Quelle: MEW 7 August 1849 - Juni 1859
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Vorwort
Der siebente Band der Werke von Karl Marx und Friedrich Engels
enthält die Arbeiten, die in der Zeit von August 1849 bis Juni
1851 geschrieben wurden. Er umfaßt damit die Zeit von der Nieder-
lage der europäischen Revolutionen und Marx' und Engels' Emigra-
tion aus Deutschland bis zum faktischen Ende der Tätigkeit des
Bundes der Kommunisten infolge der Verhaftung der Mitglieder der
Kölner Zentralbehörde.
In diesen zwei Jahren richteten Marx und Engels ihr Hauptaugen-
merk auf die theoretische Auswertung des reichen praktischen Er-
fahrungsschatzes, den die revolutionären Kämpfe der Jahre 1848
und 1849 boten. Sie nutzten ihn für die Weiterentwicklung des
wissenschaftlichen Kommunismus und der Strategie und Taktik der
revolutionären Partei.
Diese umfassende theoretische Arbeit war eng verbunden mit einer
angestrengten praktischen politischen Tätigkeit. Gerade das Jahr
1850 ist ein Beispiel für die Einheit des theoretischen und prak-
tischen Schaffens von Marx und Engels. Sie führten den Kampf um
eine selbständige, von bürgerlichen Einflüssen völlig freie und
auch von den kleinbürgerlichen Demokraten prinzipiell abgegrenzte
und getrennte proletarische Partei mit einer revolutionären Tak-
tik und einer wissenschaftlich begründeten Theorie.
Nachdem Karl Marx Ende August 1849 in London eingetroffen war, wo
sich die meisten Mitglieder der früheren Zentralbehörde des Bun-
des der Kommunisten eingefunden hatten, begann er mit ihnen ge-
meinsam den Bund und sein Leitungsorgan zu reorganisieren. In die
Zentralbehörde wurde auch Engels aufgenommen, der im November
1849 in London eintraf. An der Spitze des Bundes der Kommunisten
stehend, leisteten Marx und Engels eine große Arbeit zur Festi-
gung der proletarischen Partei. Zugleich entfalteten sie eine in-
tensive ideologische und organisatorische Tätigkeit im Londoner
Arbeiterbildungsverein, dessen führender Kern die örtlichen Ge-
meinden des Bundes der Kommunisten waren, und in dem von diesem
Verein geschaffenen
#VI# Vorwort
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Sozial-demokratischen Flüchtlingskomitee mit dem Ziel, die revo-
lutionären Emigranten um den Bund der Kommunisten zusammenzu-
schließen. Sie traten in engen Kontakt mit den blanquistischen
französischen Emigranten sowie den linken Chartisten und gründe-
ten mit ihnen im April 1850 die Weltgesellschaft der revolutio-
nären Kommunisten. Die engen Verbindungen zu den chartistischen
Organen "The Democratic Review" und "The Red Republican" dienten
dem Bestreben, den Chartismus auf revolutionärer Grundlage zu re-
organisieren. Marx und Engels arbeiteten an den linken chartisti-
schen Organen mit und nutzten sie, um sowohl die Ideen des wis-
senschaftlichen Kommunismus zu propagieren als auch die engli-
schen Arbeiter über den Charakter der Ereignisse in England und
anderen Ländern aufzuklären.
Das wichtigste Mittel, die proletarische Partei zu festigen, eine
wissenschaftliche Bilanz der Revolution zu ziehen sowie die revo-
lutionäre Theorie weiterzuentwickeln und zu propagieren, sahen
Marx und Engels in einem eigenen Presseorgan, das die Traditionen
der "Neuen Rheinischen Zeitung" fortsetzen sollte. Sie gaben die
"Neue Rheinische Zeitung. Politisch-ökonomische Revue" heraus,
die erste Zeitschrift, die ganz auf dem Boden des wissenschaftli-
chen Kommunismus stand.
In der Ankündigung der Zeitschrift, die den vorliegenden Band er-
öffnet, stellen Marx und Engels dem neuen Organ die Aufgabe,
"eine Zeit des scheinbaren Stillstandes, wie die jetzige", zu
nutzen, "um über die durchlebte Periode der Revolution aufzuklä-
ren, über den Charakter der ringenden Parteien, über die gesell-
schaftlichen Verhältnisse, welche das Dasein und den Kampf dieser
Parteien bedingen" (siehe vorl. Band, S. 5).
Die von Marx und Engels in der "Neuen Rheinischen Zeitung. Poli-
tisch-ökonomische Revue" veröffentlichten Arbeiten bilden eine
der wichtigsten Etappen in der Entwicklung der marxistischen
Theorie und der Strategie und Taktik der revolutionären Arbeiter-
bewegung. Sie stellen insbesondere eine wesentliche Weiterent-
wicklung und Konkretisierung des historischen Materialismus dar,
der hier erstmals sowohl auf die Zeitgeschichte wie auch auf die
geschlossene Darstellung eines lange zurückliegenden Ereignisses,
des deutschen Bauernkriegs von 1525, angewandt wurde.
Das theoretische Hauptwerk dieser Zeit ist Marx' Arbeit "Die
Klassenkämpfe in Frankreich 1848 bis 1850". Darin gibt Marx eine
unübertroffene Analyse der Ursachen, des Charakters und des kon-
kreten Verlaufs der bürgerlich-demokratischen Revolution von
1848/49 in Frankreich. Engels charakterisiert in seiner 1895 ge-
schriebenen Einleitung diese Arbeit als "Marx' ersten Versuch,
ein Stück Zeitgeschichte vermittelst seiner materialistischen
Auffassungsweise aus der gegebenen ökonomischen Lage zu erklären.
Im 'Kommunistischen
#VII# Vorwort
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Manifest' war die Theorie in großen Umrissen auf die ganze neuere
Geschichte angewandt, in Marx' und meinen Artikeln der 'Neuen
Rheinischen Zeitung' war sie fortwährend benutzt worden zur Deu-
tung gleichzeitiger politischer Ereignisse. Hier dagegen handelte
es sich darum, im Verlauf einer mehrjährigen, für ganz Europa
sowohl kritischen wie typischen Entwicklung den inneren Kausalzu-
sammenhang nachzuweisen, also, im Sinn des Verfassers, die poli-
tischen Begebenheiten zurückzuführen auf Wirkungen von in letzter
Instanz ökonomischen Ursachen." (Siehe vorl. Band, S. 511.) Die
wichtigsten Leitsätze des historischen Materialismus - über die
Wechselbeziehungen zwischen Basis und Überbau und die bestimmende
Rolle der ökonomischen Basis im gesellschaftlichen Leben, über
die Rolle des Klassenkampfes, des Kampfes der Parteien und der
Ideen in der Entwicklung der Gesellschaft, über die Rolle des
Staates und seiner verschiedenen Formen sowie über die Bedeutung
der Revolution in der Geschichte und die entscheidende Rolle der
Volksmassen - hat Marx in dieser Arbeit konkretisiert und weiter-
entwickelt.
Auf der Grundlage der praktischen Erfahrungen des revolutionären
Kampfes der Volksmassen überprüft und ergänzt Marx in den
"Klassenkämpfen in Frankreich" die marxistische Revolutionstheo-
rie. Er zeigt, daß die Revolutionen die "Lokomotiven der Ge-
schichte" sind (siehe vorl. Band, S. 85), die den Verlauf der ge-
sellschaftlichen Entwicklung beschleunigen und mächtige schöpfe-
rische Kräfte der Volksmassen freilegen.
Marx arbeitet den Unterschied zwischen den Revolutionen des 19.
Jahrhunderts und denen des 16., 17. und 18. Jahrhunderts heraus.
