Quelle: MEW 5 März - November 1848
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[Aufruf des Mainzer Arbeiterbildungsvereins an alle
Arbeiter Deutschlands zur Gründung von Arbeitervereinen
und zur Vorbereitung eines Arbeiterkongresses [366]
["Seeblätter" Nr. 89 vom 8. April 1848]
An alle Arbeiter Deutschlands!
Brüder und Arbeiter!
Wollen wir nicht abermals die Meistbetrogenen sein, nicht ferner
auf eine lange Reihe von Jahren hinaus durch eine kleine Zahl
ausgebeutet, verachtet und niedergetreten werden, so dürfen wir
keinen Augenblick verlieren, keine Minute in Untätigkeit ver-
streichen lassen.
Vereinzelt, wie bisher, sind wir schwach, obgleich wir Millionen
zählen. Vereinigt und organisiert werden wir dagegen eine unwi-
derstehliche Macht bilden. Drum, Brüder, überall in Städten und
Dörfern Arbeitervereine gebildet, in denen unsere Verhältnisse
erörtert, Maßregeln zur Abänderung unserer jetzigen Lage vorge-
schlagen, Vertreter aus der Arbeiterklasse ins deutsche Parlament
namhaft gemacht, erwählt und alle übrigen Schritte getan werden,
die zur Wahrung unserer Interessen nötig sind. Sämtliche Arbei-
tervereine Deutschlands müssen ferner so schnell als möglich
miteinander in Verbindung treten und darin bleiben.
Wir schlagen Euch vor, M a i n z vorläufig zum Mittelpunkte für
sämtliche Arbeitervereine zu wählen und mit dem unterzeichneten
Vorstande in Korrespondenz zu treten, damit wir uns über einen
gemeinsamen Plan verständigen und sobald als möglich auf einer
Zusammenkunft von Abgeordneten aller Vereine den Sitz des Zen-
tralkomitees etc. definitiv bestimmen können.
Wir erwarten die Briefe u n f r a n k i e r t, wie wir unserer-
seits an die Vereine u n f r a n k i e r t schreiben werden.
Mainz, am 5. April 1848
Der Bildungsverein für Arbeiter im Mainz
Im Namen des Vorstandes:
Der Sprecher Der Schreiber
Wallau Cluß
Adresse: An das Sekretariat des Bildungsvereins für Arbeiter in
Mainz zu Händen des Herrn Adolph Cluß. Mainz, Franziskanergasse
Nr. 156 1/2.
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[Sitzungsprotokoll der Kölner Gemeinde des Bundes der Kommunisten
vom 11. Mai 1848 [367]]
Sitzung Mai 11/48
Präsident Marx fragt Gottschalk, welches seine Meinung oder sei-
nen Beschluß sei in Hinsicht des B[un]d[es]: welche Stellung er,
Gottschalk, jetzt dem B[un]d gegenüber jetzt einzunehmen ge-
dächte.
Gottschalk erklärt seinen gegebenen Austritt zu wiederholen, da
durch die Umwälzungen in den jetzigen Verhältnissen auch eine Um-
gestaltung der B[un]d [es]-Statuten verlangte und unter den bis-
herigen Statuten seine persönliche Freiheit gefährdet sei; er-
klärt aber, daß er in allen Fällen, wo der B[un]d seine Wirksam-
keit wünschen sollte, er unter der gegebenen Bedingung seine
Wirksamkeit vollständigst gewähren würde,
H. Bürgers, Präsident
Jos. Moll, Sekretär
Nach dem Manuskript.
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Gerichtliche Untersuchung gegen die "Neue Rheinische Zeitung"
["Neue Rheinische Zeitung" Nr. 38 vom 8. Juli 1848]
* Köln, 7. Juli. Der Gerant der "Neuen Rheinischen Zeitung",
Korff, und ihr Redakteur en chef, Karl Marx, wurden gestern auf
dem Instruktionsamt vernommen, beide beschuldigt der Beleidigung
resp. Verleumdung der bei der Verhaftung Annekens funktionieren-
den Herrn Gendarmen und des Herrn Oberprokurator Zweiffel. Um 4
Uhr begann das Verhör. Nach Schluß desselben, ungefähr 6 Uhr, be-
gleiteten der Instruktionsrichter und der Staatsprokurator Hecker
die Inkulpaten in das Redaktionslokal, wo mit Zuziehung eines Po-
lizeikommissars Haussuchung stattfand, um das Manuskript und so
den Verfasser des angeschuldigten Artikels ausfindig zu machen.
Es fand sich ein Zettel von unbekannter Handschrift vor, der in-
des nicht die
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Kopie des inkulpierten Artikels 1*) enthielt. Dieser Zettel wurde
zu den Anklageakten gegen Marx und Genossen gelegt. Es scheint
nach letzterm Ausdruck, daß man der Redaktion en masse 2*) den
Prozeß machen will, obgleich der Gerant Korff, der die Zeitung
allein unterschreibt, natürlich auch die gerichtliche Verantwort-
lichkeit übernimmt.
4
Gerichtliche Verfolgung der "Neuen Rheinischen Zeitung"
["Neue Rheinische Zeitung" Nr. 53 vom 23. Juli 1848]
* Köln, 22. Juli. Heute morgen war der Redakteur en chef der
"Neuen Rheinischen Zeitung", Karl Marx, abermals vor den Instruk-
tionsrichter geladen, um wegen des inkriminierten Artikels über
die Verhaftung des Herrn Anneke verhört zu werden. Der Gerant der
Zeitung, H. Korff, war diesmal nicht mitgeladen.
5
[Anzeige über die Einberufung des rheinischen Kreiskongresses
der demokratischen Vereine [368]]
["Neue Rheinische Zeitung" Nr. 66 vom 5. August 1848]
* Köln, 4. August. Nach Beschluß des demokratischen Kongresses zu
Frankfurt [228], welcher Köln zum Vorort für die preußische
Rheinprovinz bestimmt und die dortigen demokratischen Vereine be-
auftragt hat, einen Kreiskongreß zur Organisation der demokrati-
schen Partei in der Provinz zusammenzuberufen, ladet der Zentral-
ausschuß der hiesigen Vereine [369] alle in der Rheinprovinz be-
stehenden Vereine mit demokratischer Tendenz ein, Abgeordnete zu
diesem Kongresse zu ernennen, welcher Sonntag, den 13. August,
hier stattfinden wird. Die Deputierten haben sich zu melden im
obern Saale des Stollwerkschen Lokals.
