sozialliberalen Ära bildete der konzentrierte Angriff auf die
DGFK einen der Schauplätze, auf dem die konservative Hegemonie
insbesondere im Bereich Frieden und Sicherheit mit dem langfri-
stigen Ziel des politischen Machtwechsels errichtet wurde. Eng
mit der Sozialdemokratie verbunden, teilte die Gesellschaft
schließlich mehr oder weniger direkt deren Schicksal.
7. Die Entwicklung nach 1983
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Das Ende der DGFK bedeutete nicht gleichzeitig das Ende der orga-
nisierten Friedensforschung in der Bundesrepublik. Ihre Auflösung
aber hatte erhebliche materielle Auswirkungen auf die einzelnen
weiterbestehenden Institute (im wesentlichen HSFK und IFSH), die
sich zum Teil aus Mitteln der DGFK finanzierten. Die dadurch mög-
liche Ausdünnung und Marginalisierung kritischer Fragestellungen
zeigte sich auch an dem Beschluß der neugebildeten DFG-Senatskom-
mission für Friedens- und Konfliktforschung, die Schwerpunktpro-
gramme auf die eher traditionelle Fragestellung der Rüstungskon-
trolle und der transatlantischen Beziehungen sowie auf institu-
tionalisierte Methoden des "peace-keeping" in der internationalen
Politik einzugrenzen. Gesellschafts-kritische Fragestellungen wie
die lange vernachlässigten, innergesellschaftlichen Bedingungen
von Krieg und Frieden, die Friedenspädagogik und eine Orientie-
rung auf gesellschaftlich engagierte Forschung mit Bezug zur Pra-
xis bleiben ihr bislang eher fremd. 36)
Was die "Verbreitung des Friedensgedankens" angeht, so liegen die
begrenzten Möglichkeiten der der Bundesregierung unterstellten
und auf "Ausgewogenheit" verpflichteten Bundeszentrale für poli-
tische Bildung offen zutage. Sie fördert weder regionale Pro-
jekte, noch verfügt sie über institutionalisierte Praxiskontakte
zu allen, eben auch kritischen und engagierten Gruppen neben den
etablierten gesellschaftlichen Großgruppen und Parteien. 37)
Für die Verbreitungsarbeit der Friedensforschung standen 1983
500000DM, ab 1984 nur noch 250000 DM zur Verfügung. Das ist unge-
fähr die Hälfte der Summe, die 1984 vom Bundesinnenministerium
aufgewendet wurde, um bei der Bevölkerung mit einer farbigen Bro-
schüre in einer neuen "Aktion Eichhörnchen" für das Einlagern von
Nahrungsmitteln einschließlich Hundefutter für 14 Tage zu werben,
die das Überleben im Atomkrieg sichern soll. 38)
1988 standen der Friedensforschung, ähnlich wie in den vergange-
nen Jahren, Fördermittel aus dem Haushalt des Bundesministeriums
für Forschung und Technologie (BMFT) in Höhe von 2,9 Millionen DM
zur Verfügung, die durch die DFG vergeben werden. Addiert man die
Beiträge der Bundesländer Nordrhein-Westfalen/Hessen/Hamburg zur
Förderung der Friedens- und Konfliktforschung, die kirchlichen
Zuschüsse und private Mittel (Berghof-Stiftung, Stiftung Volkswa-
genwerk), so ergibt sich eine Gesamtsumme von ca. 6-7 Millionen
DM jährlich an öffentlichen Aufwendungen für diese Forschungs-
richtung, was gerade dem Gegenwert eines modernen Kampfpanzers
entspricht. Dem stehen Aufwendungen für die Rüstungsforschung in
Höhe von knapp 6 Milliarden DM gegenüber. 39)
Weltweit arbeiten ca. 3000 Friedensforscher 40), in der Bundesre-
publik sind es ungefähr 200, was etwa der Mitgliederzahl der Be-
rufsorganisation der Friedensforschung, der "Arbeitsgemeinschaft
Friedens- und Konfliktforschung" (AFK, Vorsitz: Prof. Dr. K.J.
