Quelle: MEW 3 1845 - 1846


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       #473#
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       IV
       
       Karl Grün:
       
       "Die soziale Bewegung in Frankreich und Belgien" (Darmstadt 1845)
       oder
       Die Geschichtschreibung des wahren Sozialismus
       
       "Wahrlich, gälte  es hier  nicht, zugleich  eine ganze  Rotte  zu
       zeichnen ...  wir würden  die Feder  noch wegwerfen ... Und jetzt
       tritt sie"  (Mundts "Geschichte der Gesellschaft") "mit derselben
       Anmaßung vor  den großen Leserkreis des Publikums, des Publikums,
       das heißhungrig  nach Allem greift, was nur das Wort  s o z i a l
       an der Stirne trägt, weil ein richtiger Takt ihm sagt, welche Ge-
       heimnisse der  Zukunft in  diesem Wörtchen verborgen liegen. Dop-
       pelte Verantwortlichkeit  des Schriftstellers,  doppelte  Züchti-
       gung, wenn er unberufen ans Werk ging!"
       "Darüber wollen wir eigentlich mit Herrn Mundt nicht rechten, daß
       er  von   den  faktischen   Leistungen  der   sozialen  Literatur
       Frankreichs und  Englands durchaus  nichts weiß, als was ihm Herr
       L. Stein  verraten, dessen  Buch anerkannt  werden konnte, als es
       erschien. ...  Aber heute  noch ...  über Saint-Simon Phrasen ma-
       chen, Bazard  und Enfantin die beiden Zweige des Saint-Simonismus
       nennen, Fourier  folgen lassen,  über Proudhon  ungenügendes Zeug
       nachplappern, etc.! ... Dennoch würden wir gerne ein Auge zudrüc-
       ken, wäre mindestens die  G e n e s i s  der sozialen Ideen eigen
       und neu dargestellt."
       
       Mit dieser  hochfahrenden, rhadamantischen [178] Sentenz eröffnet
       Herr Grün  ("Neue Anekdota"  p.  122,  123)  eine  Rezension  von
       M u n d t s     -    G e s c h i c h t e    d e r    G e s e l l-
       s c h a f t".
       Wie überrascht  wird der  Leser von  dem artistischen  Talent des
       Herrn Grün sein, das unter der obigen Maske nur eine Selbstkritik
       seines eignen damals noch ungebornen Buchs versteckte.
       Herr Grün  bietet uns das amüsante Schauspiel einer Verschmelzung
       des wahren  Sozialismus mit jungdeutschem Literatentum. Das obige
       Buch ist  in Briefen  an eine  Dame geschrieben, woraus der Leser
       schon ahnt, daß hier die tiefsinnigen Götter des wahren Sozialis-
       mus mit den Rosen und Myrten der
       
       #474# Karl Marx und Friedrich Engels
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       "jungen Literatur"  bekränzt einherwandeln.  Pflücken wir  gleich
       einige Rosen:
       
       "Die Carmagnole  sang sich  selbst in  meinem Kopfe  ... auf alle
       Fälle aber bleibt es schrecklich, daß die Carmagnole im Kopfe ei-
       nes deutschen  Schriftstellers, wenn  nicht vollständig logieren,
       so doch ein Frühstück nehmen darf." p. 3.
       "Hätte ich  den alten  Hegel hier,  ich packte ihn bei den Ohren:
       Was, die  Natur wäre  das Anderssein  des Geistes? Was, Er Nacht-
       wächter?" p. 11.
       "Brüssel stellt  gewissermaßen den  französischen Konvent dar: es
       hat eine Bergpartie und eine Partie des Tales." p. 24.
       "Die Lüneburger Heide der Politik." p. 80.
       "Bunte, poetische,  inkonsequente, phantastische  Chrysalide." p.
       82.
       "Den Liberalismus  der Restauration,  den bodenlosen  Kaktus, der
       sich als  Schmarotzerpflanze um  die Bänke  der Deputiertenkammer
       wand." p. 87, 88.
       Daß der  Kaktus weder  "bodenlos" noch  eine "Schmarotzerpflanze"
       ist, tut  diesem schönen Bilde ebensowenig Abbruch, wie dem vori-
       gen, daß  es weder  "bunte" noch "poetische" noch "inkonsequente"
       "Chrysaliden" oder Puppen gibt.
       
       "Ich selbst  aber komme mir mitten in diesem Gewoge" (der Zeitun-
       gen und  Zeitungsschreiber im  Cabinet Montpensier)  "vor wie ein
       zweiter Noah, der seine Tauben aussendet, ob sich irgendwo Hütten
       oder Reben  bauen lassen,  ob es  möglich sei,  mit den erzürnten
       Göttern einen räsonnablen Vertrag abzuschließen." p. 259.
       
       Herr Grün spricht hier wohl von seiner Tätigkeit als Zeitungskor-
       respondent.
       
       "Camille Desmoulins  war ein   M e n s c h.  Die Konstituante be-
       stand aus   P h i l i s t e r n.    Robespierre  war  ein    t u-
       g e n d h a f t e r   M a g n e t i s e u r.  Die neue Geschichte
       ist mit einem Wort der Kampf auf Tod und Leben wider die Épiciers
       1*) und die Magnetiseure!!!" p. 311.
       "Das Glück  ist ein  Plus, aber  ein Plus in der xten Potenz." p.
       203.
       
       Also das  Glück =  + x, eine Formel, die sich nur in der ästheti-
       schen Mathematik des Herrn Grün findet.
       
       "Die Organisation der Arbeit, was ist sie? Und die Völker antwor-
       teten der Sphinx mit tausend Zeitungsstimmen ... Frankreich singt
       die Strophe,  Deutschland die  Antistrophe,  das  alte  mystische
       Deutschland." p. 259.
       "Nordamerika ist  mir sogar widerwärtiger als die alte Welt, weil
       dieser Egoismus der Krämerwelt die rote Farbe einer impertinenten
       Gesundheit trägt ... weil dort Alles so oberflächlich, so wurzel-
       los, fast  möchte ich  sagen so  k l e i n s t ä d t i s c h  ist
       ... Ihr nennt Amerika die neue Welt; es ist die älteste von allen
       alten, unsre  abgetragenen Kleider  machen dort  Parade." p. 101,
       324.
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       1*) "Krämer
       
       #475# Dt. Ideologie - Der wahre Sozialismus. IV. Karl Grün
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       Bisher wußte  man nur,  daß die  ungetragenen deutschen  Strümpfe
       dort getragen  werden, obwohl  sie zum "Parademachen" zu schlecht
       sind.
       
       "Der logisch feste Garantismus dieser Institutionen." p. 461.
       Wen solche Blüten nicht erfreun,
       Verdienet nicht, ein "Mensch" zu sein! [179]
       
       Welch graziöser Mutwille! Welche schnippische Naivetät! Welch he-
       roisches Durchwühlen durch die Ästhetik! Welche Heinesche Noncha-
       lance und Genialität!
       Wir haben  den Leser getäuscht. Herrn Grüns Belletristik schmückt
       nicht die  Wissenschaft des  wahren Sozialismus, sondern die Wis-
       senschaft ist nur die Ausfüllung zwischen diesen belletristischen
       Schwätzereien. Sie bildet sozusagen ihren "sozialen Hintergrund".
       In einem Aufsatze des Herrn Grün: "Feuerbach und die Socialisten"
       ("Deutsches Bürgerbuch", p. 74) findet sich folgende Äußerung:
       
       "Wenn man  Feuerbach  n e n n t,  so hat man die ganze Arbeit der
       Philosophie genannt  von Baco  von Verulam  bis heute, so hat man
       zugleich gesagt,  was die Philosophie in letzter Instanz will und
       bedeutet, so  hat man  d e n  M e n s c h e n  als letztes Ergeb-
       nis der Weltgeschichte. Dabei geht man  s i c h e r e r,  w e i l
       g r ü n d l i c h e r,   zu Werke,  als wenn man den Arbeitslohn,
       die Konkurrenz,  die Mangelhaftigkeit der Konstitutionen und Ver-
       fassungen aufs Tapet bringt ... Wir haben  d e n  M e n s c h e n
       gewonnen, den  Menschen, der  sich der Religion, der toten Gedan-
       ken, alles ihm fremden Wesens mit allen Übersetzungen in der Pra-
       xis entledigt hat, den  r e i n e n,  w a h r h a f t e n  M e n-
       s c h e n."
       
       Dieser  Eine   Satz  klärt  vollständig  auf  über  die  Art  von
       "Sicherheit" und "Gründlichkeit", welche bei Herrn Grün zu suchen
       ist. Auf  kleine Fragen  läßt er sich nicht ein. Ausgestattet mit
       dem ungetrübten  Glauben an  die Resultate der deutschen Philoso-
       phie, wie sie in Feuerbach niedergelegt sind, nämlich daß  "d e r
       M e n s c h",   der "reine,  wahrhafte Mensch",  das Endziel  der
       Weltgeschichte sei,  daß die  Religion das entäußerte menschliche
       Wesen sei,  daß das  menschliche Wesen  das menschliche Wesen und
       der Maßstab  aller Dinge sei; ausgestattet mit den weiteren Wahr-
       heiten des deutschen Sozialismus (siehe oben), daß auch das Geld,
       die Lohnarbeit  pp. Entäußerungen  des menschlichen Wesens seien,
       daß der  deutsche Sozialismus  die Verwirklichung  der  deutschen
       Philosophie und  die theoretische Wahrheit des auswärtigen Sozia-
       lismus und Kommunismus sei pp. - reist Herr Grün nach Brüssel und
       Paris mit der ganzen Selbstgefälligkeit des wahren Sozialismus.
       Die gewaltigen  Posaunenstöße des  Herrn Grün zum Lobe des wahren
       Sozialismus und der deutschen Wissenschaft übertreffen Alles, was
       von seinen übrigen Glaubensgenossen in dieser Beziehung geliefert
       ist. Was den wahren
       
       #476# Karl Marx und Friedlich Engels
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       Sozialismus angeht,  so kommen  diese Lobpreisungen  offenbar von
       Herzen. Herrn  Grüns Bescheidenheit erlaubt ihm nicht, einen ein-
       zigen Satz  auszusprechen, den nicht schon ein anderer wahrer So-
       zialist vor  ihm in  den "Einundzwanzig  Bogen", dem "Bürgerbuch"
       und den "Neuen Anekdotis" geoffenbart hatte. Ja, sein ganzes Buch
       hat keinen  andren Zweck, als ein in den "Einundzwanzig Bogen" p.
       74-88 von Heß gegebenes Konstruktionsschema der französischen so-
       zialen Bewegung  auszufüllen und  damit einem  ebendaselbst p. 88
       ausgesprochenen Bedürfnis  zu entsprechen [180]. Was aber die Lo-
       beserhebungen der  deutschen Philosophie angeht, so muß diese sie
       ihm um so höher anrechnen, je weniger er sie kennt. Der National-
       stolz der  wahren Sozialisten,  der Stolz auf Deutschland als das
       Land "des Menschen", des "Wesens des Menschen", gegenüber den an-
       dern profanen Nationalitäten erreicht bei ihm seinen Gipfelpunkt.
       Wir geben gleich einige Proben davon:
       
       "Ich möchte  doch wissen,  ob sie  nicht Alle erst von uns lernen
       müssen, Franzosen  und Engländer, Belgier und Nordamerikaner." p.
       28.
       
       Dies wird jetzt ausgeführt.
       
       "Die  N o r d a m e r i k a n e r  kommen mir grundprosaisch vor,
       und   d e n   S o z i a l i s m u s  sollen sie wohl, trotz aller
       ihrer gesetzlichen Freiheit, erst von uns kennenlernen." p. 101.
       
       Besonders seitdem sie seit 1829 eine eigne sozialistisch-demokra-
       tische Schule  haben, die  ihr Nationalökonom Cooper bereits 1830
       bekämpfte.
       
       "Die  b e l g i s c h e n  DemokratenI Glaubst Du wohl, sie wären
       h a l b   s o   w e i t   als wir Deutsche ? Habe ich mich wieder
       mit Einem  herumbalgen müssen,  der die   R e a l i s i e r u n g
       d e s   f r e i e n   M e n s c h e n t u m s   für eine  Chimäre
       hält!" p. 28.
       
       Hier macht  sich die Nationalität "des Menschen", des "Wesens des
       Menschen", des  "Menschentums" breit gegenüber der belgischen Na-
       tionalität.
       
       "Ihr   F r a n z o s e n,   laßt den  Hegel in  Ruhe, bis Ihr ihn
       versteht." (Wir  glauben, daß  die sonst sehr schwache Kritik der
       Rechtsphilosophie von  Lerminier [181] mehr Einsicht in Hegel be-
       weist als  irgend etwas,  was Herr Grün, sei es unter eigenem Na-
       men, sei  es qua  1*) "Ernst  von der  Haide"  geschrieben  hat.)
       "Trinkt einmal  ein Jahr lang keinen Kaffee, keinen Wein; erhitzt
       Euer Gemüt  durch keine  aufregende Leidenschaft; laßt den Guizot
       regieren und  Algier unter  die Herrschaft  Marokkos kommen" (wie
       sollte Algier  je unter  die Herrschaft  Marokkos kommen,  selbst
       wenn die  Franzosen es  aufgäben!); "sitzt auf einer Mansarde und
       studiert die  'Logik' nebst  der 'Phänomenologie .. Wenn Ihr dann
       endlich nach  Jahresfrist mager  und mit rotangelaufenen Augen in
       die Straßen  hinabsteigt und  meinetwegen über  den ersten  Dandy
       oder öffentlichen  Ausrufer stolpert,  laßt Euch das nicht irren.
       Denn Ihr  seid mittlerweile große und mächtige Menschen geworden,
       Euer Geist  gleicht einem  Eichbaum, den wundertätige" (!) "Säfte
       ernährten;
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       1*) als
       
       #477# Dt. Ideologie - Der wahre Sozialismus. IV. Karl Grün
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       was Ihr anseht, das enthüllt Euch seine geheimsten Schwächen; Ihr
       dringt als  erschaffne Geister  dennoch ins Innre der Natur; Euer
       Blick ist  tötend, Euer  Wort versetzt  Berge, Eure Dialektik ist
       schärfer als  die schärfste Guillotine. Ihr stellt Euch ans Hotel
       de Ville - und die Bourgeoisie ist gewesen, Ihr tretet ans Palais
       Bourbon [182]  - und  es zerfällt,  seine ganze Deputiertenkammer
       löst sich in das nihilum album 1*) auf, Guizot verschwindet, Lud-
       wig Philipp erblaßt zum geschichtlichen Schemen, und aus all die-
       sen zugrunde gegangnen Momenten erhebt sich siegesstolz die abso-
       lute Idee  der freien  Gesellschaft. Ohne Scherz, den Hegel könnt
       Ihr nur  bezwingen, wenn  Ihr selbst vorher Hegel werdet. Wie ich
       schon oben sagte: Moors Geliebte kann nur durch Moor sterben." p.
       115, 116.
       
       Der belletristische  Duft, der diese Sätze des wahren Sozialismus
       umgibt, wird  Jedermann m  die Nase  steigen. Herr Grün, wie alle
       wahren Sozialisten,  vergißt nicht,  das alte  Geschwätz von  der
       Oberflächlichkeit der Franzosen wieder vorzubringen:
       
       "Bin ich  doch dazu  verdammt, den  französischen Geist jedesmal,
       wenn ich  ihn in  der Nähe  habe, ungenügend und oberflächlich zu
       finden." p. 371.
       
       Herr Grün  verheimlicht es uns nicht, daß sein Buch dazu bestimmt
       ist, den  deutschen Sozialismus  als die Kritik des französischen
       zu verherrlichen:
       
       "Der Pöbel  der deutschen  Tagesliteratur hat  unsren sozialisti-
       schen Bestrebungen nachgesagt, sie seien die Nachahmung französi-
       scher Verkehrtheiten.  Es hat bis jetzt Niemand der Mühe wert ge-
       halten, nur  eine Silbe darauf zu erwidern. Dieser Pöbel muß sich
       schämen -  besitzt er  anders noch Schamgefühl -, wenn er  d i e-
       s e s  B u c h  liest. Das hat er sich wohl nicht träumen lassen,
       daß der   d e u t s c h e   S o z i a l i s m u s   d i e  K r i-
       t i k   d e s   f r a n z ö s i s c h e n    ist,  daß  er,  weit
       entfernt, die Franzosen für Erfinder des neuen Contrat social 2*)
       zu halten,  vielmehr die  Forderung  an  sie  stellt,  sich  erst
       d u r c h   d i e   d e u t s c h e  W i s s e n s c h a f t  z u
       e r g ä n z e n?   In diesem  Augenblick wird  hier in  Paris die
       Herausgabe einer  Übersetzung von Feuerbachs 'Wesen des Christen-
       thums' veranstaltet.  Wohl bekomme  den  Franzosen  die  deutsche
       Schule! Was  auch aus  der ökonomischen  Lage des Landes, aus der
       Konstellation   der   hiesigen   Politik   entstehe,   zu   einem
       m e n s c h l i c h e n Leben  in der Zukunft befähigt einzig die
       humanistische Weltanschauung.  Das unpolitische,  verworfne  Volk
       der Deutschen,  dies Volk,  welches gar  kein Volk  ist, wird den
       Eckstein gelegt haben zum Bau der Zukunft." p. 353.
       
       Allerdings, "was  aus der ökonomischen Lage und der Konstellation
       der Politik" in einem Lande "entsteht", braucht ein wahrer Sozia-
       list bei  seinem vertrauten  Umgange mit dem "Wesen des Menschen"
       nicht zu wissen.
       Herr Grün  als Apostel  des wahren Sozialismus begnügt sich nicht
       damit, gleich  seinen Mitaposteln  der Unwissenheit andrer Völker
       die Allwissenheit  der Deutschen stolz entgegenzuhalten. Er nimmt
       seine alte Literatenpraxis
       -----
       1*) graue Nichts - 2*) Gesellschaftsvertrag
       
       #478# Karl Marx und Friedrich Engels
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       zu Hülfe,  erdrängt sich den Repräsentanten der verschiedenen so-
       zialistischen, demokratischen und kommunistischen Parteien in der
       verrufensten Weltfahrer-Manier  auf, und nachdem er sie von allen
       Seiten beschnüffelt  hat, tritt  er ihnen  als Apostel des wahren
       Sozialismus entgegen.  Er hat sie nur noch zu belehren, ihnen die
       tiefsten Aufschlüsse  über das freie Menschentum mitzuteilen. Die
       Überlegenheit  des   wahren   Sozialismus   über   die   Parteien
       Frankreichs verwandelt sich hier in die persönliche Überlegenheit
       des Herrn  Grün gegenüber  den  Repräsentanten  dieser  Parteien.
       Schließlich bietet  dies dann  auch Gelegenheit,  nicht  nur  die
       französischen Parteichefs  als Piedestal des Herrn Grün dienen zu
       lassen, sondern  auch noch eine Masse von Klatschereien anzubrin-
       gen und so den deutschen Kleinstädter für die Anstrengung zu ent-
       schädigen, die  ihm die inhaltvolleren Sätze des wahren Sozialis-
       mus verursacht haben.
       
       "K a t s   verzog sein  ganzes Gesicht zu einer plebejischen Hei-
       terkeit, als ich ihm meine hohe Zufriedenheit mit seiner Rede be-
       zeugte." p. 50.
       
       Herr Grün  erteilt Kats auch sogleich Unterricht über den franzö-
       sischen Terrorismus  und "war  so glücklich, meinem neuen Freunde
       Beifall abzugewinnen", p. 51.
       Ganz anders bedeutsam wirkt er auf  P r o u d h o n:
       
       "Ich hatte  das unendliche  Vergnügen, gewissermaßen  der  P r i-
       v a t d o z e n t   des Mannes zu werden, dessen Scharfsinn viel-
       leicht seit Lessing und Kant nicht überboten wurde." p. 404.
       
       L o u i s   B l a n c  ist nur "sein schwarz Jüngelchen". p. 314.
       
       "Er frug sehr wißbegierig, aber zugleich sehr unwissend, nach un-
       sren Zuständen.  Wir Deutsche kennen" (?) "die französischen fast
       so gut  wie die  Franzosen selbst; wenigstens studieren" (?) "wir
       sie." p. 315.
       
       Und über  den "Papa   C a b e t"  erfahren wir, daß er "borniert"
       ist. p. 382. Herr Grün legt ihm "Fragen" vor, von denen Cabet
       
       "gestand, daß  er sie nicht gerade approfondiert hätte. Das hatte
       i c h"  (Grün) "längst gemerkt, und da hörte natürlich Alles auf,
       um so  mehr, als  mir einfiel,  daß Cabets Mission eine längst in
       sich abgeschlossene sei." p. 38!.
       
