Quelle: MEW 11 Januar 1855 - April 1856
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Karl Marx
[Joseph] Hume
["Neue Oder-Zeitung" Nr. 98 vom 28. Februar 1855]
London, 24. Februar. In Hume ist der Veteran des Hauses der Ge-
meinen gestorben. Sein langes parlamentarisches Leben ist ein ge-
nauer Barometer der bürgerlich-radikalen Partei, die 1831 auf ih-
rem Höhepunkt stand. In der ersten Zeit des reformierten Hauses
[76] eine Art von parlamentarischem Warwick oder Deputier-
tenmacher, figuriert er 8 Jahre später mit Daniel O'Connell und
Feargus O'Connor als einer der Urheber der "Volks-Charter" [771,
die noch heute das politische Programm der Chartisten bildet und
im Grunde nichts enthält als die Forderung des allgemeinen Wahl-
rechts, nebst den Bedingungen, die es in England zu einer Reali-
tät machen würden.
Der bald erfolgende Bruch zwischen den Arbeitern und den bürger-
lichen Agitatoren fand Hume auf der Seite der letzteren. Zur Zeit
des Russell-Ministeriums entwarf er die von den sogenannten
"parlamentarischen und finanziellen Reformern" als Programm ange-
nommene "kleine Charter" [78]. Statt der sechs Punkte der Volks-
Charter enthält sie drei Punkte und setzt an die Stelle des
"allgemeinen" ein mehr oder minder "erweitertes" Wahlrecht.
Schließlich 1852 proklamierte Hume ein neues Programm, worin er
auch auf seine "kleine Charter" verzichtet und nur noch einen
Punkt verlangt - Wahl durch Kugeln (Ballot). Im übrigen war Hume
der klassische Repräsentant der sogenannten "independenten" Oppo-
sition, die Cobbett als das "Sicherheitsventil" des alten Systems
treffend und erschöpfend charakterisiert hat. In seinen letzten
Tagen war ihm die Gewohnheit, Motionen einzubringen und dann vor
Toresschluß auf einen Wink der Minister wieder zurückzuziehen,
zur förmlichen Manie geworden. Seine Koketterie mit der "Ökonomie
der öffentlichen Gelder" ist sprichwörtlich geworden. Alle Mini-
sterien erlaubten ihm, kleine Posten zu bekämpfen und zu ver-
kürzen, um die großen desto unversehrter durchs Haus zu bringen.
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