Quelle: MEW 16 September 1864 - Juli 1870
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FRIEDRICH ENGELS
[Konspekt über] "Das Kapital" von Karl Marx.
Erster Band [170]
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Geschrieben im Jahre 1868.
Nach der Handschrift.
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ERSTES BUCH
Der Produktionsprozeß des Kapitals
ERSTES KAPITEL
Ware und Geld [171]
I. Ware an sich 1*)
Der Reichtum der Gesellschaften, in denen kapitalistische Produk-
tion herrscht, besteht in W a r e n. Die Ware ist ein Ding, das
G e b r a u c h s w e r t hat; dieser existiert in allen Gesell-
schaftsformen, in der kapitalistischen Gesellschaft aber ist der
Gebrauchswert zugleich der stoffliche Träger des T a u s c h-
w e r t s.
Der Tauschwert setzt ein tertium comparationis 2*) voraus, woran
er gemessen wird: die Arbeit, die gemeinsame gesellschaftliche
Substanz der Tauschwerte, und zwar die g e s e l l s c h a f t-
l i c h n o t w e n d i g e A r b e i t s z e i t, die in ihm
vergegenständlicht ist.
Wie die Ware ein Zwieschlächtiges: Gebrauchswert und Tauschwert,
so die in ihr enthaltene Arbeit doppelt bestimmt: einerseits als
b e s t i m m t e p r o d u k t i v e T ä t i g k e i t, We-
ber-, Schneiderarbeit etc. etc., "nützliche Arbeit", andrerseits
a l s e i n f a c h e V e r a u s g a b u n g m e n s c h l i-
c h e r A r b e i t s k r a f t, n i e d e r g e s c h l a g e-
n e a b s t r a k t e A r b e i t. Erstere produziert Ge-
brauchswert, letztere Tauschwert, nur sie ist quantitativ ver-
gleichbar (die Unterscheidungen von skilled 3*) und unskilled
4*), zusammengesetzter und einfacher Arbeit b e s t ä t i g e n
dies).
Substanz des Tauschwerts also die abstrakte Arbeit, Größe dessel-
ben deren Zeitmaß. Nun noch die Form des Tauschwerts zu betrach-
ten.
1. x Ware a = y Ware b, der Wert einer Ware ausgedrückt im Ge-
brauchswert einer ändern ist ihr r e l a t i v e r W e r t.
Der Ausdruck der Äquivalenz
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1*) Siehe Band 23 unserer Ausgabe, S. 49-98 - 2*) zum Vergleich
herangezogenes Drittes - 3*) qualifizierter - 4*) unqualifizier-
ter
#246# Friedrich Engels
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zweier Waren ist die einfache Form des relativen Werts. In obiger
Gleichung ist y Ware b das Ä q u i v a l e n t. In ihm erhält x
Ware a seine Wertform im Gegensatz zu ihrer Naturalform, während
y Ware b zugleich die Eigenschaft der unmittelbaren Austauschbar-
keit erhält, selbst in seiner Naturalform. Der Tauschwert ist der
Ware durch bestimmte historische Verhältnisse auf ihren Ge-
brauchswert aufgedrückt. Sie kann ihn daher nicht in ihrem eignen
Gebrauchswert, sondern nur im Gebrauchswert einer ändern Ware
ausdrücken. Nur in der Gleichsetzung zweier konkreter Arbeitspro-
dukte tritt die Eigenschaft der in beiden enthaltenen konkreten
Arbeit als abstrakt-menschliche Arbeit zutage, d.h. eine Ware
kann sich nicht zu der in ihr selbst, wohl aber zu der in andren
Warenarten enthaltenen konkreten Arbeit als bloßer Verwirkli-
chungsform abstrakter Arbeit verhalten.
Die Gleichung x Ware a = y Ware b schließt notwendig in sich, daß
x Ware a auch in ändern Waren ausgedrückt werden kann, also
2. x Ware a = y Ware b = z Ware c = v Ware d = u Ware e = etc.
etc. etc. Dies ist die e n t f a l t e t e relative Wertform.
Hier bezieht sich x Ware a nicht mehr auf eine, sondern auf
a l l e Waren als bloße Erscheinungsformen der in ihr selbst
dargestellten Arbeit. Sie führt aber durch bloße Umkehrung auf
3. die rückbezogene zweite Form des relativen Werts:
y Ware b = x Ware a u Ware d = x Ware a
v Ware d = x Ware a t Ware e = x Ware a
etc. etc.