Besonders auf Grund der Erfahrungen der Juniinsurrektion 1848 in
Paris, die den entwickelten Klassenantagonismus zwischen Proleta-
riat und Bourgeoisie offenbart hatte, aber auch der Ereignisse
des 13. Juni 1849 in Paris weist er nach, daß die industrielle
Bourgeoisie, die "Teil der offiziellen Opposition" war (siehe
vorl. Band, S. 12), aus Furcht vor der Arbeiterklasse nicht mehr
in der Lage war, die Führung der revolutionären Kräfte zu über-
nehmen und die historischen Aufgaben der bürgerlich-demokrati-
schen Revolution zu Ende zu führen. Sie war daran interessiert,
ihre Herrschaft zu erhalten und die Revolution so schnell wie
möglich zu beenden. Das Kleinbürgertum hingegen hatte durch sein
Verhalten in den revolutionären Kämpfen 1848/49 seine Unfähigkeit
bewiesen, die Volksmassen zu führen und die Aufgaben der bürger-
lich-demokratischen Revolution zu lösen. Daraus schlußfolgerte
Marx, daß sich die Arbeiterklasse als "Großwürdenträger der revo-
lutionären Interessen" (siehe vorl. Band, S. 60), als "Kopf der
revolutionären Ligue" (siehe vorl. Band, S. 91) an die Spitze des
Kampfes um die Weiterführung der bürgerlich-demokratischen
#VIII# Vorwort
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Revolution stellen muß, um die sich die Bauern, Kleinbürger und
Mittelstände gruppieren. Diese Lehre von der selbständigen, akti-
ven Rolle der Arbeiterklasse stellt eine wesentliche Weiterent-
wicklung der Marxschen Revolutionstheorie dar. Sie lieferte spä-
ter Ansatzpunkte für Lenin, der diese Lehre im Zeitalter des Im-
perialismus zur Theorie von der Hegemonie der Arbeiterklasse in
der bürgerlich-demokratischen Revolution weiterentwickelte.
In den "Klassenkämpfen in Frankreich" weist Marx nach, wie das
Proletariat in Paris im Verlauf der revolutionären Kämpfe alle
Illusionen abstreifte und an die Stelle utopischer Vorstellungen
und kleinbürgerlicher, ja selbst noch bürgerlicher Forderungen an
den bürgerlichen Staat "die kühne revolutionäre Kampfparole:
Sturz der Bourgeoisie! Diktatur der Arbeiterklasse!" (siehe vorl.
Band, S. 33) setzte. Die Diktatur des Proletariats als das
Instrument, die Revolution zu sichern, sie zu festigen und zu
Ende zu führen sowie die Gesellschaft umzugestalten, ist der
Hauptinhalt des "revolutionären Sozialismus". "Dieser Sozialismus
ist die Permanenzerklärung der Revolution, die Klassendiktatur
des Proletariats als notwendiger Durchgangspunkt zur Abschaffung
der Klassenunterschiede überhaupt, zur Abschaffung sämtlicher
Produktionsverhältnisse, worauf sie beruhen, zur Abschaffung
sämtlicher gesellschaftlichen Beziehungen, die diesen Produkti-
onsverhältnissen entsprechen, zur Umwälzung sämtlicher Ideen, die
aus diesen gesellschaftlichen Beziehungen hervorgehen." (Siehe
vorl. Band, S. 90.) Marx definiert hier erstmalig die politische
Machtergreifung durch das Proletariat als Diktatur des Prole-
tariats gegen die Diktatur der Bourgeoisie. Er vertieft durch die
theoretische Verallgemeinerung der Erfahrungen des objektiven
Verlaufs der revolutionären Klassenkämpfe und durch die Anwendung
der Theorie des Klassenkampfes auf die Fragen des Staates und der
proletarischen Revolution die Erkenntnis des Wesens der proleta-
rischen Revolution. Zugleich gibt Marx eine genaue Bestimmung des
ökonomischen Inhalts der proletarischen Revolution.
Wie Engels 1895 in seiner Einleitung zu den "Klassenkämpfen in
Frankreich" hervorhebt, wurde in dieser Arbeit zum erstenmal der
Inhalt der ökonomischen Neugestaltung der Gesellschaft prägnant
zusammengefaßt: "Aneignung der Produktionsmittel, ihre Unterwer-
fung unter die assoziierte Arbeiterklasse, also die Aufhebung der
Lohnarbeit wie des Kapitals und ihres Wechselverhältnisses"
(siehe vorl. Band, S. 513). Diese Formel unterscheidet in grund-
legender Weise den wissenschaftlichen Kommunismus von allen
Spielarten des utopischen Sozialismus und Kommunismus mit ihren
Forderungen nach der "konfusen Gütergemeinschaft".
Marx entwickelt in seiner Schrift grundlegende Leitsätze der
Bündnispolitik
#IX# Vorwort
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der Arbeiterklasse. Aus den Erfahrungen der Klassenkämpfe in
Frankreich zog Marx die theoretische und politische Schlußfolge-
rung, daß der Kampf des Proletariats nur siegreich sein kann,
wenn es mit der Masse der Bauern und der Kleinbürger ein Bündnis
eingeht.
Ausgehend von der Analyse der gesellschaftlichen Lage der franzö-
sischen Bauern zeigt Marx, daß sich die Ausbeutung der französi-
schen Bauernschaft nur in der Form von der Ausbeutung des indu-
striellen Proletariats unterscheidet und daß beide denselben Aus-
beuter haben - das Kapital. Ihren wahren Bundesgenossen und Ver-
treter ihrer Interessen findet die Bauernschaft im Proletariat,
denn nur "der Fall des Kapitals kann den Bauern steigen machen,
nur eine antikapitalistische, eine proletarische Regierung kann
sein ökonomisches Elend, seine gesellschaftliche Degradation bre-
chen" (siehe vorl. Band, S. 84/85).
Jedoch nicht nur die werktätigen Bauern, sondern alle nichtbour-
geoisen Schichten der Gesellschaft werden auf Grund ihrer objek-
tiven ökonomischen und gesellschaftlichen Lage zur Koalition mit
der Arbeiterklasse getrieben. Marx schlußfolgert aus den Erfah-
rungen nach dem Juni 1848: "Nach und nach sahen wir Bauern,
Kleinbürger, die Mittelstände überhaupt, neben das Proletariat
treten, gegen die offizielle Republik in offenen Gegensatz ge-
trieben, als Gegner von ihr behandelt. Auflehnung gegen die Bour-
geoisdiktatur, Bedürfnis einer Veränderung der Gesellschaft,
Festhaltung der demokratisch-republikanischen Institutionen als
ihrer Bewegungsorgane, Gruppierung um das Proletariat als die
entscheidende revolutionäre Macht - das sind die gemeinschaftli-
chen Charakterzüge der sogenannten Partei der Sozial-Demokratie,
der Partei der roten Republik" (Siehe vorl. Band, S. 88.)
Marx bezeichnet exakt den Charakter des Etappenzieles, das die
Arbeiterklasse jeweils mit diesen Bündnispartnern beim Weiter-
treiben der bürgerlich-demokratischen Revolution erreichen kann.
Er macht ausdrücklich darauf aufmerksam, daß dieses Bündnis nur
bei absoluter Selbständigkeit der revolutionären Arbeiterbewegung
möglich ist.
In den revolutionären Klubs in Frankreich erkennt Marx eine Form
für die selbständige Organisation der Arbeiterklasse und bezeich-
net sie "als eine Koalition der gesamten Arbeiterklasse gegen die
gesamte Bourgeoisklasse, die Bildung eines Arbeiterstaats gegen
den Bourgeoisstaat" (siehe vorl. Band, S. 54). In der Arbeit sind
auch Hinweise auf illegale Organisationsformen in Zeiten der
rückläufigen Entwicklung der Revolution, wo die legalen Klubs
verboten sind, enthalten.
Die von Marx und Engels verfaßte "Ansprache der Zentralbehörde an
den Bund vom März 1850" ist eines der bedeutendsten Dokumente des
wissenschaftlichen
#X# Vorwort
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Kommunismus. In ihr sind die Erfahrungen der bürgerlichen Revolu-
tion 1848/49 in Deutschland verallgemeinert. Marx und Engels ver-
faßten sie als theoretische Grundlage für die Reorganisation des
Bundes der Kommunisten nach der Niederlage der bürgerlich-demo-
kratischen Revolution 1848/49. In ihr weisen sie darauf hin, daß
sich die im "Manifest der Kommunistischen Partei" ausgearbeitete
Theorie im Verlaufe der Revolution vollauf bestätigt hat.
