Quelle: MEW 6 November 1848 - Juli 1849


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       Die neue "Heilige Allianz" [167]
       
       ["Neue Rheinische Zeitung" Nr. 183 vom 31. Dezember 1848]
       * Köln,  30. Dezember. Daß zwischen Preußen, Östreich und Rußland
       schon vor  mehreren Monaten  eine neue  "Heilige  Allianz"  abge-
       schlossen worden,  ist bereits  weltbekannt. Der  Vertrag  selbst
       wird auch  nächstens ans  Licht gezogen  und  der  Öffentlichkeit
       übergeben werden  können. Die  Seele dieses Bundes der Herren von
       "Gottes und  der Knute  Gnaden" ist  Rußland. Die ganze russische
       Politik und  Diplomatie ruht  dagegen ihrerseits mit wenigen Aus-
       nahmen auf den Schultern von Deutschen oder Deutschrussen. Wo ir-
       gend der  Absolutismus und  die Kontrerevolution  tätig sind,  da
       finden wir  zwar stets  Deutsche, aber  nirgends mehr als im Zen-
       tralpunkte der  permanenten Kontrerevolution,  der russischen Di-
       plomatie. Da ist zuerst Graf Nesselrode, Deutschhebräer; dann Ba-
       ron v.  Meyendorf, Gesandter  in Berlin, aus Estland und sein Ge-
       hülfe, der  Adjutant des  Kaisers, Oberst Graf Benkendorff, eben-
       falls Estländer.  In Östreich arbeitet Graf Medem, Kurländer, mit
       mehrern Gehülfen,  unter ihnen ein Herr v. Fonton, sämtlich Deut-
       sche. Baron v. Brunnow, russischer Gesandter in London, ebenfalls
       Kurländer, dient  zum Mittel-  und Vermittlungsgliede  zwischen -
       Metternich und  Palmerston. In Frankfurt endlich wirkt als russi-
       scher Geschäftsträger Baron von Budberg, Livländer. Dies sind ei-
       nige Beispiele.  Wir könnten  noch einige  Dutzend anführen, ohne
       von den  in Deutschland in hohen und höchsten Posten und zugleich
       in hohem  russischem Solde  stehenden Kreaturen  des Petersburger
       Zaren zu sprechen.
       Welche Rolle  die östreichische  Erzherzogin Sophie,  jetzt  Kai-
       serinmutter, im  Lager der  Volksfeinde und  der Heiligen Allianz
       spielt, braucht  als notorisch  keine Auseinandersetzung.  Sophie
       selbst wird  aber wiederum durch die Großfürstin Helena, Gemahlin
       des Großfürsten  Michel und  Tochter des Prinzen Paul v. Württem-
       berg, mächtig beeinflußt. Helena dient zum innigsten Verband zwi-
       schen Nikolaus und Sophie und dem berüchtigten Erzherzog Ludwig.
       
       #147# Die neue "Heilige Allianz
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       Unter diesen  Personen ist  denn auch  schon vor Monaten der Plan
       verabredet worden, nach welchem der östreichische Standrechtskai-
       ser 1*)  die übriggebliebene Tochter 2*) des großfürstlichen Ehe-
       paares heiraten  wird, damit die neue "Heilige Allianz" unauflös-
       lich festgelötet  und Rußland seinem Ziele. Etablierung der voll-
       ständigsten Knutenherrschaft in Deutschland, immer näher gebracht
       werde.
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       1*) Franz Joseph - 2 Katharina

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