Quelle: MEW 5 März - November 1848


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       Vereinbarungsdebatten vom 7. Juli
       
       ["Neue Rheinische Zeitung" Nr. 44 vom 14. Juli 1848]
       ** Köln,  12. Juli.  Erst gestern  abend spät ist uns der Bericht
       über die  Vereinbarungssitzung vom 7. Juli zugekommen. Die steno-
       graphischenBerichte [25],  die sonst  immer nur 24 Stunden später
       als die brieflichen Berichte hier eintrafen, verspäten sich immer
       mehr, statt daß sie früher fertig werden sollten.
       Wie leicht  dieser Verschleppung  abzuhelfen ist,  geht  aus  der
       Schnelligkeit hervor,  mit der französische und englische Blätter
       die Berichte ihrer gesetzgebenden Versammlungen bringen. Das eng-
       lische Parlament  sitzt oft  bis vier Uhr morgens, und schon vier
       Stunden später  bringt die "Times" [139] den stenographischen Be-
       richt der  Sitzung fertig  gedruckt in alle Teile von London. Die
       französische Kammer  eröffnete ihre Sitzungen selten vor ein Uhr,
       schloß zwischen  fünf und  sechs, und  schon um  sieben mußte der
       "Moniteur" einen  Abzug  der  stenographierten  Verhandlungen  in
       sämtlichen Pariser  Zeitungsbüros abliefern. Warum kann der wohl-
       löbliche "Staats-Anzeiger" [26] nicht ebenso rasch fertig werden?
       Gehn wir  jetzt zur  Sitzung vom  7. über, der Sitzung, worin das
       Ministerium Hansemann  gehänselt wurde.  Wir übergehn  die gleich
       anfangs eingereichten  Proteste, den  d'Esterschen  Antrag  wegen
       Aufhebung des  am 4.  gegen Ende der Sitzung gefaßten Beschlusses
       [176] (dieser  Antrag blieb  auf der Tagesordnung stehn) und meh-
       rere andre  auf die  Tagesordnung gesetzte  Anträge. Wir beginnen
       gleich mit  den Interpellationen  und unangenehmen  Anträgen, die
       heute auf das Ministerium regneten.
       Zuerst trat Herr Philipps auf. Er interpellierte das Ministerium,
       welche Maßregeln  zum Schutz unsrer Grenzen gegen Rußland getrof-
       fen worden sind?
       Herr Auerswald:  Ich halte diese Frage für nicht geeignet, in der
       Versammlung beantwortet zu werden.
       
       #207# Vereinbarungsdebatten vom 7. Juli
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       Das glauben  wir dem  Herrn Auerswald  herzlich gern. Die einzige
       Antwort, die er geben könnte, wäre:  g a r  k e i n e,  oder wenn
       man genau  sein will:  die Verlegung  mehrerer Regimenter von der
       russischen Grenze an den Rhein. Was uns nur wundert, ist, daß die
       Versammlung die  kurzweilige Antwort  des Herrn Auerswald, diesen
       Appell an  das car  tel est notre bon plaisir [192], so ohne wei-
       teres mit etwas "Zischen" und etwas "Bravo" durchgehen läßt.
       Herr Bornes trägt an, daß die Klassensteuer der untersten Steuer-
       stufe für das letzte Halbjahr 1848 erlassen und alle Zwangsmaßre-
       geln  zur   Eintreibung  der  rückständigen  Beträge  des  ersten
       Halbjahrs derselben Stufe sofort eingestellt werden.
       Der Antrag geht in die Fachkommission.
       Herr Hansemann  erhebt sich  und erklärt, daß solche Finanzsachen
       doch sehr  gründlich beraten werden müßten. Man könne übrigens um
       so eher  warten, als  er in  der nächsten Woche mehrere Finanzge-
       setze zur Beratung einbringen werde, worunter auch eins, was sich
       auf die Klassensteuer beziehe.
       Herr Krause  interpelliert den Finanzminister: ob es möglich sei,
       die Mahl-,  Schlacht- und  Klassensteuer bis  Anfang 1849 mit der
       Einkommensteuer zu vertauschen?
       Herr Hansemann  muß abermals  aufstehn und ärgerlich erklären, er
       habe schon  einmal gesagt, daß er nächste Woche die Finanzgesetze
       einbringen werde.
       Aber damit ist sein Leidenskelch noch nicht erschöpft. Jetzt erst
       erhebt sich  Herr  G r e b e l  mit einem langen Antrage, von dem
       jedes Wort ein Stich durchs Herz des Herrn Hansemann sein mußte:
       In Erwägung,  daß  zur  Begründung  der  in  Aussicht  gestellten
       Zwangsanleihe die  bloße Angabe keineswegs genüge, Schatz und Fi-
       nanzen seien erschöpft;
       in Erwägung,  daß zur  Diskussion der Zwangsanleihe selbst (gegen
       welche Herr  Grebel protestiert, solange nicht eine alle Verspre-
       chungen erfüllende Verfassung festgesetzt ist) die Einsicht aller
       Bücher und  Belege des Staatshaushalts nötig ist, trägt Herr Gre-
       bel an:
       eine Kommission  zu ernennen, die alle Bücher und Belege über die
       Verwaltung der  Finanzen und des Schatzes von 1840 bis jetzt ein-
       sehen und darüber Bericht erstatten soll.
       Noch schlimmer  aber als der Antrag ist die Motivierung des Herrn
       Grebel. Er  spricht von den vielen Gerüchten über Verschleuderung
       und widerrechtliche  Verwendung des  Staatsschatzes, die  die öf-
       fentliche Meinung beunruhigen; er verlangt im Interesse des Volks
       zu wissen,  wohin all das Geld gekommen sei, das es seit 30 Frie-
       densjahren bezahlt; er erklärt, solange
       
