Quelle: MEW 16 September 1864 - Juli 1870


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       #288#
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       Friedrich Engels
       
       [Rezension des Ersten Bandes "Das Kapital"
       für die "Fortnightly Review" [176]]
       
       Karl Marx über das Kapital *)
       
       Herr Thomas Tooke weist in seinen Untersuchungen über Umlaufsmit-
       tel auf die Tatsache hin, daß das Geld in seiner Funktion als Ka-
       pital zu  seinem Ausgangspunkt  zurückfließt,  während  dies  bei
       Geld, das  die Funktion  bloßer Zirkulationsmittel  ausübt, nicht
       der Fall  ist. Diese  Unterscheidung (die  jedoch lange zuvor von
       Sir James Steuart getroffen wurde) dient Herrn Tooke bloß als ein
       Glied in  seiner Argumentation  gegen die  "Currency-Leute" [177]
       und ihre Behauptungen über den Einfluß der Ausgabe von Papiergeld
       auf die  Warenpreise. Unser  Verfasser dagegen macht diese Unter-
       scheidung zum Ausgangspunkt für seine Untersuchung über die Natur
       des Kapitals  selbst und  besonders für die Frage: Wie wird Geld,
       diese selbständige Form des Wertes, in Kapital verwandelt?
       Alle Sorten  von Geschäftsleuten,  sagt Turgot, haben das gemein,
       daß sie   k a u f e n,   u m  z u  v e r k a u f e n;  ihre Käufe
       sind ein Vorschuß, der ihnen später wieder zurückfließt.
       K a u f e n,   u m  z u  v e r k a u f e n  - dies ist in der Tat
       die Transaktion, worin Geld als Kapital funktioniert und die sei-
       nen Rückfluß  zu seinem  Ausgangspunkt bedingt,  im Gegensatz zum
       V e r k a u f e n,   u m   z u   k a u f e n,  worin Geld nur als
       Umlaufsmittel zu  funktionieren  b r a u c h t.  So wird ersicht-
       lich, daß  die verschiedene  Reihenfolge, worin die Akte von Ver-
       kauf und  Kauf aufeinanderfolgen, dem Geld zwei verschiedene Zir-
       kulationsbewegungen aufdrückt. Um diese beiden Prozesse zu veran-
       schaulichen, gibt unser Verfasser folgende Formel:
       Verkaufen, um zu kaufen: eine Ware W wird gegen Geld G getauscht,
       das wieder gegen eine andere Ware W getauscht wird; oder W-G-W.
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       *) Das Kapital.  Von Karl  Marx. Erster  Band. Hamburg,  Meißner,
       1867.
       
       #289# Rezension des "Kapitals" für die "Fortnightly Review"
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       Kaufen, um  zu verkaufen: Geld wird gegen eine Ware getauscht und
       diese wieder gegen Geld: G-W-G.
       Die Formel  W-G-W stellt  die einfache  Warenzirkulation dar,  in
       welcher Geld als Zirkulationsmittel, als Geld funktioniert. Diese
       Formel wird im ersten Kapitel dieses Buches analysiert [178], das
       eine neue  und sehr  einfache Wert-  und Geldtheorie enthält, die
       wissenschaftlich äußerst  interessant ist, welche wir jedoch hier
       außer Betracht  lassen, da sie im ganzen für das, was wir für das
       Wesentliche in  den Ansichten des Herrn Marx über Kapital halten,
       nebensächlich ist.
       Die Formel  G-W-G andererseits  stellt jene  Form der Zirkulation
       dar, in welcher sich Geld in Kapital verwandelt.
       Der Prozeß des Kaufs für den Verkauf G-W-G kann offensichtlich in
       G-G aufgelöst  werden; er ist indirekter Austausch von Geld gegen
       Geld. Angenommen,  ich kaufe für 1000 Pfd. St. Baumwolle und ver-
       kaufe sie  für 1100  Pfd. St., so habe ich  s c h l i e ß l i c h
       1000 Pfd. St. gegen 1100 Pfd. St. ausgetauscht, Geld gegen Geld.
       Wenn dieser  Prozeß nun  immer den  Rückfluß der  gleichen  Summe
       Geldes zur  Folge hätte,  die ich  vorgeschossen habe, so wäre es
       absurd. Aber,  ob der  Kaufmann, der  1000 Pfd. St. vorgeschossen
       hat, 1100  Pfd. St.,  1000 Pfd. St. oder gar nur 900 Pfd. St. re-
       alisiert, sein  Geld hat doch eine von der Formel W-G-W ganz ver-
       schiedene Bewegung  beschrieben; einer Formel, die bedeutet, ver-
       kaufen, um  zu kaufen, etwas verkaufen, was man nicht braucht, um
       das kaufen zu können, was man braucht. Vergleichen wir die beiden
       Formeln.
       Jeder Prozeß  besteht aus  zwei Phasen oder Akten, und diese zwei
       Akte sind  in beiden Formeln die gleichen; doch zwischen den bei-
       den Prozessen  selbst besteht  ein großer  Unterschied. In  W-G-W
       bildet das  Geld nur den Vermittler; die Ware, der Gebrauchswert,
       den Ausgangs-  und Schlußpunkt. In G-W-G bildet die Ware das Zwi-
       schenglied, während  Geld Anfang  und Ende  bildet. In W-G-W wird
       das Geld  definitiv ausgegeben;  in G-W-G wird es nur vorgeschos-
       sen, es  soll wiedererlangt werden. Es fließt zu seinem Ausgangs-
       punkt zurück,  und hier haben wir den ersten sinnlich wahrnehmba-
       ren Unterschied  der Zirkulation  von Geld  als  G e l d  und der
       von Geld als  K a p i t a l.
       Im Prozeß des Verkaufs für den Kauf W-G-W kann das Geld nur durch
       die Wiederholung  des Gesamtprozesses zu seinem Ausgangspunkt zu-
       rückfließen, durch  den Verkauf  frischer Waren. Der Rückfluß ist
       also vom  Prozeß selbst unabhängig. In G - W - G dagegen ist die-
       ser Rückfluß  eine Notwendigkeit und von vornherein beabsichtigt;
       wenn er nicht stattfindet,
       
       #290# Friedrich Engels
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       findet, ist  irgendwo eine  Stockung eingetreten,  und der Prozeß
       bleibt unvollständig.
       Der Verkauf  für den  Kauf hat den Erwerb von  G e b r a u c h s-
       w e r t   zum Ziel;  der Kauf  für den  Verkauf  den  Erwerb  von
       T a u s c h w e r t.
       In der  Formel W-G-W  sind die  beiden Extreme, ökonomisch ausge-
       drückt, identisch.  Sie sind beide Waren; sie sind darüber hinaus
       von gleicher  Wertgröße, denn die ganze Werttheorie setzt voraus,
       daß normalerweise nur Äquivalente ausgetauscht werden. Gleichzei-
       tig sind  diese zwei  Extreme  W-W  qualitativ  verschiedene  Ge-
       brauchswerte, und  gerade deshalb werden sie getauscht. Im Prozeß
       G-W-G scheint  die ganze  Operation auf den ersten Blick sinnlos.
       100 Pfd.  St. gegen  100 Pfd. St. austauschen, und noch auf einem
       Umweg, scheint absurd. Eine Geldsumme kann sich von einer anderen
       Geldsumme nur  durch ihre  Größe unterscheiden.  G-W-G kann daher
       nur durch  die quantitative  Verschiedenheit seiner Extreme einen
       Sinn erhalten. Der Zirkulation muß mehr Geld entzogen werden, als
       man in  sie hineingeworfen  hatte. Die für 1000 Pfd. St. gekaufte
       Baumwolle wird  verkauft zu  1100 Pfd.  St. = 1000 Pfd. St. + 100
       Pfd. St.;  die diesen  Prozeß darstellende Formel verwandelt sich
       also in  G-W-G', wo  G'=G+ delta  G, G plus einem Inkrement, ist.
       Dieses delta  G, dies Inkrement, nennt Herr Marx  M e h r w e r t
       *). Der  ursprünglich vorgeschossene  Wert erhält sich nicht nur,
       sondern er  setzt sich  ein Inkrement  zu, er   v e r w e r t e t
       s i c h,   und   d i e s e r   P r o z e ß    v e r w a n d e l t
       G e l d  i n  K a p i t a l.
       In der  Zirkulationsform W-G-W   k a n n  zwar auch Wertverschie-
       denheit der  Extreme bestehen, doch solcher Umstand ist hier völ-
       lig unwesentlich,  die Formel  wird nicht  absurd, wenn beide Ex-
       treme Äquivalente  sind. Im  Gegenteil, dies  ist eine  Bedingung
       ihres normalen Charakters.
       Die Wiederholung von W-G-W wird durch Umstände eingeschränkt, die
       gänzlich außerhalb  des Tauschprozesses liegen: durch die Bedürf-
       nisse der Konsumtion. In G-W-G dagegen sind Anfang und Ende, qua-
       litativ betrachtet,  dasselbe, und eben dadurch ist oder kann die
       Bewegung endlos  sein. Zweifellos  ist G+  delta  G  verschiedene
       Quantität von  G; aber doch auch bloß eine beschränkte Geldsumme.
       Würde sie verausgabt, so hörte sie auf Kapital zu sein; würde sie
       der Zirkulation entzogen, so bliebe sie als Schatz stationär. Ist
       das Bedürfnis  der Verwertung  des Werts  einmal gegeben, so exi-
       stiert dieses Bedürfnis so gut für G' wie für G; die Bewegung des
       Kapitals wird  eine ständige  und endlose,  weil ihr Ziel am Ende
       jedes einzelnen
       ---
       *) Wo "Wert" hier ohne nähere Bestimmung gebraucht wird, bedeutet
       er immer Tauschwert.
       
