Quelle: MEW 16 September 1864 - Juli 1870


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       #243#
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       FRIEDRICH ENGELS
       
       [Konspekt über] "Das Kapital" von Karl Marx.
       Erster Band [170]
       
       #244#
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       Geschrieben im Jahre 1868.
       Nach der Handschrift.
       
       #245#
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       ERSTES BUCH
       
       Der Produktionsprozeß des Kapitals
       
       ERSTES KAPITEL
       
       Ware und Geld [171]
       
       I. Ware an sich 1*)
       
       Der Reichtum der Gesellschaften, in denen kapitalistische Produk-
       tion herrscht, besteht in  W a r e n.  Die Ware ist ein Ding, das
       G e b r a u c h s w e r t  hat; dieser existiert in allen Gesell-
       schaftsformen, in  der kapitalistischen Gesellschaft aber ist der
       Gebrauchswert zugleich  der stoffliche  Träger des   T a u s c h-
       w e r t s.
       Der Tauschwert  setzt ein tertium comparationis 2*) voraus, woran
       er gemessen  wird: die  Arbeit, die  gemeinsame gesellschaftliche
       Substanz der  Tauschwerte, und zwar die  g e s e l l s c h a f t-
       l i c h   n o t w e n d i g e  A r b e i t s z e i t,  die in ihm
       vergegenständlicht ist.
       Wie die  Ware ein Zwieschlächtiges: Gebrauchswert und Tauschwert,
       so die  in ihr enthaltene Arbeit doppelt bestimmt: einerseits als
       b e s t i m m t e   p r o d u k t i v e   T ä t i g k e i t,  We-
       ber-, Schneiderarbeit  etc. etc., "nützliche Arbeit", andrerseits
       a l s  e i n f a c h e  V e r a u s g a b u n g  m e n s c h l i-
       c h e r  A r b e i t s k r a f t,  n i e d e r g e s c h l a g e-
       n e   a b s t r a k t e   A r b e i t.   Erstere  produziert  Ge-
       brauchswert, letztere  Tauschwert, nur  sie ist  quantitativ ver-
       gleichbar (die  Unterscheidungen von  skilled 3*)  und  unskilled
       4*), zusammengesetzter  und einfacher Arbeit  b e s t ä t i g e n
       dies).
       Substanz des Tauschwerts also die abstrakte Arbeit, Größe dessel-
       ben deren  Zeitmaß. Nun noch die Form des Tauschwerts zu betrach-
       ten.
       1. x  Ware a  = y  Ware b, der Wert einer Ware ausgedrückt im Ge-
       brauchswert einer  ändern ist  ihr   r e l a t i v e r   W e r t.
       Der Ausdruck der Äquivalenz
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       1*) Siehe Band  23 unserer  Ausgabe, S. 49-98 - 2*) zum Vergleich
       herangezogenes Drittes  - 3*) qualifizierter - 4*) unqualifizier-
       ter
       
