Quelle: MEW 7 August 1849 - Juni 1859

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       Friedrich Engels
       
       [Brief an den Redakteur der "Times" [408]]
       
       An den Redakteur der "T[imes]"
       Sir!
       In Ihrer  heutigen Zeitung  finde ich einen Brief des Herrn Louis
       Blanc, der sich auf das "Banquet des Égaux", das in London am 24.
       Februar abgehalten  wurde, und auf einen gewissen Trinkspruch be-
       zog,  den  Herr  Blanqui,  der  Gefangene  von  Belle-+le-en-Mer,
       dorthin gesandt  hatte. [409] Gestatten Sie mir, einige Bemerkun-
       gen zu diesem Brief zu machen.
       Beim Bankett  stand der  Name Blanquis  in großen  Lettern an der
       Wand neben  Namen anderer Helden und Märtyrer der Demokratie. Bei
       derselben Kundgebung  wurde ein Trinkspruch auf die "Märtyrer der
       Verleumdung" ausgebracht:  auf Marat, Robespierre ... und - Blan-
       qui! Alle  bei dieser Gelegenheit gehaltenen Trinksprüche und Re-
       den mußten  dem Komitee der "Organisatoren dieser schönen und im-
       posanten Kundgebung"  schon am 15. Februar vorgelegt worden sein.
       Herr Blanc  war Mitglied  dieses Komitees,  er muß  daher diesem-
       Trinkspruch auf  Herrn Blanqui  vorher zugestimmt haben. Wie kann
       Herr Blanc  nun Herrn  Blanqui wieder zu einem "Märtyrer der Ver-
       leumdung" machen,  wenn er ihn "eines dieser unglücklichen Wesen"
       nennt, "die  in ihrem Ungestüm versuchen, gegen die Autorität mit
       Gewalt vorzugehen und die - wenn dies möglich wäre - auch die be-
       ste Sache verlieren würden"?
       Herr Blanc  erklärt, daß der Trinkspruch nicht von den Gefangenen
       von Belle-+le stamme, sondern daß er das ausschließliche Werk des
       Herrn Blanqui  sei. Natürlich  muß man annehmen, daß Herr Blanqui
       der Verfasser  von Trinksprüchen  und Dokumenten  ist, die  unter
       seinem Namen  vorgebracht werden. Der betreffende Trinkspruch je-
       doch  wurde,   wie  in  Frankreich  allgemein  bekannt  ist,  von
       der"Sociéte des  amis de l'Égalité" 1*) angenommen und veröffent-
       licht, einer  Gesellschaft also, die die Gefangenen von Belle-+Ie
       umfaßt, die zu Blanqui halten; denn dieser Mann hat ebensogut wie
       Herr Barbès,  der Beschützer des Herrn Louis Blanc, seine Freunde
       unter den Gefangenen.
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       1*) "Gesellschaft der Freunde der Gleichheit"
       
       #467# Brief an den Redakteur der "Times"
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       Was die  "imposante und  schöne Kundgebung"  und die "Vereinigung
       von mehr  als tausend,  den verschiedenen  Nationen  angehörenden
       Personen" anbelangt,  so sollte  man nicht  vergessen, daß dieses
       rührende Schauspiel;  soweit es  Herrn Blanc betrifft, nichts an-
       deres als eine "brüderliche" Demonstration gegen Herrn Ledru-Rol-
       lin war,  um Rache  zu nehmen  dafür, daß er - wie Herr Blanc öf-
       fentlich erklärte - von dem "Zentralausschuß der Europäischen De-
       mokratie" [270]  der Herren  Ledru-Rollin,  Mazzini  usw.  ausge-
       schlossen worden war.
       Was jedoch  die "Autorität"  des Herrn Louis Blanc anbetrifft, so
       wäre es  ratsamer für  ihn, dieses heikle Thema nicht eher zu be-
       rühren, als  bis diese  "Autorität" sich  von  den  schrecklichen
       Schlägen erholt  hat, die ihr Herr Proudhon vor einiger Zeit ver-
       setzt hat [410].
       Herr Blanc  wollte sich  anscheinend vor  dem Angriff  des  Herrn
       Blanqui schützen,  indem er  seine Eigenschaft als Verbannter und
       Geächteter lobpries. Sind die Söhne von Louis-Philippe nicht auch
       Verbannte? Und  hat Herr  Blanc vielleicht  die Heftigkeit seines
       Angriffes gegen  Herrn Proudhon  gezügelt, der  zwar nicht in der
       Verbannung gemütlich  in Piccadilly  87 lebte  und einen  Wohnort
       hatte, der  gewiß weit davon entfernt war, zum Schreiben der Ovi-
       dischen "Tristien"  geeignet zu  sein, der aber ein Gefangener in
       den Klauen des Gesetzes war? [411]
       Herr Blanc  scheint Herrn  Blanqui zum  Vorwurf zu machen, daß er
       seinen Trinkspruch in "konterrevolutionären Zeitungen" veröffent-
       licht hat.  Herr Blanc  weiß sehr  wohl, daß  seit Mai 1850 keine
       "revolutionäre" Presse mehr in Frankreich besteht. Doch bitte ich
       Sie, Herr  Louis Blanc, Sie, der Sie sich mit "aller Höflichkeit"
       an den  Redakteur der  "Times" richten, seit wann ist die "Times"
       in ihren  Augen eine demokratische, sozialistische und revolutio-
       näre Zeitung?
       Um es  jedoch der  Öffentlichkeit zu ermöglichen, dieses außerge-
       wöhnliche Dokument  zu beurteilen, das so sehr die Entrüstung des
       Herrn Blanc  hervorruft und  das sogar jetzt das allgemeine Thema
       der französischen Presse bildet, unterbreite ich Ihnen eine voll-
       ständige Übersetzung  und hoffe, daß es für die englische Öffent-
       lichkeit nicht ohne Interesse sein wird.
       
       Ich verbleibe, Sir, Ihr ergebenster Diener
       Veritas 1*)
       
       Geschrieben am 5. März 1851.
       Nach dem handschriftlichen Entwurf.
       Aus dem Englischen.
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       1*) Die Wahrheit
       

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