Quelle: MEW 3 1845 - 1846


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       #127# Deutsche Ideologie - Das Leipziger Konzil. III. Sankt Max
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       4. Die Neuen
       
       "Darum, ist  Jemand in  Christo, so ist er eine neue Kreatur; das
       Alte ist  vergangen, siehe,  es  ist  Alles  neu  geworden."  (2.
       Cor[inther] 5, 17.) (p. 33.)
       
       #128# Karl Marx und Friedrich Engels
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       Vermittelst dieses  Bibelspruchs ist  die alte  Welt nun wirklich
       "vergangen", oder,  wie Sankt  Max eigentlich sagen wollte, "alle
       jeworden", und  wir sind mit Einem Satze m die neue, christliche,
       jünglingshafte, mongolenhafte  "Welt des Geistes" herübergesprun-
       gen. Wir werden auch diese m kürzester Frist "Alle werden" sehen.
       
       "Wurde oben  gesagt: 'Den  Alten war  die Welt eine Wahrheit', so
       müssen wir  hier sagen:  'Den Neuen war der Geist eine Wahrheit',
       dürfen aber,  wie dort,  so hier, den wichtigen Zusatz nicht ver-
       gessen: 'eine  Wahrheit, hinter  deren Unwahrheit  sie zu  kommen
       suchten und endlich wirklich kamen'." p. 33.
       
       Wenn wir  keine Stirnerschen  Konstruktionen machen  wollen,  "so
       müssen wir  hier sagen":  Den Neuen  war die Wahrheit ein Geist -
       nämlich der  heilige Geist.  Jacques le  bonhomme faßt wieder die
       Neuen nicht  in ihrem  wirklichen historischen  Zusammenhange mit
       der "Welt  der Dinge",  die trotz ihres Allewerdens ja noch immer
       fortexistiert, sondern  in ihrem theoretischen, und zwar religiö-
       sen, Verhalten;  die Geschichte  des Mittelalters und der neueren
       Zeit existiert für ihn wieder nur als Geschichte der Religion und
       Philosophie; alle  Illusionen dieser  Epochen und die philosophi-
       schen Illusionen  über diese Illusionen werden treulich geglaubt.
       Nachdem Sankt  Max so  der Geschichte  der Neuen dieselbe Wendung
       wie der  der Alten gegeben hat, kann er in ihr dann leicht "einen
       ähnlichen Gang,  wie ihn  das Altertum genommen, nachweisen", und
       ebenso rasch,  wie er von der alten Philosophie auf die christli-
       che Religion  kam, von dieser auf die neuere deutsche Philosophie
       kommen. Er  charakterisiert seine  historische Illusion selbst p.
       37, indem  er entdeckt,  daß "die  Alten nichts aufzuweisen haben
       als   W e l t w e i s h e i t",  und "die Neuen es niemals weiter
       als bis  zur   G o t t e s g e l a h r t h e i t    brachten  und
       bringen", und  die feierliche Frage aufwirft: "Hinter was suchten
       die   N e u e n   zu kommen?"  Die Alten wie die Neuen tun weiter
       Nichts in der Geschichte, als daß sie "hinter etwas zu kommen su-
       chen", die  Alten hinter die Welt der Dinge, die Neuen hinter die
       Welt des  Geistes. Die  Alten werden am Ende "weltlos", die Neuen
       werden "geistlos", die Alten wollten Idealisten, die Neuen Reali-
       sten werden  (p. 485),  Beiden war es nur um das Göttliche zu tun
       (p. 488) - "die bisherige Geschichte" ist nur "die Geschichte des
       geistigen Menschen"  (welcher Glaube!)  p. 442  - kurz, wir haben
       hier wieder  Kind und  Jüngling, Neger  und Mongole  und wie  die
       ganze Terminologie der "mancherlei Wandlungen" weiter heißt.
       Dabei wird  dann die  spekulative Manier,  die Kinder ihren Vater
       erzeugen und  das Frühere  durch das  Spätere bewirken zu lassen,
       gläubig nachgeahmt.  Die Christen  müssen gleich  von  vornherein
       "hinter die Unwahrheit ihrer Wahrheit zu kommen suchen", sie müs-
       sen sogleich verborgene Atheisten und
       
       #129# Deutsche Ideologie - Das Leipziger Konzil. III. Sankt Max
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       Kritiker sein,  wie schon  bei den  Alten angedeutet wurde. Damit
       nicht zufrieden,  gibt Sankt Max noch ein glänzendes Exempel sei-
       ner "Virtuosität im" (spekulativen) "Denken", p. 230:
       
       "Jetzt,   n a c h d e m  der Liberalismus  d e n  M e n s c h e n
       proklamiert hat,  kann   m a n   es aussprechen, daß damit  n u r
       die  l e t z t e  K o n s e q u e n z  des Christentums  v o l l-
       z o g e n   w u r d e,   und daß  das  Christentum  sich    v o n
       H a u s   a u s   k e i n e  a n d r e  A u f g a b e  s t e l l-
       t e,  als  d e n  M e n s c h e n  - - - zu realisieren."
       
       Nachdem angeblich  die letzte Konsequenz des Christentums vollzo-
       gen wurde,  kann "Man"  es aussprechen - daß sie vollzogen wurde.
       Sobald die  Späteren das  Frühere umgestaltet haben, "kann  M a n
       es aussprechen",  daß die  Früheren "von  Haus aus",  nämlich "in
       W a h r h e i t",   im Wesen,  im Himmel,  als verborgene  Juden,
       "sich keine  andere Aufgabe stellten", als von den Späteren umge-
       staltet zu  werden.   D a s   Christentum ist für Jacques le bon-
       homme sich selbst setzendes Subjekt, der absolute Geist, der "von
       Haus  aus"  sein  Ende  als  seinen  Anfang  setzt.  Vgl.  Hegels
       "Encycl[opädie]" etc.
       
       "Daher" (nämlich  weil man dem Christentum eine eingebildete Auf-
       gabe unterlegen kann) "denn die Täuschung" (natürlich, vor Feuer-
       bach konnte man nicht wissen, welche Aufgabe sich das Christentum
       "von Haus  aus gestellt hatte"), "es lege das Christentum dem Ich
       einen unendlichen Wert bei, wie z.B. in der Unsterblichkeitslehre
       und Seelsorge  an den Tag kommt. Nein, diesen Wert erteilt es al-
       lein   d e m   M e n s c h e n,  nur  d e r  M e n s c h  ist un-
       sterblich, und nur weil Ich  M e n s c h  bin, bin auch Ich's."
       
       Wenn auch schon aus der ganzen Stirnerschen Konstruktion und Auf-
       gabenstellung klar genug hervorgeht, daß das Christentum nur "dem
       Menschen" Feuerbachs  die Unsterblichkeit  verleihen kann, so er-
       fahren wir  hier noch  zum Überfluß,  daß dies  auch deshalb  ge-
       schieht, weil  das Christentum diese Unsterblichkeit - nicht auch
       den  T i e r e n  zuschreibt.
       Konstruieren wir auch einmal à la Sankt Max.
       
       "J e t z t,   n a c h d e m"   der moderne, aus der Parzellierung
       hervorgegangene   große    Grundbesitz   das   Majorat   faktisch
       "p r o k l a m i e r t   h a t,   k a n n   m a n   e s    a u s-
       s p r e c h e n,   d a ß   d a m i t   n u r   d i e  l e t z t e
       K o n s e q u e n z"     der  Parzellierung   des   Grundbesitzes
       "v o l l z o g e n  w u r d e"  "u n d  d a ß"  die Parzellierung
       "i n  W a h r h e i t   s i c h  v o n  H a u s  a u s  k e i n e
       a n d r e   A u f g a b e   s t e l l t e,   a l s"  das Majorat,
       das wahre  Majorat   "z u   r e a l i s i e r e n."    "D a h e r
       d e n n     d i e    T ä u s c h u n g,    e s    l e g e"    die
       Parzellierung dem gleichen Rechte der Familienglieder  "e i n e n
       u n e n d l i c h e n   W e r t   b e i,   w i e   z. B."  in dem
       Erbrecht des  Code Napoleon   "a n   d e n    T a g    k o m m t.
       N e i n,   d i e s e n   W e r t   e r t e i l t    s i e    a l-
       l e i n"   dem ältesten  Sohne; "nur"  der älteste  Sohn, der zu-
       künftige Majoratsherr,  wird großer Grundbesitzer,  "u n d  n u r
       w e i l   I c h"   ältester Sohn   "b i n,   w e r d e    a u c h
       I c h' s."
       
       #130# Karl Marx und Friedrich Engels
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       Auf diese Weise ist es unendlich leicht, der Geschichte "einzige"
       Wendungen zu geben, indem man stets nur ihr allerneustes Resultat
       als "die Aufgabe" zu schildern hat, die "sie sich von Haus aus in
       Wahrheit stellte".  Dadurch treten  die früheren  Zeiten in einer
       bizarren und  noch nie  dagewesenen Gestalt  auf. Das  frappiert,
       ohne viele  Produktionskosten zu  machen. Z.B. wenn man sagt, die
       eigentliche "Aufgabe",  welche sich  die Institution des Grundei-
       gentums "von  Haus aus  stellte",  sei  gewesen,  Menschen  durch
       Schafe zu  verdrängen, eine  Konsequenz, die  in Schottland  etc.
       neuerdings hervorgetreten sei; oder auch die Proklamation der Ka-
       petinger habe  sich "von  Haus aus  in Wahrheit  die Aufgabe  ge-
       stellt", Ludwig  XVI. auf die Guillotine und Herrn Guizot ins Mi-
       nisterium zu  bringen. Namentlich  muß man dies in einer feierli-
       chen, heiligen,  priesterlichen Weise  tun, tiefen  Atem schöpfen
       und dann  hervorplatzen: "Jetzt  endlich kann  M a n  es ausspre-
       chen."
       Was Sankt  Max in  dem vorliegenden  Abschnitte p. 33-37 über die
       Neuen sagt,  ist nur der Prolog der uns bevorstehenden Geisterge-
       schichte. Wir  sehen auch  hier, wie  er sich von den empirischen
       Tatsachen "nicht  zeitig genug losmachen kann" und dieselben Par-
       teien wie bei den Alten:  V e r s t a n d,  H e r z,  Geist, etc.
       wieder auftreten  läßt-nur daß sie andere Namen erhalten. Aus den
       Sophisten werden  sophistische Scholastiker, "Humanisten, Machia-
       vellismus  (Buchdruckerkunst,   Neue  Welt"   etc.,  vgl.  Hegel,
       "Geschichte der  Philosophie", III, p. 128), die den Verstand re-
       präsentieren, Sokrates  verwandelt sich  in Luther,  der das Herz
       proklamiert (Hegel,  l.c. p.  227), und  von der nachreformatori-
       schen Zeit  erfahren wir,  daß es  sich  in  ihr  um  die  "leere
       Herzlichkeit" (die  bei den  Alten "Herzensreinheit"  hieß,  vgl.
       Hegel, l.c.  p. 241)  handelte. Alles  das auf  p. 34.  Auf diese
       Weise "weist"  der heilige  Max "im  Christentum einen  ähnlichen
       Gang wie  im Altertum  nach". Nach  Luther gibt  er sich  nun gar
       nicht mehr die Mühe, seine Kategorien mit Namen zu bekleiden; mit
       Meilenstiefeln eilt  er der  neueren deutschen  Philosophie zu  -
       vier  Appositionen   ("bis  Nichts  als  die  leere  Herzlichkeit
       übrigbleibt, die ganze allgemeine Menschenliebe, die Liebe  d e s
       Menschen, das  Freiheitsbewußtsein, das  'Selbstbewußtsein'",  p.
       34; Hegel,  l.c. p.  228,  229),  vier  Worte  füllen  die  Kluft
       zwischen Luther  und Hegel  aus, und "so erst ist das Christentum
       vollendet". Diese  ganze Entwicklung  wird in einem meisterhaften
       Satze und  mit Hebebäumen  wie "endlich" - "und seitdem" - "indem
       m a n"   - "auch"  - "von  Tag  zu  Tag"  -  "bis  zuletzt"  usw.
       fertiggebracht, einem  Satze, den  der Leser  auf  der  erwähnten
       klassischen Seite 34 selbst nachsehen mag.
       Zu guter  Letzt gibt  Sankt Max noch ein paar Proben seines Glau-
       bens, indem  er sich  des Evangeliums so wenig schämt, daß er be-
       hauptet: "und
       
       #131# Deutsche Ideologie - Das Leipziger Konzil. III. Sankt Max
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       Geist sind  wir doch  allein wirklich"  - und darauf besteht, daß
       "der Geist"  am Ende  der alten Welt "nach langem Mühen die Welt"
       wirklich "losgeworden  ist" -  und hiernächst noch einmal das Ge-
       heimnis seiner Konstruktion verrät, indem er von dem christlichen
       Geiste aussagt,  daß er  "wie ein Jüngling mit Weltverbesserungs-
       oder Welterlösungsplänen umgehe". Alles p. 36.
       
       "Und er brachte mich im Geist in die Wüste. Und ich sähe das Weib
       sitzen auf  einem rosinfarbenen  Tier, das war voll Namen der Lä-
       sterung -.  Und an ihrer Stirn geschrieben den Namen, das Geheim-
       nis, die  große Babylon  - und  ich sähe das Weib trunken von dem
       Blute der  Heiligen pp." Off[enbarung] Joh[annis] 17, v. 3, 5, 6.
       -
       
       Der Apokalyptiker  hat diesmal nicht genau geweissagt. Jetzt end-
       lich, nachdem  Stirner den  M a n n  proklamiert hat, kann man es
       aussprechen, daß er so hätte sagen müssen: Und er brachte Mich in
       die Wüste des Geistes. Und Ich sähe den Mann sitzen auf einem ro-
       sinfarbenen Tier,  das war voll Lästerung der Namen - und an sei-
       ner Stirn  geschrieben den Namen, das Geheimnis, den Einzigen - -
       und Ich sähe den Mann trunken von dem Blute des Heiligen etc.
       Wir geraten also jetzt in die Wüste des Geistes.
       
       A) Der Geist (Reine Geistergeschichte)
       
       Das Erste,  was wir  vom "Geiste"  erfahren, ist,  daß nicht  der
       Geist, sondern  "das Geisterreich  ungeheuer groß ist". Sankt Max
       weiß sogleich  vom Geiste nichts zu sagen, als daß ein "ungeheuer
       großes Geisterreich" existiert, gerade wie er vom Mittelalter nur
       weiß, daß  es "eine  lange Zeit" war. Nachdem dies "Geisterreich"
       als existierend  vorausgesetzt worden  ist, wird  seine  Existenz
       nachträglich vermittelst zehn Thesen bewiesen.
       
       1. Der Geist  ist nicht  freier Geist, bevor er sich nicht  m i t
       s i c h   a l l e i n    beschäftigte,  bevor  er  es  nicht  mit
       s e i n e r   Welt, "der  geistigen, allein zu tun hatte" - (erst
       mit sich allein, dann mit seiner Welt);
       2. "Er ist  f r e i e r  Geist erst  i n  einer ihm eignen Welt";
       3. "Nur   m i t t e l s t   einer geistigen  Welt ist  der  Geist
       wirklich Geist";
       4. "Bevor der  Geist sich  seine Geisterwelt  erschafft,  ist  er
       nicht Geist" -
       5. "Seine Schöpfungen machen ihn zum Geist" -
       6. "Seine Schöpfungen sind seine Welt" -
       7. "Der Geist ist der Schöpfer einer geistigen Welt" -
       8. "Der Geist ist nur, wenn er Geistiges schafft" -
       9. "Er ist  nur mit  dem Geistigen,  seinem  Geschöpfe,  zusammen
       wirklich" -
       10. "Die Werke  oder Kinder des Geistes sind  a b e r  nichts An-
       dres als - Geister." p. 38-39.
       
       #132# Karl Marx und Friedrich Engels
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       Die "geistige Welt" wird in These 1 gleich wieder als existierend
       vorausgesetzt, statt  entwickelt zu werden, und diese These 1 uns
       dann These  2-9 in  acht neuen Wandlungen wieder vorgepredigt. Am
       Ende von These 9 sind wir geradeso weit wie am Ende von These 1 -
       und nun  bringt These  10 plötzlich  ein "Aber" uns "die Geister"
       herein, von denen bisher noch keine Rede gewesen war.
       
       "D a   der Geist  nur ist,  indem  er  Geistiges  schafft,    s o
       s e h e n   w i r   u n s  nach seinen ersten Schöpfungen um." p.
       41. -
       
       Nach These 3, 4, 5, 8 und 9 ist aber der Geist seine eigne Schöp-
       fung. Dies  wird jetzt  so ausgedrückt,  daß der Geist, d. h. die
       erste Schöpfung des Geistes,
       
       "aus dem  Nichts hervorgehen  muß" - - "er muß sich erst erschaf-
       fen" -  - "seine  erste  Schöpfung  ist  er  selber,  der  Geist"
       (ibid.). "Hat  er diese erst vollbracht, so folgt fortan eine na-
       türliche Fortpflanzung  von Schöpfungen,   w i e   n a c h  d e r
       M y t h e   nur die  ersten Menschen geschaffen zu werden brauch-
       ten, das übrige Geschlecht sich von selbst fortpflanzte." (ibid.)
       "So mystisch  dies auch  klinge, so  erleben Wir's  doch als eine
       alltägliche Erfahrung. Bist Du eher ein Denkender, als Du denkst?
       Indem Du  den   e r s t e n   G e d a n k e n    erschaffst,  er-
       schaffst Du   D i c h,  d e n  D e n k e n d e n,  denn Du denkst
       nicht, bevor  Du einen Gedanken denkst, d.h." - d.h. -  "h a s t.
       Macht Dich  nicht erst  Dein Singen zum Sänger, Dein Sprechen zum
       sprechenden Menschen?  Nun, so  macht Dich auch das Hervorbringen
       von Geistigem erst zum Geiste."
       