       Wir werden  später sehen,  wie Herr  Grün  dem  Cabet  eine  neue
       "Mission" zu geben gewußt hat.
       Wir heben zunächst das Schema und die paar überkommenen allgemei-
       nen Gedanken hervor, die das Gerippe des Grünschen Buches bilden.
       Beides ist abgeschrieben von Heß, den Herr Grün überhaupt auf die
       großartigste Weise  paraphrasiert. Sachen, die schon bei Heß ganz
       unbestimmt und
       
       #479# Dt. Ideologie - Der wahre Sozialismus. IV. Karl Grün
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       mystisch sind,  die aber im Anfange "in den "Einundzwanzig Bogen"
       "anzuerkennen waren und nur durch ihre ewige Wiederaufdrängung im
       "Bürgerbuch", den  "Neuen Anekdotis" und den "Rheinischen Jahrbü-
       chern" zu einer Zeit, wo sie bereits antiquiert waren, langweilig
       und reaktionär geworden sind - diese Sachen werden bei Herrn Grün
       vollends Unsinn.
       Heß synthetisiert  die Entwicklung  des französischen Sozialismus
       mit der  Entwicklung der  deutschen Philosophie - Saint-Simon mit
       Schelling, Fourier  mit Hegel,  Proudhon mit Feuerbach. Vgl. z.B.
       "Einundzwanzig] Bogen",  p. 78,  79, 326, 327, "Neue Anekd[ota]",
       p. 194,  195, 196,  202 seqq.  (Parallele zwischen  Feuerbach und
       Proudhon. Z.B.  Heß: "Feuerbach  ist der  deutsche Proudhon" pp.,
       "N[eue] A[nekdota]", p. 202. Grün: "Proudhon ist der französische
       Feuerbach", p.  404.) -  Dieser Schematismus  mit der Ausführung,
       die Heß  ihm gibt,  bildet den  ganzen inneren  Zusammenhang  des
       Grünschen Buchs.  Nur daß  Herr Grün nicht verfehlt, die Heßschen
       Sätze belletristisch anzustreichen. Ja selbst offenbare Schnitzer
       von Heß,  z. B. daß theoretische Entwicklungen den "sozialen Hin-
       tergrund" und  die "theoretische  Basis"  praktischer  Bewegungen
       bilden (z.  B. "N. An.", p. 192), schreibt Herr Grün getreulichst
       nach. (Z.B. Grün, p. 264: "Der soziale Hintergrund, den die poli-
       tische Frage  des achtzehnten  Jahrhunderts  hatte  ...  war  das
       gleichzeitige Produkt  beider philosophischen  Richtungen" -  der
       Sensualisten und Deisten.) Ebenso die Meinung, man brauche Feuer-
       bach nur praktisch zu machen, ihn nur aufs soziale Leben anzuwen-
       den, um  die vollständige  Kritik der bestehenden Gesellschaft zu
       geben. Nimmt  man noch die sonstige Kritik des französischen Kom-
       munismus und  Sozialismus durch  Heß hinzu,  z. B.  daß "Fourier,
       Proudhon pp. nicht über die Kategorie der Lohnarbeit hinausgekom-
       men sind",  "Bürgerbuch", p.  40 u.a.,  daß "Fourier die Welt mit
       neuen Assoziationen  des Egoismus beglücken möchte", "N. Anekd.",
       p. 196,  daß "selbst  die radikalen  franz[ösischen]  Kommunisten
       noch nicht  über den  Gegensatz von Arbeit und Genuß hinaus sind,
       sich noch nicht zu der  E i n h e i t  v o n  P r o d u k t i o n
       u n d   K o n s u m t i o n   pp. erhoben haben", "Bürgerb[uch]",
       p. 43,  daß "die  Anarchie die  Negation des Begriffs der politi-
       schen Herrschaft  ist", "Einundzwanzig Bogen", p. 77 ppp., so hat
       man die  ganze Kritik  der Franzosen  durch Herrn Grün in der Ta-
       sche, ebensogut  wie Herr  Grün sie  bereits in der Tasche hatte,
       ehe er  nach Paris ging. Außer dem Obengenannten erleichtern dann
       noch einige  in Deutschland  traditionell  zirkulierende  Phrasen
       über Religion, Politik, Nationalität, menschlich und unmenschlich
       ppp., Phrasen, die von den Philosophen auf die wahren Sozialisten
       übergegangen sind, Herrn Grün den Rechnungsabschluß mit den fran-
       zösischen Sozialisten  und Kommunisten.  Er hat  nur überall nach
       "d e m  M e n s c h e n"  und dem
       
       #480# Karl Marx und Friedrich Engels
       -----
       Worte menschlich  zu suchen  und zu  verdammen, wo  er dies nicht
       findet. Z.B.:  "Du bist  politisch, Du bist borniert", p. 283. In
       ähnlicher Weise  kann Herr  Grün dann ausrufen: Du bist national,
       religiös, nationalökonomisch,  Du hast einen Gott - Du bist nicht
       menschlich, Du  bist borniert,  wie er  dies im ganzen Buche tut.
       Womit natürlich  Politik, Nationalität,  Religion  pp.  gründlich
       kritisiert und  zugleich die  Eigentümlichkeit der  gerade kriti-
       sierten Schriftsteller und ihr Zusammenhang mit der gesellschaft-
       lichen Entwicklung hinreichend beleuchtet sind.
       Man sieht schon hieraus, daß das Grünsche Machwerk weit unter dem
       Buche von  S t e i n  steht, der wenigstens versuchte, den Zusam-
       menhang der sozialistischen Literatur mit der wirklichen Entwick-
       lung der französischen Gesellschaft darzustellen. Es bedarf indes
       kaum der  Erwähnung, daß  Herr Grün  sowohl im vorliegenden Buche
       wie in den "Neuen Anekdotis" mit der größten Vornehmheit auf sei-
       nen Vorgänger herabsieht.
       Aber hat Herr Grün wenigstens die ihm von Heß und Andern überlie-
       ferten Sachen richtig kopiert? Hat er innerhalb seines höchst un-
       kritisch auf Treu und Glauben angenommenen Schemas wenigstens das
       nötige Material  niedergelegt, hat er eine richtige und vollstän-
       dige Darstellung  der  einzelnen  sozialistischen  Schriftsteller
       nach den Quellen gegeben? Dies sind doch wahrlich die niedrigsten
       Forderungen, die man an den Mann stellen kann, von dem Nordameri-
       kaner und  Franzosen, Engländer  und Belgier zu lernen haben, der
       der Privatdozent Proudhons war und jeden Augenblick auf die deut-
       sche Gründlichkeit gegenüber den oberflächlichen Franzosen pocht.
       
       Saint-Simonismus
       
       Von der  ganzen  saint-simonistischen  Literatur  hat  Herr  Grün
       k e i n   e i n z i g e s   B u c h   in der  Hand gehabt.  Seine
       Hauptquellen sind: vor Allem der vielverachtete  L o r e n z  1*)
       S t e i n,   ferner die  Hauptquelle Steins,   L.   R e y b a u d
       [183] (wofür  er p.  260 an  Herrn Reybaud ein Exempel statuieren
       will und  ihn einen Philister nennt; er stellt sich auf derselben
       Seite, als sei ihm Reybaud erst lange, nachdem er die Saint-Simo-
       nisten abgefertigt, ganz zufällig in die Hände geraten) und stel-
       lenweise   L.  B l a n c.  Wir werden den Beweis ganz direkt lie-
       fern.
       Vergleichen wir zuerst, was Herr Grün über das Leben Saint-Simons
       selbst sagt.
       -----
       1*) im Original: Ludwig
       
       #481# Dt. Ideologie - Der wahre Sozialismus. IV. Karl Grün
       -----
       Die Hauptquellen  für das  Leben Saint-Simons  sind die Fragmente
       seiner Selbstbiographie in den OEuvres de Saint-Simon, publiziert
       von Olinde  Rodrigues, und  dem "Organisateur"  [184] vom 19. Mai
       1830. Wir  haben hier  also sämtliche Aktenstücke vor uns: 1. die
       Originalquellen, 2.  Reybaud, der  sie auszog, 3. Stein, der Rey-
       baud benutzte, 4. die belletristische Ausgabe von Herrn Grün.
       Herr Grün:
       
       "Saint-Simon kämpft  den Befreiungskampf der Amerikaner mit, ohne
       ein besondres  Interesse am Kriege selbst zu haben; es  f ä l l t
       i h m   e i n,   man könne  die   b e i d e n   großen   W e l t-
       m e e r e  verbinden." p. 84.
       
       S t e i n,  p. 143:
       
       "Zuerst trat  er in  den militärischen  Dienst...  und  ging  mit
       Bouillé nach Amerika ... In diesem Krieg, dessen Bedeutung er üb-
       rigens wohl  begriff ...  der Krieg  a l s  s o l c h e r,  sagte
       er, interessierte  mich nicht,  nur der Zweck dieses Kriegs etc."
       ... "Nachdem  er vergebens versucht, den Vizekönig von Mexiko für
       einen großen  Kanalbau zur  Verbindung der  b e i d e n  W e l t-
       m e e r e  zu interessieren."
       
       R e y b a u d,  p. 77:
       
       "Soldat de  l'indépendance américaine, il servait sous Washington
       ... la  guerre, en  elle-même, ne m'intéressait pas, dit-il; mais
       le seul  but de  la guerre m'intéressait vivement, et cet intérêt
       m'en faisait supporter les travaux sans répugnance." 1*)
       
       Herr Grün schreibt nur ab, daß Saint-Simon "kein besondres Inter-
       esse am  Kriege selbst"  hatte, läßt aber die Pointe aus, nämlich
       sein Interesse für den Zweck dieses Kriegs.
       Herr Grün  läßt ferner  weg, daß Saint-Simon seinen Plan beim Vi-
       zekönig habe  durchsetzen wollen,  und reduziert  ihn dadurch auf
       einen bloßen  "Einfall". Er  läßt ebenfalls fort, weil Stein dies
       nur durch  die Jahreszahl  andeutet, daß Saint-Simon dies erst "à
       la paix" 2*) tat.
       
       Herr  G r ü n  fährt unmittelbar fort:
       
       "S p ä t e r"   (wann?)   "e n t w i r f t   er den Plan zu einer
       französisch-holländischen Expedition nach dem englischen Indien."
       (ibid).
       
       S t e i n:
       
       "Er reiste 1785 nach Holland, um eine vereinigte französisch-hol-
       ländische Expedition  gegen die  englischen Kolonien in Indien zu
       e n t w e r f e n."  p. 143.
       -----
       1*) "Als Soldat der amerikanischen Unabhängigkeitsbewegung diente
       er unter  Washington ...  der  Krieg  selbst  interessierte  mich
       nicht, sagte  er, sondern  einzig der  Zweck des Krieges interes-
       sierte mich  lebhaft, und  dieses Interesse  ließ mich  seine Be-
       schwernisse ohne Widerwillen ertragen." - 2*) im Frieden
       
       #482# Karl Marx und Friedrich Engels
       -----
       Stein erzählt hier falsch und Grün kopiert getreu. Nach Saint-Si-
       mon selbst  hatte der  Herzog von  La Vauguyon die Generalstaaten
       bestimmt, eine vereinigte Expedition mit Frankreich nach den eng-
       lischen Kolonien  in Indien  zu unternehmen. Von sich selbst sagt
       er nur, daß er, "während eines Jahres die Ausführung dieses Plans
       b e t r i e b e n"  (poursuivi) habe.
       
       H e r r  G r ü n:
       
       "In Spanien  w i l l    e r  einen  Kanal  von  Madrid  ins  Meer
       g r a b e n."  (ibid.)
       
       Saint-Simon will  einen  K a n a l  g r a b e n,  welcher Unsinn!
       Vorhin   f i e l   i h m  e i n,  jetzt  w i l l  e r.  Grün ver-
       fälscht hier  das Faktum,  nicht weil  er, wie oben, den Stein zu
       getreu, sondern weil er ihn zu oberflächlich abschreibt.
       
       S t e i n,  p. 144:
       
       "1786 nach  Frankreich zurückgekehrt,  ging er schon im folgenden
       Jahr nach  Spanien, um dem Gouvernement einen Plan zur Vollendung
       eines Kanals von Madrid bis zum Meere vorzulegen."
       
       Herr Grün  konnte bei  raschem Lesen  sich seinen obigen Satz aus
       dem Steinschen  abstrahieren, weil  es bei  Stein wenigstens  den
       Schein hat,  als sei der Bauplan und die Idee des ganzen Projekts
       von Saint-Simon  ausgegangen, während  dieser nur  einen Plan zur
       Beseitigung der  bei dem längst begonnenen Kanalbau eingetretenen
       finanziellen Schwierigkeiten entwarf.
       
       R e y b a u d:
       
       "Six ans plus tard il proposa au gouvernement espagnol un plan de
       canal qui devait établir une ligne navigable de Madrid à la mer."
       1*) p. 78.
       
       Derselbe Irrtum wie bei Stein.
       S a i n t - S i m o n,  p. XVII:
       
       "Le gouvernement  espagnol avait  entrepris un  canal qui  devait
       faire communiquer  Madrid à  la mer; cette entreprise languissait
       parce que  ce gouvernement manquait d'ouvriers et d'argent; je me
       concertai avec  M. le comte de Cabarrus, aujourd'hui ministre des
       finances, et  nous présentâmes au gouvernement le projet suivant"
       2*) etc.
       
       H e r r  G r ü n:
       
       "In Frankreich spekuliert er  a u f  Nationalgüter."
       -----
       1*) "Sechs Jahre später unterbreitete er der spanischen Regierung
       den Plan  eines Kanals,  der eine  schiffbare Verbindung zwischen
       Madrid und  dem Meer herstellen sollte." - 2*) "Die spanische Re-
       gierung hatte  den Bau  eines Kanals  unternommen, der Madrid mit
       dem Meere  verbinden sollte;  dieses Unternehmen stockte, weil es
       der Regierung an Arbeitern und Geld fehlte; ich verständigte mich
       mit dem  Grafen Cabarrus,  dem heutigen  Finanzminister, und  wir
       legten der Regierung folgendes Projekt vor"
       
       #483# Dt. Ideologie - Der wahre Sozialismus. IV. Karl Grün
       -----
       S t e i n  schildert erst Saint-Simons Stellung während der Revo-
       lution und kommt dann auf seine Spekulation in Nationalgütern, p.
       144 seqq.  Woher aber  Herr Grün  den  unsinnigen  Ausdruck  hat:
       "a u f   Nationalgüter spekulieren",  statt  i n  Nationalgütern,
       auch hierüber  können wir  dem Leser  durch Vorlage des Originals
       Aufklärung geben:
       R e y b a u d,  p. 78:
       
       "Revenu à Paris, il tourna son activité vers des spéculations, et
       trafiqua sur les domaines nationaux." 1*)
       
       Herr Grün  stellt seinen  obigen Satz  ohne alle Motivierung hin.
       Man erfährt gar nicht, weshalb Saint-Simon in Nationalgütern spe-
       kulierte und  weshalb dies  an sich triviale Faktum von Bedeutung
       in seinem  Leben ist.  Herr Grün  findet nämlich überflüssig, aus
       Stein und  Reybaud abzuschreiben,  daß Saint-Simon  eine  wissen-
       schaftliche Schule und ein großes industrielles Etablissement als
       Experimente gründen  und sich das dazu nötige Kapital durch diese
       Spekulationen verschaffen  wollte. Saint-Simon  motiviert  selbst
       seine Spekulationen hierdurch. (OEuvres, p. XIX.)
       H e r r  G r ü n:
       
       "Er heiratet,  um die Wissenschaft bewirten zu können, um das Le-
       ben der  Menschen zu erproben, um sie psychologisch auszusaugen."
       (ibid.)
       
       Herr Grün  überspringt hier  plötzlich eine der wichtigsten Peri-
       oden Saint-Simons, die seiner naturwissenschaftlichen Studien und
       Reisen.  Was  heißt  das,  heiraten,  um    d i e    W i s s e n-
       s c h a f t   z u   b e w i r t e n,  heiraten, um  d i e  M e n-
       s c h e n   (die man  nicht heiratet)  psychologisch  auszusaugen
       pp.? Die  ganze Sache  ist die:  Saint-Simon heiratete, um Salons
       halten und  dort unter  Andern auch  die Gelehrten  studieren  zu
       können.
       S t e i n  drückt dies so aus, p. 149:
       
       "Er verheiratet  sich 1801  ... Ich  habe die Ehe benutzt, um die
       Gelehrten zu studieren." (Vgl. Saint-Simon, p. 23.)
       
       Jetzt, durch  Vergleichung des Originals, wird Herrn Grüns Unsinn
       verständlich und erklärlich.
       Das "psychologische  Aussaugen der   M e n s c h e n"   reduziert
       sich bei  Stein und  Saint-Simon selbst  auf die  Beobachtung der
       G e l e h r t e n     im  gesellschaftlichen  Leben.  Saint-Simon
       wollte,  'ganz   im  Zusammenhange   mit  seiner  sozialistischen
       Grundansicht, den Einfluß der Wissenschaft auf die Persönlichkeit
       der Gelehrten und auf ihr Verhalten im gewöhnlichen Leben
       -----
       1*) "Nach Paris zurückgekehrt, wandte er seine Tätigkeit Spekula-
       tionen zu  und spekulierte  in Nationalgütern."  (sur ist  in den
       meisten anderen Verbindungen mit  a u f  zu übersetzen.)
       
       #484# Karl Marx und Friedrich Engels
       -----
       kennenlernen. Bei  Herrn Grün verwandelt sich dies in einen sinn-
       losen, unbestimmten, romanhaften Einfall.
       H e r r  G r ü n:
       
       "Er wird  arm" (wie, wodurch?), "kopiert  i n  e i n e m  Lombard
       für tausend  Franken Jahrgehalt  - er,  der Graf,  der  Sprößling
       Karls des  Großen;   d a n n"  (wann und warum?) "lebt er von der
       Gnade  eines   ehemaligen  Dieners;  später"  (wann  und  warum?)
       "versucht er  sich zu  erschießen, wird  gerettet und beginnt ein
       neues Leben  des Studiums und der Propaganda. Jetzt erst schreibt
       er seine  b e i d e n  H a u p t w e r k e."
       
       "Er wird" - "dann" - "später" - "jetzt" sollen bei Herrn Grün die
       Chronologie und  den  Zusammenhang  der  einzelnen  Lebensmomente
       Saint-Simons ersetzen.
       Stein, p. 156, 157:
       
       "Dazu kam  ein neuer  und furchtbarer Feind, die allmählich immer
       drückender werdende  äußere Not ... Nach sechs Monaten peinlichen
       Harrens wird  ... ihm eine Stelle -" (auch den Gedankenstrich hat
       Herr Grün  von Stein,  nur daß  er so pfiffig war, ihn hinter den
       Lombard zu  stellen) "als  Kopist  i m  Lombard" (nicht, wie Herr
       Grün pfiffigerweise  ändert, "in   e i n e m  Lombard", da es be-
       kanntlich in  Paris nur  den   e i n e n,   öffentlichen  Lombard
       gibt) "mit  tausend Franken Jahrgehalt. Wunderbarer Glückswechsel
       jener Zeiten!  Der Enkel  des berühmten  Höflings an Ludwigs XIV.
       Hofe, der Erbe einer Herzogskrone, eines mächtigen Vermögens, ein
       geborner Pair  von Frankreich und Grande von Spanien, Kopist  i n
       e i n e m  Lombard!"
       
       Hier erklärt sich Herrn Grüns Versehen mit dem Lombard; hier, bei
       Stein, ist  der Ausdruck  am Orte.  Um sich  auch sonst  noch von
       Stein zu  unterscheiden, nennt  Herr Grün  Saint-Simon nur "Graf"
       und "Sprößling  Karls des  Großen". Letzteres hat er von Stein p.
       142, Reybaud p. 77, die indes so klug sind, zu sagen, Saint-Simon
       leite sich  selbst von  Karl dem  Großen her. Statt der positiven
       Fakta Steins,  die allerdings   u n t e r   d e r    R e s t a u-
       r a t i o n   die Armut  Saint-Simons auffallend machen, erfahren
       wir bei  Herrn Grün  nur seine Verwunderung darüber, daß ein Graf
       und angeblicher  Sprößling Karls  des Großen  überhaupt herunter-
       kommen kann.
       S t e i n:
       
       "Zwei Jahre  lebte er  noch" (nach  dem Selbstmordsversuch)  "und
       wirkte in  ihnen vielleicht  mehr als  in ebensoviel  Jahrzehnten
       seines früheren  Lebens. Der  'Catéchisme des  industriels'  ward
       v o l l e n d e t"   (Herr Grün  verwandelt dies  Vollenden eines
       längst vorbereiteten  Werks in:  "Jetzt erst   s c h r i e b  er"
       pp.) "und der .'Nouveau christianisme' pp.", p. 164, 165.
       p. 169  nennt Stein  diese beiden  Schriften  "d i e  b e i d e n
       H a u p t w e r k e  s e i n e s  L e b e n s".
       