Gantzel aus Hamburg) entspricht. Die mangelnden Berufsperspekti-
ven angesichts nur weniger Institute und Projekte mit ungesicher-
ter organisatorischer und finanzieller Basis, fehlende akademi-
sche und gesellschaftliche Laufbahnen für die Friedensforschung,
kurzfristige Projektorientierung und das in der Schwebe geblie-
bene Selbstverständnis der Friedensforschung zwischen integrie-
render Fragestellung und Universalwissenschaft haben bisher ihre
Konstituierung als eigenständige, große Wissenschaftsdisziplin
verhindert.
Gleichwohl arbeiten im Umfeld von Organisationen der Friedensbe-
wegung, der Parteien, der Gewerkschaften, insbesondere aber im
immer dichter vernetzten Bereich neu entwickelter Friedenswissen-
schaft an den Hochschulen heute immerhin insgesamt ca. 700 Perso-
nen mit - je nach Fachdisziplin unterschiedlicher -
"friedenswissenschaftlicher Expertise". 41)
Trotz dieser mehr als miserablen Rahmenbedingungen ist die Frie-
densforschung also keineswegs tot. Neben der staatlichen
"Befriedung" der Friedensforschung hat sich eine gesellschaft-
lich-wissenschaftlich induzierte Rekonstituierung von Friedens-
forschung und Friedenswissenschaft von erstaunlicher Reichweite
vollzogen. Ihr ursprünglicher herrschaftskritischer Impuls ließ
sich nicht einfach administrativ wegdrücken. Er erfuhr seit dem
immensen Aufschwung der Friedensbewegung kräftig Auftrieb.
Aus der Reflexion über die bisherige Abhängigkeit der Friedens-
forschung von staatlichem Interesse vollzog sich ein Übergang zur
Neuorientierung und Neugründung von Friedensforschungsinstituten
mit einer basisorientierten, gesellschaftlich-kritischen und
emanzipativen Bezugslinie und einem umfassenden Themenspektrum.
Als Beispiele dafür können die Gründung des Forschungsinstituts
für handlungsorientierte Friedensforschung e.V. in Starnberg, die
Gründung einer Stiftung "Entwicklung und Frieden" in Nordrhein-
Westfalen auf Vorschlag Willy Brandts, die bevorstehende Gründung
eines friedenswissenschaftlich orientierten Institutes an der
Technischen Universität Berlin und eine ganze Reihe weiterer In-
itiativen "von unten" stehen, die in deutlicher Distanz zu der
etablierten bzw. institutionalisierten Friedensforschung stehen
und von dieser auch als publizitätssüchtige, unakademische
"Friedenswissenschaft" abgekanzelt wurden. 42)
Etwas an dieser Entwicklung ist auffällig, ja geradezu merkwür-
dig: Während eine ständig wachsende Mehrheit der Gesellschaft un-
ter dem Einfluß der Friedensbewegung und der neuen sowjetischen
Außenpolitik sämtliche Aspekte von Frieden und Sicherheit im Nu-
klearzeitalter neu diskutiert und die gesamte Sicherheits- und
Militärpolitik eine umfassende Akzeptanzkrise durchmacht 43),
scheint die akademische Friedensforschung ziemlich unberührt von
diesem Boom geblieben zu sein.
