Quelle: MEW 8 August 1851 - März 1853


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       C. Aufzeichnungen und Dokumente
       
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       Sitzung der Zentralbehörde vom 15. September 1850 [366]
       
       Gegenwärtig: Marx,  Engels, Schramm,  Pfänder,  Bauer,  Eccarius,
       Schapper, Willich, Lehmann.
       Fränkel ist entschuldigt.
       Das Protokoll  der letzten Sitzung ist nicht gegenwärtig, da dies
       eine außerordentliche Sitzung ist, und wird daher nicht verlesen.
       Marx:  Die   Freitagssitzung  konnte   wegen  Kollision  mit  der
       Kommissionssitzung der  Gesellschaft [293]  nicht stattfinden. Da
       Willich eine Kreisversammlung, deren Rechtmäßigkeit ich nicht un-
       tersuche, berufen,  muß die Sitzung heute stattfinden. Ich stelle
       folgenden, in drei Artikel zerfallenden Antrag:
       1. Die Zentralbehörde  ist von  London nach Köln verlegt und geht
       auf die dortige Kreisbehörde über, sobald die heutige Sitzung der
       Zentralbehörde geschlossen  ist. Dieser Beschluß wird den Bundes-
       mitgliedern in  Paris, Belgien  und der  Schweiz mitgeteilt. Nach
       Deutschland wird die neue Zentralbehörde ihn selbst anzeigen.
       Motive: Ich  war gegen Schappers Antrag für eine allgemeine deut-
       sche Kreisbehörde in Köln, um die Einheit der Zentralgewalt nicht
       zu stören. Dies fällt in unserm Antrag weg. Dazu kommt eine Reihe
       neuer Gründe. Die Minorität der Zentralbehörde ist in offener Re-
       bellion gegen  die Majorität  sowohl bei  dem Tadelsvotum letzter
       Sitzung wie bei der jetzt vom Kreis berufenen Generalversammlung,
       wie im  Verein und bei den Flüchtlingen [142]. Daher ist die Zen-
       tralbehörde hier  unmöglich. Die Einheit der Z.B. kann nicht mehr
       beibehalten werden,  sie müßte sich spalten und zwei Bünde würden
       gemacht. Da aber das Interesse der Partei vorgeht, so schlage ich
       diesen Ausweg vor.
       2. Die bisherigen  Statuten des  Bundes sind  aufgehoben. Es wird
       der neuen Zentralbehörde aufgegeben, neue Statuten zu machen.
       Motive: Die  1847er Kongreßstatuten  sind 1848  von der  Londoner
       Z.B. verändert. Die Zeitverhältnisse sind jetzt wieder verändert.
       Die letzten Londoner Statuten haben die prinzipiellen Artikel der
       Statuten geschwächt.
       