Hier erhalten die Waren die a l l g e m e i n e r e l a t i v e
W e r t f o r m, in der sie alle von ihrem Gebrauchswerte ab-
strahieren und sich als Materiatur abstrakter Arbeit in x Ware a
gleichsetzen, x Ware a ist die Gattungsform des Äquivalents für
alle ändern Waren, sie ist ihr a l l g e m e i n e s Ä q u i-
v a l e n t, die in ihr materialisierte Arbeit gilt ohne wei-
teres als Realisation der abstrakten Arbeit, als allgemeine
Arbeit. Nun kann aber
4. j e d e Ware der Reihe die allgemeine Äquivalent-Rolle über-
nehmen, aber g l e i c h z e i t i g nur immer eine derselben,
da wenn a l l e Waren allgemeine Äquivalente wären, jede die
ändern davon wieder ausschlösse. Form 3 ist nicht durch x Ware a
hergestellt, sondern durch die ändern Waren, objektiv. Also eine
bestimmte Ware muß die Rolle übernehmen - zur Zeit, sie kann
wechseln -, und erst dadurch wird die Ware vollständig Ware.
Diese besondre Ware, mit deren Naturalform die allgemeine Äqui-
valentform verwächst, ist G e l d.
#247# Konspekt über "Das Kapital"
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Die S c h w i e r i g k e i t in der W a r e liegt darin, daß
sie, wie alle Kategorien der kapitalistischen Produktionsweise,
ein persönliches Verhältnis unter sachlicher Hülle darstellt. Die
Produzenten beziehen ihre verschiedenen Arbeiten aufeinander als
allgemein menschliche Arbeit, indem sie ihre Produkte aufeinander
beziehen als W a r e n - ohne diese Vermittlung der Sache brin-
gen sie es nicht fertig. Das Verhältnis der P e r s o n e n
e r s c h e i n t also als Verhältnis der S a c h e n.
Für eine Gesellschaft, worin die Warenproduktion vorherrscht, das
Christentum, speziell der Protestantismus, die passende Religion,
II. Austauschprozeß der Ware 1*)
Daß die Ware Ware ist, beweist sie im Austausch. Die Eigner
zweier Waren müssen den Willen haben, ihre resp. Waren auszutau-
schen, und sich also gegenseitig als P r i v a t e i g e n-
t ü m e r anerkennen. Dies Rechtsverhältnis, dessen Form der
Vertrag, ist nur das Willens Verhältnis, worin sich das ökono-
mische Verhältnis widerspiegelt. Der I n h a l t desselben ist
durch das ökonomische Verhältnis selbst gegeben, p. 45.
Die Ware ist Gebrauchswert für ihren Nichtbesitzer, Nichtge-
brauchswert für ihren Besitzer. Daher das Bedürfnis des Austau-
sches. Aber jeder Wareneigner will spezifische, für ihn nötige
Gebrauchswerte eintauschen - soweit ist der Tausch ein indivi-
dueller Prozeß. Andrerseits will er seine Ware als Wert
realisieren, also in jeder beliebigen Ware, ob nun s e i n e
Ware für den Besitzer der ändern Ware Gebrauchswert sei oder
nicht. Soweit ist der Tausch für ihn ein allgemein gesellschaft-
licher Prozeß. Aber derselbe Prozeß kann nicht für alle Waren-
eigner zugleich individuell und allgemein gesellschaftlich sein.
Jedem Wareneigner gilt s e i n e Ware als allgemeines Äquiva-
lent, alle andren Waren aber als soviel besondre Äquivalente
derselben. Da a l l e Warenbesitzer dasselbe tun, ist keine
Ware allgemeines Äquivalent, und daher hat k e i n e Ware auch
allgemeine relative Wertform, worin sie sich als Werte gleich-
setzen und als Wertgrößen vergleichen. Sie stehn sich daher über-
haupt nicht als Waren gegenüber, sondern nur als Produkte, p. 47.
