Quelle: MEW 6 November 1848 - Juli 1849
zurück
#567#
-----
Beilagen
#568#
-----
Verzeichnis der Beilagen
A. Aufzeichnungen und Dokumente (November 1848 - Juni 1849)
B. Friedrich Engels' Einleitung zu der 1891 von ihm besorgten
Ausgabe von Karl Marx' Artikelreihe "Lohnarbeit und Kapital"
#569#
-----
A. Aufzeichnungen und Dokumente
(November 1848 - Juni 1849)
#570#
-----
#571#
-----
1
Karl Marx
["Neue Rheinische Zeitung" Nr. 143 vom 15. November 1848]
* Köln, 14. November. Auf die Nachricht hin, daß der Redakteur en
chef der "N[euen] Rheinischen] Z[eitung]", Karl Marx, für heute
morgen einen Erscheinungsbefehl von dem Instruktionsgerichte er-
halten, hatte sich eine ansehnliche Volksmasse im Appellhofe ein-
gefunden, um ihre Teilnahme zu bekunden und das Resultat abzuwar-
ten. K. Marx wurde bei seinem Wiedererscheinen mit lauten Bei-
fallsbezeugungen begrüßt und nach dem Eiserschen Saale begleitet,
wo er einige Worte des Dankes für die Volksteilnahme aussprach
und erklärte, daß er nur zum Schlußverhör in der Heckerschen An-
gelegenheit vernommen worden sei. Der ehemalige Staatsprokurator,
jetzige Oberprokurator, Herr Hecker, glaube nämlich, durch ein in
der "N. Rh. Z." abgedrucktes und "Hecker" unterzeichnetes Akten-
stück von K. Marx 1*) als Republikaner denunziert worden zu sein.
2
[Friedrich Engels' Gesuch um Aufenthaltsbewilligung in Bern]
[Entwurf]
An die Tit. Direktion der Justiz und Polizei des Kantons Bern, in
Bern.
Tit. erlaube ich mir infolge Anweisung des Paßbüros das Gesuch um
Gestattung des Aufenthalts in Bern vorzutragen. [471]
Ich lebte in Köln (Rheinpreußen) als Schriftsteller, als ich in
die infolge der in jener Stadt am 25. und 26. September d.J. aus-
gebrochenen Unruhen
-----
1*) Siehe Band 5 unserer Ausgabe, S. 440-444
#572# Beilagen
-----
eröffnete gerichtliche Untersuchung verwickelt und mit Verhaftung
bedroht wurde. Dieser Verhaftung entzog ich mich durch die
Flucht, und wenige Tage nachher wurde der Steckbrief gegen mich
erlassen ("Kölnische Zeitung" vom 1., 2. oder 3.Oktober) 1*), wo-
durch meine Eigenschaft als politischer Flüchtling konstatiert
wird. Ich erbiete mich, nötigenfalls diesen Steckbrief der Tit.
Direktion im Abdruck beizubringen.
In der Schweiz angekommen, habe ich es vorgezogen, die
Gastfreundschaft des Kantons und der Stadt Bern eher als eines
andern Ortes in Anspruch zu nehmen,
1. weil Bern weit genug von der deutschen Grenze entfernt liegt,
um den deutschen Behörden allen Vorwand zu benehmen, die schwei-
zerische Regierung mit Reklamationen und Behauptungen zu behelli-
gen, als mißbrauche ich das Asylrecht durch inzendiäre Umtriebe
etc.;
2. weil gerade jetzt Bern mir Gelegenheit gibt, in der Tätigkeit
der schweizerischen Bundesversammlung die praktische Wirksamkeit
einer Verfassung zu studieren, aus welcher Deutschland jedenfalls
manches lernen kann, besonders zu einer Zeit, wo das deutsche
Volk in den Fall kommen kann, sich eine in dieser oder jener Be-
ziehung ähnliche Verfassung zu geben.
Ich vermute, daß mein Exil von nicht zu langer Dauer sein wird,
denn abgesehen von der geringen Aussicht auf die Stabilität der
gegenwärtigen Ordnung der Dinge in Preußen, habe ich allen Grund,
ein freisprechendes Urteil von den Geschwornen in Köln zu erwar-
ten und habe durch meine Flucht hauptsächlich nur bezweckt, mich
einer langwierigen Untersuchungshaft zu entziehen. Ich glaube
demnach, schon mit dem nächsten Frühjahr in mein Vaterland zu-
rückkehren zu können.
Was meine Existenzmittel betrifft, so sind sie vollkommen gesi-
chert, wie ich nötigenfalls nachweisen kann.
Ich schließe, ebenfalls nach Anweisung des Paßbüros, den Paß bei,
welchen mir die Französische Provisorische Regierung auf Verlan-
gen ausfertigen ließ, als ich im Monat April d.J. aus Paris in
meine Heimat zurückkehrte, und welcher mir von Köln aus nachge-
schickt wurde.
Ich ergreife diese Gelegenheit, um die Tit. Direktion meiner
ausgezeichneten Hochachtung zu versichern.
Friedrich Engels
Bern, Postgasse Nr. 43 B. bei
Herrn Haeberli, den 15. November 1848
Nach der Veröffentlichung des
Marx-Engels-Lenin-Instituts,
Moskau 1935.
-----
1*) Siehe Band 5 unserer Ausgabe, S. 499/500
#573# Aufzeichnungen und Dokumente
-----
3
Eine Deputation bei Herrn Oberprokurator Zweiffel
["Neue Rheinische Zeitung" Nr. 150 vom 23. November 1848]
Köln, 22. November. Gestern sollten die Herren Karl Marx, Karl
Schapper und Schneider II wegen des Aufrufs namens des Rheini-
schen Kreisausschusses der Demokraten (Nr. 147 der "N[euen] Rhei-
nischen] Z[ei]t[un]g") 1*) vor dem Instruktionsrichter erschei-
nen. Man sprach allgemein davon, daß eine sofortige Verhaftung
der Vorgeladenen beabsichtigt werde. So unwahrscheinlich dies
auch vielen Rechtskundigen vorkam, nahm das Volkskomitee [472]
doch Veranlassung, sich darüber durch eine Deputation bei dem
Herrn Oberprokurator Zweiffel Gewißheit zu verschaffen. Derselbe
gab die erwartete Erklärung, daß gegen die Vorgeladenen kein Ver-
haftsbefehl nachgesucht sei und daß ein solcher möglicherweise
nur dann eintreten dürfe, wenn der Aufruf Rebellion herbeiführe;
weil dann das V e r g e h e n der Vorgeladenen gegen § 209, 217
[473] (welches jetzt nur vors Korrektionellgericht gehöre) zum
V e r b r e c h e n würde. - Die Deputierten sprachen übrigens,
entgegen der Ansicht des Herrn Oberprokurator, daß nach der be-
zeichneten Gesetzesstelle der Erscheinungsbefehl hätte erfolgen
m ü s s e n, die Ansicht aus, daß für jetzt, wo die Nationalver-
sammlung in Berlin als die einzige gesetzliche Behörde in Preußen
dastehe, vor allen gegen diejenigen Beamten und Behörden, welche
den Beschlüssen der Nationalversammlung gewalttätig entgegentre-
ten oder dazu aufforderten - wie dies in jüngster Zeit durch den
Oberpräsidenten Eichmann in Koblenz geschehen sei 2*) -, sofort
eingeschritten werden müsse.