Zugleich werden die neuen Fragen behandelt, die sich aus dem re-
volutionären Kampf des Proletariats, insbesondere aus den Er-
fahrungen dieser Kämpfe ergeben hatten. Die in ihr niedergelegten
Lehren zum Programm und zur Taktik kamen in den späteren Stadien
des revolutionären Befreiungskampfes des Proletariats voll zur
Geltung. Lenin spricht von ihr als einer "außerordentlich inter-
essanten und lehrreichen 'Ansprache'" (W.I. Lenin, Werke, Band 8,
S. 465). Er stützte sich auf sie, als er die revolutionäre Taktik
der proletarischen Partei in der bürgerlich-demokratischen
Revolution weiterentwickelte und die Notwendigkeit begründete,
die bürgerlich-demokratische Revolution in die sozialistische Re-
volution hinüberzuleiten.
Der bestimmende Grundgedanke der Märzansprache ist die Lehre von
der Revolution in Permanenz, die in den Grundzügen schon in Arti-
keln der "Neuen Rheinischen Zeitung" enthalten ist und von Marx
in den "Klassenkämpfen in Frankreich" wesentlich weiterentwickelt
wurde. Marx und Engels schreiben in diesem Dokument: "Während die
demokratischen Kleinbürger die Revolution möglichst rasch [...]
zum Abschlüsse bringen wollen", indem sie ihr Ausmaß auf die Er-
kämpfung kleiner bürgerlicher Reformen beschränken, "ist es unser
Interesse und unsere Aufgabe, die Revolution permanent zu machen,
so lange, bis alle mehr oder weniger besitzenden Klassen von der
Herrschaft verdrängt sind, die Staatsgewalt vom Proletariat ero-
bert und die Assoziation der Proletarier nicht nur in einem
Lande, sondern in allen herrschenden Ländern der ganzen Welt so
weit vorgeschritten ist, daß die Konkurrenz der Proletarier in
diesen Ländern aufgehört hat und daß wenigstens die entscheiden-
den produktiven Kräfte in den Händen der Proletarier konzentriert
sind. Es kann sich für uns nicht um Veränderung des Privateigen-
tums handeln, sondern nur um seine Vernichtung, nicht um Vertu-
schung der Klassengegensätze, sondern um Aufhebung der Klassen,
nicht um Verbesserung der bestehenden Gesellschaft, sondern um
Gründung einer neuen." (Siehe vorl. Band, S. 248.) Auf der Grund-
lage der Lehre von der Revolution in Permanenz entwickeln Marx
und Engels in diesem Dokument die parteiorganisatorische Seite
ihrer Revolutionskonzeption.
Als Marx und Engels die Märzansprache ausarbeiteten, erwarteten
sie für
#XI# Vorwort
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die nächste Zeit einen neuen Aufschwung der Revolution, der ihrer
Meinung nach die kleinbürgerlichen Demokraten an die Macht brin-
gen müßte. Sie schlössen aus den politischen Lehren und Verhal-
tensweisen der kleinbürgerlichen Demokraten in den Jahren 1848
und 1849, daß sie unfähig sind, die bürgerlich-demokratische Re-
volution zu Ende zu führen und daß es unbedingt notwendig ist,
das Proletariat von ihrem Einfluß zu befreien. In der Märzanspra-
che weisen Marx und Engels ausdrücklich darauf hin, daß die
Arbeiterpartei in der bevorstehenden Revolution so selbständig
und organisiert wie nur möglich auftreten muß. Damit setzten sie
eine im Frühjahr 1849 begonnene Linie organisatorischer Trennung
des Proletariats von der kleinbürgerlichen Demokratie fort. Die
Hauptaufgabe der Kommunisten in Deutschland besteht darin, beto-
nen sie, "neben den offiziellen Demokraten eine selbständige ge-
heime und öffentliche Organisation der Arbeiterpartei her-
zustellen und jede Gemeinde zum Mittelpunkt und Kern von
Arbeitervereinen zu machen, in denen die Stellung und Interessen
des Proletariats unabhängig von bürgerlichen Einflüssen disku-
tiert werden" (siehe vorl. Band, S. 249).
Marx und Engels, denen jegliches Sektierertum fremd war, machen
auf die Bedeutung gemeinsamer Aktionen der Arbeiter und der
kleinbürgerlichen Demokraten im revolutionären Kampf aufmerksam.
Sie legen dar, welche Etappen das Verhältnis der Arbeiterpartei
zur kleinbürgerlichen Demokratie im Voranschreiten der Revolution
im einzelnen zu durchlaufen hat. Die Arbeiterpartei muß mit den
kleinbürgerlichen Demokraten zeitweilige Bündnisse eingehen, um
gemeinsam die Konterrevolution zu bekämpfen, gleichzeitig muß sie
aber ihre selbständige Organisation erhalten und eine von der
kleinbürgerlichen Demokratie unabhängige revolutionäre Politik
betreiben. "Während des Kampfes und nach dem Kampf müssen die Ar-
beiter neben den Forderungen der bürgerlichen Demokraten ihre ei-
genen Forderungen bei jeder Gelegenheit aufstellen." (Siehe vorl.
Band, S. 250.) Schon während des gemeinsamen Kampfes müssen die
Arbeiter die kleinbürgerlichen Demokraten zur Erfüllung ihrer vor
der Revolution gemachten Versprechungen zwingen und überhaupt
versuchen, "ihnen solche Bedingungen zu diktieren, daß die Herr-
schaft der bürgerlichen Demokraten von vornherein den Keim des
Unterganges in sich trägt und ihre spätere Verdrängung durch die
Herrschaft des Proletariats bedeutend erleichtert wird" (siehe
vorl. Band, S. 249).
Um den Sieg der Revolution in Permanenz zu sichern, "müssen die
Arbeiter bewaffnet und organisiert sein" (siehe vorl. Band, S.
250) und sich eine selbständige proletarische Garde schaffen. Es
sind "neben den neuen offiziellen Regierungen zugleich eigene
revolutionäre Arbeiterregierungen' zu errichten,
#XII# Vorwort
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"sei es in der Form von Gemeindevorständen, Gemeinderäten, sei es
durch Arbeiterklubs oder Arbeiterkomitees" (siehe ebenda). Damit
schaffen sie sich die Voraussetzungen, die Tätigkeit der bürger-
lich-demokratischen Regierung ständig kontrollieren zu können. In
Auswertung der Revolutionserfahrungen der Arbeiter in Frankreich
empfehlen Marx und Engels der Arbeiterklasse, sich in Klubs zu
organisieren und diese Klubs wenigstens in den einzelnen Provin-
zen miteinander zu verbinden. Bei nationalen Wahlen sind eigene
Kandidaten, möglichst Bundesmitglieder, aufzustellen, um die
"Parteistandpunkte vor die Öffentlichkeit zu bringen" (siehe
vorl. Band, S. 251).
Marx und Engels warnten die Arbeiterklasse entschieden vor
übertriebenen Hoffnungen auf schnelle Erfolge. Sie machten darauf
aufmerksam, daß das Überleiten der bürgerlich-demokratischen Re-
volution in die sozialistische Revolution ein langfristiger Pro-
zeß ist, der zudem die entwickeltsten Länder Europas umfassen
muß.
Als Marx und Engels ihre Theorie von der Revolution in Permanenz
in den "Klassenkämpfen in Frankreich", in der Märzansprache und
in anderen Arbeiten weiterentwickelten, betrachteten sie die ge-
sellschaftliche Entwicklung bereits als reif für den Beginn der
sozialistischen Revolution. Zwar waren die bürgerlichen Machtver-
hältnisse durch die revolutionären Kämpfe erschüttert worden,
aber die Produktivkräfte waren den kapitalistischen Produktions-
verhältnissen noch lange nicht entwachsen. Das erkannten Marx und
Engels später und Engels stellte 1895 in seiner Einleitung zu
Marx' Arbeit "Die Klassenkämpfe in Frankreich" fest: "Die Ge-
schichte hat uns und allen, die ähnlich dachten, unrecht gegeben.