       #208# Karl Marx/Friedrich Engels - "Neue Rheinische Zeitung"
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       diese Aufklärung nicht gegeben, könne die Versammlung keinen Gro-
       schen votieren.  Die Zwangsanleihe hat enorme Sensation hervorge-
       rufen, die Zwangsanleihe bricht den Stab über die ganze bisherige
       Finanzverwaltung, die Zwangsanleihe ist der vorletzte Schritt zum
       Staatsbankerott. Die  Zwangsanleihe überraschte  um so  mehr, als
       wir gewohnt  waren, stets  zu hören,  die Finanzlage  sei  ausge-
       zeichnet und  der Staatsschatz überhebe uns selbst im Falle eines
       bedeutenden Kriegs  der Notwendigkeit  einer Anleihe. Herr Hanse-
       mann selbst  habe im  Vereinigten Landtage berechnet, der Staats-
       schatz müsse  wenigstens 30  Millionen betragen. Dies war auch zu
       erwarten, da nicht nur dieselben hohen Steuern wie in den Kriegs-
       jahren fortgezahlt,  sondern der Betrag der Steuern sich fortwäh-
       rend vermehrte.
       Da plötzlich  kam die  Nachricht von der beabsichtigten Zwangsan-
       leihe, und  mit ihr,  mit dieser schmerzlichen Enttäuschung, sank
       das Vertrauen sofort auf Null herab.
       Das einzige Mittel, das Vertrauen herzustellen, ist die sofortige
       rückhaltlose Darlegung der Finanzlage des Staats.
       Herr Hansemann hat zwar gesucht, das Bittre seiner Mitteilung we-
       gen der  Zwangsanleihe durch einen humoristischen Vortrag zu ver-
       süßen; er  mußte aber  dennoch zugeben,  daß durch eine Zwangsan-
       leihe ein unangenehmer Eindruck hervorgerufen werde.
       Herr Hansemann  antwortet: Es versteht sich, daß das Ministerium,
       wenn es Geld verlangt, auch alle nötigen Aufklärungen darüber ge-
       ben wird,  wo die  bisher eingezahlten Gelder geblieben sind. Man
       warte doch,  bis die  von mir bereits zweimal erwähnten Finanzge-
       setze vorgelegt  werden. Was die Gerüchte angeht, so ist es nicht
       richtig, daß  enorme Summen im Staatsschatz waren, daß sie in den
       letzten Jahren  verringert wurden.  Es ist natürlich, daß sich in
       den letzten  Notjahren, in  der jetzigen,  mit beispielloser  Ge-
       schäftsstockung verbundenen politischen Krisis, ein blühender Fi-
       nanzzustand in  einen bedenklichen verwandeln konnte. "Es ist ge-
       sagt worden, die Zwangsanleihe werde eine Vorläuferin des Staats-
       bankerotts sein.  Nein, meine  Herren, das   s o l l   sie  nicht
       sein, sie   s o l l   im  Gegenteil dazu  dienen, daß der  K r e-
       d i t  s i c h  b e l e b e."  (Sie  s o l l!  sie  s o l l!  als
       ob der  Effekt der  Zwangsanleihe auf  den Kredit von den frommen
       Wünschen des  Herrn Hansemann  abhinge!) Wie  ungegründet  solche
       Besorgnisse sind,  geht aus dem Steigen der Staatspapiere hervor.
       Warten Sie,  meine Herren,  die Finanzgesetze  ab, die  ich Ihnen
       hiermit zum viertenmal verspreche.
       Also der  Kredit des preußischen Staats ist so ruiniert, daß kein
       Kapitalist ihm  gegen noch so wucherische Zinsen Geld vorschießen
       will, daß Herr Hansemann keinen ändern Ausweg mehr sieht, als den
       letzten Notbehelf
       