4
[Mitteilung über das Verhör von Marx, Schapper und Schneider II
durch den Untersuchungsrichter]
["Neue Rheinische Zeitung" Nr. 153 vom 26. November 1848, Zweite
Ausgabe]
* Köln, 25. November. In den Vernehmungen von Marx, Schapper und
Schneider II vor dem Instruktionsgerichte wegen des zweiten im
Namen des Rheinischen Kreisausschusses der Demokraten erlassenen
Aufrufes 3*), wurde
-----
1*) Siehe vorl. Band, S. 33 - 2*) siehe vorl. Band, S. 31/32 -
3*) siehe vorl. Band, S. 33
#574# Beilagen
-----
die Erklärung der Beschuldigten, jenen Aufruf verfaßt und unter-
schrieben zu haben, protokolliert und die Untersuchung sodann ge-
schlossen. Keiner der Beschuldigten wurde verhaftet. Dies als
Antwort auf verschiedene an den Kreisausschuß gerichtete Briefe.
5
Prozesse der "Neuen Rheinischen Zeitung"
["Neue Rheinische Zeitung" Nr. 161 vom 6. Dezember 1848]
*Köln, 5. Dezember. Vor einigen Tagen war der Redakteur en chef
der "Neuen Rheinischen Zeitung", Karl Marx, von neuem vor das
Instruktionsgericht vorgeladen. Vier Artikel haben die Zentralge-
walt bewogen, auf Verleumdung zu klagen: 1. Schnapphahnski, 2.
ein Artikel aus Breslau über Lichnowski, 3. ein Artikel, worin
von einem "verfälschenden" Berichte eines gewissen "komischen
Stedtmann" die Rede ist, 4. der Abdruck der im Eiserschen Saal
beschlossenen "Volksverratserklärung" gegen die Frankfurter Majo-
rität in Schleswig-Holsteinschen Sachen. [474]
Die "Neue Rheinische Zeitung" erwartet nun sehnlichst fernere
Verleumdungsklagen von Berlin, Petersburg, Wien, Brüssel und Nea-
pel.
Am 20. Dezember wird der erste Prozeß der "Neuen Rheinischen
Zeitung" contra Parquet und Gendarmen verhandelt werden. [475]
Wir haben bisher nicht vernommen, daß irgendein rheinisches Par-
quet irgendeinen Artikel des Code pénal [90] auf die groben,
handgreiflichen Gesetzwidrigkeiten sämtlicher rheinischer Behör-
den anwendbar gefunden hätten.
"Distinguendum est!" "Il faut distinguer" 1*) ist der Wahlspruch
des tapferen rheinischen Parquets.
6
[Mandat des Lausanner Arbeitervereins für Friedrich Engels zum
Arbeiterkongreß in Bern [476]]
Bruder!
Der Unmöglichkeit, einen Abgeordneten zu schicken, halber, haben
wir Dich erkohren, uns bey dem Arbeiter-Congreß in Bern, zu ver-
treten; als alter Kämpfer für das Proletariat wirst Du gewiß auch
hier Deine Aufgabe nicht
-----
1*) "Man muß unterscheiden"
#575# Aufzeichnungen und Dokumente
-----
verfehlen wiewohl Du es daselbst nicht mit Bourgeois, und sonst
Krämerseelen zu tun haben wirst, es sind eben blos Proletarier zu
denen und für welche Du handeln sollst; demnach theilen wir Dir
kurz unseren Willen in Betreff eines Centralvereins mit.
1) Soll der Zweck der verbündeten Vereine seyen: a. Gründung ei-
nes Centralvereins, und einer Centralkasse, b. Sociale und Poli-
tische Ausbildung der Arbeiter, c. Mit dem deutschen Arbeiterco-
mité in Leipzig [477] in Verbindung zu treten um die Bande der
Arbeiter, hauptsächlich, zu stärken.
2) Pflicht des gewählten Centraivereins soll sein: a. Die Verbin-
dung mit dem Arbeitercomité in Leipzig herzustellen, b. Um die
Correspondenz zu erleichtern, das Blatt (Verbrüderung [478]) wel-
ches das Centralcomité herausgibt, hauptsächlich zu verbreiten,
c. Die Centraikasse zu verwalten und hiervon 1/2 Jährlich Rech-
nung abzulegen, d. Alle Bedeutende Vorfälle sogleich den verbrü-
derten Vereine mitzutheilen.
3) Gegenseitige Pflichten der verbrüderten Vereine und gegen den
Centralverein: a. Jedes Mittglied, zahlt högstens per Monat 1
Batz Auflage, wogegen der wechsel der Briefe von beiden Seiten
beständtich unfrankiert geführt wird. b. Hat jeder Zweigverein
seine Mittglieder mit Karten zu versehen, c. Jedes Mittglied wel-
ches im Besitz einer Karte ist hat in jedem Vereine freien Ein-
tritt, jedoch muß dieselbe von dem Präsitenten des letzten Ver-
eins in welchem dasselbe Mittglied war unterzeichnet sein.
