Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 15/1989


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AGGRESSIVITÄT UND FRIEDENSFÄHIGKEIT DES HEUTIGEN KAPITALISMUS

Horst Heininger Aggressivität - eine Grundeigenschaft des Imperialismus? - Zum Verhältnis von ökonomischem Monopol und Gewalt - Aggressivität - Kennzeichnung einer bestimmten Politik des Imperialismus - Ag- gressivität und Militarismus - Veränderte Bedingungen für die Wirksamkeit aggressiver Politik Einen Zentralpunkt der gegenwärtigen internationalen Auseinander- setzung um den Fortgang von Abrüstung und Entspannung bildet die Frage nach der Friedensfähigkeit des Imperialismus. Ihre Beant- wortung gibt wesentliche Aufschlüsse für die Perspektive einer Politik, die auf die dauerhafte Bewahrung des Friedens abzielt und hierbei die aktive Mitwirkung maßgeblicher politischer Kreise in den imperialistischen Ländern als wesentliche Voraussetzung für einen Erfolg ansieht. Die Diskussion über die Friedensfähigkeit des heutigen Kapitalis- mus hat mit wichtigen politischen Dokumenten der jüngsten Vergan- genheit neue Anstöße erhalten. So warf Michail Gorbatschow in seinen Reden zum 70. Jahrestag der Oktoberrevolution die Frage auf, ob der Kapitalismus ohne den Militarismus ökonomisch funk- tionieren könne. 1) Bedeutsam ist in dieser Hinsicht auch die Er- klärung von SED und SPD "Der Streit der Ideologien und die ge- meinsame Sicherheit" vom August 1987, in der festgestellt wird, daß sich beide Systeme - Kapitalismus und Sozialismus - für eine erfolgreiche Friedenspolitik gegenseitig für friedensfähig halten müssen. 2) Solche grundlegenden Aussagen haben unter Politikern, Wissen- schaftlern und Propagandisten vielfältige Diskussionen hervorge- rufen, in denen auch der Einwand vorgebracht wird, ob nicht mit dem Aufwerfen der Frage nach der Friedensfähigkeit des Imperia- lismus eine Korrektur der marxistischen Theorie vorgenommen würde, derzufolge doch dem Imperialismus Krieg, Aggressivität und Militarismus wesenseigen seien und daher auch nur mit der Über- windung dieses Systems beseitigt werden könnten. Die genauere Verständigung darüber, was unter Aggressivität des Imperialismus zu verstehen ist, eröffnet daher einen wesentlichen Zugang zur Aufhellung der Frage nach der Friedensfähigkeit des heutigen Kapitalismus. Aggressivität - eine Grundeigenschaft des Imperialismus? -------------------------------------------------------- Unter Aggressivität wird in politökonomischen Arbeiten im allge- meinen eine G r u n d e i g e n s c h a f t des Imperialismus bzw. des Monopols verstanden, die sich zwangsläufig in der Ökono- mie und Politik der imperialistischen Staaten Geltung verschafft. Oftmals wird eine direkte Beziehung zwischen dem "Drang des öko- nomischen Monopols nach Reaktion und Gewalt" und Aggressivität hergestellt. So heißt es in dem Buch "Der Imperialismus der BRD" (1971), daß die Aggressivität "... dem monopolistischen Kapita- lismus, der ökonomischen Grundlage des Imperialismus entspringt." Aggressivität wird hier als "Wesenszug" oder auch als "Grund- eigenschaft" des Imperialismus bezeichnet. "Ihre Wurzeln liegen im Wesen des ökonomischen Monopols, in seinem Drang nach Herrschaft und Gewalt." 3) Eine noch stärkere Hervorhebung des Wechselverhältnisses zwischen monopolistischer Gewalt und Aggres- sivität des Imperialismus findet sich in dem Buch "Der Militär- Industrie-Komplex im heutigen Imperialismus" (1974): "Aggressivi- tät können wir daher als den gesetzmäßig aus dem Monopol ent- springenden Drang bezeichnen, mit der nach außen gerichteten ökonomischen und außerökonomischen Gewalt Kapitalanlage- und Einflußsphären zu erobern, andere Konkurrenten auszuschalten, fremde Völker zu unterdrücken, das sozialistische Weltsystem zu überwinden, um damit eine historisch überlebte Ausbeuterordnung zu erhalten und im Weltmaßstab auszuweiten." 4) Eine ähnliche De- finition treffen wir in dem Buch "Militarismus heute" (1979) an. 5) Auch in anderen Arbeiten werden ähnliche Kennzeichnungen der Aggressivität gegeben. Ein Autor formuliert sogar: "Die Aggressi- vität des Imperialismus ist eine gesetzmäßige und bisher dominie- rende Tendenz seiner ökonomischen Struktur." 