Quelle: MEW 5 März - November 1848


       zurück

       #481#
       -----
       Beilagen
       
       #482#
       -----
       
       #483#
       -----
       1
       
       [Aufruf des Mainzer Arbeiterbildungsvereins an alle
       Arbeiter Deutschlands zur Gründung von Arbeitervereinen
       und zur Vorbereitung eines Arbeiterkongresses [366]
       
       ["Seeblätter" Nr. 89 vom 8. April 1848]
       An alle Arbeiter Deutschlands!
       Brüder und Arbeiter!
       Wollen wir  nicht abermals die Meistbetrogenen sein, nicht ferner
       auf eine  lange Reihe  von Jahren  hinaus durch  eine kleine Zahl
       ausgebeutet, verachtet  und niedergetreten  werden, so dürfen wir
       keinen Augenblick  verlieren, keine  Minute in  Untätigkeit  ver-
       streichen lassen.
       Vereinzelt, wie  bisher, sind wir schwach, obgleich wir Millionen
       zählen. Vereinigt  und organisiert  werden wir dagegen eine unwi-
       derstehliche Macht  bilden. Drum,  Brüder, überall in Städten und
       Dörfern Arbeitervereine  gebildet, in  denen unsere  Verhältnisse
       erörtert, Maßregeln  zur Abänderung  unserer jetzigen Lage vorge-
       schlagen, Vertreter aus der Arbeiterklasse ins deutsche Parlament
       namhaft gemacht,  erwählt und alle übrigen Schritte getan werden,
       die zur  Wahrung unserer  Interessen nötig sind. Sämtliche Arbei-
       tervereine Deutschlands  müssen ferner  so  schnell  als  möglich
       miteinander in Verbindung treten und darin bleiben.
       Wir schlagen Euch vor,  M a i n z  vorläufig zum Mittelpunkte für
       sämtliche Arbeitervereine  zu wählen  und mit dem unterzeichneten
       Vorstande in  Korrespondenz zu  treten, damit  wir uns über einen
       gemeinsamen Plan  verständigen und  sobald als  möglich auf einer
       Zusammenkunft von  Abgeordneten aller  Vereine den  Sitz des Zen-
       tralkomitees etc. definitiv bestimmen können.
       Wir erwarten die Briefe  u n f r a n k i e r t,  wie wir unserer-
       seits an die Vereine  u n f r a n k i e r t  schreiben werden.
       Mainz, am 5. April 1848
       Der Bildungsverein für Arbeiter im Mainz
       Im Namen des Vorstandes:
       Der Sprecher    Der Schreiber
       Wallau          Cluß
       
       Adresse: An  das Sekretariat  des Bildungsvereins für Arbeiter in
       Mainz zu  Händen des  Herrn Adolph Cluß. Mainz, Franziskanergasse
       Nr. 156 1/2.
       
       #484# Beilagen
       -----
       2
       
       [Sitzungsprotokoll der Kölner Gemeinde des Bundes der Kommunisten
       vom 11. Mai 1848 [367]]
       
       Sitzung Mai 11/48
       Präsident Marx  fragt Gottschalk, welches seine Meinung oder sei-
       nen Beschluß  sei in Hinsicht des B[un]d[es]: welche Stellung er,
       Gottschalk, jetzt  dem B[un]d  gegenüber  jetzt  einzunehmen  ge-
       dächte.
       Gottschalk erklärt  seinen gegebenen  Austritt zu wiederholen, da
       durch die Umwälzungen in den jetzigen Verhältnissen auch eine Um-
       gestaltung der  B[un]d [es]-Statuten verlangte und unter den bis-
       herigen Statuten  seine persönliche  Freiheit gefährdet  sei; er-
       klärt aber,  daß er in allen Fällen, wo der B[un]d seine Wirksam-
       keit wünschen  sollte, er  unter der  gegebenen  Bedingung  seine
       Wirksamkeit vollständigst gewähren würde,
       
       H. Bürgers, Präsident
       Jos. Moll, Sekretär
       
       Nach dem Manuskript.
       
       3
       
       Gerichtliche Untersuchung gegen die "Neue Rheinische Zeitung"
       
       ["Neue Rheinische Zeitung" Nr. 38 vom 8. Juli 1848]
       * Köln,  7. Juli.  Der Gerant  der "Neuen  Rheinischen  Zeitung",
       Korff, und  ihr Redakteur  en chef, Karl Marx, wurden gestern auf
       dem Instruktionsamt  vernommen, beide beschuldigt der Beleidigung
       resp. Verleumdung  der bei der Verhaftung Annekens funktionieren-
       den Herrn  Gendarmen und  des Herrn Oberprokurator Zweiffel. Um 4
       Uhr begann das Verhör. Nach Schluß desselben, ungefähr 6 Uhr, be-
       gleiteten der Instruktionsrichter und der Staatsprokurator Hecker
       die Inkulpaten in das Redaktionslokal, wo mit Zuziehung eines Po-
       lizeikommissars Haussuchung  stattfand, um  das Manuskript und so
       den Verfasser  des angeschuldigten  Artikels ausfindig zu machen.
       Es fand  sich ein Zettel von unbekannter Handschrift vor, der in-
       des nicht die
       
       #485# Aufzeichnungen und Dokumente
       -----
       Kopie des inkulpierten Artikels 1*) enthielt. Dieser Zettel wurde
       zu den  Anklageakten gegen   Marx und Genossen gelegt. Es scheint
       nach letzterm  Ausdruck, daß  man der  Redaktion en masse 2*) den
       Prozeß machen  will, obgleich  der Gerant  Korff, der die Zeitung
       allein unterschreibt, natürlich auch die gerichtliche Verantwort-
       lichkeit übernimmt.
       
       4
       
       Gerichtliche Verfolgung der "Neuen Rheinischen Zeitung"
       
       ["Neue Rheinische Zeitung" Nr. 53 vom 23. Juli 1848]
       * Köln,  22. Juli.  Heute morgen  war der  Redakteur en  chef der
       "Neuen Rheinischen Zeitung", Karl Marx, abermals vor den Instruk-
       tionsrichter geladen,  um wegen  des inkriminierten Artikels über
       die Verhaftung des Herrn Anneke verhört zu werden. Der Gerant der
       Zeitung, H. Korff, war diesmal nicht mitgeladen.
       
