Quelle: MEW 6 November 1848 - Juli 1849


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       #531#
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       KARL MARX
       und
       FRIEDRICH ENGELS
       
       Aus dem handschriftlichen Nachlaß
       
       #532#
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       #533#
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       Erste Seite des Manuskripts "Arbeitslohn" von Karl Marx
       
       #534#
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       #535#
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       Karl Marx
       
       Arbeitslohn [445]
       
       [A]
       
       Auseinandergesetzt schon:
       1. Arbeitslohn = Preis der Ware.
       Die Bestimmung  des Arbeitslohns fällt im allgemeinen also zusam-
       men mit der allgemeinen Bestimmung des Preises.
       Die menschliche Tätigkeit = Ware.
       Die Äußerung  des Lebens - die Lebenstätigkeit erscheint als blo-
       ßes Mittel;  die von  dieser Tätigkeit  abgesonderte Existenz 1*)
       als Zweck.
       2. Als Ware  der Arbeitslohn  abhängig von  der  Konkurrenz,  der
       Nachfrage und Zufuhr.
       3. Die Zufuhr selbst abhängig von den Produktionskosten, d.h. der
       zur Produktion einer Ware erforderlichen Arbeitszeit.
       4. Umgekehrtes Verhältnis  von Profit  und Salär.  Gegensatz  der
       beiden Klassen,  deren ökonomisches Dasein der Profit und das Sa-
       lär sind.
       5. Kampf um  Erhöhung oder Verminderung des Salärs. Arbeiterasso-
       ziationen.
       6. Durchschnitts- oder  normaler Preis  der Arbeit;  das Minimum,
       gilt nur  für die  Klasse der  Arbeiter, nicht für den einzelnen.
       Koalitionen der Arbeiter zur Erhaltung des Salärs.
       7. Einfluß von Abschaffung der Steuern, Schutzzölle, Verminderung
       der Armeen  usw. auf  das Salär.  Das Minimum im Durchschnitt be-
       stimmt = dem Preis der notwendigen Lebensmittel.
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       1*) (MEGA) Erscheinung
       
       #536# Karl Marx - Aus dem handschriftlichen Nachlaß
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       [B]
       
       Zusätze
       
       I. Atkinson
       
       1. Handloomweavers 1*).  (Arbeiten  15  Stunden  täglich.)  (Eine
       halbe Million davon.) [446]
       
       "Ihre distress  2*) unvermeidliche  Bedingung der Art von Arbeit,
       die leicht  erlernt wird  und beständig dem ausgesetzt ist, durch
       wohlfeilere Produktionsmittel  verdrängt zu werden. Kurzes Aufhö-
       ren der  Nachfrage bei so großer Zufuhr bringt Krisis hervor. Das
       Nutzloswerden eines  Arbeitszweigs und das Aufkommen eines andren
       bringt   z e i t l i c h e s   L e i d e n   hervor. Beispiel der
       Handbaumwollweber vom Daccadistrikt in Indien; verhungert oder in
       die Landarbeit zurückgeworfen durch die Konkurrenz der englischen
       Maschinerie." (Auszug  aus der  Rede des  Dr. Bowring im Haus der
       Gemeinen Juli 1835.) [447]
       
       (Dies Beispiel  über den Übergang von einem Handel zum andren für
       den Freihandelsdreck zu benutzen.) [448]
       2. Über die   B e v ö l k e r u n g s t h e o r i e   einiges  zu
       sagen.
       3. Einfluß veränderter  und ausgedehnter  Arbeitsteilung auf  die
       Bestimmung des Salärs.
       
       II. Carlyle
       
       1. Nicht nur  die Quantität  der wages  3*) zu  betrachten. Ihrer
       Qualität nach schwankend, durchs Spiel bestimmt.
       2. Vorzug im  Arbeitslohn, daß nurmehr die Notwendigkeit, das In-
       teresse, der Schacher den Arbeiter mit dem Arbeitgeber verknüpft.
       Nichts Patriarchalisches mehr wie im Mittelalter.
       Armengesetze, Rattenvertilgung, chargeable labourers. [449]
       3. Der größte Teil der Arbeit ist nicht skilled labour 4*).
       4. Die ganze malthusianische und ökonomistische Theorie reduziert
       sich darauf,  daß die  Arbeiter es in ihrer Hand haben, die Nach-
       frage zu vermindern, indem sie keine Kinder machen.
       
       III. MacCulloch
       
       "Der Taglohn, den der Arbeiter verdient, ist gleich der gewöhnli-
       chen Rate  von Profit  für den  Eigentümer der  Maschine, genannt
       M e n s c h,  dazu eine
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       1*) Handweber - 2*) Not - 3*) Arbeitslöhne - 4*) gelernte Arbeit
       Arbeitslohn
       
       #537# Arbeitslohn
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       Summe, um to replace das wear und tear of the machines 1*), oder,
       was dasselbe ist, um zuzuführen an die Stelle alter und abgenutz-
       ter Arbeiter new ones 2*)." [450]
       
       IV. John Wade
       
       1. "Ist der  Zweck, aus dem Arbeiter eine Maschine zu machen, wo-
       raus die größte Quantität Arbeit in einer gegebnen Okkupation ge-
       zogen werden  kann, so gibt es keinen wirksameren Weg als Teilung
       der Arbeit." [451]
       2. Eine Reduktion  des Arbeitslohns treibt die Arbeiter, entweder
       ihre Ausgaben zu vermindern oder ihre Produktivität zu vermehren,
       in Maschinenfabriken  z.B. (und  überhaupt),  indem  sie  längere
       Stundenzahl arbeiten,  oder bei Handwerkern, Handwebern usw., in-
       dem sie  mehr in derselben Stunde arbeiten. Aber da ihr Lohn eben
       reduziert ist,  weil die  Nachfrage abgenommen  hat, so vermehren
       sie also  die Zufuhr  im ungünstigen Moment. Folge davon, daß ihr
       Arbeitslohn noch  tiefer sinkt, und dann kommen die Bourgeois und
       sagen: "Wenn die Leute nur arbeiten wollten."
       3. Allgemeines  Gesetz   überhaupt,  daß   es  nicht      z w e i
       M a r k t p r e i s e  geben kann, und zwar dominiert der  n i e-
       d r i g e r e  Marktpreis (bei gleicher Qualität).
       Gesetzt 1000  Arbeiter von  gleicher Geschicklichkeit;  50  außer
       Brot; so  wird der Preis bestimmt nicht durch die 950 beschäftig-
       ten, sondern durch die 50 unbeschäftigten.
       Aber dieses  Gesetz des  M a r k t p r e i s e s  lastet schwerer
       auf der Ware Arbeit als auf andren Waren, weil der Arbeiter seine
       Ware nicht in den Speicher legen kann, sondern seine Lebenstätig-
       keit verkaufen oder, der Lebensmittel verlustig, sterben muß.
       Die verkäufliche  Ware Arbeit unterscheidet sich von andren Waren
       besonders durch  ihre  v e r g ä n g l i c h e  N a t u r,  durch
       die Unmöglichkeit, sie zu  a k k u m u l i e r e n,  und dadurch,
       daß die   Z u f u h r   nicht mit derselben Leichtigkeit vermehrt
       oder vermindert werden kann als bei andren Produkten.
       4. Die Humanität  der Kapitalisten  besteht darin, möglichst viel
       Arbeit zum  billigsten Preis zu kaufen. Ackerbauarbeiter erhalten
       mehr im  Sommer als  im Winter,  obgleich sie im Winter mehr Nah-
       rung, Feuerung, wärmerer Kleidung bedürfen.
       5. Z.B. die  Abschaffung des   S o n n t a g s   wäre  ein reiner
       Verlust für  die Arbeiter.  Die Meister suchen den Arbeitslohn zu
       vermindern, indem  sie ihn nominell lassen, aber z. B. eine Vier-
       telstunde mehr arbeiten lassen, die Mahlzeiten u. dgl. abkürzen.
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       1*) den Verschleiß der Maschinen zu ersetzen - 2*) neue
       