6) Ausgehend von diesen Zusammenhängen wird dann in den meisten Ar- beiten auf das Gesetz der Ungleichmäßigkeiten in der ökonomischen und politischen Entwicklung der imperialistischen Länder verwie- sen. In der historischen Entwicklung macht sich Aggressivität zunächst in der zwischenimperialistischen Rivalität bis zur be- waffneten Auseinandersetzung, vor allem in der Entfesselung zweier Weltkriege geltend. Diese bisherige Darstellung der Aggressivität des Imperialismus ist zumindest aus drei Gründen unscharf und erschwert eine kla- rere Durchdringung des Wechselverhältnisses von Ökonomie und Po- litik im heutigen Imperialismus. Erstens wird mit solchen Formu- lierungen, wie sie vorstehend zitiert wurden, faktisch ein zwangsläufiger Zusammenhang zwischen der Existenz des ö k o n o- m i s c h e n M o n o p o l s und der Aggressivität in der Politik der kapitalistischen Staaten postuliert. Würde man einer solchen Kennzeichnung der Aggressivität folgen, dann ergäbe sich daraus, daß Aggressivität mit der Existenz des kapitalistischen Systems schlechthin verbunden wäre und daß alle Bemühungen der Friedenskräfte um eine dauerhafte friedliche Politik der im- perialistischen Staaten keine Perspektive hätten. Zweitens be- steht die Ungenauigkeit in den Formulierungen zur Aggressivität darin, daß es keine klare Abgrenzung für den spezifischen Inhalt dieser "Grundeigenschaft" des Imperialismus gibt. Die Kennzeich- nung Aggressivität wird oftmals unterschiedslos für ökonomische, politische, militärische und ideologische Aktivitäten im heutigen Imperialismus verwendet. Und drittens bleibt mitunter offen, ob Aggressivität nur für die Kennzeichnung der Expansion "nach au- ßen", d.h. der äußeren Beziehungen kapitalistischer Staaten zu gelten habe oder ob sie auch generell als Äußerung bestimmter Ex- pansionsformen der Monopole sowohl im Innern als auch nach außen zu betrachten sei. Offensichtlich ist es notwendig, einen differenzierten Zugang zu dem Zusammenhang zwischen Imperialismus und Aggressivität, zwi- schen Monopol und Aggressivität zu finden. Wichtig ist hierbei die nähere Betrachtung des Verhältnisses von ökonomischem Monopol und Gewalt. Es erhebt sich die Frage, inwieweit das ökonomische Monopol (der Kern der ganzen Sache - Lenin) selbst unaufhaltsam militärische Gewalt, Aggressivität und Kriege hervorbringt und damit als eine unaufhebbare Grundlage der Friedensbedrohung zu gelten hat. Oder, anders gefragt: Wie ist der "Mechanismus" zwischen ökonomischem Monopol, Gewalt und Aggressivität angelegt? Zum Verhältnis von ökonomischem Monopol und Gewalt 7) ----------------------------------------------------- Lenin kennzeichnete zu Beginn des Jahrhunderts das Herrschafts- verhältnis und die damit verbundene Gewalt als das Typische für die jüngste Entwicklung des Kapitalismus, das aus der Bildung allmächtiger ökonomischer Monopole unvermeidlich hervorgehen mußte und hervorgegangen ist. 8) Diese Leninsche Charakterisierung des Verhältnisses von Monopol und Gewalt ging erstens prinzipiell davon aus, daß die Aufhebung des Kapitalismus der freien Konkurrenz einen tiefen qualitativen Einschnitt in der Entwicklung der kapitalistischen Produktions- verhältnisse darstellt, eine Aufhebung seines Wirtschaftsmecha- nismus, die nur mit Gewalt zu erreichen sei. Zweitens ging Lenin davon aus, daß mit der Herausbildung des Monopols die internatio- nal räumlich und zeitlich ungleichmäßige Entwicklung notwendiger- weise zu einer wachsenden Rolle der Gewalt im Kampf um die Auf- teilung und Neuaufteilung der Welt führen werde. Lenin verband mit dieser zweiten Voraussetzung für seine Zeit die Erkenntnis der Unvermeidlichkeit von Kriegen zwischen den imperialistischen Ländern - eine Voraussicht, die in zwei Weltkriegen ihre Bestäti- gung gefunden hat. Generell ist Lenins Analyse jedoch weder mit der prinzipiellen These der Notwendigkeit militärischer Gewalt als Existenzbedin- gung des monopolistischen Kapitalismus noch mit einer engen Sicht der Gewalt als außerökonomische Gewalt verbunden. Als Expansions- bedingung des Monopols geht es vielmehr vor allem um drei Aspekte: - ökonomische Gewalt, vor allem im Sinne der vollständigen oder partiellen Enteignung anderer Kapitale (was die Abwälzung von Ka- pitalentwertung und -vernichtung in Krisen kraft der Monopolmacht auf schwächere Kapitale - und schwächere Länder - einschließt); - die Notwendigkeit einer engen Verflechtung bzw. Verschmelzung von Monopol- und Staatsmacht, d.h. die vom Monopol ausgehende Tendenz zum staatsmonopolistischen Kapitalismus (einschließlich des Einsatzes ökonomischer und außerökonomischer staatlicher Macht zur Sicherung günstiger Expansions- und Verwertungsbedin- gungen der Monopole); - die Tatsache, daß die Aufhebung der freien Konkurrenz durch das Monopol auch die Tendenz zur entsprechenden Veränderung im Über- bau vor allem im Bereich der staatlichen Macht erzwingt: Aufhe- bung der Demokratie für die Kapitale erfordert die Aufhebung der frühbürgerlichen Demokratie. In diesem, vorstehend genannten Sinne ist die Leninsche Analyse des Verhältnisses von Monopol und Gewalt auch heute uneinge- schränkt anwendbar. Dabei gilt die Anwendung von Gewalt durch das Monopol zur Aufhe- bung vormonopolistischer Produktionsverhältnisse heute vor allem für das Verhältnis der imperialistischen Mutterländer