Quelle: MEW 3 1845 - 1846


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       #531#
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       #532#
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       #533#
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       Karl Marx
       
       [Thesen über Feuerbach [1]]
       
       1
       
       Der Hauptmangel  alles bisherigen  Materialismus - den Feuerbach-
       schen mit  eingerechnet -  ist, daß der Gegenstand, die Wirklich-
       keit, Sinnlichkeit,  nur unter  der Form des  O b j e k t s  oder
       der     A n s c h a u u n g     gefaßt  wird;   nicht  aber   als
       m e n s c h l i c h e     s i n n l i c h e    T ä t i g k e i t,
       P r a x i s,   nicht subjektiv.  Daher geschah  es, daß die  t ä-
       t i g e   Seite, im  Gegensatz zum  Materialismus, vom Idealismus
       entwickelt wurde - aber nur abstrakt, da der Idealismus natürlich
       die  wirkliche,  sinnliche  Tätigkeit  als  solche  nicht  kennt.
       Feuerbach  will  sinnliche,  von  den  Gedankenobjekten  wirklich
       unterschiedene Objekte;  aber er  faßt die  menschliche Tätigkeit
       selbst nicht  als   g e g e n s t ä n d l i c h e   Tätigkeit. Er
       betrachtet daher  im "Wesen  des Christenthums"  nur das  theore-
       tische Verhalten als das echt menschliche, während die Praxis nur
       in ihrer  schmutzig-jüdischen Erscheinungsform gefaßt und fixiert
       wird. Er begreift daher nicht die Bedeutung der "revolutionären",
       der "praktisch-kritischen" Tätigkeit.
       
       2
       
       Die Frage,  ob dem  menschlichen Denken  gegenständliche Wahrheit
       zukomme, ist  keine Frage  der Theorie,  sondern eine    p r a k-
       t i s c h e   Frage. In  der Praxis  muß der Mensch die Wahrheit,
       das heißt  die Wirklichkeit  und Macht, die Diesseitigkeit seines
       Denkens beweisen.  Der Streit  über die  Wirklichkeit oder Nicht-
       wirklichkeit eines Denkens, das sich von der Praxis isoliert, ist
       eine rein  s c h o l a s t i s c h e  Frage.
       
       3
       
       Die materialistische  Lehre, daß  die Menschen  Produkte der  Um-
       stände und der Erziehung, veränderte Menschen also Produkte ande-
       rer Umstände  und geänderter Erziehung sind, vergißt, daß die Um-
       stände eben  von den Menschen verändert werden und daß der Erzie-
       her selbst erzogen werden
       
       #534# Karl Marx
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       muß. Sie kommt daher mit Notwendigkeit dahin, die Gesellschaft in
       zwei Teile  zu sondern,  von denen der eine über der Gesellschaft
       erhaben ist. (Z.B. bei Robert Owen.)
       Das Zusammenfallen  des Änderns der Umstände und der menschlichen
       Tätigkeit kann  nur als  u m w ä l z e n d e  P r a x i s  gefaßt
       und rationell verstanden werden.
       
       4
       
       Feuerbach geht  aus von  dem Faktum der religiösen Selbstentfrem-
       dung, der  Verdopplung der  Welt in  eine religiöse, vorgestellte
       und eine wirkliche Welt. Seine Arbeit besteht dann, die religiöse
       Welt m  ihre weltliche  Grundlage aufzulösen.  Er übersieht,  daß
       nach Vollbringung  dieser  Arbeit  die  Hauptsache  noch  zu  tun
       bleibt. Die  Tatsache nämlich,  daß die  weltliche Grundlage sich
       von sich  selbst abhebt und sich, ein selbständiges Reich, in den
       Wolken fixiert,  ist eben  nur aus der Selbstzernssenheit und dem
       Sichselbst-Widersprechen dieser weltlichen Grundlage zu erklären.
       Diese selbst muß also erstens in ihrem Widerspruch verstanden und
       sodann durch  Beseitigung des  Widerspruchs praktisch  revolutio-
       niert werden. Also z.B., nachdem die irdische Familie als das Ge-
       heimnis der heiligen Familie entdeckt ist, muß nun erstere selbst
       theoretisch kritisiert und praktisch umgewälzt werden.
       
