Quelle: MEW 7 August 1849 - Juni 1859


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       Vorwort
       
       Der siebente  Band der  Werke von  Karl Marx und Friedrich Engels
       enthält die  Arbeiten, die  in der  Zeit von August 1849 bis Juni
       1851 geschrieben wurden. Er umfaßt damit die Zeit von der Nieder-
       lage der  europäischen Revolutionen und Marx' und Engels' Emigra-
       tion aus  Deutschland bis  zum faktischen  Ende der Tätigkeit des
       Bundes der  Kommunisten infolge der Verhaftung der Mitglieder der
       Kölner Zentralbehörde.
       In diesen  zwei Jahren  richteten Marx und Engels ihr Hauptaugen-
       merk auf  die theoretische Auswertung des reichen praktischen Er-
       fahrungsschatzes, den  die revolutionären  Kämpfe der  Jahre 1848
       und 1849  boten. Sie  nutzten ihn  für die  Weiterentwicklung des
       wissenschaftlichen Kommunismus  und der  Strategie und Taktik der
       revolutionären Partei.
       Diese umfassende  theoretische Arbeit war eng verbunden mit einer
       angestrengten praktischen  politischen Tätigkeit. Gerade das Jahr
       1850 ist ein Beispiel für die Einheit des theoretischen und prak-
       tischen Schaffens  von Marx  und Engels. Sie führten den Kampf um
       eine selbständige,  von bürgerlichen  Einflüssen völlig freie und
       auch von den kleinbürgerlichen Demokraten prinzipiell abgegrenzte
       und getrennte  proletarische Partei mit einer revolutionären Tak-
       tik und einer wissenschaftlich begründeten Theorie.
       Nachdem Karl Marx Ende August 1849 in London eingetroffen war, wo
       sich die  meisten Mitglieder der früheren Zentralbehörde des Bun-
       des der  Kommunisten eingefunden  hatten, begann er mit ihnen ge-
       meinsam den Bund und sein Leitungsorgan zu reorganisieren. In die
       Zentralbehörde wurde  auch Engels  aufgenommen, der  im  November
       1849 in  London eintraf. An der Spitze des Bundes der Kommunisten
       stehend, leisteten  Marx und  Engels eine große Arbeit zur Festi-
       gung der proletarischen Partei. Zugleich entfalteten sie eine in-
       tensive ideologische  und organisatorische  Tätigkeit im Londoner
       Arbeiterbildungsverein, dessen  führender Kern  die örtlichen Ge-
       meinden des  Bundes der  Kommunisten waren, und in dem von diesem
       Verein geschaffenen
       
       #VI# Vorwort
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       Sozial-demokratischen Flüchtlingskomitee  mit dem Ziel, die revo-
       lutionären Emigranten  um den  Bund der  Kommunisten  zusammenzu-
       schließen. Sie  traten in  engen Kontakt  mit den blanquistischen
       französischen Emigranten  sowie den linken Chartisten und gründe-
       ten mit  ihnen im  April 1850 die Weltgesellschaft der revolutio-
       nären Kommunisten.  Die engen  Verbindungen zu den chartistischen
       Organen "The  Democratic Review" und "The Red Republican" dienten
       dem Bestreben, den Chartismus auf revolutionärer Grundlage zu re-
       organisieren. Marx und Engels arbeiteten an den linken chartisti-
       schen Organen  mit und  nutzten sie, um sowohl die Ideen des wis-
       senschaftlichen Kommunismus  zu propagieren  als auch  die engli-
       schen Arbeiter  über den  Charakter der Ereignisse in England und
       anderen Ländern aufzuklären.
       Das wichtigste Mittel, die proletarische Partei zu festigen, eine
       wissenschaftliche Bilanz der Revolution zu ziehen sowie die revo-
       lutionäre Theorie  weiterzuentwickeln und  zu propagieren,  sahen
       Marx und Engels in einem eigenen Presseorgan, das die Traditionen
       der "Neuen  Rheinischen Zeitung" fortsetzen sollte. Sie gaben die
       "Neue Rheinische  Zeitung. Politisch-ökonomische  Revue"  heraus,
       die erste Zeitschrift, die ganz auf dem Boden des wissenschaftli-
       chen Kommunismus stand.
       In der Ankündigung der Zeitschrift, die den vorliegenden Band er-
       öffnet, stellen  Marx und  Engels dem  neuen Organ  die  Aufgabe,
       "eine Zeit  des scheinbaren  Stillstandes, wie  die jetzige",  zu
       nutzen, "um  über die durchlebte Periode der Revolution aufzuklä-
       ren, über  den Charakter der ringenden Parteien, über die gesell-
       schaftlichen Verhältnisse, welche das Dasein und den Kampf dieser
       Parteien bedingen" (siehe vorl. Band, S. 5).
       Die von  Marx und Engels in der "Neuen Rheinischen Zeitung. Poli-
       tisch-ökonomische Revue"  veröffentlichten Arbeiten  bilden  eine
       der wichtigsten  Etappen in  der  Entwicklung  der  marxistischen
       Theorie und der Strategie und Taktik der revolutionären Arbeiter-
       bewegung. Sie  stellen insbesondere  eine wesentliche  Weiterent-
       wicklung und  Konkretisierung des historischen Materialismus dar,
       der hier  erstmals sowohl auf die Zeitgeschichte wie auch auf die
       geschlossene Darstellung eines lange zurückliegenden Ereignisses,
       des deutschen Bauernkriegs von 1525, angewandt wurde.
       Das theoretische  Hauptwerk dieser  Zeit ist  Marx'  Arbeit  "Die
       Klassenkämpfe in  Frankreich 1848 bis 1850". Darin gibt Marx eine
       unübertroffene Analyse  der Ursachen, des Charakters und des kon-
       kreten  Verlaufs  der  bürgerlich-demokratischen  Revolution  von
       1848/49 in  Frankreich. Engels charakterisiert in seiner 1895 ge-
       schriebenen Einleitung  diese Arbeit  als "Marx'  ersten Versuch,
       ein Stück  Zeitgeschichte  vermittelst  seiner  materialistischen
       Auffassungsweise aus der gegebenen ökonomischen Lage zu erklären.
       Im 'Kommunistischen
       
       #VII# Vorwort
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       Manifest' war die Theorie in großen Umrissen auf die ganze neuere
       Geschichte angewandt,  in Marx'  und meinen  Artikeln der  'Neuen
       Rheinischen Zeitung'  war sie fortwährend benutzt worden zur Deu-
       tung gleichzeitiger politischer Ereignisse. Hier dagegen handelte
       es sich  darum, im  Verlauf einer  mehrjährigen, für  ganz Europa
       sowohl kritischen wie typischen Entwicklung den inneren Kausalzu-
       sammenhang nachzuweisen,  also, im Sinn des Verfassers, die poli-
       tischen Begebenheiten zurückzuführen auf Wirkungen von in letzter
       Instanz ökonomischen  Ursachen." (Siehe  vorl. Band, S. 511.) Die
       wichtigsten Leitsätze  des historischen  Materialismus - über die
       Wechselbeziehungen zwischen Basis und Überbau und die bestimmende
       Rolle der  ökonomischen Basis  im gesellschaftlichen  Leben, über
       die Rolle  des Klassenkampfes,  des Kampfes  der Parteien und der
       Ideen in  der Entwicklung  der Gesellschaft,  über die  Rolle des
       Staates und  seiner verschiedenen Formen sowie über die Bedeutung
       der Revolution  in der Geschichte und die entscheidende Rolle der
       Volksmassen - hat Marx in dieser Arbeit konkretisiert und weiter-
       entwickelt.
       Auf der  Grundlage der praktischen Erfahrungen des revolutionären
       Kampfes  der  Volksmassen  überprüft  und  ergänzt  Marx  in  den
       "Klassenkämpfen in  Frankreich" die marxistische Revolutionstheo-
       rie. Er  zeigt, daß  die Revolutionen  die "Lokomotiven  der  Ge-
       schichte" sind (siehe vorl. Band, S. 85), die den Verlauf der ge-
       sellschaftlichen Entwicklung  beschleunigen und mächtige schöpfe-
       rische Kräfte der Volksmassen freilegen.
       Marx arbeitet  den Unterschied  zwischen den Revolutionen des 19.
       Jahrhunderts und  denen des 16., 17. und 18. Jahrhunderts heraus.
       Besonders auf  Grund der Erfahrungen der Juniinsurrektion 1848 in
       Paris, die den entwickelten Klassenantagonismus zwischen Proleta-
       riat und  Bourgeoisie offenbart  hatte, aber  auch der Ereignisse
       des 13.  Juni 1849  in Paris  weist er nach, daß die industrielle
       Bourgeoisie, die  "Teil der  offiziellen Opposition"  war  (siehe
       vorl. Band,  S. 12), aus Furcht vor der Arbeiterklasse nicht mehr
       in der  Lage war,  die Führung der revolutionären Kräfte zu über-
       nehmen und  die historischen  Aufgaben der  bürgerlich-demokrati-
       schen Revolution  zu Ende  zu führen. Sie war daran interessiert,
       ihre Herrschaft  zu erhalten  und die  Revolution so  schnell wie
       möglich zu  beenden. Das Kleinbürgertum hingegen hatte durch sein
       Verhalten in den revolutionären Kämpfen 1848/49 seine Unfähigkeit
       bewiesen, die  Volksmassen zu führen und die Aufgaben der bürger-
       lich-demokratischen Revolution  zu lösen.  Daraus  schlußfolgerte
       Marx, daß sich die Arbeiterklasse als "Großwürdenträger der revo-
       lutionären Interessen"  (siehe vorl.  Band, S. 60), als "Kopf der
       revolutionären Ligue" (siehe vorl. Band, S. 91) an die Spitze des
       Kampfes um die Weiterführung der bürgerlich-demokratischen
       
