Quelle: MEW 8 August 1851 - März 1853


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       #471#
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       Karl Marx
       
       Parlamentsbericht - Die Abstimmung vom 26. November -
       Disraelis Budget
       
       ["New-York Daily Tribune" Nr. 3650 vom 28. Dezember 1852]
       London, Freitag, 10. Dez. 1852
       Meine Prognose,  daß die wiederaufgenommenen Parteikämpfe im Par-
       lament zu  bedeutenden Ergebnissen  führen würden,  hat sich  er-
       füllt. 1*) Bei der Eröffnung der Sitzungsperiode verfügte die Op-
       position gegenüber  den Ministern  über eine  negative Majorität;
       seither haben  aber die  einzelnen kollidierenden Fraktionen, aus
       denen diese  Majorität zusammengesetzt  war, sich gegenseitig ge-
       lähmt. Als  am 26.  November das  Unterhaus statt der "radikalen"
       Freihandelsresolution von  Villiers  das  zweideutige  Amendement
       Palmerstons annahm, bot es das Bild allgemeiner Auflösung sämtli-
       cher alter  parlamentarischer Parteien, die aus den Fugen geraten
       waren und sich allesamt gegenseitig hintergingen.
       Villiers' Resolution,  die das  Gesetz von  1846 [246] als "weise
       und gerecht"  bezeichnete, war  abgefaßt worden,  ohne daß Cobden
       und Bright, die Freihändler par excellence 2*), darum gewußt hat-
       ten. Die Whigs hatten beschlossen, die Interessen der Freihändler
       zu unterstützen,  wollten ihnen  jedoch nach  dem erhofften Siege
       weder die  Initiative noch einen Anteil an der Regierung zugeste-
       hen. Russell, der die vom Ministerium als so anstößig empfundenen
       Worte "weise und gerecht" ursprünglich geprägt hatte, stimmte dem
       Amendement Grahams  zu; die Peeliten, denen sich die Ministeriel-
       len anschlössen,  brachten einen  Antrag ein,  der den Freihandel
       für die Zukunft als zweckdienlich anerkannte, ihn für die Vergan-
       genheit jedoch verwarf und den Tories freie Hand gibt, Entschädi-
       gungen für die Verluste zu gewähren, die durch das Gesetz von Sir
       Robert Peel 3*) verursacht worden waren. Diese
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       1*) Siebe  vorl.  Band,  S.  383-391  -  2*) reinsten  Wassers  -
       3*) Aufhebung der Korngesetze
       
