Quelle: MEW 16 September 1864 - Juli 1870


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       Karl Marx
       
       Plagiarismus [164]
       
       ["Die Zukunft" Nr. 291 vom 12. Dezember 1867]
       
       "Social-Demokrat" vom 29. November. Generalversammlung des Allge-
       meinen Deutschen Arbeitervereins
       Debatte  über   den  Arbeitstag  v.  Hofstetten  (Eigentümer  des
       "Social-Demokrat") spricht:
       1. "Die   A r b e i t s k r a f t   ist heutzutage eine Ware. Der
       Kaufpreis" (soll  heißen: der   W e r t)   "einer  Sache" (sollte
       heißen:  W a r e) "ist bestimmt durch die Arbeitszeit, die zu ih-
       rer Herstellung  nötig ist.  Der Arbeiter  muß nun eine bestimmte
       Anzahl Stunden  arbeiten, um  den Wert, den er für seine Arbeits-
       kraft  erhalten   hat,  wieder   zu   erzeugen:   das   ist   der
       n o t w e n d i g e   T e i l   d e s    A r b e i t s t a g e s,
       aber keineswegs der  A r b e i t s t a g  s e l b e r.  Um diesen
       herzustellen, muß"  (warum?) "ein  unbestimmter Teil hinzukommen;
       trotzdem er   u n b e s t i m m t   ist,  hat er doch seine  n ö-
       t i g e n  G r e n z e n."
       
       Karl Marx: "Das Kapital. Kritik der politischen Oekonomie", 1867.
       Abschnitt: "Der Arbeitstag"
       1. "Wir gingen von der Voraussetzung aus, daß die  A r b e i t s-
       k r a f t   zu ihrem   W e r t e   gekauft und verkauft wird. Ihr
       Wert, wie der jeder ändern Ware, wird bestimmt durch die zu ihrer
       Produktion nötige  Arbeitszeit. Erheischt also die Durchschnitts-
       summe der  täglichen Lebensmittel  des Arbeiters zu ihrer Produk-
       tion 6  Stunden täglich,  so muß er im Durchschnitt 6 Stunden per
       Tag arbeiten,  um seine  Arbeitskraft täglich zu produzieren oder
       den in ihrem Verkauf erhaltenen  W e r t  zu
       
       #222# Karl Marx
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       2. "Die eine"  (Grenze), "die  M a x i m a l g r e n z e,  beruht
       m der physischen Möglichkeit" (wie kann eine Grenze in einer Mög-
       lichkeit beruhen!), "eine wie lange Zeit der Mensch überhaupt im-
       stande ist  zu arbeiten,  da er zur Fristung seiner Existenz doch
       auch schlafen,  ruhen, sich  kleiden und  sich reinigen  muß. Die
       M i n i m a l g r e n z e  ist gegeben in den Anforderungen, wel-
       che der  zeitweise   K u l t u r z u s t a n d   einer Epoche ab-
       gibt. Je  nach diesem  Zustande und  der bestehenden Gesetzgebung
       ist auch  die Zeitdauer  des Arbeitstages und der Mehrarbeit ver-
       schieden. Danach  hat man  8, 12,  16, ja sogar einen 18stündigen
       Arbeitstag."
       
       reproduzieren. Der   n o t w e n d i g e   T e i l    s e i n e s
       A r b e i t s t a g e s   beträgt dann  6 Stunden  und ist daher,
       unter sonst  gleichbleibenden Umständen,  eine    g e g e b e n e
       G r ö ß e.   Aber damit  ist   d i e   G r ö ß e    d e s    A r-
       b e i t s t a g e s   selbst noch  nicht gegeben ... Einer seiner
       Teile ist  zwar bestimmt  durch die  zur beständigen Reproduktion
       des Arbeiters  selbst erheischte  Arbeitszeit, aber seine Gesamt-
       größe wechselt  mit der Länge oder Dauer der  M e h r a r b e i t
       ...  Obgleich  nun  der  Arbeitstag  keine  feste,  sondern  eine
       fließende Größe  ist, kann er andererseits nur  i n n e r h a l b
       g e w i s s e r   S c h r a n k e n   variieren." (p.  198, 199.)
       1*)
       2. "Seine" (des Arbeitstags)  "M i n i m a l s c h r a n k e  ist
       jedoch unbestimmbar.  Allerdings, setzen  wir die Mehrarbeit = 0,
       so erhalten wir eine Minimalschranke, den Teil des Tages nämlich,
       den der  Arbeiter notwendig zu seiner Erhaltung arbeiten muß. Auf
       Grundlage der  kapitalistischen Produktionsweise kann die notwen-
       dige Arbeit  aber immer  nur  e i n e n  Teil seines Arbeitstages
       bilden, der  Arbeitstag sich also nie auf dies Minimum verkürzen.
       Dagegen besitzt  der Arbeitstag  eine  M a x i m a l s c h r a n-
       k e.   Er kann  über eine gewisse Grenze nicht verlängert werden.
       Diese Maximalschranke  ist doppelt  bestimmt.  Einmal  durch  die
       p h y s i s c h e     S c h r a n k e     d e r    A r b e i t s-
       k r a f t.  Ein Mensch kann während
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       1*) Siehe Band 23 unserer Ausgabe, S. 245, 246
       