Sie hat klargemacht, daß der Stand der ökonomischen Entwicklung
auf dem Kontinent damals noch bei weitem nicht reif war für die
Beseitigung der kapitalistischen Produktion" (siehe vorl. Band,
S. 516). Die kapitalistische Produktion war damals noch sehr
ausdehnungsfähig und entwickelte sich im großen und ganzen in
aufsteigender Linie. "Aber solche Fehler der Giganten des revolu-
tionären Denkens", schrieb Lenin, "die das Proletariat der ganzen
Welt über die kleinlichen, alltäglichen Groschenaufgaben zu erhe-
ben suchten und erhoben, sind tausendmal edler, erhabener, histo-
risch wertvoller und wahrhafter als die banale Weisheit des zop-
figen Liberalismus, der deklamiert, lamentiert, trompetet und
orakelt über die Eitelkeit der revolutionären Eitelkeiten, über
die Vergeblichkeit des revolutionären Kampfes, über den Zauber
konterrevolutionärer 'konstitutioneller' Hirngespinste" (W.I. Le-
nin, Werke, Band 12, S. 376).
Unter den neuen historischen Bedingungen in der Epoche des
Imperialismus und der proletarischen Revolutionen entwickelte Le-
nin die Lehre von
#XIII# Vorwort
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der Revolution in Permanenz zur Theorie des Hinüberleitens der
bürgerlich-demokratischen Revolution in die sozialistische Revo-
lution und der Möglichkeit des Sieges des Sozialismus in einem
Lande weiter und erarbeitete auf der Grundlage der Kampferfahrun-
gen der Arbeiterklasse Rußlands und anderer Länder seine Theorie
der sozialistischen Revolution, die in der Großen Sozialistischen
Oktoberrevolution erstmals erfolgreich in der Praxis verwirklicht
wurde.
Die im vorliegenden Band veröffentlichte "Ansprache der Zentral-
behörde an den Bund vom Juni 1850" steht in einem engen Zusammen-
hang mit der Märzansprache. Die Juniansprache gibt eine umfas-
sende Einschätzung der Lage des Bundes der Kommunisten in den
verschiedenen Ländern und bestimmt sein Verhältnis zu den klein-
bürgerlichen Demokraten. In der Juniansprache empfehlen Marx und
Engels die Schaffung "einer starken geheimen Organisation der re-
volutionären Partei" (siehe vorl. Band, S. 306), die unter
illegalen Bedingungen wirkt und zugleich jede legale Möglichkeit
der Propaganda und der organisatorischen Arbeit nutzt.
Einzuordnen in Marx' und Engels' Revolutionskonzeption ist auch
Friedrich Engels' Arbeit "Die deutsche Reichsverfassungskampa-
gne". Sie gibt eine gründliche Analyse der letzten Etappe der
bürgerlich-demokratischen Revolution in Deutschland und vermit-
telt wichtige Erfahrungen für die Strategie und Taktik der Arbei-
terklasse im revolutionären Kampf.
Die "Reichsverfassungskampagne" ist die lebendige Schilderung ei-
nes aktiven Teilnehmers der revolutionären Kämpfe und zugleich
eine zeitgeschichtliche Untersuchung. Engels analysiert die Ursa-
chen der Bewegung sowie die Haltung der Klassen und Parteien,
verbunden mit einer anschaulichen Beschreibung einzelner Episoden
und treffender Charakteristika ihrer verschiedenen Akteure. Er
kritisiert die kleinbürgerlichen Demokraten, weil sie die revolu-
tionären Aktionen durch Halbheiten und hochtönende Phrasen er-
setzten, weil sie, ständig unentschlossen, im entscheidenden Mo-
ment des Kampfes schwankten und so die revolutionäre Bewegung
verrieten. Engels weist nach, daß die kleinbürgerlichen Demokra-
ten unfähig geworden waren, die bürgerlich-demokratische Revolu-
tion weiterzuführen.
In den Schlußfolgerungen, die Engels aus den Kämpfen der Volks-
massen in Deutschland gezogen hat, weist er anhand der Erfahrun-
gen der Revolution 1848/49 nach, daß die politische, ideologische
und organisatorische Abgrenzung und Trennung der Arbeiterklasse
vom demokratischen Kleinbürgertum und die Selbständigkeit der Ar-
beiterklasse zur politischen Grundfrage geworden war.
Von besonderer Bedeutung ist die Würdigung der Rolle der Kommuni-
sten
#XIV# Vorwort
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in den bewaffneten Auseinandersetzungen. Engels ehrt die militä-
rischen Taten vieler Bundesmitglieder mit den Worten: "Die ent-
schiedensten Kommunisten waren die couragiertesten Soldaten."
(Siehe vorl. Band, S. 185.)
Die "Reichsverfassungskampagne" ist Engels' erste größere Arbeit
zu militärtheoretischen Problemen. Sie enthält wichtige Hinweise
über die Formen des bewaffneten Kampfes und über die Taktik der
revolutionären Partei im bewaffneten Aufstand und im Bürgerkrieg.
Die in dieser Schrift niedergelegten militärisch-organisatori-
schen Erkenntnisse und die in der Märzansprache vorgeschlagenen
Maßnahmen zur Bewaffnung des Proletariats und zum Aufbau einer
eigenen militärischen Organisation bilden die ersten Grundlagen
einer proletarischen Militärpolitik.
Auch "Der deutsche Bauernkrieg" von Engels gehört zu den Arbei-
ten, in der die Erfahrungen der bürgerlich-demokratischen Revolu-
tion von 1848/49 in Deutschland ausgewertet werden. Nach der Nie-
derlage der Revolution mußte ein Vergleich zwischen dem deutschen
Bauernkrieg von 1525 und den jüngsten revolutionären Kämpfen von
großem theoretischem Interesse und von erheblicher Massenwirksam-
keit sein. "Die Parallele zwischen der deutschen Revolution von
1525 und der von 1848/49 lag zu nahe, um damals ganz von der Hand
gewiesen zu werden", schrieb Engels 1870 in der Vorbemerkung zum
"Deutschen Bauernkrieg" (siehe vorl. Band, S. 532).
Wie Marx' "Klassenkämpfe in Frankreich" ist der "Deutsche Bauern-
krieg ein Beispiel für die Anwendung des historischen Materialis-
mus auf die Analyse eines ganzen Zeitabschnittes der Geschichte.
Zum erstenmal ist eine lange zurückliegende konkrete Etappe der
deutschen Geschichte Gegenstand einer marxistischen Untersuchung.
Mit dem "Deutschen Bauernkrieg" liefert Engels den ersten Beweis
für die Überlegenheit der marxistischen Methode in der Ge-
schichtsschreibung. Anhand der dialektisch-materialistischen
Untersuchung des Tatsachenmaterials, das dem Buch "Allgemeine Ge-
schichte des großen Bauernkrieges" des Historikers Wilhelm Zim-
mermann entnommen wurde, gelangt Engels zu qualitativ neuen Er-
kenntnissen hinsichtlich der Bedeutung der revolutionären Theorie
und der Rolle der Volksmassen in revolutionären Kämpfen. Er zeigt
den Klassencharakter und die ökonomischen Grundlagen dieser poli-
tischen und religiösen Kämpfe des 16. Jahrhunderts, in denen die
deutschen bürgerlich-idealistischen Historiker "noch immer weiter
nichts als heftige theologische Zänkereien" sahen (siehe vorl.
Band, S. 342). Der "Deutsche Bauernkrieg" bildet zusammen mit En-
gels' späteren Ansätzen zu einer Umarbeitung und Erweiterung des
Werkes den Ausgangspunkt für die Erkenntnis, daß es sich bei der
Reformation und dem Bauernkrieg um eine frühbürgerliche Revolu-
tion in Deutschland handelte.
#XV# Vorwort
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Engels' Zurückgreifen auf eine länger zurückliegende Etappe des
revolutionären Kampfes in Deutschland war auch von dem Bestreben
bestimmt, die Erinnerung an die "kräftigen und zähen Gestalten
des großen Bauernkriegs", an solche Volksführer wie Thomas Münt-
zer, Joß Fritz, Michael Geismaier und andere gerade in einer Zeit
zu beleben, die von einer "augenblicklichen Erschlaffung [...]
nach zwei Jahren des Kampfes" gekennzeichnet war. (Siehe vorl.
Band, S. 329.) Mit der meisterhaften Schilderung der Heerführer
der revolutionären Bauernschaft und Plebejer des 16. Jahrhunderts
verfolgt Engels das Ziel, revolutionäre Traditionen zu wecken und
neue Einsichten in den Charakter der zurückliegenden und die Auf-
gaben bevorstehender Kämpfe zu gewinnen.