       #472# Karl Marx
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       selben Peeliten  verwarfen das Amendement Disraelis und schickten
       sich an, die ursprüngliche Freihandelsresolution zu unterstützen,
       indem sie auf ihren eigenen Antrag zurückkamen. Schon im Begriffe
       zu siegen,  wurden die Whigs durch Palmerstons Auftreten geschla-
       gen, der das Amendement Grahams aufnahm und so mit Hilfe der Pee-
       liten den  Ministeriellen zum  Sieg verhalf.  Dieser Sieg selbst,
       errungen von  einem Schutzzollministerium,  bestand im  Grunde in
       der Anerkennung des Freihandels und wurde ausschließlich bekämpft
       von den  53 entschiedensten  Anhängern der ministeriellen Partei.
       Ein Kunterbunt  von falschen  Positionen, Partei-Intrigen, Parla-
       mentsmanövern, gegenseitigen Verrätereien usw., das ist das Resü-
       mee der Debatte vom 26. November, in der die Politik des Freihan-
       dels offiziell  anerkannt wurde,  in der aber Protektionisten sie
       erläuterten, Protektionisten  sie vertraten  und  Protektionisten
       mit ihrer Durchführung beauftragt wurden.
       Ich habe  in einem  früheren, noch vor Beginn der Sitzungsperiode
       geschriebenen Briefe  schon angedeutet 1*), daß Disraeli, nachdem
       er selbst  in seinen  Wahlreden die  Wiedereinführung der Kornge-
       setze fallengelassen,  die Grundherren durch eine Steuerreform zu
       entschädigen gedachte,  die es  den Pächtern  ermöglichen sollte,
       ihre alten  Pachtzinsen aus der Zeit des Schutzzolls weiterzuzah-
       len. Indem  er einen  Teil der jetzigen Steuerlast von den Schul-
       tern der  Pächter nimmt  und  der  Masse  des  Volkes  aufbürdet,
       schmeichelt sich  Disreali, ein  weit brauchbareres Allheilmittel
       für die  notleidenden Grundherren  gefunden zu haben als das alte
       unsichere Schutzzollsystem, das es direkt auf den  M a g e n  der
       Masse abgesehen hatte. Nunmehr auf ihre  T a s c h e n  zu speku-
       lieren, das ist der geniale Plan Disraelis, den er in seinem Bud-
       get offenbart  und am  3. d.M.  dem Unterhause  vorgelegt hat und
       über dessen Schicksal die Debatte heute nacht wahrscheinlich ent-
       scheiden wird.
       Es gehört  zu den Gepflogenheiten deutscher Regierungen und deut-
       scher Philanthropen,  von "Maßregeln  zur Hebung  der arbeitenden
       Klassen" 2*)  zu sprechen.  Nun, Mr.  Disraelis Budget könnte man
       mit Fug  und Recht eine Reihe von "Maßregeln zur Hebung der müßi-
       gen Klassen" nennen. Aber ebenso wie sich derartige Maßregeln bei
       den deutschen Regierungen und Philanthropen regelmäßig als reiner
       Schwindel herausstellten,  so ist  auch der Plan, den der Schatz-
       kanzler Englands  zugunsten der  müßigen Klassen  jetzt im  Sinne
       führt, der reinste Humbug, der die Pächter nur dazu bringen soll,
       ihre jetzigen  hohen Pachten  um so bereitwilliger zu zahlen, als
       man ihnen den Köder einer scheinbaren Minderung ihrer Lasten vor-
       gaukelt
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       1*) Siehe vorl.  Band, S.  374 -  2*) in der "N.-Y.D.T." englisch
       und deutsch
       
