Quelle: MEW 3 1845 - 1846
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Vorwort
Der dritte Band der Werke von Karl Marx und Friedrich Engels ent-
hält die im Frühjahr 1845 verfaßten "Thesen über Feuerbach" von
Marx sowie "Die deutsche Ideologie" - die große gemeinsame Arbeit
der Begründer des wissenschaftlichen Sozialismus, die von ihnen
in den Jahren 1845/46 geschaffen wurde.
Die in diesem Band enthaltenen Werke gehören der Entstehungszeit
des wissenschaftlichen Kommunismus an und bilden eine wichtige
Etappe bei der Herausbildung der philosophischen, theoretischen
Grundlagen der marxistischen Partei. Sie sind unmittelbare Vor-
läufer der ersten völlig reifen Werke von Marx und Engels.
Zur Charakterisierung der Aufgaben, die sich Marx und Engels in
dieser Periode stellten, schrieb Engels im Jahre 1885 in seiner
Abhandlung "Zur Geschichte des Bundes der Kommunisten": "Wir sa-
ßen beide schon tief in der politischen Bewegung, hatten unter
der gebildeten Welt, namentlich Westdeutschlands, einen gewissen
Anhang und reichliche Fühlung mit dem organisierten Proletariat.
Wir waren verpflichtet, unsre Ansicht wissenschaftlich zu begrün-
den; ebenso wichtig aber war es auch für uns, das europäische und
zunächst das deutsche Proletariat für unsere Überzeugung zu ge-
winnen."
Die neue revolutionäre Weltanschauung von Marx und Engels bildete
sich heraus und bahnte sich den Weg zu den Arbeitermassen im
Kampf gegen die bürgerliche und klembürgerliche Ideologie. Bei
der Herausarbeitung ihrer materialistischen Weltanschauung
richteten Marx und Engels die Spitze ihrer Kritik in erster Linie
gegen den objektiven Idealismus Hegels und gegen den subjektiven
Idealismus der Junghegelianer. Im Kampf gegen den Idealismus
verfochten Marx und Engels den Wesenskern der materialistischen
Philosophie Feuerbachs und enthüllten gleichzeitig gründlich die
Inkonsequenz, die Begrenztheit und den metaphysischen Charakter
des Feuerbachschen
#VI# Vorwort
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Materialismus. Marx und Engels vereinigten in ihrer neuen Weltan-
schauung die Dialektik und den Materialismus zu einem einheitli-
chen, untrennbaren Ganzen und legten damit die Fundamente zu ei-
nem qualitativ neuen, dem dialektischen Materialismus.
Der Band beginnt mit den Thesen von Marx über Feuerbach. Fried-
rich Engels kennzeichnete in der Vorbemerkung zu seinem Werk
"Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Phi-
losophie" (1888) die Bedeutung dieser Thesen und schrieb, sie
seien "unschätzbar als das erste Dokument, worin der geniale Keim
der neuen Weltanschauung niedergelegt ist".
In den "Thesen über Feuerbach" deckt Marx den wesentlichen Mangel
sowohl des Feuerbachschen als auch des gesamten vorangegangenen
Materialismus auf - seinen passiv-anschauenden Charakter, das Un-
verständnis für die Bedeutung der revolutionären, praktisch-kri-
tischen Tätigkeit des Menschen. Marx betont die entscheidende
Rolle der revolutionären praktischen Tätigkeit für die Erkenntnis
und Umgestaltung der Welt. Von besonderer Bedeutung in dieser Be-
ziehung ist die elfte These: "Die Philosophen haben die Welt nur
verschieden i n t e r p r e t i e r t; es kömmt drauf an, sie
zu v e r ä n d e r n." In dieser These ist der grundlegende Un-
terschied zwischen der marxistischen und der gesamten früheren
Philosophie, darunter auch des vormarxschen Materialismus, ge-
drängt formuliert, in ihr kommt der aktive umgestaltende Charak-
ter der von Marx und Engels geschaffenen Theorie, ihre unlösliche
Verbindung mit der revolutionären Praxis deutlich zum Ausdruck.