       #598# Beilagen
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       Beide Statuten  gelten hier  oder da, an einigen Orten gelten gar
       keine oder ganz eigenmächtig gemachte, also vollständige Anarchie
       im Bunde.  Dazu sind die letzten Statuten veröffentlicht und kön-
       nen also  nicht mehr dienen. Mein Antrag geht also der Sache nach
       dahin, daß  an die Stelle der Staatenlosigkeit wirkliche Statuten
       gesetzt werden [367].
       3. Es werden  in London zwei Kreise gebildet, die in absolut kei-
       ner Beziehung  zueinander stehen  und nur das Band haben, daß sie
       im Bund sind und mit derselben Zentralbehörde korrespondieren.
       Motive: Grade wegen der Einheit des Bundes ist es nötig, daß hier
       zwei Kreise  gegründet werden. Außer den persönlichen Gegensätzen
       sind auch  prinzipielle Gegensätze sogar in der Gesellschaft her-
       vorgetreten. Grade  in der  letzten Debatte  über die  Frage "die
       Stellung des  deutschen Proletariats  in der nächsten Revolution"
       sind von  Mitgliedern der Minorität der Z.B. Ansichten ausgespro-
       chen, die  direkt dem  vorletzten Rundschreiben  1*),  sogar  dem
       "Manifest" widersprechen. An die Stelle der universellen Anschau-
       ung des  "Manifestes" ist die deutsche nationale getreten und dem
       Nationalgefühl der  deutschen Handwerker  geschmeichelt Statt der
       materialistischen Anschauung  des "Manifestes" ist die idealisti-
       sche hervorgehoben  worden. Statt der wirklichen Verhältnisse der
       W i l l e  als Hauptsache in der Revolution hervorgehoben worden.
       Während wir  den Arbeitern  sagen: Ihr habt 15, 20, 50 Jahre Bür-
       gerkrieg durchzumachen,  um die  Verhältnisse zu  ändern, um euch
       selbst zur  Herrschaft zu befähigen, ist statt dessen gesagt wor-
       den: Wir  müssen   g l e i c h   zur Herrschaft  kommen, oder wir
       können uns  schlafen legen.  Wie  von  den  Demokraten  das  Wort
       "Volk", ist  jetzt das  Wort "Proletariat"  als bloße  Phrase ge-
       braucht worden.  Um diese  Phrase durchzuführen,  müßte man  alle
       Kleinbürger als Proletarier erklären, also de facto die Kleinbür-
       ger und  nicht die Proletarier vertreten. An die Stelle der wirk-
       lichen revolutionären  Entwicklung müßte man die Phrase der Revo-
       lution setzen. Diese Debatte hat endlich bewiesen, welche prinzi-
       piellen Differenzen den Hintergrund der persönlichen Streitigkei-
       ten bildeten,  und jetzt  ist es Zeit einzuschreiten. Grade diese
       Gegensätze sind als Kampfparole der zwei Fraktionen genommen wor-
       den, und von verschiedenen Bundesmitgliedern sind die Verteidiger
       des "Manifestes"  als Reaktionäre  bezeichnet worden, und man hat
       sie hierdurch  unpopulär zu machen gesucht, was ihnen aber völlig
       gleichgültig ist,  da sie keine Popularität suchen. Die Majorität
       hätte hiernach  das Recht,  den Kreis  London aufzulösen  und die
       Mitglieder der  Minorität als  mit den  Prinzipien des  Bundes im
       Widerspruch auszustoßen.  Ich stelle diesen Antrag nicht, weil es
       nutzlosen Krakeel  herbeiführen würde  und weil diese Leute ihrer
       Überzeugung nach  doch Kommunisten sind, obwohl die jetzt von ih-
       nen  ausgesprochenen   Ansichten   antikommunistisch   sind   und
       höchstens
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       1*) Siehe Band 7 unserer Ausgabe, S. 244-254
       