       #VIII# Vorwort
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       Revolution stellen  muß, um  die sich die Bauern, Kleinbürger und
       Mittelstände gruppieren. Diese Lehre von der selbständigen, akti-
       ven Rolle  der Arbeiterklasse  stellt eine wesentliche Weiterent-
       wicklung der  Marxschen Revolutionstheorie dar. Sie lieferte spä-
       ter Ansatzpunkte  für Lenin, der diese Lehre im Zeitalter des Im-
       perialismus zur  Theorie von  der Hegemonie der Arbeiterklasse in
       der bürgerlich-demokratischen Revolution weiterentwickelte.
       In den  "Klassenkämpfen in  Frankreich" weist  Marx nach, wie das
       Proletariat in  Paris im  Verlauf der  revolutionären Kämpfe alle
       Illusionen abstreifte  und an die Stelle utopischer Vorstellungen
       und kleinbürgerlicher, ja selbst noch bürgerlicher Forderungen an
       den bürgerlichen  Staat  "die  kühne  revolutionäre  Kampfparole:
       Sturz der Bourgeoisie! Diktatur der Arbeiterklasse!" (siehe vorl.
       Band, S.  33) setzte.  Die  Diktatur  des  Proletariats  als  das
       Instrument, die  Revolution zu  sichern, sie  zu festigen  und zu
       Ende zu  führen sowie  die Gesellschaft  umzugestalten,  ist  der
       Hauptinhalt des "revolutionären Sozialismus". "Dieser Sozialismus
       ist die  Permanenzerklärung der  Revolution, die  Klassendiktatur
       des Proletariats  als notwendiger Durchgangspunkt zur Abschaffung
       der Klassenunterschiede  überhaupt,  zur  Abschaffung  sämtlicher
       Produktionsverhältnisse,  worauf  sie  beruhen,  zur  Abschaffung
       sämtlicher gesellschaftlichen  Beziehungen, die  diesen Produkti-
       onsverhältnissen entsprechen, zur Umwälzung sämtlicher Ideen, die
       aus diesen  gesellschaftlichen Beziehungen  hervorgehen."  (Siehe
       vorl. Band,  S. 90.) Marx definiert hier erstmalig die politische
       Machtergreifung durch  das Proletariat  als Diktatur  des  Prole-
       tariats gegen die Diktatur der Bourgeoisie. Er vertieft durch die
       theoretische Verallgemeinerung  der  Erfahrungen  des  objektiven
       Verlaufs der revolutionären Klassenkämpfe und durch die Anwendung
       der Theorie des Klassenkampfes auf die Fragen des Staates und der
       proletarischen Revolution  die Erkenntnis des Wesens der proleta-
       rischen Revolution. Zugleich gibt Marx eine genaue Bestimmung des
       ökonomischen Inhalts der proletarischen Revolution.
       Wie Engels  1895 in  seiner Einleitung  zu den "Klassenkämpfen in
       Frankreich" hervorhebt,  wurde in dieser Arbeit zum erstenmal der
       Inhalt der  ökonomischen Neugestaltung  der Gesellschaft prägnant
       zusammengefaßt: "Aneignung  der Produktionsmittel, ihre Unterwer-
       fung unter die assoziierte Arbeiterklasse, also die Aufhebung der
       Lohnarbeit  wie  des  Kapitals  und  ihres  Wechselverhältnisses"
       (siehe vorl.  Band, S. 513). Diese Formel unterscheidet in grund-
       legender  Weise  den  wissenschaftlichen  Kommunismus  von  allen
       Spielarten des  utopischen Sozialismus  und Kommunismus mit ihren
       Forderungen nach der "konfusen Gütergemeinschaft".
       Marx entwickelt  in seiner  Schrift  grundlegende  Leitsätze  der
       Bündnispolitik
       
       #IX# Vorwort
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       der Arbeiterklasse.  Aus den  Erfahrungen  der  Klassenkämpfe  in
       Frankreich zog  Marx die theoretische und politische Schlußfolge-
       rung, daß  der Kampf  des Proletariats  nur siegreich  sein kann,
       wenn es  mit der Masse der Bauern und der Kleinbürger ein Bündnis
       eingeht.
       Ausgehend von der Analyse der gesellschaftlichen Lage der franzö-
       sischen Bauern  zeigt Marx, daß sich die Ausbeutung der französi-
       schen Bauernschaft  nur in  der Form von der Ausbeutung des indu-
       striellen Proletariats unterscheidet und daß beide denselben Aus-
       beuter haben  - das Kapital. Ihren wahren Bundesgenossen und Ver-
       treter ihrer  Interessen findet  die Bauernschaft im Proletariat,
       denn nur  "der Fall  des Kapitals kann den Bauern steigen machen,
       nur eine  antikapitalistische, eine  proletarische Regierung kann
       sein ökonomisches Elend, seine gesellschaftliche Degradation bre-
       chen" (siehe vorl. Band, S. 84/85).
       Jedoch nicht  nur die werktätigen Bauern, sondern alle nichtbour-
       geoisen Schichten  der Gesellschaft werden auf Grund ihrer objek-
       tiven ökonomischen  und gesellschaftlichen Lage zur Koalition mit
       der Arbeiterklasse  getrieben. Marx  schlußfolgert aus den Erfah-
       rungen nach  dem Juni  1848: "Nach  und nach  sahen  wir  Bauern,
       Kleinbürger, die  Mittelstände überhaupt,  neben das  Proletariat
       treten, gegen  die offizielle  Republik in  offenen Gegensatz ge-
       trieben, als Gegner von ihr behandelt. Auflehnung gegen die Bour-
       geoisdiktatur,  Bedürfnis  einer  Veränderung  der  Gesellschaft,
       Festhaltung der  demokratisch-republikanischen Institutionen  als
       ihrer Bewegungsorgane,  Gruppierung um  das Proletariat  als  die
       entscheidende revolutionäre  Macht - das sind die gemeinschaftli-
       chen Charakterzüge  der sogenannten Partei der Sozial-Demokratie,
       der Partei der roten Republik" (Siehe vorl. Band, S. 88.)
       Marx bezeichnet  exakt den  Charakter des  Etappenzieles, das die
       Arbeiterklasse jeweils  mit diesen  Bündnispartnern beim  Weiter-
       treiben der  bürgerlich-demokratischen Revolution erreichen kann.
       Er macht  ausdrücklich darauf  aufmerksam, daß dieses Bündnis nur
       bei absoluter Selbständigkeit der revolutionären Arbeiterbewegung
       möglich ist.
       In den  revolutionären Klubs in Frankreich erkennt Marx eine Form
       für die selbständige Organisation der Arbeiterklasse und bezeich-
       net sie "als eine Koalition der gesamten Arbeiterklasse gegen die
       gesamte Bourgeoisklasse,  die Bildung  eines Arbeiterstaats gegen
       den Bourgeoisstaat" (siehe vorl. Band, S. 54). In der Arbeit sind
       auch Hinweise  auf illegale  Organisationsformen  in  Zeiten  der
       rückläufigen Entwicklung  der Revolution,  wo die  legalen  Klubs
       verboten sind, enthalten.
       Die von Marx und Engels verfaßte "Ansprache der Zentralbehörde an
       den Bund vom März 1850" ist eines der bedeutendsten Dokumente des
       wissenschaftlichen
       
