Quelle: MEW 16 September 1864 - Juli 1870
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Karl Marx
Instruktionen für die Delegierten des Provisorischen Zentralrats
zu den einzelnen Fragen [136]
["The International Courier" Nr. 6-7 und 8-10 vom 20. Februar und
13. März 1867]
1. Organisation der Internationalen Assoziation
Im ganzen genommen empfiehlt der Provisorische Zentralrat den
P l a n d e r O r g a n i s a t i o n, wie er in den Proviso-
rischen Statuten vorgezeichnet ist. Zweijährige Erfahrung hat
seine Richtigkeit und die Möglichkeit seiner Anwendung auf die
verschiedenen Länder, ohne Schaden für die Einheit der Aktion,
bewiesen. Für nächstes Jahr empfehlen wir London als Sitz des
Zentralrats, da die Lage auf dem Kontinent ungünstig für einen
Wechsel ist.
Die Mitglieder des Zentralrats, wie sich von selbst versteht,
werden vom Kongreß gewählt (nach Art. 5 der Provisorischen Statu-
ten); der Zentralrat ist ermächtigt, sich neue Mitglieder beizu-
fügen.
Der G e n e r a l s e k r e t ä r soll vom Kongreß auf ein
Jahr gewählt werden und der einzige bezahlte Beamte der Assozia-
tion sein. Wir schlagen vor, ihm 2 Pfd. St. die Woche zu zahlen.
1*)
Der einheitliche j ä h r l i c h e B e i t r a g soll für
j e d e s e i n z e l n e M i t g l i e d d e r A s s o z i-
a t i o n e i n e n h a l b e n P e n n y (vielleicht auch
einen Penny) betragen. Der Preis für die Mitgliedskarten (Bücher)
ist extra zu entrichten.
Während wir die Mitglieder der Assoziation aufrufen, Gesellschaf-
ten der gegenseitigen Hilfe zu bilden und eine internationale
Verbindung zwischen ihnen herzustellen, überlassen wir die In-
itiative in dieser Frage
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1*) Im "Courrier international" ist hier folgender Absatz einge-
fügt: "Das Ständige Komitee, das in Wirklichkeit die Exekutive
des Zentralrats darstellt, wird vom Kongreß gewählt; die Funktion
jedes seiner Mitglieder wird jedoch vom Zentralrat bestimmt."
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(etablissement des sociétés de secours mutuels. Appui inoral et
matériel accordé aux orphelins de l'association 1*)) den Schwei-
zern, die dies ursprünglich auf der Konferenz im September vori-
gen Jahres vorschlugen.
2. Internationale Vereinigung der Anstrengungen im Kampf
zwischen Arbeit und Kapital mit Hilfe der Assoziation
(a) Vom allgemeinen Standpunkt umfaßt diese Frage die ganze Tä-
tigkeit der Internationalen Assoziation, deren Ziel es ist, die
bisher zerstreuten Anstrengungen der Arbeiterklasse in den ver-
schiedenen Ländern für die Emanzipation zu vereinigen und zu ver-
allgemeinern.
(b) Eine der besonderen Funktionen, die unsere Assoziation bis
jetzt mit Erfolg ausgeübt hat, ist der Widerstand gegen die In-
trigen der Kapitalisten, die stets bereit sind, bei Arbeitsein-
stellungen und Aussperrungen die Arbeiter fremder Länder als
Werkzeuge gegen die Arbeiter ihrer eigenen Länder zu mißbrauchen.
Es ist eine der großen Aufgaben der Assoziation, zu erreichen,
daß die Arbeiter der verschiedenen Länder sich nicht nur als Brü-
der und Kameraden der Emanzipationsarmee f ü h l e n, sondern
auch als solche h a n d e l n.
