Quelle: MEW 6 November 1848 - Juli 1849


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       Vorwort
       
       Der sechste  Band der  Werke von  Karl Marx  und Friedrich Engels
       enthält die  Schriften aus  der Zeit  von November  1848 bis Juli
       1849. Den  größten Teil des sechsten, ebenso wie des fünften Ban-
       des, bilden  Artikel von  Marx und  Engels aus der "Neuen Rheini-
       schen Zeitung",  der einzigen Zeitung, die in der damaligen demo-
       kratischen Bewegung den Standpunkt des Proletariats vertrat.
       In der  "Neuen Rheinischen  Zeitung" analysierten Marx und Engels
       mit Hilfe  der materialistischen  Dialektik die  Tagesereignisse,
       deckten das  wahre Wesen  der politischen  Konflikte als Ausdruck
       eines außerordentlich scharfen Klassenkampfes auf, bestimmten die
       Gruppierung und  das Wechselverhältnis  der Klassenkräfte  in der
       politischen Arena und umrissen auf Grund dessen die taktische Li-
       nie des  Proletariats in  den verschiedenen Etappen der deutschen
       und der  europäischen Revolution. Indem sie die reichen Erfahrun-
       gen der Massen in der revolutionären Epoche theoretisch verallge-
       meinerten, entwickelten  sie die  politischen Ideen  des  wissen-
       schaftlichen Kommunismus  und arbeiteten  die Grundthesen des hi-
       storischen Materialismus wie der marxistischen politischen Ökono-
       mie aus.
       Der Band  wird mit Artikeln von Marx eröffnet, die er während der
       tiefen politischen  Krise und  der Vorbereitung des konterrevolu-
       tionären Staatsstreichs in Preußen geschrieben hat. Er untersucht
       den Verlauf der europäischen Revolution, die sich in absteigender
       Linie entwickelt hatte, vermerkt eine Reihe von der Konterrevolu-
       tion errungener  Siege und  bezeichnet den sich in Preußen vorbe-
       reitenden Staatsstreich  als dritten Akt des europäischen Dramas,
       dessen erster  Akt die  Niederlage des französischen Proletariats
       in den  Junitagen und  dessen zweiter der Fall des revolutionären
       Wiens am 1. November 1848 war.
       Mit Hilfe  der "Neuen Rheinischen Zeitung" wollte Marx die Volks-
       massen auf den bevorstehenden entscheidenden Zusammenstoß hinlen-
       ken und sie
       
       #VI# Vorwort
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       darauf vorbereiten,  der angreifenden  Konterrevolution die Stirn
       zu bieten.  In den Artikeln "Die Berliner Krisis", "Die Kontrere-
       volution in  Berlin" und anderen charakterisiert Marx die politi-
       sche Situation  in Preußen  im November 1348 und stellt fest, daß
       der herangereifte Konflikt zwischen der Königsmacht und der preu-
       ßischen Nationalversammlung nur durch Gewalt gelöst werden kann.
       Marx fordert  von der  preußischen Nationalversammlung entschlos-
       sene revolutionäre  Taten wie  die Verhaftung  von Ministern  als
       Staatsverbrecher und  die Absetzung  und gerichtliche  Verfolgung
       aller Beamten,  die sich  den Beschlüssen der Nationalversammlung
       nicht unterordnen.  Er stellt  die Losung  der Steuerverweigerung
       auf, um  der konterrevolutionären  Regierung eines  der gegen das
       Volle gerichteten  Kampfmittel aus der Hand zu nehmen. Marx sieht
       in der  Steuerverweigerungskampagne ein Mittel zur Entfachung der
       revolutionären Energie  der Massen  und den  Beginn  einer  neuen
       Etappe der  Revolution, die  im Falle  des Erfolges den Sturz der
       Königsmacht und den endgültigen Sieg des Volkes vollenden sollte.
       In dem  Aufruf des  Rheinischen Kreisausschusses  der  Demokraten
       (siehe vorl.  Band, S.  20) an die demokratischen Vereine fordert
       Marx auf,  Volksversammlungen zu veranstalten, um die Bevölkerung
       zur Steuerverweigerung  zu bewegen.  In diesem  ersten Aufruf des
       Kreisausschusses warnt Marx vor gewaltsamer Widersetzlichkeit bei
       der Eintreibung der Steuern, um isolierte, zersplitterte Erhebun-
       gen in der Rheinprovinz zu verhindern. Nachdem die preußische Na-
       tionalversammlung die  Steuerverweigerung beschlossen  und  diese
       Bewegung einen Massencharakter angenommen hatte, forderte Marx in
       einem zweiten  Aufruf (siehe  vorl. Band, S. 33) zu jeder Art des
       Widerstandes gegen  die Steuereintreibung auf. Er fordert weiter,
       einen bewaffneten  Landsturm zur Abwehr des Feindes zu organisie-
       ren und Sicherheitsausschüsse zu ernennen. In den Sicherheitsaus-
       schüssen, deren Befehle einzig und allein rechtsgültig sein soll-
       ten, sah  Marx die Keime provisorischer Machtorgane, die den nach
       der Märzrevolution nicht angetasteten reaktionären Beamtenapparat
       ersetzen  sollten.   Im  Gegensatz   zur  preußischen   National-
       versammlung, die nur zum passiven Widerstand gegen die Steuerein-
       treibung aufforderte,  rief Marx  in seinen  Artikeln  dazu  auf,
       "jede Art von Gewalt der Gewalt entgegenzusetzen. Der passive Wi-
       derstand muß den aktiven Widerstand zu seiner Unterlage haben. Er
       gleicht sonst  dem Sträuben  des Kalbes gegen seinen Schlächter."
       (Siehe vorl. Band, S. 32.)
       In seinen  Artikeln in der "Neuen Rheinischen Zeitung" und in den
       Aufrufen des  Rheinischen Kreisausschusses der Demokraten entwic-
       kelte Marx  das entschlossene  und kühne Aktionsprogramm für alle
       deutschen Demokraten.
       
       #VII# Vorwort
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       Diese Dokumente  sind zum  Studium der von Marx in der kritischen
       Periode der deutschen Revolution angewandten Taktik von hervorra-
       gendem Interesse.
       Die preußische  Nationalversammlung ging  nicht über  Aufrufe zum
       passiven Widerstand  hinaus; die  breite  Massenbewegung  in  der
       Rheinprovinz fand  in den anderen preußischen Provinzen keine ak-
       tive Unterstützung.  Dadurch wurde der Konterrevolution ein neuer
       Sieg ermöglicht:  Am 5.Dezember 1848 jagte sie die preußische Na-
       tionalversammlung auseinander."  In seinem  Artikel "Der  Staats-
       streich der Kontrerevolution" schrieb Marx: "Die Nationalversamm-
       lung erntet  jetzt die  Früchte ihrer  langwierigen Schwäche  und
       Feigheit. Sie ließ die Verschwörung gegen das Volk monatelang ru-
       hig fortarbeiten,  stark und  mächtig werden  und fällt ihr daher
       jetzt zum ersten Opfer." (Siehe vorl. Band, S. 101.)
       In einer  Reihe von Artikeln - "Die Bourgeoisie und die Kontrere-
       volution", "Montesquieu  LVI.", "Die  Berliner 'National-Zeitung'
       an die Urwähler", "Camphausen" und anderen - sowie in seiner Rede
       in dem  Prozeß gegen den Rheinischen Kreisausschuß der Demokraten
       untersucht Marx  vom Stand,  punkt des historischen Materialismus
       die Ursachen  für den  Sieg der  Konterrevolution in  Preußen. Er
       deckt den  Charakter und die Besonderheiten der Märzrevolution in
       Deutschland auf  und zeigt  den Unterschied zu ihren historischen
       Vorgängerinnen -  den bürgerlichen Revolutionen in England und in
       Frankreich im  17. und  18. Jahrhundert. Wenn die Revolutionen in
       England und Frankreich zur Errichtung einer, der kapitalistischen
       Produktionsweise entsprechenden,  neuen politischen Ordnung führ-
       ten, so "reformierte" die Märzrevolution "nur die höchste politi-
       sche Spitze, sie ließ alle Unterlagen dieser Spitze unangetastet,
       die alte  Bürokratie, die  alte Armee,  die alten  Parquets  ..."
       (siehe vorl.  Band, S.  234). In England und Frankreich stand die
       Bourgeoisie an  der Spitze der revolutionären Bewegung. Die preu-
       ßische Bourgeoisie  aber strebte  danach, nicht durch die Revolu-
       tion, sondern  durch ein  friedliches Abkommen  mit der Monarchie
       zur Macht  zu gelangen.  Marx zeigt, daß die Position Camphausens
       und Hansemanns  in der Revolution sich nicht aus der persönlichen
       Qualität dieser  Politiker erklären läßt, sondern aus den materi-
       ellen Interessen  der Klasse,  die sie  vertraten. Die preußische
       Bourgeoisie war  aus Furcht  vor dem  sich erhebenden Proletariat
       bereit, jeden  beliebigen Kompromiß mit den Kräften der alten Ge-
       sellschaft einzugehen. Die Bourgeoisie strebte um jeden Preis da-
       nach, auf  dem "Rechtsboden"  zu bleiben und lehnte so jeden ent-
       schlossenen Kampf  gegen die Kräfte der feudalen Gesellschaft ab.
       Sie beließ  den alten, ein wenig aufgefrischten Staat des Feudal-
       adels und  der Bürokratie.  Aus Furcht vor einem Anschlag auf das
       bürgerliche
       