       #X# Vorwort
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       Kommunismus. In ihr sind die Erfahrungen der bürgerlichen Revolu-
       tion 1848/49 in Deutschland verallgemeinert. Marx und Engels ver-
       faßten sie  als theoretische Grundlage für die Reorganisation des
       Bundes der  Kommunisten nach  der Niederlage der bürgerlich-demo-
       kratischen Revolution  1848/49. In ihr weisen sie darauf hin, daß
       sich die  im "Manifest der Kommunistischen Partei" ausgearbeitete
       Theorie  im   Verlaufe  der  Revolution  vollauf  bestätigt  hat.
       Zugleich werden  die neuen Fragen behandelt, die sich aus dem re-
       volutionären Kampf  des Proletariats,  insbesondere aus  den  Er-
       fahrungen dieser Kämpfe ergeben hatten. Die in ihr niedergelegten
       Lehren zum  Programm und zur Taktik kamen in den späteren Stadien
       des revolutionären  Befreiungskampfes des  Proletariats voll  zur
       Geltung. Lenin  spricht von ihr als einer "außerordentlich inter-
       essanten und lehrreichen 'Ansprache'" (W.I. Lenin, Werke, Band 8,
       S. 465). Er stützte sich auf sie, als er die revolutionäre Taktik
       der  proletarischen   Partei  in   der  bürgerlich-demokratischen
       Revolution weiterentwickelte  und die  Notwendigkeit  begründete,
       die bürgerlich-demokratische Revolution in die sozialistische Re-
       volution hinüberzuleiten.
       Der bestimmende  Grundgedanke der Märzansprache ist die Lehre von
       der Revolution in Permanenz, die in den Grundzügen schon in Arti-
       keln der  "Neuen Rheinischen  Zeitung" enthalten ist und von Marx
       in den "Klassenkämpfen in Frankreich" wesentlich weiterentwickelt
       wurde. Marx und Engels schreiben in diesem Dokument: "Während die
       demokratischen Kleinbürger  die Revolution  möglichst rasch [...]
       zum Abschlüsse  bringen wollen", indem sie ihr Ausmaß auf die Er-
       kämpfung kleiner bürgerlicher Reformen beschränken, "ist es unser
       Interesse und unsere Aufgabe, die Revolution permanent zu machen,
       so lange,  bis alle mehr oder weniger besitzenden Klassen von der
       Herrschaft verdrängt  sind, die Staatsgewalt vom Proletariat ero-
       bert und  die Assoziation  der Proletarier  nicht  nur  in  einem
       Lande, sondern  in allen  herrschenden Ländern der ganzen Welt so
       weit vorgeschritten  ist, daß  die Konkurrenz  der Proletarier in
       diesen Ländern  aufgehört hat und daß wenigstens die entscheiden-
       den produktiven Kräfte in den Händen der Proletarier konzentriert
       sind. Es  kann sich für uns nicht um Veränderung des Privateigen-
       tums handeln,  sondern nur  um seine Vernichtung, nicht um Vertu-
       schung der  Klassengegensätze, sondern  um Aufhebung der Klassen,
       nicht um  Verbesserung der  bestehenden Gesellschaft,  sondern um
       Gründung einer neuen." (Siehe vorl. Band, S. 248.) Auf der Grund-
       lage der  Lehre von  der Revolution  in Permanenz entwickeln Marx
       und Engels  in diesem  Dokument die  parteiorganisatorische Seite
       ihrer Revolutionskonzeption.
       Als Marx  und Engels  die Märzansprache ausarbeiteten, erwarteten
       sie für
       
       #XI# Vorwort
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       die nächste Zeit einen neuen Aufschwung der Revolution, der ihrer
       Meinung nach  die kleinbürgerlichen Demokraten an die Macht brin-
       gen müßte.  Sie schlössen  aus den politischen Lehren und Verhal-
       tensweisen der  kleinbürgerlichen Demokraten  in den  Jahren 1848
       und 1849,  daß sie unfähig sind, die bürgerlich-demokratische Re-
       volution zu  Ende zu  führen und  daß es unbedingt notwendig ist,
       das Proletariat von ihrem Einfluß zu befreien. In der Märzanspra-
       che weisen  Marx und  Engels ausdrücklich  darauf  hin,  daß  die
       Arbeiterpartei in  der bevorstehenden  Revolution so  selbständig
       und organisiert  wie nur möglich auftreten muß. Damit setzten sie
       eine im  Frühjahr 1849 begonnene Linie organisatorischer Trennung
       des Proletariats  von der  kleinbürgerlichen Demokratie fort. Die
       Hauptaufgabe der  Kommunisten in Deutschland besteht darin, beto-
       nen sie,  "neben den offiziellen Demokraten eine selbständige ge-
       heime  und   öffentliche  Organisation  der  Arbeiterpartei  her-
       zustellen  und   jede  Gemeinde  zum  Mittelpunkt  und  Kern  von
       Arbeitervereinen zu  machen, in denen die Stellung und Interessen
       des Proletariats  unabhängig von  bürgerlichen Einflüssen  disku-
       tiert werden" (siehe vorl. Band, S. 249).
       Marx und  Engels, denen  jegliches Sektierertum fremd war, machen
       auf die  Bedeutung gemeinsamer  Aktionen  der  Arbeiter  und  der
       kleinbürgerlichen Demokraten  im revolutionären Kampf aufmerksam.
       Sie legen  dar, welche  Etappen das Verhältnis der Arbeiterpartei
       zur kleinbürgerlichen Demokratie im Voranschreiten der Revolution
       im einzelnen  zu durchlaufen  hat. Die Arbeiterpartei muß mit den
       kleinbürgerlichen Demokraten  zeitweilige Bündnisse  eingehen, um
       gemeinsam die Konterrevolution zu bekämpfen, gleichzeitig muß sie
       aber ihre  selbständige Organisation  erhalten und  eine von  der
       kleinbürgerlichen Demokratie  unabhängige  revolutionäre  Politik
       betreiben. "Während des Kampfes und nach dem Kampf müssen die Ar-
       beiter neben den Forderungen der bürgerlichen Demokraten ihre ei-
       genen Forderungen bei jeder Gelegenheit aufstellen." (Siehe vorl.
       Band, S.  250.) Schon  während des gemeinsamen Kampfes müssen die
       Arbeiter die kleinbürgerlichen Demokraten zur Erfüllung ihrer vor
       der Revolution  gemachten Versprechungen  zwingen  und  überhaupt
       versuchen, "ihnen  solche Bedingungen zu diktieren, daß die Herr-
       schaft der  bürgerlichen Demokraten  von vornherein  den Keim des
       Unterganges in  sich trägt und ihre spätere Verdrängung durch die
       Herrschaft des  Proletariats bedeutend  erleichtert wird"  (siehe
       vorl. Band, S. 249).
       Um den  Sieg der  Revolution in Permanenz zu sichern, "müssen die
       Arbeiter bewaffnet  und organisiert  sein" (siehe  vorl. Band, S.
       250) und  sich eine selbständige proletarische Garde schaffen. Es
       sind "neben  den neuen  offiziellen Regierungen  zugleich  eigene
       revolutionäre Arbeiterregierungen' zu errichten,
       
       #XII# Vorwort
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       "sei es in der Form von Gemeindevorständen, Gemeinderäten, sei es
       durch Arbeiterklubs  oder Arbeiterkomitees" (siehe ebenda). Damit
       schaffen sie  sich die Voraussetzungen, die Tätigkeit der bürger-
       lich-demokratischen Regierung ständig kontrollieren zu können. In
       Auswertung der  Revolutionserfahrungen der Arbeiter in Frankreich
       empfehlen Marx  und Engels  der Arbeiterklasse,  sich in Klubs zu
       organisieren und  diese Klubs wenigstens in den einzelnen Provin-
       zen miteinander  zu verbinden.  Bei nationalen Wahlen sind eigene
       Kandidaten,  möglichst  Bundesmitglieder,  aufzustellen,  um  die
       "Parteistandpunkte vor  die  Öffentlichkeit  zu  bringen"  (siehe
       vorl. Band, S. 251).
       Marx  und  Engels  warnten  die  Arbeiterklasse  entschieden  vor
       übertriebenen Hoffnungen auf schnelle Erfolge. Sie machten darauf
       aufmerksam, daß  das Überleiten der bürgerlich-demokratischen Re-
       volution in  die sozialistische Revolution ein langfristiger Pro-
       zeß ist,  der zudem  die entwickeltsten  Länder Europas  umfassen
       muß.
       Als Marx  und Engels ihre Theorie von der Revolution in Permanenz
       in den  "Klassenkämpfen in  Frankreich", in der Märzansprache und
       in anderen  Arbeiten weiterentwickelten, betrachteten sie die ge-
       sellschaftliche Entwicklung  bereits als  reif für den Beginn der
       sozialistischen Revolution. Zwar waren die bürgerlichen Machtver-
       hältnisse durch  die revolutionären  Kämpfe  erschüttert  worden,
       aber die  Produktivkräfte waren den kapitalistischen Produktions-
       verhältnissen noch lange nicht entwachsen. Das erkannten Marx und
       Engels später  und Engels  stellte 1895  in seiner  Einleitung zu
       Marx' Arbeit  "Die Klassenkämpfe  in Frankreich"  fest: "Die  Ge-
       schichte hat uns und allen, die ähnlich dachten, unrecht gegeben.
       Sie hat  klargemacht, daß  der Stand der ökonomischen Entwicklung
       auf dem  Kontinent damals  noch bei weitem nicht reif war für die
       Beseitigung der  kapitalistischen Produktion"  (siehe vorl. Band,
       S. 516).  Die kapitalistische  Produktion war  damals  noch  sehr
       ausdehnungsfähig und  entwickelte sich  im großen  und ganzen  in
       aufsteigender Linie. "Aber solche Fehler der Giganten des revolu-
       tionären Denkens", schrieb Lenin, "die das Proletariat der ganzen
       Welt über die kleinlichen, alltäglichen Groschenaufgaben zu erhe-
       ben suchten und erhoben, sind tausendmal edler, erhabener, histo-
       risch wertvoller  und wahrhafter als die banale Weisheit des zop-
       figen Liberalismus,  der deklamiert,  lamentiert,  trompetet  und
       orakelt über  die Eitelkeit  der revolutionären Eitelkeiten, über
       die Vergeblichkeit  des revolutionären  Kampfes, über  den Zauber
       konterrevolutionärer 'konstitutioneller' Hirngespinste" (W.I. Le-
       nin, Werke, Band 12, S. 376).
       Unter den  neuen  historischen  Bedingungen  in  der  Epoche  des
       Imperialismus und der proletarischen Revolutionen entwickelte Le-
       nin die Lehre von
       
