Quelle: MEW 6 November 1848 - Juli 1849
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Anmerkungen
1 Der Artikel "Die Berliner Krisis" und die Artikelreihe "Die
Kontrerevolution in Berlin" von Karl Marx sind ein unmittelbares
Echo auf die Vorbereitung und den Beginn des konterrevolutionären
Staatsstreichs in Preußen. Am 1. November 1848 setzte der König
das Ministerium Pfuel ab und berief das offen konterrevolutionäre
Ministerium Brandenburg-Manteuffel. Am 9. November wurde der
preußischen Nationalversammlung eine "Allerhöchste Botschaft" des
Königs bekanntgegeben, durch welche die Vertagung der Versammlung
und ihre Verlegung von Berlin nach dem Provinzstädtchen Branden-
burg angeordnet wurde. Das war der Beginn des Staatsstreichs, der
mit der Auflösung der preußischen Nationalversammlung und der Ok-
troyierung einer Verfassung am 5. Dezember 1848 seine Vollendung
fand.
Die "Neue Rheinische Zeitung" tat alles, um die Volksmassen zum
Kampf gegen diesen konterrevolutionären Staatsumsturz zu mobili-
sieren. 5
2 "Neue Rheinische Zeitung. Organ der Demokratie" - Tageszeitung,
die unter der Redaktion von Karl Marx vom 1. Juni 1848 bis 19.
Mai 1849 in Köln herausgegeben wurde.
Sofort nach ihrer Rückkehr aus der Emigration bereiteten Marx und
Engels die Ausgabe einer großen revolutionären Tageszeitung vor.
Als Aufenthaltsort wählten sie Köln, die Hauptstadt der Rheinpro-
vinz, eines der ökonomisch und politisch entwickeltsten Gebiete
Deutschlands mit einem starken Proletariat. Im Rechtswesen galt
hier der bürgerliche Code Napoléon, der eine größere Pressefrei-
heit garantierte als das feudal-absolutistische preußische Land-
recht.
Mit dem Titel "Neue Rheinische Zeitung" knüpften Marx und Engels
an die revolutionären Traditionen der von Marx 1842 bis 1843 re-
digierten "Rheinischen Zeitung" an. Das neue Organ, das die
Volksmassen ganz Deutschlands in der Revolution führen sollte,
wurde gegen den Widerstand einiger Demokraten und Kommunisten
(Bürgers, Heß und anderen) geschaffen, die unter dem gleichen Na-
men eine lokale Kölner Zeitung herausgeben wollten.
Im April und Mai 1848 vertrieben Marx und Engels Zeitungsaktien,
wählten Korrespondenten aus und stellten Beziehungen zu demokra-
tischen Zeitungen anderer Länder her. Gleichzeitig mit dem Ver-
trieb der Zeitungsaktien versuchten Marx' und Engels' Anhänger in
verschiedenen Städten Deutschlands Gemeinden des Bundes der Kom-
munisten zu bilden. Aber wie aus Briefen von Mitgliedern des Bun-
des (Wilhelm Wolff, Dronke, Schapper, Born und anderen) ersicht-
lich ist, schlugen diese Versuche fehl, weil die deutschen Arbei-
ter noch unorganisiert und politisch wenig gebildet waren. Marx,
Engels und ihre Anhänger trugen dem Rechnung, indem sie nicht als
selbständige proletarische Partei,
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sondern als linker, wirklich proletarischer Flügel der Demokratie
auftraten. Die "Neue Rheinische Zeitung" erschien mit dem Unter-
titel "Organ der Demokratie". Die Zeitung wurde zum Erzieher und
Führer der Volksmassen im Kampf gegen die Konterrevolution.
In dem Bestreben, die Leser über alle wichtigen Ereignisse der
deutschen und europäischen Revolution aufzuklären, gab die Redak-
tion oft eine zweite Tagesausgabe heraus. Wenn vier Druckseiten
nicht ausreichten, fügte man Beilagen hinzu und bei neuen wich-
tigen Nachrichten Extrabeilagen und Extrablätter in Form von
Flugblättern. Die Leitartikel wurden in der Regel von Marx und
Engels verfaßt. Sie waren gekennzeichnet: "* Köln" oder "**
Köln". Da Marx in den ersten Monaten in starkem Maße mit der Ge-
samtleitung und mit organisatorischen Dingen beschäftigt war,
schrieb in dieser Zeit Engels die meisten Leitartikel. Einige re-
daktionelle Artikel von Marx und Engels - mit einem Sternchen ge-
kennzeichnet - wurden auch unter den Mitteilungen aus den ver-
schiedenen Ländern abgedruckt.
Jeder Redakteur beschäftigte sich mit einem begrenzten Bereich.
Engels schrieb kritische Artikel über die Debatten der Berliner
und Frankfurter Nationalversammlung sowie der zweiten Kammer in
Preußen, Artikel über die nationale Freiheitsbewegung in Böhmen,
Posen und Italien, über den Krieg mit Dänemark um Schleswig-Hol-
stein, die revolutionären Kämpfe in Ungarn und vom November 1848
bis Januar 1849 eine Artikelreihe über die Schweiz. Wilhelm Wolff
verfaßte Artikel über die Agrarfrage in der deutschen Revolution,
insbesondere über die Lage der Bauern und die Bauernbewegung in
Schlesien, und führte einen Abschnitt der Rubrik "Aus dem Reich",
in der Nachrichten aus den deutschen Kleinstaaten zusammenge-
stellt wurden. Ernst Dronke arbeitete eine Zeitlang als Korre-
spondent der "Neuen Rheinischen Zeitung" in Frankfurt am Main; er
schrieb einige Artikel über Polen und in der Zeit von März bis
Mai 1849 Beiträge über Italien. Ferdinand Wolff war längere Zeit
einer der Korrespondenten in Paris. Die Mitarbeit von Heinrich
Bürgers beschränkte sich auf einen Artikel, den Marx zudem völlig
überarbeitete (siehe Band 5 unserer Ausgabe, S. 22-24). Georg
Weerth war der Verfasser des Feuilletons. Ferdinand Freiligrath
trat im Oktober 1848 in die Redaktion ein und veröffentlichte
seine revolutionären Gedichte.
Als die erste Nummer der "Neuen Rheinischen Zeitung" mit Engels'
Artikel "Die Frankfurter Versammlung" (siehe Band 5 unserer Aus-
gabe, S. 14-17) erschien, stellte eine große Zahl der bürgerli-
chen Aktionäre die Unterstützung der Zeitung ein. Die offene Par-
teinahme der "Neuen Rheinischen Zeitung" für die Sache des Prole-
tariats während des Pariser Juniaufstandes veranlaßte die meisten
der verbliebenen Aktionäre, sich ebenfalls zurückzuziehen.
Die entschlossene und unversöhnliche Haltung der "Neuen Rheini-
schen Zeitung", ihr kämpferischer Internationalismus und ihre po-
litischen Enthüllungen riefen bereits in den ersten Monaten ihres
Erscheinens den wütenden Haß der feudal-monarchistischen und bür-
gerlich-liberalen Presse und Verfolgungen durch die preußische
Regierung hervor. Die Behörden weigerten sich, Marx die preußi-
sche Staatsbürgerschaft zu gewähren und leiteten gegen die Redak-
teure der Zeitung, in erster Linie gegen Marx und Engels, eine
Reihe gerichtlicher Verfahren ein. Aus Anlaß der Kölner Septem-
berereignisse verhängten die Militärbehörden am 26.September 1848
den Belagerungszustand und verboten das Erscheinen der demokrati-
schen Zeitungen, darunter der "Neuen Rheinischen Zeitung". En-
gels, Dronke und Ferdinand Wolff verließen zeitweilig Köln, um
einer drohenden Verhaftung zu entgehen. Wilhelm Wolff mußte sich
vorübergehend in die Pfalz begeben und später einige Monate in
Köln vor der Polizei verbergen. Nach der Aufhebung des
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Belagerungszustandes mußte Marx große organisatorische und finan-
zielle Schwierigkeiten überwinden und seine persönlichen Geldmit-
tel in die Zeitung investieren, damit die "Neue Rheinische Zei-
tung" ab 12. Oktober wieder erscheinen konnte. Infolge Engels'
erzwungener Abreise trug Marx bis Januar 1849 die Hauptlast der
Redaktionsarbeit. Nach dem konterrevolutionären Staatsstreich in
Preußen (siehe Anm. 1) verstärkten sich besonders die gerichtli-
chen und polizeilichen Verfolgungen von Redakteuren der "Neuen
Rheinischen Zeitung". Die von der Regierung im Februar 1849 ein-
geleiteten Prozesse gegen Marx, Engels, Korff und den Rheinischen
Kreisausschuß der Demokraten endeten mit einem Freispruch der Be-
schuldigten durch die Geschworenengerichte.
Ungeachtet aller Verfolgungen und polizeilichen Maßregelungen
verteidigte die "Neue Rheinische Zeitung" mutig die Interessen
der revolutionären Demokratie und damit die Interessen des Prole-
tariats. Im Mai 1849, als die Konterrevolution allgemein zum An-
griff überging, erließ die preußische Regierung, die Marx bereits
die Staatsbürgerschaft verweigert hatte, den Befehl, ihn aus
Preußen auszuweisen. Seine Ausweisung und die Repressalien gegen
die anderen Redakteure der "Neuen Rheinischen Zeitung" zwangen
die Redaktion, das Erscheinen des Blattes einzustellen. Die
letzte Nummer der "Neuen Rheinischen Zeitung" (Nr. 301 vom 19.
Mai 1849) erschien in rotem Druck. In ihrem Abschiedsaufruf an
die Arbeiter Kölns erklärten die Redakteure, "ihr letztes Wort
wird überall und immer sein: Emanzipation der arbeitenden
Klasse!" Die "Neue Rheinische Zeitung" war "das beste, unüber-
troffene Organ des revolutionären Proletariats" (Lenin). 5 223
503
3 "Neue Preußische Zeitung" - Tageszeitung, die seit Juni 1848 in
Berlin herausgegeben wurde; sie war das Organ der konterrevolu-
tionären Hofkamarilla und des preußischen Junkertums. Diese Zei-
tung ist auch unter dem Namen "Kreuz-Zeitung" bekannt, da sie in
ihrem Titel ein Landwehrkreuz (Eisernes Kreuz) trug, das von den
Worten "Vorwärts mit Gott für König und Vaterland" umgeben war. 5
24 30 76 160 182 230 242 332 346 360 363 395 490 506 518
4 Die "Vereinbarungstheorie", mit der die preußische Bourgeoisie
durch Camphausen und Hansemann ihren Verrat an der Revolution zu
rechtfertigen suchte, bestand darin, daß die preußische National-
versammlung, auf dem "Boden der Gesetzlichkeit" bleibend, sich
auf die Errichtung einer konstitutionellen Ordnung durch
"Vereinbarung mit der Krone" beschränken sollte (siehe auch Anm.
130). 5 103 248
5 Anspielung auf die Worte Friedrich Wilhelms IV. bezüglich des
Ministeriums Brandenburg: "Entweder Brandenburg in der Kammer,
oder die Kammer in Brandenburg." Die "Neue Preußische Zeitung"
machte in ihrer Nummer vom 9.November 1848 daraus: "Brandenburg
in der Kammer und die Kammer in Brandenburg". 7
6 Haus Brandenburg - die Dynastie der Hohenzollern, die 1417 die
Markgrafschaft Brandenburg als erbliches Lehen erhielt. 7
7 Kaiser Karl V. ließ nach der Überlieferung kurz vor seinem Tode
die Zeremonien seines eigenen Begräbnisses veranstalten und nahm
selbst an diesen Bestattungsfeierlichkeiten teil. 7
8 Die Halsgerichtsordnung Karls V. ( "Constitutio criminalis Ca-
rolina"), die 1532 vom Reichstag in Regensburg angenommen wurde,
zeichnete sich durch außerordentlich grausame Strafen aus. 7
9 Der französische König Ludwig XVI. (Louis Capet) suchte während
des Volksaufstandes vom 10. August 1792, durch den die Monarchie
in Frankreich gestürzt wurde, in der
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Nationalversammlung Schutz. Am folgenden Tag wurde der König ver-
haftet. Der Konvent, der über Ludwig XVI. zu Gericht saß, er-
klärte ihn der Verschwörung gegen die Freiheit der Nation und ge-
gen die Sicherheit des Staates schuldig und verurteilte ihn zum
Tode. In den Nummern 19, 21, 22, 26 und 98 vom 19., 21., 22., 26.
Juni und 9. September 1848 veröffentlichte die "Neue Rheinische
Zeitung" die Artikelserie "Die Verhandlungen des National-Kon-
vents über Louis Capet, Ex-König von Frankreich". 7
10 Die Mehrheit der slawischen Abgeordneten des österreichischen
Reichstags von 1848 gehörte liberalen Kreisen des Bürgertums und
der Gutsbesitzer an, die danach strebten, die nationale Frage auf
dem Wege der Erhaltung und Festigung der Habsburger Monarchie
durch ihre Umwandlung in eine Föderation gleichberechtigter Na-
tionalitäten zu lösen (siehe auch Anm. 209). 8
11 Am 9. November 1848 wurde der preußischen Nationalversammlung
eine "Allerhöchste Botschaft" des Königs über die Vertagung der
Versammlung und ihre Verlegung von Berlin nach Brandenburg be-
kanntgegeben. Daraufhin verließ die Mehrheit der Abgeordneten des
rechten Flügels gehorsam den Sitzungssaal, unter ihnen auch zwei
Kölner Deputierte (Haugh und von Wittgenstein). 8 37
12 das Krähen des gallischen Hahnes - In der von Heinrich Heine
im März 1831 verfaßten Einleitung zu der Schrift "Kahldorf über
den Adel in Briefen an den Grafen M. von Moltke" heißt es in Hin-
blick auf die französische Revolution von 1830: "Der gallische
Hahn hat jetzt zum zweiten Male gekräht, und auch in Deutschland
wird es Tag." 10 149
13 Die Akademische Legion, die aus Studenten der Wiener Universi-
tät bestand, war die radikalste der bürgerlichen militärischen
Organisationen. 10
14 Schiller, "Die Jungfrau von Orleans", III. Aufzug, sechster
Auftritt. 10
15 Über das Auftreten des Ministerpräsidenten Brandenburg in der
preußischen Nationalversammlung am 9.November 1848 siehe
"Stenographische Berichte über die Verhandlungen der zur Verein-
barung der preußischen Staats-Verfassung berufenen Versammlung",
Bd. 3. 11
16 Shakespeare, "Troilus und Cressida", III. Aufzug, dritte
Szene. 11
17 "Le Moniteur Universel" - französische Tageszeitung, die von
1789 bis 1901 in Paris erschien. Sie war 1799-1814 und 1816-1868
das offizielle Regierungsorgan. Während der Französischen Revolu-
tion veröffentlichte die Zeitung die Berichte über die
Parlamentssitzungen sowie die Gesetze und Akte der Revolutionsre-
gierung. 11 96
18 Am 3. November 1848 schrieb die "Kölnische Zeitung" über einen
imaginären afrikanischen Stamm der "Hyghlans", eine Zwischenform
zwischen Mensch und Affe. "Viele von ihnen", heißt es dort,
"lernen die arabische Sprache." Die "Neue Rheinische Zeitung" vom
5. November machte sich über diese Mitteilung lustig und bemerkte
u.a., daß "diese Entdeckung ... jedenfalls für die Partei der
Heuler" (siehe Anm. 226) "die größte Bedeutung hat, die in den
Hyghlans eine würdige Verstärkung erhält". 11
19 Im Dezember 1848 mußten in Frankreich laut Verfassung Prä-
sidentschaftswahlen stattfinden. Die französische Verfassung vom
4. November 1848 billigte dem Präsidenten als Oberhaupt der Exe-
kutivgewalt große Vollmachten zu und zeugte von der verstärkten
konterrevolutionären Haltung der herrschenden Bourgeoisie seit
dem Aufstand des Pariser Proletariats im Juni 1848. Im Ergebnis
der Wahlen vom 10. Dezember wurde Louis Bonaparte Präsident der
Republik (siehe auch Anm. 189). 11
#607# Anmerkungen
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20 Als Antwort auf die "Allerhöchste Botschaft" über die Verta-
gung der preußischen Nationalversammlung und ihre Verlegung von
Berlin nach Brandenburg (siehe Anm. 11) beschloß die Mehrheit der
Abgeordneten, die Beratungen in Berlin fortzusetzen. Daraufhin
Wurde die Nationalversammlung am 10. November 1848 aus ihrem bis-
herigen Sitzungsgebäude, dem Schauspielhaus, vertrieben und tagte
vom 11. bis 13. November im Berliner Schützenhaus.
Die historische Sitzung der französischen Nationalversammlung im
Ballhaus zu Versailles fand am 20. Juni 1789 statt. 11
21 "Kölnische Zeitung" - Tageszeitung, die unter diesem Titel
seit 1802 in Köln erschien. In den dreißiger und Anfang der vier-
ziger Jahre verteidigte sie die katholische Kirche gegen den in
Preußen herrschenden Protestantismus; 1848/49 spiegelte sie die
feige, verräterische Politik der preußischen liberalen Bour-
geoisie wider und führte einen ständigen erbitterten Kampf gegen
die "Neue Rheinische Zeitung". 12 60 112 134 214 261 300 303 314
362 382 424 489
22 Dieser Beschluß wurde von der preußischen Nationalversammlung
in ihrer 98. Sitzung am 11. November 1848 im Berliner Schützen-
haus gefaßt (siehe "Verhandlungen der constituirenden Versammlung
für Preußen. 1848", Bd. 9, Suppl.-Bd.). 12
23 In der "Neuen Rheinischen Zeitung" Nr. 142 (Zweite Ausgabe)
und Nr. 143 vom 14. und 15. November 1848 wurde Georg Weerths Ar-
tikel "Die Steuerverweigerung in England bei Gelegenheit der Re-
form-Bill im Jahre 1832" veröffentlicht. 12
24 Den vorliegenden und eine Reihe nachfolgender Artikel schrieb
Engels während seines erzwungenen Aufenthalts in der Schweiz. Am
26. September 1848 wurde über Köln der Belagerungszustand ver-
hängt und der Befehl zur Verhaftung einiger Redakteure der "Neuen
Rheinischen Zeitung" gegeben, unter denen sich auch Engels be-
fand. Engels emigrierte nach Belgien; dort verhaftete ihn am 4.
Oktober die Brüsseler Polizei und wies ihn aus Belgien aus. Einen
Tag später traf Engels in Paris ein, und nach kurzem Aufenthalt
begab er sich zu Fuß in die Schweiz (siehe seinen Reisebericht
"Von Paris nach Bern", Band 5 unserer Ausgabe, S. 463-480). Etwa
am 9. November kam Engels in Bern an, wo er bis Januar 1849
blieb. Während dieser Zeit schickte er regelmäßig Artikel und
eine Reihe Notizen informatorischen Charakters an die "Neue Rhei-
nische Zeitung". In seinen Artikeln "Das Exfürstentum", "Die
neuen Behörden - Fortschritte in der Schweiz", "Wahlen für das
Bundesgericht", "Die Persönlichkeiten des Bundesrats", "Der
Nationalrat" und "Die Schweizer Presse" gab Engels ein klares
Bild der Beschränktheit und des Provinzialismus im politischen
Leben der damaligen Schweizer Bundesrepublik, die das Ideal der
süddeutschen kleinbürgerlichen Demokraten war. 13
25 Das Fürstentum Neuenburg und Vallendis (frz. Neuchâtel und
Valangin) war seit 1707 ein Preußen untergeordneter Zwergstaat,
mußte jedoch 1806 an Frankreich abgetreten werden. Auf Beschluß
des Wiener Kongresses wurde Neuchâtel als unteilbarer und von der
preußischen Monarchie völlig abgesonderter Staat dem König von
Preußen zugesprochen und als 21. Kanton in die Schweizer Eidge-
nossenschaft aufgenommen. 1831 wurde ein Versuch der Republikaner
in Neuchâtel, durch einen Aufstand eine Umgestaltung der Verfas-
sung und die völlige Trennung von Preußen zu erzwingen, durch den
Bevollmächtigten des preußischen Königs, Generalmajor von Pfuel,
mit großer Härte unterdrückt. Pfuel wurde danach als preußischer
Gouverneur für Neuchâtel eingesetzt. Unmittelbar nach der Fe-
bruarrevolution 1848 brach erneut ein republikanischer Aufstand
aus. Es wurde eine provisorische Regierung gebildet, Neuchâtel
zur Republik erklärt
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und der Herrschaft Preußens faktisch ein Ende gesetzt. Im Jahre
1857 mußte der preußische König offiziell auf seine Ansprüche auf
Neuchâtel verzichten. 13
26 Heilige Hermandad - Bund spanischer Städte, der Ende des 15.
Jahrhunderts unter Mitwirkung königlicher Behörden gegründet
wurde, die sich bemühten, die Bourgeoisie im Kampf gegen die
großen Feudalherren im Interesse des Absolutismus auszunutzen.
Seit Mitte des 16. Jahrhunderts übten die bewaffneten Kräfte der
Heiligen Hermandad Polizeifunktionen aus. Im übertragenen, ironi-
schen Sinne bezeichnete man später mit "Heiliger Hermandad" die
Polizei. 13 365
27 Schweizer Nationalrat und Ständerat - nach der Verfassung vom
12. September 1848 wird der Nationalrat aus Abgeordneten gebil-
det, die auf der Grundlage des allgemeinen Stimmrechts jeweils
für drei Jahre gewählt werden; der Ständerat setzt sich aus je
zwei Abgeordneten der Kantone zusammen. Beide bilden als Bundes-
versammlung die oberste Gewalt der Eidgenossenschaft (siehe auch
Anm. 30). 13 15 64 85
28 "Constitutionnel Neuchâlelois" - Schweizer konstitutionell-
monarchistische Zeitung, die von 1831 bis Februar 1848 in
Neuchâtel herausgegeben wurde.
"Le Républicain Neuchâtelois" - Schweizer bürgerlich-republikani-
sche Zeitung, die von März 1848 bis Oktober 1849 in La Chaux-de-
Fonds und ab November 1849 bis 1856 in Neuchâtel erschien. 14
29 Montagnards (Bergbewohner) - hier die revolutionären Uhrenar-
beiter des Schweizer Kantons Neuchâtel.
Montagnards (Montagne, Berg) nannte man im Konvent, der National-
versammlung der Französischen Revolution, die den linken Flügel
bildenden Jakobiner, weil sie die am höchsten gelegenen Plätze
des Sitzungssaales innehatten. In den Jahren 1848-1851 führte die
Partei der kleinbürgerlich-demokratischen Republikaner in der
konstituierenden und gesetzgebenden Nationalversammlung Frank-
reichs diese Bezeichnung; sie war jedoch nur eine klägliche
Parodie der Montagne von 1792/93. 14
30 Tagsatzung - Ratstagung (Bundestag) in der Schweizer Eidgenos-
senschaft, die sich aus den Gesandten der Kantone zusammensetzte
und die oberste beschließende Instanz war. 1848 nahm die Tagsat-
zung die neue Verfassung an und an ihre Stelle trat die Bundes-
versammlung. 15 49 64 87
31 Sonderbund - Separatbund von sieben ökonomisch rückständigen
katholischen Schweizer Kantonen, der 1845 zum Widerstand gegen
fortschrittliche bürgerliche Umgestaltungen und zur Verteidigung
der Privilegien der Kirche und der Jesuiten geschlossen wurde.
Der Beschluß der Schweizer Tagsatzung vom Juli 1847 über die Auf-
lösung des Sonderbundes diente diesem als Anlaß, Anfang November
militärische Aktionen gegen die übrigen Kantone zu beginnen. Am
23. November 1847 wurde das Heer des Sonderbundes von den Truppen
der Bundesregierung geschlagen (siehe hierzu auch Engels' Artikel
"Der Schweizer Bürgerkrieg" in Band 4 unserer Ausgabe, S. 391-
398). 15 65 89
32 bindende Mandate - Die Abgeordneten der Schweizer Tagsatzung
waren an die Instruktionen ihrer Kantonalregierungen gebunden.
Dadurch wurde die Durchsetzung fortschrittlicher Maßnahmen außer-
ordentlich erschwert. 15
33 Moderados (Gemäßigte) - Partei der gemäßigten Liberalen in
Spanien, die während der bürgerlichen Revolution 1820 bis 1823
bei der Spaltung der Partei der Liberalen in einen rechten
(Moderados) und in einen linken Flügel (Exaltados) entstand. En-
gels bezeichnet hier mit "Moderados" die gemäßigten Liberalen der
Schweiz. 16
#609# Anmerkungen
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34 "Revue de Genève et Journal Suisse" - Organ der radikalen Par-
tei, das seit 1842 in Genf herausgegeben wurde. Unter diesem Ti-
tel erschien die Zeitung bis 1861. 17 35
35 eine und unteilbare Helvetische Republik - Nach dem Zusammen-
bruch der alten aristokratischen Schweizer Eidgenossenschaft beim
Einmarsch der französischen Truppen 1798 wurde die an das franzö-
sische Vorbild sich anlehnende "eine und unteilbare Helvetische
Republik" errichtet, die bis 1803 bestand. Die Helvetische Repu-
blik führte die bürgerliche Rechtsgleichheit und Wirtschaftsfrei-
heit ein und förderte die Wissenschaft und Kultur. Diese Fort-
schritte blieben auch bei der darauffolgenden teilweisen Wieder-
herstellung des Föderalismus erhalten. 18 179
38 Freiburger Pfaffenputsch - Am 24. Oktober 1848 fand in Frei-
burg ein von der katholischen Geistlichkeit unter Leitung des Bi-
schofs Marilley organisierter Aufstand statt, der das Ziel hatte,
die nach der Zerschlagung des Sonderbundes gebildete demokrati-
sche Regierung dieses Kantons zu stürzen. Der Aufstand wurde
rasch niedergeschlagen. 18 35
37 "Cavaignac und die Junirevolution" schrieb Marx als redaktio-
nelle Einleitung zu einer Artikelserie, die unter dem Titel "Herr
Cavaignac" in den Nummern 142 (Zweite Ausgabe), 145 (Außerordent-
liche Beilage), 146, 147 (Zweite Ausgabe), 157 (Beilage) und 158
der "Neuen Rheinischen Zeitung" vom 14., 17., 18. und 19.
November und vom 1. und 2. Dezember 1848 erschien. Die Artikel
waren eine Übersetzung aus der französischen Zeitung "La Presse",
in der sie vom 7. bis 11. November 1848 unter der Überschrift "M.
Cavaignac devant la Commission d'Enquête sur l'insurrection du
23. juin" [Herr Cavaignac vor der Untersuchungskommission über
die Insurrektion vom 23. Juni] veröffentlicht worden waren. 19
38 "kleiner Konstabler" - Spitzname für Louis Bonaparte, der in
der englischen Emigration den Spezial-Konstablern (siehe Anm. 47
und 116) angehörte; dabei spielte man auf den Spitznamen "kleiner
Korporal" an, den die französischen Soldaten Napoleon I. gegeben
hatten. 19
39 arabische Nachtmütze - Anspielung auf die Teilnahme General
Cavaignacs an der Eroberung Algiers und auf seine Tätigkeit als
Gouverneur von Algier im Jahre 1848, wobei er sich durch blutige
Unterdrückung der nationalen Befreiungsbewegung der Araber aus-
zeichnete. Diese "Heldentaten" verschafften Cavaignac bei der
französischen Bourgeoisie den Ruf eines zuverlässigen "Ordnungs-
hüters". 19
40 "La Presse" - französische Tageszeitung, die seit 1836 in Pa-
ris herausgegeben wurde. 1848/49 unterstützte sie die bürgerli-
chen Republikaner, später die Bonapartisten. 1836-1857 war Émile
de Girardin Redakteur der Zeitung. 19
41 Der Rheinische Kreisausschuß der Demokraten, in dem Marx eine
führende Rolle spielte, leitete die Tätigkeit der demokratischen
Organisationen der Rheinprovinz und Westfalens.
Ende Juni 1848 wurde auf Grund des Beschlusses des ersten Demo-
kraten-Kongresses in Frankfurt am Main aus Vertretern der drei
demokratischen Organisationen Kölns - der Demokratischen Gesell-
schaft, des Arbeitervereins und des Vereins für Arbeiter und Ar-
beitgeber - ein Zentralausschuß gebildet. Dieser Ausschuß er-
füllte bis zur Einberufung des ersten rheinischen Demokraten-Kon-
gresses provisorisch die Funktion des Rheinischen Kreisausschus-
ses. Der erste rheinische Demokraten-Kongreß, der vom 13. bis 14.
August 1848 in Köln stattfand und an dem Marx und Engels teilnah-
men, bestätigte die Zusammensetzung des Zentralausschusses der
drei demokratischen Vereine
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in Köln als Rheinischen Kreisausschuß der Demokraten. Der Kongreß
betonte in einem Beschluß die Notwendigkeit, unter den Fabrikar-
beitern und unter den Bauern politische Arbeit zu leisten.
Bei Beginn des konterrevolutionären Staatsstreichs in Preußen
rief der Rheinische Kreisausschuß der Demokraten am 14. November
1848, noch vor dem gleichen Beschluß der Nationalversammlung, die
Bevölkerung der Rheinprovinz zur Steuerverweigerung auf. Diese
Aufforderung fand in der Rheinprovinz ein bedeutendes Echo. In
der "Neuen Rheinischen Zeitung" Nr. 147 vom 19. November 1848
(Zweite Ausgabe) wurde über Steuerverweigerungen in Städten und
Landgemeinden berichtet - z.B. in Wittlich, Bernkastel, Bonn,
Köln und Neheim - und zum Schluß gesagt: "Berlin kann nur durch
die revolutionäre Energie der Provinzen, die größern Provinzial-
städte und namentlich die Provinzialhauptstädte können nur durch
die revolutionäre Energie des flachen Landes sichergestellt wer-
den. Die Steuerverweigerung (sei es der direkten, sei es der in-
direkten Steuern) gibt dem flachen Lande die beste Gelegenheit,
sich um die Revolution verdient zu machen." 20 38 136
42 In ihrer 101. Sitzung am 13. November 1848 im Berliner Schüt-
zenhaus billigte die preußische Nationalversammlung eine von ei-
ner Kommission vorgelegte Denkschrift, in der die Maßnahmen des
Ministeriums Brandenburg als Hochverrat erklärt wurden. Sie be-
schloß, diese Denkschrift zu veröffentlichen und dem Staatsanwalt
zu übergeben, damit er seine Pflicht tun könne (siehe
"Verhandlungen der constituirenden Versammlung für Preußen 1848",
Bd. 9, Suppl.-Bd.). 21
43 Habeas-Corpus-Act nannte man analog dem englischen Grundgesetz
von 1679, welches Verhaftungen von Staatsbürgern ohne richterli-
chen Befehl verbot, das von der preußischen Nationalversammlung
am 28.August 1848 angenommene "Gesetz zum Schutz der persönlichen
Freiheit". Dieses Gesetz wurde von der preußischen Regierung grob
verletzt. 21 60 250
44 Dieser Beschluß wurde von der preußischen Nationalversammlung
bereits in ihrer 100. Sitzung am 12. November 1848 (Abendsitzung)
im Berliner Schützenhaus gefaßt (siehe "Verhandlungen der consti-
tuirenden Versammlung für Preußen. 1848", Bd. 9, Suppl.-Bd.). 21
45 Bekenntnisse einer schönen Seele - Überschrift des sechsten
Buches von Goethes Roman "Wilhelm Meisters Lehrjahre". 24
46 Pinto-Hansemann - ironische Anspielung auf die Ähnlichkeit der
von dem preußischen Finanzminister Hansemann vorgeschlagenen Maß-
nahmen (die Zwangsanleihe als Mittel zur Beschleunigung des Geld-
umlaufs) mit den Ansichten des holländischen Börsenspekulanten
Pinto, der das Börsenspiel als Faktor zur Beschleunigung des
Geldumlaufs betrachtete. (Vgl. den Artikel "Der Gesetzentwurf
über die Zwangsanleihe und seine Motivierung" in Band 5 unserer
Ausgabe, S. 262-270.) 24 103
47 Das Ministerium Auerswald-Hansemann, das sogenannte "Ministe-
rium der Tat", befand sich vom 25. Juni bis zum 21. September
1848 im Amt.