Allererstes Indiz für die oben beschriebene Aufwärtsentwicklung
ist die starke Bewegung der organisierten Wissenschaftler-Initia-
tiven für den Frieden. Dazu zählen vor allem die Naturwissen-
schaftler-Initiative "Verantwortung für den Frieden", das Forum
Informatikerinnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung
(FIFF) und die "Internationalen Ärzte zur Verhütung eines Atom-
krieges" (IPPNW)-Sektion Bundesrepublik mit ihren zahlreichen
örtlichen Initiativen und den jährlichen Kongressen, in die sie
sowohl hochspezialisiertes Fachwissen (Verifikationsproblematik
bei Abrüstung und Atomteststopp, Lasertechnik, bei chemischen und
biologischen Waffen, Rüstungskonversion usw.) einbringen als auch
immer stärker Fragen der gesellschaftlichen Verantwortung, insbe-
sondere der Naturwissenschaftler, thematisieren. Angesichts der
globalen Probleme in Bereichen wie Frieden, Ökologie, Entwicklung
und Ressourcen sehen sie die Wissenschaft insgesamt vor einer
neuen Herausforderung, nämlich ihre spezifischen Kapazitäten di-
rekt gestalterisch für friedenssichernde und globale, humane
Zwecke einzusetzen. Darüber hinaus strebt die Wissenschaftlerbe-
wegung die Überwindung des herkömmlichen Dualismus von Theorie
und Praxis an und knüpft damit an ursprüngliche Zielvorstellungen
gesellschaftsverändernder Praxis der kritischen sozialwissen-
schaftlichen Friedensforschung an. 44) Ausdruck dieses interna-
tional und global gedachten Herangehens ist auch das von dem Mün-
chener Atomphysiker Prof. Hans-Peter Dürr initiierte Projekt
"Global Challenges Network".
Gleichwohl bietet die Vielfalt von Initiativen einen Eindruck von
zu starker Zersplitterung und Auffächerung. Es fehlen Möglichkei-
ten der zielgerichteten Koordination und wissenschaftsinternen
Planung durch ein innovatives und von der Wissenschaft selbst
verwaltetes Programm, das einen organisatorischen Kristallisati-
onspunkt bietet, interdisziplinären Austausch ermöglicht, ent-
sprechende Forschungs- und Förderungsmöglichkeiten anbietet und
aufbereitet, gemeinsame Forschungsinteressen bündelt, neue Frage-
stellungen erarbeitet, für ihre öffentliche Verbreitung sorgt und
den öffentlichen Diskurs um die Friedensforschung und ihre ge-
sellschaftliche Relevanz organisiert.
Die älteste Standesorganisation der Friedensforschung, die sich
zugleich als autonomes wissenschaftliches Zentrum der Friedens-
forschung versteht, die AFK, ist in ihrer Mehrheit an der Spann-
weite von sozialliberal-entspannungspolitischen bis pazifisti-
schen Positionen orientiert und scheint sich mit ihren bisherigen
Skrupeln vor zu eindeutiger aktuell-politischer Vereinnahmung,
auch von selten der Friedensbewegung und mit ihrer strikten Be-
schränkung auf die Funktion des innerwissenschaftlichen Austau-
sches in die Sackgasse eines "stillschweigenden Kommunikations-
zirkels" (Egbert Jahn) entwickelt zu haben. Die AFK läuft Gefahr,
sich von der durch die Friedensbewegung und die Rezeption glo-
baler Problemlagen neu entstandenen dynamischeren Struktur von
Friedenswissenschaft außerhalb der etablierten Bahnen institutio-
nalisierter Friedensforschung abzuschotten, wenngleich die mei-
sten Forscher, die Mitglieder der AFK sind, durchaus auch in ein-
zelnen Strängen solcher friedenspolitischer Betätigung zu finden
sind. Jedenfalls repräsentiert die AFK nicht mehr die Friedens-
forschung in der Bundesrepublik.
Neben der "Arbeitsstelle Friedensforschung" (AFB) versucht in
kleinerem Umfang die 1988 neu gegründete "Informationsstelle Wis-
senschaft und Frieden e.V." (IWIF), die neuen Anforderungen an
friedenswissenschaftliche Arbeit im weitesten Sinne an der
Schnittstelle von Friedenspolitik /Friedenswissenschaft und Frie-
densbewegung zu vermitteln. Damit setzt sie zum Teil an den Defi-
ziten der nicht entfalteten "Verbreitungsarbeit" der gescheiter-
ten DGFK an.