       #XIII# Vorwort
       -----
       der Revolution  in Permanenz  zur Theorie  des Hinüberleitens der
       bürgerlich-demokratischen Revolution  in die sozialistische Revo-
       lution und  der Möglichkeit  des Sieges  des Sozialismus in einem
       Lande weiter und erarbeitete auf der Grundlage der Kampferfahrun-
       gen der  Arbeiterklasse Rußlands und anderer Länder seine Theorie
       der sozialistischen Revolution, die in der Großen Sozialistischen
       Oktoberrevolution erstmals erfolgreich in der Praxis verwirklicht
       wurde.
       Die im  vorliegenden Band veröffentlichte "Ansprache der Zentral-
       behörde an den Bund vom Juni 1850" steht in einem engen Zusammen-
       hang mit  der Märzansprache.  Die Juniansprache  gibt eine umfas-
       sende Einschätzung  der Lage  des Bundes  der Kommunisten  in den
       verschiedenen Ländern  und bestimmt sein Verhältnis zu den klein-
       bürgerlichen Demokraten.  In der Juniansprache empfehlen Marx und
       Engels die Schaffung "einer starken geheimen Organisation der re-
       volutionären Partei"  (siehe  vorl.  Band,  S.  306),  die  unter
       illegalen Bedingungen  wirkt und zugleich jede legale Möglichkeit
       der Propaganda und der organisatorischen Arbeit nutzt.
       Einzuordnen in  Marx' und  Engels' Revolutionskonzeption ist auch
       Friedrich Engels'  Arbeit "Die  deutsche  Reichsverfassungskampa-
       gne". Sie  gibt eine  gründliche Analyse  der letzten  Etappe der
       bürgerlich-demokratischen Revolution  in Deutschland  und vermit-
       telt wichtige Erfahrungen für die Strategie und Taktik der Arbei-
       terklasse im revolutionären Kampf.
       Die "Reichsverfassungskampagne" ist die lebendige Schilderung ei-
       nes aktiven  Teilnehmers der  revolutionären Kämpfe  und zugleich
       eine zeitgeschichtliche Untersuchung. Engels analysiert die Ursa-
       chen der  Bewegung sowie  die Haltung  der Klassen  und Parteien,
       verbunden mit einer anschaulichen Beschreibung einzelner Episoden
       und treffender  Charakteristika ihrer  verschiedenen Akteure.  Er
       kritisiert die kleinbürgerlichen Demokraten, weil sie die revolu-
       tionären Aktionen  durch Halbheiten  und hochtönende  Phrasen er-
       setzten, weil  sie, ständig unentschlossen, im entscheidenden Mo-
       ment des  Kampfes schwankten  und so  die revolutionäre  Bewegung
       verrieten. Engels  weist nach, daß die kleinbürgerlichen Demokra-
       ten unfähig  geworden waren, die bürgerlich-demokratische Revolu-
       tion weiterzuführen.
       In den  Schlußfolgerungen, die  Engels aus den Kämpfen der Volks-
       massen in  Deutschland gezogen hat, weist er anhand der Erfahrun-
       gen der Revolution 1848/49 nach, daß die politische, ideologische
       und organisatorische  Abgrenzung und  Trennung der Arbeiterklasse
       vom demokratischen Kleinbürgertum und die Selbständigkeit der Ar-
       beiterklasse zur politischen Grundfrage geworden war.
       Von besonderer Bedeutung ist die Würdigung der Rolle der Kommuni-
       sten
       
       #XIV# Vorwort
       -----
       in den  bewaffneten Auseinandersetzungen. Engels ehrt die militä-
       rischen Taten  vieler Bundesmitglieder  mit den Worten: "Die ent-
       schiedensten Kommunisten  waren  die  couragiertesten  Soldaten."
       (Siehe vorl. Band, S. 185.)
       Die "Reichsverfassungskampagne"  ist Engels' erste größere Arbeit
       zu militärtheoretischen  Problemen. Sie enthält wichtige Hinweise
       über die  Formen des  bewaffneten Kampfes und über die Taktik der
       revolutionären Partei im bewaffneten Aufstand und im Bürgerkrieg.
       Die in  dieser Schrift  niedergelegten  militärisch-organisatori-
       schen Erkenntnisse  und die  in der Märzansprache vorgeschlagenen
       Maßnahmen zur  Bewaffnung des  Proletariats und  zum Aufbau einer
       eigenen militärischen  Organisation bilden  die ersten Grundlagen
       einer proletarischen Militärpolitik.
       Auch "Der  deutsche Bauernkrieg"  von Engels gehört zu den Arbei-
       ten, in der die Erfahrungen der bürgerlich-demokratischen Revolu-
       tion von 1848/49 in Deutschland ausgewertet werden. Nach der Nie-
       derlage der Revolution mußte ein Vergleich zwischen dem deutschen
       Bauernkrieg von  1525 und den jüngsten revolutionären Kämpfen von
       großem theoretischem Interesse und von erheblicher Massenwirksam-
       keit sein.  "Die Parallele  zwischen der deutschen Revolution von
       1525 und der von 1848/49 lag zu nahe, um damals ganz von der Hand
       gewiesen zu  werden", schrieb Engels 1870 in der Vorbemerkung zum
       "Deutschen Bauernkrieg" (siehe vorl. Band, S. 532).
       Wie Marx' "Klassenkämpfe in Frankreich" ist der "Deutsche Bauern-
       krieg ein Beispiel für die Anwendung des historischen Materialis-
       mus auf  die Analyse eines ganzen Zeitabschnittes der Geschichte.
       Zum erstenmal  ist eine  lange zurückliegende konkrete Etappe der
       deutschen Geschichte Gegenstand einer marxistischen Untersuchung.
       Mit dem  "Deutschen Bauernkrieg" liefert Engels den ersten Beweis
       für die  Überlegenheit  der  marxistischen  Methode  in  der  Ge-
       schichtsschreibung.  Anhand   der   dialektisch-materialistischen
       Untersuchung des Tatsachenmaterials, das dem Buch "Allgemeine Ge-
       schichte des  großen Bauernkrieges"  des Historikers Wilhelm Zim-
       mermann entnommen  wurde, gelangt  Engels zu qualitativ neuen Er-
       kenntnissen hinsichtlich der Bedeutung der revolutionären Theorie
       und der Rolle der Volksmassen in revolutionären Kämpfen. Er zeigt
       den Klassencharakter und die ökonomischen Grundlagen dieser poli-
       tischen und  religiösen Kämpfe des 16. Jahrhunderts, in denen die
       deutschen bürgerlich-idealistischen Historiker "noch immer weiter
       nichts als  heftige theologische  Zänkereien" sahen  (siehe vorl.
       Band, S. 342). Der "Deutsche Bauernkrieg" bildet zusammen mit En-
       gels' späteren  Ansätzen zu einer Umarbeitung und Erweiterung des
       Werkes den  Ausgangspunkt für die Erkenntnis, daß es sich bei der
       Reformation und  dem Bauernkrieg  um eine frühbürgerliche Revolu-
       tion in Deutschland handelte.
       