       #538# Karl Marx - Aus dem handschriftlichen Nachlaß
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       6. Der Arbeitslohn bestimmt durch Moden, Wechsel der Jahreszeiten
       und kommerzielle Fluktuationen. [452]
       7. Geht der Arbeiter, durch die Maschine verdrängt, in einen and-
       ren Arbeitszweig  über, so ist das regelmäßig ein  s c h l e c h-
       t e r e r.  Er kommt nie wieder in seine frühere Lage.
       Die Maschine  und die  Teilung der Arbeit setzen wohlfeile Arbeit
       an die Stelle von teurer.
       Man hat den Arbeitern vorgeschlagen:
       1. Sparkassen;
       2. alle möglichen  Arbeitszweige zu  lernen (so,  wenn  in  einem
       Arbeitszweig Überzufuhr von Arbeitern, wäre sie sofort in allen).
       8. In Zeiten der Stagnation:
       a) Aufhören der Arbeit;
       b) Herabsetzung des Lohns;
       c) derselbe Lohn [463]; weniger Tage in der Woche beschäftigt.
       9. Bei den combinations of trade 1*) ist zu bemerken:
        1. Die Ausgaben der Arbeiter (die Kosten). Erfindung von Maschi-
       nen infolge  der Koalitionen.  Andere Teilung  der Arbeit. Herab-
       drückung des Lohnes. Deplacement der Fabriken nach andern Lokali-
       täten.
        2. Gelänge es  ihnen allen,  den Lohn so hoch zu halten, daß der
       Profit bedeutend  fiele unter  den Durchschnittsprofit von andren
       Ländern oder  daß das Kapital langsamer wachse, so wäre die Indu-
       strie eines  Landes ruiniert  und die Arbeiter mit den Herren und
       noch mehr.
       Obgleich die  Abnahme einer Steuer den Arbeitern nichts nützt, so
       schadet ihnen  dagegen das Wachstum derselben. Das Gute am Wachs-
       tum der  Steuern in  bürgerlich  entwickelten  Ländern,  daß  der
       kleine Bauern- und Eigentümerstand (Handwerker usw.) dadurch rui-
       niert und in die Arbeiterklasse geworfen wird.
       Einfluß der  Irländer in  England, der Deutschen im Elsaß auf den
       Arbeitslohn.
       
       V. Babbage
       
       Trucksystem. [454]
       
       VI. Andrew Ure [455]
       
       Allgemeines Prinzip  der modernen Industrie: Erwachsne durch Kin-
       der, die  geschickten Arbeiter  durch die  ungeschickten,  Männer
       durch Weiber zu ersetzen.
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       1*) Berufsvereinigungen
       
       #539# Arbeitslohn
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       A u s g l e i c h u n g     d e s      A r b e i t s l o h n e s.
       Hauptcharakteristikum der modernen Industrie.
       
       VII. Rossi [456]
       
       Herr Rossi meint:
       Der Fabrikant  eskomptiert dem Arbeiter nur seinen Anteil am Pro-
       dukt, weil  dieser den  Verkauf desselben nicht abwarten kann. Es
       ist dies  eine Spekulation, die unmittelbar den Produktionsprozeß
       nichts angeht.  Kann der  Arbeiter selbst  sich erhalten  bis zum
       Verkauf des  Produkts, so  wird er als associé 1*) nachher seinen
       Anteil daran geltend machen.
       Also ist das Salär kein konstitutives Element des Produkt[s] 2*),
       wie das  Kapital und die Erde. Es ist nur ein Akzidens, eine Form
       unsres sozialen Zustandes. Das Salär gehört nicht zum Kapital.
       Das Salär ist kein der Produktion unentbehrlicher Faktor. Es kann
       in einer andren Arbeitsorganisation verschwinden.
       
       VIII. Cherbuliez
       
       1. "Die Vermehrung des produktiven Kapitals zieht nicht notwendig
       Vermehrung des  Approvisionnements für  die Arbeiter herbei. Roh-
       stoff und  Maschinen können  vermehrt, das Approvisionnement ver-
       mindert werden.
       Der Arbeitspreis hängt ab a) von der absoluten Quantität des pro-
       duktiven Kapitals;  b) von  dem Verhältnis zwischen den verschie-
       denen Elementen  des Kapitals, zwei soziale Tatsachen, worauf der
       Wille der Arbeiter keinen Einfluß ausüben kann.
       2. Es ist  weniger die  a b s o l u t e  Konsumtion des Arbeiters
       als seine  r e l a t i v e,  welche seine Lage glücklich oder un-
       glücklich macht.  Über die  notwendige Konsumtion  hinaus ist der
       W e r t   unserer Genüsse   w e s e n t l i c h   r e l a t i v."
       [457]
       
       Wenn man  vom Fallen  oder Steigen des Arbeitslohns spricht, darf
       man nie aus den Augen verlieren den ganzen Weltmarkt und die Lage
       der Arbeiterin den verschiednen Gegenden.
       Egalitärische und  sonstige Versuche,  den Arbeitslohn gerecht zu
       bestimmen.
       Das Minimum  des Arbeitslohnes selbst ändert sich und fällt immer
       mehr herab. Beispiel mit dem Branntwein.
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       1*) Teilhaber - 2*) (MEGA) der Produktion
       
       #540# Karl Marx - Aus dem handschriftlichen Nachlaß
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       IX. Bray
       
       Sparkassen [458]
       
       Dreifache Maschine  in den  Händen des  Despotismus und des Kapi-
       tals.
       1. Das Geld  fließt zurück  in die Nationalbank, diese macht Pro-
       fite, indem sie es wieder an die Kapitalisten verpumpt.
       2. Goldene Kette,  woran die  Regierung  einen  großen  Teil  der
       Arbeiterklasse hält.
       3. Ebenso dadurch  den Kapitalisten als solchen neue Waffe in die
       Hand gegeben.
       Wenn der  Arbeitslohn einmal  gefallen ist, steigt er nie mehr zu
       seiner früheren Höhe, der absolute und der relative Arbeitslohn.
       
       [C]
       
       I. Wie  wirkt das  Wachstum der  Produktivkräfte auf den Arbeits-
       lohn? (cf. VI. 3) 1*)
       
       Maschinerie: Teilung der Arbeit.
       Die Arbeit  wird vereinfacht. Ihre Produktionskosten kleiner. Sie
       wird wohlfeiler. Die Konkurrenz unter den Arbeitern wird größer.
       Der Übergang  von einem Arbeitszweig zum andren. Darüber Dr. Bow-
       ring selbst in bezug auf die Handbaumwollweber des Daccadistrikts
       in Indien im Parlament 1835. 2*)
       Die neue  Arbeit, in die der Arbeiter geschleudert wird, schlech-
       ter als  die frühere;  untergeordneter.  Arbeit  von  Erwachsenen
       durch die  der Kinder,  die der  Männer durch die der Weiber, die
       geschickteren Arbeiter durch ungeschicktere ersetzt.
       Entweder Arbeitsstunden  vermehrt  oder  Arbeitslohn  herunterge-
       setzt.
       Die Konkurrenz  unter den  Arbeitern nicht  nur, daß  einer  sich
       wohlfeiler verkauft  als der  andre, sondern daß einer die Arbeit
       von zweien tut.
       Das Wachstum der Produktivkräfte im allgemeinen hat die Folgen:
       a) Daß relativ  die Lage des Arbeiters gegen die des Kapitalisten
       sich verschlechtert,  und  der  Wert  der  Genüsse  relativ.  Die
       Genüsse selbst  sind ja  nichts als  soziale Genüsse, Relationen,
       Beziehungen.
       b) Der Arbeiter  wird eine immer einseitigere Produktivkraft, die
       in möglichst wenig Zeit möglichst viel produziert. Die geschickte
       Arbeit verwandelt sich immer mehr in einfache Arbeit.
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       1*) Siehe vorl. Band, S. 547-551 - 2*) siehe vorl. Band, S. 536
       #541# Arbeitslohn
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       c) Der  Arbeitslohn  wird  immer  mehr  abhängig  vom  Weltmarkt,
       spielermäßig die Lage des Arbeiters.
       d) In dem  produktiven Kapital  wächst der Teil für Maschinen und
       Rohstoff viel  schneller als  der für Approvisionnement. Die Ver-
       mehrung des produktiven Kapitals ist also nicht begleitet von ei-
       ner gleichmäßigen Vermehrung der Nachfrage nach Arbeit.
       Der Arbeitslohn hängt ab:
       alpha) von der Masse des produktiven Kapitals überhaupt;
       beta) von dem Verhältnis seiner Bestandteile.
       Auf beides hat der Arbeiter keinen Einfluß.
       (Wären nicht  die Schwankungen  des Lohnes, so nähme der Arbeiter
       gar keinen  Anteil an der Entwicklung der Zivilisation, er bliebe
       stationär.)
       Bei der Konkurrenz der Arbeiter mit der Maschine ist zu bemerken,
       daß die  Handarbeiter (z.B. die Handbaumwollweber) noch mehr lei-
       den als  die unmittelbar in der Fabrik beschäftigten Maschinenar-
       beiter.
       Jede Entwicklung  einer neuen  Produktivkraft zugleich eine Waffe
       gegen die Arbeiter. Z. B. alle Verbesserungen in den Kommunikati-
       onsmitteln erleichtern  die Konkurrenz  der Arbeiter in verschie-
       denen Orten  und machen  aus einer lokalen Konkurrenz eine natio-
       nale usw.
       Das Wohlfeilerwerden  aller Waren, was übrigens für die unmittel-
       barsten Lebensmittel  nicht der Fall ist, macht, daß der Arbeiter
       zusammengesetzte Lumpen trägt und sein Elend die Farben der Zivi-
       lisation trägt.
       
