Quelle: MEW 8 August 1851 - März 1853
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Beilagen
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Verzeichnis der Beilagen
A. Zu Karl Marx, "Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte"
B. Zu Karl Marx, "Enthüllungen über den Kommunisten-Prozeß zu
Köln
C. Aufzeichnungen und Dokumente
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A. Beilagen zu Karl Marx
"Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte"
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Karl Marx
Vorwort [zur Zweiten Ausgabe (1869) "Der achtzehnte Brumaire des
Louis Bonaparte"]
Mein zu früh verstorbener Freund Joseph Weydemeyer *) beabsich-
tigte vom 1. Januar 1852 an eine politische Wochenschrift in New
York herauszugeben. Er forderte mich auf, für dieselbe die Ge-
schichte des coup d'état 1*) zu liefern. Ich schrieb ihm daher
wöchentlich bis Mitte Februar Artikel unter dem Titel: "Der acht-
zehnte Brumaire des Louis Bonaparte". Unterdes war Weydemeyers
ursprünglicher Plan gescheitert. Dagegen veröffentlichte er im
Frühling 1852 eine Monatsschrift: "Die Revolution", deren erstes
Heft aus meinem "Achtzehnten Brumaire" besteht. Einige hundert
Exemplare davon fanden damals den Weg nach Deutschland, ohne je-
doch in den eigentlichen Buchhandel zu kommen. Ein äußerst radi-
kal tuender deutscher Buchhändler, dem ich den Vertrieb anbot,
antwortete mit wahrhaft sittlichem Entsetzen über solch
"zeitwidrige Zumutung".
Man ersieht aus diesen Angaben, daß die vorliegende Schrift unter
dem unmittelbaren Druck der Ereignisse entstand und ihr histori-
sches Material nicht über den Monat Februar (1852) hinausreicht.
Ihre jetzige Wiederveröffentlichung ist teils buchhändlerischer
Nachfrage, teils dem Andringen meiner Freunde in Deutschland ge-
schuldet.
Von den Schriften, welche ungefähr g l e i c h z e i t i g mit
der meinigen denselben Gegenstand behandelten, sind nur zwei be-
merkenswert: Victor Hugos "Napoléon le petit" und Proudhons "Coup
d'état".
Victor Hugo beschränkt sich auf bittere und geistreiche Invektive
gegen den verantwortlichen Herausgeber des Staatsstreichs. Das
Ereignis selbst erscheint bei ihm wie ein Blitz aus heitrer Luft.
Er sieht dann nur die Gewalttat eines einzelnen Individuums. Er
merkt nicht, daß er dies Individuum groß statt klein macht, indem
er ihm eine persönliche Gewalt der Initiative zuschreibt, wie sie
beispiellos in der Weltgeschichte dastehen würde. Proudhon
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*) Während des amerikanischen Bürgerkriegs Militärkommandant des
Distrikts von St. Louis.
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1*) Staatsstreiches
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seinerseits sucht den Staatsstreich als Resultat einer vorherge-
gangenen geschichtlichen Entwicklung darzustellen. Unter der Hand
verwandelt sich ihm jedoch die geschichtliche Konstruktion des
Staatsstreichs in eine geschichtliche Apologie des Staats-
streichshelden. Er verfällt so in den Fehler unserer sogenannten
o b j e k t i v e n Geschichtsschreiber. Ich weise dagegen nach,
wie der K l a s s e n k a m p f in Frankreich Umstände und Ver-
hältnisse schuf, welche einer mittelmäßigen und grotesken Perso-
nage das Spiel der Heldenrolle ermöglichen.
Eine Umarbeitung der vorliegenden Schrift hätte sie ihrer eigen-
tümlichen Färbung beraubt. Ich habe mich daher auf bloße Korrek-
tur von Druckfehlern beschränkt und auf Wegstreichung jetzt nicht
mehr verständlicher Anspielungen.
Der Schlußsatz meiner Schrift: "Aber wenn der Kaisermantel end-
lich auf die Schultern Louis Bonapartes fällt, wird das eherne
Standbild Napoleons von der Höhe der Vendôme-Säule herabstürzen",
hat sich bereits erfüllt. [118]
Oberst Charras eröffnete den Angriff auf den Napoleon-Kultus in
seinem Werke über den Feldzug von 1815. Seitdem, und namentlich
in den letzten Jahren, hat die französische Literatur mit den
Waffen der Geschichtsforschung, der Kritik, der Satire und des
Witzes der Napoleon-Legende den Garaus gemacht. Außerhalb
Frankreichs ward dieser gewaltsame Bruch mit dem traditionellen
Volksglauben, diese ungeheure geistige Revolution, wenig beachtet
und noch weniger begriffen.