       #246# Friedrich Engels
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       zweier Waren ist die einfache Form des relativen Werts. In obiger
       Gleichung ist y Ware b das  Ä q u i v a l e n t.  In ihm erhält x
       Ware a  seine Wertform im Gegensatz zu ihrer Naturalform, während
       y Ware b zugleich die Eigenschaft der unmittelbaren Austauschbar-
       keit erhält, selbst in seiner Naturalform. Der Tauschwert ist der
       Ware durch  bestimmte  historische  Verhältnisse  auf  ihren  Ge-
       brauchswert aufgedrückt. Sie kann ihn daher nicht in ihrem eignen
       Gebrauchswert, sondern  nur im  Gebrauchswert einer  ändern  Ware
       ausdrücken. Nur in der Gleichsetzung zweier konkreter Arbeitspro-
       dukte tritt  die Eigenschaft  der in beiden enthaltenen konkreten
       Arbeit als  abstrakt-menschliche Arbeit  zutage, d.h.  eine  Ware
       kann sich  nicht zu der in ihr selbst, wohl aber zu der in andren
       Warenarten enthaltenen  konkreten Arbeit  als  bloßer  Verwirkli-
       chungsform abstrakter Arbeit verhalten.
       Die Gleichung x Ware a = y Ware b schließt notwendig in sich, daß
       x Ware a auch in ändern Waren ausgedrückt werden kann, also
       2. x  Ware a  = y  Ware b = z Ware c = v Ware d = u Ware e = etc.
       etc. etc.  Dies ist  die  e n t f a l t e t e  relative Wertform.
       Hier bezieht  sich x  Ware a  nicht mehr  auf eine,  sondern  auf
       a l l e   Waren als  bloße Erscheinungsformen  der in  ihr selbst
       dargestellten Arbeit. Sie führt aber durch bloße Umkehrung auf
       3. die rückbezogene zweite Form des relativen Werts:
       y Ware b = x Ware a      u Ware d = x Ware a
       v Ware d = x Ware a      t Ware e = x Ware a
       etc. etc.
       Hier erhalten die Waren die  a l l g e m e i n e  r e l a t i v e
       W e r t f o r m,   in der  sie alle  von ihrem Gebrauchswerte ab-
       strahieren und  sich als Materiatur abstrakter Arbeit in x Ware a
       gleichsetzen, x  Ware a  ist die Gattungsform des Äquivalents für
       alle ändern  Waren, sie  ist ihr  a l l g e m e i n e s  Ä q u i-
       v a l e n t,   die in  ihr materialisierte  Arbeit gilt ohne wei-
       teres als  Realisation  der  abstrakten  Arbeit,  als  allgemeine
       Arbeit. Nun kann aber
       4.  j e d e  Ware der Reihe die allgemeine Äquivalent-Rolle über-
       nehmen, aber   g l e i c h z e i t i g  nur immer eine derselben,
       da wenn   a l l e   Waren  allgemeine Äquivalente wären, jede die
       ändern davon  wieder ausschlösse. Form 3 ist nicht durch x Ware a
       hergestellt, sondern  durch die ändern Waren, objektiv. Also eine
       bestimmte Ware  muß die  Rolle übernehmen  - zur  Zeit, sie  kann
       wechseln -,  und erst  dadurch wird  die Ware  vollständig  Ware.
       Diese besondre  Ware, mit  deren Naturalform die allgemeine Äqui-
       valentform verwächst, ist  G e l d.
       
       #247# Konspekt über "Das Kapital"
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       Die  S c h w i e r i g k e i t  in der  W a r e  liegt darin, daß
       sie, wie  alle Kategorien  der kapitalistischen Produktionsweise,
       ein persönliches Verhältnis unter sachlicher Hülle darstellt. Die
       Produzenten beziehen  ihre verschiedenen Arbeiten aufeinander als
       allgemein menschliche Arbeit, indem sie ihre Produkte aufeinander
       beziehen als  W a r e n  - ohne diese Vermittlung der Sache brin-
       gen sie  es nicht  fertig. Das  Verhältnis der    P e r s o n e n
       e r s c h e i n t  also als Verhältnis der  S a c h e n.
       Für eine Gesellschaft, worin die Warenproduktion vorherrscht, das
       Christentum, speziell der Protestantismus, die passende Religion,
       