       Der heilige  Eskamoteur unterstellt, daß der Geist Geistiges her-
       vorbringt, um  zu folgern,  daß er  sich selbst  a l s  G e i s t
       hervorbringt,  und   andrerseits  unterstellt   er  ihn     a l s
       G e i s t,  um ihn zu seinen geistigen Schöpfungen (die "nach der
       Mythe sich von selbst fortpflanzen" und Geister werden) kommen zu
       lassen. Bis  hieher altbekannte,  rechtgläubig-hegelsche  Phrase.
       Die eigentlich  "einzige" Entwicklung Dessen, was Sankt Max sagen
       will, fängt  erst bei seinem Beispiel an. Wenn nämlich Jacques le
       bonhomme gar  nicht weiter kann, wenn selbst "Man" und "Es" nicht
       imstande sind,  das gestrandete Boot wieder flott zu machen, dann
       ruft "Stirner"  seinen dritten Leibeignen zu Hülfe, den "Du", der
       ihn nie  im Stich  läßt und  auf den  er sich in der höchsten Not
       verlassen kann. Dieser "Du" ist ein Individuum, das uns nicht zum
       erstenmal vorkommt,  ein frommer  und getreuer  Knecht,  den  wir
       durch Dick  und Dünn haben gehen sehen, ein Arbeiter im Weinberge
       seines Herrn,  der sich durch Nichts schrecken läßt - er ist, mit
       Einem Wort:  Szeliga *).  Wenn "Stirner" in den höchsten Entwick-
       lungsnöten ist, so ruft er aus: Szeliga, hilf! und der
       ---
       *) Vgl. "Die  heilige Familie oder Kritik der kritischen Kritik",
       wo die früheren Heldentaten dieses Mannes Gottes bereits besungen
       worden sind. 1*)
       -----
       1*) Siehe Bd. 2 unserer Ausgabe, S. 57-81
       
       #133# Deutsche Ideologie - Das Leipziger Konzil. III. Sankt Max
       -----
       treue Eckart [62] Szeliga setzt sogleich die Schultern an, um den
       Karren aus dem Dreck zu heben. Wir werden über das Verhältnis von
       Sankt Max zu Szeliga später noch Mehr zu sagen haben.
       Es handelt  sich um  den Geist,  der   s i c h   s e l b s t  aus
       N i c h t s   erschafft -  also um   N i c h t s,   das  sich aus
       N i c h t s  zum  G e i s t  schafft. Sankt Max macht hieraus die
       Schöpfung des  Szeligaschen Geistes  aus Szeliga.  Und wem anders
       als Szeliga  könnte "Stirner"  es zumuten, sich in der Weise, wie
       es oben geschieht, dem Nichts unterschieben zu lassen? Wem anders
       als Szeliga,  der sich  schon dadurch  aufs Höchste geschmeichelt
       fühlt, daß er überhaupt als handelnde Person auftreten darf, wird
       eine solche  Eskamotage imponieren?  Sankt  Max  mußte  beweisen,
       nicht daß  ein gegebenes "Du", also der gegebne Szeliga, zum Den-
       kenden, Sprechenden, Sänger wird, wenn er zu denken, zu sprechen,
       zu singen  anfängt -  sondern: Der Denker schafft  s i c h  a u s
       N i c h t s,   indem er zu denken anfängt,  d e r  Sänger schafft
       s i c h   a u s   N i c h t s,  indem er zu singen anfängt etc. -
       und nicht  einmal der  Denker und Sänger, sondern  d e r  Gedanke
       und   d e r   Gesang  als  Subjekte  schaffen    s i c h    a u s
       N i c h t s,   indem sie  zu denken  und singen  anfangen.  Sonst
       "stellt Stirner  bloß  die  höchst  einfache  Reflexion  an"  und
       spricht bloß  den "höchst  populären" Satz  aus (vgl.  Wigand, p.
       156), daß  Szeliga eine seiner Eigenschaften entwickelt, indem er
       sie entwickelt.  Es ist  freilich durchaus nicht "zu verwundern",
       daß Sankt  Max "dergleichen  einfache Reflexionen"  nicht  einmal
       richtig "anstellt",  sondern sie  falsch ausspricht,  um  dadurch
       einen noch viel falscheren Satz vermittelst der falschesten Logik
       von der Welt zu beweisen.
       Weit  entfernt,   daß  ich  "aus  dem  Nichts"  mich  z.  B.  als
       "Sprechenden" erschüfe,  ist das Nichts, was hier zugrunde liegt,
       ein sehr  mannigfaltiges Etwas,  das wirkliche  Individuum, seine
       Sprachorgane, eine  bestimmte Stufe  der physischen  Entwicklung,
       vorhandene Sprache und Dialekte, hörende Ohren und eine menschli-
       che Umgebung, die etwas zu hören gibt, etc. etc. Es wird also bei
       der Ausbildung  einer Eigenschaft Etwas von Etwas durch Etwas ge-
       schaffen, und keineswegs, wie in der Hegelschen Logik, von Nichts
       durch Nichts zu Nichts gekommen.
       Jetzt, nachdem  Sankt Max  einmal seinen getreuen Szeliga bei der
       Hand hat,  geht die  Fahrt wieder  flott voran. Wir werden sehen,
       wie er  vermittelst seines  "Du" den Geist wieder in den Jüngling
       verwandelt, gerade  wie er  früher den Jüngling in den Geist ver-
       wandelte; wir  werden die  ganze  Jünglingsgeschichte  hier  fast
       wörtlich, nur mit einigen verdeckenden Umstellungen, wiederfinden
       - wie  schon das  "ungeheuer große Geisterreich" von p. 37 Nichts
       andres war  als das  "Reich des  Geistes", welches  der Geist des
       Jünglings p. 17 zu stiften und auszubreiten "das Absehen" hatte.
       
       #134# Karl Marx und Friedrich Engels
       -----
       "W i e   Du indes  vom Denker,  Sänger, Sprecher Dich unterschei-
       dest, so  unterscheidest Du  Dich nicht  minder  vom  Geiste  und
       fühlst sehr  wohl, daß  Du noch etwas Anderes bist als Geist. Al-
       lein   w i e   dem denkenden  Ich  im  Enthusiasmus  des  Denkens
       l e i c h t   Hören und  Sehen vergeht, so hat  a u c h  Dich der
       Geist-Enthusiasmus ergriffen,   u n d  Du sehnst Dich  n u n  mit
       aller Gewalt,  ganz Geist zu werden und im Geiste aufzugehen. Der
       Geist ist Dem Ideal, das Unerreichte, das Jenseitige: Geist heißt
       Dein "Gott,  'Gott ist  Geist' -  - Du eiferst gegen Dich selbst,
       der Du  einen Rest  von Nichtgeistigem  nicht los wirst. Statt zu
       sagen: Ich  bin mehr  als Geist,    s a g s t    D u    mit  Zer-
       knirschung: Ich  bin weniger  als Geist, und Geist, reinen Geist,
       oder den  Geist, der  Nichts als Geist, den kann Ich mir nur den-
       ken, bin  es aber nicht,  u n d  d a  I c h' s  n i c h t  b i n,
       s o   i s t ' s   e i n   A n d r e r,  existiert als ein Andrer,
       den Ich 'Gott' nenne."
       
       Nachdem wir  vorher uns  eine lange  Zeit mit  dem Kunststück be-
       schäftigten, aus  Nichts Etwas zu machen, kommen wir jetzt plötz-
       lich ganz "natürlich" zu einem Individuum, das noch etwas Anderes
       als Geist,  also Etwas ist, und reiner Geist, d.h. Nichts, werden
       will. Wir  haben mit  diesem viel  leichteren Problem  (aus Etwas
       Nichts zu  machen) sogleich wieder die ganze Geschichte vom Jüng-
       ling, der  "den vollendeten  Geist erst suchen muß", und brauchen
       jetzt nur  wieder die  alten Phrasen von p. 17 bis 18 hervorzuho-
       len, um aller Not überhoben zu sein. Besonders, wenn man einen so
       gehorsamen und  gläubigen Diener  hat wie  Szeliga, dem "Stirner"
       aufbinden kann,  w i e  ihm, "Stirner", "im Enthusiasmus des Den-
       kens   l e i c h t"   (!) "Hören und Sehen vergehe", so habe auch
       ihn, Szeliga,  "der Geist-Enthusiasmus  ergriffen", und  er, Sze-
       liga,  "sehne   sich  nun  mit  aller  Gewalt  danach,  Geist  zu
       w e r d e n",   statt Geist  zu bekommen, d.h., er habe jetzt die
       Rolle des  Jünglings von p. 18 zu spielen. Szeliga glaubt das und
       gehorcht in  Furcht und  Zittern; er gehorcht, wenn ihm Sankt Max
       zudonnert: Der  Geist ist  Dein Ideal  - Dein  Gott, Du  tust mir
       dies, Du  tust mir  Das, jetzt  "eiferst Du",  jetzt "sagst  Du",
       jetzt   "k a n n s t   Du Dir  denken" usw.  Wenn  "Stirner"  ihm
       aufbindet, daß  "der reine Geist ein Andrer sei, da er" (Szeliga)
       "es   n i c h t  sei", so ist doch wirklich nur Szeliga imstande,
       ihm  dies  zu  glauben  und  den  ganzen  Unsinn  Wort  für  Wort
       nachzuplappern. Die  Methode übrigens,  mit der  Jacques le  bon-
       homme diesen  Unsinn zusammenbringt,  ist bereits bei Gelegenheit
       des Jünglings  ausführlich analysiert.  Weil Du sehr wohl fühlst,
       daß Du noch etwas andres als Mathematiker bist so sehnst Du Dich,
       ganz Mathematiker  zu werden,  in der  Mathematik aufzugehen, der
       Mathematiker ist  Dein Ideal,  Mathematiker heißt Dein - Gott - -
       Du sagst mit Zerknirschung: Ich bin weniger als Mathematiker, und
       d e n   Mathematiker kann  Ich mir  nur vorstellen,  und da Ich's
       nicht bin, so ist's ein Andrer, existiert als ein Andrer, den Ich
       "Gott" nenne. Ein Andrer als Szeliga würde sagen Arago.
       
       #135# Deutsche Ideologie - Das Leipziger Konzil. III. Sankt Max
       -----
       "Jetzt endlich,  nachdem" wir  den Stirnerschen Satz als die Wie-
       derholung des  "Jünglings" nachgewiesen  haben, "kann man es aus-
       sprechen", daß er "in Wahrheit von Haus aus sich keine andre Auf-
       gabe stellte",  als den  Geist der  christlichen Askese mit Geist
       überhaupt und  die frivole  Geistreichheit z.B.  des  achtzehnten
       Jahrhunderts mit  der christlichen Geistlosigkeit zu identifizie-
       ren.
       Also nicht,  wie Stirner  behauptet, "weil  Ich  und  Geist  ver-
       schiedne Namen  für Verschiednes  sind, weil  Ich nicht Geist und
       Geist nicht Ich ist" (p. 42), erklärt sich die Notwendigkeit, daß
       der Geist im Jenseits haust, d. h. Gott ist - sondern aus dem dem
       Szeliga ganz  grundlos zugemuteten "Geistesenthusiasmus", der ihn
       zum Asketen  macht, d.h. zu Einem, der Gott (reiner Geist) werden
       will, und, weil er dies nicht kann, den Gott außer sich setzt. Es
       handelte sich aber darum, daß der Geist erst  s i c h  aus Nichts
       und dann  aus sich   G e i s t e r  schaffen sollte. Statt dessen
       produziert jetzt  Szeliga Gott (den einzigen Geist, der hier vor-
       kommt) -  nicht weil  er, Szeliga,  d e r  Geist, sondern weil er
       Szeliga,  d.h.   unvollendeter  Geist,  ungeistiger  Geist,  also
       zugleich der Nichtgeist ist. Wie aber die christliche Vorstellung
       vom Geiste  als Gott  entsteht, darüber sagt der heilige Max kein
       Wort; obwohl  dies jetzt  kein so  großes Kunststück mehr ist; er
       setzt ihre Existenz voraus, um sie zu erklären.
       Die Schöpfungsgeschichte des Geistes "stellt sich in Wahrheit von
       Haus aus  keine andre  Aufgabe", als  Stirners  Magen  unter  die
       Sterne zu versetzen.
       
       "Gerade weil Wir nicht  d e r  G e i s t  sind, der in Uns wohnt,
       gerade darum mußten Wir ihn außer
       
       Gerade weil  Wir nicht  d e r  M a g e n  sind, der in Uns wohnt,
       gerade darum mußten Wir ihn außer
       
       Uns versetzen,  er war nicht Wir, und darum konnten Wir ihn nicht
       anders existierend  denken als  außer Uns,  jenseits von  Uns, im
       J e n s e i t s."  p. 43.
       
       Es handelte  sich darum,  daß der  Geist erst sich und dann etwas
       Andres als sich aus sich schaffen sollte; die Frage war, was die-
       ses Andre  sei? Diese  Frage wird nicht beantwortet, sondern nach
       den obigen  "mancherlei Wandlungen" und Wendungen in die folgende
       neue Frage verdreht:
       
       "Der Geist  ist   e t w a s   A n d r e s   als Ich. Dieses Andre
       aber, was ist's?" (p. 45.)
       
       Jetzt fragt es sich also: Was ist der Geist anderes als Ich? wäh-
       rend die  ursprüngliche Frage  war: Was ist der Geist durch seine
       Schöpfung aus Nichts anderes als er selbst? Hiermit springt Sankt
       Max in die nächste "Wandlung" über.
       
       #136# Karl Marx und Friedrich Engels
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       B) Die Besessenen (Unreine Geistergeschichte)
       
       Sankt Max  hat, ohne es zu wissen, bisher weiter nichts getan als
       eine Anleitung  zum Geistersehen  gegeben, indem  er die alte und
       neue Welt nur als "Scheinleib eines Geistes", als gespenstige Er-
       scheinung faßte  und nur  Geisterkämpfe in ihr sah. Jetzt gibt er
       mit Bewußtsein und ex professo 1*) eine Anleitung zum Gespenster-
       sehen.
       A n l e i t u n g   z u m  G e i s t e r s e h e n.  Man muß sich
       zuerst in  einen erzdummen  Teufel verwandeln, d.h. sich als Sze-
       liga setzen,  und dann  zu sich selbst sprechen, wie Sankt Max zu
       diesem Szeliga:  "Blick umher  in der  Welt, und  sage selbst, ob
       nicht aus Allem Dich ein Geist anschaut!" Ist man dahin gekommen,
       sich dies einzubilden, so kommen die Geister "leicht" von selbst,
       in der "Blume" sieht man nur den "Schöpfer", in den Bergen "einen
       Geist der  Erhabenheit", im  Wasser "einen  Geist der  Sehnsucht"
       oder die  Sehnsucht des  Geistes, und  man hört "aus den Menschen
       Millionen Geister  reden". Hat  man es  bis zu  dieser Stufe  ge-
       bracht, kann  man mit  Stirner ausrufen:   "J a,  es spukt in der
       Ganzen Welt",  so "ist  der Fortgang dahin nicht schwer" (p. 93),
       daß man den weiteren Ausruf tut: "Nur in ihr?  N e i n,  sie sel-
       ber spukt"  (Eure Rede  sei Ja,  Ja, Nein, Nein, was darüber ist,
       das ist  vom Übel, nämlich logischer Übergang), "sie ist der wan-
       delnde Scheinleib  eines Geistes, sie ist ein Spuk." Dann "schau"
       getrost "in  die Nähe oder in die Ferne, Dich umgibt eine gespen-
       stige Welt  - -  Du siehst  Geister". Hiermit kannst Du zufrieden
       sein, wenn Du ein gewöhnlicher Mensch bist; gedenkst Du aber Dich
       mit Szeliga  messen zu  können, so  kannst Du auch in Dich selbst
       schauen und  darfst "Dich dann nicht wundern", wenn Du bei dieser
       Gelegenheit und auf dieser Höhe der Szeligaität findest, daß auch
       "Dein Geist  in Deinem  Leibe spukt",  daß Du selbst ein Gespenst
       bist, das  "auf Erlösung  harrt, nämlich ein Geist". Hiermit bist
       Du so  weit gekommen,  daß Du  in "Allen"  Menschen "Geister" und
       "Gespenster" sehen  kannst, womit die Geisterseherei "ihr letztes
       Absehen erreicht", p. 46, 47.
       Die Grundlage  dieser Anleitung  findet sich,  nur viel richtiger
       ausgedrückt, bei  Hegel u.a. "Geschichte der Philosophie" III, p.
       124, 125.
       Der heilige  Max glaubt  seiner eignen  Anleitung so sehr, daß er
       darüber selbst zum Szeliga wird und behauptet:
       
       "Seit das  Wort Fleisch  geworden ist,  seitdem   i s t  die Welt
       vergeistigt, verzaubert, ein Spuk." p. 47.
       -----
       1*) wörtlich: von Berufs wegen; hier: mit Vorbedacht
       
       #137# Deutsche Ideologie - Das Leipziger Konzil. III. Sankt Max
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       "Stirner" "sieht Geister".
       Sankt Max  beabsichtigt, uns eine Phänomenologie des christlichen
       Geistes zu  geben, und  nimmt nach seiner Gewohnheit nur die eine
       Seite heraus. Den Christen war die Welt nicht allein vergeistigt,
       sondern ebensosehr   e n t geistigt,    wie  Hegel  z.B.  in  der
       ebengenannten Stelle  dies ganz  richtig anerkennt und die beiden
       Seiten miteinander  in Beziehung  bringt, was  Sankt Max, wenn er
       historisch verfahren  wollte, ebenfalls  hätte  tun  müssen.  Der
       Entgeistigung  der  Welt  im  christlichen  Bewußtsein  gegenüber
       können die  Alten, "die überall Götter sahen", mit gleichem Recht
       als Vergeistiger  der Welt aufgefaßt werden, eine Auffassung, die
       unser  heiliger   Dialektiker  mit  der  wohlmeinenden  Ermahnung
       zurückweist: "Götter,  mein lieber Neuer, sind keine Geister." p.
       47. Der  gläubige Max erkennt nur den  h e i l i g e n  Geist als
       Geist an.
       Aber selbst  wenn er  uns diese Phänomenologie gegeben hätte (was
       nach Hegel übrigens überflüssig ist), so hätte er uns noch Nichts
       gegeben. Der  Standpunkt, auf dem man sich mit solchen Geisterge-
       schichten begnügt,  ist selbst  ein religiöser, weil man sich auf
       ihm bei  der Religion  beruhigt, die  Religion als  causa sui 1*)
       auffaßt (denn  auch "das  Selbstbewußtsein" und "der Mensch" sind
       noch religiös),  statt sie aus den empirischen Bedingungen zu er-
       klären und nachzuweisen, wie bestimmte industrielle und Verkehrs-
       verhältnisse notwendig  mit einer  bestimmten  Gesellschaftsform,
       damit einer  bestimmten Staatsform,  und damit  einer  bestimmten
       Form des  religiösen Bewußtseins  verbunden sind.  Hätte  Stirner
       sich die  wirkliche Geschichte  des  Mittelalters  angesehen,  so
       hätte er  finden können,  warum die  Vorstellung der Christen von
       der Welt  im Mittelalter  gerade diese Gestalt annahm, und wie es
       kam, daß  sie später in eine andre überging; er hätte finden kön-
       nen, daß   "d a s    C h r i s t e n t u m"    g a r    k e i n e
       G e s c h i c h t e   h a t  und alle die verschiednen Formen, in
       denen  es   zu  verschiednen   Zeiten  aufgefaßt   wurde,   nicht
       "Selbstbestimmungen" und  "Fortentwicklungen"  "d e s  religiösen
       Geistes" waren, sondern von ganz empirischen, allem Einflüsse des
       religiösen Geistes entzogenen Ursachen bewirkt wurden.
       Da Stirner  "nicht am  Schnürchen geht" (p. 45), so kann, ehe wir
       auf die Geisterseherei weiter eingehen, schon hier gesagt werden,
       daß die  verschiedenen "Wandlungen" der Stirnerschen Menschen und
       ihrer Welt  nur in  der Verwandlung  der ganzen Weltgeschichte in
       den Leib  der Hegelschen Philosophie bestehen; in Gespenster, die
       nur zum Schein ein "Anderssein" der Gedanken des Berliner Profes-
       sors sind.  In der  "Phänomenologie", der  Hegelschen Bibel, "dem
       Buch", werden  zunächst die  Individuen in  "das Bewußtsein" [und
       die] Welt in "den Gegenstand" ver[wa]ndelt, wodurch die
       -----
       1*) Ursache ihrer selbst
       
       #138# Karl Marx und Friedrich Engels
       -----
       Mannigfaltigkeit des  Lebens und der Geschichte sich auf ein ver-
       schiedenes Verhalten "des Bewußtseins" zu "dem Gegenstande" redu-
       ziert. Dies verschiedene Verhalten wird wieder auf drei Kardinal-
       verhältnisse reduziert:  1. Verhältnis des Bewußtseins zum Gegen-
       stand als  der Wahrheit  oder zur  Wahrheit als bloßem Gegenstand
       (z.B. sinnliches  Bewußtsein, Naturreligion, ionische Philosophie
       [63], Katholizismus, Autoritätsstaat pp.) - 2. Verhältnis des Be-
       wußtseins als  d e s  W a h r e n  zum Gegenstand (Verstand, gei-
       stige Religion,  Sokrates, Protestantismus,  französische Revolu-
       tion) -  3. wahres Verhalten des Bewußtseins zur Wahrheit als Ge-
       genstand oder zum Gegenstand als Wahrheit (logisches Denken, spe-
       kulative Philosophie,  der Geist  als für  den Geist).  Das erste
       wird auch  bei Hegel  gefaßt als  Gottvater, das zweite als Chri-
       stus, das  dritte als Heiliger Geist usw. Stirner hat diese Wand-
       lungen schon  angebracht bei  Kind und Jüngling, Alten und Neuen,
       wiederholt sie  später bei Katholizismus und Protestantismus, Ne-
       ger und Mongole etc. und akzeptiert diese Reihe von Verkleidungen
       eines Gedankens  nun auf Treu und Glauben als die Welt, gegen die
       er sich  als "leibhaftiges  Individuum" geltend zu machen, zu be-
       haupten hat.
       Z w e i t e   A n l e i t u n g   z u m  G e i s t e r s e h e n.
       Wie man  die Welt in das Gespenst der Wahrheit und sich selbst in
       einen Geheiligten oder Gespenstigen verwandelt. Ein Gespräch zwi-
       schen Sankt Max und Szeliga, seinem Knecht, (p. 47, 48.)
       
