Quelle: MEW 3 1845 - 1846
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#70# Karl Marx und Friedrich Engels
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[C.] Kommunismus. - Produktion der Verkehrsform selbst
Der Kommunismus unterscheidet sich von allen bisherigen Bewegun-
gen dadurch, daß er die Grundlage aller bisherigen Produktions-
und Verkehrsverhältnisse umwälzt und alle naturwüchsigen Voraus-
setzungen zum ersten Mal mit Bewußtsein als Geschöpfe der bishe-
rigen Menschen behandelt, ihrer Naturwüchsigkeit entkleidet und
der Macht der vereinigten Individuen unterwirft. Seine Einrich-
tung ist daher wesentlich ökonomisch, die materielle Herstellung
der Bedingungen dieser Vereinigung; sie macht die vorhandenen Be-
dingungen zu Bedingungen der Vereinigung. Das Bestehende, was der
Kommunismus schafft, ist eben die wirkliche Basis zur Unmöglich-
machung alles von den Individuen unabhängig Bestehenden, sofern
dies Bestehende dennoch
#71# Deutsche Ideologie - I. Feuerbach
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nichts als ein Produkt des bisherigen Verkehrs der Individuen
selbst ist. Die Kommunisten behandeln also praktisch die durch
die bisherige Produktion und Verkehr erzeugten Bedingungen als
unorganische, ohne indes sich einzubilden, es sei der Plan oder
die Bestimmung der bisherigen Generationen gewesen, ihnen Mate-
rial zu liefern, und ohne zu glauben, daß diese Bedingungen für
die sie schaffenden Individuen unorganisch waren. Der Unterschied
zwischen persönlichem Individuum und zufälligem Individuum ist
keine Begriffsunterscheidung, sondern ein historisches Faktum.
Diese Unterscheidung hat zu verschiedenen Zeiten einen verschie-
denen Sinn, z.B. der Stand als etwas dem Individuum Zufälliges im
18. Jahrhundert, plus ou moins 1*) auch die Familie. Es ist eine
Unterscheidung, die nicht wir für jede Zeit zu machen haben, son-
dern die jede Zeit unter den verschiedenen Elementen, die sie
vorfindet, selbst macht, und zwar nicht nach dem Begriff, sondern
durch materielle Lebenskollisionen gezwungen. Was als zufällig
der späteren Zeit im Gegensatz zur früheren erscheint, also auch
unter den ihr von der früheren überkommenen Elementen, ist eine
Verkehrsform, die einer bestimmten Entwicklung der Produktiv-
kräfte entsprach. Das Verhältnis der Produktionskräfte zur Ver-
kehrsform ist das Verhältnis der Verkehrsform zur Tätigkeit oder
Betätigung der Individuen. (Die Grundform dieser Betätigung ist
natürlich die materielle, von der alle andre geistige, politi-
sche, religiöse etc. abhängt. Die verschiedene Gestaltung des ma-
teriellen Lebens ist natürlich jedesmal abhängig von den schon
entwickelten Bedürfnissen, und sowohl die Erzeugung wie die Be-
friedigung dieser Bedürfnisse ist selbst ein historischer Prozeß,
der sich bei keinem Schafe oder Hunde findet (widerhaariges
Hauptargument Stirners a d v e r s u s hominem 2*)), obwohl
Schafe und Hunde in ihrer jetzigen Gestalt allerdings, aber mal-
gré eux 3*), Produkte eines historischen Prozesses sind.) Die Be-
dingungen, unter denen die Individuen,
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1*) mehr oder weniger - 2*) gegen den Menschen - 3*) gegen ihren
Willen
#72# Karl Marx und Friedrich Engels
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solange der Widerspruch noch nicht eingetreten ist, miteinander
verkehren, sind zu ihrer Individualität gehörige Bedingungen,
nichts Äußerliches für sie, Bedingungen, unter denen diese be-
stimmten, unter bestimmten Verhältnissen existierenden Individuen
allein ihr materielles Leben und was damit zusammenhängt produ-
zieren können, sind also die Bedingungen ihrer Selbstbetätigung
und werden von dieser Selbstbetätigung produziert. *) Die be-
stimmte Bedingung, unter der sie produzieren, entspricht also,
solange der Widerspruch noch nicht eingetreten ist, ihrer wirkli-
chen Bedingtheit, ihrem einseitigen Dasein, dessen Einseitigkeit
sich erst durch den Eintritt des Widerspruchs zeigt und also für
die Späteren existiert. Dann erscheint diese Bedingung als eine
zufällige Fessel, und dann wird das Bewußtsein, daß sie eine Fes-
sel sei, auch der früheren Zeit untergeschoben.