       5
       
       [Anzeige über die Einberufung des rheinischen Kreiskongresses
       der demokratischen Vereine [368]]
       
       ["Neue Rheinische Zeitung" Nr. 66 vom 5. August 1848]
       * Köln, 4. August. Nach Beschluß des demokratischen Kongresses zu
       Frankfurt [228],  welcher Köln  zum  Vorort  für  die  preußische
       Rheinprovinz bestimmt und die dortigen demokratischen Vereine be-
       auftragt hat,  einen Kreiskongreß zur Organisation der demokrati-
       schen Partei in der Provinz zusammenzuberufen, ladet der Zentral-
       ausschuß der  hiesigen Vereine [369] alle in der Rheinprovinz be-
       stehenden Vereine  mit demokratischer Tendenz ein, Abgeordnete zu
       diesem Kongresse  zu ernennen,  welcher Sonntag,  den 13. August,
       hier stattfinden  wird. Die  Deputierten haben  sich zu melden im
       obern Saale des Stollwerkschen Lokals.
       
       1*) Siehe vorl. Band, S. 166-168 und 175-177 - 2*) im ganzen
       
       #486# Beilagen
       -----
       Der Zentralausschuß der drei demokratischen Vereine in Köln
                      Schneider II, Marx
             (Für die Demokratische Gesellschaft)
       Moll, Schapper              Becker, Schützendorf
       (Für den Arbeiterverein)    (Für den Verein für Arbeiter
                                   und Arbeitgeber)
       In  einem   Augenblick,  wo   unter  der   Firma  von  wandelnden
       "konstitutionellen" Kongressen die Reaktion ihre Kräfte im ganzen
       Staate mustert und zusammenzieht, braucht den Demokraten die Not-
       wendigkeit eines  energischen Entgegenwirkens nicht ausführlicher
       entwickelt zu werden. Sie haben bloß von denselben Freiheiten Ge-
       brauch zu  machen, deren  sich der Verein "Mit Gott für König und
       Vaterland" und seine Zweigvereine erfreuen.
       
       6
       
       Die gerichtliche Verfolgung gegen die "Neue Rheinische Zeitung"
       
       ["Neue Rheinische Zeitung" Nr. 66 vom 5. August 1848]
       x Köln,  4. August. Unsre Verwickelungen mit dem öffentlichen Mi-
       nisterium gehen  ihren Gang.  Am vorigen  Montag war  der  Gerant
       Korff wieder vor den Instruktionsrichter geladen, und gestern wa-
       ren zwei  unsrer Redakteure,  Dronke und Engels, als  Z e u g e n
       zitiert. Dronke  ist auf  einige Zeit  abwesend, Engels erschien,
       wurde jedoch  nicht eidlich  vernommen, da  man vermutet, daß der
       neulich in  unsren Büros  konfiszierte Zettel  von  seiner  Hand-
       schrift ist,  und es also möglich ist, daß auch er in die Anklage
       verwickelt wird.
       Man sieht, das öffentliche Ministerium ist nicht damit zufrieden,
       daß der Gerant als verantwortlicher Herausgeber fungiert. Es soll
       der Redakteur en chef impliziert, es soll der Verfasser des frag-
       lichen Artikels  entdeckt, es  sollen die  Redakteure, von  denen
       j e d e r   der Verfasser des fraglichen Artikels sein kann, ver-
       anlaßt werden,   g e g e n e i n a n d e r,    ja  möglicherweise
       g e g e n  s i c h  s e l b s t  Zeugnis abzulegen.
       
       #487# Aufzeichnungen und Dokumente
       -----
       7
       [Aus dem Protokoll der Generalversammlung der Demokratischen
       Gesellschaft in Köln am 11. August 1848]
       
       ["Der Wächter  am Rhein"  2. Dutzend,  Nr. 2 vom 25. August 1848]
       Nach Verlesung  und Genehmigung  des Protokolls der vorigen Gene-
       ralversammlung  auf  Verordnung  des  provisorischen  Präsidenten
       Marx, verliest  Herr Wolff  den Protest an die deutsche National-
       versammlung wegen  der Teilung Polens 1*), welcher mit Freude be-
       grüßt und mit Akklamation angenommen wird.
       Herr Rittinghausen  vindiziert dem  Herrn Marx das ihm neuerdings
       durch die  preußische Regierung bestrittene Staatsbürgerrecht 2*)
       aus vielen  Gründen. Er  hält es für das beste, die Regierung zur
       Zurücknahme  dieses   ungesetzlichen  und  durchaus  lächerlichen
       Schrittes durch  eine Deputation  morgen zu  veranlassen, und  im
       Falle die  Regierung dies nicht wolle, einen Protest über solches
       Handeln direkt  an den  Minister zu richten [305]. Nach Verlesung
       des Protestes  wird derselbe angenommen und im Falle der Nichtzu-
       rücknahme der  Verweigerung des  Bürgerrechts für Marx zur Unter-
       schrift heute abend aufgelegt.
       Herr Marx entwickelt noch näher die Gründe des Unrechts der gegen
       ihn gefaßten  Maßregel, welche  durch den Beifall der ganzen Ver-
       sammlung als  schlagend anerkannt  werden. Die Verhältnisse, wes-
       halb die  Regierung das  Bürgerrecht verweigerte, sind eigentlich
       die, daß  man früher  vergeblich versucht hat, ihn für die Regie-
       rung zu gewinnen.
       Herr Engels  bringt eine neue fatale Polizeimaßregel gegen Schap-
       per 3*)  zur Sprache,  wodurch derselbe  mit  Ausweisung  bedroht
       wird. Er  bespricht den Übergriff der Polizei, wobei er besonders
       hervorhebt, daß Schapper als Nassauer Bürger jedenfalls das Recht
       hat, als  Deutscher betrachtet zu werden, und nach dem Beschlüsse
       der Frankfurter  Nationalversammlung als solcher sich in allen 38
       deutschen Staaten aufhalten darf.
       Als Deputierte,  die Angelegenheit  von  Marx  und  Schapper  dem
       Regierungspräsidenten und  Polizeidirektor vorzutragen  und  eine
       Zurücknahme der  betreffenden Beschlüsse  zu erwirken, werden er-
       wählt: Rittinghausen, Schneider und Bürgers.
       Der Deputierte  Gladbach, mit  stürmischem Beifall bei seinem Er-
       scheinen begrüßt,  setzt des  weiteren auseinander, daß weder von
       der Berliner  noch von der Frankfurter Versammlung Heil zu erwar-
       ten sei.
       -----
       1*) Siehe vorl.  Band, S. 488/489 - 2*) siehe vorl. Band, S. 382-
       385 - 3*) siehe vorl. Band, S. 364/365
       
       #488# Beilagen
       -----
       Herr Engels  hebt hervor,  wie gerade  Gladbach sich  immer durch
       Freisinnigkeit, Kühnheit und besonders durch den energischen Pro-
       test hinsichts  des Verfahrens  gegen die Schleswig-Holsteiner in
       Spandau 1*)  ausgezeichnet habe.  Hierauf wird dem Herrn Gladbach
       ein dreimaliges Lebehoch gebracht.
       