       #XV# Vorwort
       -----
       Engels' Zurückgreifen  auf eine  länger zurückliegende Etappe des
       revolutionären Kampfes  in Deutschland war auch von dem Bestreben
       bestimmt, die  Erinnerung an  die "kräftigen  und zähen Gestalten
       des großen  Bauernkriegs", an solche Volksführer wie Thomas Münt-
       zer, Joß Fritz, Michael Geismaier und andere gerade in einer Zeit
       zu beleben,  die von  einer "augenblicklichen  Erschlaffung [...]
       nach zwei  Jahren des  Kampfes" gekennzeichnet  war. (Siehe vorl.
       Band, S.  329.) Mit  der meisterhaften Schilderung der Heerführer
       der revolutionären Bauernschaft und Plebejer des 16. Jahrhunderts
       verfolgt Engels das Ziel, revolutionäre Traditionen zu wecken und
       neue Einsichten in den Charakter der zurückliegenden und die Auf-
       gaben bevorstehender Kämpfe zu gewinnen.
       Durch den  Vergleich zwischen  den revolutionären Ereignissen von
       1848/49 und  dem deutschen  Bauernkrieg von  1525 beweist  er die
       Allgemeingültigkeit der bereits in den anderen Arbeiten dargeleg-
       ten Erkenntnisse über die Ursachen der Niederlage der bürgerlich-
       demokratischen Revolution  von 1848/49. Die Hauptursache der Nie-
       derlage dieser beiden bedeutenden Bewegungen des deutschen Volkes
       sah Engels in der verräterischen Haltung des deutschen Bürgertums
       im 16.  Jahrhundert und  der deutschen  Bourgeoisie im  19. Jahr-
       hundert. Wie  Lenin feststellt, hat Engels die weiteren gemeinsa-
       men Erfahrungen über die Ursachen der Niederlage aus beiden Bewe-
       gungen "besonders  unterstrichen, nämlich: Zersplitterung der Ak-
       tionen, fehlende  Zentralisation bei  den  unterdrückten  Massen,
       hervorgerufen  durch   ihre  kleinbürgerliche  Lebenslage"  (W.I.
       Lenin, Werke, Band 25, S. 201).
       Engels weist  vor allem  auf die revolutionären Potenzen der Bau-
       ernschaft hin,  die ihren  Kampf nicht allein zum siegreichen Ab-
       schluß bringen  kann. So  wie 1525 ihr Bündnis mit dem Städtebür-
       gertum war  nach 1848  ihr Bündnis  mit dem  Proletariat objektiv
       notwendig. Die ganze Arbeit unterstreicht, wie wichtig eine Bünd-
       nispolitik des  Proletariats mit  der Bauernschaft für den Erfolg
       der Revolution  ist. Außerdem  betont Engels, daß es sich bei der
       Zuendeführung der  bürgerlich-demokratischen Revolution,  bei der
       Schaffung einer  unteilbaren deutschen Republik und bei der Bünd-
       nispolitik um langfristige historische Prozesse handelt.
       Die Rezensionen  aus der  "Neuen Rheinischen  Zeitung. Politisch-
       ökonomische Revue"  gehören ebenfalls  unmittelbar zur Auswertung
       der Revolutionserfahrungen.  Marx und Engels wählten für ihre Re-
       zensionen die  Schriften solcher  bürgerlichen und kleinbürgerli-
       chen Ideologen  aus, deren  wissenschaftliche Leistungen  vor der
       bürgerlich-demokratischen Revolution von 1848/49 wertvoll gewesen
       waren. Diese hatten von bürgerlichen Positionen aus die Lehre vom
       Klassenkampf vertreten, gegen die feudal-religiöse Ideologie
       
       #XVI# Vorwort
       -----
       gekämpft, gewisse  antikapitalistische Argumente  entwickelt oder
       sogar Sympathie für den Chartismus geäußert.
       Marx und  Engels zeigen,  daß die  Bourgeoisie, insbesondere nach
       den Ereignissen  der Juniinsurrektion  1848 in Frankreich, wie in
       der Politik  so auch  in der  Ideologie die Revolution so schnell
       wie möglich  zu beenden  suchte. Sie wollte vergessen machen, daß
       sie die Volksmassen ideologisch auf den Kampf gegen den Feudalis-
       mus vorbereitet hatte. Marx und Engels weisen nach, daß die Bour-
       geoisie ihre Politik der Kompromisse mit den reaktionären Kräften
       oder der Konterrevolution direkt durch ihre Ideologen rechtferti-
       gen ließ.  Sie schlußfolgern,  daß diese  ideologischen Vertreter
       der Bourgeoisie  und des  Kleinbürgertums ihre Fähigkeiten einge-
       büßt hatten,  historische Vorgänge real einzuschätzen. Der Verrat
       der Bourgeoisie  in der  Revolution hatte auch den Bankrott ihrer
       Theorie und  Ideologie nach sich gezogen. Marx und Engels stellen
       fest: "In  der Tat, nicht bloß les rois s'en vont [die Könige ge-
       hen], sondern auch les capacités de la bourgeoisie s'en vont [die
       Kapazitäten der  Bourgeoisie gehen]." (Siehe vorl. Band, S. 212.)
       Marx und  Engels lehren das Proletariat, daß die Bourgeoisie auch
       in der  Ideologie ihre  Unfähigkeit bewiesen hatte, in einer kom-
       menden Revolution die Führung der Volksmassen zu übernehmen.
       In der  Rezension von  Georg Daumers Buch "Die Religion des neuen
       Weltalters" enthüllen  Marx und  Engels die  konterrevolutionären
       Ansichten dieses  von der  Revolution erschreckten  Kleinbürgers.
       Daumer, der  in seinen  früheren Schriften kritische Auffassungen
       zur Religion  geäußert hatte, gehörte zu den typischen Vertretern
       jener Kräfte,  die nach  der bürgerlich-demokratischen Revolution
       von 1848/49 einen entschiedenen Widerwillen gegen jedes selbstän-
       dige Handeln der Volksmassen äußerten und versuchten, Theorie und
       Praxis als unvereinbare Gegensätze hinzustellen. Daumers Buch war
       charakteristisch für den Verfall der klassischen deutschen Philo-
       sophie und  der mit ihr verbundenen Religionskritik zu Beginn der
       zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.
       In der  Rezension geben  Marx und  Engels  eine  materialistische
       Einschätzung der  Religion als  einer Form des gesellschaftlichen
       Bewußtseins und bestimmen ihre Rolle im Geschichtsprozeß. Sie be-
       gründen, "daß mit jeder großen historischen Umwälzung der gesell-
       schaftlichen Zustände auch zugleich die Anschauungen und Vorstel-
       lungen der Menschen und damit ihre religiösen Vorstellungen umge-
       wälzt werden"  und daß man mit der Aneignung des Wissens der wah-
       ren Gesetze der gesellschaftlichen Entwicklung "alle Religion ab-
       streift". (Siehe vorl. Band, S. 201.)
       In der  Rezension über  Guizots Broschüre "Pourquoi la révolution
       d'Angleterre
       
       #XVII# Vorwort
       -----
       a-t-elle réussi?" wird gezeigt, wie selbst dieser bürgerliche Hi-
       storiker, der  zu den  Entdeckern des Klassenkampfes als Triebrad
       der geschichtlichen  Entwicklung gehört,  die Fähigkeit  verloren
       hatte, den  Geschichtsprozeß wissenschaftlich  objektiv zu erfas-
       sen. Guizot,  der seine  Tätigkeit als ein führender bürgerlicher
       Politiker Frankreichs  vor der  bürgerlich-demokratischen Revolu-
       tion rechtfertigen  wollte, verzichtete  auf eine  Klassenanalyse
       der historischen  Ereignisse und vermied jeden Hinweis auf grund-
       legende ökonomische  Vorgänge. Marx  und Engels  weisen in dieser
       Rezension darauf  hin, daß  ein Verzicht auf Wissenschaftlichkeit
       das Abgleiten  in Subjektivismus bedingt und daß das Negieren des
       Klassenkampfes als  Triebkraft  der  historischen  Bewegung  dazu
       führt, mit  illusionären  Phrasen  und  trivialen  Sentenzen  Ge-
       schichte schreiben zu wollen.
       In der  Rezension geben Marx und Engels eine klassische Charakte-
       ristik der  englischen Revolution  des 17.  Jahrhunderts und  der
       weiteren Entwicklung der kapitalistischen Gesellschaftsordnung in
       England. Zugleich zeigen sie die gesamteuropäische Bedeutung die-
       ser Revolution und ihren Unterschied zur Französischen Revolution
       Ende des 18. Jahrhunderts.
       Das Abgleiten  auf konterrevolutionäre Positionen zeigte sich bei
       einem weiteren  Ideologen der  herrschenden Klassen,  Thomas Car-
       lyle, einem  Vertreter des  feudalen Sozialismus.  Carlyle  hatte
       durch seinen  Kampf gegen  die englische Bourgeoisie, durch seine
       Verteidigung der  französischen Revolution von 1789 und des Char-
       tismus eine  gewisse positive  Rolle gespielt. In ihrer Rezension
       der "Latter-Day-Pamphlets" entlarven Marx und Engels, daß Carlyle
       jetzt als  leidenschaftlicher Feind  der Revolution und der Demo-
       kratie auftrat.  Sie  kritisieren  seine  subjektiv-idealistische
       Konzeption des  Geschichtsverlaufs, insbesondere seine Elitetheo-
       rie, die  eine besondere Form des Personenkults ist. Die Anbetung
       des "Genies", der "Edlen" oder der "Helden" sollte einzig und al-
       lein die  konterrevolutionären "Infamien  der  Bourgeois  phanta-
       stisch rechtfertigen"  (siehe vorl.  Band, S. 264) und die Unter-
       drückung und  Versklavung der Volksmassen, denen Carlyle jede hi-
       storische Rolle  abspricht, verteidigen. Marx und Engels verfech-
       ten in  ihrer Rezension die materialistische Geschichtsauffassung
       und heben  die große  schöpferische Rolle  der Volksmassen in der
       historischen Entwicklung hervor.
       In  einer  weiteren  Rezension  behandeln  Marx  und  Engels  die
       Erinnerungen  der  beiden  französischen  Polizeiagenten  Adolphe
       Chenu und  Lucien De  la Hodde.  Marx und  Engels decken hier den
       subjektiv-idealistischen Charakter  der sektiererischen Verschwö-
       rertaktik auf  und kritisieren  die negative  Rolle, die diese in
       der Arbeiterbewegung spielt. Sie weisen daraufhin, daß die
       