(c) Ein großes "internationales Werk", das wir vorschlagen, ist
die s t a t i s t i s c h e U n t e r s u c h u n g d e r
L a g e d e r a r b e i t e n d e n K l a s s e a l l e r
L ä n d e r, u n t e r n o m m e n v o n d e r A r b e i-
t e r k l a s s e s e l b s t. Um erfolgreich zu wirken, muß
man das Material kennen, worauf man wirken will. Durch die Ini-
tiative eines so großen Werks beweisen die Arbeiter zudem ihre
Fähigkeit, ihr Geschick in die eigenen Hände zu nehmen. Wir
schlagen daher vor:
An jedem Ort, wo ein Zweig unserer Gesellschaft besteht, wird das
Werk sofort begonnen und Material über die verschiedenen Punkte
des angeführten Untersuchungsplanes gesammelt.
Der Kongreß ladet alle Arbeiter Europas und der Vereinigten Staa-
ten Amerikas ein, für die Zusammentragung der Elemente einer Sta-
tistik der Arbeiterklasse mitzuwirken und ihre Berichte nebst Be-
weismaterial dem Zentralrat einzusenden. Der Zentralrat hat sie
in einen Gesamtbericht zu verarbeiten, dem er das Beweismaterial
als Anhang zufügt.
Dieser Bericht nebst Anhang ist dem nächsten Jahreskongreß vorzu-
legen und nach dessen Genehmigung auf Kosten der Assoziation zu
drucken.
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1*) Gründung von Gesellschaften der gegenseitigen Hilfe. Morali-
sche und materielle Unterstützung für Waisen von Mitgliedern der
Assoziation
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Allgemeines Untersuchungschema, welches, wie sich von selbst
versteht, je nach Umständen zu verändern und zu ergänzen ist
1. Gewerk, Name.
2. Alter und Geschlecht der Arbeiter.
3. Zahl der beschäftigten Arbeiter.
4. Löhne: (a) Lehrlinge und Gehilfen; (b) Tagelohn oder Stück-
lohn; von Zwischenunternehmern gezahlte Löhne. Wöchentlicher und
jährlicher Durchschnitt.
5. (a) Arbeitsstunden in Fabriken, (b) Arbeitsstunden bei kleinen
Meistern und in der Hausarbeit, falls das Gewerbe in diesen ver-
schiedenen Weisen betrieben wird, (c) Nacht- und Tagesarbeit.
6. Mahlzeitstunden und Behandlung.
7. Beschaffenheit der Werkstätten und der Arbeit: Überfüllung,
mangelhafte Ventilation, Mangel an Tageslicht, Gasbeleuchtung,
Reinlichkeit etc.
8. Art der Beschäftigung.
9. Wirkung der Arbeit auf den Körperzustand.
10. Moralitätszustand. Erziehung.
11. Charakter des Geschäfts: ob mehr oder weniger gleichförmig
für das ganze Jahr oder an gewisse Jahreszeiten gebunden, ob
großen Schwankungen ausgesetzt, ob fremder Konkurrenz unterwor-
fen, ob hauptsächlich für den inneren oder auswärtigen Markt ar-
beitend etc. [137]
3. Beschränkung des Arbeitstages
Wir erklären die B e s c h r ä n k u n g d e s A r b e i t s-
t a g e s für eine Vorbedingung, ohne welche alle anderen
Bestrebungen nach Verbesserung und Emanzipation scheitern müssen.
Sie ist erheischt, um die Gesundheit und körperliche Energie der
Arbeiterklasse, d.h. der großen Masse einer jeden Nation, wieder-
herzustellen und ihr die Möglichkeit geistiger Entwicklung, ge-
sellschaftlichen Verkehrs und sozialer und politischer Tätigkeit
zu sichern.
Wir schlagen 8 A r b e i t s s t u n d e n als g e s e t z-
l i c h e S c h r a n k e des Arbeitstages vor. Diese Beschrän-
kung wird bereits allgemein verlangt von den Arbeitern der Ver-
einigten Staaten Amerikas [138], und der Beschluß des Kongresses
wird sie zur allgemeinen Forderung der Arbeiterklasse der
gesamten Welt erheben.