       8
       
       [Protest der Demokratischen Gesellschaft in Köln gegen
       die Einverleibung Posens in den Deutschen Bund]
       
       ["Neue Rheinische Zeitung" Nr. 74 vom 13. August 1848]
       * Köln,  12. August. Die  D e m o k r a t i s c h e  G e s e l l-
       s c h a f t   von Köln  hat folgenden  Protest bei  der National-
       versammlung eingelegt:
       Hohe Nationalversammlung!
       Die Demokratische Gesellschaft zu Köln, in Erwägung:
       1. daß  das   im  Freiheitskampf  begriffene  Deutschland  andere
       Nationalitäten nicht  unterdrücken, sondern in ihrem Streben nach
       Freiheit und Selbständigkeit fördern will;
       2. daß die  Freiwerdung Polens eine Existenzfrage für Deutschland
       ist;
       3. daß den  Polen ihre Freiheit und nationale Selbständigkeit von
       drei Despoten allerdings wiederholt geraubt;
       4. daß seit  1792 alle  Attentate gegen  Polen und alle Teilungen
       desselben von  der Reaktion stets gegen die Freiheit von ganz Eu-
       ropa gerichtet  und andererseits  jedesmal, wenn eine Freimachung
       der Völker  eintrat, auch  auf Wiederherstellung Polens gedrungen
       worden;
       5. daß selbst der Fünfzigerausschuß jeden Anteil an dem wider Po-
       len begangenen  Frevel im  Namen des  deutschen Volkes mit Entrü-
       stung zurückgewiesen  und die Pflicht des letzteren, zur Herstel-
       lung eines selbständigen Polens mitzuwirken, klar ausgesprochen;
       6. daß sogar der König von Preußen nach der Märzrevolution, durch
       die öffentliche Meinung gezwungen, die Reorganisation Posens fei-
       erlich zugesagt;
       7. daß demungeachtet  die, freilich aus indirekten Wahlen hervor-
       gegangene Nationalversammlung zu Frankfurt in der Sitzung vom 27.
       Juli c.  2*) die  Einverleibung von drei Vierteln des Großherzog-
       tums Posen in das
       -----
       1*) Siehe vorl.  Band, S. 169/170 und 180-183 - 2*) courant - des
       laufenden (Jahres)
       
       #489# Aufzeichnungen und Dokumente
       -----
       noch gar  nicht existierende  deutsche Reich beschlossen und sich
       dadurch einer  neuen Teilung  Polens und der nämlichen Verhöhnung
       der Freiheit  wie der  Wiener Kongreß  und der deutsche Bundestag
       schuldig gemacht;
       8. daß jedoch  der gesunde  Teil des deutschen Volkes an dem Zer-
       treten der polnischen Nationalität zu Gunsten der Reaktion und im
       Interesse einer  Anzahl preußischer  Bürokraten, Gutsbesitzer und
       Schacherseelen keinen Teil haben will und kann;
       beschließt in ihrer heutigen Sitzung:
       gegen den  von der  deutschen Nationalversammlung  am 27. Juli c.
       bezüglich des Großherzogtums Posen gefaßten Beschluß feierlich zu
       protestieren und  vor Deutschland,  Polen und  ganz Europa  gegen
       diese lediglich  zum Vorteil  der reaktionären Partei in Preußen,
       Rußland und  Ostreich beliebte  Einverleibung hiermit  energische
       Verwahrung einzulegen.
       
       Die Demokratische Gesellschaft
       Im Auftrage: Das Komitee
       
       9
       
       Die gerichtliche Untersuchung gegen die "Neue Rheinische Zeitung"
       
       ["Neue Rheinische Zeitung" Nr. 74 vom  13. August 1848]
       * Köln, 12. August. Die interessanten Beziehungen unserer Zeitung
       zu dem öffentlichen Ministerium nehmen noch immer ihren Fortgang.
       Gestern war  wieder einer  unserer Redakteure,  Ernst Dronke, als
       Zeuge vor  den Instruktionsrichter geladen. Eine eidliche Verneh-
       mung fand nicht statt, da eine Denunziation vorlag, daß Dronke am
       Abend nach  der Verhaftung  Annekes bei  dessen Frau  gewesen und
       dort Notizen  über die  Verhaftung gesammelt  habe. Auf die Frage
       des Zeugen,  gegen wen  die Anklage  gerichtet sei, wurde die Be-
       zeichnung "Marx  und Genossen"  dahin erläutert, daß man den ver-
       antwortlichen Geranten  Korff nur  eventuell,  den  Redakteur  en
       chef, Karl  Marx, dagegen als mutmaßlichen Verfasser des inkrimi-
       nierten Artikels zur Verantwortung zu ziehen wünsche.
       Dronke erklärte  übrigens, daß  er sich nicht verpflichtet halte,
       die Wahrheit zu sagen, da er als Redakteur möglicherweise bei der
       Autorschaft des  Artikels kompliziert  sein könne und nicht gegen
       sich selbst Zeugnis ablege.
       
       #490# Beilagen
       -----
       10
       
       [Berichte über das Auftreten von Marx im Wiener
       Demokratischen Verein am 28. August 1848]
       
       ["Neue Rheinische Zeitung" Nr. 94 vom 5. September 1848]
       .¦. Wien, 29. August. In der gestrigen Versammlung des Demokrati-
       schen Vereins wurde darüber beraten, ob der Verein zum Sturze des
       Ministers Schwarzer  oder vielmehr zum Sturze des ganzen Ministe-
       riums Doblhoff  beim Kaiser  oder Reichstag  Schritte tun  solle.
       Herr Julius  Fröbel und Herr Marx waren als Gäste zugegen und be-
       teiligten sich  beide von  verschiedenen Standpunkten  aus an der
       Debatte.
       Herr Julius Fröbel war der Ansicht, der Verein müsse sich deshalb
       an den  Kaiser wenden, während Herr Marx behauptete, das demokra-
       tische Prinzip  befinde sich  im Reichstag.  Niemand wundert sich
       hier, daß  die Berliner  "theoretischen"  sogenannten  Demokraten
       sich praktisch mit den Fürsten zu "vereinbaren" suchen.
       
       ["Der Radikale" Nr. 64 vom 31. August 1848]
       Wien, 30. August. Die Sitzung des Demokratischen Vereines vom 28.
       d. [Mts.]  gehört zu den interessantesten und wichtigsten unserer
       Tagesgeschichte. Unter den anwesenden Gästen erwähnen wir den be-
       kannten politischen  Schriftsteller Julius Fröbel und den Heraus-
       geber der  "Neuen Rheinischen  Zeitung", Herrn  Karl Marx;  beide
       Männer sind  durch ihr eigentümliches Schicksal von Bedeutung ge-
       worden. Auch  als Schriftsteller  nehmen sie eine bestimmte Stel-
       lung ein, die für Deutschland von Wichtigkeit ist...
       Herr Marx meinte, es sei gleichgültig,  w e r  Minister sei, denn
       es handelte  sich jetzt  auch hier  - wie in Paris - um den Kampf
       zwischen der Bourgeoisie und dem Proletariat. Seine Rede war sehr
       geistvoll, scharf und belehrend...
       