Diese verschiedenen Bedingungen, die zuerst als Bedingungen der
Selbstbetätigung, später als Fesseln derselben erschienen, bilden
in der ganzen geschichtlichen Entwicklung eine zusammenhängende
Reihe von Verkehrsformen, deren Zusammenhang dann besteht, daß an
die Stelle der früheren, zur Fessel gewordenen Verkehrsform eine
neue, den entwickelteren Produktivkräften und damit der fortge-
schrittenen Art der Selbstbetätigung der Individuen entsprechende
gesetzt wird, die à son tour 1*) wieder zur Fessel und dann durch
eine andre ersetzt wird. Da diese Bedingungen auf jeder Stufe der
gleichzeitigen Entwicklung der Produktivkräfte entsprechen, so
ist ihre Geschichte zugleich die Geschichte der sich entwickeln-
den und von jeder neuen Generation übernommenen Produktivkräfte
und damit die Geschichte der Entwicklung der Kräfte der Indivi-
duen selbst.
Da diese Entwicklung naturwüchsig vor sich geht, d.h. nicht einem
Gesamtplan frei vereinigter Individuen subordiniert ist, so geht
sie von verschiedenen Lokalitäten, Stämmen, Nationen, Arbeits-
zweigen etc. aus, deren jede anfangs sich unabhängig von den an-
deren entwickelt und erst nach und nach mit den ändern in Verbin-
dung tritt. Sie geht ferner nur sehr langsam vor sich; die ver-
schiedenen Stufen und Interessen werden nie vollständig überwun-
den, sondern nur dem siegenden Interesse untergeordnet und
schleppen sich noch jahrhundertelang neben diesem fort. Hieraus
folgt, daß selbst innerhalb einer Nation die Individuen auch ab-
gesehen von ihren Vermögensverhältnissen ganz verschiedene Ent-
wicklungen haben, und daß ein früheres Interesse, dessen eigen-
tümliche Verkehrsform schon durch die einem späteren angehörige
verdrängt ist, noch lange im Besitz einer traditionellen
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*) [Randbemerkung von Marx:] Produktion der Verkehrsform selbst.
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1*) ihrerseits
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Macht in der den Individuen gegenüber verselbständigten scheinba-
ren Gemeinschaft (Staat, Recht) bleibt, einer Macht, die in letz-
ter Instanz nur durch eine Revolution zu brechen ist. Hieraus er-
klärt sich auch, warum in Beziehung auf einzelne Punkte, die eine
allgemeinere Zusammenfassung erlauben, das Bewußtsein zuweilen
weiter vorgerückt scheinen kann als die gleichzeitigen empiri-
schen Verhältnisse, so daß man in den Kämpfen einer späteren Epo-
che sich auf frühere Theoretiker als auf Autoritäten stützen
kann.
Dagegen geht die Entwicklungen Ländern, die, wie Nordamerika, in
einer schon entwickelten Geschichtsepoche von vorn anfangen, sehr
rasch vor sich. Solche Länder haben keine ändern naturwüchsigen
Voraussetzungen außer den Individuen, die sich dort ansiedeln und
die hierzu durch die ihren Bedürfnissen nicht entsprechenden Ver-
kehrsformen der alten Länder veranlaßt wurden. Sie fangen also
mit den fortgeschrittensten Individuen der alten Länder und daher
mit der diesen Individuen entsprechenden entwickeltsten Verkehrs-
form an, noch ehe diese Verkehrsform in den alten Ländern sich
durchsetzen kann. *) Dies ist der Fall mit allen Kolonien, sofern
sie nicht bloße Militär- oder Handelsstationen sind. Karthago,
die griechischen Kolonien und Island im 11. und 12. Jahrhundert
liefern Beispiele dazu. Ein ähnliches Verhältnis findet statt bei
der Eroberung, wenn dem eroberten Lande die auf einem andern
Boden entwickelte Verkehrsform fertig herübergebracht wird; wäh-
rend sie in ihrer Heimat noch mit Interessen und Verhältnissen
aus früheren Epochen behaftet war, kann und muß sie hier voll-
ständig und ohne Hindernis durchgesetzt werden, schon um den Er-
oberern dauernde Macht zu sichern. (England und Neapel nach der
normannischen Eroberung, wo sie die vollendetste Form der feuda-
len Organisation erhielten.)
