Quelle: MEW 8 August 1851 - März 1853

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       #506#
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       Karl Marx
       
       Die Todesstrafe - Herrn Cobdens Pamphlet -
       Anordnungen der Bank von England [323]
       
       ["New-York Daily Tribune" Nr. 3695 vom 18. Februar 1853]
       London, Freitag, 28. Januar 1853
       Die "Times"  [131] vom  25. Januar  bringt unter  der Überschrift
       "Amateure des Henkerhandwerks" folgende Betrachtung:
       
       "Man hat  schon oft die Beobachtung gemacht, daß in unserem Lande
       jeder öffentlichen  Hinrichtung eine  Reihe von Selbstmorden oder
       tödlichen Unfällen  durch Erhängen  folgt, offenbar unter dem ge-
       waltigen Einfluß, den die Hinrichtung eines bekannten Verbrechers
       auf unreife und krankhafte Gemüter ausübt."
       
       Bei den  verschiedenen Fällen,  die die  "Times" zur Illustration
       dieser Behauptung  anführt, handelt es sich einmal um einen Irren
       in Sheffield,  der, nachdem  er sich  mit anderen  Irren über die
       Hinrichtung Barbours  unterhalten hatte,  seinem Leben  ein  Ende
       machte, indem  er sich  erhängte. Ein  zweiter Fall ist der eines
       vierzehnjährigen Jungen, der sich ebenfalls erhängte.
       Ein vernünftiger  Mensch wird  kaum erraten,  um welcher  Doktrin
       willen diese Fälle angeführt werden; geht es doch um nichts weni-
       ger als eine direkte Apotheose des Henkers und um die Lobpreisung
       der Todesstrafe  als ultima  ratio 1*) der Gesellschaft. Und dies
       geschieht in einem leitenden Artikel des "leitenden Blattes".
       Der "Morning Advertiser" [194] kritisiert aufs schärfste die blu-
       tige Logik  der "Times"  und ihre  Vorliebe für den Scharfrichter
       und schließt  seine zutreffende  Kritik mit  der Angabe folgender
       interessanter Daten von dreiundzwanzig Tagen des Jahres 1849:
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       1*) letztes Mittel
       
       #507# Die Todesstrafe - Cobdens Pamphlet...
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       Hinrichtung von:           Morde und Selbstmorde:
       
       Millan        20. März     Hannah Sandles       22. März
                                  M.G. Newton          22.   "
       Pulley        26.   "      J.G. Gleeson - vier Morde
                                  in Liverpool         27.   "
       Smith         27.   "      Mord und Selbstmord
                                  in Leicester          2. April
       Howe          31.   "      Vergiftung in Bath    7.   "
                                  W. Bailey             8.   "
       Landick        9. April    J. Ward ermordet
                                  seine Mutter         13.   "
       Sarah Thomas  13.   "      Yardley              14.   "
                                  Doxy, Vatermord      14.   "
                                  J. Barley tötet seine zwei Kinder
                                  und sich selbst      17.   "
       Griffith      18.   "      Chas. Overton        18.   "
       Rush          21.   "      Daniel Holmston       2. Mai
       