       II. Austauschprozeß der Ware 1*)
       
       Daß die  Ware Ware  ist, beweist  sie im  Austausch.  Die  Eigner
       zweier Waren  müssen den Willen haben, ihre resp. Waren auszutau-
       schen, und  sich also  gegenseitig  als    P r i v a t e i g e n-
       t ü m e r   anerkennen. Dies  Rechtsverhältnis, dessen  Form  der
       Vertrag, ist  nur das  Willens Verhältnis,  worin sich das ökono-
       mische Verhältnis  widerspiegelt. Der  I n h a l t  desselben ist
       durch das ökonomische Verhältnis selbst gegeben, p. 45.
       Die Ware  ist Gebrauchswert  für  ihren  Nichtbesitzer,  Nichtge-
       brauchswert für  ihren Besitzer.  Daher das Bedürfnis des Austau-
       sches. Aber  jeder Wareneigner  will spezifische,  für ihn nötige
       Gebrauchswerte eintauschen  - soweit  ist der  Tausch ein indivi-
       dueller  Prozeß.   Andrerseits  will   er  seine  Ware  als  Wert
       realisieren, also  in jeder  beliebigen Ware,  ob nun   s e i n e
       Ware für  den Besitzer  der ändern  Ware Gebrauchswert  sei  oder
       nicht. Soweit  ist der Tausch für ihn ein allgemein gesellschaft-
       licher Prozeß.  Aber derselbe  Prozeß kann  nicht für alle Waren-
       eigner zugleich  individuell und allgemein gesellschaftlich sein.
       Jedem Wareneigner  gilt   s e i n e  Ware als allgemeines Äquiva-
       lent, alle  andren Waren  aber als  soviel  besondre  Äquivalente
       derselben. Da   a l l e   Warenbesitzer  dasselbe tun,  ist keine
       Ware allgemeines  Äquivalent, und daher hat  k e i n e  Ware auch
       allgemeine relative  Wertform, worin  sie sich  als Werte gleich-
       setzen und als Wertgrößen vergleichen. Sie stehn sich daher über-
       haupt nicht als Waren gegenüber, sondern nur als Produkte, p. 47.
       Die Waren können sich nur als Werte und daher als Waren aufeinan-
       der beziehen,  indem sie  sich gegensätzlich auf irgendeine andre
       Wäre als  allgemeines Äquivalent  beziehn. Aber  nur  die    g e-
       s e l l s c h a f t l i c h e   T a t   k a n n   e i n e    b e-
       s t i m m t e   W a r e   z u m   a l l g e m e i n e n  Ä q u i-
       v a l e n t  m a c h e n:  G e l d.
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       1*) Siehe Band 23 unserer Ausgabe, S. 99-108
       
       #248# Friedrich Engels
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       Der immanente  Widerspruch der  Ware als unmittelbare Einheit von
       Gebrauchswert und  Tauschwert, als  Produkt nützlicher  Privatar-
       beit... und  als unmittelbare  gesellschaftliche  Materiatur  ab-
       strakter menschlicher  Arbeit, dieser Widerspruch ruht und rastet
       nicht, bis  er sich zur Verdopplung der Ware in Ware und Geld ge-
       staltet hat. p. 48.
       Da alle andren Waren nur besondre Äquivalente des Geldes und Geld
       ihr allgemeines Äquivalent, so verhalten sie sich als  b e s o n-
       d r e   Waren zum  Geld als  der allgemeinen  Ware.  p.  51.  Der
       Austauschprozeß gibt  der Ware,  die er in Geld verwandelt, nicht
       ihren   W e r t,  aber ihre Wertform. p. 51. - Fetischismus: eine
       Ware scheint  nicht erst  Geld zu  werden, weil  die ändern Waren
       allseitig ihre  Werte in  ihr darstellen,  sondern  sie  scheinen
       umgekehrt ihre  Werte in  ihr darzustellen,  weil  sie    G e l d
       i s t.
       
       III. Das Geld oder die Warenzirkulation 1*)
       
       A. Maß der Werte (Gold = Geld supponiert)
       
       Geld als  Wertmaß ist notwendige  E r s c h e i n u n g s f o r m
       des    i m m a n e n t e n    Wertmaßes  der  Waren,  der    A r-
       b e i t s z e i t.   Der einfache relative Wertausdruck der Waren
       in Geld x Ware a = y Geld ist ihr Preis, p. 55.
       Der Preis  der Ware, ihre Geldform, wird in  v o r g e s t e l l-
       t e m   Geld ausgedrückt;   M a ß  d e r  W e r t e  ist das Geld
       also nur als ideelles, p. 57.
       Die Verwandlung  von Wert  in Preis  einmal vollbracht,  wird  es
       technisch notwendig,  das Maß  der Werte weiter zu entwickeln zum
       M a ß s t a b  d e r  P r e i s e;  d.h. ein Goldquantum wird fi-
       xiert,   w o r a n   v e r s c h i e d n e    G o l d q u a n t a
       g e m e s s e n   w e r d e n.  Dies ganz verschieden vom Maß der
       Werte, das  selbst vom  Wert des  Goldes abhängt, dieser aber ist
       für den Maßstab der Preise gleichgültig, p. 59.
       Die Preise  in Rechennamen  des Golds dargestellt, dient das Geld
       als  R e c h e n g e l d.
       Wenn der Preis als Exponent der Wertgröße der Ware Exponent ihres
       Austauschverhältnisses  mit   Geld  ist,   so   folgt   umgekehrt
       n i c h t,   daß der  Exponent ihres  Austauschverhältnisses  mit
       Geld   n o t w e n d i g   der Exponent  ihrer Wertgröße sei. Ge-
       setzt, Umstände  erlauben oder  zwingen eine Ware über oder unter
       ihrem Wert zu verkaufen, so sind diese Verkaufspreise nicht ihrem
       Wert entsprechend,  aber doch  Preise der  Ware, denn sie sind 1.
       ihre Wertform, Geld, und 2. Exponenten ihres Austauschverhältnis-
       ses mit Geld.
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       1*) Siehe Band 23 unserer Ausgabe, S. 109-160
       