       #VIII# Vorwort
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       Eigentum ließ sie das Feudaleigentum unangetastet und stieß damit
       ihren unentbehrlichen Verbündeten im Kampf gegen den Feudalismus,
       die Bauernschaft,  von sich. Damit verurteilte sie sich von vorn-
       herein zur Niederlage und bereitete dem Sieg der Konterrevolution
       den Boden.
       In seiner  Rede in dem Prozeß gegen den Rheinischen Kreisausschuß
       der Demokraten  (siehe vorl. Band, S. 240-257) entlarvte Marx den
       wahren Sinn  des berüchtigten  "Rechtsbodens" als  das Bestreben,
       der neuen  bürgerlichen Gesellschaft,  die ihre  Rechte durch die
       Revolution geltend  gemacht hatte,  die alten,  einer vergangenen
       gesellschaftlichen Epoche  angehörenden Gesetze  aufzuzwingen. In
       seiner Lehre  über Basis  und Überbau  zeigt Marx, daß, trotz der
       Einbildung der  Juristen, nicht  die Gesellschaft  auf dem Gesetz
       aufgebaut ist,  sondern umgekehrt,  "das Gesetz  muß vielmehr auf
       der Gesellschaft  beruhn, es  muß Ausdruck  ihrer gemeinschaftli-
       chen, aus der jedesmaligen materiellen Produktionsweise hervorge-
       henden Interessen und Bedürfnisse" sein. Die Beibehaltung der al-
       ten Gesetze  entgegen den neuen Erfordernissen und Interessen der
       gesellschaftlichen Entwicklung  bereitet gesellschaftliche Krisen
       vor, die in politischen Revolutionen zum Ausdruck kommen.
       In seinen  Schlußfolgerungen  aus  der  unentschlossen  geführten
       Märzrevolution  zeigt   Marx,   daß   das   Verharren   auf   dem
       "Rechtsboden" und  der berüchtigte  "Vereinbarerstandpunkt" unum-
       gänglich einen  tiefen politischen Konflikt nach sich ziehen muß-
       ten, der  in Preußen  im November  1848 auch  ausbrach und in dem
       Staatsstreich vom 5. Dezember 1848 seine Vollendung fand.
       Marx sieht  in diesem  Konflikt zwischen der Krone und der Natio-
       nalversammlung den  Kampf zwischen zwei Staatsgewalten, zwei Sou-
       veränen. Zwei  souveräne Gewalten  aber können nicht gleichzeitig
       nebeneinander in  einem Staate  wirken. Der  Kampf zwischen ihnen
       muß durch  materielle Gewalt  entschieden werden.  Marx legte die
       grundlegenden klassenmäßigen  Wurzeln  dieses  Kampfes  frei.  Er
       zeigt, daß  dies "kein politischer Konflikt zweier Fraktionen auf
       dem Boden  einer Gesellschaft",  sondern der "Konflikt zweier Ge-
       sellschaften selbst,  ein sozialer Konflikt" war, "der eine poli-
       tische Gestalt  angenommen hatte".  Es war ein Kampf zwischen der
       Krone als  Repräsentant "der alten, feudal-bürokratischen Gesell-
       schaft" und der Nationalversammlung als Vertreterin "der modernen
       bürgerlichen Gesellschaft.
       Marx wies die Beschuldigungen gegen den Rheinischen Kreisausschuß
       der Demokraten  zurück und  legte dar, daß die Steuerverweigerung
       ein natürliches  und gesetzliches  Mittel der  Selbstverteidigung
       des Volkes  war, daß das Volk das Recht hatte, auf Gewalt mit Ge-
       walt zu antworten. Marx verteidigt konsequent und entschieden die
       Souveränität des Volkes, sein Recht auf Revolution,
       
       #IX# Vorwort
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       sein Recht,  in den Lauf der Geschichte aktiv einzugreifen: "Wenn
       die Krone  eine Kontrerevolution macht, so antwortet das Volk mit
       Recht durch eine Revolution."
       Die Rede  von Marx  im Prozeß gegen den Rheinischen Kreisausschuß
       der Demokraten  wie auch seine und die von Engels im Prozeß gegen
       die "Neue Rheinische Zeitung" sind glänzende Beispiele dafür, wie
       die Gerichtstribüne  zur Propagierung  revolutionärer Ideen,  zur
       Entlarvung der  Behörden, zur Enthüllung der konterrevolutionären
       Pläne ausgenutzt  werden kann. In ihren Reden im Prozeß gegen die
       "Neue Rheinische  Zeitung" verteidigen sie die Rechte der revolu-
       tionären Presse,  deren erste Aufgabe sie darin sahen, die Grund-
       lagen der  bestehenden reaktionären politischen Ordnung zu unter-
       graben.
       Nach dem  konterrevolutionären Staatsstreich  in Preußen festigte
       sich ihre  Meinung darüber,  daß sich  das Schicksal der europäi-
       schen  Revolution   nicht  in  dem  ökonomisch  zurückgebliebenen
       Deutschland, sondern  in den  am weitesten entwickelten kapitali-
       stischen  Ländern   des  damaligen   Europas,  in   England   und
       Frankreich, entscheiden werde.
       In einer Reihe von Artikeln - "Die revolutionäre Bewegung in Ita-
       lien", "Die revolutionäre Bewegung" und anderen - untersucht Marx
       den Weg,  den die  europäische Revolution und Konterrevolution im
       Jahre 1848  gegangen war. Er weist wiederholt nach, daß die Juni-
       niederlage der  französischen  Arbeiterklasse  unvermeidlich  die
       Niederlage  ihres  Gegners,  der  republikanischen  französischen
       Bourgeoisie, nach sich zog. Gleichzeitig bedeutete die Niederlage
       der französischen  Arbeiterklasse die  Niederlage der Bourgeoisie
       und Bauernschaft  in allen  europäischen Ländern, in denen Kämpfe
       gegen den Feudalabsolutismus stattgefunden hatten. Die Niederlage
       der französischen  Arbeiterklasse bedeutete  weiterhin eine  neue
       Unterjochung der geknechteten und unterdrückten Nationen, die auf
       die Februarrevolution  mit dem Kampf um die nationale Unabhängig-
       keit geantwortet hatten. Marx betont damit, daß das Schicksal der
       europäischen  Revolution   eng  mit   dem  Schicksal   der  fort-
       geschrittensten Klasse, des Proletariats, verknüpft ist.
       Bei der  Betrachtung der  europäischen Revolution  kommt Marx  zu
       folgendem Schluß:  "Die Hauptfrucht  der revolutionären  Bewegung
       von 1848 ist nicht das, was die Völker gewonnen, sondern das, was
       sie verloren  haben - der  V e r l u s t  i h r e r  I l l u s i-
       o n e n."   (Siehe vorl.  Band, S. 138.) Alle Illusionen der Feb-
       ruar- und  der Märzrevolution,  reich an Träumen, guten Absichten
       und schönen  Worten, wurden erbarmungslos durch den zielstrebigen
       Verlauf der  Geschichte,  durch  die  Grausamkeiten  der  Konter-
       revolution zerstört. Marx ruft das Volk auf, daraus die richtigen
       Lehren zu  ziehen und  sie furchtlos  bei den noch bevorstehenden
       Kämpfen anzuwenden.
       