       #485# Dt. Ideologie - Der wahre Sozialismus. IV. Karl Grün
       -----
       Herr Grün  hat also  nicht nur  die  I r r t ü m e r  S t e i n s
       k o p i e r t,   sondern auch  aus unbestimmt  gehaltenen Stellen
       Steins   n e u e  f a b r i z i e r t.  Um seine Abschreiberei zu
       verdecken, nimmt  er nur  die hervorspringendsten  Fakta  heraus,
       raubt ihnen  aber ihren  Charakter als Fakta, indem er sie sowohl
       aus dem  chronologischen Zusammenhange wie aus ihrer ganzen Moti-
       vierung reißt  und selbst  die  allernotwendigsten  Mittelglieder
       ausläßt. Was  wir nämlich  oben gegeben  haben, ist  buchstäblich
       A l l e s,   was Herr  Grün von  Saint-Simons Leben berichtet. In
       dieser Darstellung wird das bewegte, tätige Leben Saint-Simons in
       eine Reihe  von Einfallen und Ereignissen verwandelt, die weniger
       Interesse darbieten  als das Leben des ersten besten gleichzeiti-
       gen Bauern  oder Spekulanten  in einer  bewegten  Provinz  Frank-
       reichs. Und  dann, nachdem  er diese biographische Sudelei hinge-
       worfen hat,  ruft er  aus: "Dieses  ganze,  e c h t  z i v i l i-
       s i e r t e   Leben!" Ja  er scheut  sich nicht,  p. 85 zu sagen:
       "Saint-Simons Leben ist der Spiegel des Saint-Simoms-mus selbst -
       " als  wenn dies  Grünsche "Leben"  Saint-Simons der  Spiegel von
       irgend etwas  wäre, außer  von Herrn  Grüns Art  der Buchmacherei
       "selbst".
       Wir haben  uns bei dieser Biographie länger aufgehalten, weil sie
       ein klassisches  Exempel von  der Art  und Weise  liefert, in der
       Herr Grün die französischen Sozialisten  g r ü n d l i c h behan-
       delt. Wie  er hier  schon scheinbar nonchalant hinwirft, ausläßt,
       verfälscht, transponiert, um seine Abschreiberei zu verbergen, so
       werden wir  später sehen,  daß Herr Grün auch fernerhin alle Sym-
       ptome eines, innerlich beunruhigten Plagiarius entwickelt: künst-
       liche Unordnung,  um die  Vergleichung zu  erschweren, Auslassung
       von Sätzen  und Worten,  die er  wegen Unkenntnis  der  Originale
       nicht recht  versteht, aus den Zitaten seiner Vorgänger, Dichtung
       und Ausschmückung durch unbestimmte Phrasen, perfide Ausfälle auf
       die Leute,  die er  gerade kopiert.  Ja Herr Grün ist so übereilt
       und hastig  in seiner  Abschreiberei, daß  er sich oft auf Sachen
       beruft, von  denen er  dem Leser  nie gesprochen, die er aber als
       Leser Steins im Kopfe mit sich herumträgt.
       Wir gehn jetzt auf die Grünsche Darstellung der Doktrin Saint-Si-
       mons über.
       
       1. "Lettres d'un habitant de Genève à ses contemporains" [185]
       
       Herr[n] Grün  wurde aus Stein nicht recht klar, in welchem Zusam-
       menhange der  in der eben zitierten Schrift gegebene Plan zur Un-
       terstützung der Gelehrten mit dem phantastischen Anhange der Bro-
       schüre steht. Er spricht
       
       #486# Karl Marx und Friedrich Engels
       -----
       von dieser Schrift, als wenn es sich in ihr hauptsächlich um eine
       neue Organisation  1*) der  Gesellschaft handle, und schließt wie
       folgt:
       
       "Die geistliche  Macht in den Händen der Gelehrten, die weltliche
       Macht in  den Händen  der Eigentümer,  die Wahl für Alle." p. 85.
       Vgl. Stein, p. 151, Reybaud, p. 83.
       
       Den Satz  "le pouvoir  de nommer  les individus appelés à remplir
       les fonctions  des chefs de l'humanité entre les mains de tout le
       monde" 2*), den Reybaud aus Saint-Simon (p. 47) zitiert und Stein
       höchst unbeholfen übersetzt - diesen Satz reduziert Herr Grün auf
       "die Wahl  für Alle",  wodurch er allen Sinn verliert. Bei Saint-
       Simon ist  von der  Wahl des Newtonschen Rats die Rede, bei Herrn
       Grün handelt es sich von der Wahl überhaupt.
       Nachdem Herr  Grün durch vier oder fünf von Stein und Reybaud ab-
       geschriebne Sätze  längst mit  den "Lettres  pp." fertig geworden
       ist und  schon vom  "Nouveau christianisme" gesprochen hat, kehrt
       er plötzlich zu ihnen zurück.
       
       "Aber die  abstrakte Wissenschaft  tut's freilich  nicht."  (Noch
       viel weniger  die konkrete  Unwissenheit, wie  wir  sehen.)  "Vom
       Standpunkt  der   abstrakten  Wissenschaft   waren     j a    die
       'Eigentümer' und  'J e d e r m a n n'  n o c h  auseinandergefal-
       len." p. 87.
       
       Herr Grün  vergißt, daß  er bisher  nur von  "der Wahl für alle",
       nicht von  "Jedermann" gesprochen hat. Aber bei Stein und Reybaud
       findet er  "tout le  monde" und setzt daher "Jedermann" in Anfüh-
       rungszeichen. Er  vergißt ferner,  daß er  den folgenden Satz St-
       eins, wodurch  das  "j a"  in seinem eignen Satze motiviert wird,
       nicht mitgeteilt hat:
       
       
       "Es   t r e t e n  ihm" (Saint-Simon) "neben den Weisen oder Wis-
       senden die   p r o p r i é t a i r e s   3*)  und   t o u t   l e
       m o n d e  a u s e i n a n d e r.  Zwar sind Beide  n o c h  ohne
       eigentliche Grenze  im Verhältnis  zueinander ...  dennoch  liegt
       schon in  jenem vagen Bilde der tout le monde der Keim der Klasse
       verborgen, die zu begreifen und zu heben die spätere Grundtendenz
       seiner Theorie ward, der classe la plus nombreuse et la plus pau-
       vre 4*),   wie  in der Wirklichkeit dieser Teil des Volkes damals
       nur potentiell da war." p. 154.
       
       Stein hebt  hervor, daß  Saint-Simon zwischen  proprietaires  und
       tout le monde  s c h o n  einen Unterschied, aber  n o c h  einen
       sehr unbestimmten  macht. Herr  Grün  verdreht  dies  dahin,  daß
       Saint-Simon den  Unterschied überhaupt   n o c h  macht. Dies ist
       natürlich ein  großes Versehen von Saint-Simon und nur dadurch zu
       erklären, daß  er in  den "Lettres"  auf dem  Standpunkte der ab-
       strakten Wissenschaft  sich befindet.  Leider aber spricht Saint-
       Simon an  der fraglichen  Stelle gar  nicht, wie Herr Grün meint,
       von Unterschieden
       -----
       1*) MEGA: um eine Organisation - 2*) "die Macht zur Ernennung der
       Individuen, die  berufen sind,  die  Funktionen  der  Führer  der
       Menschheit auszuüben, in den Händen von jedermann" - 3*) Eigentü-
       mer - 4*) zahlreichsten und ärmsten Klasse
       
       #487# Dt. Ideologie - Der wahre Sozialismus. IV. Karl Grün
       -----
       in einer zukünftigen Gesellschaftsordnung. Er adressiert sich we-
       gen einer  Subskription an  die ganze Menschheit, die ihm, wie er
       sie vorfindet,  in drei  Klassen geteilt erscheint: in drei Klas-
       sen, die  nicht, wie Stein glaubt, savants 1*), propriétaires und
       tout le  monde sind,  sondern 1. die savants und artistes 2*) und
       alle Leute  mit liberalen Ideen, 2. die Gegner der Neuerung, d.h.
       die propriétaires,  sofern sie  sich nicht  der ersten Klasse an-
       schließen, 3.  das surplus  de l'humanité  qui se  rallie au mot:
       É g a l i t é  3*). Diese drei Klassen bilden tout le monde. Vgl.
       Saint-Simon, "Lettres", p. 21, 22. Da Saint-Simon übrigens an ei-
       ner späteren  Stelle sagt,  er halte  seine Verteilung der Gewalt
       für vorteilhaft für alle Klassen, so entspricht in der Stelle, wo
       er von  dieser Verteilung  spricht, p. 47, tout le monde offenbar
       dem surplus,  das sich  bei der Parole Gleichheit ralliiert, ohne
       indes die  andern Klassen  auszuschließen. Stein  hat also in der
       Hauptsache das Richtige getroffen, obwohl er die Stelle p. 21, 22
       nicht berücksichtigt,  und Herr  Grün, der das Original gar nicht
       kennt, klammert  sich an das unbedeutende Versehen Steins, um aus
       seinem Räsonnement sich baren Unsinn zu abstrahieren.
       Wir erhalten  sogleich ein  noch frappanteres Beispiel, p. 94, wo
       Herr Grün  gar nicht  mehr von  Saint-Simon, sondern  von  seiner
       Schule spricht, erfahren wir unerwartet:
       
       "Saint-Simon sagt  in   e i n e m   seiner Bücher die  m y s t e-
       r i ö s e n   Worte: 'Die  Frauen werden  zugelassen werden,  sie
       werden selbst  ernannt werden  können.' Aus  diesem  fast  tauben
       Saatkorn ist  der ganze  ungeheure Spektakel der Emanzipation der
       Frauen entsprossen."
       
       Allerdings, wenn  Saint-Simon in einer beliebigen Schrift von ei-
       ner Zulassung  und Ernennung der Frauen, man weiß nicht wozu, ge-
       sprochen hat,  so sind  dies sehr "mysteriöse Worte". Dies Myste-
       rium existiert  aber nur  für Herrn  Grün. Das  "eine der Bücher"
       Saint-Simons ist  kein andres  als die  "Lettres d'un habitant de
       Genève". Nachdem  Saint-Simon hier  gesagt hat,  daß jeder Mensch
       für den  Newtonschen Rat  oder dessen  Abteilungen unterschreiben
       kann, fährt  er fort:  Les femmes  seront  admises  à    s o u s-
       c r i r e,   elles pourront  être  n o m m é e s.  4*) Natürlich,
       zu einer  Stelle in diesem Rat oder seinen Abteilungen. Stein hat
       diese Stelle,  wie sich gebührt, bei dem Buche selbst zitiert und
       macht dabei folgende Bemerkung:
       
       Hier pp.  "finden sich  alle Spuren  seiner späteren  Ansicht und
       selbst seiner  Schule im  K e i m e  wieder, und selbst der erste
       Gedanken einer  E m a n z i p a t i o n  d e r  F r a u e n".  p.
       152.
       -----
       1*) Gelehrte -  2*) Künstler -  3*) der Rest  der Menschheit, der
       sich bei  der Parole   G l e i c h h e i t   versammelt - 4*) Die
       Frauen werden  zum   U n t e r s c h r e i b e n  zugelassen wer-
       den, sie werden  e r n a n n t  werden können.
       
       #488# Karl Marx und Friedrich Engels
       -----
       Stein hebt  auch richtig  in einer Note hervor, daß Olinde Rodri-
       gues diese  Stelle in  seiner Ausgabe von 1832 als einzige Beleg-
       stelle für  die Frauenemanzipation bei Saint-Simon selbst aus po-
       lemischen Gründen groß drucken ließ. Grün, um seine Abschreiberei
       zu verbergen,  versetzt diese  Stelle von dem Buch, wohin sie ge-
       hört, in  die Schule,  macht den obigen Unsinn daraus, verwandelt
       Steins "Keim"  in ein  "Saatkorn" und bildet sich kindischerweise
       ein, die  Lehre von  der Emanzipation  der Frauen  sei aus dieser
       Stelle hervorgegangen.
       Herr Grün  riskiert eine  Ansicht über einen Gegensatz, worin die
       "Briefe eines  Bewohners von Genf" zum "Katechismus der Industri-
       ellen" stehen  sollen und der darin besteht, daß im "Katechismus"
       das Recht  der travailleurs  1*) geltend  gemacht wird. Herr Grün
       mußte diesen  Unterschied allerdings  zwischen den  ihm von Stein
       und Reybaud  überlieferten "Lettres" und dem ebenso überlieferten
       "Catéchisme" entdecken.  Hätte er den Saint-Simon selbst gelesen,
       so konnte er statt dieses Gegensatzes in den "Lettres" schon sein
       "Saatkorn" zu  der unter Andern im "Catéchisme" weiter entwickel-
       ten Anschauung finden. Z.B.:
       
       "Tous les hommes travailleront" 2*), "Lettres, p. 60. "Si sa cer-
       velle" (des Reichen) "ne sera pas propre au travail, il sera bien
       obligé de faire travailler ses bras; car Newton ne laissera sûre-
       ment pas sur cette planète ... des ouvriers volontairement inuti-
       les dans l'atelier." 3*) p. 64.
       
       2. "Catéchisme polilique des industriels" [186]
       
       Da Stein  diese Schrift  gewöhnlich  als  "Catéchisme  des  indu-
       striels" zitiert, so kennt Herr Grün keinen andern Titel. Die An-
       gabe des  richtigen   T i t e l s  wenigstens wäre um so eher von
       Herrn Grün  zu verlangen gewesen, als er da, wo er ex officio 4*)
       von dieser Schrift spricht, ihr nur zehn Zeilen dediziert.
       Nachdem Herr Grün aus Stein abgeschrieben hat, daß Saint-Simon in
       dieser Schrift  der Arbeit  die Herrschaft  geben will,  fährt er
       fort:
       
       "Die Welt  teilt sich  für ihn jetzt in Müßiggänger und Industri-
       elle." p. 85.
       
       Herr Grün  begeht hier  ein Falsum.  Er schiebt  dem "Catéchisme"
       eine Unterscheidung  unter, die er bei Stein viel später, bei Ge-
       legenheit der saint-simomstischen Schule, vorfindet:
       -----
       1*) Arbeiter -  2*) "Alle Menschen  werden arbeiten"  - 3*) "Wenn
       sein Gehirn nicht zur Arbeit taugt, wird er mit den Händen arbei-
       ten müssen; denn Newton wird auf diesem Planeten sicher keine Ar-
       beiter dulden,  die in  der Werkstatt willentlich unnütz sind." -
       4*) von Amts wegen
       
       #489# Dt. Ideologie - Der wahre Sozialismus. IV. Karl Grün
       -----
       Stein, p. 206:
       
       "Die Gesellschaft  besteht gegenwärtig  nur aus  Müßiggängern und
       Arbeitern." (Enfantin.)
       
       Statt  dieser   untergeschobenen  Einteilung   findet   sich   im
       "Catéchisme" die Einteilung in drei Klassen, die classes féodale,
       intermédiaire et  industrielle 1*),  auf die  Herr Grün natürlich
       nicht eingehen  konnte,  ohne  Stein  abzuschreiben,  da  er  den
       "Catéchisme" selbst nicht kannte.
       Herr Grün  wiederholt hierauf noch einmal, daß die Herrschaft der
       Arbeit der  Inhalt des  "Catéchisme" ist, und Schließt dann seine
       Charakteristik dieser Schrift folgendermaßen:
       
       "Wie der  Republikanismus sagt:  Alles für  das Volk, Alles durch
       das Volk,  so sagt  Saint-Simon: Alles  für die  Industrie, Alles
       durch die Industrie." (ibid.)
       
       Stein, p. 165:
       
       "Da Alles  durch die  Industrie geschieht,  so muß auch Alles für
       sie geschehen."
       
       Wie Stein  richtig angibt (p. 160, Note), findet sich bereits auf
       der Schrift  Saint-Simons "L'industrie"  von 1817 das Motto: Tout
       par l'industrie,  tout pour  elle 2*). Herrn Grüns Charakteristik
       des "Catéchisme"  besteht also  darin, daß  er, außer  dem obigen
       Falsum, das  Motto einer  viel früheren Schrift, die er gar nicht
       kennt, falsch zitiert.
       Hiermit hat  die deutsche Gründlichkeit den "Catéchisme politique
       des industriels" hinreichend kritisiert. Wir finden indes noch an
       andern sehr  zerstreuten Stellen des Grünschen Sammelsuriums ein-
       zelne hieher  gehörige Glossen.  Herr Grün  verteilt mit  innerem
       Vergnügen über seine eigene Schlauheit die Sachen, die er bei St-
       eins Charakteristik  dieser Schrift zusammenfindet, und verarbei-
       tet sie mit anerkennenswerter Courage:
       Herr Grün, p. 87:
       
       "Die freie Konkurrenz war ein unreiner, ein konfuser Begriff, ein
       Begriff, der  in sich selbst eine neue Welt von Kampf und Unglück
       enthielt, den  Kampf zwischen  Kapital und Arbeit und das Unglück
       des kapitallosen  Arbeiters. Saint-Simon   r e i n i g t e  d e n
       B e g r i f f   d e r   I n d u s t r i e,  e r  r e d u z i e r-
       t e   i h n  a u f  d e n  B e g r i f f  d e r  A r b e i t e r,
       er formulierte  die Rechte  und Beschwerden  des    v i e r t e n
       S t a n d e s,  des Proletariats. Er mußte das Erbrecht aufheben,
       weil es  zum Unrecht  am Arbeiter,  am Industriellen wurde. Diese
       Bedeutung hat sein 'Katechismus der Industriellen'."
       
       Herr Grün  fand bei  Stein, p.  169, bei  Gelegenheit des  "Caté-
       chisme":
       
       "Das ist  mithin die  wahre Bedeutung Saint-Simons, diesen Gegen-
       satz" (von Bourgeoisie und peuple 3*)) "als einen bestimmten vor-
       ausgesehen zu haben."
       -----
       1*) feudale, mittlere  und industrielle  Klasse [187] - 2*) Alles
       durch die Industrie, alles für sie - 3*) Volk
       
       #490# Karl Marx und Friedrich Engels
       -----
       Dies das  Original zu der  "B e d e u t u n g"  des "Katechismus"
       bei Herrn Grün. Stein:
       
       "Er"  (Saint-Simon  im  "Catéchisme")  "beginnt  mit  dem    B e-
       g r i f f  des industriellen Arbeiters."
       
       Hieraus macht  Herr Grün  den kolossalen Unsinn, daß Saint-Simon,
       der die  freie Konkurrenz  als  einen    "u n r e i n e n    B e-
       g r i f f"   vorfand,  "den    B e g r i f f    d e r    I n d u-
       s t r i e   reinigte und  ihn auf den  B e g r i f f  d e r  A r-
       b e i t e r   reduzierte". Daß der Begriff des Herrn Grün von der
       freien Konkurrenz  und Industrie  ein sehr  "unreiner" und  "kon-
       fuser" ist, zeigt er an allen Ecken.
       Noch nicht zufrieden mit diesem Unsinn, wagt er die direkte Lüge,
       Saint-Simon habe die Aufhebung des Erbrechts verlangt.
       Immer noch  auf die  Art gestützt,  wie er  den "Catéchisme" nach
       Stein versteht, sagt er p. 88:
       
       "Saint-Simon hatte  die Rechte  des Proletariats  festgesetzt, er
       hatte  die   neue  Parole   bereits  ausgegeben:  Die    I n d u-
       s t r i e l l e n,   die   A r b e i t e r   sollen auf die erste
       Stufe der  Macht erhoben  werden. Das  war einseitig,  aber jeder
       Kampf führt  die Einseitigkeit mit sich; wer nicht einseitig ist,
       kann nicht kämpfen."
       
       Herr Grün  mit seiner schönrednerischen Maxime von der Einseitig-
       keit begeht hier selbst die Einseitigkeit, den Stein dahin mißzu-
       verstehen,  Saint-Simon   habe  die  eigentlichen  Arbeiter,  die
       P r o l e t a r i e r,   "auf die  erste Stufe der Macht erheben"
       wollen. Vgl. p. 102, wo über Michel Chevalier gesagt wird:
       
       "M. Chevalier  spricht noch  mit sehr  großer Teilnahme  von  den
       I n d u s t r i e l l e n  ... aber dem Jünger sind die Industri-
       ellen nicht  mehr die    P r o l e t a r i e r,    w i e    d e m
       M e i s t e r;   er faßt  Kapitalist, Unternehmer und Arbeiter in
       einen Begriff zusammen, rechnet also die Müßiggänger mit zu einer
       Kategorie, die  nur die  ärmste und  zahlreichste Klasse umfassen
       sollte."
       
       Bei Saint-Simon  gehören zu den Industriellen außer den Arbeitern
       auch die  fabricants, négociants  1*), kurz,    s ä m t l i c h e
       i n d u s t r i e l l e  K a p i t a l i s t e n,  an die er sich
       sogar vorzugsweise  adressiert. Herr Grün konnte dies bereits auf
       der ersten Seite des "Catéchisme" finden. Man sieht aber, wie er,
       ohne die  Schrift selbst je gesehen zu haben, nach dem Hörensagen
       belletristisch über sie phantasiert.
       
       Bei seiner Besprechung des "Catéchisme" sagt Stein:
       
       "Von ...  kommt Saint-Simon  zu einer  G e s c h i c h t e  d e r
       I n d u s t r i e   in ihrem  Verhältnis zur  Staatsgewalt ... er
       ist der erste, der es zum Bewußtsein gebracht hat, daß in der
       -----
       1*) Fabrikanten, Kaufleute
       
       #491# Dt. Ideologie - Der wahre Sozialismus. IV. Karl Grün
       -----
       Wissenschaft der  Industrie ein   s t a a t l i c h e s    Moment
       verborgen liege  ... es  läßt sich nicht leugnen, daß ihm ein we-
       sentlicher Anstoß  gelungen  ist.  Denn  erst  seit  ihm  besitzt
       Frankreich eine  Histoire de  l'economie politique"  pp., p. 165,
       170.
       