       #473# Parl.ber. - Die Abstimmung vom 26. Nov. - Disraelis Budget
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       eine Täuschung,  die er  ihnen nur glaubhaft machen kann, wenn er
       an der städtischen Bevölkerung einen wirklichen und offensichtli-
       chen Betrug verübt.
       Lange schon hatte Disraeli sein Budget höchst geheimnisvoll ange-
       kündigt und  der Welt  nichts weniger  als ein achtes Wunder ver-
       sprochen. Sein  Budget sollte  "dem Interessenstreit ein Ende ma-
       chen, den  mörderischen Kampf der Klassen beenden", "alle zufrie-
       denstellen, dabei  keinen benachteiligen",  die  "verschiedensten
       Interessen  zu  einer  aufblühenden  Gemeinschaft  verschmelzen",
       "erstmalig eine  Harmonie zwischen  unseren Systemen  des Handels
       und der  Finanzen schaffen,  indem es neue Grundsätze aufstellt",
       d i e   a u s   d e m   N e b e l   d e r   Z u k u n f t  a u f-
       t a u c h e n.
       Betrachten wir  nun die  Offenbarungen, die  jetzt nicht mehr der
       nebelhaften Zukunft  angehören, sondern  bereits seit einer Woche
       dem englischen Parlament und der ganzen Welt bekannt sind. Wie es
       sich für  Offenbarungen solcher  Mysterien schickt,  hat sie Dis-
       raeli mit  gebührendem Zeremoniell  und wichtigtuerischem  Gehabe
       vorgetragen. Peel  hat 1842  zu seiner Finanzvorlage zwei Stunden
       gebraucht.  Disraeli  sprach  volle  fünf  Stunden.  Eine  Stunde
       brauchte er, um lang und breit darzulegen, daß die "Notleidenden"
       keinerlei Not  litten; eine  zweite, um  zu sagen, was er für sie
       nicht gedenke  zu tun,  wobei er  sich mit Walpoles, Packingtons,
       Malmesburys und  seinen eigenen  früheren Erklärungen  in  Wider-
       spruch brachte;  und den  Rest der fünf Stunden füllte er mit der
       Auseinandersetzung des  Budgets und  mit allerhand  Episoden über
       die Lage Irlands, über Landesverteidigung, voraussichtliche admi-
       nistrative Reformen  und anderen unterhaltsamen Dingen. Die wich-
       tigsten Punkte des Budgets sind folgende:
       1.  D i e  S c h i f f a h r t i n t e r e s s e n.  Ein Teil der
       Leuchtturmgebühren wird  herabgesetzt, was  etwa 100 000 Pfd. St.
       jährlich ausmacht;  das bedeutet  etwas weniger  als sechs  Pence
       jährlich, pro  Tonne und wird den Schiffahrtinteressen frühestens
       um die Mitte des nächsten Jahres zugute kommen. Die Belastung mit
       Transitzöllen soll ganz aufhören. Einige Befugnisse der Admirali-
       tät, die Ärgernis bei der Handelsmarine erregt hatten, sollen ab-
       geschafft werden:  So sollen  z.B. Offiziere  der Marine,  die in
       fremden Häfen Seeleute abwerben, nicht auf der sofortigen Auszah-
       lung der Löhnung bestehen dürfen; Fahrzeugen in Seenot sollen sie
       unentgeltlich Hilfe  leisten, und  in den Häfen sollen sie zivile
       Fahrzeuge nicht von den günstigsten Ankerplätzen vertreiben. End-
       lich soll  das Unterhaus  eine  Kommission  für  Lotsenwesen  und
       Ballastangelegenheiten einsetzen.  Soweit die  Schiffahrtinteres-
       sen. Damit aber die Freihändler sich nicht etwa irgendwelcher po-
       sitiver Konzessionen  rühmen, die ihnen durch diese Maßnahmen ge-
       macht werden, erfahren die Zölle auf Bauhölzer keine weitere Sen-
       kung.
       
       #474# Karl Marx
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       2.  D i e   K o l o n i a l i n t e r e s s e n.  Es wird gestat-
       tet, den  noch unter  Zollverschluß befindlichen Zucker zu raffi-
       nieren, so daß künftig der Zoll erst von dem verkäuflichen raffi-
       nierten Zucker erhoben wird, statt schon vom Rohprodukt. Außerdem
       soll die  chinesische Einwanderung nach Westindien gefördert wer-
       den, um  die Pflanzer  mit genügenden, billigen Arbeitskräften zu
       versehen. Die  Differentialzölle auf  Zucker sollen  nicht  abge-
       schafft werden.
       3.  M a l z-   u n d   H o p f e n s t e u e r.   Die  Malzsteuer
       wird auf  die Hälfte ermäßigt, was nach Disraelis Behauptung eine
       Mindereinnahme von  2 500 000 Pfd.  St. zur  Folge hätte.  Ebenso
       sollen die Gebühren auf Hopfen um die Hälfte ermäßigt werden, was
       ebenfalls einen  Ausfall von  etwa 300  000 Pfd.  St. verursachen
       würde. Diese Ermäßigungen sollten vom 10.Oktober 1853 an in Kraft
       treten. Das Verbot der Malzeinfuhr soll fallen, und auf ausländi-
       schen Hopfen und ausländisches Malz sollen Einfuhrgebühren nur in
       Höhe der Akzise erhoben werden.
       4.  T e e.   Der jetzige  Zoll soll  von 2 sh. 2 1/4 d. auf 1 sh.
       pro Pfund  für alle  Qualitäten herabgesetzt  werden,  doch  soll
       diese Herabsetzung  schrittweise, innerhalb  der  nächsten  sechs
       Jahre, vorgenommen  werden, so daß im Jahre 1853  4 1/4 d. und in
       jedem folgenden  Jahre bis  1858 je  2 d. weniger erhoben werden.
       Für 1853  würde das  eine Mindereinnahme von 400 000 Pfd. St. be-
       deuten.
       5.  B e s i t z-   u n d   E i n k o m m e n s t e u e r.   Diese
       Steuer, die  nur bis  zum 5.  August 1853 bewilligt war, soll auf
       drei Jahre  erneuert werden;  die Höhe soll dieselbe bleiben, je-
       doch soll  die Verteilung  geändert werden. Es soll unterschieden
       werden zwischen der Belastung von Grundeigentum und der Belastung
       von Einkommen aus industriellen Unternehmungen. Grundeigentum und
       Staatspapiere sollen  nach wie  vor mit  7 d.  pro Pfund belastet
       werden,  während   für  Einkommen   aus  industrieller  Tätigkeit
       (Pächter, Handel  und Gewerbe,  freie Berufe  und Gehälter)  eine
       Herabsetzung von 3 auf 2 Prozent vorgesehen ist, so daß für letz-
       tere nur  mehr 43/5d.  vom Pfund  zu bezahlen  sind. Andererseits
       soll die  Grenze der  Steuerfreiheit von 150 auf 100 Pfd. St. pro
       Jahr, bei  Grundeigentum und  Staatspapieren auf  50 Pfd. St. pro
       Jahr herabgesetzt  werden. Um  allen Verlusten  der Pächter durch
       diese Änderungen  vorzubeugen, sollen diese, statt wie bisher die
       Hälfte, jetzt  nur mehr ein Drittel ihres Pachtzinses versteuern,
       so daß  alle Pächter,  die jährlich  für weniger als 300 Pfd. St.
       pachten, Steuerfreiheit genießen. Die Kirche erhält ein Geschenk,
       indem Pfarrer mit einem Einkommen von jährlich 100 Pfd. St. keine
       Steuern zahlen.  Endlich soll  die Einkommensteuer  zum erstenmal
       auf Irland ausgedehnt werden, aber keineswegs auf die Grundbesit-
       zer, sondern nur auf Einkommen aus Staatspapieren oder Gehältern.
       