       #599# Aufzeichnungen und Dokumente
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       sozial-demokratische genannt  werden  können.  Es  versteht  sich
       aber, daß  es reiner  schädlicher Zeitverlust wäre, wenn wir bei-
       sammen blieben.  Schapper hat  oft von Trennung gesprochen, gut -
       ich mache  Ernst mit der Trennung. Ich glaube den Weg gefunden zu
       haben, auf dem wir uns trennen, ohne die Partei zu sprengen.
       Ich erkläre,  daß ich  nach meiner Ansicht höchstens 12 Leute bei
       unserem Kreis  wünsche, möglichst wenige, und lasse der Minorität
       gerne den  ganzen Schwarm.  Ist dieser  Vorschlag angenommen,  so
       können wir  offenbar nicht  in der  Gesellschaft bleiben; ich und
       die Majorität  werden aus  der G[rea]t  Windmill Str[ee]t Gesell-
       schaft [293]  austreten. Endlich  handelt es  sich nicht  um eine
       feindliche Beziehung  der beiden Fraktionen, sondern im Gegenteil
       um die  Aufhebung der  Spannung und  daher aller  Beziehungen. Im
       Bund und  in der  Partei bleiben  wir zusammen, aber in einer nur
       schädlichen Beziehung bleiben wir nicht.
       Schapper: Wie in Frankreich das Proletariat sich von der Montagne
       [60] und  der "Presse"  [97] trennt,  so hier  die Leute, die die
       Partei prinzipiell  vertreten, sich von denen, die im Proletariat
       organisieren, trennen.  Für die  Verlegung der Zentralbehörde bin
       ich, auch  für Änderung  der Statuten. Die Kölner kennen die Ver-
       hältnisse in  Deutschland. Auch  glaube ich, daß die neue Revolu-
       tion Leute  hervorbringen wird,  die sich  selbst leiten  werden,
       besser als alle Leute, die 1848 einen Namen hatten. Was die prin-
       zipiellen Spaltungen anbetrifft, so hat Eccarius die Frage vorge-
       schlagen, die  Anlaß zu dieser Debatte gab. Ich habe die hier an-
       gefochtene Ansicht  ausgesprochen, weil  ich überhaupt  in dieser
       Sache enthusiastisch bin. Es handelt sich darum, ob wir im Anfang
       selbst köpfen  oder geköpft  werden. In Frankreich werden die Ar-
       beiter drankommen  und damit   w i r   in  Deutschland. Wäre  das
       nicht der  Fall, so würde ich mich allerdings schlafen legen, und
       dann könnte ich eine andere materielle Stellung haben. Kommen wir
       dran, so können wir solche Maßregeln ergreifen, welche dem Prole-
       tariat die  Herrschaft sichern.  Ich bin  fanatisch für diese An-
       sicht. Die  Zentralbehörde aber  hat das Gegenteil gewollt. Wollt
       ihr aber  nichts mehr  mit uns zu tun haben, gut - so trennen wir
       uns jetzt.  Ich werde  in der nächsten Revolution gewiß guilloti-
       niert, aber  ich werde  nach Deutschland  gehen. Wollt ihr aber 2
       Kreise bilden,  gut - dann hört aber der Bund auf, und dann tref-
       fen wir uns in Deutschland wieder, und vielleicht können wir dann
       wieder zusammengehen.  Ich bin  ein persönlicher Freund von Marx,
       aber wollt  ihr die  Trennung, gut,  so gehen  wir allein Und ihr
       geht allein.  Dann sollen aber 2 Bünde gegründet werden. Der eine
       für die,  welche mit der Feder wirken, der andere für die, Welche
       anders wirken.  Ich bin  nicht der  Ansicht, daß die Bourgeois in
       Deutschland zur Herrschaft kommen, und ich bin fanatischer Enthu-
       siast in  dieser Hinsicht, wäre ich das nicht, so gäbe ich keinen
       Deut für  die ganze  Geschichte. Aber  2 Kreise hier in London, 2
       Gesellschaften, 2  Flüchtlingskomitees, dann  wollen  wir  lieber
       auch 2 Bünde und vollständige Trennung.
       