       #223# Plagiarismus
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       des natürlichen  Tags von  24 Stunden  nur ein bestimmtes Quantum
       Lebenskraft verausgaben,  und das  Maß  dieser  Kraftverausgabung
       bildet ein  Maß für  seine physisch mögliche Arbeitszeit. So kann
       ein Pferd  tagaus, tagein  nur 8  Stunden arbeiten. Während eines
       Teils des  Tages muß die Kraft ruhen, schlafen, während eines an-
       deren Teils  hat der  Mensch andere  physische Bedürfnisse zu be-
       friedigen, sich  zu nähren,  reinigen, kleiden  usw. Außer dieser
       e i n e n   p h y s i s c h e n   S c h r a n k e  stößt die Ver-
       längerung des Arbeitstages auf "m o r a l i s c h e  S c h r a n-
       k e n.   Der Arbeiter braucht Zeit zur Befriedigung geistiger und
       sozialer Bedürfnisse, deren Umfang und Zahl durch den allgemeinen
       K u l t u r z u s t a n d  bestimmt sind... Beide Schranken" (die
       physische und moralische Maximalschranke) "sind aber sehr elasti-
       scher Natur  und erlauben  den größten  Spielraum. So  finden wir
       Arbeitstage von  8, 10,  12, 14,  16, 18 usw. Stunden." (p. 199.)
       1*)
       
       Herr v.  Hofstetten macht  Blödsinn aus  dem von  ihm plagiierten
       Passus. Zum  Beispiel läßt  er die  M a x i m a l s c h r a n k e
       des Arbeitstages  durch   r e i n   p h y s i s c h e   und seine
       M i n i m a l s c h r a n k e   durch  m o r a l i s c h e  Gren-
       zen bestimmen,  nachdem er  vorher selbst nachgeplappert hat, daß
       der   n o t w e n d i g e   T e i l   d e s    A r b e i t s t a-
       g e s,  also   seine  absolute  Minimalschranke,  durch  die  zur
       Erhaltung der  Arbeitskraft   n o t w e n d i g e  A r b e i t s-
       z e i t  bestimmt ist!
       
       3. "Die Erfahrung  in England hat gezeigt, daß bei einem kürzeren
       Arbeitstag dieselbe  Mehrarbeit erzielt  wird, indem  alsdann die
       Arbeit viel intensiver betrieben wird."
       
       3. Über  die Intensifikation  der Arbeit  und Erzielung  gleicher
       oder größerer  "Mehrarbeit" mit der zwangsgesetzlichen Verkürzung
       des Arbeitstags in England cf. p. 401 bis 409  2*).
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       1*) Siehe Band 23 unserer Ausgabe, S. 246, 247 - - ebenda, S. 433
       440
       
       #224# Karl Marx
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       4. "Die   B e s t r e b u n g   der Kapitalisten geht also dahin,
       einen möglichst  langen Arbeitstag zu  b e z w e c k e n."  (Wel-
       cher Unsinn!  Eine Bestrebung  zu erzwecken!)  "Aber der Arbeiter
       besitzt als  einzige Ware nur seine Arbeitskraft, und ist in der-
       selben ein  gewisser Punkt  überschritten" (was heißt das:  e i n
       P u n k t   i s t   i n   d e r   A r b e i t s k r a f t   über-
       schritten?), "so muß er sagen,  i c h  bin abgenutzt (!), ich bin
       gemordet." (Bravo!) (Nachdem er bereits gemordet ist, soll er das
       noch hinterdrein  sagen!) "Daher"  (weil er  das sagen muß!) "muß
       das Maß der Arbeit im Interesse des Arbeiters fixiert werden, da-
       mit diese Ware, die Arbeitskraft, möglichst lange erhalten bleibt
       und  a u s g e n u t z t  werden kann. Damit verlangt er nur sein
       gutes Recht."  (Eben beklagte  er sich, daß er  a b g e n u t z t
       sei, und verlangt es nun als sein gutes Recht, ausgenutzt zu wer-
       den!)
       5. "In England  ist dieses Maß" (des Arbeitstags) "gesetzlich auf
       10 Stunden festgesetzt (!), und es bestehen Fabrikinspektoren da-
       selbst, die  dem Ministerium über die Beobachtung dieses Gesetzes
       berichten. In  vielen Ländern bestehen auch Gesetze zur Beschrän-
       kung der Kinderarbeit: in Österreich, in der Schweiz, in Amerika,
       und in Belgien (!) werden ähnliche Gesetze  v o r b e r e i t e t
       (!). In Preußen hat man auch die gleichen Gesetze, aber da stehen
       sie nur  auf dem  Papiere und  sind niemals ausgeführt worden. In
       Amerika ist nach Beendigung des
       