       #XVIII# Vorwort
       -----
       Verschwörer  eine   vorwissenschaftliche  Entwicklungsstufe   der
       Arbeiterbewegung vertreten  und daß  die Verschwörertaktik histo-
       risch bedingt  und völlig  überlebt ist. Die Verschwörer sind be-
       strebt, die  revolutionäre Entwicklung künstlich zu beschleunigen
       und "eine Revolution aus dem Stegreif, ohne die Bedingungen einer
       Revolution zu  machen. Die  einzige Bedingung  der Revolution ist
       für sie  die hinreichende  Organisation ihrer  Verschwörung.  Sie
       sind die  Alchimisten der Revolution" (siehe vorl. Band, S. 273).
       Die Verschwörer  stehen der objektiven Aufgabe des revolutionären
       Proletariats, sich  als Klasse  zu organisieren und ihr theoreti-
       sches Bewußtsein  zu entwickeln, hindernd im Wege. Ihr ganzes Tun
       hat objektiv  zur Folge,  daß Polizeiagenten  Tür und Tor für das
       Eindringen in  die geheime  Arbeiterbewegung geöffnet  werden und
       daß die  ganze Organisation  im Grunde zum Werkzeug der Regierung
       gemacht wird.
       Diese Rezension  von Marx  und Engels  richtet  sich  gegen  jene
       abenteuerlich-sektiererischen Kräfte  innerhalb  des  Bundes  der
       Kommunisten, die sich in der Londoner Emigration besonders um Au-
       gust Willich  zu sammeln  begannen und die ein halbes Jahr später
       die Spaltung der Zentralbehörde verursachten.
       In einigen Rezensionen kritisieren Marx und Engels die Führer und
       Ideologen der  deutschen kleinbürgerlichen  Demokraten wie Ludwig
       Simon und  Gottfried Kinkel.  Marx und Engels zeigen an konkreten
       Beispielen die  ganze Schlaffheit  der kleinbürgerlichen Demokra-
       ten. Sie  weisen die revolutionäre Arbeiterpartei auf die Notwen-
       digkeit hin,  sich von den kleinbürgerlichen Demokraten und ihren
       Ideologen abzugrenzen.
       In dem  Artikel "Gottfried  Kinkel" charakterisieren Marx und En-
       gels das  kleinmütige, feige  Verhalten Kinkels vor einem preußi-
       schen Gericht  und zeigen an diesem Beispiel die Prinzipienlosig-
       keit mancher  demokratischer Politiker.  Sie weisen  auch  darauf
       hin, welche Bedeutung die Kritik für die Festigung der revolutio-
       nären Partei hat. Marx und Engels verteidigen in dieser Rezension
       den Gedanken, "daß die Rheinprovinz, im entscheidenden Kampf zwi-
       schen Revolution und Kontrerevolution, sich unbedingt auf die re-
       volutionäre Seite schlagen werde, sei sie vertreten durch Franzo-
       sen oder  Chinesen" (siehe  vorl. Band, S. 300). Dieser entschei-
       dende Grundsatz  der marxistischen revolutionären Taktik, der das
       Wechselverhältnis zwischen  den Nationen  unter dem Gesichtspunkt
       der Interessen  der Revolution betrachtet, zog die besondere Auf-
       merksamkeit Lenins auf sich.
       Die Rezension  des Buches "Le socialisme et l'impôt" von +mile de
       Girardin setzt  die Kritik  am bürgerlichen Sozialismus fort, die
       von Marx  und Engels  im "Manifest  der  Kommunistischen  Partei"
       geübt worden war.
       
       
       #XIX# Vorwort
       -----
       Sie analysiert das kapitalistische Steuersystem und enthält wich-
       tige Gedanken über dessen Wesen sowie über den Kreislauf von Kon-
       zentration und  Zersplitterung  des  Grundeigentums  in  der  Ge-
       schichte des  Kapitalismus. Diese  Rezension zeigt auch, daß sich
       Marx erneut  mit Problemen der politischen Ökonomie beschäftigte.
       Die Kritik  an Girardin enthält außerdem den Ansatz der Auseinan-
       dersetzung  mit  dem  bürgerlichen  Anarchismus  dieser  Zeit  in
       Frankreich und  Deutschland, die  Engels  in  seinem  unvollendet
       gebliebenen Manuskript "Über die Losung der Abschaffung des Staa-
       tes und  die deutschen 'Freunde der Anarchie'" fortsetzt, das zur
       Veröffentlichung in  der "Neuen  Rheinischen Zeitung.  Politisch-
       ökonomische Revue"  vorgesehen war.  Engels weist darauf hin, daß
       die anarchistischen  Ideen die  reale Funktion hatten, die Volks-
       massen in  besonders raffinierter  Weise zu verwirren. Die Kritik
       der anarchistischen  Ideen von  der "Abschaffung des Staates" und
       die Analyse  des Ursprungs  dieser Ideen  in Deutschland sind von
       großem theoretischem Interesse.
       Engels' Artikel "Die Zehnstundenfrage", der in George Julian Har-
       neys Zeitschrift  "The Democratic  Review of  British and Foreign
       politics, history,  and literature" veröffentlicht wurde, und die
       in Ernest  Jones Organ  "Notes to  the People" erschienene Arbeit
       von Marx  "Die Konstitution  der Französischen Republik" beweisen
       Marx' und  Engels' enge Zusammenarbeit mit den linken Chartisten.
       Zu dieser  Mitarbeit zogen sie auch ihre nächsten Anhänger heran,
       an deren Arbeiten sie sich unmittelbar beteiligten.
       In seinem  Artikel "Die  Zehnstundenfrage" hebt  Engels die große
       Bedeutung hervor, die die Agitation für die gesetzliche Beschrän-
       kung des  Arbeitstages für den Zusammenschluß des englischen Pro-
       letariats hatte.  "Der Arbeiter, der eine solche Agitation mitge-
       macht hat, ist nicht mehr derselbe, der er vorher war; die Arbei-
       terklasse als  Ganzes ist, nachdem sie sie durchgemacht hat, hun-
       dertmal stärker,  aufgeklärter und  besser organisiert als zu Be-
       ginn." (Siehe  vorl. Band,  S. 230.) Zugleich weist Engels darauf
       hin, daß  der ökonomische Kampf keine grundsätzliche Verbesserung
       ihrer sozialen  Lage gewährleisten  könne.  Die  gesetzliche  Be-
       schränkung des  Arbeitstages darf nicht als Endziel der Arbeiter-
       bewegung betrachtet  werden. Die Arbeiterklasse muß erkennen, daß
       ihr durch  ein Bündnis  mit den  reaktionären Gegnern  der  Bour-
       geoisie "keinerlei dauernder Vorteil verschafft werden kann, son-
       dern daß  sie ihn sich selbst verschaffen muß, indem sie zualler-
       erst die politische Macht erobert" (siehe vorl. Band, S. 230). In
       dem Artikel  hob Engels  den reaktionären Charakter des Zustande-
       kommens einer  gesetzlichen Regelung  stark hervor  und  forderte
       volle Konzentration  der Arbeiter auf den politischen Kampf. Eine
       allseitig ausgewogene  Einschätzung des Gesetzes und seine Bedeu-
       tung
       