Unter diesem Ministerium wurde in Berlin außer der gewöhnlichen
Polizei eine Abteilung Bewaffneter in Zivil für den Einsatz gegen
Straßenansammlungen und Massenkundgebungen des Volkes und für
Spionagedienste gebildet. Diese Polizeiabteilung nannte man
Konstabler entsprechend den Spezial-Konstablern in England, die
bei der Sprengung der Chartistendemonstration am 10. April 1848
eine bedeutende Rolle gespielt hatten. 24 117 220
#611# Anmerkungen
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48 Santa Casa (Heiliges Haus) - so hieß das Inquisitionsgefängnis
in Madrid. 24
49 Virgil(ius) der Zauberer - die nach mittelalterlicher Auffas-
sungsweise sagenhaft verherrlichte Gestalt des römischen Dichters
Virgil. Sehr früh machte sich die Meinung geltend, daß in seinen
Schriften eine ganz besondere Weisheit verborgen sei. Ein mysti-
scher Gebrauch der Virgilischen Gedichte erhielt sich bis weit
über das Mittelalter hinaus: die sortes virgilianae, eine Schick-
salsbefragung, bei der man die ersten sich darbietenden Verse des
aufs Geratewohl aufgeschlagenen Buches als Orakel annahm. 24
50 preußischer Brumaire 1848 - Vergleich des konterrevolutionären
Staatsstreiches in Preußen mit dem 18. Brumaire des Jahres 8 (9.
November 1799) in Frankreich. An diesem Tage machte sich Napoleon
Bonaparte durch einen Staatsstreich zum ersten Konsul und über-
nahm die Regierung.
Brumaire (Nebelmonat) - zweiter Monat des französischen republi-
kanischen Kalenders, rechnete vom 22. Oktober bis 22. November.
24
51 Blusenmänner - Bezeichnung für die Angehörigen des vierten
Standes, die Arbeiter ; auch für Revolutionäre gebraucht. 27
52 Heine, "Deutschland. Ein Wintermärchen", Kaput VIII. 27 200
499
53 That is the question (Das ist die Frage) - aus Shakespeare,
"Hamlet", III. Aufzug, erste Szene. 28
54 "Preußischer Staats-Anzeiger" - offizielles Organ der preußi-
schen Regierung, das von Mai 1848 bis Juli 1851 in Berlin er-
schien. Von 1819 bis April 1848 war die Zeitung unter dem Titel
"Allgemeine Preußische Staats-Zeitung" ein halbamtliches Organ
der preußischen Regierung. 30 156 287 350
55 "Vossische Zeitung" - so nannte man eine 1751 in den Besitz
von Christian Friedrich Voß übergegangene Berliner Tageszeitung,
die seit 1785 unter dem Titel "Königlich privilegirte Berlinische
Zeitung von Staats- und gelehrten Sachen" erschien. In den
vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts nahm die Zeitung eine gemä-
ßigt-liberale Haltung ein. 30
56 Das sogenannte Geheimratsviertel lag im Südwesten Berlins und
wurde hauptsächlich von preußischen Beamten bewohnt. 30
57 Am 31. Oktober 1848 fand in Berlin eine Protestdemonstration
gegen die Grausamkeiten der österreichischen Konterrevolution bei
der Niederschlagung des Wiener Aufstands statt. Sie endete mit
einem provokatorischen Überfall des 8. Bataillons der Bürgerwehr
auf die unbewaffneten Maschinenbauarbeiter. Die preußische Reak-
tion machte sich diese Provokation zunutze, indem sie das Mini-
sterium Pfuel durch das offen konterrevolutionäre Ministerium
Brandenburg ersetzte. 30
68 Das Köllnische Rathaus befand sich im Zentrum Berlins, das
Mitte des 19. Jahrhunderts den alten Namen Kölln oder Altkölln
beibehielt. Das Rathaus, in dem am 14. November 1848 die preußi-
sche Nationalversammlung tagte, wurde 1890 abgebrochen. 30
59 Der Beschluß über die Steuerverweigerung wurde von der preußi-
schen Nationalversammlung in ihrer 102. Sitzung am 15. November
1848 im Saale des Hotels Mielenz gefaßt (siehe "Verhandlungen der
constituirenden Versammlung für Preußen. 1848", Bd. 9, Suppl.-
Bd.). 30
60 Dieser "Aufruf" hatte ein Gerichtsverfahren gegen die Mitglie-
der des Rheinischen Kreisausschusses der Demokraten Marx, Schap-
per und Schneider II zur Folge (siehe vorl. Band, S. 240-257). 33
#612# Anhang und Register
-----
61 Diese Mitteilung ist in der "Neuen Rheinischen Zeitung" nicht
erschienen.
Entsprechend der am 12. September 1848 angenommenen Schweizer
Verfassung wurden die Mitglieder des Bundesgerichts in der ge-
meinsamen Versammlung beider Kammern der Bandesversammlung - des
Nationalrats und des Ständerats (siehe Anm. 27) - gewählt. Die
acht erstgewählten Bundesrichter sind: D. Kern von Thurgau, D.
Kasimir Pfyffer aus Luzern, Migy aus Bern, Rüttimann von Zürich,
Brosi von Graubünden, Zenrufinen von Wallis, Favre aus Neuenburg
und Blumer von Glarus.
Das Bundesgericht sollte Streitigkeiten, die früher die Tagsat-
zung (siehe Anm. 30) jahrelang beschäftigten, in kurzer Frist
beilegen und bisher straflos gebliebene Handlungen, den sogenann-
ten Landesverrat und Hochverrat, ahnden. 34
62 "Schweizerische National-Zeitung" - Tageszeitung, die seit
1842 in Basel erschien. 34 127
63 "Nouvelliste Vaudois" - Schweizer Zeitung, erschien von 1798
bis 1804 und von 1824 bis 1914 in Lausanne; in den vierziger Jah-
ren vertrat sie radikal-demokratische Anschauungen. 35 179
64 "Le Courrier Suisse" - Schweizer reaktionäre Zeitung, die von
1840 bis 1853 in Lausanne herausgegeben wurde. 35
65 Am 25. Oktober 1848 wurde der Bischof Marilley verhaftet. Am
30. Oktober fand in Freiburg (Fribourg) eine Konferenz von Regie-
rungsvertretern der Kantone statt, die dem Bistum angehörten
(Fribourg, Bern, Vaud, Neuchâtel und Genf). Auf der Konferenz
wurde beschlossen, den Bischof Marilley freizulassen, jedoch
wurde ihm nicht gestattet, sich auf dem Territorium der fünf Kan-
tone aufzuhalten und zu betätigen. Am 13. Dezember wurde Marilley
des Landes verwiesen und lebte bis 1856 in der Verbannung. 35
66 Der zweite rheinische Demokraten-Kongreß fand am 23. November
1848 in Köln statt. Auf dem Kongreß wurde über die Steuerverwei-
gerungskampagne und über die Einbeziehung der Bauernschaft in den
Kampf gegen die Konterrevolution beraten. Marx nahm an der Arbeit
des Kongresses teil. 38
67 Das von Marx erwähnte Schreiben des Staatsministeriums "An
sämtliche König). Regierungen" vom 18. November 1848 wurde im
"Preußischen Staats-Anzeiger" Nr. 200 vom 20. November 1848 ver-
öffentlicht. 39
68 Ein Brief des Staatsprokurators Hecker an die Redaktion der
"Neuen Rheinischen Zeitung", in dem Hecker versuchte, die gegen
ihn und den Oberprokurator Zweiffel vorgebrachten Beschuldigungen
zu widerlegen, veranlaßte Marx, die Kölner Prokuratur ironisch
"einen neuen, vielversprechenden Mitarbeiter" der "Neuen Rheini-
schen Zeitung" zu nennen (siehe den Artikel "Gerichtliche Unter-
suchung gegen die 'Neue Rheinische Zeitung'" in Band 5 unserer
Ausgabe, S. 175-177). 40
69 In die Frankfurter Nationalversammlung waren nach unterschied-
lichen Bestimmungen in den verschiedenen deutschen Ländern 589
Abgeordnete gewählt worden ; am 18. Mai 1848 versammelten sich
384 Abgeordnete zur feierlichen Eröffnung in der Paulskirche. Un-
ter den Abgeordneten befanden sich 122 Verwaltungsbeamte, 95 Ju-
stizbeamte, 103 Gelehrte, 81 Advokaten, 21 Geistliche, 17 Indu-
strielle und Kaufleute, 15 Ärzte, 12 Offiziere, 40 Grundbesitzer,
jedoch keine Arbeiter und Kleinbauern.
Lenin charakterisiert das Frankfurter Parlament als eine
"erbärmliche Versammlung erbärmlicher Schwätzer", da sich die li-
berale Bourgeoisie, die in der Versammlung die Mehrheit besaß,
auf endlose Reden beschränkte und durch ihre Unentschlossenheit
und Feigheit den feudal-reaktionären Kräften Vorschub leistete.
43 337 396 461
#613# Anmerkungen
-----
70 In ihrer Sitzung vom 20. November 1848 erklärte die Frankfur-
ter Nationalversammlung "den auf Suspension der Steuererhebung
gerichteten, offenbar rechtswidrigen, die Staatsgesellschaft ge-
fährdenden Beschluß der in Berlin zurückgebliebenen Versammlung
ausdrücklich für null und nichtig". Dieser Beschluß wurde mit 275
gegen 150 Stimmen angenommen. Nach Bekanntgabe des Abstimmungser-
gebnisses gab es auf Seiten der Linken Unruhe und Pfui-Rufe. Ver-
handlung und Beschluß der Nationalversammlung sind veröffentlicht
in "Stenographischer Bericht über die Verhandlungen der deutschen
constituirenden Nationalversammlung zu Frankfurt am Main", Bd. 5.
43 55
71 Die von der Deputation des Kölner Gemeinderats zusammen mit
anderen rheinischen Deputationen erbetene Audienz beim König
wurde vom Ministerpräsidenten Brandenburg verweigert. Auf die Be-
merkung der Deputationen, daß sie vorläufig keine Steuern Zahlen
würden, entgegnete der Ministerpräsident, daß er sie sich mit Ba-
jonetten holen würde. Am 21. November 1848 richtete Brandenburg
an die Deputationen ein Schreiben, in dem die Abgeordneten er-
sucht wurden, ihre "Ansichten und Wünsche" schriftlich einzurei-
chen. Dieses Schreiben ist in der "Kölnischen Zeitung" Nr. 314
vom 23. November 1848 veröffentlicht. 45
72 Die Frankfurter Nationalversammlung beschloß am 28. Juni 1848
die Schaffung einer provisorischen Zentralgewalt, die aus dem
Reichsverweser (für dieses Amt war der österreichische Erzherzog
Johann gewählt worden) und dem Reichsministerium bestehen sollte.
Die provisorische Zentralgewalt verfügte über kein eigenes Budget
und keine eigene Armee und war damit jeder realen Macht beraubt;
sie unterstützte die konterrevolutionäre Politik der deutschen
Fürsten. 46
73 "Le National" - französische Tageszeitung, die von 1830 bis
1851 in Paris erschien; in den vierziger Jahren war sie das Organ
der gemäßigten bürgerlichen Republikaner. Chefredakteur des
"National" und Führer dieser politischen Gruppierung, die sich
auf die Industriebourgeoisie und auf einen Teil der liberalen In-
telligenz stützte, war Armand Marrast. Jules Bastide war bis 1846
einer der Redakteure des "National". 46 65 148 209 353
74 "Revue nationale" - französische Zeitschrift christlich-demo-
kratischer Richtung, die von Philippe Buchez und Jules Bastide
von Mai 1847 bis Juli 1848 in Paris herausgegeben wurde. 46
75 Die Reise Maximilian Von Gagerns nach Berlin und Schleswig,
die dieser im Auftrage des Frankfurter Reichsministeriums unter-
nahm, um an den Waffenstillstandsverhandlungen mit Dänemark teil-
zunehmen, endete mit einem völligen Mißerfolg, da Preußen und Dä-
nemark den Vertreter der machtlosen Zentralgewalt völlig igno-
rierten.
Engels vergleicht diese ergebnislose Reise Gagerns mit dem
Schicksal der Heldin des Ende des 18., Anfang des 19. Jahrhun-
derts in Deutschland verbreiteten Romans "Sophiens Reise von Me-
mel nach Sachsen" von Johann Timotheus Hermes; sie reiste lange
Zeit umher, ohne jemals ihr Ziel zu erreichen. 47
78 Am 12. April 1848 begann in Baden ein republikanischer Auf-
stand mit-dem Einfall bewaffneter Republikaner von der Schweiz
her. Der Aufstand, von den kleinbürgerlichen Demokraten Hecker
und Struve geleitet, war von Anfang an schlecht vorbereitet und
organisiert und wurde bereits Ende April niedergeschlagen. 47 126
77 Vorort - in der Schweizer Eidgenossenschaft Bezeichnung für
den Kanton, in dem die Tagsatzung (siehe Anm. 30) ihre Sitzungen
hielt und welcher, wenn diese nicht versammelt
#614# Anhang und Register
-----
war, die Bundesangelegenheiten leitete. Der Vorort wechselte
meist zwischen Bern, Luzern und Zürich. Durch die Bundesverfas-
sung von 1848 wurde diese Einrichtung aufgehoben. 47 64
78 Die zwischen der deutschen Zentralgewalt und dem Vorort Bern
gewechselten Noten wurden veröffentlicht: im "Preußischen Staats-
Anzeiger" Nr. 163 vom 14. Oktober 1848, Beilage (erste Note an
den Vorort Bern vom 4. Oktober 1848); in der "Frankfurter Ober-
postamts-Zeitung" Nr. 267 vom 30. September 1848, Extrabeilage
(erste Note an den Vorort Bern vom 4. Oktober 1848 in Auszügen
und eine Besprechung der Note); ebenda Nr. 275 vom 10. Oktober
1848, zweite Beilage und Nr. 276 vom II. Oktober 1848 (erste Ant-
wortnote des Vororts Bern vom 5. Oktober 1848); ebenda Nr. 298
vom 6. November 1848, Beilage (zweite Note an den Vorort Bern vom
23. Oktober 1848); ebenda Nr. 304 vom 13. November 1848 (zweite
Antwortnote des Vororts Bern vom 4. November 1848). 48 69 126
79 Barataria - imaginäre Insel in Cervantes' Roman "Don Quijote",
auf der Sancho Pansa als Statthalter eingesetzt wird. 48
80 Quidquid délirant reges, plectuntur Achivi (Jeglichen Wahnwitz
der Fürsten - die Griechen, sie müssen ihn büßen)" - aus Quintus
Horatius Flaccus, "Epistolae", Liber primus, Epistola II [Epi-
steln, erstes Buch, Epistel II]. 48
81 Sereschaner - auch Rotmäntel - seit 1700 den österreichischen
Grenzregimentern beigegebene berittene Sondertruppen für Erkun-
dungen und den kleinen Krieg zur Abwehr türkischer Übergriffe.
Sie waren mit rotem Mantel und roter Kappe bekleidet und zeich-
neten sich durch besondere Grausamkeit aus. Nach 1871 versahen
sie den Gendarmeriedienst an der serbisch-österreichischen
Grenze. 48 73 75 149 163 279 316 337
82 Rinaldo Rinaldini - Held des gleichnamigen Romans von Chri-
stian August Vulpius. Der Roman erschien Ende des 18.Jahrhunderts
und gehört zu den sogenannten "Räuberromanen". Einer der Haupt-
verleger dieser populären Ritter- und Räuberromane war Gottfried
Basse in Quedlinburg. 49
83 "Neffe seines Onkels" - Anspielung auf Louis Bonaparte, der
darauf spekulierte, daß er mit Napoleon I. verwandt war. 49
84 Heine, "Deutschland. Ein Wintermärchen", Kaput XXI. 51
85 Wallfahrten nach Muttenz - Friedrich Hecker, einer der Führer
des republikanischen Aufstandes in Baden im April 1848 (siehe
Anm. 76), emigrierte nach der Niederlage des Aufstandes in die
Schweiz. Er lebte in dem Dorf Muttenz im Kanton Basel, wo er von
einigen süddeutschen Republikanern aufgesucht wurde. Im September
1848 ging Hecker nach Amerika. 53
86 preußisch-dänischer Krieg um Schleswig-Holstein - Im Gefolge
der Märzrevolution 1848 in Deutschland bildete sich in Schleswig-
Holstein eine provisorische Regierung und eine Landesversammlung,
die durch den Erlaß demokratischer Gesetze und eines fortschritt-
lichen Verfassungsentwurfs in offenen Konflikt mit dem dänischen
Königtum geriet. Die Bevölkerung Schleswig-Holsteins forderte den
Anschluß an Deutschland. Ihr gerechter Kampf fand im deutschen
Volk volle Unterstützung; Teile der revolutionär und patriotisch
gesinnten Jugend eilten als Freiwillige nach Schleswig-Holstein.
Preußen ließ sich vom Deutschen Bund mit der Führung des Krieges
gegen Dänemark beauftragen, um unter dem Vorwand, die Interessen
Deutschlands zu vertreten, seine eigenen Machtpositionen
#615# Anmerkungen
-----
Positionen zu verstärken, die revolutionäre Stimmung der Massen
in Deutschland nach außen abzulenken und eine demokratische Ent-
wicklung in Schleswig-Holstein zu verhindern (siehe auch Anm.
198). Die preußische Militärkamarilla führte darum nur einen
Scheinkrieg, ließ die Truppen nutzlos hin- und hermarschieren und
sah ruhig zu, wie einzelne Abteilungen der schleswig-holsteini-
schen revolutionären Armee und der deutschen Freiwilligen von den
Dänen geschlagen wurden. Als England und Rußland drohende Noten
schickten, beeilte sich Preußen, den Waffenstillstand von Malmö
(siehe Anm. 134) abzuschließen. Mit der Annahme seiner Bedingun-
gen setzte es sich über die Weisungen der deutschen Zentralgewalt
hinweg und ließ die Bevölkerung und die provisorische Regierung
von Schleswig-Holstein schmählich im Stich. 54 103 219
87 In ihrer Sitzung am 20. November 1848 faßte die Frankfurter
Nationalversammlung einen Beschluß, durch den die Zentralgewalt
aufgefordert wurde, mit Hilfe der Reichskommissare in Berlin auf
die Ernennung eines auf das Vertrauen des Landes gestützten Mini-
steriums hinzuwirken, d.h. eines Ministeriums, das für die preu-
ßische Bourgeoisie annehmbarer wäre als das offen konterrevolu-
tionäre Ministerium Brandenburg-Manteuffel (siehe "Stenographi-
scher Bericht über die Verhandlungen der deutschen constituiren-
den Nationalversammlung zu Frankfurt am Main", Bd. 5). 55 76
88 Marx entlehnt diese Worte der Botschaft Drigalskis an die Düs-
seldorfer Bevölkerung, die in der "Düsseldorfer Zeitung" Nr. 311
vom 24. November 1848 abgedruckt ist. In der "Neuen Rheinischen
Zeitung" erscheint die Botschaft anschließend an den vorliegenden
Artikel. In diesem Dokument heißt es:
"Als Gott und meinem Könige treu ergebener Communist, erkläre ich
hiermit, daß ich zur Unterstützung meiner armen Brüder der Ge-
sammt-Gemeinde Düsseldorf, so lange ich hier ansässig bin, die
jährliche Summe von Tausend Thalern an die hiesige Stadt-Armen-
kasse in monatlichen Raten durch die hiesige Regierungs-Haupt-
Kasse zahlen werde ...
Mitbürger! Nehmt ein Beispiel daran und seid Communisten im edlen
Sinne und bald wird hier wie überall Ruhe, Friede und Vertrauen
seyn.
Düsseldorf, den 23. Nov. 1848 Bürger V. Drigalski"
Auf Grund des vorliegenden Artikels von Marx veranlaßte Drigalski
einen Verleumdungsprozeß gegen die "Neue Rheinische Zeitung"
(siehe vorl. Band, S. 577). 56 136 351
89 Die Erklärung Pfuels in der Sitzung der preußischen National-
versammlung vom 29. September 1848 ist veröffentlicht in den
"Stenographischen Berichten über die Verhandlungen der zur Ver-
einbarung der preußischen Staats-Verfassung berufenen Versamm-
lung" Bd. 2. 56
90 Code pénal - Strafgesetzbuch, das in Frankreich 1810 angenom-
men und in den unter Napoleon I. eroberten Gebieten West- und
Südwestdeutschlands eingeführt wurde; in der Rheinprovinz galt es
ebenso wie der Code civil auch nach ihrer Angliederung an Preußen
im Jahre 1815. Die preußische Regierung war bestrebt, in dieser
Provinz wieder das preußische Landrecht einzuführen. Eine ganze
Reihe von Gesetzen, Erlassen und Vorschriften sollte in der
Rheinprovinz die feudalen Privilegien des Adels (die Majorate)
und die preußische Strafgesetzordnung, Ehegesetzgebung usw. wie-
derherstellen. Diese Maßnahmen, die eine entschiedene Opposition
in der Rheinprovinz hervorriefen, wurden nach der Märzrevolution
durch die Verordnungen vom 15. April 1848 aufgehoben. 57 61 63
117 177 223 242 364 574
#616# Anhang und Register
-----
91 "Verordnung über einige Grundlagen der künftigen Preußischen
Verfassung" vom 6. April 1848. 58 102 142 219 240 359 464
92 Inder Erklärung des Düsseldorfer Oberpostdirektors Maurenbre-
cher vom 21. November 1848 verwahrt sich dieser gegen einen Ein-
griff der Bürgerwehr in die Amtstätigkeit der Postbeamten. Er
schreibt, daß am 21. November 1848 eine Abteilung der Bürgerwehr,
bestehend aus fünf bis sechs Offizieren, am Schalter und im Pack-
raum des Oberpostamtes erschien und nachsah, ob von der Düssel-
dorfer Regierungs-Hauptkasse eine bedeutende Geldsumme zur Absen-
dung vorliege. Maurenbrecher empört sich über die Nichtachtung
des "Post-Heiligtums" und der "Heiligkeit des Briefgeheimnisses".
Die Erklärung ist veröffentlicht in der "Kölnischen Zeitung" Nr.
314 vom 23. November 1848, Zweite Ausgabe. 58
93 in partibus infidelium (in den Gebieten der Ungläubigen) - nur
dem Namen, dem Titel nach; ursprünglich Ergänzung zum Titel der
katholischen Bischöfe von Diözesen in nichtchristlichen Ländern
(Titularbischöfe). 62 83
94 Aus dem "Rheinweinlied" von Matthias Claudius. 62
95 Disch - Hotel in Köln; Mielentz - Hotel in Berlin, wo am 15.
November 1848 die preußische Nationalversammlung tagte. 62
96 Ende September 1848 forderte der Reichsjustizminister die Köl-
ner Prokuratur auf, gegen die Redaktion der "Neuen Rheinischen
Zeitung" ein Gerichtsverfahren einzuleiten. Der Anlaß war eine
feuilletonistische Artikelserie, in der unter dem Namen Ritter
Schnapphahnski der bekannte Reaktionär Fürst Lichnowski verspot-
tet wurde. Das von Georg Weerth verfaßte Feuilleton "Leben und
Taten des berühmten Ritters Schnapphahnski" erschien im August,
September und Dezember 1848 und Januar 1849 anonym in der "Neuen
Rheinischen Zeitung". 63
97 Bundesrat - die oberste vollziehende und leitende Behörde der
Schweizer Eidgenossenschaft. Der Bundesrat besteht aus sieben
Mitgliedern, die von der Bundesversammlung (siehe Anm. 27) aus
allen Schweizer Bürgern, die zum Nationalrat wählbar sind, auf
drei Jahre gewählt werden. 64 97 125
98 Abgewandeltes Zitat aus Shakespeare, "König Lear", IV. Aufzug,
sechste Szene; dort heißt es: "Ja, jeder Zoll ein König ..." 64
99 Züricher Septemberregiment - Am 6. September 1839 wurde die
auf Grund der Verfassung des Jahres 1831gewählte Regierung des
Kantons Zürich durch einen Putsch der Konservativen und Klerika-
len gestürzt. Nach ihrem Wahlsieg im Jahre 1845 kamen die Libe-
ralen erneut an die Macht. 64
100 "Gazette de Lausanne et Journal Suisse" - Schweizer bürgerli-
che Zeitung, die 1804 in Lausanne gegründet wurde. 66
101 Commission du pouvoir exécutif (Exekutivkommission) - Regie-
rung der Französischen Republik, die am 10. Mai 1848 von der kon-
stituierenden Versammlung geschaffen wurde; sie löste die provi-
sorische Regierung ab, die ihre Vollmachten niedergelegt hatte.
Die Exekutivkommission bestand bis zum 24. Juni 1848, dem Beginn
der Militärdiktatur Cavaignacs. 68 211 558
102 Es handelt sich um die 1806 in Nürnberg anonym erschienene
Broschüre "Deutschland in seiner tiefen Erniedrigung". Wegen der
Herausgabe dieser Broschüre, die sich gegen die
#617# Anmerkungen
-----
napoleonische Fremdherrschaft richtete und von patriotischem
Geist durchdrungen war, wurde der Buchhändler Johann Philipp Palm
von den französischen Behörden zum Tode verurteilt und erschos-
sen. 69
103 beneath the lowest deep a lower still (unter dem tiefsten Ab-
grund ein noch tieferer) -John Milton, "Paradise Lost" [Das ver-
lorene Paradies]. 69
104 Der "Bericht des Ausschusses für die österreichischen Angele-
genheiten über die Antrage der Abgeordneten Venedey, Heinrich Si-
mon, Wiesner und Bauernschmied, sowie über mehrere die österrei-
chischen Angelegenheiten betreffenden Petitionen" wurde veröf-
fentlicht in "Verhandlungen der deutschen verfassunggebenden
Reichsversammlung zu Frankfurt am Main", Bd. 2. Dem Bericht ist
der im Artikel mehrfach zitierte Briefwechsel der beiden Reichs-
kommissare Welcker und Mösle mit dem Reichsminister Schmerling
und dem österreichischen Ministerpräsidenten von Wessenberg bei-
gefügt. 69
105 Eisele und Beisele - komische Figuren aus dem anonym erschie-
nenen satirischen Pamphlet "Doctor Eisele's und Baron von Bei-
sele's Landtagsreise im April 1847" von Johann Wilhelm Christern.
Eisele und Beisele tauchen auch in den Münchener "Fliegenden
Blättern" 1848 auf. Hier sind Welcker und Mösle gemeint (siehe
auch Anm. 104). 70
108 "Die Jobsiade. Ein komisches Heldengedicht" - satirisches
Poem von Karl Arnold Kortum. Die lustige Reisekarte aus der Job-
siade zeigt kaum zu entwirrende Irrwege. 70 102
107 Rubicon (Rubico, Rubikon) - Grenzfluß zwischen dem antiken
cisalpinischen Gallien und Italien nördlich von Ariminum (heute
Rimini). Als Cäsar 49 v.u.Z. mit seinen Truppen den Rubicon über-
querte, womit der Bürgerkrieg eröffnet wurde, soll er gesagt ha-
ben: "Die Würfel sind gefallen." Hier bezeichnet Marx ironisch
die Überschreitung des Inn als eine wichtige Entscheidung. 70
108 Abgewandeltes Zitat aus Schillers Ballade "Der Taucher" ;
dort heißt es: "Da unten aber. ist's fürchterlich." 70
109 Welcker war einer der Herausgeber des mehrbändigen Werkes
"Staats-Lexikon oder Encyklopädie der Staatswissenschaften". Die
erste Ausgabe erschien in Altona 1834-1843, die zweite 1845-1848.
70
110 Aus dem Gedicht "Ausmarsch des Jahrs 1815" von Ernst Moritz
Arndt. "O du Deutschland ..." wurde zu einem bekannten Volkslied.
71
111 Rossini, "Tankred", Große Oper in 2 Abteilungen, I. Akt, Ca-
vatine. 71
112 Kroaten - Soldaten des kaiserlich-österreichischen Heeres,
dessen leichte Reiterei und Infanterie sich ursprünglich aus An-
gehörigen dieses südslawischen Volksstamms rekrutierten.
Panduren - Militärformationen der kaiserlich-österreichischen Ar-
mee, die eine besondere Art irregulärer Infanterietruppen dar-
stellten und sehr brutal und rücksichtslos auftraten. 75 149 161
163 281 300 337
113 Raizen (auch Razen) - alter Name für die Nordserben, der in
Ungarn gebraucht wurde. 75
114 Die "Neue Preußische Zeitung" Nr. 129 vom 28. November 1848
bezieht sich in ihrem Artikel auf die "Proklamation des Reichs-
verwesers an das deutsche Volk, den Konflikt zwischen der Krone
und der Nationalversammlung in Preußen betreffend" vom 21. No-
vember 1848 (siehe "Stenographischer Bericht über die Verhandlun-
gen der deutschen constituirenden Nationalversammlung zu Frank-
furt am Main", Bd. 5). 76
#618# Anhang und Register
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115 Auf Beschluß des Wiener Kongresses (1814/15) wurden das linke
und das rechte Rheinufer Preußen einverleibt. Zum Titel des preu-
ßischen Königs kam neben anderen noch der eines Großherzogs vom
Niederrhein. In dem "Patent vom 5. April 1815 wegen Besitznahme
des Großherzogtums Nieder-Rhein" versprach Friedrich Wilhelm
III., in der Rheinprovinz und im ganzen Lande Vertretungskörper-
schaften einzuführen. 76 366
116 Am 10. April 1848 wurde in London durch Einsatz von Militär
und Spezial-Konstablern eine Chartistendemonstration gesprengt,
die dem Parlament eine dritte Petition über die Annahme der
Volkscharte vorlegen wollte.
Am 15. Mai 1848 wurde mit Hilfe der bürgerlichen Nationalgarde
eine revolutionäre Aktion der Pariser Arbeiter niedergeschlagen.
Am 25. Juni 1848 wurde der Aufstand des Pariser Proletariats in
Blut erstickt.
Am 6. August 1848 wurde Mailand von österreichischen Truppen be-
setzt, die die nationale Befreiungsbewegung in Norditalien nie-
dergeschlagen hatten.
Am 1. November 1848 nahmen die Truppen des Feldmarschalls Win-
dischgrätz Wien ein. 77
117 Chartisten - Vertreter der revolutionären, aber nicht sozia-
listischen Bewegung der englischen Arbeiter in den Jahren von
1836 bis 1848, die für die Verwirklichung der Volkscharte
(peoples charter) kämpften, deren Forderungen auf die Demokrati-
sierung der staatlichen Ordnung Englands gerichtet waren. Über
die Bedeutung der Chartistenbewegung sagte Lenin, daß "England
der Welt die erste wirkliche, breite, politisch klar ausgeprägte
proletarisch-revolutionäre Massenbewegung ... gab". 77 150
118 Siege des Volkes in Wien am 15. und 26. Mai - Am 15. Mai 1848
kam es in Wien zu bewaffneten Kämpfen der Arbeiter und Studenten,
die sich gegen die am 25.April vom Ministerium Pillersdorf ver-
kündete Verfassung richteten. Die Verfassung führte das Zweikam-
mersystem ein und schloß die Arbeiter als Nichtbesitzende von der
Wahl aus. Die Feudallasten der Bauern wurden beibehalten. Die
Kämpfe der Arbeiter und Studenten richteten sich gleichzeitig ge-
gen den Erlaß des Ministeriums über die Auflösung des aus Dele-
gierten der Studenten und der Nationalgarde gebildeten revolutio-
nären Zentralkomitees, das in diesen Tagen zum Zentrum des
Kampfes gegen die Verfassung geworden war.