       #209# Vereinbarungsdebatten vom 7. Juli
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       bankrotter Staaten,  die Zwangsanleihe  - und  dabei spricht Herr
       Hansemann von  steigendem Staatskredit, weil die Fonds in demsel-
       ben Maße, als man sich vom 18.März entfernt, mühsam zwei bis drei
       Prozent in die Höhe gekrochen sind! Und wie werden die Fonds erst
       purzeln, sobald mit der Zwangsanleihe erst Ernst gemacht wird!
       Herr Behnsch  dringt auf Ernennung der vorgeschlagenen Finanz-Un-
       tersuchungskommission.
       Herr Schramm: Die Abhülfe der Not aus Staatsmitteln war nicht der
       Rede wert,  und wenn die Freiheit  u n s  Geld kostet, so hat sie
       bis jetzt  der  R e g i e r u n g  wenigstens nichts gekostet. Im
       Gegenteil hat die Regierung eher Geld dazu gegeben, daß die Frei-
       heit nicht in ihr gegenwärtiges Stadium trete.
       Herr Mätze:  Zu dem,  was wir wußten, daß im Staatsschatze nichts
       ist, erfahren  wir jetzt  noch, daß  seit lange nichts mehr darin
       war. Diese  Neuigkeit ist  ein neuer Beweis für die Notwendigkeit
       der Ernennung  einer Kommission.  Herr Hansemann  muß sich wieder
       erheben: "Ich habe nie gesagt, daß im Staatsschatz nichts sei und
       nichts gewesen  sei; ich  erkläre vielmehr,  daß in  den  letzten
       sechs bis  sieben Jahren der Staatsschatz sich bedeutend vermehrt
       hat." (Man vergleiche des Herrn Hansemann Denkschrift an den Ver-
       einigten Landtag und die Thronrede [193], und man wird jetzt erst
       recht nicht mehr wissen, woran man ist.)
       Cieszkowski: Ich bin für den Grebelschen Antrag, weil Herr Hanse-
       mann uns  immer Versprechungen gemacht hat und jedesmal, wenn Fi-
       nanzsachen hier zur Sprache kommen, auf seine nächstens zu geben-
       den, aber  nie eintreffenden  Aufschlüsse verweist.  Dies Zaudern
       ist um  so unbegreiflicher,  als Herr  Hansemann jetzt doch schon
       über drei Monate Minister ist.
       Herr Milde, Handelsminister, kommt endlich seinem bedrängten Kol-
       legen zu  Hülfe. Er fleht die Versammlung an, doch ja die Kommis-
       sion nicht  zu ernennen.  Er verspricht  die größte Offenheit von
       selten des  Ministeriums. Er beteuert, man solle die Lage der Sa-
       chen genau  übersehn. Nur  jetzt möge  man die Regierung gewähren
       lassen, denn sie sei eben damit beschäftigt, das Staatsschiff aus
       den Schwierigkeiten herauszusteuern, in denen es sich gegenwärtig
       befindet. Die  Versammlung werde gewiß dabei hülfreiche Hand lei-
       sten. (Bravo.)
       Herr Baumstark  versucht auch, Herrn Hansemann einigermaßen unter
       die Arme  zu greifen. Aber einen schlimmeren und taktloseren Ver-
       teidiger konnte der Finanzmmister nicht finden:
       