Durch den Vergleich zwischen den revolutionären Ereignissen von
1848/49 und dem deutschen Bauernkrieg von 1525 beweist er die
Allgemeingültigkeit der bereits in den anderen Arbeiten dargeleg-
ten Erkenntnisse über die Ursachen der Niederlage der bürgerlich-
demokratischen Revolution von 1848/49. Die Hauptursache der Nie-
derlage dieser beiden bedeutenden Bewegungen des deutschen Volkes
sah Engels in der verräterischen Haltung des deutschen Bürgertums
im 16. Jahrhundert und der deutschen Bourgeoisie im 19. Jahr-
hundert. Wie Lenin feststellt, hat Engels die weiteren gemeinsa-
men Erfahrungen über die Ursachen der Niederlage aus beiden Bewe-
gungen "besonders unterstrichen, nämlich: Zersplitterung der Ak-
tionen, fehlende Zentralisation bei den unterdrückten Massen,
hervorgerufen durch ihre kleinbürgerliche Lebenslage" (W.I.
Lenin, Werke, Band 25, S. 201).
Engels weist vor allem auf die revolutionären Potenzen der Bau-
ernschaft hin, die ihren Kampf nicht allein zum siegreichen Ab-
schluß bringen kann. So wie 1525 ihr Bündnis mit dem Städtebür-
gertum war nach 1848 ihr Bündnis mit dem Proletariat objektiv
notwendig. Die ganze Arbeit unterstreicht, wie wichtig eine Bünd-
nispolitik des Proletariats mit der Bauernschaft für den Erfolg
der Revolution ist. Außerdem betont Engels, daß es sich bei der
Zuendeführung der bürgerlich-demokratischen Revolution, bei der
Schaffung einer unteilbaren deutschen Republik und bei der Bünd-
nispolitik um langfristige historische Prozesse handelt.
Die Rezensionen aus der "Neuen Rheinischen Zeitung. Politisch-
ökonomische Revue" gehören ebenfalls unmittelbar zur Auswertung
der Revolutionserfahrungen. Marx und Engels wählten für ihre Re-
zensionen die Schriften solcher bürgerlichen und kleinbürgerli-
chen Ideologen aus, deren wissenschaftliche Leistungen vor der
bürgerlich-demokratischen Revolution von 1848/49 wertvoll gewesen
waren. Diese hatten von bürgerlichen Positionen aus die Lehre vom
Klassenkampf vertreten, gegen die feudal-religiöse Ideologie
#XVI# Vorwort
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gekämpft, gewisse antikapitalistische Argumente entwickelt oder
sogar Sympathie für den Chartismus geäußert.
Marx und Engels zeigen, daß die Bourgeoisie, insbesondere nach
den Ereignissen der Juniinsurrektion 1848 in Frankreich, wie in
der Politik so auch in der Ideologie die Revolution so schnell
wie möglich zu beenden suchte. Sie wollte vergessen machen, daß
sie die Volksmassen ideologisch auf den Kampf gegen den Feudalis-
mus vorbereitet hatte. Marx und Engels weisen nach, daß die Bour-
geoisie ihre Politik der Kompromisse mit den reaktionären Kräften
oder der Konterrevolution direkt durch ihre Ideologen rechtferti-
gen ließ. Sie schlußfolgern, daß diese ideologischen Vertreter
der Bourgeoisie und des Kleinbürgertums ihre Fähigkeiten einge-
büßt hatten, historische Vorgänge real einzuschätzen. Der Verrat
der Bourgeoisie in der Revolution hatte auch den Bankrott ihrer
Theorie und Ideologie nach sich gezogen. Marx und Engels stellen
fest: "In der Tat, nicht bloß les rois s'en vont [die Könige ge-
hen], sondern auch les capacités de la bourgeoisie s'en vont [die
Kapazitäten der Bourgeoisie gehen]." (Siehe vorl. Band, S. 212.)
Marx und Engels lehren das Proletariat, daß die Bourgeoisie auch
in der Ideologie ihre Unfähigkeit bewiesen hatte, in einer kom-
menden Revolution die Führung der Volksmassen zu übernehmen.
In der Rezension von Georg Daumers Buch "Die Religion des neuen
Weltalters" enthüllen Marx und Engels die konterrevolutionären
Ansichten dieses von der Revolution erschreckten Kleinbürgers.
Daumer, der in seinen früheren Schriften kritische Auffassungen
zur Religion geäußert hatte, gehörte zu den typischen Vertretern
jener Kräfte, die nach der bürgerlich-demokratischen Revolution
von 1848/49 einen entschiedenen Widerwillen gegen jedes selbstän-
dige Handeln der Volksmassen äußerten und versuchten, Theorie und
Praxis als unvereinbare Gegensätze hinzustellen. Daumers Buch war
charakteristisch für den Verfall der klassischen deutschen Philo-
sophie und der mit ihr verbundenen Religionskritik zu Beginn der
zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.
In der Rezension geben Marx und Engels eine materialistische
Einschätzung der Religion als einer Form des gesellschaftlichen
Bewußtseins und bestimmen ihre Rolle im Geschichtsprozeß. Sie be-
gründen, "daß mit jeder großen historischen Umwälzung der gesell-
schaftlichen Zustände auch zugleich die Anschauungen und Vorstel-
lungen der Menschen und damit ihre religiösen Vorstellungen umge-
wälzt werden" und daß man mit der Aneignung des Wissens der wah-
ren Gesetze der gesellschaftlichen Entwicklung "alle Religion ab-
streift". (Siehe vorl. Band, S. 201.)
In der Rezension über Guizots Broschüre "Pourquoi la révolution
d'Angleterre
#XVII# Vorwort
-----
a-t-elle réussi?" wird gezeigt, wie selbst dieser bürgerliche Hi-
storiker, der zu den Entdeckern des Klassenkampfes als Triebrad
der geschichtlichen Entwicklung gehört, die Fähigkeit verloren
hatte, den Geschichtsprozeß wissenschaftlich objektiv zu erfas-
sen. Guizot, der seine Tätigkeit als ein führender bürgerlicher
Politiker Frankreichs vor der bürgerlich-demokratischen Revolu-
tion rechtfertigen wollte, verzichtete auf eine Klassenanalyse
der historischen Ereignisse und vermied jeden Hinweis auf grund-
legende ökonomische Vorgänge. Marx und Engels weisen in dieser
Rezension darauf hin, daß ein Verzicht auf Wissenschaftlichkeit
das Abgleiten in Subjektivismus bedingt und daß das Negieren des
Klassenkampfes als Triebkraft der historischen Bewegung dazu
führt, mit illusionären Phrasen und trivialen Sentenzen Ge-
schichte schreiben zu wollen.
In der Rezension geben Marx und Engels eine klassische Charakte-
ristik der englischen Revolution des 17. Jahrhunderts und der
weiteren Entwicklung der kapitalistischen Gesellschaftsordnung in
England. Zugleich zeigen sie die gesamteuropäische Bedeutung die-
ser Revolution und ihren Unterschied zur Französischen Revolution
Ende des 18. Jahrhunderts.
Das Abgleiten auf konterrevolutionäre Positionen zeigte sich bei
einem weiteren Ideologen der herrschenden Klassen, Thomas Car-
lyle, einem Vertreter des feudalen Sozialismus. Carlyle hatte
durch seinen Kampf gegen die englische Bourgeoisie, durch seine
Verteidigung der französischen Revolution von 1789 und des Char-
tismus eine gewisse positive Rolle gespielt. In ihrer Rezension
der "Latter-Day-Pamphlets" entlarven Marx und Engels, daß Carlyle
jetzt als leidenschaftlicher Feind der Revolution und der Demo-
kratie auftrat. Sie kritisieren seine subjektiv-idealistische
Konzeption des Geschichtsverlaufs, insbesondere seine Elitetheo-
rie, die eine besondere Form des Personenkults ist. Die Anbetung
des "Genies", der "Edlen" oder der "Helden" sollte einzig und al-
lein die konterrevolutionären "Infamien der Bourgeois phanta-
stisch rechtfertigen" (siehe vorl. Band, S. 264) und die Unter-
drückung und Versklavung der Volksmassen, denen Carlyle jede hi-
storische Rolle abspricht, verteidigen. Marx und Engels verfech-
ten in ihrer Rezension die materialistische Geschichtsauffassung
und heben die große schöpferische Rolle der Volksmassen in der
historischen Entwicklung hervor.