       #249# Konspekt über "Das Kapital"
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       Die Möglichkeit  quantitativer  Inkongruenz  zwischen  Preis  und
       Wertgröße ist  also in  der  P r e i s f o r m  s e l b s t  g e-
       g e b e n.   Es ist  dies kein  Mangel dieser Form, sondern macht
       sie umgekehrt  zur adäquaten  Form einer  Produktionsweise, worin
       sich die  Regel nur  als blindwirkendes  Durchschnittsgesetz  der
       Regellosigkeit durchsetzen kann. Die Preisform kann aber auch ...
       einen qualitativen  Widerspruch beherbergen,  so  daß  der  Preis
       überhaupt aufhört,  Wertausdruck zu  sein ... Gewissen, Ehre etc.
       können ... durch ihren Preis die Warenform erhalten, p. 61.
       Die Messung  der Werte  in Geld, die Preisform, schließt die Not-
       wendigkeit der Veräußerung ein, die ideelle Preisgebung die wirk-
       liche. Daher Zirkulation.
       
       B. Zirkulationsmittel
       
       a) Die Metamorphose der Waren
       
       Einfache Form:  W-G-W, deren stofflicher Inhalt = W-W. Tauschwert
       wird weggegeben und Gebrauchswert angeeignet.
       alpha) Erste Phase:  W-G =  Verkauf, wozu  zwei gehören, also die
       Möglichkeit des Nichtgelingens, resp. des Verkaufs unter dem Wert
       oder auch unter den Produktionskosten, wenn der gesellschaftliche
       Wert der Ware sich ändert. "Die Teilung der Arbeit verwandelt das
       Arbeitsprodukt in  Ware und  macht dadurch  seine Verwandlung  in
       Geld  n o t w e n d i g.  Sie macht es zugleich  z u f ä l l i g,
       ob diese  Transsubstantiation gelingt." p. 67. Doch hier das Phä-
       nomen rein  zu betrachten. W-G setzt bei dem Inhaber des G (falls
       er nicht  Goldproduzent ist)  voraus, daß er sein G gegen andre W
       vorher eingetauscht  hat: es ist also für den  K ä u f e r  nicht
       nur umgekehrt = G-W, sondern setzt bei ihm einen früheren Verkauf
       voraus, usw.,  so daß  wir in  einer unendlichen Reihe von Käufen
       und Verkäufen stehen.
       beta) Dasselbe findet statt bei der zweiten Phase, G-W,  K a u f,
       der zugleich für den ändern Beteiligten Verkauf ist.
       gamma) Der Gesamtprozeß also ein Kreislauf von Käufen und Verkäu-
       fen.   W a r e n z i r k u l a t i o n.   Diese ganz  verschieden
       vom unmittelbaren  Produktenaustausch; erstens werden die indivi-
       duellen und  lokalen Schranken  des  unmittelbaren  Produktenaus-
       tauschs durchbrochen und der Stoffwechsel der menschlichen Arbeit
       vermittelt, andrerseits zeigt sich hier schon, daß der ganze Pro-
       zeß von  gesellschaftlichen Naturzusammenhängen  bedingt ist, die
       von den Handelnden unabhängig sind. p. 72. Der einfache Austausch
       