       II. Konkurrenz zwischen den Arbeitern und den Arbeitgebern
       
       alpha) Um den  relativen Arbeitslohn  zu bestimmen, ist zu bemer-
       ken, daß  ein Taler  für einen  Arbeiter und   e i n   Taler  für
       e i n e n   Arbeitgeber nicht  gleichen Wert  haben. Der Arbeiter
       muß alles  schlechter kaufen  und teurer.  Sein Taler kommandiert
       weder so viel noch so gute Ware als der des Arbeitgebers. Der Ar-
       beiter muß  V e r s c h w e n d e r  sein und gegen alle ökonomi-
       schen Grundsätze  einkaufen und  verkaufen. Wir müssen hier über-
       haupt bemerken,  daß wir  hier nur eine Seite im Auge halten, den
       A r b e i t s l o h n   selbst. Aber  die Exploitation des Arbei-
       ters beginnt  von neuem, sobald er den Preis 1*) für seine Arbeit
       wieder gegen andre Waren austauscht - Epicier, Pfandleiher, Haus-
       leiher, tout le monde l'exploite encore une fois 2*).
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       1*) (MEGA) die Frucht - 2*) alle beuten ihn noch einmal aus
       
       #542# Karl Marx - Aus dem handschriftlichen Nachlaß
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       beta) Indem der Arbeitgeber über die Beschäftigungsmittel komman-
       diert, kommandiert  er über die Lebensmittel des Arbeiters, d. h"
       sein Leben  hängt von  ihm ab;  wie der Arbeiter selbst seine Le-
       benstätigkeit zum bloßen Mittel seiner Existenz herabsetzt.
       gamma) Die Ware  Arbeit hat große Nachteile vor andren Waren. Für
       den Kapitalisten  handelt es  sich bei der Konkurrenz mit den Ar-
       beitern bloß um den Profit, bei den Arbeitern um die Existenz.
       Die Arbeit  ist   v e r g ä n g l i c h e r  Natur als die andren
       Waren. Sie  kann nicht akkumuliert werden. Die  Z u f u h r  kann
       nicht mit  derselben Leichtigkeit vermehrt oder vermindert werden
       als bei andren Waren.
       delta) Fabrikregime. Hausgesetzgebung.  Trucksystem, wo  der  Ar-
       beitgeber den Arbeiter betrügt, indem er den Preis der Waren auf-
       schlägt, den nominellen Arbeitslohn denselben läßt. [454]
       
       III. Konkurrenz der Arbeiter unter sich
       
       a) Nach einem  allgemeinen ökonomischen Gesetz kann es nicht zwei
       M a r k t p r e i s e  geben. Von 1000 Arbeitern von gleicher Ge-
       schicklichkeit bestimmen  den Arbeitslohn  nicht die 950 beschäf-
       tigten, sondern  die 50 unbeschäftigten. Einfluß der Irländer auf
       die Lage  der englischen  Arbeiter und der deutschen auf die Lage
       der Elsässer Arbeiter.
       b) Die Arbeiter  machen sich  Konkurrenz, nicht  nur, indem einer
       sich wohlfeiler  anbietet als  der andre, sondern indem einer für
       zwei arbeitet.
       Vorteile des  unverheirateten Arbeiters  über  den  verheirateten
       usw. Konkurrenz unter den Arbeitern vom Land und den Städten.
       
       IV. Schwankungen des Arbeitslohns
       
       Sie werden herbeigeführt:
       1. Durch Änderungen in den Moden.
       2. Wechsel der Jahreszeiten.
       3. Handelsschwankungen.
       Im Falle einer Krise
       alpha) wird  der Arbeiter  seine Ausgaben einschränken oder, [um]
       ihre Produktivität  zu vermehren,  entweder  längere  Stundenzahl
       oder mehr in derselben
       
       #543# Arbeitslohn
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       Stunde fabrizieren.  Da ihr  Lohn aber  reduziert ist,  weil  die
       Nachfrage nach  ihrem Produkt  abgenommen, vermehren sie noch das
       ungünstige Verhalten  der Zufuhr zur Nachfrage, und dann sagt der
       Bourgeois: Wenn  die Leute  nur arbeiten wollten. Ihr Arbeitslohn
       sinkt durch ihre Überanstrengung dann noch tiefer.
       beta) In Zeiten der Krise:
       Völlige Beschäftigungslosigkeit.  Herabsetzen des  Lohns. Bleiben
       des Lohns [453] und Verminderung der Arbeitstage.
       gamma) In allen  Krisen folgende  Zirkelbewegung in bezug auf die
       Arbeiter: Der  Arbeitgeber kann  die Arbeiter nicht beschäftigen,
       weil er  sein Produkt  nicht verkaufen kann. Er kann sein Produkt
       nicht verkaufen,  weil er keine Abnehmer hat. Er hat keine Abneh-
       mer, weil  die Arbeiter  nichts als ihre Arbeit auszutauschen ha-
       ben, und eben deswegen können sie ihre Arbeit nicht austauschen.
       delta) vom Steigen  des Arbeitslohns  gesprochen wird, ist zu be-
       merken, daß man immer den Weltmarkt im Auge haben muß und daß das
       Steigen des  Arbeitslohns außer Kraft 1*) dadurch ist, daß Arbei-
       ter in andern Ländern außer Brot gesetzt werden.
       
       V. Minimum des Arbeitslohns
       
       1. Der Taglohn,  den der  Arbeiter einnimmt,  ist der Profit, den
       dem Eigentümer seine Maschine, sein Leib, abwirft. Eingeschlossen
       hierin istdieSumme,  die nötig  ist, um  zu ersetzen das wear und
       tear 2*) der Maschine oder, was dasselbe ist, um alte, abgenutzte
       Arbeiter durch neue zu ersetzen.
       2. In dem  Minimum des  Salärs liegt es, daß z.B. die Abschaffung
       des Sonntags  ein reiner  Verlust für den Arbeiter wäre. Er müßte
       unter schwierigren Bedingungen seinen Arbeitslohn verdienen. Dies
       der Sinn  der wackern  Philanthropen, die gegen die Sonntagsfeier
       eifern.
       3. Obgleich das  Minimum des  Arbeitslohns im  Durchschnitt durch
       den Preis  der unentbehrlichsten  Lebensmittel bestimmt  wird, so
       ist doch zu bemerken:
       E r s t e n s:  daß das Minimum in den verschiedenen Ländern ver-
       schieden ist, z.B. die Kartoffel in Irland. [459]
       Z w e i t e n s:   nicht nur das. Das Minimum selbst hat eine hi-
       storische Bewegung  und sinkt  immer mehr zu dem absolut niedrig-
       sten level 3*) herab. Beispiel
       -----
       1*) (MEGA) erst erkauft - 2*) den Verschleiß - 3*) Niveau
       