1*) Siehe vorl. Band, S. 166-168 und 175-177 - 2*) im ganzen
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Der Zentralausschuß der drei demokratischen Vereine in Köln
Schneider II, Marx
(Für die Demokratische Gesellschaft)
Moll, Schapper Becker, Schützendorf
(Für den Arbeiterverein) (Für den Verein für Arbeiter
und Arbeitgeber)
In einem Augenblick, wo unter der Firma von wandelnden
"konstitutionellen" Kongressen die Reaktion ihre Kräfte im ganzen
Staate mustert und zusammenzieht, braucht den Demokraten die Not-
wendigkeit eines energischen Entgegenwirkens nicht ausführlicher
entwickelt zu werden. Sie haben bloß von denselben Freiheiten Ge-
brauch zu machen, deren sich der Verein "Mit Gott für König und
Vaterland" und seine Zweigvereine erfreuen.
6
Die gerichtliche Verfolgung gegen die "Neue Rheinische Zeitung"
["Neue Rheinische Zeitung" Nr. 66 vom 5. August 1848]
x Köln, 4. August. Unsre Verwickelungen mit dem öffentlichen Mi-
nisterium gehen ihren Gang. Am vorigen Montag war der Gerant
Korff wieder vor den Instruktionsrichter geladen, und gestern wa-
ren zwei unsrer Redakteure, Dronke und Engels, als Z e u g e n
zitiert. Dronke ist auf einige Zeit abwesend, Engels erschien,
wurde jedoch nicht eidlich vernommen, da man vermutet, daß der
neulich in unsren Büros konfiszierte Zettel von seiner Hand-
schrift ist, und es also möglich ist, daß auch er in die Anklage
verwickelt wird.
Man sieht, das öffentliche Ministerium ist nicht damit zufrieden,
daß der Gerant als verantwortlicher Herausgeber fungiert. Es soll
der Redakteur en chef impliziert, es soll der Verfasser des frag-
lichen Artikels entdeckt, es sollen die Redakteure, von denen
j e d e r der Verfasser des fraglichen Artikels sein kann, ver-
anlaßt werden, g e g e n e i n a n d e r, ja möglicherweise
g e g e n s i c h s e l b s t Zeugnis abzulegen.
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[Aus dem Protokoll der Generalversammlung der Demokratischen
Gesellschaft in Köln am 11. August 1848]
["Der Wächter am Rhein" 2. Dutzend, Nr. 2 vom 25. August 1848]
Nach Verlesung und Genehmigung des Protokolls der vorigen Gene-
ralversammlung auf Verordnung des provisorischen Präsidenten
Marx, verliest Herr Wolff den Protest an die deutsche National-
versammlung wegen der Teilung Polens 1*), welcher mit Freude be-
grüßt und mit Akklamation angenommen wird.
Herr Rittinghausen vindiziert dem Herrn Marx das ihm neuerdings
durch die preußische Regierung bestrittene Staatsbürgerrecht 2*)
aus vielen Gründen. Er hält es für das beste, die Regierung zur
Zurücknahme dieses ungesetzlichen und durchaus lächerlichen
Schrittes durch eine Deputation morgen zu veranlassen, und im
Falle die Regierung dies nicht wolle, einen Protest über solches
Handeln direkt an den Minister zu richten [305]. Nach Verlesung
des Protestes wird derselbe angenommen und im Falle der Nichtzu-
rücknahme der Verweigerung des Bürgerrechts für Marx zur Unter-
schrift heute abend aufgelegt.
Herr Marx entwickelt noch näher die Gründe des Unrechts der gegen
ihn gefaßten Maßregel, welche durch den Beifall der ganzen Ver-
sammlung als schlagend anerkannt werden. Die Verhältnisse, wes-
halb die Regierung das Bürgerrecht verweigerte, sind eigentlich
die, daß man früher vergeblich versucht hat, ihn für die Regie-
rung zu gewinnen.
Herr Engels bringt eine neue fatale Polizeimaßregel gegen Schap-
per 3*) zur Sprache, wodurch derselbe mit Ausweisung bedroht
wird. Er bespricht den Übergriff der Polizei, wobei er besonders
hervorhebt, daß Schapper als Nassauer Bürger jedenfalls das Recht
hat, als Deutscher betrachtet zu werden, und nach dem Beschlüsse
der Frankfurter Nationalversammlung als solcher sich in allen 38
deutschen Staaten aufhalten darf.
Als Deputierte, die Angelegenheit von Marx und Schapper dem
Regierungspräsidenten und Polizeidirektor vorzutragen und eine
Zurücknahme der betreffenden Beschlüsse zu erwirken, werden er-
wählt: Rittinghausen, Schneider und Bürgers.
Der Deputierte Gladbach, mit stürmischem Beifall bei seinem Er-
scheinen begrüßt, setzt des weiteren auseinander, daß weder von
der Berliner noch von der Frankfurter Versammlung Heil zu erwar-
ten sei.
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1*) Siehe vorl. Band, S. 488/489 - 2*) siehe vorl. Band, S. 382-
385 - 3*) siehe vorl. Band, S. 364/365
#488# Beilagen
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Herr Engels hebt hervor, wie gerade Gladbach sich immer durch
Freisinnigkeit, Kühnheit und besonders durch den energischen Pro-
test hinsichts des Verfahrens gegen die Schleswig-Holsteiner in
Spandau 1*) ausgezeichnet habe. Hierauf wird dem Herrn Gladbach
ein dreimaliges Lebehoch gebracht.
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[Protest der Demokratischen Gesellschaft in Köln gegen
die Einverleibung Posens in den Deutschen Bund]
["Neue Rheinische Zeitung" Nr. 74 vom 13. August 1848]
* Köln, 12. August. Die D e m o k r a t i s c h e G e s e l l-
s c h a f t von Köln hat folgenden Protest bei der National-
versammlung eingelegt:
Hohe Nationalversammlung!
