Quelle: MEW 8 August 1851 - März 1853
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Karl Marx
Wahlen - Trübe Finanzlage -
Die Herzogin von Sutherland und die Sklaverei
["New-York Daily Tribune" Nr. 3687 vom 9. Februar 1853]
London, Freitag, 21. Januar 1853
Die Nachwahlen, die durch die Umbildung des Ministeriums notwen-
dig wurden, sind nun beendet. Die Minister erlitten eine Nieder-
lage, da Mr. Sadleir, einer der Lords der Schatzkammer, der bis-
her als der Führer der "irischen Brigade" galt, durch Mr. Alexan-
der geschlagen wurde. Dieser erhielt eine Mehrheit von sechs
Stimmen, die er einer Koalition von Katholiken und Oranienmännern
[319] verdankt. Andererseits siegten die Minister in der Univer-
sität Oxford, wo der Wahlkampf außerordentlich lebhaft war und
die Abstimmung fünfzehn Tage dauerte. Gladstone trug mit 124
Stimmen Majorität den Sieg davon über Dudley Perceval, den Kandi-
daten der Partei der Hochkirche [245]. Liebhabern der Logik à la
Hudibras [281] empfehlen wir die Leitartikel der beiden gegneri-
schen Blätter in diesem Kampfe, des "Morning Chronicle" [226] und
des "Morning Herald" [275].
Nach langer Debatte erhöhten gestern die Direktoren der Bank von
England die Minimum-Diskontrate erneut von 2% auf 3 Prozent. Die-
ser Umstand wirkte sich sofort auf die Pariser Börse aus, wo die
verschiedensten Papiere erneut im Wert fielen. Sollte es indes
der Bank von England gelingen, der Spekulation in Paris Einhalt
zu gebieten, so wird immer noch ein anderer Ausweg für den Abfluß
des Barrengoldes bleiben: der Getreideimport. Die letzte Ernte in
England und auf dem Kontinent soll nach allgemeiner Schätzung um
ein Drittel unter dem Durchschnitt liegen. Auch werden Zweifel
laut über die Menge an Nahrungsmitteln, die bis zur nächsten
Ernte zum Konsum verfügbar ist, da sich die Aussaat durch die
Nässe des Bodens verzögert hat. Es werden daher Vorkehrungen zur
Einfuhr großer Getreidemengen getroffen, und folglich wird der
Wechselkurs für England ungünstig
#500# Karl Marx
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bleiben. Die Goldtransporte aus Australien können mit dem plötz-
lichen Ansteigen der Getreideimporte nicht Schritt halten.
In einem meiner letzten Briefe erwähnte ich die Spekulation in
Eisen 1*), die im Gange war. Die erste Erhöhung der Diskontrate
durch die Bank von 2 auf 2 1/2 Prozent hat sich auf diesen Han-
delszweig schon ausgewirkt. Schottisches Roheisen, das in den
letzten vierzehn Tagen 78 sh. brachte, ging am 19. d.M. auf 61
sh. herunter. Infolge der Erhöhung des Zinsfußes wird auch der
Markt für Eisenbahnaktien, voraussichtlich durch Zwangsverkäufe
der bisher als Sicherheiten hinterlegten Aktien, gedrückt sein,
und man hat auch mit solchen Operationen bereits begonnen. Meiner
Meinung nach ist jedoch der Abfluß des Barrengoldes nicht allein
durch den Export von Gold verursacht, sondern es hat auch der
lebhafte Aufschwung des heimischen Geschäfts, besonders in den
Industriebezirken, seinen vollen Anteil daran.
Die Adresse des Bundes der Damen von Stafford-House über die
Negersklaverei an ihre Schwestern in Amerika und die "liebevolle
und christliche Adresse vieler Tausender von Frauen aus den Ver-
einigten Staaten von Amerika an ihre Schwestern, die Frauen Eng-
lands" über die weiße Sklaverei [320] sind angesichts der augen-
blicklichen politischen Flauheit ein gefundenes Fressen für die
Presse. Nicht einer der englischen Zeitungen jedoch fiel der Um-
stand auf, daß der Stafford-House-Bund sich im Palast und unter
dem Vorsitz der Herzogin von Sutherland traf. Und doch hätten die
Namen Stafford und Sutherland genügen sollen, um die Menschen-
freundlichkeit der britischen Aristokratie zu kennzeichnen - eine
Menschenfreundlichkeit, die sich ihre Objekte möglichst weit ent-
fernt von der Heimat sucht und lieber jenseits als diesseits des
Ozeans.