       #544# Karl Marx - Aus dem handschriftlichen Nachlaß
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       mit dem Branntwein. Erst aus Weintrester, dann aus Korn, dann aus
       Schnaps gebrannt.
       Um den  wirklich niedrigsten  level des  Minimums herbeizuführen,
       dazu tragen bei nicht nur
       1. die allgemeine Entwicklung der Produktionsmaschinerie, Teilung
       der Arbeit,  zunehmende und von den lokalen Fesseln befreite Kon-
       kurrenz der Arbeiter unter sich, sondern
       2. das Wachstum  der Steuern  und die größere Kostspieligkeit des
       Staatshaushalts, denn  obgleich, wie  wir gesehn  haben, das  Ab-
       schaffen einer  Steuer dem  Arbeiter nichts nützt, so schadet ihm
       das Auflegen  jeder neuen,  solange das  Minimum des  Salärs noch
       nicht auf  seinen letztmöglichen  Ausdruck gesunken ist, und dies
       ist der  Fall mit allen Perturbationen und Erschwerungen des bür-
       gerlichen. Verkehrs.  Das Wachstum  der Steuern, um dies nebenbei
       zu bemerken,  wird zum  Ruin der kleinen Bauern, Bürger und Hand-
       werker.
       Beispiel nach dem Befreiungskrieg. Der Fortschritt der Industrie,
       der wohlfeilere Produkte und Surrogate aufbringt.
       3. Dies Minimum  strebt sich  auszugleichen in  den verschiedenen
       Ländern.
       4. Wenn der  Arbeitslohn einmal  gefallen ist  und später  wieder
       steigt, so steigt er dagegen nie mehr zu seiner frühren Höhe.
       Im Laufe  der Entwicklung  fällt also  der  Arbeitslohn  doppelt:
       E r s t e n s:   relativ im Verhältnis zur Entwicklung des allge-
       meinen Reichtums.
       Z w e i t e n s:  absolut, indem die Quantität Waren, die der Ar-
       beiter im Austausch erhält, immer geringer wird.
       5. In  dem Lauf der großen Industrie wird die Zeit immer mehr zum
       Maß des  Werts der  Waren, also  auch zum  Maß des  Arbeitslohns.
       Zugleich wird die Produktion der Ware Arbeit immer wohlfeiler und
       kostet immer weniger Arbeitszeit im Lauf der Zivilisation.
       Der Bauer  hat noch  freie Zeit und kann nebenbei verdienen. Aber
       die große  Industrie (nicht  die Manufakturindustrie)  hebt diese
       patriarchalische [Lage] auf. Jeder Moment des Lebens, des Daseins
       des Arbeiters wird so immer mehr in den Schacher hereingezogen.
       
       (Jetzt noch folgende Abschnitte:
       1. Vorschläge zur  Verbesserung der  Lage der  Arbeiter. Malthus.
       Rossi usw. Proudhon. Weitling.
       2. Arbeiterassoziationen.
       3. Positive Bedeutung der salarierten Arbeit.)
       
       #545# Arbeitslohn
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       VI. Vorschläge zur Abhilfe
       
       1.  Einer   der  beliebtesten   Vorschläge  ist  das  System  der
       S p a r k a s s e n.   Wir wollen  gar nicht sprechen von der Un-
       möglichkeit, worin sich der größte Teil der Arbeiterklasse befin-
       det, zu sparen.
       Der Zweck - wenigstens der strikt ökonomische Sinn der Sparkassen
       - soll sein: daß die Arbeiter durch ihre eigne Vorsicht und Klug-
       heit die  gute Arbeitszeit  mit der  schlechten ausgleichen, d.h.
       ihren Arbeitslohn  in dem  Zyklus, den  die industrielle Bewegung
       durchläuft, so verteilen, daß sie wirklich nie mehr als das Mini-
       mum des Arbeitslohnes, das zum Leben Unentbehrliche, ausgeben.
       Wir haben  aber gesehn,  daß nicht  nur die  Schwankungen des Ar-
       beitslohns den Arbeiter eben revolutionieren, sondern daß er ohne
       das momentane  Steigen desselben über das Minimum von allen Fort-
       schritten der Produktion, des öffentlichen Reichtums, der Zivili-
       sation ausgeschlossen  bliebe, also  von  aller  Möglichkeit  der
       Emanzipation.
       Er soll sich so selbst in eine bürgerliche Rechenmaschine verwan-
       deln, die  Knickerei in ein System bringen und der Lumperei einen
       stationären, konservativen Charakter geben.
       Abgesehn hiervon ist das Sparkassensystem eine dreifache Maschine
       des Despotismus:
       alpha) Die Sparkasse  ist die  goldene Kette, woran die Regierung
       einen großen  Teil der Arbeiterklasse hält. Sie bekommen so nicht
       nur ein  Interesse an  der Erhaltung der bestehenden Zustände. Es
       tritt nicht  nur Spaltung  ein zwischen  dem Teil  der  Arbeiter-
       klasse, der  an den Sparkassen beteiligt, und dem Teil, der nicht
       an denselben beteiligt ist. Die Arbeiter liefern so ihren Feinden
       selbst Waffen  in die Hand zur Erhaltung der bestehenden, sie un-
       terjochenden Organisation der Gesellschaft.
       beta) Das Geld  fließt zurück in die Nationalbank, diese verpumpt
       es den  Kapitalisten wieder,  und beide teilen sich in den Profit
       und vermehren  so mit  dem ihnen  zu Lumpenzinsen vom Volk gelie-
       henen Geld  - was  eben erst  durch diese Zentralisation zu einem
       mächtigen industriellen  Hebel wird  - ihr  Kapital, ihre direkte
       Herrschermacht gegenüber dem Volk.
       2. Ein anderer  von den  Bürgern sehr beliebter Vorschlag ist die
       E r z i e h u n g,  speziell die allseitige  i n d u s t r i e l-
       l e  E r z i e h u n g.
       alpha) Wir wollen  nicht auf  den abgeschmackten Widerspruch auf-
       merksam machen,  der darin liegt, daß die moderne Industrie immer
       mehr die komplizierte
       
       #546# Karl Marx · Aus dem handschriftlichen Nachlaß
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       Arbeit durch  die einfache,  wozu es keiner Erziehung bedarf, er-
       setzt; wir  wollen nicht  darauf aufmerksam machen, daß sie immer
       mehr Kinder  vom siebenten  Jahr an hinter die Maschine wirft und
       zu Erwerbsquellen  nicht nur für die Bourgeoisklasse, sondern für
       ihre eignen  proletarischen Eltern  macht; das Fabrikwesen verei-
       telt die  Schulgesetze -  Beispiel Preußen; wir wollen auch nicht
       darauf aufmerksam  machen, daß die geistige Bildung, wenn der Ar-
       beiter sie  hätte, gar  nicht direkt  auf seinen Arbeitslohn ein-
       wirkt, daß  die Erziehung  überhaupt von  den Lebensverhältnissen
       abhängt und  daß der  Bourgeois unter  moralischer Erziehung  die
       Eintrichterung bürgerlicher Grundsätze [versteht] und daß endlich
       die Bourgeoisklasse weder die Mittel hat noch, wenn sie dieselben
       hätte, sie  anwenden würde, um dem Volke eine wirkliche Erziehung
       zu bieten.
       Wir beschränken  uns, nur  einen rein  ökonomischen Gesichtspunkt
       hervorzuheben.
       beta) Der eigentliche Sinn, den die Erziehung bei den philanthro-
       pischen Ökonomen  hat, ist der: jeden Arbeiter möglichst viel Ar-
       beitszweige kennenzulernen, so daß, wenn er durch Anwendung neuer
       Maschinen oder durch eine veränderte Teilung der Arbeit aus einem
       Zweig herausgeworfen  wird, er  möglichst leicht  in einem andern
       Unterkommen finden kann.
       Gesetzt, dies sei möglich:
       Die Folge davon würde sein, daß, wenn in einem Arbeitszweig Über-
       fluß vorhanden  wäre an  Händen, dieser  Überfluß sofort in allen
       andern Arbeitszweigen  stattfinden und  noch mehr  wie bisher die
       Herabsetzung des  Arbeitslohns in einem Geschäft unmittelbar eine
       allgemeine Herabsetzung des Arbeitslohns nach sich ziehn würde.
       Ohnehin schon,  indem die  moderne Industrie  überall die  Arbeit
       sehr vereinfacht und leicht erlernbar macht, wird das Steigen des
       Lohns in  einem Industriezweig  sofort das Zuströmen der Arbeiter
       zu diesem  Industriezweig hervorrufen  und  die  Lohnherabsetzung
       mehr oder  minder unmittelbar  einen allgemeinen Charakter anneh-
       men.
       Auf die vielen kleinen Palliative, die von bürgerlicher Seite ge-
       macht werden, können wir hier natürlich nicht eingehen. 1*)
       3. Wir müssen  aber auf einen dritten Vorschlag kommen, der prak-
       tisch sehr  bedeutsame Folgen  nach sich  gezogen hat und täglich
       nach sich zieht - die  M a l t h u s i s c h e  T h e o r i e.
       Diese ganze  Theorie, soweit  wir sie  hier zu  betrachten haben,
       läuft auf folgendes hinaus:
       -----
       1*) (von Marx nachträglich eingefügt) Pauperismus
       
