Quelle: MEW 3 1845 - 1846


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       #413# Deutsche Ideologie - Das Leipziger Konzil. III. Sankt Max
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       6. Das hohe Lied Salomonis oder Der Einzige
       
       Cessem do sabio Grego, e do Troiano,
       As navegaçoes grandes que fizeram;
       Calle-se de Alexandro, e de Trajano
       A fama das victorias que tiveram
       - - - - - - - - - - - - - - - - - - -
       Cesse tudo o que a Musa antigua canta,
       Que outro valor mais alto se alevanta.
       E vós, Spreïdes minhas - -
       Dai-me huma furia grande, e sonorosa,
       E naõ de agreste avena, on frauta ruda;
       Mas de tuba canora, e bellicosa
       Que o peito accende, e o côr ao gesto muda, 1*)
       
       gebt mir,  o Nymphen  der Spree,  ein Lied, wie es würdig ist der
       Helden, die  an Eurem  Ufer wider  die Substanz  und den Menschen
       kämpfen, ein  Lied, das über alle Welt sich verbreitet und in al-
       len Landen gesungen wird - denn es handelt sich hier um den Mann,
       der getan hat,
       
       Mais do que promettia a força humana 2*),
       
       mehr als  die bloß  "menschliche" Kraft zu leisten vermag, um den
       Mann, der - -
       
       edificára
       Novo reino que tanto sublimára 3*),
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       1*) Verstumme denn, was weiser Griechen Ahnen,
       was Trojas Söhn' auf weiter See vermocht;
       von Alexandern schweige, von Trajanen,
       der Ruf der Siege, die ihr Arm erfocht...
       Verstumme, was die Muse grauer Zeiten
       besang, vor andern, größern Herrlichkeiten!
       Und ihr, der Spree Jungfrauen ...
       Leiht mir Begeisterung, die mächtig schalle,
       nicht, wie von rauher Flöt' und wildem Rohr,
       nein, von der Tuba stolzem Kriegeshalle,
       der Wangen rötet, Geister hebt empor ...
       2*) was niemals Menschenkraft vollbracht
       3*) ... errichtete
       ein neues Reich ... in ferner Zone
       
       #414# Karl Marx und Friedrich Engels
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       der ein  neues Reich gestiftet hat unter entferntem Volk, nämlich
       den "Verein" - es handelt sich hier um den
       
       - tenro, e novo ramo florescente
       De huma arvore de Christo, mais amada 1*),
       
       um den  zarten und  jungen, blühenden Schößling eines von Christo
       vorzugsweise geliebten Baumes, der nicht weniger
       
       certissima esperança
       Do augmento da pequena Christiandade 2*),
       
       die gewisseste  Hoffnung des  Wachstums ist  für die  kleinmütige
       Christenheit -  es handelt sich mit Einem Wort um etwas "Noch nie
       Dagewesenes", um den "Einzigen". *)
       Alles, was  sich in  diesem noch  nie dagewesenen hohen Liede vom
       Einzigen findet, ist bereits früher im "Buch" dagewesen. Bloß der
       Ordnung wegen  erwähnen wir dies Kapitel; um dies mit Anstand tun
       zu können,  haben wir  uns einige Punkte bis jetzt aufgespart und
       werden andre kurz rekapitulieren.
       Das "Ich" Sanchos macht eine komplette Seelenwanderung durch. Wir
       fanden es schon als mit sich einigen Egoisten, als Fronbauer, als
       Gedankenhändler, als  unglücklichen Konkurrenten, als Eigner, als
       Sklaven, dem  ein Bein  ausgerissen wird, als von der Wechselwir-
       kung zwischen  Geburt und Umständen in die Luft geprellten Sancho
       und in  hundert andern  Gestalten. Hier  nimmt  es  Abschied  als
       "U n m e n s c h";   unter derselben  Devise, unter der es seinen
       Einzug ins Neue Testament hielt.
       
       "W i r k l i c h e r  Mensch ist nur der -  U n m e n s c h."  p.
       232.
       
       Dies ist  eine der  Tausend und ein Gleichungen, in welche Sancho
       seine Legende vom Heiligen setzt.
       
       Der Begriff Mensch ist nicht wirklicher Mensch.
                Der Begriff Mensch =  D e r Mensch.
                      D e r Mensch = Nicht wirklicher Mensch.
                 Wirklicher Mensch = Der Nicht-Mensch,
                                   = Der Unmensch.
       "Wirklicher Mensch ist nur der - Unmensch."
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       *) Vgl. Camoes, "Lusiadas", 1, 1-7.
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       1*) - zarten Sproß, am Baume neu entfaltet,
       dem Christus sich vor allen zugewandt
       2*) zum sichern Hoffnungsstern erkoren,
       daß wachse stets die kleine Christenheit
       
       #415# Deutsche Ideologie - Das Leipziger Konzil. III. Sankt Max
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       Sancho sucht  sich die  Harmlosigkeit dieses  Satzes in folgenden
       Wendungen klarzumachen:
       
       "Mit dürren  Worten zu  sagen, was  ein Unmensch  sei, hält nicht
       eben schwer;  es ist  ein Mensch,  [...] welcher dem Begriffe des
       Menschlichen nicht  angemessen ist.  Die Logik nennt dies ein wi-
       dersinniges Urteil. Dürfte man wohl dies Urteil, daß einer Mensch
       sein könne,  ohne Mensch zu sein, aussprechen, wenn man nicht die
       Hypothese gelten ließe, daß der Begriff des Menschen von der Exi-
       stenz, das  Wesen von  der Erscheinung  getrennt sein  könne. Man
       sagt: Der  erscheint zwar  als Mensch, ist aber kein Mensch. Dies
       widersinnige Urteil haben die Menschen eine lange Reihe von Jahr-
       hunderten hindurch  gefällt, ja was noch mehr ist, in dieser lan-
       gen Zeit  gab es nur Unmenschen. Welcher Einzelne hätte je seinem
       Begriffe entsprochen?" p. 232.
       