Im Gegensatz zu Feuerbach, der den Menschen abstrakt, nicht hi-
storisch betrachtete, stellt Marx die These auf, daß in Wirklich-
keit das menschliche Wesen "das ensemble der gesellschaftlichen
Verhältnisse" ist. Marx dehnt somit den Materialismus auf das
Verständnis der menschlichen Gesellschaft aus.
Als Marx seine "Thesen über Feuerbach" schrieb, hatte er nach den
Worten von Engels die Entwicklung seiner materialistischen Ge-
schichtstheorie bereits in den Hauptzügen vollendet. Wie Marx
sich später erinnerte, hatten sie bei Engels' Ankunft in Brüssel
im Frühjahr 1845 beschlossen, gemeinsam ihre Ansichten auszuar-
beiten, was sie dann auch in der Form einer Kritik der nachhegel-
schen deutschen Philosophie taten. Das Resultat dieser gemeinsa-
men Arbeit von Marx und Engels war "Die deutsche Ideologie"; es
gelang ihnen jedoch nicht, dieses große Werk zu veröffentlichen.
Marx schrieb später in dem Vorwort zu seinem Werk "Zur Kritik der
politischen Ökonomie": "Wir überließen das Manuskript der nagen-
den Kritik der Mäuse um so williger, als wir unsern Hauptzweck
erreicht hatten - Selbstverständigung."
#VII# Vorwort
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"Die deutsche Ideologie" ist ein Werk von außerordentlichem Ide-
enreichtum. In dieser umfangreichen Schrift kam die große revolu-
tionäre Umwälzung, die Marx und Engels zu dieser Zeit mit der
Schaffung einer wirklichen Wissenschaft von den Entwicklungsge-
setzen in Natur und Gesellschaft vollzogen, klar zum Ausdruck.
Den wichtigsten Platz in der "Deutschen Ideologie "nimmt die Aus-
arbeitung des historischen Materialismus ein, dessen grundlegende
Leitsätze im ersten Abschnitt dieses Werkes zum erstenmal aus-
führlich dargelegt wurden.
In der "Deutschen Ideologie" stellen Marx und Engels die These
auf, daß das gesellschaftliche Sein der Menschen ihr gesell-
schaftliches Bewußtsein bestimmt, und sie begründen diese These.
Sie zeigen die entscheidende Rolle der Produktionsweise im ge-
samten gesellschaftlichen Leben der Menschen. In der "Deutschen
Ideologie" werden zum erstenmal die allgemeinsten objektiven Ent-
wicklungsgesetze der Produktivkräfte und der Produktionsverhält-
nisse charakterisiert; das Werk enthält bereits den äußerst wich-
tigen Begriff der ökonomischen Gesellschaftsformation und gibt
eine knappe Analyse der wichtigsten Besonderheiten der historisch
einander ablösenden Formationen. Jedoch werden einige Grundbe-
griffe der von Marx und Engels ausgearbeiteten Theorie in der
"Deutschen Ideologie" noch durch solche Termini wiedergegeben,
die von ihnen später durch andere, den Inhalt dieser neuen Be-
griffe exakter wiedergebende Termini ersetzt wurden. So wird der
Begriff "Produktionsverhältnisse" hier durch die Termini
"Verkehrsmittel", "Verkehrsform", "Verkehrsverhältnisse" wieder-
gegeben; der Terminus "Form des Eigentums" umfaßt faktisch den
Begriff der ökonomischen Gesellschaftsformation.
Die objektiven Gesetze der Entwicklung der Gesellschaft analysie-
rend, zeigen Marx und Engels, daß der politische und der ideolo-
gische Überbau in letzter Instanz durch die auf der jeweiligen
Stufe der geschichtlichen Entwicklung bestehenden ökonomischen
Verhältnisse bestimmt werden. In der "Deutschen Ideologie" wird
die Rolle des Staates als des Machtinstruments der ökonomisch
herrschenden Klasse aufgedeckt. Marx und Engels zeigen, daß Klas-
senkampf und Revolution die Triebkräfte der geschichtlichen Ent-
wicklung sind.