Die Demokratische Gesellschaft zu Köln, in Erwägung:
1. daß das im Freiheitskampf begriffene Deutschland andere
Nationalitäten nicht unterdrücken, sondern in ihrem Streben nach
Freiheit und Selbständigkeit fördern will;
2. daß die Freiwerdung Polens eine Existenzfrage für Deutschland
ist;
3. daß den Polen ihre Freiheit und nationale Selbständigkeit von
drei Despoten allerdings wiederholt geraubt;
4. daß seit 1792 alle Attentate gegen Polen und alle Teilungen
desselben von der Reaktion stets gegen die Freiheit von ganz Eu-
ropa gerichtet und andererseits jedesmal, wenn eine Freimachung
der Völker eintrat, auch auf Wiederherstellung Polens gedrungen
worden;
5. daß selbst der Fünfzigerausschuß jeden Anteil an dem wider Po-
len begangenen Frevel im Namen des deutschen Volkes mit Entrü-
stung zurückgewiesen und die Pflicht des letzteren, zur Herstel-
lung eines selbständigen Polens mitzuwirken, klar ausgesprochen;
6. daß sogar der König von Preußen nach der Märzrevolution, durch
die öffentliche Meinung gezwungen, die Reorganisation Posens fei-
erlich zugesagt;
7. daß demungeachtet die, freilich aus indirekten Wahlen hervor-
gegangene Nationalversammlung zu Frankfurt in der Sitzung vom 27.
Juli c. 2*) die Einverleibung von drei Vierteln des Großherzog-
tums Posen in das
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1*) Siehe vorl. Band, S. 169/170 und 180-183 - 2*) courant - des
laufenden (Jahres)
#489# Aufzeichnungen und Dokumente
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noch gar nicht existierende deutsche Reich beschlossen und sich
dadurch einer neuen Teilung Polens und der nämlichen Verhöhnung
der Freiheit wie der Wiener Kongreß und der deutsche Bundestag
schuldig gemacht;
8. daß jedoch der gesunde Teil des deutschen Volkes an dem Zer-
treten der polnischen Nationalität zu Gunsten der Reaktion und im
Interesse einer Anzahl preußischer Bürokraten, Gutsbesitzer und
Schacherseelen keinen Teil haben will und kann;
beschließt in ihrer heutigen Sitzung:
gegen den von der deutschen Nationalversammlung am 27. Juli c.
bezüglich des Großherzogtums Posen gefaßten Beschluß feierlich zu
protestieren und vor Deutschland, Polen und ganz Europa gegen
diese lediglich zum Vorteil der reaktionären Partei in Preußen,
Rußland und Ostreich beliebte Einverleibung hiermit energische
Verwahrung einzulegen.
Die Demokratische Gesellschaft
Im Auftrage: Das Komitee
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Die gerichtliche Untersuchung gegen die "Neue Rheinische Zeitung"
["Neue Rheinische Zeitung" Nr. 74 vom 13. August 1848]
* Köln, 12. August. Die interessanten Beziehungen unserer Zeitung
zu dem öffentlichen Ministerium nehmen noch immer ihren Fortgang.
Gestern war wieder einer unserer Redakteure, Ernst Dronke, als
Zeuge vor den Instruktionsrichter geladen. Eine eidliche Verneh-
mung fand nicht statt, da eine Denunziation vorlag, daß Dronke am
Abend nach der Verhaftung Annekes bei dessen Frau gewesen und
dort Notizen über die Verhaftung gesammelt habe. Auf die Frage
des Zeugen, gegen wen die Anklage gerichtet sei, wurde die Be-
zeichnung "Marx und Genossen" dahin erläutert, daß man den ver-
antwortlichen Geranten Korff nur eventuell, den Redakteur en
chef, Karl Marx, dagegen als mutmaßlichen Verfasser des inkrimi-
nierten Artikels zur Verantwortung zu ziehen wünsche.
Dronke erklärte übrigens, daß er sich nicht verpflichtet halte,
die Wahrheit zu sagen, da er als Redakteur möglicherweise bei der
Autorschaft des Artikels kompliziert sein könne und nicht gegen
sich selbst Zeugnis ablege.
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[Berichte über das Auftreten von Marx im Wiener
Demokratischen Verein am 28. August 1848]
["Neue Rheinische Zeitung" Nr. 94 vom 5. September 1848]
.¦. Wien, 29. August. In der gestrigen Versammlung des Demokrati-
schen Vereins wurde darüber beraten, ob der Verein zum Sturze des
Ministers Schwarzer oder vielmehr zum Sturze des ganzen Ministe-
riums Doblhoff beim Kaiser oder Reichstag Schritte tun solle.
Herr Julius Fröbel und Herr Marx waren als Gäste zugegen und be-
teiligten sich beide von verschiedenen Standpunkten aus an der
Debatte.
Herr Julius Fröbel war der Ansicht, der Verein müsse sich deshalb
an den Kaiser wenden, während Herr Marx behauptete, das demokra-
tische Prinzip befinde sich im Reichstag. Niemand wundert sich
hier, daß die Berliner "theoretischen" sogenannten Demokraten
sich praktisch mit den Fürsten zu "vereinbaren" suchen.
["Der Radikale" Nr. 64 vom 31. August 1848]
Wien, 30. August. Die Sitzung des Demokratischen Vereines vom 28.
d. [Mts.] gehört zu den interessantesten und wichtigsten unserer
Tagesgeschichte. Unter den anwesenden Gästen erwähnen wir den be-
kannten politischen Schriftsteller Julius Fröbel und den Heraus-
geber der "Neuen Rheinischen Zeitung", Herrn Karl Marx; beide
Männer sind durch ihr eigentümliches Schicksal von Bedeutung ge-
worden. Auch als Schriftsteller nehmen sie eine bestimmte Stel-
lung ein, die für Deutschland von Wichtigkeit ist...
Herr Marx meinte, es sei gleichgültig, w e r Minister sei, denn
es handelte sich jetzt auch hier - wie in Paris - um den Kampf
zwischen der Bourgeoisie und dem Proletariat. Seine Rede war sehr
geistvoll, scharf und belehrend...