       Die "Times"  selbst muß  zugeben, daß  diese  Tabelle  nicht  nur
       Selbstmorde, sondern auch die scheußlichsten Verbrechen aufweist,
       die immer unmittelbar auf die Hinrichtung von Verbrechern folgen.
       Der bewußte  Artikel bringt erstaunlicherweise auch nicht ein Ar-
       gument zugunsten  der darin propagierten barbarischen Theorie. Es
       ist eben schwer, wenn nicht gar unmöglich, ein Prinzip aufzustel-
       len, womit  man die  Berechtigung und  Zweckmäßigkeit der  Todes-
       strafe in einer auf ihre Zivilisation stolzen Gesellschaft zu be-
       gründen vermöchte.  Man hat  die Strafe  gemeinhin verteidigt als
       ein Mittel  zur Besserung  oder zur Einschüchterung. Aber welches
       Recht hat  man, mich zu strafen, um andere zu bessern oder einzu-
       schüchtern? Außerdem  gibt es  so etwas wie die Statistik, und es
       gibt die  Geschichte, und  beide beweisen  voll und ganz, daß die
       Welt seit Kain durch Strafen weder gebessert noch eingeschüchtert
       worden ist.  Ganz im  Gegenteil. Vom  Standpunkt  des  abstrakten
       Rechts gibt es nur eine Theorie der Bestrafung, die die menschli-
       che Würde  abstrakt anerkennt,  und das ist die Kantsche Theorie,
       besonders in  der strengeren  Fassung  von  Hegel.  Dieser  sagt:
       "Strafe ist das  R e c h t  des Verbrechers. Sie ist ein Akt sei-
       nes eigenen  Willens. Die  Verletzung des  Rechts proklamiert der
       Verbrecher als  sein Recht.  Sein Verbrechen ist die Negation des
       Rechts. Strafe ist die Negation dieser Negation und folglich eine
       Bestätigung des  Rechts, die  der Verbrecher selbst herausfordert
       und sich selbst aufzwingt." [324]
       
       #508# Karl Marx
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       Zweifellos hat  dieser Grundsatz  etwas Bestechendes,  da  Hegel,
       statt in  dem Verbrecher  ein bloßes  Objekt, nur den Sklaven der
       Justiz zu  sehen, ihn  zum Rang  eines freien  Wesens erhebt, das
       über sich  selbst bestimmt.  Sehen wir  jedoch etwas näher zu, so
       entdecken wir,  daß der deutsche Idealismus hier, wie in den mei-
       sten anderen Fällen, nur die Gesetze der bestehenden Gesellschaft
       durch übersinnliche  Argumente  sanktioniert.  Täuscht  man  sich
       nicht selbst, wenn man an Stelle des Individuums mit seinen wirk-
       lichen Beweggründen, mit den zahlreichen, ihn bedrängenden sozia-
       len Verhältnissen  die Abstraktion  des "freien  Willens"  setzt,
       eine der vielen menschlichen Eigenschaften an Stelle des Menschen
       selbst? Diese  Theorie, die die Strafe als das Ergebnis des eige-
       nen Willens  des Verbrechers  ansieht, ist nur ein metaphysischer
       Ausdruck jenes  alten "jus  talionis" 1*):  Aug' um Auge, Zahn um
       Zahn, Blut  um Blut. Wenn wir die Dinge offen aussprechen und auf
       alle Umschreibungen  verzichten, so ist die Strafe nichts anderes
       als ein Verteidigungsmittel der Gesellschaft gegen die Verletzung
       ihrer Lebensbedingungen,  was auch immer deren Inhalt sein mag. -
       Was für eine Gesellschaft ist das aber, die kein besseres Instru-
       ment ihrer Verteidigung kennt als den Scharfrichter und die durch
       das "leitende  Blatt der  Welt" ihre Brutalität als ewiges Gesetz
       verkünden läßt?
       A.  Quételet   sagt  in  seinem  ausgezeichneten  gelehrten  Werk
       "L'homme et ses facultés":
       
       "Es gibt  ein Budget  das mit  einer schauerlichen Regelmäßigkeit
       bezahlt wird,  nämlich das  der Gefängnisse, der Galeeren und der
       Schafotte ...  Wir können  voraussagen, wie viele Individuen ihre
       Hände mit  dem Blute ihrer Mitmenschen besudeln werden, wie viele
       Fälscher, wie  viele Giftmischer zu verzeichnen sein werden, fast
       ebenso wie  man im  voraus die  Geburten und  Todesfälle  angeben
       kann."
       