       "Es wäre  ein   s c h l e c h t e r   Finanzminister, der den Zu-
       stand der Finanzen verheimlichen wollte, und wenn ein Finanzmini-
       ster sagt,  er werde  die nötigen  Vorlagen machen, so müssen wir
       ihn entweder  für einen    e h r l i c h e n    M a n n    halten
       o d e r  f ü r  d a s
       
       #210# Karl Marx/Friedrich Engels - "Neue Rheinische Zeitung"
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       G e g e n t e i l   (!!!). (Aufregung.)  Meine Herren,  ich  habe
       niemand beleidigt,  ich habe  gesagt, wenn   e i n,   nicht  wenn
       d e r  Finanzminister (!!!)."
       
       Reichenbach: Wohin sind die schönen Tage der großen Debatten, der
       Prinzipien- und  Kabinettsfragen? Damals  wünschte Herr Hansemann
       nichts sehnlicher,  als eine  Lanze brechen zu können, und jetzt,
       wo die  Gelegenheit dazu  da ist  und noch  dazu in seinem eignen
       Fach, jetzt  weicht er  aus! In der Tat, die Minister versprechen
       immerfort und  stellen Grundsätze auf, bloß zu dem Zweck, sie ein
       paar Stunden nachher schon nicht mehr zu halten. (Aufregung.)
       Herr Hansemann  wartet, ob  sich ein  Verteidiger für ihn erhebt.
       Aber da  ist keiner,  der für  ihn aufträte. Endlich sieht er mit
       Schrecken, daß  der Abgeordnete  Baumstark sich erhebt, und damit
       dieser ihn nicht nochmals für einen "ehrlichen Mann" erkläre, er-
       greift er rasch selbst das Wort.
       Wir erwarten,  daß der  geplagte, mit  Nadeln gestochene, von der
       ganzen Opposition  gezerrte Löwe  Duchâtel endlich  in der ganzen
       Fülle seiner  Kraft sich  erheben, daß  er seine  Gegner  nieder-
       schmettern, daß  er, mit  einem  Wort,  die    K a b i n e t t s-
       f r a g e  stellen wird? Ach, es ist nichts mehr zu sehen von der
       ursprünglichen Festigkeit  und Keckheit,  und die  alte Größe ist
       dahingeschwunden, wie  der Staatsschatz  in den  schweren Zeiten!
       Gebeugt, geknickt,  verkannt steht der große Finanzier da; es ist
       so weit mit ihm gekommen, daß er sich auf  G r ü n d e  einlassen
       muß! Und was für Gründe noch dazu!
       
       "Jeder, der  sich mit  Finanzen und  mit den  darin  vorkommenden
       v i e l e n   Z a h l e n  (!!) beschäftigt hat, wird wissen, daß
       eine Erörterung über Finanzfragen nicht gelegentlich einer Inter-
       pellation gründlich erörtert werden kann, daß Steuerfragen so um-
       fassend sind,  daß darüber in gesetzgebenden Versammlungen" (Herr
       Hansemann denkt  an seine glänzenden Reden im weiland Vereinigten
       Landtag) "tage-, ja wochenlang diskutiert worden ist."
       
       Aber wer  verlangt denn  eine gründliche  Diskussion? Man hat von
       Herrn Hansemann  erstens eine  Erklärung, ein  einfaches Ja  oder
       Nein, über Steuerfragen verlangt; man hat ferner seine Zustimmung
       zu einer  Prüfungskommission für  die  bisherige  Verwaltung  des
       Staatsschatzes etc.  verlangt; und man hat, als er beides verwei-
       gerte, auf  den Kontrast  zwischen seinen früheren Versprechungen
       und seiner jetzigen Zurückhaltung hingewiesen.
       Und eben weil "Erörterungen über Finanzen und über die darin vor-
       kommenden vielen  Zahlen" Zeit  erfordern, eben deswegen soll die
       Kommission sofort ihre Arbeit beginnen!
       
       "Wenn übrigens die Finanzsachen nicht früher vorgekommen sind, so
       hat es  seinen guten  Grund dann, daß ich geglaubt habe, es würde
       günstiger für die Lage des Landes
       
       #211# Vereinbarungsdebatten vom 7. Juli
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       sein, wenn  ich noch etwas wartete. Ich habe Hoffnung gehabt, daß
       die Ruhe  des Landes  und damit der Staatskredit sich etwas heben
       werde; ich  wünsche, daß  diese Hoffnung  nicht zuschanden werde,
       und nach  meiner Überzeugung habe ich  w o h l g e t a n,  d i e-
       s e   G e s e t z e   n i c h t   f r ü h e r  e i n z u b r i n-
       g e n."
       
