Quelle: MEW 3 1845 - 1846
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Karl Marx
[Thesen über Feuerbach [1]]
1
Der Hauptmangel alles bisherigen Materialismus - den Feuerbach-
schen mit eingerechnet - ist, daß der Gegenstand, die Wirklich-
keit, Sinnlichkeit, nur unter der Form des O b j e k t s oder
der A n s c h a u u n g gefaßt wird; nicht aber als
m e n s c h l i c h e s i n n l i c h e T ä t i g k e i t,
P r a x i s, nicht subjektiv. Daher geschah es, daß die t ä-
t i g e Seite, im Gegensatz zum Materialismus, vom Idealismus
entwickelt wurde - aber nur abstrakt, da der Idealismus natürlich
die wirkliche, sinnliche Tätigkeit als solche nicht kennt.
Feuerbach will sinnliche, von den Gedankenobjekten wirklich
unterschiedene Objekte; aber er faßt die menschliche Tätigkeit
selbst nicht als g e g e n s t ä n d l i c h e Tätigkeit. Er
betrachtet daher im "Wesen des Christenthums" nur das theore-
tische Verhalten als das echt menschliche, während die Praxis nur
in ihrer schmutzig-jüdischen Erscheinungsform gefaßt und fixiert
wird. Er begreift daher nicht die Bedeutung der "revolutionären",
der "praktisch-kritischen" Tätigkeit.
2
Die Frage, ob dem menschlichen Denken gegenständliche Wahrheit
zukomme, ist keine Frage der Theorie, sondern eine p r a k-
t i s c h e Frage. In der Praxis muß der Mensch die Wahrheit,
das heißt die Wirklichkeit und Macht, die Diesseitigkeit seines
Denkens beweisen. Der Streit über die Wirklichkeit oder Nicht-
wirklichkeit eines Denkens, das sich von der Praxis isoliert, ist
eine rein s c h o l a s t i s c h e Frage.
3
Die materialistische Lehre, daß die Menschen Produkte der Um-
stände und der Erziehung, veränderte Menschen also Produkte ande-
rer Umstände und geänderter Erziehung sind, vergißt, daß die Um-
stände eben von den Menschen verändert werden und daß der Erzie-
her selbst erzogen werden
#534# Karl Marx
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muß. Sie kommt daher mit Notwendigkeit dahin, die Gesellschaft in
zwei Teile zu sondern, von denen der eine über der Gesellschaft
erhaben ist. (Z.B. bei Robert Owen.)
Das Zusammenfallen des Änderns der Umstände und der menschlichen
Tätigkeit kann nur als u m w ä l z e n d e P r a x i s gefaßt
und rationell verstanden werden.
4
Feuerbach geht aus von dem Faktum der religiösen Selbstentfrem-
dung, der Verdopplung der Welt in eine religiöse, vorgestellte
und eine wirkliche Welt. Seine Arbeit besteht dann, die religiöse
Welt m ihre weltliche Grundlage aufzulösen. Er übersieht, daß
nach Vollbringung dieser Arbeit die Hauptsache noch zu tun
bleibt. Die Tatsache nämlich, daß die weltliche Grundlage sich
von sich selbst abhebt und sich, ein selbständiges Reich, in den
Wolken fixiert, ist eben nur aus der Selbstzernssenheit und dem
Sichselbst-Widersprechen dieser weltlichen Grundlage zu erklären.
Diese selbst muß also erstens in ihrem Widerspruch verstanden und
sodann durch Beseitigung des Widerspruchs praktisch revolutio-
niert werden. Also z.B., nachdem die irdische Familie als das Ge-
heimnis der heiligen Familie entdeckt ist, muß nun erstere selbst
theoretisch kritisiert und praktisch umgewälzt werden.
5
Feuerbach, mit dem a b s t r a k t e n D e n k e n nicht zu-
frieden, appelliert an die s i n n l i c h e A n s c h a u-
u n g; aber er faßt die Sinnlichkeit nicht als p r a k t i-
s c h e menschlich-sinnliche Tätigkeit.
6
Feuerbach löst das religiöse Wesen in das m e n s c h l i c h e
Wesen auf. Aber das menschliche Wesen ist kein dem einzelnen In-
dividuum innewohnendes Abstraktum. In seiner Wirklichkeit ist es
das Ensemble der gesellschaftlichen Verhältnisse.
