Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 15/1989


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       Abrüstung in der Bundesrepublik -
       politische und ökonomische Aspekte
       

CHANCEN DER ABRÜSTUNG UND DIE POLITISCHE REALITÄT

Georg Grasnick Zunächst einige Bemerkungen zur internationalen Lage. Ich stimme mit Jürgen Keusch überein, daß die gegenwärtige Entwicklung wi- dersprüchlich verläuft. Zweifellos vollzieht sich - im Vergleich zur ersten Hälfte der 80er Jahre - eine Wende von der Konfronta- tion zur Entspannung. Zweifellos vollzieht sich aber auch eine Verhärtung des Widerstandes einflußreicher militaristischer Kreise im Imperialismus gegen diesen Prozeß. Die akute Gefahr eines alles vernichtenden Krieges ist gebannt. Aber die Hochrüstung ist noch nicht gestoppt. Und die Gefahr des Ausbruchs eines nuklearen Infernos infolge technischen oder men- schlichen Versagens ist keineswegs ausgeschlossen. Der Einstieg in die nukleare Abrüstung ist vollzogen. Aber die Abrüstungsgegner wollen die Ergebnisse des INF-Vertrages durch "Modernisierung" und Kompensierung paralysieren. Ihr Sinnen geht dahin zu verhindern, daß der eingeleitete Abrüstungsprozeß unum- kehrbar wird. Mit einem neuen Wettrüsten möchten sie den Sozia- lismus zermürben. Hinsichtlich der regionalen Konflikte zeichnet sich die Tendenz politischer Lösungen ab. (Waffenstillstand Iran-Irak; Ansätze für eine Lösung des Nahost-Problems; schrittweise Regelung der Afgha- nistan- wie auch der Kampuchea-Frage; Schritte zur Beseitigung des Konflikts in Namibia). Aber die Anti-Kräfte ruhen nicht; sie sind bestrebt, ihre reaktionären Absichten zum Zuge zu bringen. Die Rolle der UNO wird deutlich aktiviert; die Weltorganisation als Instrument der Vermittlung und Friedensstiftung wird aufge- wertet. Aber auch hier sind - beispielsweise mit der Verweigerung der Einreise Yasser Arafats in die USA zur UNO-Tagung - Störfak- toren nicht zu übersehen. Der Dialog hat sich als politische Institution im internationalen Leben - gegenüber Sprachlosigkeit bzw. ideologischem Krieg wäh- rend der Konfrontation - durchgesetzt. Er ist schon nicht mehr aus den zwischenstaatlichen Beziehungen wegzudenken. Von beson- derem Gewicht ist dabei ganz sicher die Verstetigung und Befesti- gung des Dialogs zwischen der UdSSR und den USA. Mit einem Satz: Die objektiven Bedingungen für eine Gesundung der internationalen Lage sind heute günstiger als in den Jahren zuvor. Große Abrüstungsinitiative der UdSSR ------------------------------------ Von dieser Warte aus - einige Bemerkungen zu den Chancen der Ab- rüstung heute. Diese Chancen erhalten einen außerordentlichen Auftrieb durch die eben bekanntgewordene hervorragende Initiative der UdSSR für eine einseitige radikale Reduzierung ihrer Streit- kräfte um 500000 Mann, 10000 Panzer, 8500 Artilleriesysteme und 800 Kampfflugzeuge. Mit dieser "Großen Initiative" - um einen Begriff Lenins auf die Abrüstungsproblematik anzuwenden - demonstriert die Sowjetunion neues Handeln im Interesse des Friedens und der Sicherheit der Völker. "Die Initiative bleibt bei Moskau", kommentieren heute bürgerliche Zeitungen. Was zeigt diese Initiative? Einmal den Weg und das Beispiel, wie das von der UdSSR der Welt dargelegte Friedensprogramm zielstrebig verwirklicht werden kann. Wie wird die NATO reagieren? Weiter offenbart dieser Schritt, welche Chancen die Menschheit, besonders Europa, hat, um sich von Rüstungen und Waffen zu be- freien. Wie werden jene antworten, die so oft von einer "europäischen Friedensordnung" gesprochen haben? Und schließlich eröffnet sich mit der Reduzierung von Waffen und Streitkräften die Chance, beträchtliche Mittel einzusparen, die für die Lösung globaler