Quelle: MEW 12 April 1856 - Januar 1859


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       #102#
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       Karl Marx
       
       [Der englisch-chinesische Konflikt]
       
       ["New-York Daily Tribune" Nr. 4918 vom 23. Januar 1857,
       Leitartikel]
       Die Post der "America", die uns gestern früh erreicht hat, bringt
       verschiedene Unterlagen  über die britischen Auseinandersetzungen
       mit den  chinesischen Behörden  in Kanton  und die  kriegerischen
       Operationen des  Admirals Seymour. [103] Unserer Meinung nach muß
       sich für jeden Unparteiischen nach sorgfältigem Studium der offi-
       ziellen Korrespondenz  zwischen den  britischen Behörden in Hong-
       kong und  den chinesischen Behörden in Kanton die Schlußfolgerung
       ergeben, daß  die Briten  bei dem ganzen Vorgang im Unrecht sind.
       Diese behaupten,  Ursache der Auseinandersetzungen sei das Vorge-
       hen gewisser  chinesischer Offiziere, die, statt sich an den bri-
       tischen Konsul zu wenden, einige chinesische Verbrecher gewaltsam
       von einer  Lorcha 1*),  die im Kanton-Fluß lag, fortgeschafft und
       die britische Flagge, die am Mast wehte, eingezogen haben.
       
       "In Wahrheit  gibt es jedoch", wie die Londoner "Times" schreibt,
       "strittige Fragen,  so zum Beispiel, ob die Lorcha ... die briti-
       sche Flagge  geführt habe und ob der Konsul zu den Schritten, die
       er unternommen, völlig berechtigt gewesen sei."
       
       Die damit  zugegebene Fragwürdigkeit  des Falles  wird unterstri-
       chen, wenn  man bedenkt,  daß der Konsul darauf besteht, eine Be-
       stimmung des  Vertrags [104],  die sich nur auf britische Schiffe
       bezieht, auf  diese Lorcha anzuwenden, wobei hinreichend erwiesen
       ist, daß  die Lorcha keinesfalls ein britisches Schiff im eigent-
       lichen Sinne  war. Damit  aber unsere Leser den ganzen Fall über-
       blicken können, werden wir nun das Wichtigste aus der offiziellen
       Korrespondenz wiedergeben.  Als erstes  eine vom  2I.Oktober  da-
       tierte Mitteilung  des Herrn  Parkes, des  britischen Konsuls  in
       Kanton, an den Generalgouverneur Yeh:
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       1*) kleiner Segler europäischer Bauart mit chinesischer Takelung
       
       #103# Der englisch-chinesische Konflikt
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       "Ohne sich  zuvor auch  nur irgendwie an den britischen Konsul zu
       wenden, begab sich am Morgen des 8. dieses Monats eine starke Ab-
       teilung chinesischer  Offiziere und  Soldaten in  Uniform an Bord
       der britischen Lorcha 'Arrow', die inmitten der vor der Stadt an-
       kernden Schiffe lag. Trotz des Einwandes des Kapitäns der Lorcha,
       eines Engländers,  nahmen sie zwölf Chinesen aus der vierzehnköp-
       figen Mannschaft fest, banden sie, führten sie fort und zogen die
       Flagge des  Schiffes ein. Ich habe Ew. Exzellenz noch am gleichen
       Tage alle Einzelheiten dieser öffentlichen Beleidigung der briti-
       schen Flagge  und der groben Verletzung des Artikels neun des Zu-
       satzvertrags berichtet und Sie ersucht, Genugtuung für die Belei-
       digung zu  geben und  dafür zu  sorgen, daß  die Bestimmungen des
       Vertrags in diesem Fall genau eingehalten werden. Aber Ew. Exzel-
       lenz haben  unter befremdender  Mißachtung sowohl  des Rechts als
       auch der  Vertragspflichten weder  eine Entschädigung  noch  eine
       Entschuldigung für  die erlittene  Unbill angeboten; und dadurch,
       daß Sie  die festgenommenen Leute in Gewahrsam behalten, bekunden
       Sie Ihr  Einverständnis mit  diesem Vertragsbruch  und lassen die
       Regierung Ihrer  Majestät ohne  Gewähr, daß  ähnliche  Übergriffe
       sich nicht wiederholen werden."
       