Die Waren können sich nur als Werte und daher als Waren aufeinan-
der beziehen, indem sie sich gegensätzlich auf irgendeine andre
Wäre als allgemeines Äquivalent beziehn. Aber nur die g e-
s e l l s c h a f t l i c h e T a t k a n n e i n e b e-
s t i m m t e W a r e z u m a l l g e m e i n e n Ä q u i-
v a l e n t m a c h e n: G e l d.
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1*) Siehe Band 23 unserer Ausgabe, S. 99-108
#248# Friedrich Engels
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Der immanente Widerspruch der Ware als unmittelbare Einheit von
Gebrauchswert und Tauschwert, als Produkt nützlicher Privatar-
beit... und als unmittelbare gesellschaftliche Materiatur ab-
strakter menschlicher Arbeit, dieser Widerspruch ruht und rastet
nicht, bis er sich zur Verdopplung der Ware in Ware und Geld ge-
staltet hat. p. 48.
Da alle andren Waren nur besondre Äquivalente des Geldes und Geld
ihr allgemeines Äquivalent, so verhalten sie sich als b e s o n-
d r e Waren zum Geld als der allgemeinen Ware. p. 51. Der
Austauschprozeß gibt der Ware, die er in Geld verwandelt, nicht
ihren W e r t, aber ihre Wertform. p. 51. - Fetischismus: eine
Ware scheint nicht erst Geld zu werden, weil die ändern Waren
allseitig ihre Werte in ihr darstellen, sondern sie scheinen
umgekehrt ihre Werte in ihr darzustellen, weil sie G e l d
i s t.
III. Das Geld oder die Warenzirkulation 1*)
A. Maß der Werte (Gold = Geld supponiert)
Geld als Wertmaß ist notwendige E r s c h e i n u n g s f o r m
des i m m a n e n t e n Wertmaßes der Waren, der A r-
b e i t s z e i t. Der einfache relative Wertausdruck der Waren
in Geld x Ware a = y Geld ist ihr Preis, p. 55.
Der Preis der Ware, ihre Geldform, wird in v o r g e s t e l l-
t e m Geld ausgedrückt; M a ß d e r W e r t e ist das Geld
also nur als ideelles, p. 57.
Die Verwandlung von Wert in Preis einmal vollbracht, wird es
technisch notwendig, das Maß der Werte weiter zu entwickeln zum
M a ß s t a b d e r P r e i s e; d.h. ein Goldquantum wird fi-
xiert, w o r a n v e r s c h i e d n e G o l d q u a n t a
g e m e s s e n w e r d e n. Dies ganz verschieden vom Maß der
Werte, das selbst vom Wert des Goldes abhängt, dieser aber ist
für den Maßstab der Preise gleichgültig, p. 59.
Die Preise in Rechennamen des Golds dargestellt, dient das Geld
als R e c h e n g e l d.
Wenn der Preis als Exponent der Wertgröße der Ware Exponent ihres
Austauschverhältnisses mit Geld ist, so folgt umgekehrt
n i c h t, daß der Exponent ihres Austauschverhältnisses mit
Geld n o t w e n d i g der Exponent ihrer Wertgröße sei. Ge-
setzt, Umstände erlauben oder zwingen eine Ware über oder unter
ihrem Wert zu verkaufen, so sind diese Verkaufspreise nicht ihrem
Wert entsprechend, aber doch Preise der Ware, denn sie sind 1.
ihre Wertform, Geld, und 2. Exponenten ihres Austauschverhältnis-
ses mit Geld.
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1*) Siehe Band 23 unserer Ausgabe, S. 109-160
#249# Konspekt über "Das Kapital"
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Die Möglichkeit quantitativer Inkongruenz zwischen Preis und
Wertgröße ist also in der P r e i s f o r m s e l b s t g e-
g e b e n. Es ist dies kein Mangel dieser Form, sondern macht
sie umgekehrt zur adäquaten Form einer Produktionsweise, worin
sich die Regel nur als blindwirkendes Durchschnittsgesetz der
Regellosigkeit durchsetzen kann. Die Preisform kann aber auch ...
einen qualitativen Widerspruch beherbergen, so daß der Preis
überhaupt aufhört, Wertausdruck zu sein ... Gewissen, Ehre etc.
können ... durch ihren Preis die Warenform erhalten, p. 61.
Die Messung der Werte in Geld, die Preisform, schließt die Not-
wendigkeit der Veräußerung ein, die ideelle Preisgebung die wirk-
liche. Daher Zirkulation.