       #600# Beilagen
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       Marx: Schapper hat meinen Antrag mißverstanden. Sobald der Antrag
       angenommen, trennen  wir uns,  die 2 Kreise trennen sich, und die
       Personen stehen  in keiner Beziehung zueinander. Sie sind aber in
       demselben Bund  und unter derselben Zentralbehörde. Ihr sollt so-
       gar die  große Masse der Bundesmitglieder behalten. Was persönli-
       che Opfer  angeht, habe  ich so  viele gebracht, wie jemand, aber
       für die  Klasse, nicht für Personen. Was den Enthusiasmus angeht,
       gehört wenig  Enthusiasmus dazu,  zu einer Partei zu gehören, von
       der man glaubt, sie käme an die Regierung. Ich habe stets der mo-
       mentanen Meinung  des Proletariats  getrotzt. Wir  devouieren uns
       einer Partei, die zu ihrem Besten grade noch nicht zur Herrschaft
       kommen kann. Das Proletariat, käme es zur Herrschaft, würde nicht
       direkt proletarische,  sondern kleinbürgerliche Maßregeln ergrei-
       fen. Unsere  Partei kann erst zur Regierung kommen, wenn die Ver-
       hältnisse es  erlauben,   i h r e   Ansicht durchzuführen.  Louis
       Blanc liefert  das beste Exempel, was man ausrichtet, wenn man zu
       früh zur  Herrschaft kommt.  [368] In  Frankreich kommen übrigens
       nicht die  Proletarier allein,  sondern mit  ihnen die Bauern und
       Kleinbürger  zur   Herrschaft  und  werden  nicht  ihre,  sondern
       d e r e n   Maßregeln durchführen  müssen. Die  Kommune von Paris
       [369] beweist, daß man nicht in der Regierung zu sein braucht, um
       etwas durchzuführen.  Übrigens, warum spricht sich keiner der üb-
       rigen Mitglieder  der Minorität,  namentlich der  Bürger  Willich
       aus, die  damals alle  einstimmig das Rundschreiben gebilligt ha-
       ben. Den Bund können wir nicht trennen und wollen wir nicht tren-
       nen, sondern bloß den Kreis London in 2 Kreise trennen.
       Eccarius: Ich habe die Frage gestellt und habe die Absicht aller-
       dings gehabt, die Sache zur Sprache zu bringen. Was die Schapper-
       sche Auffassung  angeht, so  habe ich  in der Gesellschaft entwi-
       ckelt, warum  ich sie für eine Illusion halte und warum ich nicht
       glaube, daß  unsere Partei  sogleich bei der nächsten Revolution]
       zur Herrschaft  kommen kann.  Unsere Partei ist dann in den Klubs
       wichtiger als in der Regierung.
       Der Bürger  Lehmann entfernt  sich, ohne  ein Wort zu sagen. Des-
       gleichen der Bürger Willich.
       Art. 1 angenommen von allen. Schapper stimmt nicht;
       Art. 2 angenommen von allen. Schapper desgleichen.
       Art. 3 angenommen desgl. Schapper desgl.
       Schapper erklärt  seinen Protest  gegen uns  alle. Wir sind jetzt
       vollkommen getrennt. Ich habe meine Bekannte und Freunde in Köln,
       die mir mehr folgen als euch.
       Marx: Wir haben unsere Sache statutengemäß abgemacht, und die Be-
       schlüsse der Z.B. haben Gültigkeit.
       Nach Verlesung des Protokolls erklären Marx und Schapper, daß sie
       nicht nach Köln in dieser Angelegenheit geschrieben haben.
       
       #601# Aufzeichnungen und Dokumente
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       Schapper wird  gefragt, ob er etwas gegen das Protokoll einzuwen-
       den habe. Er erklärt, daß er nichts einzuwenden habe, da er jeden
       Einwand für unnötig hält.
       Eccarius trägt  an, daß  das Protokoll  von  allen  unterzeichnet
       werde. Angenommen. Schapper erklärt, daß er es nicht unterschrei-
       ben werde.
       So geschehen London, den 15. September 1850
       Vorgelesen, genehmigt u. unterschrieben
       gez. K. Marx, Präsident der Zentralbehörde   gez. K. Schramm gez.
       F. Engels, Sekretär                     gez. J.G. Eccarius
       gez. Henry Bauer                             gez. K. Pfänder
       Nach dem Manuskript.
       
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       [Aufruf zur  Unterstützung der in Köln verurteilten Vertreter des
       Proletariats und ihrer Familien [370]]
       
       ["California Staats-Zeitung" vom Januar 1853]
       Folgendes Schreiben  ist uns  zugekommen nebst nachstehendem Auf-
       ruf. Wir  publizieren die Zusendung dem Wunsche der Schreiber ge-
       mäß.
       Für die "California Staats-Zeitung"
       Washington, den 14. Januar 1853
       An das deutsch-amerikanische Publikum!
       Mit dem Kölner Monsterprozeß ist die Arbeiterbewegung in Deutsch-
       land in eine neue Phase getreten. Sie hat sich entfesselt von den
       Banden, die  ihr der  enge Kreis einer fanatischen Sektenbewegung
       anlegte und ist offen herausgetreten in die politische Arena. Den
       Prokuratoren des bürokratischen Polizeistaates standen Staatsmän-
       ner des  Proletariats gegenüber;  rheinischer Adel und rheinische
       Bourgeoisie haben  sich als Jury in ein Standgericht konstituiert
       und der  Opposition der Arbeit gegen ihre Privilegien ihr "Schul-
       dig" zugerufen. Es wird unter diesen Umständen für uns eine ange-
       nehme Pflicht,  auf nachstehenden  Aufruf, den Mitglieder unseres
       Vereins von  den Unterzeichnern zur Verbreitung in den Ver. Staa-
       ten zugeschickt  erhielten, aufmerksam  zu machen,  indem wir uns
       zugleich erbieten,  etwa eingehende  kleine Summen,  gegen  Rech-
       nungsablage, nach London zu befördern.
       
