Quelle: MEW 5 März - November 1848


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       Die Krisis und die Kontrerevolution [313]
       
       ["Neue Rheinische Zeitung" Nr. 100 vom 12. September 1848]
       ** Köln,  11. September.  Man lese  unsere nachfolgenden Berliner
       Korrespondenzen und  sage, ob  wir die Entwickelung der Minister-
       krisis nicht  ganz richtig vorhergesagt haben. Die alten Minister
       treten zurück;  der Plan  des Ministeriums,  sich durch Auflösung
       der Vereinbarungsversammlung, durch Martialgesetze und Kanonen zu
       halten, scheint  den Beifall  der Kamarilla nicht gefunden zu ha-
       ben. Die uckermärkische Junkerschaft brennt vor Begierde nach ei-
       nem Konflikt  mit dem  Volk, nach  einer Wiederholung der Pariser
       Juniszenen in  den Straßen von Berlin; aber sie wird sich nie für
       das Ministerium  Hansemann, sie wird sich für das Ministerium des
       Prinzen von  Preußen schlagen.  Radowitz, Vincke und ähnliche zu-
       verlässige Leute,  die der Berliner Versammlung fremd stehen, die
       ihr gegenüber  ungebunden sind,  Werden berufen;  die  Creme  der
       preußischen und westfälischen Ritterschaft, zum Schein assoziiert
       mit einigen bürgerlichen Biedermännern der äußersten Rechten, mit
       einem Beckerathe  und Konsorten,  denen man die prosaischen kauf-
       männischen Geschäfte  des Staats überträgt - das ist das Ministe-
       rium des Prinzen von Preußen, womit man uns zu beglücken gedenkt.
       Inzwischen sprengt  man Hunderte  von Gerüchten  aus, läßt  viel-
       leicht Waldeck  oder Rodbertus  rufen, führt die öffentliche Mei-
       nung irre,  macht inzwischen  seine militärischen  Vorbereitungen
       und tritt offen heraus, wenn es Zeit ist.
       Wir gehen einem entscheidenden Kampf entgegen. Die gleichzeitigen
       Krisen in Frankfurt und Berlin, die letzten Beschlüsse der beiden
       Versammlungen zwingen  die Kontrerevolution, ihre letzte Schlacht
       zu schlagen.  Wagt man es in Berlin, das konstitutionelle Prinzip
       der Herrschaft  der Majorität mit Füßen zu treten, stellt man den
       219 Stimmen  der Majorität die doppelte Anzahl Kanonen gegenüber,
       wagt man  es, der  Majorität nicht nur in Berlin, sondern auch in
       Frankfurt durch ein Ministerium hohnzusprechen, das
       
       #399# Die Krisis und die Kontrerevolution
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       gegenüber den beiden Versammlungen unmöglich ist - provoziert man
       so den  Bürgerkrieg zwischen  Preußen und  Deutschland, so wissen
       die Demokraten, was sie zu tun haben.
       
       ["Neue Rheinische Zeitung" Nr. 101 vom 13. September 1848]
       ** Köln,  12. September.  Während das neue Reichsministerium, wie
       wir es  gestern mitteilten,  auch von ändern Seiten her bestätigt
       wird, und  wir vielleicht  schon heute  mittag die  Nachricht von
       seiner definitiven  Konstituierung bekommen, dauert in Berlin die
       Ministerkrise fort. Die Krisis ist nur auf zwei Wegen lösbar:
       Entweder ein  Ministerium Waldeck,  Anerkennung der Autorität der
       deutschen Nationalversammlung, Anerkennung der Volkssouveränetät;
       Oder ein Ministerium Radowitz-Vincke, Auflösung der Berliner Ver-
       sammlung, Vernichtung  der revolutionären Eroberungen, Scheinkon-
       stitutionalismus oder gar - der Vereinigte Landtag [34].
       Verhehlen wir es uns nicht: Der Konflikt, der in Berlin ausgebro-
       chen ist,  ist ein  Konflikt nicht  zwischen den Vereinbarern und
       den Ministern,  es ist ein Konflikt zwischen der Versammlung, die
       zum erstenmal sich als  k o n s t i t u i e r e n d e  hinstellt,
       und der  K r o n e.
       Es dreht  sieb alles  darum, ob  man den Mut hat, die Versammlung
       aufzulösen oder nicht.
       Aber hat die Krone das Recht, die Versammlung aufzulösen?
       In konstitutionellen  Staaten hat die Krone allerdings das Recht,
       die auf Grundlage der Verfassung berufenen gesetzgebenden Kammern
       im Fall einer Kollision aufzulösen und durch neue Wahlen ans Volk
       zu appellieren.
       Ist die Berliner Versammlung eine konstitutionelle, gesetzgebende
       Kammer?
       Nein. Sie  ist berufen  zur "Vereinbarung der preußischen Staats-
       verfassung mit der Krone", auf Grund nicht einer Verfassung, son-
       dern einer  R e v o l u t i o n.  Sie hatte ihr Mandat keineswegs
       von der  Krone oder ihren verantwortlichen Ministern, sondern nur
       von ihren  Wählern und von sich selbst zu empfangen. Die Versamm-
       lung war  souverän als  der legitime Ausdruck der Revolution, und
       das Mandat,  das Herr  Camphausen ihr  im Wahlgesetz vom 8. April
       [30] mit dem Vereinigten Landtag zusammen ausgefertigt hatte, war
       nichts als  ein   f r o m m e r   W u n s c h,  über den die Ver-
       sammlung zu entscheiden hatte.
       Die Versammlung  ist anfangs  auf die  Vereinbarungstheorie  [53]
       mehr oder weniger eingegangen. Sie hat gesehen, wie sie dabei von
       Ministern und  Kamarilla geprellt  worden ist.  Sie  hat  endlich
       einen Akt der Souveränetät
       
