Quelle: MEW 3 1845 - 1846
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#89# Deutsche Ideologie - Das Leipziger Konzil. II. Sankt Bruno
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2. Sankt Brunos Betrachtungen über den Kampf
zwischen Feuerbach und Stirner
Nachdem Sankt Bruno Feuerbach also einige gewichtige Worte ans
Herz gelegt hat, sieht er sich den Kampf zwischen diesem und dem
Einzigen an. Das Erste, wodurch er sein Interesse an diesem Kampf
bezeugt, ist ein methodisches, dreimaliges Lächeln.
#90# Karl Marx und Friedrich Engels
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"Der Kritiker geht unaufhaltsam, siegsgewiß und siegreich seines
Weges. Man verleumdet ihn: er l ä c h e l t. Man verketzert
ihn: er l ä c h e l t. Die alte Welt macht sich auf in einem
Kreuzzug gegen ihn: er l ä c h e l t."
Der heilige Bruno, das ist also konstatiert, geht seiner Wege,
aber er geht sie nicht wie andre Leute, er geht einen kritischen
Gang, er vollzieht diese wichtige Handlung mit L ä c h e l n.
"Er lächelt mehr Linien in sein Gesicht hinein, als auf der Welt-
karte mit beiden Indien stehen. Das Fräulein wird ihm Ohrfeigen
geben, und wenn sie's tut, wird er lächeln und es für eine große
Kunst [39] halten",
wie Malvoglio bei Shakespeare.
Sankt Bruno selbst rührt keinen Finger, um seine beiden Gegner zu
widerlegen, er weiß ein besseres Mittel, sie loszuwerden, er
überläßt sie - divide et impera 1*) - ihrem eigenen Streit. Dem
Stirner stellt er den Menschen Feuerbachs, p. 124, und dem Feuer-
bach den Einzigen Stirners, p. 126 seqq., gegenüber; er weiß, daß
sie so erbittert aufeinander sind wie die beiden Katzen von Kil-
kenny in Irland, die einander so vollständig auffraßen, daß zu-
letzt nur die Schwänze übrigblieben. Über diese Schwänze spricht
nun Sankt Bruno das Urteil aus, daß sie "Substanz", also auf ewig
verdammt seien.
Er wiederholt in seiner Gegenüberstellung von Feuerbach und Stir-
ner dasselbe, was Hegel über Spinoza und Fichte sagte, wo be-
kanntlich das punktuelle Ich als die eine, und zwar härteste
Seite der Substanz dargestellt wird. Sosehr er früher gegen den
Egoismus polterte, der sogar als odor specificus 2*) der Massen
galt, akzeptiert er p. 129 von Stirner den Egoismus, nur soll
dieser "nicht der von Max Stirner", sondern natürlich der von
Bruno Bauer sein. Den Stirnerschen brandmarkt er mit dem morali-
schen Makel, "daß sein Ich zur Stützung seines Egoismus der Heu-
chelei, des Betrugs, der äußeren Gewalt bedarf". Im übrigen
glaubt er (siehe p. 124) an die kritischen Wundertaten des heili-
gen Max und sieht in dessen Kampf p. 126 "ein wirkliches Bemühen,
die Substanz von Grund aus zu vernichten". Statt auf Stirners
Kritik der Bauerschen "reinen Kritik" einzugehen, behauptet er p.
124, Stirners Kritik könne ihm ebensowenig wie jede andre etwas
anhaben, "weil e r d e r K r i t i k e r s e l b e r" sei.
Schließlich widerlegt Sankt Bruno Beide, Sankt Max und Feuerbach,
indem er eine Antithese, die Stirner zwischen dem Kritiker Bruno
Bauer und dem Dogmatiker zieht, ziemlich wörtlich auf Feuerbach
und Stirner anwendet.
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1*) teile und herrsche - 2*) eigentümlicher Geruch
#91# Deutsche Ideologie - Das Leipziger Konzil. II. Sankt Bruno
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Wigand, p. 138:
"Feuerbach stellt sich und s t e h t h i e r m i t" (!) "dem
Einzigen gegenüber. Er ist und will sein K o m m u n i s t,
dieser ist und soll sein E g o i s t; er der H e i l i g e,
dieser der P r o f a n e, er der G u t e, dieser der
B ö s e; er der Gott, dieser der Mensch. Beide - D o g m a t i-
k e r."
Also die Pointe ist, daß er Beiden Dogmatismus vorwirft.
"Der Einzige und sein Eigenthum", p. 194:
"Der Kritiker fürchtet sich, dogmatisch zu werden oder 'Dogmen
aufzustellen. Natürlich, er würde dadurch zum Gegensatz des Kri-
tikers, zum Dogmatiker, er würde, wie er als Kritiker g u t
ist, nun b ö s e, oder er würde aus einem U n e i g e n-
n ü t z i g e n" (Kommunisten) "ein E g o i s t usw. Nur kein
Dogma - das ist sein Dogma."
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