       #602# Beilagen
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       Ihr Vereine,  wie ihr euch immer nennen mögt, die Zeit ist da, wo
       eure Mitglieder  zahlreiche Abende im fröhlichen Kreise sich tum-
       melnd durchleben,  ermutigt unsre  energischen Freunde  im Vater-
       lande, indem  ihr den im Kampf Geschlagenen helfend die Hand bie-
       tet, durch  Zuwendung des Ertrags eines solchen Abends. Zusendun-
       gen werden  erbeten unter  der Adresse: Unterstützungssache, care
       of 1*) Adolf Cluß, Adams Expreß, Iron Building, Washington D.C.
       Washington, den 10. Januar 1853
       J. Gerhardt, Präs.   Ad. Cluß, Sekr.
       
       Aufruf
       Es ist  Pflicht der Arbeiterpartei, die Lage ihrer in Köln verur-
       teilten Vorkämpfer  zu erleichtern und namentlich für die hülflos
       zurückgebliebenen Familien  zu sorgen. Wir erwarten, daß auch die
       deutschen Arbeiter  der Ver. Staaten sich von dieser Parteischuld
       nicht ausschließen. Kassierer für die Empfangnahme der den Gefan-
       genen und  ihren Familien  bestimmten Summen  ist: Ferd.  Freili-
       grath, 3 Sutten Place, Hackney, London.
       London, den 7. Dez. 1852
       Johann Baer     Ernest Jones      L.W. Rings
       E. Dronke       G. Lochner        E. Rumpf
       J.G. Eccarius   K. Marx           J. Ulmer
       J.F. Eccarius   W. Liebknecht     Ferd. Wolff
       Fr. Engels      F. Münks          W. Wolff
       F .Freiligrath  K. Pfänder        Münks II
       Imandt          W. Pieper
       Die deutsch-amerikanischen Blätter sind ersucht zu kopieren.
       
       3
       
       Aufruf zur  Unterstützung der  in Köln verurteilten Vertreter des
       Proletariats und ihrer Familien
       
       ["New-Yorker Criminal-Zeitung" vom Januar 1853]
       Zu den Verpflichtungen, welche politische Parteien gegen sich und
       ihre Mitglieder stillschweigend übernehmen, gehört vor allen Din-
       gen die  Unterstützung derjenigen,  welche auf vorgeschobenen Po-
       sten, die sie mit Mut und
       -----
       1*) zu Händen
       