In der "Deutschen Ideologie" erhielt eine der wichtigsten marxi-
stischen Thesen, die These von der weltgeschichtlichen Rolle des
Proletariats, eine umfassendere wissenschaftliche Begründung. In
diesem Werk stellen Marx und Engels zum erstenmal die Aufgabe der
Eroberung der politischen Macht durch das Proletariat. In ihrer
These, "daß jede nach der Herrschaft strebende
#VIII# Vorwort
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Klasse, wenn ihre Herrschaft auch, wie dies beim Proletariat der
Fall ist, die Aufhebung der ganzen alten Gesellschaftsform und
der Herrschaft überhaupt bedingt, sich zuerst die politische
Macht erobern muß" -, ist bereits der Keim ihrer Lehre von der
Diktatur des Proletariats enthalten. Bei der Begründung dieser
Schlußfolgerung charakterisieren Marx und Engels in großen Zügen
die wichtigsten ökonomischen, politischen und ideologischen Vor-
aussetzungen der proletarischen Revolution und ihren grundlegen-
den Unterschied zu allen vorangegangenen Revolutionen, der vor
allem darin besteht, daß im Gegensatz zu allen früheren Revolu-
tionen, m deren Verlauf eine Form der Ausbeutung durch eine an-
dere abgelöst wurde, die proletarische Revolution zur Beseitigung
jeglicher Ausbeutung führt; die proletarische Revolution besei-
tigt im Endergebnis die Herrschaft aller, wie immer gearteten
Klassen zusammen mit den Klassen selbst. Marx und Engels decken
die gewaltige historische Rolle der kommunistischen Revolution
auf und schreiben, daß "die Revolution nicht nur nötig ist, weil
die h e r r s c h e n d e Klasse auf keine andre Weise gestürzt
werden kann, sondern auch, weil die s t ü r z e n d e Klasse
nur in einer Revolution dahin kommen kann, sich den ganzen alten
Dreck vom Halse zu schaffen und zu einer neuen Begründung der Ge-
sellschaft befähigt zu werden".
Marx und Engels decken in der "Deutschen Ideologie" die Ursachen
für die Entstehung und Entwicklung des Gegensatzes zwischen Stadt
und Land, zwischen geistiger und körperlicher Arbeit auf und zei-
gen, daß diese Gegensätze im Prozeß der Umgestaltung der Gesell-
schaft durch die proletarische Revolution beseitigt werden.
Obwohl Marx und Engels sich in der "Deutschen Ideologie" nicht
speziell mit der Untersuchung der ökonomischen Beziehungen befas-
sen, sind in diesem Werk doch eine ganze Reihe äußerst wichtiger
Ausgangsthesen der marxistischen politischen Ökonomie formuliert.
Wie Marx selbst schrieb, sollte diese Arbeit "das Publikum auf
den Standpunkt einer Ökonomie, welche schnurstracks der bisheri-
gen deutschen Wissenschaft sich gegenüberstellt", vorbereiten.
Bei der Ausarbeitung des dialektischen und historischen Materia-
lismus vollzogen Marx und Engels nicht nur eine radikale Umwäl-
zung in der Philosophie und in der Geschichtsauffassung, sondern
gaben auch der politischen Ökonomie eine wahrhaft wissenschaftli-
che Forschungsmethode.