Die Regierung wurde gezwungen, die Auflösung des Zentralkomitees
rückgängig zu machen, die Verfassung für provisorisch zu erklären
und bekanntzugeben, daß der Reichstag aus einer Kammer bestehen
werde. Gleichzeitig wurde der Wahlzensus abgeschafft.
Am 26. Mai 1848 verfügte die Regierung die Auflösung der Akademi-
schen Legion (siehe Anm. 13), der militärischen Organisation der
revolutionären Studenten. Es kam erneut zu Erhebungen der Arbei-
ter und Studenten, durch die die Regierung zur Zurücknahme der
Auflösungsverfügung und zu weiteren Zugeständnissen gezwungen
wurde. 78
119 Bei Custozza (Norditalien) brachte die österreichische Armee
unter Radetzky am 25. Juli 1848 den sardinisch-lombardischen
Streitkräften eine Niederlage bei. 79
120 Die "Adresse der Berliner Professoren an den König von Preu-
ßen" vom 24. November 1848 und die "Erklärung von Prorektor und
Senat der Königl. vereinten Friedrichs-Universität" in Halle vom
21. November 1848 wurden im "Preußischen Staats-Anzeiger" am 25.
und 26. November 1848 veröffentlicht. 81 83
121 des Pudels Kern - Goethe, "Faust", Erster Teil, "Studier-
zimmer". 81 453
122 Am 5. Dezember 1848 erschien eine königliche Verordnung über
die Auflösung der preußischen Nationalversammlung. Im Bericht des
Staatsministeriums zu dieser Verordnung
#619# Anmerkungen
-----
wird der Nationalversammlung insbesondere vorgeworfen, daß sie
sich der "Allerhöchsten Botschaft über Verlegung des Sitzes der
zur Vereinbarung der Verfassung berufenen Versammlung von Berlin
nach Brandenburg" nicht gefügt habe - einer Maßnahme, die angeb-
lich "die Freiheit der Beratungen der Volksvertreter vor den an-
archischen Bewegungen in der Hauptstadt und ihren terroristischen
Einflüssen sicherstellen" sollte. 84 101 249
123 Am 5. Dezember 1848 wurde gleichzeitig mit der Auflösung der
Nationalversammlung eine "Verfassungsurkunde für den Preußischen
Staat" in Kraft gesetzt, eine Verfassung, die Marx und Engels die
"oktroyierte Verfassung" nannten. Artikel 60 dieser "Verfassungs-
urkunde" lautet: "Die gesetzgebende Gewalt wird gemeinschaftlich
durch den König und durch zwei Kammern ausgeübt. Die Überein-
stimmung des Königs und beider Kammern ist zu jedem Gesetze
erforderlich." Die Wahlen zu beiden Kammern wurden in zwei Stufen
durchgeführt (Urwähler wählten Wahlmänner, denen die eigentliche
Wahl oblag). Zu den Wahlen zur zweiten Kammer waren nach dem
Wahlgesetz vom 6. Dezember 1848 nur sogenannte "selbständige
Preußen" zugelassen. Die Wähler der ersten Kammer wurden durch
einen Vermögenszensus auf die besitzenden Klassen beschränkt.
Außerdem erhielten die Mitglieder der ersten Kammer "weder
Reisekosten noch Diäten", so daß sich dieses sogenannte
"Herrenhaus" aus den Vertretern der privilegierten Schichten zu-
sammensetzte. In einer Bemerkung zu Artikel 63 dieser Verfassung
wurde für die in der Verfassung selbst angeordnete Revision erwo-
gen, "ob ein Teil der Mitglieder der ersten Kammer vom Könige zu
ernennen ... sein möchte". Ein der herrschenden Klasse mißliebi-
ges Gesetz konnte kaum von diesem Herrenhaus angenommen werden,
und wenn, so lag es beim König, ihm seine Zustimmung zu versagen.
- "Die vollziehende Gewalt" stand nach Artikel 43 "dem Könige al-
lein" zu. "Er ernennt und entläßt die Minister." - "Der König hat
das Recht, Krieg zu erklären, Frieden zu schließen und Verträge
mit fremden Regierungen zu errichten" (Artikel 46). "Der König
beruft die Kammern und schließt ihre Sitzungen." Er konnte sie
jederzeit auflösen (Artikel 49). Nach Artikel 107 mußten die Mit-
glieder beider Kammern dem König "Treue und Gehorsam schwören".
Aber selbst mit diesen außerordentlich großen Vollmachten des Kö-
nigs konnten sich die preußischen Junker noch nicht begnügen. Für
den Fall eines Krieges oder Aufruhrs (Artikel 110) wurde die in
dieser Verfassung soeben "gewährleistete" persönliche Freiheit,
die Unverletzlichkeit der Wohnung, die gesetzliche Gerichtsbar-
keit, Preßfreiheit, das Versammlungs- und Vereinigungsrecht
"zeit- und distriktweise außer Kraft gesetzt". In den folgenden
Monaten wurden die demokratischen Bewegungen als "Aufruhr" bis
zum endgültigen Sieg der Konterrevolution durch "zeit- und di-
striktweise" Verhängung des Belagerungszustandes niedergeschlagen
oder unterdrückt. Diese sogenannte Verfassung leistete der Kon-
terrevolution Vorschub, indem sie zuerst dazu beitrug, das Volk
über die wahren Absichten des preußischen Staates zu täuschen und
dann das Mittel bot, die getäuschten und sich empörenden Massen
niederzuschlagen. 84 102 123 142 215 219 240 268 299 316 359 370
372 427 435 446 452 483 485 493
124 Ajax - Gestalt aus Shakespeares "Troilus und Cressida", Mu-
ster eines groben und aufgeblasenen Kriegers. 86 96
125 Die Debatte des Schweizer Nationalrats über die italienischen
Flüchtlinge im Kanton Tessin vom 21. und 22. November 1848 gibt
Engels auf Grund seiner persönlichen Teilnahme wieder. Stenogra-
phische Protokolle über diese Verhandlungen gibt es nicht. Ein
zusammenfassender Bericht findet sich im "Schweizerischen Bundes-
blatt", Nr. 6 vom 17. März 1849. 88
#620# Anhang und Register
-----
126 aes triplex (dreifacher Erzpanzer) - "Uli robur et aes tri-
plex circa pectus erat..." [Dem war das Herz mit einer dreifachen
Schicht von Eichenholz und Erz gepanzert.. J heißt es in
"Carminum", Ode III, von Quintus Horatius Flaccus. 89
127 "Neue Zürcher-Zeitung" - Schweizer Tageszeitung liberaler
Richtung, die seit 1780 in Zürich erscheint. Bis 1821 trug sie
den Titel "Zürcher-Zeitung". 91
128 Dottore Barlholo - Gestalt aus Beaumarchais' Komödie "La
folle journée, ou le mariage de Figaro" [Der tolle Tag oder die
Hochzeit des Figaro]. 95
129 Das "Wahlgesetz für die zur Vereinbarung der Preußischen
Staats-Verfassung zu berufende Versammlung" wurde auf Vorschlag
des Ministeriums Camphausen am 8. April 1848 vom zweiten Verei-
nigten Landtag angenommen und beruhte auf dem indirekten Zweistu-
fenwahlsystem. 102 112 199 219 240 359
130 "Vereinbarungsversammlung" nannten Marx und Engels die preu-
ßische Nationalversammlung und ihre Abgeordneten dementsprechend
"Vereinbarer". Die preußische Nationalversammlung wurde im Mai
1848 in Berlin zur Ausarbeitung einer Verfassung "durch Vereinba-
rung mit der Krone" einberufen. Mit Annahme dieser Formulierung
verzichtete die preußische Nationalversammlung auf das Prinzip
der Volkssouveränität. Die Verhandlungen der preußischen Natio-
nalversammlung sind veröffentlicht in "Stenographische Berichte
über die Verhandlungen der zur Vereinbarung der preußischen
Staats-Verfassung berufenen Versammlung", Beilage zum
"Preußischen Staats-Anzeiger", Bd. 1-3, Berlin 1848, die später
als Einzelausgabe unter dem Titel "Verhandlungen der constitui-
renden Versammlung für Preußen 1848", Bd. 1-8, Berlin 1848, er-
schienen. 102 135 219 228 372
131 Der Prinz von Preußen, einer der Anführer der reaktionären
Hofkamarilla, war der Hauptschuldige an den Ausschreitungen des
Militärs gegen die Berliner Bevölkerung vor dem 18. März 1848 und
floh während der Märzkämpfe aus Furcht vor dem Volk nach England.
Die Regierung Camphausen setzte sich jedoch bereits Anfang Mai
für seine Rückberufung ein, ohne sich um die Proteste der empör-
ten Berliner Bevölkerung zu kümmern. Am 6. Juni versuchte Cam-
phausen in der preußischen Nationalversammlung, die feige Flucht
als eine vorgesehene Studienreise hinzustellen. Am 8. Juni er-
schien der "Kartätschenprinz" als Abgeordneter des Kreises Wir-
sitz in der preußischen Nationalversammlung. 103 110 201 219
132 Im Großherzogtum Posen brach nach der Märzrevolution 1848 ein
Aufstand der Polen für ihre nationale Befreiung vom preußischen
Joch aus. An dieser revolutionären Bewegung nahm erstmalig die
Masse der Bauern und Handwerker teil, deren Führung in den Händen
von Angehörigen des niederen polnischen Adels lag. Die Adelsari-
stokratie jedoch scheute vor dem Bündnis mit der revolutionär-de-
mokratischen Bewegung in Polen und Deutschland zurück und sah den
Ausweg in der Verständigung mit dem preußischen König. Angesichts
der großen Volksbewegung versprach die preußische Regierung Ende
März 1848 die Bildung einer Kommission zur nationalen Reorganisa-
tion des Großherzogtums Posen, die den Polen die Aufstellung ei-
nes polnischen Heeres, die Einsetzung von Polen in administrative
und andere Ämter und die offizielle Anerkennung der polnischen
Sprache zusicherte. Als Beauftragter der preußischen Regierung
wurde General Willisen eingesetzt, dem es gelang, unter ähnlichen
Versprechungen die Konvention von Jaroslawiec abzuschließen und
die Aufständischen zur Niederlegung der Waffen zu veranlassen.
Alle Zusagen wurden jedoch schmählich gebrochen. Bereits am
#621# Anmerkungen
-----
14. April 1848 verfügte der preußische König die Teilung des
Großherzogtums Posen in einen östlichen, polnischen Teil und in
einen westlichen, "deutschen" Teil, der nicht der Reorganisation
unterlag und umgehend dem Deutschen Bund einverleibt wurde. Der
königliche Erlaß vom 26. April schloß weitere Gebiete von der Re-
organisation aus. Durch diese Maßnahmen und ständige Überfälle
preußischer Truppen herausgefordert, begannen die Aufständischen
erneut den Kampf und errangen bei Miloslaw einen Sieg über die
preußischen Truppen, mußten jedoch am 9. Mai 1848 vor der Über-
macht ihre Waffen strecken. Der Nachfolger von Willisen, General
von Pfuel, verfolgte die Teilnehmer des Aufstandes und der Parti-
sanenbewegung mit den brutalsten Mitteln. Nach der blutigen Un-
terdrückung der Polen wurde die Demarkationslinie in den folgen-
den Monaten immer weiter nach Osten vorgeschoben, bis das zu
Preußen geschlagene Gebiet schließlich drei Viertel des Territo-
riums des Großherzogtums Posen umfaßte. So riß Preußen weitere
polnische Gebiete an sich, statt die versprochene Reorganisation
durchzuführen. 103 162 219 428 448
patriotische Überkraft - aus Heines Zeitgedicht "Bei des Nacht-
wächters Ankunft zu Paris". 103 219
134 Der Waffenstillstand zwischen Preußen und Dänemark wurde nach
längeren Verhandlungen am 26. August 1848 in Malmö (Schweden) auf
sieben Monate abgeschlossen. In dem Vertrag war festgelegt, daß
Schleswig-Holstein eine von Preußen und Dänemark eingesetzte vor-
läufige Regierung erhalten soll und die schleswigschen von den
holsteinischen Truppen getrennt werden. Der Waffenstillstand
machte die revolutionär-demokratischen Errungenschaften in
Schleswig-Holstein zunichte und erhielt faktisch die dänische
Herrschaft über die Herzogtümer aufrecht. Damit hatte sich Preu-
ßen über die Absichten des Deutschen Bundes, in dessen Namen der
Krieg geführt worden war, hinweggesetzt. Dennoch stimmte die
Frankfurter Nationalversammlung nach anfänglicher Weigerung am
16. September 1848 diesen Waffenstillstandsbedingungen zu.
Der Krieg zwischen Preußen und Dänemark wurde Ende März 1849 wie-
der aufgenommen und endete 1850 mit dem Siege Dänemarks. Schles-
wig und Holstein blieben in dänischem Besitz. 103 162 219 361
135 Oberbefehlshaber beider Marken - Am 15. September 1848 wurde
der der reaktionären Hofkamarilla nahestehende General Wrangel
zum Oberbefehlshaber des Brandenburger Wehrkreises ernannt. Die
Markgrafschaft Brandenburg, der ursprüngliche Kern Preußens, be-
stand Mitte des 19. Jahrhunderts aus der Kurmark und der Neumark;
daher die Bezeichnung Oberbefehlshaber "beider Marken". 103
136 der denkende Geschichtsfreund - ironische Bezeichnung von
Marx und Engels für Camphausen in Anspielung auf den Untertitel
des damals bekannten Werkes "Allgemeine Geschichte vom Anfang der
historischen Kenntniß bis auf unsere Zeiten. Für denkende Ge-
schichtsfreunde bearbeitet von Karl von Rotteck", Bd. 1-9, Frei-
burg im Breisgau 1834. 103 358
137 Der erste Vereinigte Landtag trat auf Grund eines Königlichen
Patents am 11. April 1847 zusammen und tagte bis zum 26. Juni
1847. Er stellte die Vereinigung aller acht bestehenden Provinzi-
allandtage dar, sollte nach königlichem Ermessen berufen werden
und war in zwei Kurien geteilt. Die Kurie des Herrenstandes be-
stand aus 70 Vertretern des hohen Adels, die Kurie der übrigen
drei Stände umfaßte 237 Vertreter der Ritterschaft, 182 der
Städte und 124 der Landgemeinden. Die Befugnisse des Vereinigten
Landtages beschränkten sich auf die Bewilligung neuer Anleihen in
Friedenszeiten und auf die
#622# Anhang und Register
-----
Zustimmung zu neuen Steuern oder Steuererhöhungen. Mit der Bil-
dung des Vereinigten Landtages wollte der preußische König die
Erfüllung der gegebenen konstitutionellen Versprechungen und die
Bestimmungen des Staatsschuldengesetzes (siehe Anm. 142) umgehen.
Auf dem Landtage machte sich eine starke liberale Opposition be-
merkbar, die von den Vertretern der rheinischen Großbourgeoisie
(Hansemann, Camphausen, von Beckerath) und einem Teil des ost-
preußischen Adels (von Vincke, von Auerswald) ausging. Da der
Landtag sich für die Bewilligung einer Anleihe nicht kompetent
erklärte, wurde er vom König nach Hause geschickt.
Der zweite Vereinigte Landtag wurde am 2. April 1848 einberufen.
Er nahm auf Vorschlag des Ministeriums Camphausen am 8. April das
"Wahlgesetz für die zur Vereinbarung der Preußischen Staats-Ver-
fassung zu berufende Versammlung" an und gab seine Zustimmung zu
einer Anleihe in Höhe von 25 Millionen Taler, die der erste Ver-
einigte Landtag abgelehnt hatte. Danach wurde der Landtag am 10.
April 1848 aufgelöst. 104 219 243 315 318 360 364 378 447 479
138 Anspielung auf Camphausen, der in früheren Jahren mit Fetten
und Getreide handelte, und auf Hansemann, der seine Tätigkeit als
Wollhändler begann. 110
139 Bourgeois gentilhomme - Held der Komödie "Le bourgeois gen-
tilhomme" [Der Bürger als Edelmann] von Jean-Baptiste Molière. In
der Gestalt des Bourgeois gentilhomme wird ein eitler und tölpel-
hafter reicher Bürger verkörpert, dessen größtes Lebensziel die
Erwerbung eines Adelstitels ist. 110
140 puer robustus sed malitiosus (ein kräftiger, aber bösartiger
Bursche) - abgewandeltes Zitat aus dem Vorwort von Hobbes zu sei-
nem Buch "De cive" [Über den Bürger]. 111
141 Konstitutionsgesetz von 1815 - Am 22. Mai 1815 erschien die
"Verordnung über die zu bildende Repräsentation des Volkes", in
der vom preußischen König die Schaffung von provisorischen Stän-
deversammlungen, die Einberufung eines gesamtpreußischen Vertre-
tungsorgans und die Einführung einer Verfassung versprochen
wurde. Es kam jedoch nur durch Gesetz vom 5. Juni 1823 zur Bil-
dung von Ständeversammlungen in den Provinzen (Provinzialland-
tage) mit begrenzten beratenden Funktionen. 112 478
142 Landtagsgesetz von 1820 - Die "Verordnung wegen der künftigen
Behandlung des gesammten Staatsschulden-Wesens" vom 17. Januar
1820 bestimmte, daß die Aufnahme von Anleihen durch die preußi-
sche Regierung nur unter Hinzuziehung und Mitgarantie der künfti-
gen reichsständischen Versammlung geschehen und die Schuldenver-
waltung dieser jährlich Rechnung legen sollte. 112 479
143 Patent von 1847 - Am 3. Februar 1847 erließ der preußische
König ein "Patent, die ständischen Einrichtungen betreffend" und
eine entsprechende "Verordnung über die Bildung des Vereinigten
Landtages". 112
144 Auf die Regierung Camphausen folgte in Preußen vom 26. Juni
1848 bis 21.September 1848 die Regierung Auerswald-Hansemann, das
sogenannte "Ministerium der Tat". Auerswald war der Präsident
dieses Staatsministeriums; Hansemann, der eigentliche Kopf des
Kabinetts, blieb weiterhin wie unter Camphausen Finanzminister,
weil er dadurch als Vertreter der Großbourgeoisie eine entschei-
dende Schlüsselposition in den Händen hielt, die es ihm ermög-
lichte, Gesetze und Maßnahmen im Interesse seiner Klasse in der
Regierung und der Nationalversammlung durchzusetzen. 113
145 Aus der Rede Hansemanns in der Sitzung des ersten Vereinigten
Landtages am 8. Juni 1847 (siehe "Der Erste Vereinigte Landtag in
Berlin 1847", dritter Teil). 113 159
#623# Anmerkungen
-----
140 Es handelt sich um den 1821 in Quedlinburg erschienenen Rit-
terroman "Kuno von Schreckenstein oder die weissagende Traumge-
stalt" von C. Hildebrandt. 114
147 Schwarz und weiß - Farben der preußischen Staatsflagge. 115
163 474 481
148 Zusammenfassung des Programms des Ministeriums Auerswaid-Han-
semann, wie es von Hansemann in der 20.Sitzung der preußischen
Nationalversammlung am 26. Juni 1848 dargelegt wurde (siehe
"Stenographische Berichte über die Verhandlungen der zur Verein-
barung der preußischen Staats-Verfassung berufenen Versammlung",
Bd. 1). 115
149 Das "Allgemeine Landrecht für die Preußischen Staaten" von
1794 war eine Zusammenfassung des bürgerlichen Rechts, des Han-
dels-, Wechsel-, See- und Versicherungsrechts, ferner des Straf-,
Kirchen-, Staats- und Verwaltungsrechts; es verankerte den
rückständigen Charakter des feudalen Preußens in der Rechtspre-
chung und galt in wesentlichen Teilen bis zur Einführung des Bür-
gerlichen Gesetzbuches im Jahre 1900. 117 219 226 289 341 346 366
150 Aus den Reden der Minister Kühlwetter und Hansemann in der
37-Sitzung der preußischen Nationalversammlung am 9.August 1848
(siehe "Stenographische Berichte über die Verhandlungen der zur
Vereinbarung der preußischen Staats-Verfassung berufenen Versamm-
lung", Bd. 1). 118
151 Die bürgerlich-aristokratische Staatsverfassung Von Belgien,
die 1831 nach dem Sieg der bürgerlichen Revolution angenommen
wurde, entzog durch einen hohen Vermögenszensus einem großen Teil
der Bevölkerung die Wahlrechte. 118
152 Seehandlung - "Preußische Seehandlungsgesellschaft". Sie
wurde 1772 als Handelskreditgesellschaft gegründet, mit einer
Reihe wichtiger staatlicher Privilegien ausgestattet, stellte der
Regierung große Darlehen zur Verfügung und spielte faktisch die
Rolle ihres Bankiers und Maklers. 1810 wurden die Aktien und Ob-
ligationen der Gesellschaft in Staatsschuldscheine umgewandelt
und damit die Gesellschaftsform beseitigt. Durch Kabinettsorder
vom 17. Januar 1820 wurde sie zum Finanz- und Bankhaus des preu-
ßischen Staates umgestaltet; damit schuf sich die Regierung eine
Möglichkeit, das gleichzeitig erlassene Staatsschuldengesetz
(siehe Anm. 142) zu umgehen. 118 479
153 Der "Entwurf eines Gesetzes, betreffend die Aufhebung der
Klassensteuer-Befreiungen" für Adlige, Offiziere, Geistlichkeit
und Lehrer wurde der preußischen Nationalversammlung am 12. Juli
1848 vorgelegt und von Hansemann begründet. Der "Entwurf eines
Gesetzes, betreffend die Aufhebung der Grundsteuer-Befreiungen"
wurde der Versammlung am 21.Juli 1848 überreicht. In der 27. Sit-
zung am 11. Juli 1848 stellte Hansemann die Einführung einer Ein-
kommensteuer in Aussicht. 120
154 Fra Diavolo (Bruder Teufel) - eigentlich Michèle Pezza, süd-
italienischer Räuberhauptmann, führte mit seiner Freischar 1798-
1806 einen heldenhaften Kampf gegen die französischen Eroberer,
wurde von diesen 1806 gefangengenommen und gehenkt. Die Gestalt
des Fra Diavolo aus der gleichnamigen Oper von Auber hat mit dem
wahren Fra Diavolo nur den Namen gemein. 120
155 Der Titel der Ablösungsdenkschrift Patows, datiert vom 10.
Juni 1848, lautet: "Promemoria, betreffend die Maßregeln der Ge-
setzgebung, durch welche die zeitgemäße Reform der guts- und
grundherrlichen Verhältnisse und die Beseitigung der noch vorhan-
denen Hemmungen der Landeskultur bezweckt wird." 121
#624# Anhang und Register
-----
156 Der Antrag des Abgeordneten Hanow wurde in der Sitzung vom 3.
Juni 1848 zur Beratung in die Abteilungen weitergeleitet. Am 21.
Juli 1848 wurde von der Zentral-Abteilung ein Bericht über diesen
Antrag und ein entsprechender Gesetzentwurf der preußischen Na-
tionalversammlung vorgelegt, beides wurde an die Zentral-Abtei-
lung zurückgewiesen. In der Sitzung vom 30.September 1848 lag ein
zweiter Bericht über den Antrag des Abgeordneten Hanow vor, der
dem Gesetzentwurf den "Vorbehalt interimistischer Festsetzung
über die laufenden Leistungen" beifügte. Auf dieser Sitzung wurde
der Gesetzentwurf angenommen. Das entsprechende "Gesetz, betref-
fend die Sistirung der Verhandlungen über die Regulirung der
gutsherrlichen und bäuerlichen Verhältnisse und über die Ablösung
der Dienste, Natural- und Geldabgaben, sowie der über diese Ge-
genstände anhängigen Prozesse" wurde am 9. Oktober 1848 vom König
verabschiedet. 121 25!
157 Der dringende Antrag des Abgeordneten Nenstiel, "daß die be-
stehenden Hofedienste (Robot) sofort aufhören", wurde in der Sit-
zung vom 1. September 1848 als nicht dringlich befunden und auf
die gewöhnliche Tagesordnung gesetzt. Der gleiche Antrag war von
Nenstiel bereits in der Sitzung vom 2. Juni 1848 gestellt und da-
mals an die Abteilungen überwiesen worden. 121
158 Marx meint die "General-Versammlung zur Wahrung der materiel-
len Interessen aller Klassen des preußischen Volks", auch
"Junkerparlament" genannt. Es war ein Kongreß der großen Gutsbe-
sitzer, der von den Führern des Vereins zum Schutz des Eigentums
und der Förderung des Wohlstandes aller Volksklassen (auf dem
Kongreß umbenannt in Verein zur Wahrung der Interessen des Grund-
besitzes) für den 18. August 1848 nach Berlin einberufen worden
war. 122
159 Stein-Schultzescher Armeebefehl - Am 3. August 1848 war es in
der Festung Schweidnitz zu einem Feuerüberfall von Festungstrup-
pen auf die Bürgerwehr gekommen, wobei 14 Bürger getötet wurden.
Durch dieses immer reaktionärere Auftreten preußischer Truppen
veranlaßt, nahm die preußische Nationalversammlung am 9. August,
unter Einbeziehung einiger Abänderungsvorschläge, einen Antrag
des Abgeordneten Stein mit folgendem Wortlaut an: "Der Herr
Kriegsminister möge in einem Erlaß an die Armee sich dahingehend
aussprechen, daß die Offiziere allen reaktionären Bestrebungen
fernbleiben, nicht nur Konflikte jeglicher Art mit dem Zivil ver-
meiden, sondern durch Annäherung an die Bürger und Vereinigung
mit denselben zeigen, daß sie mit Aufrichtigkeit und Hingabe an
der Verwirklichung eines konstitutionellen Rechtszustandes mitar-
beiten wollen, und es denjenigen Offizieren, mit deren politi-
schen Überzeugungen dies nicht vereinbar ist, zur Ehrenpflicht
machen, aus der Armee auszutreten." Der Kriegsminister Schrecken-
stein erließ trotz des Beschlusses der Versammlung keinen derar-
tigen Befehl. Deshalb wiederholte Stein seinen Antrag in der Sit-
zung der Nationalversammlung vom 7. September; die Mehrheit der
Versammlung schloß sich der Aufforderung an das Ministerium an,
diesen Beschluß schnellstens auszuführen. Infolge dieses Abstim-
mungsergebnisses nahm das Ministerium Auerswald-Hansemann seinen
Abschied. In der Zeit des folgenden Ministeriums Pfuel wurde der
Befehl schließlich in abgeschwächter Form gegeben, blieb aber nur
auf dem Papier. 122 251
160 Wrangelscher Armeebefehl - Der kommandierende General in den
Marken, Wrangel, erließ am 17. September 1848 einen Armeebefehl,
der zeigte, daß die preußische Militärclique beabsichtigte, zum
offenen Angriff auf die Errungenschaften der Revolution überzuge-
hen. Wrangel betonte darin, daß es seine Aufgabe sei, "die öf-
fentliche Ruhe" aufrechtzuerhalten, und drohte den "Elementen,
welche zur Ungesetzlichkeit verführen
#625# Anmerkungen
-----
wollen". Der Befehl schloß mit der Aufforderung an die Soldaten,
sich fest um ihre Offiziere und den König zu scharen. 122 190 251
161 Hinweis auf die Thronrede Friedrich Wilhelms IV. bei der Er-
öffnung des ersten Vereinigten Landtages (siehe Anm. 137) am 11.
April 1847. In dieser Rede erklärte der preußische König, "daß
die Jahrhunderte und eine Erbweisheit ohnegleichen, aber kein
Stück Papier" die Verfassung Preußens gemacht haben, und daß er
"es nun und nimmermehr zugeben werde, daß sich zwischen unserm
Herrgott im Himmel und diesem Land ein beschriebenes Blatt
gleichsam als eine zweite Vorsehung eindränge..." (siehe "Der
Erste Vereinigte Landtag in Berlin 1847", erster Teil). 123 246
480 494 516
162 Artikel 14 der 1814 oktroyierten "Charte constitutione^" Lud-
wigs XVIII. lautet: "Der König ist das Oberhaupt des Staates ...
er erläßt die für die Ausführung der Gesetze und für die Sicher-
heit des Staates notwendigen Bestimmungen und Verordnungen." 123
163 Magna Charta Libertatum - Urkunde, die dem englischen König
Johann ohne Land von den aufständischen großen Feudalherren, den
Baronen und Kirchenfürsten, unterstützt durch Ritter und Städte,
vorgelegt wurde. Die am 15. Juni 1215 unterzeichnete Charta
schränkte die Rechte des Königs vor allem zugunsten der großen
Feudalherren ein und enthielt gewisse Zugeständnisse an die Rit-
terschaft und die Städte; der Hauptmasse der Bevölkerung, den
leibeigenen Bauern, brachte die Charta keinerlei Rechte. 124
164 "Frankfurter Journal" - Tageszeitung, die vom 17. Jahrhundert
bis 1903 in Frankfurt am Main erschien. In den vierziger Jahren
des 19. Jahrhunderts vertrat sie eine bürgerlichliberale Rich-
tung. 125 260 523
165 "Berner Verfassungs-Freund" - Schweizer liberale Tageszei-
tung, erschien von 1836 bis 1849 in Bern. 125 178
198 "La Suisse" - Schweizer Tageszeitung, die von 1847 bis 1860
in Bern herausgegeben wurde. 125
187 Neue "Heilige Allianz" - In den Jahren 1848/49 gab es von
Seiten der konterrevolutionären Kräfte in Europa eine Reihe Ver-
suche, im Kampf gegen die revolutionäre Bewegung die Heilige Al-
lianz von 1815 wiederzubeleben. Es kam jedoch nicht zum Abschluß
eines neuen Vertrages.
Die Heilige Allianz war ein Bund der konterrevolutionären Mächte
gegen alle fortschrittlichen Bewegungen in Europa. Sie wurde am
26. September 1815 auf Initiative des Zaren Alexander I. von den
Siegern über Napoleon geschaffen. Ihr schlössen sich, neben
Österreich und Preußen, fast alle europäischen Staaten an. Die
Monarchen verpflichteten sich zur gegenseitigen Unterstützung bei
der Unterdrückung von Revolutionen, wo immer sie ausbrechen soll-
ten. 125 146 270 389 393 476 478 513 524
168 "Der Schweizer Bote" wurde von 1798 bis 1880 herausgegeben.
Bis Ende 1835 führte die Zeitung den Titel "Der aufrichtige und
wohlerfahrene Schweizer-Bote". Sie erschien ab 1804 in Aarau
(Kanton Aargau) dreimal, von 1866 bis 1880 sechsmal wöchentlich.