Menschheitsprobleme (Ökologiekrise, Un- terentwicklung usw.) sinnvoll eingesetzt werden könnten. Wird man also über den Hunger hunderter Millionen weiter debat- tieren oder der Unterentwicklung generell und in systemübergrei- fender Kooperation den Kampf ansagen? Für unser Ringen in einer Region, in der die Konzentration von Massenvernichtungswaffen besonders extrem ist, vermittelt die jüngste UdSSR-Inititative wichtige Impulse. Einige Aspekte: E r s t e n s steuert diese Initiative Kurs auf den Einstieg auch in die konventionelle Abrüstung. Schon in quantitativer Hin- sicht bedeutet das einen bahnbrechenden Schritt. Z w e i t e n s leitet sie in qualitativer Hinsicht seitens der sowjetischen Streitkräfte eine Wende vom - wie Michail Gor- batschow sagt - "Prinzip der Überrüstung zum Prinzip der vernünf- tigen Hinlänglichkeit der Verteidigung", - zur strukturellen An- griffsunfähigkeit ein. Die Sowjetunion hat zu diesem Problem nicht viele Worte gemacht; sie handelt. D r i t t e n s bedeutet diese Inititative eine wesentliche Un- terstützung, ja eine Herausforderung für die bevorstehenden Wie- ner Verhandlungen der 23er Gruppe, also der Mitgliedsstaaten des Warschauer Vertrages bzw. der NATO im KSZE-Prozeß. V i e r t e n s wird diese Abrüstungsinitiative die Akzeptanz- krise der Doktrin der nuklearen Abschreckung vertiefen, einer Doktrin, die sich mit Hilfe des Arguments von einer "konventionellen Überlegenheit des Ostens" zu legitimieren ver- sucht. Es ist auch damit zu rechnen, daß die Erosion der antikom- munistischen Bedrohungslegende weiter befördert wird. F ü n f t e n s bietet diese Abrüstungsinitiative eine günstige Gelegenheit, die als "Modernisierung" bezeichneten weiteren Auf- rüstungsabsichten der NATO zu entschleiern. Für Mitte des Jahres 1989 ist das NATO-Gesamtkonzept zur Abrüstungsfrage angekündigt. Sein Inhalt wird an der neuen sowjetischen Initiative gemessen werden: Berücksichtigt es die Lebensinteressen der Völker oder ist es ein Schlag gegen die Überlebensinteressen und -erforder- nisse der Menschheit. Verantwortung der beiden deutschen Staaten ------------------------------------------ Für mich, der ich aus der DDR komme, verbinden sich damit eine Reihe zusätzlicher Fragen. Bekanntlich enthält das anläßlich des offiziellen BRD-Besuchs Erich Honeckers am 8. September 1987 in Bonn unterzeichnete Ge- meinsame Kommunique die Festlegung, daß die beiden deutschen Staaten "angesichts einer sich aus der gemeinsamen Geschichte er- gebenden Verantwortung besondere Anstrengungen für das friedliche Zusammenleben in Europa unternehmen müssen." Aber - wie vereinbaren sich die darin formulierten "besonderen Anstrengungen" mit dem Einschwenken der Bundesregierung auf das NATO-Konzept einer "Modernisierung" von Nuklearwaffen? Wie ver- einbart sich die erklärte Absicht, "für das friedliche Zusammen- leben in Europa" zu wirken, mit dem ebenfalls erklärten Stand- punkt, an der Doktrin der "nuklearen Abschreckung" und damit - und das bedeutet es doch - am Feindbild festhalten zu wollen? Im erwähnten Kommunique wird von der Übereinstimmung beider Sei- ten gesprochen, "daß Fortschritte bei der nuklearen Abrüstung die konventionelle Abrüstung mit dem Ziel größerer Sicherheit und Stabilität in Europa vom Atlantik bis zum Ural besonders dring- lich machen." Bedauerlicherweise ist festzustellen, daß die Bundesregierung in der ersten Reaktion auf die einseitige sowjetische Abrüstungsi- nitiative ein "Ja - aber" vernehmen läßt und im gleichen Atemzug verkündet, daß eine dritte Null-Lösung bei nuklearen Kurzstrec- kenwaffen ebensowenig in Betracht käme wie eine Denuklearisierung Europas. Das Festhalten der Bundesregierung an der Abschreckungsdoktrin ist für jegliche