In einer weiteren Rezension behandeln Marx und Engels die
Erinnerungen der beiden französischen Polizeiagenten Adolphe
Chenu und Lucien De la Hodde. Marx und Engels decken hier den
subjektiv-idealistischen Charakter der sektiererischen Verschwö-
rertaktik auf und kritisieren die negative Rolle, die diese in
der Arbeiterbewegung spielt. Sie weisen daraufhin, daß die
#XVIII# Vorwort
-----
Verschwörer eine vorwissenschaftliche Entwicklungsstufe der
Arbeiterbewegung vertreten und daß die Verschwörertaktik histo-
risch bedingt und völlig überlebt ist. Die Verschwörer sind be-
strebt, die revolutionäre Entwicklung künstlich zu beschleunigen
und "eine Revolution aus dem Stegreif, ohne die Bedingungen einer
Revolution zu machen. Die einzige Bedingung der Revolution ist
für sie die hinreichende Organisation ihrer Verschwörung. Sie
sind die Alchimisten der Revolution" (siehe vorl. Band, S. 273).
Die Verschwörer stehen der objektiven Aufgabe des revolutionären
Proletariats, sich als Klasse zu organisieren und ihr theoreti-
sches Bewußtsein zu entwickeln, hindernd im Wege. Ihr ganzes Tun
hat objektiv zur Folge, daß Polizeiagenten Tür und Tor für das
Eindringen in die geheime Arbeiterbewegung geöffnet werden und
daß die ganze Organisation im Grunde zum Werkzeug der Regierung
gemacht wird.
Diese Rezension von Marx und Engels richtet sich gegen jene
abenteuerlich-sektiererischen Kräfte innerhalb des Bundes der
Kommunisten, die sich in der Londoner Emigration besonders um Au-
gust Willich zu sammeln begannen und die ein halbes Jahr später
die Spaltung der Zentralbehörde verursachten.
In einigen Rezensionen kritisieren Marx und Engels die Führer und
Ideologen der deutschen kleinbürgerlichen Demokraten wie Ludwig
Simon und Gottfried Kinkel. Marx und Engels zeigen an konkreten
Beispielen die ganze Schlaffheit der kleinbürgerlichen Demokra-
ten. Sie weisen die revolutionäre Arbeiterpartei auf die Notwen-
digkeit hin, sich von den kleinbürgerlichen Demokraten und ihren
Ideologen abzugrenzen.
In dem Artikel "Gottfried Kinkel" charakterisieren Marx und En-
gels das kleinmütige, feige Verhalten Kinkels vor einem preußi-
schen Gericht und zeigen an diesem Beispiel die Prinzipienlosig-
keit mancher demokratischer Politiker. Sie weisen auch darauf
hin, welche Bedeutung die Kritik für die Festigung der revolutio-
nären Partei hat. Marx und Engels verteidigen in dieser Rezension
den Gedanken, "daß die Rheinprovinz, im entscheidenden Kampf zwi-
schen Revolution und Kontrerevolution, sich unbedingt auf die re-
volutionäre Seite schlagen werde, sei sie vertreten durch Franzo-
sen oder Chinesen" (siehe vorl. Band, S. 300). Dieser entschei-
dende Grundsatz der marxistischen revolutionären Taktik, der das
Wechselverhältnis zwischen den Nationen unter dem Gesichtspunkt
der Interessen der Revolution betrachtet, zog die besondere Auf-
merksamkeit Lenins auf sich.
Die Rezension des Buches "Le socialisme et l'impôt" von +mile de
Girardin setzt die Kritik am bürgerlichen Sozialismus fort, die
von Marx und Engels im "Manifest der Kommunistischen Partei"
geübt worden war.
#XIX# Vorwort
-----
Sie analysiert das kapitalistische Steuersystem und enthält wich-
tige Gedanken über dessen Wesen sowie über den Kreislauf von Kon-
zentration und Zersplitterung des Grundeigentums in der Ge-
schichte des Kapitalismus. Diese Rezension zeigt auch, daß sich
Marx erneut mit Problemen der politischen Ökonomie beschäftigte.
Die Kritik an Girardin enthält außerdem den Ansatz der Auseinan-
dersetzung mit dem bürgerlichen Anarchismus dieser Zeit in
Frankreich und Deutschland, die Engels in seinem unvollendet
gebliebenen Manuskript "Über die Losung der Abschaffung des Staa-
tes und die deutschen 'Freunde der Anarchie'" fortsetzt, das zur
Veröffentlichung in der "Neuen Rheinischen Zeitung. Politisch-
ökonomische Revue" vorgesehen war. Engels weist darauf hin, daß
die anarchistischen Ideen die reale Funktion hatten, die Volks-
massen in besonders raffinierter Weise zu verwirren. Die Kritik
der anarchistischen Ideen von der "Abschaffung des Staates" und
die Analyse des Ursprungs dieser Ideen in Deutschland sind von
großem theoretischem Interesse.
Engels' Artikel "Die Zehnstundenfrage", der in George Julian Har-
neys Zeitschrift "The Democratic Review of British and Foreign
politics, history, and literature" veröffentlicht wurde, und die
in Ernest Jones Organ "Notes to the People" erschienene Arbeit
von Marx "Die Konstitution der Französischen Republik" beweisen
Marx' und Engels' enge Zusammenarbeit mit den linken Chartisten.
Zu dieser Mitarbeit zogen sie auch ihre nächsten Anhänger heran,
an deren Arbeiten sie sich unmittelbar beteiligten.
In seinem Artikel "Die Zehnstundenfrage" hebt Engels die große
Bedeutung hervor, die die Agitation für die gesetzliche Beschrän-
kung des Arbeitstages für den Zusammenschluß des englischen Pro-
letariats hatte. "Der Arbeiter, der eine solche Agitation mitge-
macht hat, ist nicht mehr derselbe, der er vorher war; die Arbei-
terklasse als Ganzes ist, nachdem sie sie durchgemacht hat, hun-
dertmal stärker, aufgeklärter und besser organisiert als zu Be-
ginn." (Siehe vorl. Band, S. 230.) Zugleich weist Engels darauf
hin, daß der ökonomische Kampf keine grundsätzliche Verbesserung
ihrer sozialen Lage gewährleisten könne. Die gesetzliche Be-
schränkung des Arbeitstages darf nicht als Endziel der Arbeiter-
bewegung betrachtet werden. Die Arbeiterklasse muß erkennen, daß
ihr durch ein Bündnis mit den reaktionären Gegnern der Bour-
geoisie "keinerlei dauernder Vorteil verschafft werden kann, son-
dern daß sie ihn sich selbst verschaffen muß, indem sie zualler-
erst die politische Macht erobert" (siehe vorl. Band, S. 230). In
dem Artikel hob Engels den reaktionären Charakter des Zustande-
kommens einer gesetzlichen Regelung stark hervor und forderte
volle Konzentration der Arbeiter auf den politischen Kampf. Eine
allseitig ausgewogene Einschätzung des Gesetzes und seine Bedeu-
tung
#XX# Vorwort
-----
für die Arbeiterklasse gab Marx später in der "Inauguraladresse
der Internationalen Arbeiterassoziation" (siehe Band 16 unserer
Ausgabe, S. 5-13) und im ersten Band des "Kapitals".
Mit dem Artikel "Die Konstitution der Französischen Republik" er-
gänzt Marx in vielem seine in den "Klassenkämpfen in Frankreich"
gegebene kritische Einschätzung dieser Verfassung und übt scharfe
Kritik an der bürgerlichen Demokratie. Am Beispiel der französi-
schen Verfassung zeigt Marx, daß die in der bürgerlichen Verfas-
sung verankerten demokratischen Rechte von solchen Vorbehalten
und Einschränkungen begleitet sind, die sie auf ein Nichts zu-
rückführen. Er hebt auch ein anderes Charakteristikum des bürger-
lichen Konstitutionalismus hervor, den Bruch zwischen den in der
Verfassung festgelegten "Freiheiten" und der herrschenden Praxis.