       Stein selbst  ist im  höchsten Grade  konfus, wenn  er von  einem
       "staatlichen Moment" in "der Wissenschaft der Industrie" spricht.
       Er zeigt  indes, daß er eine richtige Ahnung hatte, indem er hin-
       zufügt, daß  die Geschichte  des Staats  aufs genaueste zusammen-
       hänge mit der Geschichte der Volkswirtschaft.
       Sehen wir,  wie Herr  Grün später, da er von der saint-simonisti-
       schen Schule spricht, diesen Fetzen Steins sich aneignet.
       
       "Saint-Simon hatte in seinem 'Katechismus der Industriellen' eine
       G e s c h i c h t e  d e r  I n d u s t r i e  versucht, indem er
       das   s t a a t l i c h e   Element in ihr hervorhob. Der Meister
       selbst brach   a l s o    die  Bahn  zur    p o l i t i s c h e n
       Ö k o n o m i e."  p. 99.
       Herr Grün  verwandelt  "also"  zunächst  das  "staatliche    M o-
       m e n t"   Steins in  ein "staatliches  E l e m e n t"  und macht
       es zu  einer sinnlosen  Phrase, indem  er die  näheren Data,  die
       Stein gegeben  hatte, wegläßt.  Dieser "Stein,  den die  Bauleute
       verworfen haben", ist für Herrn Grün wirklich zum "Eckstein" sei-
       ner "Briefe  und Studien"  geworden. Zugleich aber auch zum Stein
       des Anstoßes.  Aber noch  mehr. Während  Stein sagt,  Saint-Simon
       habe durch Hervorhebung dieses staatlichen Moments in der Wissen-
       schaft der  Industrie die Bahn gebrochen zur  G e s c h i c h t e
       der politischen  Ökonomie,  läßt  Herr  Grün  ihn  die  Bahn  zur
       p o l i t i s c h e n   Ö k o n o m i e   s e l b s t    brechen.
       Herr Grün  räsoniert etwa  so: Ökonomie  gab es  bereits    v o r
       Saint-Simon; wie  Stein erzählt,  hob er das staatliche Moment in
       der Industrie hervor, machte also die Ökonomie staatlich - staat-
       liche Ökonomie  = politische Ökonomie, also brach Saint-Simon die
       Bahn zur  politischen Ökonomie.  Herr Grün verrät unleugbar einen
       sehr heitern Geist bei Bildung seiner Konjekturen.
       Der Art,  wie Herr Grün Saint-Simon die Bahn zur politischen Öko-
       nomie brechen  läßt, entspricht  die Art, wie er ihn die Bahn zum
       wissenschaftlichen Sozialismus brechen läßt:
       "Er" (der  Saint-Simonismus) "enthält  ... den wissenschaftlichen
       Sozialismus,   i n d e m  Saint-Simon sein ganzes Leben lang nach
       der neuen Wissenschaft suchte"! p. 82.
       
       3. "Nouveau christianisme"
       
       Herr Grün  gibt in  derselben glänzenden Weise wie bisher Auszüge
       aus den  Auszügen von Stein und Reybaud mit belletristischer Aus-
       schmückung und unbarmherziger Zerreißung der bei diesen zusammen-
       gehörigen Glieder.
       
       #492# Karl Marx und Friedrich Engels
       -----
       Wir geben  nur ein  Beispiel, um  zu zeigen,  daß er  auch  diese
       Schrift nie in der Hand gehabt hat.
       
       "Es galt  für Saint-Simon,  eine einheitliche Weltanschauung her-
       stellen, wie sie für organische Geschichtsperioden paßt, die  e r
       a u s d r ü c k l i c h  den kritischen gegenüberstellt. Seit Lu-
       ther leben  wir nach seiner Meinung in einer  k r i t i s c h e n
       Periode, er  gedachte den Anfang der neuen  o r g a n i s c h e n
       Periode zu begründen.  D a h e r  das 'Neue Christentum'." p. 88.
       
       Saint-Simon hat  n i e  und  n i r g e n d s  die organischen Ge-
       schichtsperioden den kritischen gegenübergestellt. Herr Grün lügt
       dies geradezu.  Erst   B a z a r d  machte diese Einteilung. Herr
       Grün fand  bei Stein  und Reybaud, daß im "Nouveau christianisme"
       Saint-Simon die  K r i t i k  Luthers anerkennt, aber seine posi-
       tive, dogmatische   D o k t r i n   mangelhaft  findet. Herr Grün
       wirft diesen  Satz mit  seinen  Reminiszenzen  aus  ebendenselben
       Quellen über  die saint-simonistische   S c h u l e  zusammen und
       fabriziert daraus seine obige Behauptung.
       
       Nachdem Herr  Grün in  der geschilderten  Weise über Saint-Simons
       Leben und Werke mit einziger Benutzung von Stein und dessen Leit-
       faden  Reybaud   einige  belletristische   Phrasen  gemacht  hat,
       schließt er mit dem Ausruf:
       
       "Und diesen  Saint-Simon haben die Philister der Moral, Herr Rey-
       baud und  mit ihm  die ganze  Schar deutscher  Nachschwätzer,  in
       Schutz nehmen  zu müssen  geglaubt, indem sie mit ihrer gewöhnli-
       chen Weisheit  orakelten, ein  solcher Mensch,  ein solches Leben
       seien nicht nach  g e w ö h n l i c h e n  Maßstäben zu messen! -
       Sagt doch,  sind Eure Maßstäbe von Holz? Sprecht die Wahrheit, es
       soll uns  lieb sein,  wenn sie von recht festem Eichenstamm sind.
       Gebt sie  her, wir  wollen sie als ein kostbares Geschenk dankbar
       hinnehmen, wir  wollen sie  nicht verbrennen,  behüte! Wir wollen
       den Rücken der Philister mit ihnen - messen." p. 89.
       Durch solche  belletristische  burschikose  Phrasen  dokumentiert
       Herr Grün seine Überlegenheit über seine Vorbilder.
       
       4. Saint-simonistische Schule
       
       Da Herr  Grün von  den Saint-Simonisten  geradesoviel gelesen hat
       wie von  Saint-Simon selbst,  nämlich Nichts,  so hätte er wenig-
       stens einen ordentlichen Auszug aus Stein und Reybaud machen, die
       chronologische Reihenfolge  beobachten, den  Verlauf im Zusammen-
       hange erzählen,  die nötigen Punkte erwähnen sollen. Statt dessen
       tut er, durch sein böses Gewissen verleitet, das Gegenteil, wirft
       möglichst durcheinander,  läßt die  allernotwendigsten Dinge  aus
       und richtet  eine Konfusion an, die noch größer ist als in seiner
       Darstellung von Saint-Simon. Wir müssen uns hier noch kürzer fas-
       sen,
       
       #493# Dt. Ideologie · Der wahre Sozialismus. IV. Karl Grün
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       da wir ein Buch schreiben müßten, so dick wie das des Herrn Grün,
       um jedes Plagiat und jeden Schnitzer hervorzuheben.
       Über die  Zeit vom  Tode Saint-Simons bis zur Julirevolution, die
       Zeit, worin  mit die  bedeutendste theoretische  Entwicklung  des
       Saint-Simonismus fällt,  erfahren wir  nichts: Hiermit  fällt so-
       gleich der bedeutendste Teil des Saint-Simonismus, die Kritik der
       bestehenden Zustände, ganz fort für Herrn Grün. Es war in der Tat
       auch schwer,  hierüber etwas  zu sagen,  ohne die Quellen selbst,
       namentlich die Journale, zu kennen.
       Herr Grün  eröffnet seinen  Kursus über  die Saint-Simonisten mit
       folgendem Satze:
       
       "Jedem nach  seiner Fähigkeit, jeder Fähigkeit nach ihren Werken,
       so heißt das praktische Dogma des Saint-Simonismus."
       
       Wie Reybaud,  p. 96, diesen Satz als Übergangspunkt von Saint-Si-
       mon zu  den Saint-Simonisten  darstellt, so  Herr Grün, der fort-
       fährt:
       
       "Es entspringt  unmittelbar aus  dem letzten  Worte Saint-Simons:
       allen Menschen die freiste Entwicklung ihrer Anlagen zu sichern."
       
       Herr Grün  wollte sich  hier von  Reybaud unterscheiden.  Reybaud
       knüpft dieses  "praktische Dogma"  an den "Nouveau christianisme"
       an. Herr  Grün hält dies für einen Einfalt Reybauds und substitu-
       iert dem "Nouveau christianisme' ungeniert das letzte Wort Saint-
       Simons. Er  wußte nicht,  daß Reybaud nur einen wörtlichen Auszug
       aus der "Doctrine de Saint-Simon, Exposition, première année", p.
       70, gab.
       Herr Grün  weiß sich  nicht recht  zu erklären, wie hier bei Rey-
       baud, nach  einigen Auszügen  über die  religiöse Hierarchie  des
       Saint-Simonismus,  das  "praktische  Dogma"  plötzlich  hereinge-
       schneit kommt.  Während dieser  Satz erst im Zusammenhang mit den
       religiösen Ideen  des "Nouveau  christianisme" aufgefaßt auf eine
       neue Hierarchie  hinweisen kann,  während  er  ohne  diese  Ideen
       höchstens eine  profane Klassifikation der Gesellschaft verlangt,
       bildet sich  Herr Grün  ein, aus  diesem Satze  allein folge  die
       Hierarchie. Er sagt p. 91:
       
       "Jedem nach  seiner Fähigkeit,  das heißt die katholische Hierar-
       chie zum  Gesetz der gesellschaftlichen Ordnung machen. Jeder Fä-
       higkeit nach  ihren Werken: das heißt auch noch die Werkstatt zur
       Sakristei, auch  noch das  ganze bürgerliche Leben in eine Domäne
       des Pfaffen verwandeln."
       
       Bei Reybaud  findet er  nämlich im  oben erwähnten Auszug aus der
       Exposition:
       
       "L'église vraiment  universelle va  paraître ... l'église univer-
       selle gouverne  le temporel comme le spirituel ... la science est
       sainte, l'industrie est sainte ... et tout bien
       
       
       #494# Karl Marx und Friedrich Engels
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       est bien  d'eglise et  toute profession  est une fonction religi-
       euse, un  grade dans  la hierarchie  sociale. - A chacun selon sa
       capacité, á chaque capacité selon ses oeuvres." 1*)
       
       Herr Grün  hatte offenbar  nur diese  Stelle umzudrehen,  nur die
       vorhergehenden Sätze in Folgerungen aus dem Schlußsatz zu verwan-
       deln, um seinen ganz unbegreiflichen Satz herauszubringen.
       "So wirr  und kraus  gestaltet sich" die Grünsche Widerspiegelung
       des Saint-Simonismus,  daß er  p. 90  erst aus  dem  "praktischen
       Dogma" ein "geistiges Proletariat", aus diesem geistigen Proleta-
       riat eine  "Hierarchie der Geister" und aus dieser Hierarchie der
       Geister eine  Spitze der  Hierarchie hervorgehen  läßt. Hätte  er
       auch nur  die Exposition  gelesen, so würde er gesehen haben, wie
       die religiöse  Anschauungsweise des  "Nouveau  christianisme"  in
       Verbindung mit  der Frage,  wie denn  die capacité  festzustellen
       sei, die  Notwendigkeit der  Hierarchie und  ihrer Spitze herein-
       bringt.
       Mit dem Einen Satz "à chacun selon sa capacité, à chaque capacité
       selon ses oeuvres" hat Herr Grün seine ganze Darstellung und Kri-
       tik der  Exposition von  1828/29 abgeschlossen.  Den "Producteur"
       [188] und  "Organisateur" erwähnt  er außerdem  kaum  einmal.  Er
       blättert in  Reybaud und  findet in  dem Abschnitt "Dritte Epoche
       des Saint-Simonismus", p. 126, Stein, p. 205:
       
       "... et  les jours  suivants le Globe parut avec le sous-titre de
       Journal de  la doctrine  de Saint-Simon,  laquelle était  résumée
       ainsi sur la première page:
       
                                Religion
             Science                                Industrie
                         Association universelle." 2*)
       
       Herr Grün  springt nun  unmittelbar von dem obigen Satze ins Jahr
       1831, indem er folgendermaßen Reybaud verarbeitet (p. 91):
       
       "Die Saint-Simonisten  stellten folgendes  S c h e m a  ihres Sy-
       stems auf, dessen Formulierung besonders das Werk Bazards war:
       
                                Religion
             Wissenschaft                           Industrie
                          Allgemeine Association."
       -----
       1*) "Die wahrhaft  allumfassende Kirche  wird erscheinen  ... die
       allumfassende Kirche regiert das Weltliche wie das Geistliche ...
       die Wissenschaft ist heilig, die Industrie ist heilig ... und al-
       les Gut  ist Kirchengut, und jeder Beruf ist ein geistliches Amt,
       ein Grad  in der  sozialen Hierarchie. - Jedem nach seiner Fähig-
       keit, jeder  Fähigkeit nach  ihren Werken." - 2*) "... und in den
       folgenden  Tagen   erschien  der   'Globe'  mit   dem  Untertitel
       'Zeitschrift für  die Lehre  Saint-Simons', welche auf der ersten
       Seite wie folgt  z u s a m m e n g e f a ß t  wurde:
                                   Religion
               Wissenschaft                         Industrie
                           Allumfassende Vereinigung"
       
       #495# Dt. Ideologie - Der wahre Sozialismus. IV. Karl Grün
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       Herr Grün  läßt drei  Sätze fort, die ebenfalls auf dem Titel des
       "Globe" [189]  stehen und sich Alle auf praktische soziale Refor-
       men beziehen.  Sie finden  sich sowohl bei Stein wie bei Reybaud.
       Er tut  dies, um  dies bloße Aushängeschild eines Journals in ein
       "Schema" des Systems verwandeln zu können. Er verschweigt, daß es
       auf dem  Titel des  "Globe" stand,  und kann nun im verstümmelten
       Titel dieses  Blattes den ganzen Saint-Simonismus durch die kluge
       Bemerkung kritisieren,  daß die  Religion  o b e n a n  stehe. Er
       konnte übrigens  bei Stein finden, daß im "Globe" dies keineswegs
       der Fall  ist. Der  "Globe" enthält, was Herr Grün freilich nicht
       wissen konnte,  die ausführlichsten  und wichtigsten Kritiken der
       bestehenden, besonders der ökonomischen Zustände.
       Woher Herr  Grün die  neue, aber  wichtige Nachricht hat, daß die
       "Formulierung dieses Schemas" von vier Worten  "b e s o n d e r s
       das Werk  B a z a r d s  war", ist schwer zu sagen.
       Vom Januar 1831 springt Herr Grün jetzt zurück zum Oktober 1830:
       
       "Ein kurzes, aber umfassendes Glaubensbekenntnis adressierten die
       Saint-Simonisten in  der Periode  Bazard" (woher die?) "kurz nach
       der Julirevolution  an die  Deputiertenkammer, nachdem die Herren
       Dupin und  Mauguin sie  von der  Tribüne herab bezichtigt hatten,
       Güter- und Weibergemeinschaft zu lehren."
       
       Folgt nun  diese Adresse,  und macht  Herr Grün darauf die Bemer-
       kung:
       
       "Wie vernünftig  und gemessen  ist das  Alles noch.  Bazard redi-
       gierte die Eingabe an die Kammer." p. 92-94.
       
       Was zunächst  diese Schlußbemerkung  betrifft, so  sagt Stein, p.
       205:
       
       "Seiner Form  und Haltung  nach stehen  wir keinen Augenblick an,
       es" (dies Aktenstück) "mit Reybaud Bazard  m e h r  zuzuschreiben
       als Enfantin."
       
       Und Reybaud, p. 123:
       
       "Aux formes,  aux pretentions  assez modérées de cet écrit il est
       facile de voir qu'il provenait plutôt de l'impulsion de M. Bazard
       que de celle de son collègue." 1*)
       
       Herrn Grüns  geniale Kühnheit  verwandelt Reybauds Vermutung, daß
       Bazard eher als Enfantin den Anstoß zu dieser Adresse gab, in die
       Gewißheit, daß er sie ganz redigierte. Der Übergang zu diesem Ak-
       tenstück ist übersetzt aus Reybaud, p. 122:
       
       "MM. Dupin et Mauguin signalèrent du haut de la tribune une secte
       qui prechait  la communaute  des biens  et la communauté des fem-
       mes." 2*)
       -----
       1*) "An den Formen, an den ziemlich gemäßigten Forderungen dieser
       Schrift sieht  man leicht, daß sie  e h e r  dem Anstoß des Herrn
       Bazard als  dem seines Kollegen entsprang." - 2*) "Die Herren Du-
       pin und  Mauguin wiesen von der Tribüne herab auf eine Sekte hin,
       die Güter- und Weibergemeinschaft predige."
       
       #496# Karl Marx und Friedrich Engels
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       Nur läßt Herr Grün das von Reybaud gegebne Datum weg und sagt da-
       für: "kurz  nach der  Julirevolution". Die Chronologie paßt über-
       haupt nicht  m die Art des Herrn Grün, sich von seinen Vorgängern
       zu emanzipieren.  Von Stein  unterscheidet er sich hier, indem er
       in den  Text setzt,  was bei  Stein in einer Note steht, indem er
       den Eingangspassus der Adresse wegläßt, indem er fonds de produc-
       tion (produktives  Kapital) mit  "G r u n d v e r m ö g e n"  und
       classement social  des individus  (gesellschaftliche Klassifizie-
       rung der  Individuen) mit  "gesellschaftliche Ordnung der Einzel-
       nen" übersetzt.
       Folgen nun  einige liederliche  Notizen über  die Geschichte  der
       saint-simonistischen Schule,  welche mit derselben künstlerischen
       Plastik aus  Stein, Reybaud  und L.  Blanc zusammengewürfelt sind
       wie oben  das Leben Saint-Simons. Wir überlassen dem Leser, diese
       im Buche selbst nachzusehen.
       Wir haben  dem Leser  jetzt Alles  mitgeteilt, was  Herr Grün vom
       Saint-Simonismus in der Periode Bazard, d.h. seit dem Tode Saint-
       Simons bis zum ersten Schisma, zu sagen weiß. Er kann jetzt einen
       belletristisch-kritischen  Trumpf  ausspielen,  indem  er  Bazard
       einen "schlechten Dialektiker" nennt und fortfährt:
       
       "Aber so  sind die  Republikaner. Sie wissen nur zu sterben, Cato
       wie Bazard;  wenn sie sich nicht erdolchen, lassen sie sich  d al
       s H e r z  b r e c h e n."  p. 95.
       "Wenige Monate  nach diesem  Streite  b r a c h  i h m"  (Bazard)
       "d a s  H e r z."  Stein, p. 210.
       
       Wie richtig die Bemerkung des Herrn Grün ist, beweisen Republika-
       ner wie  Levasseur, Carnot, Barere, Billaud-Varennes, Buonarroti,
       Teste, d'Argenson etc. etc.
       Folgen nun  einige banale  Phrasen über Enfantin, wo wir bloß auf
       folgende Entdeckung des Herrn Grün aufmerksam machen:
       
       "Wird es  an dieser geschichtlichen Erscheinung endlich klar, daß
       die Religion  nichts ist  als Sensualismus, daß der Materialismus
       kühn denselben  Ursprung in  Anspruch nehmen darf wie das heilige
       Dogma selbst?" p. 97.
       
