Quelle: MEW 16 September 1864 - Juli 1870


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       #262#
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       DRITTES KAPITEL
       
       Produktion des absoluten Mehrwerts
       
       I. Arbeitsprozeß und Verwertungsprozeß 1*)
       
       Der Käufer  der Arbeitskraft konsumiert sie, indem er den Verkäu-
       fer arbeiten  läßt. Diese  Arbeit, um  Ware darzustellen,  stellt
       zunächst Gebrauchswerte  dar und  ist in dieser Eigenschaft unab-
       hängig von  dem spezifischen  Verhältnis zwischen  Kapitalist und
       Arbeiter... Beschreibung  des Arbeitsprozesses  als  solchen,  p.
       141-149.
       Der Arbeitsprozeß,  auf kapitalistischer  Grundlage, hat zwei Ei-
       gentümlichkeiten: 1.  der Arbeiter  arbeitet unter  Kontrolle des
       Kapitalisten, 2.  das Produkt  ist Eigentum  des Kapitalisten, da
       der Arbeitsprozeß  jetzt nur  ein Prozeß  zweier vom Kapitalisten
       gekauften   D i n g e  ist: der Arbeitskraft und der Produktions-
       mittel, p. 150.
       Der Kapitalist  verlangt aber  nicht den Gebrauchswert produziert
       f ü r   s i c h,  sondern nur als Träger des Tauschwerts und spe-
       ziell  M e h r w e r t s.  Die Arbeit unter dieser Bedingung - wo
       die Ware  Einheit von  Gebrauchswert und  Tauschwert war  -  wird
       E i n h e i t   v o n   P r o d u k t i o n s p r o z e ß   u n d
       W e r t b i l d u n g s p r o z e ß.  p. 151.
       Also die  im Produkt  vergegenständlichte Quantität Arbeit zu un-
       tersuchen.
       Z.B. Garn.  Zu dessen  Herstellung sei  10 Pfund Baumwolle nötig,
       sage 10 sh., und Arbeitsmittel, deren durch die Verspinnung nöti-
       ger Verschleiß,  hier als  Spindelteil kurz bezeichnet, 2 sh. für
       Spindel repräsentiert.  So stecken im Produkt 12sh. für Produkti-
       onsmittel, d.h.  sobald das  Produkt 1.  ein  w i r k l i c h e r
       G e b r a u c h s w e r t,  hier Garn, geworden und 2. sobald nur
       die gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit in diesen Arbeitsmit-
       teln repräsentiert  war. Wieviel  wird ihr  zugesetzt  durch  die
       Spinnarbeit?
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       1*) Siehe Band 23 unserer Ausgabe, S. 192-213
       