Alle Kollisionen der Geschichte haben also nach unsrer Auffassung
ihren Ursprung in dem Widerspruch zwischen den Produktivkräften
und der Verkehrsform. Es ist übrigens nicht nötig, daß dieser Wi-
derspruch, um zu Kollisionen in einem Lande zu führen, in diesem
Lande selbst auf die Spitze getrieben ist. Die durch einen erwei-
terten internationalen Verkehr hervorgerufene Konkurrenz mit in-
dustriell entwickelteren Ländern ist hinreichend, um auch in den
Ländern mit weniger entwickelter Industrie einen ähnlichen Wider-
spruch zu erzeugen (z.B. das latente Proletariat in Deutschland,
durch die Konkurrenz der englischen Industrie zur Erscheinung ge-
bracht).
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*) Persönliche Energie der Individuen einzelner Nationen - Deut-
sche und Amerikaner - Energie schon durch Rassenkreuzung - daher
die Deutschen kretinmäßig - in Frankreich, England etc. fremde
Völker auf einen schon entwickelten, in Amerika auf einen ganz
neuen Boden verpflanzt, in Deutschland die naturwüchsige Bevölke-
rung ruhig sitzengeblieben.
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Dieser Widerspruch zwischen den Produktivkräften und der Ver-
kehrsform, der, wie wir sahen, schon mehreremal in der bisherigen
Geschichte vorkam, ohne jedoch die Grundlage derselben zu ge-
fährden, mußte jedesmal in einer Revolution eklatieren, wobei er
zugleich verschiedene Nebengestalten annahm, als Totalität von
Kollisionen, als Kollisionen verschiedener Klassen 1*), als Wi-
derspruch des Bewußtseins, Gedankenkampf etc., politischer Kampf
etc. Von einem bornierten Gesichtspunkte aus kann man nun eine
dieser Nebengestalten herausnehmen und sie als die Basis dieser
Revolutionen betrachten, was um so leichter ist, als die Indivi-
duen, von denen die Revolutionen ausgingen, sich je nach ihrem
Bildungsgrad und der Stufe der historischen Entwicklung über ihre
eigne Tätigkeit selbst Illusionen machten.
Die Verwandlung der persönlichen Mächte (Verhältnisse) in sachli-
che durch die Teilung der Arbeit kann nicht dadurch wieder aufge-
hoben werden, daß man sich die allgemeine Vorstellung davon aus
dem Kopfe schlägt, sondern nur dadurch, daß die Individuen diese
sachlichen Mächte wieder unter sich subsumieren und die Teilung
der Arbeit aufheben. *) Dies ist ohne die Gemeinschaft nicht mög-
lich. Erst in der Gemeinschaft [mit Ändern hat jedes] Individuum
die Mittel, seine Anlagen nach allen Seiten hin auszubilden; erst
in der Gemeinschaft wird also die persönliche Freiheit möglich.
In den bisherigen Surrogaten der Gemeinschaft, im Staat usw. exi-
stierte die persönliche Freiheit nur für die in den Verhältnissen
der herrschenden Klasse entwickelten Individuen und nur, insofern
sie Individuen dieser Klasse waren. Die scheinbare Gemeinschaft,
zu der sich bisher die Individuen vereinigten, verselbständigte
sich stets ihnen gegenüber und war zugleich, da sie eine Vereini-
gung einer Klasse gegenüber einer ändern war, für die beherrschte
Klasse nicht nur eine ganz illusorische Gemeinschaft, sondern
auch eine neue Fessel. In der wirklichen Gemeinschaft erlangen
die Individuen in und durch ihre Assoziation zugleich ihre Frei-
heit.