       Und Quételet  sagte in  einer  Wahrscheinlichkeitsberechnung  der
       Verbrechen, die  er im Jahre 1829 veröffentlichte, mit erstaunli-
       cher Sicherheit  nicht nur  die Zahl,  sondern auch alle die ver-
       schiedenen Arten  der Verbrechen  voraus, die  in Frankreich 1830
       begangen wurden.  Daß es nicht so sehr die besonderen politischen
       Einrichtungen eines  Landes sind  als vielmehr  die grundlegenden
       Bedingungen der modernen bürgerlichen Gesellschaft im ganzen, die
       eine durchschnittliche  Anzahl Verbrechen  in einem gegebenen na-
       tionalen Teil  der Gesellschaft hervorbringen, das zeigt die fol-
       gende Tabelle, die Quételet für die Jahre 1822 bis 1824 mitteilt.
       Unter hundert  verurteilten Verbrechern finden wir in Amerika und
       Frankreich:
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       1*) Vergeltungsrechtes
       
       #509# Die Todesstrafe - Cobdens Pamphlet...
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       Alter             Philadelphia       Frankreich
       
       Unter 21 Jahren       19                  19
       21 bis 30 Jahre       44                  35
       30 bis 40 Jahre       23                  23
       Über 40 Jahre         14                  23
                    -------------------------------
                    Total   100                 100
       
       Wenn also  Verbrechen, sobald  man sie in großer Zahl beobachtet,
       in ihrer  Häufigkeit und Art die Regelmäßigkeit von Naturerschei-
       nungen zeigen,  wenn es,  um mit  Quételet zu sprechen, schwierig
       wäre, zu entscheiden, "auf welchem der beiden Gebiete " (der phy-
       sischen Welt  oder des gesellschaftlichen Lebens) "die effektiven
       Ursachen ihre  Wirkungen mit  größerer Regelmäßigkeit  nach  sich
       ziehen", besteht  da nicht  die Notwendigkeit - statt den Scharf-
       richter zu  verherrlichen, der  eine Partie Verbrecher beseitigt,
       nur um  wieder Platz  für neue  zu schaffen -, ernstlich über die
       Änderung des Systems nachzudenken, das solche Verbrechen züchtet?
       Tagesgespräch ist  jetzt das neuerschienene Pamphlet Richard Cob-
       dens, betitelt "1793 and 1853, in Three Letters" (140 Seiten). Im
       ersten Teil  des Pamphlets  behandelt er die Zeit vor der Revolu-
       tion von  1793 und  die Revolution selbst und attackiert mit rüh-
       menswerter Offenheit  und Kraft die seit jeher darüber herrschen-
       den englischen  Vorurteile. Cobden zeigt, daß England der Aggres-
       sor im Revolutionskrieg war. Allerdings darf er auf diesem Gebiet
       keine Originalität  beanspruchen, denn  seine Darstellung ist ei-
       gentlich nur  eine Wiederholung,  und noch dazu eine viel weniger
       glänzend geschriebene,  der Ausführungen des größten aller engli-
       schen Pamphletisten, des verstorbenen William Cobbett. Der andere
       Teil des  Pamphlets hat  trotz seines  ökonomischen Inhalts einen
       gewissen romantischen  Anstrich. Herr  Cobden gibt sich alle Mühe
       zu beweisen,  wie absurd  die Annahme  sei, daß Louis-Napoleon in
       England einzufallen  gedenke; das Geschwätz über Englands wehrlo-
       sen Zustand entbehre jeglicher Grundlage und werde nur von Leuten
       verbreitet, die  ein Interesse  an der  Erhöhung der öffentlichen
       Ausgaben haben.  Wodurch beweist er nun, daß Louis-Napoleon keine
       feindlichen Absichten  gegen England  hegt? Einfach  indem er be-
       hauptet,  Louis-Napoleon  habe  keinen    v e r n ü n f t i g e n
       Grund, mit  England Händel  zu suchen. Und wie beweist er die Un-
       möglichkeit eines  feindlichen Angriffs  auf dieses Land? Einfach
       indem er  sagt, England  sei seit  achthundert Jahren nicht ange-
       griffen worden. Und wodurch beweist er, daß die Gerüchte über den
       wehrlosen Zustand  Englands nur  eigennütziger  Schwindel  seien?
       Einfach weil  die höchsten  militärischen Autoritäten erklärt ha-
       ben, sie fühlten sich ganz sicher.
       