Was unsere Wahl anbetrifft; so halten wir wie schon früher den
Berner Verein für den gelegensten. Sollte Allenfalls unser letz-
tes Rundschreiben zur Sprage kommen so war es rein die Folche von
dem: daß wir schon diesen Sommer den Verein Bern, zum C[entral]
Verein ernannt hatten, da wir aber über die Lage der Dinge ganz
ohne Nachricht geblieben sind, so haben wir hier eine Versammlung
Einberufen, von welcher dann genanntes Rundschreiben beschlossen
wurde. Die Auflage von einem 1/2 Batz per Woche haben wir darum
verworfen weil sich dadurch die Zahl der Mittglieder vermindern
würde und dadurch das Einkommen nicht viel erheblicher sein
könne.
Im Nahmen des Vereins 41 Mittglieder
Gruß und Handschlag
Lausanne d. 8/12 1848
G. Schneeherger Bangerl Chr. Haaf
Nach der Veröffentlichung
des Marx-Engels-Lenin-Instituts,
Moskau 1935.
#576# Beilagen
-----
7
[Mitteilung betreffs Bestellung der "Neuen Rheinischen Zeitung"
für das 1. Quartal 1849]
["Neue Rheinische Zeitung" Nr. 172-195 vom 19.Dezember 1848 bis
14. Januar 1849]
Bestellungen auf die "Neue Rheinische Zeitung" für das nächste
Quartal, Januar bis März 1849, wolle man baldigst machen und zwar
in Köln bei der Expedition der Zeitung (unter Hutmacher Nr. 17),
auswärts bei allen Postanstalten Deutschlands.
Für Frankreich übernehmen Abonnements Hr. G.A. Alexandre, Nr. 28
Brandgasse in Straßburg und Nr. 23 rue Notre Dame de Nazareth in
Paris sowie das k. Oberpostamt in Aachen; für England die HH.
J.J. Ewer u. Comp., 72 Newgate Street in London; für Belgien und
Holland die resp. k. Briefpostämter und das Postbüro in Lüttich.
1*)
Durch den Wegfall des Stempels wird der Abonnementspreis ermäßigt
und beträgt von jetzt ab für Köln nur 1 Tlr. 7 Sgr. 6 Pf., bei
allen preußischen Postanstalten (das Porto einbegriffen) nur 1
Tlr. 17 Sgr. vierteljährlich; für Abonnenten im übrigen Deutsch-
land tritt ein verhältnismäßiger Postaufschlag hinzu.
Die Redaktion bleibt unverändert.
Die bisherigen Monatsgänge der "Neuen Rheinischen Zeitung" sind
ihr Programm. Durch ihre persönlichen Verbindungen mit den Chefs
der demokratischen Partei in England, Frankreich, Italien, Bel-
gien und Nordamerika ist die Redaktion instand gesetzt, ihren Le-
sern die politisch-soziale Bewegung des Auslandes richtiger und
klarer abzuspiegeln als irgendein anderes Blatt. Die "N. Rh.
Ztg." ist in dieser Beziehung nicht bloß das Organ der deutschen,
sondern der europäischen Demokratie.
Inserate: Die vierspaltige Petitzeile oder deren Raum 1 Sgr. 6
Pf. Anzeigen aller Art erlangen durch die großen Verbindungen un-
seres Blattes eine sehr weite Verbreitung.
Die Gerantur der "Neuen Rheinischen Zeitung"
-----
1*) In den Nummern 176 bis 195 der "N.Rh.Ztg." werden andere An-
schriften genannt
#577# Aufzeichnungen und Dokumente
-----
Ein Preßprozeß gegen die "Neue Rheinische Zeitung" vertagt
["Neue Rheinische Zeitung" Nr. 174 vom 21. Dezember 1848]
"Köln, 20. Dezember. Der gegen die "Neue Rheinische Zeitung"
eingeleitete Prozeß kam heute vor die Assisen. Herr Dr. Marx, Re-
dakteur en chef, und Herr Korff, Gérant der "N[euen] Rheinischen]
Z[ei]t[un]g", und Herr Engels waren die Beschuldigten. Letzterer
war abwesend. Die Klage lautete auf Beleidigung des Oberprokura-
tors Zweiffel und Verleumdung von Gensdarmen. Der Prozeß wurde
wegen eines Nullitätsgrundes ausgesetzt. [479]
9
Drigalskis Prozeß gegen die "Neue Rheinische Zeitung"
["Neue Rheinische Zeitung" Nr. 175 vom 22. Dezember 1848]
* Köln, 21. Dezember. Heute war abermals Dr. Marx wegen angebli-
cher Verleumdung des "Bürgers und Kommunisten" Herrn Drigalski
1*) vor den Instruktionsrichter geladen. Der wievielste Preßpro-
zeß gegen die "N. Rh. Z." dieser neue ist, läßt sich bei der
Menge derselben schwer bestimmen. Wir bedauern übrigens, daß Herr
Drigalski uns so verkannt hat. Unsern Artikeln über ihn hat er's
allein beizumessen, wenn ihm ein Stückchen europäischer Berühmt-
heit zuteil wird. Welch' schwarzer Undank, Herr "Bürger und Kom-
munist" Drigalski!! Ein Zeichen, daß die Zeiten immer verderbter
werden, wenn selbst aus einem königlich-preußisch-kommunistischen
Herzen die Erkenntlichkeit für geleistete Dienste entflohen ist.
-----
1*) Siehe vorl. Band, S. 56-61
#578# Beilagen
-----
10
Komiteesitzung des Arbeitervereines vom 15. Januar 1849
["Freiheit, Arbeit" Nr. 3 vom 21. Januar 1849]
Nach Verlesung und Annahme des Protokolls der vorigen Sitzung
fragt der Vorsitzende, Röser, ob B[ür]g[er] Prinz, Redakteur, ge-
genwärtig sei und sagt nach der Erwiderung, derselbe sei schon
weggegangen, man müsse ihn als Beamten des Vereins über sein Be-
tragen in letzter Zeit, seine vorgenommenen Veränderungen mit der
Zeitung, ohne dem Verein Anzeige davon zu machen, zur Rechen-
schaft ziehen ...
Bg. Marx und Schapper stellen den vielseitig unterstützten An-
trag, dem Bg. Prinz als Redakteur des offiziellen Organs des Ver-
eins [480] eine Redaktionskommission beizugeben, die darüber zu
wachen habe, daß dieses Organ auch wirklich die Interessen des
Vereins vertrete und im Sinne unserer Partei geleitet werde.
Der Antrag wird angenommen und zu dieser Redaktionskommission die
Bg. Schapper, Röser und Reiff ernannt.
