Quelle: MEW 6 November 1848 - Juli 1849


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       Der Frankfurter Märzverein und die "Neue Rheinische Zeitung"
       
       ["Neue Rheinische Zeitung" Nr. 248 vom 17. März 1849]
       * Köln,  15. März.  Wir kommen  noch einmal auf den unglücklichen
       Märzverein  [316]   zurück,  diese   angemessene  Nachgeburt  der
       "Märzrevolution". Man  wirft uns  vor, "wir schaden der Sache der
       Freiheit", indem  wir den Märzverein unterwühlen. Haben wir nicht
       schon im  Dezember 1848,  zum Schrecken der "Kölnischen Zeitung",
       den  Märzverein'  als    b e w u ß t l o s e s    W e r k z e u g
       d e r   K o n t r e r e v o l u t i o n  denunziert? [338] Hatten
       wir also dem "Märzverein" unsere Ansichten vom "Märzverein" nicht
       schon längst  anvertraut? Wäre  der Märzverein  eine Organisation
       der Partei  der Revolution,  wäre er  selbst auch nur eine konse-
       quente, frische Frucht der  M ä r z e m e u t e,  wir würden eine
       Ungeschicklichkeit von ihm hinnehmen, wie es ohne Widerrede seine
       A n n o n c e n  s p e k u l a t i o n   1*) war.  Der Märzverein
       ist erstens  ohne Wirksamkeit,  wenn Adressen nicht etwa dieselbe
       ausmachen; er ist ferner ein hoffnungsvoller Tor zwischen Konsti-
       tutionellen (das  sind für  uns schlimmere  Reaktionsanhänger als
       der Klub  des Ritter v. Radowitz [339]) und einigen wirklich bie-
       dermännischen Demokraten, deren Blick vom Reichsversöhnungsdunste
       sich benebeln  ließ. Die Unentschiedenheit wird stets die Majori-
       tät in  jenem Zentral-Kommerzverein  2*) ureigentümlich besitzen,
       das Volk wird er vielleicht zum Mißvergnügen aufstacheln, im ent-
       scheidenden Augenblick aber verraten und nachträglich seinen Irr-
       tum bejammern.  Nun lebe  der Kommerzverein  "uns aber auch recht
       wohl"! Seine  sonstige Empfindlichkeit  rührt uns  nicht, und die
       freie Presse  scheint von  jenen liberalen  Leuten immer noch nur
       als ihre  Privaterrungenschaft verstanden  zu werden. Herr Eisen-
       mann z.B.  bekannte sich  offen als  Konstitutioneller für  ewige
       Zeiten und als Gegner des Republikanismus
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       1*) Siehe vorl.  Band, S.  334-335 -  2*) Wortspiel, das  auf die
       tragenden Kräfte des Zentral-Märzvereins hinweist.
       
       #358# Karl Marx/Friedrich Engels - "Neue Rheinische Zeitung"
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       in derselben  Sitzung des  Märzvereins, wo man der "Neuen Rheini-
       schen Zeitung"  als Muster  "echt  deutscher  Zerrissenheit"  ge-
       dachte. Also  sollte uns  zugemutet werden,  aus Einheitstölpelei
       das Organ  eines Mannes  zu unterstützen,  der, mag er zum Teufel
       sonst sein,  was er will, jedenfalls ein deutscher Nationaltölpel
       ist. Wir würden anstandshalber die Herren "mitnehmen" so weit sie
       wollen, wäre nicht eben das ihre Frankfurter Aufgabe, "unentfern-
       bar" zu  sein. Es gibt denkende Geschichtsfreunde [136] unter den
       Herren. Es  kann ihnen  kaum entgangen  sein, daß  nicht bloß  in
       Deutschland, sondern  überall und  zu allen Zeiten die Feuillants
       340 trotz  aller Märzvereine stets schon vor dem Ausbruch der ei-
       gentlichen Revolution  beseitigt werden  mußten. Was nützt es den
       Anhängern der  sozialen Republik,  wenn derselbe  Vogt verfehlter
       Reichsbarrot des  deutschen Reichs  Bonaparte wird,  gegen den er
       "in erster Reihe" kleinuniversitätisch gebierpoltert hat? [341]
       
       Geschrieben von Karl Marx.

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