       #X# Vorwort
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       Alle Artikel  von Marx  und Engels, die nach dem konterrevolutio-
       nären Staatsstreich in Preußen geschrieben wurden, zeugen von der
       Hoffnung auf eine unmittelbar bevorstehende siegreiche proletari-
       sche Revolution  in Frankreich, die zu einem neuen revolutionären
       Aufschwung in  den Ländern Europas, darunter auch in Deutschland,
       geführt hätte.  Dieser neue  Aufschwung, so  hofften Marx und En-
       gels, sollte  in Deutschland  zur Vollendung der bürgerlich-demo-
       kratischen Revolution und zum Übergang zur proletarischen Revolu-
       tion führen. Dieser Gedanke, daß die bürgerlich-demokratische Re-
       volution das  Vorspiel für  die  sozialistische  Revolution  ist,
       wurde von den Begründern des Marxismus in der Theorie der Revolu-
       tion in  Permanenz auf  Grund der Erfahrungen von 1848/49 entwic-
       kelt und formuliert.
       Als den  Hauptfeind der  proletarischen Revolution  in Frankreich
       sah Marx  das bürgerliche England an, ein Land, "das ganze Natio-
       nen in  seine Proletarier  verwandelt, das mit seinen Riesenarmen
       die ganze  Welt umspannt  hält". Marx war zu dieser Zeit der Mei-
       nung, daß das alte England nur durch einen Weltkrieg so verändert
       werden könne,  daß die Bedingungen für einen siegreichen Aufstand
       der Chartisten,  der  Partei  des  englischen  Proletariats,  ge-
       schaffen wären. Der Artikel "Die revolutionäre Bewegung", der die
       Schlußfolgerungen aus der europäischen Revolution von 1848 zieht,
       endet mit  dem Satz:   "Revolutionäre  Erhebung der französischen
       Arbeiterklasse, Weltkrieg - das ist die Inhaltsanzeige des Jahres
       1849." (Siehe vorl. Band, S. 150.)
       Wie Engels  später nachweist,  haben Marx und er bei der Beurtei-
       lung der  Perspektiven für die europäische Revolution von 1848/49
       in einem  gewissen Grade  die Reife  der ökonomischen Entwicklung
       der Länder  des europäischen  Kontinents überschätzt. Daraus ent-
       stand die  Vorstellung, daß die sozialistische Revolution in die-
       sen Ländern unmittelbar vor der Tür stände.
       Marx und  Engels, die  die größte  Hoffnung auf die revolutionäre
       Initiative des  französischen  Proletariats  setzten,  verfolgten
       gleichzeitig mit  nicht nachlassender  Aufmerksamkeit den Verlauf
       des Kampfes  in den anderen europäischen Ländern. Sie unterstütz-
       ten lebhaft  den Kampf der unterdrückten Völker um ihre Freiheit.
       In einer  Reihe von Artikeln verteidigten Marx und Engels die Un-
       abhängigkeit Polens. Sie maßen dem Befreiungskampf des polnischen
       Volkes für die europäische Demokratie große Bedeutung zu.
       In den  Artikeln "Die  revolutionäre Bewegung  in Italien",  "Die
       Proklamation der  Republik in  Rom", "Der  Krieg in  Italien  und
       Ungarn", "Die  Niederlage der  Piemontesen" sprachen Marx und En-
       gels mit  wärmster Anteilnahme  von dem  Kampf des  italienischen
       Volkes um  seine Befreiung.  Die Hauptursachen seiner Niederlagen
       sahen sie  in der  verräterischen Politik  der Piemonteser Monar-
       chie. "Gegen Verrat und Feigheit der Regierung", schrieb
       
       #XI# Vorwort
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       Engels, "gibt  es nur  ein Mittel:  die Revolution." (Siehe vorl.
       Band, S.  384.) Anstatt den Österreichern lediglich die regulären
       Truppen entgegenzustellen  und sich auf die herkömmliche Kampfes-
       weise zu  beschränken, mußte  das italienische  Volk, wie  Engels
       schrieb, zur Massenerhebung übergehen, einen revolutionären, echt
       nationalen Guerillakrieg  führen, um  für immer mit dem österrei-
       chischen Joch Schluß zu machen.
       Einige Artikel  dieses Bandes  - "Der  magyarische  Kampf",  "Die
       'Kölnische Zeitung'  über den  magyarischen Kampf", "Der Krieg in
       Italien und  Ungarn", "Ungarn"  - sind der ungarischen Revolution
       gewidmet. Mit großer Aufmerksamkeit und Sympathie verfolgten Marx
       und Engels  den revolutionären Kampf des ungarischen Volkes gegen
       die reaktionäre Monarchie Habsburg. Bei der Untersuchung des Ver-
       laufs der  Kampfhandlungen in  Ungarn hob  Engels hervor, daß die
       Führer der ungarischen Revolution eine Reihe von Maßnahmen durch-
       führten, die  der Revolution  die Unterstützung  der Bauernschaft
       sicherten. Er betonte den Volkscharakter, den Partisanencharakter
       des ungarischen  Krieges und  würdigte die entschlossenen revolu-
       tionären Kampfmethoden,  die die  Regierung Kossuth gegenüber dem
       Feind ergriff.
       Marx und  Engels betrachteten die nationale Frage als Bestandteil
       des allgemeinen  Problems der  europäischen Revolution. Ausgehend
       davon, in wessen Interesse die nationale Bewegung dieses oder je-
       nes Volkes  geführt wurde,  wessen Waffe sie objektiv darstellte,
       unterschieden sie  zwischen revolutionären  und  konterrevolutio-
       nären Völkern.  Zu den revolutionären Völkern zählten sie die Po-
       len, die  Ungarn und  die Italiener.  Ihr Kampf  begünstigte  die
       Schwächung der wichtigsten reaktionären Staaten des damaligen Eu-
       ropas -  Rußlands, Preußens  und Österreichs. Im Sommer 1848 ver-
       folgten Marx  und Engels mit warmer Anteilnahme die nationale Be-
       wegung der  Tschechen, insbesondere den Prager Aufstand. Nach der
       Niederschlagung dieses  Aufstands gewannen jedoch in der Bewegung
       der slawischen Völker, die an den Grenzen Österreichs lebten, re-
       aktionäre bürgerlich-junkerliche  Elemente die  Oberhand. Dadurch
       wurde es  der Monarchie Habsburg und dem russischen Zarismus mög-
       lich, diese  Völker für  die Niederschlagung  der  Revolution  in
       Deutschland und  Ungarn auszunutzen. Im Zusammenhang mit der Ver-
       änderung des Inhalts und des objektiven Charakters der nationalen
       Bewegung dieser  slawischen Völker  schätzten Marx und Engels sie
       als konterrevolutionär ein.
       Bei der  Einschätzung der Position von Marx und Engels zur natio-
       nalen Frage  in den  Jahren 1848/49  schrieb  Lenin,  daß  dieser
       Standpunkt der  einzig richtige  gewesen sei, "denn im Jahre 1848
       waren ebenso  historische wie  politische Gründe  da, um zwischen
       'reaktionären' und revolutionär-demokratischen Nationen zu unter-
       scheiden. Marx hatte recht, als er die ersten verurteilte
       