       11
       
       [Berichte über  die Rede von Marx im Ersten Wiener Arbeiterverein
       am 30. August 1848]
       
       ["Die Constitution" Nr. 133 vom 1. September 1848]
       
       ... Herr  Dr. Marx  redet über  die Arbeiter, namentlich deutsche
       Arbeiter im  Auslande. -  Die Nationalwerkstätten  und die letzte
       Arbeiterrevolution in  Paris. Er  spricht aus,  daß die deutschen
       Arbeiter stolz sein können, daß eine
       
       #491# Aufzeichnungen und Dokumente
       -----
       bedeutende Anzahl der Deportierten Landsleute sind. - Die Charti-
       sten in  England, die  letzten Bewegungen  derselben. England und
       die vollständige Emanzipation der Arbeiter Europas. Belgien.
       Herr Dr.  Stifft jun.:  Über die  heutigen Zustände. Die Stellung
       und Zukunft der Arbeiter...
       
       ["Der Volksfreund" Nr. 109 vom 3. September 1848]
       ... Dr.  Marx, Redakteur  der - [Neuen] Rheinischen Zeitung", be-
       grüßt den Verein und macht es sich zur Ehre, auch in Wien vor ei-
       nem Arbeitervereine  zu sprechen,  wie er es bereits in Paris, in
       London und in Brüssel getan...
       
       12
       
       [Bericht über den Vortrag von Marx über Lohnarbeit
       und Kapital in der Versammlung des Ersten Wiener
       Arbeitervereins am 2. September 1848]
       
       ["Die Constitution" Nr. 136 vom 5. September 1848]
       ... Herr Dr. Marx hält einen längeren Vortrag über Lohnarbeit und
       Kapital. Er  sagt in  der Einleitung,  alle Revolutionen sind so-
       ziale Revolutionen.  Das Kapital  besteht nicht aus Geld, sondern
       aus Rohstoffen,  Produktionsinstrumenten und Lebensprodukten; die
       Lohnarbeit macht  das Kapital den Erzeugnissen gegenüber. Die Be-
       hauptung, daß  das Interesse  des Kapitalisten und des Lohnarbei-
       ters dasselbe  sei, ist falsch. Mit der Teilung der Arbeit wächst
       die Konkurrenz unter den Arbeitern, es sinkt der Lohn; noch viel-
       mehr aber durch das Maschinenwesen. Die Produktionskosten bestim-
       men den  Arbeitslohn. Die Zivilisation vermehrt nicht das Wohlbe-
       finden der  Arbeiter, sondern  bewirkt das  Gegenteil. Es wachsen
       die Steuern und die Preise der Lebensbedürfnisse.
       Der Redner  spricht noch über angewandte Heilmittel und deren Un-
       zulänglichkeit, als  z.B. Malthus' Übervölkerungstheorie. Die Ar-
       menhäuser Englands.  Die industrielle  Erziehung. Abschaffung der
       Schutzzölle und Steuern. Schließlich spricht er aus, daß die Ver-
       hältnisse sich  verbessern müssen,  weil die  Arbeiter nicht alle
       als Arbeiter gebraucht, sondern teilweise erhalten werden...
       
       #492# Beilagen
       -----
       13
       
       [Erwiderung der "Neuen Rheinischen Zeitung" auf die Berliner
       Korrespondenz der "Breslauer Zeitung" vom 29. August 1848]
       
       ["Neue Rheinische Zeitung" Nr. 93 vom 3. September 1848]
       Erwiderung
       Die "Breslauer  Zeitung" [353]  läßt sich  in Nr.  201 aus Berlin
       schreiben, Ritter Schnapphahnski [370] habe eine Menge Aktien auf
       die "Neue  Rheinische Zeitung"  genommen und  deshalb hätten  die
       Feuilletonartikel über ihn aufgehört, weil eine Zeitung unmöglich
       gegen ihre eignen Aktionäre polemisieren könne. Die angeblich de-
       mokratische "Düsseldorfer  Zeitung" hat  sich  gemüßigt  gesehen,
       diese Insinuation  in ihre Spalten aufzunehmen. Mag in Berlin ge-
       fabelt werden  was da  will, eine  s c h l e s i s c h e  Zeitung
       mußte wissen, daß diese Behauptung eine Lüge war und warum sie es
       war. Die perfide Insinuation kommt aber leider zu spät. Schon Nr.
       92 der  "Neuen Rheinischen  Zeitung", die  längst vor Ankunft der
       Nr. 201  der "Breslauer  Zeitung" ausgegeben  wurde, enthält  die
       Fortsetzung des  besagten Feuilletons.  Die "Neue Rheinische Zei-
       tung" ist  übrigens ein  Parteiblatt und  hat bereits hinlänglich
       den Beweis geliefert, daß sie nicht käuflich ist.
       Die Geranten der "Neuen Rheinischen Zeitung"
       
       14
       
       Gerichtliche Verfolgung der "Neuen Rheinischen Zeitung"
       
       ["Neue Rheinische Zeitung" Nr. 95 vom 6. September 1848]
       * Köln,  5. September.  Gestern war abermals einer unserer Redak-
       teure, Friedrich  Engels, in  der Untersuchung gegen Marx und Ge-
       nossen vor  den Instruktionsrichter  geladen, diesmal indes nicht
       als Zeuge,  sondern als Mitbeschuldigter. Die Voruntersuchung ist
       geschlossen, und  wenn das  öffentliche Ministerium keine weitern
       Anträge macht,  so wird binnen kurzem die Ratskammer zu entschei-
       den haben, ob Marx, Engels und Korff wegen Beleidigung resp. Ver-
       leumdung des  Herrn Oberprokurators Zweiffel und der sechs Herren
       Gendarmen vor den Assisen zu erscheinen haben.
       