       #547# Arbeitslohn
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       alpha) Die Höhe  des Arbeitslohns hängt ab von dem Verhältnis der
       Arbeitshände, die  sich anbieten,  zu den Arbeitshänden, die ver-
       langt werden.
       Der Arbeitslohn kann wachsen auf eine doppelte Weise.
       Entweder, wenn  das Kapital, das die Arbeit in Bewegung setzt, so
       rasch zunimmt, daß die Nachfrage nach Arbeitern rascher zunimmt -
       in einer schnellern Progression - als ihre Zufuhr.
       Oder zweitens,  indem die  Bevölkerung so langsam wächst, daß die
       Konkurrenz unter  den Arbeitern schwach bleibt, obgleich das pro-
       duktive Kapital nicht rasch anwächst.
       Auf die  eine Seite  des Verhältnisses, auf das Wachstum des pro-
       duktiven Kapitals, könnt ihr Arbeiter keinen Einfluß ausüben.
       Dagegen wohl auf die andre Seite.
       Ihr könnt  die Zufuhr  unter den  Arbeitern, d. h. die Konkurrenz
       unter den  Arbeitern, vermindern, indem ihr möglichst wenige Kin-
       der macht.
       Um die  ganze Dummheit,  Niederträchtigkeit und  Heuchelei dieser
       Doktrin zu enthüllen, genügt folgendes:
       beta) (Dies ist  ad I  zu setzen:  Wie  wirkt  das  Wachstum  der
       Produktivkräfte auf den Arbeitslohn?)
       Der Arbeitslohn  wächst,  wenn  die  Nachfrage  nach  der  Arbeit
       wächst. Diese  Nachfrage wächst, wenn das Kapital, das die Arbeit
       in Bewegung setzt, wächst, d. h., wenn das produktive Kapital zu-
       nimmt.
       Hierbei sind nun zwei Hauptbemerkungen zu machen:
       E r s t e n s:   Eine Hauptbedingung für das Steigen des Arbeits-
       lohns ist das Wachstum des produktiven Kapitals und ein möglichst
       rasches Wachsen  desselben. Die  Hauptbedingung für den Arbeiter,
       in einer  passablen Lage zu sein, ist also die, seine Lage gegen-
       über der  Bourgeoisklasse immer  mehr herabzudrücken,  die  Macht
       seines Gegners  - das Kapital - möglichst zu vermehren. D.h., nur
       unter der  Bedingung kann er in einer passablen Lage sein, daß er
       die ihm  feindselige Macht,  seinen eignen Gegensatz, erzeugt und
       verstärkt. Unter dieser Bedingung, indem er diese ihm feindselige
       Macht erschafft,  strömen ihm  von derselben Beschäftigungsmittel
       zu, die  von neuem ihn zu einem Teil des produktiven Kapitals ma-
       chen und  zum Hebel,  der dasselbe vermehrt und in eine beschleu-
       nigte Bewegung des Anwachsens schleudert.
       Nebenbei bemerkt,  wenn man dieses Verhältnis von Kapital und Ar-
       beit begriffen  hat, so erscheinen alle fourieristischen und son-
       stigen Vermittlungsversuche in ihrer ganzen Lächerlichkeit.
       Z w e i t e n s:   Nachdem wir  so überhaupt  dies verrückte Ver-
       hältnis erklärt  haben, kömmt  ein zweites, noch wichtigeres Ele-
       ment hinzu.
       
       #548# Karl Marx · Aus dem handschriftlichen Nachlaß
       -----
       Nämlich, was  heißt das:  Wachstum des  produktiven Kapitals, und
       unter welchen Bedingungen geht es vor sich?
       Wachstum des  Kapitals ist  - Akkumulation  und Konzentration des
       Kapitals. In  demselben Maß, wie das Kapital sich akkumuliert und
       konzentriert, führt es:
       zur Arbeit  auf einer  größern Stufenleiter  und daher  zu  einer
       neuen Arbeitsteilung, die die Arbeit noch mehr vereinfacht;
       dann zur  Einführung der Maschinerie auf einer größern Stufenlei-
       ter und zur Einführung von neuen Maschinen.
       Das heißt  also, in  demselben Maß,  wie das  produktive  Kapital
       wächst: wächst
       die Konkurrenz  unter den Arbeitern, weil die Arbeitsteilung sich
       vereinfacht und jeder Arbeitszweig jedem zugänglicher ist.
       Die Konkurrenz  wächst ferner  unter ihnen, weil sie in demselben
       Maß mit  den Maschinen  zu konkurrieren haben und von ihnen außer
       Brot geworfen werden. Die Konzentration und Akkumulation des pro-
       duktiven Kapitals, indem sie die Stufenleiter, auf der produziert
       wird, immer größer macht; indem ferner durch die Konkurrenz unter
       den angebotnen Kapitalien der Geldzins immer mehr fällt,
       bringt also hervor:
       Die kleinen  Industrieunternehmungen gehn  zugrund und können die
       Konkurrenz mit den großen nicht aushalten. Ganze Bestandteile der
       Bourgeoisklasse werden  in die  Arbeiterklasse herabgeworfen. Die
       Konkurrenz unter  den Arbeitern  wird also  vergrößert durch  den
       Ruin der  kleinen Industriellen,  der fataliter verbunden ist mit
       dem Wachstum des produktiven Kapitals.
       Und zur  selben Zeit,  weil der Geldzins fällt, werden die früher
       nicht direkt  an der  Industrie beteiligten  kleinen Kapitalisten
       gezwungen, industriell  zu werden,  d. h. noch neue Schlachtopfer
       der großen  Industrie zuzuführen.  Also auch von dieser Seite her
       wird die  Arbeiterklasse vergrößert  und die Konkurrenz unter den
       Arbeitern vermehrt.
       Indem das  Wachstum der  Produktivkräfte das  Arbeiten auf  einer
       größern Stufenleiter nach sich zieht, wird die momentane Überpro-
       duktion immer nötiger, der Weltmarkt immer ausgedehnter, bei uni-
       versellerer Konkurrenz. Also die Krisen immer heftiger. So plötz-
       liches Encouragementmittel  den Arbeitern  zum Heiraten  und  zur
       Vermehrung gegeben, sie in großen Massen agglomeriert und konzen-
       triert und ihr Lohn immer schwankender. Jede neue Krise ruft also
       unmittelbar eine viel größere Konkurrenz unter den Arbeitern her-
       vor.
       