"Basellandschaftliches Volksblatt" - Schweizer liberale Wochen-
zeitung, die von 1835 bis 1853 in Birsfelden (Kanton Basel) er-
schien. 127
169 Der Anklageakt ist in der von M.F. Anneke herausgegebenen
Broschüre "Der Politische Tendenz-Prozeß gegen Gottschalk, Anneke
und Esser..." enthalten. 130
170 Der sogenannte Prozeß Risquons-Tout, der vom 9. bis 30. Au-
gust 1848 in Antwerpen stattfand, war von der Regierung des bel-
gischen Königs Leopold zur Abrechnung mit den
#626# Anhang und Register
-----
Demokraten inszeniert worden. Als Anlaß diente der Zusammenstoß
der belgischen republikanischen Legion, die sich auf dem Wege von
Frankreich in die Heimat befand, mit einer Abteilung belgischer
Soldaten am 29.März 1848 bei dem Dörfchen Risquons-Tout unweit
der französischen Grenze. Der Anklageakt zu diesem Prozeß ist in
der "Neuen Rheinischen Zeitung" Nr. 45, 47 und 49 vom 15., 17.
und 19. Juli 1848 unter der Überschrift "Affaire Risquons-Tout"
veröffentlicht. 130 582
171 Der Kölner Arbeiterverein wurde am 13. April 1848 von Gott-
schalk, einem Mitglied der Kölner Gemeinde des Bundes der Kommu-
nisten, gegründet. Der Verein, der Mitte April ungefähr 300 Mit-
glieder zählte, war Anfang Mai bereits auf 5000 Mitglieder
angewachsen, deren Mehrheit Arbeiter und Handwerker waren. An der
Spitze des Vereins standen ein Präsident und ein Komitee, dem
Vertreter verschiedener Berufe angehörten. Das Presseorgan des
Vereins war die "Zeitung des Arbeiter-Vereins zu Köln" und ab 26.
Oktober 1848 die Zeitung "Freiheit, Brüderlichkeit, Arbeit". Der
Kölner Arbeiterverein besaß in der Stadt eine Reihe von Filialen.
Nach der Verhaftung Gottschalks wurde am 6. Juli Moll zum Präsi-
denten gewählt, der dieses Amt bis zu den Kölner Septemberereig-
nissen innehatte und dann infolge der drohenden Verhaftung emi-
grieren mußte. Am 16. Oktober 1848 übernahm Marx auf Bitten der
Arbeiter vorübergehend die Präsidentschaft, ihm folgte am 28. Fe-
bruar Schapper, der diese Funktion bis Ende Mai 1849 bekleidete.
Die meisten Führer des Arbeitervereins (Gottschalk, Anneke,
Schapper, Moll, Leßner, Jansen, Röser, Nothjung, Bedorf) waren
Mitglieder des Bundes der Kommunisten.
Zu Beginn seines Bestehens befand sich der Arbeiterverein unter
dem Einfluß Gottschalks, der - im Geiste der "wahren" Sozialisten
- die historischen Aufgaben des Proletariats in der bürgerlich-
demokratischen Revolution ignorierte, die sektiererische Taktik
des Boykotts der Wahlen zur deutschen und preußischen National-
versammlung verfolgte und gegen die Unterstützung der demokrati-
schen Kandidaten in den Wahlen auftrat. Ultralinke Phrasen ver-
banden sich bei Gottschalk mit sehr gemäßigten Kampfmethoden
(Überreichung von Petitionen im Namen der Arbeiter an die Regie-
rung und Stadtbehörde, alleinige Orientierung auf "gesetzliche"
Kampfformen, Unterstützung einer Reihe Forderungen rückständiger,
in zünftlerischen Vorurteilen befangener Arbeiter usw.). Diese
sektiererische Politik Gottschalks stieß von Anfang an auf den
Widerstand vieler Mitglieder des Vereins, welche die taktische
Linie von Marx und Engels unterstützten. Unter ihrem Einfluß kam
es Ende Juni 1848 zu einem Umschwung in der Tätigkeit des Kölner
Arbeitervereins. Im Herbst 1848 wurde eine breite Agitationsar-
beit entwickelt, in die auch die Bauern der Umgebung einbezogen
wurden. Die Vereinsmitglieder organisierten in der Umgebung von
Köln demokratische und Arbeitervereine, verbreiteten revolutio-
näre Literatur, darunter die "Forderungen der Kommunistischen
Partei in Deutschland". Der Verein unterhielt enge Beziehungen zu
anderen Arbeitervereinen der Rheinprovinz und Westfalens.
Im Winter 1848/49 führten Gottschalk und seine Anhänger einen er-
bitterten Kampf, der auf die Spaltung des Kölner Arbeitervereins
gerichtet war. In der von ihnen seit Januar 1849 herausgegebenen
Zeitung "Freiheit, Arbeit" traten sie mit heftigen Angriffen und
böswilligen Verleumdungen gegen Marx und die Redaktion der "Neuen
Rheinischen Zeitung" auf. Diese spalterische Tätigkeit fand je-
doch keine Unterstützung bei der Mehrheit der Vereinsmitglieder.
Mit dem Ziel der Festigung des Vereins führten Marx, Schapper und
andere im Januar und Februar 1849 seine Reorganisation durch. Am
25. Februar wurde ein neues Statut angenommen, in dem als Haupt-
aufgabe des Vereins "die Ausbildung
#627# Anmerkungen
-----
der Mitglieder in politischer, sozialer und wissenschaftlicher
Beziehung durch Anschaffung von Büchern, Zeitungen, Flugschriften
und durch wissenschaftliche Vorträge und Besprechungen" festge-
legt wurde. Im April faßte das Komitee des Arbeitervereins den
Beschluß, in den Sitzungen des Vereins die in der "Neuen Rheini-
schen Zeitung" veröffentlichte Abhandlung "Lohnarbeit und Kapi-
tal" von Marx zu diskutieren.
Die von den Arbeitern im Verlauf der Revolution gewonnene politi-
sche Erfahrung und ihre Enttäuschung über die schwankende Politik
der kleinbürgerlichen Demokraten gestatteten Marx und Engels, im
Frühjahr 1849 praktische Vorbereitungen für die Schaffung einer
proletarischen Partei in Angriff zu nehmen. In Verbindung hiermit
brachen Marx und seine Anhänger organisatorisch mit der kleinbür-
gerlichen Demokratie, ohne gemeinsame Kampfaktionen gegen die an-
greifende Konterrevolution abzulehnen. Am 16. April 1849 beschloß
der Kölner Arbeiterverein, aus der Vereinigung demokratischer
Vereine Deutschlands auszutreten und sich der Vereinigung deut-
scher Arbeitervereine in Leipzig anzuschließen. Am 6. Mai 1849
fand ein Kongreß der Arbeitervereine der Rheinprovinz und Westfa-
lens statt.
Die damaligen Verhältnisse in Deutschland (Erstarken der Konter-
revolution und die damit verbundene Verschärfung der polizeili-
chen Repressalien) hinderten jedoch den Kölner Arbeiterverein bei
seiner Tätigkeit für den Zusammenschluß und die Organisierung der
Arbeitermassen. Nachdem die "Neue Rheinische Zeitung" ihr Er-
scheinen einstellen mußte und Marx, Schapper und andere Führer
des Arbeitervereins aus Köln abgereist waren, verlor dieser immer
mehr seinen politischen Charakter und verwandelte sich allmählich
in einen gewöhnlichen Arbeiterbildungsverein. 130
172 Die "Zeitung des Arbeiter-Vereins zu Köln" erschien von April
bis Juli 1848 unter der Redaktion von Gottschalk, dann bis Ok-
tober 1848 unter Moll und Schapper. In diesem Zeitraum wurden 40
Nummern herausgegeben. Die Zeitung berichtete über die Tätigkeit
des Kölner Arbeitervereins und anderer Arbeitervereine der Rhein-
provinz.
Am 24. Oktober 1848 wurde gegen A. Brocker-Evererts, den Besitzer
der Druckerei, in der die Zeitung gedruckt wurde, ein Gerichts-
verfahren durchgeführt. Ihm wurde vorgeworfen, daß in Nr. 12 der
Zeitung der Artikel "Die Verhaftung von Dr. Gottschalk und An-
neke" und in Nr. 13 der Artikel "Verhaftungen in Köln" veröffent-
licht worden war - Artikel, die angeblich die Ehre der Gendarmen
und des Oberprokurators Zweiffel beleidigten. Das Gericht verur-
teilte den Drucker zu einem Monat Gefängnis und im Falle des Wie-
dererscheinens der Zeitung zu einer hohen Geldstrafe. Seit dem
26. Oktober gab der Kölner Arbeiterverein seine Zeitung unter dem
Titel "Freiheit, Brüderlichkeit, Arbeit" (siehe Anm. 480) heraus.
130
173 Septembergesetze - reaktionäre Gesetze, die im September 1835
von der französischen Regierung unter Berufung auf das am 28.
Juli auf den König Louis-Philippe verübte Attentat erlassen wur-
den. Sie beschränkten die Tätigkeit der Geschworenengerichte und
führten strenge Maßnahmen gegen die Presse ein, so die Erhöhung
der Kautionen für periodisch erscheinende Druckerzeugnisse, Ge-
fängnishaft und hohe Geldstrafen für Verfasser von Publikationen,
die gegen das Eigentum und die bestehende Staatsordnung gerichtet
waren. 131 314 317 339 346 366
174 Der erste demokratische Kongreß tagte vom 14. bis 17. Juni
1848 in Frankfurt am Main; auf ihm waren Delegierte von 89 demo-
kratischen Vereinen und Arbeiterorganisationen aus 66 Städten
Deutschlands vertreten. Der Kongreß erklärte auf Initiative der
Arbeiterdelegierten die demokratische Republik als einzige für
das deutsche Volk haltbare Verfassung. Es wurde die Zusammenfas-
sung aller demokratischen Vereine, die Schaffung
#628# Anhang und Register
-----
von Kreisausschüssen und eines sie anleitenden Zentralausschusses
mit seinem Sitz in Berlin beschlossen. Als Mitglieder des Zen-
tralausschusses wurden Fröbel, Rau, Kriege und als ihre Vertreter
Bairhoffer, Schütte und Anneke gewählt. Infolge der Schwäche und
Unbeständigkeit der kleinbürgerlichen Führung blieb die demokra-
tische Bewegung Deutschlands auch nach diesem Beschluß zersplit-
tert und unorganisiert. Die Zusammenarbeit blieb der persönlichen
Initiative der Führung der Vereine in den Städten und Kreisen
überlassen. 131
175 "Neue Kölnische Zeitung für Bürger, Bauern und Soldaten" -
revolutionär-demokratische Zeitung, die vom 10. September 1848
bis 14. Juni 1849 von Anneke und Beust in Köln herausgegeben
wurde. Die Zeitung stellte sich die Aufgabe, unter dem werktäti-
gen Volk in der Stadt und auf dem Lande sowie in der Armee revo-
lutionäre Propaganda in allgemeinverständlicher Form zu betrei-
ben. 132
176 Am Schluß der Sitzung vom 4. Juli 1848, in der die Debatte
über die Kommission zur Untersuchung der Ereignisse in Posen
fortgesetzt wurde, beschloß die preußische Nationalversammlung,
dieser Kommission unbeschränkte Vollmachten einzuräumen. Die An-
nahme dieses Beschlusses bedeutete eine Niederlage für das Mini-
sterium Auerswald-Hansemann. Die Vertreter des rechten Flügels
versuchten nunmehr, entgegen den parlamentarischen Regeln eine
weitere Abstimmung durchzusetzen, und zwar über den mit dem er-
sten Beschluß bereits verworfenen Antrag, die Vollmachten der
Kommission einzuschränken. Die Abgeordneten des linken Flügels
verließen zum Zeichen des Protestes den Sitzungssaal. Die Rechten
nutzten dies aus und brachten den Antrag durch, der Kommission
das Recht zu verweigern, sich nach Posen zu begeben und an Ort
und Stelle Zeugen und Sachverständige zu vernehmen. Damit wurde
die ursprüngliche Entscheidung der Versammlung unrechtmäßig an-
nulliert. Zu dem Verlauf der Debatte über eine Kommission für Po-
sen in der preußischen Nationalversammlung siehe Band 5 unserer
Ausgabe, S. 48-52, 185-188 und 190-197. 134
177 "Deutsche Zeitung" (auch Gervinus-Zeitung genannt) - liberale
Tageszeitung, die für die konstitutionelle Monarchie und die Ei-
nigung Deutschlands unter der Führung Preußens eintrat. Sie er-
schien von 1847 bis Ende September 1848 unter der Redaktion des
bürgerlichen Historikers Gervinus in Heidelberg, danach bis 1850
in Frankfurt am Main. 134215
178 "Karlsruher Zeitung" - Tageszeitung, Organ der badischen Re-
gierung, erschien seit 1757 in Karlsruhe. 134
179 Der Erlaß des Obertribunals von Berlin und eine Mitteilung
über die Erlasse der Oberlandesgerichte von Ratibor, Münster und
Bromberg wurden in der "Neuen Rheinischen Zeitung" Nr. 174 vom
21.Dezember 1848 veröffentlicht. Der Wortlaut der Erlasse von Ra-
tibor und Münster ist im "Preußischen Staats-Anzeiger" Nr. 229
vom 19. Dezember, der von Bromberg in Nr. 230 vom 20.Dezember
1848 veröffentlicht. 138
180 "Die Deutsche Reform. Politische Zeitung für das constitutio-
nelle Deutschland" - Tageszeitung, die von 1848 bis 1851 in Ber-
lin herausgegeben wurde; sie war ein Organ konstitutionell-monar-
chistischer Kreise. 139
181 Shakespeare, "Hamlet", I. Aufzug, vierte Szene. 139
182 "Düsseldorf er Zeitung" - Tageszeitung, die unter diesem Ti-
tel von 1826 bis 1926 in Düsseldorf erschien. 1745 war sie unter
dem Titel "Düsseldorfer Stadt-Anzeiger" gegründet worden. In den
vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts vertrat sie eine liberale
Richtung. 140
#629# Anmerkungen
-----
183 Es handelt sich um die Verlegung der preußischen Nationalver-
sammlung von Berlin nach Brandenburg (siehe Anm. 1). 141 249
184 "Gesetz, betreffend das gerichtliche und Disziplinar-Straf-
verfahren gegen Beamte" vom 29. März 1844. 141 268
185 "Patent über die Publikation des Reichsgesetzes, betreffend
das Verfahren im Falle gerichtlicher Anklagen gegen Mitglieder
der verfassunggebenden Reichsversammlung" vom 14. Oktober 1848.
142
186 Im Dezember 1848 wandte sich die konterrevolutionäre öster-
reichische Regierung, die in der Frage der Zwangsanleihe auf den
Widerstand des Reichstags gestoßen war, an die Bank. Die Regie-
rung konnte jedoch die Anleihe erst erhalten, nachdem sie der
Bank mit der Konfiszierung aller ihrer Barbestände drohte. 142
187 Aus Schillers Ode "An die Freude". 148
188 Papst Pius IX. führte bald nach seiner Wahl im Jahre 1846
eine Reihe liberaler Reformen durch, um einem Anwachsen der
Volksbewegung vorzubeugen (teilweise Amnestie für politische Ge-
fangene, Abschaffung der Vorzensur usw.). Nach dem Volksaufstand
in Rom floh Pius IX. am 24. November 1848 in die Festung Gaëta im
Königreich Neapel. 148
189 Bei der Präsidentenwahl am 10. Dezember 1848 erhielt Louis
Bonaparte 5 430 000 Stimmen. Lamartine, Kandidat der Partei des
"National" (siehe Anm. 73) erlitt eine völlige Niederlage. Er er-
hielt 17 900 Stimmen und lag damit hinter Cavaignac, Ledru-Rollin
und Raspail an letzter Stelle. 148
190 Montagne (Berg) - von Ledru-Rollin geführte politische Grup-
pierung kleinbürgerlicher Demokraten und Republikaner um die Zei-
tung "La Réforme"; ihr schlössen sich die kleinbürgerlichen So-
zialisten unter der Führung von Louis Blanc an. "La Réforme" er-
schien als Tageszeitung von 1843 bis 1850 in Paris (siehe auch
Anm. 29). 148 527
191 Dynastische Opposition - eine von Odilon Barrot geführte
Gruppe in der französischen Deputiertenkammer während der Juli-
monarchie, deren Mitglieder die politischen Auffassungen libera-
ler Kreise der Industrie- und Handelsbourgeoisie zum Ausdruck
brachten und für die Durchführung einer gemäßigten Wahlreform
eintraten; sie sahen darin ein Mittel, der Revolution vorzubeugen
und die Dynastie Orléans aufrechtzuerhalten. 148
192 Legitimisten - Anhänger der "legitimen" Bourbonendynastie,
die in Frankreich von 1589 bis 1792 und während der Restaurati-
onszeit von 1814 bis 1830 an der Macht war; sie vertraten die In-
teressen des erblichen Großgrundbesitzes. 148 354 394
193 Im Juni 1848 wurde in der Walachei (Bukarest) nach der Flucht
des Fürsten Bibesko von liberalen Kräften eine provisorische Re-
gierung gebildet, welche eine Reihe bürgerlicher Reformen und
eine Verfassung nach europäischem Muster sowie ein Übereinkommen
mit der Türkei anstrebte. Daraufhin überschritt am 10. Juli ein
russisches Armeekorps den Pruth. Gleichzeitig gelang es der zari-
stischen Regierung, die Türkei zu bewegen, ebenfalls Truppen zur
Unterdrückung der Befreiungsbewegung in dieses Gebiet zu entsen-
den. Im Verlaufe des September besetzten türkische Truppen die
Walachei und hielten in Bukarest blutige Abrechnung mit der Be-
völkerung. 149
194 Sturm in einem Glase Wasser - Diesen bildhaften Vergleich für
eine große Erregung in einem begrenzten Bereich, die keine wei-
tergehenden Auswirkungen hervorruft, gebrauchte Montesquieu in
Hinblick auf die Wirren in der Zwergrepublik San Marino, 149 460
#630# Anhang und Register
-----
195 "An meine lieben Berliner" - Aufruf des preußischen Königs
Friedrich Wilhelm IV., erlassen am Morgen des 19. März 1848, als
der Volksaufstand in Berlin seinen Höhepunkt erreicht hatte.
"An mein Volk und an die deutsche Nation" - Aufruf Friedrich Wil-
helms IV vom 21. März 1848. 160 316
196 "An mein Heer" - Neujahrsgratulation des Königs Friedrich
Wilhelm IV. an das preußische Heer vom 1. Januar 1849. 160 333
345 360 386 428 449 471 480 485 497 516
197 Friedrichshain - Berliner Park, in dem die in den Barrikaden-
kämpfen gefallenen Teilnehmer des Aufstands vom 18. März 1848
beigesetzt wurden. 160 363
198 In der Note, die Major Wildenbruch in geheimer Mission des
preußischen Königs am 8.April 1848 der dänischen Regierung über-
gab, wurde darauf hingewiesen, daß der Krieg in Schleswig-Hol-
stein (siehe Anm. 86) von Preußen nicht geführt werde, um Däne-
mark das Herzogtum zu entreißen, sondern lediglich um die
"radikalen und republikanischen Elemente in Deutschland" zu be-
kämpfen. Die preußische Regierung umging auf jede Art und Weise
die offizielle Anerkennung dieses sie kompromittierenden Doku-
ments. 161
199 Auf Befehl des preußischen Generals Pfuel schor man den ge-
fangengenommenen Teilnehmern des Posener Aufstandes von 1848 die
Köpfe und brannte ihnen mit Höllenstein ein Mal auf Hände und Oh-
ren. 163 448 516
200 der neapolitanische Henkersknecht - Ferdinand II., König von
Neapel und Sizilien, hatte am 15. Mai 1848 den Volksaufstand in
Neapel grausam unterdrückt (siehe den Artikel "Die neueste Hel-
dentat des Hauses Bourbon" in Band 5 unserer Ausgabe, S. 19-21).
163
201 Ottochaner (Ottoêaner) - Angehörige des 1746 geschaffenen
Karlstädter Militärgrenzinfanterieregiments, Stab Ottocac. Sie
waren in Ottocac (Westkroatien) stationiert und erhielten daher
1753 ihren Namen. - In der "Neuen Rheinischen Zeitung" irrtüm-
lich: Ortochaner. 163
202 Die Truppen unter dem Kommando von Windischgrätz unterdrück-
ten im Jun; 1848 den Prager Aufstand, warfen am 1. November den
Aufstand in Wien nieder und unternahmen im Dezember 1848 einen
Feldzug gegen die nationale Befreiungsbewegung in Ungarn, erober-
ten Preßburg und andere Städte. 163
203 Der Herzog von Braunschweig, Oberkommandierender der öster-
reichisch-preußischen Armee, die gegen das revolutionäre
Frankreich kämpfte, gab am 25. Juli 1792 ein Manifest heraus, in
welchem er dem französischen Volk androhte, Paris völlig zu zer-
stören. 164
204 Über die hier von Engels entwickelten Ansichten über das
Schicksal der von Österreich unterdrückten slawischen Völker
siehe das Vorwort, S. XI-XIII. 165 270
205 Im Februar 1846 begann in den polnischen Gebieten ein Auf-
stand für die nationale Befreiung Polens. In Krakau gelang es den
Aufständischen, zeitweilig den Sieg zu erringen. Gleichzeitig
brach in Galizien ein Bauernaufstand aus. Den österreichischen
Behörden, die demagogisch den Haß der geknechteten ukrainischen
Bauern gegen die polnische Schlachta ausnutzten, gelang es hier
in mehreren Fällen, die aufständischen Bauern gegen die aufstän-
dischen polnischen Truppen zu hetzen. Nach der Niederschlagung
des Aufstandes in Krakau wurde auch die Bauernbewegung in Gali-
zien grausam unterdrückt. 168 198
#631# Anmerkungen
-----
206 Ruthenen - von bürgerlichen Ethnographen und Historikern ein-
geführte und im 19. Jahrhundert verbreitete Bezeichnung für die
ukrainische Bevölkerung Galiziens, des Karpatengebiets und der
Bukowina, die gewaltsam vom ukrainischen Volk losgerissen worden
war; die endgültige Wiedervereinigung des ukrainischen Volkes
vollzog sich nach dem Sieg der UdSSR im Großen Vaterländischen
Krieg 1941-1945. 168 220 281 508
207 Sieg Karl Mariells - Im Jahre 732 siegten in der Schlacht bei
Poitiers die Franken unter Karl Martell über die Araber. 1 70
208 In der Schlacht bei Wahlstatt (Schlesien) stoppten 1241 deut-
sche und slawische Heere das weitere Vordringen der Mongolen nach
Westen. Die Mongolen zogen in südöstlicher Richtung nach Ungarn
ab. 170
209 Der Slawenkongreß trat am 2. Juni 1848 in Prag zusammen. Auf
dem Kongreß zeigte sich der Kampf zwischen zwei Richtungen in der
nationalen Bewegung der slawischen Völker, die im Habsburger Kai-
serreich unterdrückt wurden. Die rechte, gemäßigt-liberale Rich-
tung, zu der die Führer des Kongresses Palacký und Safarík gehör-
ten, versuchte die nationale Frage auf dem Wege der Erhaltung und
Festigung der Habsburger Monarchie durch ihre Umwandlung in eine
Föderation gleichberechtigter Nationalitäten zu lösen. Die linke,
demokratische Richtung (Sabina, Fric, Libelt u.a.) trat entschie-
den dagegen auf und erstrebte ein gemeinsames Handeln mit der re-
volutionär-demokratischen Bewegung in Deutschland und Ungarn. In-
dem die Mehrheit der Kongreßteilnehmer die austroslawische Theo-
rie vertrat, nahm sie eine der europäischen revolutionären Bewe-
gung feindliche Stellung ein, denn die Vernichtung des reaktio-
nären Habsburgerreiches war eine der Hauptaufgaben der demokrati-
schen Bewegung. Gerade von diesem Gesichtspunkt aus verurteilten
Marx und Engels die Politik der tschechischen Bourgeoisie, die
auf dem Kongreß den Sieg davontrug und mit Palacký an der Spitze
den Weg zu einem offenen Bündnis mit dem Adel und den Habsburgern
gegen die revolutionäre Bewegung beschritt. Die zum radikal-demo-
kratischen Flügel gehörenden Delegierten des Kongresses nahmen
aktiv am Prager Aufstand teil und wurden grausamen Repressalien
unterworfen. Die in Prag zurückgebliebenen Vertreter des gemä-
ßigt-liberalen Flügels gaben am 16. Juni 1848 die Vertagung der
Sitzungen des Kongresses auf unbestimmte Zeit bekannt. 171 272
210 Aus der Rede Kossuths in der Sitzung des ungarischen Parla-
ments am 9. November 1848, die in der Zeitung "Közlöny" vom 11.
November 1848 veröffentlicht wurde. 175
211 Schwarz und gelb - Farben der österreichischen Staatsflagge.
175 281 514
212 "Schweizerischer Beobachter" - Schweizer reaktionäre Zeitung,
die von 1833 bis 1850 in Bern erschien. 178
213 "Berner-Zeitung" - schweizerische demokratische Zeitung, die
von 1845 bis 1872 in Bern herausgegeben wurde. 178
214 Militärkapitulalionen - Dienstverpflichtungsverträge, die von
Schweizer Kantonen von Mitte des 15. bis Mitte des 19. Jahrhun-
derts mit europäischen Staaten über die Bereitstellung von Söld-
nern abgeschlossen wurden. In einer Reihe bürgerlicher Revolutio-
nen des 18. und 19. Jahrhunderts waren die Schweizer Söldner das
Werkzeug der monarchistischen Konterrevolution. Der Abschluß von
Militärkapitulationen wurde durch den Artikel 11 der "Bundes-
verfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft" vom 12. Sep-
tember 1848 verboten. 178
#632# Anhang und Register
-----
215 "Le Charivari" - französische satirische Tageszeitung bürger-
lich-republikanischer Richtung, erschien seit 1832 in Paris. Wäh-
rend der Julimonarchie richtete "Le Charivari" bissige Angriffe
gegen die Regierung; im Jahre 1848 unterstützte er die bürger-
lich-republikanische Regierung und die Diktatur Cavaignacs. 178
216 "L'Helvétie" - Schweizer radikale Zeitung, die von 1832 bis
1850 in Pruntrut herausgegeben wurde; von Januar bis November
1849 erschien sie unter dem Titel "L'Helvétie fédérale" in Bern.
179
217 "Der Gukkasten" - Schweizer humoristisches politisches Wo-
chenblatt radikaler Färbung, das unter der Redaktion von Fried-
rich Jenni von 1840 bis Ende 1849 in Bern erschien. 180 218 218
"Die Evolution" - revolutionär-demokratische Wochenzeitung, Organ
der deutschen Emigranten in der Schweiz. Sie erschien 1848/49 in
Biel (Kanton Bern) unter der Redaktion von Joh. Phil. Becker. Die
Probenummer der Zeitung vom 1. Dezember 1848 erschien unter dem
Titel "Die Revolution". 181
219 Die Fortsetzung dieses Artikels wurde von Engels nicht ge-
schrieben, da er Mitte Januar 1849 nach Köln zurückkehrte. 181
220 Montesquieu LVI. - Marx vergleicht ironisch den anonymen Ver-
fasser der in der "Kölnischen Zeitung" Nr. 10-17 vom 12.-20. Ja-
nuar 1849 als Inserate veröffentlichten Aufsätze "An die Urwäh-
ler" mit dem bekannten französischen Rechtsphiiosophen Montes-
quieu, einem Vertreter der Lehre von der Gewaltenteilung und
Theoretiker der konstitutionellen Monarchie. 182
221 "Kölnische Zeitung" Nr. 17 vom 20. Januar 1849. 182
222 Der Preußenverein für konstitutionelles Königtum entstand im
Juni 1848. Der Preußenverein mit seinen Zweigstellen auf dem
Lande war eine Organisation des verbürgerlichten Teils der preu-
ßischen Gutsbesitzer sowie der Bourgeoisie. Die Preußenvereine
unterstützten die konterrevolutionäre Politik der Regierung. Auf
Grund ihrer Tätigkeit wurden sie seitens der demokratischen
Presse "Denunziantengesellschaft" genannt. 182 264
223 "Kölnische Zeitung" Nr. 11 vom 13. Januar 1849. 183 187
224 Bürgervereine - nach der Märzrevolution in Preußen entstan-
dene Organisationen des gemäßigten liberalen Bürgertums, die sich
die Aufgabe stellten, "Gesetzlichkeit" und "Ordnung" im Rahmen
der konstitutionellen Monarchie zu wahren und die "Anarchie",
d.h. die revolutionär-demokratische Bewegung, zu bekämpfen. 183
225 Der Schlußartikel der oktroyierten preußischen Verfassung vom
5. Dezember 1848 und das Patent über die Einberufung der Kammern
sah eine Revision des Verfassungstextes durch die Kammern vor ih-
rer endgültigen Festsetzung und "Beschwörung vor. 183
226 Wühler nannten 1848/49 in Deutschland die bürgerlichen Kon-
stitutionellen die republikanischen Demokraten, die ihrerseits
ihre Gegner als Heuler bezeichneten. 187 207 212 316 375 441 452
487 526 583 585
227 Code civil des Français - französisches Zivilgesetzbuch von
1804, das 1807 als Code Napoléon neu gefaßt wurde. Dieses bürger-
liche Gesetzbuch wurde von Frankreich in den eroberten Gebieten
West- und Südwestdeutschlands eingeführt. In der Rheinprovinz
blieb es auch nach der Vereinigung mit Preußen gültig. Der Code
Napoléon behielt im wesentlichen die Errungenschaften der Franzö-
sischen Revolution bei und stand auf dem Boden der formalen bür-
gerlichen Gleichheit. 190 245 304 341
#633# Anmerkungen
-----
228 Figaro, du wärst nicht darauf gekommen - abgewandeltes Zitat
aus Beaumarchais, "La folle journée, ou le mariage de Figaro"
[Der tolle Tag oder die Hochzeit des Figaro], V. Akt, achte
Szene. 190
229 In England wurde im Jahre 1649 König Karl I. aus dem Hause
Stuart hingerichtet und im Januar 1689 der geflohene Stuart Jakob
II. des Thrones verlustig erklärt.
In Frankreich wurde die Dynastie der Bourbonen zum erstenmal
1792, zum zweitenmal 1830 gestürzt.
In Belgien wurde im Jahre 1830 König Wilhelm I. der Niederlande
(aus dem Hause Oranien-Nassau) gestürzt. 192
230 In der Schlußsitzung des Vereinigten ständischen Ausschusses
am 6. März 1848 sagte Friedrich Wilhelm IV.: "Schart Euch, wie
eine eherne Mauer, in lebendigem Vertrauen um Euren König, um Eu-
ren besten Freund!" 192
231 Der am 21. Januar 1839 abgeschlossene Handelsvertrag zwischen
Preußen (im Namen des Zollvereins) und den Niederlanden fügte
durch die Festsetzung niedriger Einfuhrzölle für holländischen
Zucker der preußischen Zuckerindustrie sowie dem Handel der deut-
schen Städte ernsten Schaden zu. 193
232 "Vorläufiger Entwurf einer Verordnung zur Ergänzung der All-
gemeinen Gewerbe-Ordnung" vom 17.Januar 1845. 194
233 Polnische Revolution von 1830 - Am 29. November 1830 brach in
Warschau ein Aufstand gegen die zaristische Fremdherrschaft aus,
dem sich viele polnische Bauern anschlössen, weil sie hofften,
mit der nationalen auch die soziale und wirtschaftliche Freiheit
zu erringen. Die Führung des Aufstandes lag jedoch in den Händen
des polnischen Adels, der nicht daran dachte, die Bauern zu be-
freien und ihnen Land zu geben, sondern nur seine bestehenden
Rechte gegenüber dem Zaren bewahren wollte. Das unter Führung des
polnischen Historikers Joachim Lelewel stehende demokratische La-
ger war zu schwach, um sich durchzusetzen. "Der Aufstand von 1830
war weder eine nationale Revolution (sie schloß drei Viertel von
Polen aus) noch eine soziale oder politische Revolution : sie än-
derte nichts an der Lage des Volkes im Innern; sie war eine kon-
servative Revolution" (Engels). Zur Unterdrückung des Aufstandes
begann Zar Nikolaus I. Ende Januar 1831 den Krieg gegen Polen,
der am 7. September 1831 mit der Einnahme von Warschau endete.