       #263# Konspekt über "Das Kapital"
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       Hier also der Arbeitsprozeß von einer ganz andren Seite angesehn.
       In dem  Wert des  Produkts sind die Arbeit des Baumwollpflanzens,
       Spindelmachens und  Spinnens pp. als kommensurable Teile - quali-
       tativ gleichgesetzt als allgemein menschlich notwendige  w e r t-
       b i l d e n d e   Arbeit - also bloß quantitativ zu unterscheiden
       und eben deswegen  q u a n t i t a t i v  v e r g l e i c h b a r
       durch  die   Zeitdauer.  Vorausgesetzt,  daß  sie    g e s e l l-
       s c h a f t l i c h   n o t w e n d i g e   Arbeitszeit ist, denn
       nur diese ist wertbildend.
       Gesetzt der  Tageswert der  Arbeitskraft = 3 sh. und daß dieser 6
       Arbeitsstunden repräsentiere, daß 1 2/3 Pfund Garn per Stunde ge-
       macht werde, also in 6 Stunden - 10 Pfund Garn aus 10 Pfund Baum-
       wolle (wie  oben), so  ist 3 sh. Wert in 6 Stunden zugesetzt, und
       das Produkt  ist 15 sh. wert (10 sh. + 2 sh. +3 sh.) oder 1 sh. 6
       d. per Pfund Garn.
       Hier aber kein Mehrwert. Dies kann den Kapitalisten nicht dienen.
       (Vulgärökonomische Flausen, p. 157.)
       Wir nahmen an, der Tageswert der Arbeitskraft betrug 3 sh. - weil
       1/2 Arbeitstag  oder 6 Stunden darin vergegenständlicht.  A b e r
       daß 1/2   A r b e i t s t a g   n ö t i g,  um  d e n  A r b e i-
       t e r   w ä h r e n d   2 4  S t u n d e n  z u  e r h a l t e n,
       h i n d e r t   i h n   k e i n e s w e g s,   1/1   T a g    z u
       a r b e i t e n.  Der  W e r t  der Arbeitskraft und ihre  V e r-
       w e r t u n g   sind zwei  verschiedne Größen. Ihre  n ü t z l i-
       c h e   Eigenschaft war  nur eine Conditio sine qua non, was aber
       entschied, war  der  s p e z i f i s c h e  Gebrauchswert der Ar-
       beitskraft,   Q u e l l e   v o n   m e h r   T a u s c h w e r t
       z u  s e i n  a l s  s i e  s e l b s t  h a t.  p. 159.
       Der Arbeiter  arbeitet also  12 Stunden, verspinnt 20 Pfund Baum-
       wolle =  20 sh. und 4 sh. Spindeln, und seine Arbeit kostet 3 sh.
       = 27  sh. Aber  im Produkt  sind vergegenständlicht 4 Arbeitstage
       Spindeln und Baumwolle und 1 Arbeitstag des Spinners = 5 Tage à 6
       sh. =   3 0   s h.   W e r t   d e s   P r o d u k t s.  M e h r-
       w e r t   v o n   3  s h.  i s t  d a:  G e l d  i s t  i n  K a-
       p i t a l   v e r w a n d e l t.   p. 160.  Alle Bedingungen  des
       Problems sind erfüllt. (Details p. 160.)
       V e r w e r t u n g s p r o z e ß    ist  der  Arbeitsprozeß  als
       Wertbildungsprozeß, sobald  er   ü b e r  den Punkt  v e r l ä n-
       g e r t   wird, wo er ein einfaches  Ä q u i v a l e n t  für den
       gezahlten Wert der Arbeitskraft liefert.
       Wertbildungsprozeß unterscheidet sich vom einfachen Arbeitsprozeß
       dadurch, daß  der letztere   q u a l i t a t i v,    der  erstere
       q u a n t i t a t i v   betrachtet wird,  und zwar  nur soweit er
       gesellschaftlich notwendige  Arbeitszeit enthält,  p. 161. Detail
       p. 162.
       Als Einheit von Arbeitsprozeß und  W e r t b i l d u n g s p r o-
       z e ß   ist der  Produktionsprozeß   P r o d u k t i o n    v o n
       W a r e n,   als Einheit  von  Arbeitsprozeß  und    V e r w e r-
       t u n g s p r o z e ß   ist er    k a p i t a l i s t i s c h e r
       W a r e n p r o d u k t i o n s p r o z e ß,  p. 163.
       Reduktion der zusammengesetzten Arbeit auf einfache, p. 163-165.
       
       #264# Friedrich Engels
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       II. Konstantes und variables Kapital 1*)
       