       #400# Karl Marx/Friedrich Engels - "Neue Rheinische Zeitung"
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       vollzogen, sie  hat sich  einen Moment als konstituierende, nicht
       mehr als vereinbarende Versammlung hingestellt.
       Sie hatte  als für  P r e u ß e n  souveräne Versammlung vollkom-
       men das Recht dazu.
       Eine souveräne  Versammlung ist aber von niemanden auflösbar, den
       Befehlen niemandes unterworfen.
       Aber selbst als bloß vereinbarende Versammlung, selbst nach Herrn
       Camphausens eigener  Theorie, steht sie  g l e i c h b e r e c h-
       t i g t  neben der Krone da. Beide Teile  k o n t r a h i e r e n
       einen Staatsvertrag,  beide Teile  haben gleichen  Anteil an  der
       Souveränetät, das ist die Theorie vom 8. April, die Theorie Camp-
       hausen-Hansemann, also  die von der Krone selbst anerkannte  o f-
       f i z i e l l e  Theorie.
       Ist die  Versammlung der  Krone  g l e i c h b e r e c h t i g t,
       s o   h a t  d i e  K r o n e  k e i n  R e c h t,  d i e  V e r-
       s a m m l u n g  a u f z u l ö s e n.
       Sonst hätte  die Versammlung konsequent ebenfalls das  R e c h t,
       d e n  K ö n i g  a b z u s e t z e n.
       Die  Auflösung  der  Versammlung  wäre  also  ein    S t a a t s-
       s t r e i c h.  Und wie man auf Staatsstreiche antwortet, hat der
       29. Juli 1830 und der 24. Februar 1848 gezeigt. [314]
       Man wird sagen, die Krone könne ja an dieselben Wähler wieder ap-
       pellieren. Aber  wer weiß  nicht, daß  h e u t e  die Wähler eine
       ganz andere  Versammlung wählen würden, eine Versammlung, die mit
       der Krone weit weniger Federlesens machen würde?
       Man weiß  es: Nach  der Auflösung  dieser Versammlung ist nur der
       Appell an   g a n z   a n d e r e   W ä h l e r   als die vom  5.
       April möglich, sind keine andere Wahlen mehr möglich, als die un-
       ter der Säbeltyrannei vorgenommen werden.
       Machen wir uns also keine Illusionen:
       Siegt die  Versammlung, setzt  sie  das  Ministerium  der  Linken
       durch, so ist die Macht der Krone  n e b e n  der Versammlung ge-
       brochen, so ist der König nur noch der bezahlte Diener des Volks,
       so stehen  wir wieder am Morgen des 19. März - falls das Ministe-
       rium Waldeck uns nicht verrät, wie so manches vor ihm.
       Siegt die  Krone, setzt sie das Ministerium des Prinzen von Preu-
       ßen durch,  so wird  die Versammlung aufgelöst, das Assoziations-
       recht unterdrückt,  die Presse geknebelt, ein Wahlgesetz mit Zen-
       sus dekretiert,  vielleicht sogar,  wie  gesagt,  der  Vereinigte
       Landtag nochmals  heraufbeschworen -  alles unter dem Schütze der
       Militärdiktatur, der Kanonen und der Bajonette.
       Wer von  beiden Teilen siegt, das wird von der Haltung des Volks,
       namentlich von  der Haltung  der demokratischen  Partei abhängen.
       Die Demokraten mögen wählen.
       