       #475# Parl.ber. - Die Abstimmung vom 26. Nov. - Disraelis Budget
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       6.  H a u s s t e u e r.   Diese soll auf alle Mieter von Häusern
       ausgedehnt werden,  die 10  Pfd. St. pro Jahr bezahlen, nicht wie
       bisher nur auf Mieter von Häusern, die auf 20 Pfd. St. jährlicher
       Miete taxiert  sind. Weiterhin solider Steuersatz verdoppelt wer-
       den von  6 d.  pro Pfund  auf 1  sh. für  Läden, und von 9 d. pro
       Pfund auf 1 sh. 6 d. für Wohnhäuser.
       Bei diesem Budget käme also heraus:
       E i n e r s e i t s:   die Ausdehnung der Einkommensteuer in Eng-
       land auf solche Klassen der Stadtbevölkerung, die bis jetzt davon
       befreit gewesen, und die Einführung der Einkommensteuer in Irland
       für Besitzer von Staatspapieren und für Staatsbeamte; die Ausdeh-
       nung der  Haussteuer auf  jene Klassen  der Stadtbevölkerung, die
       bisher davon befreit gewesen, und die Verdoppelung der bisherigen
       Steuerrate.
       A n d e r e r s e i t s:   die Verringerung der landwirtschaftli-
       chen Malz-  und Hopfensteuer  um 2 800 000 Pfd. St., Herabsetzung
       der Abgaben  der Schifffahrt um 100 000 Pfd. St. und Verminderung
       der Teezölle um 400 000 Pfd. St.
       Der städtischen  Bevölkerung ist  eine  Steuererhöhung  zugedacht
       durch eine  neue Einkommensteuer,  eine Ausdehnung der Haussteuer
       auf weitere Steuerzahler und durch die Verdoppelung der Haussteu-
       errate, damit  die ländliche  Bevölkerung eine Steuerbefreiung in
       Höhe von  2 800 000 Pfd.  St. gewinnt.  Der kleine Ladenbesitzer,
       der besser bezahlte gelernte Arbeiter und der kaufmännische Ange-
       stellte müßten so ihr Teil zur neuen Haussteuer beitragen und sä-
       hen sich  zum erstenmal  einer Einkommensteuer  unterworfen.  Die
       Grund- und  Bodensteuer beliefe  sich demnach auf 7 d. vom Pfund,
       während auf  Wohnhäusern 2  sh. 1 d. lasten würden. Die Herabset-
       zung der  Teezölle ändert  nichts an  dem Zahlen Verhältnis, weil
       sie im  Vergleich zu der erhöhten direkten Besteuerung sehr klein
       ist und Land und Stadt gleichermaßen davon profitieren können.
       Die vollständige Einkommensteuerfreiheit der irischen Grundherren
       und die  Einschränkung der  Besteuerung des Einkommens der engli-
       schen Pächter  und Geistlichen ist eine offenbare Bevorzugung des
       Landes auf Kosten der Stadt. Wer aber gewinnt durch die Herabset-
       zung der  Malzsteuer - der Grundherr, der Pächter oder der Konsu-
       ment? Eine  Herabsetzung der  Steuern bedeutet  eine Herabsetzung
       des Produktionsrisikos.  Nach den Gesetzen der politischen Ökono-
       mie würde  eine Herabsetzung der Produktionskosten eine Herabset-
       zung der  Preise mit  sich bringen  und weder dem Grundherrn noch
       dem Pächter zugute kommen, sondern bloß dem Konsumenten.
       Dabei sind  aber zwei Umstände in Betracht zu ziehen. Erstens ist
       der Boden, auf dem in England erstklassige Gerste wächst, monopo-
       lisierter Boden,  und es gibt ihn nur in Nottinghamshire, Norfolk
       usw.; der Einfuhr
       