       #549# Arbeitslohn
       -----
       Im allgemeinen:  Das Wachstum  der Produktivkräfte, mit ihren ra-
       schern Kommunikationsmitteln, beschleunigter Zirkulation, fieber-
       haftem Kapitalumsatz,  besteht darin,  daß in derselben Zeit mehr
       produziert werden  kann, also nach dem Gesetz der Konkurrenz mehr
       produziert werden  muß. D.h.,  die Produktion  findet unter immer
       schwierigeren Bedingungen statt, und damit unter diesen Bedingun-
       gen die  Konkurrenz ausgehalten werden kann, muß auf immer größe-
       rer Stufenleiter  gearbeitet, das  Kapital immer  mehr in einigen
       Händen konzentriert werden. Und damit dieses Produzieren auf grö-
       ßerer Stufenleiter fruchtbringend sei, muß die Teilung der Arbeit
       und die  Maschinerie beständig  und  unverhältnismäßig  erweitert
       werden.
       Dies Produzieren  unter immer  schwierigem Bedingungen  erstreckt
       sich auch  auf den  Arbeiter als  einen Teil des Kapitals. Er muß
       unter immer  schwierigem Bedingungen, d.h. für immer weniger Lohn
       und mehr  Arbeit, für  immer wohlfeilere  Produktionskosten  mehr
       produzieren. So  wird das Minimum selbst immer mehr auf eine grö-
       ßere Kraftanstrengung  bei dem  Minimum des  Lebensgenusses redu-
       ziert.
       Mißverhältnis steigt geometrisch, nicht arithmetisch. 1*)
       Das Wachstum  der Produktivkräfte  führt also  mit sich vermehrte
       Herrschaft des großen Kapitals, vermehrte Versimplung und Verein-
       fachung der Maschine, genannt Arbeiter, vermehrte direkte Konkur-
       renz unter den Arbeitern durch vergrößerte Teilung der Arbeit und
       Maschinenanwendung, durch  Prämie, die  förmlich auf Menschenpro-
       duktion 2*)  gesetzt ist,  durch die  Konkurrenz  der  ruinierten
       Bourgeoisklassenfraktionen usw.
       Wir können die Sache noch einfacher formulieren:
       Das produktive Kapital besteht aus drei Bestandteilen:
       1. der Rohstoff, der bearbeitet wird;
       2. die  Maschinen und Materialien, wie Kohlen usw., die zur Trei-
       bung der Maschinen nötig sind, Gebäulichkeiten u. dgl.;
       3. der Teil des Kapitals, der zum Unterhalt der Arbeiter bestimmt
       ist. Wie  verhalten sich  nun beim Wachstum des produktiven Kapi-
       tals diese drei Bestandteile desselben zueinander?
       Mit dem Wachstum des produktiven Kapitals ist seine Konzentration
       verbunden und  mit dieser,  daß es nur auf immer größerer Stufen-
       leiter exploitiez gewinnbringend sein kann.
       Ein großer  Teil des  Kapitals wird also direkt in Arbeitsinstru-
       ment verwandelt  werden und  als solches  tätig sein, und je mehr
       die Produktivkräfte
       -----
       1*) Dieser Satz von Marx auf den Rand des Manuskripts geschrieben
       - 2*) (MEGA) Maschinenproduktion
       
       
       #550# Karl Marx - Aus dem handschriftlichen Nachlaß
       -----
       wachsen, desto größer wird dieser unmittelbar in Maschinerie ver-
       wandelte Teil des Kapitals sein.
       Die Vergrößerung  der Maschinerie  sowohl wie die der Arbeitstei-
       lung zieht  nach sich,  daß in kürzerer Zeit ungleich mehr produ-
       ziert werden  kann. Also muß der Vorrat des Rohstoffs in gleichem
       Verhältnis wachsen.  Im Lauf  des Wachstums des produktiven Kapi-
       tals vergrößert  sich notwendig  der in Rohstoff verwandelte Teil
       des Kapitals.
       Es bleibt nun der dritte Teil des produktiven Kapitals übrig, der
       zum Unterhalt der Arbeiter bestimmt ist, d.h., der in Arbeitslohn
       sich umsetzt.
       Wie verhält  sich nun  das Wachstum  dieses Teils des produktiven
       Kapitals zu den beiden andern?
       Die größere Teilung der Arbeit bringt es mit sich, daß ein Arbei-
       ter soviel produziert wie früher drei,vier, fünf. Die Maschinerie
       hat dasselbe Verhältnis in ungleich größerem Maßstab zur Folge.
       Es versteht  sich also  zunächst von selbst, daß das Wachstum der
       in Maschinerie und Rohstoff umgesetzten Teile des produktiven Ka-
       pitals nicht  begleitet ist  von einem ähnlichen Wachstum des für
       den Arbeitslohn  bestimmten Teils  des Kapitals.  In diesem Falle
       wäre ja  der Zweck  der Anwendung der Maschinerie und der vergrö-
       ßerten Arbeitsteilung  verfehlt. Es  ergibt sich also von selbst,
       daß der  für den Arbeitslohn bestimmte Teil des produktiven Kapi-
       tals nicht  in demselben  Maß wächst  wie der für Maschinerie und
       Rohstoff bestimmte  Teil desselben.  Noch mehr. In demselben Maß,
       wie das  produktive Kapital  wächst, d. h. die Macht des Kapitals
       als solcher,  in demselben  Maß wächst das Mißverhältnis zwischen
       dem in  Rohstoff und  Maschinen gesteckten  Kapital zu dem im Ar-
       beitslohn ausgelegten  Kapital. Das  heißt also,  der für den Ar-
       beitslohn bestimmte  Teil des  produktiven  Kapitals  wird  immer
       kleiner verhältnismäßig  zu dem als Maschine und Rohstoff wirken-
       den Teil des Kapitals.
       Nachdem der Kapitalist ein größeres Kapital in Maschinen gesteckt
       hat, ist  er gezwungen,  ein größeres  Kapital auf den Ankauf des
       Rohstoffs und des zur Treibung der Maschinen nötigen Rohstoffs zu
       verwenden. Hat  er aber  früher 100 Arbeiter beschäftigt, so wird
       er jetzt vielleicht nur 50 nötig haben. Er müßte sonst die andren
       Teile des  Kapitals vielleicht  noch einmal verdoppeln, d. h. das
       Mißverhältnis noch größer machen. Er wird also 50 entlassen, oder
       die 100 müssen für denselben Preis arbeiten wie früher 50. Es be-
       finden sich also überflüssige Arbeiter auf dem Markt.
       Bei verbesserter Arbeitsteilung wird nur das Kapital für den Roh-
       stoff vermehrt  werden müssen.  An die  Stelle von drei Arbeitern
       wird vielleicht einer treten.
       
       #551# Arbeitslohn
       -----
       Gesetzt aber  den günstigsten  Fall. Der  Kapitalist dehne  seine
       Unternehmung so aus, daß er nicht nur die bisherige Anzahl seiner
       Arbeiter beibehalten  kann - und es liegt ihm natürlich nicht die
       Laus daran, so lang abzuwarten, bis er das kann -, sondern selbst
       sie noch vermehrt, so hat also die Produktion in einer ungeheuren
       Weise vermehrt  werden müssen, um die gleiche Arbeiterzahl beizu-
       behalten oder  sie gar noch vermehren zu können, und das Verhält-
       nis der  Arbeiterzahl im  Verhältnis zu  den Produktivkräften ist
       relativ unendlich mehr Mißverhältnis geworden. Die Überproduktion
       wird dadurch  beschleunigt, und  bei der nächsten Krise sind mehr
       Arbeiter unbeschäftigt als jemals.
       Es ist also allgemeines Gesetz, was aus der Natur des Verhältnis-
       ses von  Kapital und Arbeit notwendig hervorgeht, daß im Lauf des
       Wachstums der  Produktivkräfte der Teil des produktiven Kapitals,
       der in Maschinerie und Rohstoff verwandelt wird, d.h. das Kapital
       als solches, unverhältnismäßig wächst gegen den Teil, der für den
       Arbeitslohn bestimmt  wird; d.h.  mit andern Worten: Die Arbeiter
       haben sich  verhältnismäßig zur Gesamtmasse des produktiven Kapi-
       tals in einen immer kleineren Teil desselben zu teilen. Ihre Kon-
       kurrenz wird  also immer  heftiger. In andern Worten: Je mehr das
       produktive Kapital wächst, um so mehr vermindern sich verhältnis-
       mäßig die  Beschäftigungs- oder Lebensmittel für die Arbeiter, um
       so rascher noch wächst, in andern Worten, die arbeitende Bevölke-
       rung im Verhältnis zu ihren Beschäftigungsmitteln. Und zwar nimmt
       dies in  demselben Maß zu, worin das produktive Kapital im allge-
       meinen wächst.
       Um das  oben angedeutete  Mißverhältnis auszugleichen,  muß es in
       geometrischer Proportion  vergrößert werden, und um es nachher in
       Zeiten der Krise zu readjustieren, wird es noch mehr vergrößert.
       Dieses Gesetz,  was rein aus dem Verhältnis des Arbeiters zum Ka-
       pital hervorgeht und also selbst den günstigsten Zustand für ihn,
       das rasche  Wachstum des produktiven Kapitals, zu einem ungünsti-
       gen macht,  haben die  Bourgeois in ein Naturgesetz aus einem ge-
       sellschaftlichen verwandelt,  indem sie  sagen,  die  Bevölkerung
       wachse nach  einem Naturgesetz  rascher als  die  Beschäftigungs-
       oder Lebensmittel.
       Sie haben  nicht begriffen, daß im Wachstum des produktiven Kapi-
       tals das Wachstum dieses Widerspruchs eingeschlossen ist.
       Wir werden später darauf zurückkommen.
       Produktivkraft, besonders  die gesellschaftliche Kraft der Arbei-
       ter selbst, ihnen nicht bezahlt, sogar gegen sie gerichtet.
       gamma) Erste Abgeschmacktheit:
       Wir haben  gesehn, daß, wenn das produktive Kapital wächst - gün-
       stigster
       