"Die deutsche Ideologie" vermittelt ein klares und exaktes Ver-
ständnis für den objektiven Charakter der ökonomischen Gesetze
und Kategorien. Im Gegensatz zu den bürgerlichen Ökonomen, die
die ökonomischen Gesetze und Kategorien der bürgerlichen Gesell-
schaft für ewig und unveränderlich
#IX# Vorwort
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hielten, sehen Marx und Engels in ihnen die theoretische Wider-
spiegelung historisch begrenzter und vorübergehender gesell-
schaftlicher Verhältnisse. "Grundrente, Profit etc., die wirkli-
chen Daseinsweisen des Privateigentums, sind g e s e l l-
s c h a f t l i c h e, einer bestimmten Produktionsstufe ent-
sprechende V e r h ä l t n i s s e."
Marx und Engels stellten zum erstenmal den für die marxistische
politische Ökonomie so bedeutsamen Begriff der ökonomischen Ge-
sellschaftsformation auf und zeigen in der "Deutschen Ideologie",
wie sich auf den verschiedenen Stufen der geschichtlichen Ent-
wicklung "die Verhältnisse der Individuen zueinander in Beziehung
auf das Material, Instrument und Produkt der Arbeit" ändern, wie
die historischen Formen des Eigentums "nach der damaligen Termi-
nologie von Marx und Engels das Stammeigentum, das antike, das
feudale und das bürgerliche Eigentum - einander ablösen. Marx und
Engels zeigen die Unterschiede zwischen diesen Formen des Eigen-
tums, gleichzeitig aber auch die Kontmuierlichkeit der gesell-
schaftlichen Entwicklung, die darin zum Ausdruck kommt, daß jede
neue Generation die von den vorangegangenen Generationen ererbten
Produktivkräfte übernimmt.
Marx und Engels zeigen, daß die jeweilige Gesamtheit der Produk-
tionsverhältnisse ("Verkehrsform"), die sich auf der Basis der in
der betreffenden Periode vorhandenen Produktivkräfte herausbil-
det, deren Charakter entspricht und die Voraussetzung für ihre
Entwicklung darstellt, in der Folge zu Fesseln für eine weitere
Entwicklung der Produktivkräfte wird und in Widerspruch zu ihnen
tritt. Dieser Widerspruch findet seine Lösung dadurch, daß "an
die Stelle der früheren, zur Fessel gewordenen Verkehrsform eine
neue, den entwickelteren Produktivkräften ... entsprechende ge-
setzt wird ...". Marx und Engels weisen darauf hin, daß "alle
Kollisionen der Geschichte ... ihren Ursprung in dem Widerspruch
zwischen den Produktivkräften und der Verkehrsform" haben und daß
dieser Widerspruch "jedesmal in einer Revolution eklatieren ..."
muß. So sind hier schon die Ausgangsthesen für das von Marx und
Engels entdeckte ökonomische Gesetz von der unbedingten Überein-
stimmung der Produktionsverhältnisse mit dem Charakter der Pro-
duktivkräfte formuliert, für jenes Gesetz, das seine klassische
Formulierung in Marx' Werk "Zur Kritik der politischen Ökonomie"
gefunden hat.
Marx und Engels wenden dies Gesetz zur Analyse des Kapitalismus
an. Bei der Charakterisierung der kapitalistischen Gesellschaft
betrachten sie diese als eine objektiv notwendige und damit hi-
storisch vergängliche "Verkehrsform". Marx und Engels weisen
nach, daß auf einer bestimmten Stufe der Entwicklung der Produk-
tivkräfte das Privateigentum an Produktionsmitteln zu einer sie
beengenden Fessel wird, die unausbleiblich durch die
#X# Vorwort
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kommunistische Revolution vernichtet werden wird. Diese Revolu-
tion wird die Produktionsverhältnisse mit den Produktivkräften in
Übereinstimmung bringen.
In der "Deutschen Ideologie" werden einige grundlegende Züge der
künftigen kommunistischen Gesellschaft angedeutet. Das Wesens-
merkmal dieser Gesellschaft sehen Marx und Engels darin, daß die
Menschen im Kommunismus die objektiven ökonomischen Gesetze be-
wußt ausnutzen und damit die Herrschaft über die Produktion, über
den Austausch, über ihre eigenen gesellschaftlichen Verhältnisse
erlangen werden. Erst im Kommunismus erhält jeder Mensch die Mög-
lichkeit einer vollständigen, allseitigen Entwicklung all seiner
Fähigkeiten und Anlagen.