Bg. Westermann liest die von Brüssel aus erlassene "Erklärung"
des Dr. Gottschalk [481] vor und kann sich mit dem Verfahren des-
selben nicht einverstanden erklären.
Der Bg. Marx stellt aber den von Schapper unterstützten Antrag,
von der Sache für jetzt abzusehen, da die erlassene Erklärung zu
zweifelhaft und undeutlich sei, um daraus mit Sicherheit einen
Schluß zu ziehen, hingegen aber, um darüber ins klare zu kommen,
eine Kommission zu ernennen, welche die ihr undeutlich scheinen-
den Stellen zusammenfasse und in einem an den Dr. Gottschalk ge-
richteten Schreiben darüber Erklärung und Aufschluß verlange.
Dieser Antrag findet allgemeinen Beifall und werden zu dieser
Kommission die Bg. Dr. Marx, Anneke, Schapper, Röser und Esser
vorgeschlagen und angenommen ...
Bg. Anneke schlägt vor, die demnächst stattfindenden Wahlen [482]
zum Gegenstande der Besprechung in den künftigen Sitzungen zu
machen.
Bg. Schapper meint, wenn dieses vor etwa vier Wochen geschehen
wäre, dann konnten wir als eigene Partei vielleicht etwas Tüchti-
ges leisten, allein jetzt sei es dazu zu spät, da wir noch ganz
und gar nicht organisiert seien; es würde dem Arbeiterverein
nicht möglich sein, seine eigens aufgestellten Kandidaten durch-
zubringen.
#579# Aufzeichnungen und Dokumente
-----
Bg. Marx ist ebenfalls der Meinung, daß der Arbeiterverein als
solcher jetzt keine Kandidaten durchbringen könne; es handele
sich für den Augenblick auch nicht darum, in prinzipieller Hin-
sicht etwas zu tun, sondern der Regierung, dem Absolutismus, der
Feudalherrschaft Opposition zu machen, dazu seien aber auch ein-
fache Demokraten, sog. Liberale, hinreichend, die ebenfalls mit
der jetzigen Regierung bei weitem nicht zufrieden seien. Man
müsse die Sache einmal nehmen wie sie sei. Da es nun wichtig sei,
dem jetzigen absoluten System eine möglichst starke Opposition zu
machen, erfordere es schon der gesunde Verstand, wenn man ein-
sähe, seine eigene prinzipielle Meinung nicht bei den Wahlen
durchsetzen zu können, daß man sich mit einer andern Partei, die
ebenfalls Opposition macht, vereinige, um nicht unsern gemein-
schaftlichen Feind, das absolute Königtum, siegen zu lassen.
Es wird hierauf beschlossen, sich an den allgemeinen Wahlkomi-
tees, die nach der Einteilung in Wahlbezirke der hiesigen Stadt
errichtet werden sollen, zu beteiligen und dort das allgemeine
demokratische Prinzip zu vertreten.
Zur Herstellung einer engeren Verbindung zwischen den Arbeitern
und Demokraten werden die Bg. Schapper und Röser ernannt, die
sich an den Ausschußsitzungen des Demokratischen Vereines betei-
ligen und darüber hier Bericht abstatten sollen.
11
Freisprechung der "Neuen Rheinischen Zeitung"
["Neue Rheinische Zeitung" Nr. 217 vom 9. Februar 1849]
* Köln, 8. Februar. Wie wir bereits in einigen Exemplaren unserer
gestrigen Nummer mitteilten, ist in der gestrigen Assisensitzung
die Anklage gegen den Redakteur en chef Marx, den Redakteur En-
gels und den Geranten der "Neuen Rheinischen Zeitung" wegen des
Artikels ** Köln, 4. Juli (in der Nummer vom 5. Juli 1848 1*))
verhandelt worden. Der Artikel betraf die Verhaftung des Herrn
Anneke und hatte eine Anklage auf Verleumdung der die Verhaftung
Vollziehenden Gendarmen (Art. 367 des Code pénal) und auf Belei-
digung des Oberprokurators Zweiffel (Art. 222 des Code pénal)
veranlaßt. Die Beschuldigten wurden von den Geschwornen nach kur-
zer Beratung f r e i g e s p r o c h e n.
Dieser Prozeß, der älteste der vielen gegen die "N.Rh.Z." anhän-
gig gemachten Preßprozesse, ist dadurch von Wichtigkeit, daß die
oben angeführten Art. 222 und 367 (in Verbindung mit Art. 370)
diesmal in der Entscheidung der Geschwornen ganz anders ausgelegt
und angewandt worden sind.
-----
1*) Siehe Band 5 unserer Ausgabe, S. 166-168
#580# Beilagen
-----
als dies früher von den rheinischen Zuchtpolizeigerichten 2u ge-
schehen pflegte. Die Art. 222 und 367 sind aber, außer denen über
direkte Aufforderung zum Bürgerkrieg und zur Rebellion, die ein-
zigen, die es dem Scharfsinne der rheinischen Parquets bis jetzt
gelungen ist, auf die Presse anzuwenden. Das freisprechende Ver-
dikt der Geschwornen ist also eine neue Garantie für die Freiheit
der Presse in Rheinpreußen.
Wir werden die Verhandlungen so rasch wie möglich im Auszuge mit-
teilen. [483]
Heute steht Marx abermals vor den Geschwornen, zusammen mit
Schneider, dem Abgeordneten von Köln, und Schapper, wegen einer
Aufforderung zur Steuerverweigerung, die sie als Mitglieder des
demokratischen Kreisausschusses erlassen hatten. 1*)
12
Zwei Prozesse gegen die "Neue Rheinische Zeitung"
["Deutsche Londoner Zeitung" Nr. 203 vom 16. Februar 1849]
Köln, 8. Februar. Gestern und heute wurden vor unsern Assisen
wieder zwei Preßprozesse verhandelt gegen Marx, Hauptredakteur
der "Neuen Rheinischen Zeitung", Engels und Schapper, Mitarbeiter
des Blattes, und heute gegen Marx, Schapper und Advokat Schneider
II, die angeklagt, das Volk wegen der Steuerverweigerung gegen
die Regierung aufgewiegelt zu haben. Außerordentlich war der
Andrang der Menschen. In beiden Prozessen verteidigten sich die
Angeklagten selbst und suchten die Grundlosigkeit der Anklage
nachzuweisen, was ihnen auch insoweit gelang, daß die Geschwornen
in beiden Fällen das N i c h t s c h u l d i g aussprachen. -
Mit den politischen Prozessen hat die Regierung nun einmal vor
den Geschwornen durchaus kein Glück. Schlimmer möchte es ein paar
Offizieren der hiesigen Garnison ergehen, welche sich an den
Volksbewegungen im September v.J. beteiligt und als die Sache
schief ging, sich über die Grenze nach Belgien machten, sich
jetzt aber wieder gestellt haben und der Entscheidung ihres Pro-
zesses entgegensehen, welcher schon eingeleitet ist. [484]
-----
1*) Siehe vorl. Band, S. 33
#581# Aufzeichnungen und Dokumente
-----
13
Demokratisches Bankett
["Neue Rheinische Zeitung" Nr. 225 vom 18. Februar 1849]
* Mülheim a. Rh., 11. Februar (verspätet). Heute fand hier ein
vom Arbeiterverein veranstaltetes demokratisches Bankett statt.