       #401# Die Krisis und die Kontrerevolution
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       Wir stehen am 25. Juli. Wird man es Wagen, die Ordonnanzen zu er-
       lassen, die in Potsdam geschmiedet Werden? Wird man das Volk pro-
       vozieren, den  Sprung vom  26. Juli  bis zum 24. Februar in  e i-
       n e m  Tage zu machen? [314]
       Am guten Willen fehlt's sicher nicht, aber der Mut, der Mut!
       
       ["Neue Rheinische Zeitung" Nr. 102 vom 14. September 1848]
       ** Köln, 13. September. Die Krisis in Berlin ist um einen Schritt
       weiter gerückt:  D e r  K o n f l i k t  m i t  d e r  K r o n e,
       der gestern  nur noch als unvermeidlich bezeichnet werden konnte,
       i s t  w i r k l i c h  e i n g e t r e t e n.
       Unsere Leser  finden weiter  unten die Antwort des Königs auf das
       Entlassungsgesuch der  Minister. [315]  Durch diesen  Brief tritt
       die Krone  selbst in  den Vordergrund,  ergreift Partei  für  die
       Minister, stellt sich der Versammlung gegenüber.
       Sie geht  noch weiter:  Sie bildet ein Ministerium außer der Ver-
       sammlung, sie  beruft Beckerath,  der in Frankfurt auf der äußer-
       sten Rechten sitzt und von dem die ganze Welt im voraus weiß, daß
       er in Berlin nie auf eine Majorität wird rechnen können.
       Das Schreiben  des Königs ist kontrasigniert von Herrn Auerswald.
       Herr Auerswald  möge es  verantworten, daß er die Krone auf diese
       Weise vorschiebt,  um seinen schimpflichen Rückzug zu decken, daß
       er in einem und demselben Atemzuge der Kammer gegenüber sich hin-
       ter das  konstitutionelle Prinzip  zu verkriechen  sucht und  das
       konstitutionelle  Prinzip  mit  Füßen  tritt,  indem  er    d i e
       K r o n e   k o m p r o m i t t i e r t   u n d    a u f    d i e
       R e p u b l i k  p r o v o z i e r t!
       Das konstitutionelle  Prinzip! schreien die Minister. Das konsti-
       tutionelle Prinzip!  schreit  die  Rechte.  Das  konstitutionelle
       Prinzip! ächzt das hohle Echo der "Kölnischen Zeitung".
       "Das konstitutionelle  Prinzip!" Sind  denn diese Herren wirklich
       so töricht  zu glauben, man könne das deutsche Volk aus den Stür-
       men des  Jahres 1848,  aus dem täglich drohender hereinbrechenden
       Einsturz aller  historisch überlieferten Institutionen hinausfüh-
       ren mit  der wurmstichigen  Montesquieu-Delolmeschen Teilung  der
       Gewalten, mit  abgetragenen Phrasen und längst durchschauten Fik-
       tionen!
       "Das konstitutionelle  Prinzip!" Aber  gerade die Herren, die das
       konstitutionelle Prinzip  um jeden  Preis retten  wollen,  müssen
       doch zuerst  einsehen, daß  es sich  in einem  provisorischen Zu-
       stande nur durch Energie retten läßt!
       "Das konstitutionelle  Prinzip!" Aber  hat das Votum der Berliner
       Versammlung, haben  die Kollisionen  zwischen Potsdam  und Frank-
       furt, haben die Unruhen, die Reaktionsversuche, die Provokationen
       der Soldateska nicht
       