       Welche Enthüllungen!  Die Finanzgesetze  des Herrn Hansemann, die
       den Staatskredit doch wohl befestigen sollten, sind also der Art,
       daß sie den Staatskredit bedrohen!
       Herr Hansemann  hielt es  für besser,  die Finanzlage  des Landes
       einstweilen noch geheimzuhalten!
       Wenn der  Staat so  steht, so  ist es  unverantwortlich von Herrn
       Hansemann, eine  solche unbestimmte  Äußerung zu tun, anstatt so-
       fort den Stand der Finanzen offen darzulegen und durch die Tatsa-
       chen selbst alle Zweifel und Gerüchte niederzuschlagen. Im engli-
       schen Parlament  wäre einer so taktlosen Äußerung sofort ein Miß-
       trauensvotum gefolgt.
       Herr Siebert:
       
       "Bisher haben wir nichts getan. Alle wichtigen Fragen wurden, so-
       wie sie  reif zur  Lösung waren, abgebrochen und beiseite gescho-
       ben. Wir  haben bis jetzt noch keinen Beschluß gefaßt, der irgend
       etwas   G a n z e s   enthielt, wir  haben noch gar nichts Ganzes
       gemacht. Sollen wir  e s  beute wieder so machen, sollen wir wie-
       der auf  Versprechungen hin  die Frage aufschieben? Wer bürgt uns
       dafür, daß  das  M i n i s t e r i u m  n o c h  a c h t  T a g e
       a m  R u d e r  b l e i b t?"
       
       Herr Parrisius  stellt ein Amendement, wonach Herr Hansemann auf-
       gefordert wird,  einer gleich zu wählenden Prüfungskommission aus
       16 Mitgliedern  binnen 14 Tagen die nötigen Vorlagen über Finanz-
       und Schatzverwaltung  vom Jahre 1840 an zu machen. Herr Parrisius
       erklärt, es  sei  spezieller  Auftrag  seiner  Kommittenten:  Sie
       wollten wissen,  wohin der Staatsschatz, der 1840 über 40 Millio-
       nen betragen, gekommen sei.
       Dies Amendement, noch schärfer als der ursprüngliche Antrag, wird
       doch wohl  den ermatteten Duchâtel emporstacheln? Jetzt wird doch
       wohl die Kabinettsfrage gestellt werden?
       Im Gegenteil! Herr Hansemann, der  g e g e n  den Antrag war, hat
       gegen dies  Amendement mit  seiner  beleidigenden  Präklusivfrist
       durchaus nichts einzuwenden ! Er bemerkt nur, die Sache werde er-
       staunlich viel  Zeit erfordern,  und bedauert die armen Kommissi-
       onsmitglieder, die sich dieser sauren Arbeit unterziehen müssen.
       Es wird  noch über  die Abstimmung  etwas hin und her gesprochen,
       wobei auch  noch einige unangenehme Worte für Herrn Hansemann ab-
       fallen. Dann  wird abgestimmt,  die verschiedenen motivierten und
       unmotivierten Tagesordnungen
       
       #212# Karl Marx/Friedrich Engels - "Neue Rheinische Zeitung"
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       verwerten, und das Parrisiussche Amendement, dem sich Herr Grebel
       anschließt, fast einstimmig angenommen.
       Herr Hansemann  entging einer entscheidenden Niederlage nur durch
       seine Widerstandslosigkeit,  nur durch die Selbstverleugnung, mit
       der er  die Parrisiussche  Beleidigung hinnahm.  Geknickt, gebro-
       chen, vernichtet saß er da auf seiner Bank, ein entlaubter Stamm,
       der das  Mitleid selbst der rohesten Spötter erregt. Erinnern wir
       uns der Worte des Dichters:
       
       Es ziemt Germaniens Söhnen
       Gar schlecht, mit herzlos schlechtem Witz
       Gefallene Größe zu höhnen! [194]
       
       Die zweite Hälfte der Sitzung morgen.
       
       Geschrieben von Friedrich Engels.

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