       5
       
       Feuerbach, mit  dem   a b s t r a k t e n  D e n k e n  nicht zu-
       frieden, appelliert  an die   s i n n l i c h e    A n s c h a u-
       u n g;   aber er  faßt die  Sinnlichkeit nicht  als  p r a k t i-
       s c h e  menschlich-sinnliche Tätigkeit.
       
       6
       
       Feuerbach löst  das religiöse Wesen in das  m e n s c h l i c h e
       Wesen auf.  Aber das menschliche Wesen ist kein dem einzelnen In-
       dividuum innewohnendes  Abstraktum. In seiner Wirklichkeit ist es
       das Ensemble der gesellschaftlichen Verhältnisse.
       Feuerbach, der auf die Kritik dieses wirklichen Wesens nicht ein-
       geht, ist daher gezwungen:
       1. von dem  geschichtlichen Verlauf zu abstrahieren und das reli-
       giöse Gemüt  für sich  zu fixieren  und ein  abstrakt -    i s o-
       l i e r t  - menschliches Individuum vorauszusetzen;
       2. kann bei  ihm daher  das menschliche  Wesen nur  als   "G a t-
       t u n g",   als innere,  stumme, die vielen Individuen bloß  n a-
       t ü r l i c h  verbindende Allgemeinheit gefaßt werden.
       
       #535# Thesen über Feuerbach
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       7
       
       Feuerbach sieht daher nicht, daß das "religiöse Gemüt" selbst ein
       g e s e l l s c h a f t l i c h e s   P r o d u k t   ist und daß
       das abstrakte  Individuum, das er analysiert, in Wirklichkeit ei-
       ner bestimmten Gesellschaftsform angehört.
       
       8
       
       Das gesellschaftliche  Leben ist  wesentlich   p r a k t i s c h.
       Alle Mysterien,  welche die  Theorie zum  Mystizismus  verleiten,
       finden ihre  rationelle Lösung  in der menschlichen Praxis und im
       Begreifen dieser Praxis.
       
       9
       
       Das Höchste,  wozu der   a n s c h a u e n d e   Materialismus es
       bringt, d.h.  der Materialismus,  der die  Sinnlichkeit nicht als
       praktische Tätigkeit  begreift, ist  die Anschauung der einzelnen
       Individuuen in der "bürgerlichen Gesellschaft".
       
       10
       
       Der Standpunkt des alten Materialismus ist die  "b ü r g e r l i-
       c h e"  Gesellschaft; der Standpunkt des neuen, die  m e n s c h-
       l i c h e  Gesellschaft, oder die vergesellschaftete Menschheit.
       
       11
       
       Die Philosophen  haben die Welt nur verschieden  i n t e r p r e-
       t i e r t;  es kommt aber darauf an, sie zu  v e r ä n d e r n.
       
       Nach dem von Engels 1888
       veröffentlichten Text.
       
       #536#
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       [Marx über sein Verhältnis zu Hegel und Feuerbach 1*)]
       
       Hegelsche Konstruktion der Phänomenologie.
       1. Selbstbewußtsein statt des Menschen. Subjekt - Objekt.
       2. Die   U n t e r s c h i e d e   der Sachen unwichtig, weil die
       Substanz als Selbstunterscheidung oder weil die Selbstunterschei-
       dung, das Unterscheiden, die Tätigkeit des Verstandes als wesent-
       lich gefaßt wird. Hegel gab daher innerhalb der Spekulation wirk-
       liche, die Sache ergreifende Distinktionen.
       3. Aufhebung der  E n t f r e m d u n g  identifiziert mit Aufhe-
       bung der   G e g e n s t ä n d l i c h k e i t   (eine Seite, na-
       mentlich von Feuerbach entwickelt).
       4. Deine   A u f h e b u n g  des vorgestellten Gegenstandes, des
       Gegenstandes als  Gegenstandes des Bewußtseins, identifiziert mit
       der  w i r k l i c h e n  g e g e n s t ä n d l i c h e n  Aufhe-
       bung, der  vom Denken  unterschiednen  sinnlichen    A k t i o n,
       P r a x i s,   und r e a l e n  T ä t i g k e i t.  (Noch zu ent-
       wickeln.)
       Nach der Veröffentlichung
       des Marx-Engels-Lenin-Instituts,
       Moskau, 1932.
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       1*) Diese Notizen befinden sich auf der 16. Seite des Notizbuches
       von Marx mit den 11 Thesen "1. ad Feuerbach".
       