       Herr Grün  blickt selbstgefällig  um sich: "Hat wohl schon Jemand
       d a r a n   g e d a c h t?"   Er würde nie "daran gedacht" haben,
       wenn nicht  schon die "Hallischen Jahrbücher "bei Gelegenheit der
       Romantiker "daran  gedacht"  hätten.  [190]  Man  hätte  übrigens
       hoffen können, daß seit der Zeit Herr Grün weiter gedacht hätte.
       Herr Grün  weiß, wie  wir gesehen  haben, von der ganzen ökonomi-
       schen Kritik der Saint-Simonisten Nichts. Indessen benutzt er En-
       fantin, um  auch über die ökonomischen Konsequenzen Saint-Simons,
       von denen  er schon  oben fabelte,  ein Wort  zu sagen. Er findet
       nämlich bei Reybaud, p. 129 seqq., und Stein, p. 206, Auszüge aus
       der "Politischen Ökonomie" Enfantins, verfälscht
       
       #497# Dt. Ideologie - Der wahre Sozialismus. IV. Karl Grün
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       fälscht aber  auch hier,  indem er  die Aufhebung der Steuern auf
       die notwendigsten  Lebensbedürfnisse, welche  Reybaud  und  Stein
       nach Enfantin richtig als Konsequenz der Vorschläge über das Erb-
       recht darstellen,  zu einer gleichgültigen, unabhängigen Maßregel
       n e b e n   diesen Vorschlägen macht. Er beweist auch darin seine
       Originalität, daß  er die  chronologische Ordnung verfälscht, zu-
       erst vom   P r i e s t e r   Enfantin  und Ménilmontant [191] und
       dann vom   Ö k o n o m e n   Enfantin spricht, während seine Vor-
       gänger die  Ökonomie Enfantins in der Periode Bazard gleichzeitig
       mit dem  "Globe" behandeln,  für den sie geschrieben wurde. [192]
       Wenn er  hier die Periode Bazard in die Periode Ménilmontant her-
       einzieht, so  zieht er  später, wo  er von  der Ökonomie  und  M.
       Chevalier spricht,  wieder die  Periode von  Ménilmontant herein.
       Das "Livre nouveau" [103] gibt ihm hiezu Gelegenheit, und wie ge-
       wöhnlich verwandelt  er die  Vermutung Reybauds, daß M. Chevalier
       der Verfasser  dieser Schrift  sei, in  eine kategorische Behaup-
       tung.
       Herr Grün  hat jetzt  den Saint-Simomsmus  "in seiner Gesamtheit"
       (p. 82) dargestellt. Er hat sein Versprechen gehalten, "ihn nicht
       in seine Literatur hinein kritisch zu verfolgen" (ibid.), und hat
       sich daher in eine ganz andere "Literatur", in Stein und Reybaud,
       höchst unkritisch  verwickelt. Zum Ersatz gibt er uns einige Auf-
       schlüsse über  M. Chevaliers ökonomische Vorlesungen von 1841/42,
       wo er  längst aufgehört hatte, Saint-Simonist zu sein. Herrn Grün
       lag nämlich,  als er über den Saint-Simonismus schrieb, eine Kri-
       tik dieser Vorlesungen in der "Revue des deux Mondes" vor, die er
       in derselben  Weise benutzen konnte wie bisher Stein und Reybaud.
       Wir geben nur eine Probe seiner kritischen Einsicht:
       
       "Er behauptet  dann, es würde nicht genug produziert. Das ist ein
       Wort, ganz  würdig der alten ökonomischen Schule mit ihren verro-
       steten Einseitigkeiten  ... Solange die politische Ökonomie nicht
       einsieht, daß die Produktion abhängig von der Konsumtion ist, so-
       lange kommt  diese  sogenannte  Wissenschaft  auf  keinen  grünen
       Zweig." p. 102.
       
       Man sieht, wie Herr Grün mit den ihm vom wahren Sozialismus über-
       lieferten Phrasen  über Konsumtion und Produktion weit über jedes
       ökonomische Werk  erhaben dasteht. Abgesehen davon, daß er in je-
       dem Ökonomen  finden kann, daß die Zufuhr auch von der Nachfrage,
       d.h. die  Produktion von  der  Konsumtion  abhängt,  gibt  es  in
       Frankreich sogar eine eigne ökonomische Schule, die von Sismondi,
       die die  Produktion in  einer andern Weise von der Konsumtion ab-
       hängig machen  will, als  dies durch die freie Konkurrenz ohnehin
       der Fall ist, und die den entschiedensten Gegensatz bildet zu den
       von Herrn  Grün angefeindeten Ökonomen. Wir werden Herrn Grün üb-
       rigens erst  später mit  dem ihm anvertrauten Pfunde, der Einheit
       von Produktion und Konsumtion, mit Erfolg wuchern sehen.
       
       #498# Karl Marx und Friedrich Engels
       -----
       Herr Grün  entschädigt den Leser für die durch seine dünnen, ver-
       fälschten und  mit Phrasen  adulterierten Auszüge  aus Stein  und
       Reybaud erregte  Langeweile durch  folgendes jungdeutsch sprühen-
       des, humanistisch  glühendes und sozialistisch blühendes Raketen-
       feuer:
       
       "Der ganze Saint-Simonismus als soziales System war nichts weiter
       als ein Sprudelregen von Gedanken, den eine wohltätige Wolke über
       den Boden Frankreichs ausgoß" (früher p. 82, 83 eine "Lichtmasse,
       aber noch  als Lichtchaos"  (!), "nicht  als    g e o r d n e t e
       H e l l e"   !!)·"Er war  ein Schaustück von der erschütterndsten
       und lustigsten  Wirkung zugleich.  Der Dichter starb noch vor der
       Aufführung, der eine Regisseur während der Vorstellung; die übri-
       gen Regisseure und sämtliche Schauspieler legten ihre Kostüme ab,
       schlüpften in  ihre bürgerlichen  Kleider hinein, gingen heim und
       taten, als sei Nichts vorgefallen. Es war ein Schauspiel, ein in-
       teressantes, zuletzt etwas verwirrt, einige Akteure chargierten -
       das war Alles." p. 104.
       
       Wie richtig hat Heine seine Nachkläffer beurteilt: "Ich habe Dra-
       chenzähne gesäet und Flöhe geerntet."
       
       Fourierismus
       
       Außer einigen  Übersetzungen über  die Liebe aus den "Quatre mou-
       vements" [194] erfahren wir auch hier nichts, was nicht schon bei
       Stein vollständiger  ist. Die  Moral fertigt  Herr Grün mit einem
       Satze ab,  der  schon  lange  vor  Fourier  von  hundert  anderen
       Schriftstellern gesagt war:
       
       "Die Moral  ist nach  Fourier weiter nichts als der systematische
       Versuch, die  Leidenschaften der  Menschen zu  unterdrücken."  p.
       147.
       
       Die christliche  Moral hat  sich selbst nie anders definiert. Auf
       Fouriers Kritik  der jetzigen  Landwirtschaft und  Industrie geht
       Herr Grün  gar nicht ein und begnügt sich, zur Kritik des Handels
       einige  allgemeine   Sätze  aus   der  Einleitung   ("Origine  de
       l'économie politique  et de  la controverse  mercantile" 1*),  p.
       332, 334  der "Quatre mouvements") zu einem Abschnitt der "Quatre
       mouvements" zu  übersetzen. Folgen  dann einige  Auszüge aus  den
       "Quatre mouvements"  und einer  aus dem "Traité de l'association"
       [155] über die französische Revolution, nebst den schon aus Stein
       bekannten Tabellen  über die  Zivilisation. So wird der kritische
       Teil  Fouriers,   der  wichtigste,   auf  28   Seiten  wörtlicher
       Übersetzungen, die  sich  mit  sehr  wenigen  Ausnahmen  auf  das
       Allerallgemeinste und  Abstrakteste beschränken und Wichtiges und
       Unwichtiges durcheinanderwerfen,  mit der  größten Oberflächlich-
       keit und Hast abgefertigt.
       -----
       1*) Ursprung der  politischen Ökonomie  und der  Kontroverse über
       den Handel"
       
       #499# Dt. Ideologie - Der wahre Sozialismus. IV. Karl Grün
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       Herr Grün geht nun zur Darstellung des Fourierschen Systems über.
       Vollständigeres und  Besseres liegt längst in der schon von Stein
       zitierten Schrift  von Chouroa  [195] vor. Herr Grün hält es zwar
       für "unumgänglich  nötig", tiefe Aufschlüsse über die Serien Fou-
       riers zu  geben, weiß  aber zu  diesem Behufe  nichts Besseres zu
       tun, als  wörtliche Zitate  aus Fourier  selbst zu übersetzen und
       später, wie wir sehen werden, einige belletristische Phrasen über
       die Zahl  zu machen. Er denkt nicht daran, zu zeigen, wie Fourier
       auf die  Serien kam  und wie er und seine Schüler Serien konstru-
       iert haben;  er gibt  nicht den geringsten Aufschluß über die in-
       nere Konstruktion dieser Serien. Derartige Konstruktionen, gerade
       wie die  Hegelsche Methode, werden nur kritisiert, indem man auf-
       zeigt, wie  sie zu machen sind, und dadurch beweist, daß man Herr
       über sie ist.
       Bei Herrn  Grün tritt  endlich ganz in den Hintergrund, was Stein
       wenigstens einigermaßen hervorhebt, der Gegensatz von travail ré-
       pugnant 1*) und travail attrayant 2*).
       Die Hauptsache  bei dieser ganzen Darstellung ist die Kritik Fou-
       riers durch  Herrn Grün.  Wir rufen  dem Leser ins Gedächtnis zu-
       rück, was  wir schon  oben über  die Quellen der Grünschen Kritik
       sagten, und  werden nun  an einigen  Beispielen zeigen,  wie Herr
       Grün die  Sätze des  wahren Sozialismus  erst akzeptiert und dann
       übertreibt und  verfälscht. Daß  die Fouriersche Teilung zwischen
       Kapital, Talent  und Arbeit  einen prächtigen  Stoff  zu  breiter
       Klugtuerei bietet,  daß man hier über die Unmöglichkeit und Unge-
       rechtigkeit der  Teilung, über  das Hereinkommen  der  Lohnarbeit
       usw. weitläufiges  Gerede machen kann, ohne diese Teilung aus dem
       w i r k l i c h e n   Verhältnis von Arbeit und Kapital zu kriti-
       sieren, bedarf  keiner weiteren  Erwähnung. Proudhon  hat das vor
       Herrn Grün  schon Alles  unendlich besser  gesagt, ohne damit den
       Kern der Frage auch nur berührt zu haben.
       Die Kritik  der   P s y c h o l o g i e   Fouriers  schöpft  Herr
       Grün, wie seine ganze Kritik, aus dem "Wesen des Menschen":
       
       "Denn das menschliche Wesen ist Alles in Allem." p. 190.
       "Fourier appelliert  ebenfalls an  dies menschliche Wesen, dessen
       inneres Gehäuse  " (!)  "er uns  auf seine Weise in der Tafel der
       zwölf Leidenschaften  enthüllt; auch  er will, was alle redlichen
       und vernünftigen  Köpfe wollen, das innere Wesen des Menschen zur
       Wirklichkeit,   z u r  P r a x i s  machen. Was drinnen ist, soll
       auch draußen  sein, und  so  d e r  U n t e r s c h i e d  z w i-
       s c h e n  d r i n n e n  u n d  d r a u ß e n  ü b e r h a u p t
       a u f g e h o b e n   w e r d e n.  Die Geschichte der Menschheit
       wimmelt von Sozialisten, wenn wir sie an diesem Merkmale erkennen
       wollen ...  es kommt  bei Jedem  nur darauf an, was er sich unter
       dem  W e s e n  d e s  M e n s c h e n  denkt." p. 190.
       -----
       1*) abstoßender Arbeit - 2*) anziehender Arbeit
       
       #500# Karl Marx und Friedrich Engels
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       Oder vielmehr, es kommt den wahren Sozialisten nur darauf an, Je-
       dem Gedanken  über das Wesen des Menschen unterzuschieben und die
       verschiedenen Stufen  des Sozialismus in verschiedne Philosophien
       des Wesens des Menschen zu verwandeln. Diese ungeschichtliche Ab-
       straktion verleitet hier Herrn Grün dazu, die Aufhebung alles Un-
       terschiedes zwischen Innen und Außen zu proklamieren, eine Aufhe-
       bung, die  sogar der  Fortpflanzung des  Wesens des  Menschen ein
       Ende machen  würde. Man sieht übrigens gar nicht ein, weshalb die
       Deutschen so  erschrecklich mit ihrer Weisheit vom Wesen des Men-
       schen renommieren,  da ihre  ganze Weisheit, die drei allgemeinen
       Eigenschaften, Verstand, Herz und Wille, bereits seit Aristoteles
       und den  Stoikern ziemlich  allgemein bekannt  sind.  Von  diesem
       Standpunkt auswirft Herr Grün Fourier vor, daß er den Menschen in
       zwölf Leidenschaften "zerklüftet".
       
       "Von der Vollständigkeit dieser Tafel,  p s y c h o l o g i s c h
       gesprochen, will  ich gar  nicht reden; ich halte sie für ungenü-
       gend" - (wobei sich, "psychologisch gesprochen", das Publikum be-
       ruhigen mag). - "Weiß man etwa durch diese Zwölfzahl,  w a s  der
       Mensch ist?  Noch keinen Augenblick. Fourier hätte ebensogut bloß
       die  fünf  Sensitiven  nennen  können;  in  ihnen  liegt    d e r
       g a n z e   M e n s c h,  wenn man sie erklärt, wenn man den men-
       schlichen Inhalt  derselben zu  deuten versteht" (als wenn dieser
       "menschliche Inhalt"  nicht ganz von der Stufe der Produktion und
       des Verkehrs  der Menschen  abhinge). "Ja,  der Mensch liegt ganz
       allein in   E i n e m   Sinne, im Gefühle, erfühlt anders als das
       Tier" pp., p. 205.
       
       Man sieht,  wie Herr  Grün, hier zum ersten Male im ganzen Buche,
       sich anstrengt,  um vom Feuerbachschen Standpunkte nur irgend et-
       was über  Fouriers Psychologie  zu sagen.  Man  sieht  ebenfalls,
       welch eine Phantasie dieser "ganze Mensch" ist, der in einer ein-
       zigen Eigenschaft  eines wirklichen  Individuums "liegt"  und vom
       Philosophen aus  ihr heraus interpretiert wird; was das überhaupt
       für ein "Mensch" ist, der nicht in seiner wirklichen geschichtli-
       chen Tätigkeit  und Dasein  angeschaut wird,  sondern aus  seinem
       eignen Ohrläppchen oder sonstigen Unterscheidungsmerkmal vom Tier
       gefolgert werden  kann. Dieser Mensch "liegt" in sich selbst, wie
       sein eigner  Komedon. Daß  das menschliche  Gefühl menschlich und
       nicht tierisch  ist, diese Einsicht macht natürlich nicht nur je-
       den  psychologischen   Versuch  überflüssig,   sondern  ist  auch
       zugleich die Kritik aller Psychologie.
       Fouriers Behandlung  der Liebe  kann Herr Grün sehr leicht kriti-
       sieren, indem er dessen Kritik der jetzigen Liebesverhältnisse an
       den Phantasien  mißt, in  denen Fourier  sich eine Anschauung von
       der freien  Liebe zu  geben suchte. Herr Grün nimmt diese Phanta-
       sien ernsthaft  als echter deutscher Philister. Sie sind das Ein-
       zige, das er ernsthaft nimmt. Wollte er einmal auf
       
       #501# Dt. Ideologie - Der wahre Sozialismus. IV. Karl Grün
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       diese Seite des Systems eingehen, so ist nicht abzusehen, weshalb
       er nicht  auch auf  Fouriers Ausführungen über Erziehung einging,
       die bei  weitem das  beste sind, was in dieser Art existiert, und
       die genialsten Beobachtungen enthalten. Übrigens verrät Herr Grün
       bei Gelegenheit  der Liebe, wie wenig er als echter jungdeutscher
       Belletrist von  Fouriers Kritik gelernt hat. Er meint, es sei ei-
       nerlei, ob man von der Aufhebung der Ehe oder des Privateigentums
       ausgehe, eins müsse immer das Andre nach sich ziehen. Es ist aber
       reine belletristische  Phantasie, von  einer andern Auflösung der
       Ehe, als  wie sie  sich schon  jetzt in  der bürgerlichen Gesell-
       schaft praktisch vorfindet,  a u s g e h e n  zu wollen. Bei Fou-
       rier selbst  konnte er finden, daß dieser überall nur von der Um-
       änderung der Produktion ausgeht.
       Es nimmt Herrn Grün wunder, daß Fourier, der doch überall von der
       Neigung (soll  heißen  Attraktion)  ausgeht,  allerlei  "mathema-
       tische" Versuche macht, weshalb er auch p. 203 der "mathematische
       Sozialist" genannt  wird. Selbst  die  ganzen  Lebensverhältnisse
       Fouriers  aus  dem  Spiel  gelassen,  hätte  Herr  Grün  auf  die
       Attraktion näher  eingehen müssen, wo er sehr bald gefunden haben
       würde, daß  solch ein Naturverhältnis nicht ohne Berechnung näher
       bestimmt werden  kann. Statt  dessen regaliert  er uns  mit einer
       belletristischen,   mit    Hegelschen   Traditionen   verquickten
       Philippika gegen die Zahl, worin Stellen vorkommen wie:
       
       Fourier "berechnet die Moleküle Deines abnormsten Geschmackes",
       
       ein wahres Wunder - ferner:
       
       "Die so  hart befehdete  Zivilisation beruhte  auf dem  herzlosen
       Einmaleins ...  die Zahl  ist nichts Bestimmtes ... Was ist Eins?
       Die Eins hat keine Ruhe, sie wird Zwei, Drei, Vier" -
       
       es geht  ihr wie dem deutschen Landpfarrer, der auch "keine Ruhe"
       hat, bis er eine Frau und neun Kinder hat ...
       
       "Die Zahl  tötet alles  Wesentliche und  Wirkliche, was  ist eine
       halbe Vernunft, was ist ein Drittel Wahrheit" -
       
       er hätte  auch fragen  können: Was ist ein grün angelaufener Log-
       arithmus? ...
       
       bei der organischen Entwicklung wird die Zahl verrückt" ...
       
       ein Satz,  worauf die  Physiologie und organische Chemie beruhen,
       (p. 203, 204.)
       
       "Wer die  Zahl zum  Maße der  Dinge nimmt,  der wird,  nein - der
       i s t  ein Egoist."
       
       An diesen  Satz kann  er den  ihm von Heß überlieferten (s. oben)
       übertreibend anknüpfen:
       
       "Der ganze  Fouriersche Organisationsplan  beruht auf  Nichts als
       auf Egoismus  ... der  ärgste Ausdruck des zivilisierten Egoismus
       ist gerade Fourier." p. 206, 208.
       
       #502# Karl Marx und Friedrich Engels
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       Er beweist  dies sogleich,  indem er erzählt, wie in der Fourier-
       schen Weltordnung  der Ärmste  täglich von 40 Schüsseln speist, 5
       Mahlzeiten täglich  genommen werden, die Leute 144 Jahre alt wer-
       den und  dergl. mehr.  Die kolossale Anschauung der Menschen, die
       Fourier der bescheidnen Mittelmäßigkeit der Restaurationsmenschen
       mit naivem  Humor gegenüberstellt,  gibt Herrn Grün bloß Gelegen-
       heit, die  unschuldigste Seite herauszunehmen und darüber morali-
       sche Philisterglossen zu machen.
       Indem Herr  Grün Fourier Vorwürfe macht über seine Auffassung der
       französischen Revolution,  gibt er zugleich einen Vorschmack sei-
       ner eignen Einsicht in die Revolutionszeit:
       
       "Hätte man  nur vierzig  Jahre früher  um die Assoziation gewußt"
       (läßt er  Fourier sagen),  "so wäre die Revolution vermieden wor-
       den. Wie  kam es  denn aber" (fragt Herr Grün), "daß der Minister
       Turgot das  Recht zur Arbeit kannte und daß dennoch der Kopf Lud-
       wigs XVI. fiel? Mit dem Rechte zur Arbeit hätte man doch leichter
       als mit Hühnereiern die Staatsschuld bezahlen können." p. 211.
       
       Herr Grün  übersieht nur die Bagatelle, daß das Recht zur Arbeit,
       wovon Turgot spricht, die freie Konkurrenz ist, und daß ebendiese
       freie Konkurrenz  die Revolution nötig hatte, um sich durchzuset-
       zen.
       Herr Grün  kann seine ganze Kritik Fouriers zusammenfassen in dem
       Satz, daß  Fourier "die Zivilisation" keiner "gründlichen Kritik"
       unterworfen habe. Und warum tat Fourier dies nicht? Man höre:
       
       "Sie ist  kritisiert worden  in ihren  E r s c h e i n u n g e n,
       nicht in ihren  G r u n d l a g e n;  sie ist als  D a s e i e n-
       d e s   perhorresziert, lächerlich gemacht, in ihrer  W u r z e l
       aber nicht  untersucht worden. Weder die  P o l i t i k  noch die
       R e l i g i o n   sind vor  das Forum  der Kritik gezogen worden,
       und deshalb  blieb das   W e s e n   d e s   M e n s c h e n  un-
       untersucht." p. 209.
       
       Herr Grün erklärt hier also die wirklichen Lebensverhältnisse der
       Menschen für   E r s c h e i n u n g e n,   Religion  und Politik
       aber für  die   G r u n d l a g e  u n d  W u r z e l  dieser Er-
       scheinungen. Man  sieht an  diesem abgeschmackten  Satze, wie die
       wahren Sozialisten die ideologischen Phrasen der deutschen Philo-
       sophie gegenüber  den wirklichen  Darstellungen französischer So-
       zialisten als  höhere Wahrheit  geltend machen  und zugleich, wie
       sie ihr  eigentliches Objekt, das Wesen des Menschen, mit den Re-
       sultaten der  französischen Kritik  der Gesellschaft zu verbinden
       streben. Daß, wenn Religion und Politik als Grundlage der materi-
       ellen Lebensverhältnisse  gefaßt werden, Alles in letzter Instanz
       auf Untersuchungen  über das  Wesen des  Menschen, d. h. über das
       Bewußtsein des Menschen von sich selbst ausläuft, ist ganz natür-
       lich. -  Man sieht  zugleich, wie  wenig es dem Herrn Grün darauf
       ankommt, was er abschreibt; an einer späteren Stelle, wie auch in
       den "Rheinischen] Jahrbüchern",
       
       #503# Dt. Ideologie - Der wahre Sozialismus. IV. Karl Grün
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       eignet er  sich in seiner Weise an, was in den "Deutsch-Französi-
       schen Jahrbüchern"  über das Verhältnis von citoyen und bourgeois
       gesagt war 1*) und was dem obigen Satze direkt widerspricht.
       Wir haben dem Leser bis zuletzt die Ausführung des vom wahren So-
       zialismus Herrn Grün anvertrauten Satzes über Produktion und Kon-
       sumtion vorbehalten.  Sie ist  ein schlagendes  Exempel, wie Herr
       Grün die Sätze des wahren Sozialismus als Maßstab an die Leistun-
       gen der Franzosen legt und sie dadurch, daß er sie aus ihrer völ-
       ligen Unbestimmtheit  herausreißt, als  vollständigen Unsinn dar-
       legt.
       