       Die hier  wieder zugrunde hegende Einbildung unsres Schulmeisters
       von dem  Schulmeister, der  sich ein Ideal  "d e s  Menschen" ge-
       macht und  dies den  Übrigen "in  den Kopf gesetzt" habe, ist der
       Grundtext "des Buches".
       Sancho nennt  das eine Hypothese, daß Begriff und Existenz, Wesen
       und Erscheinung  "des Menschen" getrennt sein können, als wenn er
       in den  Worten selbst  nicht schon  die Möglichkeit  der Trennung
       ausspräche. Sobald  er  B e g r i f f  sagt, sagt er etwas Unter-
       schiedenes von der  E x i s t e n z,  sobald er  W e s e n  sagt,
       sagt er  etwas Unterschiedenes  von der    E r s c h e i n u n g.
       Nicht diese  A u s s a g e n  bringt er in Gegensatz, sondern sie
       sind die  Aussagen eines Gegensatzes. Die einzige Frage wäre also
       gewesen, ob  er etwas unter diese Gesichtspunkte rangieren dürfe;
       und um  hierauf einzugehen, hätte Sancho sich die wirklichen Ver-
       hältnisse der  Menschen, die in diesen metaphysischen Verhältnis-
       sen andre  Namen erhalten  haben, betrachten  müssen. Im  übrigen
       zeigen Sanchos  eigne Abhandlungen  über  den  mit  sich  einigen
       Egoisten und die Empörung, wie man diese Gesichtspunkte auseinan-
       derfallen lassen,  und über  Eigenheit, Möglichkeit und Wirklich-
       keit im "Selbstgenuß", wie man sie zu gleicher Zeit zusammen- und
       auseinanderfallen lassen kann.
       Das widersinnige Urteil der Philosophen, daß der wirkliche Mensch
       nicht Mensch  sei, ist  nur innerhalb der Abstraktion der univer-
       sellste, umfassendste  Ausdruck des  faktisch bestehenden univer-
       sellen Widerspruchs zwischen den Verhältnissen und den Bedürfnis-
       sen der  Menschen. Die  widersinnige Form  des abstrakten  Satzes
       entspricht ganz  der Widersinnigkeit  der auf ihre höchste Spitze
       getriebenen Verhältnisse  der bürgerlichen  Gesellschaft.  Gerade
       wie Sanchos  widersinniges Urteil  über seine  Umgebung: sie sind
       Egoisten und sind es nicht, dem faktischen Widerspruch entspricht
       zwischen dem Dasein der deutschen Kleinbürger und den ihnen durch
       die Verhältnisse  aufgedrungenen und als fromme Wünsche und Gelü-
       ste in ihnen selbst hausenden Aufgaben. Übrigens haben die Philo-
       sophen die Menschen nicht darum für
       
       #416# Karl Marx und Friedrich Engels
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       unmenschlich erklärt,  weil sie  dem Begriff  des Menschen  nicht
       entsprachen, sondern weil ihr Begriff des Menschen nicht dem wah-
       ren Begriff des Menschen entsprach, oder weil sie nicht das wahre
       Bewußtsein vom  Menschen hatten.  Tout comme  chez  nous  1*)  im
       "Buche", wo  Sancho auch  die Menschen  nur deshalb  für  Nichte-
       goisten erklärt, weil sie nicht das wahre Bewußtsein vom Egoismus
       haben.
       Der durchaus  harmlose Satz,  daß die  V o r s t e l l u n g  vom
       Menschen nicht  w i r k l i c h e r  Mensch sei, daß die Vorstel-
       lung eines  Dinges nicht  das Ding  selbst ist  - dieser auch vom
       Stein und der Vorstellung des Steins geltende Satz, wonach Sancho
       sagen müßte,  daß wirklicher Stein nur der Unstein ist, hätte we-
       gen seiner  enormen Trivialität und unbezweifelten Gewißheit kei-
       ner Erwähnung  bedurft. Aber Sanchos bekannte Einbildung, daß die
       Menschen bisher  nur durch  die Herrschaft  der Vorstellungen und
       Begriffe in  allerlei Unglück  gestürzt worden, macht es ihm mög-
       lich, an  diesen Satz seine alten Folgerungen wieder anzuknüpfen.
       Sanchos alte Meinung, man habe sich nur einige Vorstellungen] aus
       dem   K o p f   zu schlagen, um die Verhältnisse, aus denen diese
       Vorstellungen entstanden sind, aus der  W e l t  zu schlagen, re-
       produziert sich  hier in  der Gestalt,  daß man sich nur die Vor-
       stellung   M e n s c h   aus dem  Kopf zu  schlagen habe,  um die
       heute  u n m e n s c h l i c h  genannten wirklichen Verhältnisse
       zu vernichten,  sei dies  Prädikat "unmenschlich"  nun das Urteil
       des im Widerspruch mit seinen Verhältnissen stehenden Individuums
       oder das  Urteil der normalen, herrschenden Gesellschaft über die
       abnorme, beherrschte Klasse. Gerade wie ein aus seinem Salzwasser
       m den Kupfergraben versetzter Walfisch, wenn er Bewußtsein hätte,
       diese durch  "Ungunst der  Umstände"  bewirkte  Lage  für  unwal-
       fischmäßig  erklären   würde,  obwohl  ihm  Sancho  demonstrieren
       könnte, sie sei schon deswegen walfischmäßig, weil sie seine, des
       Walfisches, Lage  sei -  geradeso urteilen die Menschen unter ge-
       wissen Umständen.
       p. 185 wirft Sancho die große Frage auf:
       
       "Aber der Unmensch, der doch in jedem Einzelnen steckt, wie dämmt
       man den?  Wie stellt  man's an,  daß man  mit dem  Menschen nicht
       zugleich den  Unmenschen freiläßt?  Der gesamte  Liberalismus hat
       einen Todfeind,  einen unüberwindlichen  Gegensatz, wie  Gott den
       Teufel: dem  Menschen steht  der Unmensch,  der Egoist,  der Ein-
       zelne, stets  zur Seite. Staat, Gesellschaft, Menschheit bewälti-
       gen diesen Teufel nicht."
       
       "Und wenn tausend Jahre vollendet sind, wird der Satanas los wer-
       den aus  seinem Gefängnis und wird ausgehen zu verführen die Hei-
       den in  den vier  örtern der Erde, den Gog und Magog, sie zu ver-
       sammeln in einem
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       1*) ganz wie bei uns
       
       #417# Deutsche Ideologie - Das Leipziger Konzil. III. Sankt Max
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       Streit... Und  sie traten  auf die  Breite der Erde und umringten
       das Heerlager  des Heiligen  und die geliebte Stadt." Offenbarung
       Johannis, 20, 7-9.
       Die Frage,  wie Sancho sie selbst versteht, läuft wieder auf rei-
       nen Unsinn  hinaus. Er  bildet sich ein, die Menschen hätten sich
       bisher immer  einen Begriff vom Menschen gemacht und sich dann so
       weit befreit,  als nötig  war, um  diesen Begriff in sich zu ver-
       wirklichen; das jedesmalige Maß der Freiheit, das sie sich errun-
       gen, sei  durch ihre  jedesmalige Vorstellung  vom Ideal des Men-
       schen bestimmt worden; wobei denn nicht fehlen konnte, daß in je-
       dem Individuum  ein Rest zurückblieb, der diesem Ideal nicht ent-
       sprach und daher als "unmenschlich" nicht oder nur malgré eux 1*)
       befreit wurde.
       In der  Wirklichkeit trug sich die Sache natürlich so zu, daß die
       Menschen sich jedesmal so weit befreiten, als nicht ihr Ideal vom
       Menschen, sondern  die existierenden  Produktivkräfte ihnen  vor-
       schrieben und erlaubten. Allen bisherigen Befreiungen lagen indes
       beschränkte Produktivkräfte zugrunde, deren für die ganze Gesell-
       schaft unzureichende Produktion nur dann eine Entwicklung möglich
       machte, wenn die Einen auf Kosten der Andern ihre Bedürfnisse be-
       friedigten und  dadurch die  Einen -  die Minorität - das Monopol
       der Entwicklung  erhielten, während  die Andern - die Majorität -
       durch den  fortgesetzten Kampf um die Befriedigung der notwendig-
       sten Bedürfnisse  einstweilen (d.h. bis zur Erzeugung neuer revo-
       lutionierender  Produktivkräfte)  von  aller  Entwicklung  ausge-
       schlossen wurden.  So hat  sich die Gesellschaft bisher immer in-
       nerhalb eines  Gegensatzes entwickelt,  der bei den Alten der Ge-
       gensatz von  Freien und  Sklaven, im Mittelalter der vom Adel und
       Leibeignen, in  der neueren Zeit der von Bourgeoisie und Proleta-
       riat  ist.   Hieraus  erklärt   sich   einerseits   die   abnorme
       "unmenschliche" Weise, in der die beherrschte Klasse ihre Bedürf-
       nisse befriedigt,  und andererseits  die Beschränkung,  innerhalb
       deren der  Verkehr und  mit ihm die ganze herrschende Klasse sich
       entwickelt; so daß diese Beschränktheit der Entwicklung nicht nur
       in dem  Ausschließen der  einen Klasse,  sondern auch in der Bor-
       niertheit  der   ausschließenden  Klasse  besteht  und  das  "Un-
       menschliche" ebenfalls  in der herrschenden Klasse vorkommt. Dies
       sogenannte "Unmenschliche" ist ebensogut ein Produkt der jetzigen
       Verhältnisse wie  das "Menschliche";  es ist ihre negative Seite,
       die auf  keiner  neuen  revolutionären  Produktivkraft  beruhende
       Rebellion gegen  die auf  den  bestehenden  Produktivkräften  be-
       ruhenden herrschenden  Verhältnisse und  die ihnen  entsprechende
       Weise der  Befriedigung der  Bedürfnisse. Der  positive  Ausdruck
       "menschlich" entspricht  den bestimmten, einer gewissen Produkti-
       onsstufe gemäß  h e r r s c h e n d e n
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       1*) gegen ihren Willen
       