       #476# Karl Marx
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       von fremdem Malz ist aber dadurch eine natürliche Grenze gesetzt,
       daß weder  Gerste noch  Malz lange  Seereisen vertragen. Zweitens
       besitzen die  großen englischen Brauer praktisch ein Monopol, das
       hauptsächlich auf  dem jetzigen  System der  Konzessionierung der
       Schankwirtschaften beruht,  so daß noch nicht einmal die Abschaf-
       fung der  Kornzölle ein Fallen der Preise von Porter und Ale ver-
       ursachte.
       So würde  denn der Gewinn bei der Herabsetzung der Malzsteuer we-
       der den  Pächtern noch den Konsumenten zugute kommen, sondern nur
       zwischen den  Grundherren und  den großen Brauern aufgeteilt wer-
       den. Und  da die verhaßten Steuerschikanen für die Landwirtschaft
       bestehen bleiben  sollen, so würde das Einziehen der halben Summe
       denselben Betrag  an administrativen  Kosten verursachen  wie für
       die bisherige  ganze. Jetzt  betragen die  Kosten des Einzugs der
       Akzise in  Höhe von 14400000 Pfd. St. 5 Pfd. 6sh. je 100 Pfd. St.
       Nach der Steuerermäßigung von 3 Millionen würden sie 6 Pfd. bis 6
       Pfd. 4sh. ausmachen. Kurz, der Ertrag wäre kleiner und die unnüt-
       zen Ausgaben um so größer.
       So läßt  sich also  Disraelis Budget  als eine  Entschädigung der
       Grundherren zusammenfassen,  "eine Entschädigung  über alles  Maß
       hinaus".
       Dieses Budget hat aber noch ein andres höchst interessantes Merk-
       mal.
       Will man  das System  des Freihandels durchsetzen, so muß man vor
       allem das  Finanzsystem ändern.  Daher sagt Disraeli: "Wir müssen
       von der  indirekten zur  direkten Besteuerung  zurückkehren." Und
       Disraeli hat recht.
       Die direkte  Besteuerung als  die einfachste  Art der Besteuerung
       ist auch  zugleich der älteste und erste Steuermodus, und er ent-
       wickelt sich mit jener Gesellschaftsform, die auf dem Grundeigen-
       tum basiert.  Die Städte führten später das System der indirekten
       Steuern ein; aber im Laufe der Zeit, mit der modernen Arbeitstei-
       lung, mit dem System der Großindustrie und der direkten Abhängig-
       keit des  einheimischen Gewerbes  vom Außenhandel  und vom  Welt-
       markt, gerät  dieses System  der indirekten  Besteuerung in einen
       zwiefachen Konflikt  mit den  gesellschaftlichen Bedürfnissen. An
       den Grenzen  des Landes  nimmt es die Form des Schutzzolls an und
       stört oder  verhindert den  freien Verkehr mit andern Ländern. Im
       Innern deckt es sich mit dem Eingreifen des Fiskus in die Produk-
       tion, verwirrt  es die  Wertrelation der  Waren und  stört es die
       freie Konkurrenz und den Austausch. Aus beiden Gründen wird daher
       seine Abschaffung  zur Notwendigkeit, und das System der direkten
       Besteuerung muß  wieder eingeführt werden. Diese allein läßt aber
       keine Täuschung  zu, so  daß jede Klasse genau merkt, welchen An-
       teil sie  trägt an den Kontributionen für die öffentlichen Ausga-
       ben. Darum gibt
       