11
[Berichte über die Rede von Marx im Ersten Wiener Arbeiterverein
am 30. August 1848]
["Die Constitution" Nr. 133 vom 1. September 1848]
... Herr Dr. Marx redet über die Arbeiter, namentlich deutsche
Arbeiter im Auslande. - Die Nationalwerkstätten und die letzte
Arbeiterrevolution in Paris. Er spricht aus, daß die deutschen
Arbeiter stolz sein können, daß eine
#491# Aufzeichnungen und Dokumente
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bedeutende Anzahl der Deportierten Landsleute sind. - Die Charti-
sten in England, die letzten Bewegungen derselben. England und
die vollständige Emanzipation der Arbeiter Europas. Belgien.
Herr Dr. Stifft jun.: Über die heutigen Zustände. Die Stellung
und Zukunft der Arbeiter...
["Der Volksfreund" Nr. 109 vom 3. September 1848]
... Dr. Marx, Redakteur der - [Neuen] Rheinischen Zeitung", be-
grüßt den Verein und macht es sich zur Ehre, auch in Wien vor ei-
nem Arbeitervereine zu sprechen, wie er es bereits in Paris, in
London und in Brüssel getan...
12
[Bericht über den Vortrag von Marx über Lohnarbeit
und Kapital in der Versammlung des Ersten Wiener
Arbeitervereins am 2. September 1848]
["Die Constitution" Nr. 136 vom 5. September 1848]
... Herr Dr. Marx hält einen längeren Vortrag über Lohnarbeit und
Kapital. Er sagt in der Einleitung, alle Revolutionen sind so-
ziale Revolutionen. Das Kapital besteht nicht aus Geld, sondern
aus Rohstoffen, Produktionsinstrumenten und Lebensprodukten; die
Lohnarbeit macht das Kapital den Erzeugnissen gegenüber. Die Be-
hauptung, daß das Interesse des Kapitalisten und des Lohnarbei-
ters dasselbe sei, ist falsch. Mit der Teilung der Arbeit wächst
die Konkurrenz unter den Arbeitern, es sinkt der Lohn; noch viel-
mehr aber durch das Maschinenwesen. Die Produktionskosten bestim-
men den Arbeitslohn. Die Zivilisation vermehrt nicht das Wohlbe-
finden der Arbeiter, sondern bewirkt das Gegenteil. Es wachsen
die Steuern und die Preise der Lebensbedürfnisse.
Der Redner spricht noch über angewandte Heilmittel und deren Un-
zulänglichkeit, als z.B. Malthus' Übervölkerungstheorie. Die Ar-
menhäuser Englands. Die industrielle Erziehung. Abschaffung der
Schutzzölle und Steuern. Schließlich spricht er aus, daß die Ver-
hältnisse sich verbessern müssen, weil die Arbeiter nicht alle
als Arbeiter gebraucht, sondern teilweise erhalten werden...
#492# Beilagen
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13
[Erwiderung der "Neuen Rheinischen Zeitung" auf die Berliner
Korrespondenz der "Breslauer Zeitung" vom 29. August 1848]
["Neue Rheinische Zeitung" Nr. 93 vom 3. September 1848]
Erwiderung
Die "Breslauer Zeitung" [353] läßt sich in Nr. 201 aus Berlin
schreiben, Ritter Schnapphahnski [370] habe eine Menge Aktien auf
die "Neue Rheinische Zeitung" genommen und deshalb hätten die
Feuilletonartikel über ihn aufgehört, weil eine Zeitung unmöglich
gegen ihre eignen Aktionäre polemisieren könne. Die angeblich de-
mokratische "Düsseldorfer Zeitung" hat sich gemüßigt gesehen,
diese Insinuation in ihre Spalten aufzunehmen. Mag in Berlin ge-
fabelt werden was da will, eine s c h l e s i s c h e Zeitung
mußte wissen, daß diese Behauptung eine Lüge war und warum sie es
war. Die perfide Insinuation kommt aber leider zu spät. Schon Nr.
92 der "Neuen Rheinischen Zeitung", die längst vor Ankunft der
Nr. 201 der "Breslauer Zeitung" ausgegeben wurde, enthält die
Fortsetzung des besagten Feuilletons. Die "Neue Rheinische Zei-
tung" ist übrigens ein Parteiblatt und hat bereits hinlänglich
den Beweis geliefert, daß sie nicht käuflich ist.
Die Geranten der "Neuen Rheinischen Zeitung"
14
Gerichtliche Verfolgung der "Neuen Rheinischen Zeitung"
["Neue Rheinische Zeitung" Nr. 95 vom 6. September 1848]
* Köln, 5. September. Gestern war abermals einer unserer Redak-
teure, Friedrich Engels, in der Untersuchung gegen Marx und Ge-
nossen vor den Instruktionsrichter geladen, diesmal indes nicht
als Zeuge, sondern als Mitbeschuldigter. Die Voruntersuchung ist
geschlossen, und wenn das öffentliche Ministerium keine weitern
Anträge macht, so wird binnen kurzem die Ratskammer zu entschei-
den haben, ob Marx, Engels und Korff wegen Beleidigung resp. Ver-
leumdung des Herrn Oberprokurators Zweiffel und der sechs Herren
Gendarmen vor den Assisen zu erscheinen haben.
#493# Aufzeichnungen und Dokumente
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15
Volksversammlung und Sicherheitsausschuß
["Neue Rheinische Zeitung" Nr. 103 vom 15. September 1848]
* Köln, 14. September. Wir kommen auf die gestrige Volksversamm-
lung und ihre Resultate zurück, da diese in unserer Stadt ziem-
lich viel Aufsehen erregt haben.
