Quelle: MEW 5 März - November 1848
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Stellung der Parteien in Köln
["Neue Rheinische Zeitung" Nr. 18 vom 18. Juni 1848]
** Köln, 16. Juni. Wir haben hier vor einigen Tagen eine Nachwahl
gehabt, die aufs schlagendste beweist, wie sehr seit der allge-
meinen Wahl die Stellung der Parteien sich verändert hat[73J.
Herr Polizeidirektor Müller, Stellvertreter für Frankfurt, war in
Gummersbach zum Abgeordneten nach Berlin gewählt worden.
Drei Kandidaten waren in der Wahl. Die katholische Partei hatte
Herrn Pellmann, die konstitutionelle (der Bürgerverein [74])
Herrn Advokatsanwalt Fay, die demokratische Herrn Advokat
Schneider II, Präsidenten der (Stollwerkschen) Demokratischen
Gesellschaft [75], in Vorschlag gebracht.
Bei der ersten Abstimmung (140 stimmende Wahlmänner) hatte Herr
Fay 29, Herr Pellmann 34, Herr Schneider 52 Stimmen. Die übrigen
Stimmen waren zersplittert.
Bei der zweiten Abstimmung (139 Stimmen) hatte Herr Fay 14, Herr
Pellmann 59, Herr Schneider 64 Stimmen. Die demokratische Partei
war also noch in einer stets wachsenden Majorität.
Bei der dritten Abstimmung (138 Stimmen) endlich hatte Herr Fay
k e i n e Stimme mehr. Herr Schneider hatte 55, Herr Pellmann 75
Stimmen. Die Herren vom Bürgerverein hatten also aus Furcht vor
den Stollwerkern ihre Stimmen dem katholischen Kandidaten gege-
ben.
Diese Abstimmungen beweisen, wie sehr sich die öffentliche Stim-
mung hier geändert hat. In den Hauptwahlen waren die Demokraten
überall in der Minorität. In dieser Nachwahl war von den drei
kämpfenden Parteien die demokratische bei weitem die stärkste und
konnte nur durch eine widernatürliche Koalition der beiden ändern
Parteien besiegt werden. Wir verdenken der katholischen Partei
nicht, daß sie diese Koalition annahm. Wir heben nur die Tatsache
hervor, daß die K o n s t i t u t i o n e l l e n verschwunden
sind.
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