       #XX# Vorwort
       -----
       für die  Arbeiterklasse gab  Marx später in der "Inauguraladresse
       der Internationalen  Arbeiterassoziation" (siehe  Band 16 unserer
       Ausgabe, S. 5-13) und im ersten Band des "Kapitals".
       Mit dem Artikel "Die Konstitution der Französischen Republik" er-
       gänzt Marx  in vielem seine in den "Klassenkämpfen in Frankreich"
       gegebene kritische Einschätzung dieser Verfassung und übt scharfe
       Kritik an  der bürgerlichen Demokratie. Am Beispiel der französi-
       schen Verfassung  zeigt Marx, daß die in der bürgerlichen Verfas-
       sung verankerten  demokratischen Rechte  von solchen  Vorbehalten
       und Einschränkungen  begleitet sind,  die sie  auf ein Nichts zu-
       rückführen. Er hebt auch ein anderes Charakteristikum des bürger-
       lichen Konstitutionalismus  hervor, den Bruch zwischen den in der
       Verfassung festgelegten "Freiheiten" und der herrschenden Praxis.
       Von großer  theoretischer Bedeutung  sind die von Marx und Engels
       verfaßten Revuen der "Neuen Rheinischen Zeitung. Politisch-ökono-
       mische Revue".  Sie enthalten  eine wissenschaftliche Analyse der
       wichtigsten Tagesereignisse  aus dem ökonomischen und politischen
       Leben verschiedener  Länder und  treffen Voraussagen, die sich im
       Laufe der  weiteren historischen  Entwicklung bestätigt haben. In
       der "Revue. Januar/Februar 1850" sagen sie einen neuen Krieg Ruß-
       lands gegen  die Türkei  voraus und  daß dieser Krieg sich unver-
       meidlich in einen europäischen Krieg verwandeln wird.
       In dieser  "Revue" weisen  Marx und Engels auch zum erstenmal auf
       die Bedeutung der Entdeckung der kalifornischen Goldminen für die
       ökonomische Entwicklung  der Vereinigten Staaten von Amerika, für
       den ganzen Welthandel und für den Sieg der industriellen Großpro-
       duktion auf  dem europäischen Kontinent hin. Auch die Voraussage,
       daß mit der wachsenden ökonomischen Macht der Vereinigten Staaten
       die alten  europäischen kapitalistischen  Länder wie  England und
       Frankreich immer  mehr in  deren Abhängigkeit geraten werden, hat
       sich bestätigt.  Marx  und  Engels  schlußfolgern:  "Die  einzige
       Chance, daß  die europäischen  zivilisierten Länder dann nicht in
       dieselbe industrielle,  kommerzielle und  politische Abhängigkeit
       fallen, in der Italien, Spanien und Portugal sich jetzt befinden,
       liegt in  einer gesellschaftlichen Revolution" (siehe vorl. Band,
       S. 221).
       Auch in  den Revuen  werten Marx und Engels die Revolutionserfah-
       rungen von  1848/49 aus. Sie erhärten den im "Manifest der Kommu-
       nistischen Partei" aufgestellten Grundsatz, "daß die Krisen einer
       der mächtigsten  Hebel der  politischen Umwälzung  sind" und "daß
       die rückkehrende  Prosperität dann  auch die  Revolutionen knickt
       und den Sieg der Reaktion begründet", schrieb Engels an Bernstein
       am 31.  Januar 1882  (siehe Band  35 unserer Ausgabe, S. 268). In
       den ersten beiden Revuen gingen Marx und Engels noch
       
       #XXI# Vorwort
       -----
       davon aus, daß in Europa bald eine neue ökonomische Krise ausbre-
       chen würde,  die zu  einem neuen revolutionären Aufschwung führt.
       In der "Revue. Mai bis Oktober" erklären sie aber direkt, daß die
       kapitalistischen Staaten  in eine Periode industrieller Prosperi-
       tät eingetreten  seien und daß von einem neuen Aufschwung der re-
       volutionären Bewegung  vorläufig keine Rede sein kann. "Eine neue
       Revolution ist nur möglich im Gefolge einer neuen Krisis." (Siehe
       vorl. Band,  S. 441.)  Diese von  Marx und Engels seit dem Sommer
       1850 vertretene  Auffassung wurde von den kleinbürgerlich-sektie-
       rerischen Kräften  im Bund  der Kommunisten  abgelehnt. Sie waren
       der Ansicht,  daß in kürzester Zeit in Deutschland die Revolution
       wieder einen neuen Aufschwung erhalten würde, und vertraten sogar
       die Meinung,  daß in  dieser Revolution die Arbeiter an die Macht
       kämen. Unter  der Führung  von August  Willich und  Carl Schapper
       bildete sich  eine Fraktion,  deren Anhänger  die objektiven  Be-
       dingungen der  gesellschaftlichen Entwicklung  ignorierten und in
       subjektivistischer Weise  glaubten, der bloße Wille und intensive
       militärische Vorbereitung  reiche zum  revolutionären  Sieg.  Das
       Protokoll der  Sitzung der Zentralbehörde vom 15. September 1850,
       das in  den Beilagen  veröffentlicht ist, widerspiegelt den Höhe-
       punkt der Auseinandersetzung von Marx, Engels und ihren Anhängern
       mit  den   Mitgliedern  der   kleinbürgerlichen   Fraktion   Wil-
       lich/Schapper. In  der Debatte  hatte Marx nachgewiesen, daß erst
       in einer  längeren Entwicklung die objektiven und subjektiven Be-
       dingungen für die Machtergreifung durch das Proletariat heranrei-
       fen müssen.  Er sagte  den Arbeitern:  "Ihr habt 15, 20, 50 Jahre
       Bürgerkrieg durchzumachen, um die Verhältnisse zu ändern, um euch
       selbst  zur   Herrschaft  zu   befähigen".  Die   Fraktion   Wil-
       lich/Schapper hingegen  wollte "gleich  zur  Herrschaft  kommen".
       (Siehe vorl.  Band, S.  561.) Das  Protokoll zeigt auch, daß Marx
       und Engels trotz der Schärfe der Auseinandersetzung die organisa-
       torische Einheit  des Bundes  wahren wollten. Durch die Weigerung
       der Fraktion, die am 15. September 1850 von der Mehrheit der Zen-
       tralbehörde gefaßten Beschlüsse anzuerkennen, und ihre Organisie-
       rung als Sonderbund spaltete sie den Bund der Kommunisten.
       Der Bruch  mit der  Fraktion Willich/Schapper führte zum Austritt
       von Marx,  Engels  und  ihren  Kampfgefährten  aus  dem  Londoner
       Arbeiterbildungsverein, dessen  Mehrheit sich  auf die  Seite der
       Fraktion gestellt  hatte, sowie  zur Trennung von den blanquisti-
       schen französischen  Emigranten in London, die sich mit der Frak-
       tion solidarisch  erklärten. Sie traten auch aus dem Sozial-demo-
       kratischen Flüchtlingskomitee  in London aus. Der Kampf gegen die
       Fraktion Willich/Schapper  spiegelt sich  wider in  Marx' und En-
       gels' "Erklärung  über den Austritt aus dem Londoner Arbeiterbil-
       dungsverein", in
       
       #XXII# Vorwort
       -----
       dem "Brief  an Adam,  Barthélémy und  Vidil", in dem Beschluß der
       Zentralbehörde des  Bundes der Kommunisten vom 15. September 1850
       über die Verlegung der Zentralbehörde nach Köln, der im Protokoll
       der Sitzung  enthalten ist, und in verschiedenen anderen Dokumen-
       ten.
       In die  Auswertung der  Revolutionserfahrungen ist  auch  Engels'
       Manuskript "Bedingungen und Aussichten eines Krieges der Heiligen
       Allianz gegen ein revolutionäres Frankreich im Jahre 1852" einzu-
       ordnen, das er nach seiner Übersiedlung nach Manchester verfaßte.
       Engels hatte es nicht zur Veröffentlichung, sondern zum Gedanken-
       austausch mit  Marx geschrieben.  In diesem Manuskript wendet En-
       gels zum  erstenmal ausführlicher  den historischen Materialismus
       auf die Kriegsgeschichte und auf Grundfragen der Kriegführung an.
       Er analysiert  die Entwicklung  des Militärwesens der wichtigsten
       Staaten Europas  seit dem Ende des 18. Jahrhunderts und charakte-
       risiert ihr  militärisch-ökonomisches Potential  in der Mitte des
       19. Jahrhunderts.
       Engels deckt  den Zusammenhang  der Kriegführung mit der Entwick-
       lung der  Produktivkräfte und der gesellschaftlichen Verhältnisse
       auf. Er macht darauf aufmerksam, daß eine Militärwissenschaft des
       Proletariats notwendig ist, und schlußfolgert, daß die siegreiche
       Arbeiterklasse eine  überlegene Militärorganisation  und  Kriegs-
       kunst entwickeln wird. Die Armeen der siegreichen sozialistischen
       Revolution werden  eine unerhörte Stärke besitzen, weil dem stän-
       digen Wachstum  ihrer Masse,  ihrer Manövrierfähigkeit  und ihrer
       Schlagkraft ein  gigantisches Wachstum  der  Produktivkräfte  der
       neuen Gesellschaft, ein Aufblühen der Technik und Kultur zugrunde
       liegen werden.
       Diese gewaltige theoretische und praktische Arbeit leisteten Marx
       und Engels  unter den Bedingungen einer hektischen Emigrationsat-
       mosphäre und  der Gefahr,  auch aus England ausgewiesen zu werden
       (siehe die Presseerklärungen von Mitte Juni 1850). Hinzu kam, daß
       Marx unter  großer materieller Not litt. Ungeachtet der ungünsti-
       gen Bedingungen  für ein  wissenschaftliches Studium und Arbeiten
       zogen sie  die notwendigen  Lehren aus den revolutionären Kämpfen
       1848/49, um die internationale Arbeiterklasse für kommende Kämpfe
       noch besser zu rüsten.
       