Die Volksversammlung wurde bald nach 12 Uhr auf dem Frankenplatz
durch Herrn W. Wolff eröffnet, der den Zweck der Berufung kurz
angab und Herrn H. Bürgers zum Präsidenten vorschlug. Herr
Bürgers, mit Akklamation angenommen, bestieg die Tribüne und gab
das Wort wieder Herrn Wolff, der nun die Bildung eines
Sicherheitsausschusses als Vertretung für die in den bestehenden
gesetzlichen Behörden nicht vertretenen Teile der Bevölkerung
Kölns vorschlug. Herr F. Engels unterstützte den Vorschlag,
desgleichen die Herren H. Becker und E. Dronke. Der Vorschlag
wurde von der mindestens 5000-6000 Menschen starken Versammlung
unter stürmischem Beifall und mit allen gegen fünf Stimmen
angenommen, nachdem auf wiederholte Aufforderung sich kein Gegner
dagegen gemeldet hatte. Es wurde dann die Zahl der Mitglieder des
Ausschusses auf 30 festgesetzt und diese 30 erwählt. [371] Da
sich unter diesen auch die beiden Verhafteten Gottschalk und
Anneke befinden, so wurden für diese noch zwei Stellvertreter
erwählt.
Herr F. Engels schlug hierauf folgende Adresse an die Berliner
Versammlung vor:
An die Versammlung zur Vereinbarung der preußischen Verfassung in
Berlin.
Die unterzeichneten Bürger Kölns,
in Erwägung:
daß die Versammlung zur Vereinbarung der preußischen Verfassung
dem Ministerium die Pflicht auferlegt hat, den am 9. August be-
schlossenen Erlaß betreffs der reaktionären Bestrebungen der Of-
fiziere zur Beruhigung des Landes sowie zur Vermeidung eines
Bruchs mit der Versammlung ohne weiteres ergehen zu lassen *);
daß das Ministerium Auerswald-Hansemann infolge dieses Beschlus-
ses seine Entlassung genommen und der König den eben gestürzten
Reichsminister Beckerath mit Bildung eines neuen Ministeriums be-
auftragt hat;
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1*) Siehe vorl. Band, S. 390-392
#494# Beilagen
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daß Herr Beckerath keineswegs die nötigen Garantien für Ausfüh-
rung des Beschlusses der Versammlung bietet, vielmehr bei der be-
kannten kontrerevolutionären Gesinnung dieses Mannes sogar der
Versuch einer Auflösung der Versammlung zu erwarten steht;
daß eine vom Volk gewählte Versammlung zur Vereinbarung der Ver-
fassung zwischen König und Volk nicht einseitig aufgelöst werden
kann, weil sonst die Krone nicht neben, sondern ü b e r der
Versammlung stände; daß die Auflösung der Versammlung somit ein
Staatsstreich sein würde;
fordern die Versammlung auf,
bei einem Versuch zur Auflösung der Versammlung ihre Pflicht zu
tun und ihre Plätze selbst der Gewalt der Bajonette gegenüber zu
behaupten.
Diese Adresse wurde einstimmig angenommen und darauf die Versamm-
lung aufgehoben.
Obwohl auf den höheren Teilen des Platzes zahlreiche Abgesandte
des Bürgervereins [74] standen, und obwohl behauptet wird, daß
mehrere bekannte "Heuler" ihr möglichstes taten, für Geld und
gute Worte Skandalmacher zu gewinnen, obwohl ferner die Polizei
in Zivil ziemlich zahlreich vertreten war, so hatte die Versamm-
lung doch Takt genug, jede Ruhestörung zu unterdrücken.
Inzwischen saßen die Herren Befehlshaber der Bürgerwehr auf dem
Rathause und berieten, was zu tun sei, denn, meinten einige, es
werde jedenfalls Unruhen setzen. Mitten in der Beratung ging die
Tür auf, und herein stürzten die Führer des Bürgervereins, mit
der Erklärung, der Sicherheitsausschuß sei der erste Schritt zur
Revolution, Köln sei in Gefahr, die rote Republik sei auf dem
Punkte, proklamiert zu werden, und wenn die Bürgerwehr allein
nicht ausreichte, die Ordnung zu erhalten, so stelle sich der
B ü r g e r v e r e i n m i t G u t u n d B l u t z u r
V e r f ü g u n g d e s H e r r n v o n W i t t g e n-
s t e i n! Herr v. Wittgenstein war so klug, dies Anerbieten
abzulehnen und ebenfalls keine Bürgerwehr unter die Waffen zu ru-
fen. Die Folgen zeigten, wie recht die Bürgerwehr diesmal hatte.
Damit nicht zufrieden, hatten die Herren vom Bürgerverein noch
während der Volksversammlung einen "Protest" anschlagen lassen,
den wir unten mitteilen. Der Protest, der n i c h t
u n t e r s c h r i e b e n war, war binnen fünf Minuten von al-
len Ecken spurlos verschwunden. Gegen Abend erschien er wieder
als Flugblatt mit fetter Schrift, in der Druckerei der
"Kölnischen Zeitung" gedruckt und an die Abonnenten dieses Blat-
tes verteilt. Diesmal hatte er folgende erheiternde Einleitung:
Köln, 13. September 1848
Die sogenannten Demokraten wollen die durch die jüngsten Be-
schlüsse der Versammlungen zu Frankfurt und Berlin hervorgerufene
Aufregung ausbeuten, um das immer mehr verlorene Terrain wieder-
zugewinnen und um jeden Preis einen Konflikt
#495# Aufzeichnungen und Dokumente
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herbeizuführen. Zu dem Ende wird auch die am 11. d.M. hier in
Köln vorgefallene Reibung zwischen Militär und Bürgern [372] auf
eine maßlose Weise in ihrer Wichtigkeit und Gefährlichkeit mit
planmäßiger Übertreibung dargestellt und zu frevelhaften Zwecken
mißbraucht. Heute morgen wurde sogar durch einen Maueranschlag
eine Volksversammlung unter freiem Himmel auf 12 Uhr zusammenbe-
rufen, und diese Versammlung hat wirklich die in einem vorgeleg-
ten Verzeichnisse im voraus vorgeschlagenen und verabredeten Per-
sonen durch Zuruf zu einem Sicherheitsausschusse gewählt.
Es unterliegt keinem Zweifel, daß niemand eine solche aus einer
zufällig versammelten Volksmasse hervorgegangene, mit Umgehung
der bestehenden Autorität ausgerufene Behörde anerkennen darf,
und daß die Mitglieder dieses Ausschusses, falls sie als solche
zu handeln sich anmaßen, sofort dem Gesetze verfallen. Inzwischen
ist es besser, Verbrechen zu verhindern, als dieselben zu bestra-
fen, wenn sie vielleicht mit großen Opfern vollbracht sind.