       Der Arbeitsprozeß  setzt dem  Arbeitsgegenstand   n e u e n  Wert
       zu,  ü b e r t r ä g t  aber gleichzeitig den Wert des Arbeitsge-
       genstands auf  das Produkt, erhält ihn also durch bloßes Zusetzen
       von neuem  Wert. Dies  doppelte Resultat  wird so  erreicht:  Der
       s p e z i f i s c h   n ü t z l i c h e,    q u a l i t a t i v e
       C h a r a k t e r   der Arbeit  verwandelt einen Gebrauchswert in
       einen ändern Gebrauchswert und  e r h ä l t  d a d u r c h  d e n
       W e r t;   der  w e r t b i l d e n d e,  a b s t r a k t  a l l-
       g e m e i n e,   q u a n t i t a t i v e   C h a r a k t e r  der
       Arbeit aber  s e t z t  W e r t  z u.  p. 166.
       Z.B. die  Produktivität der  Spinnarbeit versechsfache  sich. Als
       n ü t z l i c h e  (qualitative) Arbeit  e r h ä l t  sie in der-
       selben Zeit  sechsmal soviel  Arbeitsmittel. Aber  sie setzt  nur
       denselben   n e u e n   Wert zu  wie bisher,  d.h. in jedem Pfund
       Garn ist  nur 1/6  von dem  früher zugesetzten  neuen  Wert.  Als
       w e r t b i l d e n d e  Arbeit leistet sie nicht mehr als früher
       auch. p.  167. Umgekehrt,  wenn die Produktivität der Spinnarbeit
       gleich bleibt, aber der Wert des Arbeitsmittels steigt, p. 168.
       Das Arbeitsmittel  gibt nur   d e n   Wert ans Produkt ab, den es
       s e l b s t   v e r l i e r t,   p. 169. Dies ist in verschiednem
       Grad der  Fall. Kohle,  lubricants 2*)  pp. werden ganz verzehrt.
       Rohstoffe nehmen  eine neue  Form an. Instrumente, Maschinen etc.
       geben nur  langsam und teilweise Wert ab, und der Verschleiß wird
       erfahrungsmäßig berechnet,  p. 169,  170. Hierbei  bleibt das In-
       strument doch  fortwährend   g a n z  im Arbeitsprozeß. Hier also
       dasselbe Instrument  zählt im  A r b e i t s p r o z e ß  g a n z
       und im   V e r w e r t u n g s p r o z e ß  nur teilweise, so daß
       der Unterschied beider Prozesse hier an gegenständlichen Faktoren
       sich reflektiert,  p. 171.  Umgekehrt, der  Rohstoff, der  Abfall
       bildet, geht  ganz in  den Verwertungsprozeß  ein und  in den Ar-
       beitsprozeß, da  er minus  des Abfalls  im Produkt  erscheint, p.
       171.
       In keinem  Fall kann  das Arbeitsmittel aber  m e h r  Tauschwert
       abgeben, als  es selbst besaß - es dient im Arbeitsprozeß nur als
       Gebrauchswert und  kann daher  nur den Tauschwert abgeben, den es
       vorher schon besaß, p. 172.
       Diese Werterhaltung dem Kapitalisten viel wert kostet ihm nichts,
       p. 173, 174.
       Indes   e r s c h e i n t  der erhaltne Wert  n u r  w i e d e r,
       er war vorher da, und nur der Arbeitsprozeß  s e t z t  n e u e n
       W e r t   z u.   Und  zwar  in  der  kapitalistischen  Produktion
       M e h r w e r t,   Ü b e r s c h u ß   d e s   P r o d u k t e n-
       w e r t s   ü b e r   d e n   W e r t  d e r  v e r z e h r t e n
       P r o d u k t b i l d n e r     (Produktionsmittel  und  Arbeits-
       kraft), p. 175, 176.
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       1*) Siehe Band 23 unserer Ausgabe, S. 214-225 - 2*) Schmiermittel
       
       #265# Konspekt über "Das Kapital"
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       Hiermit sind  die Existenzformen geschildert, die der ursprüngli-
       che Kapitalwert bei Abstreifung seiner Geldform annimmt, indem er
       sich in  die Faktoren  des Arbeitsprozesses verwandelt: 1. im An-
       kauf von  A r b e i t s m i t t e l n  und 2. im Ankauf von  A r-
       b e i t s k r a f t.
       Das in  Arbeitsmitteln angelegte  Kapital  verändert  also  seine
       Wertgröße  n i c h t  im Produktionsprozeß, wir nennen es  k o n-
       s t a n t e s  K a p i t a l.
       Der in  Arbeitskraft angelegte  Teil   v e r ä n d e r t   seinen
       Wert, produziert  1. seinen   e i g n e n  Wert und 2 .  M e h r-
       w e r t,  -  v a r i a b l e s  K a p i t a l,  p. 176.
       (K o n s t a n t  ist das Kapital nur in Beziehung auf den spezi-
       ell vorliegenden  Produktionsprozeß, worin  es sich  nicht verän-
       dert, es  kann aus  bald mehr, bald weniger Arbeitsmitteln beste-
       hen, und  die gekauften Arbeitsmittel können im Wert steigen oder
       fallen, aber  das affiziert  ihr Verhältnis zum Produktionsprozeß
       nicht, p.  177. Ebenso  kann der Prozentsatz wechseln, in dem ein
       gegebnes Kapital  in konstantes  und variables  zerfällt, aber in
       jedem gegebnen  Fall bleibt das c konstant und das v variabel, p.
       178.)
       