Von großer theoretischer Bedeutung sind die von Marx und Engels
verfaßten Revuen der "Neuen Rheinischen Zeitung. Politisch-ökono-
mische Revue". Sie enthalten eine wissenschaftliche Analyse der
wichtigsten Tagesereignisse aus dem ökonomischen und politischen
Leben verschiedener Länder und treffen Voraussagen, die sich im
Laufe der weiteren historischen Entwicklung bestätigt haben. In
der "Revue. Januar/Februar 1850" sagen sie einen neuen Krieg Ruß-
lands gegen die Türkei voraus und daß dieser Krieg sich unver-
meidlich in einen europäischen Krieg verwandeln wird.
In dieser "Revue" weisen Marx und Engels auch zum erstenmal auf
die Bedeutung der Entdeckung der kalifornischen Goldminen für die
ökonomische Entwicklung der Vereinigten Staaten von Amerika, für
den ganzen Welthandel und für den Sieg der industriellen Großpro-
duktion auf dem europäischen Kontinent hin. Auch die Voraussage,
daß mit der wachsenden ökonomischen Macht der Vereinigten Staaten
die alten europäischen kapitalistischen Länder wie England und
Frankreich immer mehr in deren Abhängigkeit geraten werden, hat
sich bestätigt. Marx und Engels schlußfolgern: "Die einzige
Chance, daß die europäischen zivilisierten Länder dann nicht in
dieselbe industrielle, kommerzielle und politische Abhängigkeit
fallen, in der Italien, Spanien und Portugal sich jetzt befinden,
liegt in einer gesellschaftlichen Revolution" (siehe vorl. Band,
S. 221).
Auch in den Revuen werten Marx und Engels die Revolutionserfah-
rungen von 1848/49 aus. Sie erhärten den im "Manifest der Kommu-
nistischen Partei" aufgestellten Grundsatz, "daß die Krisen einer
der mächtigsten Hebel der politischen Umwälzung sind" und "daß
die rückkehrende Prosperität dann auch die Revolutionen knickt
und den Sieg der Reaktion begründet", schrieb Engels an Bernstein
am 31. Januar 1882 (siehe Band 35 unserer Ausgabe, S. 268). In
den ersten beiden Revuen gingen Marx und Engels noch
#XXI# Vorwort
-----
davon aus, daß in Europa bald eine neue ökonomische Krise ausbre-
chen würde, die zu einem neuen revolutionären Aufschwung führt.
In der "Revue. Mai bis Oktober" erklären sie aber direkt, daß die
kapitalistischen Staaten in eine Periode industrieller Prosperi-
tät eingetreten seien und daß von einem neuen Aufschwung der re-
volutionären Bewegung vorläufig keine Rede sein kann. "Eine neue
Revolution ist nur möglich im Gefolge einer neuen Krisis." (Siehe
vorl. Band, S. 441.) Diese von Marx und Engels seit dem Sommer
1850 vertretene Auffassung wurde von den kleinbürgerlich-sektie-
rerischen Kräften im Bund der Kommunisten abgelehnt. Sie waren
der Ansicht, daß in kürzester Zeit in Deutschland die Revolution
wieder einen neuen Aufschwung erhalten würde, und vertraten sogar
die Meinung, daß in dieser Revolution die Arbeiter an die Macht
kämen. Unter der Führung von August Willich und Carl Schapper
bildete sich eine Fraktion, deren Anhänger die objektiven Be-
dingungen der gesellschaftlichen Entwicklung ignorierten und in
subjektivistischer Weise glaubten, der bloße Wille und intensive
militärische Vorbereitung reiche zum revolutionären Sieg. Das
Protokoll der Sitzung der Zentralbehörde vom 15. September 1850,
das in den Beilagen veröffentlicht ist, widerspiegelt den Höhe-
punkt der Auseinandersetzung von Marx, Engels und ihren Anhängern
mit den Mitgliedern der kleinbürgerlichen Fraktion Wil-
lich/Schapper. In der Debatte hatte Marx nachgewiesen, daß erst
in einer längeren Entwicklung die objektiven und subjektiven Be-
dingungen für die Machtergreifung durch das Proletariat heranrei-
fen müssen. Er sagte den Arbeitern: "Ihr habt 15, 20, 50 Jahre
Bürgerkrieg durchzumachen, um die Verhältnisse zu ändern, um euch
selbst zur Herrschaft zu befähigen". Die Fraktion Wil-
lich/Schapper hingegen wollte "gleich zur Herrschaft kommen".
(Siehe vorl. Band, S. 561.) Das Protokoll zeigt auch, daß Marx
und Engels trotz der Schärfe der Auseinandersetzung die organisa-
torische Einheit des Bundes wahren wollten. Durch die Weigerung
der Fraktion, die am 15. September 1850 von der Mehrheit der Zen-
tralbehörde gefaßten Beschlüsse anzuerkennen, und ihre Organisie-
rung als Sonderbund spaltete sie den Bund der Kommunisten.
Der Bruch mit der Fraktion Willich/Schapper führte zum Austritt
von Marx, Engels und ihren Kampfgefährten aus dem Londoner
Arbeiterbildungsverein, dessen Mehrheit sich auf die Seite der
Fraktion gestellt hatte, sowie zur Trennung von den blanquisti-
schen französischen Emigranten in London, die sich mit der Frak-
tion solidarisch erklärten. Sie traten auch aus dem Sozial-demo-
kratischen Flüchtlingskomitee in London aus. Der Kampf gegen die
Fraktion Willich/Schapper spiegelt sich wider in Marx' und En-
gels' "Erklärung über den Austritt aus dem Londoner Arbeiterbil-
dungsverein", in
#XXII# Vorwort
-----
dem "Brief an Adam, Barthélémy und Vidil", in dem Beschluß der
Zentralbehörde des Bundes der Kommunisten vom 15. September 1850
über die Verlegung der Zentralbehörde nach Köln, der im Protokoll
der Sitzung enthalten ist, und in verschiedenen anderen Dokumen-
ten.
In die Auswertung der Revolutionserfahrungen ist auch Engels'
Manuskript "Bedingungen und Aussichten eines Krieges der Heiligen
Allianz gegen ein revolutionäres Frankreich im Jahre 1852" einzu-
ordnen, das er nach seiner Übersiedlung nach Manchester verfaßte.
Engels hatte es nicht zur Veröffentlichung, sondern zum Gedanken-
austausch mit Marx geschrieben. In diesem Manuskript wendet En-
gels zum erstenmal ausführlicher den historischen Materialismus
auf die Kriegsgeschichte und auf Grundfragen der Kriegführung an.
Er analysiert die Entwicklung des Militärwesens der wichtigsten
Staaten Europas seit dem Ende des 18. Jahrhunderts und charakte-
risiert ihr militärisch-ökonomisches Potential in der Mitte des
19. Jahrhunderts.
Engels deckt den Zusammenhang der Kriegführung mit der Entwick-
lung der Produktivkräfte und der gesellschaftlichen Verhältnisse
auf. Er macht darauf aufmerksam, daß eine Militärwissenschaft des
Proletariats notwendig ist, und schlußfolgert, daß die siegreiche
Arbeiterklasse eine überlegene Militärorganisation und Kriegs-
kunst entwickeln wird. Die Armeen der siegreichen sozialistischen
Revolution werden eine unerhörte Stärke besitzen, weil dem stän-
digen Wachstum ihrer Masse, ihrer Manövrierfähigkeit und ihrer
Schlagkraft ein gigantisches Wachstum der Produktivkräfte der
neuen Gesellschaft, ein Aufblühen der Technik und Kultur zugrunde
liegen werden.
Diese gewaltige theoretische und praktische Arbeit leisteten Marx
und Engels unter den Bedingungen einer hektischen Emigrationsat-
mosphäre und der Gefahr, auch aus England ausgewiesen zu werden
(siehe die Presseerklärungen von Mitte Juni 1850). Hinzu kam, daß
Marx unter großer materieller Not litt. Ungeachtet der ungünsti-
gen Bedingungen für ein wissenschaftliches Studium und Arbeiten
zogen sie die notwendigen Lehren aus den revolutionären Kämpfen
1848/49, um die internationale Arbeiterklasse für kommende Kämpfe
noch besser zu rüsten.