       #493# Aufzeichnungen und Dokumente
       -----
       15
       
       Volksversammlung und Sicherheitsausschuß
       
       ["Neue Rheinische Zeitung" Nr. 103 vom 15. September 1848]
       * Köln,  14. September. Wir kommen auf die gestrige Volksversamm-
       lung und  ihre Resultate  zurück, da diese in unserer Stadt ziem-
       lich viel Aufsehen erregt haben.
       Die Volksversammlung  wurde bald nach 12 Uhr auf dem Frankenplatz
       durch Herrn  W. Wolff  eröffnet, der  den Zweck der Berufung kurz
       angab und  Herrn  H.  Bürgers  zum  Präsidenten  vorschlug.  Herr
       Bürgers, mit  Akklamation angenommen, bestieg die Tribüne und gab
       das  Wort   wieder  Herrn   Wolff,  der  nun  die  Bildung  eines
       Sicherheitsausschusses als  Vertretung für die in den bestehenden
       gesetzlichen Behörden  nicht vertretenen  Teile  der  Bevölkerung
       Kölns vorschlug.  Herr  F.  Engels  unterstützte  den  Vorschlag,
       desgleichen die  Herren H.  Becker und  E. Dronke.  Der Vorschlag
       wurde von  der mindestens  5000-6000 Menschen starken Versammlung
       unter stürmischem  Beifall  und  mit  allen  gegen  fünf  Stimmen
       angenommen, nachdem auf wiederholte Aufforderung sich kein Gegner
       dagegen gemeldet hatte. Es wurde dann die Zahl der Mitglieder des
       Ausschusses auf  30 festgesetzt  und diese  30 erwählt.  [371] Da
       sich unter  diesen auch  die beiden  Verhafteten  Gottschalk  und
       Anneke befinden,  so wurden  für diese  noch zwei  Stellvertreter
       erwählt.
       Herr F.  Engels schlug  hierauf folgende  Adresse an die Berliner
       Versammlung vor:
       An die Versammlung zur Vereinbarung der preußischen Verfassung in
       Berlin.
       Die unterzeichneten Bürger Kölns,
       in Erwägung:
       daß die  Versammlung zur  Vereinbarung der preußischen Verfassung
       dem Ministerium  die Pflicht  auferlegt hat, den am 9. August be-
       schlossenen Erlaß  betreffs der reaktionären Bestrebungen der Of-
       fiziere zur  Beruhigung des  Landes sowie  zur  Vermeidung  eines
       Bruchs mit der Versammlung ohne weiteres ergehen zu lassen *);
       daß das  Ministerium Auerswald-Hansemann infolge dieses Beschlus-
       ses seine  Entlassung genommen  und der König den eben gestürzten
       Reichsminister Beckerath mit Bildung eines neuen Ministeriums be-
       auftragt hat;
       -----
       1*) Siehe vorl. Band, S. 390-392
       
       #494# Beilagen
       -----
       daß Herr  Beckerath keineswegs  die nötigen Garantien für Ausfüh-
       rung des Beschlusses der Versammlung bietet, vielmehr bei der be-
       kannten kontrerevolutionären  Gesinnung dieses  Mannes sogar  der
       Versuch einer Auflösung der Versammlung zu erwarten steht;
       daß eine  vom Volk gewählte Versammlung zur Vereinbarung der Ver-
       fassung zwischen  König und Volk nicht einseitig aufgelöst werden
       kann, weil  sonst die  Krone nicht  neben, sondern   ü b e r  der
       Versammlung stände;  daß die  Auflösung der Versammlung somit ein
       Staatsstreich sein würde;
       fordern die Versammlung auf,
       bei einem  Versuch zur  Auflösung der Versammlung ihre Pflicht zu
       tun und  ihre Plätze selbst der Gewalt der Bajonette gegenüber zu
       behaupten.
       Diese Adresse wurde einstimmig angenommen und darauf die Versamm-
       lung aufgehoben.
       Obwohl auf  den höheren  Teilen des Platzes zahlreiche Abgesandte
       des Bürgervereins  [74] standen,  und obwohl  behauptet wird, daß
       mehrere bekannte  "Heuler" ihr  möglichstes taten,  für Geld  und
       gute Worte  Skandalmacher zu  gewinnen, obwohl ferner die Polizei
       in Zivil  ziemlich zahlreich vertreten war, so hatte die Versamm-
       lung doch Takt genug, jede Ruhestörung zu unterdrücken.
       Inzwischen saßen  die Herren  Befehlshaber der Bürgerwehr auf dem
       Rathause und  berieten, was  zu tun sei, denn, meinten einige, es
       werde jedenfalls  Unruhen setzen. Mitten in der Beratung ging die
       Tür auf,  und herein  stürzten die  Führer des Bürgervereins, mit
       der Erklärung,  der Sicherheitsausschuß sei der erste Schritt zur
       Revolution, Köln  sei in  Gefahr, die  rote Republik  sei auf dem
       Punkte, proklamiert  zu werden,  und wenn  die Bürgerwehr  allein
       nicht ausreichte,  die Ordnung  zu erhalten,  so stelle  sich der
       B ü r g e r v e r e i n   m i t   G u t   u n d   B l u t   z u r
       V e r f ü g u n g   d e s    H e r r n    v o n    W i t t g e n-
       s t e i n!   Herr v.  Wittgenstein war  so klug,  dies Anerbieten
       abzulehnen und ebenfalls keine Bürgerwehr unter die Waffen zu ru-
       fen. Die Folgen zeigten, wie recht die Bürgerwehr diesmal hatte.
       Damit nicht  zufrieden, hatten  die Herren  vom Bürgerverein noch
       während der  Volksversammlung einen  "Protest" anschlagen lassen,
       den  wir   unten  mitteilen.   Der  Protest,   der      n i c h t
       u n t e r s c h r i e b e n  war, war binnen fünf Minuten von al-
       len Ecken  spurlos verschwunden.  Gegen Abend  erschien er wieder
       als  Flugblatt   mit  fetter   Schrift,  in   der  Druckerei  der
       "Kölnischen Zeitung"  gedruckt und an die Abonnenten dieses Blat-
       tes verteilt. Diesmal hatte er folgende erheiternde Einleitung:
       
       Köln, 13. September 1848
       Die sogenannten  Demokraten wollen  die durch  die  jüngsten  Be-
       schlüsse der Versammlungen zu Frankfurt und Berlin hervorgerufene
       Aufregung ausbeuten,  um das immer mehr verlorene Terrain wieder-
       zugewinnen und um jeden Preis einen Konflikt
       