Es geht aus der ganzen bisherigen Entwicklung hervor, daß das ge-
meinschaftliche Verhältnis, in das die Individuen einer Klasse
traten und das durch ihre gemeinschaftlichen Interessen gegenüber
einem Dritten bedingt war, stets eine Gemeinschaft war, der diese
Individuen nur als Durchschnittsindividuen angehörten, nur soweit
sie in den Existenzbedingungen ihrer Klasse lebten, ein Verhält-
nis, an dem sie nicht als Individuen, sondern als Klassenmitglie-
der teilhatten. Bei der Gemeinschaft der revolutionären Proleta-
rier
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*) [Randbemerkung von Engels:] (Feuerbach: Sein und Wesen)
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1*) MEGA: als Totalität von Kollisionen, Kollisionen verschiede-
ner Klassen
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dagegen, die ihre und aller Gesellschaftsmitglieder Existenzbe-
dingungen unter ihre Kontrolle nehmen, ist es gerade umgekehrt;
an ihr nehmen die Individuen als Individuen Anteil. Es ist eben
die Vereinigung der Individuen (innerhalb der Voraussetzung der
jetzt entwickelten Produktivkräfte natürlich), die die Bedingun-
gen der freien Entwicklung und Bewegung der Individuen unter ihre
Kontrolle gibt, Bedingungen, die bisher dem Zufall überlassen wa-
ren und sich gegen die einzelnen Individuen eben durch ihre Tren-
nung als Individuen, durch ihre notwendige Vereinigung, die mit
der Teilung der Arbeit gegeben, und durch ihre Trennung zu einem
ihnen fremden Bande geworden war, verselbständigt hatten. Die
bisherige Vereinigung war nur eine (keineswegs willkürliche, wie
sie z. B. im "Contrat social" [24] dargestellt wird, sondern not-
wendige) Vereinigung (vergleiche z.B. die Bildung des nordameri-
kanischen Staats und die südamerikanischen Republiken) über diese
Bedingungen, innerhalb deren dann die Individuen den Genuß der
Zufälligkeit hatten. Dieses Recht, innerhalb gewisser Bedingungen
ungestört der Zufälligkeit sich erfreuen zu dürfen, nannte man
bisher persönliche Freiheit. - Diese Existenzbedingungen sind na-
türlich nur die jedesmaligen Produktionskräfte und Verkehrsfor-
men.
Wenn man diese Entwicklung der Individuen in den gemeinsamen Exi-
stenzbedingungen der geschichtlich aufeinanderfolgenden Stände
und Klassen und den ihnen damit aufgedrängten allgemeinen Vor-
stellungen p h i l o s o p h i s c h betrachtet, so kann man
sich allerdings leicht einbilden, in diesen Individuen habe sich
die Gattung oder der Mensch, oder sie haben den Menschen entwic-
kelt; eine Einbildung, womit der Geschichte einige starke Ohrfei-
gen gegeben werden. *) Man kann dann diese verschiedenen Stände
und Klassen als Spezifikationen des allgemeinen Ausdrucks, als
Unterarten der Gattung, als Entwicklungsphasen des Menschen fas-
sen.
Diese Subsumtion der Individuen unter bestimmte Klassen kann
nicht eher aufgehoben werden, als bis sich eine Klasse gebildet
hat, die gegen die herrschende Klasse kein besonderes Klassenin-
teresse mehr durchzusetzen hat.
Die Individuen gingen immer von sich aus, natürlich aber von sich
innerhalb ihrer gegebenen historischen Bedingungen und Verhält-
nisse, nicht vom "reinen" Individuum im Sinne der Ideologen. Aber
im Lauf der historischen
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*) Der bei Sankt Max häufig vorkommende Satz, daß Jeder Alles,
was er ist, durch den Staat ist, ist im Grunde derselbe wie der,
daß der Bourgeois nur ein Exemplar der Bourgeoisgattung sei; ein
Satz, der voraussetzt, daß die K l a s s e der Bourgeois schon
vor den sie konstituierenden Individuen existiert habe. [Zu die-
sem Satz Randbemerkung von Marx:] P r ä e x i s t e n z der
Klasse bei den Philosophen
#76# Karl Marx und Friedrich Engels
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Entwicklung und gerade durch die innerhalb der Teilung der Arbeit
unvermeidliche Verselbständigung der gesellschaftlichen Verhält-
nisse tritt ein Unterschied heraus zwischen dem Leben jedes Indi-
viduums, soweit es persönlich ist und insofern es unter irgendei-
nen Zweig der Arbeit und die dazugehörigen Bedingungen subsumiert
ist. (Dies ist nicht so zu verstehen, als ob z.B. der Rentier,
der Kapitalist pp. aufhörten, Personen zu sein; sondern ihre Per-
sönlichkeit ist durch ganz bestimmte Klassen Verhältnisse bedingt
und bestimmt, und der Unterschied tritt erst im Gegensatz zu ei-
ner ändern Klasse und für sie selbst erst dann hervor, wenn sie
Bankerott machen.) Im Stand (mehr noch im Stamm) ist dies noch
verdeckt, z.B. ein Adliger bleibt stets ein Adliger, ein Roturier
1*) stets ein Roturier, abgesehn von seinen sonstigen Verhältnis-
sen, eine von seiner Individualität unzertrennliche Qualität. Der
Unterschied des persönlichen Individuums gegen das Klassenindivi-
duum, die Zufälligkeit der Lebensbedingungen für das In[dividuum]
tritt erst mit dem Auftreten der Klasse [ein], die selbst ein
Produkt der Bourgeoisie ist. Die Konkurrenz und der Kampf [der]
Individuen untereinander erz[eugt und entwickelt erst diese Zu-
fälligkeit als solche. In der Vorstellung sind daher die Indivi-
duen unter der Bourgeoisieherrschaft freier als früher, weil ih-
nen ihre Lebensbedingungen zufällig sind; in der Wirklichkeit
sind sie natürlich unfreier, weil mehr unter sachliche Gewalt
subsumiert. Der Unterschied vom Stand tritt namentlich heraus im
Gegensatz der Bourgeoisie gegen das Proletariat. Als der Stand
der städtischen Bürger, die Korporationen pp. gegenüber dem
Landadel aufkamen, erschien ihre Existenzbedingung, das Mobilei-
gentum und die Handwerksarbeit, die schon vor ihrer Trennung vom
Feudal verbände latent existiert hatten, als etwas Positives, das
gegen das feudale Grundeigentum geltend gemacht wurde, und nahm
daher auch zunächst wieder die feudale Form in ihrer Weise an.