       #291# Rezension des "Kapitals" für die "Fortnightly Review"
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       Prozesses ebenso  unerreicht ist wie zuvor. Die Durchführung die-
       ses endlosen  Prozesses  verwandelt  den  Geldbesitzer  in  einen
       K a p i t a l i s t e n.
       Die Formel  G-W-G scheint nur auf das Kaufmannskapital anwendbar.
       Aber auch  das industrielle Kapital ist Geld, das gegen Waren ge-
       tauscht und  gegen mehr Geld wieder eingetauscht wird. Zweifellos
       tritt in  diesem Falle  eine Anzahl von Operationen zwischen Kauf
       und Verkauf,  Operationen, die außerhalb der reinen Zirkulations-
       sphäre liegen; doch sie ändern nichts am Wesen des Prozesses. An-
       dererseits stellt  sich der gleiche Prozeß im zinstragenden Kapi-
       tal in  seiner abgekürztesten Form dar. Hier schrumpft die Formel
       auf G-G' zusammen, Wert, der gleichsam größer ist als er selbst.
       Doch woher  stammt dies Inkrernent von G, dieser Mehrwert? Unsere
       vorangegangenen Untersuchungen  über die  Natur  der  Waren,  des
       Werts, des  Geldes und  der Zirkulation selbst lassen diese Frage
       nicht nur ungeklärt, sondern scheinen sogar jede Zirkulationsform
       auszuschließen, die  im Ergebnis  zu so  etwas wie einem Mehrwert
       führt. Der  ganze Unterschied zwischen der Warenzirkulation (W-G-
       W) und  der Zirkulation  von Geld  als Kapital (G-W-G) scheint in
       einer einfachen  Umkehrung des  Prozesses zu bestehen. Wie sollte
       diese Umkehrung ein so seltsames Ergebnis bewirken können?
       Noch mehr: Diese Umkehrung existiert nur für  e i n e n  der drei
       an dem  Prozeß Beteiligten.  Als Kapitalist  kaufe ich Ware von A
       und verkaufe  sie wieder  an B.  A und  B treten nur als einfache
       Verkäufer und Käufer von Waren auf. Ich selbst trete bei dem Kauf
       von A  nur als  Geldbesitzer auf und bei dem Verkauf an B nur als
       Warenbesitzer; doch  in keiner dieser Transaktionen trete ich als
       Kapitalist auf,  als Repräsentant  von etwas,  das   m e h r  als
       Geld oder  Ware ist.  Für A begann die Transaktion mit einem Ver-
       kauf, für  B mit  einem Kauf. Wenn von meinem Standpunkt eine Um-
       kehrung der  Formel W-G-W  eintritt, so ist dies von ihrem Stand-
       punkt nicht der Fall. Überdies kann nichts A daran hindern, seine
       Ware ohne  meine Vermittlung an B zu verkaufen, und dann bestünde
       keine Aussicht auf irgendeinen Mehrwert.
       Angenommen, A  und B kaufen das, was sie brauchen, direkt vonein-
       ander. Was  Gebrauchswert angeht,  können beide  gewinnen. A kann
       sogar mehr  von seiner speziellen Ware produzieren, als B in der-
       selben Zeit  produzieren könnte,  und vice versa, wobei beide ge-
       winnen würden.  Doch mit dem Tauschwert ist das anders. In diesem
       Falle werden  gleiche Wertgrößen  ausgetauscht, ob  nun Geld  als
       Mittler dient oder nicht.
       Abstrakt betrachtet, das heißt abgesehen von allen Umständen, die
       nicht aus  den immanenten Gesetzen der einfachen Warenzirkulation
       abzuleiten
       
       #292# Friedrich Engels
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       sind, geht in dieser einfachen Zirkulation außer dem Ersatz eines
       Gebrauchswerts durch  einen anderen  nur ein Formwechsel der Ware
       vor sich.  Derselbe Tauschwert,  dasselbe Quantum  vergegenständ-
       lichter gesellschaftlicher Arbeit bleibt in der Hand des Warenbe-
       sitzers, sei  es in  Gestalt dieser  Ware selbst oder des Geldes,
       wofür sie verkauft wird, oder in Gestalt der für das Geld gekauf-
       ten zweiten  Ware. Dieser  Formwechsel schließt  ebensowenig eine
       Änderung der  Wertgröße ein, wie das Auswechseln einer Fünfpfund-
       note gegen fünf Sovereigns. Sofern es sich nur um einen Formwech-
       sel des Tauschwerts handelt, müssen Äquivalente ausgetauscht wer-
       den, zumindest wenn der Prozeß in seiner reinen Gestalt und unter
       normalen Bedingungen  vor sich geht. Waren  k ö n n e n  zu Prei-
       sen verkauft werden, die über oder unter ihren Werten hegen, aber
       nur, wenn  das Gesetz des Warenaustausches verletzt wird. In sei-
       ner reinen und normalen Gestalt ist der Warenaustausch daher kein
       Mittel zur  Bildung von Mehrwert. Daher entspringt der Irrtum al-
       ler Ökonomen,  die versuchen, den Mehrwert aus dem Warenaustausch
       abzuleiten, wie z.B. Condillac.
       Nehmen wir aber an, daß der Prozeß nicht unter normalen Bedingun-
       gen vor  sich geht und daß Nicht-Äquivalente ausgetauscht werden.
       Nehmen wir  an, daß  z.B. jeder Verkäufer seine Ware zehn Prozent
       über ihrem  Wert verkauft. Ceteris paribus 1*) verliert jeder als
       Käufer wieder,  was er  als Verkäufer gewonnen hat. Es wäre genau
       das gleiche,  als wenn  der Geldwert um 10 Prozent gesunken wäre.
       Das Gegenteil,  doch mit  dem gleichen  Ergebnis, träte ein, wenn
       alle Käufer  ihre Waren  10 Prozent unter deren Wert kauften. Wir
       kommen der  Lösung um  keinen Deut  näher, wenn wir annehmen, daß
       jeder Warenbesitzer  als Produzent die Waren über ihrem Wert ver-
       kauft und sie als Konsument über ihrem Wert kauft.
       Die konsequenten Vertreter der Illusion, daß der Mehrwert aus ei-
       nem nominellen Preiszuschlag auf die Waren entspringt, unterstel-
       len immer  die Existenz  einer Klasse, die kauft, ohne je zu ver-
       kaufen, die  konsumiert, ohne  zu produzieren.  In diesem Stadium
       unserer Untersuchung  ist die  Existenz einer solchen Klasse noch
       unerklärlich. Doch nehmen wir an, es gibt sie. Woher erhält diese
       Klasse das  Geld, um  beständig zu kaufen? Offensichtlich von den
       Warenproduzenten auf  Grund beliebiger Rechts- oder Gewaltstitel,
       ohne Austausch.  Einer solchen  Klasse Waren über ihrem Wert ver-
       kaufen, heißt  nichts anderes,  als umsonst weggegebenes Geld zum
       Teil wieder  zurückbekommen. Auf  diese Weise  haben  die  Städte
       Kleinasiens, als  sie an die Römer Tribut zahlten, einen Teil des
       Geldes zurückbekommen
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       1*) Unter sonst gleichen Umständen
       
       #293# Rezension des "Kapitals" für die "Fortnightly Review"
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       bekommen, indem  sie die Römer beim Handel prellten; aber dennoch
       waren diese  Städte die  Geprellten. Dies  ist also keine Methode
       der Bildung von Mehrwert.
       Nehmen wir  den Fall  der Prellerei  an. A verkauft an B Wein zum
       Wert von  40 Pfd.  St. gegen  Getreide zum Wert von 50 Pfd. St. A
       hat 10 Pfd. St. verdient und B hat 10 Pfd. St. verloren, doch ha-
       ben beide  zusammen nur  90 Pfd. St. wie vorher. Wert wurde über-
       tragen, aber nicht geschaffen. Die ganze Kapitalistenklasse eines
       Landes kann  ihren gesamten  Reichtum nicht vergrößern, indem sie
       sich gegenseitig prellt.
       Folglich: Werden Äquivalente ausgetauscht, so entsteht kein Mehr-
       wert, und werden Nicht-Äquivalente ausgetauscht, so entsteht auch
       kein Mehrwert.  Die Warenzirkulation  schafft keinen  neuen Wert.
       Das ist  der Grund,  weshalb die  beiden ältesten und populärsten
       Formen des  Kapitals, Handelskapital  und zinstragendes  Kapital,
       hier gänzlich unberücksichtigt bleiben. Um den durch diese beiden
       Kapitalformen angeeigneten Mehrwert nicht als das Ergebnis bloßer
       Prellerei zu  erklären, bedarf  es einer  Anzahl Zwischenglieder,
       die in diesem Stadium der Untersuchung noch fehlen. Später werden
       wir sehen, daß beide nur abgeleitete Formen sind, und werden auch
       feststellen, warum  beide historisch lange vor dem modernen Kapi-
       tal erscheinen.
       Der Mehrwert  kann also  nicht aus der Warenzirkulation entsprin-
       gen. Aber  kann er außerhalb derselben entspringen? Außerhalb der
       Warenzirkulation ist der Warenbesitzer einfacher Produzent dieser
       Ware, deren Wert von der nach einem bestimmten gesellschaftlichen
       Gesetz gemessenen  Größe seiner  darin enthaltenen eigenen Arbeit
       bestimmt wird.  Dieser Wert wird in Rechengeld ausgedrückt, sagen
       wir, in einem Preis von 10 Pfd. St. Doch dieser Preis von 10 Pfd.
       St. ist  nicht zugleich  ein Preis  von 11 Pfd. St.; diese in der
       Ware enthaltene  Arbeit schafft Wert, doch keinen sich verwerten-
       den Wert; sie kann vorhandenem Wert neuen Wert zusetzen, doch nur
       durch Zusatz  von neuer  Arbeit. Wie sollte nun der Warenbesitzer
       außerhalb der Zirkulationssphäre, ohne mit anderen Warenbesitzern
       in Berührung  zu kommen, wie sollte er imstande sein, Mehrwert zu
       produzieren oder,  mit anderen  Worten, Ware oder Geld in Kapital
       zu verwandeln?
       "Kapital kann  also nicht aus der Zirkulation entspringen, und es
       kann ebensowenig  aus der Zirkulation  n i c h t  entspringen. Es
       muß zugleich  in ihr  und   n i c h t   in ihr entspringen... Die
       Verwandlung des Geldes in Kapital ist auf Grundlage dem Warenaus-
       tausch immanenter  Gesetze zu  entwickeln, so  daß  d e r  A u s-
       t a u s c h   v o n    Ä q u i v a l e n t e n    a l s    A u s-
       g a n g s p u n k t  g i l t.  Unser
       