       Sankt Max.  "Du hast Geist, denn Du hast Gedanken. Was sind Deine
       Gedanken?"
       Szeliga. "Geistige Wesen."
       Sankt Max. "Also keine Dinge?"
       Szeliga. "Nein, aber der Geist der Dinge, die Hauptsache an allen
       Dingen, ihr Innerstes, ihre - Idee."
       Sankt Max. "Was Du denkst, ist mithin nicht bloß Dein Gedanke?"
       Szeliga. "Im  Gegenteil, es  ist das  Wirklichste, das eigentlich
       Wahre an der Welt: es ist die Wahrheit selber; wenn ich nur wahr-
       haft denke,  so denke  ich   d i e   Wahrheit. Ich kann mich zwar
       über die  Wahrheit täuschen und sie  v e r k e n n e n;  wenn ich
       aber wahrhaft   e r k e n n e,   so ist der Gegenstand meiner Er-
       kenntnis die Wahrheit."
       Sankt Max.  "So trachtest Du wohl allezeit die Wahrheit zu erken-
       nen?"
       Szeliga. "Die  Wahrheit ist  mir heilig.  - Die   W a h r h e i t
       kann ich nicht abschaffen; an die Wahrheit glaube ich, darum for-
       sche ich in ihr; über sie geht's nicht hinaus, sie ist ewig. Hei-
       lig, ewig ist die Wahrheit, sie ist das Heilige, das Ewige."
       Sankt Max (erbost). "Du aber, der Du von diesem Heiligen Dich er-
       füllen lassest, wirst selbst geheiligt!"
       
       Also, wenn Szeliga einen Gegenstand wahrhaft erkennt, so hört der
       Gegenstand auf,  Gegenstand zu sein, und wird "die Wahrheit". Er-
       ste Gespensterfabrikation  im Großen. - Es handelt sich nun nicht
       mehr um  das Erkennen  der Gegenstände, sondern um die Erkenntnis
       der Wahrheit; erst erkennt er
       
       #139# Deutsche Ideologie - Das Leipziger Konzil. III. Sankt Max
       -----
       Gegenstände wahrhaft, das fixiert er als Wahrheit der Erkenntnis,
       und diese  verwandelt er in Erkenntnis der Wahrheit. Nachdem sich
       so Szeliga  von dem  drohenden Heiligen die Wahrheit als Gespenst
       hat aufbinden  lassen, so  rückt ihm sein gestrenger Herr mit der
       Gewissensfrage auf  den Leib,  ob er  "allezeit" trächtig sei mit
       der Sehnsucht  nach Wahrheit,  worauf der verwirrte Szeliga etwas
       vor der  Zeit mit der Antwort hervorplatzt - die Wahrheit ist mir
       heilig. Er  merkt aber  sogleich sein Versehen und nimmt es nach,
       indem er  beschämt die  Gegenstände in  Wahrheiten, nicht mehr in
       die Wahrheit,  verwandelt und  sich als die Wahrheit dieser Wahr-
       heiten   "d i e  Wahrheit" abstrahiert, die er nun nicht mehr ab-
       schaffen kann,  nachdem er  sie von  den abschaffbaren Wahrheiten
       u n t e r s c h i e d e n   hat. Damit  ist sie dann "ewig". Aber
       nicht damit  zufrieden, ihr Prädikate wie "heilig, ewig" beizule-
       gen, verwandelt er sie in  d a s  Heilige,  d a s  Ewige als Sub-
       jekt. Jetzt  kann ihm Sankt Max natürlich erklären, daß er, nach-
       dem er  sich vom  Heiligen habe "erfüllen" lassen, "selbst gehei-
       ligt werde",  und sich  "nicht wundern dürfe", wenn er nunmehr in
       sich "nichts  als einen  Spuk finde".  Der Heilige beginnt sodann
       eine Predigt:  "Auch ist  das Heilige  nicht für Deine Sinne" und
       schließt ganz  folgerichtig durch ein  "u n d"  an: "niemals ent-
       deckst Du  als ein  Sinnlicher seine  Spur"; nachdem  nämlich die
       sinnlichen Gegenstände  "alle jeworden"  sind und  an ihre Stelle
       "die Wahrheit",  "die Heilige  Wahrheit", "das  Heilige" getreten
       ist. "Sondern"  - versteht  sich! - "für Deinen Glauben, oder be-
       stimmter noch für Deinen Geist" (für Deine Geistlosigkeit), "denn
       es ist  ja selbst  ein Geistiges" (per appositionem 1*)),  "e i n
       Geist" (wieder  per appos.),  "ist    G e i s t    f ü r    d e n
       G e i s t".   Dies ist  die Kunst,  wie man die profane Welt, die
       "Gegenstände",  vermittelst   einer  arithmetischen   Reihe   von
       A p p o s i t i o n e n  in "Geist für den Geist" verwandelt. Wir
       können hier  diese dialektische Methode der Appositionen nur noch
       bewundern - später werden wir Gelegenheit haben, sie zu ergründen
       und in ihrer ganzen Klassizität darzustellen.
       Die Appositionsmethode  kann auch umgedreht werden - so hier, wo,
       nachdem wir  "das Heilige" bereits erzeugt haben, es nicht wieder
       Appositionen erhält,  sondern zur  Apposition einer neuen Bestim-
       mung gemacht  wird: dies  ist die Vereinigung der Progression mit
       der Gleichung.  So wird  hier der  aus irgendeinem  dialektischen
       Prozeß "übrigbleibende  Gedanke an  ein Anderes",  dem "Ich  mehr
       dienen sollte  als Mir"  (per appos.),  "das Mir  wichtiger  sein
       müßte als  Alles" (per  appos.), "kurz,  ein  Etwas,    w o r i n
       I c h     M e i n    w a h r e s    H e i l    z u    s u c h e n
       h ä t t e"  (und endlich per appos. die Rückkehr auf die
       -----
       1*) durch den Beisatz; durch Apposition
       
       #140# Karl Marx und Friedrich Engels
       -----
       erste Reihe) "- ein 'Heiliges'" (p. 48). Wir haben hier zwei Pro-
       gressionen, die  einander gleichgesetzt  werden und  so zu  einer
       großen Mannigfaltigkeit von Gleichungen Gelegenheit geben können.
       Hierüber später. Durch diese Methode hat dann auch "das Heilige",
       das wir bisher nur als eine rein theoretische Bestimmung für rein
       theoretische Verhältnisse  kennenlernten, einen neuen praktischen
       Sinn bekommen,  als "Etwas,  worin Ich Mein wahres Heil zu suchen
       hätte", wodurch  es möglich  wird, das  Heilige zum Gegensatz des
       Egoisten zu  machen. Wir  brauchen übrigens kaum zu erwähnen, daß
       dieser ganze  Dialog, nebst  nachfolgender Predigt, weiter nichts
       ist als  eine neue Wiederholung der bereits drei- bis viermal da-
       gewesenen Jünglingsgeschichte.  Hier, bei dem "Egoisten" angekom-
       men, schneiden  wir Stirners  "Schnürchen" ab,  weil wir  erstens
       seine Konstruktion in ihrer Reinheit darzustellen haben, frei von
       allen dazwischengeworfenen  Intermezzos, und  weil zweitens diese
       Intermezzi  (Sancho  würde  nach  Analogie    "d e s    Lazaroni"
       (Wig[and], p. 159, soll heißen Lazzarone) sagen: Intermezzi's) an
       andern Stellen  des Buchs  ohnehin wieder  vorkommen, da Stirner,
       weit entfernt,  sich nach  seiner eigenen Zumutung "stets in sich
       zurückzunehmen", im Gegenteil sich stets von Neuem von sich gibt.
       Wir erwähnen nur noch eben, daß die p. 45 aufgeworfene Frage: Was
       ist dies  vom Ich  Unterschiedene, das der Geist ist, jetzt dahin
       beantwortet ist,  daß es  das Heilige,  id est das dem Ich Fremde
       ist und daß Alles dem Ich Fremde - kraft einiger nicht ausgespro-
       chenen Appositionen,  Appositionen "an sich" - hiernach ohne Wei-
       teres als  Geist gefaßt wird. Geist, Heiliges, Fremdes sind iden-
       tische Vorstellungen,  denen er den Krieg erklärt, wie dies schon
       bei dem  Jüngling und Mann ganz im Anfang fast wörtlich dagewesen
       ist. Wir  sind also noch keinen Schritt weiter, als wir p. 20 wa-
       ren.
       
       a) Der Spuk
       
       Sankt Max  macht jetzt  Ernst  mit  den  "Geistern",  welche  die
       "Kinder des  Geistes sind"  (p. 39), mit der Gespensterhaftigkeit
       Aller (p.  47). Wenigstens  bildet er sichs ein. In Wahrheit aber
       schiebt er  nur seiner  bisherigen Geschichtsauffassung, nach der
       die Menschen  von vornherein  die Repräsentanten  von allgemeinen
       Begriffen waren,  einen andern Namen unter. Diese allgemeinen Be-
       griffe treten hier zuerst im negerhaften Zustande, als objektive,
       den Menschen  gegenständliche Geister  auf und  heißen auf dieser
       Stufe Gespenster  oder -   S p u k.  Das Hauptgespenst ist natür-
       lich "der Mensch" selbst, da die Menschen nach dem Bisherigen nur
       als Repräsentanten eines Allgemeinen, Wesens, Begriffs, Heiligen,
       Fremden, Geistes,  d.h. nur als Gespenstige, Gespenster füreinan-
       der vorhanden sind, und da schon nach
       
       #141# Deutsche Ideologie - Das Leipziger Konzil. III. Sankt Max
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       Hegels "Phänomenologie"  p. 255  und anderwärts der Geist, sofern
       er "die  Form der  Dingheit" für  den Menschen  hat, ein  anderer
       Mensch ist. (Siehe weiter unten über  "d e n  Menschen".)
       Wir sehen  also hier  den Himmel  offen und die verschiedenen Ge-
       spenster der  Reihe nach  vor uns  vorüberziehen. Jacques le bon-
       homme vergißt  nur, daß  er die  alte und neue Zeit als Riesenge-
       spenster bereits  hat vor  uns vorbeiziehen  lassen, wogegen alle
       die harmlosen Einfalle von Gott etc. wahre Lumpereien sind.
       Gespenst Nr.  1:  d a s  h ö c h s t e  W e s e n,  Gott (p. 53).
       Wie nach  dem Bisherigen  zu erwarten,  glaubt der  alle  weltge-
       schichtlichen Berge  durch seinen  Glauben versetzende Jacques le
       bonhomme,   daß   "die   Menschen   sich   jahrtausendelang   die
       A u f g a b e   setzten", sich "mit der gräßlichen Unmöglichkeit,
       der endlosen  Danaidenarbeit [64] abquälten" - "das Dasein Gottes
       zu beweisen". Über diesen unglaublichen Glauben brauchen wir kein
       Wort mehr zu verlieren.
       Gespenst Nr. 2:  d a s  W e s e n.  Was unser guter Mann über das
       Wesen sagt,  beschränkt sich nach Abzug des aus Hegel Abgeschrie-
       benen auf  "pomphafte Worte und armselige Gedanken" (p. 53). "Der
       Fortgang vom"  Wesen "auf"  das Weltwesen "ist nicht schwer", und
       dies Weltwesen ist natürlich
       Gespenst Nr. 3,  d i e  E i t e l k e i t  d e r  W e l t.  Hier-
       über ist Nichts zu sagen, als daß daraus "leicht"
       Gespenst Nr.  4, die  guten und bösen Wesen werden. Hierüber wäre
       zwar etwas  zu sagen,  wird aber  nichts gesagt, und sogleich zum
       nächsten Gespenst  Nr. 5:   d a s   W e s e n    u n d    s e i n
       R e i c h   fortgeschritten. Daß  wir das  Wesen hier zum zweiten
       Male haben,  darf uns  bei unsrem  ehrlichen Schriftsteller,  der
       seine "Unbeholfenheit"  (Wigand, p.  166) sehr gut kennt und des-
       halb Alles  mehrmals sagt, damit es ja nicht mißverstanden werde,
       keineswegs verwundern. Das Wesen wird hier zuerst als Inhaber ei-
       nes "Reiches"  bestimmt und sodann von ihm ausgesagt, daß es "das
       Wesen" ist  (p. 54),  worauf es  sich flugs  in Gespenst  Nr.  6:
       "d i e   W e s e n"   verwandelt. Sie  und sie allein zu erkennen
       und anzuerkennen,  das ist Religion. "Ihr Reich" (der Wesen) "ist
       - ein Reich der Wesen." (p. 54.) Plötzlich tritt hier
       Gespenst Nr. 7,  d e r  G o t t m e n s c h,  Christus, ohne alle
       sichtbare Veranlassung herein. Von ihm weiß Stirner zu sagen, daß
       er   "b e l e i b t"   gewesen ist. Wenn Sankt Max nicht an Chri-
       stus glaubt, so glaubt er wenigstens an seinen "wirklichen Leib".
       Christus hat nach Stirner eine große Misere in die Geschichte ge-
       bracht, und  der sentimentale  Heilige erzählt  mit Tränen in den
       Augen, "wie sich die kräftigsten Christenmenschen abgemartert ha-
       ben, um
       
       #142# Karl Marx und Friedrich Engels
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       ihn zu  begreifen" -  ja - "seelenmarternder war noch nie ein Ge-
       spenst, und kein Schamane, der bis zu rasender Wut und nervenzer-
       reißenden Krämpfen  sich aufstachelt,  kann solche Qual erdulden,
       wie Christen  sie von jenem unbegreiflichsten Gespenst erlitten".
       Sankt Max  weint eine  empfindsame Zähre  auf dem Grabe der Opfer
       Christi und kommt dann zum "grauenhaften Wesen",
       dem Gespenst Nr. 8,  d e m  M e n s c h e n.  Hier "graut" es un-
       srem wackeren  Schriftsteller in  Eins fort  - "er erschrickt vor
       sich selbst",  er sieht in jedem Menschen einen "grausigen Spuk",
       einen "unheimlichen  Spuk", in  dem es  "umgeht" (p.  55, 56). Er
       fühlt sich höchst unbehaglich. Der Zwiespalt zwischen Erscheinung
       1*)  und Wesen läßt ihn nicht ruhen. Er ist wie Nabal, der Gemahl
       der Abigail,  von dem geschrieben steht, daß sein Wesen ebenfalls
       von seiner  Erscheinung getrennt  war: Es  war ein  Mann zu  Maon
       u n d   s e i n   W e s e n   z u  C a r m e l  (1. Samuel 25, 2)
       [65]. Zur  rechten Zeit und ehe sich der "seelengemarterte" Sankt
       Max aus  Verzweiflung eine  Kugel durch den Kopf jagt, fallen ihm
       plötzlich die Alten ein, die "so etwas nicht in ihren Sklaven be-
       achteten". Dies bringt ihn auf
       Gespenst Nr.  9,   d e n   V o l k s g e i s t  (p. 56), über den
       sich Sankt  Max, an  dem jetzt kein Aufhalten mehr ist, ebenfalls
       "grausige" Einbildungen macht, um
       Gespenst Nr.  10:   "A l l e s"  in einen Spuk zu verwandeln, und
       schließlich, wo  alles Zählen  aufhört, den "heiligen Geist", die
       Wahrheit, das  Recht, das Gesetz, die gute Sache (die er noch im-
       mer nicht  vergessen kann) und ein halbes Dutzend anderer, einan-
       der wildfremder Dinge m der Klasse Gespenster zusammenzuwerfen.
       Sonst ist in dem ganzen Kapitel Nichts bemerkenswert als die Ver-
       setzung eines  historischen Berges durch Sankt Maxens Glauben. Er
       meint nämlich  p. 56, "nur um eines höheren Wesens willen sei man
       von jeher geehrt, nur als ein Gespenst für eine geheiligte, d.h."
       (das heißt!)  "geschützte und  anerkannte Person  betrachtet wor-
       den". Versetzen  wir diesen  durch bloßen Glauben versetzten Berg
       wieder an  seine rechte Stelle, so "heißt es nun": Nur um der ge-
       schützten, d.h. sich selbst schützenden, und privilegierten, d.h.
       sich selbst  privilegierenden Personen willen wurden höhere Wesen
       verehrt und Gespenster geheiligt. Sankt Max bildet sich z.B. ein,
       daß im  Altertum, wo jedes Volk durch materielle Verhältnisse und
       Interessen, z.B. Feindschaft der verschiednen Stämme etc., zusam-
       mengehalten wurde, wo wegen Mangel an Produktivkräften Jeder ent-
       weder Sklave  sein oder Sklaven haben mußte etc. etc., wo es also
       vom "natürlichsten Interesse" (Wigand, p. [162]) war, einem Volke
       anzugehören - daß also damals der Begriff Volk oder "das Volkswe-
       sen"
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       1*) MEGA: Erscheinungen
       