       #402# Karl Marx/Friedrich Engels - "Neue Rheinische Zeitung"
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       längst gezeigt,  daß wir  trotz  aller  Phrasen  noch  immer  auf
       r e v o l u t i o n ä r e m   B o d e n   s t e h e n,   daß  die
       Fiktion, als  stünden wir  schon auf  dem Boden der  k o n s t i-
       t u i e r t e n,   der fertigen  konstitutionellen Monarchie,  zu
       weiter nichts führt als zu Kollisionen, die schon jetzt das "kon-
       stitutionelle Prinzip" an den Rand des Abgrunds geführt haben?
       Jeder provisorische Staatszustand nach einer Revolution erfordert
       eine Diktatur,  und zwar  eine energische  Diktatur. Wir haben es
       Camphausen von  Anfang an  vorgeworfen, daß er nicht diktatorisch
       auftrat, daß  er die  Überbleibsel der  alten Institutionen nicht
       sogleich zerschlug  und entfernte.  Während also  Herr Camphausen
       sich in  konstitutionellen Träumereien wiegte, verstärkte die ge-
       schlagene Partei  die Positionen in der Bürokratie und in der Ar-
       mee, ja, wagte hier und da selbst den offenen Kampf. Die Versamm-
       lung wurde einberufen, um die Verfassung zu vereinbaren. Sie trat
       gleichberechtigt neben  die  Krone  hin.  Zwei  gleichberechtigte
       Mächte in einem Provisorium! Gerade die Teilung der Gewalten, mit
       der Herr Camphausen "die Freiheit zu retten" suchte, gerade diese
       Teilung der  Gewalten mußte  in einem  Provisorium zu Kollisionen
       führen. Hinter  der Krone versteckte sich die kontrerevolutionäre
       Kamarilla des Adels, des Militärs, der Bürokratie. Hinter der Ma-
       jorität der  Versammlung stand  die Bourgeoisie.  Das Ministerium
       suchte zu  vermitteln. Zu schwach, die Interessen der Bourgeoisie
       und der  Bauern entschieden zu vertreten und die Macht des Adels,
       der Bürokratie  und der Armeeführer mit einem Schlage zu stürzen,
       zu ungeschickt,  um nicht  die Bourgeoisie in seinen Finanzmaßre-
       geln überall  zu verletzen,  kam es zu nichts, als sich bei allen
       Parteien unmöglich  zu machen  und die  Kollision herbeizuführen,
       die es gerade vermeiden wollte.
       In jedem  nichtkonstituierien Zustande  ist nicht dies oder jenes
       Prinzip maßgebend, sondern allein das salut public, das öffentli-
       che Wohl.  Das Ministerium  konnte die  Kollision der Versammlung
       mit der  Krone nur  dadurch vermeiden,  daß es allein das Prinzip
       des öffentlichen  Wohles anerkannte,  sogar auf  die Gefahr  hin,
       s e l b s t  mit der Krone in Kollision zu kommen. Aber es hat es
       vorgezogen, sich in Potsdam "möglich" zu halten. Es hat gegen die
       Demokratie  nie   gezaudert,  Maßregeln  des  öffentlichen  Wohls
       (mesures de  salut public),  diktatorische Maßregeln  anzuwenden.
       Oder was  anders war  die Anwendung der alten Gesetze auf politi-
       sche Verbrechen,  selbst als  Herr Märker  schon anerkannt hatte,
       daß diese  Landrechtsparagraphen [167] abgeschafft werden müßten?
       Was anders  waren die  massenhaften Verhaftungen  in allen Teilen
       des Königreichs?
       Aber gegen die Kontrerevolution hat sich das Ministerium wohl ge-
       hütet, aus Gründen des öffentlichen Wohls einzuschreiten!
       