       #294# Friedrich Engels
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       nur noch  als Kapitalistenraupe  vorhandner Geldbesitzer  muß die
       Waren zu  ihrem Wert  kaufen, zu ihrem Wert verkaufen und dennoch
       am Ende  des Prozesses  mehr Wert  herausziehn als er hineinwarf.
       Seine Schmetterlingsentfaltung  muß in der Zirkulationssphäre und
       muß   n i c h t  in der Zirkulationssphäre vorgehn. Dies sind die
       Bedingungen des Problems. Hic Rhodus, hic salta!" [172]
       Und nun zur Lösung:
       "Die Wertveränderung  des Geldes,  das sich in Kapital verwandeln
       soll, kann nicht an diesem Geld selbst vorgehn, denn als Kaufmit-
       tel und als Zahlungsmittel  r e a l i s i e r t  es nur den Preis
       der Ware,  die es  kauft oder zahlt, während es, in seiner eignen
       Form verharrend, zum Petrefakt von gleichbleibender Wertgröße er-
       starrt. Ebensowenig kann die Veränderung aus dem zweiten Zirkula-
       tionsakt, dem  Wiederverkauf der  Ware, entspringen,  denn dieser
       Akt verwandelt  die Ware  bloß aus  der Naturalform zurück in die
       Geldform.   D i e  V e r ä n d e r u n g  m u ß  s i c h  a l s o
       z u t r a g e n   m i t   d e r   W a r e,  die im ersten Akt G-W
       gekauft wird,  aber nicht  mit ihrem Wert, denn es werden Äquiva-
       lente ausgetauscht,  die Ware wird zu ihrem Werte bezahlt.  D i e
       V e r ä n d e r u n g   k a n n  a l s o  n u r  e n t s p r i n-
       g e n  a u s  i h r e m  G e b r a u c h s w e r t  a l s  s o l-
       c h e m,   d.h.  a u s  i h r e m  V e r b r a u c h.  Um aus dem
       Verbrauch einer Ware Wert herauszuziehn, müßte unser Geldbesitzer
       so glücklich  sein, innerhalb  der  Zirkulationssphäre,  auf  dem
       Markte, eine  Ware zu  entdecken,   d e r e n  G e b r a u c h s-
       w e r t   s e l b s t   d i e   e i g e n t ü m l i c h e    B e-
       s c h a f f e n h e i t     b e s ä ß e,     Q u e l l e    v o n
       W e r t   z u   s e i n ,  d e r e n  w i r k l i c h e r  V e r-
       b r a u c h   a l s o   s e l b s t    V e r g e g e n s t ä n d-
       l i c h u n g   v o n  A r b e i t  w ä r e,  d a h e r  W e r t-
       s c h ö p f u n g.   Und der  Geldbesitzer findet  auf dem Markte
       eine solche  spezifische Ware  vor  -  das  Arbeitsvermögen  oder
       d i e  A r b e i t s k r a f t.
       Unter Arbeitskraft  oder Arbeitsvermögen  verstehen wir den Inbe-
       griff der  physischen und geistigen Fähigkeiten, die in der Leib-
       lichkeit, der lebendigen Persönlichkeit eines Menschen existieren
       und die er in Bewegung setzt, sooft er Gebrauchswerte irgendeiner
       Art produziert.
       Damit jedoch  der Geldbesitzer  die Arbeitskraft als Ware auf dem
       Markt vorfinde,  müssen verschiedne Bedingungen erfüllt sein. Der
       Warenaustausch schließt  an und  für sich  keine andren Abhängig-
       keitsverhältnisse ein  als die  aus seiner eignen Natur entsprin-
       genden. Unter dieser Voraussetzung kann die Arbeitskraft als Ware
       nur auf  dem Markt erscheinen, sofern und weil sie von ihrem eig-
       nen Besitzer,  der Person,  deren Arbeitskraft  sie ist, als Ware
       feilgeboten oder  verkauft wird.  Damit ihr Besitzer sie als Ware
       verkaufe, muß er über sie verfügen können, also freier Eigentümer
       seines Arbeitsvermögens,  seiner Person  sein. Er und der Geldbe-
       sitzer begegnen
       
       #295# Rezension des "Kapitals" für die "Fortnightly Review"
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       sich auf  dem Markt und treten in Verhältnis zueinander als eben-
       bürtige Warenbesitzer,  nur dadurch  unterschieden, daß  der eine
       Käufer, der andre Verkäufer ist. Die Fortdauer dieses Verhältnis-
       ses erheischt,  daß der Eigentümer der Arbeitskraft sie stets nur
       für bestimmte  Zeit verkaufe,  denn verkauft er sie in Bausch und
       Bogen, ein  für allemal,  so verkauft  er sich selbst, verwandelt
       sich aus  einem Freien  in einen Sklaven, aus einem Warenbesitzer
       in eine Ware... Die zweite wesentliche Bedingung, damit der Geld-
       besitzer die  Arbeitskraft auf  dem Markt  als Ware vorfinde, ist
       die, daß  ihr Besitzer,  statt Waren  verkaufen zu  können, worin
       sich seine Arbeit vergegenständlicht hat, vielmehr seine Arbeits-
       kraft selbst,  die nur  in seiner  lebendigen  Leiblichkeit  exi-
       stiert, als Ware feilbieten muß.
       Damit jemand  von seiner  Arbeitskraft unterschiedne  Waren  ver-
       kaufe, muß  er natürlich  Produktionsmittel besitzen,  z.B.  Roh-
       stoffe, Arbeitsinstrumente usw. Er kann keine Stiefel machen ohne
       Leder. Er  bedarf außerdem Lebensmittel. Niemand kann von Produk-
       ten der  Zukunft zehren, also auch nicht von Gebrauchswerten, de-
       ren Produktion  noch unfertig,  und wie am ersten Tage seiner Er-
       scheinung auf  der Erdbühne, muß der Mensch noch jeden Tag konsu-
       mieren, bevor  und während er produziert. Werden die Produkte als
       W a r e n   produziert, so  müssen sie verkauft werden,  n a c h-
       d e m   sie produziert  sind, und können die Bedürfnisse des Pro-
       duzenten erst  nach dem  Verkauf befriedigen. Zur Produktionszeit
       kommt die für den Verkauf nötige Zeit hinzu.
       Zur Verwandlung von Geld in Kapital muß der Geldbesitzer also den
       f r e i e n   A r b e i t e r  auf dem Warenmarkt vorfinden, frei
       in dem  Doppelsinn, daß  er als  freie Person über seine Arbeits-
       kraft als  seine Ware  verfügt, daß  er andrerseits  andre  Waren
       nicht zu  verkaufen hat,  los und  ledig, frei  ist von allen zur
       Verwirklichung seiner Arbeitskraft nötigen Sachen.
       Die Frage,  warum dieser  freie Arbeiter ihm in der Zirkulations-
       sphäre gegenübertritt,  interessiert den  Geldbesitzer nicht, der
       den Arbeitsmarkt als eine besondre Abteilung des Warenmarkts vor-
       findet. Und  einstweilen interessiert  sie uns  ebensowenig.  Wir
       halten theoretisch  an der  Tatsache fest,  wie der  Geldbesitzer
       praktisch. Eins  jedoch ist  klar. Die Natur produziert nicht auf
       der einen Seite Geld- oder Warenbesitzer und auf der andren bloße
       Besitzer der  eignen Arbeitskräfte.  Dies Verhältnis ist kein na-
       turgeschichtliches und  ebensowenig ein  gesellschaftliches,  das
       allen Geschichtsperioden  gemein wäre. Es ist offenbar selbst das
       Resultat einer  vorhergegangenen  historischen  Entwicklung,  das
       Produkt vieler  ökonomischer Umwälzungen,  des  Untergangs  einer
       ganzen Reihe  älterer Formationen  der gesellschaftlichen Produk-
       tion.
       