Trotzdem bleibt es wichtig, daß die Friedensforschung weiter als
vorrangige, gesellschaftspolitische Aufgabe erkannt und der Staat
nicht aus seiner weitergehenden Verantwortung zu ihrer Förderung
entlassen wird.
Dafür gibt es zunehmend mehr gesellschaftlich-politische Reso-
nanz. "Die Friedensforschung muß finanziell und ideell stärker
unterstützt werden. Die Friedenserziehung an den Schulen muß kon-
sequent ausgebaut werden", fordern DGB und Gewerkschaftsjugend in
ihren Aufrufen zum Antikriegstag. 45) Der Partei "Die Grünen" ist
die Förderung der Friedens- und Konfliktforschung im Bundestags-
wahlprogramm von 1987 unter der Rubrik "Internationales" und die
Forderung nach ihrem strikt staatsunabhängigen Charakter einen
eigenen Programmpunkt wert. 46) Die AL Berlin fordert für West-
berlin den Aufbau eines internationalen Friedensinstitutes. 47)
Die SPD forderte auf dem Parteitag von Nürnberg gar die Wiederer-
richtung der DGFK. 48)
Die im Verbund mit den neuen sozialen Bewegungen entstandene
friedenswissenschaftliche Betätigung hat also insgesamt Grund-
satzfragen der Abschreckungskritik und die Erörterung der Mög-
lichkeiten positiver Friedensgestaltung jenseits des Systems
wechselseitiger Vernichtungsandrohung wieder aufgenommen und
stellt inzwischen die Frage nach der "zivilen Verwundbarkeit und
strukturellen Kriegsunfahigkeit moderner Industriegesellschaf-
ten." 49)
Damit hat sie sich der nach wie vor bestehenden Grundherausforde-
rung der Friedensforschung, nämlich eine umfassende "politische
(...) Alternative zur Sicherheitspolitik mit militärischen Mit-
teln" 50) zu erarbeiten, wieder zugewandt. Dabei entsteht ein
neuer, erweiterter Sicherheitsbegriff, der ökologische, soziale,
kulturelle und ökonomische Aspekte einschließt. Insofern zielen
das "notwendige Umdenken und die Neubestimmung der Forschungs-
prioritäten" 51) auf die Umrisse der Utopie einer
"friedensfähigen zivilisatorischen Alternative", auf einen
"gleichen, gerechten und ungeteilten Frieden" im globalen Gesamt-
zusammenhang von Frieden, Gerechtigkeit und Naturbewahrung, die
sich an den Eckpunkten "Entmilitarisierung, Kooperation, demokra-
tische Konfliktlösung" 52) orientiert und diese in den Gesamtzu-
sammenhang einer unabdingbaren, generellen gesellschaftlichen Er-
neuerung stellt.
Eine so verstandene Friedensforschung wird sich auch in Zukunft
der "Entlegitimierung historisch-konkreter staatlicher Herr-
schaftsinteressen" (Rittberger), der Durchbrechung der
"Pathologie der Staatsräson" (Krippendorff) und der hartnäckigen
Überwindung der "Schwerkraft des historisch gewachsenen
(militärischen) Sicherheitsdenkens" (Wette) widmen und dabei auch
gegen Widerstände ankämpfen müssen.
Denn Frieden darf ja nie bloß außenpolitisch verstanden werden,
sondern ist, wenn er nicht nur als zwar wichtiges, aber im Endef-
fekt labiles Kriegsverhütungskonstrukt gedacht sein will, nur als
Inhalt einer friedensfähigen sozialen und politischen Ordnung
denkbar.
Die Möglichkeiten und Bedingungen einer solchen Ordnung muß die
Friedensforschung durch Bezug auf ihren gesellschaftskritischen
und antimilitaristischen Impuls zu erkunden helfen, mithin also
in der systematischen Wiederbelebung von sozioökonomischer Herr-
schaftsanalyse und Herrschaftskritik (Ursula Schmiederer) auch
und gerade im Hinblick auf die genannten, neuen Fragestellungen.