       #XII# Vorwort
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       und für  die zweiten  Partei ergriff.  Das Selbstbestimmungsrecht
       ist eine  der Forderungen  der Demokratie,  die natürlich den Ge-
       samtinteressen  der  Demokratie  untergeordnet  sein  muß.  Inden
       Jahren 1848 und den folgenden forderten diese Gesamtinteressen in
       erster Linie  den Kampf  gegen den Zarismus." (W.I. Lenin, Werke,
       Bd. 22, S. 139 russ.)
       In den  Artikeln "Der  magyarische Kampf"  und "Der demokratische
       Panslawismus" tritt  Engels gegen jede Form der nationalistischen
       Ideologie auf  wie Pangermanismus  und  Panslawismus.  Neben  der
       richtigen historischen Einschätzung der Bewegung in den zu Öster-
       reich gehörenden  slawischen Ländern  als einer  Bewegung, die in
       dieser Zeit den Interessen der deutschen und der europäischen Re-
       volution widersprach,  gibt es  jedoch in den Artikeln von Engels
       einige irrige  Thesen über  das historische Schicksal dieser Völ-
       ker. Engels  vertritt die  Ansicht, daß  diese Völker im weiteren
       Verlauf der  historischen Entwicklung  nicht mehr in der Lage wä-
       ren, eine progressive Rolle zu spielen und daher als selbständige
       Völker zum  Untergang verurteilt  seien. In  diesen Artikeln wird
       auch die  Eroberung einer Reihe slawischer Völker durch die Deut-
       schen einseitig als ein progressiver Prozeß dargestellt, der eine
       Ausbreitung von  Kultur und  Zivilisation mit sich brachte. Diese
       Behauptung widerspricht dem Bild der räuberischen Eroberungspoli-
       tik Deutschlands  im Osten  Europas, das Engels selbst in anderen
       Schriften (in  der Artikelserie  "Die Polendebatte in Frankfurt",
       Band 5  unserer Ausgabe,  sowie in  dem Artikel  "Posen im  vorl.
       Band, S.  448-451 ) aufzeichnete. Die Ansicht von Engels über die
       historische Zukunft  der zum österreichischen Imperium gehörenden
       Slawen hing  mit seiner  Vorstellung über  die Rolle  der kleinen
       Völker im  geschichtlichen Prozeß  zusammen. Engels  vertrat  die
       Meinung, daß  im weiteren  Verlauf der  historischen Entwicklung,
       deren Grundtendenz  die Zentralisierung  sei, die  kleinen Völker
       ihre Selbständigkeit verlieren und von den großen und lebensfähi-
       geren Nationen  absorbiert würden. Als Beispiel führte Engels die
       Gälen in Schottland, die Bretonen in Frankreich und die Basken in
       Spanien an.  Von diesem Standpunkt beurteilte Engels auch die Er-
       oberung eines  Teils von Mexiko durch die Vereinigten Staaten von
       Amerika. Diese  Einschätzung des  Schicksals der  kleinen  Völker
       durch Engels  berücksichtigt jedoch  nicht, daß  dem Kapitalismus
       nicht nur  die Tendenz  der Zentralisierung, sondern auch die des
       Kampfes "der  kleinen Völker  um ihre  Unabhängigkeit  und  ihres
       Strebens nach Schaffung eines eigenen Staatswesens innewohnt. Die
       irrigen Ansichten  von Engels  über die historische Rolle einiger
       slawischer Völker erklären sich auch daraus, daß sich in den Jah-
       ren 1848/49  die marxistische  Erforschung der  nationalen  Frage
       noch im  Anfangsstadium befand und die Erfahrungen aus der natio-
       nalen Bewegung der kleinen Völker noch
       
       #XIII# Vorwort
       -----
       verhältnismäßig gering  waren. Es müssen aber auch die Vorbehalte
       hervorgehoben werden,  die Engels selbst hinsichtlich des Schick-
       sals dieser  slawischen Völker  in seinen  Artikeln macht. Engels
       sagt: "Hätten  die Slawen  zu irgendeiner  Epoche innerhalb ihrer
       Unterdrückung eine   n e u e   r e v o l u t i o n ä r e    G e -
        s c h i c h t e   begonnen, so  bewiesen sie  schon dadurch ihre
       Lebensfähigkeit. Die  Revolution hatte  von dem Augenblick an ein
       Interesse an  ihrer Befreiung,  und das  besondre  Interesse  der
       Deutschen und  Magyaren verschwand vor dem größeren Interesse der
       europäischen Revolution."  (Siehe vorl.  Band, S.  279/280.)  Die
       Entwicklung der  slawischen Völker,  die zu  Österreich gehörten,
       hat in den hundert Jahren, die seit der Einschätzung durch Engels
       vergangen sind,  überzeugend bewiesen,  daß sie  lebensfähig  und
       stark genug  sind, sich Freiheit und Unabhängigkeit zu erkämpfen,
       erfolgreich ihren  eigenen Staat zu errichten und den Sozialismus
       aufzubauen.
       Marx und  Engels untersuchten  in der "Neuen Rheinischen Zeitung"
       systematisch und  eingehend den  Kampf der  Kräfte der Revolution
       und Konterrevolution  in den  verschiedenen europäischen Ländern.
       Gleichzeitig analysierten  sie mit großer Aufmerksamkeit den Ver-
       lauf der  Ereignisse nach  dem konterrevolutionären Staatsstreich
       in Preußen.  Die Hauptaufgabe  der deutschen Demokratie sahen sie
       darin, Schritt  um Schritt  ihre noch verbliebenen Positionen mit
       Hilfe der  Presse, der  Volksversammlungen und des Parlamentes zu
       erhalten.
       In den Artikeln "Drei neue Gesetzentwürfe", "Der Hohenzollernsche
       Gesamtreformplan"  und  "Der  Hohenzollersche  Preßgesetzentwurf"
       werden die  von der Regierung Manteuffel eingebrachten Gesetzent-
       würfe scharf  kritisiert, die  - eine würdige Ergänzung zu der am
       5. Dezember  1848 vom  König erlassenen oktroyierten Verfassung -
       das Land  in die patriarchalische Barbarei der altpreußischen Ge-
       setzgebung zurückführen sollten.
       In den  Artikeln "Der  Adreßentwurf  der  zweiten  Kammer",  "Die
       Adreßdebatte in  Berlin", "Die Sitzung der zweiten Kammer in Ber-
       lin vom  13. April"  und "Die  Debatte über das Plakatgesetz" be-
       faßte sich  Engels kritisch mit der Tätigkeit der Zweiten Kammer.
       Zu den Debatten in der Zweiten Kammer stellte Engels mit Empörung
       fest, daß  die Abgeordneten der Kammer, darunter auch die Vertre-
       ter der  äußersten Linken,  statt offen  für  die  demokratischen
       Rechte des  Volkes einzutreten,  der parlamentarischen Anpasserei
       zuliebe eine Konzession nach der anderen machten. Engels warf den
       Führern der  kleinbürgerlichen Demokratie,  diesen "neugebackenen
       Tribünenrittern", vor,  daß sie  durch parlamentarische  Methoden
       das zu  erreichen hofften,  was nur  mit revolutionären Methoden,
       mit Waffengewalt  erreicht werden kann. Marx und Engels kritisie-
       ren scharf den bürgerlichen
       