Die Geschichte des Reichtums der Familie Sutherland ist die Ge-
schichte des Ruins des schottisch-gälischen Volkes und seiner
Vertreibung vom heimatlichen Boden, Schon im zehnten Jahrhundert
waren die Dänen in Schottland gelandet, hatten die Ebenen von
Caithness erobert und die Ureinwohner in die Berge getrieben.
Mhoir-Fhear-Chattaibh, wie der "Große Mann von Sutherland" auf
gälisch genannt wurde, hatte seine Waffengefährten stets bereit
gefunden, ihn unter Einsatz ihres Lebens gegen alle seine Feinde,
Dänen oder Schotten, Fremdlinge oder Einheimische, zu verteidi-
gen. Nach der Revolution [250], die die Stuarts aus Britannien
vertrieb, wurden Privatfehden zwischen den kleinen schottischen
Clanchefs immer seltener, und die britischen Könige, die wenig-
stens den Schein ihrer Herrschaft in diesen
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1*) Siehe vorl. Band, S. 494
#501# Wahlen - Trübe Finanzlage - Die Herzogin von Sutherland...
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entlegenen Distrikten aufrechterhalten wollten, förderten die
Aushebung von Familienregimentern unter den Clanchefs, ein Sy-
stem, durch das diese lairds 1*) moderne militärische Einrichtun-
gen mit dem alten Clansystem so zu verquicken vermochten, daß die
eine Einrichtung die andere stützte.
Um nun demgegenüber die später vollzogene Usurpation richtig
einzuschätzen, müssen wir uns erst klar sein über die Bedeutung
des Clans. Der Clan gehörte einer sozialen Formation an, die in
der historischen Entwicklung eine ganze Stufe tiefer steht als
das Feudalwesen, also dem p a t r i a r c h a l i s c h e n
Zustand der Gesellschaft. "Klaen" bedeutet auf gälisch Kinder.
Die Bräuche und Traditionen der schottischen Galen beruhen alle
auf der Annahme, daß die Mitglieder des Clans ein und derselben
Familie angehören. Die Gewalt des "Großen Mannes", des Clanchefs,
ist einerseits ebenso willkürlich wie sie andererseits durch
Blutsverwandtschaft usw. ebenso eingeschränkt ist wie die eines
jeden Familienvaters: Dem Clan, der Familie, gehörte das von ihr
bewohnte Gebiet, genau wie in Rußland, wo das Land, das eine Bau-
erngemeinde bewohnt, nicht den einzelnen Bauern, sondern der gan-
zen Gemeinde gehört. Auf diese Weise war das Gebiet Gemeineigen-
tum der Familie. Unter diesem System konnte also von Privateigen-
tum im modernen Sinn des Worts ebensowenig die Rede sein wie von
einem Vergleich der gesellschaftlichen Lebensweise der Mitglieder
des Clans mit der gesellschaftlichen Lebensweise der Individuen
inmitten unserer modernen Gesellschaft. Die Teilung und Untertei-
lung des Landes entsprach den militärischen Funktionen der ein-
zelnen Mitglieder des Clans. Je nach ihren militärischen Fähig-
keiten wurden sie mit Anteilen vom Clanchef betraut, der ganz
nach Gutdünken die Lehensteile der einzelnen Unterführer vergrö-
ßerte oder beschnitt. Diese Unterführer wiederum teilten ihren
Vasallen und Untervasallen jedes einzelne Stückchen Land zu. Das
Gebiet als Ganzes aber blieb stets Eigentum des Clans, und wie
immer auch die Ansprüche Einzelner wechseln mochten, das Lehen
änderte sich nicht; und auch die Kontributionen für die gemein-
same Verteidigung oder der Tribut an den Grundherrn, der zugleich
Führer im Krieg und oberster Herr im Frieden war, wurden niemals
erhöht. Gemeinhin wurde jedes Stück Land von Generation zu Gene-
ration von derselben Familie bebaut, die immer dieselben Abgaben
entrichtete. Diese Abgaben waren sehr niedrig; sie bildeten eher
einen Tribut, durch den die Oberherrschaft des "Großen Mannes"
und seines Stabes anerkannt wurde, als einen Pachtzins im moder-
nen Sinne oder eine Einnahmequelle. Die dem "Großen Mann" direkt
unterstellten Unterführer hießen "Taksmen", und das
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1*) Grundherren (das schottische "laird" entspricht dem engli-
schen "lord")
#502# Karl Marx
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ihrer Fürsorge anvertraute Gebiet hieß "Tak". Ihnen waren wieder
niedrigere Amtsleute unterstellt, die an der Spitze je eines Wei-
lers standen, und diesen war die Bauernschaft untergeordnet.