zu Entwick- lungsländern. Dabei spielt auch militärische Gewalt weiterhin eine wichtige Rolle in Form von direkter Gewaltanwendung, als Drohpotential oder in Form der Herstellung von Abhängigkeiten über verschiedene Formen militärischer Verträge und Bündnisse. Hinsichtlich des z w e i t e n Aspekts des Verhältnisses von Monopol und Gewalt, der Rolle der Gewalt im Kampf um die Auftei- lung und Neuaufteilung der Welt, begründete Lenin einen neuen An- satz in der Analyse der veränderten Bedingungen für die Ungleich- mäßigkeit in der imperialistischen Entwicklung. In dem Wirken des Gesetzes der Ungleichmäßigkeit der ökonomischen und politischen Entwicklung kapitalistischer Staaten in der Periode des Imperia- lismus hat die Aggressivität ihre wesentliche ökonomische Grund- lage. Mit den neuen Bedingungen der technisch-ökonomischen Nivel- lierung im Entwicklungsstand der Staaten entstand die Möglichkeit des sprunghaften Einholens und Überholens der Staaten, jäher Ver- änderungen in den ökonomisch-politischen Kräfteverhältnissen zwi- schen ihnen, die die bestehende Aufteilung der Welt in Frage stellen. Hieraus entwickelten sich Konfliktsituationen zwischen den imperialistischen Hauptstaaten, die letztlich auch zur Auslö- sung von zwei Weltkriegen führten. Aggressivität ist daher eindeutig aus den m o n o p o l k a p i- t a l i s t i s c h e n Produktionsverhältnissen abzuleiten. In dieser Hinsicht ist Jürgen Kuczynski vollständig zuzustimmen, wenn er hervorhebt, daß für den vormonopolistischen Kapitalismus Kriege keineswegs gesellschaftsnotwendig, systembedingt waren. 9) Mit der Entstehung des Sozialismus erhält die Aggressivitätspro- blematik neue Züge. Schon in der ersten Etappe der allgemeinen Krise richtete sich die Aggressivität des Imperialismus a u c h gegen den ersten sozialistischen Staat, die UdSSR. Mit der Ent- stehung des sozialistischen Weltsystems änderte sich die Haupt- stoßrichtung der aggressiven Strategie und Politik des Imperia- lismus. Sie zielte jetzt v o r a l l e m auf die sozialisti- schen Staaten und in wachsendem Maße auch auf die nationale Be- freiungsbewegung. Sie wird zu einem Wesenszug der Auseinanderset- zung zwischen den beiden Systemen in der Welt. In der marxisti- schen Literatur ist diese Veränderung in der Strategie der Ag- gressivität der imperialistischen Staaten bereits ausführlich be- handelt worden. 10) Aggressive Politik als Ergebnis innenpoliti- scher Entscheidungen unterliegt zunehmend ökonomischen, politi- schen und militärischen Interessenlagen und Kräfteverhältnissen zwischen Imperialismus und Sozialismus. Auch wenn aggressive Po- litik nach wie vor als wichtiges Element der zwischenimperiali- stischen Beziehungen wirkt, hat sie doch ihre entscheidende Stoß- richtung gegen den Sozialismus. Dabei trifft sie auf die ent- schiedene Gegenwehr des neuen Gesellschaftssystems in den inter- nationalen Beziehungen. Zusammenfassend läßt sich zum Verhältnis von Monopol, Gewalt und Aggressivität festhalten, daß die Anwendung von Gewalt als Expan- sionsbedingung des Monopols keineswegs mit Aggressivität, d.h. mit d e r N o t w e n d i g k e i t militärischer Gewalt und Krieg gleichzusetzen ist. Schranken für die erweiterte Reproduk- tion der Monopol Verhältnisse können auch ohne militärische Ge- waltanwendung, über Widersprüche, Konflikte und Krisenprozesse verschiedenster Art hinausgeschoben werden. Dies bedeutet keines- falls, daß vom Imperialismus keine Kriegsgefahr ausgeht bzw. daß die Monopole nicht ökonomische und außerökonomische Gewalt als eine Bedingung ihrer Expansion einsetzen. Es besagt lediglich - aber dies ist ein wesentlicher Punkt ", daß Existenz und Expan- sion des ökonomischen Monopols n i c h t z w a n g s l ä u- f i g mit militärischer Gewalt verbunden sind. Dabei gilt es, die Veränderungen in der u n g l e i c h m ä ß i- g e n E n t w i c k l u n g des Kapitalismus in seinem impe- rialistischen Stadium zu berücksichtigen. Diese bewirken einen direkten Zusammenhang zwischen Monopolkapital, Gewalt und Aggres- sivität; denn sie bedeuten - wie in den vorstehenden Ausführungen kurz dargelegt - die Erweiterung der ungleichmäßigen Entwicklung zu einer Ungleichmäßigkeit in der ö k o n o m i s c h e n u n d p o l i t i s c h e n E n t w i c k l u n g der kapitalisti- chen S t a a t e n - in einer bereits aufgeteilten Welt mit den sich daraus ergebenden Konsequenzen für bewaffnete Konflikte und Kriege zwischen den kapitalistischen Staaten. Es geht hierbei um z w i s c h e n s t a a t l i c h e Beziehungen und um p o l i t i s c h e Entscheidungen der Staaten über Rüstung, mi- litärische Gewalt und Aggression. Solche Entscheidungen sind im- mer das Resultat bestimmter internationaler Bedingungen und in- nenpolitischer Entscheidungen. Die vom