"Die deutsche Ideologie" enthält zahlreiche tiefschürfende Gedan-
ken, die für eine ganze Reihe von Gesellschaftswissenschaften
große Bedeutung haben. So sind hier die Ausgangsthesen für die
marxistische Sprachwissenschaft formuliert. Marx und Engels zei-
gen in der "Deutschen Ideologie" den unlösbaren Zusammenhang der
Entstehung und Entwicklung der Sprache mit dem materiellen Leben
der Gesellschaft, mit dem Arbeitsprozeß der Menschen. Sie betonen
die unlösliche Einheit zwischen Sprache und menschlichem Denken
und stellen die überaus bedeutsame These auf: "Die unmittelbare
Wirklichkeit des Gedankens ist die S p r a c h e", sie "i s t
das praktische, ... wirkliche Bewußtsein."
In der "Deutschen Ideologie" kritisieren Marx und Engels die äs-
thetischen Anschauungen der Junghegelianer, stellen eine Reihe
Grundthesen der marxistischen Ästhetik auf und begründen sie; sie
zeigen die Abhängigkeit der Kunst und des schöpferischen Geistes
des Künstlers vom ökonomischen und politischen Leben der Gesell-
schaft in jeder konkreten Etappe der geschichtlichen Entwicklung.
Marx und Engels erläutern Wesen und Rolle des Denkens, der gei-
stigen Bedürfnisse, Interessen, Neigungen und Gefühle des Men-
schen, sie zeigen, daß die entscheidenden Ursachen für ihre Ver-
änderung und Entwicklung im materiellen Leben der Gesellschaft
begründet liegen, und legen so das Fundament für die marxisti-
sche, dialektisch-materialistische Psychologie.
Die Ausarbeitung der marxistischen Theorie in der "Deutschen
Ideologie" ist untrennbar verbunden mit einer kritischen Analyse
des vorangegangenen philosophischen, gesellschaftspolitischen und
ökonomischen Denkens.
Von großer Bedeutung sind auch die vielen knappen, aber sehr in-
haltsreichen Exkursionen von Marx und Engels auf das Gebiet der
Geschichte der Philosophie. Sie enthalten bedeutsame Einschätzun-
gen der altgriechischen
#XI# Vorwort
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materialistischen Philosophie sowie der Anschauungen von Denkern
späterer Epochen. Inder "Deutschen Ideologie" werden die philoso-
phischen Anschauungen verschiedener Apologeten der bürgerlichen
Gesellschaft scharf kritisiert.
Vom Standpunkt des dialektischen und historischen Materialismus
geben Marx und Engels eine kritische Analyse des französischen
und des englischen utopischen Sozialismus und Kommunismus.
"Die deutsche Ideologie" enthält eine Reihe kurzer Skizzen zur
Geschichte der englischen und der französischen bürgerlichen po-
litischen Ökonomie.
Ausgehend von den Grundthesen der von ihnen ausgearbeiteten neuen
Weltanschauung führen Marx und Engels in der "Deutschen Ideolo-
gie" ihre Kritik an den Auffassungen des Junghegelianers Bruno
Bauer zu Ende, die sie bereits in der "Heiligen Familie" begonnen
hatten. Die Begründer des wissenschaftlichen Kommunismus entlar-
ven den kleinbürgerlichen, reaktionären Charakter der philosophi-
schen, ökonomischen und soziologischen Anschauungen eines der er-
sten Ideologen des Anarchismus, des Junghegelianers Max Stirner.
Mit ihrer Kritik an Bauer und Stirner kritisieren Marx und Engels
die ganze Philosophie der Junghegelianer sowie die Philosophie
Hegels und die idealistische Philosophie überhaupt.