       Anscheinend waren  die Chinesen an Bord der Lorcha von den chine-
       sischen Offizieren  festgenommen worden, weil diese erfahren hat-
       ten, daß ein Teil der Mannschaft an einem Piratenüberfall auf ein
       chinesisches Handelsschiff  beteiligt gewesen  war. Der britische
       Konsul bezichtigt  den chinesischen  Generalgouverneur, die Mann-
       schaft festgenommen,  die britische Flagge eingezogen, die Abgabe
       einer Entschuldigung  verweigert und  die festgenommenen Leute in
       Gewahrsam behalten  zu haben.  Der chinesische  Gouverneur versi-
       chert in einem Brief an Admiral Seymour, da er festgestellt habe,
       daß neun  der Gefangenen unschuldig seien, habe er am 10. Oktober
       einen Offizier  beauftragt, sie  wieder an Bord ihres Schiffes zu
       bringen, Konsul  Parkes hätte  sich jedoch geweigert, sie zu emp-
       fangen. In  bezug auf  die Lorcha selbst stellt er fest, daß sie,
       als die  an Bord  befindlichen Chinesen  festgenommen wurden, als
       chinesisches Schiff  galt, und  mit Recht, denn ein Chinese hatte
       sie gebaut,  und sie gehörte einem Chinesen, der sich in betrüge-
       rischer Weise  eine britische  Flagge verschafft  hatte, indem er
       sein Schiff  in das  britische Kolonialregister  hatte  eintragen
       lassen - eine Methode, die bei chinesischen Schmugglern üblich zu
       sein scheint. Was die Beleidigung der Flagge betrifft, so bemerkt
       der Gouverneur:
       
       "Bisher war  es eine  feststehende Regel, daß die Lorchas der Na-
       tion Ew.  Exzellenz ihre Flagge einziehen, wenn sie vor Anker ge-
       hen, und  sie wieder  hissen, wenn sie auslaufen. Es ist hinläng-
       lich bewiesen, daß keine Flagge wehte, als die Gefangenen an Bord
       der Lorcha  festgenommen werden  sollten. Wie konnte denn da eine
       Flagge niedergeholt  werden? Doch Konsul Parkes verlangt in einer
       Depesche nach  der andern,  daß diese  Beleidigung der Flagge ge-
       sühnt werde."
       
       #104# Karl Marx
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       Aus dem  Gesagten folgert der chinesische Gouverneur, daß keiner-
       lei Vertragsbruch  begangen worden  sei. Dessenungeachtet fordert
       der britische  Bevollmächtigte 1*)  am 12.  Oktober nicht nur die
       Übergabe der  gesamten verhafteten  Mannschaft, sondern auch eine
       Entschuldigung. Der Gouverneur antwortet folgendermaßen:
       
       "Am frühen  Morgen des 22. Oktobers schrieb ich an Konsul Parkes,
       und zur selben Zeit übersandte ich ihm zwölf Leute, nämlich Leong
       Mingtai und  Leong Kee-foo, die auf Grund der von mir eingeleite-
       ten Untersuchungen  für schuldig  befunden wurden, und den Zeugen
       Woo Ayu  zusammen mit  den neun  schon vorher angebotenen Leuten.
       Aber Herr  Konsul Parkes  war weder geneigt, die zwölf Gefangenen
       noch meinen Brief entgegenzunehmen."
       