Zur Information der Mitglieder auf dem Kontinent, deren Erfahrun-
gen auf dem Gebiete der Fabrikgesetzgebung relativ gering sind,
fügen wir
#193# Instruktionen für die Delegierten des Zentralrats
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hinzu, daß alle gesetzlichen Beschränkungen mißlingen und vom Ka-
pital durchbrochen werden, wenn nicht die T a g e s z e i t be-
stimmt wird, in die die 8 Arbeitsstunden zu fallen haben. Die
Länge dieser Zeit sollte bestimmt sein durch die 8 Arbeitsstunden
und die zusätzlichen Pausen für Mahl' Zeiten. Wenn z.B. die ver-
schiedenen Unterbrechungen für Mahlzeiten e i n e S t u n d e
betragen, so muß die gesetzlich festgelegte Tageszeit auf 9 Stun-
den festgesetzt werden, sage von 7 Uhr morgens bis 4 Uhr abends
oder von 8 Uhr morgens bis 5 Uhr abends etc. Nachtarbeit ist nur
ausnahmsweise zu gestatten in Gewerben oder Gewerbszweigen, die
vom Gesetz genau bezeichnet sind. Die Tendenz muß dahin gehen,
jede Nachtarbeit abzuschaffen.
Dieser Paragraph bezieht sich nur auf erwachsene Personen, Männer
und Frauen; letztere sind jedoch aufs strengste von jeglicher
N a c h t a r b e i t auszuschließen, ebenso von jeder Arbeit,
die für den empfindlicheren weiblichen Organismus schädlich ist
oder den Körper giftigen oder anderen schädlichen Einwirkungen
aussetzt. Unter erwachsenen Personen verstehen wir alle, die das
18. Lebensjahr erreicht oder überschritten haben.
4. Arbeit von Jugendlichen und Kindern (beiderlei Geschlechts)
Wir betrachten die Tendenz der modernen Industrie, Kinder und Ju-
gendliche beiderlei Geschlechts zur Mitwirkung an dem großen Werk
der gesellschaftlichen Produktion heranzuziehen, als eine fort-
schrittliche, gesunde und berechtigte Tendenz, obgleich die Art
und Weise, auf welche diese Tendenz unter der Kapitalherrschaft
verwirklicht wird, eine abscheuliche ist. In einem rationellen
Zustand der Gesellschaft sollte j e d e s K i n d vom 9. Jahre
an ein produktiver Arbeiter werden, ebenso wie kein arbeitsfähi-
ger Erwachsener von dem allgemeinen Naturgesetz ausgenommen sein
sollte, nämlich zu arbeiten, um essen zu können, und zu arbeiten
nicht bloß mit dem Hirn, sondern auch mit den Händen. Für den Au-
genblick haben wir uns jedoch nur mit den Kindern und jungen Per-
sonen der Arbeiterklasse zu befassen.
Aus physischen Gründen halten wir es für notwendig, daß die Kin-
der und jungen Personen beiderlei Geschlechts in d r e i Grup-
pen eingeteilt werden, die unterschiedlich behandelt werden müs-
sen. Die erste Gruppe soll das Alter von 9 bis 12 Jahren umfas-
sen, die zweite das von 13 bis 15 Jahren und die dritte das von
16 und 17 Jahren. Wir schlagen vor, daß die Beschäftigung der er-
sten Gruppe in irgendeiner Werkstätte oder mit häuslicher
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Arbeit gesetzlich auf z w e i Stunden beschränkt wird, die der
zweiten auf v i e r und die der dritten auf s e c h s Stun-
den. Für die dritte Gruppe muß eine Unterbrechung von wenigstens
einer Stunde für Mahlzeiten oder Erholung gegeben werden.
Es wäre wünschenswert, mit dem Elementarunterricht vor dem Alter
von 9 Jahren zu beginnen; doch wir beschäftigen uns hier nur mit
dem unerläßlichsten Gegengift gegen die Tendenzen eines gesell-
schaftlichen Systems, das den Arbeiter herabwürdigt zu einem blo-
ßen Instrument für die Akkumulation von Kapital und die Eltern
durch ihre Not zu Sklavenhaltern, zu Verkäufern ihrer eigenen
Kinder macht. Das R e c h t der Kinder und Jugendlichen muß ge-
schützt werden. Sie sind nicht imstande, für sich selbst zu han-
deln. Es ist deshalb die Pflicht der Gesellschaft, für sie einzu-
treten.