       #537#
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       Karl Marx
       
       [Die bürgerliche Gesellschaft
       und die kommunistische Revolution 1*)]
       
       1. Die   E n t s t e h u n g s g e s c h i c h t e   d e s   M o-
       d e r n e n  S t a a t s  oder die  f r a n z ö s i s c h e  R e-
       v o l u t i o n.
       Die Selbstüberhebung  des politischen  Wesens -  Verwechslung mit
       dem antiken  Staat. Verhältnis der Revolutionäre zur bürgerlichen
       Gesellschaft. Verdoppelung  aller  Elemente  in  bürgerliche  und
       Staatswesen.
       2. Die  P r o k l a m a t i o n  der  M e n s c h e n r e c h t e
       und die   K o n s t i t u t i o n  d e s  S t a a t s.  Die indi-
       viduelle Freiheit und die öffentliche Macht.
       F r e i h e i t,  G l e i c h h e i t  und Einheit. Die Volkssou-
       veränität.
       3. Der   S t a a t   und die  b ü r g e r l i c h e  G e s e l l-
       s c h a f t.
       4. Der   R e p r ä s e n t a l i v s t a a t   und die   C h a r-
       t e.
       Der konstitutionelle  Repräsentativstaat, d[er]  d[er] demokrati-
       sche Repräsentativstaat.
       5. Die  T e i l u n g  d e r  G e w a l t e n.  Gesetzgebende und
       exekutive Gewalt.
       6. Die  g e s e t z g e b e n d e  G e w a l t  und die gesetzge-
       benden Körper. Politische Klubs.
       7. Die  e x e k u t i v e  G e w a l t.  Zentralisation und Hier-
       archie. Zentralisation  und politische Zivilisation. Föderativwe-
       sen und  Industrialismus.  Die    S t a a t s v e r w a l t u n g
       und  G e m e i n d e v e r w a l t u n g.
       8'. Die     r i c h t e r l i c h e     G e w a l t     und   das
       R e c h t.
       8''. Die  N a t i o n a l i t ä t  und das  V o l k.
       9'. Die  p o l i t i s c h e n  P a r t e i e n.
       9'. Das   W a h l r e c h t,  der Kampf um die  A u f h e b u n g
       des Staats und der bürgerlichen Gesellschaft.
       
       Nach der Veröffentlichung
       des Marx-Engels-Lenin-Instituts,
       Moskau, 1932.
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       1*) Diese Notizen befinden sich auf der 23. und 22. Seite des No-
       tizbuches von Marx mit den 11 Thesen "1. ad Feuerbach".
       
       #538#
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       Karl Marx
       
       [Über Feuerbake 1*)]
       
       Der göttliche Egoist im Gegensatz zum egoistischen Menschen.
       Die Täuschung in der Revolution über das antike Staatswesen.
       Der "Begriff" und die "Substanz".
       Die Revolution = Entstehungsgeschichte des modernen Staats.
       
       Nach der Veröffentlichung
       des Marx-Engels-Lenin-Instituts,
       Moskau, 1932.
       -----
       1*) Diese Notizen  befinden sich auf Seite [51] des Marxschen No-
       tizbuches, vor den 11 Thesen "1. ad Feuerbake".
       
       #539#
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       Karl Marx
       
       [Aus I. Feuerbake 1*)]
       
       Einfluß der Teilung der Arbeit auf die Wissenschaft.
       Was bei den Staat, Recht, Moral etc. die  R e p r e s s i o n.
       [Im] Gesetz  müssen die Bourgeois sich einen allgemeinen Ausdruck
       geben müssen, eben weil sie als Klasse herrschen. *)
       Naturwissenschaft und Geschichte.
       Es gibt  keine Geschichte  der Politik,  des Rechts,  der Wissen-
       schaft etc., der Kunst, der Religion etc.
       
                                    - - -
       
       W a r u m   d i e   I d e o l o g e n   a l l e s   a u f   d e n
       K o p f  s t e l l e n.
       