       #296# Friedrich Engels
       -----
       Auch die ökonomischen Kategorien, die wir früher betrachtet, tra-
       gen ihre  geschichtliche Spur.  Im Dasein  des Produkts  als Ware
       sind bestimmte  historische Bedingungen  eingehüllt. Um  Ware  zu
       werden, darf das Produkt nicht als unmittelbares Subsistenzmittel
       für den  Produzenten selbst  produziert werden. Hätten wir weiter
       geforscht: unter  welchen Umständen  nehmen alle  oder nimmt auch
       nur die Mehrzahl der Produkte die Form der Ware an, so hätte sich
       gefunden, daß dies nur auf Grundlage einer ganz spezifischen, der
       k a p i t a l i s t i s c h e n     Produktionsweise,  geschieht.
       Eine solche  Untersuchung lag  jedoch der  Analyse der Ware fern.
       Warenproduktion und Warenzirkulation können stattfinden, obgleich
       die weit überwiegende Produktenmasse, unmittelbar auf den Selbst-
       bedarf gerichtet,  sich nicht  in Ware  verwandelt,  der  gesell-
       schaftliche Produktionsprozeß  also noch  lange nicht  in  seiner
       ganzen Breite  und Tiefe  vom Tauschwert  beherrscht ist ... Oder
       betrachten wir das Geld, so setzt es eine gewisse Höhe des Waren-
       austausches voraus. Die besondren Geldformen, bloßes Warenäquiva-
       lent, oder  Zirkulationsmittel, oder  Zahlungsmittel, Schatz  und
       Weltgeld, deuten  je nach dem verschiednen Umfang und dem relati-
       ven Vorwiegen einer oder der andren Funktion auf sehr verschiedne
       Stufen des  gesellschaftlichen Produktionsprozesses.  Dennoch ge-
       nügt erfahrungsmäßig eine relativ schwach entwickelte Warenzirku-
       lation zur  Bildung aller  dieser Formen. Anders mit dem Kapital.
       Seine historischen Existenzbedingungen sind durchaus nicht da mit
       der Waren-  und Geldzirkulation. Es entsteht nur, wo der Besitzer
       von Produktions-  und Lebensmitteln  den freien Arbeiter als Ver-
       käufer seiner  Arbeitskraft auf  dem Markt  vorfindet, und  diese
       eine historische  Bedingung umschließt  eine Weltgeschichte.  Das
       Kapital kündigt daher von vornherein eine neue Epoche des gesell-
       schaftlichen Produktionsprozesses an." 1*)
       Diese eigentümliche  Ware, die  Arbeitskraft, ist nun zu untersu-
       chen. Gleich  allen anderen  Waren besitzt  sie einen Tauschwert;
       dieser Wert  wird bestimmt wie der aller anderen Waren: durch die
       zu ihrer  Produktion, also auch Reproduktion, notwendige Arbeits-
       zeit. Der  Wert der  Arbeitskraft ist  der Wert der zur Erhaltung
       ihres Besitzers  in normaler  Arbeitsfähigkeit nötigen Lebensmit-
       tel. Diese  Lebensmittel richten  sich nach dem Klima und anderen
       Naturbedingungen sowie  nach einem historisch in jedem Land gege-
       benen Stand  der Lebenshaltung.  Sie wechseln,  sind aber für ein
       bestimmtes Land  und für  eine bestimmte  Epoche gegeben.  Ferner
       schließen sie  die Lebensmittel  für die  Ersatzmänner  der  ver-
       brauchten Arbeiter
       -----
       1*) Siehe Band 23 unserer Ausgabe, S. 180-184
       
       #297# Rezension des "Kapitals" für die "Fortnightly Review"
       -----
       ein, d.h. für ihre Kinder, so daß diese eigentümliche Art von Wa-
       renbesitzern sich verewigen kann. Sie schließen außerdem bei qua-
       lifizierter Arbeit die Bildungskosten ein.
       Die Minimalgrenze  des Werts  der Arbeitskraft  ist der  Wert der
       physisch unentbehrlichen  Lebensmittel. Sinkt  ihr Preis auf dies
       Minimum, so  sinkt er unter ihren Wert, da letzterer eine normale
       Güte der Arbeitskraft, nicht eine verkümmerte, voraussetzt.
       Aus der  Natur der  Arbeit ergibt sich, daß die Arbeitskraft erst
       n a c h  Abschluß des Verkaufs verbraucht wird; und in allen Län-
       dern kapitalistischer  Produktionsweise wird  die Arbeit bezahlt,
       nachdem sie  geleistet ist.  Überall also kreditiert der Arbeiter
       dem Kapitalisten.  Zu den praktischen Folgen dieses durch den Ar-
       beiter gewährten Kredits führt Herr Marx einige interessante Bei-
       spiele aus  Parlamentsdokumenten an;  bezüglich dieser  Beispiele
       verweisen wir auf das Buch selbst.
       Mit  der   Konsumtion  von  Arbeitskraft  produziert  ihr  Käufer
       zugleich Waren  und Mehrwert;  um dies zu untersuchen, müssen wir
       die Sphäre  der Zirkulation  verlassen und  uns in die Sphäre der
       Produktion begeben.
       Hier stellen wir sofort fest, daß der Arbeitsprozeß Doppelcharak-
       ter besitzt.  Einerseits ist  er der einfache Prozeß zur Herstel-
       lung von  Gebrauchswert; als solcher kann und muß er allen histo-
       rischen Formen  der Existenz der Gesellschaft gemeinsam sein; an-
       dererseits geht  dieser Prozeß,  wie bereits  erwähnt, unter  den
       spezifischen  Bedingungen  der  kapitalistischen  Produktion  vor
       sich. Sie müssen wir jetzt untersuchen.
       Der Arbeitsprozeß  auf kapitalistischer Grundlage hat zwei Eigen-
       tümlichkeiten. Erstens  arbeitet der Arbeiter unter der Kontrolle
       des Kapitalisten,  der aufpaßt,  daß nichts  vergeudet  wird  und
       nicht mehr als das gesellschaftlich notwendige Quantum Arbeit für
       jedes einzelne  Produkt aufgewandt wird. Zweitens ist das Produkt
       Eigentum des Kapitalisten, da der Prozeß selbst zwischen zwei ihm
       gehörigen Dingen vor sich geht: der Arbeitskraft und den Arbeits-
       mitteln.
       Den Kapitalisten  interessiert der Gebrauchswert nur, insofern er
       die Verkörperung  von Tauschwert  und vor allem von Mehrwert ist.
       Sein Ziel  besteht dann, eine Ware zu produzieren, deren Wert hö-
       her ist  als die  in ihre  Produktion investierte  Wertsumme. Wie
       kann das geschehen?
       Nehmen wir  eine beliebige Ware, z.B. Baumwollgarn, und analysie-
       ren wir  das dann  vergegenständlichte Quantum Arbeit. Nehmen wir
       an, daß  zur Herstellung von 10 Pf und Garn 10 Pfund Baumwolle im
       Wert von  10 sh.  nötig sind (wobei wir den Abfall außer Betracht
       lassen). Ferner  sind bestimmte  Arbeitsmittel erforderlich: eine
       Dampfmaschine, Kammaschinen
       
       #298# Friedrich Engels
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       und andere Maschinerie, Kohle, Schmiermittel etc. Der Einfachheit
       halber bezeichnen wir das alles als "Spindeln" und nehmen an, daß
       der Verschleiß, Kohle etc., die nötig sind zur Verspinnung von 10
       Pfund Garn,  2 sh.  repräsentieren. So haben wir 10 sh. für Baum-
       wolle und  2 sh. für Spindel = 12 sh. Wenn 12 sh. das Produkt von
       24 Arbeitsstunden  oder zwei  Arbeitstagen  repräsentieren,  dann
       vergegenständlichen Baumwolle  und Spindel  im Garn zwei Arbeits-
       tage. Wieviel wird nun durch das Spinnen zugesetzt?
       Nehmen wir  an, daß  der Wert der Arbeitskraft per diem 1*) 3 sh.
       beträgt und  daß diese  3 sh. die Arbeit von sechs Stunden reprä-
       sentieren. Ferner, daß ein Arbeiter sechs Stunden benötigt, um 10
       Pfund Garn zu spinnen. In diesem Falle sind dem Produkt durch Ar-
       beit 3  sh. zugesetzt  worden; der Wert der 10 Pfund Garn beträgt
       15 sh. oder 1 sh. 6 d. per Pfund.
       Dieser Prozeß  ist sehr  einfach, doch  ihm entspringt kein Mehr-
       wert. Das  kann auch  nicht sein, da in der kapitalistischen Pro-
       duktion die Dinge nicht so einfach vor sich gehen.
       "Sehn wir  näher zu. Der Tageswert der Arbeitskraft betrug 3 sh.,
       weil in  ihr selbst ein halber Arbeitstag vergegenständlicht ist.
       Daß ein  h a l b e r  Arbeitstag nötig, um ihn während 24 Stunden
       am Leben  zu erhalten,  hindert den  Arbeiter  keineswegs,  einen
       g a n z e n   Tag zu arbeiten. Der Wert der Arbeitskraft und ihre
       Verwertung im  Arbeitsprozeß sind  also zwei  verschiedne Größen.
       Diese Wertdifferenz  hatte der Kapitalist im Auge, als er die Ar-
       beitskraft kaufte.  Ihre nützliche Eigenschaft, Garn oder Stiefel
       zu machen,  war nur  eine Conditio  sine qua  non, weil Arbeit in
       nützlicher Form  verausgabt werden  muß, um  Wert zu  bilden. Was
       aber entschied,  war der  spezifische Gebrauchswert  dieser Ware,
       Quelle von  Wert zu  sein und  von mehr Wert, als sie selbst hat.
       Dies ist  der spezifische  Dienst, den der Kapitalist von ihr er-
       wartet. Und  er verfährt  dabei den ewigen Gesetzen des Warenaus-
       tausches gemäß.  In der  Tat, der Verkäufer der Arbeitskraft, wie
       der Verkäufer  jeder andren Ware, realisiert ihren Tauschwert und
       veräußert ihren  Gebrauchswert. Er kann den einen nicht erhalten,
       ohne den  andren wegzugeben.  Der Gebrauchswert der Arbeitskraft,
       die Arbeit  selbst, gehört  ebensowenig ihrem  Verkäufer, wie der
       Gebrauchswert des  verkauften Öls dem Ölhändler. Der Geldbesitzer
       hat den  Wert per diem der Arbeitskraft gezahlt; ihm gehört daher
       ihr Gebrauch  während des  Tages, die  tagelange Arbeit.  Der Um-
       stand, daß die tägliche Erhaltung der Arbeitskraft nur einen hal-
       ben Arbeitstag kostet, obgleich die Arbeitskraft einen ganzen Tag
       -----
       1*) pro Tag
       