       #552# Karl Marx - Aus dem handschriftlichen Nachlaß
       -----
       Fall, den  die Ökonomen  voraussetzen -,  wenn also die Nachfrage
       nach Arbeit  verhältnismäßig wächst,  es in dem Charakter der mo-
       dernen Industrie  und der  Natur des  Kapitals liegt, daß die Be-
       schäftigungsmittel für die Arbeiter nicht im selben Maße wachsen,
       daß dieselben  Umstände, die  das produktive  Kapital wachsen ma-
       chen, noch  rascher das  Mißverhältnis zwischen  Zufuhr und Nach-
       frage von Arbeit wachsen machen, mit einem Wort, daß das Wachstum
       der Produktivkräfte  zugleich das  Mißverhältnis zwischen den Ar-
       beitern und  ihren Beschäftigungsmitteln  wachsen macht. Es hängt
       dies ab  weder von  der Vermehrung  der Lebensmittel noch von der
       Vermehrung der Population für sich betrachtet. Es folgt dies not-
       wendig aus  der Natur der großen Industrie und dem Verhältnis von
       Arbeit und Kapital.
       Schreitet aber  das Wachstum des produktiven Kapitals nur langsam
       voran, bleibt  es stationär  oder nimmt es gar ab, so ist die Ar-
       beiterzahl immer zu groß im Verhältnis zur Nachfrage nach Arbeit.
       In beiden,  dem günstigsten und ungünstigsten Fall, folgt aus dem
       Verhältnis der  Arbeit zum  Kapital, aus  der Natur  des Kapitals
       selbst, daß  die Zufuhr von Arbeitern immer zu groß sein wird ge-
       gen die Nachfrage nach Arbeit.
       delta) Abgesehn von  dem Unsinn, daß die ganze Arbeiterklasse un-
       möglich den  Beschluß fassen  kann, keine Kinder zu machen, macht
       im Gegenteil  ihre Lage  den Geschlechtstrieb  zum Hauptgenuß und
       entwickelt ihn einseitig.
       Nachdem die  Bourgeoisie die Existenz des Arbeiters auf ein Mini-
       mum herabgedrückt, will sie auch noch seine Reproduktionsakte auf
       ein Minimum beschränken.
       epsilon) Wie wenig  ernst es  übrigens der Bourgeoisie mit diesen
       Phrasen und  Ratschlägen ist  und sein  kann, geht  aus folgendem
       hervor:
       E r s t e n s:   Die moderne Industrie, indem sie Erwachsne durch
       Kinder verdrängt,  teilt eine  wahre Prämie  auf das Kindermachen
       aus.
       Z w e i t e n s:   Die große Industrie bedarf beständig einer Re-
       servearmee unbeschäftigter  Arbeiter für  die Zeiten der Überpro-
       duktion. Der  Hauptzweck des Bourgeois gegenüber dem Arbeiter ist
       ja überhaupt,  die Arbeitsware  möglichst wohlfeil  zu haben, was
       nur möglich  ist, wenn  die Zufuhr dieser Ware möglichst groß ist
       im Verhältnis  zur Nachfrage nach derselben, d.h., wenn möglichst
       viel Überbevölkerung stattfindet.
       Die Überbevölkerung  ist also  im Interesse  der Bourgeoisie, und
       sie erteilt  dem Arbeiter  einen guten Rat, von dem sie weiß, daß
       er unmöglich auszuführen ist.
       zeta) Da das Kapital sich nur dann vermehrt, wenn es Arbeiter be-
       schäftigt, so schließt Vermehrung des Kapitals ein Vermehrung des
       Proletariats, und,
       
       #553# Arbeitslohn
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       wie wir  gesehn haben, muß, der Natur des Verhältnisses von Kapi-
       tal und  Arbeit gemäß,  die Vermehrung  des Proletariats  relativ
       noch schneller vor sich gehn.
       eta) Indes  die obenerwähnte  Theorie, die sich auch gern als Na-
       turgesetz so  ausdrückt, daß  die Bevölkerung  rascher wächst als
       die Lebensmittel,  ist dem  Bourgeois um so willkommener, als sie
       sein Gewissen  beschwichtigt, ihm  die Hartherzigkeit  zur Moral-
       pflicht gemacht,  die Folgen der Gesellschaft zu Folgen der Natur
       gemacht und ihm endlich Gelegenheit gibt, sowohl ruhig dem Unter-
       gang des Proletariats durch Hungersnot wie anderen Naturereignis-
       sen zuzusehen,  ohne sich  zu rühren,  und andererseits das Elend
       des Proletariats als seine eigene Schuld zu betrachten und zu be-
       strafen. Der Proletarier kann ja den Naturinstinkt durch Vernunft
       zügeln und  so durch  moralische Überwachung das Naturgesetz auf-
       halten in seinem schädlichen Entwicklungsgang.
       theta) Als Anwendung  dieser Theorie  kann die  Armengesetzgebung
       betrachtet werden.  Rattenvertilgung.  Arsenik.  Workhouses  1*).
       Pauperismus überhaupt.  Tretmühle wieder  innerhalb der Zivilisa-
       tion. Die Barbarei erscheint wieder, aber aus dem Schoß der Zivi-
       lisation selbst  erzeugt und ihr angehörig; daher aussätzige Bar-
       barei, Barbarei  als Aussatzkrankheit der Zivilisation. Die work-
       houses die Bastillen des Arbeiters. Trennung von Frau und Mann.
       4. Wir kommen  jetzt kurz  auf die  zu sprechen, die die Lage des
       Arbeiters verbessern  wollen durch eine andere Bestimmung des Ar-
       beitslohns.
       Proudhon.
       5. Schließlich unter  dem, was philanthropische Ökonomen über den
       Arbeitslohn bemerkt haben, ist noch eine Ansicht zu erwähnen.
       alpha) Unter  andern  Ökonomen  hat  namentlich  Rossi  folgendes
       auseinandergesetzt:
       Der Fabrikant  eskomptiert dem Arbeiter nur seinen Anteil am Pro-
       dukt, weil  dieser den  Verkauf desselben  nicht  abwarten  kann.
       Könnte der Arbeiter selbst sich erhalten bis zum Verkauf des Pro-
       dukts, so  würde er  als associé  2*) nachher seinen Anteil daran
       geltend machen  wie zwischen dem eigentlichen und dem industriel-
       len Kapitalisten.  Daß der  Anteil des  Arbeiters also gerade die
       Form des Salärs hat, ist ein Zufall, es ist dies das Resultat ei-
       ner Spekulation, eines besondern Akts, der neben dem Produktions-
       prozeß nebenbei spielt und kein notwendiges konstitutives Element
       desselben bildet. Das Salär ist nur eine akzidentelle Form unsers
       sozialen Zustands. Es gehört nicht notwendig
       -----
       1*) Arbeitshäuser - 2*) Teilhaber
       
       #554# Karl Marx - Aus dem handschriftlichen Nachlaß
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       zum Kapital.  Es ist  kein zur Produktion unentbehrliches Faktum.
       Es kann in einer andern Gesellschaftsorganisation verschwinden.
       beta) Dieser  ganze Witz  läuft darauf  hinaus: Wenn die Arbeiter
       genug aufgehäufte  Arbeit, d.h.  genug Kapital  besäßen, um nicht
       unmittelbar vom  Verkauf ihrer  Arbeit leben  zu müssen, so fiele
       die Form  des Salärs fort. D.h. wenn alle Arbeiter zugleich Kapi-
       talisten wären;  d.h. also das Kapital voraussetzen und beibehal-
       ten ohne  den Gegensatz der salarierten Arbeit, ohne den es nicht
       existieren kann.
       gamma) Indes ist  dies Zugeständnis  mitzunehmen. Das  Salär  ist
       keine akzidentelle  Form der  bürgerlichen Produktion,  aber  die
       ganze bürgerliche  Produktion ist eine vorübergehende historische
       Form der  Produktion. Alle  ihre Verhältnisse,  Kapital wie Salär
       wie Grundrente usw., sind vorübergehend und abschaffbar auf einem
       gewissen Punkt der Entwicklung.
       