       4. "Der Kapitalist  behauptet daher  nur sein  Recht als  Käufer,
       wenn er den Arbeitstag so lange als möglich und womöglich aus ei-
       nem Arbeitstag  zwei zu  machen sucht.  Andererseits schließt die
       spezifische Natur der verkauften Ware eine Schranke ihres Konsums
       durch den  Käufer ein,  und der Arbeiter behauptet daher nur sein
       Recht als  Verkäufer, wenn  er den  Arbeitstag auf eine bestimmte
       Normalgröße beschränken  will... Ich will" (sagt er) "mein einzi-
       ges Vermögen,  die Arbeitskraft,  haushalten... Die    B e n u t-
       z u n g   meiner Arbeitskraft und die  B e r a u b u n g  dersel-
       ben sind  ganz verschiedene  Dinge...  Du  zahlst  mir  eintägige
       Arbeitskraft, wo  Du dreitägige verbrauchst. Das ist wider unsern
       Vertrag und  das Gesetz  des Warenaustauschs.  Ich verlange  also
       einen Arbeitstag von  n o r m a l e r  Länge etc." (p. 202, 201.)
       1*)
       5. "Der  jetzt regulierende  Faktory Act  von 1850"  (nicht   i n
       E n g l a n d,   sondern in   b e s o n d e r e n,  von Marx nam-
       haft gemachten  Industriezweigen des  Ver. Königreichs)  "erlaubt
       für den durchschnittlichen Wochentag 10 Stunden... Es sind eigene
       Wächter des Gesetzes bestellt, die dem Ministerium des Innern di-
       rekt untergeordneten   F a b r i k i n s p e k t o r e n,   deren
       Berichte halbjährig  von Parlaments wegen veröffentlicht werden."
       (p. 207.) 2*)
       -----
       1*) Siehe Band  23 unserer  Ausgabe, S. 249, 248 - 2*) ebenda, S.
       254
       
       #225# Plagiarismus
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       Krieges, welcher  die Emanzipation  der Sklaven  zur Folge hatte,
       sogar der achtstündige Arbeitstag verlangt. Auch der 'Internatio-
       nale Arbeiterkongreß' schlug 1866 einen 8stündigen vor."
       
       ... Wirkliche,  nicht vorbereitete Beschränkungen des Arbeitstags
       für Minderjährige  in einigen  Staaten von  Nordamerika (p.  244)
       1*), Beschränkung  des Arbeitstags  überhaupt in  Frankreich  (p.
       251) 2*),  für Kinder  in einigen  Kantonen der  Schweiz (p. 251)
       3*), in  Österreich (p.  252) 4*),  in Belgien  n i c h t s  der-
       gleichen, (p.  l.c.) Lobenswert wären die Verordnungen der Herren
       v.d. Heydt  und Manteuffel  etc.,  wenn  sie  ausgeführt  würden.
       (l.c.) "In den Ver. Staaten blieb jede selbständige Arbeiterbewe-
       gung gelähmt,  solange die Sklaverei einen Teil der Republik ver-
       unstaltete ... Aber aus dem Tod der Sklaverei entsproß sofort ein
       neu verjüngtes  Leben. Die  erste Frucht des Bürgerkriegs war die
       A c h t s t u n d e n a g i t a t i o n.   Gleichzeitig  beschloß
       der 'I n t e r n a t i o n a l e  A r b e i t e r k o n g r e ß':
       ... 'Wir  schlagen 8  Arbeitsstunden als  legale Schranke des Ar-
       beitstags vor.'" (p. 279, 280.) 5*)
       
       In derselben  Weise wie  Herr v.  Hofstetten verballhornt der ihm
       nachfolgende Redner, Herr Geib aus Hamburg, die von Marx gegebene
       Geschichte der  englischen Fabrikgesetzgebung.  Beide Herren ver-
       schweigen gleich sorgsam die Quelle ihrer Weisheit.
       Geschrieben am 6. Dezember 1867.
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       1*) Siehe Band  23 unserer Ausgabe, S. 287 - 2*) ebenda, S. 293 -
       3*) ebenda, S. 293 - 4*) ebenda, S. 293 - 5*) ebenda, S. 318, 319

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