       #418# Karl Marx und Friedrich Engels
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       Verhältnissen und  der durch sie bedingten Weise, die Bedürfnisse
       zu befriedigen,  wie der  negative  Ausdruck  "unmenschlich"  dem
       durch dieselbe  Produktionsstufe täglich neu hervorgerufenen Ver-
       suche entspricht,  diese herrschenden Verhältnisse und die in ih-
       nen herrschende  Weise der Befriedigung innerhalb der existieren-
       den Produktionsweise zu negieren.
       Solche weltgeschichtliche Kämpfe verlaufen sich für unsren Heili-
       gen in  eine bloße  Kollision Sankt  Brunos und "der Masse". Vgl.
       die ganze  Kritik des  humanen Liberalismus,  namentlich  p.  192
       seqq.
       Unser  einfältiger  Sancho  kommt  also  mit  seinem  einfältigen
       Sprüchlein über  den  Unmenschen  und  seinem  Sich-aus-dem-Kopf-
       Schlagen des  Menschen, womit  auch der Unmensch verschwindet und
       kein Maß  mehr für  die Individuen existiert, schließlich zu fol-
       gendem Resultat. Er anerkennt die Verkrüpplung und Knechtung, der
       ein Individuum  durch die  bestehenden Verhältnisse physisch, in-
       tellektuell und sozial anheimgefallen ist, als die Individualität
       und Eigenheit  dieses Individuums;  er erkennt als ordinärer Kon-
       servateur diese  Verhältnisse ruhig  an, nachdem  er sich dadurch
       von allem  Kummer befreit  hat, daß  er sich  die Vorstellung der
       Philosophen von  diesen Verhältnissen  aus dem  Kopfe  geschlagen
       hat. Wie  er hier  die dem  Individuum aufgedrungene Zufälligkeit
       für seine Individualität erklärt, so abstrahierte er früher (vgl.
       Logik) bei  seinem Ich  nicht nur von aller Zufälligkeit, sondern
       auch überhaupt von aller Individualität.
       Dies sein  "unmenschlich" großes  Resultat besingt Sancho in fol-
       gendem Kyrie eleison, das er  "d e m  Unmenschlichen" in den Mund
       legt:
       
       "Ich war verächtlich, weil Ich Mein  b e s s e r e s  S e l b s t
       außer Mir suchte;
       Ich war  das Unmenschliche, weil Ich vom  M e n s c h l i c h e n
       träumte;
       Ich glich  den Frommen,  die nach ihrem  w a h r e n  I c h  hun-
       gern und immer  a r m e  S ü n d e r  bleiben;
       Ich dachte Mich nur im Vergleich zu einem Andern;
       Ich war nicht Alles in Allem, war nicht -  e i n z i g.
       Jetzt aber höre Ich auf, Mir als das Unmenschliche vorzukommen;
       Höre auf, Mich am Menschen zu messen und messen zu lassen;
       Höre auf, etwas über Mir anzuerkennen -
       Ich bin das Unmenschliche nur gewesen, bin es nicht mehr, bin das
       -  E i n z i g e!"
       
       Hallellujah!
       Ohne hier  weiter darauf einzugehen, wie "das Unmenschliche", das
       sich, beiläufig  gesagt, dadurch  in den  nötigen Humor  versetzt
       hat, daß es  "s i c h  s e l b s t  und dem Kritiker" Sankt Bruno
       "d e n   R ü c k e n   k e h r t"    -  wie  "das  Unmenschliche"
       s i c h  hier "vorkommt" oder nicht "vorkommt", notieren wir, daß
       das oder  der "Einzige"  hier dadurch  qualifiziert wird,  daß er
       sich zum
       
       #419# Deutsche Ideologie - Das Leipziger Konzil. III. Sankt Max
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       neunhundertsten Male  das Heilige  aus dem  Kopfe schlägt, womit,
       wie wir  ebenfalls zum  neunhundertsten Male  wiederholen müssen,
       Alles beim  Alten bleibt, abgesehen davon, daß es nur ein frommer
       Wunsch ist.
       Wir haben hier den Einzigen zum ersten Mal. Sancho, der unter der
       obigen Litanei  zum Ritter  geschlagen worden  ist,  eignet  sich
       jetzt seinen neuen adligen Namen an. Sancho kommt dadurch zu sei-
       ner Einzigkeit,  daß er  sich   "d e n   Menschen" aus  dem Kopfe
       schlägt. Hiermit  hört er  auf, "sich  nur im Vergleiche zu einem
       Andern zu denken" und "etwas über sich anzuerkennen". Er wird un-
       vergleichlich. Wir  haben hier  wieder die  alte Marotte Sanchos,
       daß Vorstellungen,  Ideen, "das Heilige", hier in Gestalt  "d e s
       Menschen", das alleinige tertium comparationis 1*) und das allei-
       nige   B a n d  zwischen den Individuen seien, nicht ihre Bedürf-
       nisse. Er schlägt sich eine  V o r s t e l l u n g  aus dem Kopfe
       und wird dadurch  e i n z i g.
       Um "einzig"  in seinem  Sinne zu sein, muß er uns vor allem seine
       V o r a u s s e t z u n g s l o s i g k e i t  beweisen.
       
       p. 470:  "D e i n  Denken hat nicht das  D e n k e n  zur Voraus-
       setzung, sondern   D i c h.  Aber so setzest Du Dich doch voraus?
       Ja, aber  nicht Mir, sondern Meinem Denken. Vor Meinem Denken bin
       - Ich.  Daraus folgt, daß Meinem Denken nicht ein Gedanke vorher-
       geht oder  daß Mein  Denken ohne eine Voraussetzung ist. Denn die
       Voraussetzung, welche  Ich für  Mein Denken bin, ist keine  v o m
       D e n k e n  g e m a c h t e,  keine  g e d a c h t e,  sondern -
       ist der Eigner des Denkens und beweist nur, daß das Denken nichts
       weiter ist als - Eigentum."
       