       "Produktion und  Konsumtion lassen  sich m der Theorie und in der
       ä u ß e r n  W i r k l i c h k e i t  zeitlich und räumlich tren-
       nen, dem  Wesen nach  sind sie  nur Eins. Ist nicht die Tätigkeit
       des gewöhnlichsten  Gewerbes, z.B.  des Brotbackens, eine Produk-
       tion, welche  für hundert  Andre zur Konsumtion wird ? Ja, welche
       es für den Backenden selbst ist, der ja Korn, Wasser, Milch, Eier
       pp. konsumiert? Ist die Konsumtion von Schuhen und Kleidern nicht
       die Produktion  bei Schustern  und Schneidern? ... Produziere ich
       nicht, wenn  ich Brot  esse? Ich produziere ungeheuer, ich produ-
       ziere Mühlen,  Backtröge, Backöfen  und folglich  Pflüge,  Eggen,
       Dreschflegel,  Mühlräder,  Schreinerarbeit,  Maurerarbeit"  ("und
       folglich" Schreiner,  Maurer und  Bauern, "folglich" ihre Eltern,
       "folglich" alle ihre Vorfahren, "folglich" Adam). "Konsumiere ich
       nicht, wenn  ich produziere? Ebenfalls ungeheuer ... Lese ich ein
       Buch, so  konsumiere ich  zwar zunächst das Produkt ganzer Jahre,
       wenn ich  es für  mich behalte  oder verderbe, ich konsumiere den
       Stoff und  die Tätigkeit der Papierfabrik, der Buchdruckerei, des
       Buchbinders. Produziere  ich aber  nichts? Ich  produziere  viel-
       leicht ein neues Buch, und dadurch neues Papier, neue Typen, neue
       Druckerschwärze, neue  Buchbinderwerkzeuge; lese ich es bloß, und
       lesen es  tausend Andre auch, so produzieren wir durch unsre Kon-
       sumtion eine  neue Auflage und dadurch alle jene Materialien, die
       zur Beschaffung  derselben erforderlich  sind. Die Alles das ver-
       fertigen, konsumieren  wieder eine  Masse Rohmaterial,  das  aber
       produziert werden will und nur durch Konsumtion produziert werden
       kann .  . .  Mit Einem  Worte,  T ä t i g k e i t  und  G e n u ß
       sind Eins,  eine verkehrte  Welt hat sie nur auseinandergerissen,
       hat den  Begriff des   W e r t e s   und  P r e i s e s  zwischen
       Beide hineingeschoben,  durch diesen  Begriff den Menschen mitten
       auseinandergerissen und  mit dem  Menschen die  Gesellschaft." p.
       191, 192.
       
       Produktion und  Konsumtion stehen in der Wirklichkeit vielfach im
       Widerspruch gegeneinander.  Man braucht  aber nur  diesen  Wider-
       spruch wahrhaft  zu    i n t e r p r e t i e r e n,    das  wahre
       W e s e n   der Produktion  und Konsumtion zu  b e g r e i f e n,
       um die Einheit Beider herzustellen und allen Widerspruch aufzuhe-
       ben. Diese deutsch-ideologische Theorie paßt daher auch ganz vor-
       trefflich auf die bestehende Welt; die Einheit von Produktion und
       Konsumtion wird  an Exempeln  aus der  gegenwärtigen Gesellschaft
       bewiesen, sie existiert  a n  s i c h.
       -----
       1*=) Siehe Bd.  1 unserer  Ausgabe, S. 355, und vorl. Bd., S. 127
       und 156
       
       #504# Karl Marx und Friedrich Engels
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       Herr Grün  beweist vor allen Dingen, daß überhaupt ein Verhältnis
       zwischen Produktion  und Konsumtion existiert. Er setzt auseinan-
       der, daß  er keinen  Rock tragen,  kein Brot essen kann, ohne daß
       Beides produziert  ist, und  daß es  in der heutigen Gesellschaft
       Leute gibt, die Röcke, Schuhe, Brot produzieren, von welchen Din-
       gen andre  Leute die  Konsumenten sind. Herr Grün hält diese Ein-
       sicht für  neu. Er  drückt sie in einer klassischen, belletristi-
       schideologischen Sprache aus. Z.B.:
       
       "Man glaubt,  der Genuß  des Kaffees,  des Zuckers usw. sei bloße
       Konsumtion; ist  dieser Genuß  aber nicht Produktion in den Kolo-
       nien?"
       
       Er hätte  ebensogut fragen können: Ist dieser Genuß nicht der Ge-
       nuß der Peitsche für den Negersklaven und die Produktion von Prü-
       geln in den Kolonien? Man sieht, wie bei dieser überschwenglichen
       Manier nichts  als eine Apologie der bestehenden Zustände heraus-
       kommt. Die  zweite Einsicht  des Herrn Grün besteht darin, daß er
       konsumiert, wenn  er produziert,  nämlich das  Rohmaterial, über-
       haupt die  Produktionskosten; dies  ist die  Einsicht, daß Nichts
       aus Nichts wird, daß er  M a t e r i a l  haben muß. Er konnte in
       jeder Ökonomie unter dem Kapitel "Reproduktive Konsumtion" ausge-
       führt finden,  welche verwickelten Beziehungen in dies Verhältnis
       hereinkommen, wenn man sich nicht mit Herrn Grün auf die triviale
       Erkenntnis beschränkt,  daß man  ohne Leder  keine Stiefel machen
       kann.
       Bisher hat  Herr Grün sich davon überzeugt, daß produziert werden
       muß, um  zu konsumieren,  und daß  bei der Produktion Rohmaterial
       konsumiert wird.  Die eigentliche  Schwierigkeit für  ihn beginnt
       da, wo  er beweisen  will, daß er produziert, wenn er konsumiert.
       Herr Grün macht hier einen gänzlich verfehlten Versuch, sich über
       das allertrivialste und allgemeinste Verhältnis von Nachfrage und
       Zufuhr ein  geringes Licht  zu verschaffen.  Er bringt  es zu der
       Einsicht, daß  seine Konsumtion,  d. h. seine Nachfrage, neue Zu-
       fuhr produziert.  Er  vergißt  aber,  daß  seine  Nachfrage  eine
       e f f e k t i v e   Nachfrage sein, daß er ein Äquivalent für das
       verlangte Produkt  bieten muß,  damit sie neue Produktion hervor-
       rufe. Die Ökonomen beziehen sich ebenfalls auf die Untrennbarkeit
       von Konsumtion  und Produktion  und die  absolute  Identität  von
       Nachfrage und  Zufuhr, gerade  wenn sie  beweisen wollen, daß nie
       Überproduktion stattfindet;  aber so  ungeschickte  und  triviale
       Dinge wie Herr Grün bringen sie nicht vor. Übrigens ist diese Ma-
       nier ganz  dieselbe, wodurch  alle Adlige, Pfaffen, Rentiers usw.
       von jeher  ihre Produktivität  bewiesen haben.  Herr Grün vergißt
       ferner, daß Brot heutzutage durch Dampfmühlen, früher durch Wind-
       und Wassermühlen,  noch früher durch Handmühlen produziert wurde,
       daß diese  verschiedenen Produktionsweisen  vom bloßen  Brotessen
       gänzlich unabhängig sind und also eine geschichtliche Entwicklung
       
       #505# Dt. Ideologie - Der wahre Sozialismus. IV. Karl Grün
       -----
       der Produktion  hereinkommt, an die der "ungeheuer produzierende"
       Herr Grün  nicht denkt.  Daß mit  diesen verschiedenen Stufen der
       Produktion auch verschiedene Verhältnisse der Produktion zur Kon-
       sumtion, verschiedne  Widersprüche Beider gegeben sind, daß diese
       Widersprüche zu  verstehen sind nur aus einer Betrachtung, zu lö-
       sen nur  durch eine  praktische Veränderung der jedesmaligen Pro-
       duktionsweise und  des ganzen  darauf basierenden gesellschaftli-
       chen Zustandes,  das ahnt Herr Grün nicht. Wenn Herr Grün in sei-
       nen übrigen  Beispielen an  Trivialität schon  unter den allerge-
       wöhnlichsten Ökonomen  steht, so  beweist er  bei seinem Beispiel
       vom Buch,  daß diese viel "menschlicher" sind als er. Sie verlan-
       gen gar  nicht, daß er, wenn er ein Buch konsumiert hat, sogleich
       ein neues  produziere! Sie  sind damit  zufrieden, daß  er  seine
       eigne Bildung  dadurch produziert  und damit  auf die  Produktion
       überhaupt günstig  wirkt. Durch die Auslassung des Mittelgliedes,
       der baren  Zahlung, die Herr Grün durch bloße Abstraktion von ihr
       überflüssig macht,  wodurch seine Nachfrage erst  e f f e k t i v
       wird, verwandelt  sich die reproduktive Konsumtion des Herrn Grün
       in ein  blaues Wunder. Er liest, und durch sein bloßes  L e s e n
       setzt er  die Schriftgießer, Papierfabrikanten und Drucker in den
       Stand, neue  Typen, neues  Papier, neue  Bücher  zu  produzieren.
       Seine bloße  Konsumtion ersetzt allen diesen Leuten die Produkti-
       onskosten. Wir  haben übrigens bisher die Virtuosität hinreichend
       nachgewiesen, womit  Herr Grün aus alten Büchern neue Bücher her-
       auszulesen und  sich als Produzent von neuem Papier, neuen Typen,
       neuer Druckerschwärze  und neuen Buchbinderwerkzeugen um die kom-
       merzielle Welt verdient zu machen weiß. Der erste Brief des Grün-
       schen Buchs  endet mit den Worten: "Ich stehe im Begriff, mich in
       die Industrie  zu stürzen."  Nirgendwo im ganzen Buche verleugnet
       Herr Grün diese seine Devise.
       Worin bestand  also die  ganze Tätigkeit  des Herrn  Grün? Um den
       Satz des  wahren Sozialismus  von der  Einheit von Produktion und
       Konsumtion zu  beweisen, nimmt  Herr Grün  seine Zuflucht  zu den
       allertrivialsten Sätzen  der Ökonomie  über Nachfrage und Zufuhr,
       und um  diese wieder  für seinen Zweck zurechtzustutzen, wirft er
       aus ihnen die notwendigen Mittelglieder heraus und verwandelt sie
       damit in  reine Phantasien. Der Kern des Ganzen ist also eine un-
       wissende und phantastische Verklärung der bestehenden Zustände.
       Charakteristisch ist  noch der  sozialistische Schluß,  worin  er
       wieder ganz  seinen deutschen Vorgängern nachstammelt. Produktion
       und Konsumtion  sind getrennt,  weil eine verkehrte Welt sie aus-
       einandergerissen hat.  Wie fing  das diese verkehrte Welt an? Sie
       schob einen   B e g r i f f   zwischen  Beide. Durch diesen Schub
       riß sie  den Menschen  m i t t e n  a u s e i n a n d e r.  Damit
       nicht zufrieden,
       
       #506# Karl Marx und Friedrich Engels
       -----
       reißt sie  hierdurch die  Gesellschaft, d.  h. sich selbst, eben-
       falls mitten  auseinander. Diese  Tragödie hat sich im Jahre 1845
       zugetragen.
       Die Einheit von Konsumtion und Produktion, die bei den wahren So-
       zialisten ursprünglich  die  Bedeutung  hat,  daß  die  Tätigkeit
       selbst Genuß bieten soll (bei ihnen freilich eine rein phantasti-
       sche Vorstellung), wird von Herrn Grün dahin weiter bestimmt, daß
       "Konsumtion  und  Produktion,  ökonomisch  gesprochen,    s i c h
       d e c k e n   müssen" (p. 196), daß kein Überschuß der Produkten-
       masse über  die unmittelbaren  Konsumtionsbedürfnisse stattfinden
       darf, womit  natürlich alle Bewegung ein Ende hat. Er wirft daher
       auch Fourier  mit wichtiger Miene vor, daß er diese Einheit durch
       eine   Ü b e r p r o d u k t i o n  s t ö r e n  wolle. Herr Grün
       vergißt, daß  die Überproduktion  nur durch ihren Einfluß auf den
       Tauschwert der  Produkte Krisen hervorruft, und daß nicht nur bei
       Fourier, sondern  auch in  der besten  Welt des  Herrn  Grün  der
       Tauschwert verschwunden ist. Über diese philisterhafte Albernheit
       ist weiter  nichts zu  sagen, als  daß sie des wahren Sozialismus
       würdig ist.
       Herr Grün  wiederholt an  vielen Orten mit großer Selbstgefällig-
       keit seinen  Kommentar zur  Theorie des  wahren Sozialismus  über
       Produktion und Konsumtion. So auch bei Gelegenheit Proudhons:
       
       "Predigt die  soziale Freiheit  der Konsumenten,  so habt Ihr die
       wahre Gleichheit der Produktion." p. 433.
       
       Nichts leichter  als das  zu predigen! Der Fehler lag bisher bloß
       daran,
       
       "daß die  Konsumenten nicht  erzogen, nicht  gebildet  sind,  daß
       nicht Alle   m e n s c h l i c h   konsumieren",  p. 432. "Dieser
       Gesichtspunkt, daß die Konsumtion der Maßstab der Produktion ist,
       nicht umgekehrt,  ist der  Tod jeder  bisherigen ökonomischen An-
       schauung." (ibid.)  "Die wahre Solidarität der Menschen unterein-
       ander macht sogar den Satz zur Wahrheit, daß die Konsumtion eines
       Jeden die Konsumtion Aller zur Voraussetzung hat." (ibid.)
       
       Die Konsumtion  eines Jeden  hat innerhalb der Konkurrenz plus ou
       moins 1*)  fortwährend die  Konsumtion Aller  zur  Voraussetzung,
       ebenso wie  die Produktion  eines Jeden  die Produktion Aller. Es
       handelt sich  nur darum,   w i e,  in welcher Weise dies der Fall
       ist. Hierauf antwortet Herr Grün nur mit dem moralischen Postulat
       der   m e n s c h l i c h e n   Konsumtion,  der  Erkenntnis  des
       "wahren Wesens der Konsumtion" (p. 432). Da er von den wirklichen
       Produktionsund Konsumtionsverhältnissen  nichts weiß,  so  bleibt
       ihm keine  andre Zuflucht  übrig als der letzte Schlupfwinkel der
       wahren Sozialisten,  das Wesen des Menschen. Aus demselben Grunde
       beharrt er darauf, nicht von der
       -----
       1*) mehr oder weniger
       
       #507# Dt. Ideologie - Der wahre Sozialismus. IV. Karl Grün
       -----
       Produktion, sondern  von der  Konsumtion auszugehen. Wenn man von
       der Produktion ausgeht, so muß man sich um die wirklichen Produk-
       tionsbedingungen und die produktive Tätigkeit der Menschen beküm-
       mern. Wenn  man aber von der Konsumtion ausgeht, so kann man sich
       bei der Erklärung, daß jetzt nicht "menschlich" konsumiert werde,
       und bei dem Postulat der "menschlichen Konsumtion", der Erziehung
       zur wahren  Konsumtion und  dergleichen Phrasen  beruhigen,  ohne
       sich im Geringsten auf die wirklichen Lebensverhältnisse der Men-
       schen und ihre Tätigkeit einzulassen.
       Schließlich ist  noch zu  erwähnen, daß  gerade die Ökonomen, die
       von der Konsumtion ausgingen, reaktionär waren und das revolutio-
       näre Element in der Konkurrenz und großen Industrie ignoriert ha-
       ben.
       
       Der "bornierte Papa Cabet" und Herr Grün
       
       Herr Grün  schließt seinen Exkurs über die fourieristische Schule
       und Herrn Reybaud mit folgenden Worten:
       
       "Ich will  den Arbeitsorganisierern   d a s   B e w u ß t s e i n
       i h r e s   W e s e n s   beibringen, ich  will ihnen  h i s t o-
       r i s c h   z e i g e n,   woher sie  stammen ... diesen Zwittern
       ... die  auch   n i c h t   d e n   m i n d e s t e n  G e d a n-
       k e n  a u s  s i c h  s e l b s t  g e s c h ö p f t  h a b e n.
       Und später werde ich vielleicht Raum finden, an dem Herrn Reybaud
       ein Exempel  zu statuieren,  nicht nur  an Herrn Reybaud, sondern
       auch an  Herrn Say. Im Grunde genommen ist der erstere so schlimm
       nicht, er  ist bloß  dumm; der  Zweite aber ist mehr als dumm, er
       ist gelehrt.
       Also." p. 260.
       
       Die gladiatorische  Stellung, in  die sich Herr Grün wirft, seine
       Drohungen gegen  Reybaud, die Verachtung gegen die Gelehrsamkeit,
       seine schmetternden  Versprechungen, alles  das sind  sichre Zei-
       chen, daß  er hier  mit großen  Dingen schwanger  geht. Im vollen
       "Bewußtsein seines  Wesens" ahnten  wir aus diesen Symptomen, daß
       Herr Grün  im Begriffe stehe, einen der ungeheuerlichsten plagia-
       rischen Coups  auszuführen. Wenn man seiner Taktik einmal auf die
       Spur gekommen  ist, verliert  seine Marktschreierei ihre Unschuld
       und löst sich überall in eine pfiffige Berechnung auf.
       "Also":
       Folgt ein Kapitel mit der Überschrift:
       
       "Die Organisation der Arbeit!"
       "Wo wurde dieser Gedanke geboren? - In Frankreich. - Aber wie?"
       
       Auch unter der Etikette:
       
       "Rückblick auf das achtzehnte Jahrhundert."
       
       #508# Karl Marx und Friedrich Engels
       -----
       "Wo wurde  dies" Kapitel  des Herrn Grün "geboren? In Frankreich.
       Aber wie?" Das wird der Leser sogleich erfahren.
       Noch einmal  erinnre sich der Leser, daß Herr Grün hier den fran-
       zösischen Arbeitsorganisierern  das Bewußtsein ihres Wesens durch
       eine historische Demonstration auf gründliche deutsche Weise bei-
       bringen will.
       Also.
       Als Herr  Grün gemerkt  hatte, daß  Cabet  "borniert"  und  seine
       "Mission eine längst in sieb abgeschlossene" sei, was er freilich
       längst gemerkt  hatte, hörte  nicht "natürlich alles auf". Im Ge-
       genteil, er  gab dem  Cabet die neue Mission, in einigen willkür-
       lich zusammengewürfelten  Zitaten den französischen "Hintergrund"
       zu Herrn  Grüns deutscher Geschichte der sozialistischen Entwick-
       lung des 18. Jahrhunderts zu bilden.
       Wie beginnt er dies? Er liest  "p r o d u k t i v".
       Cabet in  seiner "Voyage en Icarie" würfelt im zwölften und drei-
       zehnten Kapitel die Meinungen alter und neuer Autoritäten für den
       Kommunismus zusammen.  Er macht  durchaus nicht  die  Prätension,
       eine historische  Bewegung zu schildern. Der Kommunismus gilt den
       französischen Bourgeois  für eine anrüchige Person. Gut, sagt Ca-
       bet, ich  werde Euch Zeugenbeweise der respektabelsten Männer al-
       ler Zeiten beibringen, die für den Charakter meines Klienten ein-
       stehen; und  Cabet verfährt  wie ein  Advokat. Selbst  die seinem
       Klienten ungünstigen  Zeugenaussagen verwandelt  er in  günstige.
       Historische Treue ist in einem Plaidoyer nicht zu verlangen. Wenn
       ein berühmter  Mann gelegentlich einmal gegen das Geld, gegen die
       Ungleichheit, gegen  den Reichtum,  gegen soziale  Mißstände  ein
       Wort hat fallen lassen, Cabet hebt es auf, bittet es zu wiederho-
       len, macht es zum Glaubensbekenntnis des Mannes, läßt es drucken,
       klatscht in die Hände und ruft mit ironischer Bonhomie seinem ge-
       ärgerten Bourgeois  zu: Écoutez, écoutez, n'était-il pas communi-
       ste? 1*)  Da entgeht ihm keiner, nicht Montesquieu, nicht Sieyès,
       nicht Lamartine,  nicht einmal  Guizot - alles Kommunisten malgré
       eux 2*). Voilà mon communiste tout trouvé! 3*)
       Herr Grün in seiner produktiven Laune liest die von Cabet für das
       achtzehnte Jahrhundert gesammelten Zitate; er zweifelt keinen Au-
       genblick, daß  das alles  seine Richtigkeit  habe, er phantasiert
       dem Leser einen mystischen Zusammenhang vor zwischen den Schrift-
       stellern, die  bei Cabet  sich zufällig auf einer Seite begegnen,
       er übergießt  das Ganze  mit seiner  jungdeutsch-belletristischen
       Jauche und tauft es dann wie oben.
       