Abrüstung zutiefst kontraproduktiv. Das schließt logischerweise die Mithilfe bei der "Modernisierung" atomarer Waffen - der Einführung neuer atomarer Kurzstreckenwaffen, der Einführung einer sogenannten Kurzstreckenwaffe mit einer Reich- weite von 500 Kilometern, der Stationierung neuer atomarer Ab- standswaffen, der Stationierung luft- und seegestützter Cruise Missiles usw. - ein. Wenn sich hierhinter die Absicht verbirgt, dem Sozialismus mit einer Politik der Stärke gegenübertreten, ihn unter Druck setzen, ihn gar unter kapitalistischen Reformdruck setzen zu wollen, so ist das nicht nur eine Bedrohung der Völker in den sozialisti- schen Ländern. Die Variante, einen neuen Schub des Wettrüstens in Bewegung zu setzen, ist ein Spiel mit dem atomaren Feuer, das jene, die es legen, mit versengen würde. Die DDR wird, daran sollte kein Zweifel bestehen, entsprechend Geist und Buchstaben des Gemeinsamen Kommuniques vom 8. September 1987 auf Fortschritte und Ergebnisse in den Abrüstungsverhandlun- gen hinarbeiten. Beide deutsche Staaten, die DDR und die BRD, stehen gemäß diesem Kommunique in der Pflicht, "bei den bilatera- len Verhandlungen zwischen der Sowjetunion und den USA konstruk- tiven Einfluß aus(zu)üben." Das ist für die DDR verbindlich. Es entspricht ihrem ganzen bisherigen Weg in den vergangenen 40 Jah- ren. Für die BRD wäre die Treue gegenüber offiziell erklärter Ab- sicht nützlich, um nicht erst später unter dem Druck der weiter an Stärke gewinnenden friedliebenden Öffentlichkeit zu einem Ein- schwenken auf Positionen des Realismus veranlaßt zu werden. Die Chancen für Abrüstung jetzt zu nutzen erfordert, daß beide deutsche Regierungen sich für den baldigen Abschluß eines Vertra- ges über die 50%ige Reduzierung der strategischen Offensivwaffen und die Festigung des ABM-Vertrages einsetzen. Das erfordert wei- ter, einen Modernisierungsverzicht für Kernwaffen und die schrittweise Beseitigung der nuklearen Kurzstreckenwaffen zu er- reichen. Das erfordert ferner den Abbau der Asymmetrien auch sei- tens der NATO, wie es die Warschauer Vertrags Staaten vorgeschla- gen haben. Schließlich wäre es eine große Initiative der Regie- rung der BRD, wenn sie den Vorschlag von SED und SPD für die Schaffung einer Zone der Sicherheit und des Vertrauens aufgriffe und konstruktiv beantwortete. Wenn sie also dafür einträte, be- sonders offensivfähige Waffensysteme aus einem zu vereinbarenden Streifen entlang der Berührungslinie von NATO und WVO zu entfer- nen, die Zahl der an Manövern teilnehmenden Soldaten rapide zu reduzieren und dazu getroffene Vereinbarungen einer strengen Kon- trolle zu unterziehen. So könnte das im Gemeinsamen Kommunique formulierte Credo "Von deutschem Boden darf nie wieder Krieg, von deutschem Boden muß Frieden ausgehen" durch praktische Politik mit Leben erfüllt und dem Leben der Menschen dienstbar gemacht werden. Wachsende Rolle der Öffentlichkeit ---------------------------------- Wenn es jetzt darum geht, im Abrüstungsprozeß keine Pause zuzu- lassen, dann ist das nicht allein unter dem Gesichtspunkt der Verhandlungen zwischen den Staaten zu sehen. Außer dem staatli- chen Bereich sind die Aktivitäten der gesellschaftlichen Kräfte, der Friedensbewegung gefragt. Immer höheres Gewicht erhält die Rolle der internationalen Öffentlichkeit. Dieses Gewicht kann, wie die Erfahrungen lehren, fördernd auf den Verlauf der Verhand- lungen einwirken. In unserer Zeit gewinnt die Rolle der Öffentlichkeit aus mehreren Gründen einen höheren Stellenwert. Erstens üben gesamtgesellschaftliche Interessen zunehmend Einfluß auf das Massenbewußtsein aus: die qualitativ neue Dimension der Friedensfrage, die ökologische Krise, die Unterentwicklung in der "Dritten Welt". Die