       #250# Friedrich Engels
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       erlosch in  dem einen  Austauschakt, wo jeder den Nichtgebrauchs-
       wert gegen  Gebrauchswert austauscht, die Zirkulation geht unend-
       lich voran,
       p. 73.  Hier das  falsche ökonomische  Dogma:   d i e  W a r e n-
       z i r k u l a t i o n   b e d i n g e   e i n    n o t w e n d i-
       g e s  G l e i c h g e w i c h t  d e r  K a u f s  u n d  V e r-
       k a u f s,   w e i l   j e d e r  K a u f  a u c h  V e r k a u f
       u n d  v i c e  v e r s a  -  w o m i t  g e s a g t  w e r d e n
       s o l l,   j e d e r   V e r k ä u f e r   b r i n g e    a u c h
       s e i n e n   K ä u f e r   m i t   z u   M a r k t.  1. Kauf und
       Verkauf sind einerseits ein identischer Akt zweier polarisch ent-
       gegengesetzter Personen,  andrerseits zwei  polarisch entgegenge-
       setzte Akte  einer Person.  Die Identität  von Kauf  und  Verkauf
       schließt daher ein, daß die Ware nutzlos ist, wenn sie nicht ver-
       kauft wird,  und ebenso,  daß dieser Fall eintreten  k a n n.  2.
       W-G als  Teilprozeß ist  zugleich ein  selbständiger  Prozeß  und
       schließt ein,  daß der  Erwerber des G den Zeitpunkt wählen kann,
       wo er  dies G  wieder in W verwandelt. Er kann  w a r t e n.  Die
       innere Einheit der selbständigen Prozesse W-G und G-W bewegt sich
       eben wegen  Selbständigkeit dieser  Prozesse  in  äußeren  Gegen-
       sätzen, und wenn die Verselbständigung dieser abhängigen Prozesse
       eine gewisse  Grenze erreicht,  m a c h t  s i c h  d i e  E i n-
       h e i t   g e l t e n d   d u r c h   e i n e   K r i s e.  Deren
       M ö g l i c h k e i t  also schon hier gegeben.
       Als Vermittler  der Warenzirkulation ist das Geld  Z i r k u l a-
       t i o n s m i t t e l.
       
       b) Umlauf des Geldes
       
       Das Geld  vermittelt für  jede individuelle  Ware den Eintritt in
       und den  Austritt aus  der Zirkulation;  es selbst  bleibt  immer
       drin, Obwohl daher bloßer  A u s d r u c k  der Warenzirkulation,
       e r s c h e i n t   doch die  Warenzirkulation als  Resultat  der
       Geldzirkulation, Da  das Geld  stets in  der  Zirlculationssphäre
       bleibt, ist die Frage,  w i e v i e l  Geld in ihr vorhanden ist.
       Die Masse  des  zirkulierenden  Geldes  ist  bestimmt  durch  die
       P r e i s s u m m e   d e r   W a r e n    (bei  gleichbleibendem
       Geldwert), und diese durch die in der Zirkulation begriffne  W a-
       r e n m a s s e.   Diese Warenmasse  als gegeben gesetzt, fluktu-
       iert die  zirkulierende Geldmasse mit den  P r e i s s c h w a n-
       k u n g e n   der Waren,  Da nun stets ein und dasselbe Geldstück
       eine Anzahl  Geschäfte nacheinander  vermittelt in einer gegebnen
       Zeit, so ist für einen gegebnen
       
                      Preissumme der Waren
       Zeitabschnitt  ------------------------------ = = Masse des als
                      Umlaufsanzahl eines Geldstücks
       
       Zirkulationsmittelmittel funktionierenden Geldes, p. 80.
       Daher kann Papiergeld Goldgeld verdrängen, wenn es in eine gesät-
       tigte Zirkulation geworfen wird.
       Da im  Geldumlauf nur  der Zirkulationsprozeß  der  Waren    e r-
       s c h e i n t,  so auch in seiner Geschwindigkeit die ihres Form-
       wechsels, in seiner Stockung
       