       #510# Karl Marx
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       Louis-Napoleon hat nicht einmal in der gesetzgebenden Versammlung
       einen leichtgläubigeren  Bewunderer seiner Redlichkeit und seiner
       friedlichen Absichten gefunden, als er jetzt, ganz unerwartet, in
       Richard Cobden  findet. Der  "Morning Herald" [275], der gewohnte
       Verteidiger Louis-Napoleons,  veröffentlicht (in seiner gestrigen
       Nummer) einen  an Cobden  gerichteten Brief,  der  von  Bonaparte
       selbst inspiriert  sein soll  und in  dem der prinzliche Held von
       Satory versichert,  er käme  nur dann  nach England herüber, wenn
       die durch  die aufsteigende  Demokratie bedrängte  Königin 1*) an
       die  200 000   seiner  décembraillards  oder  Raufbolde  brauchen
       sollte. [325]  Mit dieser  Demokratie ist  aber, wie der "Herald"
       meint, niemand anders gemeint als die Herren Cobden und Kompanie.
       Nachdem wir  das betreffende  Büchlein aufmerksam gelesen, müssen
       wir gestehen, daß wir selbst anfangen zu befürchten, es stünde so
       etwas wie eine Invasion Englands bevor. Herr Cobden ist kein sehr
       glücklicher Prophet. Nach der Aufhebung der Korngesetze [246] un-
       ternahm er  eine Reise nach dem Kontinent, die ihn sogar bis Ruß-
       land führte. Zurückgekehrt, berichtete er, alles sei in schönster
       Ordnung, die Zeiten der Gewalt seien zu Ende, die Nationen befaß-
       ten sich  aufs eifrigste  mit nichts anderem als ihren Industrie-
       und Handelsunternehmungen,  und ihrer  friedlichen geschäftlichen
       Entwicklung drohten  weder politische Stürme noch Aufstände, noch
       sonstige Störungen.  Seine Prophezeiung mochte kaum den Kontinent
       erreicht haben,  als die  achtundvierziger Revolution in ganz Eu-
       ropa ausbrach  und ein  etwas ironisches  Echo zu  Herrn  Cobdens
       sanftmütigen Weissagungen  bildete. Er  sprach von Frieden, wo es
       doch keinen Frieden gab.
       Es wäre  ein großer Irrtum anzunehmen, daß das Friedensevangelium
       der Manchesterschule  [244] tiefe  philosophische Bedeutung habe.
       Es besagt  bloß, daß  die feudale  Methode der Kriegführung durch
       die kaufmännische  ersetzt werden  soll -  Kanonen durch Kapital.
       Die Friedensgesellschaft  hielt gestern  in Manchester  eine Ver-
       sammlung ab  [326], auf  der fast  einstimmig erklärt  wurde, man
       könne Louis-Napoleon  nicht unterschieben,  daß er feindliche Ab-
       sichten gegen  Englands Sicherheit  hege,   w e n n  n u r  d i e
       P r e s s e   v e r s t u m m e n  u n d  i h r e  g e h ä s s i-
       g e   K r i t i k   a n   s e i n e r   R e g i e r u n g  e i n-
       s t e l l e n  w o l l t e!  Dieser Behauptung gegenüber nimmt es
       sich nun  wunderlich aus, daß die erhöhten Voranschläge für Armee
       und Marine  im Unterhaus  widerspruchslos angenommen  wurden  und
       keines der  Parlamentsmitglieder, die  an  der  Friedenskonferenz
       teilgenommen hatten,  gegen die  vorgeschlagene  Verstärkung  der
       Streitkräfte etwas einzuwenden hatte.
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       1*) Victoria
       