Forschungstheoretische und forschungspraktische Defizite gibt es
hier besonders im Bereich der Friedenspädagogik, der Nord-Süd-
Problematik, der historischen und der feministischen Friedensfor-
schung und bei den immer wichtiger werdenden sozialpsychologi-
schen Fragestellungen, die neuerdings auch auf den Bereich der
internationalen Beziehungen angewandt werden. 53)
Auch die Fragen der gesellschaftlichen Verantwortung von Wissen-
schaft und einer neuen wissenschaftlichen Ethik im Atomzeitalter
gehören hierzu.
Freilich darf man sich, was die Realisierungsmöglichkeiten sol-
cher oft zu Unrecht belächelter "Friedensutopien" angeht, keinen
Illusionen hingeben:
"Von der Delegitimierung des Militärischen im Atomzeitalter bis
zur Schaffung neuer, primär nicht-militärischer Instrumente von
Friedenspolitik ist ein weiter Weg zurückzulegen." 54)
Vor diesem Hintergrund wird die - unerledigte - Aufgabe, die der
organisierten Friedensforschung zu Beginn ihrer Entwicklung auf-
erlegt war, nämlich als Vermittlungsorgan der diversen friedens-
wissenschaftlichen Stränge und Ansätze eine theoretische und
praktische "Übergangsstrategie zu einer friedlichen Welt" 55)
auszuarbeiten und mit gesamtgesellschaftlichen Alternativmodellen
zu deren Durchsetzung beizutragen, wieder aktuell und verlangt
auch nach wissenschaftsorganisatorischen Konsequenzen.
Dabei zeichnet sich ab, daß die Friedensforschung nicht - wie
manchmal in ihren Anfangszeiten mißverständlich formuliert -
d i e neue, umfassende Grundlagen- und Universalwissenschaft mit
eigener Methodologie ist. Vielmehr erscheint die immer genauere
und spezifischere Anwendung und Verbesserung der vorhandenen me-
thodologischen und theoretischen Möglichkeiten in einem gemeinsa-
men, stärker aufeinander bezogenen Lernprozeß von Wissenschaft
und Gesellschaft als adäquate Antwort auf die Frage nach der
Durchleuchtung des Komplexes von Krieg - Frieden und Gesell-
schaft.
Zu den Lehren aus der Vergangenheit gehört dabei die Erkenntnis,
daß es notwendig ist, durch eine Neubestimmung des Verhältnisses
und bessere Verzahnung von institutionalisierter Friedensfor-
schung, Friedenswissenschaft und Friedensbewegung eine noch brei-
tere gesellschaftliche Massenverankerung der Friedensforschung
und eine Verstärkung ihrer gesellschaftspolitischen Wirksamkeit
zu erreichen und so dafür zu sorgen, daß die Diskussion um ihre
herausgehobene gesellschaftliche Bedeutung wieder neu konsensfä-
hig und inhaltlich belebt wird, ohne jedesmal aufs Neue auf die
Regierungsfähigkeit der Sozialdemokratie oder eines anderen poli-
tischen Reformblocks angewiesen zu sein. Das dazu erforderliche
gesellschaftliche Potential existiert. Die Friedensbewegung als
soziale Massenbewegung, die starke Resonanz auf die Verbreitungs-
arbeit der DGFK und die Ausbreitung friedenswissenschaftlicher
Arbeit an den Hochschulen belegen das. Es wird darauf ankommen,
es zu mobilisieren.
_____
1) Bernhard Moltmann. Perspektiven der Friedensforschung, in:
ders. (Hrsg.), Perspektiven der Friedensforschung. Schriftenreihe
der Arbeitsgemeinschaft für Friedens- und Konfliktforschung e.V.