       #XIV# Vorwort
       ------
       Parlamentarismus und  erläutern gleichzeitig die Taktik der revo-
       lutionären Parlamentsabgeordneten,  deren wichtigste  Aufgabe die
       organische Verbindung der parlamentarischen Tätigkeit mit dem au-
       ßerparlamentarischen Kampf der Volksmassen ist.
       Die Tätigkeit  von Marx  und Engels in den Jahren 1848/49 war un-
       lösbar mit  dem revolutionären  Kampf der  Massen  verbunden.  Im
       Frühjahr 1848,  als Marx  und Engels  nach Deutschland kamen, war
       das Proletariat  noch zersplittert  und sein  Bewußtsein  schwach
       entwickelt. Der  Bund der Kommunisten hatte eine geringe Zahl von
       Mitgliedern und war organisatorisch schwach. Unter diesen Umstän-
       den war  die einzig  richtige Taktik  des Proletariats die aktive
       Teilnahme an der bürgerlichen Revolution auf dem äußersten linken
       Flügel der  demokratischen Bewegung.  Marx, Engels  und ihre  An-
       hänger traten demokratischen Organisationen bei, in denen sie die
       Position des  revolutionären Proletariats konsequent verteidigten
       und keinerlei grundsätzliche Zugeständnisse an die kleinbürgerli-
       chen Demokraten machten, sondern deren Unentschlossenheit und In-
       konsequenz kritisierten  und  sie  zu  entschlossenen  Handlungen
       drängten.
       Die Arena der politischen Tätigkeit von Marx und Engels war neben
       der "Neuen Rheinischen Zeitung" und der Kölner Demokratischen Ge-
       sellschaft der  Kölner Arbeiterverein,  um das  Klassenbewußtsein
       und die  Organisiertheit der  Arbeiter in Köln und darüber hinaus
       in der ganzen Rheinprovinz zu heben.
       Im Verlauf der Revolution wuchs das politische Bewußtsein und die
       Aktivität der deutschen Arbeiter. Sie erkannten immer klarer ihre
       eigenen Klassenziele  und machten sich von dem Einfluß der klein-
       bürgerlichen Demokraten  frei. Die  Kampferfahrungen  hatten  ge-
       lehrt, daß in der entscheidenden Schlacht gegen die Konterrevolu-
       tion die  Führer der kleinbürgerlichen Demokratie keine zuverläs-
       sigen Bundesgenossen  sind. Daher  begannen Marx, Engels und ihre
       Anhänger an der Bildung einer selbständigen politischen Organisa-
       tion des  Proletariats zu  arbeiten, ohne  dabei auf  eine Zusam-
       menarbeit mit den Demokraten in einer Reihe allgemein politischer
       Fragen zu verzichten (z.B. bei den Wahlen zur Zweiten Kammer). Um
       eine solche Organisation schaffen zu können, wurde eine Reihe von
       Maßnahmen zur  Reorganisierung und Festigung des Kölner Arbeiter-
       vereins durchgeführt.  Diese Maßnahmen wurden im harten Kampf ge-
       gen die  spalterische Fraktionstätigkeit  Gottschalks und  seiner
       Anhänger durchgesetzt.  (Siehe z.B.  den Beschluß  der 1. Filiale
       des Kölner  Arbeitervereins in  den Beilagen  zum vorl.  Band, S.
       585-587.)
       Im Frühjahr  1849, als  sich der Klassenkampf in Deutschland ver-
       schärfte, der  Revolutionskrieg in  Ungarn begann und die revolu-
       tionäre Bewegung in
       
       #XV# Vorwort
       -----
       Frankreich einen  neuen Aufschwung  nahm, wurde eine selbständige
       Organisation des  Proletariats  besonders  notwendig.  Die  fort-
       schrittlichsten, bewußtesten  Kräfte der deutschen Arbeiterklasse
       verstanden und  unterstützten den  Schritt von  Marx, Engels  und
       ihren Anhängern,  als sie  am 14.  April 1849 aus dem Rheinischen
       Kreisausschuß der  demokratischen Vereine austraten und auf diese
       Weise organisatorisch mit den Führern der kleinbürgerlichen Demo-
       kratie brachen.  (Siehe vorl.  Band, S.  426.) Der  von Marx  und
       Engels geführte  Kölner Arbeiterverein beschloß, aus dem Verbände
       der demokratischen  Vereine Deutschlands auszutreten und sich dem
       Verband der  deutschen Arbeitervereine anzuschließen. Obwohl Marx
       und Engels  organisatorisch mit  der kleinbürgerlichen Demokratie
       gebrochen hatten,  lehnten sie jedoch weitere gemeinsame Aktionen
       mit ihr gegen den gemeinsamen Feind nicht ab.
       Die veränderte  Taktik, die Marx und Engels ein Jahr nach dem Be-
       ginn der  Märzrevolution verfolgten, gründete sich auf die Verän-
       derungen im  Kräfteverhältnis der Klassen, die in Deutschland vor
       sich gegangen waren und auf Veränderungen im Bewußtsein der deut-
       schen Arbeiter, wozu die "Neue Rheinische Zeitung", die immer of-
       fener als  Organ des  revolutionären Proletariats  in Erscheinung
       trat, viel beigetragen hatte.
       In einer Reihe von Artikeln - "Ein Bourgeoisaktenstück", "Montes-
       quieu LVI.",  "Die 'Kölnische  Zeitung' über  die Wahlen" - zeigt
       Marx an  konkreten Tatsachen  die schonungslose  Grausamkeit  der
       preußischen Bourgeoisie gegenüber den Arbeitern. Er entlarvt ihre
       heuchlerischen Versuche,  mit dem  Proletariat zu liebäugeln, und
       ihre demagogischen  Wahlversprechungen,  mit  einem  Schlage  die
       "soziale Frage"  zu lösen.  Marx polemisiert  gegen die  konfusen
       theoretischen Erörterungen der "Kölnischen Zeitung" zur "sozialen
       Frage" und  deckt ihren  wahren Klassencharakter auf. Er beweist,
       daß das  Proletariat, die  Kleinbourgeoisie und  die Bauernschaft
       nicht -  wie die  Bourgeoisie hoffte  - für  die  vom  König  ok-
       troyierte Verfassung  eintreten, sondern daß diese Klassen an der
       Errichtung einer  demokratischen Republik interessiert sind - ei-
       ner Staatsform,  die ihnen  größere Möglichkeiten  zur Vertretung
       ihrer Interessen gibt. "Sind nicht gerade diese Klassen die radi-
       kalsten, die  demokratischsten der ganzen Gesellschaft? Ist nicht
       das Proletariat  gerade die  spezifisch  r o t e  Klasse?" (Siehe
       vorl. Band, S. 217.) -
       Die Losung  von Marx  und Engels,  den Kampf um eine einheitliche
       demokratische deutsche  Republik zu  führen, bedeutete  nicht nur
       die Liquidierung  der überlebten  Formen der politischen Ordnung,
       der Herrschaft  der reaktionären  Junkerklasse, sondern  auch die
       revolutionäre Lösung  der Frage  der Vereinigung Deutschlands und
       die Beseitigung der jahrhundertealten Zersplitterung
       