       #511# Die Todesstrafe - Cobdens Pamphlet...
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       Während der  politischen Windstille, die die Vertagung des Parla-
       ments hervorgerufen  hat, beschäftigt sich die Presse vornehmlich
       mit zwei  Hauptthemen -  mit der  kommenden   R e f o r m b i l l
       und mit  den letzten   R e g u l i e r u n g e n   d e s   D i s-
       k o n t s a t z e s  durch die Bank von England.
       Die "Times"  vom 24.  dieses Monats  teilt dem  Publikum mit, daß
       eine Reformbill  in Vorbereitung ist. Was das für eine Reformbill
       sein wird,  kann man aus der Wahlrede von Sir Charles Wood in Ha-
       lifax entnehmen,  in der  er sich  gegen das  Prinzip    g l e i-
       c h e r   W a h l b e z i r k e   aussprach; ferner  aus der Rede
       von James  Graham in  Carlisle, der  die    g e h e i m e    A b-
       s t i m m u n g   verwarf, und  aus der  vertraulich  umlaufenden
       Ansicht, daß  man sogar  die kleinen  Reformpillen, die  Sir John
       Russell im  Februar 1852  verschrieb [254],  noch als viel zu ge-
       fährlich und  stark erachte.  Noch verdächtiger  aber ist es, daß
       das Sprachrohr des Koalitionsministeriums, "The Economist" [109],
       in der Nummer vom 22. Januar nicht nur behauptet,
       
       "daß die  Reform unseres Repräsentativsystems nicht unter den er-
       sten der  dringlichen oder  umgehend wichtigen  Fragen rangiere",
       sondern auch,  daß  "uns    d i e    R o h  m a t e r i a l i e n
       f ü r   e i n e    g e s e t z g e b e r i s c h e    A k t i o n
       f e h l e n.   Ausdehnung, Ausgleichung,  Bereinigung, Neuvertei-
       lung und  Schutz des  Wahlrechts sind  Teilfragen,  die  allesamt
       tiefe Überlegungen  und viele  Untersuchungen erfordern ... Nicht
       daß etwa einige unserer Staatsmänner über alle oder doch einzelne
       dieser Punkte  nicht wohl informiert wären; aber ihre Informatio-
       nen sind  d a  u n d  d o r t  a u f g e l e s e n,  nicht gründ-
       lich  v e r a r b e i t e t;  sie sind zusammengewürfelt, lücken-
       haft und  unvollkommen... Diesem  Übelstand ist  offenbar nur da-
       durch abzuhelfen,  daß man eine  U n t e r s u c h u n g s k o m-
       m i s s i o n   einsetzt, die alle jene Punkte zu prüfen hat, die
       direkt oder  auch weniger  direkt mit  dem Gegenstand tatsächlich
       zusammenhängen."
       
       So wird denn dieses Ministerium von Methusalems 1*) seine politi-
       schen Studien  coram publico 2*) von neuem beginnen. Die Kollegen
       eines Peel,  eines  Melbourne,  die  Untergebenen  Cannings,  die
       Stellvertreter des älteren Grey, Männer, die unter Lord Liverpool
       dienten, andere,  die in  Lord Grenvilles  Kabinett saßen  -  all
       diese Novizen,  deren Lehrjahre ein halbes Jahrhundert zurücklie-
       gen, sollen  aus Mangel  an Erfahrung unfähig sein, dem Parlament
       entscheidende Vorschläge  zu einer Wahlreform zu machen. Das alte
       Sprichwort, daß  die Erfahrung mit dem Alter kommt, scheint hier-
       mit widerlegt zu sein.
       
       "Diese zimperliche  Schüchternheit einer  Koalition von Veteranen
       ist zu komisch, als daß man sie leicht beschreiben könnte",
       
       ruft die  "Daily News"  [129] aus  und fügt  hinzu:   "W o  i s t
       e u r e  R e f o r m b i l l?"  Der
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       1*) Siehe vorl. Band, S. 484 - 2*) vor versammeltem Volk
       
       #512# Karl Marx
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       "Morning Advertiser" antwortet:
       
       "Wir möchten fast annehmen, daß uns die jetzige Session überhaupt
       keine Reformbill bringen wird. Vielleicht wird man versuchen, ei-
       nige Gesetze zur Verhütung und Bestrafung von Wahlbestechung oder
       anderer minder  wichtiger Materien  einzubringen, vielleicht wird
       ein Versuch  gemacht werden,  den Übeln  zu steuern,  die mit der
       parlamentarischen Vertretung  des Landes  verbunden  sind,  aber,
       eine solche Gesetzgebung verdient nicht den Namen einer neuen Re-
       formbill."
       