       Daß Sancho nicht eher denkt, als bis er denkt, und daß er und je-
       der Andre  in dieser Hinsicht ein voraussetzungsloser Denker ist,
       "wird ihm  hiermit zugegeben". Ebenso wird ihm konzediert, daß er
       keinen Gedanken  zur Voraussetzung  seines Daseins hat, d.h., daß
       er nicht  von Gedanken  gemacht worden ist. Wenn Sancho einen Au-
       genblick von  seinem ganzen Gedankenkram abstrahiert, was ihm bei
       seinem spärlichen  Sortiment nicht  schwerfallen kann,  so bleibt
       sein wirkliches  Ich, aber  sein wirkliches Ich innerhalb der für
       es existierenden  wirklichen Weltverhältnisse  übrig. Er hat sich
       damit aller  dogmatischen Voraussetzungen  für  einen  Augenblick
       entledigt, aber dafür fangen die  w i r k l i c h e n  Vorausset-
       zungen für ihn erst an. Und diese wirklichen Voraussetzungen sind
       auch die Voraussetzungen seiner  d o g m a t i s c h e n  Voraus-
       setzungen, die ihm mit den wirklichen wiederkommen, er mag wollen
       oder nicht,  solange er nicht andre wirkliche Voraussetzungen und
       damit auch  andre dogmatische Voraussetzungen erhält oder solange
       er die  wirklichen Voraussetzungen nicht materialistisch als Vor-
       aussetzungen seines  Denkens anerkennt,  womit  die  dogmatischen
       überhaupt aufhören. Wie ihm mit seiner bisherigen
       -----
       1*) [der] Vergleichspunkt
       
       #420# Karl Marx und Friedrich Engels
       -----
       Entwicklung  und   mit  seinen   Berliner  Umgebungen  jetzt  die
       dogmatische Voraussetzung  des mit  sich einigen Egoismus gegeben
       ist, so  wird sie ihm trotz aller eingebildeten Voraussetzungslo-
       sigkeit bleiben, solange er nicht ihre wirklichen Voraussetzungen
       überwindet.
       Sancho trachtet als echter Schulmeister noch immer nach dem viel-
       berühmten Hegelschen  "voraussetzungslosen Denken", d.h. dem Den-
       ken ohne  dogmatische Voraussetzungen,  das bei  Hegel  auch  ein
       frommer Wunsch  ist. Er  glaubte es  durch eine feine Volte erha-
       schen und  es dadurch  überbieten zu  können, daß er auch auf das
       voraussetzungslose Ich  Jagd machte. Aber sowohl das Eine wie das
       Andre ist ihm entwischt.
       Sancho versucht sein Glück nun auf eine andre Manier:
       
       p. 214,  215. "Erschöpft"  die Freiheitsforderung! "Wer soll frei
       werden? Du,  Ich, Wir. Wovon frei? Von allem, was nicht Du, nicht
       Ich, nicht  Wir ist.  Ich also bin der  K e r n... Was bleibt üb-
       rig, wenn  Ich von allem, was nicht Ich bin, frei worden? Nur Ich
       und  n i c h t s  als Ich."
       
       "Das also war des Pudels Kern!
       Ein fahrender Scholast? Der Kasus macht mich lachen." [158]
       
       "Alles, was  nicht Du,  nicht Ich,  nicht Wir ist", ist natürlich
       hier wieder  eine dogmatische  Vorstellung, wie Staat, Nationali-
       tät, Teilung  der Arbeit  pp. Nachdem  diese Vorstellungen kriti-
       siert sind,  was Sancho von "der Kritik", nämlich der kritischen,
       schon vollführt glaubt, bildet er sich wieder ein, auch vom wirk-
       lichen Staat,  der wirklichen Nationalität und Teilung der Arbeit
       befreit zu  sein. Das  Ich, das hier "der Kern" ist, das "von Al-
       lem, was  nicht Ich  bin, frei worden", ist also wieder das obige
       voraussetzungslose Ich mit Allem, was es nicht losgeworden ist.
       Nähme Sancho  indes das "Freiwerden" einmal so, daß er nicht bloß
       von den  Kategorien, sondern von den wirklichen Fesseln frei wer-
       den wollte,  so setzt  diese Befreiung  wieder eine ihm mit einer
       großen Masse  Anderer gemeinsame  Veränderung voraus  und bewirkt
       einen veränderten  Weltzustand, der ihm wieder mit den Andern ge-
       meinsam ist. Hiernach "bleibt" nach der Befreiung allerdings sein
       "Ich", aber  als ein  ganz verändertes Ich, übrig, das mit Andern
       eine veränderte  Weltlage gemeinsam hat, die eben die ihm mit An-
       dern gemeinsame  Voraussetzung seiner und ihrer Freiheit ist, und
       hiernach gerät  die Einzigkeit,  Unvergleichlichkeit und Unabhän-
       gigkeit seines "Ich" wieder in die Brüche.
       Sancho versucht's noch auf eine dritte Manier:
       
       p.  237.  "Nicht  daß  sie"  (Jude  und  Christ)  "sich    a u s-
       s c h l i e ß e n,   ist  ihre  Schmach,  sondern  daß  dies  nur
       h a l b   geschieht. Könnten  sie vollkommen  Egoisten  sein,  so
       schlössen sie sich  g a n z  aus."
       
