Quelle: MEW 5 März - November 1848


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       Das Ministerium der Tat
       
       ["Neue Rheinische Zeitung" Nr. 39 vom 9. Juli 1848]
       * Köln,  7. Juli. Wir haben eine  n e u e  M i n i s t e r k r i-
       s i s.   Das Ministerium Camphausen ist gestürzt, das Ministerium
       Hansemann ist gestolpert. Das Ministerium der Tat [98] halte eine
       Lebensdauer von  a c h t  T a g e n,  trotz aller Hausmittelchen,
       Schönpflaster, Preßprozesse, Verhaftungen, trotz der dünkelhaften
       Keckheit, womit  die Bürokratie  ihr aktenbestaubtes Haupt wieder
       erhob und  für ihre Entthronung kleinlich-brutale Rache ausbrüte-
       te. Das  "Ministerium der  Tat", aus lauter Mittelmäßigkeiten zu-
       sammengesetzt, war  beim Beginn der letzten Sitzung der Vereinba-
       rungsversammlung noch  so befangen, an seine Unerschütterlichkeit
       zu glauben.
       Am Schluß  der Sitzung [176] war es völlig zersprengt. Diese fol-
       genreiche Sitzung  brachte dem  Ministerpräsidenten v.  Auerswald
       die Überzeugung  bei, daß  er seine  Entlassung einreichen müsse;
       auch der  Minister v.  Schreckenstein wollte  nicht länger Hanse-
       manns Schleppenträger  bleiben, und so begab sich gestern das ge-
       samte Ministerium  zum König  nach Sanssouci.  Was  da  abgemacht
       wurde, werden wir bis morgen erfahren.
       Unser Berliner #-Korrespondent schreibt in einer Nachschrift:
       
       "Soeben verbreitet sich das Gerücht, daß Vincke, Pinder, Mevissen
       eiligst herberufen  worden sind,  um ein neues Ministerium bilden
       zu helfen."
       
       Bestätigt sich  dies Gerücht,  so wären  wir also   e n d l i c h
       vom Ministerium  der Vermittlung durch das Ministerium der Tat zu
       einem Ministerium  der Kontrerevolution  gelangt.  E n d l i c h!
       Die sehr kurze Lebensfrist dieser ministeriellen Kontrerevolution
       würde hinreichen,  um die Zwerge, die bei dem geringsten Windzuge
       der Reaktion  ihre Köpfchen  wieder erheben,  dem Volke in ganzer
       Lebensgröße zu zeigen.
       
       Geschrieben von Karl Marx.

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