       #XVI# Vorwort
       -----
       des Landes,  die einer  progressiven ökonomischen und politischen
       Entwicklung im Wege stand.
       Wie bereits  in einigen früheren Artikeln lehnten Marx und Engels
       entschieden die  Vereinigungspläne Deutschlands  "von oben" unter
       Führung einer der feudalen Monarchien - Österreichs oder Preußens
       - ab  (siehe den  Artikel "Die Frankfurter Versammlung"). Gleich-
       zeitig kämpften  die Begründer  des Marxismus auch gegen die süd-
       deutschen kleinbürgerlichen Republikaner, die Deutschland in eine
       Bundesrepublik nach dem Muster der Schweiz verwandeln wollten.
       In den  Artikeln, die  Engels während  seiner Emigration  in  der
       Schweiz schrieb - "Das Exfürstentum", "Die neuen Behörden - Fort-
       schritte in  der Schweiz",  "Wahlen für  das Bundesgericht", "Die
       Persönlichkeiten des Bundesrats", "Der Nationalrat", "Die Schwei-
       zer Presse"  -, gibt  er Genrebilder vom politischen Leben dieses
       Landes. Die Schweiz war ebenso das Musterbeispiel für die bürger-
       liche Bundesrepublik,  wie Belgien als das Musterland der bürger-
       lichen Monarchie galt. Engels unterstreicht die lokale, kantonge-
       bundene  Beschränktheit  des  politischen  Lebens  der  damaligen
       kleinbürgerlichen Schweiz,  die für  die Mehrheit ihrer Politiker
       charakteristischen Vorurteile, den engen Gesichtskreis, die Klei-
       nigkeitskrämerei und die Kleinlichkeit.
       Marx und/Engels  wiesen die  kleinbürgerlichen Pläne, Deutschland
       in eine  Bundesrepublik nach  dem Schweizer Muster zu verwandeln,
       entschieden zurück.  Sie zeigten,  daß die Besonderheiten der so-
       zial-ökonomischen  und  politischen  Entwicklung  in  Deutschland
       dringend die Liquidierung der Zersplitterung des Landes, des Par-
       tikularismus, der  Unzahl der  kleinen Staaten erforderte und die
       Schaffung einer  einheitlichen demokratischen  deutschen Republik
       auf der Tagesordnung stand.
       Marx und Engels betonten, daß das revolutionäre Deutschland seine
       Freiheit und Unabhängigkeit nicht nur im Kampf gegen die inneren,
       sondern auch  gegen die  äußeren Feinde verteidigen muß, und zwar
       in erster  Linie gegen die Hauptkräfte der europäischen Konterre-
       volution - das bürgerliche England und das feudal-absolutistische
       Rußland. Marx und Engels bewiesen, daß der russische Zarismus das
       Hauptbollwerk der feudal-monarchistischen Reaktion in Europa war,
       ohne dessen Zerschlagung der Sieg der europäischen Revolution und
       eine wirkliche Vereinigung Deutschlands unmöglich ist.
       Als das Haupthindernis für die Vereinigung Deutschlands im Innern
       bezeichneten Marx und Engels die reaktionäre preußische Monarchie
       der Hohenzollern,  die die  Hochburg der alten, überlebten Kräfte
       der Feudalgesellschaft war. In den Artikeln "Die Taten des Hauses
       Hohenzollern", "Die neue preußische
       
       #XVII# Vorwort
       -----
       Verfassung", "Die  neue Standrechts-Charte",  "An mein Volk" u.a.
       geben sie  ein lebendiges  Bild von  der Geschichte des Aufstiegs
       der herrschenden  preußischen Dynastie mit Hilfe räuberischer Er-
       oberungen, Verrat  und  Gewalttätigkeit  und  ihrer  schändlichen
       Rolle als Würger der Befreiungsbewegung des Volkes.
       Ein anderes  Hindernis bei  der Vereinigung  Deutschlands war das
       feudalabsolutistische Österreich.  Solange das Reich der Habsbur-
       ger existierte, konnte weder von einer Befreiung der unterjochten
       Völker noch von der Errichtung einer wirklich demokratischen Ord-
       nung in ganz Deutschland die Rede sein.
       Marx und Engels kritisierten weiter die deutsche Nationalversamm-
       lung, die  den Kräften der Konterrevolution in Deutschland gegen-
       über Nachsicht  übte, anstatt  energisch mit  ihnen Schluß zu ma-
       chen. Die  Abgeordneten des  "Frankfurter Froschteiches" beschäf-
       tigten sich  mit philisterhaftem  Professorengeschwätz  über  die
       Grundrechte des  deutschen Volkes und entzogen ihm dabei sein ur-
       eigenstes Grundrecht  - das Recht auf Aufstand (siehe die Artikel
       "Die Frankfurter  Versammlung", "Der Bericht des Frankfurter Aus-
       schusses über  die  östreichischen  Angelegenheiten",  "Wien  und
       Frankfurt", "Der  preußische Fußtritt  für die Frankfurter"). Als
       die Frankfurter  Nationalversammlung schließlich die Ausarbeitung
       der deutschen Reichsverfassung beendet hatte, erwies sie sich als
       ein wertloses  Stück Papier,  da die deutschen Fürsten diese Ver-
       fassung nicht akzeptierten.
       Im Frühjahr 1849 brachen in der Rheinprovinz und anderen Gebieten
       Westdeutschlands Volksaufstände  zur Verteidigung  der Reichsver-
       fassung aus. Marx und Engels unterstützten diese Bewegung, obwohl
       ihre Ziele  begrenzt waren.  Den Massencharakter, den diese Bewe-
       gung angenommen  hatte, erklärten sie damit, daß "das Volk ... in
       jedem, wenn  auch noch  so lumpigen  Schritt näher  zur  Einigung
       Deutschlands einen Schritt näher zur Beseitigung der kleinen Für-
       sten und  zur Befreiung  von  der  drückenden  Steuerlast"  sieht
       (siehe vorl. Band, S. 460). In den Spalten der "Neuen Rheinischen
       Zeitung" begrüßten  Marx und Engels den Kampf der Volksmassen, in
       dem die  Arbeiter eine  bedeutende Rolle spielten. Engels nahm an
       dem  Aufstand   in  Elberfeld   aktiv  teil  (siehe  den  Artikel
       "Elberfeld").
       Die mutige und unversöhnliche Haltung der "Neuen Rheinischen Zei-
       tung", die  den revolutionären  Kampf der  Massen leitete, führte
       dazu, daß  diese von  Anfang an von der preußischen Regierung und
       den Gerichtsbehörden  verfolgt wurde.  Gegen die  Redakteure  der
       Zeitung wurden  zahlreiche Prozesse geführt. Der Prozeß gegen die
       "Neue Rheinische  Zeitung" vom 7. Februar 1849 und der Prozeß ge-
       gen den Rheinischen Kreisausschuß
       
       #XVIII# Vorwort
       -----
       vom 8. Februar 1849 nahmen jedoch einen für die preußische Regie-
       rung unerwünschten  Verlauf. Die  anklagenden Reden  von Marx und
       Engels, vom  anwesenden Publikum  mit  Begeisterung  aufgenommen,
       führten zu  ihrem Freispruch  durch das  Geschworenengericht  und
       hatten zur  Folge, daß  die Popularität der Redakteure der "Neuen
       Rheinischen Zeitung" gewaltig anwuchs.
       Die preußische  Regierung ließ  von ihrem Plan, die "Neue Rheini-
       sche Zeitung" auf diese oder jene Weise zum Schweigen zu bringen,
       nicht ab.  Im Mai  1849, nachdem die isolierten Erhebungen in der
       Rheinprovinz gescheitert  waren, ordnete die preußische Regierung
       die Ausweisung von Marx aus Preußen an, weil er keine preußischen
       Bürgerrechte besaß.  Die Repressalien  der Polizei gegen Marx und
       die anderen  Redakteure der  "Neuen Rheinischen  Zeitung" führten
       dazu, daß  das Erscheinen der Zeitung am 19. Mai 1849 eingestellt
       werden mußte. In der letzten, mit roten Lettern gedruckten Nummer
       hielten Marx und Engels noch einmal Rückschau auf den ruhmreichen
       revolutionären Kampf der Zeitung und hoben besonders ihren prole-
       tarischen Internationalismus hervor: "... die Seele der Junirevo-
       lution" war  "die Seele unsrer Zeitung!" Der proletarische Inter-
       nationalismus verband  sich in der Zeitung organisch mit der Ver-
       teidigung der  wahren nationalen Interessen des deutschen Volkes.
       Die Redaktion der Zeitung konnte mit vollem Recht sagen: "Wir ha-
       ben die revolutionäre Ehre unsres heimischen Bodens gerettet."
       In/der Abschiedsbotschaft  "An die  Arbeiter Kölns" erklärten die
       Redakteure der  Zeitung: "Ihr letztes Wort wird überall und immer
       sein: Emanzipation der arbeitenden Klasse!" (Siehe vorl. Band, S.
       519.)
       Einen besonderen  Platz nehmen im vorliegenden Band zwei ökonomi-
       sche Arbeiten von Marx ein - "Lohnarbeit und Kapital" und das mit
       dieser  Schrift   im  engen   Zusammenhang  stehende   Manuskript
       "Arbeitslohn".
       Der Schrift  "Lohnarbeit und  Kapital", die  im  April  1849  als
       Leitartikelserie in  der "Neuen  Rheinischen Zeitung"  veröffent-
       licht wurde,  lagen Lektionen zugrunde, die Marx im Dezember 1847
       im Deutschen Arbeiterbildungsverein in Brüssel gelesen hatte. Mit
       der Veröffentlichung dieser Arbeit stellte sich Marx die Aufgabe,
       die ökonomischen  Verhältnisse zu  umreißen, die in der kapitali-
       stischen Gesellschaft  die materielle  Grundlage  für  den  Klas-
       senkampf bilden.  Er wollte  dem  Proletariat  eine  theoretische
       Waffe in die Hand geben zum tiefen wissenschaftlichen Verständnis
       dessen, worauf  sich in  der  kapitalistischen  Gesellschaft  die
       Klassenherrschaft der  Bourgeoisie und  die Lohnsklaverei der Ar-
       beiter begründeten.  Im Unterschied  zu der Arbeit "Das Elend der
       Philosophie", wo Marx seine ökonomischen Ansichten in polemischer
       Form darlegt, ist "Lohnarbeit und Kapital" systematisch aufgebaut
       
