Quelle: MEW 16 September 1864 - Juli 1870


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       Karl Marx
       
       An Abraham Lincoln, Präsident der Vereinigten Staaten
       von Amerika [14]
       
       ["Der Social-Demokrat" Nr. 3 vom 30. Dezember 1864]
       Sir,
       wir wünschen  dem amerikanischen  Volk Glück  zu Ihrer mit großer
       Majorität erfolgten Wiederwahl!
       Wenn Widerstand  gegen die  Macht der  Sklavenhalter die maßvolle
       Losung Ihrer  ersten Wahl war, so ist Tod der Sklaverei! der tri-
       umphierende Schlachtruf Ihrer Wiederwahl.
       Vom Anfang des amerikanischen Titanenkampfs an fühlten die Arbei-
       ter Europas  instinktmäßig, daß an dem Sternenbanner das Geschick
       ihrer Klasse  hing. Der  Kampf um  die Territorien,  welcher  die
       furchtbar gewaltige Epopöe eröffnete, hatte er nicht zu entschei-
       den, ob  der jungfräuliche  Boden unermeßlicher  Landstrecken der
       Arbeit des  Einwanderers vermählt oder durch den Fuß des Sklaven-
       treibers befleckt werden sollte?
       Als die Oligarchie der 300 000 Sklavenhalter zum erstenmal in den
       Annalen der  Welt das Wort Sklaverei auf das Banner der bewaffne-
       ten Rebellion zu schreiben wagte; als auf dem selbigen Boden, dem
       kaum ein Jahrhundert vorher zuerst der Gedanke einer großen demo-
       kratischen Republik  entsprungen war, von dem die erste Erklärung
       der Menschenrechte [15] ausging und der erste Anstoß zu der euro-
       päischen Revolution  des 18.  Jahrhunderts gegeben wurde; als auf
       diesem selbigen  Boden die  Kontrerevolution  mit  systematischer
       Gründlichkeit sich  rühmte, "die  zur Zeit des Aufbaues der alten
       Verfassung herrschenden Ideen" umzustoßen, und "die Sklaverei als
       eine heilsame  Einrichtung - ja als die einzige Lösung des großen
       Problems der  Beziehungen der  Arbeit zum Kapital hinstellte" und
       zynisch das Eigentumsrecht auf den Menschen als den "Eckstein des
       neuen Gebäudes"  [16] proklamierte; da begriffen die Arbeiter Eu-
       ropas sofort,  selbst noch  ehe sie  durch die fanatische Partei-
       nahme der oberen Klassen
       
       #19# An Abraham Lincoln
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       für den Konföderiertenadel [17] gewarnt worden, daß die Rebellion
       der Sklavenhalter  die Sturmglocke  zu einem allgemeinen Kreuzzug
       des Eigentums  gegen die Arbeit läuten würde und daß für die Män-
       ner der  Arbeit außer  ihren Hoffnungen auf die Zukunft auch ihre
       vergangnen Eroberungen in diesem Riesenkampfe jenseits des Ozeans
       auf dem  Spiele standen.  Überall trugen  sie darum  geduldig die
       Leiden, welche die Baumwollenkrisis [18] ihnen auferlegte, wider-
       setzten sich  voll Begeisterung  der Intervention  zugunsten  der
       Sklaverei, welche  die höheren  und "gebildeten" Klassen mit sol-
       chem Eifer  herbeizuführen suchten, und entrichteten aus den mei-
       sten Teilen Europas ihre Blutsteuer für die gute Sache.
       Solange die  Arbeiter, die wahren Träger der politischen Macht im
       Norden, es  erlaubten, daß die Sklaverei ihre eigene Republik be-
       sudelte; solange  sie es  dem Neger gegenüber, der ohne seine Zu-
       stimmung einen  Herrn hatte  und verkauft  wurde, als das höchste
       Vorrecht des weißen Arbeiters rühmten, daß er selbst sich verkau-
       fen und  seinen Herrn  wählen könne  - solange waren sie unfähig,
       die wahre  Freiheit der Arbeit zu erringen oder ihre europäischen
       Brüder in  ihrem Befreiungskampfe zu unterstützen. Dieses Hinder-
       nis des  Fortschritts ist  von dem  roten Meere des Bürgerkrieges
       hinweggeschwemmt worden.
       Die Arbeiter  Europas sind von der Überzeugung durchdrungen, daß,
       wie der  amerikanische Unabhängigkeitskrieg  eine neue Epoche der
       Machtentfaltung für die Mittelklasse einweihte, so der amerikani-
       sche Krieg  gegen die Sklaverei eine neue Epoche der Machtentfal-
       tung für die Arbeiterklasse einweihen wird. Sie betrachten es als
       ein Wahrzeichen  der kommenden  Epoche, daß  Abraham Lincoln, dem
       starksinnigen, eisernen Sohn der Arbeiterklasse, das Los zugefal-
       len ist, sein Vaterland durch den beispiellosen Kampf für die Er-
       lösung einer  geknechteten Race  und für die Umgestaltung der so-
       zialen Welt hindurchzuführen.
       Unterzeichnet im  Namen der  Internationalen  Arbeiterassoziation
       vom Zentralrat:
       
       Le Lubez,  korrespondierender Sekretär  für Frankreich;  F.  Ryb-
       czinsky (Polen);  Emile Holtorp  (Polen); J.B.  Bocquet; H. Jung,
       korrespondierender Sekretär  für die  Schweiz; Morisot; George W.
       Wheeler; J.Denoual;  P. Bordage;  Le Roux;  Tallandier; Jourdain;
       Dupont; R. Gray; D. Lama; C. Setacci; F. Solustri; P. Aldovrandi;
       D.G. Bagnagatti;  G.P. Fontana,  korrespondierender Sekretär  für
       Italien; G.  Lake;  J.  Buckley;  G.  Howell;  J.  Osborne;  J.D.
       Stainsby; J.  Grossmith; G. Eccarius; Friedrich Leßner; Wolff; K.
       Kaub; Heinrich Bolleter; Ludwig Otto; N.P. Hansen (Dänemark);
       
       #20# Karl Marx
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       Karl Pfänder;  Georg Lochner;  Peter Petersen;  Karl Marx, korre-
       spondierender Sekretär  für Deutschland;  A. Dick:  L.  Wolf;  J.
       Whitlock; J.  Carter; W. Morgan; William Dell; John Weston; Peter
       Fox; Robert Shaw; John M. Longmaid; Robert Henry Side; William C.
       Worley; Blockmoor; R. Hartwell; W. Pidgeon; B. Lucraft; J. Nieass
       G. Odger, Präsident des Rats
       William R. Cremer, ehrenamtlicher Generalsekretär
       Geschrieben zwischen dem 22. und 29. November 1864.

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