Feuerbach, der auf die Kritik dieses wirklichen Wesens nicht ein-
geht, ist daher gezwungen:
1. von dem geschichtlichen Verlauf zu abstrahieren und das reli-
giöse Gemüt für sich zu fixieren und ein abstrakt - i s o-
l i e r t - menschliches Individuum vorauszusetzen;
2. kann bei ihm daher das menschliche Wesen nur als "G a t-
t u n g", als innere, stumme, die vielen Individuen bloß n a-
t ü r l i c h verbindende Allgemeinheit gefaßt werden.
#535# Thesen über Feuerbach
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Feuerbach sieht daher nicht, daß das "religiöse Gemüt" selbst ein
g e s e l l s c h a f t l i c h e s P r o d u k t ist und daß
das abstrakte Individuum, das er analysiert, in Wirklichkeit ei-
ner bestimmten Gesellschaftsform angehört.
8
Das gesellschaftliche Leben ist wesentlich p r a k t i s c h.
Alle Mysterien, welche die Theorie zum Mystizismus verleiten,
finden ihre rationelle Lösung in der menschlichen Praxis und im
Begreifen dieser Praxis.
9
Das Höchste, wozu der a n s c h a u e n d e Materialismus es
bringt, d.h. der Materialismus, der die Sinnlichkeit nicht als
praktische Tätigkeit begreift, ist die Anschauung der einzelnen
Individuuen in der "bürgerlichen Gesellschaft".
10
Der Standpunkt des alten Materialismus ist die "b ü r g e r l i-
c h e" Gesellschaft; der Standpunkt des neuen, die m e n s c h-
l i c h e Gesellschaft, oder die vergesellschaftete Menschheit.
11
Die Philosophen haben die Welt nur verschieden i n t e r p r e-
t i e r t; es kommt aber darauf an, sie zu v e r ä n d e r n.
Nach dem von Engels 1888
veröffentlichten Text.
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[Marx über sein Verhältnis zu Hegel und Feuerbach 1*)]
Hegelsche Konstruktion der Phänomenologie.
1. Selbstbewußtsein statt des Menschen. Subjekt - Objekt.
2. Die U n t e r s c h i e d e der Sachen unwichtig, weil die
Substanz als Selbstunterscheidung oder weil die Selbstunterschei-
dung, das Unterscheiden, die Tätigkeit des Verstandes als wesent-
lich gefaßt wird. Hegel gab daher innerhalb der Spekulation wirk-
liche, die Sache ergreifende Distinktionen.
3. Aufhebung der E n t f r e m d u n g identifiziert mit Aufhe-
bung der G e g e n s t ä n d l i c h k e i t (eine Seite, na-
mentlich von Feuerbach entwickelt).
4. Deine A u f h e b u n g des vorgestellten Gegenstandes, des
Gegenstandes als Gegenstandes des Bewußtseins, identifiziert mit
der w i r k l i c h e n g e g e n s t ä n d l i c h e n Aufhe-
bung, der vom Denken unterschiednen sinnlichen A k t i o n,
P r a x i s, und r e a l e n T ä t i g k e i t. (Noch zu ent-
wickeln.)
Nach der Veröffentlichung
des Marx-Engels-Lenin-Instituts,
Moskau, 1932.
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1*) Diese Notizen befinden sich auf der 16. Seite des Notizbuches
von Marx mit den 11 Thesen "1. ad Feuerbach".
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Karl Marx
[Die bürgerliche Gesellschaft
und die kommunistische Revolution 1*)]
1. Die E n t s t e h u n g s g e s c h i c h t e d e s M o-
d e r n e n S t a a t s oder die f r a n z ö s i s c h e R e-
v o l u t i o n.
Die Selbstüberhebung des politischen Wesens - Verwechslung mit
dem antiken Staat. Verhältnis der Revolutionäre zur bürgerlichen
Gesellschaft. Verdoppelung aller Elemente in bürgerliche und
Staatswesen.
2. Die P r o k l a m a t i o n der M e n s c h e n r e c h t e
und die K o n s t i t u t i o n d e s S t a a t s. Die indi-
viduelle Freiheit und die öffentliche Macht.
F r e i h e i t, G l e i c h h e i t und Einheit. Die Volkssou-
veränität.
3. Der S t a a t und die b ü r g e r l i c h e G e s e l l-
s c h a f t.
4. Der R e p r ä s e n t a l i v s t a a t und die C h a r-
t e.
Der konstitutionelle Repräsentativstaat, d[er] d[er] demokrati-
sche Repräsentativstaat.
5. Die T e i l u n g d e r G e w a l t e n. Gesetzgebende und
exekutive Gewalt.