       #XIX# Vorwort
       -----
       und populär,  für die  Arbeiter verständlich geschrieben. Im Ver-
       gleich zum "Elend der Philosophie" bedeutet "Lohnarbeit und Kapi-
       tal" einen Schritt vorwärts in der Ausarbeitung der marxistischen
       ökonomischen Lehre.
       In der  Schrift "Lohnarbeit und Kapital" deckt Marx das Wesen der
       Produktionsverhältnisse  der   bürgerlichen  Gesellschaftsordnung
       auf, die auf der Ausbeutung der Arbeitskraft der Lohnarbeiter be-
       ruht. Er  zeigt, daß  Kapital und  Lohnarbeit einander  bedingen.
       Gleichzeitig hebt  er mit aller Deutlichkeit den antagonistischen
       Charakter dieses  Verhältnisses hervor.  Im Gegensatz zu den Leu-
       ten, die  von Harmonie zwischen Arbeit und Kapital predigen, legt
       Marx die unüberbrückbare Gegensätzlichkeit ihrer Interessen bloß.
       Marx, der alle ökonomischen Kategorien historisch untersucht, de-
       finiert das Kapital als "bürgerliches Produktionsverhältnis", als
       "Produktionsverhältnis  der   bürgerlichen  Gesellschaft"  (siehe
       vorl. Band,  S. 408). In dieser Arbeit entwickelt Marx die Grund-
       gedanken zur  Ausarbeitung  seiner  Mehrwertstheorie  weiter.  Er
       kommt dabei  zu dem  Schluß, daß  das Wachstum  des Kapitals, die
       Entwicklung der  Produktivkräfte der  bürgerlichen  Gesellschaft,
       die  Entwicklung   der  Technik  und  die  breite  Anwendung  von
       Maschinen zur  verstärkten Ausbeutung  und zur  Verschärfung  des
       Elends und  der Armut  der  Klasse  führt,  die  die  materiellen
       Reichtümer produziert.  So formuliert  Marx in  dieser Arbeit  in
       allgemeiner Form  die  Lehre  von  der  relativen  und  absoluten
       Verelendung der  Arbeiterklasse  im  Kapitalismus  als  eine  der
       wichtigsten Lehren der marxistischen politischen Ökonomie.
       In der  vorliegenden Ausgabe wird die Schrift "Lohnarbeit und Ka-
       pital" nach  der von  Engels besorgten Ausgabe von 1891 gebracht.
       Die von  ihm vorgenommenen  Änderungen und  Ergänzungen gegenüber
       der Erstveröffentlichung  in der  "Neuen Rheinischen  Zeitung" im
       April 1849  sind in  Fußnoten festgehalten.  In seiner Einleitung
       zur Ausgabe von 1881 weist Engels darauf hin, daß Marx 1849 seine
       Kritik der  bürgerlichen politischen  Ökonomie noch  nicht  abge-
       schlossen hatte.  Das geschah  erst Ende der fünfziger Jahre. En-
       gels nahm daher 1891 eine Reihe notwendiger Veränderungen am Text
       vor. Sie  beziehen sich  im wesentlichen auf einen Punkt: Der Ar-
       beiter verkauft  nicht seine  Arbeit, wie  es im  alten Text  von
       "Lohnarbeit und  Kapital" heißt,  sondern seine Arbeitskraft. Bei
       dieser Änderung  geht es  nicht nur um Worte, wie Engels schrieb,
       sondern um einen der wichtigsten Punkte der ökonomischen Theorie,
       dessen Nichtverstehen  die klassische politische Ökonomie in eine
       Sackgasse geführt hat. Den Ausweg aus dieser Sackgasse fand Marx.
       Wie Engels im
       
       #XX# Vorwort
       -----
       Vorwort zum  zweiten Band des "Kapital" schreibt, wies Marx nach,
       daß es  nicht die Arbeit ist, "die einen Wert hat. Als wertschaf-
       fende Tätigkeit  kann sie ebensowenig einen besondren Wert haben,
       wie die  Schwere ein  besondres Gewicht,  die Wärme eine besondre
       Temperatur, die  Elektrizität eine  besondre Stromstärke.  Es ist
       nicht die Arbeit, die als Ware gekauft und verkauft wird, sondern
       die   Arbeits k r a f t.   Sobald sie Ware wird, richtet sich ihr
       Wert nach  der in ihr, als einem gesellschaftlichen Produkt, ver-
       körperten Arbeit,  ist er  gleich der  zu  ihrer  Produktion  und
       Reproduktion gesellschaftlich  nötigen Arbeit." Die Ware Arbeits-
       kraft besitzt  eine besondere Eigenschaft - sie schafft den Wert,
       sie ist die Quelle des Wertes, wobei der von ihr geschaffene Wert
       größer ist  als der,  den sie selbst besitzt. Den so vom Arbeiter
       geschaffenen Mehrwert  eignet sich  der Kapitalist  an.  Mit  der
       Lehre über  den Mehrwert,  die Ende  der fünfziger Jahre entstand
       und die im "Kapital" ihre klassische Darlegung gefunden hat, ent-
       hüllt Marx das Geheimnis der kapitalistischen Ausbeutung.
       Das mit der Schrift "Lohnarbeit und Kapital" eng zusammenhängende
       Manuskript "Arbeitslohn" ist allem Anschein nach ein Konspekt für
       den letzten  von Marx in Brüssel gelesenen Lektionszyklus. Dieses
       Manuskript, das  fragmentarischen Charakter  trägt und  von  Marx
       nicht für den Druck, bestimmt war, ist trotzdem von großer Bedeu-
       tung, da es in vieler Beziehung die Schrift "Lohnarbeit und Kapi-
       tal" ergänzt.  Die Bemerkungen  zu den notwendigen Veränderungen,
       die Engels im Jahre 1891 in der Einführung zu "Lohnarbeit und Ka-
       pital" macht,  können gleichzeitig auch auf dieses Manuskript be-
       zogen werden.
       In dieser  Arbeit untersucht  Marx den  Einfluß des Wachstums der
       Produktivkräfte auf  den Arbeitslohn und kommt zu dem Schluß, daß
       der in Maschinen und Rohstoffen investierte Teil des Kapitals be-
       deutend schneller  wächst als der Teil, der zum Unterhalt der Ar-
       beiter verwandt  wird. Obwohl  die Begriffe  konstantes  und  va-
       riables Kapital  hier noch nicht formuliert sind, kommt Marx hier
       bereits der später von ihm ausgearbeiteten Lehre über die organi-
       sche Zusammensetzung  des  Kapitals  außerordentlich  nahe.  Marx
       zieht den Schluß, daß unter den Bedingungen des Kapitalismus jede
       Entwicklung der Produktivkräfte zu einer Waffe gegen die Arbeiter
       wird.
       Großes Interesse  verdient die  Kritik, die Marx an den verschie-
       denen Projekten  zur Erleichterung  der Lage  der Arbeiter  übte.
       Diese Projekte  hatten das  Ziel, vom Klassenkampf abzulenken; so
       z.B. die Schaffung von Sparkassen, die Einführung der industriel-
       len Erziehung  und schließlich  die Theorie  von Malthus, der be-
       hauptete, daß,  entsprechend den  Naturgesetzen, die  Bevölkerung
       schneller wachse  als die Existenzmittel. Er schlug vor, die Kon-
       kurrenz
       
