Quelle: MEW 6 November 1848 - Juli 1849


       zurück

       #334#
       -----
       Der Märzverein
       
       ["Neue Rheinische Zeitung" Nr. 243 vom 11. März 1849]
       * Köln,  10. März.  Der Frankfurter  s[o]g[enannte]  "Märzverein"
       [316] der  Frankfurter sg.  "Reichsversammlung"  hat  die  Unver-
       schämtheit,  u n s  folgenden lithographierten Brief zuzusenden:
       
       "Der Märzverein  hat beschlossen, daß eine Liste sämtlicher Blät-
       ter, welche  uns ihre Spalten geöffnet haben, aufgestellt und al-
       len Vereinen,  mit welchen  wir in  Verbindung stehen, mitgeteilt
       werde, damit durch die gedachten Vereine dahin gewirkt werde, daß
       die bezeichneten  Blätter  vorzugsweise  mit  etwa  einschlägigen
       A n z e i g e n  bedacht würden.
       Indem wir Ihnen die aufgestellte Liste andurch mitteilen, glauben
       wir nicht  nötig zu  haben, Sie auf die Wichtigkeit der bezahlten
       'A n n o n c e n'   eines Blattes,  als  Nahrungsquelle  für  das
       ganze Unternehmen aufmerksam zu machen.
       Ferner hat  der Zentral-Märzverein  beschlossen, den Vereinen das
       'Teutsche Volksblatt',  eine demokratisch-konstitutionelle  Zeit-
       schrift,  redigiert  von  Herrn  Dr.  Eisenmann,  erscheinend  in
       W ü r z b u r g,   zur gefälligen Unterstützung zu empfehlen, in-
       dem dasselbe  der Konkurrenz antidemokratischer Blätter zu erlie-
       gen droht,  da der  Herr Redakteur  den bereits gebrachten Opfern
       neue hinzuzufügen sich außerstande erklärt.
       Frankfurt, Ende Februar 1849
       Der Vorstand des Zentral-Märzvereins"
       
       Auf der  beigefügten Liste dieser Blätter, welche "dem Märzverein
       ihre  Spalten   geöffnet  haben"   und  von   den  Anhängern  des
       "Märzvereins" vorzugsweise  mit "einschlägigen  Anzeigen" bedacht
       werden sollen,  befindet sich,  überdies noch  mit einem ehrenden
       Stern versehen, auch die "Neue Rheinische Zeitung".
       Wir erklären  hiermit den  linkischen  und  äußersten  linkischen
       Mitgliedern [317]  dieses sg.  "Märzvereins"  der  ci-devant  1*)
       "Reichsversammlung", daß
       -----
       1*) ehemaligen
       
       #335# Der Märzverein
       -----
       die "Neue  Rheinische Zeitung" sich nie zum Organ einer parlamen-
       tarischen Partei,  am allerwenigsten einer Partei des Frankfurter
       komischen Reichsklubs  hergegeben hat,  daß dem  sg. "Märzverein"
       dieses Klubs  niemals die  Spalten unsrer Zeitung geöffnet worden
       sind, wie  die "Neue  Rheinische  Zeitung  überhaupt  gar  keinen
       "Märzverein" kennt.  Wenn der "Märzverein" daher in seinem litho-
       graphierten Bericht  den wirklich  spaltengeöffneten Blättern un-
       sere Zeitung  als eins seiner Organe bezeichnet, so ist dies eine
       simple Verleumdung  der "Neuen  Rheinischen  Zeitung"  und  abge-
       schmackte Renommage  des "Märzvereins". Die patriotischen Bieder-
       männer des  "Märzvereins" werden  dies  ohne  Zweifel  mit  ihrem
       "Gewissen" zu vereinbaren wissen.
       Die Berufung des "Märzvereins" auf unsere Zeitung wird indes noch
       biederber durch  den "Beschluß"  des Vereins,  die "demokratisch-
       konstitutionelle" Zeitschrift  (teutsche Zeitschrift:  "Teutsches
       Volksblatt") des  "Dr. Eisenmann"  zu empfehlen. Wen sollte nicht
       das traurige Los des großen "teutschen" Ur-Dulders Eisenmann rüh-
       ren? Welcher Biedermann empfindet nicht den Schlag, daß der "Dr."
       Eisenmann, welcher  seine Gefängniserinnerungen für 12 000 Gulden
       an den  "demokratisch-konstitutionellen" König  von  Bayern  ver-
       kaufte, keine  "neuen Opfer" mehr bringen kann, sondern der buch-
       händlerischen "Konkurrenz"  der gewöhnlichen,  nicht oktroyierten
       Anti-Märzvereins-Blätter zu erliegen droht? Wir überlassen es der
       Berechnung der  Patrioten, zu  untersuchen, in  welche tiefe Ver-
       nachlässigung das  "Teutsche Volksblatt"  geraten sein  muß, wenn
       der 12000-Gulden-Dulder und Fünf-Taler-Vertreter Eisenmann an die
       öffentliche "Unterstützung"  appellieren muß.  Jedenfalls muß  es
       weit, sehr  weit mit  den "demokratisch-konstitutionellen" Eisen-
       männern gekommen  sein, wenn sie einen Bettelbrief von der "Neuen
       Rheinischen Zeitung" fingieren, derjenigen Zeitung, die allein in
       Deutschland die  "schamlosen, schäbigen Bettler" des Patriotismus
       und der Reichs-Bettel-Versammlungen verfolgt hat.
       Auf die  schmutzige Bemerkung des profitwütigen konkurrenzgehetz-
       ten Patrioten  über die  "Wichtigkeit der  b e z a h l t e n  An-
       noncen einer  Zeitung als    N a h r u n g s q u e l l e    d e s
       g a n z e n  Unternehmens" haben wir natürlich keine Antwort. Die
       "Neue Rheinische Zeitung" hat sich wie überhaupt auch darin stets
       von den Patrioten unterschieden, daß sie die politischen Bewegun-
       gen nie  als einen  Industrieritterzweig oder eine Nahrungsquelle
       betrachtet hat.
       
       Geschrieben von Karl Marx.

       zurück