B. Zirkulationsmittel
a) Die Metamorphose der Waren
Einfache Form: W-G-W, deren stofflicher Inhalt = W-W. Tauschwert
wird weggegeben und Gebrauchswert angeeignet.
alpha) Erste Phase: W-G = Verkauf, wozu zwei gehören, also die
Möglichkeit des Nichtgelingens, resp. des Verkaufs unter dem Wert
oder auch unter den Produktionskosten, wenn der gesellschaftliche
Wert der Ware sich ändert. "Die Teilung der Arbeit verwandelt das
Arbeitsprodukt in Ware und macht dadurch seine Verwandlung in
Geld n o t w e n d i g. Sie macht es zugleich z u f ä l l i g,
ob diese Transsubstantiation gelingt." p. 67. Doch hier das Phä-
nomen rein zu betrachten. W-G setzt bei dem Inhaber des G (falls
er nicht Goldproduzent ist) voraus, daß er sein G gegen andre W
vorher eingetauscht hat: es ist also für den K ä u f e r nicht
nur umgekehrt = G-W, sondern setzt bei ihm einen früheren Verkauf
voraus, usw., so daß wir in einer unendlichen Reihe von Käufen
und Verkäufen stehen.
beta) Dasselbe findet statt bei der zweiten Phase, G-W, K a u f,
der zugleich für den ändern Beteiligten Verkauf ist.
gamma) Der Gesamtprozeß also ein Kreislauf von Käufen und Verkäu-
fen. W a r e n z i r k u l a t i o n. Diese ganz verschieden
vom unmittelbaren Produktenaustausch; erstens werden die indivi-
duellen und lokalen Schranken des unmittelbaren Produktenaus-
tauschs durchbrochen und der Stoffwechsel der menschlichen Arbeit
vermittelt, andrerseits zeigt sich hier schon, daß der ganze Pro-
zeß von gesellschaftlichen Naturzusammenhängen bedingt ist, die
von den Handelnden unabhängig sind. p. 72. Der einfache Austausch
#250# Friedrich Engels
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erlosch in dem einen Austauschakt, wo jeder den Nichtgebrauchs-
wert gegen Gebrauchswert austauscht, die Zirkulation geht unend-
lich voran,
p. 73. Hier das falsche ökonomische Dogma: d i e W a r e n-
z i r k u l a t i o n b e d i n g e e i n n o t w e n d i-
g e s G l e i c h g e w i c h t d e r K a u f s u n d V e r-
k a u f s, w e i l j e d e r K a u f a u c h V e r k a u f
u n d v i c e v e r s a - w o m i t g e s a g t w e r d e n
s o l l, j e d e r V e r k ä u f e r b r i n g e a u c h
s e i n e n K ä u f e r m i t z u M a r k t. 1. Kauf und
Verkauf sind einerseits ein identischer Akt zweier polarisch ent-
gegengesetzter Personen, andrerseits zwei polarisch entgegenge-
setzte Akte einer Person. Die Identität von Kauf und Verkauf
schließt daher ein, daß die Ware nutzlos ist, wenn sie nicht ver-
kauft wird, und ebenso, daß dieser Fall eintreten k a n n. 2.
W-G als Teilprozeß ist zugleich ein selbständiger Prozeß und
schließt ein, daß der Erwerber des G den Zeitpunkt wählen kann,
wo er dies G wieder in W verwandelt. Er kann w a r t e n. Die
innere Einheit der selbständigen Prozesse W-G und G-W bewegt sich
eben wegen Selbständigkeit dieser Prozesse in äußeren Gegen-
sätzen, und wenn die Verselbständigung dieser abhängigen Prozesse
eine gewisse Grenze erreicht, m a c h t s i c h d i e E i n-
h e i t g e l t e n d d u r c h e i n e K r i s e. Deren
M ö g l i c h k e i t also schon hier gegeben.
Als Vermittler der Warenzirkulation ist das Geld Z i r k u l a-
t i o n s m i t t e l.
b) Umlauf des Geldes
Das Geld vermittelt für jede individuelle Ware den Eintritt in
und den Austritt aus der Zirkulation; es selbst bleibt immer
drin, Obwohl daher bloßer A u s d r u c k der Warenzirkulation,
e r s c h e i n t doch die Warenzirkulation als Resultat der
Geldzirkulation, Da das Geld stets in der Zirlculationssphäre
bleibt, ist die Frage, w i e v i e l Geld in ihr vorhanden ist.