       #143# Deutsche Ideologie - Das Leipziger Konzil. III. Sankt Max
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       erst diese  Interessen aus  sich erzeugt habe; daß in der neueren
       Zeit, wo  die freie  Konkurrenz und der Welthandel den heuchleri-
       schen, bürgerlichen  Kosmopolitismus und den Begriff des Menschen
       erzeugte, umgekehrt  die spätere  philosophische Konstruktion des
       Menschen jene Verhältnisse als seine "Offenbarungen" (p. 51) pro-
       duziert habe.  Ebenso mit  der Religion, dem Reich der Wesen, das
       er für  das einzige  Reich hält,  von deren  Wesen er aber nichts
       weiß, weil  er sonst wissen müßte, daß sie,  a l s  Religion, we-
       der ein Wesen noch ein Reich hat. In der Religion machen die Men-
       schen ihre  empirische Welt zu einem nur gedachten, vorgestellten
       Wesen, das ihnen fremd gegenübertritt. Dies ist keineswegs wieder
       aus andern  Begriffen zu erklären, aus  "d e m  Selbstbewußtsein"
       und dergleichen Faseleien, sondern aus der ganzen bisherigen Pro-
       duktions- und Verkehrsweise, die ebenso unabhängig vom reinen Be-
       griff ist  wie die Erfindung der self-acting mule 1*) und die An-
       wendung der  Eisenbahnen von  der Hegelschen Philosophie. Will er
       einmal von  einem "Wesen"  der Religion  sprechen, d.h. von einer
       materiellen Grundlage  dieses Unwesens,  so hat  er es  weder  im
       "Wesen des  Menschen" noch  in den  Prädikaten Gottes  zu suchen,
       sondern in  der von jeder Stufe der religiösen Entwicklung vorge-
       fundenen materiellen Welt. (Vgl. oben Feuerbach.)
       Die sämtlichen  "Gespenster", die wir Revue passieren ließen, wa-
       ren Vorstellungen.  Diese Vorstellungen,  abgesehen von ihrer re-
       alen Grundlage (von der Stirner ohnehin absieht), als Vorstellun-
       gen innerhalb des Bewußtseins, als Gedanken im Kopfe der Menschen
       gefaßt, aus  ihrer Gegenständlichkeit  m das Subjekt zurückgenom-
       men, aus  der Substanz  ins Selbstbewußtsein  erhoben, sind - der
       S p a r r e n  oder die  f i x e  I d e e.
       Über den  Ursprung von  Sankt Maxens  Gespenstergeschichte  siehe
       Feuerbach in den "Anekdotis" II, p. 66, wo es heißt [66]:
       
       "Die Theologie ist  G e s p e n s t e r g l a u b e.  Die gemeine
       Theologie hat aber ihre Gespenster in der sinnlichen Imagination,
       die spekulative Theologie in der unsinnlichen Abstraktion."
       Da nun  Sankt Max mit sämtlichen kritischen Spekulanten der neue-
       ren Zeit  den Glauben  teilt, daß verselbständigte Gedanken, ver-
       körperte Gedanken  - Gespenster  - die  Welt beherrscht haben und
       beherrschen, daß alle bisherige Geschichte Geschichte der Theolo-
       gie gewesen  sei, so war nichts leichter, als sie in eine Gespen-
       stergeschichte zu verwandeln. Sanchos Gespenstergeschichte beruht
       also auf  dem traditionell  überlieferten  Gespensterglauben  der
       Spekulanten.
       -----
       1*) selbsttätigen Spinnmaschine
       
       #144# Karl Marx und Friedrich Engels
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       b) Der Sparren
       
       "Mensch, es  spukt in  Deinem Kopfe!  - Du  hast eine fixe Idee!"
       donnert der  heilige Max seinen Sklaven Szeliga an. "Denke nicht,
       daß Ich  scherze", droht er ihm. Untersteh Dich nicht zu glauben,
       daß der feierliche "Max Stirner" scherzen könne.
       Der Mann  Gottes hat wieder seinen getreuen Szeliga nötig, um vom
       Objekt auf das Subjekt, vom Spuk auf den Sparren zu kommen.
       Der Sparren ist die Hierarchie im einzelnen Individuum, die Herr-
       schaft des  Gedankens "in  ihm über  ihm". Nachdem  die Welt  dem
       phantasierenden Jüngling  von p.  20  als  Welt  seiner  "Fieber-
       phantasien", als  Gespensterwelt gegenübergetreten  ist,  wachsen
       ihm die  "eignen Geburten  seines Kopfs"  innerhalb seines  Kopfs
       über seinen Kopf. Die Welt seiner Fieberphantasien - das ist sein
       Fortschritt -  existiert nun  als  die  Welt  seines  zerrütteten
       Kopfes. Sankt  Max, der  Mann, der  die "Welt  der Neuen" als den
       phantasierenden Jüngling  sich gegenüberstehen hat, muß notwendig
       erklären, daß  "beinahe die  ganze  Menschenwelt  aus  veritablen
       Narren, Narren im Tollhause bestehe", (p. 57.)
       Der Sparren,  den Sankt  Max in den Köpfen der Menschen entdeckt,
       ist nichts  als sein  eigner Sparren, der Sparren "des Heiligen",
       der die  Welt sub  specie aeterni  1*) betrachtet  und sowohl die
       heuchlerischen Phrasen  wie die  Illusionen der  Menschen für die
       wirklichen Motive  ihrer Handlungen  versieht; weswegen  auch der
       naive, gläubige  Mann getrost  den großen  Satz ausspricht: "Fast
       die ganze Menschenwelt hängt am Höheren." (p. 57.)
       Der "Sparren" ist "eine fixe Idee", d.h. "eine Idee, die den Men-
       schen sich  unterworfen hat",  oder, wie  später populärer gesagt
       wird, allerlei  Abgeschmacktheiten, die  die Leute  "s i c h  i n
       d e n  K o p f  g e s e t z t  h a b e n".  Mit spielender Leich-
       tigkeit ergibt  sich für  Sankt Max,  daß Alles, was die Menschen
       sich unterworfen  hat, z. B. die Notwendigkeit zu produzieren, um
       zu leben,  und die  davon  abhängigen  Verhältnisse  eine  solche
       "Abgeschmacktheit" oder   "f i x e  I d e e"  ist. Da die Kinder-
       welt die  einzige "Welt  der Dinge" ist, wie wir in der Mythe vom
       "Menschenleben" sahen, so ist Alles, was "für das Kind" (von Zeit
       zu Zeit  auch für  das Tier)  nicht existiert,  jedenfalls  "eine
       Idee" und  "leicht auch"  eine "fixe Idee". Wir sind den Jüngling
       und das Kind noch lange nicht los.
       Das Kapitel  vom Sparren  hat bloß  den Zweck,  die Kategorie des
       Sparrens in  der Geschichte   "d e s   Menschen" zu konstatieren.
       Der eigentliche Kampf
       -----
       1*) vom Gesichtspunkt der Ewigkeit
       
       #145# Deutsche Ideologie - Das Leipziger Konzil. III. Sankt Max
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       gegen die  Sparren zieht sich durch das ganze "Buch" und wird na-
       mentlich im zweiten Teil geführt. Wir können uns deshalb hier mit
       ein paar Beispielen von Sparren begnügen.
       p. 59 glaubt Jacques le bonhomme, daß "unsere Zeitungen von Poli-
       tik strotzen,  weil sie  m dem Wahne gebannt sind, der Mensch sei
       dazu geschaffen,  ein Zoon  politikon 1*)  zu werden".  Also nach
       Jacques le  bonhomme wird Politik getrieben, weil unsre Zeitungen
       davon strotzen! Wenn ein Kirchenvater die Börsennachrichten unse-
       rer Zeitungen  ansähe, so könnte er gar nicht anders urteilen wie
       Sankt Max  und müßte  sagen: Diese Zeitungen strotzen von Börsen-
       nachrichten, weil  sie m  den Wahn  gebannt sind,  der Mensch sei
       dazu geschaffen,  in Fonds zu spekulieren. Also nicht die Zeitun-
       gen haben den Sparren, sondern der Sparren hat den "Stirner".
       Die Verpönung der Blutschande und die Institutionen der Monogamie
       werden aus  "dem Heiligen"  erklärt, "sie sind das Heilige". Wenn
       bei den  Persern die Blutschande nicht verpönt ist und die Insti-
       tution der  Polygamie bei den Türken sich vorfindet, so sind dort
       also Blutschande  und Polygamie  "das Heilige".  Zwischen  diesen
       beiden "Heiligen" wäre kein Unterschied anzugeben, als daß Perser
       und Türken  sich andres  dummes Zeug  "in den Kopf gesetzt haben"
       als die  christlich germanischen  Völker. - Kirchenväterliche Ma-
       nier, sich  "zeitig genug"  von der  Geschichte "loszumachen".  -
       Jacques le  bonhomme ahnt  so wenig die wirklichen, materialisti-
       schen Ursachen  der Verpönung der Polygamie und Blutschande unter
       gewissen sozialen  Verhältnissen, daß  er sie nur für einen Glau-
       benssatz erklärt  und sich  in Gemeinschaft mit jedem Spießbürger
       einbildet, wenn  einer für  derartige Vergehen eingesperrt werde,
       so  sperre  ihn  "die  Sittenreinheit"  in  ein  "Sittenverbesse-
       rungshaus" (p.  61), wie  denn die  Kerker ihm  überhaupt  -  und
       hierin steht  er unter  dem gebildeten Bourgeois, der dies besser
       weiß, vgl. die Gefängnisliteratur - als Sittenverbesserungshäuser
       erscheinen.  "Stirners"   "Kerker"   sind   die   allertnvialsten
       Illusionen des Berliner Bürgers, die indes für ihn schwerlich ein
       "Sittenverbesserungshaus" genannt zu werden verdienen.
       Nachdem Stirner  durch eine  "episodisch eingelegte"  "geschicht-
       liche Reflexion"  entdeckt hat,  daß "es  dahin kommen mußte, daß
       der ganze  Mensch sich  mit allen seinen Fähigkeiten als religiös
       erwies"  (p.   64),  "so  ist  auch  in  der  Tat"  -  "nicht  zu
       verwundern", "weil  wir jetzt so durch und durch religiös sind" -
       "daß" der   E i d  "der  G e s c h w o r n e n  uns zum Tode ver-
       dammt und  der Polizeidiener uns als guter Christ durch 'Amtseid'
       ins Loch  bringt". Wenn ihn ein Gensdarme wegen Rauchens im Tier-
       garten anhält [67], so schlägt ihm nicht
       -----
       1*) gesellschaftliches Wesen
       
       #146# Karl Marx und Friedrich Engels
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       der kgl. preuß. dafür bezahlte und an den Strafgeldern beteiligte
       Gensdarme, sondern der "Amtseid" die Zigarre aus dem Munde. Gera-
       deso verwandelt sich für ihn die Macht des Bourgeois im Geschwor-
       nengerichte, wegen  des scheinheiligen  Aussehens, das  sich  die
       amis du  commerce 1*) hier geben, in die Macht des Schwörens, des
       Eides, in   "d a s  H e i l i g e".  Wahrlich, wahrlich, ich sage
       Euch :  solchen  Glauben  habe  ich  in  Israel  nicht  gefunden.
       (Matth[äi] 8,  10.) "Bei  so Manchem wird ein Gedanke zur Maxime,
       so daß  nicht Er  die Maxime, sondern diese vielmehr Ihn hat, und
       mit der  Maxime hat  er wieder einen festen Standpunkt." Aber "so
       liegt es  nun nicht  an Jemandes Wollen, Sollen oder Laufen, son-
       dern an  Gottes Erbarmen".  Röm[er] 9,  16. Darum muß der heilige
       Max sogleich auf derselben Seite einige Pfähle ins Fleisch bekom-
       men und uns selbst mehrere Maximen geben: nämlich erstens die Ma-
       xime, keine  Maxime, damit  zweitens die  Maxime,  keinen  festen
       Standpunkt zu  haben, drittens  die  Maxime:  "Wir    s o l l e n
       z w a r   Geist haben, aber der Geist  s o l l  Uns nicht haben";
       und viertens  die Maxime,  daß man  auch sein  Fleisch  vernehmen
       soll, "denn  nur wenn  ein Mensch sein Fleisch vernimmt, vernimmt
       er sich ganz, und nur wenn er  s i c h  g a n z  vernimmt, ist er
       vernehmend oder vernünftig".
       
       C) Unreine unreine Geistergeschichte
       
       a) Neger und Mongolen
       
       Wir kehren jetzt zum Anfang der "einzigen" Geschichtskonstruktion
       und Namengebung  zurück. Das  Kind wird  Neger, der Jüngling Mon-
       gole. Siehe die Ökonomie des Alten Bundes.
       
       "Die geschichtliche  Reflexion über Unser Mongolentum, welche Ich
       an dieser  Stelle e p i s o d i s c h   e i n l e g e n  w i l l,
       gebe Ich   n i c h t  m i t  d e m  A n s p r ü c h e  auf Gründ-
       lichkeit   o d e r   a u c h   n u r   auf  Bewährtheit,  sondern
       l e d i g l i c h   d a r u m,   w e i l    M i c h    d ü n k t,
       s i e   k ö n n e   zur Verdeutlichung  des Übrigen  b e i t r a-
       g e n."  p. 87.
       
       Sankt Max  sucht sich  seine Phrasen  über Kind  und Jüngling  zu
       "verdeutlichen", indem  er ihnen  weltumfassende Namen  gibt, und
       diese weltumfassenden  Namen, indem  er ihnen  seine Phrasen über
       Kind und  Jüngling  unterschiebt.  "Die    N e g e r h a f t i g-
       k e i t   stellt dar  das  A l t e r t u m,  die Abhängigkeit von
       den   D i n g e n"   (K i n d);    "die    M o n g o l e n h a f-
       t i g k e i t   die Zeit  der Abhängigkeit  von  G e d a n k e n,
       die   c h r i s t l i c h e"  (J ü n g l i n g).  (Vergl. "Ökono-
       mie des Alten Bundes".) "Der Zukunft sind die Worte vorbehalten :
       Ich bin  Eigner der   W e l t   d e r   D i n g e,   und  Ich bin
       Eigner der  W e l t  d e r  G e d a n k e n."  (p. 87, 88.) Diese
       "Zukunft" hat
       -----
       1*) Freunde des Handels
       
       #147# Deutsche Ideologie - Das Leipziger Konzil. III. Sankt Max
       -----
       sich bereits  einmal auf  p. 20  bei Gelegenheit des  M a n n e s
       zugetragen und  wird sich  später noch einmal, von p. 226 an, er-
       eignen.
       E r s t e   "g e s c h i c h t l i c h e  R e f l e x i o n  ohne
       Anspruch auf  Gründlichkeit oder  auch nur auf Bewährtheit": Weil
       Ägypten zu  Afrika gehört, wo die Neger hausen, so "fallen" p. 88
       die  nie   vorgekommenen  "Züge   des  Sesostris"(56]   und   die
       "Bedeutsamkeit Ägyptens"  (auch unter  den Ptolemäern,  Napoleons
       Expedition nach  Ägypten [57],  Mehemet Ali, orientalische Frage,
       Duvergier de  Haurannes Broschüren  pp.) "und  Nordafrikas  über-
       haupt" (also  Karthagos, Hannibals Zug nach Rom und "leicht auch"
       von Syrakus und Spanien, Vandalen, Tertullian, Mauren, Al Hussein
       Abu Ali  Ben Abdallah Ebn Sina, Raubstaaten, Franzosen in Algier,
       Abd el  Kâder, Père  Enfantin  und  die  vier  neuen  Kröten  des
       "Charivari") "in  das negerhafte  Weltalter", p. 88. Also Stirner
       verdeutlicht hier die Züge des Sesostris pp., indem er sie in das
       negerhafte Weltalter  versetzt, und das negerhafte Weltalter, in-
       dem er  es als historische Illustration zu seinen einzigen Gedan-
       ken "über Unsere Kinderjahre" "episodisch einlegt".
       Z w e i t e   "g e s c h i c h t l i c h e    R e f l e x i o n":
       "Dem mongolenhaften  Weltalter gehören  die Hunnen- und Mongolen-
       züge an,  bis hinauf zu den Russen" (und Wasserpolacken [68]), wo
       denn wieder die Hunnen- und Mongolenzüge nebst den Russen dadurch
       "verdeutlicht" werden, daß sie dem "mongolenhaften Weltalter" an-
       gehören, und  das "mongolenhafte  Weltalter" dadurch,  daß es das
       Weltalter der  schon als   J ü n g l i n g   aufgetretenen Phrase
       "Abhängigkeit von Gedanken" ist.
       D r i t t e  "g e s c h i c h t l i c h e  R e f l e x i o n":
       
       Im mongolenhaften  Weltalter "kann der Wert Meiner unmöglich hoch
       angeschlagen werden, weil der  h a r t e  Demant des  N i c h t -
       I c h   zu hoch  im Preise  steht, weil  es noch  zu  körnig  und
       unbezwinglich ist,  um von Mir absorbiert und verzehrt zu werden.
       Vielmehr  kriechen   die  Menschen   nur  mit   außerordentlicher
       Geschäftigkeit auf  diesem Unbeweglichen, dieser Substanz, herum,
       wie Schmarotzertierchen  auf einem  Leibe, von  dessen Säften sie
       Nahrung ziehen, ohne ihn deshalb aufzuzehren. Es ist die Geschäf-
       tigkeit des Ungeziefers, die Betriebsamkeit der Mongolen. Bei den
       Chinesen bleibt   j a   Alles  beim Alten  etc. - -  S o n a c h"
       (weil bei  den Chinesen  Alles beim  Alten bleibt) "ist in unsrem
       mongolischen Weltalter  alle Veränderung nur eine reformatorische
       und ausbessernde,  keine destruktive  oder verzehrende  oder ver-
       nichtende gewesen. Die Substanz, das Objekt bleibt. All unsre Be-
       triebsamkeit ist  nur Ameisentätigkeit  und Flohsprung  ... Jong-
       leurkünste auf  dem Seile des Objektiven" pp. (p. 88. Vgl. Hegel,
       "Phil[osophie] der  Gesch[ichte]", p. 113, 118, 119 (die undurch-
       weichte Substanz),  140 etc.,  wo China als die "Substantialität"
       gefaßt wird.)
       Also hier  erfahren wir,  daß in  dem   w a h r e n  kaukasischen
       Weltalter die  Menschen die  Maxime haben  werden, die  Erde, die
       "Substanz", "das
       
       #148# Karl Marx und Friedrich Engels
       -----
       Objekt",  das   "Unbewegliche"  zu   verschlingen,   "verzehren",
       "vernichten", "absorbieren",  "destruieren",  und  mit  der  Erde
       zugleich das  nicht von  ihr zu trennende Sonnensystem. Der welt-
       verschlingende "Stirner"  hat uns  die "reformatorische oder aus-
       bessernde Tätigkeit" des Mongolen bereits als "Welterlösungs- und
       Welt v e r b e s s e r u n g s pläne"  des Jünglings und Christen
       p. 36 vorgeführt. Wir sind also noch immer keinen Schritt weiter.
       Charakteristisch für  die  ganze  "einzige"  Geschichtsauffassung
       ist, daß  die höchste Stufe dieser mongolischen Tätigkeit den Na-
       men der  "w i s s e n s c h a f t l i c h e n"  verdient - woraus
       schon jetzt  zu folgern  ist, was  Sankt Max uns später sagt, daß
       die Vollendung  des mongolischen  Himmels das  Hegelsche Geister-
       reich ist.
       V i e r t e   "g e s c h i c h t l i c h e    R e f l e x i o n".
       Die Welt,  auf der  die Mongolen  herumkriechen, verwandelt  sich
       jetzt vermittelst  eines "Flohsprungs" in "das Positive", dies in
       "die Satzung", und die Satzung wird vermittelst eines Absatzes p.
       89 zur  "Sittlichkeit". "Diese gibt sich in ihrer ersten Form als
       Gewohnheit" - sie tritt also als  P e r s o n  auf; flugs verwan-
       delt sie  sich aber in einen  R a u m:  "Nach seines Landes Sitte
       und Gewohnheit  handeln, heißt   d a"   (nämlich in der Sittlich-
       keit) "sittlich sein". "Darum" (weil dies in der Sittlichkeit als
       Gewohnheit passiert)  "wird ein   l a u t e r e s,   s i t t l i-
       c h e s   H a n d e l n   a m   s c h l i c h t e s t e n  in - -
       C h i n a  geübt!"
       Sankt Max  ist unglücklich  in seinen Exempeln. p. 116 schiebt er
       ebenso den  Nordamerikanern die  "Religion der Rechtschaffenheit"
       unter. Er  hält die  beiden spitzbübischsten Völker der Erde, die
       patriarchalischen Betrüger,  die Chinesen,  und die zivilisierten
       Betrüger,   die   Yankees,   für   "schlicht",   "sittlich"   und
       "rechtschaffen". Hätte er seine Eselsbrücke nachgesehen, so hätte
       er die  Nordamerikaner p. 81 der "Philosophie der Geschichte" und
       die Chinesen  p. 130 ibid. als Betrüger klassifiziert finden kön-
       nen.
       Freund   "M a n"   verhilft dem heiligen Biedermann jetzt auf die
       N e u e r u n g;   von dieser bringt ihn ein  "U n d"  wieder auf
       die  G e w o h n h e i t,  und somit ist das Material präpariert,
       um in  der F ü n f t e n    g e s c h i c h t l i c h e n    R e-
       f l e x i o n   einen Hauptcoup  vollziehen zu  können.  "Es  un-
       terliegt auch  in der  Tat keinem  Zweifel, daß  der Mensch  sich
       durch Gewohnheit  gegen die Zudringlichkeit der Dinge[,] der Welt
       sichert" - z.B. gegen den Hunger -
       
         "und" - wie hieraus ganz natürlich folgt -
         "eine eigne Welt gründet" - die "Stirner" jetzt nötig hat -
          "in welcher  er allein  heimisch und zu Hause ist" - "allein",
       nachdem er sich erst durch "Gewohnheit" in der bestehenden "Welt"
       "heimisch" gemacht hat " -
          "d.h. sich  einen Himmel  gründet" - weil China das himmlische
       Reich heißt.
       