       Parkes hätte  nunmehr seine ganzen zwölf Mann zurückbekommen kön-
       nen, zusammen mit einem Brief, der höchstwahrscheinlich eine Ent-
       schuldigung enthielt,  einem Brief, den er aber nicht öffnete. Am
       Abend desselben  Tages fragte Gouverneur Yeh wieder an, warum die
       von ihm  angebotenen Gefangenen nicht angenommen würden und warum
       er keine  Antwort auf seinen Brief erhielte. Dieser Schritt wurde
       nicht beachtet, hingegen wurde am 24. das Feuer auf die Forts er-
       öffnet und  mehrere eingenommen; und erst am 1. November erklärte
       Admiral Seymour  dem Gouverneur  in einem Schreiben das scheinbar
       unbegreifliche Verhalten  des Konsul  Parkes. Die  Leute, so sagt
       er, waren  zwar dem  Konsul zurückgegeben,  aber "nicht  o f f i-
       z i e l l   auf ihr  Schiff zurückgebracht,  auch die  geforderte
       Entschuldigung für die Verletzung der Konsulargerichtsbarkeit war
       nicht abgegeben  worden". Der  ganze Fall reduziert sich also auf
       eine Sophisterei,  nämlich daß eine Anzahl Männer - darunter drei
       überführte Verbrecher  - nicht  mit  allen  Ehren  zurückgebracht
       worden  seien.   Darauf  antwortete  der  Gouverneur  von  Kanton
       zunächst, daß  die zwölf  Mann tatsächlich  dem Konsul  übergeben
       worden seien und daß es überhaupt "keine Weigerung, die Leute auf
       ihr Schiff  zurückzubringen", gegeben  habe. Was dieser britische
       Konsul eigentlich  wollte, erfuhr der chinesische Gouverneur erst
       als die  Stadt sechs  Tage lang  bombardiert worden  war. Zu  der
       Entschuldigung erklärt  Gouverneur Yeh, daß eine solche nicht ge-
       geben werden könne, da kein Vergehen begangen worden sei. Wir zi-
       tieren seine Worte:
       
       "Zur Zeit der Verhaftung hat mein Beauftragter keine ausländische
       Flagge gesehen,  und da  sich bei  der Vernehmung  der Gefangenen
       durch den  hiermit beauftragten  Beamten überdies  herausstellte,
       daß die  Lorcha in keiner Beziehung ein ausländisches Schiff war,
       behaupte ich  nach wie  vor, daß hier kein Fehler begangen worden
       ist."
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       1*) John Bowring
       
       #105# Der englisch-chinesische Konflikt
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       In der  Tat hat  dieser Chinese  die ganze  Frage durch die Kraft
       seiner Dialektik  so trefflich  gelöst - und ein anderer Anklage-
       punkt ist  nicht vorhanden  -, daß  Admiral  Seymour  schließlich
       nichts anderes übrigbleibt, als folgende Erklärung abzugeben:
       
       "Ich muß  jede weitere  Auseinandersetzung über das Für und Wider
       im Fall  der Lorcha  'Arrow' entschieden ablehnen. Ich bin völlig
       von dem  Tatbestand überzeugt, wie ihn Herr Konsul Parkes Ew. Ex-
       zellenz dargestellt hat."
       
       Nachdem er  aber die Forts eingenommen, die Stadtmauern durchbro-
       chen und Kanton sechs Tage lang bombardiert hat, entdeckt der Ad-
       miral plötzlich  einen ganz neuen Grund für seine Maßnahmen; denn
       seinem Schreiben  vom 30.Oktober  an den  chinesischen Gouverneur
       entnehmen wir folgendes:
       
       "Es liegt  jetzt an  Ew. Exzellenz,  durch sofortige Beratung mit
       mir einem Zustand ein Ende zu machen, der schon jetzt nicht wenig
       Unheil mit  sich bringt,  der aber,  wenn er  nicht behoben wird,
       fast unvermeidlich  zu einer  Katastrophe größten Ausmaßes führen
       kann."
       
       Der chinesische  Gouverneur antwortet, daß er nach der Konvention
       von 1849 [105] kein Recht habe, um eine solche Beratung nachzusu-
       chen, und fährt fort:
       
       "Was den  Einlaß in  die Stadt  betrifft, so muß ich feststellen,
       daß Seine Exzellenz, der Bevollmächtigte Bonham, im April 1849 in
       den hiesigen Faktoreien eine Verfügung veröffentlicht hat, wonach
       es Ausländern  verboten ist,  die Stadt  zu betreten.  Diese Ver-
       fügung erschien  damals in  den Zeitungen,  und ich nehme an, daß
       Ew. Exzellenz  sie gelesen  haben. Hinzu  kommt, daß  das Verbot,
       Ausländer in die Stadt einzulassen, auf Grund der einmütigen Wil-
       lensäußerung der  gesamten Bevölkerung von Kwangtung erfolgt ist.
       Man kann  sich vorstellen,  wie wenig  erbaut die Bevölkerung von
       der Erstürmung der Forts und der Zerstörung ihrer Wohnungen gewe-
       sen ist; und da ich Befürchtungen hege wegen des Unheils, das den
       Beamten und  Bürgern der  Nation Ew.  Exzellenz hieraus erwachsen
       könnte, so  kann ich nichts Besseres vorschlagen, als die Politik
       des Bevollmächtigten Bonham als den einzig korrekten Weg beizube-
       halten. Was  die von  Ew. Exzellenz  vorgeschlagene Beratung  be-
       trifft, so habe ich bereits vor einigen Tagen Tseang, dem Präfek-
       ten von Leetschoufu, Vollmacht erteilt."
       