       #477# Parl.ber. - Die Abstimmung vom 26. Nov. - Disraelis Budget
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       es in  England nichts Unpopuläreres als die direkte Besteuerung -
       Einkommensteuer, Vermögenssteuer,  Haussteuer usw.  Es fragt sich
       nun: Wie können die industriellen Klassen Englands, die der Frei-
       handel zur Einführung der direkten Besteuerung zwingt, dieses Sy-
       stem einführen,  ohne den Unwillen des Volkes zu erregen und ohne
       ihre eigenen Lasten zu erhöhen? Es gibt nur drei Möglichkeiten:
       i n d e m  m a n  d i e  ö f f e n t l i c h e  S c h u l d  a n-
       g r e i f t  - aber das wäre eine Vergewaltigung des öffentlichen
       Kredits, eine Konfiskation, eine revolutionäre Maßnahme;
       i n d e m   m a n   h a u p t s ä c h l i c h   d i e  G r u n d-
       r e n t e   b e s t e u e r t   - aber  auch das wäre ein Angriff
       auf das Eigentum, eine Konfiskation, eine revolutionäre Maßnahme;
       i n d e m   m a n   A n s p r u c h   e r h e b t   a u f   d i e
       K i r c h e n g ü t e r   - aber auch das wäre wieder ein Angriff
       auf das Eigentum, eine Konfiskation, eine revolutionäre Maßnahme.
       
       "Auf keinen  Fall", sagt  Cobden, "wir brauchen nur die öffentli-
       chen Ausgaben  einzuschränken, dann  können wir  auch die jetzige
       Steuerlast herabsetzen."
       
       Das ist eine Utopie. Erstens erfordern die nationalen Beziehungen
       Englands mit  dem Kontinent ständig wachsende nationale Ausgaben;
       zweitens hätte ein Sieg der industriellen Klasse, die Cobden ver-
       tritt, dieselben  Folgen, denn der Krieg zwischen Kapital und Ar-
       beit würde dadurch nur um so intensiver werden, und die Mittel zu
       seiner Unterdrückung  müßten erhöht  werden - mit anderen Worten,
       das Budget läßt keine Einschränkung zu. Ich resümiere also:
       Der Freihandel  drängt nach  dem System der direkten Besteuerung;
       die direkte  Besteuerung schließt  revolutionäre Maßnahmen  gegen
       die Kirche,  die Grundherren  und die Besitzer von Staatspapieren
       ein; diese  revolutionären Maßnahmen  bedingen ein  Zusammengehen
       mit der Arbeiterklasse, und dieses Zusammengehen beraubt die eng-
       lische Bourgeoisie  der Hauptvorteile, die sie vom Freihandel er-
       wartete, nämlich  der unbegrenzten  Herrschaft des  Kapitals über
       die Arbeit.
       Karl Marx
       
       Aus dem Englischen.

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