Schließlich hoffe ich, daß meine Schrift zur Beseitigung der
jetzt namentlich in Deutschland landläufigen Schulphrase vom so-
genannten C ä s a r i s m u s beitragen wird. Bei dieser ober-
flächlichen geschichtlichen Analogie vergißt man die Hauptsache,
daß nämlich im alten Rom der Klassenkampf nur innerhalb einer
privilegierten Minorität spielte, zwischen den freien Reichen und
den freien Armen, während die große produktive Masse der Bevölke-
rung, die Sklaven, das bloß passive Piédestal für jene Kämpfer
bildete. Man vergißt Sismoniis bedeutenden Ausspruch: Das römi-
sche Proletariat lebte auf Kosten der Gesellschaft, während die
moderne Gesellschaft auf Kosten des Proletariats lebt. Bei so
gänzlicher Verschiedenheit zwischen den materiellen, ökonomischen
Bedingungen des antiken und des modernen Klassenkampfs können
auch seine politischen Ausgeburten nicht mehr miteinander gemein
haben als der Erzbischof von Canterbury mit dem Hohenpriester Sa-
muel.
London, 23. Juni 1869
Karl Marx
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Friedrich Engels
Vorrede [zur dritten Auflage (1885) "Der achtzehnte Brumaire des
Louis Bonaparte" von Karl Marx]
Daß eine neue Auflage des "Achtzehnten Brumaire" nötig geworden,
dreiunddreißig Jahre nach dem ersten Erscheinen, beweist, daß das
Schriftchen auch heute noch nichts von seinem Wert verloren hat.
Und in der Tat war es eine geniale Arbeit. Unmittelbar nach dem
Ereignis, das die ganze politische Welt wie ein Wetterstrahl aus
heiterm Himmel überrascht, das von den einen mit lautem Schrei
sittlicher Entrüstung verdammt, von den andern als Rettung aus
der Revolution und als Strafe für ihre Verirrungen akzeptiert,
von allen aber nur angestaunt und von keinem verstanden wurde -
unmittelbar nach diesem Ereignis trat Marx auf mit einer kurzen,
epigrammatischen Darstellung, die den ganzen Gang der fran-
zösischen Geschichte seit den Februartagen in ihrem innern Zusam-
menhang darlegte, das Mirakel des zweiten Dezembers in ein natür-
liches, notwendiges Resultat dieses Zusammenhangs auflöste, und
dabei nicht einmal nötig hatte, den Helden des Staatsstreichs an-
ders als mit der wohlverdienten Verachtung zu behandeln. Und mit
solcher Meisterhand war das Bild gezeichnet, daß jede neue, in-
zwischen erfolgte Enthüllung nur neue Beweise dafür geliefert
hat, wie treu es die Wirklichkeit widerspiegelt. Dies eminente
Verständnis der lebendigen Tagesgeschichte, dies klare Durch-
schauen der Begebenheiten, im Moment, wo sie sich ereignen, ist
in der Tat beispiellos.
Dazu gehörte aber auch Marx' genaue Kenntnis der französischen
Geschichte. Frankreich ist das Land, wo die geschichtlichen Klas-
senkämpfe mehr als anderswo jedesmal bis zur Entscheidung durch-
gefochten wurden, wo also auch die wechselnden politischen For-
men, innerhalb deren sie sich bewegen und in denen ihre Resultate
sich zusammenfassen, in den schärfsten Umrissen ausgeprägt sind.
Mittelpunkt des Feudalismus im Mittelalter, Musterland der ein-
heitlichen ständischen Monarchie seit der Renaissance, hat
Frankreich in der großen Revolution den Feudalismus zertrümmert
und die reine Herrschaft der Bourgeoisie begründet in einer Klas-
sizität wie kein anderes europäisches Land. Und auch der Kampf
des aufstrebenden Proletariats gegen die herrschende Bourgeoisie
tritt hier in einer, anderswo unbekannten,
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akuten Form auf. Das war der Grund, weshalb Marx nicht nur die
vergangne französische Geschichte mit besondrer Vorliebe stu-
dierte, sondern auch die laufende in allen Einzelnheiten ver-
folgte, das Material zu künftigem Gebrauch sammelte und daher nie
von den Ereignissen überrascht wurde.
Dazu aber kam noch ein anderer Umstand. Es war grade Marx, der
das große Bewegungsgesetz der Geschichte zuerst entdeckt hatte,
das Gesetz, wonach alle geschichtlichen Kämpfe, ob sie auf poli-
tischem, religiösem, philosophischem oder sonst ideologischem Ge-
biet vor sich gehn, in der Tat nur der mehr oder weniger deutli-
che Ausdruck von Kämpfen gesellschaftlicher Klassen sind, und daß
die Existenz und damit auch die Kollisionen dieser Klassen wieder
bedingt sind durch den Entwicklungsgrad ihrer ökonomischen Lage,
durch die Art und Weise ihrer Produktion und ihres dadurch be-
dingten Austausches. Dies Gesetz, das für die Geschichte dieselbe
Bedeutung hat wie das Gesetz von der Verwandlung der Energie für
die Naturwissenschaft - dies Gesetz gab ihm auch hier den Schlüs-
sel zum Verständnis der Geschichte der zweiten französischen Re-
publik. An dieser Geschichte hat er hier die Probe auf sein Ge-
setz gemacht, und selbst nach dreiunddreißig Jahren müssen wir
noch sagen, daß diese Probe glänzend ausgefallen ist.
F.E.
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