       #251# Konspekt über "Das Kapital"
       -----
       die Trennung  des Kaufs  vom Verkauf,  die Stockung  des  gesell-
       schaftlichen Stoffwechsels.  Woher diese Stockung entspringt, ist
       natürlich der   Z i r k u l a t i o n  nicht anzusehen, sie zeigt
       nur das  Phänomen selbst.  Der Philister erklärt es sich aus man-
       gelnder Quantität der Zirkulationsmittel, p. 81.
       Ergo: 1.  Bei gleichbleibenden  Warenpreisen steigt die zirkulie-
       rende Geldmasse,  wenn die  zirkulierende Warenmasse  steigt oder
       der Geldumlauf langsamer wird; und fällt vice versa.
       2. Bei allgemein steigenden Warenpreisen bleibt die zirkulierende
       Geldmasse gleich, wenn die Warenmasse abnimmt oder die Zirkulati-
       onsgeschwindigkeit zunimmt im selben Verhältnis.
       3. Bei allgemein fallenden Warenpreisen umgekehrt von 2.
       Im allgemeinen  ergibt sich ein ziemlich konstanter Durchschnitt,
       der fast nur durch Krisen bedeutende Abweichungen erfährt.
       
       c) Münze - Wertzeichen
       
       Der Maßstab der Preise wird durch den Staat festgestellt; so auch
       die Bezeichnung  des Namens  für das  bestimmte Goldstück  -  die
       Münze, und  seine Anfertigung.  Auf dem  Weltmarkt wird die resp.
       Nationaluniform wieder ausgezogen (vom Schlagschatz wird hier ab-
       strahiert), so  daß Münze  und Barren sich nur durch die Form un-
       terscheiden. -  Aber  d i e  M ü n z e  v e r s c h l e i ß t  im
       Umlauf, Gold  als Zirkulationsmittel differiert von Gold als Maß-
       stab der Preise, die Münze wird mehr und mehr  S y m b o l  ihres
       offiziellen Gehalts.
       Hiermit die Möglichkeit latent gegeben, das Metallgeld durch Mar-
       ken oder  Symbole zu  ersetzen. Daher 1. Scheidemünze aus Kupfer-
       oder Silbermarken,  deren Festsetzung gegenüber dem reellen Gold-
       geld durch  Beschränkung der  Quantität, in  der sie legal tender
       1*) sind, verhindert wird. Ihr Gehalt rein willkürlich durchs Ge-
       setz bestimmt  und ihre  Münzfunktion wird dadurch unabhängig von
       ihrem   W e r t.   Daher der  Fortschritt  möglich  zu    g a n z
       w e r t l o s e n   Zeichen. -  2.   P a p i e r g e l d,    d.h.
       S t a a t s p a p i e r g e l d     m i t     Z w a n g s k u r s
       (Kreditgeld hier noch nicht zu behandeln). Soweit dies Papiergeld
       anstatt Goldgeld  wirklich zirkuliert,  ist es  den Gesetzen  der
       Goldzirkulation unterworfen.  Nur das  Verhältnis, in  dem Papier
       Gold ersetzt,  kann Gegenstand eines besondren Gesetzes sein, und
       dies ist:  daß die  Ausgabe des Papiergeldes auf die Quantität zu
       beschränken, in der das von ihr dargestellte Gold wirklich zirku-
       lieren müßte. Zwar schwankt der Sättigungsgrad
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       1*) gesetzliches Zahlungsmittel
       
       #252# Friedrich Engels
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       der Zirkulation,  aber überall  stellt sich ein erfahrungsmäßiges
       Minimum heraus,  unter  das  er  nie  fällt.  Dies  Minimum  kann
       ausgegeben werden.  Darüber hinaus  wird beim  Sinken des  Sätti-
       gungsgrads aufs  Minimum ein Teil sofort überschüssig. In solchem
       Fall stellt  das gesamte  Papierquantum innerhalb  der  Warenwelt
       dennoch nur  die durch  ihre immanenten  Gesetze bestimmte,  also
       auch allein  repräsentierbare Goldquantität vor. Beträgt also die
       Papiermasse das  Doppelte der absorbierten Geldmasse, so deprezi-
       iert sich jedes Papierstück auf den halben Nominalwert. Grade wie
       wenn das  Gold in  seiner Funktion  als Maß der Preise, in seinem
       Wert, verändert wäre. p. 89.
       