       #421# Deutsche Ideologie - Das Leipziger Konzil. III. Sankt Max
       -----
       p. 273.  "Man faßt  die Bedeutung  des Gegensatzes zu formell und
       schwächlich, wenn  man ihn  n u r  a u f l ö s e n  will. Der Ge-
       gensatz verdient vielmehr  v e r s c h ä r f t  zu werden."
       p. 274.  "Ihr werdet  Euren Gegensatz erst dann nicht länger bloß
       verhehlen, wenn  Ihr ihn  ganz anerkannt und Jedermann vom Wirbel
       bis zur  Zehe sich als  e i n z i g  behauptet ... Der letzte und
       entschiedenste Gegensatz,  der des  Einzigen gegen  den Einzigen,
       ist im  Grunde über  das, was Gegensatz heißt, hinaus ... Du hast
       als Einziger  nichts Gemeinsames  mehr mit  dem Andern  und darum
       auch nichts  Trennendes oder  Feindliches ...  Der Gegensatz ver-
       schwindet in  der vollkommenen  ... Geschiedenheit  oder  Einzig-
       keit."
       p. 183.  "Ich   w i l l   nichts  B e s o n d e r e s  vor Andern
       haben oder sein; Ich messe Mich auch nicht an Andern ... Ich will
       Alles sein und Alles haben, was Ich sein und haben kann. Ob Andre
       Ä h n l i c h e s   sind und haben, was kümmert's Mich? Das Glei-
       che, dasselbe  können sie  weder sein  noch haben.  Ich tue ihnen
       keinen Abbruch,  wie Ich  dem Felsen  dadurch keinen Abbruch tue,
       daß Ich  die Bewegung vor ihm voraus habe. Wenn sie's haben könn-
       ten, so  hätten sie's. Den andern Menschen keinen Abbruch zu tun,
       darauf kommt  die Forderung hinaus, kein Vorrecht zu besitzen ...
       Man soll sich nicht für 'etwas  B e s o n d e r e s'  halten, wie
       z.B. Jude  oder Christ. Nun, Ich  h a l t e  Mich nicht für etwas
       B e s o n d e r e s,   sondern für   e i n z i g.   Ich habe wohl
       Ähnlichkeit mit  Andern; das gilt jedoch nur für die Vergleichung
       oder Reflexion;  in der Tat bin Ich unvergleichlich, einzig. Mein
       Fleisch ist  nicht ihr  Fleisch, Mein  Geist ist nicht ihr Geist.
       Bringt  Ihr   sie  unter   die      A l l g e m e i n h e i t e n
       'Fleisch', 'Geist',  so sind  das Eure  G e d a n k e n,  die mit
       Meinem Fleische, Meinem Geiste  n i c h t s  zu schaffen haben."
       p. 234.  "An den  Egoisten geht  die menschliche Gesellschaft zu-
       grunde, denn  sie beziehen sich nicht mehr als Menschen aufeinan-
       der, sondern  treten egoistisch  als ein  Ich gegen  ein von  Mir
       durchaus verschiedenes und gegnerisches Du auf."
       p. 180. "Als ob nicht immer Einer den Andern suchen wird, und als
       ob nicht Einer in den Andern sich fügen muß, wenn er ihn braucht.
       Der Unterschied  ist aber  der, daß  dann wirklich  der  Einzelne
       s i c h   mit dem  Einzelnen  v e r e i n i g t,  indes er früher
       durch ein Band mit ihm verbunden war."
       p. 178.  "Nur wenn  Ihr einzig  seid, könnt  Ihr als das, was Ihr
       wirklich seid, miteinander verkehren."
       
       Was die  Illusion Sanchos über den Verkehr der Einzigen "als das,
       was sie  wirklich sind",  über die "Vereinigung des Einzelnen mit
       dem Einzelnen", kurz über den "Verein" betrifft, so ist das voll-
       ständig abgemacht. Bemerken wir nur: wenn im Verein Jeder den An-
       dern nur als  s e i n e n  Gegenstand, als  s e i n  Eigentum be-
       trachtete und  behandelte (vgl. p. 167 und die Eigentums- und Ex-
       ploitationstheorie), so sieht der Statthalter der Insel Barataria
       im Kommentar  (Wig[and,] p.  157) dagegen  ein und erkennt es an,
       daß der  Andre auch  sich selbst  gehört,  S e i n  eigen, einzig
       ist und  auch in  dieser Qualität   G e g e n s t a n d   Sanchos
       wird, obgleich nicht mehr Sanchos Eigentum.
       
       #422# Karl Marx und Friedrich Engels
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       In seiner  Verzweiflung rettet er sich nur durch den unerwarteten
       Einfall, daß er sich "hierüber selbst vergißt in süßer Selbstver-
       gessenheit", ein  Genuß, den  er sich "in jeder Stunde tausendmal
       macht" und  den ihm das süße Bewußtsein noch versüßt, daß er dann
       doch nicht  "ganz verschwunden"  ist. Es kommt hier also der alte
       Witz heraus, daß Jeder für sich und für Andre ist.
       Lösen wir jetzt Sanchos pomphafte Sätze in ihren bescheidenen In-
       halt auf.
       Die gewaltigen  Redensarten über  den "Gegensatz", der verschärft
       und  auf   die  Spitze   getrieben  werden  soll,  und  über  das
       "Besondre", das  Sancho nicht  voraus haben  will, laufen auf Ein
       und Dasselbe  hinaus. Sancho  will oder  g l a u b t  vielmehr zu
       wollen, daß  die Individuen rein persönlich miteinander verkehren
       sollen, daß  ihr Verkehr nicht durch ein Drittes, eine Sache ver-
       mittelt sein soll (vgl. die Konkurrenz). Dies Dritte ist hier das
       "Besondre" oder  der besondre, nicht absolute Gegensatz, d.h. die
       durch die jetzigen gesellschaftlichen Verhältnisse bedingte Stel-
       lung der  Individuen zueinander. Sancho will z.B. nicht, daß zwei
       Individuen  als   Bourgeois   und   Proletarier   zueinander   im
       "Gegensatz" stehen,  er protestiert gegen das "Besondre", das der
       Bourgeois vor  dem Proletarier "voraus hat"; er möchte sie in ein
       rein persönliches Verhältnis treten, als bloße Individuen mitein-
       ander verkehren  lassen. Er bedenkt nicht, daß innerhalb der Tei-
       lung der  Arbeit die  persönlichen Verhältnisse notwendig und un-
       vermeidlich sich  zu Klassenverhältnissen fortbilden und fixieren
       und daß  darum sein ganzes Gerede auf einen bloßen frommen Wunsch
       herausläuft, den er zu realisieren denkt, indem er die Individuen
       dieser Klassen vermahnt, sich die Vorstellung ihres "Gegensatzes"
       und ihres  "besondern" "Vorrechts"  aus dem  Kopf zu schlagen. In
       den oben  zitierten Sätzen  Sanchos kommt es überhaupt nur darauf
       an, wofür   s i c h   die  Leute   h a l t e n   und wofür er sie
       hält, was  sie wollen  und was   e r  will. Durch ein verändertes
       "D a f ü r   h a l t e n"   und   "W o l l e n"  wird der "Gegen-
       satz" und das "Besondre" aufgehoben.
       Selbst das,  was ein Individuum als solches vor dem andern voraus
       hat, ist heutzutage zugleich ein Produkt der Gesellschaft und muß
       sich in  seiner Verwirklichung  wieder als Pnvilegium geltend ma-
       chen, wie wir Sancho schon bei Gelegenheit der Konkurrenz gezeigt
       haben. Das  Individuum als  solches, für  sich selbst betrachtet,
       ist ferner  unter die  Teilung der  Arbeit subsumiert,  durch sie
       vereinseitigt, verkrüppelt, bestimmt.
       Worauf läuft Sanchos Zuspitzung des Gegensatzes und Aufhebung der
       Besonderheit im besten Falle hinaus? Daß die Verhältnisse der In-
       dividuen ihr  V e r h a l t e n  sein sollen und ihre gegenseiti-
       gen  Unterschiede  ihre    S e l b s t u n t e r s c h e i d u n-
       g e n   (wie das  eine empirische Selbst  s i c h  vom Andern un-
       terscheidet).
       