       Die Panik, die die letzte Diskontregulierung der Bank von England
       zuerst hervorrief, hat sich jetzt gelegt, und Praktiker wie Theo-
       retiker haben  sich vergewissert,  daß  die  jetzige  Prosperität
       nicht ernstlich unterbrochen oder gehemmt werden wird.
       Man lese jedoch folgenden Auszug aus dem "Economist":
       
       "Dieses Jahr  wurde auf  ungeheuren Strecken unseres Landes über-
       haupt nichts  ausgesät. Auf einem sehr großen Teil unseres schwe-
       ren Bodens  verbleibt viel  Ackerland, das  für Weizen vorgesehen
       war, noch ohne Saat, und manche der bebauten Äcker sind in keiner
       besseren Verfassung, denn die Saat ist entweder nicht aufgegangen
       oder sie  sprießte so  spärlich oder wurde dermaßen von Schnecken
       zerfressen, daß die Aussichten für die Besitzer dieser Acker kaum
       trostreichere sind  als für  jene, die  nicht gesät haben. Inzwi-
       schen ist es fast unmöglich geworden, das ganze Weizenland zu be-
       bauen."
       
       Die Krise, die durch die Eröffnung der kalifornischen und austra-
       lischen Märkte  und Minen  etwas verzögert  worden ist,  ist also
       zweifellos fällig [136], wenn die Ernte schlecht sein sollte. Die
       Diskontregulierungen der  Bank von  England sind  nur die  ersten
       Vorzeichen dafür. 1847 änderte die Bank den Diskontsatz dreizehn-
       mal; 1853  wird das  vielleicht zwanzigmal  geschehen. Ich möchte
       zum Schluß  den englischen  Ökonomen die  Frage vorlegen,  wie es
       kommt, daß  die moderne politische Ökonomie ihren Kriegszug gegen
       den Merkantilismus  damit begann, daß sie bewies, Zustrom und Ab-
       strom des  Goldes  seien  für  ein  Land  gleichgültig,  Produkte
       tauschten sich  nur gegen  Produkte aus, und Gold sei ein Produkt
       wie jedes  andere, während diese selbe Ökonomie jetzt am Ende ih-
       rer Laufbahn  den Zufluß  und Abfluß des Goldes aufs ängstlichste
       beobachtet.
       
       "Der wahre Zweck, den die Bank durch ihre Operationen zu erfüllen
       hat", sagt  der "Economist",  "ist das  Verhüten  des  Kapitalex-
       ports."
       
       Würde aber  der "Economist"  eine Ausfuhr  von Kapital in Gestalt
       von Baumwolle,  Eisen, Wollgarnen  und Stoffen verhindern wollen?
       Und  ist  Gold  nicht  ein    P r o d u k t    w i e    j e d e s
       a n d e r e?  Oder ist der "Economist" auf seine alten
       
       #513# Die Todesstrafe - Cobdens Pamphlet...
       -----
       Tage Merkantilist geworden? Und will er etwa, nachdem er der Ein-
       fuhr von  auswärtigem Kapital  den Weg frei gemacht hat, die Aus-
       fuhr von  britischem Kapital hemmen? Will er, nachdem er sich vom
       zivilisierten Schutzzollsystem  befreit hat,  etwa zum türkischen
       [327] zurückkehren?
       Während ich gerade diesen Brief abschließe, teilt man mir mit, in
       politischen Zirkeln  kursiere ein  Gerücht, wonach  Gladstone mit
       mehreren leitenden  Mitgliedern des  Aberdeen-Ministeriums  wegen
       der   E i n k o m m e n s t e u e r   in Differenzen  geraten ist
       und wonach  das Ergebnis  dieser Differenzen  möglicherweise  der
       Rücktritt des  ehrenwerten Gentleman  sein wird.  Sollte das  der
       Fall sein,  so wird  wahrscheinlich Sir  Francis Baring, früherer
       Schatzkanzler unter Lord Melbourne, sein Nachfolger werden.
       Karl Marx
       
       Aus dem Englischen.
       

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