       III. Die Rate des Mehrwerts 1*)
       
                           c    v
       C = 500 Pfd. St. = 410 + 90.
       Am Ende  des Arbeitsprozesses, worin v einmal in Arbeitskraft um-
       geschlagen wird, ergebe sich
        c   v   m
       410 +90 +90 = 590.
       Nehmen wir  an, c bestehe aus 312 Rohstoffen, 44 Hilfsstoffen und
       54 Verschleiß von Maschinen = 410. Der Wert der  g a n z e n  Ma-
       schinerie soll aber 1054 betragen. Werden diese  g a n z  berech-
       net, so  ergäbe sich  für c  1410 auf beiden Seiten, der Mehrwert
       bliebe nach wie vor 90. p. 179.
       Da der  Wert von c im Produkt nur  w i e d e r e r s c h e i n t,
       so ist  der erhaltne   P r o d u k t e n w e r t  verschieden von
       dem im  Prozeß erhaltnen  W e r t p r o d u k t,  dies also nicht
       = c+v+m,  sondern =  v+m. Für  den Verwertungsprozeß ist also die
       Größe von  c gleichgültig,  d.h. c=0. p. 180. Dies geschieht auch
       praktisch, sowie  von der  kaufmännischen Rechnungsweise abgesehn
       wird, z.B.  in der Berechnung des Gewinns eines Landes aus seiner
       Industrie, wo  sein importiertes  Rohmaterial abgezogen  wird. p.
       181. Über  das Verhältnis des Mehrwerts zum Gesamtkapital im III.
       Buch das Nötige.
       Also: Rate des Mehrwerts = m:v, oben 90:90 = 100%.
       Die Arbeitszeit,  worin der Arbeiter den Wert seiner Arbeitskraft
       reproduziert -  in kapitalistischen  oder andren  Verhältnissen -
       ist  n o t w e n d i g e
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       1*) Siehe Band 23 unserer Ausgabe, S. 226-244
       
       #266# Friedrich Engels
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       Arbeit, die  darüber hinaus, welche Mehrwert für den Kapitalisten
       bildet,   M e h r a r b e i t,   p. 183, 184. Mehrwert ist geron-
       nene Mehrarbeit, und nur die  F o r m  d e r  E r p r e s s u n g
       derselben unterscheidet  die verschiednen gesellschaftlichen For-
       mationen.
       Exempel der Falschheit, c mit einzurechnen, p. 185-196. (Senior.)
       Die Summe  der  notwendigen  Arbeit  und  der  Mehrarbeit  =  dem
       A r b e i t s t a g.
       