Mitglieder des Kölnischen Arbeiter- und Demokratischen Vereins
waren eingeladen. Instrumentalmusik und Gesang wechselten ab mit
Toasten, die in längeren Reden motiviert wurden.
Bengel, Präsident des hiesigen Arbeitervereins, entwickelte in
einem längern Vortrag das Verhältnis der Gegenwart zur Vergangen-
heit. Lucas brachte einen Toast auf die Gäste aus, speziell auf
die Männer, die, wie der anwesende Redakteur en chef der "N[euen]
Rheinischen] Z[eitung]", K. Marx, lange vor der Februarrevolution
die Rechte der Arbeiterklasse in Tat und Wort behauptet hätten.
Schapper ließ die "demokratische Republik" leben. K. Marx sprach
über die Beteiligung der deutschen Arbeiter an den Kämpfen in
Frankreich, England, Belgien und der Schweiz. Er brachte einen
Trinkspruch auf Gladbach aus, einer der ausnahmsweisen Vereinba-
rer, die wirklich die Interessen des Volkes vertreten. F. Engels
betoastete die Ungarn und Kossuth. Ott aus Worringen sprach über
den konstitutionellen Liberalismus, die Aristokratie und die De-
mokratie, Fischbach über das Elend des Volks und die Mittel zur
Abhülfe. Gladbach warf einen Rückblick auf die aufgelöste Natio-
nalversammlung und kritisierte in einem energischen Vortrag ihre
Schwächen, ihre Unentschiedenheit und ihren Mangel an revolutio-
närem Verstand. Krähe sprach schließlich über die Devise der
Februarrevolution: "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit."
Dies e r s t e demokratische Bankett in der Rheinprovinz hat so
sehr angesprochen, daß es sicher Nachahmung finden wird.
14
Bankett vom 24. Februar
["Neue Rheinische Zeitung" Nr. 233 vom 28. Februar 1849]
* Köln, 27. Februar. Vorgestern fand zur Feier des Jahrestags der
französischen Februarrevolution im Eiserschen Saale ein Bankett
statt. [485] Der große, zwischen 2000 und 3000 Menschen fassende
Saal war gedrängt gefüllt.
#582# Beilagen
-----
Karl Marx, durch Akklamation zum Präsidenten gewählt, mußte wegen
Verhinderung ablehnen. Karl Schapper übernahm hierauf auf allge-
meines Verlangen das Präsidium und eröffnete die Sitzung mit ei-
nem Trinkspruch auf die Manen der im Februar und Juni in Paris
und in allen übrigen revolutionären Kämpfen von 1848 gefallenen
Opfer.
Der Abg. von Köln, Adv. Schneider, nahm hierauf Abschied von sei-
nen Wählern. Desgleichen sprach bald nachher der Abg. Gladbach
einige Worte, kam auf die Ursachen des Gelingens der letzten Kon-
trerevolution zurück und forderte das Volk von Köln auf, bei et-
waigen neuen Gewaltstreichen gegen die Kammer sich zum Schutz
seiner Vertreter zu erheben. (Dies zur Antwort auf die Denunzia-
tion in der heutigen "Kölnischen] Z[ei]t[un]g".) [486]
Die folgenden Trinksprüche wurden noch ausgebracht: Dr. Ritting-
hausen: der demokratisch-sozialen Republik. - F. Engels, Red. der
"N[euen] Rheinischen] Z[ei]t[un]g": den kämpfenden Italienern,
vor allem der römischen Republik. - C. Cramer: den Manen Robert
Blums. - Abg. Wöhler zur Frankf[urter] Nationalversammlung: der
deutschen Demokratie. - Kaufmann Guffanti: Ledru-Rollin und den
französischen Demokraten. - Ex-Bómbardier Funk: ein Pereat den
Tyrannen. - Dr. Weyll: den anwesenden Frauen. - Dr. Becker: den
Demokraten aller Nationen. - Tischler Kurth: Kossuth und den Ma-
gyaren. - Schapper: den politischen Gefangenen und Flüchtlingen,
namentlich den Deutschen in Besançon.[487] - Carstens, Arbeiter:
der zukünftigen sozialen Revolution. - Ferd. Wolff, Red. der "N.
Rh. Ztg." : dem Recht auf Arbeit. - Arbeiter Hausmann : der Ei-
nigkeit. - C. Cramer: Mieroslawski und den polnischen Kämpfern
von 1848. - Wirt Kamp von Bonn: der Verbrüderung aller Nationen.
- Stud. Blum: den Wuppertaler Demokraten. - Arbeiter Müller: Mel-
linet, Tedesco und den übrigen 15 Antwerpener Verurteilten von
Risquons-Tout [170]. - Arbeiter Röser : den Manen Robespierres,
Saint-Justs, Marats und den andern Helden von 1793.
Die Feier, von Zeit zu Zeit durch Musik, Gesang der Marseillaise,
des Girondistenlieds 14881 etc. und Vorträge des Arbeiter-Gesang-
vereins unter Leitung des Herrn Herx belebt, schloß mit einem
Hoch auf die "allgemeine demokratisch-soziale Republik".
Eine Kollekte für die deutschen Flüchtlinge in Besançon wurde
während der Sitzung abgehalten und lieferte einen nicht unbe-
trächtlichen Ertrag.