Wie man sieht, ist der Clan nichts anderes als eine militärisch
organisierte Familie, die ebensowenig durch Gesetze genau defi-
niert und ebensosehr durch Traditionen eingehegt ist wie jede Fa-
milie überhaupt. Das Land aber ist E i g e n t u m d e r
F a m i l i e, und innerhalb der Familie gibt es trotz der
Blutsverwandtschaft Standesunterschiede, genau wie in allen alten
asiatischen Familiengemeinschaften.
Die erste Usurpation erfolgte, nach der Vertreibung der Stuarts,
durch das Errichten der Familienregimenter. Von diesem Augenblick
an wurde der Sold zur Haupteinnahmequelle des "Großen Mannes",
des Mhoir-Fhear-Chattaibh. In die Ausschweifungen des Londoner
Hofes verstrickt, war er nur mehr darauf bedacht, soviel Geld wie
möglich aus seinen Unterführern herauszupressen, und sie wendeten
wiederum gegenüber ihren Untergebenen dasselbe System an. Der ur-
alte Tribut verwandelte sich in einen festen Geldkontrakt. Einer-
seits bedeuteten diese Kontrakte einen Fortschritt, da die her-
kömmlichen Abgaben nun festgesetzt wurden. Andererseits aber ka-
men sie einer Usurpation gleich, denn der "Große Mann" nahm nun
die Stellung eines Gutsherrn gegenüber den "Taksmen" ein, die ih-
rerseits wieder der Bauernschaft gegenüber als Pächter auftraten.
Und da jetzt der "Große Mann" wie auch der "Taksman" Geld
brauchte, so wurde eine Produktion nötig nicht bloß für den di-
rekten Verbrauch, sondern auch für den Export und den Austausch.
Das nationale Produktionssystem mußte also geändert werden; die
dabei überflüssig gewordenen Kräfte mußte man loswerden. Die Be-
völkerung nahm daher ab. Wir sehen aber aus einem Passus bei
Steuart, einem schottischen Ökonomen, dessen Werk zehn Jahre vor
dem des Adam Smith erschienen war, daß die Bevölkerung sich doch
noch einigermaßen erhielt, und daß, im 18. Jahrhundert, der
Mensch noch nicht offen dem Reingewinn aufgeopfert wurde. Er sagt
im ersten Band, Kapitel 16:
"Die Rente dieser Länder ist durchaus unbedeutend im Verhältnis
zu ihrem Umfang, aber was die Personenzahl betrifft, welche eine
Pacht erhält, wird man vielleicht finden, daß ein Stück Boden in
den Hochlanden von Schottland zehnmal mehr Leute ernährt, als
Land von derselben Größe in den reichsten Provinzen."
Daß [321] selbst zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Pachtabgaben
noch sehr niedrig waren, zeigt uns Mr. Loch, der Verwalter der
Gräfin von Sutherland, der die Verbesserungen auf ihren Gütern
leitete, in seinem 1820 erschienenen
#503# Wahlen - Trübe Finanzlage - Die Herzogin von Sutherland...
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Werke. Er gibt z.B. ein Verzeichnis der Pachtzinsen aus dem Jahr
1811 für das Gut Kintradawell, aus dem hervorgeht, daß bis dahin
jede Familie an jährlichen Abgaben höchstens einige shilling in
Geld, etwas Geflügel und einige Arbeitstage zu leisten hatte.