Die Masse des zirkulierenden Geldes ist bestimmt durch die
P r e i s s u m m e d e r W a r e n (bei gleichbleibendem
Geldwert), und diese durch die in der Zirkulation begriffne W a-
r e n m a s s e. Diese Warenmasse als gegeben gesetzt, fluktu-
iert die zirkulierende Geldmasse mit den P r e i s s c h w a n-
k u n g e n der Waren, Da nun stets ein und dasselbe Geldstück
eine Anzahl Geschäfte nacheinander vermittelt in einer gegebnen
Zeit, so ist für einen gegebnen
Preissumme der Waren
Zeitabschnitt ------------------------------ = = Masse des als
Umlaufsanzahl eines Geldstücks
Zirkulationsmittelmittel funktionierenden Geldes, p. 80.
Daher kann Papiergeld Goldgeld verdrängen, wenn es in eine gesät-
tigte Zirkulation geworfen wird.
Da im Geldumlauf nur der Zirkulationsprozeß der Waren e r-
s c h e i n t, so auch in seiner Geschwindigkeit die ihres Form-
wechsels, in seiner Stockung
#251# Konspekt über "Das Kapital"
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die Trennung des Kaufs vom Verkauf, die Stockung des gesell-
schaftlichen Stoffwechsels. Woher diese Stockung entspringt, ist
natürlich der Z i r k u l a t i o n nicht anzusehen, sie zeigt
nur das Phänomen selbst. Der Philister erklärt es sich aus man-
gelnder Quantität der Zirkulationsmittel, p. 81.
Ergo: 1. Bei gleichbleibenden Warenpreisen steigt die zirkulie-
rende Geldmasse, wenn die zirkulierende Warenmasse steigt oder
der Geldumlauf langsamer wird; und fällt vice versa.
2. Bei allgemein steigenden Warenpreisen bleibt die zirkulierende
Geldmasse gleich, wenn die Warenmasse abnimmt oder die Zirkulati-
onsgeschwindigkeit zunimmt im selben Verhältnis.
3. Bei allgemein fallenden Warenpreisen umgekehrt von 2.
Im allgemeinen ergibt sich ein ziemlich konstanter Durchschnitt,
der fast nur durch Krisen bedeutende Abweichungen erfährt.
c) Münze - Wertzeichen
Der Maßstab der Preise wird durch den Staat festgestellt; so auch
die Bezeichnung des Namens für das bestimmte Goldstück - die
Münze, und seine Anfertigung. Auf dem Weltmarkt wird die resp.
Nationaluniform wieder ausgezogen (vom Schlagschatz wird hier ab-
strahiert), so daß Münze und Barren sich nur durch die Form un-
terscheiden. - Aber d i e M ü n z e v e r s c h l e i ß t im
Umlauf, Gold als Zirkulationsmittel differiert von Gold als Maß-
stab der Preise, die Münze wird mehr und mehr S y m b o l ihres
offiziellen Gehalts.
Hiermit die Möglichkeit latent gegeben, das Metallgeld durch Mar-
ken oder Symbole zu ersetzen. Daher 1. Scheidemünze aus Kupfer-
oder Silbermarken, deren Festsetzung gegenüber dem reellen Gold-
geld durch Beschränkung der Quantität, in der sie legal tender
1*) sind, verhindert wird. Ihr Gehalt rein willkürlich durchs Ge-
setz bestimmt und ihre Münzfunktion wird dadurch unabhängig von
ihrem W e r t. Daher der Fortschritt möglich zu g a n z
w e r t l o s e n Zeichen. - 2. P a p i e r g e l d, d.h.