       #495# Aufzeichnungen und Dokumente
       -----
       herbeizuführen. Zu  dem Ende  wird auch  die am  11. d.M. hier in
       Köln vorgefallene  Reibung zwischen Militär und Bürgern [372] auf
       eine maßlose  Weise in  ihrer Wichtigkeit  und Gefährlichkeit mit
       planmäßiger Übertreibung  dargestellt und zu frevelhaften Zwecken
       mißbraucht. Heute  morgen wurde  sogar durch  einen Maueranschlag
       eine Volksversammlung  unter freiem Himmel auf 12 Uhr zusammenbe-
       rufen, und  diese Versammlung hat wirklich die in einem vorgeleg-
       ten Verzeichnisse im voraus vorgeschlagenen und verabredeten Per-
       sonen durch Zuruf zu einem Sicherheitsausschusse gewählt.
       Es unterliegt  keinem Zweifel,  daß niemand eine solche aus einer
       zufällig versammelten  Volksmasse hervorgegangene,  mit  Umgehung
       der bestehenden  Autorität ausgerufene  Behörde anerkennen  darf,
       und daß  die Mitglieder  dieses Ausschusses, falls sie als solche
       zu handeln sich anmaßen, sofort dem Gesetze verfallen. Inzwischen
       ist es besser, Verbrechen zu verhindern, als dieselben zu bestra-
       fen, wenn sie vielleicht mit großen Opfern vollbracht sind.
       Darum ist  es Pflicht,  alle Bürger zu warnen und auf die vorhan-
       dene Gefahr aufmerksam zu machen.
       Zu dem  Ende ist  nachfolgender Protest nebst Aufforderung erlas-
       sen:
       Protest
       Die Bildung  eines Sicherheitsausschusses  ist der  erste Schritt
       zur
       Revolution.
       Wer wahre  Freiheit und  Ordnung will, wird aufgefordert, die be-
       stehenden Autoritäten mit aller Kraft zu unterstützen, den straf-
       baren Bestrebungen einer Minorität entgegenzutreten und gegen die
       Bildung eines Sicherheitsausschusses zu protestieren.
       Insbesondere  werden  alle  Bürgerwehrmänner  aufgefordert,  ihre
       Pflicht zu  erfüllen, Gesetz  und Ordnung  mit Kraft zu schützen.
       Die vorgespiegelte  Gefahr von Seiten des Militärs ist beseitigt,
       und die  wirkliche Gefahr  wird durch  die Bildung  eines Sicher-
       heitsausschusses herbeigeführt.
       Mehrere Vorstandsmitglieder
       des Kölner Bürgervereins
       
       Der Sicherheitsausschuß  hat sich  gestern abend konstituiert und
       vor allen  Dingen diesen  heitern Protest  zu den Akten genommen,
       womit die  Herrn vom  Bürgerverein wohl  beruhigt sein werden. Er
       hat einen  Präsidenten, einen  Sekretär und drei Mitglieder eines
       Vollziehungsausschusses erwählt, ferner eine Zuschrift an den Re-
       gierungspräsidenten, die  Kommandantur, den Stadtrat und das Kom-
       mando der  Bürgerwehr beschlossen, worin er diesen Behörden seine
       Konstituierung anzeigt  und ihnen erklärt, er werde mit allen ge-
       setzlichen Mitteln  die Aufgabe  verfolgen, wo möglich im Einver-
       nehmen mit  den Behörden,  die Ruhe  aufrechtzuerhalten, zugleich
       aber über  die Erhaltung  der Volksrechte  zu wachen. Er beschloß
       ferner, dies in einem Maueranschlag an die Einwohner Kölns auszu-
       sprechen. Wir werden beide Aktenstücke morgen mitteilen.
       Heute morgen  haben sich  die Gemüter  schon etwas  beruhigt. Man
       lacht über  die gestrige Angst, die in dem Ausschuß eine proviso-
       rische Regierung,
       
       #496# Beilagen
       -----
       ein comité  de salut  public 1*),  eine Konspiration für die rote
       Republik, kurz,  alles mögliche  sah, nur nicht das, was er wirk-
       lich  ist:   ein  vom   Volk  direkt   und  öffentlich  gewähltes
       K o m i t e e,  das sich die Vertretung der Interessen des in den
       gesetzlichen Behörden nicht vertretenen Teils der Bevölkerung zur
       Aufgabe stellt, das nur auf gesetzlichem Wege verfährt und dem es
       nicht einfällt, irgendeine andere Autorität usurpieren zu wollen,
       als den moralischen Einfluß, den das freie Assoziationsrecht, die
       Gesetze und das Vertrauen seiner Wähler ihm gestatten.
       
       16
       
       Volksversammlung in Worringen
       
       ["Neue Rheinische Zeitung" Nr. 106 vom 19. September 1848]
       * Köln,  18. September.  Gestern fand  bei Worringen  eine  große
       Volksversammlung statt.  Von Köln  waren fünf  oder  sechs  große
       Rheinkähne, jeder  mit ein  paar hundert Menschen, die rote Fahne
       voraus, den  Rhein hinabgefahren.  Von Neuß, Düsseldorf, Krefeld,
       Hitdorf, Frechen  und Rheindorf waren mehr oder minder zahlreiche
       Deputationen anwesend. Die Versammlung, auf einer Wiese am Rheine
       abgehalten, zählte mindestens 6000 bis 8000 Menschen.
       Karl Schapper  von Köln  wurde zum  Präsidenten, Friedrich Engels
       von Köln  zum Sekretär  ernannt. Auf Anfrage des Vorsitzenden er-
       klärte sich  die Versammlung  mit allen gegen eine Stimme für die
       Republik, und zwar für die demokratisch-soziale, für die rote Re-
       publik.
       Auf den  Vorschlag von  Ernst  Dronke  von  Köln  wurde  dieselbe
       Adresse an die Berliner Versammlung, die vorigen Mittwoch auf dem
       Frankenplatz in  Köln beschlossen  worden (worin  die Versammlung
       aufgefordert wurde,  im Falle  einer Auflösung  selbst der Gewalt
       der Bajonette  nicht zu weichen) 2*), auch von der Worringer Ver-
       sammlung einstimmig angenommen.
       Auf den  Vorschlag von  Joseph Moll von Köln wurde der in Köln in
       öffentlicher   Volksversammlung    erwählte   Sicherheitsausschuß
       a n e r k a n n t   und auf  Antrag eines Mitgliedes der Versamm-
       lung demselben ein dreimaliges Hoch gebracht.
       Auf den Vorschlag von Friedrich  E n g e l s  von Köln wurde fol-
       gende Adresse einstimmig beschlossen:
       An die  deutsche Nationalversammlung  in Frankfurt. Die hier ver-
       sammelten deutschen  Reichsbürger erklären hiermit, daß sie, wenn
       aus der Widersetzlichkeit der preußischen Regierung gegen
       -----
       1*) Wohlfahrtsausschuß - 2*) siehe vorl. Band, S. 493/494
       