       #299# Rezension des "Kapitals" für die "Fortnightly Review"
       -----
       wirken, arbeiten  kann, daß daher der Wert, den ihr Gebrauch wäh-
       rend eines  Tags schafft,  doppelt so groß ist als ihr eigner Ta-
       geswert, ist  ein besondres  Glück für  den Käufer, aber durchaus
       kein Unrecht gegen den Verkäufer."
       Der Arbeiter  arbeitet also 12 Stunden, spinnt 20 Pfund Garn, das
       20 sh. Baumwolle und 4 sh. Spindeln etc. repräsentiert, und seine
       Arbeit kostet  3 sh., insgesamt 27 sh. Saugten 10 Pfund Baumwolle
       6 Arbeitsstunden ein, so haben 20 Pfund Baumwolle 12 Arbeitsstun-
       den eingesaugt,  gleich 6 sh. - In den 20 Pfund Garn sind jetzt 5
       Arbeitstage vergegenständlicht, 4 in der verzehrten Baumwoll- und
       Spindelmasse, 1  von der  Baumwolle eingesaugt während des Spinn-
       prozesses. Der  Goldausdruck von  5 Arbeitstagen  ist aber 30 sh.
       Dies also der Preis der 20 Pfund Garn. Das Pfund Garn kostet nach
       wie vor  1 sh. 6 d. Aber die Wertsumme der in den Prozeß geworfe-
       nen Waren  betrug 27 sh. Der Wert des Produkts ist um 1/9 gewach-
       sen über  den zu  seiner Produktion  vorgeschoßnen Wert. So haben
       sich 27  sh. in 30 sh. verwandelt. Sie haben einen Mehrwert von 3
       sh. gesetzt. Das Kunststück ist endlich gelungen. Geld ist in Ka-
       pital verwandelt.
       Alle Bedingungen des Problems sind gelöst und die Gesetze des Wa-
       renaustausches in  keiner Weise  verletzt. Äquivalent wurde gegen
       Äquivalent ausgetauscht.  Der Kapitalist  zahlte als  Käufer jede
       Ware zu ihrem Wert, Baumwolle, Spindelmasse, Arbeitskraft. Er tat
       dann, was  jeder andre Käufer von Waren tut. Er konsumierte ihren
       Gebrauchswert.  Der   Konsumtionsprozeß  der   Arbeitskraft,  der
       zugleich Produktionsprozeß  der Ware,  ergab ein  Produkt von  20
       Pfund Garn mit einem Wert von 30 sh. Der Kapitalist kehrt nun zum
       Markt zurück  und verkauft  Ware, nachdem er Ware gekauft hat. Er
       verkauft das  Pfund Garn zu 1 sh. 6 d., keinen Deut über oder un-
       ter seinem Wert. Und doch zieht er 3 sh. mehr aus der Zirkulation
       heraus, als  er ursprünglich in sie hineinwarf. Dieser ganze Ver-
       lauf, die  Verwandlung seines Geldes in Kapital, geht in der Zir-
       kulationssphäre vor  und geht   n i c h t   in ihr vor. Durch die
       Vermittlung der  Zirkulation, weil bedingt durch den Kauf der Ar-
       beitskraft auf dem Warenmarkt. Nicht in der Zirkulation, denn sie
       leitet nur  den Verwertungsprozeß  ein, der sich in der Produkti-
       onssphäre zuträgt.  Und so  ist 'tout pour le mieux dans le meil-
       leur des mondes possibles' [179]." 1*)
       Von der  Darlegung der Art und Weise der Produktion des Mehrwerts
       geht Herr  Marx über  zu dessen  Analyse. Aus dem Vorangegangenen
       geht hervor,  daß nur ein Teil des in einem produktiven Unterneh-
       men angelegten
       -----
       1*) Siehe Band 23 unserer Ausgabe, S. 207-209
       
       #300# Friedrich Engels
       -----
       Kapitals direkt zur Produktion von Mehrwert beiträgt, und das ist
       das für  den Ankauf  von Arbeitskraft vorgeschossene Kapital. Nur
       dieser Teil  produziert   n e u e n   Wert; das  in  Maschinerie,
       Rohmaterial, Kohle  etc. angelegte Kapital erscheint zwar im Wert
       des Produkts  pro tanto 1*) wieder, es wird erhalten und reprodu-
       ziert, doch  es kann sich kein Mehrwert aus ihm bilden. Dies ver-
       anlaßt Herrn  Marx, eine  neue Unterteilung  des Kapitals  vorzu-
       schlagen: in   k o n s t a n t e s  Kapital, das nur reproduziert
       wird -  der in Maschinerie, Rohmaterial und allen anderen zum Ar-
       beitsprozeß  notwendigen   Mitteln   angelegte   Teil;   und   in
       v a r i a b l e s   Kapital, das  nicht bloß  reproduziert  wird,
       sondern zugleich  direkte Quelle von Mehrwert ist - der im Ankauf
       von Arbeitskraft  und in Löhnen angelegte Teil. Daraus wird klar,
       daß das  konstante Kapital  nicht direkt zur Produktion von Mehr-
       wert beiträgt, wie notwendig es auch dafür sein mag; und außerdem
       hat die  in einem Produktionszweig angelegte Masse konstanten Ka-
       pitals nicht  den geringsten Einfluß auf die in diesem Zweig pro-
       duzierte Mehrwertmasse.  *) Daher  kann das konstante Kapital bei
       der Bestimmung  der   R a t e  des Mehrwerts nicht berücksichtigt
       werden. Diese  kann nur  bestimmt werden  durch den Vergleich der
       Größe des  Mehrwerts mit  der Größe  des Kapitals, das direkt zur
       Bildung  des   Mehrwerts  beiträgt,   d.h.  mit   der  Größe  des
       v a r i a b l e n   Kapitals. Herr Marx bestimmt deshalb die Rate
       des Mehrwerts  als Verhältnis  des Mehrwerts  lediglich zum vari-
       ablen Kapital:  beträgt der  tägliche Preis  der Arbeit 3 sh. und
       der täglich  geschaffene Mehrwert ebenfalls 3 sh., so beträgt die
       Rate des  Mehrwerts 100  Prozent. Zu  welchen Kuriosa  es  führen
       kann, wenn man, wie das gewöhnlich getan wird, konstantes Kapital
       als aktiven  Faktor bei  der Produktion  von Mehrwert betrachtet,
       kann man  am Beispiel des Herrn N.W. Senior sehen, "als der wegen
       seiner ökonomischen  Wissenschaft und  seines schönen Stils beru-
       fene Professor  von Oxford  im Jahre 1836 nach Manchester zitiert
       wurde, um  hier politische  Ökonomie zu lernen (von den Baumwoll-
       spinnern), statt sie in Oxford zu lehren". 2*)
       Die Arbeitszeit,  während der  der Arbeiter  den Wert  seiner Ar-
       beitskraft reproduziert, nennt Herr Marx "notwendige Arbeit"; die
       darüber hinaus  gearbeitete Zeit, während der Mehrwert produziert
       wird, nennt  er "Mehrarbeit".  Notwendige Arbeit  und  Mehrarbeit
       bilden zusammen den "Arbeitstag"'.
       ---
       *) Wir müssen  hier bemerken,  daß   M e h r w e r t  keinesfalls
       mit  P r o f i t  identisch ist.
       -----
       1*) als Ganzes - 2*) siehe Band 23 unserer Ausgabe, S. 237/238
       