Allerdings behandelten die entlaufenden Leibeignen ihre bisherige
Leibeigenschaft als etwas ihrer Persönlichkeit Zufälliges. Hierin
aber taten sie nur dasselbe, was jede sich von einer Fessel be-
freiende Klasse tut, und dann befreiten sie sich nicht als
Klasse, sondern vereinzelt. Sie traten ferner nicht aus dem Be-
reich des Ständewesens heraus, sondern bildeten nur einen neuen
Stand und behielten ihre bisherige Arbeitsweise auch in der neuen
Stellung bei und bildeten sie weiter aus, indem sie sie von ihren
bisherigen, ihrer schon erreichten Entwicklung nicht [mehr] ent-
sprechenden Fesseln befreiten. *)
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*) N.B. Nicht zu vergessen, daß schon die Notwendigkeit der
Leibeignen, zu existieren, und die Unmöglichkeit der großen Wirt-
schaft, die die Verteilung der
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1*) Nichtadliger, Bürgerlicher
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Bei den Proletariern dagegen ist ihre eigne Lebensbedingung, die
Arbeit, und damit sämtliche Existenzbedingungen der heutigen Ge-
sellschaft, für sie zu etwas Zufälligem geworden, worüber die
einzelner Proletarier keine Kontrolle haben und worüber ihnen
keine g e s e l l s c h a f t l i c h e Organisation eine Kon-
trolle geben kann, und der Widerspruch zwischen der Persönlich-
keit des einzelnen Proletariers und seiner ihm aufgedrängten Le-
bensbedingung, der Arbeit, tritt für ihn selbst hervor, nament-
lich da er schon von Jugend auf geopfert wird und da ihm die
Chance fehlt, innerhalb seiner Klasse zu den Bedingungen zu kom-
men, die ihn in die andre stellen.
Während also die entlaufenden Leibeignen nur ihre bereits vorhan-
denen Existenzbedingungen frei entwickeln und zur Geltung bringen
wollten und daher in letzter Instanz nur bis zur freien Arbeit
kamen, müssen die Proletarier, um persönlich zur Geltung zu kom-
men, ihre eigne bisherige Existenzbedingung, die zugleich die der
ganzen bisherigen Gesellschaft ist, die Arbeit, aufheben. Sie be-
finden sich daher auch im direkten Gegensatz zu der Form, in der
die Individuen der Gesellschaft sich bisher einen Gesamtausdruck
gaben, zum Staat, und müssen den Staat stürzen, um ihre Persön-
lichkeit durchzusetzen.
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allotments 1*) an die Leibeignen mit sich führte, sehr bald die
Verpflichtungen der Leibeignen gegen den Feudalherrn auf einen
Durchschnitt von Naturallieferungen und Fronleistungen redu-
zierte, der dem Leibeignen die Akkumulation von Mobiliareigentum
möglich machte und damit sein Entfliehen von dem Besitztum seines
Herrn erleichterte und ihm Aussicht auf sein Fortkommen als
Stadtbürger gab, auch Abstufungen unter den Leibeignen erzeugte,
so daß die weglaufenden Leibeignen schon halbe Bürger sind. Wobei
es ebenfalls einleuchtet, daß die eines Handwerks kundigen
leibeignen Bauern am meisten Chance hatten, sich Mobiliareigentum
zu erwerben.
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