Sensibilisierung zu diesen globalen Mensch- heitsproblemen oder gesamtgesellschaftlichen Interessen hat sich ausgeprägt. Den Menschen wird die Wendesituation, vor der sie stehen, mehr und mehr bewußt, weil gegenständlich. Zweitens verstärken sich gruppenübergreifende Komponenten im Mas- senbewußtsein. Die durch die wissenschaftlich-technische Revolu- tion herbeigeführten Veränderungen in der sozialen Struktur der kapitalistischen Gesellschaft führen zum Abbau früherer Abgren- zungen zwischen sozialen Schichten und Gruppen. Das bedeutet keine Einebnung oder Überwindung der Klassen. Es bewirkt jedoch tendenziell - von unterschiedlichen sozialen Interessen her - ein stärkeres Bewußtwerden vor allen von Überlebenserfordernissen. Auch dieser Prozeß reflektiert sich in der Öffentlichkeit. Drittens ist das Bildungsniveau der Menschen gegenüber der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts gewachsen. Die Entwicklung moderner Produktivkräfte verlangt dies und hat dies zugleich zum Ergebnis. Damit hat sich aber die Möglichkeit und die Fähigkeit von mehr und mehr Menschen erhöht, die Situation in der Gesellschaft, die sie bedrohenden Gefahren sachlicher und sachkundiger einzuschät- zen. Viertens tragen auch die Massenmedien objektiv dazu bei, die Vielfalt von Fragen der Entwicklung der Gesellschaft zu erkennen bzw. zu "durchschauen". Natürlich werden imperialistische Medien ihre klassenmäßige Darstellung von politischen Entwicklungen, Er- eignissen und ihren Zusammenhängen geben. Selbstverständlich wer- den sie stets ihre Aufgabe darin sehen, den einzelnen für ihre klassenmäßige Darstellung einzunehmen und in das System zu inte- grieren. Zugleich sehen auch diese Medien, wesentlich aus Gründen der Selbsterhaltung ihres Systems, sich veranlaßt, diese Grund- fragen tangierenden Probleme aufzuwerfen und zu behandeln. Inso- fern werden globale Menschheitsprobleme transparent. Für die Verteidigung humanistischer Werte und Ideale - Frieden, internationale Solidarität, Reduzierung der Rüstungen, Welt ohne Krieg - entstehen günstigere Bedingungen. Die Friedensbewegung hat mit ihren Aktionen diese Werte für Millionen und aber Millio- nen bewußt gemacht. Was sich in der Entwicklung eines qualitativ neuen Problembewußt- seins in der Bevölkerung der BRD herausgebildet hat, ist wohl am besten durch Vergleiche mit der Situation vor zehn oder 30 Jahren zu begreifen. Sicher - es hat in den 50er oder 70er Jahren machtvolle Aktionen gegeben: gegen die atomare Bewaffnung der Bundeswehr, für die auf Entspannung orientierte Politik der SPD-geführten Bundesregie- rung. Und dennoch haben wir es heute mit einer neuen Qualität zu tun: mit dem Engagement der SPD und der Gewerkschaften in der Friedensbewegung; mit dem Wirken berufsspezifischer Friedensgrup- pen der Naturwissenschaftler, der Pädagogen, der Sportler, der Juristen; mit der Sachkunde, dem Sachverstand in der Friedensbe- wegung; mit Positionsgewinnen nicht zuletzt in elektronischen Massenmedien in Form der Darstellung der Friedensproblematik. Vorbei sind die Zeiten, da die Friedensbewegung als "Filiale Mos- kaus" und ihre Anhänger als "nützliche Ideologen" verleumdet wor- den sind. Die Artikulierung von Überlebenswillen hat im Bewußt- sein vieler Menschen tiefe Spuren hinterlassen, hat ein stabiles Friedensbewußtsein erzeugt. Die Ergebnisse von Umfragen bürgerlicher Meinungsforschungsinsti- tute zu Problemen wie Abrüstung, Bedrohungslegende, Frieden über mehrere Jahrzehnte verglichen, offenbaren, daß sich in dieser Hinsicht außerordentlich positive Entwicklungen vollzogen haben. Wenn heute in der Auseinandersetzung um die Grundfrage Krieg- Frieden immer wieder die internationale Öffentlichkeit als Faktor zitiert und in Rechnung