       Also.
       -----
       1*) Hört, hört, war er nicht Kommunist? - 2*) gegen ihren Willen.
       - 3*) Da haben wir meinen Kommunisten ertappt!
       
       #509# Dt. Ideologie - Der wahre Sozialismus. IV. Kar! Grün
       -----
       Herr Grün:
       Herr Grün eröffnet seinen Rückblick mit folgenden Worten:
       
       "Die soziale  Idee ist  nicht vom  Himmel gefallen, sie ist orga-
       nisch, d.h.  im Wege der allmählichen Entwicklung entstanden. Ich
       kann hier  ihre vollständige  Geschichte  nicht  schreiben,  kann
       nicht bei Indern und Chinesen beginnen, nach Persien, Ägypten und
       Judäa übergehen, die Griechen und Römer um ihr gesellschaftliches
       Bewußtsein fragen,  das Christentum,  den Neuplatonismus  und die
       Patristik verhören,  das Mittelalter und die Araber reden lassen,
       die Reformation und die erwachende Philosophie untersuchen und so
       bis aufs achtzehnte Jahrhundert kommen." p. 261.
       
       Cabet:
       Cabet eröffnet seine Zitate mit folgenden Worten:
       
       "Vous prétendez,  adversaires de  la communauté, qu'elle n'a pour
       elle que quelques opinions sans crédit et sans poids; eh bien, je
       vais interroger  devant vous  l'histoire et tous les philosophes:
       écoutez! Je  ne m'arrête  pas à  vous parier de plusieurs peuples
       anciens, qui  pratiquaient ou  avaient pratiqué la communauté des
       biens! Je  ne m'arrête  non plus  aux Hébreux  ... ni aux prêtres
       Égyptiens, ni  à Minos  ... Lycurgue  et Pythagore ... je ne vous
       parle non plus de Confucius et de Zoroastre, qui l'un en Chine et
       l'autre en  Perse ...  proclamèrent ce  principe." 1*) "Voyage en
       Icarie", deuxième edition, p. 470.
       
       Nach den  angeführten Stellen  geht Cabet auf die griechische und
       römische Geschichte  ein, verhört  das Christentum, den Neuplato-
       nismus, die  Patristik, das Mittelalter, die Reformation, die er-
       wachende Philosophie.  Vgl. Cabet, p. 471-482. Herr Grün überläßt
       das Abschreiben  dieser elf  Seiten andern  "geduldigeren Leuten,
       dafern der  Bücherstaub den"  (zum Abschreiben  nämlich) "nötigen
       Humanismus in  ihrem Herzen hat bestehen lassen". Gr[ün,] p. 261.
       Nur das  soziale Bewußtsein  der  A r a b e r  gehört Herrn Grün.
       Wir harren  mit Sehnsucht  der Aufschlüsse,  die er  hierüber der
       Welt mitzuteilen  hat. "Ich  muß mich aufs achtzehnte Jahrhundert
       beschränken." Folgen  wir Herrn  Grün ins  achtzehnte Jahrhundert
       und bemerken  wir nur  vorher, daß  fast ganz   d i e s e l b e n
       W o r t e  bei Grün wie bei Cabet unterstrichen sind.
       -----
       1*) "Ihr Gegner  der Gemeinschaft  behauptet, sie habe nur einige
       Meinungen ohne  Ansehen und  Gewicht für sich; nun, ich werde vor
       euren Augen  die Geschichte  und alle Philosophen befragen: hört!
       Ich halte  mich nicht  damit auf, euch von mehreren alten Völkern
       zu erzählen, die die Gütergemeinschaft praktizierten oder prakti-
       ziert hatten! Ebensowenig halte ich mich bei den Hebräern auf ...
       bei den  ägyptischen Priestern, bei Minos ... Lykurg und Pythago-
       ras ...  ich sage euch auch nichts von Konfuzius und Zarathustra,
       die, der eine in China und der andere in Persien ... dieses Prin-
       zip verkündeten."
       
       #510# Karl Marx und Friedrich Engels
       -----
       Herr Grün:
       
       "Locke, der  Begründer des  Sensualismus sagt: Derjenige, welcher
       über seine  Bedürfnisse hinaus  besitzt, überspringt  die Grenzen
       der Vernunft  und der ursprünglichen Gerechtigkeit und raubt, was
       Andern gehört.   J e d e r    Ü b e r f l u ß    i s t    e i n e
       U s u r p a t i o n,   und der  Anblick des Dürftigen muß 1*) die
       Gewissensbisse in  der Seele des Reichen erwecken. Verderbte Men-
       schen, die  ihr im  Überflusse und der Wollust schwimmt, zittert,
       daß eines  Tages der Unglückliche, der des Notwendigen ermangelt,
       w a h r h a f t   d i e   R e c h t e    d e s    M e n s c h e n
       k e n n e n l e r n e.   Der Betrug,  die Treulosigkeit, die Hab-
       sucht  haben   die  Ungleichheit   des  Besitzes  hervorgebracht,
       w e l c h e  d a s  U n g l ü c k  d e s  m e n s c h l i c h e n
       G e s c h l e c h t s   a u s m a c h t,  indem sie auf der einen
       Seite neben den Reichtümern, auf der andern neben dem Elende alle
       Leiden aufhäuft.  D e r  P h i l o s o p h  m u ß  a l s o  d e n
       G e b r a u c h   d e r  M ü n z e  a l s  e i n e  d e r  v e r-
       d e r b l i c h s t e n        E r f i n d u n g e n        d e r
       m e n s c h l i c h e n  I n d u s t r i e  b e t r a c h t e n."
       p. [265,] 266.
       
       Cabet:
       
       "Mais voici Locke, écoutez-le s'écrier dans son admirable  G o u-
       v e r n e m e n t   c i v i l:  'Celui qui possède au delà de ses
       besoins, passe les bornes de la raison et de la justice primitive
       et  e n l è v e  ce qui  a p p a r t i e n t  a u x  a u t r e s.
       Toute  s u p e r f l u i t è  est une  u s u r p a t i o n, et la
       vue de l'indigent devrait éveiller le remords dans l'âme du nche.
       Hommes pervers,  qui  nagez  dans  l'opulence  et  les  voluptés,
       tremblez  qu'un   jour  l'infortuné   qui  manque  du  nécessaire
       n'aprenne  à   connaître  vraiment   les     d r o i t s      d e
       l' h o m m e.'   Écoutez-le s'écrier  encore: 'La fraude, la mau-
       vaise  foi,   l'avarice  ont  produit  cette    i n é g a l i t é
       d a n s   l e s   f o r t u n e s,   qui fait  le   m a l h e u r
       d e   l' e s p è c e    h u m a i n e,   en amoncelant  d'un côté
       tous les  vices avec la richesse et de l'autre tous les maux avec
       la misère'  (woraus Herr  Grün Unsinn  macht). Le philosophe doit
       donc considerer  l'usage de la  m o n n a i e  comme une des plus
       f u n e s t e s  inventions de l'industrie humaine." 2*) p. 485.
       
       Herr Grün schließt aus diesen Zitaten Cabets, daß Locke "ein Geg-
       ner des Geldsystems" (p. 264), "der erklärteste Gegner des Geldes
       und jedes  Besitzes, der  über das Bedürfnis hinausgeht" (p. 266)
       gewesen sei.  Leider ist  dieser Locke  einer der  ersten wissen-
       schaftlichen Verfechter des Geldsystems,
       -----
       1*) bei Grün:  müßte - 2*) "Doch hier ist Locke; hört ihn in sei-
       ner bewundernswürdigen  'Bürgerlichen Regierung'  ausrufen: 'Der-
       jenige, der  über seine Bedürfnisse hinaus besitzt, überschreitet
       die Grenzen der Vernunft und der ursprünglichen Gerechtigkeit und
       raubt das,  was den  anderen  gehört.  Jeder  Überfluß  ist  eine
       Usurpation, und  der Anblick  des Bedürftigen  müßte  den  Gewis-
       sensbiß in  der Seele des Reichen wecken. Verderbte Menschen, die
       ihr in  Überfluß und  Wollust schwimmt,  zittert, daß eines Tages
       der Unglückliche,  der des  Notwendigen ermangelt,  wahrhaft  die
       Rechte des  Menschen kennenlerne.' Hört ihn weiter ausrufen: 'Der
       Betrug, die  Unredlichkeit, die Habsucht haben, indem sie auf der
       einen Seite  alle Laster  neben dem  Reichtum und auf der anderen
       alle Leiden neben dem Elend aufhäuften, jene Ungleichheit des Be-
       sitzes hervorgebracht,  die  das  Unglück  des  menschlichen  Ge-
       schlechts ausmacht.'  Der Philosoph  muß also  den  Gebrauch  des
       Geldes als  eine der verderblichsten Erfindungen der menschlichen
       Betriebsamkeit betrachten."
       
       #511# Dt. Ideologie - Der wahre Sozialismus. IV. Karl Grün
       -----
       ein ganz spezieller Patron des Durchpeitschens der Vagabunden und
       Paupers, einer der Doyens der modernen Nationalökonomie.
       
       Herr Grün:
       
       "Schon Bossuet,  der Bischof  von Meaux, sagt in seiner 'Politik,
       aus der  Heiligen Schrift gezogen': 'Ohne die Regierungen' ('ohne
       die Politik'  - lächerlicher  Zusatz des  Herrn Grün)  'würde die
       Erde nebst  allen ihren  Gütern ebenso  gemeinschaftlich den Men-
       schen gehören als Luft und Licht; nach dem Urrechte der Natur hat
       Niemand das  besondre Recht  auf irgend etwas. Alles  g e h ö r t
       A l l e n,   a u s   d e r   b ü r g e r l i c h e n   R e g i e-
       r u n g  e n t s p r i n g t  d a s  E i g e n t u m.'  Ein Pfaff
       aus dem  siebzehnten Jahrhundert  besitzt die Ehrlichkeit, solche
       Dinge  zu   sagen,  solche  Anschauungen!  Auch  der  germanische
       P u f f e n d o r f,   den man"  (i.e. Herr  Grün) "nur aus einem
       Schillerschen Epigramm  [196] kennt,  meinte:  'D i e  g e g e n-
       w ä r t i g e   U n g l e i c h h e i t  d e s  V e r m ö g e n s
       i s t  e i n e  U n g e r e c h t i g k e i t, welche die übrigen
       Ungleichheiten nach  sich  ziehen  kann  durch  die    U n v e r-
       s c h ä m t h e i t   der Reichen  und durch die  F e i g h e i t
       der Armen.'" p. 270. Herr Grün fügt noch hinzu: "Wir wollen nicht
       abschweifen, sondern in Frankreich bleiben."
       
       Cabet:
       
       "+coutez le  baron de Puffendorff, professeur de droit naturel en
       Allemagne et  conseiller d'état à Stockholm et à Berlin, qui dans
       son droit de la nature et des gens réfute la doctrine d'Hobbes et
       de Grotius sur la monarchie absolue, qui proclame l'égalité natu-
       relle, la  fraternité, la  communauté des biens primitive, et qui
       reconnaît que  la propriété  est une institution humaine, qu'elle
       résulte d'un partage consenti pour assurer à chacun et surtout au
       travailleur une  possession perpétuelle,  indivise ou  divise, et
       que par  conséquent l'inégalité actuelle de fortune est une inju-
       stice qui  n'entraîne les  autres inégalités" (unsinnig von Herrn
       Grün übersetzt) "que par l'insolence des riches et la lâcheté des
       pauvres.
       Et Bossuet,  l'évêque de  Meaux,  le  précepteur  du  dauphin  de
       France, le célèbre Bossuet, dans sa 'Politique tiré de l'Ecriture
       sainte', redigée  pour l'instruction  du Dauphin, ne reconnaît-il
       pas aussi  que sans  les gouvernements la terre et tous les biens
       seraient aussi  communs entre les hommes que l'air et la lumière:
       Selon le droit primitif de la nature nul n'a le droit particulier
       sur quoi  que ce  soit: tout est à tous, et c'est du gouvernement
       civil que naît la propriété." 1*) p. 486.
       -----
       1*) "Hört den Baron von Puffendorff, Professor des Naturrechts in
       Deutschland und  Staatsrat in Stockholm und Berlin, der in seinem
       Natur- und  Völkerrecht die Lehre von Hobbes und Grotius über die
       absolute Monarchie  widerlegt, der die natürliche Gleichheit, die
       Brüderlichkeit und  die ursprüngliche Gütergemeinschaft verkündet
       und der  erkennt, daß  das Eigentum  eine menschliche Einrichtung
       ist, daß  es aus  einer allgemein gebilligten Teilung hervorgeht,
       um jedem  und vor allem dem Arbeiter einen dauernden, ungeteilten
       oder geteilten  Besitz zu sichern, und daß folglich die gegenwär-
       tige Ungleichheit  der Vermögen eine Ungerechtigkeit ist, die die
       anderen Ungleichheiten  (...) nur  durch die  Unverschämtheit der
       Reichen
       
       #512# Karl Marx und Friedrich Engels
       -----
       Herrn Grüns  "Abschweifung" von Frankreich besteht darin, daß Ca-
       bet einen  Deutschen zitiert.  Er orthographiert  sogar den deut-
       schen Namen  nach der unrichtigen Orthographie des Franzosen. Ab-
       gesehen davon,  daß er gelegentlich falsch übersetzt und ausläßt,
       überrascht er  durch seine  Verbesserungen. Cabet  spricht zuerst
       von Pufendorff und dann von Bossuet, Herr Grün spricht zuerst von
       Bossuet und  dann von  Pufendorff. Cabet  spricht von Bossuet als
       einem berühmten  Mann; Herr Grün nennt ihn "einen Pfaffen". Cabet
       zitiert den  Pufendorff mit  seinen Titeln;  Herr Grün  macht die
       aufrichtige Bemerkung,  daß man  ihn nur  aus einem Schillerschen
       Epigramm kenne.  Jetzt kennt er ihn auch aus einem Cabetschen Zi-
       tat, und  es zeigt  sich, daß  der bornierte Franzose Cabet nicht
       nur seine  eignen Landsleute,  sondern auch  die Deutschen besser
       studiert hat als Herr Grün.
       Cabet sagt:  "Ich beeile  mich, auf  die großen  Philosophen  des
       achtzehnten Jahrhunderts  zu kommen,  und ich beginne mit Montes-
       quieu", p.  487; Herr Grün, um auf Montesquieu zu kommen, beginnt
       mit einer  Schilderung "des  legislativen Genies  des achtzehnten
       Jahrhunderts", p. 282. Man vergleiche ihre wechselseitigen Zitate
       aus Montesquieu, Mably, Rousseau, Turgot. Uns genügt es hier, Ca-
       bet und Herrn Grün über Rousseau und Turgot zu vergleichen. Cabet
       kommt von  Montesquieu zu  Rousseau; Herr Grün konstruiert diesen
       Übergang: "Rousseau  war der  radikale Politiker, wie Montesquieu
       der konstitutionelle."
       
       Herr Grün zitiert aus Rousseau:
       
       "Das größte  Übel ist schon geschehen, wenn man Arme zu verteidi-
       gen und Reiche im Zaum zu halten hat etc." ......................
       (endet mit den Worten) "woraus folgt, daß der soziale Zustand den
       Menschen nur  dann vorteilhaft ist, wenn sie Alle von ihnen etwas
       und keiner von ihnen zuviel hat." Rousseau wird nach Herrn Grün
       
       Cabet:
       
       "Écoutez maintenant  Rousseau, l'auteur  de cet immortel 'Contrat
       social' ... écoutez: 'Les hommes sont égaux en droit. La nature a
       rendu tous  les biens  communs ... dans le cas de partage le part
       dechacun devient  sa propriété.  Dans tous les cas la société est
       toujours seule  proptiétaire de  tous les  biens.'" (Pointe,  die
       Herr Grün  wegläßt.) "Écoutez encore: ..." (endet:) "d'où il suit
       que l'état social n'est avantageux
       -----
       und die  Feigheit der  Armen nach  sich zieht. - Und Bossuet, der
       Bischof von  Meaux, der  Lehrer des  Thronfolgers von Frankreich,
       der berühmte  Bossuet, erkennt  er nicht auch in seiner 'Politik,
       aus der  Heiligen Schrift gezogen', die er für den Unterricht des
       Thronfolgers verfaßte, daß ohne die Regierungen die Erde und alle
       Güter den  Menschen ebenso  gemeinsam gehören würden wie die Luft
       und das  Licht: Nach  dem ursprünglichen Recht der Natur hat nie-
       mand das  besondere Recht  auf irgend  etwas; alles gehört allen,
       und erst aus der bürgerlichen Regierung entspringt das Eigentum."
       
       #513# Dt. Ideologie - Der wahre Sozialismus. IV. Karl Grün
       -----
       "konfus und völlig schwankend, wenn er sich über die Frage erklä-
       ren soll:  Welche Umwandlung  geht mit  dem früheren  Besitz vor,
       wenn der naturwilde Mensch in die Gesellschaft tritt? Was antwor-
       tet er?  Er antwortet:  Die Natur hat alle Güter gemeinschaftlich
       gemacht" ...  (endet mit den Worten:) "im Fall einer Teilung wird
       der Anteil eines Jeden sein Eigentum." p. 284, 285.
       
       aux hommes  qu'autant qu'il  ont tous  quelque chose  et qu'aucun
       d'eux n'a rien de trop.'
       Écoutez. écoutez  encore Rousseau  dans son 'Economie politique':
       'Le plus  grand mal est déjà fait quand on a des pauvres à defén-
       dre, et des riches à contenir'" 1*), etc. etc. p. 489, 490.
       
       Herrn Grüns  geniale Neuerungen bestehen hier darin, erstens, daß
       er die  Zitate aus dem "Contrat social" und der "Économie politi-
       que" durcheinanderwirft,  und zweitens, daß er damit anfängt, wo-
       mit Cabet  schließt. Cabet  nennt  die  Titel  der  Rousseauschen
       Schriften, woraus  er zitiert,  Herr Grün  verschweigt sie. Diese
       Taktik erklären wir daraus, daß Cabet von einer "Économie politi-
       que" des  Rousseau spricht,  die Herr Grün nicht einmal aus einem
       Schillerschen Epigramme kennen kann. Herrn Grün, der alle Geheim-
       nisse der  "Encyclopédie" durchschaut  hat (vgl.  p. 263), war es
       ein Geheimnis,  daß Rousseaus  "Économie politique" nichts andres
       ist als  der Artikel der "Encyclopédie" über die économie politi-
       que.
       Gehen wir zu Turgot über. Bei diesem begnügt sich Herr Grün nicht
       mehr mit dem bloßen Kopieren der Zitate, er schreibt die Schilde-
       rung ab, die Cabet von Turgot gibt.
       
       Herr Grün:
       
       "Einer der  edelsten und  vergeblichsten Versuche,  auf dem Boden
       des Alten, das den Zusammensturz allerwärts drohte, das Neue auf-
       zupflanzen, wurde  von Turgot  gemacht. Umsonst. Die Aristokratie
       bringt eine  künstliche Hungersnot,  bringt Revolten  zuwege, ka-
       baliert und verleumdet
       
       Cabet:
       
       "Et cependant,  tandis que le roi déclare que lui seul et son mi-
       nistre (Turgot)  sont dans la cour les amis du peuple, tandis que
       le peuple  le comble de ses bénédictions, tandis que les philoso-
       phes le  couvrent de  leur admiration,  tandis que Voltaire veut,
       avant de mourir, baiser la
       ------
       1*) "Hört  jetzt   Rousseau,  den   Verfasser  des  unsterblichen
       'Gesellschaftsvertrags' ...  hört: 'Die  Menschen sind  im Rechte
       gleich. Die  Natur hat  alle Güter gemeinschaftlich gemacht... Im
       Falle der  Teilung wird  der Anteil eines jeden sein Eigentum. In
       allen Fällen  ist die Gesellschaft immer die einzige Eigentümerin
       aller Güter.'  Hört weiter:,...  woraus folgt,  daß  der  gesell-
       schaftliche Zustand  den Menschen  nur dann vorteilhaft ist, wenn
       sie alle  etwas haben  und wenn  keiner von  ihnen zuviel hat.' -
       Hört, hört ferner Rousseau in seiner 'Politischen Ökonomie': 'Das
       größte Übel ist schon geschehen, wenn man Arme zu verteidigen und
       Reiche im Zaume zu halten hat.'"
       