Darum ist es Pflicht, alle Bürger zu warnen und auf die vorhan-
dene Gefahr aufmerksam zu machen.
Zu dem Ende ist nachfolgender Protest nebst Aufforderung erlas-
sen:
Protest
Die Bildung eines Sicherheitsausschusses ist der erste Schritt
zur
Revolution.
Wer wahre Freiheit und Ordnung will, wird aufgefordert, die be-
stehenden Autoritäten mit aller Kraft zu unterstützen, den straf-
baren Bestrebungen einer Minorität entgegenzutreten und gegen die
Bildung eines Sicherheitsausschusses zu protestieren.
Insbesondere werden alle Bürgerwehrmänner aufgefordert, ihre
Pflicht zu erfüllen, Gesetz und Ordnung mit Kraft zu schützen.
Die vorgespiegelte Gefahr von Seiten des Militärs ist beseitigt,
und die wirkliche Gefahr wird durch die Bildung eines Sicher-
heitsausschusses herbeigeführt.
Mehrere Vorstandsmitglieder
des Kölner Bürgervereins
Der Sicherheitsausschuß hat sich gestern abend konstituiert und
vor allen Dingen diesen heitern Protest zu den Akten genommen,
womit die Herrn vom Bürgerverein wohl beruhigt sein werden. Er
hat einen Präsidenten, einen Sekretär und drei Mitglieder eines
Vollziehungsausschusses erwählt, ferner eine Zuschrift an den Re-
gierungspräsidenten, die Kommandantur, den Stadtrat und das Kom-
mando der Bürgerwehr beschlossen, worin er diesen Behörden seine
Konstituierung anzeigt und ihnen erklärt, er werde mit allen ge-
setzlichen Mitteln die Aufgabe verfolgen, wo möglich im Einver-
nehmen mit den Behörden, die Ruhe aufrechtzuerhalten, zugleich
aber über die Erhaltung der Volksrechte zu wachen. Er beschloß
ferner, dies in einem Maueranschlag an die Einwohner Kölns auszu-
sprechen. Wir werden beide Aktenstücke morgen mitteilen.
Heute morgen haben sich die Gemüter schon etwas beruhigt. Man
lacht über die gestrige Angst, die in dem Ausschuß eine proviso-
rische Regierung,
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ein comité de salut public 1*), eine Konspiration für die rote
Republik, kurz, alles mögliche sah, nur nicht das, was er wirk-
lich ist: ein vom Volk direkt und öffentlich gewähltes
K o m i t e e, das sich die Vertretung der Interessen des in den
gesetzlichen Behörden nicht vertretenen Teils der Bevölkerung zur
Aufgabe stellt, das nur auf gesetzlichem Wege verfährt und dem es
nicht einfällt, irgendeine andere Autorität usurpieren zu wollen,
als den moralischen Einfluß, den das freie Assoziationsrecht, die
Gesetze und das Vertrauen seiner Wähler ihm gestatten.
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Volksversammlung in Worringen
["Neue Rheinische Zeitung" Nr. 106 vom 19. September 1848]
* Köln, 18. September. Gestern fand bei Worringen eine große
Volksversammlung statt. Von Köln waren fünf oder sechs große
Rheinkähne, jeder mit ein paar hundert Menschen, die rote Fahne
voraus, den Rhein hinabgefahren. Von Neuß, Düsseldorf, Krefeld,
Hitdorf, Frechen und Rheindorf waren mehr oder minder zahlreiche
Deputationen anwesend. Die Versammlung, auf einer Wiese am Rheine
abgehalten, zählte mindestens 6000 bis 8000 Menschen.
Karl Schapper von Köln wurde zum Präsidenten, Friedrich Engels
von Köln zum Sekretär ernannt. Auf Anfrage des Vorsitzenden er-
klärte sich die Versammlung mit allen gegen eine Stimme für die
Republik, und zwar für die demokratisch-soziale, für die rote Re-
publik.
Auf den Vorschlag von Ernst Dronke von Köln wurde dieselbe
Adresse an die Berliner Versammlung, die vorigen Mittwoch auf dem
Frankenplatz in Köln beschlossen worden (worin die Versammlung
aufgefordert wurde, im Falle einer Auflösung selbst der Gewalt
der Bajonette nicht zu weichen) 2*), auch von der Worringer Ver-
sammlung einstimmig angenommen.
Auf den Vorschlag von Joseph Moll von Köln wurde der in Köln in
öffentlicher Volksversammlung erwählte Sicherheitsausschuß
a n e r k a n n t und auf Antrag eines Mitgliedes der Versamm-
lung demselben ein dreimaliges Hoch gebracht.
Auf den Vorschlag von Friedrich E n g e l s von Köln wurde fol-
gende Adresse einstimmig beschlossen:
An die deutsche Nationalversammlung in Frankfurt. Die hier ver-
sammelten deutschen Reichsbürger erklären hiermit, daß sie, wenn
aus der Widersetzlichkeit der preußischen Regierung gegen
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1*) Wohlfahrtsausschuß - 2*) siehe vorl. Band, S. 493/494
#497# Aufzeichnungen und Dokumente
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die Beschlüsse der Nationalversammlung und der Zentralgewalt ein
Konflikt zwischen Preußen und Deutschland entstehen sollte, sie
mit Gut und Blut zu Deutschland stehen werden.
Worringen, den 17. September 1848
Auf den Antrag von Schuhes aus Hitdorf wurde beschlossen, daß die
"Kölnische Zeitung" [104] nicht die Interessen der Rheinprovinz
vertritt.
Es sprachen außerdem noch W. Wolff von Köln, F. Lassalle von
Düsseldorf, Esser von Neuß, Weyll, Wächter, Becker und Reichhelm
von Köln, Wallraf von Frechen, Müller, Mitglied des Worringer Ar-
beitervereins, Leven von Rheindorf, Imandt von Krefeld. Den
Schluß der Sitzung bildete eine kurze Ansprache von Henry Bris-
bane von New York, dem bekannten Redakteur der demokratisch-so-
zialistischen "New York Tribüne".