Imperialismus ausgehenden m i l i t ä r i s c h e n K o n f l i k t e u n d A g g r e s- s i o n e n sind demnach wohl in der sozialökonomischen Struktur des Imperialismus, in seinen ökonomischen Grundlagen angelegt; sie gelangen aber erst über "außerökonomische" Entscheidungen und Mechanismen zur Wirkung. Aggressivität - Kennzeichnung einer bestimmten Politik ------------------------------------------------------ des Imperialismus ----------------- Offensichtlich muß die Frage nach der Aggressivität des Imperia- lismus differenzierter - vor allem im Hinblick auf das Wechsel- verhältnis von Ökonomie und Politik - gestellt werden. Der Springpunkt liegt darin, das politische Wirksamwerden der "Grundeigenschaft Aggressivität" als eigenständigen Prozeß zu be- greifen und zu untersuchen. Aggressivität kann sich nur als eine spezifische Art der Politik, eben als aggressive Politik durch- setzen und dies ist durchaus keine Gesetzmäßigkeit. Ob ein Staat eine aggressive Politik betreibt oder nicht, wird unter dem Ein- fluß der Situation in den internationalen Beziehungen, durch die konkreten innenpolitischen Kräfteverhältnisse und die Entschei- dungen des jeweiligen Staates bestimmt. Damit ist auch klar, daß aggressive Politik bekämpft, zurückgedrängt oder gar verhindert werden kann. Aggressivität ist somit eine Eigenschaft des Impe- rialismus, die immer virulent ist. Sie birgt immer die Gefahr und auch die potentielle Möglichkeit in sich, daß diese Tendenz des Imperialismus in aggressive Politik übergeht, zur Staatspolitik wird und damit zu einer unmittelbaren Gefährdung des Friedens führt. Dies ist der "Mechanismus" zwischen der "Grundeigenschaft Aggressivität" und der Anwendung von Gewalt in den zwischenstaat- lichen Beziehungen. Aus der Erkenntnis, daß aggressive Politik nicht direkt aus dem ökonomischen Monopol hervorgeht, folgt auch, daß der Grad der Mo- nopolisierung einer Volkswirtschaft keine unmittelbaren Schlüsse für die Aggressivität eines imperialistischen Staates zuläßt. Auf diese Zusammenhänge wurde bereits früher in der marxistischen Li- teratur hingewiesen. 11) Ausgehend von diesen Überlegungen kann folgende Formulierung für die Kennzeichnung der Aggressivität des Imperialismus gebraucht werden: Aggressivität entspringt den gesellschaftlichen Grundlagen des Imperialismus als eine Tendenz, imperialistische Interessen in den äußeren Beziehungen ("nach außen") mittels einer aggressiven Politik durchzusetzen. Aggressive Politik des Staates, der Mono- polbourgeoisie bzw. bestimmter Kreise der Monopolbourgeoisie setzt v o r a l l e m a u f d e n m i l i t ä r i s c h e n F a k t o r bei der Durchsetzung imperialistischer Interessen. Als eine spezifische Form imperialistischer Politik schließt sie die Anwendung bzw. Androhung militärischer und anderer Gewaltmit- tel (Diversion, Subversion, Blockade u.a.) i n d e n ä u ß e- r e n B e z i e h u n g e n ein. Bezogen auf diese aggressive Politik kann man auch von aggressiver Ideologie sprechen. Aggressivität wird also immer nur in Verbindung mit einer be- stimmten Politik wirksam. Michail Gorbatschow äußert sich im Zu- sammenhang mit Militarismus und ungleichem Austausch der imperia- listischen Länder mit Entwicklungsländern folgendermaßen. "Sie sind allerdings nur mit Hilfe einer entsprechenden Staatspolitik möglich." 12) Dieser Hinweis kann auch für die Durchsetzung ag- gressiver Politik gelten. Bei der Analyse dieser Politik geht es nicht schlechthin um die Politik einzelner Kreise, sondern um ag- gressive Politik als Staatspolitik bzw. um die Politik der einen maßgeblichen Einfluß auf die Staatspolitik erlangenden Strömun- gen. Ein eigenständiges Feld der Untersuchungen bilden die Formen und Mittel aggressiver Politik. Vor allem sind die neben der mi- litärischen Gewalt zur Anwendung gelangenden Formen näher zu un- tersuchen und zu erfassen. Erste Versuche in dieser Richtung wur- den bereits in früheren Arbeiten unternommen. 13) Aggressivität und Militarismus ------------------------------ In der marxistischen Literatur kapitalistischer Staaten wie auch in der sowjetischen Literatur werden oftmals für den Begriff Ag- gressivität synonym die Begriffe Militarismus oder auch Militari- sierung gebraucht, wenn es um die Kennzeichnung der dem deutsch- sprachigen Begriff Aggressivität beigelegten Inhalte geht. Dabei ist jedoch festzuhalten, daß Militarismus seit langem in der mar- xistischen Literatur eindeutig bestimmt ist. Militarismus ist der konzentrierte Ausdruck imperialistischer Ge- waltpolitik. Dabei wirkt er immer als Einheit einer bestimmten Politik und einer spezifischen militärischen, politischen und ökonomischen Machtstruktur. 