Durch den Aufstand wurde das zaristische Heer in Polen festgehal-
ten und an der beabsichtigten Niederschlagung der Revolution in
Westeuropa gehindert. 198 304 385 479 514
234 "National-Zeitung" - bürgerlich-liberale Zeitung, erschien
seit dem 1. April 1848 in Berlin; ab 1915 Nebenausgabe des "8-Uhr
Abendblattes". 199 315 352 434 469 518
235 Das - Wahlgesetz für die zweite Kammer" vom 6. Dezember 1848,
das auf der Grundlage der am Vortage verkündeten oktroyierten
Verfassung erlassen wurde, gewährte nur den "selbständigen Preu-
ßen" das Wahlrecht. Durch diese unbestimmte Formulierung konnten
die Behörden den Kreis der Wähler nach Belieben einschränken. 199
376 457
236 Am 24. Februar 1848 stürzte das französische Volk die Monar-
chie Louis-Philippes in Frankreich.
Am 18. März 1848 begann die Revolution in Preußen mit Barrikaden-
kämpfen in Berlin. 203 386
237 Aus dem Gedicht der Mignon in Goethes Roman "Wilhelm Meisters
Lehrjahre", fünftes Buch, sechzehntes Kapitel. 204
#634# Anhang und Register
-----
238 Zu der Linken in der preußischen Nationalversammlung gehörten
unter anderen die Abgeordneten Waldeck, Jacoby, Georg Jung, Ju-
lius Berends und d'Ester. In der "Neuen Rheinischen Zeitung"
wurde häufig das zögernde, unentschlossene Verhalten der Linken
kritisiert und diese zu einem energischen Handeln und zum außer-
parlamentarischen Kampf aufgefordert. 207 218 298
239 "Sie haben nichts gelernt und nichts vergessen", äußerte sich
Talleyrand über die nach der Restauration der Bourbonenherrschaft
im Jahre 1815 nach Frankreich zurückgekehrten aristokratischen
Emigranten, die versuchten, ihren Grundbesitz zurückzuerhalten
und die Bauern wieder zur Übernahme ihrer Feudalverpflichtungen
zu zwingen. 207
210 Am 26. Januar 1849 schlug der Minister Faucher der französi-
schen konstituierenden Nationalversammlung ein Gesetz über das
Assoziationsrecht vor, dessen erster Paragraph lautete: "Die
Klubs sind untersagt." Er stellte den Antrag, diesen Gesetzent-
wurf sofort als dringlich zur Diskussion zu bringen. Die Natio-
nalversammlung verwarf den Dringlichkeitsantrag, und am 27. Ja-
nuar stellte Ledru-Rollin einen von 230 Deputierten unterzeichne-
ten Antrag auf Versetzung des Ministeriums in Anklagezustand we-
gen Verletzung der Konstitution. Am 21. März 1849 wurde der Ge-
setzentwurf der Regierung über das Assoziationsrecht von der
Mehrheit der Nationalversammlung gebilligt und damit den Arbei-
tern die Versammlungs- und Vereinsfreiheit geraubt (siehe "Compte
rendu des séances de l'Assemblée nationale", T. 7 u. 9). 209 212
386
241 Der englische General George Monk richtete 1660 mit Hilfe der
ihm unterstellten Truppen die Dynastie der Stuarts wieder auf.
Als in Frankreich im Dezember 1848 der legitimistische General
Changarnier das vereinigte Oberkommando der Nationalgarde des
Seine-Departements, der Mobilgarde und der Linientruppen der er-
sten Militärdivision erhielt, hofften die Legitimisten, mit sei-
ner Hilfe eine Restaurierung der Bourbonenmonarchie erreichen zu
können. 211
242 benachbarter Publizist - ein beliebter Ausdruck von Marx und
Engels für Brüggemann, den Chefredakteur der "Kölnischen Zei-
tung". 216
243 Die "Kölnische Zeitung" Nr. 24 vom 28. Januar 1849 schrieb
unter der Überschrift "Die Wahlen zur ersten Kammer" u.a.: "Es
liegt eben alles daran daß gerade die erste Kammer jene freie
staatsmännische Einsicht und jene hochsinnige Billigkeit besitze,
welche allein imstande sind, sie mit dem Ansehen vor der öffent-
lichen Meinung zu bekleiden, dessen sie so sehr bedarf, um ihre
Bestimmung zu erfüllen und einer etwa revolutionär-demokratischen
zweiten Kammer gegenüber eine Stütze der Krone, der Ordnung und
der wahren Freiheit mit Erfolg abzugeben ...
Für die zweite Kammer möchte es nicht übel getan sein, Männer des
Mittelstandes, praktische Gewerbsmänner und Landwirte, die nur
Geschäftskenntnis und gesunden Menschenverstand mitbringen, zu
Vertretern des demokratischen Interesses zu wählen; für die erste
Kammer wird aber dann um so mehr mit Fleiß zu sorgen sein, daß in
ihr auch die höhere Bildung und die staatsmännische Einsicht ver-
treten sei, und zwar durch wahrhaft hervorragende Geister!" 217
244 Goethe, "Wandrers Nachtlied". 218
245 Verfassungsentwurf - "Entwurf eines Verfassungs-Gesetzes für
den Preußischen Staat" vom 20. Mai 1848. 219
246 Tilly, Feldherr der Katholischen Liga im Dreißigjährigen
Krieg, gab die Stadt Magdeburg, nachdem sie am 20. Mai 1631 im
Sturm genommen worden war, den Soldaten zur
#635# Anmerkungen
-----
Plünderung frei. Die Stadt wurde von den Soldaten und durch eine
Feuersbrunst fast völlig zerstört; etwa 30000 Einwohner wurden
getötet. 220
247 Die an alle preußischen Diplomaten in den deutschen Staaten
gerichtete Zirkularnote der preußischen Regierung vom 23. Januar
1849 schlug einen Plan zur Wiederherstellung des Zentralorgans
des Deutschen Bundes - des Bundestags - vor; diese reaktionäre,
feudale Institution war dem deutschen Volke 1815 durch Beschluß
des Wiener Kongresses aufgezwungen und 1848 durch eine provisori-
sche Reichsregierung ersetzt worden. 220
248 Der Prozeß gegen die "Neue Rheinische Zeitung" fand am 7. Fe-
bruar 1849 statt. Vor dem Geschworenengericht in Köln standen
Karl Marx als Chefredakteur, Friedrich Engels als Mitredakteur
und Hermann Korff als verantwortlicher Herausgeber (Gérant) der
Zeitung. Ihnen wurde vorgeworfen, der Artikel "Verhaftungen",
veröffentlicht in Nr. 35 der "Neuen Rheinischen Zeitung" vom 5.
Juli 1848 (siehe Band 5 unserer Ausgabe, S. 166-168), enthalte
eine Beleidigung des Oberprokurators Zweiffel und eine Verleum-
dung der Gendarmen, die die Verhaftung Gottschalks und Annekes
vorgenommen hatten. Obwohl die gerichtliche Verfolgung am 6. Juli
1848 begonnen hatte, war der erste Termin des Prozesses auf den
20. Dezember festgelegt, aber dann vertagt worden. Verteidiger
von Marx und Engels in dem Prozeß am 7. Februar war der Rechtsan-
walt Schneider II, Verteidiger von Korff der Rechtsanwalt Hagen.
Das Geschworenengericht sprach die Angeklagten frei, was, wie im
Prozeßbericht vermerkt ist, "großen Jubel beim anwesenden Publi-
kum auslöste". 223
249 "Verordnung wegen Bestrafung schriftlicher Beleidigungen in
den Provinzen, wo das französische Strafgesetzbuch vorläufig noch
gesetzliche Kraft hat" vom 5. Juli 1819. 224
250 In der "Neuen Rheinischen Zeitung" Nr. 48 vom 18. Juli 1848
war eine Korrespondenz aus Düsseldorf erschienen, in der das Auf-
treten des Oberprokurators Schnaase gegenüber dem Düsseldorfer
Volksklub scharf kritisiert wurde. 233
251 Marx meint die Enthüllungen der "Neuen Rheinischen Zeitung"
im Zusammenhang mit der Verhaftung J. Wulffs (Nr. 40 vom 10. Juli
1848), Falkenhains (Nr. 43 vom 13. Juli 1848) und Joseph Wolffs
(Nr. 62 vom 1. August 1848). Auf den letzten Zeitungsbericht ant-
wortete der Prokurator Hecker mit einer "Widerlegung" ("Neue
Rheinische Zeitung" Nr. 64 vom 3. August 1848), die die Redaktion
mit der Notiz "Herr Hecker und die 'Neue Rheinische Zeitung'" be-
antwortete (Nr. 65 vom 4.August 1848). 233
252 Geheimes Staatsministerium in Berlin - die reaktionäre Clique
(die Brüder Gerlach, Radowitz u.a.), die den preußischen König
Friedrich Wilhelm IV. umgab. 238
253 Der Prozeß gegen den Rheinischen Kreisausschuß der Demokraten
fand am 8. Februar 1349 statt. Vor dem Geschworenengericht in
Köln standen Karl Marx, Karl Schapper und der Rechtsanwall
Schneider II; sie wurden in Verbindung mit dem Aufruf des Aus-
schusses vom 18. November 1848 über die Steuerverweigerung (siehe
vorl. Band, S. 33) der Anstiftung zum Aufstand beschuldigt. Das
Geschworenengericht sprach die Angeklagten frei. 240 454
254 Quadratur des Zirkels (Kreises) - die unlösbare Aufgabe,
zwecks Berechnung der Kreisfläche einen Kreis in ein vollkommen
flächengleiches Quadrat zu verwandeln. 248
255 Das "Gesetz über die Errichtung der Bürgerwehr" vom 17. Ok-
tober 1848, angenommen von der preußischen Nationalversammlung am
13. Oktober 1848, stellte die Bürgerwehr in völlige Abhängigkeit
von der Regierung. Aber auch danach erschien die Bürgerwehr der
#636# Anhang und Register
-----
Konterrevolution noch gefährlich. Am 11. November 1848, nach dem
Einzug der Truppen Wrangels in Berlin, wurde die Berliner Bürger-
wehr aufgelöst. 250
256 Unruh, "Skizzen aus Preußens neuester Geschichte", Magdeburg
1849. 252
257 Steuerverweigerung in England 1832 - Das 1830 nach dem Sturz
des Toryministeriums Wellington berufene Whigministerium Grey
brachte 1831 einen Gesetzentwurf zu einer Parlamentsreform ein,
der vom Unterhaus gebilligt wurde, aber am Widerstand der Lords
im Oberhaus scheiterte. Die Regierung forderte 1832 vom König,
durch Ernennung einer entsprechenden Zahl von Peers die Durchset-
zung der Reformbill im Oberhaus zu ermöglichen. Der König lehnte
ab und das Ministerium Grey trat zurück. Im ganzen Land erhob
sich ein mächtiger Proteststurm. In Petitionen an das Unterhaus
wurde gefordert, die Bewilligung von Geldmitteln so lange zu ver-
sagen, bis die Reform Gesetz geworden sei. Angesichts dieser Tat-
sachen scheiterte der Versuch Wellingtons, eine neue Regierung zu
bilden. Das Ministerium Grey übernahm erneut die Geschäfte, und
die Parlamentsreform wurde am 7. Juni 1832 nach Zustimmung des
Parlaments und des Königs Gesetz. 255
258 Pennsylvanische Gefängnisse - Gefängnisse mit dem System der
Einzelhaft. Das erste Gefängnis dieser Art wurde 1791 in Phila-
delphia (USA, Staat Pennsylvania) errichtet. Im 19. Jahrhundert
war das System der Einzelhaft in Europa weit verbreitet, in
Deutschland gehörte zu diesem System das 1842-1849 erbaute be-
kannte Gefängnis Moabit in Berlin und eine Reihe anderer Gefäng-
nisse. 260
259 Am 7. Februar 1849 fand der Prozeß gegen die Redakteure der
"Neuen Rheinischen Zeitung" statt (siehe Anm. 248). Der Bericht
über die Verhandlungen erschien unter der Überschrift "Der erste
Preßprozeß der 'Neuen Rheinischen Zeitung'" in Nr. 221 vom 14.
Februar 1849. Im vorl. Band, S. 223-239, sind daraus die Vertei-
digungsreden von Marx und Engels veröffentlicht.
Am folgenden Tage fand der Prozeß gegen den Rheinischen Kreisaus-
schuß der Demokraten statt (siehe Anm. 253). Der Bericht über die
Verhandlungen ist in der "Neuen Rheinischen Zeitung" Nr. 226,
231, 232 und 233 vom 19., 25., 27. und 28. Februar 1849 unter der
Überschrift "Der Prozeß gegen den Rheinischen Kreisausschuß der
Demokraten" veröffentlicht. Die Verteidigungsrede von Marx siehe
im vorl. Band, S. 240-257. 261
260 Die Serie "Politische Gespräche" von Levin Schücking erschien
in der Form von Dialogen in den Nummern 29, 30, 34 und 35 der
"Kölnischen Zeitung" vom 3., 4., 9. und 10. Februar 1849. Eine
der Personen dieser Dialoge, Wagner, sagt zu Professor Urian:
"Sie haben immer etwas den Mephisto gemacht, Herr Professor ..."
261
261 Abgewandeltes Zitat aus Molières Komödie "George Dandin", I.
Akt, neunte Szene; dort heißt es: "Vous l'avez voulu, George Dan-
din, vous l'avez voulu" (Es geschieht dir ganz recht, George Dan-
din, du hast es nicht besser haben wollen). Dieser Ausruf ist
sprichwörtlich geworden für selbstverschuldetes Unglück. 263
262 Lassalle wurde am 22. November 1848 in Düsseldorf verhaftet.
Ihm wurde vorgeworfen, zu bewaffnetem Widerstand gegen die
Staatsgewalt aufgerufen zu haben (siehe vorl. Band, S. 320). Der
Prozeß wurde von den Gerichtsbehörden der Rheinprovinz mit allen
Mitteln in die Länge gezogen. Lassalles briefliche Bitten an Marx
und Engels, diese Machenschaften anzuprangern, wurde mit einer
Reihe von Artikeln in der "Neuen Rheinischen Zeitung" beantwor-
tet, die die Übergriffe und Ungesetzlichkeiten der
#637# Anmerkungen
-----
Gerichtsbehörden gegenüber Lassalle anprangerten. Marx und Engels
nahmen auch an der Abordnung teil, die sich am 3. März 1849 zum
Generalprokurator Nicolovius begab, um gegen die Hinauszögerung
der Gerichtsverhandlung über den Fall Lassalle zu protestieren
(eine Mitteilung darüber erschien in der "Neuen Rheinischen Zei-
tung" Nr. 238 vom 6. März 1849). Die Gerichtsverhandlung fand am
3. und 4. Mai statt; die Geschworenen sprachen Lassalle frei. Der
Prozeßbericht wurde in der zweiten Ausgabe der "Neuen Rheinischen
Zeitung" Nr. 291 vom 6. Mai 1849 veröffentlicht. 267 444
263 Siehe Engels' Artikel "Das Fest der Nationen in London" (Band
2 unserer Ausgabe, S. 611 -624), die "Reden über Polen" von Marx
und Engels, die Artikel von Engels "Louis Blancs Rede auf dem
Bankett zu Dijon", "Die 'zufriedengestellte' Mehrheit" sowie die
"Rede über die Frage des Freihandels", die Marx am 9.Januar 1848
in der Demokratischen Gesellschaft in Brüssel gehalten hatte
(Band 4 unserer Ausgabe, S. 416-418, 426-428, 432-438 und 444-
458). 274
264 Heine, "Deutschland. Ein Wintermärchen", Kaput VII. 275
265 Schokazen (auch Schokatzen) - südslawischer Volksstamm
(römisch-katholischer Konfession) in Südungarn und Nordjugosla-
wien, der im 17. Jahrhundert vor den Türken aus Bosnien geflohen
war. 275
266 Morlachen (auch Morlaken) - Teil der Bergbevölkerung Dalmati-
ens (Jugoslawien). Die Morlachen leben in der Gegend von Zadar
und Split (Norddalmatien) und im südlichen Istrien. Sie sind
Nachkommen der alten romanisierten iliyrischen Bevölkerung, die
sich in den letzten Jahrhunderten mit der umgebenden serbischen
Bevölkerung vermischt hat. Heute sprechen sie serbisch, aber noch
im 16./17. Jahrhundert waren romanische Redewendungen bei ihnen
erhalten. 276
267 sorbische, wendische, obotritische Sprache - Sprachen west-
slawischer Volksstämme, die nach der Völkerwanderung, etwa seit
dem 5. Jahrhundert, das Land zwischen Elbe, Saale und Oder be-
wohnten. Der Name Wenden war ursprünglich ein deutscher Sammelbe-
griff für verschiedene slawische Völkerschaften und ist später
auf die Sorben der Lausitz eingeengt worden. Obotriten
(Obodriten, Abotriten, Bodrizen) - Bezeichnung für mehrere slawi-
sche Volksstämme am rechten Ufer der unteren Elbe und in West-
mecklenburg. Im 12. Jahrhundert wurden die Obotriten von deut-
schen Feudalherren unterworfen und mit Kreuz und Schwert germani-
siert. Die Lausitzer Sorben, die bis 1945 der Unterdrückung und
Germanisierung preisgegeben waren, sind in der Deutschen Demokra-
tischen Republik völlig gleichberechtigt und entwickeln beim Auf-
bau des Sozialismus ihre nationale Eigenart. 277
268 Awaren - turkotatarisches Volk, das, aus Asien kommend, im 6.
Jahrhundert bis Mitteleuropa vordrang und sich im östlichen Mit-
teleuropa und auf dem Balkan festsetzte. Vom 7. bis 9. Jahrhun-
dert wurden sie von den Türken, Slawen, Deutschen und Ungarn ge-
schlagen und verschwanden schließlich aus der Geschichtsschrei-
bung. 278
269 Oguliner - Angehörige des 1746 geschaffenen Karlstädter Mili-
tärgrenz-Infanterieregiments, Stab Ogulin. Sie waren in Ogulin
(Westkroatien) stationiert und erhielten daher 1753 ihren Namen.
270 Siehe Engels' Artikel "Deutsche Zustände" (Band 2 unserer
Ausgabe, S. 564-584), "Deutscher Sozialismus in Versen und
Prosa", die "Rede über Polen", "Drei neue Konstitutionen" und
"Ein Wort an die 'Riforma'" (Band 4 unserer Ausgabe, S. 207-247
417/418, 514-518 und 526/527). 280
#638# Anhang und Register
-----
271 In der gesellschaftlichen Bewegung des Jahres 1848 in Böhmen
kann man zwei Hauptetappen unterscheiden. In der ersten Etappe,
vom Beginn der Märzereignisse bis zur Niederschlagung des Prager
Aufstandes, nahmen die tschechischen Volksmassen - die Bauern-
schaft und das Proletariat - aktiv teil an der revolutionären Be-
wegung gegen Feudalismus und Absolutismus. Dieser Kampf des
tschechischen Volkes stimmte mit den Interessen der europäischen
revolutionären Bewegung überein und wurde von Marx und Engels un-
terstützt (siehe die Artikel "Der Prager Aufstand" und
"Demokratischer Charakter des Aufstandes" in Band 5 unserer Aus-
gabe, S. 80-82 und 108/109).
Nach der Niederschlagung des Prager Aufstandes gelang es der
tschechischen liberalen Bourgeoisie, die im Kampf gegen Revolu-
tion und Demokratie mit dem Adel und den Habsburgern gemeinsame
Sache machte, die demokratischen Kräfte in Böhmen zu unterdrücken
und die gesellschaftliche Bewegung unter ihre Führung und in das
Fahrwasser des nationalistischen Kampfes zu bringen. Damit geriet
diese Bewegung in Widerspruch zu der europäischen Revolution,
weil sie nunmehr zu einer Stütze der konterrevolutionären Habs-
burger Monarchie und indirekt auch des russischen Zarismus wurde.
Den demokratischen Elementen des tschechischen Volkes gelang es
in der zweiten Etappe nicht, die Revolution tatkräftig zu unter-
stützen und die konterrevolutionäre Politik der Bourgeoisie zu
vereiteln. Damit ist offensichtlich, daß Marx und Engels völlig
richtig die Rolle der tschechischen (und südslawischen) nationa-
len Bewegung 1848/49 als konterrevolutionär und die Position der
Tschechen und Südslawen in der zweiten, für die Revolution in
ganz Österreich entscheidenden Etappe der Bewegung als reaktionär
eingeschätzt haben.
In dem Artikel "Der Prager Aufstand" hoben Marx und Engels aber
dabei hervor, daß die nationalistische, antislawische Politik der
deutschen Bourgeoisie die Hauptschuld daran trug, daß die Tsche-
chen auf die Seite der Konterrevolution getrieben wurden. 282
272 Slovanská Lípa (Slawische Linde) - tschechische nationale Ge-
sellschaft, im April 1848 gegründet. In Prag lag die Führung der
Gesellschaft in Händen von Liberalen (Safarík, Gaue), die nach
dem Prager Aufstand in das Lager der Konterrevolution übergingen,
während in den Provinzfilialen zu dieser Zeit vorwiegend Vertre-
ter der radikalen tschechischen Bourgeoisie dis führende Rolle
spielten. 283
273 Swornost - tschechische nationale, vorwiegend studentische
Organisation, die im März 1848 in Böhmen entstand.
Burschenschaften - deutsche Studentenorganisationen, die unter
dem Einfluß des Befreiungskrieges gegen Napoleon entstanden; sie
traten für die Einigung Deutschlands ein. Neben fortschrittlichen
Ideen waren in den Burschenschaften auch extrem nationalistische
Gedanken weit verbreitet. 285
274 Das Wartburgfest wurde am 18. Oktober 1817 aus Anlaß des 300.
Jahrestages der Reformation und des 4. Jahrestages der Schlacht
bei Leipzig von der deutschen Studentenschaft organisiert. Dieses
Fest, auf dem sich nationalistische Stimmungen zeigten, wurde zu
einer Demonstration der oppositionellen Studentenschaft gegen das
Metternich-Regime. 285
275 Lied von August Daniel Binzer, verfaßt im Jahre 1819 anläß-
lich der Auflösung der Jenaer Burschenschaft. 285
276 Die ständischen Ausschüsse wurden 1842 in Preußen gebildet.
Von den Provinziallandtagen aus ihrer Mitte (nach Ständen) ge-
wählt, bildeten diese Ausschüsse ein gemeinsames
#639# Anmerkungen
-----
beratendes Organ, die Vereinigten Ausschüsse. Mit Hilfe dieses
Organs, das lediglich die Fiktion einer Vertretungskörperschaft
war, gedachte Friedrich Wilhelm IV., neue Steuern auferlegen und
eine Anleihe erhalten zu können. 287
277 Die dem ersten Vereinigten Landtag (siehe Anm. 137) von der
preußischen Regierung vorgelegte "Uebersicht von den Resultaten
der Finanzverwaltung in den Jahren 1840 bis einschließlich 1846"
ist enthalten in "Der Erste Vereinigte Landtag in Berlin 1847",
erster Teil. Nach dieser Unterlage wurden einige Ungenauigkeiten
bei den im Artikel benutzten Zahlen korrigiert. 288 291
278 "Übersicht von den Resultaten der Finanz-Verwaltung im Jahre
1847, Aa" in "Vorlagen an die National-Versammlung. 1848". 291
279 Im Jahre 1841 stiftete Friedrich Wilhelm IV. 430 000 Mk. zur
Errichtung eines deutsch-englischen protestantischen Bistums in
Jerusalem. Das Geld wurde 1889 einer von Wilhelm II. errichteten
kirchlichen Stiftung in Jerusalem überwiesen, womit Preußen vom
Bistum Jerusalem zurücktrat.
Die Schriften Friedrich II. wurden seit 1846 herausgegeben. 293
280 Die dem ersten Vereinigten Landtag (siehe Anm. 137) von der
preußischen Regierung vorgelegte "Denkschrift über die Verwaltung
des Staatsschatzes für die Zeit von 1840 bis 1846" vom 6. April
1847 ist enthalten in "Der Erste Vereinigte Landtag in Berlin
1847", erster Teil. 297
281 Dieser Gedanke ist enthalten in Ernst Dronkes Artikel "Die
Sitzung der Nationalversammlung vom 7. und 8.August" in der
"Neuen Rheinischen Zeitung" Nr. 74 vom
13.August 1848. 298
282 "Schlesische Zeitung" - Tageszeitung, die von 1742 bis 1945
in Breslau erschien; am Vorabend und während der Revolution von
1848/49 war sie das Organ konstitutionell monarchistischer
Kreise. 299
283 Goethe, "Zahme Xenien" V. 300
284 Am 16. und 17. Februar wurde in Köln der Fall Kinkel verhan-
delt. Gottfried Kinkel, Redakteur der demokratischen "Neuen Bon-
ner Zeitung", wurde wegen eines Artikels in der früheren "Bonner
Zeitung", der die Ausschreitungen preußischer Soldaten in Mainz
schilderte, beschuldigt, die Truppen der preußischen Garnison in
Mainz beleidigt zu haben. Kinkel wurde zu einem Monat Gefängnis
verurteilt. In einem gleichzeitig laufenden Steuerverweigerungs-
prozeß wurde er am 23. Februar 1849 freigesprochen. 301
285 "La Réforme" - französische Tageszeitung, Organ kleinbürger-
licher Demokraten und Republikaner; sie erschien von 1843 bis
1850 in Paris.
"La République" - französische Tageszeitung, Organ kleinbürgerli-
cher Republikaner; sie erschien vom 26. Februar 1848 bis 2. De-
zember 1851 unter der Redaktion von Eugène Barrest in Paris.
"La Révolution démocratique et sociale" - französische Tageszei-
tung, Organ kleinbürgerlicher republikanischer Demokraten; sie
erschien in Paris vom 7. November 1848 bis 13. Juni 1849 unter
der Redaktion von Charles Delescluze. 302
286 "The Northern Star" - englische Wochenzeitung, Hauptorgan der
Chartisten; erschien von 1837 bis 1852, anfangs in Leeds und ab
November 1844 in London. Begründer und Redakteur der Zeitung war
Feargus Edward O'Connor; in den vierziger Jahren wurde sie von
George Julian Harney redigiert. Engels war von September 1845 bis
März 1848 Mitarbeiter dieser Zeitung. 302
#640# Anhang und Register
-----
287 Es handelt sich um die italienischen demokratischen Zeitungen
"L'Alba", die von 1847 bis 1849 in Florenz erschien, und "Il Con-
temporaneo", die von 1846 bis 1849 in Rom erschien, ferner um die
bürgerlich-liberale Zeitung "La Concordia", die 1848/49 in Turin
herausgegeben wurde. 302
288 Aus dem Leitartikel "Die österreichische Note vom 4. Februar"
in der "Kölnischen Zeitung" Nr. 37 vom 13. Februar 1849. 303
289 Aus dem Leitartikel "Der ungarische Krieg" in der "Kölnischen
Zeitung" Nr. 41 vom 17. Februar 1849. 303
290 Am 7. Oktober 1848, nachdem in Wien die Revolution gesiegt
hatte, floh der österreichische Kaiser Ferdinand I. und sein re-
aktionärer Anhang zum zweitenmal aus Wien, und zwar nach Olmütz.
304 337 424 509
291 Das 22. österreichische Bulletin über den Kampfverlauf in Un-
garn, das Engels am Schluß des Artikels nochmals erwähnt, wurde
in der Beilage zur Nr. 225 der "Neuen Rheinischen Zeitung" wie-
dergegeben und einer kritischen Analyse unterzogen. 306
292 Proklamation der Republik in Rom - Auf Grund des allgemeinen
Wahlrechts, das durch den Volksaufstand vom 16. November 1848 er-
kämpft worden war, und der weiteren Entwicklung der bürgerlich-
demokratischen Revolution in Rom wurde am 21. Januar 1849 die
Konstituierende Versammlung gewählt, die am 9. Februar dem Papst
die weltliche Macht entzog und die Republik ausrief. Die Römische
Republik bestand bis 3. Juli 1849. Sie wurde durch die österrei-
chische und französische Intervention wieder beseitigt. 308
293 Pythiadreistuhl - Dreifuß, der im Apollotempel zu Delphi über
einem Erdschlund stand, aus dem betäubende Dämpfe emporstiegen.
Auf diesem Dreifuß verkündete die Pythia (Priesterin) ihre Ora-
kel. 308
294 Die "Frankfurter Oberpostamts-Zeitung" erschien von 1617 bis
1866 in Frankfurt am Main. Sie war im Besitz der Fürsten Thum und
Taxis, die in einer Reihe deutscher Staaten das Postprivileg be-
saßen. Während der Revolution 1848/49 war sie das Organ der pro-
visorischen Zentralgewalt des Reichsverwesers und des Reichsmini-
steriums. 312
295 "Revue rétrospective ou Archives secrètes du dernier Gouver-
nement" 1830-1848 [Rückblickende Rundschau oder Geheimarchive der
letzten Regierung] - Sammelband von J. Taschereau, der von 1833
bis 1838 monatlich und im Jahre 1848 unregelmäßig in Paris er-
schien. Nr. 3 des Jahres 1848 enthielt eine Aufstellung der Ge-
heimfonds des Außenministeriums der Julimonarchie für die Jahre
1840, 1842 und 1844-1847, in der die Jahrespension des Geheim-
agenten der Regierung Guizot, des Redakteurs der "Frankfurter
Oberpostamts-Zeitung", Karl Peter Berly, angegeben war. 312
296 "Rheinische Zeitung für Politik, Handel und Gewerbe" - Tages-
zeitung, die vom 1. Januar 1842 bis zum 31. März 1843 in Köln er-
schien. Die Zeitung war von Vertretern der rheinischen Bour-
geoisie gegründet worden, die in Opposition zum preußischen Abso-
lutismus standen. Zur Mitarbeit wurden auch einige Junghegelianer
herangezogen. Ab April 1842 wurde Karl Marx Mitarbeiter der
"Rheinischen Zeitung" und ab Oktober des gleichen Jahres Chefre-
dakteur. Die Zeitung veröffentlichte auch eine Reihe Artikel von
Friedrich Engels. Unter der Redaktion von Karl Marx nahm die
"Rheinische Zeitung" einen immer ausgeprägteren revolutionär-de-
mokratischen Charakter an. Diese Richtung der "Rheinischen Zei-
tung", deren Popularität in Deutschland ständig wuchs, rief Be-
sorgnis und Unzufriedenheit in Regierungskreisen und eine wütende
Hetze der reaktionären Presse gegen sie hervor. Am 19. Januar
1843 erließ die preußische Regierung eine
#641# Anmerkungen
-----
Verordnung, die die "Rheinische Zeitung" mit dem 1. April 1843
verbot und bis dahin eine besonders strenge Zensur über sie ver-
hängte. 312 362
297 In Nr. 44 der "Frankfurter Oberpostamts-Zeitung" vom 20. Fe-
bruar 1849 wurde die in der Zeitung "Die deutsche Reform" (siehe
Anm. 180) veröffentlichte Pariser Korrespondenz abgedruckt. 312
298 Der im Artikel zitierte ursprüngliche Text der Thronrede
Friedrich Wilhelms IV. bei der Eröffnung der preußischen Kammern
wurde in einer Extrabeilage zu Nr. 233 der "Neuen Rheinischen
Zeitung" am 28. Februar 1849 veröffentlicht. Im Text der Thron-
rede, die in der "Neuen Rheinischen Zeitung" unmittelbar im An-
schluß an den ersten Teil des vorliegenden Artikels gebracht
wurde, lautet der abgeänderte Passus: "Zu meinem Bedauern hat
über die Hauptstadt und ihre nächsten Umgebungen der Belagerungs-
zustand verhängt werden müssen, um die Herrschaft der Gesetze und
die öffentliche Sicherheit wiederherzustellen. Es werden Ihnen,
meine Herren, hierauf bezügliche Vorlagen ohne Verzug zugehen."