       Religiösen, Juristen, Politiker.
       Juristen, Politiker  (Staatsleute überhaupt),  Moralisten,  Reli-
       giöse.
       Für diese ideologische Unterabteilung in einer Klasse, 1.  V e r-
       s e l b s t ä n d i g u n g   d e s  G e s c h ä f t s  d u r c h
       d i e   T e i l u n g  d e r  A r b e i t;  jeder hält sein Hand-
       werk für das Wahre. Über den Zusammenhang, worin ihr Handwerk mit
       der  Wirklichkeit  steht,  machen  sie  sich  um  so  notwendiger
       Illusionen, da  dies schon  durch die  Natur des Handwerks selbst
       bedingt wird.  Die Verhältnisse werden in der Jurisprudenz, Poli-
       tik etc.  - im  Bewußtsein zu  Begriffen; da sie nicht über diese
       Verhältnisse h[in]aus  sind, sind  auch die Begriffe derselben in
       ihrem Kopf  fixe Begriffe;  der Richter  z.B. wendet den Code an,
       ihm gilt  daher die  Gesetzgebung für den wahren aktiven Treiber.
       Respekt vor ihrer Ware; da ihr Geschäft es mit Allgemeinem zu tun
       hat.
       Idee des  Rechts. Idee  des Staats.  Im   g e w ö h n l i c h e n
       Bewußtsein ist die Sache auf den Kopf gestellt. - - -
       ---
       *) [Randbemerkung von Marx:] Dem "Gemeinwesen", wie es im antiken
       Staat, dem Feudalwesen, der absoluten Monarchie erscheint, diesem
       Band entsprechen  2*) namentlich  die (kath[olischen]) religiösen
       Vorstellungen.
       -----
       1*) Diese Notizen befinden sich auf den beiden letzten Seiten des
       Manuskripts "I. Feuerbach". - 2*) Manuskript: entspricht
       
       #540# Karl Marx
       -----
       Religion ist  von vornherein das Bewußtsein der  T r a n s z e n-
       d e n z[,  das] hervorgeht aus dem  w i r k l i c h e n  Müssen.
       Dies populärer. - - -
       Tradition, für Recht, Religion etc.
       Die Individuen  sind immer  von sich ausgegangen, gehen immer von
       sich aus.  Ihre Verhältnisse  sind Verhältnisse  ihres wirklichen
       Lebensprozesses. Woher kömmt es, daß ihre Verhältnisse sich gegen
       sie verselbständigen?  daß die  Mächte ihres  eignen Lebens über-
       mächtig gegen sie werden?
       Mit einem Wort:  d i e  T e i l u n g  d e r  A r b e i t,  deren
       Stufe von der jedesmal entwickelten Produktivkraft abhängt.
       
       Gemeindeeigentum.
       
       Grundeigentum, feudales, modernes.
       Ständisches Eigentum. Manufaktureigentum, industrielles Kapital.
       
       Nach der Veröffentlichung
       des Marx-Engels-Lenin-Instituts,
       Moskau, 1932.
       
       #541#
       -----
       Friedrich Engels
       
       Feuerbach
       
       a) Feuerbachs ganze Philosophie läuft heraus auf 1. Naturphiloso-
       phie - passives Anbeten, verzücktes Niederknien vor der Herrlich-
       keit und  Allgewalt der Natur - 2. Anthropologie, und zwar alpha)
       Physiologie, worin  nichts Neues gesagt wird als das, was die Ma-
       terialisten über  die Einheit  von Körper und Seele gesagt haben,
       nur nicht  so mechanisch,  dafür etwas  überschwenglicher,  beta)
       Psychologie, läuft  hinaus auf  verhimmelnde Dithyramben  auf die
       Liebe, analog dem Naturkultus, sonst nichts Neues. 3. Moral, For-
       derung, dem  Begriff "des  Menschen" zu  entsprechen, impuissance
       mise en  action 1*). Vergleiche § 54, pag. 81: "das sittliche und
       vernünftige Verhältnis  des Menschen zum Magen besteht dann, den-
       selben nicht  als ein  viehisches, sondern  menschliches Wesen zu
       behandeln, -"  § 61:  "Der Mensch  ... als moralisches Wesen" und
       das viele Sitthchkeitsgerede im "Wesen des Christenthums".
       