14) Seine historisch konkrete Ausprä- gung hängt von der Entfaltung der inneren und äußeren Widersprü- che der jeweiligen imperialistischen Macht und des imperialisti- schen Systems in seiner Gesamtheit ab. Herausragendes Kennzeichen militärischer Politik ist die Bereitschaft, innere und äußere Konflikte mit militärischer Gewalt zu entscheiden. Damit wird deutlich, daß Militarismus als gesellschaftliche Erscheinung um- fassender zu sehen ist als Aggressivität. Wichtige Unterschiede zwischen Aggressivität und Militarismus sind vor allem folgende: 1. Militarismus ist nicht nur eine Erscheinung des Kapitalismus, sondern ein gesellschaftlicher Grundzug aller Ausbeutergesell- schaften, besonders in der Epoche ihres historischen Niedergan- ges. Karl Liebknecht wies zu Recht darauf hin, daß der Militaris- mus an sich "nichts spezifisch Kapitalistisches" sei. 15) Dabei ist er natürlich Veränderungen entsprechend den jeweiligen Pro- duktionsweisen, aber auch innerhalb der einzelnen Produktions- weise unterworfen. So spricht Lenin vom "modernen Militarismus" im Imperialismus als ein "Resultat des Kapitalismus". 16) Demge- genüber bezieht sich Aggressivität eindeutig nur auf ein Stadium des Kapitalismus - auf den Imperialismus. 2. Militarismus erfaßt die Gesamtheit der Struktur einer Gesell- schaft. Er ist ein Bestandteil sowohl des Herrschaftssystems (besonders die Armee) als auch der Politik und Ideologie. Er ist ein prägendes Element der Gesellschaft im Imperialismus. "Jetzt durchdringt die Militarisierung das ganze öffentliche Leben. Die Militarisierung wird alles." 17) Demgegenüber ist Aggressivität eine "Grundeigenschaft" d e s I m p e r i a l i s m u s, eine bestimmte Form seiner Ökonomie und Politik. 3. Militarismus beinhaltet seinem allgemeinen Klasseninhalt nach im Interesse der jeweils herrschenden Klasse immer zwei Haupt- zwecke: die Funktion gegen den äußeren Feind ("Militarismus nach außen") und die Funktion gegen die rechtlose Klasse ("Militaris- mus nach innen"). 18) Letztere Funktion erlangt im Imperialismus gegenüber der Arbeiterklasse ein besonderes Gewicht. Demgegenüber wird Aggressivität nicht als eine Herrschaftsfunktion "nach innen" betrachtet. Aggressivität gilt eindeutig als eine Eigen- schaft des Imperialismus "nach außen". Aus diesem Vergleich ergibt sich, daß Militarismus sowohl hin- sichtlich seines historischen Ursprungs als auch in bezug auf seine gesellschaftliche Dimension weitaus umfassender anzusehen ist als Aggressivität. Es handelt sich bei Aggressivität gewis- sermaßen um wesentliche Aspekte des "modernen Militarismus" in seiner Funktion "nach außen". Wenn wir das Verhältnis von Aggressivität und Friedensfähigkeit des Imperialismus analysieren, geht es also eindeutig nicht um das Gesamtproblem des Militarismus, sondern um einen - wenn auch wesentlichen - Ausschnitt. Bei seiner Fragestellung, ob der Kapi- talismus ohne Militarismus existieren könne, verweist Michail Gorbatschow als erstes auf die Tatsache, daß im Imperialismus, in der Natur dieser Gesellschaft die größte Kriegsgefahr wurzelt. Das wichtigste Problem auch bei dieser Fragestellung ist die Frage nach der Friedensfähigkeit des Kapitalismus. Dann stellt er weiter die Frage, ob der Kapitalismus o h n e M i l i t a- r i s m u s ö k o n o m i s c h f u n k t i o n i e r e n und sich entwickeln kann. 19) Auch an anderer Stelle, bei Kurt Hager, heißt es: "Bleibt also die Frage, ob ... eine Entwicklung des Kapitalismus ohne Wettrüsten und ohne totale Militarisierung der Wirtschaft möglich ist." 20) Beide neigen bei letzterer Frage einer bejahenden Antwort zu, indem sie auf die erfolgreiche ökonomische Entwicklung kapitalistischer Länder ohne große Rüstung sowie auf die wachsenden Belastungen der Volkswirtschaft infolge der Hochrüstung verweisen. Bei der Beantwortung der Frage, ob der Kapitalismus ohne Milita- rismus existieren kann, sind verschiedene Aspekte zu berücksich- tigen. Ökonomisch funktionieren kann der Kapitalismus auch ohne Rüstung; letztere ist keine objektive Notwendigkeit für das Funk- tionieren des Reproduktionsprozesses im heutigen Kapitalismus. Diese Erkenntnis wurde in der marxistischen Literatur schon vor zwei Jahrzehnten vertreten. 