Quelle: MEW 5 März - November 1848


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       Vermittlung und Intervention. Radetzky und Cavaignac
       
       ["Neue Rheinische Zeitung" Nr. 91 vom 1. September 1848]
       * In  circa drei  Wochen (21. September) läuft der durch Karl Al-
       berts  Verrat   1*)  abgeschlossene   Waffenstillstand  ab.  [96]
       Frankreich und  England haben  ihre Vermittelung  angeboten.  Daß
       Östreich sich bis jetzt noch nicht erklärt hat über seine Annahme
       oder Ablehnung,  ist im  "Spectateur republicain", dem Blatte Ca-
       vaignacs, zu  lesen. Der  Diktator Frankreichs wird über die öst-
       reichische Unhöflichkeit  nachgerade ärgerlich  und droht mit be-
       waffneter Intervention, wenn das Wiener Kabinett bis zu einem be-
       stimmten Tage  nicht antwortet  oder die Vermittlung zurückweist.
       Wird sich  Östreich, zumal  jetzt nach  dem Siege über die Wiener
       Demokratie und  über die  italienischen "Rebellen", von einem Ca-
       vaignac den  Frieden diktieren  lassen? Östreich  weiß sehr wohl,
       daß die  französische Bourgeoisie  "Frieden um jeden Preis" haben
       will, daß  überhaupt der  Bourgeoisie die  Freiheit oder  Knecht-
       schaft Italiens sehr gleichgültig ist und daß von ihr alles zuge-
       geben wird,  sobald man sie nur nicht offen vor der Welt blamiert
       und ihr  damit wider  Willen das  Schwert in die Hand zwingt. Man
       sagt, Radetzky werde in Wien einen kurzen Besuch abstatten, um in
       betreff der  Vermittelung sein entscheidendes Wort auszusprechen.
       Dazu braucht er nicht erst nach Wien zu reisen. Seine Politik ist
       jetzt obenauf  und seine  Ansicht wird  nichts von  ihrem Gewicht
       verlieren, wenn  er selbst auch in Mailand bleibt. Ginge Östreich
       auf die  von England  und Frankreich vorgeschlagene Grundlage des
       Friedens ein,  so würde  es dies  nicht aus  Furcht vor  der  Ca-
       vaignacschen Intervention, sondern aus weit dringlichem und zwin-
       genderen Gründen tun.
       Die Italiener  haben sich  von den  Ereignissen des  März  ebenso
       düpieren lassen  wie die Deutschen. Jene glaubten, mit der Fremd-
       herrschaft sei es nun
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       1*) Siehe vorl. Band, S. 366-368
       
       #377# Vermittlung und Intervention. Radetzky und Cavaignac
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       jedenfalls zu  Ende; diese meinten, das alte System sei für immer
       zu Grabe  getragen. Statt dessen ist dort die Fremdherrschaft är-
       ger als  je, während  in Deutschland das alte System sich von den
       paar Schlägen  im März wieder erholt hat und mit mehr Wut und Ra-
       chedurst als vorher wirtschaftet.
       Der Irrtum der Italiener besteht jetzt darin, daß sie von der ge-
       genwärtigen Regierung Frankreichs Rettung erwarten. Nur der Sturz
       dieser Regierung  könnte sie erretten. Die Italiener irren ferner
       darin, daß  sie die  Befreiung ihres  Landes für  möglich halten,
       während in  Frankreich, Deutschland  etc. die  Demokratie täglich
       mehr an  Terrain verliert.  Die Reaktion,  unter  deren  Schlägen
       jetzt Italien  erlegen, ist  kein bloß italienisches, sie ist ein
       europäisches Faktum.  Italien kann sich nicht allein befreien aus
       den Krallen  dieser Reaktion  und am wenigsten durch Anrufung der
       französischen Bourgeoisie,  die für  die Reaktion  in ganz Europa
       gerade den eigentlichen Eckpfeiler bildet.
       Erst muß  die Reaktion in Frankreich selber besiegt sein, ehe sie
       in Italien  und Deutschland vernichtet werden kann. Erst muß also
       dort die demokratisch-soziale Republik proklamiert sein, erst muß
       das französische  Proletariat seiner  Bourgeoisie den Fuß auf den
       Nacken gesetzt  haben, ehe an den dauerhaften Sieg der Demokratie
       in Italien, Deutschland, Polen, Ungarn etc. zu denken ist.
       
       Geschrieben von Friedrich Engels.

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