       #514# Karl Marx und Friedrich Engels
       -----
       so lange, bis der debonnäre Ludwig seinen Minister entläßt. - Die
       Aristokratie wollte  nicht hören, sie mußte also fühlen. Die Ent-
       wicklung der  Menschheit rächt  immer die guten Engel, welche den
       letzten dringenden  Mahnruf vor einer Katastrophe ergehen lassen,
       auf das  Furchtbarste. Das französische Volk segnete Turgot, Vol-
       taire wünschte  ihm vor seinem Tode die Hand zu küssen, der König
       hatte ihn  seinen Freund genannt ... Turgot, der Baron, der Mini-
       ster, einer der letzten Feudalherren, trug sich mit dem Gedanken,
       man müsse  eine Hauspresse  erfinden, um  die Preßfreiheit völlig
       sicherzustellen." p. 289, 290.
       
       main qui  a signé tant d'améliorations populaires, l'aristocratie
       conspire, organise  même une  vaste famine et des émeutes pour le
       perdre et  fait tant  par ses intrigues et calomnies qu'elle par-
       vient à  déchaîner les salons de Paris contre le réformateur et à
       perdre Louis  XVI lui-même  en le  forçant à renvoyer le vertueux
       ministre qui  le sauverait."  p. 497.  "Revenons à Turgot, baron,
       ministre de Louis XVI pendant la première année de son règne, qui
       veut réformer  les abus, qui fait une foule de réformes, qui veut
       faire établir une nouvelle langue et qui, pour assurer la liberté
       de la presse, travaille lui-même à l'invention d'une presse à do-
       micile." 1*) p. 495.
       
       Cabet nennt  Turgot Baron  und Minister,  Herr Grün  schreibt ihm
       dies ab. Um Cabet zu verschönern, verwandelt er den jüngsten Sohn
       des  Prévôts   2*)  der   Kaufleute  von   Paris  in  "einen  der
       ä l t e s t e n  Feudalherren". Cabet irrt sich, wenn er die Hun-
       gersnot und  die Revolte  von 1775  als Machwerk der Aristokratie
       hinstellt. Bis  auf die heutige Zeit ist man über die Urheber des
       Geschreis über die Hungersnot und der damit zusammenhängenden Be-
       wegung nicht aufgeklärt. Jedenfalls hatten die Parlamente und po-
       puläre Vorurteile  weit mehr  Anteil daran  als die Aristokratie.
       Daß Herr  Grün diesen  Irrtum des  "bornierten  Papa"  Cabet  ab-
       schreibt, ist in der Ordnung. Er glaubt an ihn wie an ein Evange-
       lium. Auf Cabets Autorität gestützt, zählt Herr Grün Turgot unter
       die Kommunisten,  Turgot, einen  der Chefs  der  physiokratischen
       Schule, den  entschiedensten Vertreter der freien Konkurrenz, den
       Verteidiger des
       -----
       1*) "Indes, während  der König  erklärt, am  Hofe seien allein er
       und sein  Minister (Turgot)  Freunde des Volkes, während das Volk
       ihn mit  seinen Segnungen  überhäuft, während die Philosophen ihn
       mit Bewunderung  überschütten, während  Voltaire vor  seinem Tode
       die Hand küssen will, die soviel dem Volk wohltätige Verordnungen
       unterschrieben hat - währenddessen verschwört sich die Aristokra-
       tie, organisiert sogar eine ausgedehnte Hungersnot und Aufstände,
       um ihn  zu stürzen, und erreicht mit ihren Ränken und Verleumdun-
       gen so  viel, daß  sie die  Salons von Paris gegen den Reformator
       entfesselt und Ludwig XVI. selbst zugrunde richtet, indem sie ihn
       zwingt, den  tugendhaften Minister zu entlassen, der ihn gerettet
       hätte." -  "Kehren wir  zu Turgot zurück, dem Baron, dem Minister
       Ludwigs XVI.  im ersten Jahr seiner Regierung, der die Mißbräuche
       reformieren will,  der eine  Menge Reformen  durchführt, der eine
       neue Sprache einführen will und der, um die Pressefreiheit zu si-
       chern, selbst  an der Erfindung einer Hauspresse arbeitet." - 2*)
       Vorstehers
       
       #515# Dt. Ideologie - Der wahre Sozialismus. IV. Karl Grün
       -----
       Wuchers, den Lehrer Adam Smiths. Turgot war ein großer Mann, weil
       er seiner  Zeit entsprach  und nicht  den Einbildungen  des Herrn
       Grün. Wie diese entstanden sind, haben wir gezeigt.
       Gehen wir  nun zu  den Männern der französischen Revolution über.
       Cabet setzt  seinen Bourgeois,  gegen den er plädiert, in die äu-
       ßerste Verlegenheit, indem er Sieyès unter die Vorläufer des Kom-
       munismus zählt,  und zwar  weil Sieyès  die Gleichheit der Rechte
       anerkenne und  das Eigentum  erst durch  den Staat  sanktionieren
       lasse, Cabet,  p. 499-502. Herr Grün, der "jedesmal dazu verdammt
       ist, den  französischen Geist, wenn er ihn in der Nähe hat, unge-
       nügend und oberflächlich zu finden", schreibt dies getrost ab und
       bildet sich ein, ein alter Parteichef wie Cabet sei dazu berufen,
       den "Humanismus"  des Herrn Grün "vor dem Bücherstaub" zu konser-
       vieren. Cabet  fährt fort:  "Écoutez le fameux Mirabeau!" 1*), p.
       504, Herr  Grün sagt:  "Hören wir  Mirabeau!" p. 292, und zitiert
       einige der von Cabet hervorgehobenen Stellen, worin Mirabeau sich
       für gleiche  Teilung der  Erbschaft unter  den Geschwistern  aus-
       spricht. Herr  Grün ruft  aus: "Kommunismus  für die Familie!" p.
       292. Nach  dieser Methode  kann Herr Grün sämtliche Bourgeois-In-
       stitutionen durchgehen  und überall ein Stück Kommunismus finden,
       so daß sie alle zusammen der vollendete Kommunismus sind. Er kann
       den Code  Napoleon einen  Code de la communaute 2*) taufen und in
       den Hurenhäusern,  Kasernen und Gefängnissen kommunistische Kolo-
       nien entdecken.
       Schließen wir  diese langweiligen  Zitate mit Condorcet. Die Ver-
       gleichung der  beiden Bücher  wird dem  Leser hier  ganz speziell
       zeigen, wie Herr Grün ausläßt, durcheinanderwirft, bald Titel zi-
       tiert, bald  nicht, die chronologischen Daten wegläßt, aber genau
       der Ordnung Cabets folgt, selbst wenn dieser nicht genau nach der
       Chronologie geht,  und schließlich  es doch nie weiter bringt als
       zu einem schlecht und ängstlich maskierten Auszuge aus Cabet.
       
       Herr Grün:
       
       "Der radikale  Girondist ist  Condorcet. Er erkennt die Ungerech-
       tigkeit der  Besitzverteilung an,  er entschuldigt  das arme Volk
       ... wenn  das Volk  ein wenig  diebisch aus Prinzip sei, so liege
       das an den Institutionen.
       In seinem Journal 'Der soziale Unterricht' ... er gestattet sogar
       große Kapitalisten ...
       
       Cabet:
       
       "Entendez Condorcet soutenir dans sa réponse à l'académie de Ber-
       lin"... (kommt  lange Stelle  bei Cabet,  schließt:) "'C'est donc
       uniquement parce  que les institutions sont mauvaises que le peu-
       ple est si souvent un peu voleur par principe.'
       Écoutez-le dans son Journal 'L'instruction sociale' ... il tolère
       même de grands capitalistes." pp.
       -----
       1*) "Hört den  berühmten Mirabeau!"  - 2*) Gesetzbuch der Gemein-
       schaft
       
       #516# Karl Marx und Friedrich Engels
       -----
       Condorcet machte  bei der Legislative den Antrag, die 100 Millio-
       nen der  drei emigrierten  Prinzen in  100 000 Teile zu verteilen
       ... organisiert  den Unterricht  und die    E i n r i c h t u n g
       öffentlicher Unterstützungen." (Vgl. Urtext.)
       
       "In   s e i n e m   Bericht über die öffentliche Erziehung an die
       Legislative sagt  Condorcet: 'Allen  Individuen der  menschlichen
       Gattung die Mittel darbieten, ihre Bedürfnisse zu befriedigen ...
       das ist  der Gegenstand  des Unterrichts  und die  Pflicht  einer
       Staatsgewalt etc.'"  (Hier verwandelt  Herr Grün  den Bericht des
       Komitees   ü b e r  Condorcets Plan in einen Bericht Condorcets.)
       Grün p. 293, 294.
       
       "Écoutez Tun  des chefs  Girondins, le philosophe Condorcet, le 6
       juillet 1792  à la  tribune de l'assemblée législative: 'Décrétez
       que les  biens des  trois princes, francais (Louis XVIII, Charles
       X, et  le prince  de Condé'"  - was Herr Grün wegläßt -) "'soient
       sur-le-champ mis en vente ... ils montent à prés de 100 millions,
       et vous remplacerez trois princes par cent mille citoyens ... or-
       ganisez l'instruction et les établissements de secours publics.'
       Mais  écoutez  le  comité  d'instruction  publique  presentant  à
       l'assemblée législative  son rapport  sur le plan d'éducation ré-
       digé par Condorcet, 20 avril 1792: 'L'éducation publique doit of-
       frir à  tous les  individus les  moyens de  pourvoir à  leurs be-
       soins... tel doit être le premier but d'une instruction nationale
       et sous  ce point  de vue elle est pour la puissance politique un
       devoir de justice'" 1*), pp., p. 502, 503, 505, 509.
       
       Herr Grün,  der durch  diese unverschämte Abschreiberei aus Cabet
       den französischen  Arbeitsorganisierern auf historischem Wege das
       Bewußtsein ihres  Wesens beibringt,  verfährt nebenbei  noch nach
       dem Prinzip:  Divide et  impera 2*). Er wirft zwischen die Zitate
       sogleich sein  Endurteil über  die Leute, die er soeben aus einer
       Stelle kennengelernt, ferner einige Phrasen über die
       ------
       1*) "Hört Condorcet  in seiner  Antwort an  die Berliner Akademie
       behaupten '... Also einzig, weil die Einrichtungen schlecht sind,
       ist das  Volk so  oft aus Prinzip ein wenig diebisch.' - Hört ihn
       in seinem  Journal 'Der  soziale  Unterricht'...  erduldet  sogar
       große Kapitalisten  ..." - "Hört einen der Girondistenführer, den
       Philosophen Condorcet,  am 6.  Juli 1792  auf der Tribüne der ge-
       setzgebenden Versammlung:  'Dekretiert, daß  die Güter  der  drei
       französischen Prinzen  (Ludwigs XVIII.,  Karl X.  und des Prinzen
       von Condé)  auf der  Stelle zum Verkauf ausgeboten werden ... sie
       belaufen sich auf nahezu 100 Millionen, und ihr werdet drei Prin-
       zen durch  hunderttausend Staatsbürger  ersetzen ...  organisiert
       den Unterricht  und öffentliche  Unterstützungseinrichtungen.'  -
       Aber hört das Komitee für den öffentlichen Unterricht, wie es der
       gesetzgebenden Versammlung  seinen Bericht über den von Condorcet
       entworfenen Erziehungsplan  am 20.  April 1792  vorlegt: 'Die öf-
       fentliche Erziehung soll allen Individuen die Mittel bieten, ihre
       Bedürfnisse zu  befriedigen ... dies muß das erste Ziel eines na-
       tionalen Unterrichts  sein, und unter diesem Gesichtspunkt ist er
       eine Pflicht der Gerechtigkeit für die politische Gewalt.'" - 2*)
       Teile und herrsche
       
       #517# Dt. Ideologie - Der wahre Sozialismus, IV. Karl Grün
       -----
       französische Revolution,  und teilt  das Ganze  in  zwei  Hälften
       durch einige  Zitate aus Morelly, der gerade zur rechten Zeit für
       Herrn Grün durch Villegardelle in Paris en vogue 1*) gebracht und
       von dem  die Hauptstellen bereits lange vor Herrn Grün im Pariser
       "Vorwärts" [197]  übersetzt worden waren. Von der Liederlichkeit,
       mit der  Herr Grün  übersetzt, hier  nur ein  paar eklatante Bei-
       spiele:
       
       Morelly:
       
       "L'intérêt rend les coeurs dénaturés et répand l'amertume sur les
       plus doux  liens, qu'il  change en  de pesantes chaînes que déte-
       stent chez nous les époux en se détestant eux-mêmes." 2*)
       
       Herr Grün:
       
       "Das Interesse  macht die  Herzen unnatürlich und verbreitet Bit-
       terkeit über die süßesten Bande, die es in schwere Ketten verwan-
       delt, welche  unsre Gatten Verabscheuen und sich selbst dazu." p.
       274.
       
       Reiner Unsinn.
       
       Morelly:
       
       "Notre âme ... contracte une soif si furieuse qu'elle se suffoque
       pour l'étancher." 3*)
       
       Herr Grün:
       
       "Unsere Seele  ... bekommt  ... einen  so wütenden Durst, daß sie
       erstickt, um ihn zu löschen." ibid.
       
       Wieder reiner Unsinn.
       
       Morelly:
       
       "Ceux qui  prétendent régler  les moeurs  et dicter des lois" 4*)
       pp.
       
       Herr Grün:
       
       "Die, welche  sich dafür  ausgeben, die  Sitten zu regeln und Ge-
       setze zu diktieren" pp., p. 275.
       
       Alle drei  Fehler aus,  einem einzigen  Passus von Morelly, in 14
       Zeilen bei  Herrn Grün.  Auch in seiner Darstellung Morellys sind
       große Plagiate aus Villegardelle.
       -----
       1*) in Mode  - 2*)  "Das Interesse  läßt die  Herzen entarten und
       verbreitet Bitterkeit  über die süßesten Bande, die es in schwere
       Ketten verwandelt,  welche bei uns die Gatten verabscheuen, indem
       sie zugleich  sich selbst  verabscheuen." - 3*) "Unsere Seele be-
       kommt einen  so wütenden  Durst, daß sie sich erstickt, um ihn zu
       löschen." -  4*) "Die, welche  sich anmaßen, die Sitten zu regeln
       und Gesetze zu diktieren"
       
       #518# Karl Marx und Friedrich Engels
       -----
       Herr Grün  kann seine ganze Weisheit über das achtzehnte Jahrhun-
       dert und die Revolution in folgende Worte zusammenfassen:
       
       "Gegen die alte Welt liefen der Sensualismus, der Deismus und der
       Theismus vereinigt  Sturm. Die  alte Welt  stürzte. Als eine neue
       Welt erbaut  werden sollte,  siegte der  Deismus in  der  Konsti-
       tuante, der Theismus im Konvent, der reine Sensualismus wurde ge-
       köpft oder stumm gemacht." p. 263.
       
       Man sieht,  wie die philosophische Manier, die Geschichte mit ei-
       nigen kirchengeschichtlichen  Kategorien abzufertigen,  bei Herrn
       Grün auf  der Stufe  der tiefsten Erniedrigung, der bloßen belle-
       tristischen Phrase  steht; wie  sie nur  dazu dient, die Arabeske
       seiner Plagiate zu bilden. Avis aux philosophes! 1*)
       Wir übergehen,  was Herr  Grün über den Kommunismus sagt. Die hi-
       storischen Notizen  sind aus Cabets Broschüren abgeschrieben, die
       "Voyage en  Icarie" in  der vom  wahren  Sozialismus  adoptierten
       Weise  aufgefaßt   (vgl.  "Bürgerbuch"   und  "Rheinische   Jahr-
       b[ücher]"). [198]  Herr Grün  beweist seine  Kenntnis  der  fran-
       zösischen und  zugleich der  englischen Zustände  dadurch, daß er
       Cabet den  "kommunistischen O'Connell  von Frankreich"  nennt, p.
       382, und sagt dann:
       
       "Er wäre imstande, mich hängen zu lassen, wenn er die Gewalt dazu
       hätte und  wüßte, was ich über ihn denke und schreibe. Diese Agi-
       tatoren sind  für Unsereins gefährlich, weil sie  b o r n i e r t
       sind." p. 382.
       
       Proudhon
       
       "Herr Stein  hat sich selbst das glänzendste Armutszeugnis ausge-
       stellt, da  er diesen Proudhon en bagatelle 2*) behandelte" (vgl.
       "Einundzw[anzig] Bogen",  p. 84).  "Es gehört freilich etwas mehr
       als Hegelscher  abgekochter Kohl dazu, um diese inkarnierte Logik
       zu verfolgen." p. 411.
       
       Einige wenige  Beispiele mögen zeigen, daß Herr Grün auch in die-
       sem Abschnitte sich treu bleibt.
       Er übersetzt von p. 437-444 einige Auszüge aus den nationalökono-
       mischen Beweisen  Proudhons, daß  das Eigentum unmöglich sei, und
       ruft am Ende aus:
       
       "Dieser Kritik des Eigentums, welche die  v o l l s t ä n d i g e
       A u f l ö s u n g   desselben ist, brauchen wir nichts hinzuzufü-
       gen! Wir wollen hier nicht eine neue Kritik schreiben,
       -----
       1*) Warnung an die Philosophen! - 2*) als eine Null
       
       #519# Dt. Ideologie - Der wahre Sozialismus. IV. Karl Grün
       -----
       welche wieder die Gleichheit der Produktion, die Vereinzelung der
       gleichen Arbeiter  aufhöbe. Schon  oben habe ich das Nötige ange-
       deutet, das  Übrige" (was Herr Grün nämlich nicht angedeutet hat)
       "wird sich  beim Wiederaufbau  der Gesellschaft, bei der Gründung
       der wahren Besitzverhältnisse finden." p. 444.
       
       So sucht Herr Grün dem Eingehen auf die nationalökonomischen Ent-
       wicklungen Proudhons zu entschlüpfen und zugleich sich darüber zu
       erheben. Proudhons  sämtliche Beweise  sind falsch, doch das wird
       sich für  Herrn Grün  finden, sobald  es von  Andern nachgewiesen
       ist.
       Die in  der "Heiligen  Familie" gegebenen Bemerkungen über Proud-
       hon, namentlich,  daß Proudhon die Nationalökonomie vom national-
       ökonomischen, das  Recht vom  juristischen Standpunkte aus kriti-
       siere, werden von Herrn Grün abgeschrieben. Er hat indes so wenig
       verstanden, w[or]u[m]  es sich  handelte, daß er die [eigentliche
       Pointe weglaßt,  [nämlich] daß Proudhon die  I l l u s i[ o n e n
       der]  Juristen  und  Ökonomen  gegenüber]  ihrer  Praxis  geltend
       m[acht, und] rein sinnlos[e Phrasen] für den obigen Satz gibt.
       Das Wichtigste  in Proudhons Buch "De la création de l'ordre dans
       l'humanité" ist seine dialectique sérielle 1*), der Versuch, eine
       Methode des Denkens zu geben, wodurch an die Stelle der selbstän-
       digen Gedanken  der   Denk p r o z e ß  tritt. Proudhon sucht von
       französischem Standpunkte aus nach einer Dialektik, wie Hegel sie
       wirklich gegeben  hat. Die Verwandtschaft mit Hegel ist hier also
       realiter vorhanden,  nicht durch phantastische Analogie. Hier war
       es also leicht, eine Kritik der Proudhonschen Dialektik zu geben,
       wenn man  mit der Kritik der Hegelschen fertig geworden war. Dies
       war aber  um so  weniger von den wahren Sozialisten zu verlangen,
       als der  von ihnen  sich vindizierte  Philosoph  Feuerbach  damit
       nicht zustande  gekommen war.  Herr Grün  sucht auf eine wirklich
       drollige Weise  seine Aufgabe  zu  eskamotieren.  Gerade  an  der
       Stelle, wo  er sein  deutsches schweres  Geschütz spielen  lassen
       sollte, reißt  er aus  mit einer  unanständigen Gebärde. Er füllt
       erst einige  Blätter mit Übersetzungen aus und erklärt dem Proud-
       hon dann  mit breitspuriger  belletristischer captatio benevolen-
       tiae 2*),  daß er  mit seiner  ganzen  dialectique  serielle  nur
       d e n  G e l e h r t e n  s p i e l e n  w o l l e.  Er sucht ihn
       freilich durch den Zuruf zu trösten:
       
       "Ach, mein lieber Freund, was das  G e l e h r t-"  (und  "P r i-
       v a t d o z e n t-) s e i n   anbetrifft, so  täusche dich nicht.
       Wir haben  A l l e s  w i e d e r  v e r l e r n e n  müssen, was
       uns unsre  Scholarchen und  Universitätsmaschinen" (mit  Ausnahme
       von Stein,  Reybaud und  Cabet) "mit  so unendlicher Mühe, mit so
       vielem Widerwillen  von ihrer  und von  unsrer Seite beizubringen
       suchten." p. [457.]
       -----
       1*) Seriendialektik -  2*) [mit  breitspurigem  belletristischem]
       Jagen nach Popularität
       
       #520# Karl Marx und Friedrich Engels
       -----
       Zum Beweise,  daß Herr  Grün jetzt nicht mehr "mit so unendlicher
       Mühe", wenn auch vielleicht noch mit eben "so vielem Widerwillen"
       lernt, beginnt  er seine  sozialistischen St[ud]ien und Briefe in
       Paris am  6. November  [und] hat  bis  zum  nächsten  20.  Januar
       [nicht] nur  die   S t u d i e n,   sondern  auch  [die    D a r-
        s t e l l u n g   de]s "wahren  Gesamteindrucks des vollstän[di-
       g]en Verlaufs mit Notwendigkeit" voll[en]det.

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