       #423# Deutsche Ideologie - Das Leipziger Konzil. III. Sankt Max
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       Beides ist  entweder, wie bei Sancho, eine ideologische Umschrei-
       bung des  B e s t e h e n d e n,  denn die Verhältnisse der Indi-
       viduen   k ö n n e n  unter allen Umständen nichts andres als ihr
       wechselseitiges Verhalten,  und ihre  Unterschiede    k ö n n e n
       nichts andres  als ihre  Selbstunterscheidungen sein. Oder es ist
       der fromme  Wunsch, daß sie sich so verhalten und  s o  voneinan-
       der unterscheiden   m ö c h t e n,   daß  ihr Verhalten nicht als
       von ihnen unabhängiges gesellschaftliches Verhältnis verselbstän-
       digt, daß ihre Unterschiede voneinander nicht den sachlichen (von
       der Person unabhängigen) Charakter annehmen   m ö c h t e n,  den
       sie angenommen haben und noch täglich annehmen.
       Die Individuen  sind immer  und unter  allen  Umständen    "v o n
       s i c h   ausgegangen", aber  da sie  nicht   e i n z i g  in dem
       Sinne waren, daß sie keine Beziehung zueinander nötig gehabt hät-
       ten, da  ihre   B e d ü r f n i s s e,   also ihre Natur, und die
       Weise, sie zu befriedigen, sie aufeinander bezog (Geschlechtsver-
       hältnis, Austausch,  Teilung der Arbeit), so  m u ß t e n  sie in
       Verhältnisse treten.  Da sie ferner nicht als reine Ichs, sondern
       als  Individuen  auf  einer  bestimmten  Entwicklungsstufe  ihrer
       Produktivkräfte und  Bedürfnisse in Verkehr traten, in einen Ver-
       kehr, der  seinerseits wieder  die Produktion und die Bedürfnisse
       bestimmte, so war es eben das persönliche, individuelle Verhalten
       der Individuen,  ihr Verhalten als Individuen zueinander, das die
       bestehenden Verhältnisse  schuf  und  täglich  neu  schafft.  Sie
       traten als  das miteinander in Verkehr, was sie waren, sie gingen
       "von sich  aus", wie  sie waren,  gleichgültig, welche "Lebensan-
       schauung" sie  hatten. Diese "Lebensanschauung", selbst die wind-
       schiefe der  Philosophen, konnte  natürlich immer  nur durch  ihr
       wirkliches Leben bestimmt sein. Es stellt sich hierbei allerdings
       heraus, daß  die Entwicklung  eines Individuums  durch  die  Ent-
       wicklung aller  andern, mit  denen es in direktem oder indirektem
       Verkehr steht,  bedingt ist,  und daß  die verschiedenen  Genera-
       tionen von  Individuen, die  miteinander in  Verhältnisse treten,
       einen Zusammenhang  unter sich  haben, daß  die Späteren  m ihrer
       physischen Existenz  durch ihre  Vorgänger bedingt  sind, die von
       ihnen akkumulierten Produktivkräfte und Verkehrsformen übernehmen
       und dadurch  in ihren eignen gegenseitigen Verhältnissen bestimmt
       werden. Kurz, es zeigt sich, daß eine Entwicklung stattfindet und
       die Geschichte  eines einzelnen  Individuums keineswegs  von  der
       Geschichte der  vorhergegangenen  und  gleichzeitigen  Individuen
       loszureißen ist, sondern von ihr bestimmt wird.
       Das Umschlagen des individuellen Verhaltens m sein Gegenteil, ein
       bloß sachliches  Verhalten, die Unterscheidung von Individualität
       und Zufälligkeit  durch die  Individuen selbst,  ist, wie wir be-
       reits nachgewiesen  haben, ein  geschichtlicher Prozeß  und nimmt
       auf verschiednen Entwicklungsstufen
       
       #424# Karl Marx und Friedrich Engels
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       verschiedene, immer schärfere und universellere Formen an. In der
       gegenwärtigen Epoche  hat die  Herrschaft der sachlichen Verhält-
       nisse über  die Individuen,  die  Erdrückung  der  Individualität
       durch die Zufälligkeit, ihre schärfste und universellste Form er-
       halten und damit den existierenden Individuen eine ganz bestimmte
       Aufgabe gestellt.  Sie hat  ihnen die  Aufgabe gestellt,  an  die
       Stelle der  Herrschaft der Verhältnisse und der Zufälligkeit über
       die Individuen  die Herrschaft  der Individuen über die Zufällig-
       keit und  die Verhältnisse  zu setzen.  Sie hat nicht, wie Sancho
       sich einbildet, die Forderung gestellt, daß "Ich Mich entwickle",
       was jedes  Individuum bis jetzt ohne Sanchos guten Rat getan hat,
       sie hat  vielmehr die  Befreiung von  einer ganz bestimmten Weise
       der Entwicklung  vorgeschrieben. Diese  durch  die  gegenwärtigen
       Verhältnisse vorgeschriebene  Aufgabe fällt zusammen mit der Auf-
       gabe, die Gesellschaft kommunistisch zu organisieren.
       Wir haben  bereits oben  gezeigt, daß  die Aufhebung der Verselb-
       ständigung der  Verhältnisse gegenüber den Individuen, der Unter-
       werfung der Individualität unter die Zufälligkeit, der Subsumtion
       ihrer persönlichen Verhältnisse unter die allgemeinen Klassenver-
       hältnisse etc. in letzter Instanz bedingt ist durch die Aufhebung
       der Teilung der Arbeit. Wir haben ebenfalls gezeigt, daß die Auf-
       hebung der  Teilung der  Arbeit bedingt ist durch die Entwicklung
       des Verkehrs und der Produktivkräfte zu einer solchen Universali-
       tät, daß das Privateigentum und die Teilung der Arbeit für sie zu
       einer Fessel wird. Wir haben ferner gezeigt, daß das Privateigen-
       tum nur  aufgehoben werden kann unter der Bedingung einer allsei-
       tigen Entwicklung der Individuen, weil eben der vorgefundene Ver-
       kehr und die vorgefundenen Produktivkräfte allseitig sind und nur
       von allseitig  sich entwickelnden Individuen angeeignet, d.h. zur
       freien Betätigung  ihres Lebens  gemacht werden können. Wir haben
       gezeigt, daß die gegenwärtigen Individuen das Privateigentum auf-
       heben   m ü s s e n,   weil die Produktivkräfte und die Verkehrs-
       formen sich  so weit  entwickelt haben,  daß sie  unter der Herr-
       schaft des  Privateigentums zu  Destruktivkräften geworden  sind,
       und weil  der Gegensatz  der Klassen auf seine höchste Spitze ge-
       trieben ist. Schließlich haben wir gezeigt, daß die Aufhebung des
       Privateigentums und der Teilung der Arbeit selbst die Vereinigung
       der Individuen auf der durch die jetzigen Produktivkräfte und den
       Weltverkehr gegebenen Basis ist.
       Innerhalb der  kommunistischen Gesellschaft,  der einzigen, worin
       die originelle  und freie Entwicklung der Individuen keine Phrase
       ist, ist  sie bedingt eben durch den Zusammenhang der Individuen,
       ein Zusammenhang,  der teils  in den ökonomischen Voraussetzungen
       besteht, teils  m der notwendigen Solidarität der freien Entwick-
       lung Aller, und endlich in der universellen
       
