Quelle: MEW 6 November 1848 - Juli 1849


       zurück

       #469#
       -----
       [Der Dritte im Bunde]
       
       ["Neue Rheinische Zeitung" Nr. 289 vom 4. Mai 1849, Beilage]
       * Köln,  3. Mai.  Wir haben hundertmal auf die Tatsache hingewie-
       sen, daß Herr von Hohenzollern und sein Ministerium in der Koali-
       tion Rußlands  und Österreichs  "der dritte  im Bunde" [395] ist.
       Hundertmal hat der biedere deutsche Bürger dergleichen mit Entrü-
       stung zurückgewiesen.
       Nun gut:  Jetzt steht es fest, daß unter den geheimen Gründen der
       Kammer-Auflösung [387]  auch dieser  war, daß  nach geheimem Ver-
       trage mit  dem Olmützer Knäs 1*) und dem Allerhöchsten Petersbur-
       ger Prawoslawny-Zar  2*) der russische Unterknäs in Sanssouci 3*)
       s i c h   v e r p f l i c h t e t   h a t,   4 0 0 0 0    M a n n
       P r e u ß e n   n a c h  B ö h m e n  zur Niederhaltung des Volks
       und als Reserve gegen die Ungarn zu stellen. Selbst in der Pauls-
       kirche ist  offen davon gesprochen worden. Dazu zu schweigen, wa-
       ren selbst  die Zentren  und ein Teil der Rechten in Berlin nicht
       zu bewegen. Man jagte sie also fort.
       Damit nicht genug: Die Berliner "National-Zeitung" [234] schreibt
       aus Berlin vom 1. Mai:
       
       "Soeben erfahren wir aus ganz zuverlässiger Quelle: 'Gestern mor-
       gen erhielt  die Direktion der Oberschlesischen Eisenbahn vom Mi-
       nister des  Innern die  telegraphische Depesche,  daß 30 000 Mann
       russischer Truppen  von Krakau  vermittelst der  Oberschlesischen
       Bahn (also  von Krakau  über Mislowitz, Kosel, Ratibor, Oderberg)
       nach Österreich  befördert werden würden. Die Direktion der Ober-
       schlesischen Bahn  wird verständigt,  daß die königl[ich] preußi-
       sche Regierung  nichts dagegen  einzuwenden habe und erwarte, daß
       die Bahndirektion  diesem Transport  in  nichts  hinderlich  sein
       würde.'
       
       Die Depesche war unterzeichnet: v. Manteuffel."
       -----
       1*) Franz Joseph I. - 2*) Nikolaus I. - 3*) Friedrich Wilhelm IV.
       
       #470# Karl Marx/Friedrich Engels - "Neue Rheinische Zeitung"
       -----
       Dahin also  sind wir  gekommen: Nicht  nur  S t e c k b r i e f e
       erläßt die  kaiserlich russische Unterknäsenregierung von Potsdam
       gegen Kossuth,  Bern und  Görgey 1*),  nein, sie  läßt sogar 3000
       russische Häscher   d u r c h  p r e u ß i s c h e s  G e b i e t
       nach Ungarn  auf der  Eisenbahn befördern - noch mehr, sie sendet
       40 000 preußische  Soldaten nach Böhmen, um ein schnöde mit Füßen
       getretenes rachedürstendes Volk darniederzuhalten !
       Hört es,  Rheinländer! Dazu  also sind  wir  unter  die    r u s-
       s i s c h - p r e u ß i s c h e   G e w a l t h e r r s c h a f t
       gezwängt worden,  damit unsre  Söhne und  Brüder, Rheinländer wie
       wir, nach  Böhmen und vielleicht nach Ungarn geschickt werden, um
       i m   D i e n s t  d e s  r u s s i s c h e n  Z a r s  das letz-
       te, die  Revolution von  1848 mit  den Waffen  in der  Hand  ver-
       teidigende Volk unterdrücken zu helfen !
       Dazu hat man uns 1815 an Preußen verraten, damit auch auf uns die
       Schmach falle,  wir hätten  es geduldet, daß über  u n s e r  Ge-
       biet, durch  ein   m i t   u n s   zu demselben Staat verbundenes
       Land die  Russen mit  klingendem Spiel  und wehenden Fahnen gegen
       die magyarische Revolutionsarmee marschiert sind.
       Wir sind  nur durch  die   G e w a l t   Preußen  U n t e r t a n
       geworden und   U n t e r t a n   geblieben.    W i r    w a r e n
       n i e   P r e u ß e n.   Aber jetzt, wo wir gegen Ungarn geführt,
       wo preußisches Gebiet durch russische Räuberbanden betreten wird,
       jetzt fühlen  wir uns  als Preußen,  ja,    w i r    f ü h l e n,
       w e l c h e   S c h m a c h   e s    i s t,    d e n    N a m e n
       P r e u ß e  z u  t r a g e n!
       
       Geschrieben von Friedrich Engels.
       -----
       1*) Siehe vorl. Band, S. 197/198 und 424/425

       zurück