Erst nach 1811 vollzog sich die endgültige und wirkliche Usurpa-
tion, die zwangsweise Umwandlung des C l a n e i g e n t u m s
i n P r i v a t e i g e n t u m im modernen Sinne, und zwar in
P r i v a t e i g e n t u m d e s S t a m m e s o b e r-
h a u p t s. Die Person, die an der Spitze dieser ökonomischen
Revolution stand, war ein weiblicher Mehemed Ali, die ihren Mal-
thus wohl verdaut hatte: d i e G r ä f i n v o n S u t h e r-
l a n d alias M a r q u i s e v o n S t a f f o r d. [322]
Wir wollen vorausschicken, daß die Vorfahren der Marquise von
Stafford die "Großen Männer" des nördlichsten Teils von Schott-
land, von fast drei Vierteln von Sutherlandshire gewesen waren.
Diese Grafschaft ist ausgedehnter als manches französische Depar-
tement oder manches kleine deutsche Fürstentum. Als die Gräfin
von Sutherland diese Güter erbte, die sie nachmals ihrem Gatten,
dem Marquis von Stafford, späterem Herzog von Sutherland, zu-
brachte, war die Bevölkerung schon auf nur mehr 15 000 Seelen
reduziert. Die Frau Gräfin beschloß, eine ökonomische Radikalkur
vorzunehmen und die ganze Grafschaft in Schaf triften zu verwan-
deln. Von 1814 bis 1820 wurden diese 15000 Einwohner, die sich
auf etwa 3000 Familien verteilten, systematisch verjagt und aus-
gerottet. Alle ihre Dörfer wurden zerstört und niedergebrannt,
alle ihre Felder in Weide verwandelt. Britische Soldaten wurden
zur Exekution kommandiert und kamen zu Schlägereien mit den Ein-
geborenen. Eine alte Frau verbrannte in den Flammen der Hütte,
die sie zu verlassen sich weigerte. So eignete sich diese Madame
siebenhundertvierundneunzigtausend acres Land an, das seit un-
denklichen Zeiten dem Clan gehörte. In einem Übermaß von Freige-
bigkeit wies sie den vertriebenen Eingeborenen 6000 acres zu, das
heißt zwei acres pro Familie. Diese 6000 acres hatten bisher wüst
gelegen und den Eigentümern kein Einkommen abgeworfen. Die Herzo-
gin ging in ihrem Nobelgefühl so weit, den acre im Durchschnitt
zu 2 sh. 6 d. Rente zu verpachten an die Clanleute, die seit
Jahrhunderten ihr Blut für die herzogliche Familie vergossen hat-
ten. Das ganze geraubte Clanland teilte sie in 29 große Schaf-
pachten, jede bewohnt von einer einzigen Familie, meist englische
Pachtknechte. Im Jahre 1821 waren die 15 000 Gälen bereits er-
setzt durch 131 000 Schafe.
Der an das Seegestade geworfene Teil der Aborigines suchte vom
Fischfang zu leben. Sie wurden zu Amphibien und lebten, wie ein
englischer Schriftsteller sagt, halb auf dem Land und halb auf
dem Wasser und lebten mit alledem nur halb von beiden.
#504# Karl Marx
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Sismondi schreibt in seinen "Etudes sociales" über diese Expro-
priation der Galen aus Sutherlandshire - ein Beispiel, das übri-
gens von den anderen "Großen Männern" Schottlands nachgeahmt
wurde:
"Die große Ausdehnung der herrschaftlichen Besitztümer ist nicht
bloß England eigentümlich. Überall im Reich Karls des Großen,
überall im Abendland wurden ganze Provinzen von kriegerischen
Heerführern usurpiert, die sie zu ihrem Nutzen durch die Besieg-
ten und hie und da durch ihre eigenen Waffengefährten bebauen
ließen. Im 9. und 10. Jahrhundert waren Maine, Anjou und Poitou
für die Grafen dieser Provinzen eher drei große Landgüter als
drei Fürstentümer. Die Schweiz, die in so vielen Beziehungen
Schottland ähnelt, war ebenfalls zu jener Zeit unter einer klei-
nen Anzahl seigneurs 1*) aufgeteilt. Wenn die Grafen von Kyburg,
von Lenzburg, von Habsburg und von Gruyères unter dem Schutze
englischer Gesetze gestanden hätten, so wären sie heute genau in
derselben Situation wie die Grafen von Sutherland vor zwanzig
Jahren. Manche unter ihnen hätten vielleicht dieselbe Vorliebe
für Verbesserungen gehabt wie die Marquise von Stafford, und mehr
als eine Republik hätte aus den Alpen verschwinden. müssen, um
Schafherden Platz zu machen. Nicht einmal der despotischste
Monarch Deutschlands würde sich derartiges erlauben können."
