Quelle: MEW 6 November 1848 - Juli 1849
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[Die Komödie mit der Kaiserkrone]
["Neue Rheinische Zeitung" Nr. 263 vom 4. April 1849,
Außerordentliche Beilage]
* Köln, 3. April. Herr Brandenburg hat gestern der zweiten Kammer
mitgeteilt, was der König in der "deutschen Frage" tun wird. Der
Reiz war zu groß; die "treuen Eckarte" der "N[euen] Preuß[ischen]
Z[ei]t[un]g" [3] sind mit allen ihren Warnungen beiseite gesetzt.
D e r K ö n i g V o n P r e u ß e n w i r d d i e d a r-
g e b o t e n e K r o n e annehmen, und demnächst dürften wir
also dem feierlichen Einzug Sr. christlich germanischen königlich
kaiserlichen Majestät in den Sitz der "Reichsregierung" entge-
gensehn.
Während aber Friedrich Wilhelm die Kaiserkrone aus den Händen des
plebejischen Frankfurter Parlaments akzeptiert, gibt er zugleich
diesem selben Parlamente und der Illusion von Seiner Souveränetät
einen gelinden Fußtritt.
Der Ministerpräsident
"erkennt, daß der Beschluß der Frankfurter Versammlung ein
g r o ß e r S c h r i t t v o r w ä r t s i s t zur Herbei-
führung der deutschen Einheit. Aber er muß auch Rücksicht nehmen
auf die Rechte der Regierungen. Er ist der Meinung, daß d e r
B e s c h l u ß e r s t g ü l t i g w i r d d u r c h d i e
f r e i e Z u s t i m m u n g d e r F ü r s t e n u n d
n u r f ü r d i e j e n i g e n d e u t s c h e n L ä n d e r
v e r b i n d l i c h i s t, d e r e n F ü r s t e n d i e-
s e f r e i e Z u s t i m m u n g g e b e n. Die preußische
Regierung wird aber alles anwenden, um diese freie Einigung
zustande zu bringen." [369]
Sehr schlau! Die Kaiserkrone ist immer annehmbar, besonders wenn
sie ein lange vergebens ersehntes Lebensziel ist - man vergleiche
die bekannte Broschüre von Radowitz: Wie Friedrich Wilhelm der
Vierte n i c h t deutscher Kaiser geworden ist. [370] Aber an
der von dem Frankfurter Parlament dargebotnen Krone klebt zuviel
plebejischer Staub, zuviel unangenehme Erinnerung an die unseli-
gen Tage der Herrschaft des souveränen Volks, als daß
#396# Karl Marx/Friedrich Engels - "Neue Rheinische Zeitung"
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ein König von Gottes Gnaden, und noch dazu ein rehabilitierter,
sie so ohne weiteres auf sein Haupt drücken dürfte.
Erst wenn die übrigen, gleichfalls von Gottes Gnaden gekrönten
Fürsten ihre Zustimmung dazu gegeben haben, erst dann wird die
neue Krone von allen sündhaften märzerrungenen Flecken durch die
Gnade Gottes gereinigt und geweiht sein; erst dann wird der Er-
wählte der 290 Professoren und Hofräte'691 sie ergreifen und
sprechen, wie weiland in Berlin: "Von Gottes Gnaden habe ich
diese Krone, und wehe dem, der daran tastet!" [371]
In welches neue Stadium der deutsche Reichswirrwarr durch die
Kaiserkomödie und speziell durch das respektive Anerkennen oder
Nichtanerkennen der einzelnen Regierungen treten wird, das zu be-
stimmen überlassen wir der Weisheit der "Kölnischen Zeitung".
Geschrieben von Friedrich Engels.
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