*
Mit dem Erscheinen der Marx-Engels-Gesamtausgabe (MEGA), die ge-
meinsam vom Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der KPdSU
und vom Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED heraus-
gegeben wird, ist es notwendig und möglich geworden, die vorlie-
gende Marx-Engels-Werkausgabe auf der Grundlage der MEGA, die den
neuesten Stand der
#XXIII# Vorwort
-----
Marx-Engels-Forschung repräsentiert, zu überarbeiten und sie
zugleich durch weitere Ergänzungsbände zu komplettieren.
In der vorliegenden überarbeiteten Auflage des Bandes 7 finden im
Textteil und vor allem im Vorwort und im wissenschaftlichen Appa-
rat neue Forschungsergebnisse des Bandes 10 der Ersten Abteilung
der MEGA sowie des Bandes 10 der Collected Works von Marx und En-
gels, die in englischer Sprache in Moskau, London und New York
erscheinen, ihren Niederschlag.
Die durchgängige Überarbeitung des Bandes erfolgte nach dem Prin-
zip, Inhalt und Struktur des Bandes beizubehalten und eine Sei-
tenverschiebung im Textteil zu vermeiden, um die bisherigen Ver-
weise auf Texte dieses Bandes weiter benutzen zu können. Daraus
ergeben sich Unterschiede zur streng chronologischen Textanord-
nung des Bandes 1/10 der MEGA. Über die Textanordnung in der
MEGA, über dort enthaltene weitere Arbeiten von Marx und Engels,
die analog dem Verfahren bei der zweiten russischen Ausgabe der
Werke von Marx und Engels in einem Ergänzungsband aufgenommen
werden, und über bisherige deutschsprachige Veröffentlichungen
dieser neuen Arbeiten wird in einem Verzeichnis am Schluß des
Bandes Auskunft gegeben.
Bei Beibehaltung der bisherigen Textanordnung wurde die
Entstehungszeit einiger Arbeiten nach der MEGA präzisiert, was
aus den einzelnen Titelanmerkungen zu ersehen ist. Für Engels'
Arbeit "Über die Losung der Abschaffung des Staates und die deut-
schen 'Freunde der Anarchie'" ist ein anderes Entstehungsdatum
vermerkt. Bei dem "Brief an den Redakteur des 'Globe'" wird nicht
mehr Marx als alleiniger Verfasser, sondern die gemeinsame
Autorschaft von Marx und Engels angegeben.
Zusätzlich zum Band 7 der zweiten russischen Ausgabe sind fol-
gende Beilagen aufgenommen: Engels' "Einleitung zu Karl Marx 'Die
Klassenkämpfe in Frankreich 1848 bis 1850' (Ausgabe 1895)", En-
gels' "Vorbemerkung zu 'Der deutsche Bauernkrieg' (Ausgabe 1870
und 1875)" und das "Protokoll der Sitzung der Zentralbehörde des
Bundes der Kommunisten vom 15. September 1850", das in dieser
Auflage neu aufgenommen wurde. Es gehört chronologisch in den
Band 7, wurde aber seinerzeit, weil erst später aufgefunden, als
Nachtrag in Band 8 abgedruckt. In die Neuauflage wurde die
"Ansprache der Kölner Zentralbehörde an den Bund" nicht mehr
aufgenommen. Aus dieser "Ansprache" ist entsprechend der MEGA nur
der "Antrag des Kreises London an die Zentralbehörde des Bundes
der Kommunisten in Köln über den Ausschluß der Mitglieder des
Sonderbundes" abgedruckt, da nur für diesen Teil die Mitarbeit
von Marx und Engels als gesichert angesehen werden kann.
#XXIV# Vorwort
-----
Im Unterschied zur MEGA, die Arbeiten mit mehreren autorisierten
Fassungen nach der Erstveröffentlichung bringt, publiziert der
vorliegende Band diese Arbeiten nach der Ausgabe letzter Hand.
Inhaltlich wichtige Abweichungen zu früheren Ausgaben sind in
Fußnoten vermerkt. Alle anderen Arbeiten haben die gleiche Text-
grundlage wie die MEGA. Dadurch sind folgende Arbeiten entspre-
chend den Forschungsergebnissen der MEGA nach neuen Textgrundla-
gen veröffentlicht: die "Ankündigung der 'Neuen Rheinischen Zei-
tung. Politisch-ökonomische Revue'" und "Brief an den Redakteur
der 'Times'" sowie in den Beilagen "Aufruf zur Unterstützung
deutscher Flüchtlinge", "Rechnungsablage des Ausschusses zur Un-
terstützung deutscher Flüchtlinge in London" und "Rechnungsablage
des Sozial-demokratischen Flüchtlingskomitees in London". An ei-
nigen Stellen ergaben sich geringfügige Änderungen des Textes.
Bei der Textwiedergabe von Handschriften wurden die Entzifferun-
gen an zwei Stellen ohne Kennzeichnung präzisiert. Die Überset-
zungen der englisch- und französischsprachigen Texte wurden
durchgesehen. Veränderungen erfolgten nur, wenn die inhaltliche
Aussage präziser zu fassen war. Die im Text vorkommenden fremd-
sprachigen Zitate und fremdsprachigen Wörter sind in Fußnoten
übersetzt.
Von Marx und Engels angeführte Zitate wurden überprüft, soweit
die Quellen zur Verfügung standen. Längere Zitate sind zur leich-
teren Übersicht in kleinerem Druck gebracht.
Rechtschreibung und Zeichensetzung sind, soweit vertretbar,
modernisiert. Der Lautstand und die Silbenzahl in den deutsch-
sprachigen Texten wurden nicht verändert. Allgemein übliche Ab-
kürzungen wurden beibehalten, alle anderen abgekürzten Wörter
wurden ausgeschrieben, wobei die Ergänzung von Namen und Zei-
tungstiteln sowie von solchen abgekürzten Wörtern, die nicht völ-
lig eindeutig sind, durch eckige Klammern kenntlich gemacht wird.
Alle Wörter und Satzteile in eckigen Klammern stammen von der Re-
daktion. Offensichtliche Schreib- und Druckfehler wurden korri-
giert; in Zweifelsfällen wird in den Fußnoten die Schreibweise
des Originals angegeben.
Pseudonyme sowie Bei- und Spitznamen sind entweder durch Fußnoten
oder durch Verweise im Personenverzeichnis erklärt.
Die Fußnoten von Marx und Engels sind durch Sternchen gekenn-
zeichnet, Fußnoten der Redaktion sind durch eine durchgehende Li-
nie vom Text getrennt und durch Ziffern kenntlich gemacht.
Zur Erläuterung wurden dem Band Anmerkungen beigefügt, auf die im
Text durch hochgestellte Ziffern in eckigen Klammern hingewiesen
wird. Die
#XXV# Vorwort
-----
Anmerkungen sind auf der Grundlage neuer Forschungsergebnisse
wesentlich überarbeitet und erweitert worden, um durch die umfas-
sendere Erklärung von politischen und sachlichen Fakten noch bes-
ser zum Verständnis der von Marx und Engels behandelten Probleme
beizutragen. Neugestaltete Titelanmerkungen informieren über die
Entstehungs-, Verbreitungs- und Wirkungsgeschichte der einzelnen
Arbeiten.
Ferner enthält der Band ein Verzeichnis der zitierten und erwähn-
ten Schriften und Artikel von Marx und Engels, ein Literaturver-
zeichnis, ein Verzeichnis erwähnter Zeitschriften und Zeitungen
mit Annotationen, Daten aus dem Leben und der Tätigkeit von Karl
Marx und Friedrich Engels, ein Personenverzeichnis und ein Ver-
zeichnis literarischer und mythologischer Namen.
Um den Inhalt des Bandes besser erschließen zu können, wurde der
Neuauflage ein Sachregister beigefügt. Es erleichtert dem Leser,
den Reichtum der von Marx und Engels behandelten Probleme der
marxistischen Theorie und der internationalen Arbeiterbewegung
voll auszuschöpfen und nutzbar zu machen.
Institut für Geschichte der Arbeiterbewegung Berlin
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