       IV. Der Arbeitstag 1*)
       
       Die   n o t w e n d i g e   Arbeitszeit ist   g e g e b e n.  Die
       Mehrarbeit   v a r i a b e l,   doch innerhalb  gewisser Grenzen.
       Sie kann  nie =  0 sein,  da sonst die kapitalistische Produktion
       aufhört. Sie  kann nie  24 Stunden erreichen aus physischen Ursa-
       chen, und die Maximalgrenze ist zudem stets noch durch moralische
       Ursachen affiziert.  Diese Schranken  aber sehr  elastisch. - Die
       ökonomische Forderung  ist, daß  der Arbeitstag nicht länger sei,
       als daß  er den  Arbeiter nur  normal verschleißt.  Aber was  ist
       n o r m a l?   Es findet eine Antinomie statt, und nur die Gewalt
       kann entscheiden. Daher der Kampf zwischen Arbeiterklasse und Ka-
       pitalistenklasse über  den   N o r m a l a r b e i t s t a g.  p.
       198-202.
       Mehrarbeit in  früheren gesellschaftlichen  Epochen. Solange  der
       Tauschwert nicht  wichtiger als Gebrauchswert, die Mehrarbeit ge-
       linder z.B.  bei den  Alten: nur  da, wo direkt Tauschwert - Gold
       und Silber  produziert wurde,  scheußliche  Mehrarbeit,  p.  203.
       Ditto in  den Sklavenstaaten  von Amerika  bis zur Produktion von
       Baumwollmassen zum Export. Ditto Fronarbeit z.B. in Rumänien.
       Fronarbeit bestes Vergleichsmittel mit kapitalistischer Exploita-
       tion, weil  jene die  Mehrarbeit als  besonders zu  leistende Ar-
       beitszeit fixiert und aufzeigt. Reglement organique [173] der Wa-
       lachei. p. 204-206.
       Wie dies  ein positiver Ausdruck des Heißhungers nach Mehrarbeit,
       so die englischen  F a c t o r y - A c t s  negative Ausdrücke.
       Die   F a c t o r y - A c t s.   Der von  1850 -  p. 207.  10 1/2
       Stunden und  7 1/2 am  Samstag = 60 Stunden per Woche. Profit der
       Fabrikanten durch Umgehung, p. 208-211.
       E x p l o i t a t i o n   in   n i c h t  b e s c h r ä n k t e n
       oder erst  später beschränkten  Zweigen:   S p i t z e n i n d u-
       s t r i e   p. 212,  P o t t e r i e s  p. 213,  S c h w e f e l-
       h ö l z e r  p. 215,  T a p e t e n  p. 215-217,  B ä c k e r e i
       p. 217-222,  E i s e n b a h n b e a m t e  p. 223,  N ä h t e r-
       i n n e n
       -----
       1*) Siehe Band 23 unserer Ausgabe, S. 245-320
       
       #267# Konspekt über "Das Kapital"
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       p. 223-225,   S c h m i e d e  p. 226,  T a g-  u n d  N a c h t-
       a r b e i t e r   i n   S h i f t s   1*):   a)  M e t a l l u r-
       g i e  u n d  M e t a l l i n d u s t r i e  p. 227-236.
       Diese Tatsachen beweisen, daß das Kapital den Arbeiter für nichts
       als  A r b e i t s k r a f t  ansieht, dessen ganze Zeit Arbeits-
       zeit ist, soweit dies selbst momentan nur irgend möglich, daß die
       Lebensdauer der  Arbeitskraft den  Kapitalisten gleichgültig,  p.
       236-238. Aber ist dies nicht selbst gegen das Interesse des Kapi-
       talisten? Wie  stehts mit  dem Ersatz der rasch Verschlissenen? -
       Der organisierte  Sklavenhandel im Innern der Vereinigten Staaten
       hat den  raschen Verschleiß  der Sklaven zum ökonomischen Prinzip
       erhoben, grade  so in  Europa die  Zufuhr von  Arbeitern aus  den
       Landdistrikten etc.  p. 239. Poorhouse-supply 2*) p. 240. Der Ka-
       pitalist sieht  nur die stets disponible Überbevölkerung und ver-
       schleißt sie.  Ob die  Race zugrunde  geht -  après lui le déluge
       3*).   D a s   K a p i t a l   i s t    r ü c k s i c h t s l o s
       g e g e n   G e s u n d h e i t    u n d    L e b e n s d a u e r
       d e s   A r b e i t e r s,  w o  e s  n i c h t  d u r c h  d i e
       G e s e l l s c h a f t   z u r   R ü c k s i c h t  g e z w u n-
       g e n   w i r d...   u n d  d i e  f r e i e  K o n k u r r e n z
       m a c h t  d i e  i m m a n e n t e n  G e s e t z e  d e r  k a-
       p i t a l i s t i s c h e n   P r o d u k t i o n   d e m  e i n-
       z e l n e n   K a p i t a l i s t e n   g e g e n ü b e r   a l s
       ä u ß e r l i c h e s   Z w a n g s g e s e t z    g e l t e n d,
       p. 243.
       Die Festsetzung   e i n e s   N o r m a l a r b e i t s t a g e s
       R e s u l t a t  e i n e s  v i e l h u n d e r t j ä h r i g e n
       K a m p f e s     z w i s c h e n    K a p i t a l i s t    u n d
       A r b e i t e r.
       Anfangs  die  Gesetze  gemacht,  um  die  Arbeitszeit  zu    e r-
       h ö h e n,   jetzt sie zu erniedrigen, p. 244. Das erste "Statute
       of Labourers"  4*) 23  Edward III.,  1349, unter dem Vorwand, daß
       die Pest  die Bevölkerung  so dezimiert,  daß jeder mehr arbeiten
       müsse.  Daher  Maximum  des  Lohns  und  Grenze  des  Arbeitstags
       gesetzlich festgestellt. 1496 unter Henry VII. der Arbeitstag der
       Ackerbauarbeiter und  aller Handwerker  (artificers) im  Sommer -
       März bis  September -  von 5 a.m. bis zwischen 7 und 8 p.m. mit 1
       Stunde, 1 1/2  Stunde und 1/2 Stunde = 3 Stunden Zwischenzeit. Im
       Winter von  5 a.m.  bis Dunkeln.  Dies Statut  nie streng  durch-
       geführt. -  Noch im  18. Jahrhundert die  g a n z e  Wochenarbeit
       noch nicht  dem Kapital verfügbar (die Ackerbauarbeiter ausgenom-
       men). Siehe  Polemik der  Zeit. p.  248-251. Erst  mit der großen
       Industrie gelang  dies und  mehr, sie  brach   a l l e  Schranken
       nieder und  exploitierte  den  Arbeiter  aufs  schamloseste.  Das
       Proletariat widerstand, sobald es wieder zur Besinnung kam. Die 5
       Akte von  1802-1833 nominell,  da keine Inspektoren. Erst der Akt
       von 1833  kreierte in  den  4  Textilindustrien  einen  Normalar-
       beitstag: von 5.30 a.m. bis 8.30 p.m., während welcher Zeit young
       persons 5*), 13-18 Jahre, nur 12 Stunden beschäftigt
       -----
       1*) im Schichtsystem - 2*) Armenhaus-Nachschub - 3*) nach ihm die
       Sündflut - 4*) "Arbeitsgesetz" - 5*) Jugendliche
       