       #149# Deutsche Ideologie - Das Leipziger Konzil. III. Sankt Max
       -----
       "H a t   j a   d o c h   d e r   H i m m e l   k e i n e n   a n-
       d e r n   S i n n  a l s  d e n,  d a ß  e r  d i e  e i g e n t-
       l i c h e  H e i m a t  d e s  M e n s c h e n  i s t" - wo er im
       Gegenteil  die  vorgestellte  Uneigentlichkeit  der  eigentlichen
       Heimat zum Sinn hat -
       "w o r i n   i h n   N i c h t s   F r e m d e s   m e h r   b e-
       s t i m m t"   - d.h.  worin ihn  das Eigne als Fremdes bestimmt,
       und wie die nun in Gang gebrachte Leier weiter heißt. "Vielmehr",
       um mit  Sankt Bruno,  oder "etwa  leicht", um  mit Sankt  Max  zu
       sprechen, müßte dieser Satz so heißen:
       
       Stirnerscher Satz,  ohne Anspruch auf Gründlichkeit oder auch nur
       auf Bewährtheit.
       
       "Es unterliegt  auch in  der Tat  keinem Zweifel,  daß der Mensch
       sich durch  Gewohnheit gegen  die Zudringlichkeit  der Dinge, der
       Welt, sichert  und eine  eigne Welt gründet, in welcher er allein
       heimisch und  zu Hause ist, d.h. sich einen  H i m m e l  erbaut.
       Hat ja  doch der  "Himmel" keinen andern Sinn als den, daß er die
       eigentliche Heimat  des Menschen  sei, worin  ihn nichts  Fremdes
       mehr bestimmt und beherrscht, kein Einfluß des Irdischen mehr ihn
       selbst entfremdet,  kurz, worin die Schlacken des Irdischen abge-
       worfen sind  und der  Kampf gegen die Welt ein Ende gefunden hat,
       worin ihm also nichts mehr versagt ist." p. 89.
       
       Geläuterter Satz.
       
       "Es unterliegt  auch in  der Tat keinem Zweifel", daß, weil China
       das himmlische  Reich heißt,  weil  "Stirner"  gerade  von  China
       spricht und "gewohnt" ist, sich durch Unwissenheit "gegen die Zu-
       dringlichkeit der Dinge, der Welt, zu sichern und eine eigne Welt
       zu gründen,  in welcher  er allein heimisch und zu Hause ist", er
       sich aus dem himmlischen Reich China "einen Himmel erbaut. Hat ja
       doch" die  Zudringlichkeit der  Welt, der  Dinge, "keinen  andern
       Sinn als  den, daß"  sie "die  eigentliche"  Hölle  des  Einzigen
       "sind, worin  ihn" Alles  als "Fremdes  bestimmt und beherrscht",
       die er sich aber dadurch m einen "Himmel" zu verwandeln weiß, daß
       er sich  allem "Einfluß der irdischen", geschichtlichen Tatsachen
       und Zusammenhänge  "entfremdet", daher  sich also  nicht mehr vor
       ihnen befremdet, "kurz, wo die Schlacken des Irdischen", Histori-
       schen "abgeworfen  sind und"  Stirner im "Ende" "der Welt" keinen
       "Kampf" mehr "findet", womit also Alles gesagt ist.
       
       S e c h s t e   "g e s c h i c h t l i c h e  R e f l e x i o n".
       p. 90 bildet sich Stirner ein:
       
       "In China ist für  A l l e s  v o r g e s e h e n;  was auch kom-
       men mag,  es   w e i ß   der Chinese   i m m e r,  wie er sich zu
       verhalten hat,  und er  braucht sich  nicht erst   n a c h  d e n
       U m s t ä n d e n   zu bestimmen;  aus  dem  Himmel  seiner  Ruhe
       stürzt ihn  k e i n  u n v o r h e r g e s e h e n e r  F a l l."
       
       #150# Karl Marx und Friedrich Engels
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       Auch kein  englisches Bombardement - er wußte ganz genau, "wie er
       sich zu  verhalten hatte",  besonders den  ihm unbekannten Dampf-
       schiffen und Schrapnell-Bomben gegenüber [60].
       Sankt Max  hat dies  sich aus Hegels "Philosophie der Geschichte"
       p. 118  und p.  127 abstrahiert,  wo er  freilich einiges Einzige
       hinzufügen mußte, um seine obige Reflexion zustande zu bringen.
       
       "M i t h i n",     fährt  Sankt   Max  fort,   "besteigt    d i e
       M e n s c h h e i t   auf der  Stufenleiter der Bildung durch die
       Gewohnheit die  erste Sprosse,   u n d    d a    s i e    s i c h
       v o r s t e l l t,   im Erklimmen der Kultur zugleich den Himmel,
       das Reich der Kultur oder zweiten Natur zu erklimmen, so besteigt
       sie   w i r k l i c h  die erste Sprosse der - Himmelsleiter." p.
       90.
       
       "Mithin", d.h.  weil Hegel  mit China  die Geschichte anfängt und
       weil  "der   Chinese  nicht   außer  Fassung  kommt",  verwandelt
       "Stirner" die  Menschheit in eine Person, die "auf der Stufenlei-
       ter der  Kultur die  erste Sprosse" ersteigt, und zwar "durch die
       Gewohnheit", weil  China für  Stirner keine  andre Bedeutung hat,
       als "die  Gewohnheit" zu  sein. Jetzt  handelt es sich für unsren
       Eiferer gegen  das Heilige  nur noch darum, die "Stufenleiter" in
       die "Himmelsleiter"  zu verwandeln,  da China auch noch den Namen
       des  H i m m l i s c h e n  Reichs führt. "Da die Menschheit sich
       vorstellt" ("woher nur" Stirner "Alles das weiß, was" die Mensch-
       heit sich  vorstellt, Wigand,  p. 189)  - was Stirner zu beweisen
       hatte - erstens "die Kultur" in "den Himmel der Kultur" und zwei-
       tens "den  Himmel der Kultur" in "die Kultur des Himmels" zu ver-
       wandeln (eine  angebliche Vorstellung  der Menschheit,  die p. 91
       als Vorstellung  Stirners auftritt  und dadurch  ihren  richtigen
       Ausdruck erhält),  "so besteigt  sie   w i r k l i c h  die erste
       Sprosse der  Himmelsleiter." Da sie sich  v o r s t e l l t,  die
       erste Sprosse  der Himmelsleiter zu besteigen - - so - - besteigt
       sie sie   w i r k l i c h!   "D a"   "der  Jüngling"  "sich  vor-
       stellt", reiner  Geist zu  werden, wird  er  es  wirklich!  Siehe
       "Jüngling" und  "Christ" über den Übergang aus der Welt der Dinge
       in die  Welt des  Geistes, wo  sich die einfache Formel für diese
       Himmelsleiter der "einzigen" Gedanken vorfindet.
       S i e b e n t e   g e s c h i c h t l i c h e  R e f l e x i o n,
       p. 90.  "Hat das Mongolentum" (folgt unmittelbar auf die Himmels-
       leiter, womit  nämlich "Stirner" vermittelst der angeblichen Vor-
       stellung der  Menschheit ein  geistiges Wesen  konstatiert hat) -
       "hat das  Mongolentum das  Dasein geistiger  Wesen  festgestellt"
       (vielmehr "Stirner" seine Einbildung vom geistigen Wesen der Mon-
       golen festgestellt),  "so haben  die Kaukasier  Jahrtausende  mit
       diesen geistigen  Wesen gerungen,  um ihnen auf den Grund zu kom-
       men." (Jüngling,  der zum  Manne wird und "hinter die Gedanken zu
       kommen", Christ,  der die  "Tiefen  der  Gottheit  zu  ergründen"
       "allezeit trachtet".) Weil die Chinesen das Dasein Gott weiß wel-
       cher geistigen Wesen konstatiert haben ("Stirner" konstatiert
       
       #151# Deutsche Ideologie - Das Leipziger Konzil. III. Sankt Max
       -----
       außer seiner  Himmelsleiter kein  einziges), so müssen die Kauka-
       sier Jahrtausende  sich mit  "diesen" chinesischen "geistigen We-
       sen" herumzanken; ja, Stirner konstatiert zwei Zeilen weiter, daß
       sie wirklich  den   "m o n g o l i s c h e n   Himmel, den Thiän,
       gestürmt haben",  und fährt  fort: "Wann werden sie diesen Himmel
       vernichten,  wann   werden   sie   endlich      w i r k l i c h e
       K a u k a s i e r   werden und   s i c h    s e l b e r    f i n-
       d e n?"   Hier haben  wir die  negative Einheit, die früher schon
       als Mann  auftrat, als  "wirklichen Kaukasier",  d.h.  als  nicht
       negerhaften, nicht  mongolischen -  als   k a u k a s i s c h e n
       K a u k a s i e r,   der hier also als Begriff, als Wesen von den
       wirklichen Kaukasiern  getrennt, ihnen  entgegengestellt wird als
       "Ideal des  Kaukasiers", als  "Beruf", in  dem "sie  sich  selber
       finden" sollen,  als "Bestimmung",  "Aufgabe", als "das Heilige",
       "der heilige"  Kaukasier, "der  vollendete"  Kaukasier,  "welcher
       eben der" Kaukasier "im Himmel -  G o t t  ist".
       "Im industriösen  Ringen der mongolischen Rasse  h a t t e n  die
       Menschen einen Himmel erbaut" - so glaubt p. 91 "Stirner", der es
       vergißt, daß  die wirklichen  Mongolen viel mehr mit den Hämmeln,
       als mit  den Himmeln  zu tun  haben -  "als die  vom kaukasischen
       Stamme, solange  sie -  - es  mit dem Himmel zu tun  h a b e n  -
       die himmelstürmende Tätigkeit  ü b e r n a h m e n."  H a t t e n
       einen  Himmel   erbaut,  als   -  -,   solange     h a b e n,   -
       über n a h m e n.   Die anspruchslose  "geschichtliche Reflexion"
       drückt sich  in einer  consecutio temporum 1*) aus, die ebenfalls
       keinen "Anspruch"  auf Klassizität  "oder auch nur" auf grammati-
       sche Richtigkeit  "macht"; der  Konstruktion der  Geschichte ent-
       spricht die  Konstruktion der  Sätze; "darauf  beschränken  sich"
       "Stirners" "Ansprüche" und "erreichen damit ihr letztes Absehen".
       A c h t e   g e s c h i c h t l i c h e   R e f l e x i o n,  die
       die Reflexion  der Reflexionen,  das Alpha  und Omega  der ganzen
       Stirnerschen Geschichte  ist: Jacques  le bonhomme  sieht in  der
       ganzen bisherigen Völkerbewegung, was wir ihm von Anfang an nach-
       weisen, nur  eine Aufeinanderfolge  von Himmeln (p. 91), was auch
       so ausgedrückt werden kann, daß die bisherigen aufeinanderfolgen-
       den Generationen  kaukasischer Rasse weiter nichts taten als sich
       mit dem  Begriff der  Sittlichkeit herumzanken  (p. 92)  und  daß
       "darauf sich  ihre Tat  beschränkt" (p.  91). Hätten sie sich die
       leidige Sittlichkeit,  diesen Spuk,  aus dem Kopfe geschlagen, so
       würden sie  es zu  etwas gebracht  haben; so  aber kamen  sie  zu
       Nichts und  wieder Nichts und müssen sich von Sankt Max wie Schu-
       lungen ein  Pensum stellen  lassen. Dieser  seiner  Geschichtsan-
       schauung entspricht  denn vollständig,  daß am Schluß (p. 92) die
       spekulative Philosophie heraufbeschworen wird, damit "in ihr dies
       Himmelreich, das Reich der Geister und
       -----
       1*) Aufeinanderfolge der grammatischen Zeitformen
       
       #152# Karl Marx und Friedrich Engels
       -----
       Gespenster, seine  rechte Ordnung  finde" - und an einer späteren
       Stelle als das "vollendete Geisterreich" selbst gefaßt wird.
       Warum man,  wenn man die Geschichte in Hegelscher Manier auffaßt,
       zuletzt zu dem in der spekulativen Philosophie vollendeten und in
       Ordnung gebrachten  Geisterreich als  dem Ergebnis der bisherigen
       Geschichte kommen mußte - dies Geheimnis konnte "Stirner" bei He-
       gel selbst sehr einfach enthüllt finden. Um zu diesem Resultat zu
       kommen, "muß  der Begriff  des Geistes zugrunde gelegt und  n u n
       gezeigt werden,  daß die Geschichte der Prozeß des Geistes selbst
       ist". ("Gesch[ichte]  der Phil[osophie]" III, p. 91) Nachdem "der
       Begriff des  Geistes" der Geschichte als Grundlage untergeschoben
       worden ist,  kann man natürlich sehr leicht "zeigen", daß er sich
       überall wiederfindet,  und dies  dann  als  einen  Prozeß  "seine
       rechte Ordnung finden" lassen.
       Jetzt kann  Sankt Max, nachdem er Alles "seine rechte Ordnung hat
       finden" lassen,  begeistert ausrufen: "Dem Geiste Freiheit erwer-
       ben wollen,  das ist Mongolentum" usw. (vergl. p. 17: "Den reinen
       Gedanken zutage zu fördern etc., das ist Jünglingslust" etc.) und
       die Heuchelei  begehen, zu sagen:  "E s  s p r i n g t  d a h e r
       i n   d i e  A u g e n,  daß das Mongolentum - die Unsinnlichkeit
       und Unnatur  repräsentiere" etc.  - wo  er hätte sagen müssen: Es
       springt in  die Augen,  daß der Mongole nur der verkleidete Jüng-
       ling ist,  der als  Negation der  Welt der  Dinge auch "Unnatur",
       "Unsinnlichkeit" etc. genannt werden kann.
       Wir sind  jetzt wieder  so weit, daß der "Jüngling" in den "Mann"
       übergehen kann: "Wer aber wird den Geist in sein Nichts auflösen?
       E r,  der mittelst des Geistes die Natur als das Nichtige, Endli-
       che, Vergängliche  darstellte" (d.h.  sich vorstellte  - und dies
       tat nach p. 16 ff. der Jüngling, später der Christ, dann der Mon-
       gole, dann  der mongolenhafte  Kaukasier, eigentlich aber nur der
       Idealismus), "er  kann allein auch den Geist zu gleicher Nichtig-
       keit" (nämlich  in seiner  Einbildung)  "herabsetzen"  (also  der
       Christ pp.?  Nein, ruft "Stirner", mit einer ähnlichen Eskamotage
       wie p.  19/20 beim Mann), "Ich kann es, Jeder unter Euch kann es,
       der als unumschränktes Ich waltet und schafft" (in seiner Einbil-
       dung), "es  kann's mit Einem Worte - der  E g o i s t"  (p. 93) -
       also der  Mann, der kaukasische Kaukasier, der sonach der vollen-
       dete Christ, der rechte Christ, der Heilige,  d a s  Heilige ist.
       Ehe wir auf die weitere Namengebung eingehen, "wollen wir an die-
       ser Stelle"  ebenfalls "eine  geschichtliche Reflexion"  über den
       Ursprung von  Stirners "geschichtlicher Reflexion über Unser Mon-
       golentum einlegen",  die sich  aber von  der Stirnerschen dadurch
       unterscheidet, daß sie allerdings "Anspruch auf Gründlichkeit und
       Bewährtheit macht". Seine ganze geschichtliche Reflexion, wie die
       über die "Alten", ist aus Hegel zusammengebraut.
       
       #153# Deutsche Ideologie - Das Leipziger Konzil. III. Sankt Max
       -----
       Die Negerhaftigkeit wird darum als "das Kind" aufgefaßt, weil He-
       gel, "Phil[osophie] d[er] Gesch[ichte]" p. 89, sagt:
       
       "Afrika ist   d a s   K i n d e r l a n d   der Geschichte." "Bei
       der Bestimmung  des afrikanischen"  (negerhaften) "Geistes müssen
       wir auf  die  K a t e g o r i e  d e r  A l l g e m e i n h e i t
       ganz Verzicht  leisten" p. 90 - d.h., das Kind oder der Neger hat
       zwar Gedanken,  aber noch nicht  d e n  Gedanken. "Bei den Negern
       ist das Bewußtsein noch nicht zu einer festen Objektivität gekom-
       men, wie  z.B.   G o t t,   G e s e t z,   worin der  Mensch  die
       A n s c h a u u n g   s e i n e s  W e s e n s  hätte" - "wodurch
       ganz das  Wissen von  einem  a b s o l u t e n  W e s e n  fehlt.
       Der Neger  stellt den  n a t ü r l i c h e n  M e n s c h e n  in
       seiner ganzen  Unbändigkeit dar." (p. 90.) "Obgleich sie sich der
       Abhängigkeit vom  Natürlichen" (den  Dingen, wie  "Stirner" sagt)
       "bewußt sein  müssen, so führt dies doch nicht zum Bewußtsein ei-
       nes Höheren." p. 91.
       
