Quelle: MEW 6 November 1848 - Juli 1849


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       [Die preußische Armee und die revolutionäre Volkserhebung]
       
       ["Neue Rheinische Zeitung" Nr. 292 vom 8. Mai 1849,
       Außerordentliche Beilage]
       * Köln, 7. Mai. Die gärenden Elemente in Deutschland sondern sich
       täglich mehr; die Dinge erhalten festere Umrisse.
       Während das  eine Zentrum  der deutschen  Kontrerevolution,  Öst-
       reich, von  den Ungarn  mehr als  beschäftigt  wird,  sendet  das
       andere, Preußen, seine bewaffneten Horden in allen Richtungen ge-
       gen die revolutionäre Volkserhebung.
       In   D r e s d e n,   der langmütigen Kunst- und Luxusstadt Dres-
       den, greift  das Volk  zu den Waffen und antwortet mit Barrikaden
       und Flintenschüssen auf die hochverräterischen Proklamationen der
       königlichen Regierung.  [405] Das  Militär tritt zum größten Teil
       über auf  die Seite des Volks; der Kampf ist so gut wie entschie-
       den; da  kommen   p r e u ß i s c h e   B a t a i l l o n e   und
       stellen sich  auf die  Seite des Königlichen Verräters, gegen das
       Volk.
       In der  Pfalz tritt das Volk ebenfalls unter die Waffen gegen die
       täglich frechere  bayrische Kontrerevolution;  auch  hier  stehen
       p r e u ß i s c h e  B a t a i l l o n e  bereit, um zum geeigne-
       ten Moment  einzubrechen und mit der Frankfurter Versammlung auch
       den pfälzischen Aufstand auseinanderzusprengen.
       Wohin wir uns im nördlichen und südwestlichen Deutschland wenden,
       überall stehen  p r e u ß i s c h e  B a t a i l l o n e  bereit,
       die Kontrerevolution mit bewaffneter Hand durchzusetzen.
       Und damit  es weder  im eigenen  Lande noch  in den  benachbarten
       Staaten an  preußischen Bataillonen fehle, wird nach unsrer herr-
       lichen Wehrverfassung  überall  d i e  Landwehr [377]  a u s g e-
       h o b e n.
       So ist die östreichische Armee dort, die preußische hier das Zen-
       trum der  Kontrerevolution. Der  Kontrerevolution  tritt  täglich
       schärfer, täglich allgemeiner die neue Revolution entgegen.
       
       #474# Karl Marx/Friedrich Engels - "Neue Rheinische Zeitung"
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       Noch steht  die Dresdener  provisorische Regierung  und zieht aus
       dem ganzen Lande die Kräfte des Volks zusammen.
       Noch steht  der Pfälzer  Landesverteidigungs-Ausschuß, und  jeder
       Tag sammelt  die Pfälzer  mehr und  mehr um die Fahne der Revolu-
       tion.
       Die Landwehr in Rheinpreußen endlich  w e i g e r t  s i c h  z u
       m a r s c h i e r e n.   Selbst in  Elberfeld, im  schwarz-weißen
       [147] Wuppertal,  weigert sie  sich, weiter als bis zu ihrem Sam-
       melplatz zu ziehen. [406]
       Und endlich  in Östreich  ist die Hauptsache, die  m a g y a r i-
       s c h e   R e v o l u t i o n   i n   u n a u f h a l t s a m e n
       V o r d r i n g e n  b e g r i f f e n.  Die Wiener Post ist aus-
       geblieben -  vielleicht weil die Magyaren die mährische Eisenbahn
       aufgerissen. Daß  sie in   M ä h r e n   e i n g e b r o c h e n,
       steht fest.  Man schreibt  uns aus Ratibor, daß schon vor 8 Tagen
       in Golkowitz  an der  östreichischen Grenze,  und am  3.  Mai  in
       Loslau, ebenfalls in Preuß[isch]-Oberschlesien, der Kanonendonner
       ganzer Batterien  gehört wurde.  Die Gefechte  mußten  jedenfalls
       diesseits des Jablunka stattfinden.
       Der   S i e g   d e r  U n g a r n  ist übrigens  s i c h e r e r
       a l s   j e.   Es steht  fest, daß  d i e  R u s s e n  n i c h t
       k o m m e n.   Noch ein  paar Tage  also und  die Ungarn  sind in
       Wien, die  magyarische Revolution  ist beendigt  und  die  zweite
       deutsche in großartigster Weise eröffnet.
       
       Geschrieben von Friedrich Engels.

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