gestellt werden muß, so haben die hier dargelegten Momente und Prozesse zweifellos wesentlichen Anteil an dieser Tatsache. Anmerkung in der Diskussion: ---------------------------- Zu den Motiven sowjetischen Abrüstungswillens --------------------------------------------- Läßt sich der Sozialismus, lassen sich die Sowjetunion und die anderen Mitgliedsstaaten des Warschauer Vertrages bei ihren Abrü- stungsinitiativen von ökonomischen Zwängen leiten? Es wäre falsch, diesen Aspekt zu verabsolutieren. Es liefe darauf hin, den Zusammenhang von Sozialismus und Frieden zu vergessen. Der sozialistische Staat ist natürlich von Beginn einer Existenz an daran interessiert, die Ausgaben für Zwecke der Rüstung, für die Verteidigung so gering wie möglich zu halten. Der Aufbau der neuen Gesellschaft, die Erfüllung des Sinns des Sozialismus braucht alle verfügbaren Ressourcen und Mittel. Und er braucht günstige äußere Bedingungen. Deshalb ist das Wirken Lenins gegen- über den imperialistischen Staaten von Anfang an mit der Idee und Politik der friedlichen Koexistenz und der allgemeinen Abrüstung verbunden. Vor allem resultieren die Abrüstungsinitiativen des Sozialismus heute wie in den vergangenen Jahrzehnten aus dem humanistischen Wesen des Sozialismus und der Arbeiterklasse. Anknüpfend an Marx formulierte Lenin das Ideal des Sozialismus - die Abrüstung, die Entwaffnung. Mit der Sozialistischen Oktoberrevolution wurde, wie Lenin feststellte, auch im Kampf um den Frieden eine neue Epoche eingeleitet. Die historische Mission der Arbeiterklasse, die Aus- beutung des Menschen durch den Menschen zu beseitigen, erweitert sich in dem Sinne, auch der Ausrottung des Menschen durch den Menschen in verheerenden imperialistischen Kriegen ein Ende zu bereiten. Heute, unter den Bedingungen des Nuklearzeitalters, ist der letztgenannte Aspekt dieser Mission besonders akut. Und sie ist zu erfüllen bei weiterer Existenz des kapitalistischen Sy- stems. Der antimilitaristischen Tradition getreu hat die revolutionäre Arbeiterbewegung und ihre Vorhut den Kampf gegen die vom deut- schen Imperialismus angezettelten beiden Weltkriege in unserem Jahrhundert geführt. Das Kräfteverhältnis war noch nicht so, um die aggressiven Kräfte des Imperialismus zurückzudrängen. Heute ist mit der von der Sowjetunion bzw. dem Warschauer Pakt erzwun- genen militärstrategischen Parität eine qualitativ neue Lage ge- geben. Das erwähnte Leninsche Ideal wird heute von der KPdSU, wie M. Gorbatschow betonte, in der Gestaltung einer Welt ohne Gewalt und Krieg gesehen. Dabei übersieht wohl niemand, daß maßgebliche Kreise des Imperia- lismus von einer Welt ohne Sozialismus oder, anders ausgedrückt, von sozialer Revanche gegen den Sozialismus träumen. Manche lei- ten sogar aus den Problemen, die sich für den Umgestaltungsprozeß in der UdSSR ergeben, die spekulative Schlußfolgerung ab, daß die Zeit günstig sei, um so oder so - mit erpresserischen Forderungen oder militärischem Druck - soziale Revanche in Angriff zu nehmen. Bekanntlich hat die Sowjetunion ungleich härtere Prüfungen beste- hen müssen: den Interventionskrieg von 14 imperialistischen Mäch- ten, den faschistischen Überfall bzw. Vernichtungskrieg. Wie oft wurde das Schicksal des realen Sozialismus von seinen Feinden in den düstersten Farben gemalt. Die große historische Aufgabe des Umgestaltungsprozesses in der Sowjetunion wird eine Stärkung des Sozialismus und des Friedens- potentials zum Ergebnis haben. Die Sicherung dieses Prozesses und des Friedens nicht nur für die Völker der sozialistischen Staaten hat die militärstrategische Parität zum Unterpfand. Sie ernüchtert militaristische Heißsporne. Sie wird als Faktor von den Gegnern des Sozialismus akzeptiert. zurück