Während des ganzen Abends waren die Truppen konsigniert, und
starke Patrouillen durchzogen die Straßen, was indes wohl mehr
durch die wiederholten Schlägereien der Soldaten unter sich als
durch das Bankett veranlaßt war.
#583# Aufzeichnungen und Dokumente
-----
15
Bankett auf dem Gürzenich
["Neue Rheinische Zeitung" Nr. 251 vom 21. März 1849]
* Köln, 20. März. Gestern abend fand auf dem Gürzenich ein Ban-
kett zur Erinnerung an die Berliner Barrikadenkämpfe des vorigen
Jahres statt. Wenn schon das Bourgeoiskonzert vom 18. "zur Feier
der Verheißung" einer Konstitution etc. etc. den größten Saal un-
srer Stadt anständig gefüllt hatte, so war gestern der Raum nicht
zur Hälfte hinreichend, das herzuströmende Publikum zu fassen.
Während oben 5500-6000 Menschen Kopf an Kopf gedrängt standen,
warteten mehrere Tausend vergebens auf die Möglichkeit hereinzu-
kommen. Der Saal hatte sich so rasch gefüllt, daß selbst mehrere
Redner erst nach 9 Uhr ein Mittel fanden, sich durchzudrängen.
Karl Schapper präsidierte und eröffnete die Versammlung mit einem
Toast auf das souveräne Volk, die einzige Quelle aller gesetzli-
chen Macht. Es wurden ferner folgende Toaste ausgebracht: H.
Becker: den Toten des 18. und 19.März; Bürger Wächter: auf die
Besserung des deutschen Michel; Bürger Weyll: der ganzen
Revolution, nicht der halben; Bürger Rittinghausen: ein Pereat
dem deutschen Kaiser; C. Cramer: den demokratischen Frauen, die
unserm Bankett beiwohnen; W. Wolff, Redakteur der "Neuen
Rheinischen Zeitung": den italienischen Republiken; E. Dronke,
Redakteur der "Neuen Rheinischen Zeitung": der proletarischen
Revolution; P. Nothjung: dem Sieg der Magyaren und Kossuths; H.
Bürgers, Redakteur der "Neuen Rheinischen Zeitung": dem Sturz
Östreichs; F. Wolff, Redakteur der "Neuen Rheinischen Zeitung":
den Angeklagten von Bourges; [337] F. Engels, Redakteur der
"Neuen Rheinischen Zeitung": den Juniinsurgenten von Paris; K.
Schapper: den englischen Chartisten und ihren revolutionärsten
Chefs, Ernest Jones und G.J. Harney; Carl Cramer: den Polen; Chr.
Esser, Redakteur der "Arbeiter-Zeitung" [480]: der roten Repub-
lik.
Das Bankett, das in der größten Ruhe und Ordnung verlief, wurde
gegen 11 Uhr mit einem allgemeinen Hoch auf die rote Republik ge-
schlossen. Gegenüber dem am 18. auf dem Gürzenich abgehaltenen
Heulerkonzert [226] freut es uns, daß noch nie ein Fest in Köln
ein so zahlreiches und zugleich so taktvolles Publikum vereinigte
wie das unter den Auspizien der roten Fahne abgehaltene Bankett
von gestern abend.
#584# Beilagen
-----
16
Beschlüsse der Generalversammlung des Arbeitervereins
vom 16. April 1849
["Freiheit, Brüderlichkeit, Arbeit" Nr. 22 vom 22. April 1849]
Die Versammlung beschließt einstimmig:
1. Aus dem Verbände der demokratischen Vereine Deutschlands aus-
zutreten und sich dagegen dem Verband der deutschen Arbeiterver-
eine, deren Zentralausschuß sich in Leipzig befindet [477], anzu-
schließen.
2. Ihr Komitee zu beauftragen, zum Zwecke der engern Verbindung
der rein sozialen Partei, vor Stattfinden des allgemeinen Arbei-
terkongresses in Leipzig, in Köln einen Provinzialkongreß der
sämtlichen Arbeitervereine Rheinlands und Westfalens zu berufen.
3. Den demnächst in Leipzig stattfindenden Kongreß der Arbeiter-
vereine Deutschlands zu beschicken.
17
Komiteesitzung vom 17. April 1849
["Freiheit, Brüderlichkeit, Arbeit" Nr. 22 vom 22. April 1849]
... 5. Infolge des Beschlusses der gestrigen Generalversammlung:
Auf den ersten Sonntag im Mai einen Kongreß der Vertreter sämtli-
cher Arbeitervereine des Rheinlands und Westfalens hierher ein-
zuberufen.
Das Komitee ernennt zur Ausführung dieses Beschlusses einen pro-
visorischen Provinzialausschuß von sechs Mitgliedern, aus den
Bürgern K. Marx, W. Wolff, K. Schapper, Anneke, Esser und Otto
bestehend, und trägt denselben auf, eine motivierte Einladung an
die betreffenden Vereine ergehen zu lassen ...
#585# Aufzeichnungen und Dokumente
-----
18
Beschluß der I. Filiale des Kölner Arbeitervereins [489]
["Freiheit, Brüderlichkeit, Arbeit" Nr. 24 vom 29. April 1849]
Antrag
1. In Erwägung, daß der Dr. Gottschalk den Bürger Karl Marx in
der Zeitung "Freiheit, Arbeit" als einen Freund und Gesinnungsge-
nossen des Abgeordneten zu Frankfurt Franz Raveaux darstellt,
während doch der Bürger Marx sich in der Komiteesitzung vom 8.