       #603# Aufzeichnungen und Dokumente
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       Ausdauer bis  zum Äußersten  behaupteten, dem Feinde in die Hände
       fallen. -  Für die  proletarische, die Arbeiterpartei, nahmen die
       Kölner Verurteilten in Deutschland diese Stellung ein; sie wurden
       nicht verurteilt  des ihnen  zur Last  gelegten Verbrechens - lä-
       cherliche Revolutionsmàcherei  - wegen,  sondern Weil  sie an der
       Organisation der  Arbeiterpartei gearbeitet hatten, von Richtern,
       die dem Geld- und Feudaladel angehören, deren Urteil aber deshalb
       ein ungerechtes  werden mußte,  deren etwa  - mögliche  Gewissen-
       haftigkeit indes  zum Überfluß die preußische Regierung durch die
       gemeinsten Fälschungen zu beseitigen wußte.
       Unbemittelte Arbeiter und Literaten, die sich durch den täglichen
       Verdienst ihrer  Hände und  Feder ernährt hatten, sind die Verur-
       teilten durch  ihre Gefangenschaft  aller Mittel beraubt, für die
       ihrigen weiter zu sorgen, und sie selbst laufen Gefahr, durch die
       Leiden und  Entbehrungen, welche  sie im  Gefängnisse zu erdulden
       haben, jene  Frische und  Elastizität des  Geistes zu  verlieren,
       welche ihnen in der Partei bisher ihre hervorragende Stellung an-
       wies, wenn  nicht alles  aufgeboten wird, ihre Lage zu verbessern
       und ihnen  die drückende  Sorge für  den Unterhalt ihrer Familien
       abzunehmen.
       In London hat sich sofort ein Komitee gebildet, das Ferd. Freili-
       grath, den  Dichter des Proletariats, zu seinem Kassierer erwählt
       hat und  den Führer  der englischen  Chartisten, Ernest Jones, zu
       seinem Mitgliede zahlt. Es hat an die deutschen Arbeiter Amerikas
       folgenden Aufruf gerichtet, dem wir zu entsprechen uns beeilt ha-
       ben:
       "Es ist  die Pflicht  der Arbeiterpartei,  die Lage ihrer zu Köln
       verurteilten Vorkämpfer  zu erleichtern  und namentlich  für  die
       hülflos zurückgebliebenen  Familien zu  sorgen. Wir erwarten, daß
       auch die Arbeiter der Vereinigten Staaten sich von dieser Partei-
       schuld nicht ausschließen."
       Kassierer für die Empfangnahme der den Gefangenen und ihren Fami-
       lien bestimmten  Summen ist:  Ferdinand Freiligrath, Nr. 3 Sutton
       Place, Hackney, London.
       Unterzeichnet: Joh.  Baer, E.  Dronke, Joh.  Georg Eccarius, Joh.
       Fried. Eccarius,  Fr. Engels,  F. Freiligrath, Imandt, Ernest Jo-
       nes, W.  Liebknecht, G.  Lochner, F. Münks, Münks II, K. Marx, K.
       Pfänder, W.  Pieper, W.  Rings, E.  Rumpf, J. Ulmer, Ferd. Wolff,
       Wilh. Wolff.
       Der sozialistische Turnverein [371] hat seinen Verwaltungsrat mit
       der Organisation  der Unterstützung beauftragt, die Unterzeichne-
       ten sind als Spezialkomitee aus diesem hervorgegangen und richten
       hiermit an  alle Deutsche  New Yorks,  welche für  die Sache  der
       Freiheit und  deren Vertreter  im alten Vaterlande noch warm füh-
       len, die Aufforderung, Unterstützungsbeiträge an sie einzusenden,
       über deren Verwendung der Turnverein s. Z. Rechnung ablegen wird.
       - Von den Vereinen von gleicher Parteistellung setzen wir voraus,
       daß sie  sich dieser  Unterstützungsangelegenheit  mit  freudigem
       Herzen eifrig annehmen werden.
       
       #604# Beilagen
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       Von seiten des Vorstandes ist an sämtliche Turngemeinden der Ver-
       einigten Staaten bereits Aufforderung ergangen.
       Zum Schluß  bemerken wir noch, daß für den ersten Montag des März
       eine allgemeine Verlosung durch die soz. Turngemeinden angeordnet
       ist, welche, wie. wir überzeugt sind, durch die bei ähnlichen Ge-
       legenheiten mehrfach erprobte Freigiebigkeit der deutschen Frauen
       und Jungfrauen  als Ausdruck ihrer Sympathie für die Freiheit und
       deren Vorkämpfer recht reich ausfallen wird.
       Listen zur  Unterzeichnung von  Beiträgen, mögen sie in Geld oder
       sonstigen Geschenken bestehen, sind mit dem Siegel des soz. Turn-
       vereins versehen  und liegen  im Lokale  desselben, Nr. 38 Canal-
       str., bei  Reicherzer und  Hein, Nr.  12 North William Street und
       bei V. Keck, wohnhaft bei Jos. Müller, Nr. 24 Allen Street, aus.
       New York, den 16. Jan. 1853
       Der Verwaltungsrat der soz. Turngemeinde,
       namens desselben:
       Das Unterstützungskomitee:
       K. Reicherzer, J.L. Schuler, B. Becker,
       V. Keck, E. Reistle

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