       #301# Rezension des "Kapitals" für die "Fortnightly Review"
       -----
       In einem  Arbeitstag ist die notwendige Arbeitszeit gegeben; doch
       die für  die Mehrarbeit  verwandte Zeit  wird durch kein ökonomi-
       sches Gesetz  festgesetzt, sie  kann innerhalb gewisser Schranken
       länger oder  kürzer sein.  Sie kann nie gleich null sein, da dann
       für den  Kapitalisten der  Anreiz wegfiele, Arbeit zu gebrauchen.
       Gleichzeitig kann  die Gesamtlänge des Arbeitstages aus physiolo-
       gischen Gründen nie 24 Stunden erreichen. Zwischen einem Arbeits-
       tag von sage 6 und einem von 24 Stunden gibt es jedoch viele Zwi-
       schenstufen. Die  Gesetze des Warenaustausches verlangen, daß der
       Arbeitstag nicht  länger sei, als mit dem normalen Verschleiß des
       Arbeiters vereinbar  ist. Doch  was ist normaler Verschleiß? Wie-
       viel Stunden  täglicher Arbeit  sind damit  vereinbar? In  diesem
       Punkt gehen die Meinungen des Kapitalisten und des Arbeiters weit
       auseinander, und  da es  keine höhere  Autorität gibt,  wird  die
       Frage durch  G e w a l t  entschieden. Die Geschichte der Normie-
       rung des  Arbeitstages ist die Geschichte eines Kampfes um dessen
       Schranken - eines Kampfes zwischen dem Gesamtkapitalisten und dem
       Gesamtarbeiter, zwischen  der Klasse der Kapitalisten und der Ar-
       beiterklasse.
       "Das Kapital,  wie bereits  bemerkt, hat die Mehrarbeit nicht er-
       funden. Überall,  wo ein  Teil der  Gesellschaft das  Monopol der
       Produktionsmittel besitzt,  muß der  Arbeiter, frei  oder unfrei,
       der zu  seiner Selbsterhaltung notwendigen Arbeitszeit überschüs-
       sige Arbeitszeit zusetzen, um die Lebensmittel für den Eigner der
       Produktionsmittel zu produzieren, sei dieser Eigentümer nun athe-
       niensischer ????? ??????? 1*), etruskischer Theokrat, civis roma-
       nus 2*), normannischer Baron, amerikanischer Sklavenhalter, wala-
       chischer Bojar, moderner Landlord oder Kapitalist." 3*)
       Indes ist  klar, daß  in jeder Gesellschaftsformation, in der der
       Gebrauchswert des Produkts wichtiger als sein Tauschwert ist, die
       Mehrarbeit durch  einen engeren  oder weiteren  Kreis von gesell-
       schaftlichen Bedürfnissen  beschränkt ist;  und daß  unter diesen
       Umständen nicht  unbedingt der  Wunsch nach  Mehrarbeit um  ihrer
       selbst willen  besteht. So  stellen wir  fest, daß im klassischen
       Altertum Mehrarbeit  in ihrer krassesten Form, das Zu-Tode-Arbei-
       ten des  Arbeiters, fast  ausschließlich in Gold- und Silberberg-
       werken existierte,  wo der  Tauschwert  in  seiner  selbständigen
       Form, als Geld produziert wurde.
       "Sobald aber Völker, deren Produktion sich noch in den niedrigren
       Formen der  Sklavenarbeit, Fronarbeit  usw. bewegt, hineingezogen
       werden in  einen durch  die kapitalistische  Produktionsweise be-
       herrschten Weltmarkt,
       -----
       1*) Aristokrat - 2*) römischer Bürger - 3*) siehe Band 23 unserer
       Ausgabe, S. 249/250
       
       #302# Friedrich Engels
       -----
       der den  Verkauf ihrer  Produkte ins Ausland zum vorwiegenden In-
       teresse entwickelt,  wird den barbarischen Greueln der Sklaverei,
       Leibeigenschaft usw.  der zivilisierte Greuel der Überarbeit auf-
       gepfropft. Daher  bewahrte die Negerarbeit in den südlichen Staa-
       ten der  amerikanischen Union  einen  gemäßigt  patriarchalischen
       Charakter, solange die Produktion hauptsächlich auf den unmittel-
       baren Selbstbedarf gerichtet war. In dem Grade aber wie der Baum-
       wollexport zum Lebensinteresse jener Staaten, ward die Überarbei-
       tung des Negers, hier und da die Konsumtion seines Lebens in sie-
       ben Arbeitsjahren,  Faktor eines berechneten und berechnenden Sy-
       stems... Ähnlich  mit der   F r o n a r b e i t,  z.B. in den Do-
       naufürstentümern." 1*)
       Hier wird  der Vergleich  mit der kapitalistischen Produktion be-
       sonders interessant,  weil die  Mehrarbeit in  der   F r o n a r-
       b e i t  eine selbständige, sinnlich wahrnehmbare Form besitzt.
       "Gesetzt der  Arbeitstag zähle 6 Stunden notwendiger Arbeit und 6
       Stunden Mehrarbeit.  So liefert  der freie Arbeiter dem Kapitali-
       sten wöchentlich  36 Stunden Mehrarbeit. Es ist dasselbe, als ar-
       beite er 3 Tage in der Woche für sich und 3 Tage in der Woche um-
       sonst für den Kapitalisten. Aber dies ist nicht sichtbar. Mehrar-
       beit und  notwendige Arbeit verschwimmen ineinander. Ich kann da-
       her dasselbe Verhältnis z.B. auch so ausdrücken, daß der Arbeiter
       in jeder  Minute 30 Sekunden für sich und 30 Sekunden für den Ka-
       pitalisten arbeitet  usw. Anders  mit der    F r o n a r b e i t.
       Die notwendige  Arbeit, die z. B. der walachische Bauer zu seiner
       Selbsterhaltung verrichtet,  ist  räumlich  getrennt  von  seiner
       Mehrarbeit für  den Bojaren.  Die eine  verrichtet er  auf seinem
       eignen Felde, die andre auf dem herrschaftlichen Gut. Beide Teile
       der Arbeitszeit  existieren daher  selbständig nebeneinander.  In
       der Form der  F r o n a r b e i t  ist die Mehrarbeit genau abge-
       schieden von der notwendigen Arbeit." 2*)
       Wir müssen  davon absehen, weitere interessante Beispiele der mo-
       dernen Sozialgeschichte  der Donaufürstentümer zu zitieren, durch
       die Herr  Marx beweist,  daß die  Bojaren, unterstützt  durch die
       russische Intervention, es ebensogut verstehen, Mehrarbeit auszu-
       saugen, wie  jeder kapitalistische  Unternehmer. Doch was das Re-
       glement organique [173], durch das der russische General Kisselew
       den Bojaren  fast unbeschränkte  Macht über die Arbeit der Bauern
       gab, positiv  ausdrückt, drücken die englischen Fabrikgesetze ne-
       gativ aus.
       "Diese Gesetze  zügeln den  Drang des Kapitals nach maßloser Aus-
       saugung
       -----
       1*) Siehe Band  23 unserer  Ausgabe, S. 250 - 2*) vgl. ebenda, S.
       251
       
       #303# Rezension des "Kapitals" für die "Fortnightly Review"
       -----
       der Arbeitskraft  durch gewaltsame  Beschränkung des  Arbeitstags
       von Staats  wegen, und  zwar von seilen eines Staats, den Kapita-
       list und Landlord beherrschen. Von einer täglich bedrohlicher an-
       schwellenden Arbeiterbewegung  abgesehn, war die Beschränkung der
       Fabrikarbeit diktiert  durch dieselbe  Notwendigkeit, welche  den
       Guano auf die englischen Felder ausgoß. Dieselbe blinde Raubgier,
       die in dem einen Fall die Erde erschöpft, hatte in dem andren die
       Lebenskraft der  Nation an der Wurzel ergriffen. Periodische Epi-
       demien sprachen hier ebenso deutlich als das abnehmende Soldaten-
       maß in Deutschland und Frankreich." 1*)
       Um die  Tendenz des  Kapitals nach  Verlängerung des Arbeitstages
       über jedes  vernünftige Maß hinaus zu beweisen, zitiert Herr Marx
       ausführlich aus  den Berichten der Fabrikinspektoren, der Kommis-
       sion zur  Untersuchung der  Kinderarbeit, aus  den Berichten über
       öffentliche Gesundheit und anderen Parlamentsdokumenten und resü-
       miert in folgenden Schlußfolgerungen:
       "'Was ist  ein Arbeitstag?'  Wie groß ist die Zeit, wahrend deren
       das Kapital  die Arbeitskraft, deren Wert per diem es zahlt, kon-
       sumieren darf?  Wie weit  kann der  Arbeitstag verlängert  werden
       über die  zur Reproduktion der Arbeitskraft selbst notwendige Ar-
       beitszeit? Auf diese Fragen, man hat es gesehn, antwortet das Ka-
       pital: Der  Arbeitstag zählt  täglich volle 24 Stunden nach Abzug
       der wenigen  Ruhestunden, ohne  welche die Arbeitskraft ihren er-
       neuerten Dienst  absolut versagt.  Es versteht  sich zunächst von
       selbst, daß der Arbeiter seinen ganzen Lebenstag durch nichts ist
       außer Arbeitskraft,  daß daher alle seine disponible Zeit von Na-
       tur und  Rechts wegen  Arbeitszeit ist, also der Selbstverwertung
       des Kapitals angehört... Aber in seinem maßlos blinden Trieb nach
       Mehrarbeit überrennt  das Kapital nicht nur die moralischen, son-
       dern auch die rein physischen Maximalschranken des Arbeitstags...
       Das Kapital  fragt nicht nach der Lebensdauer der Arbeitskraft...
       Die kapitalistische Produktion produziert die vorzeitige Erschöp-
       fung und  Abtötung der  Arbeitskraft selbst.  Sie verlängert  die
       Produktionszeit des  Arbeiters während  eines  gegebenen  Termins
       durch Verkürzung seiner Lebenszeit." 2*)
       Aber ist  dies nicht selbst gegen das Interesse des Kapitals? Muß
       das Kapital  nicht im  Laufe der Zeit die Kosten dieses unmäßigen
       Verschleißes ersetzen?  Das mag theoretisch der Fall sein. In der
       Praxis hat  der organisierte Sklavenhandel im Innern der Südstaa-
       ten den  Verschleiß der Arbeitskraft des Sklaven in sieben Jahren
       zu einem anerkannten ökonomischen
       -----
       1*) Siehe Band  23 unserer  Ausgabe, S. 253 - 2*) vgl. ebenda, S.
       279-281
       
