Quelle: MEW 16 September 1864 - Juli 1870
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Karl Marx
Mein Plagiat an F. Bastiat [182]
In.......................... 1*) entdeckt ein Bastiatit, daß ich
die Bestimmung der W e r t g r ö ß e der Waren durch die zu ih-
rer Produktion "gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit" dem F.
Bastiat abstibitzt habe, und noch dazu in verballhornter Form.
Ich könnte mir dies Quiproquo schon gefallen lassen. Wenn nämlich
dieser Bastiatit Nr. I Bastiats und meine Wertbestimmungen der
Sache nach identisch findet, erklärt ein Bastiatit Nr. II ziem-
lich gleichzeitig in dem Leipziger "Literarischen Centralblatt"
vom........................:"....................................
....................................................." 2*)
Durch Addition von Bastiatit Nr. I zu Bastiatit Nr. II ergäbe
sich also das Fazit, daß das ganze Heer der Bastiatiten jetzt in
mein Lager übergehn und meine Entwicklungen über das Kapital in
Bausch und Bogen annehmen müßte. Man begreift, daß ich nur nach
hartem Seelenkampf auf solche Annexationsfreuden verzichte.
Die in meiner Schrift "Das Kapital", 1867, enthaltene Wertbestim-
mung findet sich schon 2 Dezennien früher in meiner Schrift gegen
Proudhon: "Misère de la Philosophie", Paris 1847. (p. 49 seqq.
3*)) Bastiats Wertweisheit kam erst einige Jahre später auf die
Welt. [183] Ich konnte daher nicht den Bastiat abschreiben, wohl
aber der Bastiat mich.
Jedoch gibt Bastiat in der Tat gar keine Analyse des Werts. Er
tritt nur begriffslose Vorstellungen breit, zum tröstlichen Nach-
weis, daß "die Welt voll großer, trefflicher, täglicher Dienst'"
[184] ist. Die deutschen
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1*) In der Handschrift freigelassener Platz für den Titel
"Vierteljahrschrift für Volkswirtschaft und Kulturgeschichte" -
2*) in der Handschrift freigelassener Platz für das Datum - 4.
Juli 1868 - und folgendes Zitat: "Die Zurückweisung der Werttheo-
rie ist die einzige Aufgabe desjenigen, der Marx bekämpft; denn
wenn dies Axiom zugegeben ist, muß man Marx die mit strengster
Logik gezogenen Konsequenzen fast alle zugestehen." - 3*) siehe
Band 4 unserer Ausgabe, S. 98 ff.
#313# Mein Plagiat an F. Bastiat
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Bastiatiten sind bekanntlich alle nationalliberal. Ich leiste ih-
nen also auch "großen, trefflichen Dienst" durch einen Fingerzeig
auf den s p e z i f i s c h p r e u ß i s c h e n U r-
s p r u n g des Bastiatschen Weisheitsfundes. Der alte
S c h m a l z war nämlich preußischer Regierungsrat, wenn ich
nicht irre, sogar geh. pr. Regierungsrat. Er war außerdem Demago-
genriecher [185]. Dieser alte Schmalz also veröffentlichte 1818
zu Berlin ein "Handbuch der Staatswirthschaftslehre". Die franzö-
sische Übersetzung seines Handbuchs erschien 1826 zu Paris unter
dem Titel: "Économie Politique". Der Übersetzer, Henri Jouffroy,
figurierte auf dem Titel als "Conseiller au Service de Prusse"
1*). In folgendem Zitat wird man die Bastiatsche Wertvorstellung
nicht nur dem Inhalt, sondern selbst dem Wortlaut nach quintes-
senzlich vorfinden:
"Le travail d'autrui en général ne produit jamais pour nous
qu'une économie de temps, et [que] cette économie de temps est
tout ce qui constitue sa valeur et son prix. Le menuisier, par
exemple, qui me fait une fable, et le domestique qui porte mes
lettres à la poste, qui bat mes habits, ou qui cherche pour tnoi
les choses qui me sont necessaires, me rendent l'un et l'autre un
service absolument de même nature; l'un et I'autre m'épargne et
le temps que je serais obligé d'eraployer moi-même à ces occupa-
tions, et celui qu'il m'aurait fallu consacrer à acquérir
l'aptitude et les talents qu'elles exigent." 2*) (Schmalz, l.c.
t. I. p. 304.)
Man weiß also jetzt, wo Bastiat sein Fett, ich wollte sagen, sein
Schmalz hergeholt hat.
Geschrieben um den 11. Juli 1868.
Nach der Handschrift.
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1*) "Preußischer Regierungsrat" - 2*) "Die Arbeit anderer bringt
uns überhaupt nur eine Zeitersparnis, und diese Zeitersparnis ist
alles, was ihren Wert und ihren Preis ausmacht. Der Tischler,
welcher mir einen Tisch verfertigt, und der Bediente, welcher mir
Briefe auf die Post trägt, meine Kleider reinigt und die mir nö-
tigen Dinge holt, beide tun mir ganz gleichen Dienst; sie erspa-
ren mir die Zeit, und zwar zwiefache Zeit; die erste die, welche
ich jetzt aufwenden müßte, um das selbst zu tun; die zweite die,
welche ich hätte anwenden müssen, um mir die Geschicklichkeit
dazu zu erwerben."
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