       Hier finden wir sämtliche Stirnersche Bestimmungen des Kindes und
       Negers wieder  - Abhängigkeit  von den Dingen, Unabhängigkeit von
       Gedanken, speziell  von "dem Gedanken", "dem Wesen", "dem absolu-
       ten" (heiligen) "Wesen" pp.
       Die Mongolen  und speziell die Chinesen fand er bei Hegel als den
       Anfang der Geschichte vor, und da diesem ebenfalls die Geschichte
       eine Geistergeschichte  (nur nicht  so kindisch  wie  "Stirners")
       ist, so  versteht es  sich von selbst, daß die Mongolen den Geist
       in die  Geschichte gebracht  haben und die Urrepräsentanten alles
       "Heiligen" sind. Speziell faßt Hegel noch p. 110 "das  m o n g o-
       l i s c h e   Reich"  (des  Dalai  Lama)  als  "das    g e i s t-
       l i c h e",  das "Reich der theokratischen Herrschaft", ein "gei-
       stiges, religiöses Reich" - gegenüber dem chinesischen weltlichen
       Reich. "Stirner"  muß natürlich  China mit  den Mongolen  identi-
       fizieren, p.  140 kommt  bei Hegel  sogar   "d a s     m o n g o-
       l i s c h e   P r i n z i p"   vor, woraus  "Stirner" das   "Mon-
       golen t u m"  macht. Wenn er übrigens einmal die Mongolen auf die
       Kategorie "der Idealismus" reduzieren wollte, so konnte er in der
       Dalai-Lama-Wirtschaft und  dem Buddhismus  ganz andere  "geistige
       Wesen" "festgestellt  finden" als  seine  gebrechliche  "Himmels-
       leiter". Aber  er hatte  nicht einmal  die  Zeit,  die  Hegelsche
       Geschichtsphilosophie ordentlich  anzusehen.  Die  Eigenheit  und
       Einzigkeit des  Stirnerschen Verhaltens  zur  Geschichte  besteht
       darin, daß  der Egoist  sich in einen "unbeholfenen" Kopisten He-
       gels verwandelt.
       
       b) Katholizismus und Protestantismus
       
       (Vgl. die "Ökonomie des Alten Bundes")
       
       Was wir hier Katholizismus nennen, nennt "Stirner" "das Mittelal-
       ter"; da  er aber  das heilige, religiöse Wesen des Mittelalters,
       die Religion  des Mittelalters,  mit  dem  wirklichen,  profanen,
       leibhaftigen Mittelalter
       
       #154# Karl Marx und Friedrich Engels
       -----
       
       verwechselt (wie  "in Allem"),  geben wir der Sache lieber gleich
       ihren richtigen Namen.
       
       "Das Mittelalter" war "eine  l a n g e  Z e i t,  in der man sich
       mit dem  Wahne begnügte"  (weiter verlangte  und tat man Nichts),
       "die Wahrheit  zu haben,  ohne daß man ernstlich daran dachte, ob
       man selbst  wahr sein  müßte, um die Wahrheit zu besitzen." - "Im
       Mittelalter kasteite man" (also das ganze Mittelalter)  "s i c h,
       um fähig zu werden, das Heilige in sich aufzunehmen." p. 108.
       
       Hegel bestimmt  das Verhältnis zum Göttlichen in der katholischen
       Kirche dahin,
       
       "daß man  sich zum  Absoluten als bloß äußerlichem Ding verhalte"
       (Christentum in  der Form  des Äußerlichseins), "Gesch[ichte] der
       Philosophie]" III,  p. 148 und anderwärts. Das Individuum muß al-
       lerdings gereinigt  werden, um  die  Wahrheit  aufzunehmen,  aber
       "auch dies  geschieht auf  eine äußerliche Weise, durch Abkaufen,
       Abfasten,  Abprügeln,   Abmarschieren,  Pilgrimschaft".  (p.  140
       ibid.)
       
       Diesen Übergang macht "Stirner" durch:
       
       "Wie   m a n   f r e i l i c h   a u c h  sein Auge anstrengt, um
       das Entfernte zu sehen, - - so kasteite man sich etc."
       
       Weil nun  bei "Stirner"  das Mittelalter  mit  dem  Katholizismus
       identifiziert wird, endet es natürlich auch mit  L u t h e r,  p.
       108. Dieser selbst wird auf folgende, schon beim Jüngling, im Ge-
       spräch mit  Szeliga und sonst vorgekommene Begriffsbestimmung re-
       duziert:
       
       "daß der  Mensch, wenn  er die  W a h r h e i t  auffassen wolle,
       e b e n s o   w a h r   w e r d e n   m ü s s e  wie die Wahrheit
       selbst. Nur  wer die  Wahrheit schon  im Glauben  hat, kann ihrer
       teilhaftig werden."
       
       Hegel sagt in bezug auf das Luthertum:
       
       "Die   W a h r h e i t   des Evangeliums  [...] existiert  nur im
       w a h r h a f t e n   V e r h a l t e n   zu demselben. - Das we-
       sentliche Verhalten  des Geistes  ist nur für den Geist. - Es ist
       also das   V e r h a l t e n   des  Geistes zu diesem Inhalt, daß
       der Inhalt  zwar wesentlich  ist, daß aber ebenso wesentlich ist,
       daß der  heilige und  heiligende Geist  sich  zu  ihm  verhalte."
       ("Gesch. d.  Phil." III,  p. 234.)  "Dies ist nun der lutherische
       Glaube -  sein" (nämlich  des Menschen)  "G l a u b e  ist gefor-
       dert  und     k a n n     a l l e i n     w a h r h a f t     i n
       B e t r a c h t   k o m m e n."   (l.c. p.  230.) "Luther - - be-
       hauptet: daß  das Göttliche  nur insofern göttlich ist, als es in
       dieser subjektiven  Geistigkeit des   G l a u b e n s    genossen
       wird." (l.c.  p. 138.) "Die Lehre der" (katholischen) "Kirche ist
       die  Wahrheit   als     v o r h a n d e n e     W a h r h e i t."
       ("Ph[ilosophie] der Rel[igion]" II, p. 331.)
       
       "Stirner" fährt fort:
       
       "Demnach geht  mit Luther  die Erkenntnis  auf, daß die Wahrheit,
       weil sie  Gedanke ist,  nur für  den denkenden  Menschen sei, und
       dies heißt, daß der Mensch einen
       
       #155# Deutsche Ideologie - Das Leipziger Konzil. III. Sankt Max
       -----
       schlechterdings andern Standpunkt einnehmen müsse, den gläubigen"
       (per appos[itionem]),  "wissenschaftlichen, oder  den  Standpunkt
       des Denkens gegenüber seinem Gegenstande, dem Gedanken." p. 110.
       
       Außer der  Wiederholung, die "Stirner" hier wieder "einlegt", ist
       nur der Übergang vom Glauben zum Denken zu beachten. Diesen Über-
       gang macht Hegel wie folgt:
       
       "Dieser Geist"  (nämlich der  heilige und  heiligende Geist) "ist
       zweitens aber  wesentlich auch  denkender Geist.  Das Denken  als
       solches muß sich auch darin entwickeln etc." p. 234.
       
       "Stirner" fährt fort:
       
       "Dieser  Gedanke"   ("daß  Ich    G e i s t    bin,  nur  Geist")
       "durchzieht die Reformationsgeschichte bis heute." p. 111.
       
       Eine andre  Geschichte als  die Reformationsgeschichte  existiert
       für "Stirner"  vom sechzehnten  Jahrhundert an  nicht -  und auch
       diese bloß in der Auffassung, in der Hegel sie darstellt.
       Sankt Max hat wieder seinen Riesenglauben bewiesen. Er hat wieder
       sämtliche Illusionen der deutschen spekulativen Philosophie wört-
       lich für wahr genommen, ja er hat sie noch spekulativer, noch ab-
       strakter gemacht.  Für ihn existiert nur die Geschichte der Reli-
       gion und  Philosophie -  und diese  existiert nur durch Hegel für
       ihn, der  mit der Zeit zur allgemeinen Eselsbrücke, zum Konversa-
       tionslexikon aller neuen deutschen Prinzipspekulanten und System-
       fabnkanten geworden ist.
       Katholizismus =  Verhalten zur  Wahrheit als  Ding, Kind,  Neger,
       "Alter".
       Protestantismus = Verhalten zur Wahrheit im Geist, Jüngling, Mon-
       gole, "Neuer".
       Die ganze  Konstruktion war überflüssig, da dies Alles schon beim
       "Geist" dagewesen war.
       Wie schon in der "Ökonomie des Alten Bundes" angedeutet, kann man
       nun innerhalb  des Protestantismus  wieder Kind  und  Jüngling  m
       neuen "Wandlungen"  auftreten lassen,  wie "Stirner"  dies p. 112
       tut, wo  er die englische, empirische Philosophie als Kind in Ge-
       gensatz zur  deutschen, spekulativen  Philosophie, dem  Jüngling,
       faßt. Er schreibt hier wieder  H e g e l  aus, der hier wie sonst
       "im Buche" sehr häufig als "Man" auftritt.
       
       "Man" -  d.h. Hegel - "verwies den Baco aus dem Reiche der Philo-
       sophie." "Und  weiter scheint  es allerdings  dasjenige, was  man
       englische Philosophie  nennt, nicht  gebracht zu haben als bis zu
       den Entdeckungen  sogenannter offener  Köpfe wie  Bacon und Hume"
       (p. 112)
       
       was Hegel so ausdrückt:
       
       #156# Karl Marx und Friedrich Engels
       -----
       "Bacon ist  in der  Tat eigentlich  der Anführer und Repräsentant
       dessen, was  in England  Philosophie genannt wird und worüber die
       Engländer noch durchaus nicht hinausgekommen sind." "Gesch[ichte]
       d[er] Philosophie]", III, p. 254.
       
       Was "Stirner"  "offene Köpfe"  nennt, nennt  Hegel, l.c.  p. 255,
       "gebildete Weltmänner"  - diese  verwandelt Sankt Max einmal auch
       in "die  Einfalt des  kindlichen Gemütes  ", weil  die englischen
       Philosophen das   K i n d   repräsentieren  müssen. Aus demselben
       kindlichen Grunde darf "sich Baco nicht um die theologischen Fra-
       gen und Kardinalpunkte bekümmert" haben, was auch seine Schriften
       (speziell "De Augmentis Scientiarum", "Novum Organum" und die Es-
       says) sagen  mögen. Dagegen "sieht - das deutsche Denken - im Er-
       kennen  selbst  erst  das  Leben"  (p.  112),  denn  es  ist  der
       J ü n g l i n g.  Ecce iterum Crispinus! [70]
       Wie Stirner  den Cartesius in einen deutschen Philosophen verwan-
       delt, kann man "im Buche" p. 112 selbst nachsehen.
       
       
       D) Die Hierarchie
       
       Jacques le  bonhomme faßt  in der  bisherigen Darstellung die Ge-
       schichte nur  als das Produkt abstrakter Gedanken - oder vielmehr
       seiner Vorstellungen  von den  abstrakten  Gedanken  -,  als  be-
       herrscht von  diesen Vorstellungen,  die sich alle in letzter In-
       stanz in "das Heilige" auflösen. Diese Herrschaft des "Heiligen",
       des Gedankens,  der Hegelschen absoluten Idee über die empirische
       Welt stellt er nun als gegenwärtiges historisches Verhältnis dar,
       als Herrschaft   d e r  Heiligen, Ideologen über die profane Welt
       - als   H i e r a r c h i e.  In dieser Hierarchie haben wir das,
       was früher   n a c h einander  erschien,  n e b e n einander,  so
       daß eine  der beiden  koexistierenden Entwicklungsformen über die
       andre herrscht.  So herrscht also der Jüngling über das Kind, der
       Mongole über  den Neger, der Neue über den Alten, der aufopfernde
       Egoist (citoyen)  über den  Egoisten  im  gewöhnlichen  Verstande
       (bourgeois) etc.  - siehe  die "Ökonomie  des Alten  Bundes". Die
       "Vernichtung" der  "Welt der  Dinge" durch die "Welt des Geistes"
       tritt hier  als "Herrschaft"  der "Welt  der Gedanken"  über  die
       "Welt der  Dinge" auf.  Es muß  natürlich dahin  kommen, daß  die
       Herrschaft, die  die "Welt der Gedanken" von Anfang an in der Ge-
       schichte führt,  am Ende  derselben auch  als wirkliche, faktisch
       existierende Herrschaft der Denkenden - und wie wir sehen werden,
       in letzter  Instanz der  spekulativen Philosophen - über die Welt
       der Dinge  dargestellt wird, so daß Sankt Max dann nur noch gegen
       Gedanken und  Vorstellungen der  Ideologen zu  kämpfen und sie zu
       überwinden hat,  um sich  zum "Eigner  der Welt der Dinge und der
       Welt der Gedanken" zu machen.
       
       #157# Deutsche Ideologie · Das Leipziger Konzil. III. Sankt Max
       -----
       "H i e r a r c h i e  i s t  G e d a n k e n h e r r s c h a f t,
       Herrschaft des Geistes. Hierarchisch sind wir bis auf diesen Tag,
       unterdrückt von  denen, die sich auf Gedanken stützen, und Gedan-
       ken  sind"  -  wer  hat  das  nicht  längst  gemerkt  -    "d a s
       H e i l i g e."   (p. 97.) (Stirner hat sich vor dem Vorwurf, als
       mache er  in seinem  ganzen Buch  nur "Gedanken",  d.h. "das Hei-
       lige", dadurch  zu bewahren  gesucht, daß  er darin wirklich nir-
       gendwo Gedanken  macht. Allerdings  schreibt er  sich bei  Wigand
       "Virtuosität im  Denken", d.h.  nach ihm  in der Fabrikation "des
       Heiligen"  zu   -  und  das  letztere  wird  ihm  konzediert.)  -
       "Hierarchie ist   O b e r h e r r l i c h k e i t   d e s  G e i-
       s t e s."  p. 467. - "Jene  m i t t e l a l t r i g e  Hierarchie
       war  nur  eine  schwächliche  Hierarchie  gewesen,  da  sie  alle
       mögliche Barbarei  des Profanen  unbezwungen neben  sich hergehen
       lassen mußte"  ("woher  nur  Stirner  das  alles  weiß,  was  die
       Hierarchie mußte", wird sich gleich finden), "und erst die Refor-
       mation stählte die Kraft der Hierarchie." p. 110. "Stirner" meint
       nämlich, "die  Geisterherrschaft sei  nie zuvor  so umfassend und
       allmächtig gewesen" als nach der Reformation; er meint, daß diese
       Geisterherrschaft, "statt  das religiöse Prinzip von Kunst, Staat
       und Wissenschaft  loszureißen, vielmehr  diese ganz aus der Wirk-
       lichkeit in das Reich des Geistes erhob und religiös machte".
       
       In dieser  Auffassung der  neueren Geschichte  ist nur wieder die
       alte Illusion  der spekulativen  Philosophie über  die Herrschaft
       des Geistes  in der  Geschichte breitgetreten.  Ja, diese  Stelle
       zeigt sogar, wie der gläubige Jacques le bonhomme fortwährend die
       ihm von Hege! überkommene, für ihn traditionell gewordene Weltan-
       schauung für  die  W i r k l i c h e  W e l t  auf Treu und Glau-
       ben annimmt  und nun  von diesem  Boden aus  "machiniert". Was an
       dieser Stelle  "eigen" und  "einzig" erscheinen  könnte, ist  die
       Auffassung dieser  Geistesherrschaft als   H i e r a r c h i e  -
       und hier  wollen wir  wiederum eine  kurze "geschichtliche Refle-
       xion" über den Ursprung der Stirnerschen "Hierarchie" "einlegen".
       Hegel spricht sich in folgenden "Wandlungen" über die Philosophie
       der Hierarchie aus:
       
       "Wir haben bei Plato in seiner Republik die Idee gesehen, daß die
       Philosophen regieren sollen; jetzt" (im katholischen Mittelalter)
       "ist  die   Zeit,  wo   es  ausgesprochen   wird,  daß      d a s
       G e i s t i g e  h e r r s c h e n  s o l l e;  aber das Geistige
       hat den  Sinn  erhalten,  daß  das    G e i s t l i c h e,    die
       G e i s t l i c h e n   herrschen sollen. Das Geistige ist so zur
       besondern Gestalt,  zum Individuum gemacht." ("Gesch[ichte] d[er]
       Philipsophie]" III,  p. 132.)  - "Die Wirklichkeit, das Irdische,
       ist damit   g o t t v e r l a s s e n   - einzelne wenige Indivi-
       duen sind   h e i l i g,   die Andern  u n h e i l i g." (l.c. p.
       136.) Die "Gottverlassenheit" wird näher so bestimmt: "Alle diese
       Formen" (Familie, Arbeit, Staatsleben etc.) "gelten als nichtige,
       u n h e i l i g e." ("Philosophie] d[er] Rel[igion]" II, p. 343.)
       - "Es  ist eine  Vereinigung mit der Weltlichkeit, die unversöhnt
       ist, die   W e l t l i c h k e i t   r o h  i n  s i c h"  (wofür
       Hegel sonst  auch das Wort Barbarei braucht, vergl. z. B. "Gesch.
       d.  Phil."   III,  p.   136),  "und  die  als  roh  in  sich  nur
       b e h e r r s c h t   wird." ("Phil. d. Rel." II, p. 342, 343.) -
       "Diese Herrschaft"  (die Hierarchie der katholischen Kirche) "ist
       also, obgleich sie Herrschaft des
       
       #158# Karl Marx und Friedrich Engels
       -----
       Geistigen sein  soll, eine  Herrschaft der Leidenschaft."("Gesch.
       d.   Phil."   III,   p.   134.)   -   "Die      w a h r h a f t e
       H e r r s c h a f t   d e s  G e i s t e s  kann aber nicht Herr-
       schaft des  Geistes in  dem Sinne sein, daß das Gegenüberstehende
       ein Unterworfenes  ist." (l.c. p. 131.) "Der rechte Sinn ist, daß
       d a s   G e i s t i g e   a l s   s o l c h e s"  (nach "Stirner"
       "das Heilige")  "das   B e s t i m m e n d e   sein soll,   w a s
       b i s   a u f   u n s e r e  Z e i t e n  g e g a n g e n  i s t:
       S o   sehen wir  in der   f r a n z ö s i s c h e n  R e v o l u-
       t i o n"   (was "Stirner"  Hegel nachsieht),  "daß   d e r   a b-
       s t r a k t e   G e d a n k e   h e r r s c h e n  s o l l;  nach
       ihm sollen  Staatsverfassungen und  Gesetze bestimmt  werden,  er
       soll das  Band unter  den Menschen  ausmachen, und das Bewußtsein
       der Menschen  soll sein, daß  d a s,  w a s  u n t e r  i h n e n
       g i l t,   a b s t r a k t e  G e d a n k e n  s i n d,  Freiheit
       und Gleichheit  etc." ("Gesch.  d. Phil." III, p. 132.) Die wahre
       Herrschaft des  Geistes im Gegensatz zu ihrer unvollkommenen Form
       in der katholischen Hierarchie, wie sie durch den Protestantismus
       herbeigeführt  wird,   wird  weiter   dahin  bestimmt,  daß  "das
       W e l t l i c h e   i n   s i c h   v e r g e i s t i g t  wird".
       ("Gesch. d. Phil." III, p. 185.) "Daß das Göttliche sich im Felde
       der  Wirklichkeit   realisiert"  (also   die  katholische   Gott-
       verlassenheit der  Wirklichkeit aufhört  - "Phil. d. Rel." II, p.
       343); daß  der "Widerspruch" zwischen Heiligkeit und Weltlichkeit
       "sich auflöst  in der  S i t t l i c h k e i t"  ("Phil. d. Rel."
       II, p.  343); daß    "d i e    I n s t i t u t i o n e n    d e r
       S i t t l i c h k e i t"    (Ehe,  Familie,  Staat,  Selbsterwerb
       etc.)   "g ö t t l i c h e,   h e i l i g e"   sind.  ("Phil.  d.
       Rel."- II,  p. 344.)  Diese wahre  Herrschaft des Geistes spricht
       Hegel in  zwei  Formen  aus:    "S t a a t,    R e g i e r u n g,
       R e c h t,    E i g e n t u m,    b ü r g e r l i c h e    O r d-
       n u n g"   (und wie  wir aus  andern Werken  von ihm wissen, auch
       Kunst, Wissenschaft  etc.), "alles  dies ist    d a s    R e l i-
       g i ö s e   - -  herausgetreten in  die  Form  der  Endlichkeit."
       ("Gesch.  d.   Ph."  III,  p.  185.)  Und  diese  Herrschaft  des
       Religiösen, Geistigen  etc. wird  endlich ausgesprochen  als  die
       Herrschaft der  Philosophie: "Das  Bewußtsein des  Geistigen  ist
       jetzt" (im  achtzehnten Jahrhundert)  "wesentlich das  Fundament,
       und   d i e   H e r r s c h a f t   i s t   d a d u r c h   d e r
       P h i l o s o p h i e   g e w o r d e n."   ("Phil. d. Gesch." p.
       440.)
       Hegel schiebt  also der  katholischen Hierarchie des Mittelalters
       die Absicht  unter, als  hätte sie  "die Herrschaft  des  Geistes
       sein" wollen,  und faßt  sie demnächst  als eine beschränkte, un-
       vollkommene Form dieser Geistesherrschaft, deren Vollendung er im
       Protestantismus und dessen angeblicher Ausbildung sieht. So unhi-
       storisch dies  ist, so  ist er doch noch historisch genug, um den
       N a m e n   der Hierarchie nicht über das Mittelalter hinaus aus-
       zudehnen. Sankt  Max weiß  aber aus  ebendemselben Hegel, daß die
       spätere Epoche  die "Wahrheit"  der früheren ist, also die Epoche
       der vollkommenen  Herrschaft des Geistes die Wahrheit der Epoche,
       in welcher  der Geist  nur noch  unvollkommen herrschte, daß also
       der  Protestantismus   die  Wahrheit  der  Hierarchie,  also  die
       w a h r e   H i e r a r c h i e   ist. Da aber nur die  w a h r e
       Hierarchie den Namen der Hierarchie verdient, so ist es klar, daß
       die Hierarchie  des Mittelalters  eine "schwächliche" sein mußte,
       was ihm  um so  leichter zu  beweisen wird, als in den obigen und
       hundert andern  Hegelschen Stellen  die Unvollkommenheit der Gei-
       stesherrschaft im  Mittelalter dargestellt  war, was er nur abzu-
       schreiben brauchte  und wobei seine ganze  "e i g n e"  Tätigkeit
       darin bestand, das Wort
       