6. Die g e s e t z g e b e n d e G e w a l t und die gesetzge-
benden Körper. Politische Klubs.
7. Die e x e k u t i v e G e w a l t. Zentralisation und Hier-
archie. Zentralisation und politische Zivilisation. Föderativwe-
sen und Industrialismus. Die S t a a t s v e r w a l t u n g
und G e m e i n d e v e r w a l t u n g.
8'. Die r i c h t e r l i c h e G e w a l t und das
R e c h t.
8''. Die N a t i o n a l i t ä t und das V o l k.
9'. Die p o l i t i s c h e n P a r t e i e n.
9'. Das W a h l r e c h t, der Kampf um die A u f h e b u n g
des Staats und der bürgerlichen Gesellschaft.
Nach der Veröffentlichung
des Marx-Engels-Lenin-Instituts,
Moskau, 1932.
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1*) Diese Notizen befinden sich auf der 23. und 22. Seite des No-
tizbuches von Marx mit den 11 Thesen "1. ad Feuerbach".
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Karl Marx
[Über Feuerbake 1*)]
Der göttliche Egoist im Gegensatz zum egoistischen Menschen.
Die Täuschung in der Revolution über das antike Staatswesen.
Der "Begriff" und die "Substanz".
Die Revolution = Entstehungsgeschichte des modernen Staats.
Nach der Veröffentlichung
des Marx-Engels-Lenin-Instituts,
Moskau, 1932.
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1*) Diese Notizen befinden sich auf Seite [51] des Marxschen No-
tizbuches, vor den 11 Thesen "1. ad Feuerbake".
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Karl Marx
[Aus I. Feuerbake 1*)]
Einfluß der Teilung der Arbeit auf die Wissenschaft.
Was bei den Staat, Recht, Moral etc. die R e p r e s s i o n.
[Im] Gesetz müssen die Bourgeois sich einen allgemeinen Ausdruck
geben müssen, eben weil sie als Klasse herrschen. *)
Naturwissenschaft und Geschichte.
Es gibt keine Geschichte der Politik, des Rechts, der Wissen-
schaft etc., der Kunst, der Religion etc.
- - -
W a r u m d i e I d e o l o g e n a l l e s a u f d e n
K o p f s t e l l e n.
Religiösen, Juristen, Politiker.
Juristen, Politiker (Staatsleute überhaupt), Moralisten, Reli-
giöse.
Für diese ideologische Unterabteilung in einer Klasse, 1. V e r-
s e l b s t ä n d i g u n g d e s G e s c h ä f t s d u r c h
d i e T e i l u n g d e r A r b e i t; jeder hält sein Hand-
werk für das Wahre. Über den Zusammenhang, worin ihr Handwerk mit
der Wirklichkeit steht, machen sie sich um so notwendiger
Illusionen, da dies schon durch die Natur des Handwerks selbst
bedingt wird. Die Verhältnisse werden in der Jurisprudenz, Poli-
tik etc. - im Bewußtsein zu Begriffen; da sie nicht über diese
Verhältnisse h[in]aus sind, sind auch die Begriffe derselben in
ihrem Kopf fixe Begriffe; der Richter z.B. wendet den Code an,
ihm gilt daher die Gesetzgebung für den wahren aktiven Treiber.
Respekt vor ihrer Ware; da ihr Geschäft es mit Allgemeinem zu tun
hat.
Idee des Rechts. Idee des Staats. Im g e w ö h n l i c h e n
Bewußtsein ist die Sache auf den Kopf gestellt. - - -
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*) [Randbemerkung von Marx:] Dem "Gemeinwesen", wie es im antiken
Staat, dem Feudalwesen, der absoluten Monarchie erscheint, diesem
Band entsprechen 2*) namentlich die (kath[olischen]) religiösen
Vorstellungen.
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1*) Diese Notizen befinden sich auf den beiden letzten Seiten des
Manuskripts "I. Feuerbach". - 2*) Manuskript: entspricht
#540# Karl Marx
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Religion ist von vornherein das Bewußtsein der T r a n s z e n-
d e n z[, das] hervorgeht aus dem w i r k l i c h e n Müssen.
Dies populärer. - - -
Tradition, für Recht, Religion etc.
Die Individuen sind immer von sich ausgegangen, gehen immer von
sich aus. Ihre Verhältnisse sind Verhältnisse ihres wirklichen
Lebensprozesses. Woher kömmt es, daß ihre Verhältnisse sich gegen
sie verselbständigen? daß die Mächte ihres eignen Lebens über-
mächtig gegen sie werden?