                                    - - -
       
       b) Daß auf  der jetzigen  Entwicklungsstufe die Menschen ihre Be-
       dürfnisse nur  innerhalb der Gesellschaft befriedigen können, daß
       überhaupt gleich  von vornherein, sowie sie existierten, die Men-
       schen einander  nötig hatten und nur dadurch ihre Bedürfnisse und
       Fähigkeiten pp.  entwickeln konnten,  daß sie  in Verkehr traten,
       wird bei Feuerbach so ausgedrückt, daß
       
       "der einzelne  Mensch   f ü r   s i c h  das  W e s e n  des Men-
       schen   n i c h t   i n   s i c h  hat", daß "das  W e s e n  des
       Menschen nur  in der  Gemeinschaft, in  der  E i n h e i t  d e s
       M e n s c h e n   m i t   d e m   M e n s c h e n  enthalten ist,
       eine Einheit,  die sich  aber nur  auf die   R e a l i t ä t  des
       U n t e r s c h i e d s   von Ich und Du stützt. - Der Mensch für
       sich ist Mensch (im gewöhnlichen Sinn), der Mensch  m i t  Mensch
       - die Einheit  v o n  I c h  u n d  D u  i s t  Gott"
       
       (d.h. Mensch im übergewöhnlichem Sinn). § 61, 62, pag. 83. -
       Soweit kommt  die Philosophie, daß sie die triviale Tatsache über
       die Unentbehrlichkeit  des Verkehrs  zwischen den  Menschen, ohne
       deren Erkenntnis  die zweite  Menschengeneration,  die  überhaupt
       existierte, nie erzeugt
       -----
       1*) in Aktion gesetzte Machtlosigkeit
       
       #542# Friedrich Engels
       -----
       worden wäre, die überhaupt schon im Geschlechtsunterschied liegt,
       als das  größte Resultat am Ende ihrer ganzen Karriere hinstellt.
       Und noch  dazu in  der mysteriösen  Form der "Einheit von Ich und
       Du". Diese Phrase wäre gar nicht möglich, wenn Feuerbach nicht an
       den Geschlechtsakt, den Gattungsakt, die Gemeinschaft von Ich und
       Du ??? ?????? 1*) gedacht hätte *). Und soweit seine Gemeinschaft
       p r a k t i s c h   wird, beschränkt  sie sich  auch auf  den Ge-
       schlechtsakt und  die Verständigung  über philosophische Gedanken
       und Probleme,  die "wahre  Dialektik", § 64, den Dialog, auf "die
       E r z e u g u n g   des Menschen,  des geistigen  so gut  wie des
       physischen", p. 67. Was dieser  "e r z e u g t e"  Mensch nachher
       tut, außer  daß er  wieder "geistig" und "physisch" "Menschen er-
       zeugt", davon  ist keine  Rede.  Feuerbech  kennt  auch  nur  den
       Verkehr zwischen  Z w e i e n,
       
       "die Wahrheit,  daß kein  Wesen für  sich allein  ein wahres, ein
       vollkommenes, ein  absolutes Wesen, daß die Wahrheit und Vollkom-
       menheit nur  ist die  Verbindung, die  Einheit von  z w e i  sich
       wesensgleichen Wesen", p. 83, 84.
       
                                    - - -
       
       c) Der Anfang  der "Philosophie  der Zukunft"  beweist gleich die
       Differenz zwischen uns und ihm:
       
       § 1:  "Die Aufgabe  der neueren  Zeit war  die Verwirklichung und
       Vermenschlichung Gottes,  die Verwandlung und Auflösung der Theo-
       logie in die Anthropologie". Vgl. "Die Negation der Theologie ist
       d a s   W e s e n   der neueren Zeit". "Philosophie der Zukunft",
       p. 23.
       