       #159# Deutsche Ideologie - Das Leipziger Konzil. III. Sankt Max
       -----
       "Geistesherrschaft" durch  "Hierarchie" zu ersetzen. Die einfache
       Schlußfolge,  durch   welche  sich   ihm  die   Geistesherrschaft
       schlechthin m  die Hierarchie verwandelte, brauchte er nicht ein-
       mal zu  machen, nachdem  es unter den deutschen Theoretikern Mode
       geworden war,  die Wirkung  mit dem  Namen der Ursache zu belegen
       und Alles z.B. in die Kategorie der Theologie zurückzuwerfen, was
       aus der  Theologie hervorgegangen war und noch nicht ganz auf der
       Höhe der Prinzipien dieser Theoretiker stand - z.B. die Hegelsche
       Spekulation, den  Straußischen Pantheismus  pp. - ein Kunststück,
       das namentlich  im Jahre  1842 an  der Tagesordnung  war. Aus den
       obigen Stellen  geht ebenfalls hervor, daß Hegel 1. die französi-
       sche Revolution  als eine neue und vollendetere Phase dieser Gei-
       stesherrschaft faßt,  2. in den Philosophen die Weltherrscher des
       neunzehnten Jahrhunderts  sieht, 3.  behauptet, daß jetzt nur ab-
       strakte Gedanken  unter den Menschen gelten, 4. daß schon bei ihm
       Ehe, Familie,  Staat, Selbsterwerb, bürgerliche Ordnung, Eigentum
       pp. als  "Göttlich und  Heilig", als   "d a s  R e l i g i ö s e"
       gefaßt werden,  und 5. daß die  S i t t l i c h k e i t  als ver-
       weltlichte  Heiligkeit  oder  geheiligte  Weltlichkeit,  als  die
       höchste und  letzte Form der Herrschaft des Geistes über die Welt
       dargestellt   wird-Alles    Dinge,   die    wir   bei   "Stirner"
       w ö r t l i c h  wiederfinden.
       Hiernach wäre  in Beziehung  auf die  Stirnersche Hierarchie  gar
       nichts mehr  zu sagen und nachzuweisen, als warum Sankt Max Hegel
       abgeschrieben hat  - ein  Faktum, zu dessen Erklärung aber wieder
       materielle Fakta  notwendig sind und das deshalb nur für diejeni-
       gen erklärlich  ist, die  die Berliner  Luft kennen.  Eine  andre
       Frage ist,  wie die  Hegelsche Vorstellung von der Herrschaft des
       Geistes zustande kommt, und hierüber siehe oben.
       Die Adoption  der Hegelschen  Weltherrschaft der  Philosophen und
       ihre Verwandlung in eine Hierarchie durch Sankt Max kommt vermit-
       telst der gänzlich unkritischen Leichtgläubigkeit unsres Heiligen
       und durch eine "heilige" oder heillose Unwissenheit zustande, die
       sich damit  begnügt, die  Geschichte zu  "durchschauen" (d.h. die
       Hegelschen geschichtlichen  Sachen   d u r c h zuschauen),   ohne
       von ihr  viele "Dinge"  zu "wissen". Überhaupt müßte er ja fürch-
       ten, sobald  er "lernte"  -  sich  nicht  mehr  "abschaffend  und
       auflösend" (p.  96) zu verhalten, also in der "Geschäftigkeit des
       Ungeziefers"  steckenzubleiben   -  Grund  genug,  um  nicht  zur
       "Abschaffung und  Auflösung" seiner  eignen Unwissenheit "weiter-
       zugehen".
       Macht man,  wie Hegel,  eine solche  Konstruktion zum ersten Male
       für die  ganze Geschichte und die gegenwärtige Welt in ihrem gan-
       zen Umfange,  so ist  dies nicht möglich ohne umfassende positive
       Kenntnisse, ohne  wenigstens stellenweise  auf die empirische Ge-
       schichte einzugehen, ohne große Energie
       
       #160# Karl Marx und Friedrich Engels
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       und Tiefblick. Begnügt man sich dagegen, eine vorhandene überlie-
       ferte Konstruktion  zu seinen  eignen Zwecken zu exploitieren und
       umzuwandeln und  diese "eigene"  Auffassung an einzelnen Exempeln
       (z.B. Negern und Mongolen, Katholiken und Protestanten, der fran-
       zösischen Revolution pp.) nachzuweisen - und dies tut unser Eife-
       rer wider  das Heilige  - so ist dazu durchaus keine Kenntnis der
       Geschichte nötig.  Das Resultat  dieser ganzen  Exploitation wird
       notwendig komisch;  am komischsten, wenn aus der Vergangenheit in
       die unmittelbarste  Gegenwart hinübergesprungen wird, wie wir da-
       von beim "Sparren" schon Exempel fanden.
       Was nun  die wirkliche  Hierarchie des  Mittelalters betrifft, so
       bemerken wir  hier bloß,  daß diese  für das  Volk, für die große
       Masse der  Menschen nicht  existierte. Für  die große  Masse exi-
       stierte nur  die Feudalität, und die Hierarchie nur, insofern sie
       selbst entweder  Feudalität oder antifeudal (innerhalb der Feuda-
       lität) ist.  Die Feudalität  selbst hat  ganz empirische Verhält-
       nisse zu  ihrer Grundlage. Die Hierarchie und ihre Kämpfe mit der
       Feudalität (die  Kämpfe der  Ideologen  einer  Klasse  gegen  die
       Klasse selbst)  sind nur der ideologische Ausdruck der Feudalität
       und  der  innerhalb  der  Feudalität  selbst  sich  entwickelnden
       Kämpfe, wozu  auch die Kämpfe der feudalistisch organisierten Na-
       tionen unter sich gehören. Die Hierarchie ist die ideale Form der
       Feudalität; die Feudalität - die politische Form der mittelaltri-
       gen Produktions-  und Verkehrs  Verhältnisse. Aus der Darstellung
       dieser praktischen,  materiellen Verhältnisse  ist also allem der
       Kampf der Feudalität gegen die Hierarchie zu erklären; mit dieser
       Darstellung hört  von selbst  die bisherige  Geschichtsauffassung
       auf, die die Illusionen des Mittelalters auf Treu und Glauben an-
       nahm, namentlich  die Illusionen,  die Kaiser  und Papst in ihrem
       Kampfe gegeneinander geltend machen.
       Da Sankt  Max nur Hegels Abstraktionen über Mittelalter und Hier-
       archie auf  "pomphafte Worte  und armselige  Gedanken" reduziert,
       ist keine Veranlassung gegeben, auf die wirkliche, geschichtliche
       Hierarchie weiter einzugehen.
       Aus dem Obigen geht schon hervor, daß man das Kunststück auch um-
       drehen und den Katholizismus nicht nur als Vorstufe, sondern auch
       als Verneinung der wahren Hierarchie fassen kann; so ist also Ka-
       tholizismus =  Negation des  Geistes, Ungeist,  Sinnlichkeit, und
       hierbei kommt dann der große Satz unsres Jacques le bonhomme her-
       aus, daß  die   J e s u i t e n   "Uns vor dem  V e r k o m m e n
       und   U n t e r g a n g   der Sinnlichkeit  gerettet haben",  (p.
       118.) Was aus "Uns" geworden wäre, wenn der "Untergang" der Sinn-
       lichkeit zustande gekommen, erfahren wir nicht. Die ganz[e] mate-
       rielle Bewegung seit dem sechzehnten Jahrhundert, die "Uns" nicht
       vor dem "Verkommen" der Sinnlichkeit
       
       #161# Deutsche Ideologie - Das Leipziger Konzil. III. Sankt Max
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       rettete, sondern im Gegenteil die "Sinnlichkeit" viel weiter aus-
       bildete, existiert  für "Stirner"  nicht -  es sind die Jesuiten,
       die alles  das zustande  gebracht haben.  Man vergleiche übrigens
       Hegels "Philosophie] d[er] Gesch[ichte]", p. 425.
       Indem Sankt  Max die  alte Pfaffenherrschaft  m die  neuere  Zeit
       überträgt,  hat   er  damit   die  neuere   Zeit  als      "d a s
       P f a f f e n t u m"  aufgefaßt; und indem er diese in die neuere
       Zeit übertragene  Pfaffenherrschaft wieder  in ihrem Unterschiede
       von der alten mittelalterlichen Pfaffenherrschaft faßt, stellt er
       sie als  Herrschaft  der  Ideologen,  als    "d a s    S c h u l-
       m e i s t e r t u m"   dar. So  ist also  Pfaffentum - Hierarchie
       als Geistesherrschaft,  Schulmeistertum =  Geistesherrschaft  als
       Hierarchie.
       Diesen einfachen  Übergang auf das Pfaffentum, der gar kein Über-
       gang ist, bringt "Stirner" in drei schweren Wandlungen fertig.
       Zum ersten  "hat" er den "Begriff des Pfaffentums" in Jedem, "der
       für eine  große Idee,  eine gute  Sache" (noch immer die gute Sa-
       che!), "eine Lehre pp. lebt".
       Zum Zweiten "stößt" Stirner in seiner Welt des Wahns auf "den ur-
       alten Wahn  der Welt, die des Pfaffentums noch nicht entraten ge-
       lernt hat",  nämlich "für eine  I d e e  zu leben und zu schaffen
       pp.".
       Zum Dritten  "ist dies  die Herrschaft der Idee oder das Pfaffen-
       tum", nämlich "Robespierre z.B." (zum Beispiel!), "St.-Just usw."
       (und so  weiter!) "waren  durch und  durch Pfaffen" pp. Alle drei
       Wandlungen, in denen das Pfaffentum "entdeckt", "aufgestoßen" und
       "berufen" wird  (alle p. 100), drücken also weiter Nichts aus als
       was Sankt  Max uns  bereits früher  schon wiederholt  gesagt hat,
       nämlich die  Herrschaft des  Geistes, der Idee, des Heiligen über
       das "Leben" (ibid.).
       Nachdem so der Geschichte die "Herrschaft der Idee oder das Pfaf-
       fentum" einmal  untergeschoben ist, kann Sankt Max natürlich ohne
       Schwierigkeit in  der ganzen  bisherigen Geschichte "das Pfaffen-
       tum" wiederfinden,  und so "Robespierre z. B., St.-Just usw." als
       Pfaffen darstellen  und mit Innozenz III. und Gregor VII. identi-
       fizieren, wo  somit alle  Einzigkeit vor   d e m   Einzigen  ver-
       schwindet.  Sie   sind  ja   Alle  eigentlich   nur  verschiedene
       N a m e n,    verschiedene  Verkleidungen    e i n e r    Person,
       "d e s"   Pfaffentums, das  die ganze  Geschichte vom  Anfang des
       Christentums an  gemacht hat.  Wie man  in  dieser  Art  der  Ge-
       schichtsauffassung "alle  Kühe grau macht", indem man alle histo-
       rischen Unterschiede  "aufhebt" und  in "den Begriff des Pfaffen-
       tums" "auflöst",  davon gibt  uns der  heilige Max  sogleich  ein
       schlagendes Beispiel  an "Robespierre z. B., St.-Just usw.". Hier
       wird uns  zuerst Robespierre  als "Beispiel"  von  Samt-Just  und
       Samt-Just als "undsoweiter" von Robespierre
       
       #162# Karl Marx und Friedrich Engels
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       angeführt. Sodann  heißt es: "Diesen Vertretern heiliger Interes-
       sen steht eine Welt zahlloser 'persönlicher', profaner Interessen
       gegenüber." Wer  stand ihnen gegenüber? Die Girondins und Thermi-
       doriens  [71],  die  ihnen,  den  wirklichen  Repräsentanten  der
       revolutionären Force  - d.h.  der  n u r  wirklich revolutionären
       Klasse,  der  "zahllosen"  Masse  -  gegenüber  beständig  (siehe
       "Mémoires" de  R.  Levasseur  "z.B.",  "usw.",  "d.h."  Nougaret,
       "Hist[oire] des  prisons" -  Barère -  "Deux amis  de la liberté"
       [72] (et  du commerce) 1*) - Montgaillard, "Hist[oire] de France"
       - Mme  Roland, "Appel  à la  postérité" [73] - "Mémoires" de J.B.
       Louvet -  und selbst  die  ekelhaften  "Essais  historiques"  par
       Beaulieu ppp.,  sowie sämtliche  Verhandlungen  vor  dem  Revolu-
       tionstribunal "usw.")  die Verletzung  der "heiligen Interessen",
       der Konstitution,  Freiheit, Gleichheit, Menschenrechte, Republi-
       kanismus,  Recht,   sainte  propriété  2*),  "z.B."  Teilung  der
       Gewalten,  Menschlichkeit,  Sittlichkeit,  Mäßigung  "usw."  vor-
       warfen. Ihnen standen gegenüber alle  P f a f f e n,  die sie der
       Verletzung sämtlicher  Haupt- und  Nebenstücke des religiösen und
       moralischen Katechismus  anklagten  (siehe  "z.B."  "Histoire  du
       clergé de France pendant la révolution" par M.R., Paris, libraire
       catholique 1828  "usw."). Die historische Glosse des Bürgers, daß
       während des  règne de  la terreur 3*) "Robespierre z.B., St.-Just
       usw." den  honnetês gens  4*) (siehe die unzähligen Schriften des
       einfältigen Herrn    P e l t i e r    "z.B.",  "(Konspiration  de
       Robespierre"  par    M o n t j o i e    "usw."  [74])  die  Köpfe
       abschlugen, drückt  der heilige  Max in  folgender Wandlung  aus:
       "Weil  die   revolutionären  Pfaffen  oder  Schulmeister    d e m
       Menschen dienten,  darum schnitten sie  d e n  Menschen die Hälse
       ab." Hiermit ist Sankt Max natürlich der Mühe überhoben, über die
       wirklichen, empirischen, auf höchst profanen Interessen, freilich
       nicht der  Agioteurs, sondern  der  "zahllosen"  Masse  basierten
       Gründe des  Kopfabschlagens auch  nur ein  "einziges" Wörtlein zu
       verlieren. Ein  früherer "Pfaffe",  S p i n o z a,  hatte bereits
       im   siebzehnten    Jahrhundert   die    Unverschämtheit,    "ein
       Zuchtmeister" auf  Sankt  Max  zu  sein,  indem  er  sagte:  "Die
       Ignoranz ist kein Argument." [75] Dafür haßt der heilige Max auch
       den Pfaffen  Spinoza so  sehr, daß  er  seinen  Antipfaffen,  den
       Pfaffen   L e i b n i z,   akzeptiert und  für  alle  dergleichen
       wundersame   Phänomene,   wie   der   Terrorismus   "z.B.",   das
       Kopfabschlagen "usw.",  einen  "zureichenden  Grund"  produziert,
       nämlich, daß  "die geistlichen Menschen sich so etwas in den Kopf
       gesetzt haben", (p. 98.)
       Der selige Max, der für Alles den zureichenden Grund gefunden hat
       (" Ich  habe nun den Grund gefunden, an dem Mein Anker ewig hält"
       [76], wo anders
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       1*) (und des  Handels) -  2*) heiliges Eigentum - 3*) Schreckens-
       herrschaft - 4*) anständigen Leuten
       
       #163# Deutsche Ideologie - Das Leipziger Konzil. III. Sankt Max
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       als in  der Idee "z.B.", dem "Pfaffentum" "usw." von "Robespierre
       z.B., Saint-Just  usw.", George Sand, Proudhon, die Berliner keu-
       sche Nähterin  pp.), "verdenkt es der Bürgerklasse nicht, daß sie
       bei ihrem  Egoismus anfragte, wie weit sie  d e r  revolutionären
       Idee Raum  geben dürfe".  Für Sankt  Max ist  "die  revolutionäre
       Idee" der habits bleus und honnetês gens von 1789 dieselbe "Idee"
       wie die  der sansculottes  [77] von 1793,  d i e s e l b e  Idee,
       worüber beraten wird, ob ihr "Raum zu geben" sei - worüber keiner
       "Idee" weiter "Raum gegeben" werden kann.
       Wir kommen  jetzt auf die gegenwärtige Hierarchie, die Herrschaft
       der Idee im gewöhnlichen Leben. Der ganze zweite Teil "des Buchs"
       wird von  dem Kampfe gegen diese "Hierarchie" ausgefüllt. Wir ge-
       hen also  erst in diesem zweiten Teil auf sie ein. Da indes Sankt
       Max gerade  wie beim  "Sparren" schon  hier seine Ideen vorläufig
       genießt und  im Anfange  das Spätere  wiederholt, wie im Späteren
       den Anfang, sind wir gezwungen, schon jetzt einige Exempel seiner
       Hierarchie zu  konstatieren. Seine  Methode des  Buch-machens ist
       der einzige  "Egoismus", der sich im ganzen Buche vorfindet. Sein
       Selbstgenuß und  der Genuß  des Lesers stehen in umgekehrtem Ver-
       hältnis.
       Weil die  Bürger Liebe zu  i h r e m  Reich, ihrem Regime verlan-
       gen, wollen sie nach Jacques le bonhomme ein "Reich der Liebe auf
       Erden gründen" (p. 98). Weil sie Respekt vor ihrer Herrschaft und
       den Verhältnissen  ihrer Herrschaft  fordern, also die Herrschaft
       über den  Respekt usurpieren wollen, verlangen sie nach demselben
       Biedermann die Herrschaft  d e s  Respekts schlechthin, verhalten
       sie sich  zum Respekt  als zum  heiligen Geist, der in ihnen lebt
       (p. 95).  Die verdrehte Form," worin die scheinheilige und heuch-
       lerische Ideologie der Bourgeois ihre aparten Interessen als all-
       gemeine Interessen  ausspricht, wird  von dem  Berge versetzenden
       Glauben unsres  Jacques le bonhomme als wirkliche, profane Grund-
       lage der  bürgerlichen Welt  akzeptiert. Warum diese ideologische
       Täuschung bei  unserm Heiligen  gerade diese Form annimmt, werden
       wir beim "politischen Liberalismus" sehen.
       Ein neues  Beispiel gibt  uns Sankt Max p. 115 in der Familie. Er
       erklärt, man  könne sich zwar sehr leicht von der Herrschaft sei-
       ner eigenen  Familie emanzipieren, aber "der aufgekündigte Gehor-
       sam fährt Einem leicht ins Gewissen", und so hält man die Famili-
       enliebe, den Familienbegriff fest; man hat also den "heiligen Fa-
       milienbegriff", "das Heilige" (p. 116).
       Der gute  Junge sieht hier wieder die Herrschaft des Heiligen, wo
       ganz empirische  Verhältnisse herrschen.  Der  Bourgeois  verhält
       sich zu den Institutionen seines Regimes wie der Jude zum Gesetz;
       er umgeht  sie, sooft  es tunlich  ist, in  jedem einzelnen Fall,
       aber er will, daß alle Andern sie halten
       