314
299 Rodomontade - Prahlerei, Aufschneiderei. Rodomont - Gestalt
eines prahlerischen Schwätzers aus Ariostos Poem "L'Orlando fu-
rioso". 315
300 Marx meint die vom Ministerium Camphausen vorbereitete Thron-
rede Friedrich Wilhelms IV. bei der Eröffnung des zweiten Verei-
nigten Landtages am 2.April 1848 (siehe "Verhandlungen des zum 2.
April 1848 zusammenberufenen Vereinigten Landtages"). 315
301 Weißer Saal - Saal im Königlichen Schloß zu Berlin; hier fand
am 26. Februar 1849 die erste gemeinsame Sitzung der ersten und
zweiten preußischen Kammer statt. 315
302 zwei Zunftordnungen - "Verordnung, betreffend die Errichtung
von Gewerberäten und verschiedene Abänderungen der allgemeinen
Gewerbeordnung" und "Verordnung über die Errichtung von Gewerbe-
gerichten", beide vom 9. Februar 1849. 317
303 Gagging Laws (Knebelgesetze) werden die sechs außerordentli-
chen Gesetze genannt, die 1819 in England erlassen wurden; sie
schränkten die Rede-, Versammlungs- und Preßfreiheit ein (siehe
"The Statutes of the United Kingdom...")· 318
304 In einer Volksversammlung in Neuß (nahe Düsseldorf) hielt
Lassalle am 21. November 1848 eine Rede, in der er dazu aufrief,
der preußischen Nationalversammlung bewaffnete Hilfe zu leisten,
falls dies notwendig werden sollte. Am folgenden Tage wurde Las-
salle verhaftet. 320
305 Es handelt sich um Artikel aus dem Code pénal (siehe Anm.
90). 320 444 445
306 Code d'instruction criminelle - französische Strafprozeßord-
nung, die in der Rheinprovinz in Kraft war. Marx zitiert daraus
den Artikel 360. 321 454
307 "Deutsche Allgemeine Zeitung" - unter diesem Namen erschien
die 1837 gegründete "Leipziger Allgemeine Zeitung", nachdem sie
1843 in Preußen verboten worden war. Sie bestand bis 1879. 323
308 In dem von Ruge zusammengestellten "Wahl-Manifest der radica-
len Reformpartei für Deutschland" wird als Hauptaufgabe der Na-
tionalversammlung die "Redaktion der Vernunft der Ereignisse"
verkündet. Das "Wahl-Manifest" wurde in der von Arnold Ruge in
Leipzig herausgegebenen Zeitung "Die Reform" vom 16. April 1848
veröffentlicht. 324
309 "Die Reform. Politische Zeitung" wurde von Arnold Ruge und H.
B. Oppenheim April bis Juni 1848 in Leipzig und Juli bis November
1848 in Berlin herausgegeben. Sie war das Organ der kleinbürger-
lichen Demokraten. 324
#642# Anhang und Register
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310 Zentralausschuß der Demokraten - Auf dem ersten demokrati-
schen Kongreß im Juni 1848 in Frankfurt am Main (siehe Anm. 174)
wurde die Schaffung eines Zentralausschusses mit seinem Sitz in
Berlin beschlossen. Als Mitglieder des Zentralausschusses wurden
Fröbel, Rau und Kriege gewählt. Auf dem zweiten Demokraten-Kon-
greß, der von} 26. bis 30. Oktober 1848 in Berlin tagte, wurde
ein neuer Zentralausschuß mit d'Ester, Reichenbach und Hexamer
gewählt. 324 380
311 "Allgemeine demokratische Zeitung" - Der Plan zur Herausgabe
dieses demokratischen Blattes in Berlin konnte nicht verwirklicht
werden. 324
312 Die sogenannten Korngesetze, die die Getreideeinfuhr ein-
schränkten bzw. verboten, waren in England 1815 im Interesse der
Großgrundbesitzer, der Landlords, eingeführt worden. Der Kampf
zwischen der industriellen Bourgeoisie und der Grundaristokratie
endete 1846 mit der Annahme der Bill über die Abschaffung der
Korngesetze. Diese Maßnahme und die damit verbundene Senkung der
Getreidepreise, die das Leben etwas verbilligte, führten schließ-
lich zu einer Herabsetzung des Lohns für die Arbeiter und zu ei-
ner Steigerung der Profite für die Bourgeoisie. 327
313 Beilegung des Oregonstreites - Der Kampf um die Eroberung des
Gebiets von Oregon an der nordamerikanischen Küste des Stillen
Ozeans endete im Jahre 1846 mit der Aufteilung dieses Gebiets
zwischen den USA und England. Dadurch wurde das Territorium der
USA bis an die Küste des Stillen Ozeans erweitert. 327
314 Punjab - englische Bezeichnung für die indische Provinz Pand-
schab. England führte 1845 bis 1849 in Indien Eroberungskriege
gegen Lahaur, den Staat des Volksstammes der Sikh. Nach der end-
gültigen Niederwerfung der Sikh in der Schlacht bei Gudschrat am
21. Februar 1849 wurde der ganze Pandschab von der Ostindischen
Kompanie annektiert und an Britisch-Indien angegliedert. 327
315 Petty sessions (kleine Gerichtssitzungen) - Tagungen der
Friedensgerichte in England; sie verhandeln kleine Fälle im ver-
einfachten Verfahren.
Quarter sessions (Quartalsgerichtssitzungen) - Gerichtstage der
Friedensrichter, die viermal im Jahr stattfinden. 332
316 Der Zentral-Märzverein in Frankfurt am Main und seine Filia-
len in verschiedenen Städten Deutschlands waren Ende November
1848 von den Abgeordneten des linken Flügels der Frankfurter Na-
tionalversammlung gegründet worden. Marx und Engels geißelten
schon seit Dezember 1848 (siehe Anm. 338) in der "Neuen Rheini-
schen Zeitung" die Unentschlossenheit und die Halbheiten der Füh-
rer des Vereins, der kleinbürgerlichen Demokraten Fröbel, Simon,
Wesendonck, Raveaux, Eisenmann und Vogt; sie zeigten, daß diese
Politik nur der Konterrevolution Vorteile brachte. 334 357
317 Anspielung auf die zwei Fraktionen der Linken in der Frank-
furter Nationalversammlung. Der eigentlichen Linken gehörten Ro-
bert Blum, Vogt, Fröbel, Wesendonck, Zimmermann, Venedey u.a. an.
Zur äußersten Linken, der sogenannten radikal-demokratischen Par-
tei, gehörten unter anderen die Abgeordneten Arnold Ruge, Zitz,
Simon, Schlöffel, von Trützschler. Die "Neue Rheinische Zeitung"
stand dieser Fraktion am nächsten; sie unterstützte den äußersten
linken Flügel der revolutionären Demokratie, geißelte aber
zugleich die Halbheit und den "parlamentarischen Kretinismus" der
bürgerlichen Demokraten. In dem Artikel "Programme der radikal-
demokratischen Partei und der Linken zu Frankfurt" (siehe Band 5
unserer Ausgabe, S. 39-43) unterzogen Marx und Engels die An-
schauungen dieser politischen Gruppierungen einer scharfen Kri-
tik. 334
#643# Anmerkungen
-----
318 Der österreichische Reichstag wurde am 22. Juli 1848 in Wien
eröffnet. Unter dem Druck der revolutionären Aktionen vom 15. Mai
1848 hatte ihn die Regierung zur Konstitutionellen Versammlung
erklären müssen. Das Übergewicht im Reichstag hatten die libera-
len Bourgeois und die liberalen Großgrundbesitzer. Aus Angst vor
den revolutionären Bewegungen der Massen bemühten sie sich, die
Revolution zu ersticken. Infolge der revolutionären Oktoberereig-
nisse in Wien verlegte der Reichstag am 22. Oktober seinen Ta-
gungsort nach Kremsier (Böhmen). Der Reichstag hatte die Aufgabe,
für Österreich eine Verfassung zu beraten und anzunehmen. Zu die-
sem Zweck wurde am 1. August 1848 ein Verfassungsausschuß von 30
Mitgliedern gewählt. Nach monatelangen Beratungen Wurde am 4.
März 1849 ein "Entwurf der Constitutionsurkunde" fertiggestellt.
Dieser Entwurf kam jedoch nicht im Reichstag zur Beratung, denn
am gleichen Tage führten der Kaiser und die österreichische Kama-
rilla einen Staatsstreich durch und oktroyierten dem Lande eine
neue, antidemokratische "Reichsverfassung für das Kaiserthum
Österreich" mit einem Zwei-Kammer-System. Am 7. März 1849 wurde
der Reichstag zu Kremsier gesprengt und die Reichsverfassung vom
4. März in Kraft gesetzt. 336 382
319 Hukuler - die ukrainische Volksgruppe der Huzulen in den Kar-
paten; sie gehörten im 19. Jahrhundert zu Österreich-Ungarn. Nach
dem ersten Weltkrieg lebten sie zersplittert in Polen, Rumänien
und der Tschechoslowakei. Seit dem Ende des zweiten Weltkrieges
leben sie zusammen in der Ukrainischen SSR. Sie sind zumeist
Bergbauern. 337
320 Die "Grundrechte des deutschen Volkes" wurden von der Frank-
furter Nationalversammlung als Teil der "Verfassung des deutschen
Reiches" ausgearbeitet. 337
321 Friedrich Wilhelm IV. erklärte in seiner Thronrede zur Eröff-
nung des ersten Vereinigten Landtags (siehe Anm. 137) am 11.
April 1847: "Als Erbe einer ungeschwächten Krone, die ich Meinen
Nachfolgern ungeschwächt bewahren muß und will, weiß ich Mich ...
vollkommen frei von jeder Verpflichtung gegen Nichtausgeführtes,
vor allem gegen das, vor dessen Ausführung Meinen erhabenen Vor-
gänger sein eigenes wahrhaft landesväterliches Gewissen bewahrt
hat." (Siehe "Der Erste Vereinigte Landtag in Berlin 1847", er-
ster Teil.) 339 347 364 494
322 "Gesetz-Entwurf, betreffend die Verhütung eines die gesetzli-
che Freiheit und Ordnung gefährdenden Mißbrauches des Versamm-
lungs- und Vereinigungs-Rechts."
"Motive zu dem Entwürfe eines Gesetzes zur Verhütung eines die
gesetzliche Freiheit und Ordnung gefährdenden Mißbrauchs des Ver-
sammlungs- und Vereinigungs-Rechts."
"Gesetz-Entwurf, betreffend das Anheften von Anschlagezetteln und
Plakaten in Städten und Ortschaften, sowie den Verkauf und das
Verteilen von Druckschriften oder bildlichen Darstellungen in öf-
fentlichen Straßen."
"Motive zu dem Entwürfe eines Gesetzes, betreffend das Anheften
von Anschlagezetteln und Plakaten in Städten und Ortschaften, so-
wie den Verkauf und das Verteilen von Druckschriften und bildli-
chen Darstellungen auf öffentlichen Straßen." "
"Gesetz-Entwurf, betreffend das Recht, durch Wort, Schrift, Druck
und bildliche Darstellung seine Gedanken frei zu äußern."
"Motive zu dem Entwürfe eines Gesetzes, betreffend das Recht,
durch Wort, Schrift, Druck und bildliche Darstellung seine Gedan-
ken frei zu äußern." 339 346 364 427
323 Als "Plakat" bezeichnete man in der ersten Hälfte des 19.
Jahrhunderts in den Straßen angeschlagene Aufrufe, Erklärungen
und Bekanntmachungen. Sie spielten im politischen Kampf eine
große Rolle. 340
#644# Anhang und Register
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324 Das sogenannte Gesetz über die crieurs publics (öffentliche
Ausrufer, Straßenhändler), das von der Regierung Louis-Philippes
1834 erlassen wurde, diente dazu, die Verbreitung oppositioneller
Presseerzeugnisse zu erschweren. 340
325 "Collection complète des lois, décrets ..." par J.B. Duver-
gier; à Paris 1836; tome trente-cinquième, année 1835. 341
326 Nach der Angliederung der Rheinprovinz an Preußen im Jahre
1815 bemühte sich die preußische Regierung, an Stelle der in die-
ser Provinz geltenden französischen bürgerlichen Gesetze wieder
das preußische Landrecht einzuführen. Eine ganze Reihe von Geset-
zen, Erlassen und Vorschriften sollten in der Rheinprovinz die
feudalen Privilegien des Adels (die Majorate) und die preußische
Strafgesetzordnung, Ehegesetzgebung usw. wiederherstellen. Diese
Maßnahmen, die eine entschiedene Opposition in der Rheinprovinz
hervorriefen, wurden nach der Märzrevolution durch die Verordnun-
gen vom 15. April 1848 (siehe Anm. 356) aufgehoben. 341
327 verstüverte Hannoveraner - Johann Karl Bertram Stüve, libera-
ler Staatsmann, war von März 1848 bis Oktober 1850 Innenminister
des Königreichs Hannover. 344
328 Die von Hansemann gegründete bürgerlich-liberale "Constitu-
tionelle Zeitung" erschien von 1849 bis ,832 in Berlin. 345
329 A Jove principium (Ein göttlicher Grundsatz) - aus Virgils
"Bucolica". 347
330 Nach dem Sieg der Februarrevolution 1848 wurde in Frankreich
eine provisorische Regierung gebildet, die am 10. Mai 1848 durch
die Exekutivkommission (siehe Anm. 101) abgelöst wurde.
"Die provisorische Regierung, die sich auf den Februarbarrikaden
erhob, spiegelte in ihrer Zusammensetzung notwendig die verschie-
denen Parteien ab, worunter sich der Sieg verteilte. Sie konnte
nichts anderes sein als ein Kompromiß der verschiedenen Klassen,
die gemeinsam den Julithron umgestürzt, deren Interessen sich
aber feindlich gegenüberstanden. Ihre große Majorität bestand aus
Vertretern der Bourgeoisie. Das demokratische Kleinbürgertum ver-
treten in Ledru-Rollin und Flocon, die republikanische Bour-
geoisie in den Leuten vom 'National', die dynastische Opposition
in Crémieux, Dupont de l'Eure usw. Die Arbeiterklasse besaß nur
zwei Repräsentanten, Louis Blanc und Albert. Lamartine endlich in
der provisorischen Regierung, das war zunächst kein wirkliches
Interesse, keine bestimmte Klasse, das war die Februarrevolution
selbst, die gemeinsame Erhebung mit ihren Illusionen, ihrer Poe-
sie, ihrem eingebildeten Inhalt und ihren Phrasen" (Marx). 353
393
331 Gerichtliche Konkordate - Das Dekret über die concordats à
l'amiable sollte den Kleinbürgern für ihre verfallenen Wechsel,
Schuldbriefe, Hausmieten usw. bei den Gläubigern, den Bankiers,
Aufschub gewähren. Das Kleinbürgertum war durch die völlige
Verelendung der Pariser Proletarier, seiner Kunden, und durch die
Juniinsurrektion, während der es gegen das Proletariat kämpfte,
in diese finanzielle Zwangslage gekommen. Doch am 22. August 1848
verwarf die Nationalversammlung den Gesetzesvorschlag in dieser
Form. Damit wurden Tausende Kleinbürger ruiniert und die Bankiers
strichen große Gewinne ein. 353
832 Die Zusatzsteuer von 45 Centimes je Franc der vier direkten
Steuern, die am 16. März 1848 von der französischen provisori-
schen Regierung eingeführt wurde, traf vor allem die Bauern, die
große Mehrheit des französischen Volkes. Diese Politik der bür-
gerlichen
#645# Anmerkungen
-----
Republikaner führte dazu, daß sich die Bauernschaft von der Revo-
lution abwandte und bei den Präsidentschaftswahlen am 10. Dezem-
ber 1848 für Louis Bonaparte stimmte. 354
333 die beiden Restaurationen - Nachdem das napoleonische
Frankreich von Rußland. Preußen, Österreich, England und anderen
Verbündeten geschlagen worden war und Napoleon im April 1814 auf
den Kaiserthron verzichten mußte, wurde in Frankreich die Macht
der Bourbonen restauriert. König von Frankreich wurde Ludwig
XVIII. Es gelang jedoch Napoleon, für die kurze Zeit der soge-
nannten Hundert Tage, März-Juni 1815, seine Macht wiederherzu-
stellen. Von englischen und preußischen Armeen erneut geschlagen,
mußte Napoleon wieder abdanken. Gestützt auf fremde Bajonette
kehrte Ludwig XVIII. Anfang Juli 1815 nach Paris zurück (zweite
Restauration). 354
334 Orleanisten (auch Philippisten) - Anhänger der Dynastie Or-
léans, die während der Julimonarchie (1830-1848) in Frankreich
herrschte. Die Orleanisten vertraten die Interessen der Fi-
nanzaristokratie und der großen Industriebourgeoisie. 354 394
335 "Journal des Débats politiques et littéraires" - französische
Tageszeitung, die 1789 in Paris gegründet wurde. Während der Ju-
limonarchie war sie als Regierungszeitung das Organ der orleani-
stischen Bourgeoisie. In der Revolution von 1848/49 vertrat sie
die Auffassungen der konterrevolutionären Bourgeoisie. 354
336 Am 15. Mai 1848 fand eine von Blanqui, Barbès u.a. geführte
revolutionäre Erhebung der Pariser Arbeiter statt, die gegen die
arbeiterfeindliche konterrevolutionäre Politik der bürgerlichen
konstituierenden Nationalversammlung gerichtet war. Dieser wurde
eine Reihe Forderungen vorgelegt, darunter auch die von Barbès
eingebrachte Forderung, für die Reichen eine Sondersteuer von ei-
ner Milliarde Francs einzuführen. 355
337 In Bourges fand vom 7. März bis 3. April 1849 der Prozeß ge-
gen die führenden Teilnehmer der revolutionären Ereignisse vom
15. Mai 1848 in Paris (siehe Anm. 336) statt. Die Führer des Pro-
letariats und auch ein Teil der Montagne wurden des Komplotts ge-
gen die Regierung beschuldigt. Das Gericht verurteilte Barbès und
Albert zu lebenslänglicher Deportation, Blanqui zu 10 Jahren Ein-
zelhaft, de Flotte, Sobrier, Raspail und andere zu verschieden
langen Gefängnisstrafen oder Verbannung. 355 583
338 Es handelt sich um den Artikel "Ein Aktenstück des Märzver-
eins", veröffentlicht in der "Neuen Rheinischen Zeitung" Nr. 181
vom 29. Dezember 1848, der das wahre Gesicht der kleinbürgerli-
chen Führer der Frankfurter Linken enthüllte, die durch ihre Po-
litik der Halbheiten der Konterrevolution halfen. Die "Neue Rhei-
nische Zeitung" nennt sie "die Girondisten unserer Revolution".
357
339 Klub des Ritters von Radowitz - der reaktionäre Katholische
Verein der äußersten Rechten der Frankfurter Nationalversammlung
stand unter der Führung von Radowitz, den Marx als "die Seele der
preußischen Konterrevolution" kennzeichnete (siehe vorl. Band,
S. 453). 357
340 Der Klub der Feuillants vertrat während der Französischen Re-
volution die Interessen der großen Finanzbourgeoisie und des li-
beralen Adels. Er vereinigte die Anhänger der konstitutionellen
Monarchie. 1792 wurde der Klub von den Jakobinern unterdrückt.
358
341 Karl Vogt, einer der Führer des Märzvereins von 1848/49, ging
noch Weiter, als ihm dies die "Neue Rheinische Zeitung" voraus-
sagte, er wurde bezahlter Agent Louis Bonapartes, des späteren
Napoleon III. (Siehe Marx' Schrift "Herr Vogt" aus dem Jahre
1860.) 358
342 "Stenographische Berichte über die Verhandlungen der durch
das Allerhöchste Patent vom 5. Dezember 1848 einberufenen Kam-
mern. Zweite Kammer", Bd. 2. 359 374
#646# Anhang und Register
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343 die Toten reiten schnell - aus der Ballade "Lenore" von Gott-
fried August Bürger. 360
344 Anspielung auf die Niederschlagung des polnischen Aufstands
von 1830/31 (siehe Anm. 233) im September 1831 durch die zaristi-
schen Truppen. 360
345 Dänischer Reichshammergerichtsfeldzug - diesen Ausdruck be-
nutzt Engels zur Kennzeichnung der Kriegführung Preußens im preu-
ßisch-dänischen Krieg um Schleswig-Holstein im Jahre 1848 (siehe
Anm. 86).
Das Reichskammergericht bestand als höchstes deutsches Gericht
von 1495 bis zur Auflösung des sogenannten Heiligen Römischen
Reiches Deutscher Nation (1806). Wegen seines unglaublichen Amts-
schimmels, seiner Langsamkeit und Käuflichkeit war es in aller
Munde. 360
346 Als "Siege" der preußischen Armee bezeichnet Engels ironisch
die blutige Unterdrückung der Volksbewegung in Anhalt-Bernburg im
März 1849, in Mainz im Mai 1848 und in Frankfurt am Main im Sep-
tember 1848. 360
347 25. Juni 1849 - Jahrestag des Aufstands der Pariser Arbeiter.
Die "Neue Rheinische Zeitung" feierte den Juniaufstand 1848 als
die erste große Entscheidungsschlacht zwischen Proletariat und
Bourgeoisie. 362
348 Camphausen war einer der Aktionäre der "Rheinischen Zeitung",
die von 1842 bis 1843 in Köln erschien (siehe Anm. 2%). 362
349 Die Landstände der Provinzen (Provinziallandlage) wurden 1823
gebildet. Sie bestanden aus Vertretern der Fürsten, des Adels,
der Städte und der Landgemeinden. Da die Teilnahme an den Land-
tagswahlen vom Besitz an Grundeigentum abhing, war der größere
Teil der Bevölkerung von diesen Wahlen ausgeschlossen und dem
Adel die Mehrheit in den Landtagen gesichert. Die Landtage wurden
vom König einberufen ; ihre Kompetenzen beschränkten sich auf
Fragen der örtlichen Wirtschaft und der Provinzialverwaltung. Auf
politischem Gebiet hatten sie nur geringe beratende Funktionen;
sie hatten das Recht, ihre Meinung zu Gesetzen zu äußern, die ih-
nen von der Regierung zur Erörterung vorgelegt wurden.
1843 legte der König unter dem Vorwand, eine einheitliche Gesetz-
gebung für Preußen einzuführen, dem Rheinischen Landtag den
"Entwurf einer neuen Strafgesetzgebung" vor, der in der Rheinpro-
vinz die liberale französische Gesetzordnung ersetzen sollte. Der
siebente Rheinische Landtag (1843) wies diesen Gesetzentwurf zu-
rück und erklärte, daß die in der Rheinprovinz geltende Gesetzge-
bung vollkommen den Sitten, Gebräuchen und juristischen Gegeben-
heiten der Rheinprovinz entspreche. 364
350 Mancha - spanische Landschaft mit spärlicher und rückständi-
ger Bevölkerung, bekannt als Heimat des Ritters Don Quijote aus
dem gleichnamigen Roman von Cervantes. 364
351 In der Sitzung des ersten Vereinigten Landtages am 21. Juni
1847 äußerte Thadden-Triglaff: "Mein Antrag lautet; Preßfreiheit,
- wirkliches öffentliches Verfahren mit den Herren Literaten und
ganz dicht dabei den Galgen! Und ich bitte nur noch die Herren
Stenographen, die Worte 'wirklich' und 'Galgen' ganz gehörig zu
unterstreichen." ("Der Erste Vereinigte Landtag in Berlin 1847",
vierter Teil.) 364
352 Am 8. November 1848 berief Friedrich Wilhelm IV. für das der
Reaktion zu unentschlossene Ministerium Pfuel ein vom Grafen
Brandenburg präsidiertes Ministerium der "rettenden Tat". Der
leitende Kopf war aber von Anfang an Manteuffel. Unter diesem
Ministerium nahm der preußische Feudaladel die Staatsmacht wieder
fest in die Hand. 364
#647# Anmerkungen
-----
353 Uckermark - nördlicher Teil der preußischen Provinz Branden-
burg, eine Hochburg des reaktionären Junkertums. 365 438
354 Die sogenannten Vereinigten ständischen Ausschüsse aus Ver-
tretern der Provinziallandtage (siehe Anm. 349) versammelten sich
am 17. Januar 1848, um den "Entwurf des Strafgesetzbuchs für die
preußischen Staaten" zu erörtern. Die Tätigkeit der Ausschüsse
wurde durch die sich Anfang März entwickelnden revolutionären Ak-
tionen unterbrochen. 366
355 Die "Allerhöchste Kabinettsorder vom 6ten März 1821, betref-
fend die Strafgesetze und das Verfahren in den Rheinprovinzen bei
Verbrechen und Vergehen gegen den Staat und dessen Oberhaupt ..."
dehnte die Gültigkeit der preußischen Strafgesetzgebung bei
Staatsverbrechen auf die Rheinprovinz aus (siehe auch Anm. 326).
367
356 Verordnungen vom 15.April 1848 - "Verordnung über die Her-
stellung des Rheinischen Zivilgesetzbuchs in Betreff der Schlie-
ßung der Ehe ..." und "Verordnung, betreffend das Verfahren bei
politischen und Preßvergehen in der Rheinprovinz und die Wieder-
herstellung des Rheinischen Strafrechts und Strafverfahrens bei
politischen und Amtsvergehen". 368
357 Die Debatten der Zweiten Kammer sind abgedruckt in "Steno-
graphische Berichte über die Verhandlungen der durch das
Allerhöchste Patent vom 5. Dezember 1848 einberufenen Kammern.
Zweite Kammer", Beilage zum "Preußischen Staats-Anzeiger", Bd. 1-
2, Berlin 1849. 372 434
358 Am 5. Dezember 1848 löste die konterrevolutionäre Regierung
Brandenburg-Manteuffel die preußische Nationalversammlung auf,
veröffentlichte die sogenannte oktroyierte Verfassung und setzte
den Termin zur Einberufung der Kammern auf den 26. Februar 1849
fest. 372
359 Im Jahre 1792 wurden 40 000 preußische und 15 000 österrei-
chische Soldaten unter dem Herzog von Braunschweig zu einem Feld-
zug gegen das revolutionäre Frankreich eingesetzt. Sie rückten in
die Champagne ein, mußten aber nach der ergebnislosen Kanonade
von Valmy bald einen schmählichen und verlustreichen Rückzug an-
treten.
Die vernichtende Niederlage der preußischen Armee bei Jena am 14.
Oktober 1806 zeigte die ganze Fäulnis der feudalen Hohenzollern-
monarchie und führte die Kapitulation Preußens vor dem napoleoni-
schen Frankreich herbei.
Am 18. und 19. März 1848 wurden in Berlin 14000 Mann preußische
Truppen von den Barrikadenkämpfern zum Rückzug aus der Stadt ge-
zwungen. 375 478 516
360 Unverletzlichkeitsparagraph - Im Artikel 83 der oktroyierten
"Verfassungs-Urkunde für den preußischen Staat vom 5. Dezember
1848" heißt es: Die Mitglieder beider Kammern "können weder für
ihre Abstimmungen in der Kammer, noch für ihre darin ausgespro-
chenen Meinungen zur Rechenschaft gezogen werden". 377
361 St. Stephen - Teil des Westminsterpalastes in London, wo vom
16. bis 19. Jahrhundert die Sitzungen des englischen Unterhauses
stattfanden.
Chambre introuvable (Unübertreffliche Kammer) - französische Ab-
geordnetenkammer von 1815/16, die sich aus extremsten Reaktio-
nären zusammensetzte.
Chambre introuvable des 24. Februar 1848 - französische Abgeord-
netenkammer, die der Revolution entgegenzuwirken und die Monar-
chie zu festigen suchte, nachdem Louis-Philippe am 24. Februar
1848 zugunsten seines Enkels, des Grafen von Paris, auf den Thron
verzichtet hatte. 378
#648# Anhang und Register
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362 Italien war damals in mehrere kleine Staaten, die mehr oder
weniger von Österreich abhängig waren, zersplittert; ein Teil
Norditaliens - die Lombardei und Venedig - gehörten unmittelbar
zur österreichischen Monarchie. Anfang 1848 brach in Italien die
bürgerlich-demokratische Revolution aus, deren Hauptaufgabe die
Herstellung eines einigen, unabhängigen und demokratischen Itali-
ens war. Das italienische Volk kämpfte heldenhaft gegen die
österreichische Fremdherrschaft und gegen die verräterischen ita-
lienischen Herrscher. Dem herrschenden Feudaladel des Königreichs
Sardinien und Piemont, an seiner Spitze König Karl Albert, sowie
der Großbourgeoisie gelang es jedoch, die Führung der italieni-
schen Befreiungsbewegung an sich zu reißen. Das Ziel der herr-
schenden Klassen und des Königs von Sardinien und Piemont war ei-
nerseits die Ausdehnung ihrer Macht auf ganz Oberitalien, ande-
rerseits - und das war ihnen das Wichtigste - die Unterdrückung
der Revolution, die Niederwerfung des kämpfenden italienischen
Volkes. Die Revolution zwang den König Karl Albert Ende März
1848, Österreich den Krieg zu erklären. Nach einigen anfänglichen
Erfolgen wurde die Armee Sardiniens und Piemonts geschlagen.
Schuld daran war die feige und unfähige Kriegführung Karl Alberts
und seiner Generale. Am 9.August 1848 schloß Karl Albert einen
verräterischen Waffenstillstand ab und gab dadurch der österrei-
chischen Monarchie die Möglichkeit, die Revolution in der Lombar-
dei blutig niederzuwerfen. Der revolutionäre Kampf des italieni-
schen Volkes zwang den König jedoch, den Waffenstillstand am 12.
März 1849 zu annullieren. Am 20. März 1849 wurden die Kampfhand-
lungen wieder aufgenommen und am 23. März wurde Karl Alberts Ar-
mee geschlagen. Der König verzichtete auf den Thron. Der neue Kö-
nig Viktor Emanuel II. schloß am 26. März einen Waffenstillstand
mit Österreich ab; am 6. August 1849 wurde Frieden geschlossen.
381
363 "Noch ist Polen nicht verloren" - Worte aus der polnischen
Nationalhymne, die aus dem von Joseph Wybicki 1797 gedichteten
Dombrowski-Marsch entstand. 382
364 Im Sommer 1848, während der Revolution in Norditalien, bot
der italienische revolutionäre Demokrat Giuseppe Garibaldi dem
König von Sardinien und Piemont, Karl Albert, seine Hilfe an. Der
König lehnte ab. Garibaldi ging in die Lombardei und stellte eine
Freiwilligentruppe auf. Da aber die provisorische Regierung der
Lombardei mit Karl Albert paktierte, blieben die Freiwilligen Ga-
ribaldis ohne Verpflegung und fast ohne Waffen und Ausrüstung.
Auch nach Abschluß des verräterischen Waffenstillstandes, den
Karl Albert am 9. August 1848 mit Österreich abschloß (siehe Anm.