Im Laufe der Sitzung wurde aus sicherer Quelle mitgeteilt, daß
man beabsichtige, "am Dienstag die 27ger wieder nach Köln rücken
zu lassen, die übrigen Bataillone des Regiments ebenfalls herbei-
zuziehen, die Soldaten zu Streitigkeiten mit den Bürgern zu ver-
anlassen, bei dieser Gelegenheit die Stadt in Belagerungszustand
zu erklären, die Bürgerwehr zu entwaffnen und uns kurz und gut
nach Mainzer Manier 1*) zu behandeln".
Für den Fall, daß diese Nachricht wirklich begründet sei, daß es
zu einem Zusammenstoß kommen sollte, haben die anwesenden Bewoh-
ner der Umgegend den Kölnern ihre Hülfe zugesagt. In der Tat war-
ten die Worringer nur der Aufforderung, zu erscheinen.
Dies zur Notiz für den Exbürgerwehrkommandanten Herrn Wittgen-
stein.
17
[Beschluß der Volksversammlung in Köln im Zusammenhang
mit dem Aufstand in Frankfurt]
["Neue Rheinische Zeitung" Nr. 110 vom 23. September 1848]
Um Nachdruck wird gebeten!
PROKLAMATION!
Die in einer Volksversammlung zu Köln am 20. September zusammen-
getretenen Reichsbürger
in Erwägung,
daß der Beschluß der Frankfurter Nationalversammlung vom 16. über
Genehmigung des ehrlosen Waffenstillstandes mit Dänemark
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1*) Siehe vorl. Band, S. 18
#498# Beilagen
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ein Verrat an dem deutschen Volke und der Ehre der deutschen Waf-
fen ist,
erklären:
Art. 1. Die Mitglieder der Frankfurter sogenannten Nationalver-
sammlung, mit Ausnahme derjenigen, welche sich dem Volke bereit
erklärt haben auszutreten, sind Volksverräter;
Art. 2. Die Frankfurter Barrikadenkämpfer haben sich um das Va-
terland wohl verdient gemacht.
Diese Proklamation ist durch Maueranschläge und durch die Presse
möglichst zu verbreiten.
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Beitrage zur Unterstützung der Insurgenten und deren Familien
wird die Expedition der "Neuen Rheinischen Zeitung" in Empfang
nehmen.
18
[Mitteilung der Geranten der "Neuen Rheinischen Zeitung"
über das Verbot des Blattes]
["Neue Rheinische Zeitung" Extrablatt vom 28. September 1848]
AN UNSERE GEEHRTEN ABONNENTEN!
Durch den für Köln eingetretenen Belagerungszustand, wo die Feder
dem Säbel untergeordnet sein muß, ist der
"NEUEN RHEINISCHEN ZEITUNG"
verboten zu erscheinen und kann dieselbe ihren Verpflichtungen
den geehrten Abonnenten gegenüber vorerst nicht nachkommen.
Wir dürfen indessen hoffen, daß der exzeptionelle Zustand nur we-
nige Tage noch fortdauern wird, und werden wir dann im Laufe des
Monats Oktober unser Blatt in vergrößertem Format, von neuen
kräftigen Mitteln unterstützt, unsern Abonnenten um so pünktli-
cher zugehen lassen können, da wir binnen kurzem den Druck mit-
telst einer neuen Schnellpresse besorgen lassen werden.
Köln, den 28. September 1848
DIE GERANTEN
#499# Aufzeichnungen und Dokumente
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19
Einladung zum Abonnement auf die "Neue Rheinische Zeitung"
["Neue Rheinische Zeitung" Extrablatt vom 3. Oktober 1848]
Die "Neue Rheinische Zeitung", welche von der bewaffneten Reak-
tion während des Belagerungszustandes der Stadt Köln auf die
unverantwortlichste Weise für einige Tage unterdrückt wurde,
wird, nachdem dieser Zustand am heutigen Tage wieder aufgehoben
worden ist, aufs neue mit Energie und Besonnenheit die demokrati-
schen Interessen des gesamten Volkes vertreten. Dies ist gerade
jetzt um so nötiger, als wir alle gesehen haben, mit welcher kec-
ken Rücksichtslosigkeit die bewaffnete Reaktion in der jüngsten
Zeit den mit Recht errungenen Freiheiten des Volkes gegenüberge-
treten ist. Indem wir hiermit den Anhängern der Demokratie diese
Mitteilung machen, fordern wir sie zu recht zahlreichem Abonne-
ment für das jetzt beginnende 4. Quartal auf, da die ohnehin von
vielen Seiten angefeindeten demokratischen Blätter insbesondere
der lebhaften Teilnahme ihrer Anhänger bedürfen.
Abonnementspreis für Köln per Quartal 1 Taler, 15 Silbergroschen.
Außerhalb Köln in Preußen 1 Taler, 24 Silbergroschen, 6 Pfennige.
Außer Preußen mit Zuschlag des fremden Zeitungsportos.
Insertionen: die vierspaltige Petitzeile oder deren Raum 1 Sil-
bergroschen, 6 Pfennige.
Köln, den 3. Oktober 1848
H. Korff,
Gerant der "Neuen Rheinischen Zeitung"
20
[Steckbrief gegen Friedrich Engels und Heinrich Bürgers]
["Kölnische Zeitung" Nr. 271 vom 4. Oktober 1848]
Steckbrief. Die hier unten signalisierten Personen haben sich der
wegen Verbrechen, vorgesehen in den Artikeln 87, 91 und 102 des
Strafgesetzbuchs, eingeleiteten Untersuchung durch die Flucht
entzogen. Auf Grund des von dem Instruktionsrichter hierselbst
erlassenen Vorführungsbefehls ersuche ich
#500# Beilagen
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daher alle Behörden und Beamten, die es angeht, auf dieselben zu
vigilieren und sie im Betretungsfalle zu verhaften und mir vor-
führen zu lassen.
Köln, 3. Oktober 1848
Für den Ober-Prokurator:
Der Staats-Prokurator Hecker
Signalement. I. Namen: Joh. Heinr. Gerhard Bürgers
.................................................