Darauf erwidert Mr. Loch in seiner Verteidigung der Gräfin von
Sutherland (1820):
"Warum sollte gerade in diesem besonderen Falle eine Ausnahme von
der in jedem anderen Fall geübten Regel gemacht werden? Warum
sollte die absolute Autorität des Gutsherrn über sein Land allge-
meinen Interessen und Motiven aufgeopfert werden, die nur die
Allgemeinheit angehen?"
Warum also sollten die Sklavenhalter der Südstaaten Nordamerikas
ihre Privatinteressen dem philanthropischen Getue Ihrer Gnaden,
der Frau Herzogin von Sutherland zuliebe opfern ?
Die britische Aristokratie, die überall den Menschen durch Schafe
und Ochsen ersetzt hat, wird in nicht ferner Zukunft ihrerseits
durch diese nützlichen Tiere ersetzt werden.
Der Prozeß des B a u e r n l e g e n s spielte sich genau so,
wie wir ihn eben für Schottland beschrieben, im 16., 17. und 18.
Jahrhundert in England ab. Thomas Morus klagt darüber schon zu
Beginn des 16. Jahrhunderts. In Schottland vollzog er sich zu Be-
ginn des 19. Jahrhunderts, und in Irland ist er augenblicklich in
vollem Gange. Auch der edle Viscount Palmerston legte vor einigen
Jahren genau in der oben geschilderten Weise die Bauern auf sei-
nen Gütern in Irland.
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1*) Lehnsherrn
#505# Wahlen - Trübe Finanzlage - Die Herzogin von Sutherland...
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Wenn man vom Eigentum je hat behaupten können, es sei
D i e b s t a h l - dann ist es buchstäblich wahr vom Eigentum
der britischen Aristokratie. Der Raub der Kirchengüter, die be-
trügerische Veräußerung der Staatsdomänen, der Diebstahl des Ge-
meindeeigentums, die betrügerische, von Mord und Totschlag be-
gleitete Umwandlung des feudalen und patriarchalischen Eigentums
in modernes Privateigentum - das sind die Rechtstitel der briti-
schen Aristokratie auf ihre Besitztümer. Und welche Dienste ein
serviler Anwaltsstand bei diesem letztgenannten Prozeß leistete,
das verrät uns ein englischer Jurist aus dem letzten Jahrhundert,
Dalrymple, der in seiner "Geschichte des Feudaleigentums" ganz
naiv darlegt, daß die Anwälte jedes Gesetz und jede Urkunde über
Eigentumsverhältnisse zu der Zeit, als in England die Bourgeoisie
zu Reichtum kam, zugunsten der B o u r g e o i s i e, zu der
Zeit, als in Schottland der Adel sich bereicherte, zugunsten des
A d e l s - in jedem Falle aber in einem dem V o l k e feind-
lichen Sinne auslegten.
Die oben geschilderte türkische Reform der Gräfin von Sutherland
war wenigstens vom Standpunkt des Malthusianismus aus gerechtfer-
tigt. Andere schottische Edelleute gingen weiter. Nachdem sie
Menschen durch Schafe ersetzt hatten, wurden die Schafe durch
Wild und die Triften durch Wildwaldgehege ersetzt. Allen voran
ging darin der Herzog von Atholl. In R. Somers "Letters from the
Highlands" (1848) findet sich folgender Passus:
"Nach der Eroberung verwandelten die normannischen Könige große
Teile englischen Landes in Waldungen, ganz ähnlich, wie es heute
die Grundherren hier in den Hochlanden machen."
Und wohin flohen viele der menschlichen Geschöpfe, die den Scha-
fen der Gräfin von Sutherland und dem Wild des Herzogs von Atholl
hatten weichen müssen? Wo fanden sie eine Zuflucht?
In den Vereinigten Staaten Von Nordamerika.
Feinde der englischen Lohnsklaverei haben das Recht, die Neger-
sklaverei zu verdammen ; eine Herzogin von Sutherland jedoch, ein
Herzog von Atholl, ein Kattunlord aus Manchester - niemals!
Karl Marx
Aus dem Englischen.
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