Wenn die Bourgeoisie und Aristokratie ihre Pflichten gegenüber
ihren Abkömmlingen vernachlässigen, so ist es ihre eigene Schuld.
Das Kind, das die Vorrechte dieser Klassen genießt, ist verur-
teilt, auch unter ihren Vorurteilen zu leiden.
Mit der Arbeiterklasse steht es ganz anders. Der einzelne Arbei-
ter ist nicht frei in seinen Handlungen. In zu vielen Fällen ist
er sogar zu unwissend, die wahren Interessen seines Kindes oder
die normalen Bedingungen der menschlichen Entwicklung zu verste-
hen. Der aufgeklärtere Teil der Arbeiterklasse begreift jedoch
sehr gut, daß die Zukunft seiner Klasse und damit die Zukunft der
Menschheit völlig von der Erziehung der heranwachsenden Arbeiter-
generation abhängt. Er weiß, daß vor allem ändern die Kinder und
jugendlichen Arbeiter vor den verderblichen Folgen des gegenwär-
tigen Systems bewahrt werden müssen. Das kann nur erreicht werden
durch die Verwandlung g e s e l l s c h a f t l i c h e r
E i n s i c h t in g e s e l l s c h a f t l i c h e G e-
w a l t, und unter den gegebenen Umständen kann das nur durch
a l l g e m e i n e G e s e t z e geschehen, durchgesetzt durch
die Staatsgewalt. Bei der Durchsetzung solcher Gesetze stärkt die
Arbeiterklasse keineswegs die Macht der Regierung. Im Gegenteil,
sie verwandelt jene Macht, die jetzt gegen sie gebraucht wird, in
ihre eigenen Diener. Sie erreicht durch einen allgemeinen
Gesetzesakt, was sie durch eine Vielzahl isolierter individueller
Anstrengungen vergeblich erstreben würde.
Von diesem Standpunkt ausgehend, erklären wir, daß es weder El-
tern noch Unternehmern gestattet werden darf, die Arbeit von jun-
gen Personen anzuwenden, es sei denn, sie ist mit Erziehung ver-
bunden.
Unter Erziehung verstehen wir drei Dinge:
Erstens: G e i s t i g e E r z i e h u n g.
#195# Instruktionen für die Delegierten des Zentralrats
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Zweitens: K ö r p e r l i c h e E r z i e h u n g, wie sie in
den gymnastischen Schulen und durch militärische Übungen gegeben
wird.
Drittens: P o l y t e c h n i s c h e A u s b i l d u n g, die
die allgemeinen Prinzipien aller Produktionsprozesse vermittelt
und gleichzeitig das Kind und die junge Person einweiht in den
praktischen Gebrauch und die Handhabung der elementaren Instru-
mente aller Arbeitszweige.
Der Einteilung der jugendlichen Arbeiter sollte ein stufenweise
fortschreitender Kursus der geistigen, gymnastischen und poly-
technischen Ausbildung angepaßt sein. Die Kosten für die poly-
technischen Schulen sollten teilweise durch den Verkauf ihrer
Produkte gedeckt werden.
Die Verbindung von bezahlter produktiver Arbeit, geistiger Erzie-
hung, körperlicher Übung und polytechnischer Ausbildung wird die
Arbeiterklasse weit über das Niveau der Aristokratie und Bour-
geoisie erheben.
Es ist selbstverständlich, daß die Beschäftigung aller Personen
vom 9. bis (einschließlich) 17. Jahre des Nachts und in allen ge-
sundheitsschädlichen Gewerben durch Gesetze streng verboten wer-
den muß.
5. Kooperativarbeit
Es ist Aufgabe der Internationalen Arbeiterassoziation, die
s p o n t a n e n B e w e g u n g e n der Arbeiterklasse zu
vereinigen und zu verallgemeinern, doch nicht, ihnen irgendein
doktrinäres System zu diktieren oder aufzudrängen. Der Kongreß
sollte deshalb kein b e s o n d e r e s S y s t e m der Koope-
ration verkünden, sondern sich auf die Darlegung einiger allge-
meiner Prinzipien beschränken.