       #425# Deutsche Ideologie - Das Leipziger Konzil. III. Sankt Max
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       Betätigungsweise der  Individuen auf  der Basis  der  vorhandenen
       Produktivkräfte. Es  handelt sich hier also um Individuen auf ei-
       ner bestimmten  historischen Entwicklungsstufe, keineswegs um be-
       liebige zufällige  Individuen, auch abgesehen von der notwendigen
       kommunistischen Revolution,  die selbst eine gemeinsame Bedingung
       ihrer freien  Entwicklung ist. Das Bewußtsein der Individuen über
       ihre gegenseitige Beziehung wird natürlich ebenfalls ein ganz an-
       dres und daher ebensowenig das "Liebesprinzip" oder das Dévoûment
       1*) wie der Egoismus sein.
       Die "Einzigkeit",  in dem  Sinne der  originellen Entwicklung und
       des individuellen  Verhaltens, wie  es oben entwickelt wurde, ge-
       nommen, setzt  also nicht nur ganz andre Dinge als den guten Wil-
       len und das rechte Bewußtsein voraus, sondern auch gerade das Ge-
       genteil von  den Phantastereien  Sanchos. Bei  ihm ist sie weiter
       nichts als  eine Beschönigung  der bestehenden  Verhältnisse, ein
       tröstliches Balsamtröpflein  für die  arme, ohnmächtige,  in  der
       Misère miserabel gewordene Seele.
       Wie mit der "Einzigkeit" verhält es sich mit Sanchos  "U n v e r-
       g l e i c h l i c h k e i t".  Er selbst wird sich erinnern, wenn
       er nicht  ganz "verschwunden" ist "in süßer Selbstvergessenheit",
       daß die  Organisation der  Arbeit  im    "S t i r n e r s c h e n
       Verein von Egoisten" nicht nur auf der Vergleichlichkeit, sondern
       auf der   G l e i c h h e i t   der  Bedürfnisse beruhte.  Und er
       unterstellte nicht  nur gleiche Bedürfnisse, sondern auch gleiche
       Betätigung, so  daß Einer den andern in der "menschlichen Arbeit"
       ersetzen konnte.  Und das  Extrasalär des  "Einzigen", das  seine
       Erfolge krönt,  worauf beruhte  es anders, als daß seine Leistung
       mit denen  andrer  verglichen  und  wegen  ihres  Vorzugs  besser
       versilbert wurde?  Und wie  kann  Sancho  überhaupt"  von  Unver-
       gleichlichkeit sprechen,  wenn er  die praktisch verselbständigte
       Vergleichung, das   G e l d,   bestehen  läßt, sich  ihm subordi-
       niert, sich  zur Vergleichung  mit Andern an diesem Universalmaß-
       stabe messen läßt? Wie sehr er selbst also seine Unvergleichlich-
       keit Lügen  straft, ist  evident. Nichts leichter, als Gleichheit
       und Ungleichheit, Ähnlichkeit und Unähnlichkeit Reflexionsbestim-
       mungen zu  nennen. Auch  die  Unvergleichlichkeit  ist  eine  Re-
       flexionsbestimmung, welche  die  Tätigkeit  des  Vergleichens  zu
       ihrer Voraussetzung  hat. Wie  wenig die  Vergleichung eine reine
       willkürliche Reflexionsbestimmung ist, davon brauchen wir nur ein
       Beispiel anzuführen, das  G e l d,  das stehende tertium compara-
       tionis 2*) aller Menschen und Dinge.
       Übrigens kann die Unvergleichlichkeit verschiedne Bedeutungen ha-
       ben. Die einzige, die hier in Betracht kommt, die "Einzigkeit" im
       Sinne von Originalität,
       -----
       1*) [die] Aufopferung - 2*) [den stehenden] Vergleichspunkt
       
       #426# Karl Marx und Friedrich Engels
       -----
       setzt voraus, daß die Tätigkeit des unvergleichlichen Individuums
       in  einer   bestimmten  Sphäre  sich  selbst  von  der  Tätigkeit
       G l e i c h e r  unterscheidet. Unvergleichliche Sängerin ist die
       Persiani, eben weil sie  S ä n g e r i n  ist und mit andren Sän-
       gerinnen verglichen  wird, und  zwar von  Ohren, welche durch die
       auf normaler  Konstruktion und  musikalischer  Bildung  beruhende
       Vergleichung zur  Erkenntnis ihrer  Unvergleichlichkeit  befähigt
       sind. Unvergleichlich ist der Gesang der Persiani mit dem Gequake
       eines Frosches,  obgleich auch hier eine Vergleichung stattfinden
       könnte, die  aber dann  eine  Vergleichung  zwischen  Mensch  und
       Frosch, nicht  zwischen der  Persiani und  diesem einzigen Frosch
       wäre. Nur im ersten Fall ist von Vergleichung zwischen Individuen
       zu reden,  im zweiten  geht die  Vergleichung ihre  Art oder Gat-
       tungseigenschaft an. Eine dritte Art der Unvergleichlichkeit, die
       Unvergleichlichkeit des  Gesanges der  Persiani mit  dem Schwänze
       eines Kometen,  überlassen wir Sancho zu seinem "Selbstgenuß", da
       er ohnehin  am "widersinnigen  Urteil" solche  Freude  hat,  aber
       selbst diese widersinnige Vergleichung hat in der Widersinnigkeit
       der  heutigen  Verhältnisse  eine  Realität.  Das  Geld  ist  der
       gemeinsame Maßstab aller, auch der heterogensten Dinge.
       Übrigens kommt  Sanchos Unvergleichlichkeit  wieder auf  dieselbe
       Phrase hinaus  wie die  Einzigkeit. Die  Individuen sollen  nicht
       mehr an einem von ihnen unabhängigen tertium comparationis gemes-
       sen werden, sondern die Vergleichung  s o l l  zu ihrer Selbstun-
       terscheidung, id  est zur freien Entwicklung ihrer Individualität
       umschlagen, und  zwar dadurch, daß sie sich die "fixen Ideen" aus
       dem Kopf schlagen.
       Übrigens kennt Sancho nur die Literaten- und Kannegießer-Verglei-
       chung, die  zu dem  großartigen Resultate kommt, daß Sancho nicht
       Bruno und Bruno nicht Sancho ist. Die Wissenschaften dagegen, die
       erst durch die Vergleichung und die Feststellung der Unterschiede
       innerhalb der Sphären der Vergleichung zu bedeutenden Fortschrit-
       ten gekommen  sind und  in denen die Vergleichung einen allgemein
       bedeutenden Charakter  erhält, die  vergleichende Anatomie, Bota-
       nik, Sprachforschung etc., kennt er natürlich nicht.
       Große Nationen, Franzosen, Nordamerikaner, Engländer, vergleichen
       sich fortwährend  untereinander praktisch und theoretisch, in der
       Konkurrenz wie  in der  Wissenschaft. Kleinkrämer und Spießbürger
       wie die Deutschen, die die Vergleichung und Konkurrenz zu scheuen
       haben, verkriechen  sich hinter  den Schild  der Unvergleichlich-
       keit, den  ihnen ihr  philosophischer Etikettenfabrikant liefert.
       Sancho hat  nicht nur in ihrem, sondern auch in seinem eignen In-
       teresse sich alle Vergleichung verbeten.
       
       #427# Deutsche Ideologie - Das Leipziger Konzil. III. Sankt Max
       -----
       p. 415 sagt Sancho:
       
       "Es ist Keiner  M e i n e s  G l e i c h e n",
       
       und p.  408 wird  der Umgang mit "Meines Gleichen" als die Auflö-
       sung der Gesellschaft in den Verkehr dargestellt:
       
       "Es zieht  das Kind  den  V e r k e h r,  den es mit  S e i n e s
       G l e i c h e n  eingeht, der  G e s e l l s c h a f t  vor."
       