Februar derart ausgedrückt hat, daß er, wenn er auch augenblick-
lich die Kandidatur Raveaux und Schneider II unterstützte, weit
davon entfernt sei, mit diesen Leuten in prinzipieller Hinsicht
übereinzustimmen, daß im Gegenteil der erstere grade während sei-
ner größten Glanzperiode in der "N[euen] Rh[einischen]
Z[ei]t[un]g" schonungslos angegriffen worden sei, daß aber augen-
blicklich von roten und blassen Demokraten nicht die Rede sein
könne, indem es sich vorderhand hauptsächlich darum handle, dem
absoluten Königtum Opposition zu machen, und sich, um diesen
Zweck zu erreichen, die roten und blassen Demokraten den Heulern
[2269 gegenüber vereinigen müßten;
2. ferner, daß der Dr. Gottschalk bei Gelegenheit des demokrati-
schen Kongresses zu Frankfurt sich der Worte bedient hat, er
könne die Arbeiter von Köln ebensowohl zur roten Monarchie wie
zur roten Republik verwenden, also die Arbeiter selbst als nur
eine ihm blind gehorchende Maschine ausgab;
3. daß die in obengenannter Zeitung gegen Raveaux gerichteten An-
griffe einen sehr gemeinen, gehässigen Charakter tragen, indem
sie demselben eine leibliche Krankheit zum Vorwurf machen und als
Verstellung bezeichnen;
4. daß die sonstigen Angriffe in diesem Blatte sich meistens auf
ganz und gar nichts begründen lassen und wegen ihrer Einfältig-
keit schon gar keiner Widerlegung wert sind, nichtsdestoweniger
aber kleinlichen Haß und Groll und einen niedrigen, hämischen
Charakter ihres Verfassers verraten;
5. daß der Dr. Gottschalk nach seiner Freisprechung den gegen
mehrere Mitglieder des Arbeitervereins ausgesprochenen Plan
hatte, den Arbeiterverein zu reorganisieren und zu diesem Zwecke
sich selbst (als Präsident) mit noch 5 andern nach seiner Wahl
als Komiteemitglieder an dessen Spitze zu oktroyieren, was eine
despotische Gesinnung verrät und gegen die allereinfachsten demo-
kratischen Grundsätze verstößt;
6. daß er bei dieser neuen Organisation die Partei der eigentli-
chen Proletarier verlassen und sich den Kleinbürgern in die Arme
warf dadurch, daß er den monatlichen Beitrag der Mitglieder auf 5
Sgr. erhöhen wollte;
#586# Beilagen
-----
7. daß Dr. Gottschalk mit der Zeitung des Vereins eine Verände-
rung vornahm, wodurch dieselbe 14 Tage in ihrem Erscheinen unter-
brochen wurde [480], ohne vom Verein dazu ermächtigt worden zu
sein, ja ohne demselben oder dessen Vorstande auch nur direkte
Anzeige davon zu machen, was einen Eingriff in die Rechte des
Vereins bekundet, der sich keineswegs rechtfertigen läßt und auch
durch das bald darauf erfolgte Weggehen des Dr. Gottschalks nicht
einmal durch Notwendigkeit oder dringende Gründe entschuldigt
werden kann;
8. daß der Dr. Gottschalk nach seiner Freisprechung, anstatt die
Erwartung der Arbeiter Kölns zu erfüllen und unter ihnen im Sinne
des Fortschritts seine Tätigkeit wie früher zu beginnen, zum Er-
staunen aller davonging, ohne denselben auch nur ein einziges
Wort zum Abschiede oder Danke für ihr treues Ausharren zu sagen;
9. daß der Dr. Gottschalk aus übergroßem Zartgefühl sich selbst
verbannte und von Brüssel aus eine Erklärung erließ, die gradezu
nichts weniger als zur Aufklärung und Rechtfertigung seines Be-
tragens dienen konnte, indem er, der Republikaner, darin vom Zu-
rückrufen seiner Person durch "den annoch obersten Richter im
Lande" oder "die Stimme des Volkes" spricht, also den obersten
Richter in noch irgend etwas anderm als der allgemeinen Volks-
stimme findet, daß er mit seinem obersten Richter an dieser
Stelle nur den König gemeint haben kann, wodurch er sich direkt
auf die Seite der Legitimisten und Monarchisten stellt, daß er
andererseits in dieser Erklärung das Volk nochmals verhöhnt, in-
dem er ihm zumutet, jemanden, der einen andern obersten Richter -
als grade die Volksstimme selbst - anerkennt und anruft, zurück-
zurufen, daß er hier die kleinlichste Achselträgerrolle spielt
und sich den Weg sowohl bei dem Könige wie bei dem Volke offen zu
halten sucht;
10. daß der Dr. Gottschalk das Gesuch des Arbeitervereins, diese
seine sogenannte Erklärung, die unverständlich scheine, erklären
und namentlich angeben solle, was er unter dem annoch obersten
Richter verstehe, keiner Antwort würdigte;
11. daß der Dr. Gottschalk, ohne von irgend jemanden gerufen wor-
den zu sein, dennoch nach Deutschland zurückgekehrt ist, wodurch
also die ganze Sache der freiwilligen Verbannung in reinen Dunst
zerfällt und als ein schlecht berechnetes Wahlmanöver erscheinen
muß, wenn man bedenkt, daß dessen Brüder und Freunde währenddem
für seine Wahl nach Berlin sehr tätig wirkten, erklärt-der Fili-
alverein Nr. 1 des Arbeitervereins zu Köln:
daß er das Betragen des Dr. Gottschalks seit seiner Freisprechung
vom hiesigen Geschwornengerichte in keiner Weise billigt und die
Zumutung, sich im Interesse der roten Monarchie mißbrauchen zu
lassen oder sich durch hämische persönliche Angriffe auf einzelne
Personen irreleiten zu lassen oder sich einen Präsidenten mit ei-
nem Schweifwedeler-Komitee
#587# Aufzeichnungen und Dokumente
-----
aufoktroyieren zu lassen oder einen freiwillig Verbannten, der
die Gnade des Königs und des Volks zugleich anruft, um erlöst zu
werden, zurückzurufen oder überhaupt sich von irgendeinem Men-
schen, möge er sein., wer er wolle, gleich dummen Jungen behan-
deln zu lassen, mit Entschiedenheit und Entrüstung zurückweist.
19
Beschlüsse der General-Versammlung vom 23. April 1849
["Freiheit, Brüderlichkeit, Arbeit" Nr. 24 vom 29. April 1849]
1. Die General-Versammlung findet künftig jeden Mittwoch statt.
2. Der vom Komitee gewählte provisorische Ausschuß zur Abhaltung
eines Kongresses der Arbeitervereine Rheinlands und Westfalens
hier in Köln, bestehend aus K. Marx, Karl Schapper, W. Wolff, F.
Anneke, Esser und Otto, wird bestätigt.