II. Namen: Friedrich Engels; Stand: Kaufmann; Geburts- und Wohn-
ort: Barmen; Religion: evangelisch; Alter: 27 Jahre; Größe: 5 Fuß
8 Zoll; Haare und Augenbrauen: dunkelblond; Stirn: gewöhnlich;
Augen: grau; Nase und Mund: proportioniert; Zähne: gut; Bart:
braun; Kinn und Gesicht: oval; Gesichtsfarbe: gesund; Statur:
schlank.
21
[Artikel der "Neuen Rheinischen Zeitung" über die Ausweisung
von Engels und Dronke aus Belgien und die "schwarze Liste"
der Kölner Polizei]
["Neue Rheinische Zeitung" Nr. 116 vom 14. Oktober 1848]
* Köln, 13. Oktober. Ein sehr wohlunterrichteter Freund in Brüs-
sel schreibt uns:
"Engels und Dronke wurden nur verhaftet und im Zellenwagen über
die Grenze transportiert, weil sie unvorsichtig genug waren, ihre
Namen zu nennen. Ein Arbeiter aus Köln, Schmitz, der bei der Be-
freiung Wächters tätig gewesen sein soll, teilte dasselbe Ge-
schick. Die Brüsseler Polizei besaß nämlich eine lange Liste von
Leuten, die aus Köln geflüchtet. So war die belgische Polizei
auch genau über die angebliche Teilnahme von Schmitz an Wächters
Befreiung unterrichtet."
Ist der kommissarische Polizeidirektor Herr Geiger vielleicht
über den Verfasser und Expedienten dieser schwarzen Liste unter-
richtet?
#501# Aufzeichnungen und Dokumente
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22
[Aus dem Protokoll der Komiteesitzung des Kölner Arbeitervereins
am 16. Oktober 1848 mit der Rede von Marx anläßlich der Übernahme
der Präsidentschaft und der Ereignisse in Wien]
["Zeitung des Arbeitervereins zu Köln" Nr. 40
vom 22. Oktober 1848]
Der provisorische Präsident, B[ürger] Röser, erklärte, daß Dr.
Marx auf die Bitte der vom Vereine an ihn abgesandten Deputation,
sich an die Spitze unseres Vereines zu stellen, eingegangen, er
ersuche ihn daher, seinen Platz einzunehmen.
Dr. Marx: Seine Stellung zu Köln sei prekär. Die Antwort, die er
von dem Exminister Kühlwetter erhalten auf sein Renaturalisati-
onsgesuch, gleiche einem versteckten Ausweisungsbefehl. Er würde
dagegen allerdings Protest bei der Nationalversammlung einlegen.
Andererseits sei er eines angeblichen Preßvergehens wegen vor die
Assisen verwiesen. Überdem sei er durch die einstweilige Zer-
sprengung des Redaktionskomitees der "Neuen Rheinischen Zeitung"
mit Arbeiten überhäuft. Nichtsdestoweniger sei er bereit, provi-
sorisch bis zur Freilassung Dr. Gottschalks dem Wunsche der Ar-
beiter nachzukommen. Regierung und Bourgeoisie müßten sich über-
zeugen, daß ihren Verfolgungen zum Trotz sich immer Leute fänden,
bereit, sich den Arbeitern zur Verfügung zu stellen.
Dr. Marx spricht dann ausführlicher über die revolutionäre Wirk-
samkeit der deutschen Arbeiter im Auslande und hebt schließlich
die ausgezeichnete Rolle hervor, die sie in der neuesten Wiener
Revolution spielen. Er schlägt daher eine Adresse an den Wiener
Arbeiterverein vor. (Mit Akklamation angenommen.) ...
Der Antrag des Präsidenten (die Geschäftsordnung betreffend) ging
dahin, daß die erste Stunde im Interesse der Gesellschaft (d.h.
über ihre inneren und auswärtigen Angelegenheiten), die zweite
über soziale und politische Fragen diskutiert und die Sitzung um
halb 9 Uhr eröffnet würde. (Angenommen.)...
#502# Beilagen
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23
[Aus dem Protokoll der allgemeinen Versammlung des Kölner
Arbeitervereins am 22. Oktober 1848 unter dem Vorsitz von Marx]
["Freiheit, Brüderlichkeit, Arbeit" Nr. 2 vom 29. Oktober 1848]
Der Präsident Dr. Marx eröffnet die Sitzung mit einigen Bemerkun-
gen über das System der indirekten Wahl.
B[ürger] Röser: Wir haben eine Aufforderung erhalten, den am
26.ds. [Mts.] in Berlin stattfindenden demokratischen Kongreß
[351] zu beschicken. Es entsteht jedoch hierbei die Frage, ob der
Arbeiterverein für sich allein oder in Verbindung mit dem demo-
kratischen Vereine jemand hinsenden solle. In der letzten Komi-
teesitzung Ihres Vereines entschied man sich für das erstere,
nämlich selbständig zu handeln, jedoch bleibt dies der Genehmi-
gung der Versammlung vorbehalten und ist bei Annahme desselben
auch wesentlich der Kostenpunkt zu berücksichtigen. Deswegen
stelle ich den Antrag:
Daß wir für uns allein einen Deputierten wählen und zur Deckung
der Kosten uns eine freiwillige Steuer auferlegen.
Der Antrag wird angenommen und als Minimum der Steuer 1 Silber-
groschen festgesetzt...
B[ürger] Beust wird als Deputierter zum Kongreß in Berlin
vorgeschlagen und gewählt.
Der Präsident Dr. Marx und Vizepräsident B[ürger] Röser werden
als solche von der Versammlung bestätigt...
24
[Bericht von Marx über die Ereignisse in Wien in der
Komiteesitzung des Kölner Arbeitervereins am 6. November 1848]
["Freiheit, Brüderlichkeit, Arbeit" Nr. 6 vom 12. November 1848]
... Pr[äsident] Dr. Marx macht eine kurze Mitteilung über die Er-
eignisse in Wien und hebt namentlich hervor, wie es nur durch den
vielfachen Verrat der dortigen Bourgeoisie dem Windischgrätz mög-
lich werden konnte, die Stadt zu nehmen...
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