       Sancho braucht indes mitunter "Meines Gleichen" und "das Gleiche"
       überhaupt für   "D a s s e l b e",  z.B. die oben zitierte Stelle
       p. 183:
       
       "Das  G l e i c h e,  d a s s e l b e  können sie weder sein noch
       haben."
       Und hiermit  nimmt er  seine schließliche "neue Wendung", die na-
       mentlich im Kommentar verbraucht wird.
       Die Einzigkeit, die Originalität, die "eigne" Entwicklung der In-
       dividuen, die  nach Sancho z.B. bei allen "menschlichen Arbeiten"
       nicht stattfindet,  obgleich Niemand  leugnen wird, daß ein Ofen-
       setzer den Ofen nicht auf  "d i e s e l b e"  Weise setzt wie der
       andre; die "einzige" Entwicklung der Individuen, die nach demsel-
       ben Sancho  in den  religiösen, politischen  etc.  Sphären  nicht
       stattfindet (siehe  die "Phänomenologie"), obgleich Niemand leug-
       nen wird,  daß unter  Allen, die an den Islam glauben, Keiner auf
       "dieselbe" Weise  an ihn  glaubt und  sich insofern "einzig" ver-
       hält, wie  unter allen  Staatsbürgern keiner auf "dieselbe" Weise
       sich zum  Staat verhält,  schon weil   E r   es ist und nicht der
       A n d r e,  der sich verhält - die vielgerühmte "Einzigkeit", die
       so sehr  von der  "D i e s e l b i g k e i t",  der  I d e n t i-
       t ä t   d e r  P e r s o n  sich unterschied, daß Sancho in allen
       bisherigen Individuen  fast nur  "Exemplare" einer  Gattung  sah,
       löst sich also hier auf in die polizeilich konstatierte Identität
       einer Person mit sich selbst, darin, daß Ein Individuum nicht das
       Andre ist.  So schrumpft  der Weltstürmer  Sancho  zum  Schreiber
       eines Paßbüros zusammen.
       p. 184  des Kommentars  setzt er  mit vieler  Salbung und  großem
       Selbstgenuß auseinander,  daß Er  nicht davon satt wird, wenn der
       Kaiser von  Japan ißt, weil sein und des Kaisers von Japan Einge-
       weide "einzige",  "unvergleichliche Eingeweide",  id  est,  nicht
       d i e s e l b e n   seien. Wenn Sancho glaubt, hierdurch die bis-
       herigen sozialen Verhältnisse oder auch nur Naturgesetze aufgeho-
       ben zu  haben, so  ist diese  Naivetät gar zu groß und rührt bloß
       daher, daß  die Philosophen  die sozialen  Verhältnisse nicht als
       die gegenseitigen  Verhältnisse dieser mit sich identischen Indi-
       viduen und  die Naturgesetze  als die  gegenseitigen  Beziehungen
       dieser bestimmten Körper dargestellt haben.
       
       #428# Karl Marx und Friedrich Engels
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       Berühmt ist  der klassische  Ausdruck, den  Leibniz diesem  alten
       Satz (der in jedem Handbuch der Physik als Lehre von der Undurch-
       dringlichkeit der  Körper auf der ersten Seite figuriert) gegeben
       hat:
       
       "Opus tamen  est ...  ut quaelibet monas differat ab alia quacun-
       que, neque  enim unquam  dantur in  natura duo entia, quorum unum
       exasse conveniat  cum altero." 1*) ("Principia Philos[ophiae] seu
       Theses" pp.)
       
       Sanchos Einzigkeit  ist hier zu einer Qualität herabgesunken, die
       er mit jeder Laus und jedem Sandkorn teilt.
       Das größte  Dementi, mit  dem die  Philosophie enden konnte, war,
       daß sie  die Einsicht  jedes Bauerlümmels  und Polizeisergeanten,
       daß Sancho  nicht Bruno  ist, für  eine der größten Entdeckungen,
       und die Tatsache dieser Verschiedenheit für ein wahres Wunder an-
       sieht.
       So hat  sich das  "kritische Juchhe" unsres "Virtuosen im Denken"
       in ein unkritisches Miserere verwandelt.
       
                                    ---
       
       Nach allen  diesen Abenteuern segelt unser "einziger" Schildknapp
       wieder in den Hafen seiner heimischen Fronkote ein. "Das Titelge-
       spenst seines Buchs" springt ihm "jauchzend" entgegen. Ihre erste
       Frage ist, wie sich der Graue befinde.
       Besser als sein Herr, antwortet Sancho.
       Gott sei  gedankt dafür, daß er mir so viel Gutes getan hat; aber
       erzähle mir  jetzt, mein  Freund, was  hat Dir  denn Deine Knapp-
       schaft eingebracht? Was für ein neues Kleid bringst Du mir mit?
       Ich bringe Nichts der Art, antwortet Sancho, aber "das schöpferi-
       sche Nichts,  das Nichts,  aus dem  Ich selbst als Schöpfer Alles
       schaffe", das  heißt, Du  sollst mich noch sehen als Kirchenvater
       und Erzbischof  einer Insel,  und zwar  einer der besten, die man
       finden kann.
       Der Himmel  gebe das, mein Schatz, und bald, denn wir haben's nö-
       tig. Aber was ist denn das mit der Insel, ich versteh' das nicht.
       Honig ist  nichts für  das Maul  des Esels,  erwidert Sancho.  Du
       wirst das  seinerzeit sehen,  Weib. Aber  das kann  ich Dir jetzt
       schon sagen,  daß es  nichts Angenehmeres  auf der Welt gibt denn
       die Ehre,  als mit  sich einiger  Egoist und  Schildknapp von der
       traurigen Gestalt  Abenteuer zu suchen. Es ist freilich wahr, daß
       die meisten, die man findet, nicht so "ihr letztes Absehen errei-
       chen", daß  "die   m e n s c h l i c h e    Forderung  befriedigt
       wird" (tan como el
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       1*) "Mit Notwendigkeit  jedoch unterscheidet  sich jede beliebige
       Monade von  jeder anderen; denn niemals gibt es in der Natur zwei
       Wesen, die miteinander gänzlich übereinstimmen."
       
       #429# Deutsche Ideologie - Das Leipziger Konzil. III. Sankt Max
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       h o m b r e   querria 1*)),  denn von  Hunderten, die man trifft,
       pflegen neunundneunzig  schief und verzwickt abzulaufen. Ich weiß
       das aus  Erfahrung, denn aus Einigen bin ich geprellt, aus andern
       gemahlen und  gedroschen heimgegangen.  Aber bei  Alledem ist  es
       doch eine schöne Sache, denn die "einzige " Forderung wird jeden-
       falls dabei  befriedigt, wenn  man so  durch die ganze Geschichte
       vagabundiert, alle  Bücher des Berliner Lesekabinetts zitiert, in
       allen Sprachen  ein etymologisches Nachtlager hält, in allen Län-
       dern politische Fakta verfälscht, gegen alle Drachen und Strauße,
       Kobolde, Feldteufel und "Gespenster" fanfaronierende Herausforde-
       rungen erläßt,  sich mit allen Kirchenvätern und Philosophen her-
       umschlägt und  schließlich doch nur mit seinem eigenen Körper be-
       zahlt. (Vgl. Cervantes I, Cap. 52.)
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       1*) so, wie es sich der  M e n s c h  wünscht

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