(a) Wir anerkennen die Kooperativbewegung als eine der Trieb-
kräfte zur Umwandlung der gegenwärtigen Gesellschaft, die auf
Klassengegensätzen beruht. Ihr großes Verdienst besteht darin,
praktisch zu zeigen, daß das bestehende despotische und Armut
hervorbringende System der U n t e r j o c h u n g d e r A r-
b e i t unter das Kapital verdrängt werden kann durch das repu-
blikanische und segensreiche System der A s s o z i a t i o n
v o n f r e i e n u n d g l e i c h e n P r o d u z e n-
t e n.
(b) Aber das Kooperativsystem, beschränkt auf die zwerghaften
Formen, die einzelne Lohnsklaven durch ihre privaten Anstrengun-
gen entwickeln können, ist niemals imstande, die kapitalistische
Gesellschaft umzugestalten. Um die gesellschaftliche Produktion
in ein umfassendes und harmonisches System freier Kooperativar-
beit zu verwandeln, bedarf es a l l g e m e i n e r g e-
s e l l s c h a f t l i c h e r V e r ä n d e r u n g e n ,
V e r ä n d e r u n g e n d e r a l l g e m e i n e n B e-
d i n g u n g e n
#196# Karl Marx
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d e r G e s e l l s c h a f t, die nur verwirklicht werden kön-
nen durch den Übergang der organisierten Gewalt der Gesellschaft,
d.h. der Staatsmacht, aus den Händen der Kapitalisten und Grund-
besitzer in die Hände der Produzenten selbst.
(c) Wir empfehlen den Arbeitern, sich eher mit Produktivgenossen-
schaften als mit Konsumgenossenschaften zu befassen. Die letzte-
ren berühren nur die Oberfläche des heutigen ökonomischen Sy-
stems, die erstem greifen es in seinen Grundfesten an.
(d) Wir empfehlen allen Kooperativgesellschaften, einen Teil
ihres Gesamteinkommens in einen Fonds zu verwandeln zur Propagie-
rung ihrer Prinzipien durch Wort und Tat, mit anderen Worten,
durch Förderung der Errichtung von neuen Produktivgenossenschaf-
ten sowie durch Verbreitung ihrer Lehren.
(e) Um zu verhindern, daß Kooperativgesellschaften zu gewöhnli-
chen bürgerlichen Aktiengesellschaften (sociétés par actions)
entarten, sollten alle Arbeiter, die in ihnen beschäftigt sind,
ob Aktieninhaber oder nicht, gleiche Anteile vom Gewinn erhalten.
Wir sind willens zuzugeben, daß die Aktieninhaber als eine nur
zeitweilige Maßnahme Zinsen zu einem niedrigen Prozentsatz erhal-
ten.
6. Gewerksgenossenschaften. Ihre Vergangenheit,
Gegenwart und Zukunft
(a) Ihre Vergangenheit.
Das Kapital ist konzentrierte gesellschaftliche Macht, während
der Arbeiter nur über seine Arbeitskraft verfügt. Der K o n-
t r a k t zwischen Kapital und Arbeit kann deshalb niemals auf
gerechten Bedingungen beruhen, gerecht nicht einmal im Sinne
einer Gesellschaft, die das Eigentum an den materiellen Mitteln
des Lebens und der Arbeit der lebendigen Produktivkraft gegen-
überstellt. Die einzige gesellschaftliche Macht der Arbeiter ist
ihre Zahl. Die Macht der Zahl wird jedoch durch Uneinigkeit ge-
brochen. Die Uneinigkeit der Arbeiter wird erzeugt und erhalten
durch ihre u n v e r m e i d l i c h e K o n k u r r e n z
u n t e r e i n a n d e r.
Gewerksgenossenschaften entstanden ursprünglich durch die
s p o n t a n e n Versuche der Arbeiter, diese Konkurrenz zu be-
seitigen oder wenigstens einzuschränken, um Kontraktbedingungen
zu erzwingen, die sie wenigstens über die Stellung bloßer Sklaven
erheben würden. Das unmittelbare Ziel der Gewerksgenossenschaften
beschränkte sich daher auf die Erfordernisse
#197# Instruktionen für die Delegierten des Zentralrats
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des Tages, auf Mittel zur Abwehr der ständigen Übergriffe des Ka-
pitals, mit einem Wort, auf Fragen des Lohns und der Arbeitszeit.