Mit einem Wort: d i e T e i l u n g d e r A r b e i t, deren
Stufe von der jedesmal entwickelten Produktivkraft abhängt.
Gemeindeeigentum.
Grundeigentum, feudales, modernes.
Ständisches Eigentum. Manufaktureigentum, industrielles Kapital.
Nach der Veröffentlichung
des Marx-Engels-Lenin-Instituts,
Moskau, 1932.
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Friedrich Engels
Feuerbach
a) Feuerbachs ganze Philosophie läuft heraus auf 1. Naturphiloso-
phie - passives Anbeten, verzücktes Niederknien vor der Herrlich-
keit und Allgewalt der Natur - 2. Anthropologie, und zwar alpha)
Physiologie, worin nichts Neues gesagt wird als das, was die Ma-
terialisten über die Einheit von Körper und Seele gesagt haben,
nur nicht so mechanisch, dafür etwas überschwenglicher, beta)
Psychologie, läuft hinaus auf verhimmelnde Dithyramben auf die
Liebe, analog dem Naturkultus, sonst nichts Neues. 3. Moral, For-
derung, dem Begriff "des Menschen" zu entsprechen, impuissance
mise en action 1*). Vergleiche § 54, pag. 81: "das sittliche und
vernünftige Verhältnis des Menschen zum Magen besteht dann, den-
selben nicht als ein viehisches, sondern menschliches Wesen zu
behandeln, -" § 61: "Der Mensch ... als moralisches Wesen" und
das viele Sitthchkeitsgerede im "Wesen des Christenthums".
- - -
b) Daß auf der jetzigen Entwicklungsstufe die Menschen ihre Be-
dürfnisse nur innerhalb der Gesellschaft befriedigen können, daß
überhaupt gleich von vornherein, sowie sie existierten, die Men-
schen einander nötig hatten und nur dadurch ihre Bedürfnisse und
Fähigkeiten pp. entwickeln konnten, daß sie in Verkehr traten,
wird bei Feuerbach so ausgedrückt, daß
"der einzelne Mensch f ü r s i c h das W e s e n des Men-
schen n i c h t i n s i c h hat", daß "das W e s e n des
Menschen nur in der Gemeinschaft, in der E i n h e i t d e s
M e n s c h e n m i t d e m M e n s c h e n enthalten ist,
eine Einheit, die sich aber nur auf die R e a l i t ä t des
U n t e r s c h i e d s von Ich und Du stützt. - Der Mensch für
sich ist Mensch (im gewöhnlichen Sinn), der Mensch m i t Mensch
- die Einheit v o n I c h u n d D u i s t Gott"
(d.h. Mensch im übergewöhnlichem Sinn). § 61, 62, pag. 83. -
Soweit kommt die Philosophie, daß sie die triviale Tatsache über
die Unentbehrlichkeit des Verkehrs zwischen den Menschen, ohne
deren Erkenntnis die zweite Menschengeneration, die überhaupt
existierte, nie erzeugt
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1*) in Aktion gesetzte Machtlosigkeit
#542# Friedrich Engels
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worden wäre, die überhaupt schon im Geschlechtsunterschied liegt,
als das größte Resultat am Ende ihrer ganzen Karriere hinstellt.
Und noch dazu in der mysteriösen Form der "Einheit von Ich und
Du". Diese Phrase wäre gar nicht möglich, wenn Feuerbach nicht an
den Geschlechtsakt, den Gattungsakt, die Gemeinschaft von Ich und
Du ??? ?????? 1*) gedacht hätte *). Und soweit seine Gemeinschaft
p r a k t i s c h wird, beschränkt sie sich auch auf den Ge-
schlechtsakt und die Verständigung über philosophische Gedanken
und Probleme, die "wahre Dialektik", § 64, den Dialog, auf "die
E r z e u g u n g des Menschen, des geistigen so gut wie des
physischen", p. 67. Was dieser "e r z e u g t e" Mensch nachher
tut, außer daß er wieder "geistig" und "physisch" "Menschen er-
zeugt", davon ist keine Rede. Feuerbech kennt auch nur den
Verkehr zwischen Z w e i e n,
"die Wahrheit, daß kein Wesen für sich allein ein wahres, ein
vollkommenes, ein absolutes Wesen, daß die Wahrheit und Vollkom-
menheit nur ist die Verbindung, die Einheit von z w e i sich
wesensgleichen Wesen", p. 83, 84.