(AFK), Band XV, Baden-Baden 1988, S. 21; Jürgen Reusch, Friedens-
forschung in der Bundesrepublik. Entwicklung - Positionen - Per-
spektiven, Informationsberichte des IMSF, 40, Frankfurt/M. 1986.
2) Volker Rittberger, Frieden ist mehr als kein Krieg, in: aus
politik und zeitgeschichte B/20/1977, 27. Jahrgang, S. 20.
3) Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik (Hrsg.), Interna-
tionale Rüstungslage und Bündnispolitik 1965, Bonn 1965, S. 165-
176.
4) Peter Menke-Glückert, Frieden kann geplant werden, in: Offene
Welt, Nr. 95/96, 1967, S. 177 f.
5) Ebda.
6) Rainer Rilling, Kriegsforschung und Vernichtungswissenschaft
in der BRD, Köln 1970. S. 112, 219, 232.
7) Joachim Hirsch, Wissenschaftlich-technischer Fortschritt und
politisches System, Frankfurt am Main 1973(3), S. 80 f.
8) Vgl. auch: Joachim Hirsch, Staatsapparat und Reproduktion des
Kapitals, Frankfurt am Main 1974, S. 359 sowie: Wolfgang van den
Daele, Peter Weingart, Die Anwendung der Sozialwissenschaften in
der Politik. Faktoren der Resistenz und Rezeptivität der Wissen-
schaft, in: Hermann Strasser, Karin B. Knorr (Hrsg.), Wissen-
schaftssteuerung, Frankfurt/M. 1976, S. 110 f.; Peter Weingart,
Selbststeuerung der Wissenschaft und staatliche Wissenschaftspo-
litik, in: KZfSS, 1970, 22. Jg., Heft 3, S. 347; Peter Weingart,
Friedensforschung und Futurologie. Wege zur heimlichen Program-
mierung der Wissenschaftspolitik, in: futurum, 3. Jg., 1970, Nr.
3, S. 394-398.
9) Ernst-Otto Czempiel, Vorwort, in: Vorstand der DGFK (Hrsg.):
Forschung für den Frieden, Fünf Jahre DGFK, eine Zwischenbilanz,
Boppard am Rhein 1975, S. 7.
10) Der Harmel-Bericht der NATO formuliert neben der militäri-
schen Stärke und der ständig zu sichernden Drohkapazität die
gleichzeitige Notwendigkeit von politischer Kooperation und Rü-
stungskontrolle zwischen den europäischen Staaten.
11) Piotr Dobrowolski, Friedensforschung in der Bundesrepublik,
Hektographiertes Manuskript, Katowice 1973, S. 12.; Willy Brandt
vor dem Deutschen Bundestag, 6. Wahlperiode, 51. Sitzung,
8.5.1970, Stenographischer Bericht, S. 2565 B/C, 2567 A.
12) Wortlaut in: Karl Kaiser, Friedensforschung in der Bundesre-
publik, Göttingen 1970, S. 248 ff.
13) Vgl. die Funktionszuweisung für die Friedensforschung durch
Helmut Schmidt, in: ders., Strategie des Gleichgewichts, Stutt-
gart-Degerloch 1969, S. 16.
14) Dieter Senghaas, Zur Pathologie des Rüstungswettlaufs, Frei-
burg 1970 sowie: ders., Abschreckung und Frieden, Frankfurt am
Main 1981 (3), Erstauflage 1969.
15) Carl Friedrich von Weizsäcker, Kriegsfolgen - Kriegsverhü-
tung, München 1971, S. 3-12.
16) Ekkehart Krippendorff (Hrsg.), Friedensforschung, Köln 1968,
S. 22.
17) Erklärung der Kritischen Friedensforschung auf der Wannsee-
Konferenz 1971, in: Dieter Senghaas (Hrsg.), Kritische Friedens-
forschung, Frankfurt am Main 1972, S. 418 f.
18) Karl Kaiser, Anm. 12, S. 44.