362), leisteten die Freiheitskämpfer Garibaldis der österreichi-
schen Armee tapferen Widerstand, mußten sich jedoch der Übermacht
beugen und in die Schweiz zurückziehen. 384
365 Savoyerzug 1834 - der von dem bürgerlichen Demokraten und Re-
volutionär Giuseppe Mazzini organisierte Feldzug italienischer
revolutionärer Emigranten und deutscher und polnischer Freiwilli-
ger. Die Revolutionäre drangen von der Schweiz aus in Savoyen
ein, wurden aber von den Piemonter Truppen geschlagen und in der
Schweiz entwaffnet. 385
366 Im nationalen Befreiungskrieg des spanischen Volkes gegen die
napoleonische Fremdherrschaft spielten Ale-Guerillas (Partisanen-
abteilungen des Volkes) nach der Zerschlagung der regulären
Armeen eine wichtige Rolle. 387
367 Die Verhandlungen in der Sitzung der französischen konstitu-
ierenden Nationalversammlung am 31. März 1849 sind abgedruckt in
"Compte rendu des séances de l'Assemblée nationale", T. 9. 393
368 Wiener Verträge von 1815 - Auf dem Wiener Kongreß (18. Sep-
tember 1814 bis 9.Juni 1815) trafen sich die Sieger über Napoleon
I. Durch die Verträge, die am 3. Mai 1815
#649# Anmerkungen
-----
von Rußland, Österreich und Preußen unterzeichnet worden waren,
und durch die Abschlußakte des Wiener Kongresses vom 9. Juni 1815
wurden die Teilung Polens, die Unterjochung Ungarns und die Zer-
splitterung Italiens aufrechterhalten. 393
369 Die Erklärung des Ministerpräsidenten Brandenburg in der Sit-
zung der Zweiten Kammer am 2. April 1849 zu dem Beschluß der
Frankfurter Nationalversammlung, die Kaiserwürde dem preußischen
König anzutragen, ist enthalten in: "Stenographische Berichte
über die Verhandlungen der durch das Allerhöchste Patent vom 5.
Dezember 1848 einberufenen Kammern. Zweite Kammer". 395
370 Radowitz, "Deutschland und Friedrich Wilhelm IV." 395
371 Aus der Rede Friedrich Wilhelms IV. am 15. Oktober 1840 in
Berlin anläßlich der Krönungsfeierlichkeiten. 396
372 Zur Entstehungsgeschichte der Schrift "Lohnarbeit und Kapi-
tal" siehe die Einleitung von Engels zur Ausgabe von 1891 (vorl.
Band, S. 593-599).
Der vorliegende Band bringt die Schrift nach der von Engels be-
sorgten Ausgabe von 1891. Sie erschien in Berlin unter dem Titel
"Lohnarbeit und Kapital. Separat-Abdruck aus der 'Neuen Rheini-
schen Zeitung' vom Jahre 1849. Mit einer Einleitung von Friedrich
Engels". Alle von ihm vorgenommenen wesentlichen Änderungen und
Ergänzungen gegenüber der "Neuen Rheinischen Zeitung" sind in
Fußnoten festgehalten. Die Arbeit wurde erstmalig in Form von
Leitartikeln in der "Neuen Rheinischen Zeitung" Nr. 264, 265,266,
267 und 269 vom 5., 6., 7., 8. und 11. April 1849 veröffentlicht.
397
373 Gemeint sind die Revolutionen am 23. und 24. Februar in Pa-
ris, am 13. März in Wien und am 18. März 1848 in Berlin. 397
374 Das Versprechen "Fortsetzung folgt" konnte von Marx nicht er-
füllt werden. Siehe dazu Engels' Einleitung zu "Lohnarbeit und
Kapital", Ausgabe 1891 (vorl. Band, S. 593-599).
Das Manuskript der Fortsetzung hat sich nicht gefunden, wohl aber
eine Schrift über den Arbeitslohn, die zweifellos eine Grundlage
der Vorträge von 1847 darstellt und inhaltlich teils mit
"Lohnarbeit und Kapital" zusammenfällt, teils daran anschließt
(siehe vorl. Band, S. 535-556). 423
375 In der "Neuen Rheinischen Zeitung" wurde in den Nummern 265,
266, 267, 269 und 271 vom 6., 7., 8., 11. und 13. April 1849 eine
Feuilletonreihe von Georg Weerth veröffentlicht, die den am 28.
März 1849 von der Frankfurter Nationalversammlung gefaßten Be-
schluß über die Wahl des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV.
zum deutschen Kaiser verspottet. 427
376 In der Schlacht bei Novara (Norditalien) am 23. März 1849
fügten die österreichischen Truppen unter Radetzky der piemonte-
sischen Armee eine entscheidende Niederlage zu. Über diese
Schlacht schreibt Engels in seinem Artikel "Die Niederlage der
Piemontesen" (siehe vorl. Band, S. 385-392).
Der erfolgreiche Angriff der ungarischen Armee Anfang April 1849
zwang die österreichische Armee, sich gegen Ende des gleichen Mo-
nats aus Pest zurückzuziehen, sie konnte aber ihre Garnison in
der Festung Buda halten. Die Belagerung Budas zog sich längere
Zeit hin; die Festung wurde erst am 21. Mai von den Ungarn genom-
men.
"Seeschlacht" bei Eckernförde nennt Engels ironisch die Beschie-
ßung einiger dänischer Kriegsschiffe durch eine deutsche Küsten-
batterie und die Eroberung zweier dieser Schiffe am 5. April 1849
im Hafen von Eckernförde (Schleswig). Dieses Ereignis, das kei-
nerlei bedeutenden Einfluß auf den Verlauf des Krieges mit Däne-
mark (siehe Anm. 86
#650# Anhang und Register
-----
und 134) hatte, wurde in der offiziellen preußischen Presse als
gewaltiger Sieg der preußischen Truppen hingestellt.
Am 13. April 1849 nahmen die sogenannten Deutschen Bundestruppen
im Sturm die dänischen Befestigungen bei dem Dorf Düppel
(Schleswig). 427
377 Landwehr - ursprünglich die allgemeine Landesbewaffnung, das
Aufgebot aller Wehrfähigen zur Verteidigung; mit Einführung der
stehenden Heere trat diese Bedeutung der Landwehr zurück; erst
mit dem zunehmenden Bedarf an Streitkräften in den Napoleonischen
Kriegen griff man auf sie zurück. In Preußen veranlaßte Scharn-
horst nach dem Tilsiter Frieden die Einrichtung einer Landwehr,
die eng mit dem stehenden Heer verbunden war. Die "Landwehr-Ord-
nung" vom 21. November 1815 teilte die Landwehr in zwei Aufge-
bote. Das erste Aufgebot, das alle aus dem Heer Entlassenen vom
26. bis zum 32. Lebensjahr umfaßte, diente neben dem stehenden
Heer zur Bildung der Feldarmee, das zweite stellte mit den Män-
nern vom 32. bis 40. Lebensjahr die Festungsbesatzungen.
Der letzte Paragraph der "Landwehr-Ordnung" versprach jedem Regi-
ment eine Anzahl Gnadentaler für die Landwehrleute, "die in bei-
den Aufgeboten vorwurfsfrei gedient" haben und im Alter unter-
stützungsbedürftig sind. Sie erhielten diese Pension jedoch erst
nach ihrer Dienstzeit und wenn eine Stelle freigeworden war. 427
473 487 518
378 Am 11.April 1848 wurde zwischen dem Posener Komitee und dem
preußischen Kommissar General Willisen die Konvention von
Jaroslawiec geschlossen. Diese Abmachung sah die Entwaffnung und
Auflösung der polnischen aufständischen Abteilungen vor. Als Ge-
genleistung wurde den Polen die "nationale Reorganisation" Po-
sens, d.h. die Aufstellung polnischer Truppen, die Einsetzung von
Polen in administrative und andere Ämter und die Einführung der
polnischen Sprache als Amtssprache zugesichert.
Engels stützt sich auf die stenographischen Berichte der Zweiten
Kammer und benutzt einen Auszug aus der Rede des Abgeordneten Li-
siecki, der nach seinen Worten einen Passus aus dieser Konvention
wörtlich anführt. Eine Konvention, die im Wortlaut dem Zitat Li-
sieckis entspricht, konnte nicht ermittelt werden. 428
379 Kartoffelkrieg - ironische Bezeichnung des sogenannten bayri-
schen Erbfolgekrieges, der 1778/79 zwischen Preußen und Sachsen
einerseits und Österreich andererseits geführt wurde. Die Kampf-
handlungen beschränkten sich faktisch auf eine Truppenverschie-
bung und auf Streitereien der Soldaten um Kartoffeln. Hier ist
der preußisch-dänische Krieg 1848 (siehe Anm. 86) gemeint. 429
380 "Zeitung des Osten" - demokratische Tageszeitung, die 1849
von W. Stefanski, einem Mitglied der polnischen nationalen Be-
freiungsbewegung und Mitglied des Posener Nationalkomitees, in
Posen herausgegeben wurde. 432
381 Die "Geschäfts-Ordnung für die Zweite Kammer" ist abgedruckt
in der "Sammlung sämmtlicher Drucksachen der Zweiten Kammer",
Band 1, Drucksache Nr. 1. 434
382 Gustav-Adolf-Verein - 1832 gegründete religiöse Hilfsorgani-
sation für die protestantischen Gemeinden in den katholischen Ge-
genden Deutschlands und anderen Ländern. Rupp, der in Königsberg
Pastor gewesen und seines Amtes enthoben worden war, weil er die
kirchliche Dogmatik kritisiert hatte, wurde 1846 aus diesem Ver-
ein ausgeschlossen. 434
383 Lichtfreunde - eine 1841 entstandene religiöse Strömung, die
sich gegen den in der offiziellen protestantischen Kirche herr-
schenden Pietismus und den ihm eigenen strengen Mystizismus und
die Frömmelei richtete. Diese religiöse Opposition war eine
Erscheinungsform
#651# Anmerkungen
-----
der Unzufriedenheit der Bourgeoisie der vierziger Jahre des 19.
Jahrhunderts mit der reaktionären Ordnung in den verschiedenen
deutschen Staaten. In den Jahren 1846 und 1847 führte die Bewe-
gung der Lichtfreunde zur Bildung der sogenannten Freien Ge-
meinden, die sich von der offiziellen protestantischen Kirche lö-
sten und am 30. März 1847 das Recht der freien Religionsausübung
erhielten. 435
384 Zeile aus dem "Lied für den dänischen Unterthan" von dem
schleswigschen Pfarrer Heinrich Harries, das von Balthasar Ger-
hard Schumacher zu dem Lied "Heil Dir im Siegerkranz", der späte-
ren "preußischen Nationalhymne", umgearbeitet wurde. 436
385 Atta Troll - ein Bär, der Held des gleichnamigen Gedichts von
Heinrich Heine. In einigen Versen der Dichtung, besonders in Ka-
put VII, ist die Rede vom Haß des Bären auf das Lachen der Men-
schen. 437
386 Häng' dich auf, Figaro! Du würdest das nicht ersonnen haben!
- abgewandeltes Zitat aus Beaumarchais' "La folle journée, ou le
mariage de Figaro" [Der tolle Tag oder die Hochzeit des Figaro],
V. Akt, achte Szene. 444
387 Am 27. April 1849 löste die preußische Regierung die Zweite
Kammer auf. Als Anlaß diente die Billigung der von der Frankfur-
ter Nationalversammlung angenommenen Verfassung des Deutschen
Reiches vom 28. März 1849 durch die Kammer am 21. April 1849. 446
452 469 487 494
388 Die Korrespondenz des Erzbischofs von Gnesen und Posen, Przy-
luski, mit dem Berliner Kabinett unter Camphausen ist abgedruckt
in [Brodowski, Kraszewski, Potworowski] "Zur Beurtheilung der
polnischen Frage im Grossherzogthum Posen im Jahre 1848". 448
389 Eine Fortsetzung dieses Artikels ist in der "Neuen Rheini-
schen Zeitung" nicht mehr erschienen. 451
390 In der Konversationshalle am Dönhoffplatz in Berlin ver-
sammelten sich am 27.April nach der Auflösung der Zweiten Kammer
die Abgeordneten des linken Flügels. Mit Hilfe von Konstablern
und Militär wurde die Versammlung auseinandergejagt. Gleichzeitig
schössen die Truppen in die vor der Konversationshalle ver-
sammelte Volksmenge. 452
391 Lassalle befand sich zum erstenmal Februar-August 1848 in
Haft; er wurde beschuldigt, den Diebstahl einer Kassette mit Do-
kumenten angestiftet zu haben, um diese als Rechtsanwalt im Ehe-
scheidungsprozeß der Gräfin Hatzfeld auszunutzen. Lassalle führte
diesen Prozeß von 1846 bis 1854. 454
392 Es handelt sich um das im September in der Frankfurter Natio-
nalversammlung behandelte und am 10. Oktober 1848 verkündete
"Gesetz, betreffend den Schutz der constituirenden Reichsversamm-
lung und der Beamten der Centralgewalt", dessen Artikel V lautet:
"Öffentliche Beleidigungen der Reichsversammlung, auch außerhalb
des Sitzungslokals verübt, unterliegen einer Gefängnisstrafe bis
zu zwei Jahren."
Unter dem Titel "Patent über die Publikation des Reichsgesetzes
zum Schutze der verfassunggebenden Reichsversammlung und der Be-
amten der provisorischen Centralgewalt" vom 17. Oktober 1848
wurde es in der "Gesetz-Sammlung für die Königlichen Preußischen
Staaten 1848" veröffentlicht. 459
393 Preußische "Reichs"-Note vom 28.April - das vom preußischen
Ministerpräsidenten Graf von Brandenburg an den "Königlichen Be-
vollmächtigten bei der provisorischen Centralgewalt für Deutsch-
land ... Camphausen ... zu Frankfurt a.M." vom 28. April 1849 ge-
richtete Schreiben, in dem dargelegt wird, warum der preußische
König sich
#652# Anhang und Register
-----
entschlossen hat, "die auf Grund der in Frankfurt beschlossenen
Verfassung Ihm dargebotene Kaiserwürde abzulehnen" (siehe
"Preußischer Staats-Anzeiger" Nr. 117 vom 30.APril 1849). 459
394 Carbonari (Köhler) - geheime politische Gesellschaft in Ita-
lien, die Anfang des 19. Jahrhunderts gebildet wurde. Sie trat
für die nationale Einheit und Unabhängigkeit Italiens und für
freisinnige Staatsreformen ein. Die Carbonari bekämpften seit
1815 auf das entschiedenste die italienische Reaktion. In Neapel
zählten sie Tausende von Mitgliedern und spielten bei der
Revolution von 1820 eine wichtige Rolle.
Nach dem Vorbild der italienischen Carbonari entstand in
Frankreich zu Beginn des Jahres 1820 eine revolutionäre Geheimor-
ganisation gleichen Namens (La Charbonnerie), die sich den Sturz
der Bourbonen mit Mitteln des bewaffneten Aufstands zur Aufgabe
stellte. Diese Organisation setzte sich vorwiegend aus Studenten,
Advokaten, Handelsangestellten, liberalen Industriellen und ande-
ren Vertretern der französischen Bourgeoisie zusammen. Die von
den französischen Carbonari organisierten Aufstände waren sämt-
lich erfolglos. 459
395 Aus Schillers Ballade "Die Bürgschaft". 459 469
396 Bassermannsche Gestalt - Anspielung auf einen Ausspruch des
Abgeordneten der Frankfurter Nationalversammlung Bassermann in
einem Bericht über eine Reise nach Berlin in der Verhandlung der
Nationalversammlung am 18. November 1848: "Spät kam ich an,
durchwanderte aber noch die Straßen und muß gestehen, daß mich
die Bevölkerung, welche ich auf denselben, namentlich in der Nähe
des Sitzungslokales der Stände erblickte, erschreckte; ich sah
hier Gestalten die Straßen bevölkern, die ich nicht schildern
will" (siehe "Stenographischer Bericht über die Verhandlungen der
deutschen constituirenden Nationalversammlung zu Frankfurt am
Main", Bd. 5). 459
397 Der Deutsche Bund, der durch die am 8. Juni 1815 auf dem Wie-
ner Kongreß unterzeichnete Bundesakte geschaffen wurde, umfaßte
zunächst 34, zuletzt 28 Fürstentümer und vier Freie Städte und
bestand bis 1866; er verhinderte die Bildung einer Zentralregie-
rung und bewahrte die feudale Zersplitterung Deutschlands. Die
Bundesversammlung der bevollmächtigten Gesandten bildete den Bun-
destag, der unter dem ständigen Vorsitz Österreichs in Frankfurt
am Main tagte und zu einem Bollwerk der deutschen Reaktion wurde.
Im Kampf gegen die demokratische Einigung Deutschlands versuchten
reaktionäre Kräfte nach der Märzrevolution 1848, die Tätigkeit
des Bundestages neu zu beleben. 460
398 Am 18. September 1848 brach in Frankfurt am Main ein Volks-
aufstand aus, der sich gegen die Ratifizierung des Waffenstill-
stands mit Dänemark (siehe Anm. 134) durch die Frankfurter Natio-
nalversammlung wandte. Noch am gleichen Tag wurde der Aufstand
mit Hilfe von preußischen und österreichischen Truppen niederge-
schlagen. Die kleinbürgerlichen Führer des linken Flügels der Na-
tionalversammlung trugen durch ihr feiges Verhalten zur Nieder-
lage des Aufstands bei. 460
399 Diese Adresse wurde am 19. November 1848 von Lassalle entwor-
fen und im Namen der Bürgerwehr der Stadt Düsseldorf noch am
Abend desselben Tages an die Nationalversammlungabgesandt. Sie
ist in der "Neuen Rheinischen Zeitung" Nr. 149 vom 22. November
1848 abgedruckt. 463
400 Es handelt sich um Prozesse, die sich auf den § 151 und die
folgenden Paragraphen des 20. Titels im 2. Teil des "Allgemeinen
Landrechts für die Preußischen Staaten" stützen. 466
#653# Anmerkungen
-----
401 Kongreß der rheinischen Gemeinderäte - Am 1. Mai 1849 brach-
ten die Kölner Tageszeitungen einen Aufruf des Gemeinderates der
Stadt Köln "An alle Gemeinden der Rheinprovinz", in dem diese zu
"einer allgemeinen Beratung aller Gemeinden der Rheinprovinz" am
5. Mai 1849 über die neue Situation in Preußen nach der Auflösung
der Zweiten Kammer eingeladen wurden. Die preußische Regierung
verbot diese Beratung. Das Verbot wurde in der "Kölnischen Zei-
tung", Nr. 104 vom 2. Mai 1849, 2. Ausgabe, veröffentlicht. Dar-
aufhin versammelte sich der Kölner Gemeinderat erneut und be-
schloß einstimmig, das Verbot nicht zu beachten. Gleichzeitig er-
ließ er eine neue Einladung "An alle Gemeinde-Verordneten der
Rheinprovinz", in der diese gebeten wurden, sich am 8. Mai 1849
im großen Casino-Saal in Köln zu versammeln. Am festgesetzten
Tage erschienen dann etwa 500 Gemeinderäte aus ungefähr 300 Ge-
meinden und faßten einen Beschluß, der sich für die deutsche
Reichsverfassung vom 28. März 1849, für die Einberufung der Kam-
mern und gegen die Regierung Brandenburg-Manteuffel aussprach.
Außerdem drohte der Beschluß im Falle der Nichtbeachtung der For-
derungen der rheinischen Gemeinderäte mit dem Abfall der Rhein-
provinz von Preußen. Diese Drohung war jedoch bei der fortschrei-
tenden Festigung der Reaktion in Preußen und in Deutschland völ-
lig irreal. 467 468 471 489
402 Am 26. September 1848 verhängten die Kölner Behörden aus
Furcht vor dem Aufschwung der revolutionär-demokratischen Bewe-
gung den Belagerungszustand "zum Schutze der Persönlichkeit und
des Eigentums". Ein Befehl der Militärkommandantur verbot die
Durchführung von Versammlungen und die Tätigkeit aller Vereine zu
"politischen und sozialen Zwecken" ; die Bürgerwehr wurde aufge-
löst und mußte die Waffen abgeben, Kriegsgerichte wurden einge-
führt und das Erscheinen der "Neuen Rheinischen Zeitung" und an-
derer demokratischer Zeitungen untersagt. 467
403 Am Sonntag, dem 6. Mai 1849, fanden in Köln drei Kongresse
der Organisationen der Rheinprovinz und Westfalens statt; ein
Kongreß der Arbeitervereine, ein Kongreß der demokratischen Ver-
eine und in Deutz, einem Kölner Vorort, ein Kongreß der konsti-
tutionell-monarchistischen "Bürgervereine". 468 471
404 Am 25. September 1848 provozierten die Kölner Behörden durch
die Verhaftung einiger Führer des Arbeitervereins eine vorzeitige
Aktion der Arbeiter, die in der Stadt mit dem Barrikadenbau be-
gannen. Marx und seine Anhänger unternahmen große Anstrengungen,
um die Kölner Arbeiter von einer verfrühten und isolierten Aktion
zurückzuhalten. Am nächsten Tag wurde Köln unter dem Vorwand,
"Persönlichkeit und Eigentum" zu schützen, in Belagerungszustand
versetzt (siehe Anm. 402). 468 471
405 Der bewaffnete Aufstand in Dresden vom 3. bis 8. Mai 1849
leitete die Kämpfe zur Verteidigung der von der Frankfurter Na-
tionalversammlung angenommenen Reichsverfassung ein. Die Arbeiter
spielten in den Barrikadenkämpfen die Hauptrolle, während die
Bourgeoisie und das Kleinbürgertum fast gar nicht am Aufstand
teilnahmen. Der Aufstand in Dresden blieb isoliert und erlag nach
tapfrer Gegenwehr der Übermacht sächsischer und preußischer Trup-
pen. 473 481
406 Anfang Mai 1849 begannen in der Rheinprovinz, in der bayri-
schen Pfalz und in Baden Aufstände zur Verteidigung der Reichs-
verfassung, die am 28. März 1849 von der Frankfurter Nationalver-
sammlung angenommen, aber von den Regierungen einer Reihe deut-
scher Staaten (Preußen, Sachsen, Bayern, Hannover u.a.) abgelehnt
worden war. Die Volksmassen sahen in der Reichsverfassung die
einzige noch nicht vernichtete Errungenschaft
#654# Anhang und Register
-----
der Revolution. Aber die Aufstände, die hauptsächlich von klein-
bürgerlichen Demokraten geleitet wurden, trugen einen isolierten
und spontanen Charakter und wurden Mitte Juli 1849 grausam unter-
drückt. Über das Wesen und den Verlauf dieser Kämpfe, an denen
Engels persönlich teilnahm, siehe seine Arbeit "Die deutsche
Reichsverfassungskampagne" in Band 7 unserer Ausgabe. 474 481
407 Aus Heines Zeitgedicht "Der Wechselbalg". 477
408 Der Friede von Oliva wurde am 3. Mai 1660 zwischen Schweden
einerseits, Polen, Österreich und Brandenburg andererseits ge-
schlossen. Der Friedensvertrag von Oliva bestätigte den polnisch-
brandenburgischen Vertrag zu Wehlau (19. September 1657), in dem
Polen auf die Lehnshoheit über das dem Kurfürsten von Brandenburg
gehörende Ostpreußen verzichten mußte. 477
409 Im Jahre 1772 erfolgte die erste Teilung Polens durch Preu-
ßen, Österreich und Rußland. 477
410 Frankreich begann 1792 seinen ersten Revolutionskrieg gegen
Österreich; bald darauf trat Preußen und 1793 auch England, Hol-
land und Spanien auf Seiten Österreichs in den Krieg ein. Im
Jahre 1795 schloß Preußen mit Frankreich zu Basel einen Separat-
frieden, indem es aus der Koalition gegen Frankreich austrat und
seine linksrheinischen Besitzungen unter Vorbehalt späterer Ver-
einbarungen Frankreich überließ. 478
411 Das "Edict die Religions-Verfassung in den Preußischen Staa-
ten betreffend" vom 9. Juli 1788 und das "Censur-Edict" vom 19.
Dezember 1788 wurden von Friedrich Wilhelm II. auf Veranlassung
seines Ratgebers Bischoffwerder erlassen. Diese Edikte schränkten
die Rechte der Presse und die Konfessionsfreiheit ein. 478
412 Marx und Engels betonen hier den zwiespältigen Charakter der
Befreiungskriege 1813-1815, in denen der gerechte nationale Be-
freiungskampf der Volksmassen gegen die räuberische Politik Napo-
leons I. von den Fürsten und Junkern dazu ausgenutzt wurde, die
feudalen Verhältnisse in Europa soweit als möglich wiederherzu-
stellen. Dabei weisen Marx und Engels vor allem auf die reaktio-
nären Seiten und Folgen (Haß gegen die Französische Revolution,
mangelnde Initiative im Kampf gegen die einheimischen Unterdrüc-
ker, Deutschtümelei usw.) hin und führen damit einen Schlag gegen
die reaktionäre preußische Geschichtschreibung, die besonders
nach der Verschärfung der deutsch-französischen Beziehungen im
Jahre 1840 Inhalt und Bedeutung der Befreiungskriege im Interesse
des preußischen Chauvinismus systematisch verfälschte und miß-
brauchte. Die fortschrittliche Seite der Befreiungskriege behan-
delt Engels in der Arbeit "Ernst Moritz Arndt" aus dem Jahre 1841
und in den 1870 geschriebenen Aufsätzen über die Landsturmordnung
von 1813, in denen er nachdrücklich feststellt, daß erst der Sieg
über die napoleonische Fremdherrschaft den Weg für die Lösung der
nationalen Frage und damit für die Befreiung vom Joch der deut-
schen Fürsten geebnet hat. 478 516
413 Auf dem Wiener Kongreß wurde am 8. Juni 1815 die den Deut-
schen Bund (siehe Anm. 397) bestätigende Bundesakte unterzeich-
net, deren Artikel 13 lautete: "In allen Bundesstaaten wird eine
landesständische Verfassung stattfinden." Die Festlegungen der
Bundesakte wurden durch die Schlußakte des Wiener Kongresses vom
9. Juni 1815 noch einmal bestätigt. (Siehe "Schluß Acte des wie-
ner Congresses, vom 9. Juni 1815, und Bundes-Acte oder Grundver-
trag des teutschen Bundes, vom 8. Juni 1815", herausgegeben von
Johann Ludwig Klüber, Erlangen 1818.) 479
#655# Anmerkungen
-----
414 Karlsbader Beschlüsse - eine Reihe reaktionärer Beschlüsse,
die im August 1819 auf der Ministerkonferenz der deutschen Bun-
desstaaten in Karlsbad ausgearbeitet wurden. Diese Beschlüsse
enthielten die Einführung einer strengen Vorzensur für alle
Schriften unter 20 Druckbogen in allen deutschen Staaten, streng-
ste Überwachung der Universitäten, das Verbot der Burschenschaf-
ten und die Schaffung einer zentralen Untersuchungskommission zur
Verfolgung von Personen, die der Opposition verdächtig waren (der
sogenannten "Demagogen"). Initiator dieser polizeilichen Maßnah-
men war der österreichische Außenminister und spätere Kanzler
Metternich. 479
415 beschränkter Untertanenverstand - ein bekannter Ausspruch des
preußischen Innenministers von Rochow. 479
416 Einem Mönche Hermann, der um 1300 im Kloster Lehnin bei Pots-
dam gelebt haben soll, wurde die sogenannte Lehninsche Weissagung
("Vaticinium Lehninense") zugeschrieben. Das Gedicht, dessen Ver-
fasser und Entstehungszeit nicht verbürgt sind, beklagt das Auf-
kommen der Hohenzollern und weissagt deren Untergang mit dem elf-
ten Geschlecht. Die Schrift wurde in Zeiten des Niedergangs Preu-
ßens sehr verbreitet. 479
417 Schwanenorden - "Orden unserer lieben Frau zum Schwan". Die-
ser mittelalterliche religiöse Ritterorden wurde 1443 von dem
Kurfürsten Friedrich II. von Brandenburg gestiftet und zerfiel
mit der Reformation. Friedrich Wilhelm IV., der die Wiedergeburt
der reaktionären Romantik erstrebte, versuchte 1843 vergeblich,
diesen Orden zu erneuern. 479
418 Zu dem Siebengestirn Manteuffel und Konsorten gehörten neben
dem preußischen Innenminister Freiherrn Otto Theodor von Manteuf-
fel: Graf Friedrich Wilhelm von Brandenburg (Ministerpräsident),
Ludwig Simons (Justizminister), Arnold von Rabe (Finanzminister),
Generalmajor Karl Adolf von Strotha (Kriegsminister), Freiherr
August von der Heydt (Handelsminister) und Adalbert von Ladenberg
(Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medizinalangelegen-
heiten). 480
419 Im April 1849 sandte die französische bürgerliche Regierung
ein Expeditionskorps nach Italien, um die Römische Republik zu
beseitigen und die weltliche Macht des Papstes wiederherzustel-
len. Am 30. April 1849 wurden die angreifenden französischen
Truppen von den römischen Republikanern unter Garibaldi zurückge-
schlagen (siehe auch Anm. 292). 481
420 Dreifaltigkeit - das Zusammenwirken der reaktionären Monar-
chen von Preußen, Rußland und Österreich. 483 493
421 Die Mehrheit der preußischen Nationalversammlung, die entge-
gen einer Botschaft des Königs über die Verlegung der National-
versammlung nach Brandenburg weiter in Berlin tagte, wurde von
den Truppen General Wrangels am 15. November 1848 auseinanderge-
jagt
Die Zweite Kammer wurde am 27. April 1849 auf Grund einer vom Kö-
nig sanktionierten Verordnung der Regierung Brandenburg-Manteuf-
fel aufgelöst (siehe auch Anm. 387). 483
422 In der Festung Königstein verbarg sich während des Aufstands
im Mai 1849 (siehe Anm. 405) der aus Dresden geflohene sächsische
König Friedrich August II.
Reichsmax in München - der bayrische König Maximilian II., den
einige Abgeordnete der Frankfurter Nationalversammlung als Kandi-
daten für den deutschen Kaiser vorgeschlagen hatten. 483
#656# Anhang und Register
-----
423 In der "Neuen Rheinischen Zeitung" folgt unter der Über-
schrift "Neueste preußische Verfassung" der Wortlaut der
"Verordnung über den Belagerungszustand" vom 10. Mai 1849. 484
424 Cervantes, "Die beispielhaften Novellen", Novelle "Gespräch
zwischen Cipion und Berganza, den Hunden des Auferstehungshospi-
tals". 495
425 Wasserpolacken - ursprünglich Bezeichnung der Flößer auf der
Oder, die meist ober-schlesische Polen waren; später ein in
Deutschland gebräuchlicher Spitzname für die Polen in Schlesien.