- - -
c) Der Anfang der "Philosophie der Zukunft" beweist gleich die
Differenz zwischen uns und ihm:
§ 1: "Die Aufgabe der neueren Zeit war die Verwirklichung und
Vermenschlichung Gottes, die Verwandlung und Auflösung der Theo-
logie in die Anthropologie". Vgl. "Die Negation der Theologie ist
d a s W e s e n der neueren Zeit". "Philosophie der Zukunft",
p. 23.
d) Der Unterschied, den Feuerbach zwischen Katholizismus und Pro-
testantismus, § 2, macht, Katholizismus: "Theologie" "kümmert
sich um das, was Gott an sich selber ist", hat "spekulative und
kontemplative Tendenz", der Protestantismus bloß Christologie,
überläßt den Gott an sich selber, die Spekulation und Kontempla-
tion der Philosophie - weiter nichts als eine aus einem der un-
entwickelteren Wissenschaft entsprechenden Bedürfnis hervorgegan-
gene Teilung der Arbeit. Aus diesem bloßen Bedürfnis i n n e r-
h a l b d e r T h e o l o g i e erklärt Feuerbach den Prote-
stantismus, woran sich dann ungezwungen eine selbständige
Geschichte der Philosophie anschließt.
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*) Nämlich da d e r Mensch = Kopf + Herz ist und zwei dazu nö-
tig sind, um d e n Menschen darzustellen, so tritt Einer als
K o p f, der andre als H e r z auf in ihrem Verkehr - M a n n
und W e i b. Sonst nicht abzusehen, weshalb Z w e i menschli-
cher sind als Einer. Das saint-simonistische Individuum.
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1*) schlechthin
#543# Über Feuerbach
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e) "Das Sein ist kein allgemeiner, von den Dingen abtrennbarer
Begriff. Es ist Eins mit dem, was ist... Das Sein ist die Posi-
tion des Wesens. W a s m e i n W e s e n, i s t m e i n
S e i n. Der Fisch ist im Wasser, aber von diesem Sein kannst du
nicht sein Wesen abtrennen. Schon die Sprache identifiziert Sein
und Wesen. Nur im menschlichen Leben sondert sich, a b e r
a u c h n u r i n a b n o r m e n, u n g l ü c k l i c h e n
F ä l l e n Sein vom Wesen - ereignet es sich, daß man nicht da,
wo man sein Sein, auch sein Wesen hat, aber eben wegen dieser
Scheidung auch nicht wahrhaft, nicht mit der Seele da ist, wo man
wirklich mit dem Leibe ist. Nur wo Dein Herz ist, da b i s t
D u. Aber alle Dinge sind - n a t u r w i d r i g e F ä l l e
a u s g e n o m m e n - gerne da, wo, und gerne das, was sie
sind." p. 47.
Eine schöne Lobrede auf das Bestehende. Naturwidrige Fälle, we-
nige, abnorme Fälle ausgenommen, bist Du gerne mit dem siebenten
Jahre Türschließer in einer Kohlengrube, vierzehn Stunden allein
im Dunkeln, und weil Dein Sein, so ist es auch Dem Wesen. Des-
gleichen piecer an einem selfactor [201]. Es ist Dein "Wesen" un-
ter einen Arbeitszweig subsumiert zu sein. 1*) Vgl. "Wesen des
Glaubens", p. 11, "unbefriedigter Hunger", diese a [...]
---
f) § 48, p. 73. "Das M i t t e l, entgegengesetzte oder wider-
sprechende Bestimmungen ohne Widerspruch in einem und demselben
Wesen zu vereinigen, ist nur die Z e i t. So ist es wenigstens
im lebendigen Wesen. So nur kommt hier z. B. im Menschen der
W i d e r s p r u c h zum Vorschein, daß jetzt d i e s e Be-
stimmung, dieser Vorsatz, jetzt eine ganz andere, eine geradezu
entgegengesetzte Bestimmung mich beherrscht und erfüllt".
Dies nennt Feuerbach 1. einen Widerspruch, 2. eine Vereinigung
von Widersprüchen, und 3. soll die Zeit das tun. Allerdings die
"erfüllte" Zeit, aber immer die Zeit, nicht das, was in ihr pas-
siert. Der Satz = dem, daß nur in der Zeit eine Veränderung mög-
lich.
Nach der Veröffentlichung
des Marx-Engels-Lenin-Instituts,
Moskau, 1932.
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1*) Hier ist der Gedanke zu Ende geführt, dessen Entwicklung auf
Seite 42 des vorl. Randes durch die Lücke im Manuskript unterbro-
chen wurde.
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