       
       VII. Die Arbeiterassoziationen
       
       Ein Moment in der Bevölkerungstheorie war, daß sie die Konkurrenz
       unter den  Arbeitern vermindern  will. Die  Assoziationen dagegen
       haben den Zweck, sie  a u f z u h e b e n  und an ihre Stelle die
       V e r e i n i g u n g  unter den Arbeitern zu setzen.
       Was die Ökonomen gegen die Assoziationen bemerken, ist richtig:
       1. Kosten, die  sie den  Arbeitern verursachen,  meist größer als
       die Gewinnerhöhung, die sie erlangen wollen. Auf die Dauer können
       sie den Gesetzen der Konkurrenz nicht widerstehn. Diese Koalitio-
       nen rufen hervor neue Maschinen, neue Arbeitsteilung, Deplacement
       von einem  Produktionsort an den andern. Infolge von allem diesem
       Verminderung des Arbeitslohns.
       2. Gelänge es den Koalitionen, in einem Lande den Arbeitspreis so
       hoch zu  halten, daß der Profit bedeutend fiele im Verhältnis zum
       Durchschnittsprofit in  andern Ländern  oder daß  das Kapital  in
       seinem Wachstum  aufgehalten würde,  so wäre die Stockung und der
       Rückgang der Industrie die Folge, und die Arbeiter wären ruiniert
       mit ihren  Herrn. Denn  das ist,  wie wir gesehen haben, die Lage
       des Arbeiters.  Seine Lage  verschlimmert sich  sprungweise, wenn
       das produktive  Kapital wächst,  und er  ist von  vornherein rui-
       niert, wenn es abnimmt oder stationär bleibt.
       3. Alle diese  Einwürfe der bürgerlichen Ökonomisten sind wie ge-
       sagt richtig,  aber nur richtig von ihrem Gesichtspunkt aus. Han-
       delte es  sich in den Assoziationen wirklich nur um das, worum es
       sich zu handeln scheint, nämlich
       
       #555# Arbeitslohn
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       um die  Bestimmung des  Arbeitslohns, wäre das Verhältnis von Ar-
       beit und  Kapital ein  ewiges, so würden diese Koalitionen an der
       Notwendigkeit der  Dinge erfolglos  scheitern. Aber  sie sind das
       Mittel der  Vereinigung der  Arbeiterklasse, der Vorbereitung zum
       Sturz der ganzen alten Gesellschaft mit ihren Klassengegensätzen.
       Und von  diesem Standpunkt aus lachen die Arbeiter mit Recht über
       die klugen  bürgerlichen Schulmeister,  die ihnen vorrechnen, was
       ihnen dieser  Bürgerkrieg an  Gefallenen, Verwundeten und Geldop-
       fern kostet.  Wer den Gegner schlagen will, wird nicht die Kosten
       des Kriegs  mit ihm  diskutieren. Und  wie wenig  die Arbeiter so
       engherzig sind,  beweist den  Ökonomen selbst der Faktor, daß die
       bestbezahlten Fabrikarbeiter  die meisten  Koalitionen machen und
       daß die  Arbeiter alles, was sie abknapsen können von ihrem Lohn,
       auf Bildung  politischer und  industrieller Assoziationen und Be-
       streitung [der  Kosten] dieser  Bewegung verwenden.  Und wenn die
       Herrn Bourgeois und ihre Ökonomen in philanthropischen Augenblic-
       ken so gnädig sind, in das Minimum des Arbeitslohns, d.h. des Le-
       bens, etwas  Tee oder Rum oder Zucker und Fleisch eingehn zu las-
       sen, so  muß es ihnen dagegen ebenso schändlich als unbegreiflich
       erscheinen, daß  die Arbeiter  in  dies  Minimum  ein  wenig  der
       Kriegskosten gegen die Bourgeoisie einrechnen und daß sie aus ih-
       rer revolutionären Tätigkeit sogar das Maximum ihres Lebensgenus-
       ses machen.
       
       VIII. Positive Seite des Salariats
       
       Ehe wir  schließen, ist noch auf die positive Seite des Salariats
       aufmerksam zu machen.
       alpha) Wenn man  sagt, positive  Seite des Salariats, so sagt man
       positive Seite  des Kapitals,  der großen  Industrie, der  freien
       Konkurrenz, des Weltmarktes, und ich habe nicht nötig, Ihnen aus-
       einanderzusetzen, wie  ohne diese  Produktionsverhältnisse  weder
       die Produktionsmittel,  die materiellen  Mittel zur Befreiung des
       Proletariats und  Stiftung einer  neuen  Gesellschaft  geschaffen
       worden wären,  noch das  Proletariat selbst  die Vereinigung  und
       Entwicklung genommen  hätte, in  der es  wirklich fähig  ist, die
       alte Gesellschaft  und sich  selbst zu  revolutionieren.   A u s-
       g l e i c h u n g  des Arbeitslohnes.
       beta) Nehmen wir  selbst den  Arbeitslohn im Kern seiner Verwerf-
       lichkeit, daß  meine Tätigkeit  zur Ware, daß ich durch und durch
       verkäuflich werde.
       E r s t e n s:   ist dadurch  alles Patriarchalische weggefallen,
       indem nur  mehr der Schacher, Kauf und Verkauf die einzige Bezie-
       hung, das  Geldverhältnis das einzige Verhältnis zwischen Arbeit-
       geber und Arbeitern bleibt.
       
       #556# Karl Marx - Aus dem handschriftlichen Nachlaß
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       Z w e i t e n s:  Der Heiligenschein ist überhaupt von allen Ver-
       hältnissen der  alten Gesellschaft  gefallen, indem  sie sich  in
       reine Geldverhältnisse aufgelöst haben.
       Ebenso sind alle sogenannten höheren Arbeiten, geistige, künstle-
       rische usw.,  in Handelsartikel  verwandelt worden  und haben da-
       durch ihre  alte Weihe verloren. Welch großer Fortschritt war es,
       daß das  ganze Regiment  von Pfaffen, Ärzten, Juristen usw., also
       Religion, Jurisprudenz  usw., nur mehr nach ihrem Handelswert be-
       stimmt worden sind. 1*)
       (D r i t t e n s:   Indem die  Arbeit zur Ware und als solche der
       freien Konkurrenz  unterworfen wurde,  suchte man  sie  möglichst
       wohlfeil, d.h.  zu möglichst niedrigen Produktionskosten, hervor-
       zubringen. Es  ist  dadurch  alle  körperliche  Arbeit  unendlich
       leicht und  einfach geworden  für eine  künftige Organisation der
       Gesellschaft. - Ins Allgemeine zu setzen.)
       D r i t t e n s:   Indem durch die allgemeine Verkäuflichkeit die
       Arbeiter alles  als von  sich trennbar,  losschlagbar konstatiert
       haben, sind sie erst frei geworden von der Unterordnung unter ein
       bestimmtes Verhältnis.  Vorzug, daß  der Arbeiter mit seinem Geld
       machen kann, was er will, sowohl gegen die Naturallieferungen als
       gegen die  rein durch  den Stand  (feudalen) vorgeschriebene  Le-
       bensweise.
       
       Geschrieben Ende Dezember 1847.
       Nach der Handschrift.
       -----
       1*) (von Marx  eingefügt) National-Klassenk[amplf,  Eigentumsver-
       hältnisse

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