19) Vgl. Claus Koch, Friedensforschung - eine politische Wissen-
schaft, in: Dieter Senghaas (Hrsg.), Friedensforschung und Ge-
sellschaftskritik, München 1970, S. 76; vgl. auch die Nachzeich-
nung des Gründungsprozesses in meiner Arbeit: Die Deutsche Ge-
sellschaft für Friedens- und Konfliktforschung (DGFK), Genesis -
Programmatik - Scheitern, Magister-Arbeit, Bonn 1986, S. 79-104.
20) Peter Weingart, Selbststeuerung der Wissenschaft und staatli-
che Wissenschaftspolitik, in: KZfSS, 22. Jg., Heft 3, S. 347.
21) Hans Jürgen Krysmanski. Soziologie des Konflikts, Reinbek bei
Hamburg 1971, S. 207.
22) Vgl. den ausführlichen Bericht bei: Wolf-Dieter Eber-
wein/Peter Reichel, Friedens- und Konfliktforschung, München
1976, S. 60 ff.; auch: Protokoll der Kuratoriumssitzung und Ex-
traprotokoll zur Aussprache zum Bericht der Förderkommission vom
15.2.1973, S. 1-5, DGFK-Informationen 1-2/1973, S. 3f., 19 f.
23) Vgl. Matthöfer/Haunschild (Hrsg.), Forschung in der Bundesre-
publik Deutschland, Stuttgart 1976, S. 277; auch: Matthöfers An-
sprache in der Festversammlung der Max-Planck-Gesellschaft am 21.
6. 1974, in: DGFK-Informationen 1-2/1974, S. 9.
24) Auszüge der Ansprache von Brandt und Kern in: DGFK-Informa-
tionen Nr. 3/1973.
25) Vgl. DGFK-Informationen Nr. 1 und 2/1979, sowie Karlheinz
Koppe, Zur Entwicklung der DGFK, in: DGFK-Jahrbuch 1979/80, Ba-
den-Baden 1980.
26) Vgl. den Brief von Vorstand und Kuratoriumsvorsitzendem an
Ministerialdirektor Lehr (BMFT) vom 7. 3. 1979 sowie Protokoll
der Kuratoriumssitzung vom 8.12.1978.
27) DGFK-Informationen 1-2/1973.
28) H.E. Bahr /Marianne und Reimer Gronemeyer, Gesellschaftliche
Bedingungen des Friedens, in: DGFK (Hrsg.), Forschung für den
Frieden, Boppard 1975; auch: Hans-Günter Brauch, Entwicklung und
Ergebnisse der Friedensforschung, Frankfurt 1979, S. 11.; Jürgen
Reusch, Friedensforschung in der Bundesrepublik, a.a.O., S. 55.
29) Gutachten des Wissenschaftsrates: Empfehlungen des Wissen-
schaftsrates zur Förderung der Friedens- und Konfliktforschung,
Drucksache 1688/70, (West)Berlin 30. 5. 1970.
30) Brauch, Anm. 44.
31) Reusch, Anm. 1, S. 34; vgl. auch die Kritik von Martin Nie-
möller, abgedruckt bei: Egbert Jahn, Friedensforschung und Frie-
densbewegung, in: Friedensanalysen Nr. 16, Frankfurt am Main
1982.
32) Z.B. Walter Althammer, Selbstzerstörung finanziert mit Steu-
ergeldern, in: Informationen der CSU-Landesgruppe im Deutschen
Bundestag vom 28.1.1972.
33) F. Tenbruck, Frieden durch Friedensforschung? (FAZ,
22.12.1973); Heinrich End, Utopische Elemente in der Friedensfor-
schung, in: Zeitschrift für Politik, 20. Jahrgang, Nr. 2/1973;
Helmut Schelsky, Die Arbeit tun die anderen, Opladen 1975, S.