       C. Geld
       
       a) Schatzbildung
       
       Mit der ersten Entwicklung der Warenzirkulation selbst entwickelt
       sich die  Notwendigkeit und die Leidenschaft, das Produkt von W-G
       = das  G festzuhalten;  aus bloßer  Vermittlung des Stoffwechsels
       wird ihr  Formwechsel Selbstzweck.  Geld versteinert  zum Schatz,
       der Warenverkäufer wird Schatzbildner, p. 91.
       Diese Form  vorherrschend grade in den Anfängen der Warenzirkula-
       tion. Asien. Mit weitrer Entwicklung der Warenzirkulation muß je-
       der Warenproduzent  sich den  nervus rerum, das gesellschaftliche
       Faustpfand -  G sichern. So entstehn überall hoards 1*). Die Ent-
       wicklung der  Warenzirkulation vermehrt die Macht des Geldes, der
       stets schlagfertigen,  absolut gesellschaftlichen Form des Reich-
       tums, p. 92. Der Trieb der Schatzbildung ist von Natur schranken-
       los. Qualitativ  oder seiner Form nach ist das Geld schrankenlos,
       d.h. allgemeiner  Repräsentant des stofflichen Reichtums, weil in
       jede Ware  unmittelbar umsetzbar.  Quantitativ ist jede wirkliche
       Geldsumme aber  beschränkt, daher  auch nur  Kaufmittel  von  be-
       schränkter Wirkung.  Dieser Widerspruch  treibt die Schatzbildung
       stets von neuem zurück zur Sisyphusarbeit der Akkumulation.
       Daneben die  Akkumulation von Gold und Silber in  p l a t e  2*),
       zugleich neuer  Markt für  diese Metalle,  zugleich latente Geld-
       quelle.
       Die Schatzbildung  dient als   A b-  u n d  Z u f u h r k a n a l
       d e s   z i r k u l i e r e n d e n   G e l d e s  bei den steten
       Schwankungen des Sättigungsgrades der Zirkulation. p. 95.
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       1*) Schätze - 2*) Gegenständen
       
       #253# Konspekt über "Das Kapital"
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       b) Zahlungsmittel
       
       Mit der  Ausbildung der Warenzirkulation treten neue Verhältnisse
       ein: die  Veräußerung der  Ware kann  von der  Realisierung ihres
       Preises zeitlich  getrennt sein.  Die Waren erfordern verschiedne
       Zeitdauer zu  ihrer Produktion, werden in verschiedner Jahreszeit
       produziert, manche müssen nach entfernten Märkten versandt werden
       usw. A  kann daher Verkäufer sein, ehe B, der Käufer, zahlungsfä-
       hig ist.  - Die  Praxis regelt so die Zahlungsbedingungen, A wird
       G l ä u b i g e r,   B   S c h u l d n e r,   Geld wird    Z a h-
       l u n g s m i t t e l.   Das Verhältnis  von    G l ä u b i g e r
       u n d  S c h u l d n e r  wird also schon  a n t a g o n i s t i-
       s c h e r.   (Es kann  auch unabhängig  von der  Warenzirkulation
       auftreten, z.B. im Altertum und Mittelalter.) p. 97.
       In diesem Verhältnis fungiert Geld l. als Wertmaß in der Preisbe-
       stimmung der  verkauften Ware,  2. als  ideelles Kaufmittel. Beim
       Schatz wurde  G der Zirkulation  e n t z o g e n,  hier beim Zah-
       lungsmittel tritt  G in  die Zirkulation, aber erst nachdem W aus
       ihr ausgetreten  ist. Der  schuldige Käufer  verkauft, um  z a h-
       l e n   zu können,  oder er  wird subhastiert.  G wird also jetzt
       S e l b s t z w e c k   d e s   V e r k a u f s ,  durch eine den
       Verhältnissen  des   Zirkulationsprozesses  selbst  entspringende
       gesellschaftliche Notwendigkeit, p. 97, 98.
       Die Ungleichzeitigkeit  der Käufe  und Verkäufe, die die Funktion
       des Geldes  als Zahlungsmittel  hervorrufen, bringen gleichzeitig
       eine Ökonomie  der Zirkulationsmittel zustande, die Konzentration
       der Zahlungen  an einem bestimmten Ort. Virements in Lyon im Mit-
       telalter eine Art von Clearing house, wo nur der Saldo der gegen-
       seitigen Forderungen gezahlt, p. 98.
       Soweit sich  die Zahlungen ausgleichen, funktioniert das Geld nur
       ideell als  R e c h e n g e l d  oder Maß der Werte. Soweit wirk-
       liche Zahlungen  zu verrichten,  tritt es nicht als Zirkulations-
       mittel auf,  als nur  verschwindende und  vermittelnde  Form  des
       Stoffwechsels, sondern  als die  individuelle Inkarnation der ge-
       sellschaftlichen Arbeit,  als selbständiges  Dasein  des  Tausch-
       werts, als   a b s o l u t e   W a r e.  Dieser  u n v e r m i t-
       t e l t e   W i d e r s p r u c h   eklatiert in  dem Moment  der
       Produktions-  und   Handelskrisen,     d e r    G e l d k r i s e
       h e i ß t.   Sie ereignet  sich nur,  wo die prozessierende Kette
       der Zahlungen  und ein künstliches System ihrer Ausgleichung völ-
       lig entwickelt  sind. Mit  allgemeineren Störungen  dieses Mecha-
       nismus, woher  sie immer  entspringen  mögen,  springt  das  Geld
       plötzlich und unvermittelt aus der nur ideellen Gestalt des  R e-
       c h e n g e l d e s   i n   h a r t e s   G e l d u m,   es  wird
       unersetzlich durch profane Waren, p. 99.
       Das   K r e d i t g e l d  entspringt aus der Funktion des Geldes
       als Zahlungsmittel, die Schuldzertifikate zirkulieren selbst wie-
       der zur  Übertragung der  Schuldforderungen. Mit  dem Kreditwesen
       dehnt sich wieder die Funktion
       
