Quelle: MEW 5 März - November 1848
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Die Turiner "Concordia"
["Neue Rheinische Zeitung" Nr. 55 vom 25. Juli 1848]
* Köln, 23. Juli. Kürzlich erwähnten wir des in Florenz erschei-
nenden Blattes "L'Alba" 1*), das uns brüderlich die Hand über die
Alpen hinüberreichte. Es war zu erwarten, daß ein anderes Jour-
nal, "La Concordia" [218] in Turin, ein Blatt von entgegengesetz-
ter Farbe, sich auch in entgegengesetzter, wenn auch keineswegs
feindseliger Weise erklären werde. In einer frühern Nummer meinte
"La Concordia", die "Neue Rheinische Zeitung" nehme sich jeder
Partei an, wofern sie nur "u n t e r d r ü c k t" sei. Zu die-
ser wenig sinnreichen Erfindung verhalf ihr unsere Beurteilung
der Prager Ereignisse, unsere Teilnahme für die demokratische
Partei gegen den reaktionären Windischgrätz et Comp. 2*) Viel-
leicht ist das Turiner Journal über die sogenannte t s c h e-
c h i s c h e Bewegung inzwischen klarer geworden.
Neuerdings sieht sich jedoch "La Concordia" veranlaßt, der "Nuova
Gazzetta Renana" 3*) einen mehr oder minder doktrinären Artikel
zu widmen. Sie hatte in unserm Blatt das Programm für den nach
Berlin berufenen Arbeiterkongreß [219] gelesen, und die acht von
den Arbeitern zu diskutierenden Punkte machen ihr bedeutende Un-
ruhe.
Nachdem sie das Ganze getreulich übersetzt, beginnt sie eine Art
von Kritik mit folgenden Worten:
"In diesen Vorschlägen gibt es viel Wahres und Gerechtes, allein
die 'Concordia' würde an ihrer Mission einen Verrat begehen, wenn
sie nicht ihre Stimme gegen die Irrtümer der Sozialisten erhöbe."
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1*) Siehe vorl. Band, S. 156 - 2*) ebenda, S. 80-82 u. 108/109 -
3*) "Neuen Rheinischen Zeitung"
#261# Die Turiner "Concordia"
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Wir unsererseits erheben uns gegen den "Irrtum" der "Concordia",
welcher darin besteht, das von der betreffenden Kommission für
den Arbeiterkongreß aufgestellte und von uns nur mitgeteilte Pro-
gramm für u n s e r e i g n e s zu versehen. Gleichwohl sind
wir bereit, uns mit der "Concordia" auf eine nationalökonomische
Diskussion einzulassen, sobald ihr Programm etwas mehr als einige
bekannte philanthropische Redensarten und aufgegriffene Freihan-
delsdogmen bieten wird.
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