Quelle: MEW 5 März - November 1848
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Hüser
["Neue Rheinische Zeitung" Nr. 1 vom 1. Juni 1848]
** Köln, den 31.Mai. Der Herr Hüser in Mainz hat mit Hülfe alter
Festungsreglements und verrotteter Bundesgesetze eine neue Me-
thode erfunden, um Preußen und andre Deutsche zu noch größeren
Sklaven zu machen, als sie es vor dem 22. Mai 1815 [13] waren.
Wir raten dem Herrn Hüser, auf seine neue Erfindung ein Patent zu
nehmen, es würde jedenfalls sehr einträglich werden. Nach dieser
Methode nämlich schickt man zwei oder mehrere betrunkene Soldaten
aus, die natürlich von selbst mit Bürgern Streit anfangen. Die
öffentliche Gewalt schreitet ein, verhaftet die Soldaten; das
reicht hin, damit die Kommandantur einer jeden Festung die Stadt
in Belagerungszustand erklären kann, damit alle Waffen konfis-
ziert und die Einwohner der Gnade der brutalen Soldateska preis-
gegeben werden. Dieser Plan ist namentlich in Deutschland um so
lukrativer, da es hier mehr Festungen gegen das Inland als gegen
das Ausland gibt; er muß ganz besonders lukrativ werden, weil ir-
gendein vom Volk bezahlter Platzkommandant, ein Hüser, ein Roth
von Schreckenstein und ähnliche feudale Namen, mehr wagen darf
als selbst der König oder Kaiser, weil er die Preßfreiheit unter-
drücken, weil er z.B. den Mainzern, die keine Preußen sind, ver-
bieten kann, ihre Antipathien gegen den König von Preußen und das
preußische Staatssystem auszusprechen. Das Projekt des Herrn Hü-
ser ist nur ein Teil des großen Plans der Berliner Reaktion, die
danach strebt, so rasch wie möglich alle Bürgergarden, namentlich
am Rhein, zu entwaffnen, allmählich die ganze, erst im Entstehen
begriffene Volksbewaffnung zu vernichten und uns wehrlos der
meist aus Fremden bestehenden und gegen uns leicht aufzubringen-
den oder schon aufgebrachten Armee in die Hände zu liefern.
Das ist geschehen in Aachen, in Trier, in Mannheim, in Mainz, und
das kann auch anderswo kommen.
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