                                    *
       
       Mit dem  Erscheinen der Marx-Engels-Gesamtausgabe (MEGA), die ge-
       meinsam vom  Institut für  Marxismus-Leninismus beim ZK der KPdSU
       und vom Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED heraus-
       gegeben wird,  ist es notwendig und möglich geworden, die vorlie-
       gende Marx-Engels-Werkausgabe auf der Grundlage der MEGA, die den
       neuesten Stand der
       
       #XXIII# Vorwort
       -----
       Marx-Engels-Forschung  repräsentiert,  zu  überarbeiten  und  sie
       zugleich durch weitere Ergänzungsbände zu komplettieren.
       In der vorliegenden überarbeiteten Auflage des Bandes 7 finden im
       Textteil und vor allem im Vorwort und im wissenschaftlichen Appa-
       rat neue  Forschungsergebnisse des Bandes 10 der Ersten Abteilung
       der MEGA sowie des Bandes 10 der Collected Works von Marx und En-
       gels, die  in englischer  Sprache in  Moskau, London und New York
       erscheinen, ihren Niederschlag.
       Die durchgängige Überarbeitung des Bandes erfolgte nach dem Prin-
       zip, Inhalt  und Struktur  des Bandes beizubehalten und eine Sei-
       tenverschiebung im  Textteil zu vermeiden, um die bisherigen Ver-
       weise auf  Texte dieses  Bandes weiter benutzen zu können. Daraus
       ergeben sich  Unterschiede zur  streng chronologischen Textanord-
       nung des  Bandes 1/10  der MEGA.  Über die  Textanordnung in  der
       MEGA, über  dort enthaltene weitere Arbeiten von Marx und Engels,
       die analog  dem Verfahren  bei der zweiten russischen Ausgabe der
       Werke von  Marx und  Engels in  einem Ergänzungsband  aufgenommen
       werden, und  über bisherige  deutschsprachige  Veröffentlichungen
       dieser neuen  Arbeiten wird  in einem  Verzeichnis am  Schluß des
       Bandes Auskunft gegeben.
       Bei  Beibehaltung   der  bisherigen   Textanordnung   wurde   die
       Entstehungszeit einiger  Arbeiten nach  der MEGA  präzisiert, was
       aus den  einzelnen Titelanmerkungen  zu ersehen  ist. Für Engels'
       Arbeit "Über die Losung der Abschaffung des Staates und die deut-
       schen 'Freunde  der Anarchie'"  ist ein  anderes Entstehungsdatum
       vermerkt. Bei dem "Brief an den Redakteur des 'Globe'" wird nicht
       mehr  Marx  als  alleiniger  Verfasser,  sondern  die  gemeinsame
       Autorschaft von Marx und Engels angegeben.
       Zusätzlich zum  Band 7  der zweiten  russischen Ausgabe sind fol-
       gende Beilagen aufgenommen: Engels' "Einleitung zu Karl Marx 'Die
       Klassenkämpfe in  Frankreich 1848  bis 1850' (Ausgabe 1895)", En-
       gels' "Vorbemerkung  zu 'Der  deutsche Bauernkrieg' (Ausgabe 1870
       und 1875)"  und das "Protokoll der Sitzung der Zentralbehörde des
       Bundes der  Kommunisten vom  15. September  1850", das  in dieser
       Auflage neu  aufgenommen wurde.  Es gehört  chronologisch in  den
       Band 7,  wurde aber seinerzeit, weil erst später aufgefunden, als
       Nachtrag in  Band 8  abgedruckt.  In  die  Neuauflage  wurde  die
       "Ansprache der  Kölner Zentralbehörde  an den  Bund"  nicht  mehr
       aufgenommen. Aus dieser "Ansprache" ist entsprechend der MEGA nur
       der "Antrag  des Kreises  London an die Zentralbehörde des Bundes
       der Kommunisten  in Köln  über den  Ausschluß der  Mitglieder des
       Sonderbundes" abgedruckt,  da nur  für diesen  Teil die Mitarbeit
       von Marx und Engels als gesichert angesehen werden kann.
       
       #XXIV# Vorwort
       -----
       Im Unterschied  zur MEGA, die Arbeiten mit mehreren autorisierten
       Fassungen nach  der Erstveröffentlichung  bringt, publiziert  der
       vorliegende Band  diese Arbeiten  nach der  Ausgabe letzter Hand.
       Inhaltlich wichtige  Abweichungen zu  früheren Ausgaben  sind  in
       Fußnoten vermerkt.  Alle anderen Arbeiten haben die gleiche Text-
       grundlage wie  die MEGA.  Dadurch sind folgende Arbeiten entspre-
       chend den  Forschungsergebnissen der MEGA nach neuen Textgrundla-
       gen veröffentlicht:  die "Ankündigung der 'Neuen Rheinischen Zei-
       tung. Politisch-ökonomische  Revue'" und  "Brief an den Redakteur
       der 'Times'"  sowie in  den Beilagen  "Aufruf  zur  Unterstützung
       deutscher Flüchtlinge",  "Rechnungsablage des Ausschusses zur Un-
       terstützung deutscher Flüchtlinge in London" und "Rechnungsablage
       des Sozial-demokratischen  Flüchtlingskomitees in London". An ei-
       nigen Stellen ergaben sich geringfügige Änderungen des Textes.
       Bei der  Textwiedergabe von Handschriften wurden die Entzifferun-
       gen an  zwei Stellen  ohne Kennzeichnung präzisiert. Die Überset-
       zungen  der  englisch-  und  französischsprachigen  Texte  wurden
       durchgesehen. Veränderungen  erfolgten nur,  wenn die inhaltliche
       Aussage präziser  zu fassen  war. Die im Text vorkommenden fremd-
       sprachigen Zitate  und fremdsprachigen  Wörter sind  in  Fußnoten
       übersetzt.
       Von Marx  und Engels  angeführte Zitate  wurden überprüft, soweit
       die Quellen zur Verfügung standen. Längere Zitate sind zur leich-
       teren Übersicht in kleinerem Druck gebracht.
       Rechtschreibung  und   Zeichensetzung  sind,  soweit  vertretbar,
       modernisiert. Der  Lautstand und  die Silbenzahl  in den deutsch-
       sprachigen Texten  wurden nicht  verändert. Allgemein übliche Ab-
       kürzungen wurden  beibehalten, alle  anderen  abgekürzten  Wörter
       wurden ausgeschrieben,  wobei die  Ergänzung von  Namen und  Zei-
       tungstiteln sowie von solchen abgekürzten Wörtern, die nicht völ-
       lig eindeutig sind, durch eckige Klammern kenntlich gemacht wird.
       Alle Wörter und Satzteile in eckigen Klammern stammen von der Re-
       daktion. Offensichtliche  Schreib- und  Druckfehler wurden korri-
       giert; in  Zweifelsfällen wird  in den  Fußnoten die Schreibweise
       des Originals angegeben.
       Pseudonyme sowie Bei- und Spitznamen sind entweder durch Fußnoten
       oder durch Verweise im Personenverzeichnis erklärt.
       Die Fußnoten  von Marx  und Engels  sind durch  Sternchen gekenn-
       zeichnet, Fußnoten der Redaktion sind durch eine durchgehende Li-
       nie vom Text getrennt und durch Ziffern kenntlich gemacht.
       Zur Erläuterung wurden dem Band Anmerkungen beigefügt, auf die im
       Text durch  hochgestellte Ziffern in eckigen Klammern hingewiesen
       wird. Die
       
       #XXV# Vorwort
       -----
       Anmerkungen sind  auf der  Grundlage  neuer  Forschungsergebnisse
       wesentlich überarbeitet und erweitert worden, um durch die umfas-
       sendere Erklärung von politischen und sachlichen Fakten noch bes-
       ser zum  Verständnis der von Marx und Engels behandelten Probleme
       beizutragen. Neugestaltete  Titelanmerkungen informieren über die
       Entstehungs-, Verbreitungs-  und Wirkungsgeschichte der einzelnen
       Arbeiten.
       Ferner enthält der Band ein Verzeichnis der zitierten und erwähn-
       ten Schriften  und Artikel von Marx und Engels, ein Literaturver-
       zeichnis, ein  Verzeichnis erwähnter  Zeitschriften und Zeitungen
       mit Annotationen,  Daten aus dem Leben und der Tätigkeit von Karl
       Marx und  Friedrich Engels,  ein Personenverzeichnis und ein Ver-
       zeichnis literarischer und mythologischer Namen.
       Um den  Inhalt des Bandes besser erschließen zu können, wurde der
       Neuauflage ein  Sachregister beigefügt. Es erleichtert dem Leser,
       den Reichtum  der von  Marx und  Engels behandelten  Probleme der
       marxistischen Theorie  und der  internationalen  Arbeiterbewegung
       voll auszuschöpfen und nutzbar zu machen.
       
       Institut für Geschichte der Arbeiterbewegung Berlin
       

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