       #497# Aufzeichnungen und Dokumente
       -----
       die Beschlüsse  der Nationalversammlung und der Zentralgewalt ein
       Konflikt zwischen  Preußen und  Deutschland entstehen sollte, sie
       mit Gut und Blut zu Deutschland stehen werden.
       Worringen, den 17. September 1848
       Auf den Antrag von Schuhes aus Hitdorf wurde beschlossen, daß die
       "Kölnische Zeitung"  [104] nicht  die Interessen der Rheinprovinz
       vertritt.
       Es sprachen  außerdem noch  W. Wolff  von Köln,  F. Lassalle  von
       Düsseldorf, Esser  von Neuß, Weyll, Wächter, Becker und Reichhelm
       von Köln, Wallraf von Frechen, Müller, Mitglied des Worringer Ar-
       beitervereins, Leven  von  Rheindorf,  Imandt  von  Krefeld.  Den
       Schluß der  Sitzung bildete  eine kurze Ansprache von Henry Bris-
       bane von  New York,  dem bekannten Redakteur der demokratisch-so-
       zialistischen "New York Tribüne".
       Im Laufe  der Sitzung  wurde aus  sicherer Quelle mitgeteilt, daß
       man beabsichtige,  "am Dienstag die 27ger wieder nach Köln rücken
       zu lassen, die übrigen Bataillone des Regiments ebenfalls herbei-
       zuziehen, die  Soldaten zu Streitigkeiten mit den Bürgern zu ver-
       anlassen, bei  dieser Gelegenheit die Stadt in Belagerungszustand
       zu erklären,  die Bürgerwehr  zu entwaffnen  und uns kurz und gut
       nach Mainzer Manier 1*) zu behandeln".
       Für den  Fall, daß diese Nachricht wirklich begründet sei, daß es
       zu einem  Zusammenstoß kommen sollte, haben die anwesenden Bewoh-
       ner der Umgegend den Kölnern ihre Hülfe zugesagt. In der Tat war-
       ten die Worringer nur der Aufforderung, zu erscheinen.
       Dies zur  Notiz für  den Exbürgerwehrkommandanten  Herrn Wittgen-
       stein.
       
       17
       
       [Beschluß der Volksversammlung in Köln im Zusammenhang
       mit dem Aufstand in Frankfurt]
       
       ["Neue Rheinische Zeitung" Nr. 110 vom 23. September 1848]
       Um Nachdruck wird gebeten!
       
       PROKLAMATION!
       Die in  einer Volksversammlung zu Köln am 20. September zusammen-
       getretenen Reichsbürger
       in Erwägung,
       daß der Beschluß der Frankfurter Nationalversammlung vom 16. über
       Genehmigung des ehrlosen Waffenstillstandes mit Dänemark
       -----
       1*) Siehe vorl. Band, S. 18
       
       #498# Beilagen
       -----
       ein Verrat an dem deutschen Volke und der Ehre der deutschen Waf-
       fen ist,
       erklären:
       Art. 1.  Die Mitglieder  der Frankfurter sogenannten Nationalver-
       sammlung, mit  Ausnahme derjenigen,  welche sich dem Volke bereit
       erklärt haben auszutreten, sind Volksverräter;
       Art. 2.  Die Frankfurter  Barrikadenkämpfer haben sich um das Va-
       terland wohl verdient gemacht.
       Diese Proklamation  ist durch Maueranschläge und durch die Presse
       möglichst zu verbreiten.
                                    ---
       Beitrage zur  Unterstützung der  Insurgenten und  deren  Familien
       wird die  Expedition der  "Neuen Rheinischen  Zeitung" in Empfang
       nehmen.
       
       18
       
       [Mitteilung der Geranten der "Neuen Rheinischen Zeitung"
       über das Verbot des Blattes]
       
       ["Neue Rheinische Zeitung" Extrablatt vom 28. September 1848]
       AN UNSERE GEEHRTEN ABONNENTEN!
       Durch den für Köln eingetretenen Belagerungszustand, wo die Feder
       dem Säbel untergeordnet sein muß, ist der
       "NEUEN RHEINISCHEN ZEITUNG"
       verboten zu  erscheinen und  kann dieselbe  ihren Verpflichtungen
       den geehrten Abonnenten gegenüber vorerst nicht nachkommen.
       Wir dürfen indessen hoffen, daß der exzeptionelle Zustand nur we-
       nige Tage  noch fortdauern wird, und werden wir dann im Laufe des
       Monats Oktober  unser Blatt  in vergrößertem  Format,  von  neuen
       kräftigen Mitteln  unterstützt, unsern  Abonnenten um so pünktli-
       cher zugehen  lassen können,  da wir binnen kurzem den Druck mit-
       telst einer neuen Schnellpresse besorgen lassen werden.
       Köln, den 28. September 1848
       DIE GERANTEN
       
       #499# Aufzeichnungen und Dokumente
       -----
       19
       
       Einladung zum Abonnement auf die "Neue Rheinische Zeitung"
       
       ["Neue Rheinische Zeitung" Extrablatt vom 3. Oktober 1848]
       Die "Neue  Rheinische Zeitung",  welche von der bewaffneten Reak-
       tion während  des Belagerungszustandes  der Stadt  Köln  auf  die
       unverantwortlichste Weise  für  einige  Tage  unterdrückt  wurde,
       wird, nachdem  dieser Zustand  am heutigen Tage wieder aufgehoben
       worden ist, aufs neue mit Energie und Besonnenheit die demokrati-
       schen Interessen  des gesamten  Volkes vertreten. Dies ist gerade
       jetzt um so nötiger, als wir alle gesehen haben, mit welcher kec-
       ken Rücksichtslosigkeit  die bewaffnete  Reaktion in der jüngsten
       Zeit den  mit Recht errungenen Freiheiten des Volkes gegenüberge-
       treten ist.  Indem wir hiermit den Anhängern der Demokratie diese
       Mitteilung machen,  fordern wir  sie zu recht zahlreichem Abonne-
       ment für  das jetzt beginnende 4. Quartal auf, da die ohnehin von
       vielen Seiten  angefeindeten demokratischen  Blätter insbesondere
       der lebhaften Teilnahme ihrer Anhänger bedürfen.
       Abonnementspreis für Köln per Quartal 1 Taler, 15 Silbergroschen.
       Außerhalb Köln in Preußen 1 Taler, 24 Silbergroschen, 6 Pfennige.
       Außer Preußen mit Zuschlag des fremden Zeitungsportos.
       Insertionen: die  vierspaltige Petitzeile  oder deren Raum 1 Sil-
       bergroschen, 6 Pfennige.
       Köln, den 3. Oktober 1848
       H. Korff,
       Gerant der "Neuen Rheinischen Zeitung"
       
       20
       
       [Steckbrief gegen Friedrich Engels und Heinrich Bürgers]
       
       ["Kölnische Zeitung" Nr. 271 vom 4. Oktober 1848]
       Steckbrief. Die hier unten signalisierten Personen haben sich der
       wegen Verbrechen,  vorgesehen in  den Artikeln 87, 91 und 102 des
       Strafgesetzbuchs, eingeleiteten  Untersuchung  durch  die  Flucht
       entzogen. Auf  Grund des  von dem  Instruktionsrichter hierselbst
       erlassenen Vorführungsbefehls ersuche ich
       
       #500# Beilagen
       -----
       daher alle  Behörden und Beamten, die es angeht, auf dieselben zu
       vigilieren und  sie im  Betretungsfalle zu verhaften und mir vor-
       führen zu lassen.
       Köln, 3. Oktober 1848
       Für den Ober-Prokurator:
       Der Staats-Prokurator Hecker
       
       Signalement. I. Namen: Joh. Heinr. Gerhard Bürgers
       .................................................
       II. Namen:  Friedrich Engels; Stand: Kaufmann; Geburts- und Wohn-
       ort: Barmen; Religion: evangelisch; Alter: 27 Jahre; Größe: 5 Fuß
       8 Zoll;  Haare und  Augenbrauen: dunkelblond;  Stirn: gewöhnlich;
       Augen: grau;  Nase und  Mund: proportioniert;  Zähne: gut;  Bart:
       braun; Kinn  und Gesicht:  oval; Gesichtsfarbe:  gesund;  Statur:
       schlank.
       
