Quelle: MEW 6 November 1848 - Juli 1849


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       [Auflösung der zweiten Kammer]
       
       ["Neue Rheinische Zeitung" Nr. 285 vom 29. April 1849,
       Zweite Ausgabe]
       * Köln,  28. April.  Was heute  mittag schon in der Stadt als Ge-
       rücht kursierte,  hat sich  heute abend  bestätigt: Der König und
       sein Standrechts-Ministerium    h a b e n    d i e    z w e i t e
       K a m m e r  a u f g e l ö s t.  [387]
       Die Details sind weiter unten, de dato Berlin, zu finden.
       Der König  und  die  Standrechts-Minister  haben  damit  abermals
       i h r   W o r t  g e b r o c h e n.  Nach der oktroyierten Stand-
       rechts-Charte vom  5. Dezember  [123] waren die Kammern ausdrück-
       lich berufen,  "die Verfassung  zu revidieren".  Erst nachdem die
       e r s t e n,   unter dieser Verfassung zusammengetretenen Kammern
       dies Machwerk  revidiert hatten, sollte es volle, definitive Gül-
       tigkeit erhalten. So oktroyierte man im Dezember vorigen Jahres.
       Die  Kammern   hatten  also  ein  wenigstens    t e i l w e i s e
       k o n s t i t u i e r e n d e s   M a n d a t.  Solange sie nicht
       dies Mandat  erfüllt, solange  sie nicht die Verfassung im Verein
       mit der  Krone revidiert  hatten,   k o n n t e n  s i e  a l s o
       n i c h t   a u f g e l ö s t   w e r d e n,  ebensowenig wie die
       selige Versammlung zur Vereinbarung der preußischen Verfassung.
       Man hat  sie dennoch  auseinandergejagt -  diese miserable, unter
       der Säbeldiktatur  und dem Druck der Bajonette, durch Bestechung,
       Einschüchterung und Betrügerei zusammengebrachte zweite Kammer!
       Das nennt man "preußische Ehre", "preußische Treue"!
       Hätten die  Minister noch  einige Wochen  gewartet  -  vielleicht
       hätte die  ungarisch-östreichische Revolution  ihnen die Mühe er-
       spart und beide Kammern gesprengt.
       Was übrigens dieser neue Gewaltstreich zu bedeuten hat, liegt auf
       der Hand.  Man wird uns die Säbelherrschaft in der zweiten Potenz
       fühlen lassen;  man wird  uns Preßgesetze, Klubgesetze, Tumultge-
       setze, Plakatgesetze  usw.  allergnädigst  oktroyieren,  daß  dem
       deutschen Philister die
       
       #447# Auflösung der zweiten Kammer
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       Augen übergehen  werden. Man  wird verfolgen, maßregeln, arretie-
       ren; man wird den Belagerungszustand allgemein machen, und um dem
       Ganzen die Krone aufzusetzen, wird man schließlich eine neue Ver-
       fassung, ein  Wahlgesetz mit Zensus und Haus der Lords einführen,
       in der  die jetzige  erste Kammer  als   z w e i t e   figurieren
       wird.
       Kurz, man  wird so  weit gehen, als es die preußische Courage nur
       erlauben wird.
       Wir unsrerseits  wünschen nur,  daß Herr  Manteuffel den  seligen
       Vereinigten Landtag [137] wieder einberufe.
       
       Geschrieben von Friedrich Engels.

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