       #268# Friedrich Engels
       -----
       werden durften  und mit  1 1/2 Zwischenstunden.  Kinder von  9-13
       Jahren nur  8 Stunden,  und Nachtarbeit der Kinder und young per-
       sons verboten. p. 253-255.
       R e l a i s s y s t e m   und dessen  Mißbrauch zur  Umgehung, p.
       256. Endlich Akt 1844, der die  W e i b e r  a l l e r  A l t e r
       den young  persons gleichsetzt, Kinder auf 6 1/2 Stunden gesetzt,
       dem Relaissystem Zügel angelegt. Dagegen aber jetzt Kinder von  8
       J a h r e n   zugelassen. -  1847 endlich  die   Z e h n s t u n-
       d e n b i l l   aufgesetzt für  Weiber und young persons. p. 259.
       Versuche der  Kapitalisten dagegen,  p. 260-268.  Ein flaw 1*) im
       Akt von  1847 veranlaßte  dann den Kompromißakt von 1850, p. 269,
       der den  Arbeitstag der  young persons  und women  2*) 5  Tage  à
       10 1/2, 1 Tag à 7 1/2 = 60 Stunden per Woche festsetzte, und zwar
       z w i s c h e n   6  u n d  6  U h r.  Sonst der Akt von 1847 für
       Kinder in  Kraft. - Die Ausnahme der Seidenindustrie s. p. 270. -
       1853 auch  die Arbeitszeit   f ü r  K i n d e r  zwischen 6 und 6
       Uhr beschränkt, p. 272.
       Printworks Act  3*) - 1845, beschränkt fast gar nicht. Kinder und
       Weiber können 16 Stunden arbeiten!
       Bleichereien und  Färbereien 1860,  Spitzenfabriken 1861,  Töpfe-
       reien und viele andre Zweige 1863 (unter dem Fabrikakt, für Blei-
       cherei in offner Luft und Bäckerei besondre Akte erlassen im sel-
       ben Jahr), p. 274.
       Die große  Industrie schafft  also zuerst  das Bedürfnis  der Be-
       schränkung der  Arbeitszeit, aber  nachher findet  sich, daß die-
       selbe Überarbeitung  sich allmählich auch aller andren Zweige be-
       mächtigt hat. p. 277.
       Ferner zeigt die Geschichte, daß speziell mit Einführung der Wei-
       ber- und  Kinderarbeit der  e i n z e l n e  "freie" Arbeiter dem
       Kapitalisten gegenüber  wehrlos ist und unterliegt, so daß hieran
       der Klassenkampf  zwischen Arbeiter  und Kapitalisten  sich  ent-
       spinnt, p. 277.
       In Frankreich  erst 1848 das 12-Stunden-Gesetz für alle Alter und
       Arbeitszweige. (Siehe  jedoch p.  253 Note über französisches Ge-
       setz über  Kinderarbeit 1841,  das erst  1853  und  auch  nur  im
       Departement du Nord wirklich ausgeführt.) In Belgien vollständige
       "Freiheit der  Arbeit"! In  Amerika die  Achtstundenbewegung,  p.
       279.
       Der Arbeiter  kommt also  ganz anders  aus dem  Produktionsprozeß
       heraus, als er hineinging. Der Arbeitskontrakt war kein Akt eines
       f r e i e n   A g e n t e n,   die Zeit,  wofür es  ihm  f r e i-
       s t e h t,   seine Arbeit  zu verkaufen,  ist die,  wozu er  g e-
       z w u n g e n   ist, sie  zu verkaufen,  und nur  die Massenoppo-
       sition der  Arbeiter erobert  ihnen ein  S t a a t s g e s e t z,
       das sie  selbst verhindert,  durch freiwilligen  Kontrakt mit dem
       Kapital sich und ihre Generation in Tod und
       -----
       1*) schwacher Punkt  - 2*) Frauen - 3*) Gesetz über Kattundrucke-
       reien
       