497
426 Ça ira - revolutionäres Lied aus der Zeit der Französischen
Revolution; der Refrain lautet: "Ah, so wird's gehen ... die Ari-
stokraten an die Laterne!" 499
427 Szekler - Teil der ungarischen nationalen Minderheit in der
heutigen Rumänischen Volksrepublik. Sie leben in den Transsilva-
nischen Alpen und zählen etwa 500 000 Menschen. Ihre Herkunft ist
stark umstritten. Höchstwahrscheinlich sind sie Nachfahren sol-
cher Ungarn, die vor dem Aufkommen der feudalen Klassengesell-
schaft aus verschiedenen Teil en des Landes in die Randgebiete
zogen. Sie haben die alte ungarische Stammesorganisation und de-
ren Kultur (z.B. Keilschrift, Heereswesen) lange bewahrt. 511
428 "An Mein Volk" - Aufruf Friedrich Wilhelms IV. vom 15. Mai
1849, veröffentlicht im "Preußischen Staats-Anzeiger" Nr. 133 vom
16. Mai 1849. 516
429 Nach der Schlacht bei Jena und Auerstedt am 14. Oktober 1806
folgten die schmählichen Kapitulationen der preußischen Festungen
vor den französischen Truppen. So wurden die Festungen Magdeburg
am 8. November und Küstrin am 31. Oktober 1806 kampflos der napo-
leonischen Armee übergeben. 516
430 "Kölnische Zeitung" Nr. 118 vom 18. Mai 1849. 517
431 Aus der Thronrede Friedrich Wilhelms IV. bei der Eröffnung
des ersten Vereinigten Landtages (siehe Anm. 137) am 11.April
1847 (siehe "Der Erste Vereinigte Landtag in Berlin 1847", erster
Teil). 517
432 "Neue Deutsche Zeitung. Organ der Demokratie" - demokratische
Tageszeitung, die vom 1. Juli 1848 bis 1. April 1849 in Darmstadt
und danach bis zu ihrem Verbot am 13. Dezember 1850 in Frankfurt
am Main erschien. Redakteure der Zeitung waren Otto Lüning, Jo-
seph Weydemeyer und Georg Günther. 523
433 Die Erklärung der Redaktion der "Neuen Rheinischen Zeitung"
wurde in der "Neuen Deutschen Zeitung" Nr. 129 und 133 vom 2. und
7. Juni 1849 und in der "Neuen Kölnischen Zeitung" Nr. 126 vom 3.
Juni 1849 veröffentlicht. 523
434 "Westdeutsche Zeitung" - kleinbürgerlich-demokratische Zei-
tung, herausgegeben von Hermann Becker vom 25. Mai 1849 bis 21.
Juli 1850 in Köln. Diese Zeitung, die unmittelbar nach der Ein-
stellung der "Neuen Rheinischen Zeitung" erschien, erhob Anspruch
darauf, als Nachfolgerin der "Neuen Rheinischen Zeitung" zu gel-
ten; die Redaktion erklärte, daß die Abonnenten in Zukunft an
Stelle der "Neuen Rheinischen Zeitung" die "Westdeutsche Zeitung"
erhalten würden. 523
#435# Diesen Artikel schrieb Engels während seines Aufenthaltes
in Südwestdeutschland, wohin er sich nach der Einstellung des Er-
scheinens der "Neuen Rheinischen Zeitung" begeben hatte. Er wurde
in der Zeitung "Der Bote für Stadt und Land", dem offiziellen Or-
gan der Pfälzer revolutionären provisorischen Regierung, abge-
druckt. Ein zweiter
#657# Anmerkungen
-----
Artikel erregte "als zu 'aufregend' Anstoß" und wurde nicht ver-
öffentlicht (siehe Engels, "Die deutsche Reichsverfassungskampa-
gne", Band 7 unserer Ausgabe). 524
436 In der Erwartung entscheidender revolutionärer Ereignisse in
Frankreich wurde Marx Anfang Juni 1849 mit einem von d'Ester un-
terzeichneten Mandat des in der Pfalz weilenden demokratischen
Zentralausschusses nach Paris gesandt, um die deutsche revolutio-
näre Partei bei der aus kleinbürgerlichen und proletarischen Ele-
menten bestehenden sozial-demokratischen Partei zu vertreten, die
einen großen Schlag gegen Louis Bonaparte und die Ordnungspar-
teien vorbereitete (siehe Anm. 438). 524
437 Der preußische General Eduard von Peucker, der vom 15. Juli
1848 bis 10. Mai 1849 das Amt des Kriegsministers in der proviso-
rischen Reichsregierung innehatte, übernahm am 20. Mai 1849 den
Oberbefehl über das Operationskorps der Bundestruppen, das zur
Niederwerfung der Erhebung in Baden eingesetzt wurde. 525
438 13. Juni 1849 - Die Intervention der französischen Truppen
gegen die Römische Republik (siehe Anm. 419) und das Bombardement
Roms war eine offene Verletzung des Artikels V der französischen
Verfassung, der der Republik untersagte, ihre Streitkräfte gegen
die Freiheit eines anderen Volkes zu verwenden. Die Montagne
(siehe Anm. 29 und 190) in der Nationalversammlung erklärte, die
Verfassung mit allen Mitteln verteidigen zu wollen. Aus Furcht
vor dem Proletariat schreckten die kleinbürgerlichen Demokraten
jedoch vor einem bewaffneten Aufstand zurück und riefen nur zu
einer friedlichen Demonstration am 13. Juni 1849 auf, die durch
die bereitstehenden Truppen rasch auseinandergejagt wurde.
Paris wurde wieder in den Belagerungszustand versetzt und der de-
mokratische Teil seiner Nationalgarde aufgelöst. Ein Teil der
Montagne flüchtete ins Ausland, ein anderer Teil wurde gefangen-
genommen und vor Gericht gestellt. Damit war der Einfluß der Mon-
tagne im Parlament und die Macht der Kleinbürger in Paris gebro-
chen. Die konterrevolutionäre Bourgeoisie benutzte diese Nieder-
lage, um die demokratischen Rechte und Freiheiten weiter ent-
scheidend einzuschränken und ihre Herrschaft zu festigen. 527
438 geheimes Comité - Es handelt sich um die Kommission der Fün-
fundzwanzig, des Organs des sogenannten sozial-demokratischen
Wahlausschusses in Paris, der auch eine revolutionäre Gruppe aus
Vertretern der Arbeiterklubs und der Geheimgesellschaften ange-
hörte. Die Kommission leitete die Wahlkampagne der Montagne in
Paris zu den Wahlen in die gesetzgebende Nationalversammlung am
13. Mai 1849 und war an den Vorbereitungen für die Aktion vom 13.
Juni 1849 beteiligt. 527
440 Demokratische Assoziation der Verfassungsfreunde - eine Orga-
nisation gemäßigter bürgerlicher Republikaner, die von Mitglie-
dern der politischen Gruppierung um die Zeitung "Le National"
(siehe Anm. 73) vor den Wahlen zur französischen gesetzgebenden
Nationalversammlung vom 13. Mai 1849 gegründet wurde. 528
441 Ledru-Rollin erklärte am 11. Juni 1849 in der gesetzgebenden
Nationalversammlung im Namen der Montagne: "Die Republikaner wer-
den der Konstitution Achtung zu verschaffen wissen durch alle
Mittel, sei es selbst durch die Gewalt der Waffen!" Anschließend
legte er den Antrag auf Versetzung Louis Bonapartes und seiner
Minister in den Anklagezustand auf den Präsidententisch nieder.
528
442 Unter dem Einfluß der Pariser Ereignisse vom 13. Juni 1849
(siehe Anm. 438) kam es in Lyon am 15. Juni 1849 zu einem bewaff-
neten Arbeiteraufstand, der nach achtstündigem Kampf blutig nie-
dergeschlagen wurde. 528
#658# Anhang und Register
-----
443 Gleich nach dem Erscheinen der ersten Nummer wurde die "Neue
Rheinische Zeitung" von der Hälfte der Aktionäre verlassen. We-
nige Wochen später, als die "Neue Rheinische Zeitung" sich mit
dem Juniaufstand des Pariser Proletariats solidarisch erklärte,
fiel der größte Teil der noch verbliebenen Aktionäre ab (siehe
Anm. 2). Als über Köln am 26. September 1848 der Belagerungszu-
stand verhängt wurde, und die Herausgabe der "Neuen Rheinischen
Zeitung" ab 27. September 1848 unterbrochen werden mußte, wuchsen
die finanziellen und organisatorischen Schwierigkeiten derart,
daß Marx gezwungen war, die Zeitung aus den Händen der wenigen
übriggebliebenen Aktionäre mit ihren Schulden und Außenständen
als persönliches Eigentum zu übernehmen. Marx opferte sein ganzes
Vermögen und ermöglichte dadurch das Wiedererscheinen der "Neuen
Rheinischen Zeitung" am 12. Oktober 1848. 529
444 Nach den Pariser Ereignissen vom 13. Juni 1849 wurde in Paris
der Belagerungszustand verkündet. Es begannen Verfolgungen gegen
Demokraten und Sozialisten. Im Zusammenhang damit unterrichteten
die Pariser Behörden Marx am 19. Juli von einem Befehl, der seine
Ausweisung von Paris nach Morbihan, einem sumpfigen, ungesunden
Gebiet in der Bretagne, enthielt. Auf Marx' Protest wurde die
Ausweisung ausgesetzt. 529
445 Das Manuskript "Arbeitslohn" von Karl Marx steht im unmittel-
baren Zusammenhang mit seiner unvollendeten Schrift "Lohnarbeit
und Kapital" (siehe vorl. Band, S. 397-423) und ist eine wichtige
Ergänzung derselben. Das Manuskript, das im Archiv der deutschen
Sozialdemokratie erhalten blieb, wurde in deutscher Sprache erst-
malig in der Zeitschrift "Unter dem Banner des Marxismus", I.
Jahrgang, Heft 1, März 1925, veröffentlicht.
Die Aufschrift auf dem Umschlag des Manuskriptes ("Brüssel, De-
zember 1847"), die einleitende Zusammenfassung dessen, was be-
reits auseinandergesetzt wurde, sowie die Form der Darlegung und
der Inhalt des Manuskripts selbst lassen vermuten, daß diese Nie-
derschrift eine Vorarbeit für den letzten oder einige der letzten
Vorträge war, die Marx in der zweiten Dezemberhälfte 1847 im
Brüsseler Deutschen Arbeiterverein gehalten hat. Diese Annahme
wird noch dadurch erhärtet, daß sich Marx, während er an dieser
Arbeit schrieb, bereits auf seine bekannte "Rede über die Frage
des Freihandels" vorbereitete, die er am 9. Januar 1848 in einer
öffentlichen Versammlung der Association démocratique in Brüssel
hielt. Davon zeugt ein Hinweis im Text des Manuskripts.
Im Manuskript "Arbeitslohn" wie auch in "Lohnarbeit und Kapital"
spricht Marx davon, daß der Arbeiter dem Kapitalisten seine Ar-
beit verkauft. In seinen späteren ökonomischen Schriften legte
Marx dar, daß der Arbeiter dem Kapitalisten nicht seine Arbeit,
sondern seine Arbeitskraft verkauft.
Der in Marx/Engels-Gesamtausgabe (MEGA), Erste Abteilung, Band 6,
veröffentlichte Text des Manuskripts "Arbeitslohn" wurde nochmals
mit der Handschrift verglichen. Dabei konnten einige neue Lesar-
ten festgestellt werden, die in die vorliegende Ausgabe übernom-
men wurden. Wesentliche Abweichungen sind in Fußnoten vermerkt.
535 446 Die Angaben über die Länge des Arbeitstags und die Anzahl
der Weber entnahm Marx Carlyles Buch "Chartism", in dem es heißt:
"Eine halbe Million Handweber, die 15 Stunden am Tage arbeitet,
ist trotzdem niemals in der Lage, sich mit der notwendigen Menge
einfachster Nahrung zu versorgen" (Thomas Carlyle, "Chartism", S.
31). 536
447 Der Auszug aus der Rede Bowrings vom 28. Juli 1835 im engli-
schen Unterhaus wird in William Atkinsons Buch "Principles of Po-
litical Economy...", S. 36-38, zitiert. Die vollständige Rede ist
veröffentlicht in "Hansard's Parliamentary Debates: Third Series
... Vol. XXIX". 536
#659# Anmerkungen
-----
448 Den Auszug aus der Rede Bowrings im Unterhaus benutzte Marx
in seiner "Rede über die Frage des Freihandels", die er am 9. Ja-
nuar 1848 in einer öffentlichen Versammlung der Association dé-
mocratique in Brüssel hielt (Band 4 unserer Ausgabe, S. 444-458).
536
449 chargeable labourers - Marx meint den folgenden Ausspruch
Carlyles zu den englischen Armengesetzen: "Wenn man die Armen un-
glücklich macht, dann werden sie unweigerlich in Massen zugrunde
gehen. Das ist das Geheimnis, das alle Rattenvertilger kennen:
man verstopfe die Ritzen in den Speichern, man schaffe ununter-
brochenes Miauen und Unruhe, man lasse Rattenfallen arbeiten -
und eure 'chargeable labourers' (zur Last fallenden Arbeiter)
verschwinden, werden ausgerottet. Eine schnellere Methode ist Ar-
senik, und wohl auch humaner ..." (Thomas Carlyle, "Chartism", S.
17). 536
450 John Ramsay MacCulloch, "The Principles of Political Eco-
nomy", S. 319. 537
451 John Wade, "History of the Middle and Working Classes", S.
125 (Fußnote). 537
452 John Wade schreibt: "Die Quantität der aufgewandten Arbeit
(the quantity of employment) ist in jedem Industriezweig verän-
derlich. Sie wird beeinflußt durch den Wechsel der Jahreszeiten,
der Mode oder durch die Veränderlichkeit des Handels" (John Wade,
"History of the Middle and Working Classes", S. 252). 538
453 Gemeint ist der Stücklohn (John Wade, "History of the Middle
and Working Classes", S. 267). 538 543
454 Trucksystem - System der Entlohnung durch Waren. Babbage
schreibt dazu: "Dort, wo die Arbeiter ihren Lohn in Produkten er-
halten oder gezwungen werden, im Laden des Fabrikherrn zu kaufen,
gibt es gegenüber den Arbeitern viele Ungerechtigkeiten, und die
Folge ist großes Elend." "Zu groß ist die Versuchung für den Fa-
brikherrn, während der Depression den Reallohn zu senken (durch
Preiserhöhung für die Waren in seinem Laden), ohne den Nominal-
lohn zu vermindern, um dem widerstehen zu können." (Charles Bab-
bage, "On the Economy of Machinery and Manufactures", S. 304).
538 542
455 Andrew Ure, "Philosophie des manufactures, ou économie indu-
strielle", T. I, S. 34, 35. 538
456 Pellegrino Rossi, "Cours d'économie politique", T. 1, S.
369/370. 539
457 Antoine-Elisée Cherbuliez, "Riche ou Pauvre", S. 103-105,
109. 539
458 John Francis Bray, "Labour's Wrongs and Labour's Remedy", S.
152/153. 540
459 In seinen Auszügen aus Carlyles Buch "Chartism" bringt Marx
folgenden Passus: "In Irland gibt es etwa 7 Millionen Arbeiterbe-
völkerung, deren dritter Teil, wie die Statistik beweist, jähr-
lich dreißig Wochen lang nicht genügend Kartoffeln hat, und sei
es auch nur dritte Sorte" (Thomas Carlyle, "Chartism", S. 25).
543
460 Die Artikel "Die französische Arbeiterklasse und die Präsi-
dentenwahl" und "Proudhon", die Engels für die "Neue Rheinische
Zeitung" bestimmt hatte, wurden Anfang Dezember 1848 während En-
gels' Aufenthalt in der Schweiz geschrieben; die Artikel blieben
im Manuskript erhalten. 557 562
461 Es handelt sich um den Kampf innerhalb der revolutionären De-
mokratie Frankreichs anläßlich der Präsidentenwahlen, die für den
10. Dezember 1848 (siehe Anm. 19) fest gesetzt waren. Über die
Montagnards siehe Anm. 29 und 190. 557
462 "Le Peuple" - französische Zeitung, Organ der Proudhonisten,
das von 1848 bis 1850 in Paris erschien, zuerst unter dem Titel
"Le Représentant du Peuple". Später trug es dann
#660# Anhang und Register
-----
die Titel "Le Peuple", "La Voix du peuple" und "Le Peuple de
1850". Redakteur der Zeitung war Pierre-Joseph Proudhon. 557 562
463 "Reine" (oder trikolore) Republikaner wurden die Anhänger der
Partei genannt, die sich um die Zeitung "Le National" gruppierte
(siehe Anm. 73). Während der Revolution von 1840 gehörten die
Führer dieser Partei der provisorischen Regierung an. 558
464 "La Vraie République" - französische politische und literari-
sche Tageszeitung, Organ der kleinbürgerlichen Republikaner. Sie
wurde seit dem 26. März in Paris herausgegeben und am 21. August
1848 verboten; vom 29. März bis 13. Juni 1849 erschien sie unter
dem Titel "Journal de la Vraie République"; der Redaktion gehör-
ten an: Barbès, Thoré, Pierre Leroux, George Sand. 558
465 "L'Ami du Peuple en 1848" - französische revolutionär-demo-
kratische Zeitung, die vom 27. Februar bis 14. Mai 1848 unter der
Redaktion von Raspail in Paris erschien. 561
466 Pierre-Joseph Proudhon, "Qu'est-ce que la propriété? Ou re-
cherches sur le principe du droit et du gouvernement". 562
467 Pierre-Joseph Proudhon, "Systeme des contradictions économi-
ques, ou philosophie de la misère". 563
468 Equitable Labour Exchange Bazaars or Offices (Märkte oder Lä-
den für gerechten Austausch der Arbeitsprodukte) wurden 1832 un-
ter maßgeblicher Teilnahme Robert Owens in verschiedenen engli-
schen Städten von Arbeiter-Kooperativgenossenschaften gegründet.
Als Zirkulationsmittel dienten auf diesen Märkten sogenannte Ar-
beitsbescheinigungen über die zur Herstellung der abgelieferten
Waren benötigte Arbeitszeit, für die eine entsprechende Menge an-
derer Waren bezogen werden konnte. Dieser utopische Versuch, un-
ter kapitalistischen Verhältnissen einen geldlosen Warenaustausch
zu organisieren, war zu einem raschen Scheitern verurteilt. 563
469 Heine, "Deutschland. Ein Wintermärchen", Kaput XXIII. 563
470 Karl Marx, "Das Elend der Philosophie. Antwort auf Proudhons
'Philosophie des Elends'" (siehe Band 4 unserer Ausgabe, S. 63-
182). 563
471 Auf Engels' Gesuch gewährte ihm der Berner Kantonalrat am 9.
Dezember 1848 Asylrecht. 571
472 Das Volkskomitee wurde am 13. November 1848 in einer Volks-
versammlung in Köln gewählt. Diese Volksversammlung war bereits
am 11. November einberufen worden und hatte sich in Permanenz er-
klärt, um gegen die Verlegung der preußischen Nationalversammlung
von Berlin nach Brandenburg zu protestieren. Mitglieder des Komi-
tees waren Marx, Beust, Nothjung, Weyl, Schneider II und andere.
Das Komitee hatte sich die Aufgabe gestellt, die Unterstützung
der Nationalversammlung durch den Kölner Stadtrat zu erreichen
und die Rückgabe der Waffen zu erwirken, die der Kölner Bürger-
wehr im September abgenommen worden waren. Falls der Stadtrat
diese Forderungen ablehnte, sollten die städtischen Behörden ab-
gesetzt werden. Das Volkskomitee reorganisierte die Landwehr, um
sie von der Regierung und den Militärbehörden unabhängig zu ma-
chen; weiter wurde versucht, eine freiwillige Arbeiterabteilung
zu organisieren. Diese Maßnahmen führte eine besondere Kommission
durch, die mit dem neu gegründeten Landwehrkomitee in Verbindung
stand. Das Volkskomitee leistete außerdem eine große Arbeit in
den umliegenden Dörfern, die es zur organisierten Steuerverweige-
rung aufrief. 573
#661# Anmerkungen
-----
473 Artikel des Code pénal (siehe Anm. 90), des in der Rheinpro-
vinz geltenden französischen Strafgesetzes: Artikel 209 - Wider-
stand gegen die Staatsgewalt, und Artikel 217 - Anstiftung zur
Rebellion. 573
474 Als Anlaß für die Klage auf Verleumdung von Abgeordneten der
Nationalversammlung, die das Reichsministerium gegen Marx, Korff
u.a. vorbrachte, dienten: 1. Georg Weerths Feuilletonreihe "Leben
und Taten des berühmten Ritters Schnapphahnski", die im August,
September und Dezember 1848 und Januar 1849 anonym in der "Neuen
Rheinischen Zeitung" erschien (siehe Anm. 96); 2. ein Artikel aus
Breslau in Nr. 95 der "Neuen Rheinischen Zeitung" vom 6. Septem-
ber 1848 über die Wahlmachinationen des Fürsten Lichnowski; 3.
eine Korrespondenz aus Frankfurt a.M. in Nr. 102 der "Neuen Rhei-
nischen Zeitung" vom 14. September 1848, die einen verfälschenden
Bericht des Abgeordneten der Frankfurter Nationalversammlung,
Stedtmann, über die Abstimmung anläßlich des Waffenstillstands
mit Dänemark enthüllte; 4. der in Nr. 110 der "Neuen Rheinischen
Zeitung" vom 23. September 1848 veröffentlichte Beschluß einer
Kölner Volksversammlung, in dem die Abgeordneten der Frankfurter
Nationalversammlung, die für den Waffenstillstand mit Dänemark
gestimmt hatten, des Volksverrats beschuldigt wurden (siehe Band
5 unserer Ausgabe, S. 497/498). 574 589
475 Der auf den 20. Dezember 1848 festgesetzte Prozeß gegen die
"Neue Rheinische Zeitung" wurde ausgesetzt (siehe vorl. Band, S.
577) und fand am 7. Februar 1849 statt (siehe vorl. Band, S. 223-
239 und Anm. 248). 574
476 Das Manuskript des Mandats für Friedrich Engels in der Hand-
schrift von G. Schneeberger befindet sich im Marx-Engels-Nachlaß.
Rechtschreibung und Zeichensetzung des Originals wurden beibehal-
ten. Das Schreiben ist mit einem Stempel - eine Leier mit Lor-
beerkranz - versehen.
Der erste Kongreß der Arbeitervereine und der Sektionen des Deut-
schen demokratischen Nationalvereins der Schweiz fand vom 9. bis
11. Dezember 1848 in Bern statt. 574
477 Gemeint ist das Zentralkomitee der deutschen Arbeiter, das
auf dem in Berlin vom 23. August bis 3. September 1848 tagenden
Arbeiterkongreß gewählt wurde. Dieser Kongreß wurde einberufen
auf Initiative einiger Arbeiterorganisationen. Das unter dem Ein-
fluß von Stephan Born aufgestellte Programm des Kongresses
stellte den Arbeitern die Aufgabe, sich für die Verwirklichung
verschiedener sozialer Forderungen einzusetzen, und lenkte sie
damit vom revolutionären politischen Kampf ab. Das Zentralkomitee
der deutschen Arbeiter befand sich in Leipzig. Neben Born gehör-
ten ihm noch Schwenniger und Kick an. 575 584
478 "Die Verbrüderung. Correspondenzblatt aller deutschen Arbei-
ter" - Organ des Zentralkomitees der deutschen Arbeiter, das von
Oktober 1848 bis Juni 1850 zweimal wöchentlich in Leipzig er-
schien; bis Mai 1849 wurde die Zeitschrift von Stephan Born redi-
giert. 575
479 Der Verteidiger von Marx und Engels, Rechtsanwalt Schneider
II, forderte die Aussetzung des Prozesses, da die Angeklagten die
Mitteilung über den Prozeß nicht rechtzeitig (10 Tage vorher) er-
halten hatten. 577
480 Das Organ des Kölner Arbeitervereins war nach dem Verbot der
"Zeitung des Arbeiter-Vereines zu Köln" (siehe Anm. 172) die Zei-
tung "Freiheit, Brüderlichkeit, Arbeit". Sie erschien seit dem
26. Oktober 1848 zweimal wöchentlich in Köln. Herausgegeben wurde
sie vom stellvertretenden Vorsitzenden des Kölner Arbeiterver-
eins, P. G. Röser; ihr verantwortlicher
#662# Anhang und Register
-----
Redakteur war W. Prinz. Ende Dezember 1848 wurde die Herausgabe
infolge der Einmischung Gottschalks in die Angelegenheiten der
Zeitung unterbrochen. Seit dem 14. Januar 1849 erschien die
Zeitung "Freiheit, Arbeit", die von dem Drucker Brocker-Evererts
herausgegeben wurde. Der verantwortliche Redakteur dieser
Zeitung, Prinz, der ein Anhänger Gottschalks war, arbeitete auf
die Spaltung des Kölner Arbeitervereins hin. Prinz ordnete sich
der Redaktionskommission, die am 15. Januar in einer Sitzung des
Komitees des Kölner Arbeitervereins ernannt worden war und der
Schapper, Röser und Reiff angehörten, nicht unter. Aus diesem
Grunde beschloß das Komitee am 29. Januar, die Zeitung "Freiheit,
Arbeit" nicht als Organ des Vereins zu betrachten und die Heraus-
gabe der Zeitung "Freiheit, Brüderlichkeit, Arbeit" wiederaufzu-
nehmen. Zu ihrem Redakteur wurde Christian Josef Esser bestellt.
Die Zeitung erschien erneut vom 8. Februar bis Ende Juni 1849.
Die Zeitung "Freiheit, Arbeit" erschien weiter bis zum 17. Juni
1849; sie enthielt zahlreiche scharfe Angriffe und bösartige Ver-
leumdungen gegen Marx und die Redaktion der "Neuen Rheinischen
Zeitung". 578 583 586
481 In seiner "Erklärung", geschrieben am 9. Januar 1849 in Brüs-
sel und veröffentlicht in der Zeitung "Freiheit, Arbeit", Nr. 2
vom 18. Januar 1849, suchte Gottschalk seine "freiwillige Verban-
nung" damit zu rechtfertigen, daß viele Mitbürger, ungeachtet des
Freispruchs durch das Geschworenengericht (siehe Anm. 489), auch
weiterhin von seiner Schuld überzeugt seien. Er erklärte, er
werde nur zurückkehren, wenn "die Stimme des annoch obersten
Richters im Lande" oder seine Mitbürger ihn riefen. Eine Ein-
schätzung dieser Erklärung und des sonstigen Verhaltens Gott-
schalks gibt der "Beschluß der 1. Filiale des Kölner Arbeiterver-
eins" (siehe vorl. Band, S. 585-587). 578
482 Entsprechend einem Patent vom 5. Dezember 1848 waren für den
22. Januar 1849 die Wahlen der Wahlmänner und für den 5. Februar
die Wahlen der Abgeordneten in die Zweite Kammer des preußischen
Landtags ausgeschrieben worden. 578
483 Ein verkürzter Bericht über die Prozesse wurde in Nr. 221 der
"Neuen Rheinischen Zeitung" vom 14. Februar 1849 veröffentlicht.
Die in diesem Bericht gebrachten Reden von Marx und Engels siehe
vorl. Band, S. 223-239. 580
484 Es handelt sich um die Leutnants Adamski und Niethake, die an
den Septemberereignissen in Köln teilgenommen hatten und im No-
vember 1848 in das Volkskomitee (siehe Anm. 472) gewählt wurden.
Da ihnen Verhaftung drohte, flohen sie nach Belgien, wurden dort
jedoch verhaftet und nach Frankreich deportiert. Nach ihrer frei-
willigen Rückkehr nach Deutschland wurden sie am 14. Dezember dem
Militärgericht übergeben. Adamski wurde am 29. Mai 1849 vom Mili-
tärgericht seines Offiziersrangs für verlustig erklärt und zu
neun Monaten Festungshaft verurteilt. 580
485 In der Komiteesitzung des Kölner Arbeitervereins vom 15. Fe-
bruar 1849 wurde auf Engels' Vorschlag eine Kommission, bestehend
aus Schapper, Röser und Reiff, ernannt, die sich mit einer der
demokratischen Gesellschaften in Verbindung setzen sollte, um an-
läßlich des Jahrestages der französischen Februarrevolution ein
Bankett vorzubereiten. 581
486 In der "Kölnischen Zeitung" Nr. 49 vom 27. Februar 1849 heißt
es: "Unter den Rednern zeichnete sich besonders der Abgeordnete
Gladbach durch seine donnernden Reden gegen das Haus Hohenzol-
lern, den Grafen Brandenburg u.a. aus." 581
487 Gemeint ist eine Gruppe von Teilnehmern an dem badischen Auf-
stand im April 1848, die nach Besançon (Frankreich) emigriert
war. Später nahm diese Gruppe als die sogenannte
#663# Anmerkungen
-----
Kompanie von Besançon unter der Führung Willichs an dem badisch-
pfälzischen Aufstand von 1849 teil. 582
488 Girondistenlied (Les Girondins) - patriotisches Lied aus der
Zeit der Französischen Revolution, bekannt durch seinen Refrain
"Mourir pour la patrie" (Sterben für das Vaterland). Das Lied war
während der Februarrevolution 1848 sehr populär. 582
489 Anfang Juli 1848 wurde Gottschalk zusammen mit Anneke und
Christian Josef Esser verhaftet und dem Gericht übergeben. Die
Untersuchung zog sich monatelang hin. Gottschalk, Anneke und Es-
ser wurden beschuldigt, "im Laufe des Jahres 1848 durch Reden in
öffentlichen Versammlungen sowie durch Druckschriften ihre Mit-
bürger zur gewaltsamen Änderung der Staatsverfassung, zur bewaff-
neten Auflehnung gegen die königliche Macht und zur Bewaffnung
eines Teiles der Bürger gegen den andern geradezu aufgereizt zu
haben". Vom 21. bis zum 23. Dezember 1848 fand der Prozeß statt.
Unter dem Druck der öffentlichen Meinung mußten die Geschworenen
die Angeklagten freisprechen. Nach seiner Haftentlassung entfal-
tete Gottschalk eine aktive politische Tätigkeit, die auf die
Spaltung des Kölner Arbeitervereins abzielte.
Der vorliegende Beschluß wurde vom Komitee des Kölner Arbeiter-
vereins am 24. April 1849 gebilligt. 585
490 Es bestand lange Zeit die Meinung, daß dieser Kongreß der Ar-
beitervereine der Rheinprovinz und Westfalens nicht mehr stattge-
funden hat; nach Meldungen der "Deutschen Allgemeinen Zeitung"
vom 10. Mai 1849 und der "Trier'schen Zeitung" Nr. 113 vom 12.
Mai 1849 wurde er jedoch am Sonntag, dem 6. Mai 1849, in Köln
durchgeführt. Da die "Neue Rheinische Zeitung" den Kongreß nicht
erwähnt, ist anzunehmen, daß er auf Grund der sich überstürzenden
Ereignisse nicht den Umfang und die Bedeutung hatte, die von dem
provisorischen Ausschuß der Arbeitervereine beabsichtigt waren.
Andere Ereignisse traten in den Vordergrund.
Der geplante gesamtdeutsche Arbeiterkongreß im Juni 1849 in Leip-
zig trat nicht mehr zusammen. 588
491 Die klassische bürgerliche politische Ökonomie entwickelte
sich im Kampf der aufstrebenden Bourgeoisie gegen den Feudalis-
mus, im Kampf für die Schaffung und Festigung kapitalistischer
Produktionsverhältnisse. Sie entlarvte die ökonomischen Anschau-
ungen der Ideologen des Feudalismus und versuchte, den inneren
Zusammenhang der ökonomischen Erscheinungen der bürgerlichen Ge-
sellschaft zu ergründen; sie spielte eine bestimmte Zeit lang
eine fortschrittliche Rolle.
Das Mutterland der klassischen bürgerlichen politischen Ökonomie
war England. Ihre hervorragendsten Vertreter waren neben William
Petty (I623-1687) vor allem Adam Smith (1723-1790) und David
Ricardo (1772-1823). 594
492 Karl Marx, "Das Kapital", Hamburg 1890, Bd. 1, S. 499. 597
493 Der 1. Mai wurde auf Beschluß des 1. Internationalen Arbei-
ter-Kongresses (Gründungskongreß der II. Internationale) 1889 in
Paris zum internationalen Kampf- und Feiertag der Arbeiterklasse
erklärt.
Die englischen Trade-Unions begingen den internationalen Feiertag
des Proletariats an dem auf den 1. Mai folgenden Sonntag, der
1891 auf den 3. Mai fiel. 599
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