       #304# Friedrich Engels
       -----
       Prinzip erhoben; in der Praxis verläßt sich der englische Kapita-
       list auf die Zufuhr von Arbeitern aus den Landdistrikten.
       "Was die  Erfahrung dem  Kapitalisten im  allgemeinen zeigt,  ist
       eine beständige  Übervölkerung, d.h.  Übervölkerung im Verhältnis
       zum augenblicklichen  Verwertungsbedürfnis des Kapitals, obgleich
       sie aus verkümmerten, schnell hinlebenden, sich rasch verdrängen-
       den,  sozusagen  unreif  gepflückten  Menschengenerationen  ihren
       Strom bildet. Allerdings zeigt die Erfahrung dem verständigen Be-
       obachter auf  der andren  Seite, wie rasch und tief die kapitali-
       stische Produktion,  die, geschichtlich  gesprochen, kaum von ge-
       stern datiert,  die Volkskraft an der Lebenswurzel ergriffen hat,
       wie die  Degeneration der  industriellen Bevölkrung nur durch be-
       ständige Absorption  naturwüchsiger Lebenselemente vom Lande ver-
       langsamt wird,  und wie  selbst die  ländlichen  Arbeiter,  trotz
       freier Luft  und des unter ihnen so allmächtig waltenden Prinzips
       der natürlichen  Auslese, das nur die kräftigsten Individuen auf-
       kommen läßt,  schon abzuleben beginnen. Das Kapital, das so 'gute
       Gründe' hat,  die Leiden  der es umgebenden Arbeitergeneration zu
       leugnen, wird  in seiner  praktischen Bewegung durch die Aussicht
       auf zukünftige Verfaulung der Menschheit und schließlich doch un-
       aufhaltsame Entvölkerung  so wenig und so viel bestimmt als durch
       den möglichen  Fall der Erde in die Sonne. In jeder Aktienschwin-
       delei weiß  jeder, daß  das Unwetter einmal einschlagen muß, aber
       jeder hofft,  daß es das Haupt seines Nächsten trifft, nachdem er
       selbst den  Goldregen aufgefangen und in Sicherheit gebracht hat.
       Après moi  le déluge!  1*) ist der Wahlruf jedes Kapitalisten und
       jeder Kapitalistennation. Das Kapital ist daher rücksichtslos ge-
       gen Gesundheit  und Lebensdauer  des Arbeiters, wo es nicht durch
       die Gesellschaft zur Rücksicht gezwungen wird. Im großen und gan-
       zen hängt  dies aber  auch nicht  vom guten oder bösen Willen des
       einzelnen Kapitalisten  ab. Die  freie Konkurrenz macht die imma-
       nenten Gesetze  der kapitalistischen Produktion dem einzelnen Ka-
       pitalisten gegenüber als äußerliches Zwangsgesetz geltend." 2*)
       Die Festsetzung  des normalen Arbeitstages ist das Resultat eines
       vielhundertjährigen Kampfes  zwischen Unternehmer  und  Arbeiter.
       Und es  ist interessant, die zwei entgegengesetzten Strömungen in
       diesem Kampf  zu beobachten.  Anfangs haben die Gesetze zum Ziel,
       die Arbeiter zu zwingen, länger zu arbeiten; vom ersten Arbeiter-
       gesetz, im  23. Jahr  der Regierung  Edward III. (1349) erlassen,
       bis zum  18.Jahrhundert gelang  es den  herrschenden Klassen nie-
       mals, aus den Arbeitern das volle Quantum möglicher
       -----
       1*) Nach mir die Sündflut! - 2*) vgl. Band 23 unserer Ausgabe, S.
       284-286
       
       #305# Rezension des "Kapitals" für die "Fortnightly Review"
       -----
       Arbeit herauszupressen.  Doch mit  der Einführung  von Dampf- und
       moderner Maschinerie  wendete sich  das Blatt. Die Einführung der
       Frauen-und  Kinderarbeit  warf  so  schnell  alle  traditionellen
       Schranken der  Arbeitszeit um,  daß das 19. Jahrhundert mit einem
       System der  Überarbeitung begann,  das in der Weltgeschichte ohne
       Beispiel dasteht und das bereits 1802 die Gesetzgebung zwang, Be-
       schränkungen der  Arbeitszeit festzulegen.  Herr Marx  gibt einen
       umfassenden Bericht  über die Geschichte der englischen Fabrikge-
       setzgebung bis  zum Fabrikgesetz  von 1867  und gelangt zu diesen
       Schlußfolgerungen:
       1. Maschinerie und  Dampf führen zu einer Überarbeitung zuerst in
       den Industriezweigen,  in denen sie angewandt werden, und gesetz-
       liche Beschränkungen werden deshalb zuerst in diesen Zweigen ein-
       geführt. In der Folgezeit stellen wir jedoch fest, daß dieses Sy-
       stem der  Überarbeitung sich auf fast alle Zweige ausgedehnt hat,
       selbst auf  jene, in  denen keine Maschinerie angewandt wird oder
       in  denen   die   primitivsten   Produktionsweisen   fortbestehen
       (s i e h e  die Berichte der Kommission zur Untersuchung der Kin-
       derarbeit).
       2. Mit der  Einführung der Frauen- und Kinderarbeit in den Fabri-
       ken verliert  der vereinzelte "freie" Arbeiter seine Widerstands-
       kraft gegenüber  den Übergriffen des Kapitals und muß sich bedin-
       gungslos ergeben.  Das zwingt ihn zum gemeinsamen Widerstand; der
       Kampf Klasse  gegen Klasse,  Gesamtarbeiter gegen Gesamtkapitali-
       sten beginnt.
       Wenn wir  jetzt zu  dem Moment zurückkehren, wo wir annahmen, daß
       unser "freier" und "gleicher" Arbeiter einen Kontrakt mit dem Ka-
       pitalisten eingeht, stellen wir fest, daß sich im Produktionspro-
       zeß vieles  wesentlich geändert  hat. Dieser Kontrakt ist seitens
       des Arbeiters  kein freier  Kontrakt. Die tägliche Zeit, wofür es
       ihm freisteht, seine Arbeitskraft zu verkaufen, ist die Zeit, wo-
       für er gezwungen ist, sie zu verkaufen; und nur die Massenopposi-
       tion der  Arbeiter erzwingt  die Einführung eines Staatsgesetzes,
       um  sie   selbst  zu  verhindern,  sich  und  ihre  Kinder  durch
       "freiwilligen" Kontrakt  in Tod  und Sklaverei  zu verkaufen. "An
       die Stelle  des prunkvollen  Katalogs der  'unveräußerlichen Men-
       schenrechte' tritt  die bescheidne  M a g n a  C h a r t a  [174]
       eines gesetzlich beschränkten Arbeitstags." 1*)
       Als nächstes  haben wir  die  R a t e  des Mehrwerts und ihr Ver-
       hältnis zur   M a s s e   des produzierten Mehrwerts zu analysie-
       ren. Wie bisher, unterstellen wir in dieser Untersuchung, daß der
       Wert der Arbeitskraft eine gegebene, konstante Größe ist.
       -----
       1*) Siehe Band 23 unserer Ausgabe, S. 320
       
       #306# Friedrich Engels
       -----
       Unter dieser  Voraussetzung bestimmt  die Rate zugleich die Masse
       des Mehrwerts, die der einzelne Arbeiter in einer bestimmten Zeit
       dem Kapitalisten  liefert. Beträgt der Tageswert unserer Arbeits-
       kraft 3  sh., die  6 Arbeitsstunden  verkörpern, und die Rate des
       Mehrwerts 100  Prozent, so  produziert das variable Kapital von 3
       sh. täglich  einen Mehrwert  von 3 sh., oder der Arbeiter liefert
       täglich 6 Stunden Mehrarbeit.
       Da das  variable Kapital der Geldausdruck des Werts aller gleich-
       zeitig von  einem Kapitalisten  verwandten Arbeitskräfte  ist, so
       erhält man  die Masse  des durch  die Arbeitskräfte  produzierten
       Mehrwerts, indem  man das variable Kapital mit der Rate des Mehr-
       werts multipliziert;  mit anderen Worten, sie wird bestimmt durch
       das Verhältnis zwischen der Anzahl der gleichzeitig beschäftigten
       Arbeitskräfte und  dem Exploitationsgrad.  Beide Faktoren  können
       sich verändern,  so daß  die Abnahme  des einen durch Zunahme des
       anderen ersetzt  werden kann. Ein variables Kapital, das zur Ver-
       wendung von  100 Arbeitern  bei einer  Rate des  Mehrwerts von 50
       Prozent (sage  3 Stunden  täglicher Mehrarbeit) erforderlich ist,
       wird keinen  höheren Mehrwert  produzieren als  die Hälfte dieses
       variablen Kapitals,  das 50 Arbeiter bei einer Rate des Mehrwerts
       von 100  Prozent (sage 6 Stunden täglicher Mehrarbeit) verwendet.
       So kann  unter gewissen  Umständen und innerhalb gewisser Grenzen
       die dem Kapital zur Verfügung stehende Zufuhr der Arbeit unabhän-
       gig von der jeweiligen Arbeiterzufuhr werden.
       Diese Steigerung  des Mehrwerts  durch Steigerung seiner Rate hat
       jedoch ihre  absoluten Schranken.  Welches immer der Wert der Ar-
       beitskraft sein mag, ob er nun zwei oder zehn Stunden notwendiger
       Arbeitszeit verkörpern  werde, der  Gesamtwert, den  ein Arbeiter
       Tag für  Tag produziert,  kann nie den Wert erreichen, worin sich
       24 Arbeitsstunden  vergegenständlichen. Um eine gleiche Masse von
       Mehrwert zu  erhalten, kann  das variable  Kapital nur  innerhalb
       dieser Grenzen  durch Verlängerung  des Arbeitstages ersetzt wer-
       den. Dies wird später wichtig sein, um verschiedene Erscheinungen
       zu erklären,  die aus den zwei widersprechenden Tendenzen des Ka-
       pitals entstehen:  1. die beschäftigte Arbeiteranzahl zu reduzie-
       ren, i.e.  die Größe  des variablen  Kapitals, und  2.  doch  die
       größtmögliche Masse Mehrarbeit zu produzieren.
       Ferner: "Die  von verschiednen  Kapitalen produzierten Massen von
       Wert und  Mehrwert verhalten  sich bei  gegebnem Wert  und gleich
       großem Exploitationsgrad  der Arbeitskraft  direkt wie die Größen
       der variablen  Bestandteile dieser  Kapitale. Dies  Gesetz wider-
       spricht offenbar  aller auf  den   A u g e n s c h e i n  gegrün-
       deten Erfahrung.  Jedermann weiß,  daß ein  Baumwollspinner,  der
       relativ viel konstantes und wenig variables Kapital anwendet,
       