20
[Mitteilung über die Einberufung des Kongresses
der Arbeitervereine]
["Neue Rheinische Zeitung" Nr. 282 vom 26.April 1849,
Beilage und Nr. 285 vom 29. April 1849, Zweite Ausgabe]
Aus dem Kreisausschuß der demokratischen Vereine der Rheinprovinz
sind kürzlich eine Anzahl Mitglieder ausgeschieden, und der hie-
sige Arbeiterverein hat gleichzeitig seinen Austritt aus dem Ver-
bände der rheinisch-demokratischen Vereine erklärt. Dieser
Schritt ist durch die Überzeugung veranlaßt worden, daß bei den
verschiedenartigen Elementen in gedachten Vereinen für die Inter-
essen der arbeitenden Klasse oder der großen Masse des Volks we-
nig Ersprießliches von daher zu erwarten steht.
Desto dringender erscheint ein festes Aneinanderschließen der
gleichartigen Elemente, ein kräftiges Zusammenwirken aller Arbei-
tervereine.
Zu diesem Zwecke hat der hiesige Arbeiterverein als erste Maßre-
gel die Niedersetzung eines provisorischen Ausschusses für sämt-
liche Arbeitervereine der Rheinprovinz und Westfalens für notwen-
dig erachtet und zu Mitgliedern desselben die Unterzeichneten mit
dem Auftrage ernannt, die zur Erreichung obigen Zwecks erforder-
lichen Schritte zu veranlassen.
#588# Beilagen
-----
Der provisorische Ausschuß ladet nun sämtliche Arbeiter- und alle
andern Vereine, die, ohne bisher diesen Namen zu führen, doch den
Grundsätzen der sozialen Demokratie mit Entschiedenheit anhängen,
zur Beschickung eines Provinzialkongresses auf den ersten Sonntag
im nächsten Monat (6. Mai) hiermit ein. [490]
Gegenstände der Tagesordnung werden sein:
1. Organisation der rheinisch-westfälischen Arbeitervereine;
2. Wahl von Deputierten für den im Monat Juni zu Leipzig statt-
findenden allgemeinen Kongreß sämtlicher deutschen Arbeiterver-
eine;
3. Erörterung und Feststellung der den Deputierten für den Kon-
greß in Leipzig mitzugebenden Anträge.
Die zum hiesigen Vorkongreß erwählten Deputierten werden ersucht,
sich mit ihren Vollmachten versehen spätestens am 6. Mai, vormit-
tags 10 Uhr hier bei Simons im Kranz am Altenmarkt zu melden.
Köln, den 24. April 1849
K.Marx (abwesend) W. Wolff K. Schapper F. Anneke
C.J. Esser Otto
NB. Briefliche Mitteilungen werden erbeten unter der Adresse Karl
Schapper, Präsident des Arbeitervereins, Unter Hutmacher Nr. 17.
21
Die Redakteure der "Neuen Rheinischen Zeitung"
["Deutsche Zeitung" Nr. 140 vom 22. Mai 1849]
Köln, 19. Mai ... Den einzelnen Redakteuren der "Neuen Rheini-
schen] Z[ei]t[un]g" ist folgendes widerfahren: Fr. Engels wird
wegen seines Auftretens in Elberfeld kriminell verfolgt, Marx,
Dronke und Weerth haben als Nichtpreußen die diesseitigen Staaten
zu verlassen, F. Wolff ist, da er seiner Militärpflicht nicht ge-
nügt, und W. Wolff wegen politischer Vergehen, die früher in den
alten Provinzen vorgekommen sein sollen, mit Untersuchungen be-
droht worden. Die Freilassung Korffs gegen Kaution ist heute von
der Ratskammer abgelehnt worden.
#589# Aufzeichnungen und Dokumente
-----
22
Der Redakteur Herr Karl Marx abgereist
["Neue Kölnische Zeitung" Nr. 116 vom 22. Mai 1849]
* Köln. Gestern morgen hat der frühere Redakteur en chef der
"Neuen Rheinischen Zeitung", Herr Karl Marx, in Begleitung eini-
ger der anderen Redakteure Köln verlassen und sich nach dem Ober-
rhein begeben; dort wird sein Wirken ebenso erfolgreich sein als
es hier war.
23
[Prozeß gegen die "Neue Rheinische Zeitung"]
["Neue Deutsche Zeitung" Nr. 128 vom 1. Juni 1849]
Köln, 29. Mai. Heute hat das Zuchtpolizeigericht über eine seit
September v.J. anhängige Sache, Verleumdung von Abgeordneten zur
Frankfurter Nationalversammlung, zu erkennen. [474] Geladen waren
K. Marx, E. Dronke, G. Weerth, H. Becker, H. Korff und die Buch-
drucker Dietz und Bechthold. Die drei ersteren waren nicht er-
schienen. Mit Ausnahme von Korff wurden alle freigesprochen,
Korff (als ehemaliger Gerant der "N[euen] Rh[einischen]
Z[ei]t[un]g") wegen Beleidigung des "komischen Stedtmann" zu ei-
nem Monat Gefängnis und 1/7 der Kosten verurteilt. Das Gericht
wies mit vieler Schärfe die Anklage gegen Weerth wegen des
Schnapphahnski-Lichnowski zurück.
24
Steckbrief [gegen Friedrich Engels]
["Kölnische Zeitung" Nr. 137 vom 9. Juni 1849]
Auf Grund der durch den königl. Instruktionsrichter erlassenen
Vorführungsbefehle ersuche ich die betreffenden Zivil- und Mili-
tärbehörden, auf folgende Personen, und zwar: 1. Friedrich En-
gels, Redakteur der "Neuen Rheinischen Zeitung", geboren in Bar-
men, zuletzt wohnhaft zu Köln, ...
#590# Beilagen
-----
welche sich der gegen sie wegen des im Art. 96 des Strafgesetzbu-
ches vorgesehenen Verbrechens eingeleiteten Untersuchung durch
die Flucht entzogen haben, und deren Signalement ich nachstehend
mitteile, vigilieren und sie im Betretungsfalle verhaften und mir
vorführen zu lassen.
Elberfeld, 6, Juni 1849
Für den Oberprokurator
Der Staatsprokurator, Eichhorn
Signalement. 1. Engels. Alter 26 bis 28 Jahre, Größe fünf Fuß
sechs Zoll, Haare blond, Stirn frei, Augenbrauen blond, Augen
blau, Nase und Mund proportioniert, Bart rötlich, Kinn oval, Ge-
sicht oval, Gesichtsfarbe gesund, Statur schlank. Besondere Kenn-
zeichen: spricht sehr rasch und ist kurzsichtig ...
zurück