21) Und Rüstung und aggressive Poli- tik sind letztlich immer das Ergebnis p o l i t i s c h e r Entscheidungen - genauso wie Abrüstung und Entspannung. Die Be- antwortung der generellen Frage, ob der Kapitalismus ohne Milita- rismus existieren kann, heißt - für die von uns hier betrachteten Zusammenhänge von Aggressivität und Friedensfähigkeit - genauer zu untersuchen, w e l c h e B e d i n g u n g e n u n d M ö g l i c h k e i t e n zu erkennen sind, um aggressive Poli- tik a u f D a u e r z u r ü c k z u d r ä n g e n und gar zu verhindern. Hierbei ist von entscheidender Bedeutung, daß die heutige Situation völlig neue Bezüge, Rahmenbedingungen und In- teressenlagen für den Imperialismus, aber auch für den Sozialis- mus in der Friedensfrage schafft. In den Existenzbedingungen des Imperialismus wirken im Nuklearzeitalter völlig neue Zwänge, die die Durchsetzung imperialistischer Interessen mit dem Mittel ag- gressiver Politik immer mehr in Frage stellen. Veränderte Bedingungen für die Wirksamkeit aggressiver Politik -------------------------------------------------------------- Wenn wir heute über das Verhältnis von Aggressivität und Frie- densfähigkeit des Imperialismus sprechen, dann beziehen wir uns immer auf die neue Grundsituation, die neue Dimension der Frie- densfrage im Nuklearzeitalter, d.h. auf die Gefahr der Vernich- tung der Menschheit beim Einmünden des Wettrüstens in einen ato- maren Krieg. Hier ist der entscheidende Einschnitt in der Gestal- tung der Interessenlagen auch der Monopolbourgeoisie sowie in den Möglichkeiten einer Zurückdrängung aggressiver Politik imperiali- stischer Staaten zu sehen. Die Auseinandersetzung zwischen den Staaten der beiden Gesellschaftssysteme wird heute in einer zu- nehmend interdependenten Welt ausgetragen. Dies gilt für alle Sphären der internationalen Beziehungen - militärische, ökonomi- sche, politische und ideologische. Hieraus ergeben sich wesentli- che Auswirkungen auf die Interessenlagen der imperialistischen Staaten. An erster Stelle steht natürlich die Gefahr der Selbstvernichtung der Menschheit, die mit einem Atomkrieg verbunden ist. In wach- sendem Maße ergeben sich aber auch Gefahren aus anderen globalen Problemen. Dies gilt vor allem für die Umweltproblematik, aber auch für die Erschöpfung von Rohstoffressourcen, die Energiepro- blematik sowie die Vernichtung der tropischen Regenwälder. Zu ei- nem immer bedrohlicheren globalen Problem gestaltet sich das öko- nomische Zurückbleiben der Entwicklungsländer. Schließlich er- wachsen neue Probleme und wechselseitige Abhängigkeiten aus der Bewältigung der modernen Wissenschaft und Technik, aus der Mög- lichkeit technologischer Katastrophen. Die neue Dimension der In- ternationalisierung des Wirtschaftslebens erfordert zugleich einen bedeutenden Ausbau internationaler wie auch intersystemarer ökonomischer Zusammenarbeit. Das Monopolkapital muß diese neuen Bedingungen bei der Durchset- zung seiner langfristigen Interessen in Rechnung stellen. "Zugleich gilt es zu erkennen, daß für das Monopolkapital eigene Interessen und Zwänge zur Lösung oder Milderung globaler Probleme entstehen." 22) Die Herstellung der annähernden militärstrategi- schen Parität zwischen der UdSSR und den USA, zwischen der NATO und dem Warschauer Vertrag hat hier als ein wesentlicher Hebel für das Ingangsetzen der Erkenntnisprozesse in der Monopolbour- geoisie gewirkt. Aber die Hochrüstung hat auch innerhalb der imperialistischen Staaten - vor allem in den USA - zu neuen ökonomischen und poli- tischen Widersprüchen geführt. "Nach wie vor ist der Drang der Rüstungsmonopole nach hohen Profiten aus der Herstellung von Ver- nichtungsmitteln und damit verbunden ihr Interesse an einer ag- gressiven militaristischen Politik eine starke Realität. Gleich- zeitig sind breit gefächerte ökonomische Monopolinteressen außer- halb der Rüstung verankert. Sie stoßen zudem in ihrem Streben nach Sicherung ihrer Profite und Verbesserung ihrer Konkurrenzpo- sitionen immer häufiger auf negative Rückwirkungen der Hochrü- stung, die das Funktionieren des gesamten inneren und internatio- nalen kapitalistischen Wirtschaftsmechanismus untergraben und de- formieren. In diesen Widersprüchen, deren Stärke tendenziell zu- nimmt, und vor allem in der Verknüpfung der ökonomischen Kon- flikte mit dem Überlebensinteresse des Monopolkapitals sowie mit dem Einfluß des politischen Kampfes auf den verschiedenen Ebenen liegen die Ansatzpunkte für eine mögliche allmähliche Hinwendung größerer Teile des Monopolkapitals zu friedlicher Koexistenz, zur Verringerung der Rüstung und zu einer langfristigen Zusammenar- beit mit den Staaten des sozialistischen Systems." 23) Dieser Prozeß einer Umschichtung der Interessenlagen des Monopol- kapitals, wie er aufgrund dieser neuen Bedingungen begonnen hat, ist der entscheidende Ansatzpunkt für eine Friedensfähigkeit des heutigen Kapitalismus. Damit ist nicht gesagt, daß der Imperia- lismus, die imperialistischen Staaten, bereits eine Friedenspoli- tik, eine Politik der aktiven friedlichen Koexistenz betreiben. Dies besagt nur, daß sich die M ö g l i c h k e i t eröffnet, den Kapitalismus auf einen solchen Weg der Entwicklung zu brin- gen. Eine entscheidende Bedeutung haben dabei die wachsende Kraft und der zunehmende internationale Einfluß des Sozialismus. Neben der Erlangung der militärstrategischen Parität ist es vor allem eine aktive, konstruktive und