       #254# Friedrich Engels
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       des Geldes  als Zahlungsmittel  aus, als solches erhält es eigene
       Existenzformen, in denen es die Sphäre der großen Handelstransak-
       tionen behaust,  während die Münze hauptsächlich m die Sphäre des
       Kleinhandels zurückgedrängt wird. p. 101.
       Bei gewisser Höhe und Umfang der Warenproduktion greift die Funk-
       tion des  Geldes als Zahlungsmittel über die Sphäre der Warenzir-
       kulation hinaus,  es wird   a l l g e m e i n e   W a r e   d e r
       K o n t r a k t e.   R e n t e n,   S t e u e r n  e t c.  v e r-
       w a n d e l n   s i c h   a u s   N a t u r a l l i e f e r u n g
       i n   G e l d z a h l u n g e n.   Vgl. Frankreich  unter  Ludwig
       XIV. (Boisguillebert  und Vauban),  dagegen Asien,  Türkei, Japan
       etc. p. 102.
       Die Entwicklung  des Geldes zum Zahlungsmittel ernötigt Geldakku-
       mulation für  die Verfalltage  - die  als selbständige  Bereiche-
       rungsform in  der weiteren  gesellschaftlichen  Entwicklung  ver-
       schwindende Schatzbildung  taucht wieder auf als Reservefonds der
       Zahlungsmittel, p. 103.
       
       c) Weltgeld
       
       Im Weltverkehr werden die lokalen Formen von Münze, Scheidemünze,
       Wertzeichen abgestreift,  und nur  die Barrenform des Geldes gilt
       als   W e l t g e l d.   E r s t  a u f  d e m  W e l t m a r k t
       f u n k t i o n i e r t   d a s   G e l d  i n  v o l l e m  U m-
       f a n g  a l s  d i e  W a r e,  d e r e n  N a t u r a l f o r m
       z u g l e i c h   u n m i t t e l b a r  g e s e l l s c h a f t-
       l i c h e       V e r w i r k l i c h u n g s f o r m       d e r
       m e n s c h l i c h e n   A r b e i t    i n    a b s t r a c t o
       ist. Seine  Daseinsweise wird seinem Begriff adäquat, p. 104 (De-
       tails 105).

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