Quelle: MEW 11 Januar 1855 - April 1856


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       Karl Marx
       
       Ein Brief Napiers
       
       ["Neue Oder-Zeitung" Nr. 397 vom 27. August 1855]
       London, 24. August. Sir Charles Napier veröffentlicht in den heu-
       tigen Tagesblättern  einen Brief [261], worin unsere Ansicht über
       die Sweaborg-Affäre  wesentlich bestätigt wird. Wir teilen daraus
       folgenden Auszug mit:
       
       "Man ersieht  aus dem,  was ich  selbst geschrieben habe, wie aus
       der Depesche des Admiral Dundas, daß, hätte man meinen Plan wört-
       lich befolgt,  Sweaborg bereits  vernichtet wäre.  Es stellt sich
       heraus, daß  die Alliierten nur 43 Kanonenboote und Mörserschiffe
       hatten und  daß viele Mörserboote außer Stand gesetzt wurden. Sie
       hätten wenigstens  100 haben  sollen. Sir  James Graham, 1854, in
       einem Briefe  an mich,  schätzte ihren Bedarf auf 200. Wäre diese
       Zahl vorhanden  gewesen, so hätte man das Bombardement fortsetzen
       können vermittels  Ablösung der  Leute, ähnlich  wie sie  in  den
       Laufgräben abgelöst  werden. Die Mörser hätten Zeit gehabt, abzu-
       kühlen, und  das Bombardement  konnte fortdauern,  bis kein Stein
       mehr auf dem andern stand und eine Öffnung bewerkstelligt war für
       die Linienschiffe,  um hineinzusegeln  und das  Werk zu  endigen.
       Statt dessen  scheint die  Admiralität nicht vorhergesehen zu ha-
       ben, daß Mörser nicht für ewig an ihrem Platze stehen können, ob-
       gleich Berichte  von Sewastopol sie darüber belehrt haben mußten.
       So hatte  eine Operation,  die mit großem Urteil geleitet gewesen
       zu sein  scheint, nur ganz teilweisen Erfolg, denn Admiral Dundas
       gibt in  seinem Berichte zu, daß die russischen Seeverteidigungen
       kaum beschädigt worden sind. Wären die Mittel des Admirals Dundas
       größer gewesen, so hätte er sein Bombardement so lange fortsetzen
       können, als  das gute  Wetter fortdauerte, und die Flotten, statt
       nach Nargen zurückzukehren, konnten in Sweaborg Anker werfen.
       Im ersten  Jahr konnte  die Admiralität wegen des Mangels an Mit-
       teln vielleicht entschuldigt werden, sicher aber nicht im zweiten
       Jahr. Statt  Kanonen- und Mörserboote zu bauen, baute sie schwim-
       mende   e i s e r n e   Batterien, die kaum zu schwimmen vermoch-
       ten, und selbst, hätten sie schwimmen können, nutzlos gewesen wä-
       ren, weil  sie innerhalb  400 Yards  von Sweaborg der Vernichtung
       sicher waren  und über  400 Yards hinaus keinen Schaden anrichten
       konnten.
       
       #502# Karl Marx
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       Der erste  Versuch mit  Eisen kostete dem Lande eine Million, und
       wo ist sie hingekommen? Der zweite Versuch nicht viel weniger als
       eine halbe  Million, und  noch haben diese eisernen Batterien un-
       sere Häfen nicht verlassen und werden sie wahrscheinlich nie ver-
       lassen. Das  kommt davon,  daß unfähige  Menschen an  der  Spitze
       sind. Die  Minister sind  gezwungen worden, das Kriegsdepartement
       zu reformieren.  Wann werden sie an Reformen der Admiralität den-
       ken? So  lang sie es nicht tun, ist das Geld des Volkes weggewor-
       fen. Die  Admiralität scheint  die  Wirkung  eines  Bombardements
       nicht verstanden  zu haben,  obgleich ich ihr länger als ein Jahr
       voraussagte, was sich ereignen würde; und wenn sie Geschichte ge-
       lesen hätten,  würden sie  wissen, daß  Martinique durch  Mörser-
       schiffe genommen  wurde, wo  ebensowenig Kasematten für die ganze
       Garnison existierten  wie zu  Sweaborg. Admiral  Dundas sagt,  es
       habe keinen Teil seines Plans gebildet, einen allgemeinen Angriff
       der Linienschiffe  auf die Verteidigungen zu versuchen, und seine
       Operationen hätten  sich daher darauf beschränkt, Festung und Ar-
       senale so weit zu zerstören, als durch Mörser möglich war.
       Hätte Admiral Dundas hinreichende Mittel zur Verfügung gehabt, so
       würde er  einen Angriff  auf die  Verteidigungen in  seinen  Plan
       gezogen und  seine Gesamtflotte  konzentriert haben,  bereit, den
       Schrecken und  die Verwirrung  zu benutzen,  die die Kanonen- und
       Mörserboote verursachen müßten. Die Hitze des angestifteten Bran-
       des allein  würde die  Garnison von den Kanonen ferngehalten, die
       Flotte würde  sich in Sweaborg befunden und Festungswerke, Inseln
       usw. zum  Teufel geblasen  haben, statt bloß hölzerne Gebäude und
       Arsenale zu  zerstören und  die wirkliche Arbeit wieder für näch-
       stes Jahr aufzuschieben."
       
       Napier endet seinen Brief wie folgt:
       
       "Sir James Graham war einer der Minister, die die britische Armee
       mitten im  September nach  Sewastopol sandten,  ohne  Mittel  der
       Fortbewegung, ohne  Nahrung, Zelte,  Kleidung und  Hospitale,  um
       einen öden  Winter zuzubringen und unterzugehen -, und er war der
       Minister, der  mich bestimmen wollte, Ende Oktober eine britische
       Flotte zu  nehmen und sie unter den Felsen von Sweaborg zerschel-
       len zu  lassen, und  zu ihrer  Schande fand er zwei Seeoffiziere,
       die seinen insultierenden Brief an mich unterschrieben, und diese
       Leute befinden sich noch in der Admiralität. Das ist die Art, wie
       die Marine  dieses Landes  geleitet wird.  Die zwei Sommer in der
       Ostsee werden  der Admiralität  als Lektion  dienen. Sie befindet
       sich im  Besitz meiner  Angriffs-pläne auf  Kronstadt  und  wahr-
       scheinlich ebenso  der Pläne des Admiral Dundas. Sir James Graham
       und seine  beiden Helfershelfer werden daher wohl nächsten Sommer
       sich aufmachen und diese Pläne selbst ausführen."

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