       21
       
       [Artikel der "Neuen Rheinischen Zeitung" über die Ausweisung
       von Engels und Dronke aus Belgien und die "schwarze Liste"
       der Kölner Polizei]
       
       ["Neue Rheinische Zeitung" Nr. 116 vom 14. Oktober 1848]
       * Köln,  13. Oktober. Ein sehr wohlunterrichteter Freund in Brüs-
       sel schreibt uns:
       
       "Engels und  Dronke wurden  nur verhaftet und im Zellenwagen über
       die Grenze transportiert, weil sie unvorsichtig genug waren, ihre
       Namen zu  nennen. Ein Arbeiter aus Köln, Schmitz, der bei der Be-
       freiung Wächters  tätig gewesen  sein soll,  teilte dasselbe  Ge-
       schick. Die  Brüsseler Polizei besaß nämlich eine lange Liste von
       Leuten, die  aus Köln  geflüchtet. So  war die  belgische Polizei
       auch genau  über die angebliche Teilnahme von Schmitz an Wächters
       Befreiung unterrichtet."
       Ist der  kommissarische Polizeidirektor  Herr  Geiger  vielleicht
       über den  Verfasser und Expedienten dieser schwarzen Liste unter-
       richtet?
       
       #501# Aufzeichnungen und Dokumente
       -----
       22
       
       [Aus dem Protokoll der Komiteesitzung des Kölner Arbeitervereins
       am 16. Oktober 1848 mit der Rede von Marx anläßlich der Übernahme
       der Präsidentschaft und der Ereignisse in Wien]
       
       ["Zeitung des Arbeitervereins zu Köln" Nr. 40
       vom 22. Oktober 1848]
       Der provisorische  Präsident, B[ürger]  Röser, erklärte,  daß Dr.
       Marx auf die Bitte der vom Vereine an ihn abgesandten Deputation,
       sich an  die Spitze  unseres Vereines zu stellen, eingegangen, er
       ersuche ihn daher, seinen Platz einzunehmen.
       Dr. Marx:  Seine Stellung zu Köln sei prekär. Die Antwort, die er
       von dem  Exminister Kühlwetter  erhalten auf sein Renaturalisati-
       onsgesuch, gleiche  einem versteckten Ausweisungsbefehl. Er würde
       dagegen allerdings  Protest bei der Nationalversammlung einlegen.
       Andererseits sei er eines angeblichen Preßvergehens wegen vor die
       Assisen verwiesen.  Überdem sei  er durch  die einstweilige  Zer-
       sprengung des  Redaktionskomitees der "Neuen Rheinischen Zeitung"
       mit Arbeiten  überhäuft. Nichtsdestoweniger sei er bereit, provi-
       sorisch bis  zur Freilassung  Dr. Gottschalks dem Wunsche der Ar-
       beiter nachzukommen.  Regierung und Bourgeoisie müßten sich über-
       zeugen, daß ihren Verfolgungen zum Trotz sich immer Leute fänden,
       bereit, sich den Arbeitern zur Verfügung zu stellen.
       Dr. Marx  spricht dann ausführlicher über die revolutionäre Wirk-
       samkeit der  deutschen Arbeiter  im Auslande und hebt schließlich
       die ausgezeichnete  Rolle hervor,  die sie in der neuesten Wiener
       Revolution spielen.  Er schlägt  daher eine Adresse an den Wiener
       Arbeiterverein vor. (Mit Akklamation angenommen.) ...
       Der Antrag des Präsidenten (die Geschäftsordnung betreffend) ging
       dahin, daß  die erste  Stunde im Interesse der Gesellschaft (d.h.
       über ihre  inneren und  auswärtigen Angelegenheiten),  die zweite
       über soziale  und politische Fragen diskutiert und die Sitzung um
       halb 9 Uhr eröffnet würde. (Angenommen.)...
       
       #502# Beilagen
       -----
       23
       
       [Aus dem Protokoll der allgemeinen Versammlung des Kölner
       Arbeitervereins am 22. Oktober 1848 unter dem Vorsitz von Marx]
       
       ["Freiheit, Brüderlichkeit, Arbeit" Nr. 2 vom 29. Oktober 1848]
       Der Präsident Dr. Marx eröffnet die Sitzung mit einigen Bemerkun-
       gen über das System der indirekten Wahl.
       B[ürger] Röser:  Wir haben  eine Aufforderung  erhalten,  den  am
       26.ds. [Mts.]  in Berlin  stattfindenden  demokratischen  Kongreß
       [351] zu beschicken. Es entsteht jedoch hierbei die Frage, ob der
       Arbeiterverein für  sich allein  oder in Verbindung mit dem demo-
       kratischen Vereine  jemand hinsenden  solle. In der letzten Komi-
       teesitzung Ihres  Vereines entschied  man sich  für das  erstere,
       nämlich selbständig  zu handeln,  jedoch bleibt dies der Genehmi-
       gung der  Versammlung vorbehalten  und ist  bei Annahme desselben
       auch wesentlich  der  Kostenpunkt  zu  berücksichtigen.  Deswegen
       stelle ich den Antrag:
       Daß wir  für uns  allein einen Deputierten wählen und zur Deckung
       der Kosten uns eine freiwillige Steuer auferlegen.
       Der Antrag  wird angenommen  und als Minimum der Steuer 1 Silber-
       groschen festgesetzt...
       B[ürger]  Beust  wird  als  Deputierter  zum  Kongreß  in  Berlin
       vorgeschlagen und gewählt.
       Der Präsident  Dr. Marx  und Vizepräsident  B[ürger] Röser werden
       als solche von der Versammlung bestätigt...
       
       24
       
       [Bericht von Marx über die Ereignisse in Wien in der
       Komiteesitzung des Kölner Arbeitervereins am 6. November 1848]
       
       ["Freiheit, Brüderlichkeit, Arbeit" Nr. 6 vom 12. November 1848]
       ... Pr[äsident] Dr. Marx macht eine kurze Mitteilung über die Er-
       eignisse in Wien und hebt namentlich hervor, wie es nur durch den
       vielfachen Verrat der dortigen Bourgeoisie dem Windischgrätz mög-
       lich werden konnte, die Stadt zu nehmen...

       zurück