S t a a t s p a p i e r g e l d m i t Z w a n g s k u r s
(Kreditgeld hier noch nicht zu behandeln). Soweit dies Papiergeld
anstatt Goldgeld wirklich zirkuliert, ist es den Gesetzen der
Goldzirkulation unterworfen. Nur das Verhältnis, in dem Papier
Gold ersetzt, kann Gegenstand eines besondren Gesetzes sein, und
dies ist: daß die Ausgabe des Papiergeldes auf die Quantität zu
beschränken, in der das von ihr dargestellte Gold wirklich zirku-
lieren müßte. Zwar schwankt der Sättigungsgrad
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1*) gesetzliches Zahlungsmittel
#252# Friedrich Engels
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der Zirkulation, aber überall stellt sich ein erfahrungsmäßiges
Minimum heraus, unter das er nie fällt. Dies Minimum kann
ausgegeben werden. Darüber hinaus wird beim Sinken des Sätti-
gungsgrads aufs Minimum ein Teil sofort überschüssig. In solchem
Fall stellt das gesamte Papierquantum innerhalb der Warenwelt
dennoch nur die durch ihre immanenten Gesetze bestimmte, also
auch allein repräsentierbare Goldquantität vor. Beträgt also die
Papiermasse das Doppelte der absorbierten Geldmasse, so deprezi-
iert sich jedes Papierstück auf den halben Nominalwert. Grade wie
wenn das Gold in seiner Funktion als Maß der Preise, in seinem
Wert, verändert wäre. p. 89.
C. Geld
a) Schatzbildung
Mit der ersten Entwicklung der Warenzirkulation selbst entwickelt
sich die Notwendigkeit und die Leidenschaft, das Produkt von W-G
= das G festzuhalten; aus bloßer Vermittlung des Stoffwechsels
wird ihr Formwechsel Selbstzweck. Geld versteinert zum Schatz,
der Warenverkäufer wird Schatzbildner, p. 91.
Diese Form vorherrschend grade in den Anfängen der Warenzirkula-
tion. Asien. Mit weitrer Entwicklung der Warenzirkulation muß je-
der Warenproduzent sich den nervus rerum, das gesellschaftliche
Faustpfand - G sichern. So entstehn überall hoards 1*). Die Ent-
wicklung der Warenzirkulation vermehrt die Macht des Geldes, der
stets schlagfertigen, absolut gesellschaftlichen Form des Reich-
tums, p. 92. Der Trieb der Schatzbildung ist von Natur schranken-
los. Qualitativ oder seiner Form nach ist das Geld schrankenlos,
d.h. allgemeiner Repräsentant des stofflichen Reichtums, weil in
jede Ware unmittelbar umsetzbar. Quantitativ ist jede wirkliche
Geldsumme aber beschränkt, daher auch nur Kaufmittel von be-
schränkter Wirkung. Dieser Widerspruch treibt die Schatzbildung
stets von neuem zurück zur Sisyphusarbeit der Akkumulation.
Daneben die Akkumulation von Gold und Silber in p l a t e 2*),
zugleich neuer Markt für diese Metalle, zugleich latente Geld-
quelle.
Die Schatzbildung dient als A b- u n d Z u f u h r k a n a l
d e s z i r k u l i e r e n d e n G e l d e s bei den steten
Schwankungen des Sättigungsgrades der Zirkulation. p. 95.
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1*) Schätze - 2*) Gegenständen
#253# Konspekt über "Das Kapital"
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b) Zahlungsmittel
Mit der Ausbildung der Warenzirkulation treten neue Verhältnisse
ein: die Veräußerung der Ware kann von der Realisierung ihres
Preises zeitlich getrennt sein. Die Waren erfordern verschiedne
Zeitdauer zu ihrer Produktion, werden in verschiedner Jahreszeit
produziert, manche müssen nach entfernten Märkten versandt werden
usw. A kann daher Verkäufer sein, ehe B, der Käufer, zahlungsfä-
hig ist. - Die Praxis regelt so die Zahlungsbedingungen, A wird
G l ä u b i g e r, B S c h u l d n e r, Geld wird Z a h-
l u n g s m i t t e l. Das Verhältnis von G l ä u b i g e r
u n d S c h u l d n e r wird also schon a n t a g o n i s t i-
s c h e r. (Es kann auch unabhängig von der Warenzirkulation
auftreten, z.B. im Altertum und Mittelalter.) p. 97.