       #269# Konspekt über "Das Kapital"
       -----
       Sklaverei zu  verkaufen. An  die Stelle  des prunkvollen Katalogs
       der unveräußerlichen  Menschenrechte tritt  die bescheidene Magna
       Charta [174] des Fabrikakts, p. 280-281.
       
       V. Rate und Masse des Mehrwerts 1*)
       
       Mit der   R a t e   ist  auch zugleich seine  M a s s e  gegeben.
       Ist der  Tageswert   e i n e r  Arbeitskraft 3 sh. - und Rate des
       Mehrwerts =  100%, so  seine tägliche Masse = 3 sh. für einen Ar-
       beiter.
       1. Da das   v a r i a b l e   K a p i t a l  der Geldausdruck des
       Werts   a l l e r  gleichzeitig von einem Kapitalisten verwandten
       Arbeitskräfte, so  ist die Masse des durch sie produzierten Mehr-
       werts =  dem variablen  Kapital multipliziert  mit der  Rate  des
       Mehrwerts. Beide  Faktoren können wechseln und daraus verschiedne
       Kombinationen entstehen. Die  M a s s e  des Mehrwerts kann wach-
       sen, selbst  bei abnehmendem  variablen Kapital,  wenn  die  Rate
       steigt, also der Arbeitstag  v e r l ä n g e r t  wird. p. 282.
       2. Diese  Steigerung der  Rate des  Mehrwerts hat  ihre  a b s o-
       l u t e  S c h r a n k e  daran, daß der Arbeitstag nie auf volle
       24  Stunden   verlängert  werden   kann,   der   Gesamtwert   der
       Tagesproduktion eines  Arbeiters also   n i e   = dem Wert von 24
       Arbeitsstunden sein  kann. Um   g l e i c h e  Masse von Mehrwert
       zu erhalten,  kann also  variables Kapital nur  i n n e r h a l b
       d i e s e r  G r e n z e n  durch erhöhte Arbeitsexploitation er-
       setzt werden.  Dies wichtig,  um verschiedne Erscheinungen zu er-
       klären, die aus der widersprechenden Tendenz des Kapitals entste-
       hen: 1.  das variable Kapital und die beschäftigte Arbeiteranzahl
       zu   r e d u z i e r e n,   und 2.  doch die  größtmögliche Masse
       Mehrwert zu produzieren, p. 283, 284.
       3. Die  von verschiednen  Kapitalien produzierten Massen von Wert
       und Mehrwert,  bei gegebnem Wert und gleich großem Exploitations-
       grad der  Arbeitskraft,   v e r h a l t e n  s i c h  d i r e k t
       w i e   d i e   G r ö ß e n    d e r    V a r i a b l e n    B e-
       s t a n d t e i l e   d i e s e r  K a p i t a l e,  p. 285. Dies
       scheinbar gegen alle Tatsachen.
       Für eine  gegebne Gesellschaft  und gegebnen  Arbeitstag kann der
       Mehrwert nur  vermehrt werden  durch Vermehrung der Arbeiterzahl,
       d.h. der Bevölkerung, bei gegebner Arbeiterzahl nur durch Verlän-
       gerung des  Arbeitstags. Dies  jedoch bloß  für den  a b s o l u-
       t e n  Mehrwert wichtig.
       Es zeigt  sich jetzt,  daß nicht   j e d e  Summe Geld in Kapital
       verwandelt werden  kann, daß ein Minimum existiert: der Kostpreis
       e i n e r  e i n z i g e n  Arbeitskraft und der nötigen Arbeits-
       mittel. Um  s e l b s t  als Arbeiter leben zu
       -----
       1*) Siehe Band 23 unserer Ausgabe, S. 321-330
       