       #164# Karl Marx und Friedrich Engels
       -----
       sollen. Wenn  sämtliche Bourgeois in Masse und auf Einmal die In-
       stitutionen der  Bourgeoisie umgingen,  so würden  sie  aufhören,
       Bourgeois zu sein - ein Verhalten, das ihnen natürlich nicht ein-
       fällt und  keineswegs von  ihrem Wollen  oder Laufen abhängt. Der
       liederliche Bourgeois  umgeht die  Ehe und begeht heimlichen Ehe-
       bruch; der  Kaufmann umgeht  die Institution des Eigentums, indem
       er Andre  durch Spekulation, Bankerott pp. um ihr Eigentum bringt
       - der  junge Bourgeois macht sich von seiner eignen Familie unab-
       hängig, wenn  er kann,  löst für  sich die Familie praktisch auf;
       aber die Ehe, das Eigentum, die Familie bleiben theoretisch unan-
       getastet, weil  sie praktisch  die Grundlagen sind, auf denen die
       Bourgeoisie ihre  Herrschaft errichtet  hat, weil  sie  in  ihrer
       Bourgeoisform die  Bedingungen sind,  die den Bourgeois zum Bour-
       geois machen,  gerade wie das stets umgangene Gesetz den religiö-
       sen Juden zum religiösen Juden macht. Dieses Verhältnis des Bour-
       geois zu  seinen Existenzbedingungen erhält eine seiner allgemei-
       nen Formen  in der bürgerlichen Moralität. Es ist überhaupt nicht
       von   "d e r"   Familie zu  sprechen. Die Bourgeoisie gibt histo-
       risch der  Familie den  Charakter der bürgerlichen Familie, worin
       die Langweile  und das  Geld das Bindende ist und zu welcher auch
       die bürgerliche Auflösung der Familie gehört, bei der die Familie
       selbst stets fortexistiert. Ihrer schmutzigen Existenz entspricht
       der heilige  Begriff in offiziellen Redensarten und in der allge-
       meinen Heuchelei. Wo die Familie  w i r k l i c h  aufgelöst ist,
       wie im Proletariat, findet grade das Gegenteil von dem statt, was
       "Stirner" meint.  Dort  existiert  der  Familienbegriff  durchaus
       nicht, während  stellenweise  allerdings  Familienzuneigung,  ge-
       stützt auf höchst reale Verhältnisse, gefunden wird. Im achtzehn-
       ten Jahrhundert  wurde der  Familienbegriff von  den  Philosophen
       aufgelöst, weil  die wirkliche  Familie auf  den höchsten Spitzen
       der Zivilisation  bereits in  der Auflösung begriffen war. Aufge-
       löst war  das innere  Band der  Familie, die einzelnen Teile, aus
       denen der Familienbegriff komponiert ist, z. B. Gehorsam, Pietät,
       eheliche Treue pp.; aber der wirkliche Körper der Familie, Vermö-
       gensverhältnis, ausschließliches Verhältnis gegen andre Familien,
       gezwungenes Zusammenleben,  die Verhältnisse, die schon durch die
       Existenz der Kinder, den Bau der jetzigen Städte, Bildung des Ka-
       pitals pp.  gegeben waren,  blieben, wenn  auch vielfach gestört,
       weil das  Dasein der Familie durch ihren Zusammenhang mit der vom
       Willen der  bürgerlichen Gesellschaft  unabhängigen  Produktions-
       weise nötig gemacht ist. Am frappantesten zeigt sich diese Unent-
       behrlichkeit in  der französischen Revolution, wo die Familie für
       einen Augenblick  gesetzlich so gut als aufgehoben war. Die Fami-
       lie existiert sogar im neunzehnten Jahrhundert noch fort, nur daß
       die Tätigkeit der Auflösung nicht des Begriffs wegen, sondern we-
       gen entwickelterer  Industrie und Konkurrenz allgemeiner geworden
       ist;
       
       #165# Deutsche Ideologie - Das Leipziger Konzil. III. Sankt Max
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       sie existiert  noch immer, trotzdem daß ihre Auflösung längst von
       französischen und  englischen Sozialisten proklamiert und vermit-
       telst französischer Romane endlich auch zu den deutschen Kirchen-
       vätern gedrungen ist.
       Noch ein Beispiel von der Herrschaft der Idee im gewöhnlichen Le-
       ben. Weil  die Schulmeister über ihren geringen Sold mit der Hei-
       ligkeit der  Sache, der  sie dienen, vertröstet werden mögen (was
       bloß in  Deutschland vorfallen  kann), glaubt Jacques le bonhomme
       wirklich, diese  Redensart sei die Ursache ihrer niedrigen Besol-
       dung (p.  100). Er glaubt, daß "das Heilige" in der heutigen bür-
       gerlichen Welt einen wirklichen Geldwert habe, er glaubt, daß die
       dürftigen Ressourcen  des preußischen  Staats, worüber u.a. Brow-
       ning zu  vergleichen [78], sich durch die Abschaffung "des Heili-
       gen" so  sehr vergrößern  würden,  daß  jeder  Dorf  Schulmeister
       plötzlich wie ein Minister salariert werden könnte.
       Dies ist die Hierarchie des Unsinns.
       Der "Schlußstein  des erhabnen Domwerkes", wie der große Michelet
       sagt [79], der Hierarchie ist "mitunter" die Tat von "Man".
       
       "M a n   teilt  m i t u n t e r  die Menschen in zwei Klassen, in
       Gebildete und Ungebildete." (Man teilt mitunter die Affen in zwei
       Klassen, in  Geschwänzte und  Ungeschwänzte.) "Die  Ersteren  be-
       schäftigten sich,  soweit sie  ihres Namens würdig waren, mit Ge-
       danken, mit  dem Geiste." Sie "waren in der nachchristlichen Zeit
       die Herrschenden  und forderten  für ihre  Gedanken - - Respekt".
       Die Ungebildeten (Tier, Kind, Neger) sind "schwach" gegen die Ge-
       danken und  "werden von  ihnen beherrscht.  Dies ist der Sinn der
       Hierarchie."
       
       Die Jebildeten  (Jüngling, Mongole,  Neuer) sind  also wieder nur
       mit   "d e m   Geist", dem reinen Gedanken pp. beschäftigt, Meta-
       physiker von  Profession, in  letzter Instanz Hegelianer. "Daher"
       sind die Unjebildeten die Nichthegelianer. Hegel war ohne Zweifel
       der allerjebildetste  Hegelianer, und  darum muß auch bei ihm "an
       den Tag  kommen, welche Sehnsucht gerade der Gebildetste nach den
       Dingen hat".  Nämlich der  Jebildete und  Unjebildete stoßen auch
       ineinander aneinander, und zwar in jedem Menschen stößt der Unje-
       bildete auf den Jebildeten. Da nun bei Hegel die größte Sehnsucht
       nach den  Dingen, also nach dem, was des Unjebildeten ist, an den
       Tag kommt,  so kommt  hier ebenfalls an den Tag, daß der Allerje-
       bildetste zugleich  der Unjebildetste ist. "Da" (bei Hegel) "soll
       dem Gedanken  ganz und  gar die Wirklichkeit entsprechen und kein
       Begriff ohne  Realität sein."  Soll heißen: Da soll denn ganz und
       gar die gewöhnliche Vorstellung von der Wirklichkeit ihren philo-
       sophischen Ausdruck erhalten, wobei Hegel sich nun umgekehrt ein-
       bildet, daß  "mithin" jeder  philosophische Ausdruck sich die ihm
       entsprechende Wirklichkeit  erschaffe. Jacques  le bonhomme nimmt
       die Illusion, die
       
       #166# Karl Marx und Friedrich Engels
       -----
       Hegel von  seiner Philosophie  hat, für die bare Münze der Hegel-
       schen Philosophie.
       Die Hegelsche  Philosophie, die  in der Herrschaft der Hegelianer
       über die  Nichthegelianer als Krone der Hierarchie auftritt, ero-
       bert nun das letzte Weltreich.
       
       "Hegels System  - war  die höchste   D e s p o t i e   und   A l-
       l e i n h e r r s c h a f t des  Denkens, die   A l l g e w a l t
       und  A l l m a c h t  des Geistes." (p. 97.)
       
       Hier geraten wir also in das Geisterreich der Hegelschen Philoso-
       phie, das  von Berlin  bis Halle  und Tübingen geht, das Geister-
       reich, dessen  Geschichte Herr  Bayrhoffer geschrieben  [80]  und
       wozu  die   statistischen  Notizen   von  dem   großen   Michelet
       zusammengetragen sind.
       Die Vorbereitung  zu diesem Geisterreich war die französische Re-
       volution, die   "n i c h t s   a n d e r s   getan hat als  d i e
       D i n g e   in   V o r s t e l l u n g e n   v o n  d e n  D i n-
       g e n   verwandelt" (p.  115 -  vergl. oben  Hegel über  die  Re-
       volution p.  [158]).   "S o   blieb man  Staatsbürger" (dies geht
       zwar bei  "Stirner" vorher, aber "was Stirner sagt, ist nicht das
       Gemeinte, und  was er meint, ist unsagbar", Wig[and,] p. 149) und
       "lebte in  der   R e f l e x i o n,   man hatte einen Gegenstand,
       auf den  man   r e f l e k t i e r t e,   vor dem  man" (per  ap-
       pos[itionem]) "Ehrfurcht und Furcht empfand". "Stirner" sagt ein-
       mal p.  98: "Der  Weg zur  Hölle ist  mit guten Vorsätzen gepfla-
       stert." Wir  sagen dagegen: Der Weg zum Einzigen ist mit schlech-
       ten Nachsätzen  gepflastert, mit Appositionen, die seine den Chi-
       nesen abgeborgte  "Himmelsleiter" und  sein "Seil des Objektiven"
       (p. 88)  sind, auf dem er seine "Flohsprünge" macht. Hiernach war
       es für "die neuere Philosophie  o d e r  Zeit" - seit dem Herein-
       brechen des  Geisterreiches  i s t  ja die neuere Zeit Nichts An-
       dres als  die neuere Philosophie - ein Leichtes, "die existieren-
       den Objekte  in vorgestellte, d.h. in Begriffe zu verwandeln", p.
       114, eine Arbeit, die Sankt Max weiter fortsetzt.
       Wir haben  unsren Ritter  von der traurigen Gestalt bereits, "ehe
       denn die  Berge waren",  die er nachher durch seinen Glauben ver-
       setzte, bereits  im Anfange  seines Buches auf das große Resultat
       seines "erhabenen  Domwerkes" mit  verhängtem Zügel lostraben se-
       hen. Sein  "Grauer", die Apposition, konnte ihm nicht rasch genug
       springen; jetzt  endlich, auf  p. 114,  hat er sein Ziel erreicht
       und durch  ein mächtiges  Oder die   n e u e r e  Z e i t  in die
       n e u e r e  P h i l o s o p h i e  verwandelt.
       Hiermit hat  die alte  (d. h.  die alte  und neue, negerhafte und
       mongolische, eigentlich  aber nur  die vorstirnersche) Zeit, "ihr
       letztes Absehen  erreicht". Wir  können jetzt  enthüllen, weshalb
       Sankt Max  seinen ganzen ersten Teil "Der  M e n s c h"  betitelt
       und seine ganze Zauber-, Gespenster- und Rittergeschichte
       
       #167# Deutsche Ideologie - Das Leipziger Konzil. III. Sankt Max
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       für die  Geschichte   "d e s  Menschen" ausgegeben hat. Die Ideen
       und Gedanken der Menschen waren natürlich Ideen und Gedanken über
       sich und  ihre Verhältnisse,  ihr Bewußtsein  von   s i c h,  von
       d e n  Menschen, denn es war ein Bewußtsein nicht nur der einzel-
       nen Person, sondern der einzelnen Person im Zusammenhange mit der
       ganzen Gesellschaft  und von  der ganzen Gesellschaft, in der sie
       lebten. Die  von ihnen  unabhängigen Bedingungen, innerhalb deren
       sie ihr Leben produzierten, die damit zusammenhängenden notwendi-
       gen Verkehrsformen, die damit gegebenen persönlichen und sozialen
       Verhältnisse, mußten,  soweit sie in Gedanken ausgedrückt wurden,
       die Form  von idealen  Bedingungen und  notwendigen Verhältnissen
       annehmen, d.  h. als  aus dem  Begriff  d e s  Menschen, dem men-
       schlichen Wesen, der Natur des Menschen,  d e m  Menschen hervor-
       gehende Bestimmungen  ihren Ausdruck  im Bewußtsein erhalten. Was
       die Menschen  waren, was ihre Verhältnisse waren, erschien im Be-
       wußtsein als  Vorstellung von   d e m   Menschen,  von seinen Da-
       seinsweisen oder von seinen näheren Begriffsbestimmungen. Nachdem
       die Ideologen  nun vorausgesetzt hatten, daß die Ideen und Gedan-
       ken die  bisherige Geschichte  beherrschten, daß  ihre Geschichte
       alle bisherige  Geschichte sei, nachdem sie sich eingebildet hat-
       ten, die  wirklichen Verhältnisse  hätten sich  nach  d e m  Men-
       schen und seinen idealen Verhältnissen, id est Begriffsbestimmun-
       gen gerichtet,  nachdem sie überhaupt die Geschichte des Bewußts-
       eins der  Menschen von  sich zur  Grundlage ihrer  wirklichen Ge-
       schichte gemacht  hatten, war  Nichts leichter als die Geschichte
       des Bewußtseins,  der Ideen, des Heiligen, der fixierten Vorstel-
       lungen -  Geschichte "des Menschen" zu nennen und diese der wirk-
       lichen Geschichte  unterzuschieben. Sankt  Max zeichnet  sich vor
       allen seinen  Vorgängern nur  dadurch aus, daß er von diesen Vor-
       stellungen, selbst  in ihrer willkürlichen Isolierung vom wirkli-
       chen Leben,  dessen Produkte  sie waren,   N i c h t s   weiß und
       seine nichtige  Schöpfung darauf  beschränkt, in seiner Kopie der
       Hegelschen Ideologie  die Unkenntnis  selbst dessen,  was er  ko-
       piert, zu  konstatieren. - Schon hieraus ergibt sich, wie er sei-
       ner Phantasie  von der Geschichte des Menschen die Geschichte des
       wirklichen Individuums  in der  Form  d e s  E i n z i g e n  ge-
       genüberstellen kann.
       Die einzige  Geschichte trägt  sich anfangs  in der Stoa zu Athen
       [81], später fast gänzlich in Deutschland und schließlich am Kup-
       fergraben in  Berlin [82] zu, wo der Despot der "neueren Philoso-
       phie oder  Zeit" seine  Hofburg aufgeschlagen hatte. Schon daraus
       geht hervor, welch eine ausschließlich nationale und lokale Ange-
       legenheit hier verhandelt wird. Statt der Weltgeschichte gibt der
       heilige Max  uns einige,  noch dazu  höchst dürftige  und schiefe
       Glossen über die Geschichte der  d e u t s c h e n  Theologie und
       Philosophie. Wenn  wir einmal  zum Schein aus Deutschland heraus-
       treten, so geschieht es nur,
       
       #168# Karl Marx und Friedrich Engels
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       um die  Taten und  Gedanken andrer  Völker, z.B. die französische
       Revolution, in  Deutschland und zwar am Kupfergraben "ihr letztes
       Absehen erreichen"  zu lassen.  Nur  deutsch-nationale  Tatsachen
       werden zitiert,  nach deutsch-nationaler Weise werden sie verhan-
       delt und  aufgefaßt, und  das Resultat  bleibt ein national-deut-
       sches. Aber  auch damit  ist es  nicht genug.  Die Auffassung und
       Bildung unsres  Heiligen ist nicht nur deutsch, sie ist durch und
       durch berlinisch.  Die Rolle,  die der Hegelschen Philosophie er-
       teilt wird,  ist dieselbe,  die sie in Berlin spielt, und Stirner
       verwechselt nun  Berlin mit  der Welt  und ihrer  Geschichte. Der
       "Jüngling" ist  ein Berliner, die guten Bürger, die uns im ganzen
       Buche begegnen, sind Berliner Weißbierphilister. Mit solchen Prä-
       missen kommt  man natürlich nur zu einem innerhalb der Nationali-
       tät und Lokalität befangenen Resultate. "Stirner" und seine ganze
       philosophische Bruderschaft,  deren Schwächster und Unwissendster
       er ist, liefern den praktischen Kommentar zu dem wackern Verslein
       des wackern Hoffmann von Fallersleben:
       
       Nur in Deutschland, nur in Deutschland,
       Da möcht' ich ewig leben. [83]
       
       Das Berliner Lokalresultat unsres wackern Heiligen, daß die ganze
       Welt in  der Hegelschen  Philosophie alle  jeworden sei, befähigt
       ihn nun,  ohne große Unkosten zu einem "eignen" Weltreich zu kom-
       men. Die Hegelsche Philosophie hat Alles in Gedanken, in das Hei-
       lige, in  Spuk, in  Geist, in  Geister, in Gespenster verwandelt.
       Diese wird  "Stirner" bekämpfen,  in seiner Einbildung überwinden
       und auf  ihren Leichen  sein "eignes", "einziges", "leibhaftiges"
       Weltreich, das Weltreich des "ganzen Kerls" stiften.
       
       "Denn wir  haben  n i c h t  m i t  F l e i s c h  u n d  B l u t
       z u   k ä m p f e n,  sondern mit Fürsten und Gewaltigen, nämlich
       mit den   H e r r e n  d i e s e r  W e l t,  die in der Finster-
       nis dieser  Welt herrschen,  mit den   b ö s e n  G e i s t e r n
       unter dem Himmel." Epheser 6, 12.
       
       Jetzt ist "Stirner" "an Beinen gestiefelt, als fertig zu treiben"
       den Kampf  gegen die  Gedanken. Den "Schild des Glaubens" braucht
       er nicht  erst zu "ergreifen", da er ihn nie aus den Händen gege-
       ben hat.  Mit dem "Helm" des Unheils und dem "Schwert" der Geist-
       losigkeit (vergl.  ibid.) gewappnet,  zieht er in den Kampf. "Und
       es ward  ihm gegeben, zu streiten wider das Heilige", aber nicht,
       es "zu besiegen". (Offenb[arung] Joh[annis] 13, 7.)

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