Diese Tätigkeit der Gewerksgenossenschaften ist nicht nur recht-
mäßig, sie ist notwendig. Man kann ihrer nicht entraten, solange
die heutige Produktionsweise besteht. Im Gegenteil, sie muß ver-
allgemeinert werden durch die Gründung und Zusammenfassung von
Gewerksgenossenschaften in allen Ländern. Auf der anderen Seite
sind die Gewerksgenossenschaften, ohne daß sie sich dessen bewußt
wurden, zu O r g a n i s a t i o n s z e n t r e n der Arbei-
terklasse geworden, wie es die mittelalterlichen Munizipalitäten
und Gemeinden für das Bürgertum waren. Wenn die Gewerksgenossen-
schaften notwendig sind für den Guerillakrieg zwischen Kapital
und Arbeit, so sind sie noch weit wichtiger als o r g a n i-
s i e r t e K r a f t z u r B e s e i t i g u n g d e s S y-
s t e m s d e r L o h n a r b e i t u n d K a p i t a l-
h e r r s c h a f t s e l b s t.
(b) Ihre Gegenwart.
Die Gewerksgenossenschaften haben sich bisher zu ausschließlich
mit dem lokalen und unmittelbaren Kampf gegen das Kapital be-
schäftigt und haben noch nicht völlig begriffen, welche Kraft sie
im Kampf gegen das System der Lohnsklaverei selbst darstellen.
Sie haben sich deshalb zu fern von allgemeinen sozialen und poli-
tischen Bewegungen gehalten. In letzter Zeit scheinen sie jedoch
zum Bewußtsein ihrer großen historischen Mission zu erwachen, wie
man schließen kann z.B. aus ihrer Beteiligung an der jüngsten po-
litischen Bewegung in England [139], aus der höheren Auffassung
ihrer Funktion in den Vereinigten Staaten [140] und auch aus fol-
gendem B e s c h l u ß d e r g r o ß e n K o n f e r e n z
d e r D e l e g i e r t e n d e r T r a d e - U n i o n s,
die kürzlich in Sheffield stattfand:
"Diese Konferenz würdigt voll und ganz die Anstrengungen der In-
ternationalen Assoziation, die Arbeiter aller Länder in einem ge-
meinsamen Bruderbund zu vereinen, und empfiehlt den verschie-
denen, hier vertretenen Gesellschaften eindringlich, in diese As-
soziation einzutreten, in der Überzeugung, daß sie notwendig ist
für den Fortschritt und das Gedeihen der ganzen Arbeiterschaft."
[141]
(c) Ihre Zukunft.
Abgesehen von ihren ursprünglichen Zwecken müssen sie jetzt ler-
nen, bewußt als organisierende Zentren der Arbeiterklasse zu han-
deln, im großen Interesse ihrer v o l l s t ä n d i g e n
E m a n z i p a t i o n. Sie müssen jede soziale und politische
Bewegung unterstützen, die diese Richtung einschlägt. Wenn sie
sich selbst als Vorkämpfer und Vertreter der ganzen Arbeiter-
klasse betrachten und danach handeln, muß es ihnen gelingen, die
Außenstehenden in ihre Reihen zu ziehen. Sie müssen sich sorgfäl-
tig um die Interessen der
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am schlechtesten bezahlten Gewerbe kümmern, z.B. der Landarbei-
ter, die durch besonders ungünstige Umstände ohnmächtig sind 1*).
Sie müssen die ganze Welt zur Überzeugung bringen, daß ihre Be-
strebungen, weit entfernt, begrenzte und selbstsüchtige zu sein,
auf die Emanzipation der unterdrückten Millionen gerichtet sind.
7. Direkte und indirekte Steuern
(a) Keine Änderung der Form der Besteuerung kann zu einer wesent-
lichen Veränderung in den Beziehungen zwischen Arbeit und Kapital
führen.