       #270# Friedrich Engels
       -----
       können, müßte  er bei 50% Mehrwertrate schon 2 Arbeiter haben und
       sparte noch  nichts. Selbst  bei 8  ist er immer noch ein kleiner
       Meister. Daher  im Mittelalter  die Leute  gewaltsam von der Ver-
       wandlung aus  Handwerkern in  Kapitalisten verhindert  durch  Be-
       schränkung der  von einem  Meister zu haltenden Gesellenzahl. Das
       Minimum des  Reichtums, der erforderlich ist, um einen wirklichen
       Kapitalisten zu bilden, wechselt in verschiednen Perioden und Ge-
       schäftszweigen, p. 288.
       Das Kapital  hat sich  entwickelt zum   K o m m a n d o   ü b e r
       d i e   A r b e i t  und sorgt dafür, daß ordentlich und intensiv
       gearbeitet wird.  Es   z w i n g t  die Arbeiter ferner, mehr Ar-
       beit zu verrichten, als für ihren Unterhalt nötig und ist im Aus-
       pumpen von  Mehrwert allen früheren auf  d i r e k t e r  Zwangs-
       arbeit beruhenden Produktionssystemen überlegen.
       Das Kapital  übernahm die Arbeit mit den gegebnen technischen Be-
       dingungen und  ändert sie  zunächst nicht.  Den Produktionsprozeß
       daher als   A r b e i t s p r o z e ß  betrachtet, so verhält der
       Arbeiter sich  zu den  Produktionsmitteln nicht  als zu  Kapital,
       sondern als Mittel seiner eignen zweckmäßigen Tätigkeit. Aber als
       V e r w e r t u n g s p r o z e ß   betrachtet, anders.  Die Pro-
       duktionsmittel werden  Mittel zur   E i n s a u g u n g  f r e m-
       d e r   A r b e i t.   Es ist   n i c h t   m e h r   d e r  A r-
       b e i t e r,   d e r   d i e    P r o d u k t i o n s m i t t e l
       a n w e n d e t,   s o n d e r n   d i e   P r o d u k t i o n s-
       m i t t e l   w e n d e n   d e n  A r b e i t e r  a n.  p. 289.
       Statt   v o n   i h m  ... verzehrt zu werden,  v e r z e h r e n
       s i e   i h n   als Ferment ihres eignen Lebensprozesses, und der
       Lebensprozeß des  Kapitals besteht  nur in seiner Bewegung  a l s
       s i c h   s e l b s t   v e r w e r t e n d e r   W e r t ... Die
       bloße Verwandlung  des  Geldes  in  Produktionsmittel  verwandelt
       letztre  in    R e c h t s t i t e l    und  Zwangstitel    a u f
       f r e m d e  A r b e i t  u n d  M e h r a r b e i t.

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