       #XXI# Vorwort
       -----
       zwischen den  Arbeitern durch  Geburtenminderung  zu  verringern.
       Marx widmet  der Entlarvung "der ganzen Dummheit, Niederträchtig-
       keit und  Heuchelei" der Malthus'schen Doktrin besondere Aufmerk-
       samkeit, - einer Doktrin, die gesellschaftliche Erscheinungen als
       Naturerscheinungen auffaßt, das Elend des Proletariats als dessen
       eigene Schuld betrachtet und es dafür bestrafen will.
       In einem  weiteren Abschnitt  behandelt Marx die Arbeiterassozia-
       tionen und würdigt sie als das Mittel, die Arbeiterklasse auf den
       Sturz der  alten auf  Klassengegensätzen beruhenden  Gesellschaft
       vorzubereiten. Er  analysiert das Verhältnis zwischen Kapital und
       Arbeit und  deckt die  Ausbeutung  der  Arbeiter  auf,  wobei  er
       gleichzeitig die historisch progressive Rolle der Lohnarbeit, der
       Produktionsverhältnisse der kapitalistischen Gesellschaft hervor-
       hebt, ohne  die die materiellen Mittel zur Befreiung des Proleta-
       riats und  die Grundlagen der neuen Gesellschaft nicht geschaffen
       werden können  und das  Proletariat selbst nicht eine solche Ent-
       wicklungsstufe erreicht,  in der es fähig wäre, die Revolution in
       der alten  Gesellschaft zu  Ende zu führen und sich selbst zu be-
       freien.
       Am Schluß  des Bandes werden Materialien und Dokumente veröffent-
       licht, die  Marx und Engels nach der Einstellung der "Neuen Rhei-
       nischen Zeitung" von Mai bis Juli 1849 geschrieben haben. Es han-
       delt sich  um zwei  Erklärungen an  Zeitungsredaktionen sowie den
       Artikel von  Engels "Die  revolutionäre Erhebung in der Pfalz und
       in Baden"  und den  Artikel von  Marx "Der 13.Juni", der sich mit
       der mißlungenen  Aktion der kleinbürgerlichen Demokraten in Paris
       befaßt.
       Der Teil  "Aus dem  handschriftlichen Nachlaß"  enthält außer dem
       Marxschen Manuskript  "Arbeitslohn" zwei zur damaligen Zeit nicht
       veröffentlichte Artikel von Engels über die Lage in Frankreich am
       Vorabend der  Präsidentenwahlen im Dezember 1848 - "Die französi-
       sche Arbeiterklasse und die Präsidentenwahl" und "Proudhon".
       In den  Beilagen zum  Band wird  eine Reihe  Dokumente veröffent-
       licht, die  ein Bild von der praktischen revolutionären Tätigkeit
       von Marx und Engels geben und zeigen, wie sie den Kampf der brei-
       ten Volksmassen  lenkten. Unter  diesen Dokumenten  befinden sich
       Materialien über  die Tätigkeit von Marx und Engels im Kölner Ar-
       beiterverein sowie  Mitteilungen über  demokratische Bankette, an
       denen sie teilgenommen haben. Die Beilagen enthalten ferner Mate-
       rialien über  die  Verfolgung  von  Marx  und  Engels  durch  die
       Gerichts- und  Polizeibehörden. Diese  Materialien geben ein Bild
       von der  schwierigen  und  gespannten  Lage,  in  der  die  "Neue
       Rheinische Zeitung"  redigiert wurde,  und zeigen,  welche Arbeit
       Marx  und   Engels  für  die  Organisierung  und  die  politische
       Erziehung der Volksmassen leisteten.
       
       #XXII# Vorwort
       -----
       Die im  vorliegenden Band  enthaltenen Schriften von Marx und En-
       gels bieten  reiches Material  zur Erläuterung  der theoretischen
       und taktischen  Thesen, die  von den  Begründern des Marxismus im
       Laufe der Revolution von 1848/49 ausgearbeitet wurden.
       Es wurde  bereits im  Vorwort zum  fünften Band  der Werke darauf
       hingewiesen, daß  es sehr  kompliziert ist,  bei den Artikeln aus
       der "Neuen  Rheinischen Zeitung"  den genauen Verfasser zu ermit-
       teln, da  die Artikel  ohne Unterschrift  gebracht wurden, es bei
       Marx und  Engels selbst  nur sehr begrenzte Hinweise gibt und die
       handschriftlichen Originale fehlen. Außerdem tragen viele Artikel
       die Spur  gemeinsamer Arbeit beider Autoren. In Fällen, wo es un-
       möglich war,  den Verfasser  - Marx  oder Engels - festzustellen,
       fehlt in  den redaktionellen  Schlußnoten der Artikel der Hinweis
       auf den Verfasser.
       Überschriften, die  im Original fehlten und vom Institut für Mar-
       xismus-Leninismus zugefügt  wurden, sind  in eckige  Klammern ge-
       setzt.
       
       Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der KPdSU
       
                                    ---
       
       Der Text  des vorliegenden  sechsten Bandes der deutschen Ausgabe
       wurde nach  der "Neuen Rheinischen Zeitung", nach Originalen oder
       Photokopien überprüft.  Bei jeder  Arbeit  ist  die  zum  Abdruck
       herangezogene Quelle vermerkt.
       Die von Marx und Engels angeführten Zitate wurden ebenfalls über-
       prüft, soweit die Originale zur Verfügung standen. Längere Zitate
       werden zur  leichteren Übersicht  in  kleinerem  Druck  gebracht.
       Fremdsprachige Zitate und im Text vorkommende fremdsprachige Wör-
       ter sind in Fußnoten übersetzt.
       Rechtschreibung  und   Zeichensetzung  sind,  soweit  vertretbar,
       modernisiert. Der  Lautstand der  Wörter in den deutschsprachigen
       Texten wurde  nicht verändert. Alle in eckigen Klammern stehenden
       Wörter und  Wortteile stammen  von der Redaktion; offensichtliche
       Druck- oder  Schreibfehler wurden  stillschweigend korrigiert. In
       Zweifelsfällen wurde  in Fußnoten  die Schreibweise des Originals
       angeführt.
       
       #XXIII# Vorwort
       -----
       Fußnoten von Marx und Engels sind durch Sternchen gekennzeichnet,
       Fußnoten der Redaktion durch eine durchgehende Linie vom Text ab-
       getrennt und durch Ziffern kenntlich gemacht.
       Zur Erläuterung ist der Band mit Anmerkungen versehen, auf die im
       Text durch  hochgestellte Zahlen  in eckigen Klammern hingewiesen
       wird; außerdem  werden ein  Personen Verzeichnis,  Daten über das
       Leben und  die Tätigkeit  von Marx  und Engels, ein Literaturver-
       zeichnis, eine  Erklärung der  Fremdwörter sowie  ein Verzeichnis
       der Orte,  die in  der Landessprache eine andere Bezeichnung tra-
       gen, hinzugefügt.
       
       Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED

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