(b) Wenn man nichtsdestoweniger zwischen zwei Steuersystemen zu
wählen hat, empfehlen wir die v ö l l i g e A b s c h a f-
f u n g d e r i n d i r e k t e n S t e u e r n und ihre
a l l g e m e i n e E r s e t z u n g, d u r c h d i r e k t e
S t e u e r n;
weil indirekte Steuern die Warenpreise erhöhen, schlagen die
Händler auf diese Preise nicht nur den Betrag der indirekten
Steuer auf, sondern auch die Zinsen und den Profit auf das von
ihnen vorgeschossene Kapital;
weil indirekte Steuern dem einzelnen verbergen, was er an den
Staat zahlt, während eine direkte Steuer unverhüllt und einfach
ist und auch vom Ungebildetsten verstanden werden kann. Die di-
rekte Steuer regt deshalb jeden dazu an, die Regierung zu kon-
trollieren, während die indirekte Steuer jede Tendenz zur Selbst-
verwaltung zerstört.
8. Internationaler Kredit
Die Initiative dazu soll man den Franzosen überlassen.
9. Die polnische Frage 2*)
(a) Warum greifen die Arbeiter Europas diese Frage auf? Erstens,
weil die Schreiber und Agitatoren der Bourgeoisie übereingekommen
sind, sie totzuschweigen, obgleich sie alle Arten von Nationali-
täten auf dem Kontinent in Schutz nehmen, selbst Irland. Woher
dieses Stillschweigen? Weil
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1*) Im "Courrier international": außerstande sind zu organisier-
tem Widerstand - 2*) im "Courrier international": Die Notwendig-
keit der Beseitigung des russischen Einflusses in Europa durch
Verwirklichung des Rechts der Nationen auf Selbstbestimmung und
die Wiederherstellung Polens auf demokratischer und sozialer
Grundlage.
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sowohl Aristokraten als auch Bourgeois die finstere asiatische
Macht im Hintergrund als eine letzte Zuflucht gegen das Vor-
schreiten der Arbeiterklasse betrachten. Diese Macht kann nur
wirklich gebrochen werden durch die Wiederherstellung Polens auf
demokratischer Grundlage.
(b) Bei der gegenwärtigen veränderten Lage in Mitteleuropa, ins-
besondere in Deutschland, ist es mehr denn je nötig, ein demokra-
tisches Polen zu haben. Ohne dieses wird Deutschland zum Vorpo-
sten der Heiligen Allianz werden, mit ihm ein Verbündeter des re-
publikanischen Frankreichs. Die Arbeiterbewegung wird ständig ge-
stört, gehemmt und verzögert werden, solange diese große europäi-
sche Frage ungelöst bleibt.
(c) Es ist speziell die Pflicht der deutschen Arbeiterklasse, die
Initiative in dieser Frage zu ergreifen, weil Deutschland ein
Mitschuldiger an den Teilungen Polens ist.
10. Die Armeen 1*)
(a) Der verderbliche Einfluß von großen stehenden Heeren auf die
P r o d u k t i o n ist auf bürgerlichen Kongressen aller Arten,
auf Friedenskongressen, ökonomischen Kongressen, statistischen
Kongressen, philanthropischen Kongressen und soziologischen Kon-
gressen, zur Genüge dargelegt worden. Wir halten es daher für
überflüssig, uns über diesen Punkt zu verbreiten.
(b) Wir schlagen allgemeine Volksbewaffnung und allgemeine Aus-
bildung im Waffengebrauch vor.
(c) Wir stimmen, als einer vorübergehenden Notwendigkeit, kleinen
stehenden Heeren zu, die als Schulen für Offiziere der Miliz die-
nen; jeder männliche Bürger soll auf kurze Zeit in diesen Armeen
dienen.
11. Die religiöse Frage 2*)
Die Initiative dazu soll man den Franzosen überlassen.
Geschrieben Ende August 1866.
Aus dem Englischen.
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1*) Im "Courrier international": Stehende Heere und ihre Bezie-
hungen zur Produktion - 2*) "Courrier international": Religiöse
Ideen; ihr Einfluß auf die soziale, polnische und intellektuelle
Entwicklung
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