In diesem Verhältnis fungiert Geld l. als Wertmaß in der Preisbe-
stimmung der verkauften Ware, 2. als ideelles Kaufmittel. Beim
Schatz wurde G der Zirkulation e n t z o g e n, hier beim Zah-
lungsmittel tritt G in die Zirkulation, aber erst nachdem W aus
ihr ausgetreten ist. Der schuldige Käufer verkauft, um z a h-
l e n zu können, oder er wird subhastiert. G wird also jetzt
S e l b s t z w e c k d e s V e r k a u f s , durch eine den
Verhältnissen des Zirkulationsprozesses selbst entspringende
gesellschaftliche Notwendigkeit, p. 97, 98.
Die Ungleichzeitigkeit der Käufe und Verkäufe, die die Funktion
des Geldes als Zahlungsmittel hervorrufen, bringen gleichzeitig
eine Ökonomie der Zirkulationsmittel zustande, die Konzentration
der Zahlungen an einem bestimmten Ort. Virements in Lyon im Mit-
telalter eine Art von Clearing house, wo nur der Saldo der gegen-
seitigen Forderungen gezahlt, p. 98.
Soweit sich die Zahlungen ausgleichen, funktioniert das Geld nur
ideell als R e c h e n g e l d oder Maß der Werte. Soweit wirk-
liche Zahlungen zu verrichten, tritt es nicht als Zirkulations-
mittel auf, als nur verschwindende und vermittelnde Form des
Stoffwechsels, sondern als die individuelle Inkarnation der ge-
sellschaftlichen Arbeit, als selbständiges Dasein des Tausch-
werts, als a b s o l u t e W a r e. Dieser u n v e r m i t-
t e l t e W i d e r s p r u c h eklatiert in dem Moment der
Produktions- und Handelskrisen, d e r G e l d k r i s e
h e i ß t. Sie ereignet sich nur, wo die prozessierende Kette
der Zahlungen und ein künstliches System ihrer Ausgleichung völ-
lig entwickelt sind. Mit allgemeineren Störungen dieses Mecha-
nismus, woher sie immer entspringen mögen, springt das Geld
plötzlich und unvermittelt aus der nur ideellen Gestalt des R e-
c h e n g e l d e s i n h a r t e s G e l d u m, es wird
unersetzlich durch profane Waren, p. 99.
Das K r e d i t g e l d entspringt aus der Funktion des Geldes
als Zahlungsmittel, die Schuldzertifikate zirkulieren selbst wie-
der zur Übertragung der Schuldforderungen. Mit dem Kreditwesen
dehnt sich wieder die Funktion
#254# Friedrich Engels
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des Geldes als Zahlungsmittel aus, als solches erhält es eigene
Existenzformen, in denen es die Sphäre der großen Handelstransak-
tionen behaust, während die Münze hauptsächlich m die Sphäre des
Kleinhandels zurückgedrängt wird. p. 101.
Bei gewisser Höhe und Umfang der Warenproduktion greift die Funk-
tion des Geldes als Zahlungsmittel über die Sphäre der Warenzir-
kulation hinaus, es wird a l l g e m e i n e W a r e d e r
K o n t r a k t e. R e n t e n, S t e u e r n e t c. v e r-
w a n d e l n s i c h a u s N a t u r a l l i e f e r u n g
i n G e l d z a h l u n g e n. Vgl. Frankreich unter Ludwig
XIV. (Boisguillebert und Vauban), dagegen Asien, Türkei, Japan
etc. p. 102.
Die Entwicklung des Geldes zum Zahlungsmittel ernötigt Geldakku-
mulation für die Verfalltage - die als selbständige Bereiche-
rungsform in der weiteren gesellschaftlichen Entwicklung ver-
schwindende Schatzbildung taucht wieder auf als Reservefonds der
Zahlungsmittel, p. 103.
c) Weltgeld
Im Weltverkehr werden die lokalen Formen von Münze, Scheidemünze,
Wertzeichen abgestreift, und nur die Barrenform des Geldes gilt
als W e l t g e l d. E r s t a u f d e m W e l t m a r k t
f u n k t i o n i e r t d a s G e l d i n v o l l e m U m-
f a n g a l s d i e W a r e, d e r e n N a t u r a l f o r m
z u g l e i c h u n m i t t e l b a r g e s e l l s c h a f t-
l i c h e V e r w i r k l i c h u n g s f o r m d e r
m e n s c h l i c h e n A r b e i t i n a b s t r a c t o
ist. Seine Daseinsweise wird seinem Begriff adäquat, p. 104 (De-
tails 105).
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