       #307# Rezension des "Kapitals" für die "Fortnightly Review"
       -----
       deswegen keinen  kleinren Gewinn  oder Mehrwert  erbeutet als ein
       Bäcker, der  relativ viel  variables und wenig konstantes Kapital
       in Bewegung setzt. Zur Lösung dieses scheinbaren Widerspruchs be-
       darf es noch vieler Mittelglieder, wie es vom Standpunkt der ele-
       mentaren Algebra vieler Mittelglieder bedarf, um zu verstehn, daß
       0/0 eine wirkliche Größe darstellen kann," 1*)
       Für ein  gegebenes Land  und eine gegebene Länge des Arbeitstages
       kann der Mehrwert nur vermehrt werden durch Vermehrung der Arbei-
       teranzahl, i.e.  der Bevölkerung; diese Vermehrung bildet die ma-
       thematische Grenze für die Produktion des Mehrwerts durch das Ge-
       samtkapital dieses  Landes. Wenn  andererseits die Arbeiteranzahl
       gegeben ist,  wird diese  Grenze gebildet durch die mögliche Ver-
       längerung des Arbeitstages. Später wird man sehen, daß dieses Ge-
       setz nur für die bisher analysierte Form des Mehrwerts gilt.
       In diesem  Stadium unserer  Untersuchung stellen  wir  fest,  daß
       nicht jede Geldsumme in Kapital verwandelt werden kann; daß dafür
       ein bestimmtes  Minimum existiert;  die Kosten einer einzigen Ar-
       beitskraft und  der Arbeitsmittel,  die notwendig sind, um sie in
       Bewegung zu setzen. Angenommen, die Rate des Mehrwerts betrage 50
       Prozent, dann  müßte unser werdender Kapitalist zwei Arbeiter be-
       schäftigen, um  selbst wie  ein Arbeiter  leben zu  können. Dabei
       könnte er  Jedoch nichts  sparen, aber Zweck der kapitalistischen
       Produktion ist  nicht nur  Erhaltung, sondern  auch und in erster
       Linie Vermehrung des Reichtums.
       "Damit er  nur doppelt  so gut lebe wie ein gewöhnlicher Arbeiter
       und die  Hälfte des  produzierten Mehrwerts in Kapital zurückver-
       wandle, müßte  er zugleich  mit der  Arbeiterzahl das Minimum des
       vorgeschoßnen Kapitals um das Achtfache steigern. Allerdings kann
       er selbst,  gleich seinem Arbeiter, unmittelbar Hand im Produkti-
       onsprozesse anlegen,  aber ist  dann auch nur ein Mittelding zwi-
       schen Kapitalist und Arbeiter, ein  'kleiner Meister'. Ein gewis-
       ser Höhegrad der kapitalistischen Produktion bedingt, daß der Ka-
       pitalist die  ganze Zeit,  während deren  er als Kapitalist, d.h.
       als personifiziertes  Kapital funktioniert, zur Aneignung und da-
       her Kontrolle  fremder Arbeit und zum Verkauf der Produkte dieser
       Arbeit verwenden  könne. Die Verwandlung des Handwerksmeisters in
       den Kapitalisten  suchte das  Zunftwesen des Mittelalters dadurch
       gewaltsam zu  verhindern, daß es die Arbeiteranzahl, die ein ein-
       zelner Meister beschäftigen durfte, auf ein sehr geringes Maximum
       beschränkte. Der Geld- oder
       -----
       1*) Vgl. Band 23 unserer Ausgabe, S. 325
       
       #308# Friedrich Engels
       -----
       Warenbesitzer verwandelt  sich erst  wirklich in  einen Kapitali-
       sten, wo  die für  die Produktion  vorgeschoßne Minimalsumme weit
       über dem  mittel-altrigen Maximum  steht. Hier, wie in der Natur-
       wissenschaft, bewährt  sich die Richtigkeit des von Hegel in sei-
       ner 'Logik' entdeckten Gesetzes, daß bloß quantitative Verändrun-
       gen auf einem gewissen Punkt in qualitative Unterschiede umschla-
       gen." 1*)
       Das Minimum  der Wertsumme,  das erforderlich ist, um einen Geld-
       oder Warenbesitzer  in einen Kapitalisten zu verwandeln, wechselt
       auf verschiedenen Entwicklungsstufen der kapitalistischen Produk-
       tion und  bei einer  gegebenen Entwicklungsstufe für verschiedene
       Geschäftszweige.
       Während des oben ausführlich behandelten Produktionsprozesses hat
       sich das  Verhältnis zwischen  Kapitalist und Arbeiter wesentlich
       verändert. In erster Linie hat sich das Kapital zum Kommando über
       die Arbeit,  i.e. über den Arbeiter selbst entwickelt. Das perso-
       nifizierte Kapital,  der Kapitalist,  paßt auf,  daß der Arbeiter
       seine Arbeit  regelmäßig, sorgfältig  und mit  dem gehörigen Grad
       von Intensität verrichte.
       "Das Kapital  entwickelte sich  ferner zu einem Zwangsverhältnis,
       welches die Arbeiterklasse nötigt, mehr Arbeit zu verrichten, als
       der enge  Umkreis ihrer  eignen Lebensbedürfnisse vorschrieb. Und
       als Produzent fremder Arbeitsamkeit, als Auspumper von Mehrarbeit
       und Exploiteur von Arbeitskraft übergipfelt es an Energie, Maßlo-
       sigkeit und  Wirksamkeit alle  frühern auf  direkter Zwangsarbeit
       beruhenden Produktionssysteme.
       Das Kapital ordnet sich zunächst die Arbeit unter mit den techni-
       schen Bedingungen,  worin es  sie historisch vorfindet. Es verän-
       dert daher nicht unmittelbar die Produktionsweise. Die Produktion
       von Mehrwert in der bisher betrachteten Form, durch einfache Ver-
       längrung des  Arbeitstags, erschien  daher von  jedem Wechsel der
       Produktionsweise selbst  unabhängig. Sie  war in der altmodischen
       Bäckerei nicht minder wirksam als in der modernen Baumwollspinne-
       rei.
       Betrachten wir  den Produktionsprozeß unter dem Gesichtspunkt des
       Arbeitsprozesses, so  verhielt sich der Arbeiter zu den Produkti-
       onsmitteln nicht als Kapital, sondern als bloßem Mittel und Mate-
       rial seiner zweckmäßigen produktiven Tätigkeit. In einer Gerberei
       z.B. behandelt  er die Felle als seinen bloßen Arbeitsgegenstand.
       Es ist  nicht der  Kapitalist, dem er das Fell gerbt. Anders, so-
       bald wir  den Produktionsprozeß  unter dem Gesichtspunkt des Ver-
       wertungsprozesses betrachteten.  Die Produktionsmittel verwandel-
       ten sich sofort in Mittel zur Einsaugung fremder Arbeit.
       -----
       1*) Siehe Band 23 unserer Ausgabe, S. 326/327
       
       #309# Rezension des "Kapitals" für die "Fortnightly Review"
       -----
       Es ist  nicht mehr der Arbeiter, der die Produktionsmittel anwen-
       det, sondern  es sind die Produktionsmittel, die den Arbeiter an-
       wenden. Statt   v o n  i h m  als stoffliche Elemente seiner pro-
       duktiven Tätigkeit  verzehrt zu werden,  v e r z e h r e n  s i e
       i h n   als Ferment ihres eignen Lebensprozesses, und der Lebens-
       prozeß des  Kapitals besteht  nur in  seiner  Bewegung  als  sich
       selbst verwertender Wert. Schmelzöfen und Arbeitsgebäude, die des
       Nachts ruhn  und keine  lebendige Arbeit  einsaugen, sind 'reiner
       Verlust' für  den Kapitalisten.  Darum konstituieren  Schmelzöfen
       und Arbeitsgebäude  einen 'Anspruch  auf die Nachtarbeit' der Ar-
       beitskräfte." (Siehe  "Berichte der  Kommission zur  Untersuchung
       der Kinderarbeit." 4. Bericht, 1865, Seite 79 bis 85.) "Die bloße
       Verwandlung des Geldes in Produktionsmittel verwandelt letztre in
       Rechtstitel und  Zwangstitel auf  fremde Arbeit  und Mehrarbeit."
       1*) Es  gibt jedoch noch eine andere Form des Mehrwerts. Wenn die
       äußerste Grenze des Arbeitstages erreicht ist, bleibt dem Kapita-
       listen noch ein anderes Mittel zur Erhöhung der Mehrarbeit: durch
       Steigerung der  Produktivkraft der  Arbeit, durch daraus folgende
       Senkung des Werts der Arbeitskraft und Verkürzung der notwendigen
       Arbeitszeit. Diese Form des Mehrwerts wird in einem zweiten Arti-
       kel untersucht werden.
       Geschrieben zwischen dem 22. Mai und 1. Juli 1868.
       Nach der Handschrift.
       
       Aus dem Englischen.
       -----
       1*) Vgl. Band 23 unserer Ausgabe, S. 328/329

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