flexible Friedenspolitik der UdSSR und der anderen sozialistischen Staaten, die zur Beförderung die- ser Entwicklung beitragen kann. Einen besonderen Stellenwert neh- men dabei die verschiedenen Formen einer verstärkten ökonomi- schen, wissenschaftlichtechnischen und politischen Kooperation zwischen den Staaten unterschiedlicher Gesellschaftssysteme ein, die auf den Prinzipien der Gleichberechtigung, des gegenseitigen Vorteils und der Vertrauensbildung beruhen. Hierin liegen die entscheidenden Zusammenhänge für gegenwärtige und mögliche weitere Veränderungen in den Interessenlagen des Im- perialismus. Dabei muß man sich von der vereinfachten Vorstellung lösen, die noch immer anzutreffen ist, daß der Sozialismus den Imperialismus gewissermaßen von außen zur Friedensfähigkeit "zwingen müsse". Die Zusammenhänge gestalten sich vielmehr so: Mit der Stärke des Sozialismus - militärstrategisches Gleichge- wicht nur als Stichwort - sind wesentliche Voraussetzungen dafür entstanden, die heutigen Probleme der Weltentwicklung, die wach- sende Interdependenz der Staaten der Monopolbourgeoisie immer deutlicher ins Bewußtsein zu rücken. Der Sozialismus wirkt inso- fern als ein g e w i s s e r K a t a l y s a t o r bestimmter neuer Interessenlagen, ihrer Perzeption und politischen Artiku- lierung. Die Politik der Länder des Sozialismus, diesen Prozeß durch ihr Verhalten, ihre Initiativen aktiv zu fördern, kann we- sentlich zur Gestaltung einer tragfähigen Grundlage nicht nur für Friedensfähigkeit, sondern auch für aktive Friedensbereitschaft des Imperialismus, seiner herrschenden Kreise beitragen. Im Ergebnis der neuen Bedingungen des Nuklearzeitalters, der ver- änderten Kräfteverhältnisse zwischen Sozialismus und Imperialis- mus, der sich daraus ergebenden Veränderungen in den Interessen- lagen des Imperialismus und der Perzeption dieser Veränderungen in Teilen der Monopolbourgeoisie kann von einer "p r i n z i- p i e l l e n F r i e d e n s f ä h i g k e i t" des Imperia- lismus gesprochen werden. Um es noch einmal hervorzuheben: Sie bedeutet die M ö g l i c h k e i t, einen solchen Zustand in der Strategie und Politik des Imperialismus zu erreichen, in dem aggressive Politik keinen bestimmenden Einfluß ausübt, d.h. die imperialistischen Staaten auf eine Politik der Kriegsdrohung, des Einsatzes militärischer Gewaltmittel sowie der Hochrüstung verzichten. Der Weg hierzu ist mit den ersten Schritten der Abrüstung geöffnet worden. Aber dies ist erst der Anfang einer langen Entwicklung. Gegenwärtig und für die unmittelbare Zukunft ist noch immer eine aggressive Politik die vorherrschende Tendenz in der äußeren Politik des Imperialismus. Kriterien hierfür sind das Festhalten an atomarer Rüstung und Abschreckung, an der Anwendung bzw. Androhung militärischer Gewalt und anderer Ge- waltmittel gegenüber sozialistischen Staaten und Entwicklungslän- dern. Gerade in letzterer Hinsicht zeigt sich die geringste Veränderung in der Politik des Imperialismus. Gegenüber Entwicklungsländern ist nach wie vor die Anwendung militärischer Gewalt und anderer politischer Gewaltmittel ein wesentliches Element der Außenpoli- tik imperialistischer Staaten, vor allem der USA. Aggressivität wird heute immer stärker im wesentlichen auf jene Kreise bezogen, die innerhalb der Monopolbourgeoisie eine Politik der militärischen Konfrontation und der weiteren Forcierung der Hochrüstung vertreten. Dies zielt auf die Kennzeichnung der Hauptgegner der Entspannung, der Hauptrepräsentanten der Aggres- sivität des Imperialismus. So lesen wir immer häufiger in den Beiträgen zur gegenwärtigen Auseinandersetzung um Abrüstung und Entspannung, daß es sich um die aggressiven Kräfte des Imperia- lismus, die aggressiven Kreise, die aggressiven Gruppierungen in- nerhalb des USA-Imperialismus und der NATO, vor allem in Gestalt des Militär-Industrie-Komplexes handelt, die als Feinde, als Geg- ner des friedlichen Lebens der Menschheit zu bekämpfen sind. Diese Kräfte gilt es zu isolieren, und immer breitere Kreise gilt es für eine Koalition der Vernunft und des guten Willens zu ge- winnen. Damit ist auch klar, daß eine solche Kennzeichnung aggressiver Politik und aggressiver Kreise des Imperialismus eine ganze Pa- lette der Wechselbeziehungen von Ökonomie und Politik und der Differenzierungsprozesse innerhalb der Monopolbourgeoisie der ka- pitalistischen Staaten umfaßt. In den imperialistischen Ländern bildet sich ein kompliziertes Geflecht aus widerstreitenden In- teressen, vertreten von verschiedenen politischen Kräften, Regie- rungen, Parteien, Verbänden usw., in deren Aufeinanderwirken sich entsprechend den politischen Kräfteverhältnissen aggressive Poli- tik als maßgebliche Politik herausbildet bzw. nicht zur Geltung gelangen kann. Die