In der "Deutschen Ideologie" wird das reaktionäre Wesen der
kleinbürgerlichen Anschauungen der deutschen "wahren" Sozialisten
entlarvt, die in Form einer kleinbürgerlich-sentimentalen Propa-
gierung "allgemeiner Menschenliebe" die Ideen des Klassenfriedens
zu verbreiten suchten. Diese Propaganda war besonders schädlich
und gefährlich im vorrevolutionären Deutschland, wo sich der
Kampf aller demokratischen Kräfte des Volkes gegen den Absolutis-
mus und die Feudalverhältnisse zuspitzte und wo gleichzeitig im-
mer deutlicher die Gegensätze zwischen Proletariat und Bour-
geoisie zutage traten. Marx und Engels üben auch Kritik an dem
Nationalismus der "wahren" Sozialisten, an ihrem Hochmut gegen-
über anderen Nationen.
Zu Lebzeiten von Marx und Engels wurde nur das vierte Kapitel des
zweiten Bandes der "Deutschen Ideologie" veröffentlicht. Das ge-
samte Werk wurde so, wie es uns erhalten geblieben ist, vom Marx-
Engels-Lenin-Institut erstmalig 1932 in deutscher, 1933 in russi-
scher Sprache veröffentlicht.
Institut für Marxismus-Leninismus
beim ZK der KPdSU
#XII# Vorwort
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Der vorliegende dritte Band der deutschen Ausgabe entspricht
nicht ganz dem vom Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der
KPdSU besorgten Band in russischer Sprache. Im Text unseres Ban-
des erscheinen die "Thesen über Feuerbach" in der Fassung, wie
sie Marx in seinem Notizbuch aus den Jahren 1844-1847 nieder-
schrieb, während die 1888 von Engels bearbeitete Fassung der
"Thesen" sich in den Beilagen findet. Die Beilagen enthalten au-
ßerdem Notizen von Marx und Engels aus den Jahren 1845/46. Wir
hielten es für zweckmäßig, Engels' Arbeit "Die wahren Soziali-
sten" in den vierten Band unserer Ausgabe zu übernehmen, weil sie
organisch mit anderen in diesem Band erscheinenden Schriften zu-
sammengehört.
Der Text wurde nach Originalen überprüft, ebenso die von Marx und
Engels angeführten Zitate, soweit die Originale dafür zur Verfü-
gung standen. Bei jeder Arbeit ist die zum Abdruck herangezogene
Quelle vermerkt.
Die von Marx und Engels angeführten Zitate werden zur leichteren
Übersicht in kleinerem Druck gebracht. Fremdsprachige Zitate und
im Text vorkommende fremdsprachige Wörter wurden in Fußnoten
übersetzt.
Rechtschreibung und Zeichensetzung sind, soweit vertretbar, mo-
dernisiert. In Zweifelsfällen wurde die Schreibweise dem Original
entsprechend beibehalten. Der Lautstand der Wörter in den
deutschsprachigen Texten wurde nicht verändert. Alle in eckigen
Klammern stehenden Wörter und Wortteile stammen von der Redak-
tion; jedoch wurden einige heute wenig gebräuchliche Abkürzungen
ohne Kennzeichnung ausgeschrieben und offensichtliche Schreibfeh-
ler stillschweigend korrigiert.
Fußnoten von Marx und Engels sind durch Sternchen gekennzeichnet,
während Fußnoten der Redaktion durch eine durchgehende Linie vom
Text abgetrennt und durch Ziffern gekennzeichnet sind.
Zur Erläuterung, ist der Band mit Anmerkungen versehen, auf die
im Text durch hochgestellte Zahlen in eckigen Klammern hingewie-
sen wird; außerdem werden ein Personenverzeichnis, ein Literatur-
verzeichnis sowie eine Erklärung der Fremdwörter beigefügt.
Institut für Geschichte der Arbeiterbewegung
Berlin
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