       Admiral Seymour  kommt jetzt  mit der Sprache heraus und erklärt,
       daß ihn die Konvention des Herrn Bonham nicht interessiere.
       
       "Die Antwort  Ew. Exzellenz  verweist mich  auf die Verfügung des
       britischen Bevollmächtigten aus dem Jahre 1849, wonach Ausländern
       das Betreten von Kanton verboten ist. Ich muß Sie nun daran erin-
       nern, daß,  obgleich wir  in der  Tat guten Grund haben, uns über
       die chinesische Regierung zu beklagen, weil sie ihr im Jahre 1847
       gegebenes Versprechen  gebrochen hat,  Ausländer nach  Ablauf von
       zwei Jahren in Kanton zuzulassen, meine jetzige Forderung in kei-
       ner Weise mit den früheren Verhandlungen
       
       #106# Karl Marx
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       über dasselbe  Thema in  Zusammenhang steht. Auch fordere ich Zu-
       lassung für niemand außer für die ausländischen Beamten, und dies
       nur aus  den oben angeführten einfachen und zureichenden Gründen.
       Auf meinen Vorschlag, mit Ew. Exzellenz persönlich zu verhandeln,
       erweisen Sie  mir die Ehre zu bemerken, daß Sie vor einigen Tagen
       einen Präfekten entsandt haben. Ich bin daher gezwungen, den gan-
       zen Brief  Ew. Exzellenz  als im  höchsten Maße unbefriedigend zu
       betrachten, und  habe nur  hinzuzufügen, daß ich, falls ich nicht
       umgehend eine ausdrückliche Versicherung Ihrer Zustimmung zu mei-
       nem Vorschlag  erhalte, die  Angriffsoperationen sogleich  wieder
       aufnehmen werde."
       
       Gouverneur Yeh  entgegnet, indem er abermals auf die Einzelheiten
       der Konvention von 1849 eingeht:
       
       "Im Jahre 1848 wurde eine lange polemische Korrespondenz über das
       Thema zwischen  meinem Vorgänger  Seu und  dem britischen Bevoll-
       mächtigten, Herrn  Bonham, geführt,  und Herr Bonham, der einsah,
       daß eine  Unterredung in der Stadt keineswegs in Frage kam, rich-
       tete im  April 1849  an Seu einen Brief, in dem es heißt: 'Es ist
       mir zur  Zeit unmöglich,  weitere Diskussionen  mit Ew. Exzellenz
       über dieses  Thema zu führen.' Er erließ ferner eine Verfügung in
       den Faktoreien,  die auch  in den Zeitungen veröffentlicht wurde,
       wonach es  keinem Ausländer gestattet war, die Stadt zu betreten;
       hiervon setzte er die britische Regierung in Kenntnis. Es gab we-
       der einen  Chinesen noch  irgendeinen Ausländer, der nicht gewußt
       hätte, daß diese Frage niemals wieder diskutiert werden sollte."
       