Auseinandersetzungen hierüber werden maßgeblich durch Verän- derungen in den ökonomisch-politischen Interessenlagen (z.B. ver- stärkte Widersprüche und ökonomische Lasten der Hochrüstung, ver- änderte Struktur des Rüstungskapitals), durch "nationale" Beson- derheiten und Rivalitätsbeziehungen zu anderen kapitalistischen Staaten, durch veränderte äußere Existenzbedingungen, durch Aus- wirkungen ökonomischer und politischer Labilität in den einzelnen Ländern und durch andere Faktoren beeinflußt. Imperialistische Grundinteressen und spezifische Interessen überlagern sich hier- bei. Die konkreten Ansatzpunkte für eine Politik gegenüber ein- zelnen imperialistischen Staaten bzw. Kreisen der Monopolbour- geoisie ergeben sich aus dieser Vielfalt und Widersprüchlichkeit der Bestimmungsfaktoren aggressiver Politik. Immer wichtiger wird daher die Frage nach der Differenzierung innerhalb der Monopol- bourgeoisie, nach den Interessenlagen und Interessen, den politi- schen Mechanismen der Umsetzung dieser Interessen und damit nach der Möglichkeit der Einwirkung auf die innenpolitischen Kräfte- verhältnisse als entscheidende Fragen der Durchsetzung einer Po- litik der friedlichen Koexistenz. Dabei darf man nicht die Illusion haben, daß dieser Prozeß ohne Rückschläge, neue Komplikationen und gefährliche Zuspitzungen in den internationalen Beziehungen ablaufen wird. Zu stark sind die Kräfte, die nach wie vor auf Konfrontation und Hochrüstung set- zen. Dennoch zeigen die Zusammenhänge zwischen Aggressivität und Friedensfähigkeit, daß der Spielraum für eine Einengung und Zu- rückdrängung aggressiver Politik des Imperialismus eher größer wird und damit neue Möglichkeiten für eine dauerhafte Sicherung des Friedens, für Abrüstung und eine vertrauensvolle Zusammenar- beit zwischen den Staaten erschlossen werden. _____ 1) Michail Gorbatschow, Der Oktober und die Umgestaltung: Die Re- volution wird fortgesetzt, Neues Deutschland, Berlin/DDR, 3.11.1987. 2) Der Streit der Ideologien und die gemeinsame Sicherheit, Neues Deutschland, 28.8.1987. 3) Der Imperialismus der BRD, Berlin/DDR 1971, S. 457, 458, 501. 4) K. Engelhardt/K.-H. Heise, Der militärisch-industrielle Kom- plex im heutigen Imperialismus, Berlin 1974, S. 24. 5) Militarismus heute, Berlin/DDR 1979, S. 50-51. 6) D. Klein, Politökonomische Grundlagen für einen friedensfähi- gen Kapitalismus, in: IPW-Berichte 2/1988, S. 3. 7) Zu den Darlegungen über das Verhältnis von ökonomischem Mono- pol und Gewalt wurden Aussagen aus einem nichtveröffentlichten Material verwendet, dessen Autoren Holle-Birgit Grünert und Cas- par Schirmeister sind. 8) W.I. Lenin, Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapita- lismus, in: Werke, Band 22, S. 211. 9) J. Kuczynski, Kann der Kapitalismus wirklich abrüsten und da- mit überleben?, in Horizont, Nr. 6/87. 10) Siehe Imperialismus der BRD, a.a.O., 458ff.; Militarismus heute, a.a.O., S. 22-27, 50-52. 11) Siehe K. Engelhardt/K.-H. Heise, a.a.O., S. 21. 12) M. Gorbatschow, Der Sozialismus leistet den entscheidenden Beitrag zur Entwicklung der Zivilisation, in: Neues Deutschland, 5.11.1987. 13) Siehe z.B. Der Imperialismus der BRD, a.a.O., S. 458ff. 14) In dem vorliegenden Artikel ist es nicht möglich, auf die Probleme des Militär-Industrie-Komplexes als eine Erscheinungs- form des modernen Militarismus näher einzugehen. Wir verweisen in dem Zusammenhang auf einige neue Veröffentlichungen hierzu, z.B. auf den Beitrag von J. Reusch, Kapitalismus und Frieden, in: Pro- bleme des Friedens und des Sozialismus, Heft 10/88, S. 1337 ff. und den Beitrag von K. Engelhardt/H. Fiedler/H. Peter, Der Mili- tär-Industrie-Komplex unter dem Druck der Realitäten, in: IPW-Be- richte, Heft 1/88, S. 20 ff. 15) K. Liebknecht, Militarismus und Antimilitarismus unter beson- derer Berücksichtigung der internationalen Jugendbewegung, Zürich 1908, S. 8. 16) W.I. Lenin, Der streitbare Militarismus und die antimilitari- stische Taktik der Sozialdemokratie, in: Werke, Band 15, S. 187. 17) W.I. Lenin, Das Militärprogramm der proletarischen Revolu- tion, in: Werke, Band 23, S. 78. 18) K. Liebknecht, Militarismus und Antimilitarismus, in: Ausge- wählte Reden, Briefe und Aufsätze, Berlin/DDR 1952, S. 124. 19) M. Gorbatschow, Der Oktober und die Umgestaltung: Die Revolu- tion wird fortgesetzt, in: Neues Deutschland, 3. 11. 1987. 20) K. Hager, Friedenssicherung und ideologischer Streit, Neues Deutschland, 28. 10. 1987. 21) Siehe z.B. E. Varga, Der Kapitalismus des 20. Jahrhunderts, Berlin/DDR 1962, S. 92; R. Gündel/H. Heininger/P. Hess/K. Zie- schang, Zur Theorie des staatsmonopolistischen Kapitalismus, Ber- lin/DDR 1967, S. 95, 105-111. 22) L. Maier, Das Monopolkapital und die Friedensfrage, in: IPW- Berichte, Heft 11/87, S. 1. 23) Ebenda, S. 10. zurück