109-119; Kurt Sontheimer, Das Elend der Intellektuellen, Hamburg
1976, S. 224; s. dazu auch: Klaus Hörn/Reiner Steinweg, Politi-
sche Angriffe auf die Friedensforschung, in: Jahrbuch für Frie-
dens- und Konfliktforschung, Rüstung und Militär in der Bundesre-
publik Deutschland, Opladen 1977, S. 4, 26.
34) Hans-Joachim Arndt: Die staatlich geförderte Friedens- und
Konfliktforschung in der Bundesrepublik Deutschland von 1970 bis
1979. Wissenschaftliches Gutachten über die Förderungstätigkeit
der DGFK. Hrsg. v. d. Bayerischen Staatskanzlei, o.O. (Schries-
heim 1981).
35) Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der SPD-
Fraktion, BT-Drucksache 9/2301 vom 19. 12. 1982, in: DGFK-Infor-
mationen Nr. 1/1983.
36) Vorwärts Nr. 45/1985, S. 19; AFB-Info Nr. 1/86.
37) Ebda.
38) Christiane Rajewsky, Friedensforschung - die unbequeme Wis-
senschaft, in: Ringvorlesung Kölner Wissenschaftler, Köln 1985,
S. 55-81.
39) Stellungnahme zum Rüstungshaushalt 1985, in: Schriftenreihe
Wissenschaft und Frieden, Nr. 3, Marburg 1984.
40) Moltmann, Anm. 1, S. 20.
41) Siehe dazu: Die Expertenkartei. Beiträge der Wissenschaft zu
Frieden und Abrüstung, in: Schriftenreihe Wissenschaft und Frie-
den, Nr. 9, Marburg 1987. S.a. den Beitrag von Corinna Hauswe-
dell in diesem Band.
42) Siehe dazu: Egbert Jahn, Von der internationalen Friedensfor-
schung zur nationalen Sicherheitsforschung, in: Moltmann, Anm. 1.
43) Thomas Risse-Kappen, Die Krise der Sicherheitspolitik, Mün-
chen-Mainz 1988.
44) Werner Buckel, Wissen, Macht und Verantwortung, in: Deutsche
Volkszeitung/die tat, Nr. 2, 6. 1. 1989.
45) DGB, Für eine Welt des Friedens, in: druck und papier, Nr.
17/1986.
46) Die Grünen, Farbe bekennen, Bundestagswahlprogramm 1987, Bonn
1987.
47) FAZ vom 24. 11. 1986.
48) Parteitag der SPD in Nürnberg, 25.-29. 8. 1986. Beschlüsse,
hrsg. v. Vorstand der SPD, Bonn o.J., S. 872.
49) Weiter abrüsten - Friedliche Wege in die Zukunft. Kongreß,
Tübingen, 2.-4. Dezember 1988, hrsg. v.d. Naturwissenschaftler-
Initiative e.V. "Verantwortung für den Frieden", S. 15. Mit die-
sem Thema befaßte sich eine Arbeitsgruppe.
50) Karlheinz Koppe, Auf der Suche nach einer politischen Alter-
native zur Sicherheitspolitik mit militärischen Mitteln, in:
Dieter S. Lutz (Hrsg.), Im Dienst für Frieden und Sicherheit.
Festschrift für Wolf Graf von Baudissin, Baden-Baden 1985, S.
325-337.
51) Vgl. Jahn, Anm. 42, S. 88.
52) Siehe dazu: Mechtild Jansen, Möglichkeiten und Alternativen
der Friedensbewegung in einer Umbruchsituation. Unveröffent-
lichtes Manuskript, o.O. 1988; sowie Moltmann, Anm. l, S. 33.
53) Eva Senghaas-Knobloch, Zur politischen Psychologie interna-
tionaler Politik, in: aus politik und Zeitgeschichte, B 52-53/88
v. 23. 12. 1988, S. 14-23.
54) Wolfram Wette, Geschichte und Frieden: Aufgaben historischer
Friedensforschung, AFB-Texte, Mai 1987, S. 3.
55) So der Wissenschaftsrat in seinem Gutachten von 1970, Anm.
45.
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