       d) Der Unterschied, den Feuerbach zwischen Katholizismus und Pro-
       testantismus, §  2, macht,  Katholizismus:  "Theologie"  "kümmert
       sich um  das, was  Gott an sich selber ist", hat "spekulative und
       kontemplative Tendenz",  der Protestantismus  bloß  Christologie,
       überläßt den  Gott an sich selber, die Spekulation und Kontempla-
       tion der  Philosophie -  weiter nichts als eine aus einem der un-
       entwickelteren Wissenschaft entsprechenden Bedürfnis hervorgegan-
       gene Teilung  der Arbeit. Aus diesem bloßen Bedürfnis  i n n e r-
       h a l b   d e r   T h e o l o g i e  erklärt Feuerbach den Prote-
       stantismus,  woran   sich  dann   ungezwungen  eine  selbständige
       Geschichte der Philosophie anschließt.
       ---
       *) Nämlich da   d e r  Mensch = Kopf + Herz ist und zwei dazu nö-
       tig sind,  um   d e n   Menschen darzustellen, so tritt Einer als
       K o p f,  der andre als  H e r z  auf in ihrem Verkehr -  M a n n
       und  W e i b.  Sonst nicht abzusehen, weshalb  Z w e i  menschli-
       cher sind als Einer. Das saint-simonistische Individuum.
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       1*) schlechthin
       
       #543# Über Feuerbach
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       e) "Das Sein  ist kein  allgemeiner, von  den Dingen abtrennbarer
       Begriff. Es  ist Eins  mit dem, was ist... Das Sein ist die Posi-
       tion des  Wesens.   W a s   m e i n   W e s e n,   i s t  m e i n
       S e i n.  Der Fisch ist im Wasser, aber von diesem Sein kannst du
       nicht sein  Wesen abtrennen. Schon die Sprache identifiziert Sein
       und Wesen.  Nur im  menschlichen Leben  sondert  sich,    a b e r
       a u c h   n u r  i n  a b n o r m e n,  u n g l ü c k l i c h e n
       F ä l l e n  Sein vom Wesen - ereignet es sich, daß man nicht da,
       wo man  sein Sein,  auch sein  Wesen hat,  aber eben wegen dieser
       Scheidung auch nicht wahrhaft, nicht mit der Seele da ist, wo man
       wirklich mit  dem Leibe  ist. Nur  wo Dein  Herz ist, da  b i s t
       D u.   Aber alle  Dinge sind - n a t u r w i d r i g e  F ä l l e
       a u s g e n o m m e n   - gerne  da, wo,  und gerne  das, was sie
       sind." p. 47.
       
       Eine schöne  Lobrede auf  das Bestehende. Naturwidrige Fälle, we-
       nige, abnorme  Fälle ausgenommen, bist Du gerne mit dem siebenten
       Jahre Türschließer  in einer Kohlengrube, vierzehn Stunden allein
       im Dunkeln,  und weil  Dein Sein,  so ist es auch Dem Wesen. Des-
       gleichen piecer an einem selfactor [201]. Es ist Dein "Wesen" un-
       ter einen  Arbeitszweig subsumiert  zu sein.  1*) Vgl. "Wesen des
       Glaubens", p. 11, "unbefriedigter Hunger", diese a [...]
       
                                    ---
       
       f) §  48, p. 73. "Das  M i t t e l,  entgegengesetzte oder wider-
       sprechende Bestimmungen  ohne Widerspruch  in einem und demselben
       Wesen zu  vereinigen, ist nur die  Z e i t.  So ist es wenigstens
       im lebendigen  Wesen. So  nur kommt  hier z.  B. im  Menschen der
       W i d e r s p r u c h   zum Vorschein,  daß jetzt  d i e s e  Be-
       stimmung, dieser  Vorsatz, jetzt  eine ganz andere, eine geradezu
       entgegengesetzte Bestimmung mich beherrscht und erfüllt".
       
       Dies nennt  Feuerbach 1.  einen Widerspruch,  2. eine Vereinigung
       von Widersprüchen,  und 3.  soll die Zeit das tun. Allerdings die
       "erfüllte" Zeit,  aber immer die Zeit, nicht das, was in ihr pas-
       siert. Der  Satz = dem, daß nur in der Zeit eine Veränderung mög-
       lich.
       
       Nach der Veröffentlichung
       des Marx-Engels-Lenin-Instituts,
       Moskau, 1932.
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       1*) Hier ist  der Gedanke zu Ende geführt, dessen Entwicklung auf
       Seite 42 des vorl. Randes durch die Lücke im Manuskript unterbro-
       chen wurde.

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