       Des Argumentierens überdrüssig, erzwingt sich der britische Admi-
       ral hierauf  den Weg in die Stadt Kanton zur Residenz des Gouver-
       neurs und  zerstört gleichzeitig  die kaiserliche  Flotte auf dem
       Fluß. So lassen sich zwei Akte in diesem diplomatischen und mili-
       tärischen Drama  deutlich unterscheiden:  Der erste  leitete  das
       Bombardement von  Kanton ein  unter dem  Vorwand, der chinesische
       Gouverneur hätte  den Vertrag  von 1842 gebrochen, und der zweite
       setzte das  Bombardement in  größerem Maßstab fort unter dem Vor-
       wand, der Gouverneur hielte sich hartnäckig an die Konvention von
       1849. Zuerst  wird Kanton  bombardiert,  weil  es  einen  Vertrag
       bricht, und  dann wird es bombardiert, weil es einen Vertrag ein-
       hält. Überdies  wird nicht  einmal behauptet,  daß im ersten Fall
       keine Wiedergutmachung erfolgt, sondern nur, daß sie nicht in der
       vorgeschriebenen Form erfolgt sei.
       Die Ansicht,  die die  Londoner "Times"  über den  Fall vertritt,
       würde nicht  einmal General William Walker aus Nikaragua [106] in
       Mißkredit bringen.
       
       "Durch diesen Ausbruch der Feindseligkeiten", schreibt das Blatt,
       "sind die bestehenden Verträge annulliert, und es steht uns frei,
       unsere Beziehungen  mit dem  Chinesischen Reich  so zu gestalten,
       wie es  uns beliebt...  Die letzten  Vorgänge in Kanton legen uns
       nahe, daß  wir jenes  Recht des freien Zugangs in das Land und in
       die
       
       #107# Der englisch-chinesische Konflikt
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       für uns  offenen Häfen erzwingen sollten, das im Vertrag von 1842
       ausbedungen worden  war. Wir  wollen uns  nicht noch einmal sagen
       lassen, daß  unsere Vertreter beim chinesischen Generalgouverneur
       nicht in  Audienz empfangen werden, weil wir auf die Durchführung
       des Artikels,  der Ausländern gestattet, den Bereich unserer Fak-
       toreien zu überschreiten,  v e r z i c h t e t e n."
       
       Mit anderen  Worten, "wir"  haben Feindseligkeiten  eröffnet,  um
       einen bestehenden  Vertrag zu  brechen und  einen Anspruch durch-
       zusetzen, auf  den "wir " in einer besonderen Konvention verzich-
       tet haben.  Wir freuen  uns jedoch,  mitteilen zu können, daß ein
       anderes prominentes  Organ der  britischen  öffentlichen  Meinung
       sich in einem humaneren und schicklicheren Tone äußert,
       
       "Es ist",  schreibt die  "Daily News" [107], "eine ungeheuerliche
       Tatsache, daß wir, um den gekränkten Stolz eines britischen Beam-
       ten zu  rächen und  die Torheit  eines asiatischen Gouverneurs zu
       bestrafen, unsere  Stärke zu  dem schändlichen  Werk mißbrauchen,
       Feuer und  Schwert, Verwüstung  und Tod  in die friedlichen Heime
       harmloser Menschen  zu tragen,  an deren  Küsten wir ursprünglich
       als Eindringlinge  landeten. Wie  dieses Bombardement  der  Stadt
       Kanton auch  ausgehen mag, die Tat ist schlecht und gemein - eine
       rücksichtslose  und   mutwillige  Vergeudung  von  Menschenleben,
       geopfert für eine falsche Etikette und eine verfehlte Politik."
       Es ist  noch die  Frage, ob  die zivilisierten  Nationen der Welt
       diese Art,  ein friedliches  Land ohne  vorherige Kriegserklärung
       wegen angeblicher  Übertretung eines ausgeklügelten Kodex der di-
       plomatischen Etikette zu überfallen, billigen werden. Wenn andere
       Mächte den ersten chinesischen Krieg trotz seines infamen Vorwan-
       des nachsichtig beurteilten, weil er die Erschließung des Handels
       mit China  in Aussicht  stellte [108],  ist es  dann nicht  wahr-
       scheinlich, daß  der zweite  Krieg diesen  Handel auf unbestimmte
       Zeit behindern  wird? Sein  erstes Ergebnis  muß unweigerlich die
       Abtrennung Kantons  von den Tee-Anbaugebieten sein, die sich noch
       zum größten  Teil in den Händen der Kaiserlichen befinden [109] -
       ein Umstand,  der lediglich  den russischen  Überland-Teehändlern
       zum Vorteil gereichen wird. [110]
       Geschrieben am 7. Januar 1857.
       
       Aus dem Englischen.
       

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