       #403# Die Krisis und die Kontrerevolution
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       Und gerade aus dieser Lauheit des Ministeriums gegenüber der täg-
       lich drohender werdenden Kontrerevolution entstand die Notwendig-
       keit für  die Versammlung,   s e l b s t  Maßregeln des öffentli-
       chen Wohls zu  d i k t i e r e n.  War die durch die Minister re-
       präsentierte Krone  zu schwach,  so mußte  die Versammlung selbst
       einschreiten. Sie  hat dies  getan in dem Beschluß vom 9. August.
       [308] Sie  tat es  noch auf  eine sehr gelinde Weise, sie gab den
       Ministern nur  eine Warnung.  Die  Minister  kehrten  sich  nicht
       daran.
       Aber wie hätten sie auch darauf eingehen können! Der Beschluß vom
       9. August  tritt das  konstitutionelle Prinzip  mit Füßen, er ist
       ein Übergriff  der gesetzgebenden  Gewalt gegen die vollziehende,
       er zerstört  die Teilung und gegenseitige Kontrolle der Gewalten,
       die im  Interesse der Freiheit so nötig ist, er macht die Verein-
       barungsversammlung zum  N a t i o n a l k o n v e n t!
       Und nun  ein Pelotonfeuer von Drohungen, ein donnernder Appell an
       die Furcht  der Kleinbürger,  eine weite  Perspektive auf  Schre-
       ckensregierung mit Guillotine, Progressivsteuer, Konfiskation und
       roter Fahne.
       Die Berliner Versammlung - ein Konvent! Welche Ironie!
       Aber die  Herren haben  nicht ganz  unrecht. Fährt  die Regierung
       fort wie bisher, so haben wir in nicht gar langer Zeit einen Kon-
       vent -  nicht bloß  für Preußen,  sondern für ganz Deutschland -,
       einen Konvent,  dem es  obliegen wird,  den  Bürgerkrieg  unserer
       zwanzig Vendéen  [201] und  den unvermeidlichen  russischen Krieg
       mit allen  Mitteln zu  unterdrücken. Jetzt freilich sind wir erst
       an der Parodie der Konstituante!
       Wie aber  haben die  Herren Minister, die an das konstitutionelle
       Prinzip appellieren, dies Prinzip aufrechterhalten?
       Am 9. August lassen sie die Versammlung ruhig auseinandergehen im
       guten Glauben,  daß die  Minister den  Beschluß ausführen werden.
       Sie denken nicht daran, der Versammlung ihre Weigerung anzukündi-
       gen, und noch weniger, ihr Amt niederzulegen.
       Sie besinnen sich einen ganzen Monat und zeigen endlich, als meh-
       rere Interpellationen drohen, der Versammlung kurzweg an: Es ver-
       stehe sich  von selbst, daß sie den Beschluß nicht ausführen wür-
       den.
       Als darauf die Versammlung den Ministern die Weisung erteilt, den
       Beschluß dennoch  auszuführen, verschanzen  sie sich  hinter  die
       Krone, rufen  einen Bruch  zwischen der Krone und der Versammlung
       hervor und provozieren dadurch auf die Republik.
       Und diese Herren sprechen noch vom konstitutionellen Prinzip!
       Resümieren wir:
       Die unvermeidliche  Kollision  zwischen  zwei  gleichberechtigten
       Mächten in  einem Provisorium  ist eingetreten.  Das  Ministerium
       Wußte die Regierung
       
       #404# Karl Marx/Friedrich Engels - "Neue Rheinische Zeitung"
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       nicht energisch  genug zu  führen, es  unterließ, die notwendigen
       Maßregeln des  öffentlichen Wohls zu treffen. Die Versammlung tat
       nur ihre Schuldigkeit» als sie das Ministerium aufforderte, seine
       Pflicht zu tun. Das Ministerium gibt dies für eine Verletzung der
       Krone aus  und kompromittiert die Krone noch im Moment seines Ab-
       tretens. Krone  und Versammlung  stehen einander  gegenüber.  Die
       "Vereinbarung" hat zur Trennung, zum Konflikt geführt. Vielleicht
       werden die Waffen entscheiden.
       Der am meisten Mut und Konsequenz hat, wird siegen.
       
       ["Neue Rheinische Zeitung" Nr. 104 vom 16. September 1848]
       ** Köln,  15. September.  Die Ministerkrisis  ist abermals in ein
       neues Stadium getreten; nicht durch die Ankunft und die vergebli-
       chen Bemühungen  des unmöglichen  Herrn Beckerath,  sondern durch
       die   M i l i t ä r r e v o l t e   i n    P o t s d a m    u n d
       N a u e n  [316]. Der Konflikt zwischen Demokratie und Aristokra-
       tie ist  im   S c h o ß  d e r  G a r d e  s e l b s t  ausgebro-
       chen: Die  Soldaten sehen  in dem Beschluß der Versammlung vom 7.
       [308] ihre Befreiung von der Tyrannei der Offiziere, sie erlassen
       Dankadressen an die Versammlung, sie bringen ihr ein Lebehoch.
       Damit ist  der Kontrerevolution das Schwert aus den Händen gewun-
       den. Jetzt  wird man  es nicht wagen, die Versammlung aufzulösen,
       und wenn  man dazu nicht schreitet, so bleibt nichts anders übrig
       als nachzugeben, den Beschluß der Versammlung auszuführen und ein
       Ministerium Waldeck zu berufen.
       Die Potsdamer Soldatenrevolte erspart uns wahrscheinlich eine Re-
       volution.
       
       Geschrieben von Karl Marx.

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